DICTUM

Al

  • Alles ist vergänglich, nur der Kuhschwanz der ist länglich
  • Alles ist verloren, nur die Ehre nicht.
    Franz I. (1494-1547), nach der Schlacht bei Pavia (1525) in dem Briefe an seine Mutter
  • Alles ist vollkommen.
    Mensch nichts ist unvolkommn: der Kieß gleicht dem Rubin:
    Der Frosch ist ja so schön alß Engel Seraphin.
    Angelus Silesius (1624-1677), Cherubinischer Wandersmann, Fünfftes Buch, Geistreicher Sinn- und Schluß-Reimen, 61
  • Alles ist wie der Ozean, alles fließt und berührt sich, an einer Stelle rührst du es an und am anderen Ende der Welt wird es gespürt und hallt es wider.
    Fjodor Dostojewski (1821-1881), Die Brüder Karamasow
  • Alles ist Zauber, Schein, Verblendung. Auch das Unangenehme.
  • Alles ist zu Anfang schwer, um so leichter hinterher.
  • Alles ist, aber das Sein wird.
    Johann Wilhelm Ritter (1776-1810), Fragmente aus dem Nachlaß eines jungen Physikers
  • Alles ist, nachdem man's schätzt.
    Johannes Fischart (1546-1590), Dichtungen
  • Alles ist, wie man einen in den Topf hineinlegt.
  • Alles ist
    Nicht schlimm am Alter. Die Erfahrung krönt's
    Mit mancher Weisheit, die der Jugend mangelt.
    Friedrich Schiller (1759-1805), Szenen aus den Phönizierinnen des Euripides, Jokaste
  • Alles junge Gras ist weich.
    Estland
  • Alles käme darauf an, ob Briefe anregend, produktiv, belebend seien.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), F. v. Müller, 18.2.1830
  • Alles kamme unsem leiwen Heren alleine anvertruggen, awwer kein jung Méaken un kein draug Hög.
    Westfalen
    info] Alles kann man unserm lieben Herrn allein anvertrauen, aber kein jung Mädchen und kein trocknes Heu.
  • Alles kann am Ende zur Philosphie werden, so z. B. Cervantes' Don Quijote.
    Novalis (1772-1801), Aphorismen und Fragmente, 1798-1800
  • Alles kann der Edle leisten,
    Der versteht und rasch ergreift.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Faust II A I, Anmutige Gegend (Chor) Vs 4664
  • Alles kann der Mensch vergessen, nur nicht zu essen.
  • Alles kann dir jederzeit gut vonstatten gehen, wenn du nur den rechten Weg betreten und diesem gemäß urteilen und handeln willst.
    Mark Aurel (121-180), Selbstbetrachtungen
  • Alles kann geheilt werden, außer der Dummheit.
    Arabien
  • Alles kann gekauft werden, aber keine Zeit.
  • Alles kann gestohlen werden, bloß nicht heißes Eisen und Mühlensteine.
    Estland
  • Alles kann Gott - nur eines nicht: Die enttäuschen, die ihm vertrauen.
    Ernst Modersohn
  • ALLES
  • Alles kann keiner. - Steiger, 482.
  • Alles kann Liebe: lachend entbehren, weinend gewähren, heißes Verlangen nähren in bangen, in einsamen Tagen - alles kann Liebe - nur nicht entsagen!
    Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), Grenzen der Liebe
  • Alles kann Liebe: zürnen und zagen, leiden und wagen, demütig werben, töten, verderben, alles kann Liebe.
    Marie von Ebner-Eschenbach, Grenzen der Liebe
  • Alles kann man beim Krämer kaufen, nur Liebe wider Willen nicht.
  • Alles kann man durch Höflichkeit bekommen.
    China
  • Alles kann man kaufen, außer einer Mutter und einem Vater.
    Tamil, Indien.
    var] Alles kannst du kaufen, nur Vater und Mutter kannst du nicht kaufen.
  • Alles kann man mit der Einsamkeit erwerben, nur nicht Charakter.
    Stendhal (1783-1842)
  • Alles kann man sauber machen, nur nicht einen schmutzigen Mund.
  • Alles kann man sich in der Einsamkeit aneignen, außer Charakter.
    Stendhal (1783-1842), Über die Liebe
  • Alles kann me usen léiwen Hergott anvertruggen, man kéine Déirens (Mädchen) un kéin dréug (trocken) Heu.
    Sauerland
  • Alles kann mit Geduld geheilt werden, nur für Ungeduld gibt es kein Heilmittel.
    Libanon
  • Alles kannst du kaufen, nur Vater und Mutter kannst du nicht kaufen.
  • Alles kaputt schwatzen.
    ndt] Alles kopot kallen.
    Meurs
    info] Das Wort kallen ist leider der hochdeutschen Schriftsprache abhanden gekommen und hält sich nur noch in den Mundarten.
  • Alles kehrt sich um, so wird aus gutem Böses, aus Engel Teufel und aus Jungfern Huren.
  • Alles kehrt wieder in seinen Ursprung.
    Der Leib von Erde her wird widerumb zur Erden:
    Sag weil die Seel von Gott / ob sie nicht Gott wird werden?
    Angelus Silesius (1624-1677), Cherubinischer Wandersmann, Fünfftes Buch, Geistreicher Sinn- und Schluß-Reimen, 234
  • Alles klar auf der Andrea Doria.
    geflügeltes Wort
  • Alles Kleine ist hübsch.
    en] Little things are pretty.
  • Alles Kleine ist Schönheit, selbst die jungen Hunde.
    Jemen
  • Alles Klopfen und Blasen ist von ihm.
    Jüdisch-deutsch
    info] Er maßt sich alle Ehrenämter an.
  • Alles ko ma machen - nur koa viereckete Kugel nit und koa eiserns Pfannaholz.
  • Alles kommt an den Mann, nur ich nicht, sprach das Mädchen.
  • Alles kommt an den Mann, sagte die Nonne, bloß ich nicht.
  • Alles kommt auf den Versuch an.
  • Alles kommt auf die Dosis an. Auch Champagner kann Gift werden.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), J. D. Falk, Dezember 1797
  • Alles kommt bei der Mission darauf an, dass der rohe sinnliche Mensch gewahr wird, dass es eine Sitte gebe, dass der leidenschaftliche ungebändigte merkt, dass er Fehler begangen hat, die er sich selbst nicht verzeihen kann. Die erste führt zur Annahme zarter Maximen, das letzte auf Glauben einer Versöhnung. Alles Mittlere von zufällig scheinenden Übeln wird einer weisen unerforschlichen Führung anheim gegeben.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 826
  • Alles kommt beim Denken darauf an, dass einem die rechte Vorstellung im rechten einfällt; nur hiedurch unterscheidet sich das Denkergenie vom Dummen, Toren, Narren, Blödsinnigen und Verrückten.
    Eduard von Hartmann (1842-1906), Philosophie des Unbewussten
  • Alles kommt einem vor Augen, ehe man siebzig ist.
    Jiddisch
  • Alles kommt in der Wissenschaft auf das an, was man ein Aperçu nennt, auf ein Gewahrwerden dessen, was eigentlich den Erscheinungen zum Grunde liegt. Und ein solches Gewahrwerden ist bis ins Unendliche fruchtbar.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Geschichte der Farbenlehre 5. Abt. - Galilei
  • Alles kommt nach Haus zurück.
    Serbien
  • Alles kommt schließlich zu dem, der warten kann.
  • Alles kommt und alles geht.
  • Alles kommt von Gott - außer Frauen.
    Italien
  • Alles kommt von Gott, nur nicht Gottesfurcht.
    Talmudisch
    fr] Tout vient de Dieu.
    la] Deus omnia non dat omnibus.
  • Alles kommt zu dem, der warten kann.
  • Alles kommt zu dem, der wartet.
  • Alles kommt zu denen, die warten können.
  • Alles kommt zu seiner Zeit, nur nicht der Skandal, dessen Zeit ist immer.
    England
  • Alles kommt zur rechten Zeit dem, der warten kann.
    fr] Tout vien à point à qui (o. si l'on) sait attendre.
  • Alles Komplizierte ist kurzlebig.
    Oswald Spengler (1880-1936), Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass
  • Alles komt auß dem verborgenen.
    Wer hatte das vermeint! auß Finsternüß komts Licht /
    Das Leben auß dem Tod / das etwas auß dem Nicht.
    Angelus Silesius (1624-1677), Cherubinischer Wandersmann, Vierdtes Buch, Geistreicher Sinn- und Schluß-Reimen, 163
  • Alles komt heraus wie Baumöl auf Wasser.
    Jüdisch-deutsch, Brody
  • Alles komt terecht.
  • Alles komt uit.
  • Alles Können und Vermögen der Menschen verlangt nach Betätigung; ein kriegerisch starkes Volk wird mit der Zeit, allen Opfern zum Trotz, ein kriegerisches Volk werden, denn die Opfer, die im Frieden gebracht werden, sind saurer als die andern, weil sie des glänzenden Lohnes entbehren.
    Carl Spitteler (1845-1924), Politische Tagesberichte: Militärische Curiosa
  • Alles könnte geschehen. Aber nur manches geschieht.
  • Alles kostet Geld, was nur irgend auf Bast steht.
    ee] Kik massab raha, mis vähä niidse pääl seisab.
  • Alles kummd vun ebben he(r).
    Kurpfalz
    de] Alles kommt von etwas her.
  • Alles kümmt mir zü, nor kein Batel Geld.
    info] Die Sprache eines Menschen, dem vorherrschend Unangenehmes begegnet.
  • Alles kündet dich an!
    Erscheinet die herrliche Sonne,
    Folgst du, so hoff ich es, bald.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Gegenwart
  • Alles kurz und klein kallen.
    Meurs
  • ALLES
  • Alles lässt sich sagen.
    info] Aber nicht allemal ausführen, und dann kommt dabei sehr viel auf die Form und den Stil an.
  • Alles lässt sich überwinden durch Standhaftigkeit, alles lässt sich vergessen, wenn man seine Aufmerksamkeit auf einen anderen Gegenstand heftet.
    Adolph Knigge (1752-1796), Über den Umgang mit Menschen
  • Alles lässt sich verbergen, nur nöt de Lungl im Häherl und Die Liebe im Hûs.
    info] Die Lunge bläht sich im Sieden auf.
  • Alles Leben draußen ist nur wie Einschlafen in Kleidern. Daheim erst liegt man im Bett.
    Berthold Auerbach (1812-1882)
  • Alles Leben hat keinen Stillestand, und das schönste ist das schnellste.
    Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen
  • Alles Leben im Kosmos steht in engster Verbundenheit: nicht nur Pflanze und Erde, sondern auch Sonne und Erde, Tiere und Pflanzen, darüber hinaus das All, die Sterne ( ... ).
    Oswald Spengler (1880-1936), Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass
  • Alles Leben in Staat und Gesellschaft beruht auf der stillschweigenden Voraussetzung, daß der Mensch nicht denkt. Ein Kopf, der nicht in jeder Lage einen aufnahmsfähigen Hohlraum darstellt, hat es gar schwer in der Welt.
    Karl Kraus, Aphorismen. Mensch und Nebenmensch
  • Alles Leben ist ein überschwänglicher Erneuerungsproceß ...
    Novalis (1772-1801), Poeticismen
  • Alles Leben ist Kampf, weil es Feuer ist.
    Oswald Spengler (1880-1936), Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass
  • Alles Leben ist Leiden.
    Arthur Schopenhauer (1788-1860), Die Welt als Wille und Vorstellung
  • Alles Leben ist Lüge. Das Rätsel des Daseins, der Welt wird niemals erraten werden. Irgendein Furchtbares steht über uns: Das Schicksal bei jedem Volk mit andern Namen genannt, das Schicksal, dem keiner entrinnen kann.
    Detlev von Liliencron (1844-1909), Leben und Lüge
  • Alles Leben steht auf Messers Schneide. Gleite aus und du ertrinkst in Leide.
    Christian Morgenstern (1871-1914), Sprüche
  • Alles Leben trägt (s)ein Ideal in sich: der innerste Trieb des geistigen Lebens ist die Bewegung nach der Idee, nach einer größeren Vortrefflichkeit. Dieser Trieb ist ihm angeboren, bei seinem Ursprung eingepflanzt.
    Leopold von Ranke (1795-1886)
  • Alles Leben, auch nur einer Minute, hat ewige Gesetze hinter sich.
    Jean Paul (1763-1825), Aphorismen
  • Alles Lebendige bildet eine Atmosphäre um sich her.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
  • Alles lebendige entspringt aus keiner Quelle allein, sondern aus unzähligen Adern. Was aus einer allein entspringt, kann nicht lange bestehen.
    Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen
  • Alles Lebendige ist ein Gehorchendes.
    Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900), Also sprach Zarathustra
  • Alles Lebendige ist umflossen vom Äther der Sinnlichkeit. Oder: Die Luft der lebendigen Welt ist ein leicht entzündliches und jeden Augenblick an hunderttausend Punkten aufflammendes Gas: Sinnlichkeit.
    Christian Morgenstern (1871-1914), Aufstieg
  • Alles Lebendige strebt zur Farbe, zum Besondern, zur Spezifikation, zum Effekt, zur Undurchsichtigkeit bis ins unendlich Feine. Alles Abgelebte zieht sich nach dem Weißen, zur Abstraktion, zur Allgemeinheit, zur Verklärung, zur Durchsichtigkeit.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Entwurf einer Farbenlehre 3. Abt 586
  • Alles Leid entsteht durch Unzufriedenheit und Gier.
  • Alles Leiden hat etwas Göttliches, denn insofern es Leiden ist, muss es noch ertragen werden können, obgleich schwer und mit Mühe. Für eine Natur, die darunter erliegt oder es gar nicht fühlt, ist es kein Leiden mehr.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Riemer, 26.6.1810
  • Alles Leiden kommt aus Nichtwissen.
  • Alles liebt und paart sich wieder.
    Wilhelm Gottlieb Becker (1753-1813), Frühlingsempfindung
  • Alles liegen und gehen lassen, wie es lieget und gehet.
  • Alles liegt an der Empfänglichkeit.
    Vermöcht' ich GOtts so viel als Christus zu empfangen /
    Er liesse mich darzu im Augenblik gelangen.
    Angelus Silesius (1624-1677), Cherubinischer Wandersmann, Erstes Buch, Geistreicher Sinn- und Schluß-Reimen, 128
  • ALLES
  • Alles liegt an Zeit und Glück.
    fr] Il n'y a qu'heur et malheur en ce monde.
  • Alles Lob, das man den alten Sprachen als Bildungsmitteln erteilt, fällt doppelt der Muttersprache anheim, welche noch richtiger die Sprachmutter hieße.
    Jean Paul (1763-1825)
  • Alles loben, alles tragen,
    Allen heucheln, stets behagen,
    Allem Winde Regel geben,
    Anders sein und anders scheinen,
    Anders reden, anders meinen,
    Bös' und Guten dienstbar leben,
    Alles Tun und alles Dichten,
    Bloß auf eignen Nutzen richten;
    Wer sich dessen will befleißen,
    Kann politisch heuer heißen.
    Friedrich von Logau (1605-1655), Heutige Weltkunst
  • Alles Lyrische muss im ganzen sehr vernünftig, im einzelnen ein bisschen unvernünftig sein.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 130
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