DICTUM

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  • Alle Weiber haben einerlei Sinn.
    "Weib ist im Süden die norddeutsche Frau, und Frau nur die Herrin oder Gebieterin, noch ganz wie im Altdeutschen, wie überhaupt die Wörter Dirn (norddeutsche Magd oder Mädchen), Madl, Weib u.s.w. bei den deutschen Alpenbewohnern nur die alte, reine und schöne Bedeutung haben. Der süddeutsche Bauer, Handwerker und Kleinstädter sagt nicht: Meine Frau, sondern mein Weib. Als Hausfrau heißt die Süddeutsche einfach: die Bäuerin, die Wirtin, die Tischlerin, die Kramerin, oder sie wird in ihrer Abwesenheit und als dritte Person auch nur Sie genannt, wie in solchem Falle ihr Mann Er heißt."
    mhd] An dem griff sind älleu weib des einen leders, wie mans treib.
  • Alle Weiber sind Ware, mehr oder weniger kostet
    Sie den begierigen Mann, der sich zum Handel entschließt.
    Glücklich ist die Beständige, die den Beständigen findet,
    Einmal nur sich verkauft und auch nur einmal gekauft wird.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Epigrammatisch
  • Alle weinen nicht zur gleichen Zeit.
    ee] Kõik ikõ-õi üte ao pääle.
  • Alle Weißen haben eine Uhr, aber sie haben nie die Zeit.
  • Alle Weisheit bringt
    Bedingte Wahrheit nur, nicht Wahrheit unbedingt.
    Friedrich Rückert (1788-1866), Weisheit des Brahmanen
  • Alle Welt erhebt sich wider einen Menschen, dessen Stern im Aufgehen begriffen ist; kaum dass ihm die, welche er für seine Freunde hält, sein wachsendes Verdienst und die ersten Anzeichen der Teilhabe am Ruhm verzeihen, den sie selbst schon besitzen.
    Jean de La Bruyère (1645-1696), Vom Urteil
  • Alle Welt hat nur einen Willen: Dass es ihr wohl (er)gehe.
  • Alle Welt ist parlamentsüberdrüssig, aber niemand weiß etwas Besseres vorzuschlagen, und das Bewusstsein, diese missachtete Einrichtung als notwendiges Übel ins neue Jahrhundert mit hinüberschleppen zu müssen, lastet drückend auf den Gemütern der Besten.
    Eduard von Hartmann (1842-1906), Zur Zeitgeschichte
  • Alle Welt ist voller Narren.
    la] Stultorum plena sunt omnia.
  • Alle Welt lebt eines Gottes, aber nicht eines Menschen.
  • Alle Welt maßt sich Recht über einen Kranken an. Priester, Ärzte, Diener, Fremde und Freunde - ja, bis herunter zu den Wärtern glaubt jeder, ihn beherrschen zu können.
    Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues (1715-1747), Unterdrückte Maximen
  • Alle Welt pocht auf den Fortschritt der menschlichen Gesellschaft, und kein Mensch macht einen Fortschritt.
    Ralph Waldo Emerson (1803-1882), Selbständigkeit
  • Alle Welt sagt, mein Sinn sei zwar großartig, aber er scheine für die Wirklichkeit nicht geschickt. Aber gerade das ist ja seine Größe, dass er für die Wirklichkeit nicht geschickt erscheint.
    Laotse (6. Jh. v. Chr), Tao te king
  • Alle Welt schreit über Undankbarkeit. Die Klage ist aber sicher unrichtig angebracht: man sollte sich über Eitelkeit beklagen. Nur ausgesprochene Schurken sind wissentlicher Undankbarkeit fähig; aber fast jedermann ist fähig, zu denken, er habe mehr getan, als der andre verdient, während der andre denkt, er habe weniger empfangen, als er verdiene.
    Alexander Pope (1688 - 1744), Aphorismen
  • Alle Welt sorgt sich: Die einen, dass die Perlen ihnen zu dünn, die anderen, dass die Perl-Grütze ihnen zu dünn ist.
    Jiddisch
    info] Gemeint sind die Sorgen der Reichen und der Armen.
  • Alle Welt verurteilt den Egoismus. Egoismus aber ist das Grundgesetz des Lebens. Es kommt nur darauf an, was man als sein Ego anerkennt.
    Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910), Tagebücher (1907)
  • Alle Welt weiß: Wenn Schönheit schön sein will, wandelt sie sich in Hässlichkeit.
  • Alle Welt.
    es] Todo el mundo (= gente).
  • Alle Welten und alle Wünsche erlangt der, der (sich) selbst findet und erkennt.
  • Alle weltlichen Dinge sind nur ein Traum im Frühling. Betrachte den Tod als Heimkehr.
  • Alle weltlichen Wesen führen sich auf drei Dinge zurück: Ehre, Reichtum, Vergnügen.
    Thomas von Aquin (1225-1274), Summa theologica
  • Alle Wenden wetten windisch.
    info] Die Strafgelder, welche bei Vergehen an den Richter zu zahlen waren, scheinen nicht in allen Stadt- und Landrechten gleich gewesen zu sein; sogar die persönlichen Rechte mögen, nach dem obigen Sprichwort, darauf Einfluss gehabt haben, sodass die Wenden nach windischem Rechte zahlten.
    mhd] Alle wende wetten windischiu.
  • Alle wenig wir einander gleich sehen under augen, so wenig auch im sinn.
  • Alle werden einmal zwei Hände gekreuzt (auf der Brust) haben.
    ee] Kõik saavad kord kaks kätt risti pääle.
  • Alle Werktag um den Herd ist des Sonntags schämenswert.
  • Alle wertvollen Gefühle - für einen Menschen wie für einen Glauben, eine Scholle, ein Land - sind konservativ. Und wie kann die Freiheit von jemandem missbraucht werden, der weiß, was es kostet, ein Herz von dem zu lösen, woran es sich einmal gehängt?!
    Ellen Key (1849-1926), Über Liebe und Ehe: Freie Scheidung
  • Alle Wesen erstreben das Gute, doch nicht alle erkennen das Wahre.
    Thomas von Aquin (1225-1274), Über die Wahrheit
  • Alle Wetter!.
    es] ¡Maldición! ¡Mil demonios!
  • Alle wichtigen Fragen entscheiden sich besser über Nacht.
    Epicharmos (540-460 v. Chr.), Fragmente
  • Alle wie aus einem Munde.
  • Alle wie aus einem Ofen.
  • Alle wilia gamble wardha ok aengin gamal heta.
  • Alle willen up em riden (reiten).
    info] Jeder will sich an ihm reiben.
  • Alle Winkel, Kisten und Kasten voll haben.
  • Alle wirken wir zu einem Endergebnis zusammen, die einen wissend und aufmerkend, die anderen, ohne es zu achten.
    Mark Aurel (121-180), Selbstbetrachtungen
  • Alle Wirkungen, von welcher Art sie seien, die wir in der Erfahrung bemerken, hängen auf die stetigste Weise zusammen, gehen ineinander über; sie undulieren von der ersten bis zur letzten. dass man sie voneinander trennt, sie einander entgegensetzt, sie untereinander vermengt, ist unvermeidlich; doch musste daher in den Wissenschaften ein grenzenloser Widerstreit entstehen.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Aphorismen und Fragmente - Natur
  • Alle wissen guten Rat, nur (der) nicht, der ihn nötig hat.
    en] Everybody knows good counsel except him that has need of it.
    se] Alla weta god råd förutan den i wåndan står.
  • Alle wissen und sehen nicht alles, was soll einer alle wissen und sehen.
    la] Qui statuit aliquid parte inaudita altera aequum licet statuerit, haud aequum est tamen.
  • Alle wissen wir, dass die Echo uns nur den Schall unsrer Worte zurückgibt, dass, wie wir fragen, sie uns antworte.
    Johann Gottfried Herder (1744-1803), Das eigene Schicksal
  • Alle Wissenschaft hat als Ausgangspunkt ein Zweifeln, gegen das der Glaube sich auflehnt.
  • Alle Wissenschaft kommt durch die Sinne.
    "Alle der Menschen wissenschafft kommt durch die fünff Sinn; dieselbe seint in einem mehr frisch und hurtig, im andern lam, stumpff und mangelhafft. Wie nun die sinne, also auch die wissenschafft."
    la] Sensus sunt scala scientiae.
  • Alle Wissenschaft wäre überflüssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge unmittelbar zusammenfielen.
    Karl Marx (1818-1883), Das Kapital
  • Alle Wissenschaften müssen sich auf die Natur gründen.
    Ludwig Andreas Feuerbach (1804-1872), Vorläufige Thesen zur Reformation der Philosophie
  • Alle Witwen sind reich.
    en] Widows are always rich.
  • Alle Wochen einen andern Knecht und das Jahr zwölf Mägde.
  • Alle Wohlgerüche Arabiens.
    geflügeltes Wort
  • Alle Wohltat findt ihre stete.
  • Alle Wolken regnen nicht.
    mhd] Alle wolken regen nicht.
    en] All clouds do not rain.
    la] Depluit haud omnis quam cernis in aëre nubes.
    nl] Alle wolken regenen niet.
    se] Alt moln geer intet regn.
  • Alle wollen alt werden, aber keiner will es sein.
  • Alle wollen geliebt werden. Auch und gerade die Schwierigen und Problematischen.
  • Alle wollen in den Himmel, aber niemand will sterben.
  • Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß!
  • Alle wollen zurück zur Natur, nur nicht zu Fuß.
  • Alle Wort auf das Goldwägelein legen.
  • Alle Worte scharwenzeln um die Wahrheit herum; sie ist keusch.
    Wilhelm Busch (1832-1908), Sprikker
  • Alle Worte sind Aussagen, aber nicht alle sind Zurücknahmen.
    Estland
  • Alle Worte sind ja nicht Aussagen.
    ee] Kõik sõnad pole ju ütlemised mitte.
  • Alle Wünsche sind ein bloßes Nerven-Spiel und das umgebende Mittel pflanzt sie nicht zu meinem Willen fort. Meine Furcht und sehnlichster Wunsch ist nicht im Stand den leichten Nebel einer Donnerwolke aufzuhalten. Sie zieht den Gang der ihr angewiesen ist. Der Mensch ist nicht in den Erdball einorganisiert, sondern bloß in seinen Körper.
    Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Aphorismen (Sudelbücher), 1789 - 1793
  • Alle Würden dieser Welt wiegen einen guten Freund nicht auf.
    Voltaire (1694-1778), Jeannot und Colin
  • Alle würden eher ihr väterliches Erbteil abtreten als eingestehen, dass ihnen Geist und Witz fehlen ... Glaubet jedoch nicht, dass es diesen Hohlköpfen an Kohlköpfen mangele, die ihre Ansichten billigen; die plumpste Dummheit, die absurdeste Verkehrtheit findet auf Erden bekanntlich die meisten Bewunderer und Liebhaber, weil eben, wie ich euch schon gesagt habe, fast alle Menschen der Torheit huldigen.
    Erasmus von Rotterdam (1465-1536), Lob der Torheit
  • Alle wütend verbrachte Zeit ist verloren Zeit, um glücklich zu sein.
  • Alle Zehn danach lecken (strecken).
  • Alle zehn Finger braucht man zum essen, aber der Daumen ist es, der die Speisen in den Mund schiebt.
    Indien
  • Alle zehn Finger danach lecken.
    nl] Hij zal daar nog met vinger en duim van likken.
  • Alle zehn Finger nach etwas lecken (o. schlecken, abschlecken).
  • Alle Zeiche fluchen.
    info] Alle Verwünschungsformeln aussprechen.
  • Alle Zeichen lügen nicht.
  • Alle zeilen bijzetten.
  • Alle Zeit, treu bereit, für des Reiches Herrlichkeit.
    Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke (1800-1891)
    fr] Il faut du temps pour tout.
  • Alle Zerstreuung schwächt. Durch fremde Gegenstände, die mich reizen, ohne mich zu befriedigen - oberflächlich - werde ich zerstreut. Mir ist deshalb die Zerstreuung zuwider, weil sie mich entkräftet. Nützlich ist sie bei sthenischen Zufällen. Gegen Ernst und Leidenschaft ist sie mit Nutzen zu gebrauchen. (Die Menschen werden künftig in medizinischer Hinsicht mehr zusammenhalten müssen.)
    Novalis (1772-1801), Aphorismen, IV. Teplitzer Fragmente
  • Alle ziben glicken.
    en] Not what it's cracked up to be (lit., all seven lucky things).
  • Alle Zinsen fahren.
    Rechtssprichwort
    info] Bezieht sich auf die mittelalterliche Einrichtung, den Brauch der Grundherren, die Lehnsleute zu pünktlicher Zinsenzahlung zu veranlassen, indem die Verabsäumung der Zinsentrichtung durch die Rutscherzinsen geahndet wurde. Der Rutscherzins aber besteht darin, dass mit jedem Tage der Zahlungsverzögerung der Betrag des rückständigen Zinses sich verdoppelt. So oft die Sonne auf- und niedergeht, der Schilling doppelt.
    mhd] Alle zinss fharen.
  • Alle Zivilisation fängt mit der Theokratie an und hört mit der Demokratie auf.
    fr] Toute civilisation commence par la théocratle et finit par la démocratie.
    Victor Hugo (1802-1885), Notre Dame
  • Alle zu gleich! rief der Bauer, da hatte er nur ein Pferd vor dem Wagen.
  • Alle Zucht ist der Jugend zuwider.
    la] Nulla dulcis est infantiae disciplina prudens.
  • Alle Zufälle unsers Lebens sind Materialien, aus denen wir machen können, was wir wollen. Wer viel Geist hat, macht viel aus seinem Leben. Jede Bekanntschaft, jeder Vorfall, wäre für den durchaus Geistigen erstes Glied einer unendlichen Reihe, Anfang eines unendlichen Romans.
    Novalis (1772-1801), Aphorismen, I. Blütenstaub
  • Alle zusammentrommeln.
  • Alle zwanzig Jahre eine neue Welt.
  • Alle Zweifel und Klagen der Menschen über die Verwirrung und den wenig merklichen Fortgang des Guten in der Geschichte rühret daher, dass der traurige Wanderer auf eine zu kleine Strecke seines Weges siehet.
    Johann Gottfried Herder (1744-1803), Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
  • Alle Zweige eines Baumes gleichen einander wie Mutter und Tochter.
  • Alle, die auf ihrer Väter Spuren laufen, laufen.
  • Alle, die äußerlich eine ernste und strenge Miene zur Schau tragen, während sie innen hohl und beschränkt sind, sind die niedrigsten Menschen.
    Konfuzius (551-479 v. Chr.), im Lun-yü
  • Alle, die den Menschen bearbeiten, teilen sich in dessen Äußeres oder Innres oder beides. Philosophen und Dichter die letztern, Maler und Bildhauer und Friseurs und Schneiders die erstem; die letztern machen zu ihrem Hauptzweck, ihn recht schön zu machen, und verhunzen meistens seine natürliche Form und Gestalt.
    Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen
  • Alle, die der Tag beschienen, haben ihren Feind in ihnen.
  • Alle, die die Sonne bescheint, haben ihren Feind in sich selbst.
  • Alle, die gestorben sind, sind gleich.
  • Alle, die keine Religion haben, ermangeln einer Tugend, und hätten sie auch alle andern, so könnten sie dennoch nie vollkommen werden.
    Joseph Joubert (1754-1824), Gedanken und Maximen
  • Alle, die unter dem Himmel leben, sind zusammen verwoben, wie eine große Matte.
  • CHRISTENGLAUBE
  • Alle, die wider den Christenglauben leben, sind ungläubig. - Graf, 548, 77.
    Mhd.:] Alle dy weder den cristen gelauben leben syne vngelowbig. (Gaupp, Schlesisches Landrecht, 307.)
  • Alle, sage ich, streben dorthin, zur Freude, aber wo sie dauerhafte und große Freude finden, wissen sie nicht.
    Lucius Annaeus Seneca (1-65), Moralische Briefe
  • Alle, welche dich suchen, versuchen dich.
    Und die, die dich finden, binden dich
    An Bild und Gebärde.
    Ich aber will dich begreifen
    Wie dich die Erde begreift,
    Mit meinem Reife
    Reift dein Reich.
    Rainer Maria Rilke (1875-1926), Das Stundenbuch
  • ALLE
  • Alle, welche die Erde trägt, die Sonne bescheint.
    info] Gute und Schlechte.
    Lat.: Omnium quos sol videt. (Erasm., 708.)
  • Alle, wie wir jebacken sind (= alle zusammen).
    Berlin
  • Allega, allegador, para buen derramador.
  • Allega, allegador, para buen desparramador.
  • Allegado de la virtud, ajeno de la maldad.
  • Allegador de la ceniza y derramador de la harina.
  • Allegadora de la ceniza y derramadora de la harina.
  • Allegans casum fortuitum, illum probare tenetur.
  • Allegans contraria non est audiendus.
    en] No one is to be heard whose evidence is contradictory.
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