A Musiklexikon A
a ballata (ital.) - im Charakter der Ballata; tanzliedartig
a bassa voce (ital.) - mit leiser Stimme; leise
a battuta (ital. = im Takt) - (wieder) streng im Takt; kennzeichnet den Wiedereintritt streng taktmäßiger Gliederung nach einer im Takt freien Stelle. Syn.: misurato, a tempo
a beneplacito (ital.) - nach Belieben, frei im Vortrag; > ad libitum
a cadenza (ital.) - kadenzartig, frei zu interpretieren oder zu improvisieren
a capella (ital. früher auch a oder alla capella = nach Art der Sänger-Kapellen) - Vokalmusik ohne Instrumentalbegleitung. Der a-capella- Stil (etwa bei Palestrina) verlangt eine Setzweise, in der die Sänger ohne Instrumentalhilfe rein intonieren können. Die beste Schule dieser Schreibart bietet Fux, Gradus ad Parnassum. Eine besondere Bedeutung hatte sie im 16. Jh. durch die humanistischen Wort-Ton-Ideale
a capriccio (ital.) - in beliebigem, freiem Zeitmaß; > ad libitum
a capriccio (ital.) - nach Laune, nach Belieben; frei im Vortrag
à demi détaché (franz.) - halb abgestoßen; > détaché
a destra (ital.) - rechts, für die rechte Hand
à deux (franz.) - 1. zu zweit; doppelt besetzt. 2. in zweistimmiger Besetzung
à deux cordes (franz.) - auf zwei Saiten, zweichörig; beim Klavierspiel mit halber Verschiebung (linkes Pedal)
à deux mains (franz.) - zu zwei Händen; (Klaviermusik) zweihändig
à deux voix (franz.) - für zwei Stimmen, zweistimmig
a due (ital.) - 1. zu zweit, doppelt besetzt. 2. in zweistimmiger Besetzung
a due corde (ital.) - auf zwei Saiten, zweichörig; beim Klavierspiel mit halber Verschiebung (linkes Pedal)
a due mani (ital.) - zu zwei Händen; (Klaviermusik) zweihändig
a due voci (ital.) - für zwei Stimmen, zweistimmig
a due volte (ital.) - zweimal
à la même (franz.) - im Zeitmaß; vgl. a tempo
à la pointe de l'archet (franz.) - an der Spitze des Bogens
à l'envers (franz.) - umgekehrt, in Gegenbewegung
a libro aperto (ital.) - frei vom Blatt
à mesure (franz.) im Takt, (wieder) streng im Zeitmaß; > a battuta
a mezza corda (ital.) - auf der Mitte der Saite, auf halber Saite
a mezza voce (ital.) - mit halber Stimme; halblaut
a mezzo arco (ital.) - in der Mitte des Bogens, mit halbem Bogen
a misura (ital.) - (wieder) streng im Takt; > a battuta
a piacere, a piacimento (ital.) - nach Belieben, frei im Vortrag; > ad libitum
die Wahl des Tempos und der Vortragsweise ist freigestellt
à plaisir (franz.) - nach Belieben, frei im Vortrag; > ad libitum
a poco a poco (ital.) - nach und nach, allmählich (mit Vortragsbezeichnung)
à première vue (franz. = auf den ersten Blick) - vom Blatt
a prima vista (ital.) - vom Blatt
a primo tempo (ital.), tempo I - im ersten Zeitmaß
a punta d'arco (ital.) - mit der Spitze des Bogens
à quatre (franz.) - 1. zu viert, vierfach besetzt. 2. in vierstimmiger Besetzung
à quatre cordes (franz.) - auf vier Saiten, vierchörig
à quatre mains (franz.), à 4 ms - zu vier Händen; (Klaviermusik) vierhändig
à quatre voix (franz.) - für vier Stimmen, vierstimmig
a quattro (ital.) - 1. zu viert, vierfach besetzt. 2. in vierstimmiger Besetzung
a quattro corde (ital.) - auf vier Saiten, vierchörig
a quattro mani (ital.) - zu vier Händen; (Klaviermusik) vierhändig
a quattro voci (ital.) - für vier Stimmen, vierstimmig
a sei (ital.) - 1. zu sechst, sechsfach besetzt. 2. in sechststimmiger Besetzung
a sinistra (ital.) - links, für die linke Hand
à six (franz.) - 1. zu sechst, sechsfach besetzt. 2. in sechststimmiger Besetzung
a suo arbitrio (ital.) - nach eigenem Ermessen; > ad libitum
a suo comodo (ital.) - nach eigenem Belieben; > ad libitum
a tempo (ital.) - im Zeitmaß; nach zeitweiliger Tempoänderung (z. B. accelerando, ritardando) oder Aufhebung der strengen Taktordnung (z. B. tempo libero, tempo rubato) wieder im vorhergehenden Zeitmaß
a tempo giusto (ital.) - im angemessenen Zeitmaß
a tempo libero (ital.) - im freien Zeitmaß
a tempo ordinario (ital.) - im gewohnten Zeitmaß
a tempo primo (ital.) - im ersten (ursprünglichen) Zeitmaß
a tempo rubato (ital.) - im willkürlichen, freien Zeitmaß
a tre (ital.), a 3 - zu dritt, dreifach besetzt; in dreistimmiger Besetzung
a tre battute (ital.) - in der aus drei Takten zu einem Großtakt zusammengefaßten metrischen Einheit; > ritmo di tre battute
a tre corde (ital.) - auf drei Saiten, dreichörig; beim Klavierspiel Aufhebung der Verschiebung nach Gebrauch des linken Pedals
a tre voci (ital.) - für drei Stimmen, dreistimmig
à trois (franz.) - zu dritt, dreifach besetzt; in dreistimmiger Besetzung
à trois cordes (franz.) - auf drei Saiten, dreichörig; beim Klavierspiel Aufhebung der Verschiebung nach Gebrauch des linken Pedals
à trois voix (franz.) - für drei Stimmen, dreistimmig
à una corde (franz.) - auf einer Saite, einchörig; beim Klavierspiel mit voller Verschiebung (linkes Pedal)
a una voce (ital.) - für eine Stimme, einstimmig
à une main (franz.) - für eine Hand; (Klaviermusik) einhändig
à une voix (franz.) - für eine Stimme, einstimmig
a voce piena (ital.) - mit voller Stimme
a voce sola (ital.) - für eine (Sing-)Stimme allein, ohne Instrumentalbegleitung
à volonté (franz.) - nach Belieben, frei im Vortrag; > ad libitum
ab initio (lat.), ab inizio (ital.) - (noch einmal) vom Anfang an; > da capo
abbandóno , con (ital.) - nachlassend
abbandona(ta)mente, con abbandone (ital.) - hingebungsvoll, mit Hingabe; langsamer werdend
abbassamento di voce (ital.) - Sinkenlassen der Stimme
abbassando (ital.) - schwächer werdend; > diminuendo
abbellimenti (ital. - Verzierungen), angewandt sowohl bei improvisierten und notierten Verzierungen, als auch bei freien Ausschmückungen und speziellen Verzierungen
Abbreviaturen , Abkürzungen der Notation durch Zeichen, vor allem 1. bei mehrmaliger Wiederholung von Tönen, Tonfiguren oder Takten; 2. bei Verzierungen; 3. beim Glissando oder bei gleichartiger Fortsetzung einer Passage oder Figuration; 4. bei Oktavversetzung; > agréments
Abruptio [lat. das Abreißen ], in der Kompositionslehre des 17. und 18. Jh. eine musikalische Figur (ohne rhetorisches Vorbild dieses Namens), deren allgemeines Merkmal das unerwartete Abbrechen oder Zerreißen des musikalischen Kontextes ist. Im Stylus recitativus ist die A. nach Chr. Bernhard (um 1650) und J.G. Walther (1732) gegeben, wenn die Singstimme in der Quarte endet und der Baß die Kadenz allein zu Ende führt oder (nach Bernhard), wenn statt eines Verlängerungspunktes eine Pause gesetzt wird. H.Chr. Koch (1802) beschreibt sie als Abbrechen des Satzes an ungewöhnlichem Ort, z.B. wenn nach Subdominante und Dominante eine Generalpause folgt, ehe die Tonika erscheint. Die A. ist verwandt mit der > Ellipsis.
Abschiedsvorstellung - die letzte Bühnenvorstellung in der Karriere eines Darstellers
Abstrich, Aufstrich [franz. tiré, poussé; engl. downstroke, upstroke; ital. in giù, in su], beim Streichinstrumentenspiel die Richtung der Bogenbewegungvom Frosch zur Spitze (a.) und umgekehrt (Aufstrich). Bei Bogenführung mit Untergriff (Viola da gamba) werden betonte Töne und gehaltene Akkorde mit Aufstrich, bei modernen Instrumenten mit Obergriffhaltung (wie der Violine) mit A. gespielt; hier eignet sich der Aufstrich zur Ausführung der Stricharten > staccato > portato
accarezzevole (ital.) - schmeichelnd, mit liebkosendem Ausdruck
accelerando sino al(la) fine (ital.) - bis zum Schluß (allmählich) schneller werdend
accelerando, con accelerazione (ital.) - beschleunigend, (allmählich) schneller werden; mit Beschleunigung, zu schnellerem Zeitmaß übergehend. Syn.: stringendo, affrettando
accelerato (ital.) - beschleunigt
accent (frz.) Gesangsverzierung in der Barockmusik, bei der am Ende einer längeren Note der nächsthöhere Ton leicht anklingt, wie 'ein Hauch oder ein schmerzliches Anheben der Stimme' (Montéclair)
accento (ital.), Gesangsart des 17. Jahrhunderts (M. Praetorius), auch superjectio gennant. Art Nachschlag 'wenn über eine Consonanz oder Dissonanz eine Note im nächsten Intervallo drüber gesetzet wird'
accentus (lat.) = Betonung. Seit dem 16. Jahrhundert im gregorianischen Gesang und der altevangelischen Kirchenmusik Sammelbegriff für den bloß formelhaften Gesangsvortrag (accentus ecclesisastici) , der hauptsächlich das Rezitieren auf einem Ton und die Verwendung melodischer Formeln für die Akzentuierung und die syntaktische Gliederung des Textes verwendet (Lese-, Gebets-, Psalmton, Lektionen, Orationen) im Gegensatz zu den selbständigen melodischen Gebilden des concentus (Antiphonen, Responsorien, Hymnen, Sequenzen). In dem quasi parlando oder unbegleiteten recitativo wird der Großteil der Texte auf dem tonus currens (Reperkussionston, tuba, tenor) in gehobener Weise gelesen, dazu Anstieg (initium) , Mitteleinschnitt (mediatio) und Schlußabstieg (clausula finalis oder cadentia = Fall)
accent(u)ato (ital.) - betont, hervorgehoben; > marcato
acceso (ital.) - feurig
acciaccatura (ital.), Name einer Verzierung in der Orgel- und Klaviermusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Untersekunde erklingt kurz gleichzeitg mit der Hauptnote, auch als Füllnote bei harpeggio-Brechungen Siehe auch: Vorschlag und Vorhalt
accidentien = Versetzungszeichen
accompagnamento (ital.), accompagnement (frz.), Begleitung durch das Generalbaßspiel
accompagnato (ital. = begleitet), abgekürzt für recitativo accompagnato - ist im Gegensatz zu der bloßen Akkordstütze des 'recitativo secco' (des 'trockenen' Erzählertons) der dramatisch-affekthafte Sprechgesang (begleitet mit in Stimmen ausgearbeitetem Instrumentalsatz) der älteren Oper, mit für dramatische Höhepunkte vorbehaltener Bewegungsschilderung; erstmals 1607 im Orfeo von Monteverdi (4. Akt); sie wird zwar in der Regel dem vollen Orchester zufallen, während beim Secco meist der bloße Continuo das Parlando unterstützt. Doch ist z. B. das 'malende' Continuospiel in Bachs Matthäus-Passion bei 'Und der Vorhang im Tempel zerriß' zweifellos ein Acc., dagegen das Rezitativ im Orfeo von Gluck trotz der 'Ausinstumentierung für Streichorchester' meist bloßes Secco. Hauptmeister großer Acc.-Monologe in der Oper des 18. Jh.s waren z. B. Händel , Hasse , Jommelli und Graun ; Cavalli benutzt ab der Mitte des 17. Jahrhunderts ausgehaltene Streicherakkorde für Schattenszenen
accoppiato (ital.) - verbunden, gebunden; > legato
accord parfait (frz.) > Dreiklang
accordando, accordante (ital.) - auf leeren Saiten der Streichinstrumente in der Art es Einstimmens
accordando, accordante (ital.) - zusammenstimmend
accordatura > scordatura
accrescendo (ital.) - stärker werdend, zunehmend an Tonstärke; > crescendo
act music, act tune, curtain tune (engl.), in England zur Zeit Elisabeths I., Jakobs I. musikalische Zwischenspiele in Theaterstücken. An der Universität Oxford auch anläßlich des 'act', der mündlichen Prüfung, aufgeführt. Im allgemeinen eine kurze Komposition für Soli, Chor und Orchester mit einem lateinischen Text.
acuto (ital.) - spitz, scharf, schrill; auch: hoch
ad alta voce (ital.) - mit lauter Stimme; laut
ad finem (lat.) - bis zum Ende; gegen Ende zu (mit Musizieranweisung)
ad initium (lat.) - am Anfang, zu Beginn (mit Musizieranweisung)
ad libitum (ital., lat. = nach Belieben; es wird freigestellt, Abk. ad lib. oder ad libit.) - 1. frei in Zeitmaß und Vortrag; 2. in entsprechend der notierten Tonlage beliebig zu wählender Besetzung; setzt das Mitwirken einer Vokal- oder Instrumentalstimme in einem Ensemble frei; 3. ergänzende Bezeichnung für notierte, aber nicht notwendigerweise (> obligat) auszuführende Instrumental- oder Vokalstimme > rubato
Synonym: recitativo, senza misura, senza tempo, a suo arbitrio, a piacere, a capriccio, a piacimento, a bene placito
ad una corda (ital.) - auf einer Saite, einchörig; beim Klavierspiel mit voller Veschiebung (linkes Pedal)
ad una mano (ital.) - für eine Hand; (Klaviermusik) einhändig
ad una voce (ital.) - für eine Stimme; einstimmig
adaggissimo (ital.) - äußerst langsam, so langsam wie möglich
adagietto (ital. = kleines adagio) - ein wenig langsam, doch nicht ganz so langsam wie adagio ; Bezeichnung für einen kürzeren Adagio-Satz, z. B. 4. Satz der 5. Symphonie von G. Mahler , Nr. 4 der Pièces brèves für Klavier op. 84 von G. Fauré
adagio (ital. = langsam, gemächlich, auch adagissimo kommt vor)- langsames Hauptzeitmaß; langsamer als andante und schneller als largo oder lento; eine der ältesten musikalischen Tempovorschriften. Sie kam zu Beginn des 17. Jh. auf und forderte entweder ein leichtes Verlangsamen des Grundtempos im Verlauf des Vortrags oder bei den Schlußakten, oder aber den Übergang zu einer Taktart mit größeren Notenwerten. Im 18. Jh. galt A. bei den meisten Komponisten als Zeitmaß zwischen Largo u. Andante; dagegen wurde z.B. von Händel und J.S. Bach die Bez. A. für einen Satz verwendet, der langsamer ist als Largo. Überhaupt ist A. seit dem 18. Jh. auch die Bez. für einen ganzen Satz mit der Tempovorschrift A. (A.-Satz), meist im Verband zyklischer Formen: Sonate, Streichquartett, Symphonie, Konzert als Mittelsatz für die lyrische Reflexion. Der musikalische Charakter eines A.-Satzes kann mannigfaltig sein. Haydn etwa hat (besonders in den Streichquartetten) eine Vorliebe für das liedhafte Adagio cantabiel; Beethoven gestaltet seine A.-Sätze ungemein differenziert, neben dem Adagio cantabile (z.B. in der Sonate Pathétique op. 13 und in der IX. Symphonie) gibt es bei ihm Sätze u.a. mit den Bez. Adagio sostenuto (Mondscheinsonate op. 27, Nr. 1), Adagio grazioso (Klaviersonate op. 31, Nr. 1). Häufig sind Bz.en wie Adagio molto, Adagio assai, Un poco Adagio. Bei Bach begegnet auch Adagissimo.
adagio assai (ital.) - sehr langsam
adagio molto (ital.) - sehr langsam
adagio pesante (ital.) - schwer lastendes, sehr breites adagio
addolorato (ital.) - wehmütig, schmerzerfüllt
adirato (ital.) - wütend, zornerfüllt
affabile (ital.) - freundlich, gefällig, angenehm
affannato (ital.) - bekümmert, betrübt
affetto (ital.) Gemütsbeweung; con affetto, affettuoso, mit warmem und freibewegtem Ausdruck (etwa zwischen > espressivo und > appassionato)
affettuoso, con affetto, affettuosamente (ital. = mit innerer Bewegung, ausdruckvoll), in heftiger Erregung, leidenschaftlich - mäßig langsam, im Zeitmaß zwischen adagio und andante; Vortragsbezeichnung seit dem Ende des 16. Jh. (G. Gastoldi, Balletti a 3 v., 1594) die den Ausdruck eines Stückes näher kennzeichnet und vor allem im Barockzeitalter verwendet wurde. Dient auch als Tempovorschrift (Mittelsatz des 5. Brandenburgischen Konzerts von J. S. Bach)
afflitto, con afflizione (ital.) - betrübt, traurig; mit Traurigkeit
affrettando (ital.) - beschleunigend, eilend; > stringendo, accelerando
affrettato, affrettoso (ital.) - beschleunigt, rasch, schneller; > piu mosso
agevole, con agevolezza (ital.) - leicht, gefällig, behende; in gefälligem Vortrag
aggiustamente (ital.) - genau im Takt
agile, agilmente, con agilità (ital.) - flink, beweglich; mit Behendigkeit
agitamente (ital.) - mit Erregung, mit unruhiger Bewegung
agitato (ital. = erregt) - bewegt, doch nicht ganz so schnell wie > presto
Vortrags-Bez., die vor allem von Beethoven (z.B. Finale der Klaviersonate op. 27 Nr. 1), Mendelssohn (Lieder ohne Worte Nr. 5, 10, 17, 21, 38 und 46) und Chopin (Études op. 25 Nr. 4; Préludes op. 28 Nr. 1, 8 und 22) verwendet wurde
agitato (ital.) - erregt, unruhig; Vortragsbezeichnung bei Beethoven (Finale der Klaviersonate op. 27 Nr. 1), Mendelssohn (Lieder ohne Worte Nr. 5, 10, 17, 21, 38 und 46) und Chopin (Études op. 25 Nr. 4; Préludes op. 28 Nr. 1, 8 und 22)
Agogik (griech. άγωγεĩν = führen) von H. Riemann 1884 geprägtes Wort für die kleinen Wellenbewegungen des Zeitmaßes und des Rhythmus beim lebendigen musikalischen Vortrag im Gegensatz zur mechanischen Starrheit des Metronoms; sie kann im Großen bei starken Affektaufladungen bis zur 'agogischen Stauung' führen, d.h. über das > ritardando bis zur echten > Fermate , im Kleinen den geradtaktigen Silbenvortrag bis zur 'agogischen Triolierung' treiben; d.h. das geringe Verlängern oder Verkürzen der eigentlich gleichlangen Silben zur Triole (bei Lully und Couperin 'pointierter Vortrag)
agréments (franz. = Verzierungen), ab 16. Jh. in der französischen Musik Name für Abbreviaturen. Mit ihnen werden Verzierungen und Variierungen einer Melodie vermerkt. Jeder Komponist hatte seine eigene Gewohnheit für die Notation, so dass der Ausführende eine gründliche Kenntnis der alten Technik besitzen sollte. Der 'Geschmack' der Zeit muss nachgefühlt werden und der Künstler muss gut improvisieren können, dies gilt besonders für Lautenspieler, denn die Komponisten dieser Musik hattten als erstes ihr ganz eigenes System der agréments . Im 17. und 18. Jh. haben Musiktheoretiker versucht, die Verzierungstechniken zu katalogisieren, konnten jedoch keine allgemeinverbindlichen Regeln aufgestellen. Sie legen jedoch Wert auf die Behauptung, dass agréments nicht nur bloße Verzierung, sondern immer Teil des musikalischen Ausdrucks sein sollten.
Aida-Trompete, eine im Triumph-Akt in Aida von Verdi verlangte Fanfarentrompete von etwa 1,5 m Länge in C, B, H und As gebaut sowie mit 1 bis 3 Ventilen versehen; im Ton durchdringend und glänzend
aigu (franz.) - spitz, scharf, schrill; auch: hoch
air (franz. = Arie, Lied, Melodie); 1) wörtlich für ein Gesangsstück, insbesondere für die knappen, tanznahen Sologesänge in der Oper bei Rameau und Lully . Neben der Dacapoform aus Italien gab es das ein- und zweiteilige Air ohne Reprise, das in der Großen Oper des 19. Jh verwendet wird. Hier unterscheidet man air de charactère, air tendre, air de bravoure usw. 2) uneigentlich in Suiten oder für sich alleinstehend, für ein nicht ausgesprochen tanzhaftes, sondern mehr melodisches Stück, meist stark verziert. Es stammt aus der Vokalmusik des 16. Jh. (seit 1571 in Frankreich als Air de cour bekannt) in den Gattungen air à danser, air à boire, air de ballet und air spirituel . Mitte des 17. Jh. kamen die Formen air en rondeau und air sérieux auf. Das air dieser Zeit ist strophisch gebaut, bestehend aus zwei kurzen Abschnitten, wobei der zweite ausdruckstärker und verzierter als der erste ist. Am Ende des 19. Jh. wies das air keine feste Form mehr auf ( Debussy )
al fine (ital.) - bis zum Schluß(-zeichen), bzw. der mit dem Wort fine bezeichneten Stelle; > da capo al fine
al niente (ital.) - bis zum Nichts an Tonstärke nachlassend
al più presto (ital.) - so schnell als möglich
al ponticello (ital.) - Bogenführung nahe am Steg
al rigore di/del tempo (ital.) - (wieder) ganz streng im Zeitmaß; > a battuta
al riverso, al rovescio (ital.) - von rückwärts, im Krebsgang
al segno (ital.) - bis zu dem betreffenden Zeichen
alla ballata (ital.) - im Charakter der Ballata; tanzliedartig
alla breve (ital. = nach der brevis), Alla-breve-Takt - im 2/2 oder 4/2 Takt wird die halbe Note antelle der Viertelnote zur Zählzeit; eine Tempobeschleunigung bzw. -verdopplung ist damit erst seit etwa 1700 verbunden.
alla burla (ital.) - im Charakter der Burleske; burlesk
alla caccia (ital.) - im Charakter der Caccia; Jagdmusik- aber auch kanonartig
alla cadenza (ital.) - wie eine Kadenz; kadenzartig interpretieren oder improvisieren
alla camera (ital.) - im Kammerstil, kammermusikartig
alla marcia (ital.) - im Charakter eines Marsches; marschartig
alla meglio (ital.) - so gut es geht
alla mente (ital.) - aus dem Gedächtnis, aus dem Stegreif
alla misura (ital.) - (wieder) streng im Takt; > a battuta
alla polacca (ital.) - im Charakter der Polonaise
alla punta d'arco (ital.) - an der Spitze des Bogens
alla quinta (ital.) - in der Quinte, im Quintabstand
alla siciliana (ital.) - im Charakter des Siciliano; in langsam-wiegender Bewegung
alla stretta (ital.) - in strettaartig gesteigerter Bewegung; > Stretta
alla tedesca (ital.) - im Charakter des Deutschen Tanzes: ländler- oder walzerartig
alla turca (ital.) - im Stil der türk. (Janitscharen-)Musik
alla zingarese (ital.) - im Stil der Zigeunermusik
alla zoppa (ital.) - im Charakter der Zoppa; in synkopierten Rhythmen
allargando (ital.) - breiter (langsamer) werdend, meist mit gleichzeitg zunehmender Tonstärke
all-bottom sound (engl.) mit dumpfer Tongebung
allegramente (ital.) - etwas weniger lebhaft; langsamer als allegro und schneller als allegretto
allegramente (ital.) - heiter, munter
allegretto (ital.) - ein wenig lebhaft, doch nicht ganz so schnell wie allegro. Bezeichnet eine 'graziöse und leichte Bewegung' zwischen Allegro moderato und Andante con moto. A. erscheint bei Mozart oft als Tempoangabe von Menuetten: Symphonie in g-moll, KV 550; Symphonie in C-dur, KV 551; Kleine Nachtmusik, KV 525. Bei Beethoven kommt A. als Satzbez., teils mit verscheidenen Zusätzen, besondeers häufig vor, z. B. im 4. Satz der 6., im 3. Satz der 7. und im 2. Satz der 8. Symphonie (dort als 'A. scherzando').
allegrezza, con (ital.) - mit Fröhlichkeit, Heiterkeit
allegrissimo (ital.) - äußerst lebhaft; > presto
allegro (di) molto (ital.) - sehr lebhaft; > allegro vivace
allegro (ital. = heiter, lustig) lebhaftes, schnelles Hauptzeitmaß; schneller als andante und langsamer als presto . Seit dem frühen 17. Jh. Bez. für eine lebhaften Bewegung, die ursprünglich mehr die Bedeutung einer Vortrags- denn einer bestimmten Tempovorschrift hatte. Erst im 18. Jh. charakterisierte man A. im Sinne einer eindeutigen Tempobezeichnung als weniger rasch als das Presto. Eine genauere Bestimmung erfolgte oft mit den Zusätzen 'commodo', 'con moto'., 'giusto', 'moderato' usw. Gelegentlich findet sich auch der Superlativ 'allegrissimo' (z. B. bei V. Jelich, 1622, später u.a. bei M. Clementi). In zyklischen Formen (Sonate, Symphonie, Streichquartett usw.) trägt der erste Satz häufig die Bez. A., doch kann A. auch Titel eines einzelnen Stückes sein (z. B. F. Chopin, Allegro de concert, op. 46; B. Bartók, Allegro barbaro).
allegro assai (ital.) - sehr lebhaft (> allegro molto) , aber gelegentlich auch mäßig lebhaft (> allegro moderato)
allegro con brio (ital.) - feuriges, vielfach etwas schnelleres allegro
allegro giusto (ital.) - angemessen lebhaft, im normalen allegro- Zeitmaß
allegro man non tanto (ital.) - nicht ganz so lebhaft
allegro man non troppo (ital.) - nicht zu lebhaft
allegro moderato (ital.) - mäßig lebhaft
allegro vivace (ital.) - lebhaftes, sehr schnelles allegro
allentando (ital.) - nachlassend, langsamer werdend; > rallentando
all'estenuarsi (ital.) - sich erschöpfend, nachlassend an Tonstärke und Bewegung
all'improvvista (ital.) - improvisiert; aus dem Stegreif, frei im Vortrag
allonger l'archet (franz. = den Bogen verlängern) - mit breitem Bogenstrich
all'ottava (ital.); 8va (ottava alta) bzw. 8 va (ottava bassa) - in der Oktave, oktaviert; eine Oktave höher bzw. tiefer als notiert
all'unisono, unisono (ital.) - im Einklang, gleichstimmig, einstimmig; Parallelbewegung der bezeichneten Stimmen im Intervall der reinen Prime oder auch Oktave
alternieren - zwischen zwei Ausführenden (Besetzungen) bzw. Ausführungsmöglichkeiten abwechseln
altra volta (ital.) - noch einmal
alzamento di voce (ital.) - Erheben der Stimme
amabile, amabilmente, con amabilità (ital.) - liebenswürdig, lieblich; mit gefälligem Ausdruck
amarevole, con amarezza (ital.) - schmerzlich, betrübt; mit schmerzvollem Ausdruck
amoroso, amorevole, con amore (ital.) - lieblich, zart, innig; mit Liebe
ancora (ital.) - noch einmal; > da capo
andante (ital. = gehend) - ruhig gehend, mäßig bewegt; als mittleres, etwa der menschlichen Pulsgeschwindigkeit entsprechendes Hauptzeitmaß langsamer als allegro und schneller als adagio. Dem Wortsinn entsprechend ist A. als Satzbez. im 18. Jh. häufig bei solchen Stücken anzutreffen, deren rhythmische Faktur tatsächlich den Eindruck des Gehens vermittelt. Dabei kann sich das 'Schrittmaß' auf Achtel- wie auf Viertelnoten beziehen. Die Satzbez. A. wird oft durch Angaben ergänzt, die die Charakter des betreffenden Satzes näher umschreiben, z. B. Andante grazioso für den Beginn des Varitationensatzes von Mozarts Klaviersonate A-dur, KV 300i, Andante cantabile für viele langsame Sätze von Beethoven u.a. Komponisten. Der Wortsinn wird besonders deutlich in Satzbez. wie Andante ma adagio (Arie der Giunia Dalla sponda tenebrosa in Mozarts Lucio Silla) oder Andante vivace (Beethoven, Duett Odi l'aura op. 82, 5); diese Angaben verbinden keine widersprüchlichen Tempobez., sondern sind wörtlich als 'Gehend, aber langsam' bzw. 'Lebhaft gehend' zu deuten. Vgl. 'Meastoso andante' für den Trauermarsch von Beethovens Klaviersonate op. 26. Im Laufe der 19. Jh. wird A. generell Bez. für ein langsames Tempo zwischen Allegro und Adagio. A. kann auch der Titel von einzelnen Instrumentalstücken sein, die nicht Bestandteil zyklischer Formen (Symphonie, Sonate usw.) sind (z. B. Chopin, Andante spianato für Klavier und Orchester, A. Jolivet, Andante für Streichorchester).
andante con moto (ital.) - beschleunigt gehend; etwas schneller als andante
andante ma adagio (ital.) - langsam gehend; langsamer als andante
andante moderato (ital.) - mäßig gehend; etwas langsamer als andante
andante molto (ital.) - sehr ruhig gehend; etwas langsamer als andante (aber auch als schneller gedeutet)
andante sostenuto (ital.) - zurückhaltend in der Bewegung; langsamer als andante
andante vivace (ital.) - lebhaft gehend, schneller als andante
andantino (ital., Diminutiv von Andate) - ein wenig bewegt, etwas schneller (gelentlich auch langsamer) als andante; als Hauptmerkmal gilt hier der leichter akzentuierte Bewegungscharakter. Zielt ähnlich wie Andante dem Wortsinn entsprechend auf den Bewegungscharakter eines Satzes bezieht. Dabei ist unbestimmt ob A. ein schnelleres oder ein langsameres Tempo als Andante bezeichnet. A.-Sätze: Mozart , Konzertarie Io non chiedo, eterni Dei, KV 300b (A. sostenuto e cantabile), Andantino für Klavier und Orch., KV 588b, Arie des Ottavio Dalla sua pace aus Don Giovanni (A. sostenuto)
andare a tempo (ital.) - im Tempo gehen, (wieder) im ursprünglichem Zeitmaß; > a tempo
angoscioso (ital.) - ängstlich, besorgt, kummervoll
animando il tempo (ital.) - das Zeitmaß belebend, beschleunigend
animato, con anima (ital.) - belebt, lebhaft; mit lebendigem Ausdruck (oft mit Tempo- oder Intensitätssteigerung verbunden)
animoso (ital.) - mutig
aperto (ital.) - 1. offen; (wieder ohne Dämpfer). 2. nicht gedeckt; Orgelregister mit offenen Pfeifen
appasionato (ital.) - schnelles Zeitmaß zwischen allegro und presto; leidenschaftlich, mit Hingabe. Der Ausdruck wurde berühmt durch Beethovens Sonata appassionata für Klavier op. 57, stammt in diesem Fall aber nicht vom Komponisten selbst, sondern von seinem Hamburger Verleger Cranz. Beethoven hat aber selbst diese Bez. in den Sontaten für Klavier op. 106 (3. Satz Adagio sostenuto. Appassionato e con molto sentimento) und op. 111 (schneller Teil des 1. Satzes Allegro con brio ed appassionato) benutzt. Sie erscheint später auch besonders in Werken romantischer Komponisten (z. B. bei Schumann im Allegro appassionato des Concertstücks für Klavier und Orchester op. 92).
appena (ital.) - kaum (mit Vortragsbezeichnung)
appoggiato (ital.) - getragen, gehalten, > portato
arbitrario, a suo arbitrio (ital.) - willkürlich, nach eigenem Ermessen; > ad libitum
arcato (ital.) - gestrichen, mit dem Bogen; > arco
archeggiare (ital.) - mit dem Bogen über die Saiten streichen
arco (ital. = Streichbogen) - (wieder) mit dem Bogen streichen; Kurzform für coll'arco
arco allungato (ital.) - mit breitem Bogenstrich
arco saltato (ital.) - mit Springbogen (Strichart)
ardente (ital.) - feurig, glutvoll
ardito, aditamente (ital.) - kühn, verwegen, frisch
arioso (ital.) - gesangvoll, arien- oder liedhaft
armonioso (ital.) - wohlklingend
arpeggiando (ital.) - harfenartig auszuführen, arpeggieren; d. h. in gebrochenen Akkorden spielen
articolando, articolato (ital.) - artikuliert, deutlich gegliedert
artificiel, artificielle (franz.) - gekünstelt, künstlich; aber auch: kunstgerecht
assai (ital.) - sehr, ziemlich; verschärft die voranstehende Tempobezeichnung (z. B. allegro assai = sehr lebhaft)
assieme (ital.) - zusammen
assoluto (ital.) - absolut, uneingeschränkt
at the centre (engl.) - in der Mitte (z. B. des Trommelfells) anschlagen
at the middle (engl.) - halb zur Mitte hin (z. B. des Trommelfells) anschlagen
at the rim (engl.) - am Rande (z. B. des Trommelfells oder Beckens) anschlagen
attacca (ital. = knüpfe an!, falle ein!, hänge an!) - unmittelbar anschließen; gleich weitermusizieren
Spielvorschrift, z. B. am Ende eines Satzes, ohne längere Pause sofort weiterzuspielen. Sie findet sich u.a. am Ende des 3. Satzes der 5. Sinfonie von Beethoven und in seiner Klaviersonate op. 57 am Ende des Andate. Gleichbedeutend ist a. subito (= schließe sofort an) oder a. subito ilseguente (= schließe das folgende sofort an).
attacca subito (ital.) - sofort anschließen; ohne jede Pause sofort weitermusizieren
attacca subito il seguente (ital.) - das Folgende sofort anschließen
au chevalet (franz.) - Bogenführung nahe am Steg; > sul ponticello
au talon (franz.) - am Frosch
audace (ital.) - kühn, verwegen, frech
avanti (ital.) - vorher, voran; vorwärts!, weiter! (mit Musizieranweisung)
avec la pointe de l'archet (franz.) - mit der Spitze des Bogens
avvivando (ital.) - belebend, aufhellend