DICTUM

Al

  • Alle neuere Musik wird auf zweierlei Weise behandelt, entweder dass man sie als eine selbständige Kunst betrachtet, sie in sich selbst ausbildet, ausübt und durch den verfeinerten äußeren Sinn genießt, wie es der Italiener zu tun pflegt, oder dass man sie in bezug auf Verstand, Empfindung, Leidenschaft setzt und sie dergestalt bearbeitet, dass sie mehrere menschliche Geistes- und Seelenkräfte in Anspruch nehmen könne, wie es die Weise der Franzosen, der Deutschen und aller Nordländer ist und bleiben wird.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Rameaus Neffe. Anmerkungen
  • Alle Neuerer, die die Demokratie als Sprungbrett zur Macht benützen, finden sie lästig, sobald sie zur Macht gelangt sind.
    Shaw
  • Alle Neuerung ist verdächtig.
    bm] Novoty křivoty.
  • Alle neun werfen.
  • Alle neun, wie Kegel-Jochen.
  • Alle Nieswurz von Ancyren kann sein Hirn nicht mehr kurieren.
  • Alle Nögle ere ei bundne ved en Kones Laar.
    en] All keys hang not at one woman's girdle.
  • Alle Notsachen muss man mit Kampf beschlagen.
    info] Alle Körperverletzungen fielen dem gerichtlichen Zweikampf zur Entscheidung anheim.
    zit] Mit der blutigen Wunde (Fleischwunden ausgenommen) oder auch deren Narbe und mit kämpflichen Worten mag ein Mann den andern zum Kampfe empfangen. Jede Lähmung ist mit Kampf zu beantworten.
    altfries] Alle ned kesta skelma mith campe bisla.
  • Alle nozze e ai mortori si conoscon gli amici.
  • Alle oarme Leut hoben gute Lewuwes.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Arme Leute haben gute Herzen. Es ist hier aber ironisch von denen die Rede, die gern wohltun auf fremde Kosten; die selber nichts haben und aus dem Beutel anderer austeilen oder die Hungrigen aus fremder Küche speisen.
  • Alle officiën smerig, zei de kosters wrouw, tom zij een eindje kaars nit de kerk krug.
  • Alle officiën zijn smerig, behalve dat van Kaarsen niaker, dat 's vettig.
  • Alle organischen Bewegungen manifestieren sich durch Diastolen und Systolen.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Botanik - Fragmente - Pflanzen und Tiere
  • Alle paar Minuten.
    es] Cada dos por tres.
  • Alle Parteien sind, wenn sie nach Macht streben, ausnahmslos Abarten des Absolutismus.
    Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865)
  • Alle Pfaffen sind gleich, nur Kappen und Röcke sind verschieden.
  • Alle Pfeile treffen nicht.
  • Alle Pfeile verschossen haben.
  • Alle Pflanzen sind unsere Brüder und unsere Schwestern. Sie sprechen mit uns, und wenn wir zuhören, können wir sie hören.
  • Alle Pflanzen sind unsere Geschwister. Wenn wir zuhören, hören wir sie sprechen.
  • Alle Pfuscher sind es, im letzten Grunde, dadurch, dass ihr Intellekt, dem Willen noch zu fest verbunden, nur unter dessen Anspornung in Tätigkeit gerät, und dahereben ganz in dessen Dienste bleibt. Sie sind demzufolge keiner andern als persönlicher Zwecke fähig. Diesen gemäß schaffen sie schlechte Gemälde, geistlose Gedichte, seichte, absurde, sehr oft auch unredliche Philosopheme, wann es nämlich gilt, durch fromme Unredlichkeit sich hohen Vorgesetzten zu empfehlen. All ihr Tun und Denken ist also persönlich. Daher gelingt es ihnen höchstens, sich das Äußere, Zufällige und Beliebige fremder, echter Werke als Manier anzueignen, wo sie dann, statt des Kerns, die Schale fassen, jedoch vermeinen, alles erreicht, ja jene übertroffen zu haben.
    Arthur Schopenhauer (1788-1860), Welt als Wille und Vorstellung, II, 3
  • Alle Philosophie ist nur Ausdruck und Umschreibung der uns fehlenden Worte.
    Alexander Moszkowski (1851-1934), Das Geheimnis der Sprache
  • Alle Philosophie über die Natur bleibt doch nur Anthropomorphismus, das heißt der Mensch, eins mit sich selbst, teilt allem, was er nicht ist, diese Einheit mit, zieht es in die seine herein, macht es mit sich selbst eins.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), zu Riemer, 2. Aug. 1807
  • Alle Pilze kann man nicht in den Korb legen.
    ee] Kõik seened ei kõlba korvi panna.
  • Alle plötzlichen Dämmerungen sind nur die der Sonnenfinsternisse und also keine wachsende, sondern ebenso plötzlich verschwindende.
    Jean Paul (1763-1825), Politische Fastenpredigten
  • Alle Pöbelbeglückungs-Versuche und Schwanenverbrüderungen müssen scheitern, die aus dem Prinzip der Liebe entspringen. Nur aus dem Egoismus kann dem Pöbel Hilfe werden.
    Max Stirner (1806-1856), Der Einzige und sein Eigentum
  • Alle Poesie ist rein!
    Friederike Kempner (1828-1904), Heinrich Heine
  • Alle Poesie soll belehrend sein, aber unmerklich, sie soll den Menschen aufmerksam machen, wovon sich zu belehren wert wäre, er muss die Lehre selbst daraus ziehen, wie aus dem Leben.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), an Zelter, 26.11.1825? Nachschrift
  • Alle Polemik ist unkünstlerisch.
    Jakob Bosshart (1862-1924), Bausteine
  • Alle Politik muss ihre Knie vor dem Recht beugen.
    Immanuel Kant (1724-1804), deutscher Philosoph
  • Alle politischen Fragen, alle Fragen des Rechts, sind im Grunde nur Machtfragen.
    August Bebel (1840-1913), deutscher Politiker, Mitbegründer der SPD
  • Alle politischen Gebilde sind Gewaltgebilde.
    Max Weber (1864-1920), Politik als Beruf
  • Alle positiven und geoffenbarten Religionen sind folglich gleich wahr und gleich falsch.
    Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), Über die Entstehung der geoffenbarten Religion
  • Alle Pracht des Orients hat doch am Ende nichts Höheres wie die liebenden Herzen.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), S. Boisserée, 4.8.1815
  • Alle Praktiken der Orden, der solitären Philosophen, der Fakirs sind von dem richtigen Wertmaße eingegeben, dass eine gewisse Art Mensch sich noch am meisten nützt, wenn sie sich soviel wie möglich hindert, zu handeln.
    Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900), Wille zur Macht
  • Alle praktische Menschen suchen sich die Welt handrecht zu machen, alle Denker wollen sie kopfrecht haben. Wie weit es jedem gelingt, mögen sie zusehen.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 924
  • Alle Priester sollen arm sein und nichts haben als das Almosen.
    Jan Hus (1369-1415), Glaubensartikel (überliefert von Siegmund Meisterlin: Chronik Nürnbergs)
  • Alle privilegierten Priester haben sich verbündet mit Cäsar und Konsorten zur Unterdrückung der Völker.
    Heinrich Heine (1797-1856), Deutschland, Von Luther bis Kant
  • Alle Qualen werden nicht gewogen.
  • Alle Quellen versiegen.
    la] Baccae egent oleo.
  • Alle qvinder ere gode lutherske de praedike heller end de høre messe.
  • Alle Raben auf der Welt sind schwarz.
    China
  • Alle Raben sind schwarz und alle Gutsherrn böse.
    China
  • Alle Raben unter dem Himmel sind schwarz.
  • Alle Räder stehen still,
    Wenn dein starker Arm es will!
    Georg Herwegh (1817-1875), Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein
  • Alle Räder und Rädchen wollen Schmiere haben.
    ee] Kõik rattad ja rattakesed tahavad määret saada.
  • Alle Rätsel der Welt, so schwierig sie sich auch entbieten, sind ein Muster an Einfachheit, sobald ihre Lösung bekannt ist.
  • Alle Reden halten sich nicht auf dem Wasser.
    Finnland
    fr] Ce n'est pas tout évangile, ce que l'on dit par la ville.
  • Alle reden vom Energiesparen. Ich spare meine.
  • Alle Regeln und Formen der Höflichkeit enthalten die Verkörperung eines nach Ausdruck ringenden Innerlichen; der Gedanke, der Geist hat sie alle geschaffen, es gibt keine einzige, die ohne ihn in die Welt gekommen wäre, das heißt, es hat niemals eine Höflichkeitsform gegeben, die von allem Anfang an bedeutungslos gewesen wäre.
    Rudolf von Ihering (1818-1892), Der Zweck im Recht
  • Alle Regeln, alle Art zu arbeiten beruht auf Zweck. Ein Werk bloß für die Kunst machen heißt, ein Ziel in der freien Luft treffen wollen.
    Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen
  • Alle Regierung beruht auf Meinung, und das gilt für die freieste und populärste Regierung ebenso wie für die despotischste und militärischste.
    David Hume (1711-1776)
  • Alle Regierungen fordern blinden Glauben, sogar die göttliche.
    Friedrich Hebbel (1813-1863)
  • Alle Regierungen, seien sie noch so unabhängig, sind en dernier lieu nur die Vollstrecker der ökonomischen Notwendigkeiten der nationalen Lage.
    Friedrich Engels (1820-1895)
  • Alle Regierungs- und Verwaltungsgeschäfte erfordern die vereinigte Wirkung vieler Menschen.
    Christian Garve (1742-1798), Uber Gesellschaft und Einsamkeit
  • Alle Regierungsformen werden mit der Zeit unzulänglich.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Riemer, 20.2.1828
  • Alle Register ziehen (o. spielen lassen)
    en] to pull all the stops - to go it strong
    fr] mettre tout en oeuvre - employer (o. recourir à) tous les moyens
    it] ricorrere a (o. valersi di) ogni mezzo
  • Alle Register ziehen.
  • Alle reichen Leute sind seine Vettern.
    nl] Alle rijke lieden zijn zijne magen.
  • Alle Reichtümer kommen aus der Erde.
  • Alle Reichtümer, die unrechtmäßig erworben werden, zerschmelzen in den Händen ihres Besitzers wie ein Schneeball.
  • Alle reinen Segenskräfte der Menschheit sind nicht Gaben der Kunst und des Zufalls, im Innern der Natur aller Menschen liegen sie mit ihren Grundanlagen. Ihre Ausbildung ist allgemeines Bedürfnis der Menschheit.
    Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), Die Abendstunde eines Einsiedlers
  • Alle Reisebeschreibungen sind mir, als wenn ich in meine flache Hand sähe.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), an Schiller, 4.5.1802
  • Alle Reiskörner auf eurer Tafel sind mit dem Schweiße des Landmanns befeuchtet.
  • Alle Reize sind relativ - sind Größen - bis auf Einen, der ist absolut - und mehr als Größe.
    Novalis (1772-1801), Aphorismen, III. Politische Aphorismen
  • Alle Religion ist Feuerkult.
    Oswald Spengler (1880-1936), Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass
  • Alle Religionen sind gleich falsch und gleich nützlich.
  • Alle Religionen sind Trittsteine zurück zu Gott.
  • Alle Religionen, die sich mit der Regierung verbunden haben, stehen der Freiheit mehr oder weniger feindlich gegenüber.
    Henry Clay (1777-1852), US-amerikanischer Politiker
  • Alle rennen aus dem brennenden Haus, außer Klaus, der guckt raus.
  • Alle riechen den Weihrauch gern, der ihnen gestreuet wird, aber nicht jeden darf man auf gleich grobe Art einräuchern.
    Adolph Knigge (1752-1796), Über den Umgang mit Menschen
  • Alle rijke lieden zijn zijne magen.
  • Alle Rippen im Leibe tun mir weh.
  • Alle rivieren lopen in die see.
  • Alle roten Fahnen, die die Völker, eins nach dem anderen bald hissen werden, wenn sie ans Weiterleben denken, sind einander ähnlich, wie alle Völker und alle Menschen sich ähnlich sehen.
    Henri Henri Barbusse (1873-1935), Der Schimmer im Abgrund
  • Alle Ruten in ein Bündel packen.
    Altrömisch
    info] Von denen, die viel Dinge in eins zusammenfassen, sie leichter tragen zu können.
  • Alle Sachen kann Herr Ego am besten machen.
  • Alle Sachen, die wir haben, sind Geschenk und Gottes Gaben.
    la] Omnia voluntate Dei.
  • Alle sagen, sie seien gut, aber wer kann das Geschlecht einer Krähe bestimmen?
    China
  • Alle sagen, wie traurig es ist, dass uns der Tod nicht erspart bleibt! - Klingt das nicht seltsam im Munde von Leuten, denen das Leben nicht erspart geblieben ist?
    Mark Twain (1835-1910), Querkopf Wilson
  • Alle sagten: Es geht nicht. Da kam einer, der das nicht wusste und tat es einfach.
  • Alle Saiten anspannen.
    info] Alle Mittel anwenden, um seinen Zweck zu erreichen.
    fr] Employer le vert et le sec.
    fr] Il y va à rames et à voiles.
    nl] Al de snaren van de viool spannen.
  • Alle saueren Moralisten hielten ihr Zeitalter für das schändlichste, und sie haben alle Recht, denn die gegenwärtige Schande ist immer die größte.
    Johann Gottfried Seume (1763-1810), Apokryphen
  • Alle Schaltjahr einmal.
    info] Von etwas, das selten geschieht.
    ndt] All Schaltjoor amool.
  • Alle Schande sagt man einem, wenn man ihn undankbar nennt.
    la] Dixeris male dicta cuncta, cum ingratum hominem dixeris.
  • Alle Schellen an ein Pferd hängen.
    en] I'll not hang all my bells on one horse.
  • Alle Schelmenstücke zu verblümen wissen.
  • Alle Scheu und Scham ablegen.
    la] Faciem s. frontem perfricare.
  • Alle Schiffe haben ein Leck.
    Italien
  • Alle Schiffe sind gut, so lange sie auf der Werft liegen.
  • Alle schimpfen über den Bundeskanzler - dabei macht er doch gar nichts.
  • Alle Schläge tun nicht wehe.
    mhd] Alle slege en doent nicht wê.
    la] Omnia non semper mortales verbera laedunt.
  • Alle Schläge verwunden, der letzte tötet.
    la] Vulnerant omnes, ultima necat.
  • Alle Schlauheit ist flau (klein, gering, unbedeutend) gegen die Frau.
  • Alle schlechten Menschen wohnen hinterm Ural.
  • Alle Schliche kennen.
  • Alle schlimmen Fälle (o. Taten) sind verneinbar.
    info] Niemand gesteht gern seine Schande.
  • Alle Schlüssel an einen Haken hängen.
  • Alle Schlüssel hängen nicht am Gürtel einer Frau.
  • Alle Schlüssel hängen nicht an einem (o. eines Mannes) Gürtel.
    England
    en] All keyes hang not on one girdle.
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