DICTUM

Al

  • BEGEHEN
  • Alles werde langsam begangen, ausgenommen das Flöhefangen.
  • Alles Wichtige wird einsam getan, alles Nichtige gesellig.
    Jean Paul (1763-1825)
  • Alles wie es fällt, sagte der Junge, als die Frau mit dem Nasentropfen ihn fragte, ob er einen Pfannkuchen haben will.
    ndt] All as't fallt, sä de Jung, as de ol Frau mit'n Nasdrüppel em frög, ob he'n Pankoken hebben wull.
  • Alles wie sich's gehört, sagte die Frau und sie kämmte ihrem Manne die Haare mit den Fingernägeln.
    nl] Alle ding zoo 't behoort, zei de vrouw, en zij sloeg haar' man met te tong.
  • Alles wiederholt sich nur im Leben,
    Ewig jung ist nur die Phantasie.
    Was sich nie und nirgends hat begeben,
    Das allein veraltet nie.
    Friedrich Schiller (1759-1805), An die Freunde
  • Alles wiederholt sich.
    ee] Kaik kerdub.
  • Alles will einen Willen haben.
  • Alles will gelernt sein.
    en] Every trade has to be learnt.
  • Alles will reden, jeder will wandeln,
    Ich allein soll nicht sprechen
    Noch handeln.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Zahme Xenien V
  • Alles wimmelt von Kommentaren; an Autoren aber ist großer Mangel.
    Michel de Montaigne (1533-1592), Essais
  • Alles wird alt wie ein Rock.
    Estland
  • Alles wird darum geboren,
    dass es wieder sei verloren.
    Nichts bleibt allzeit, was so ist.
    Paul Fleming (1609-1640), Auf Herren Timothei Poli neugebornen Töchterleins ... Absterben
  • Alles wird dich zufriedenstellen außer Geld, je mehr du hast, desto mehr willst du.
    Maurisch
  • Alles wird geleugnet werden. Alles wird Glaubensartikel werden.
    Gilbert Keith Chesterton (1874-1936), Heretiker
  • Alles wird gut - will nur besagen, dass alles von unveränderlichen Gesetzen regiert wird.
    Voltaire (1694-1778)
  • Alles wird gut gehen, außer wenn eine alte Frau heiratet.
    Altfranzösisch
  • Alles wird klein, wenn der Verstand darauf losgeht.
    Oswald Spengler (1880-1936)
  • Alles wird man dir verzeihen, aber man ist unerbittlich gegen das Genie.
    Heinrich Heine (1797-1856), Von Luther bis Kant
  • Alles wird man ja satt, des Schlafes sogar und der Liebe,
    Auch des süßen Gesangs und bewunderten Reigentanzes.
    Homer (8. Jh. v. Chr.), Ilias, XIII, 636/37
  • Alles wird man ja satt, des Schlummers selbst und der Liebe, auch des süßen Gesangs und bewunderten Reigentanzes.
    Homer (8. Jh. v. Chr.), Ilias
  • Alles wird matt, alles zerbricht, alles vergeht.
  • Alles wird matt, zerbricht, vergeht.
    Frankreich
    fr] Tout lasse, toute casse, tout passe.
  • Alles wird schlechter, nur eines wird besser, die Moral wird schlechter.
  • Alles wird teurer, nur die Ausreden werden immer billiger.
  • Alles wird uns Genuss, so schön ist das Leben gerundet,
    Selbst der Tod, denn der Schlaf ist der genossene Tod.
    Friedrich Hebbel (1813-1863), Epigramme
  • Alles wird uns heimgezahlt, wenn auch nicht von denen, welchen wir geborgt haben.
    Marie von Ebner-Eschenbach
  • Alles wird uns schön was einige Relation auf sinnliche Liebe hat, in den Stunden da der tierische Affekt selbst schläft, und unsere übrigen sinnlichen Werkzeuge einer Seele gegenüberstehen, die voll von dem Gedanken eines vergangenen Vergnügens und eines künftigen nach Belieben würklichen ist. Wir sehen alsdann vieles was wir nicht würden gesehen haben. Wir haben die armen Knaben nicht mehr lieb wie die Griechen, wenn unsere neuere Zeiten ein schönes Stück in der Bildhauerkunst liefern, so muß es ein Mädgen sein. Der christliche Künstler findet die Schönheit nicht, und wenn er sie fände und anbrächte, so erkennt sie der Anschauer wieder nicht.
    Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Aphorismen (Sudelbücher), 1768 - 1771
  • Alles wird untergehen außer Liebe und Musik.
    Gälisch
  • Alles wird vergehen außer dem Guten, das du getan hast.
    fr] Tout passera, sauf le bien que tu as fait.
  • Alles wird zugrunde gehen außer der Liebe und der Musik.
    Schottland
  • Alles Wirken auf andere geht von dem Wirken auf sich aus, und auf sich wirkt man still und schweigend und anspruchslos?
    Wilhelm von Humboldt (1767-1835), an Karoline, 6.11.1790
  • Alles wirkliche Dichten und Denken nämlich ist gewissermaßen ein Versuch, den kleinen Leuten einen großen Kopf aufzusetzen: kein Wunder, dass er nicht gleich gelingt.
    Arthur Schopenhauer (1788-1860), Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken
  • Alles Wissen besteht in einer sicheren und klaren Erkenntnis.
    René Descartes (1596-1650), Regeln zur Leitung des Geistes
  • Alles wissen die Frauen, selbst wie Zeus die Hera entführte.
    Altgriechisch
    info] Das war in aller Heimlichkeit geschehen.
  • Alles Wissen geht aus einem Zweifel hervor und endigt in einem Glauben.
    Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), Aphorismen
  • Alles Wissen hat nur dann einen Wert, wenn es uns tatkräftiger macht. Wenn Allwissenheit ohne Allmacht denkbar wäre, so müsste dies die furchtbarste Qual der Hölle sein.
    József Eötvös (1813-1871), Gedanken
  • Alles Wissen ist Erinnerung.
    Thomas Hobbes (1588-1679)
  • Alles Wissen ist zuletzt Wissen vom Leben und alles Erkennen Staunen über das Rätsel des Lebens.
  • Alles wissen macht Kopfpein (o. Kopfweh).
  • Alles Wissen stammt aus der Erfahrung.
  • Alles Wissen wird nicht in der Schule unterrichtet.
  • Alles Wissen zerfetzt die Welt; aber seine Summe, die Weisheit, setzt sie wieder zusammen. Die Wahrheitsprobe aller Philosophie wird die Wiederübereinstimmung mit dem Uranfänglichen sein.
    Emil Gött (1864-1908), Aphorismen
  • Alles Wissen, das wir aus den Quellen schöpfen, wollen wir in uns verarbeiten, damit es nicht als Fremdkörper wirkt. Wir müssen es verdauen, sonst prägt es sich nur unserem Gedächtnis ein, wird aber nicht Eigentum unserer Persönlichkeit.
    Lucius Annaeus Seneca (1-65), Mächtiger als das Schicksal
  • Alles wissenschaftliche Arbeiten ist nichts anderes, als immer neuen Stoff in allgemeine Gesetze zu bringen.
    Wilhelm von Humboldt (1767-1835), Briefe an eine Freundin, 7. 4. 1833
  • Alles wohlbedacht und auch das End' betracht't.
  • Alles Wohlbehagen, alle Zufriedenheit ist einfach, sie mögen, woher es auch sei, entspringen.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Des jungen Feldjägers Kriegskamerad
  • Alles Wunder ist einmal Wunderlichkeit gewesen, kein Heiliger ist vom Himmel gefallen.
  • Alles wünscht ich zu haben, um mit ihr alles zu teilen,
    Alles gäb ich dahin, wär sie, die Einzige, mein.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Vierjahrerzeiten - Herbst 33
  • Alles zählen und abwägen.
    Jesus Sirach 42, 7
  • Alles zerfällt im Augenblick, wenn man nicht ein Dasein erschaffen hat, das über dem Sarge noch fortdauert. Um wen bei seinem Alter Söhne, Enkel und Urenkel stehen, der wird oft tausend Jahre alt.
    Adalbert Stifter (1805-1868), Der Hagstolz
  • BEIN
  • Alles zu beine binden. - Henisch, 262.
    info] Sich jede Kleinigkeit zu Herzen nehmen.
  • Alles zu Bolzen drehn.
    info] Alles übel auslegen. Es ist übrigens die Sache im buchstäblichen Sinne nicht so leicht, denn ein guter Bolzen darf weder zu schwer, noch zu leicht sein, er muss gehörige Länge und Rundung, er muss sein richtiges Gewicht haben. Listige Anschläge an die Hand geben.
    ndt] Alles to Bolten dreihn.
  • Alles zu Gottes Ehre und dem Vaterland zum Besten.
  • Alles zu Gottes Ehre, sagen die Jesuiten, wenn sie ein Schelmstück üben.
  • Alles zu meinem besten, sagte der Junge, da schlugen sie ihm den Stock auf dem Buckel kaputt.
    ndt] All to mînen Besten, säd' de Jung, dôr slögen se em den Stock up'n Puckel entzwei.
  • Alles zu Nutzen.
    info] Medaille der Fruchtbringenden Gesellschaft. Nach einer Abbildung stellt das Ordenskleinod eines Mitgliedes der Gesellschaft auf der einen Seite das Sinnbild der Gesellschaft dar: den indianischen Palmbaum (Kokosnuss) mit dem Sinnspruch: 'Alles zu Nutzen.'
  • Alles zu rechter Zeit und mit Bedacht, willst du nicht sein ausgelacht.
  • Alles zu retten, muss alles gewagt werden. Ein verzweifeltes Übel will eine verzweifelte Arznei.
    Friedrich Schiller (1759-1805), Die Verschwörung des Fiesco zu Genua IV,6
  • Alles zu seiner Zeit, einen Buchweizenkuchen im Herbste.
  • Alles zu seiner Zeit, Freud' und daneben Leid.
  • ALLES
  • Alles zu seiner Zeit, sagt der Prediger (Koheles). - Tendlau, 886.
  • ALLES
  • Alles zu seiner Zeit, sagt Salomo, zu seiner Zeit essen, zu seiner Zeit trinken und fasten und zu seiner Zeit an die Pumpe tasten.
  • Alles zu seiner Zeit, sagte der Prediger (Koheles).
  • Alles zu seiner Zeit, sprach der Schafbock, als ihm der Kopf abgeschnitten wurde.
  • Alles zu seiner Zeit, sprach der weise Salomon, zu seiner Zeit essen, zu seiner Zeit trinken und zu seiner Zeit an den Schwanz.
  • Alles zu seiner Zeit, Steinelesen, Ährenlesen.
    Litauen
  • Alles zu seiner Zeit.
    ee] Iga asi tuleb omal ajal.
    en] Everything at the proper time.
    en] Everything in due season.
    en] Everything in its (own) season.
    es] A cada puerco le llega su San Martin.
    es] Cada cosa en su tiempo (y los nabos en adviento).
    fi] Aikansa kutakin.
    fr] Chaque chose en son temps.
    it] Bisogna fare la festa, quando è il Santo.
    la] Omnia tempora tempus habent.
    pl] Każda rzecz ma swój czas.
    pl] Wszystko w swoim czasie.
    ru] Всему своё время.
  • Alles zu wissen ist, nichts zu wissen.
  • Alles zu wissen noch viel zu jung, alle Jungfern zu küssen noch keinen Mund.
  • Alles zu wissen noch viel zu jung, alte Weiber im Arsch zu lecken noch Zeit genung.
  • Alles zu wissen, ist er noch viel zu jung.
    Köthen
  • Alles zu wissen, macht Kopfschmerzen.
  • Alles zur größeren (o. höheren) Ehre Gottes.
    la] Omnia in maiorem Dei gloriam. (O. A. M. D. G.)
    info] Oft in den Dekreten des Trienter Konzils, 1545-63, auch Wahlspruch der Jesuiten.
  • Alles zur Morgensuppe verschlingen (o. verschlungen) ist ein böser Imbiss.
  • AUSDRESCHEN
  • Alles zusammen ausdreschen.
  • Alles zusammen, mit Näh- und Drehseide.
    Köthen
  • Alles zusammenscharren.
  • Alles zuviel is nix wert.
  • Alles, alles paart sich, ich allein bleib' übrig, sagte die Maid.
    Ulm
    info] Klage einer alternden, verzweifelnden Jungfrau.
  • Alles, auch das Erhabenste, verkleinert sich unter den Händen der Menschen, wenn sie die Idee desselben zu ihrem Gebrauch verwenden.
    Immanuel Kant (1724-1804), Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
  • Alles, auch das sittlich Abnormste, bietet eine Seite dar, von wo es als groß erscheinen kann.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), zu F. Weitze, 19. Aug. 1805
  • Alles, im Kleinen und Großen, beruht auf Weitersagen.
    Christian Morgenstern (1871-1914), Stufen
  • Alles, nur das nicht!
    fr] Tout, mais pas ça!
  • Alles, sagt jemand, geschieht nach bestimmten Gesetzen, ob Götter sind oder ob aus Atomen.
    Marc Aurel (121-180), Selbstbetrachtungen
  • Alles, war wir denken, ist entweder Zuneigung oder Abneigung.
    Robert Musil (1880-1942)
  • Alles, was an den historischen Arbeiten beschränkte Vernunft des Menschen ist - alles das wird sozusagen korrigiert und ergänzt durch die Vernunft der Menschheit.
    Wissarion Grigorjewitsch Belinski (1811-1848), Über das Buch 'Leitfaden für das Studium der Geschichte der Neuzeit'
  • Alles, was an die Wand pissen kann.
    info] Es zog mit in den Befreiungskrieg, alle nur einigermaßen Mannbaren.
  • Alles, was an einem Gemeinsamen Anteil hat, strebt zum Verwandten.
    Mark Aurel (121-180), Selbstbetrachtungen
  • Alles, was an und in mir ist, werde ich mit Freuden mitteilen. Denn da ich sehr lebhaft fühle, dass mein Unternehmen das Maß der menschlichen Kräfte und ihrer irdischen Dauer weit übersteigt, so möchte ich manches bei Ihnen deponieren und dadurch nicht allein erhalten, sondern auch beleben.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), an Schiller, 27.8.1794
  • Alles, was auf den Augenblick anspielt und so die Gemüter stoffartig erregt, habe ich immer vermieden, nicht, weil ich es im Ganzen für unzulässig halte, sondern weil ich gefunden habe, dass der Enthusiasmus eigentlich nur die große Masse wohl kleidet.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), an A. v. Arnim, 23.2.1814
  • Alles, was auf erden ist, vergeht, lob, ehr und tugend ewig besteht.
  • Alles, was auf uns wirkt, ist nur Anregung, und, Gott sei dank, wenn sich nur etwas regt und klingt.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), an Zelter, 7. Nov. 1816
  • Alles, was aus der Erde kommt, muss wieder zur Erde werden.
    Sirach 40, 11
  • Alles, was außer dem guten Lebenswandel der Mensch noch tun zu können vermeint, um Gott wohlgefällig zuwerden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes.
    Immanuel Kant (1724-1804), Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
  • Alles, was außer mir ist, ist mir nun fremd. Ich habe in dieser Welt weder Nächsten noch meinesgleichen noch Brüder mehr.
    Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Träumereien eines einsamen Spaziergängers
  • Alles, was Beine hat.
  • Alles, was bloß von Menschenhänden gemacht ist zum Nutzen der Gesellschaft, wird am Ende doch niedergerissen und übertreten, wenn der Strom in hohen Fluten heranschwillt.
    Wilhelm Heinse (1746-1803), Aphorismen
  • Alles, was Brot gibt, ist ein Amt.
    ee] Ammet kõik, mis leiba annab.
  • Alles, was das Herz begehrt.
  • Alles, was das Publikum von einem Schriftsteller, der ohne zu weit getriebene Ansprüche auftritt, fordern kann, ist, dass er durch seine Werke nichts dazu beitrage, Korruption, Dummheit und Intoleranz zu verbreiten.
    Adolph Knigge (1752-1796), Über den Umgang mit Menschen
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