Schedl, Gerhard
* 5. Aug. 1957 in Wien
+ 30. Nov. 2000 in Eppstein (Taunus)
Komponist

Der renommierte österreichische Komponist Gerhard Schedl hat sich in einem Waldstück nahe seiner Wohnung in Eppstein/Taunus erschossen. Der 43-jährige Schedl galt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten. Er habe seit längerer Zeit an schweren Depressionen gelitten, hieß es in österreichischen Medienberichten.
Schedl, 1957 in Wien geboren, gelang als Komponist mit seinem Dostojewski-Oratorium «Der Großinquisitor» 1980 der internationale Durchbruch. Seine Kinderoper «Der Schweinehirt» nach dem Märchen von Hans Christian Andersen wurde in Dresden, München, Wien, Moskau und Frankfurt aufgeführt. Seine Bühnenwerke «Triptychon» (1990), «Glaube, Liebe Hoffnung» (1993) und «Fremd bin ich eingezogen» (1997) feierten ihre Premieren am Salzburger Landestheater. Hier sollte am 9. Dezember auch «Julie & Jean», eine Oper nach Strindbergs Drama «Fräulein Julie», uraufgeführt werden. Der Termin war jedoch «wegen Realisierungsproblemen» in die Spielzeit 2002/03 verschoben worden. Erst vor wenigen Wochen war seine Oscar-Wilde-Oper «Zwerge, Riesen, Menschenfresser» beim Festival Carinthischer Sommer im österreichischen Villach uraufgeführt worden. Schedls komponierte überdies Symphonien, Konzerte und Solowerke.
Zuletzt arbeitete er an seiner vierten, der so genannten «Belfast- Symphonie», die 2001 zur Uraufführung kommen sollte und sich mit der politischen Lage in Nordirland befasst. In seiner Musik solle «das zarte Rauschen der Stille» ebenso seinen Platz haben wie «die großen, wilden, pathetischen» Gesten». Er wolle mit seinen Kompositionen «ins Herz treffen», charakterisierte Schedl einmal sein Schaffen.

Bühnenwerk

  • Der Großinquisitor, Szenisches Oratorium (1979/80; 1981 Zell am See)
  • Der Schweinehirt (Hans Christian Andersen), Kinderoper (1981 Dresden)
  • Kontrabaß (Attila Böcs nach Siegfried Pietschmann), Kammeroper (1982; 1984 Dresden)
  • Schall und Rauch oder Das Leben ist hart genug, Drei Parodien für einen Schauspieler und Kammerensemble (1983; 1984 Wien)
  • S.C.H.A.S (H. C. Artmann), Skuriles Musiktheater (1986-1988; 1989 Wien)
  • Pierre et Luce (Attila Böcs nach Romain Rolland), Lyrische Kammeroper (1989; 1990 Salzburg)
  • Riesen, Zwerge, Menschenfresser (Herbert Vogg nach Oscar Wilde, Der selbstsüchtige Riese), Musiktheater (1989; 2000 Ossiach)
  • Glaube, Liebe, Hoffnung (Attila Böcs nach Ödön von Horvath), Oper (1991/92; 1993 Salzburg)
  • '... fremd bin ich eingezogen...', Tanz- und Musiktheater (1995/96; 1997 Salzburg)
  • Der Ficus spricht (Franzobel), Minidrama (1998; 1998 Krems an der Donau)
  • Julie & Jean. Ein Match in 12 Runden (Bernhard Glocksin nach August Strindberg, Fräulien Julie), Musiktheater (1999; 2003 Wien)

    list home