DICTUM

Al

  • Alle Sterne am Himmel grüßen den Polarstern, alle Flüsse der Erde fließen anch Osten.
    info] In China fließen die Flüsse tatsächlich nach Osten. Gemeint ist hier, dass es wie im Staat Herrscher im Universum Fixpunkte und Gesetze gibt, denen sich alles unterordnet.
  • Alle Stich zieh' ich, sagt der Schuster, und das muss halten.
  • Alle Stiche verlieren.
  • Alle Straßen führen in zwei Richtungen.
  • Alle Straßen führen nach Rom.
    it] Tutte le strade portano a Roma.
  • Alle streben nach Gewinn, doch wenige erzielen ihn.
  • Alle streben nach Wohlstand, aber nur wenige bringen es zu Wagen und Dienerschaft; manche Menschen entbehren des Weibes, wo doch alle möglichen Weiber hundertfach vorhanden sind.
    Mahabharata (400 v. Chr.)
  • Alle streng eingekerkerten Kräfte zerreißen und zerstören.
    Charles Dickens (1812-1870), Harte Zeiten
  • Alle Stümme wöllen a S'ach (viel) reden.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Man will gern seine Fehler verbergen und das scheinen, was man nicht ist. Stumme wollen am meisten reden.
  • Alle Stummen wollen viel reden.
  • Alle Stund ein Schritt und alle Wirtshäuser Einkehr ist übel gehauset.
  • Alle Stunden ein ander Gesicht machen.
    info] Wer sich gar nicht gleich bleibt.
  • Alle Stunden einen Esslöffel, sagt der Doktor.
    info] Vom allmählichen Gebrauch einer Sache, wenn etwas in kleinen Portionen gebraucht werden soll.
    Jüdisch-deutsch] Alle Schû (Stunde) an Esslöffel.
  • Alle Stunden umfasse mit beiden Armen. So wirst du weniger vom Morgen abhängen, wenn auf das Heute du die Hand legst.
    Lucius Annaeus Seneca (1-65), Briefe an Lucilius
  • Alle Stunden verwunden, die letzte aber tötet.
    la] Vulnerant omnes, ultimat necat. Inschrift auf Sonnenuhren
  • Alle Stunden
    Schlagen dir Wunden.
    In der letzten
    Wirst du gesunden!
  • Alle südlichen Nationen würden eine unendliche Langeweile finden, wenn sie gegen die Ihrigen sich in der fortdauernden, wechselseitigen Spannung erhalten sollten, wie es die Nordländer gewohnt sind.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Winckelmann und sein Jahrhundert - Gesellschaft
  • Alle Sünde büßt sich selbst.
  • Alle sünden geschehen freiwillig.
    la] Omne peccatum voluntarium.
  • Alle Sünden in eine münden.
  • Alle Sünden kann man verzeihen, nur die Dummheit nicht!
  • Alle Sünden widerstreiten der Klugheit, wie auch alle Tugenden von der Klugheit ihre Richtschnur empfangen.
    Thomas von Aquin (1225-1274), Summa theologica
  • Alle Tag ein Stückerl weiter, alle Tag ein bisserl gescheiter.
  • Alle Tag gleich satt, macht zuletzt eine wüste Hofstatt.
    Hessen
  • Alle Tag weh, stirbt nimmermeh.
    info] Wer dauernd klagt, ist meist gar nicht so krank. Scherzhafter Spott bei immer Klagenden, oder Ausdruck liebloser Ungeduld in Betreff Kranker, deren Pflege sehr lästig wird.
  • Alle Taga voll und übersatt, all Wochen zwey mal im Bad machen endlich eine böse Hofstatt.
  • Alle Tage anders.
    info] Scherzhafte Antwort auf die Frage, wie jemand heiße, wenn er den Namen 'Anders' führt.
  • BIER
  • Alle tage Bier satt, alle wochen zwier Bad macht eine wüste Hofstadt. - Herberger, I, 610.
  • Alle Tage dient mir das dumme Benehmen eines anderen zur Warnung und zur Belehrung, was sticht, trifft und weckt uns sicherer, als was uns angenehm ist.
    Michel de Montaigne (1533-1592), Die Essais
  • Alle Tage ein ander Werk.
    la] Fininut pariter, renovant que labores gantur.
  • Alle Tage ein Fädlein ist ein Hemdsärmel im Jahr.
    nl] Alle dagen een draadje is een hemdsmouw in het jaar.
  • Alle Tage einen Faden macht des Jahres ein Hemd.
  • Alle Tage einen Stich macht das (o. im) Jahr noch keinen Schuh.
    la] Otia dant vitia.
  • Alle Tage einen Stich macht im Jahr noch keinen Schuh.
  • Alle Tage einmal, ist keine Qual.
  • Alle Tage findet sich bei einem alten Mann etwas Neues.
    info] Nämlich ein neues Gebrechen.
  • Alle Tage gleich satt, macht zuletzt eine wüste Hofstatt.
  • Alle Tage Huhn im Topf
    und Gans im Bett - man kriegt es satt.
    Kurt Tucholsky (1890-1935), Wie man's macht
  • Alle Tage ist kein Sonntag.
    en] Sunday does not come every day.
    fr] Ce n'est pas tous les jours fête.
  • Alle Tage ist nicht Sonntag.
  • Alle Tage ist's nicht Feiertag, als für die Narren.
  • Alle Tage Kapaun und nie was Frisches, klagte die Kammerjungfer.
    nl] Altijd kapoenen, nimmermeer wat versch.
  • Alle Tage König Artus vnd Crösus Hof halten.
  • Alle Tage Kraut, dass dich die Bockshaut, wer hätt's dem Pitter zugetraut.
  • Alle Tage sind gleich lang, jedoch verschieden breit.
    geflügeltes Wort
  • Alle Tage sind immer Esstage, nicht alle sind Erwerbstage.
    Estland
  • Alle Tage sing' und sage: Lob der Himmelskönigin.
    la] Omnia die, die Mariae.
  • Alle Tage um den Herd, ist des Sündags unwêrt (schämenswert).
    info] Wenn ein Frauenzimmer ihren besten Kleiderstaat in der Woche am Herde aufschleppt, so hat sie Sonntags nichts Angemessenes anzuziehen.
  • Alle Tage voll macht das Haus leer.
  • Alle Tage vollauf und vollen Kropf haben.
  • Alle Tage was macht am Ende des Jahres einen Haufen.
    nl] Alle dagen wat maakt aan het einde des jaars een grooten hoop.
  • Alle Tage was Neues! sagte die Katz, als sie sich das Maul verbrannte.
  • Alle tage weh, stirbt nimmermeh.
    la] Multum decubare, et nunquam espirare. = Qui semper aegrotant, duitissime vivant.
  • Alle Tage, die Gott verleiht.
    nl] Alle dagen, die God verleent.
  • Alle tagen Martinstag (10.11.), zechevoll frühe und spatt, in die wochn zwier ins badt machen eine lere hofstadt.
  • Alle Tannen haben Ohren.
  • Alle Tassen im Schrank haben.
  • Alle Tätigkeit, die nicht von den Göttern ausgeht, ist des Menschen unwürdig. Es ist also gut, sich in Vorrat zu setzen.
    Friedrich Schlegel (1772-1829), Über die Philosophie
  • Alle Tatmenschen sind Träumer.
    England
  • Alle taugen nicht zum Herrschen.
  • Alle Teile des Kults sowie alle Prinzipien des katholischen Dogmas zielen darauf ab, die Laien in absolute Abhängigkeit vom Klerus zu bringen.
    Henri de Saint-Simon (1760-1825), Neues Christentum
  • Alle Theorie ist grau, außer in der Politik, wo sie auch rot, schwarz oder grün sein kann.
  • Alle Theorie ist grau, und nur der Wald und die Erfahrung sind grün.
  • Alle Theorie und alle Praxis sollten auf den praktischen Nutzen gerichtet sein. Dinge, die sich nicht miteinander vertragen, sollten auch nicht nebeneinander bestehen.
  • Alle Tiefen des Daseins liegen in einer großen, reichen Seele, und sie werden immer klarer dem, der das Glück hat, in einer solchen eigentlich heimisch zu werden.
    Wilhelm von Humboldt (1767-1835), an Karoline, 29. 6. 1809
  • Alle Tier und vöglein seind so weiß, sie ruhen ein stündlein auf die speis'.
    fr] Souvent les bêtes montrent à vivre aux hommes.
  • Alle Tier' ein Paar sind miteinander, drum auch der Mensch will sein selbander.
  • Alle Tiere folgen der Natur.
    mhd] Alle deirte volgen der natûr.
    la] Omnia naturae parent animantia passim.
    mhd] ein adelig tier, en edeler boum die habent von art ouch edelen zoum.
  • Alle Tiere fressen die Cassaba, aber das Kaninchen allein bekommt die Schuld.
    info] Wer einmal einen schlimmen Ruf hat, dem wird alles Böse nachgesagt, er muss stets der Sündenbock sein.
  • Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere.
    geflügeltes Wort
  • Alle Tiere, die etwas mit den Pfoten fassen können, können es auch mit dem Kopf, Affen, Papageien, Biber.
    Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Aphorismen (Sudelbücher), 1773 - 1775
  • Alle Tiere, welche gehen, werden am Bratspieß anhalten.
  • Alle Tierlein leben gerne.
  • Alle Tierlein ohne Augen zum Graben gut im finstern taugen.
  • Alle Tierlein sind so weis', sie ru'hn ein' Weil' auf ihre Speis'.
  • Alle totalen Systeme geraten in Schwierigkeiten, sobald die öffentliche Meinung es nicht mehr zuläßt, Andersdenkende zu liquidieren.
  • Alle tragen wir einen Narren unter der Kappe, aber der eine kann ihn besser verbergen als der andere.
  • Alle Träume der Katzen spielen nur unter Mäusen.
  • Alle Träume sind Lügen.
    fr] Tous songes sont mensonges.
  • Alle Träume spinnen aus dem gleichen Netz.
  • Alle tre nebbie acqua.
  • Alle treibt ihr mit dem Glück eure Spiel' und Possen; wenn es euch ein Beinchen stellt, seid ihr gleich verdrossen.
    Wilhelm Müller (1794-1827), Sprüche
  • Alle Trübseligkeit und Krankheit ist vom Teufel, nicht von Gott. Gott erlaubt aber dem Teufel, uns zu schaden, wenn er verachtet wird.
    Martin Luther (1483-1546), Tischreden
  • Alle trügerischen Lehren, welche das Herz Lügen straft, überzeugen nicht.
    Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Emile
  • Alle Trümpfe in der Hand haben
    en] to have all the trumps in o's hand - to hold all the trumps (o. cards)
    fr] avoir tous les atouts en main (o. dann son jeu)
    it] avere l'asso nella manica (o. il coltello per il manico)
  • Alle Tugend aus Vorsatz taugt nicht viel. Gefühl oder Gewohnheit ist das Ding.
    Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Aphorismen (Sudelbücher), 1784 - 1788
  • Alle Tugend hat aufgehört, Gerechtigkeit ist auch zerstört; der Geistlich irrt, das Geld regiert, die Simonie hat die Welt verführt.
  • Alle Tugend muss sich an den stab der bestendigkeit halten, sonst stehn sie wie ein schatten.
  • Alle Tugenden aus Nachahmung sind Affentugenden, eine gute Handlung ist sittlich gut, nur wenn man sie als solche tut, nicht weil andere sie tun.
    Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Emile
  • Alle Tugenden sind eine Tugend.
    Schau alle Tugenden ist ein' ohn unterscheid:
    Wiltu den Nahmen hörn? sie heist Gerechtigkeit.
    Angelus Silesius (1624-1677), Cherubinischer Wandersmann, Fünfftes Buch, Geistreicher Sinn- und Schluß-Reimen, 172
  • Alle Tugenden sind in Gefahr, wenn die Kindesliebe angegriffen wird.
    China
  • Alle tun Gottes Werk, ob sie wollen oder nicht.
    Und wie schön ist es, zu wollen.
    Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910), Tagebücher (1889)
  • Alle Türen führen ins Haus, aber auch hinaus.
  • Alle Türen stehen ihm offen.
    en] all doors are (o. every door is) open to him.
    fr] toutes les portes lui sont ouvertes.
    it] ha tutte le porte aperte
  • Alle Türen verschlossen finden.
  • Alle Übel sind unversuchtes Gutes.
    Schottland
  • Alle Übergänge sind Krisen, und ist eine Krise nicht Krankheit?
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Lehrjahre VIII,1
  • Alle Überzeugung ist unabhängig von der Naturwahrheit. Sie bezieht sich auf die magische, oder die Wunderwahrheit. Von der Naturwahrheit kann man nur überzeugt werden, insofern sie Wunderwahrheit wird. Aller Beweis fußt auf Überzeugung, und ist mithin nur ein Notbehelf im Zustand des Mangels an durchgängiger Wunderwahrheit. Alle Naturwahrheiten beruhen demnach ebenfalls auf Wunderwahrheit.
    Novalis (1772-1801), Aphorismen und Fragmente, 1798-1800
  • Alle üble Nachrede hat ihren Grund vorzüglich im Neide, weshalb denn Leute mit fehlgeschlagenen Hoffnungen mehr zum Räsonieren und Skandalisieren aufgelegt sind als Leute, denen es wohl geht.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Eckermann, 4.9.1829
  • Alle ungebildeten Menschen werden durch den Stoff, nicht durch die Behandlung interessiert.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Entwurf zu einem Volksbuch historischen Inhalts
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