DICTUM

Al

  • Aller Will ist, haben viel.
  • Aller Würdigkeit Verleiherin,
    Das seid ganz wahrhaftig ihr, Frau Maße.
    Walther von der Vogelweide (1170-1230), Gedichte
  • Aller Zufall ist wunderbar, Berührung eines höhern Wesens, ein Problem, Datum des tätig religiösen Sinns.
    (Verwandlung in Zufall.)
    Novalis (1772-1801), Aphorismen und Fragmente, 1798-1800
  • Aller Zustand ist gut, der natürlich ist und vernünftig.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Hermann und Dorothea 5. Gesang Vs 12
  • Aller Zwang bildet Maschinen, und jedes Symbol ist der freien Moralität des Menschen nachteilig.
    Georg Forster (1754-1794), Über Proselytenmacherei
  • Aller, venir à la rescousse.
  • Aller, venir, marcher sans dessein, sans but; si c'est là ce qu'on appelle se promener, je ne vois pas ce que les automates pourraient envier aux promeneurs.
    Edme Pierre Chauvot de Beauchêne, 1780-1830
  • Aller/continuer/faire son bonhomme de chemin.
  • Aller/courir comme un chat maigre vieux.
  • Aller/être au violon.
  • Aller/être en zonzon argot.
  • Aller/être/envoyer/mettre en cabane.
  • Aller/être/mettre au gnouf/au gniouf argot.
  • Aller/être/mettre derrière les barreaux.
  • Aller/foncer/envoyer/mener dans le mur/droit dans le mur.
  • Aller/jeter/tomber à la baille.
  • Aller/marcher comme sur des roulettes.
  • Aller/marcher de pair.
  • Aller/marcher le front haut.
  • Aller/marcher sur les brisées de quelqu'un.
  • Aller/mener à la perte.
  • Aller/parer au plus pressé soutenu.
  • Aller/partir à la dérive soutenu.
  • Allera mon nick stelt opa sinnene eynene hals.
  • Allera monna kwek sinis godes walde.
  • Allera monnick borge opa sine egne hava.
  • Allerdings eine gefährliche Gabe, Macht ohne Güte, erfindungsreiche Schlauigkeit ohne Verstand. Nur können, haben, herrschen, genießen will der verdorben-kultivierte Mensch, ohne zu überlegen, wozu er könne, was er habe und ob, was er Genuss nenne, nicht zuletzt eine Ertötung alles Genusses werde.
    Johann Gottfried Herder (1744-1803), Briefe zu Beförderung der Humanität
  • ALLERDINGS
  • Allerdings heft de Bock e Büdel. (Danzig.) - Frischbier, I, 37.
    info] Scherzhafte Anspielung auf den Bocksbeutel (s.d.), richtiger Booksbüdel. Die Redensart wird zur Verspottung alterthümlichen Wesens angewandt.
  • Allerdings ist es vorzüglich oder vielmehr ganz und gar das Glück, was bei allen menschlichen Dingen den Ausschlag gibt.
    Demosthenes (384-322 v. Chr), Staatsreden
  • Allerdings ist in der Kunst und Poesie die Persönlichkeit alles, allein doch hat es unter den Kritikern und Kunstrichtern der neuesten Zeit schwache Personnagen gegeben, die dieses nicht zugestehen und die eine große Persönlichkeit bei einem Werke der Poesie oder Kunst nur als eine Art von geringer Zugabe wollten betrachtet wissen.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Eckermann, 13.2.1831
  • Allerdings könnte man auch einen Karrengaul schön nennen und warum nicht? Ein Maler fände an dem stark ausgeprägten Charakter, an dem mächtigen Ausdruck von Knochen, Sehnen und Muskeln eines solchen Tieres wahrscheinlich noch ein weit mannigfaltigeres Spiel von allerlei Schönheiten als an dem milderen, egaleren Charakter eines zierlichen Reitpferdes.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Eckermann, 18.4.1827
  • Allerdings könnten jetzt die bekehrten Wilden uns selber wieder Heidenbekehrer zuschicken.
    Jean Paul (1763-1825)
  • Allerdings wußte sie nicht, was kommen sollte; aber sie war überzeugt, daß es die unendliche Aufgabe aller Liebenden sei, sich als das zu erhalten, was man füreinander in den höchsten Augenblicken gewesen ist.
    Robert Musil (1880-1942), Der Mann ohne Eigenschaften
  • Allerdings [könnte man auch einen Karrengaul schön nennen] und warum nicht? Ein Maler fände an dem stark ausgeprägten Charakter, an dem mächtigen Ausdruck von Knochen, Sehnen und Muskeln eines solchen Tieres wahrscheinlich noch ein weit mannigfaltigeres Spiel von allerlei Schönheiten als an dem milderen, egaleren Charakter eines zierlichen Reitpferdes.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Eckermann, 18.4.1827
  • Allere Flammam Veritatis.
    es] Que alumbre la llama.
  • Allererst die Schulden, dann die Almosen.
    Rechtssprichwort
    info] Erst wenn aus dem Nachlass des Verstorbenen die Schulden bezahlt sind, können Legate und Vermächtnise berichtigt werden, die ebenfalls vom Erbe abgehen, ehe es angetreten oder verteilt werden kann.
    mhd] Allererst de schult, danne die almosen.
  • Allererst ist das Chaos entstanden.
    Hesiod (700 v. Chr.), Theogonie
  • Allererste Sahne.
  • ALLERHAND
  • Allerhand ist ein Gänsedreckel. (Schles.)
    info] Als Erwiderung, wenn auf die Frage, was es zu essen u.s.w. gebe, geantwortet wird: Allerhand.
  • Allerhand Männkes maken.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerheil'ge Mäss, da' sei mer des Wönters gewess; wann er dann nôch nödd mag, da' kimd en off Meerdes dâg. (Trier.) - Laven, 174, 3; Firmenich, III, 545, 3.
    info] Meerdes dâg = St. Martinstag, 11. November.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerheiligen bringt einen gewissen Sommer (oder: bringt den Nachsommer). - Blum, 292.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerheiligen bringt Sommer für alte Weiber, der ist des Sommers vertreiber. - Baierischer Hauskalender.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerheiligen feucht, wird der Schnee nicht leicht.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerheiligen kalt und klar, macht zu Weihnacht alles starr.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerheiligen klar und helle, sitzt der Winter auf der Schwelle. - Payne, 35.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerheiligen Reif macht zu Weihnacht alles starr und steif. - Baierischer Hauskalender.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerheiligen trägt eigen den Winter zu allen Zweigen. - Egerbote 1871.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerheiligen.
    la] Commemoratio omnium sanctorum.
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerhilgen, sit de Winter up de Tilgen (Zweigen).
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerhillgen stigt de Winter upp de Willgen (Weidenbäume). (Oldenburg.) - Frommann, II, 389.
  • ALLERHEILIGENSOMMER
  • Allerhillgensuemer bliwt nit iude. (Westf.)
    info] Selten bleiben sonnige Tage in der Zeit des 1. November aus.
  • Allerhillgensuemer bliwt nit iude.
    Westfalen
    info] Selten bleiben sonnige Tage in der Zeit des 1. November aus
  • ALLERHEILIGEN
  • Allerhilligen Dag Fressland wol beklagen mag.
    info] Wenn die Heiligen irgendwo ihre Schutzaufgaben nicht erfüllt haben, so ist es in Nordfriesland gewesen; denn für dieses ist der 1. November wiederholentlich ein wahrer Unheilstag gewesen, besonders aber der des Jahres 1570, der Veranlassung zu obigem Sprichwort gegeben hat, an dem gegen 400,000 Menschen ihr Leben eingebüsst haben sollen, und viele Ortschaften völlig verschlungen worden sind. (Vgl. Weigelt, Nordfriesische Inseln, Ham burg 1873, S. 158 fg.)
  • Allerhöchste Eisenbahn.
    geflügeltes Wort
  • ALLERLEI
  • Allerlei dient nicht jedermann.
    Lat.: Omnia non pariter rerum sunt omnibus apta. (Properz.)
  • Allerlei Dreck anknet (buttert) si nit.
    Solothurn
    info] Mannichfaltiges, Widersprechendes lässt sich nicht vereinen.
  • Allerlei Fische fressen den Menschen, aber nur der Hai wird beschuldigt.
    Jamaika
  • ALLERLEI
  • Allerlei ist zweierlei.
  • Allerlei Schuhe kann man nicht an einen Fuß ziehen.
  • Allerley Hundshaare mit hineinhacken (darunterhacken).
    Martin Luther (1483-1546), Tischreden
    info] Etwas verderben, verschlimmern, böse machen.
    zit]
    Wenn man etwas will verbösern vnd verderben, so muss man einen Wurm in handel setzen, Senff darzu anrichten, versäwern, versaltzen, den Compass oder das ziel verdrehen, ein Essig Fässlein darzu legen. Medium fermenti totam massam corrumpet. Hundshar darin hacken, ein Pfeffer oder Brühe darüber machen, mit einer schwartzen bürst darüber faren. Mäussdreck vnter Pfeffer mischen, der Drummel ein loch machen, dem Kranz ein blum nach der ander aussrupffen, der Freud den boden aussstossen, eines gewin vnd nutzen verwunden.
  • Allerlieblichste Trochäen
    Aus der Zeile zu vertreiben
    Und schwerfälligste Spondeen
    An die Stelle zu verleiben,
    Bis zuletzt ein Vers entsteht,
    Wird mich immerfort verdrießen.
    Laß die Reime lieblich fließen,
    Laß mich des Gesangs genießen
    Und des Blicks, der mich versteht!
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Zahme Xenien V
  • ALLERMANN
  • Allermanns Freund ist Allermanns Narr.
    Lat.: Nec nulli sis amicus, nec omnibus (multis).
  • ALLERMANN
  • Allermanns Freund, jedermanns Geck.
  • ALLERMANN
  • Allermanns Knecht kann's nicht jedem machen (o. kochen) recht.
  • ALLERMANN
  • Allermanns Nutzen, Allermanns Schaden.
    Schwed.: Allmän nytta, allmän skada. (Wensell, 7.)
  • ALLERMANN
  • Allermanns Wort lügt selten.
    dk] Dit almindelige rygte lyver ikke.
    dk] Hver mands ord ere gjerne sande.
  • Allerorten hell und klar, Glückauf zum neuen Jahr.
  • Allerseelen kalt und klar, Weihnachten alles starr.
  • Allerseelen
    la] commemoratio animarum
  • ALLERSEELENTAG
  • Allerseelentag.
    info] Der Allerseelentag (2. November) ist ein Markttag, auf dem man die Seelen aus dem Fegfeuer kauft. - »Oder doch zum wenigsten die Gefängnuss verleichtert, sonderlich wenn die Freunde ein schweren säckel auf den Markt bringen, tieff in den greiffen. Denn wann die Gecken zu markt gehn, gleich dieser ist, so lösen die Krämer (Messleser) Geld.« (Zinkgref, IV, 72.)
  • Allerwelt geiz hat keinen Boden.
  • Allerwelts Bücher sind immer übelriechende Bücher: der Kleine-Leute-Geruch klebt daran.
    Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900)
  • ALLERWELTSFREUND
  • Allerweltsfreund, jedermanns Geck.
  • Allerweltskerl, ein Mensch, der in allen Gassen zu finden ist.
  • Allerwertester.
    info] Gesäß
  • Alles Vollkommene in seiner Art muß über seine Art hinausgehn.
  • Alles (Etwas) ist besser als gar nichts.
  • Alles (zu) wissen ist über allem (zu) haben!
    ndt] Älles wissa isch iebr älles hau!
  • Alles a gen Po'zeklock hangen.
    Aachen
    info] Alles unter die Leute bringen. Po'z = Pforte, großes Tor; Po'zeklock = eine Glocke am Rathause, welche vorm Torschlusse geläutet wird.
  • Alles Abbild des Essentiellen, des Transzendenten und Ewigen im Spiegel des menschlichen Geistes ist unveränderlich und gleich, von Mose bis Plato, von Lionardo bis Goethe: Hier waltet keine Originalität. Originell ist nur das Menschliche: Die Trübung.
    Walther Rathenau (1867-1922)
  • Alles aber lässt sich in harter und beharrlicher Arbeit überwinden.
    Francesco Petrarca (1304-1374), an Socrates in Avignon
  • Alles aber, was man gute Gesellschaft nennt, besteht in einer immer wachsenden Verneinung sein selbst, so dass die Sozietät zuletzt ganz null wird, es müßte denn das Talent sich ausbilden, dass wir, indem wir unsere Eitelkeit befriedigen, der Eitelkeit des anderen zu schmeicheln wissen.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Divan, Noten und Abhandlungen - Künftiger Divan - Buch des Unmuts
  • Alles abstrakte wird durch Anwendung dem Menschenverstand genähert, und so gelangt der Menschenverstand durch Handeln und Beobachten zur Abstraktion.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 530
  • Alles Alte, soweit es den Anspruch darauf verdient hat, sollen wir lieben; aber für das Neue sollen wir eigentlich leben.
  • Alles altert, selbst die Achtung, wenn man sich nicht in Acht nimmt.
    Joseph Joubert (1754-1824), Gedanken, Versuche und Maximen
  • Alles am Weibe ist ein Rätsel, und alles am Weibe hat eine Lösung: sie heißt Schwangerschaft.
    Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900), Also sprach Zarathustra
  • ALLES
  • Alles an alles setzen.
    Lat.: Omnem jacere aleam. (Erasm., 192.)
  • Alles an diesem Gedicht ist vollkommen, Sprache, Gedanke,
    Rhythmus, das einzige nur fehlt noch, es ist kein Gedicht.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Xenien 133 - Ein deutsches Meisterstück
  • Alles an einen Nagel hängen.
    info] Alles verwischen, durcheinanderwerfen, anstatt jeder besondern Sache ihren eigentümlichen Platz anzuweisen. Oder: das ganze Vermögen z.B. an ein Unternehmen wagen.
  • Alles an seinen Ort, sagt Flegel, der Schelmendeckel (Hut, Mütze) auf den Grind (Kopf).
    it] In chiesa co' santi e all' osteria (in taverna) co' ghiotti (ghiottoni).
  • Alles an seinen Ort, sagte Jerms, das Aug' ins Fenster, den Arsch in die Brill'.
    nl] Het oog in het venster, en de aars op het kakhuis.
  • Alles an Staat und nichts in der Schüssel.
    fr] Plus de veloux que de pain.
  • Alles andere behalt im Sinn, das Schlafsäckchen vergiß.
    ee] Kõik muu pea meeles, unekotike uneta.
  • Alles andere ist primär.
    geflügeltes Wort
  • Alles ändert sich auf der Welt.
    Estland
  • Alles ändert sich, nicht aber der Tango.
  • Alles anklagen ist Einheit. Alles vertragen ist Kleinheit. Zu allem ja sagen, ist Gemeinheit.
    Karl Kraus (1874-1936), Aphorismen. Nachts
  • ÄNDERN
  • Alles ännert sik in der Welt, man de Schimienstäute nit. (Sauerland.)
  • Alles auch Meinende
    Wird nicht vereint,
    Weil das Erscheinende
    Nicht mehr erscheint.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Zahme Xenien V
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