DICTUM

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  • Alle Unkinder oder Hurenkinder haben gunst und ehre, loser und unverständiger Leute.
  • Alle Unklarheit hat eine Ursache - die Menschen erkennen nicht, dass Leben Teilnehmen an der Vervollkommnung der eigenen Person und des Lebens heißt.
    Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910), Tagebücher (1895)
  • Alle unmittelbare Aufforderung zum Ideellen ist bedenklich, besonders an die Weiblein. Wie es auch sei, umgibt sich der einzelne bedeutende Mann mit einem mehr oder weniger religios-moralisch-ästhetischen Serail.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 802
  • Alle Unparteilichkeit ist artifiziell. Der Mensch ist immer parteiisch und tut sehr recht daran. Selbst Unparteilichkeit ist parteiisch. Er war von der Partei der Unparteiischen.
    Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Aphorismen (Sudelbücher), 1776 - 1779
  • Alle Unruhe kömmet von bösen Leuten.
  • Alle unselige (unwirtschaftliche) Weiber werden im Wochenbett selig (wirtschaftlich).
  • Alle unser sinn und mut steht nu na geld und gut, und wen wi dat erwerben, so legge wi uns nedder und sterben.
  • Alle unsere Akademien haben noch barbarische Formen, in die man sich finden muss, und der Parteigeist, der meistens Kollegen trennt, macht dem Friedfertigsten das Leben am sauersten und füllt die Lustörter der Wissenschaften mit Hader und Zank.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
  • Alle unsere besten Gedanken haben wir in einer Art von Fieber-Rausch, im Fieber von Kaffee erregt.
    Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Aphorismen (Sudelbücher), 1775 - 1776
  • Alle unsere Eigenschaften sind ungewiss und zweifelhaft, sowohl die guten wie auch die bösen, und sie sind fast alle den Gelegenheiten zu verdanken.
    François de La Rochefoucauld (1613-1680), Reflexionen
  • Alle unsere Haare sind gezählt.
    fr] Tous nos cheveux sont comptès.
  • Alle unsere jetzigen Moden haben bloß das Verdienst des Wunderbaren, des Ausschweifenden und des Kostbaren. Sie tragen nichts zur Erhöhung deiner Reizungen bei. Diese werden vielmehr nur versteckt ...
    Justus Möser (1720-1794), Patriotische Phantasien
  • Alle unsere Leiden kommen daher, dass wir nicht allein sein können.
    fr] Tout notre mal vient de ne pouvoir être seul.
    Jean de La Bruyère (1645-1696), Die Charaktere
  • Alle unsere Pläne sind ins Wasser gefallen.
    fr] Tous nos projets sont tombés dans le lac.
  • Alle unsere Streitereien entstehen daraus, dass einer dem anderen seine Meinung aufzwingen will.
  • Alle unsere Stunden sind gezählt.
    fr] Tous nos heures sont comptées.
  • Alle unsere Weisheit besteht in knechtischen Vorurteilen, alle unsere Bräuche sind nur Unterwerfung, Marter und Zwang.
    Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Emile
  • Alle unsre Neigungen scheinen nichts als angewandte Religion zu sein. Das Herz scheint gleichsam das religiöse Organ. Vielleicht ist das höhere Erzeugnis des produktiven Herzens - nichts anders als der Himmel. Indem das Herz, abgezogen von allen einzelnen wirklichen Gegenständen, sich selbst empfindet, sich selbst zu einem idealischen Gegenstande macht, entsteht Religion. Alle einzelnen Neigungen vereinigen sich in Eine, deren wunderbares Objekt ein höheres Wesen, eine Gottheit ist; daher echte Gottesfurcht alle Empfindungen und Neigungen umfaßt. Dieser Naturgott ißt uns, gebiert uns, spricht mit uns, erzieht uns, beschläft uns, läßt sich von uns essen, von uns zeugen und gebären; kurz ist der unendliche Stoff unsrer Tätigkeit und unsers Leidens.
    Novalis (1772-1801), Aphorismen und Fragmente, 1798-1800
  • Alle unterdrückten Kräfte, die nicht gebraucht werden, können ausarten.
    Ellen Key (1849-1926), Über Liebe und Ehe
  • Alle Untugend ist Sünde.
    1. Joh. 5, 17
  • Alle Urteil kommen von klage und antwort.
    info] Können erst gefällt werden, wenn beide Teile gehört worden sind.
  • Alle Urteile, die wir - auch über andere - fällen, sind eigentlich immer nur Schmeicheleien, die wir uns selber sagen.
  • Alle Vägel kann 'n nich mit dei Lockpiep fängen.
  • Alle vande løbe til havet, dog bliver det ei fuldere.
  • Alle Vaterunser lang.
    info] Um die Wiederholung eines Vorgangs in so kurzen Pausen auszudrücken, als man Zeit zum Beten des Vaterunsers bedarf.
  • Alle Veränderung ist Ausgleichung, die nur als Gleichung beschrieben werden kann.
    Rudolf Goldscheid (1870-1931)
  • Alle Vergangenheit existiert nur als lebendige Erinnerung eines gegenwärtigen Kopfes.
    Alle Vergangenheit ist eine Selbsterinnerung Gottes.
    Christian Morgenstern (1871-1914), Weltbild: Am Tor
  • Alle vergebenen (vergessenen) Sünden sind quitt.
    fr] A tout péché misericorde.
  • Alle Vergnügungen auf alle Weise genießen zu wollen, ist unvernünftig; alle ganz vermeiden, gefühllos.
    Plutarch (45-125), Gastmahl der 7 Weisen
  • Alle Verhältnisse der Dinge wahr. Irrtum allein in dem Menschen. An ihm nichts wahr, als dass er irrt, sein Verhältnis zu sich, zu anderen, zu den Dingen nicht finden kann.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1379
  • Alle Verhältnisse des Lebens sind kraus und bunt. Es hilft nicht viel, äußerlich daran zu rücken oder darüber zu klügeln. Man muss hindurch.
    Caroline de la Motte Fouqué (1773-1831), Resignation
  • Alle verlangen nach eines Fremden Liebe, doch da sind zwei Nachteile: Er wird weder bleiben, noch dich mitnehmen.
    Indien
  • Alle Verliebtheit, wie ätherisch sie sich auch gebärden mag, wurzelt allein im Geschlechtstriebe, ja ist durchaus nur ein näher bestimmter, spezialisierter, wohl gar im strengsten Sinne individualisierter Geschlechtstrieb.
    Arthur Schopenhauer (1788-1860), Welt als Wille und Vorstellung
  • Alle Versuche, das Geld gänzlich abzuschaffen, sind bisher gescheitert. Daher begnügen sich alle klugen Menschen damit, es wenigstens beiseite zu schaffen.
  • Alle versuchen, ihre Zeit totzuschlagen, aber niemand will sterben.
  • Alle Versuchsarbeit ist schwer.
  • Alle Verträglichkeit ist aus der Welt verschwunden, sagte die Frau, als die Katze einen Hund zerzauste.
    nl] De vredelievendheid is uit de wereld, zei Filippijn, en hij zag eene kat met eene rat vechten.
  • Alle verwunden, die letzte tötet.
    info] Inschrift auf Sonnenuhren
    la] Omnes vulnerant, ultima necat.
  • Alle verzeihen, niemand kommt zur Hilfe.
    Lucius Annaeus Seneca (1-65), Briefe an Lucilius
  • Alle Vielredner sind nur farblose Gelehrte, alle Großmächtigen sind nur farblose Helden.
  • Alle vier Winde sind Gottes.
    Indien
  • Alle viere in einen Leffel setzen.
    info] Läufel, d.i. die vier Füße auf einen Punkt zusammenthun.
  • Alle Viere von sich strecken.
    fr] Il et tombé les quatre fers en l'air.
  • Alle vierkantig, segg jene Fru, aber dat Geld mutt rund gan.
  • Alle vierkantig, seggt Lohmann, bet op den Grüttputt, de mutt rund lopen.
  • Alle ville den flade daare.
  • Alle ville folsk finde, ogingen føde.
  • Alle ville herrer vaere, ingen vil paa saekken baere.
  • Alle ville laenge leve, men Ingen vil gammel hedde.
  • Alle vloed heeft zijne ebbe.
  • Alle Vögel fliegen nicht in einer Richtung.
    ee] Kõik linnud ei linda ühüle poole.
  • Alle Vögel fliegen nicht in gleicher Höhe.
    ee] Kõik linnud ei lenna ühekõrgusel.
  • Alle Vögel haben Flügel, und doch kann nicht jeder so hoch fliegen wie der Adler.
    dk] Alle fugl har feyr og vinger, men kunne dog ei flyve sau høyt som ørnen.
  • Alle Vögel können nicht auf einmal fliegen.
    ee] Kõik linnud ei saa ühekorraga lendama.
  • Alle Vögel kriechen aus dem Ei.
  • Alle Vögel schreien; wenn aber die Eule schreit, so ist's ein Unglücksvogel.
    Surinam
    info] Um jemand zu sagen: Du bist und bleibst ein böser Mensch, auch wenn du dich unter die guten mischest. Auch: Wer einmal in einem bösen Rufe steht, dem wird alles zum Bösen ausgelegt; o. ich mag reden und tun, was ich will, es wird mir alles übel genommen.
  • Alle Vögel sind schon da.
    geflügeltes Wort
  • Alle Vögel werden sich auf einen fruchtbaren Baum scharen.
  • Alle Völker bauen ihre Altäre, glauben an sie und verehren sie, ein jedes nach seiner Art.
    Johann Heinrich Merck (1741-1791), Über die Schönheit
  • Alle volte più vale la feccia che il vino.
  • Alle volte si crede di trovare il sole d'agosto e si trova la luna di marzo.
  • Alle volte si dà un uovo per un bue.
  • Alle vore hoved-haar ere talte.
  • Alle Vorgefühle, wenn sie durch das Ereignis bestätigt werden, geben dem Menschen einen höheren Begriff von sich selbst, es sei nun, dass er sich so zart fühlend glauben kann, um einen Bezug in der Ferne zu tasten, oder so scharfsinnig, um notwendige, aber doch ungewisse Verknüpfungen gewahr zu werden.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,11
  • Alle Vorräte, an Getreide, Mehl, Zucker, Kaffee und so weiter, sind nacheinander gestreckt worden. Mit den Waffen wär's noch zu probieren.
    Karl Kraus (1874-1936), Aphorismen. Nachts
  • Alle Vorstrande sind des Königs.
    Rechtssprichwort
    info] Meeresufer und das mit ihnen in Berührung Kommende; sie gehörten, wie alles, woran sonst niemand ein begründetes Eigentum nachweisen konnte, dem Volke, vertreten durch den König.
    jütisch] Alle vorstrande syn des Köninges.
  • Alle Vorteile gelten, säd' de Düwel, do trock he sik 'n Worm ût'n Môrs un bunn sik 'n Schô domit tû.
  • Alle Vorteile gelten, sagte der Bauer, da legte er seinem Weibe ein Dutzend Eier zum Brüten unter, da sie schlief.
    nl] Voorzigtigheid is de moeder der wijsheid, zei Joris, en hi leide, terwijl zijne vrouw sliep, een half dozijn eijeren onder haren aars, om uit te broeijen.
  • Alle Vorteile gelten.
  • Alle Vorteile helfen, sind sie noch so klein.
  • Alle Vorteile helfen, sprach die Sau, und schnappte nach einer Mücke.
    mhd] Alle bate helpet, de söge snappet na der muggen.
    la] Parva iuvant: culicem deprehendere sucula tentat.
  • Alle Vorteile helfen, und sind sie noch so klein.
  • Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden.
    Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900), Ecce homo. Wie man wird, was man ist, Warum ich so klug bin, 1.
  • Alle waarom heeft zijn daarom.
  • Alle Waffen müssen Gold oder Silber haben.
  • Alle wahre Kultur kommt vom Christentum.
    Juan Donoso Cortés (1809-1853), Discurso sobre la situación general de Europa, 30.1.1850
  • Alle wahre Politik ist auf die Bedingung eingeschränkt, mit der Idee des öffentlichen Rechts zusammenzustimmen.
    Immanuel Kant (1724-1804)
  • Alle wahre Religion scheitert an dem Konfessionswesen.
    Johann Gottfried Seume (1763-1810), Vorrede zu 'Bemerkungen über einige schwierige Stellen des Plutarch (45-125)'
  • Alle wahren Germanen gingen ins Ausland; das jetzige Deutschland ist eine vorslawische Station und bereitet dem panslawistischen Europa den Weg.
    Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900), Nachlaß (Unschuld des Werdens)
  • Alle wahren Muster des Geschmacks sind in der Natur.
    Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Emile
  • Alle wahren Nationalgedichte durchlaufen einen kleinen Kreis, in welchem sie immer abgeschlossen wiederkehren, deshalb werden sie in Massen monoton, indem sie immer nur einen und denselben beschränkten Zustand ausdrücken.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Volksgesänge abermals empfohlen
  • Alle wahrhaft großen Dichtungen sind Variationen zum Schicksalsliede, seien es Maestosi, Allegri oder Scherzi.
    Christian Morgenstern (1871-1914), Stufen
  • Alle Wahrheit ist Schönheit, und alles Unschöne ist Unwahrheit.
    Bettina von Arnim (1785-1859), Ilius Pamphilius und die Ambrosia
  • Alle Wahrheiten harren in allen Dingen, sie haben's nicht eilig mit ihrer Befreiung.
  • Alle Wappen müssen Gold oder Silber haben.
  • Alle waren geletzt und lobten das herrliche Wasser;
    säuerlich war's und erquicklich, gesund zu trinken den Menschen.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
  • Alle Wasser eilen der Küste und Geld dem reichen Manne zu.
    Dänemark
  • Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller.
    Pred. Salomo, I, 7
  • Alle Wasser machen nass.
  • Alle Wasser seind jhm süß.
    info] Er liebt alles, was ihm vorkommt.
    dk] Alt vand er dem sødt.
  • Alle Wege bahnen sich vor mir, weil ich in der Demut wandle.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
  • Alle Wege führen nach der Mühle.
  • Alle Wege führen nach Rom - nur der Holzweg nicht. Denn der führt in eine Sackgasse - sowohl beim Nachdenken als auch beim Waldspaziergang. Die Erklärung für diese Redensart liefert die Forstwirtschaft.
  • Alle Wege führen nach Rom, aber mancher eher als der andere.
    it] Ogni strada và a Roma, mal' una è più corta dell' altra.
  • Alle Wege führen nach Rom, sagte jener, ich gehe über Herrnhut.
    "Alle Wege führen nach Rom, sagt Koszmian, da reiste er mit dem Peterspfennig nach Homburg."
  • Alle Wege führen nach Rom.
    info] Also in die katholische Kirche. Derselbe Zweck kann auf verschiedene Weise erreicht werden.
    en] All roads lead to Rome.
    ee] Kõik teed viivad Rooma.
    en] More ways to the wood than one.
    es] Todos los caminos van á mi casa.
    fr] Tous les chemins mènent à Rome.
    fr] Tous chemins vont à Rome.
    hu] Minden út Rómába vezet.
    it] Tutte le strade conducono a Roma.
    se] Alla wägar föra till Rom.
    ee] Kõik teed viivad Rooma.
    hu] Minden út Rómába vezet.
  • Alle Wege führen zur Mühle.
  • Alle wege sal smans kint voren gaan in di lossinga.
  • Alle Wege zum Geist gehen von der Seele aus, aber keiner führt zurück.
    Robert Musil (1880-1942), Der Mann ohne Eigenschaften
  • Alle Weiber haben einerlei Sinn.
    "Weib ist im Süden die norddeutsche Frau, und Frau nur die Herrin oder Gebieterin, noch ganz wie im Altdeutschen, wie überhaupt die Wörter Dirn (norddeutsche Magd oder Mädchen), Madl, Weib u.s.w. bei den deutschen Alpenbewohnern nur die alte, reine und schöne Bedeutung haben. Der süddeutsche Bauer, Handwerker und Kleinstädter sagt nicht: Meine Frau, sondern mein Weib. Als Hausfrau heißt die Süddeutsche einfach: die Bäuerin, die Wirtin, die Tischlerin, die Kramerin, oder sie wird in ihrer Abwesenheit und als dritte Person auch nur Sie genannt, wie in solchem Falle ihr Mann Er heißt."
    mhd] An dem griff sind älleu weib des einen leders, wie mans treib.
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