CHOR.
Trinkt, trinkt, trinkt!
Weil in eurer Flasche
Noch ein Tröpfchen blinkt,
Weil in eurer Tasche
Noch ein Heller klingt;
Trinkt, trinkt, trinkt!
Jeder Tag hat seine Plage,
Jahrmarkt ist nicht alle Tage.
TOBIS. Prost, Jeremis!
JEREMIS. Prost, Tobis! Prost, Jobst!
JOBST. Prost, alle zusammen!
ALLE. Prost! Juchhe!
TOBIS. Es leben alle Jahrmarktsgäste hoch!
ALLE. Hoch!
TOBIS. Nu, ihr Leute, meine Bulle ist leer, und meine Ficke auch. Ich dächte, wir giengen nun in die Schenke, und trischäkten eins.
JOBST. Ja, was meynt ihr denn dazu, ihr andern? Da hab' ich wohl noch so eine verrufene Blechkappe –
JEREMIS. Und ich ein Paar abgeschlagene Sechser –
GREIF. Ey, ihr Herren, trinkt so viel ihr wollt. Ich kenn' euch ja. Weiß euch zu finden. Euch geb' ich lieber Kredit, als manchem unsrer schamarirten Stadtherrn, und schreibe keinen Tropfen mehr an, als ihr trinkt.
TOBIS. Das ist räsonnabel. Ein ganzer Mann, unser Herr Wirth! Er soll leben!
JEREMIS. Noch ein Nösel auf Pump, weil er so brav ist. Meynt ihr nicht?
ALLE. Ja, ja, immerhin.
JEREMIS. Ich bin Jeremis Troll hinter der Schule.
JOBST. Und ich Jobst Labberhans am Schloßthor.
MICHEL. Und ich bin Michel Knapp, der Becker.
TOBIS. Und ich bin der lahme Tobis.
GREIF. Schon gut, ihr Herren, schon gut.
JEREMIS. Du, Jobst, hast du den gnädigen Herrn schon am Tage gesehen? Man konnt' ihn gestern bey der Dämmerung nicht recht erkennen.
JOBST. Nä, Gevatter, bis dato noch nicht. Ich habe dir über eine Stunde gelauert, ob er etwann spazieren reiten würde.
GREIF. Ey, der Herr Obriste werden noch zu müde von der Reise seyn, sonst hätten Sie wohl schon den Jahrmarkt besucht.
JOBST. Zu müde? Er? Was weiß er von Müdigkeit? Sie sind, wie mir der Gärtner sagte, den ganzen Morgen in den Gärten herumgestrichen, er und sein Vetter.
TOBIS. Was? Der Lieutenant, der drüben in Ramberg auf Werbung liegt?
JOBST. Heute mit dem frühsten kam er angejäckert.
JEREMIS. Ha! der geht wieder einmal auf Wildpret aus.
TOBIS. Er mag sich wahren. Ich kenn' ein Paar, die haben's ihm zugeschworen, wenn sie ihn in ihrem Gehäge treffen –
JOBST. Einen davon kenn' ich auch. Er heißt mit dem ersten Buchstaben Lukas.
TOBIS. Daß sie's ihm nur recht derb gäben, dem Fuchs!
JEREMIS. Ich glaube, dem gönnten wir's alle, so viel unser sind.
MICHEL. Ja wohl, von ganzem Herzen.
TOBIS. Nein, da lob' ich mir den gnädigen Herrn. Vor dem kann man sein Mädchen in Ruhe haben. Und er sieht doch gewiß gern was Hübsches.
JEREMIS. Dafür wird ihm auch der Himmel eine hübsche Frau aufheben. – Kommt, Kinder! das Restchen auf seine Gesundheit!
ALLE. Vivat!
GREIF. Noch eins, ihr Herren?
JEREMIS. Großen Dank, Herr Wirth. Wir haben just unsre volle Ladung.
TOBIS. Und müssen doch auch das Jahrmarktsbier versuchen. Gelte, Kinder?
GREIF. Es soll nicht viel taugen, sagen die Leute, soll durch's Wasser geritten seyn.
TOBIS. So soll der Wirth kein ganzes Glas im Hause behalten, keinen ganzen Topf, keine ganze Schüssel.
ALLE. Wohlgesprochen, Tobis, wohlgesprochen!
JOBST. Also mir ein Nösel angeschrieben, Herr Wirth!
ALLE. Mir auch! mir auch! Traralala!
DER LIEUTENANT. Nun, ihr Sappermenter! Könnt ihr nicht aufschauen, wenn eure gnädige Herrschaft kömmt?
JEREMIS. Mit Gunst, gnädiger Herr – es ist nicht gern geschehn –
TOBIS. Der gnädige Herr! Ich kannt' ihn mein Seel nicht.
DER OBRISTE. Setzt auf, ihr Leute, setzt auf! Laßt euch nicht stören! Ich bins nicht, wills heute nicht seyn. Versteht ihr mich?
DIE BAUERN durch einander sprechend. Der liebe Herr! Er ist wie unser einer, wie unser einer.
DER OBRISTE. Seyd Ihr nicht ein wunderlicher Mensch, Vetter! Ich ziehe meinen abgetragensten Ueberrock an, setze meinen ältesten Hut auf, um nicht erkannt zu werden, und ihr laßt euch einfallen, meinen Ausrufer zu machen.
DER LIEUTENANT. Que diable! Die Kerls müssen Respekt vor ihrer Herrschaft lernen. Der lahme Bengel hat mir den Fuß gequetscht, daß ich kaum in acht Tagen werd' auftreten können, und ich bin übermorgen zur Gräfinn Wachtel auf den Ball gebeten.
DER OBRISTE. Wenn ihr denn auch übermorgen nicht tanzen könntet! Das große Unglück! Ihr habt die Bälle dutzendweise im Jahre, aber jene guten Leute nur zwey oder drey Tage der Freude. Ihnen diese durch den geringsten Zwang zu verderben, wäre Sünde.
DER LIEUTENANT. Sünde? Also sollen wir uns nach den Bauern geniren? Das ist mir zu hoch.
DER OBRISTE. Desto schlimmer für euch. – Doch was wissen Euresgleichen von Behagen an Unschuld und Natur? Genug, mir thut es wohl, Vetter, meine Augen endlich einmal wieder von Kriegs spektakel und Hofmaskeraden wegzuwenden, die gesunde Luft meines Geburtsörtchens zu athmen, und ein stiller Zeuge dieses frölichen Getümmels zu seyn.
Hier steh' ich, von Gefühl durchdrungen.
Gegrüßt seyd mir, Erinnerungen
An meines Lebens ersten Traum!
Hier unter dem bejahrten Baum
Genoß ich oft des Abends Kühle;
Zur Schule führt das Gäßchen dort;
Und jener Hügel war der Ort
Für meine jugendlichen Spiele.
Ach! ihr, der Kindheit Wonnejahre,
(Zu schnelle, süße, goldne Zeit!)
Der Zwischenraum von euch zur Baare,
Was ist er? – Müh' und Eitelkeit.
DER LIEUTENANT der sich indessen mit seinem gelähmten Fuße, mit Dose, Riechfläschchen und parfumirter Brieftasche beschäfftigt hat. Aber, Herr Vetter, haben denn die Kirschleber Sie eben so gern wiedergesehen, als Sie Kirschleben?
DER OBRISTE. Ob sie mich gerne wiedergesehen? Kein Kind war im Dorfe geblieben. Als ich noch da oben am Hopfenberge ritt, gieng das Jauchzen schon an.
DER LIEUTENANT. Hm! Es ist doch sonst ein ver zweifelt grobes Volk. Sogar die Mädchen sind so dummspröde, so bäurisch. Ich habe mir alle Mühe von der Welt gegeben, sie ein wenig gesitteter zu machen – aber vergebens.
DER OBRISTE. Ich danke, Vetter, für die vergebliche Mühe. Wo Euresgleichen Mädchenschulmeister sind, mag ich nicht Gerichtsherr seyn.
DER LIEUTENANT. Euresgleichen? Schon zum zweytenmale Euresgleichen? Wer sind denn Meinesgleichen?
DER OBRISTE. Soll ich's mit Einem Worte sagen? soll ich?
DER LIEUTENANT. Nur zu, Herr Vetter!
DER OBRISTE. Wildfänge.
DER LIEUTENANT. Lieber ein Wildfang – als ein Grandison! All' das übertriebene, affektirte, überspannte moralische Wesen ist mir zuwider, wie der Tod. Und an einem Soldaten vollends!
DER OBRISTE. Ein Soldat also, meynt ihr –
DER LIEUTENANT schnell einfallend. Darf durchaus kein Kopfhänger seyn, muß schwärmen und mitmachen, so viel und so lang er kann. Ist's nicht von jeher unter uns Helden so hergebracht? War nicht Alexander dem Trunk und Cäsar der Liebe ergeben?
DER OBRISTE. Ueber die Cäsars und Alexanders, die noch keinen Feind gewittert haben! Immer thun sie, als ob sie allein auf der Welt wären.
DER LIEUTENANT. Wer nichts nach der Welt fragt, nach dem fragt die Welt wieder nicht. Das ist mein Grundsatz.
DER OBRISTE. Treibt's nur nicht zu arg, Vetter. Am Ende möchten sich doch wohl Leute finden, die darnach frügen.
DER LIEUTENANT. Zu arg? zu arg? Wollte der Himmel, ich könnt' es! Aber wie wäre das in dem Neste möglich, wohin mich das Schicksal gebannt hat? Ma foi, ich wundere mich oft, daß ich noch nicht vor Langerweile gestorben bin. Soll ich's Ihnen einmal schildern?
DER OBRISTE. Schildert's so gefährlich, als Ihr wollt, ich weiß schon, was ich davon halten soll; weiß, daß Ihr dieses Nest mit den umliegenden Landgütern, Forsthäusern und Vorwerkern, nicht um die Hauptstadt vertauschtet, daß Ihr da, wie ein Vicekönig in der neuen Welt, hauset, daß Ihr Mädchen und Weiber, ohne Ansehen der Person, in Kontribution setzet, daß Ihr ein wöchentliches Gelag haltet, in welchem –
DER LIEUTENANT ungeduldig einfallend. Lieber Herr Vetter, wollen wir nicht unter die Buden gehen? Die Luft – mich dünkt, die Luft zieht hier entsetzlich –
DER OBRISTE. Mich dünkt's nicht. Es ist so ein hübsches Fleckchen. Gefällt's Euch nicht?
DER LIEUTENANT Lenen von weitem erblickend. Voïez donc, mon Cousin! Die artige Trutschel! – Bst! Bst!
LENE.
Schöne Herren, schaut und wählet,
Hier ist, was ihr nur befehlet;
Kauft doch was, ihr schönen Herrn!
Ich verkaufe gar zu gern.
Seidne Strümpfe, seidne Tücher,
Souvenirs und Taschenbücher,
Und von Silber, Gold und Stahl
Kleinigkeiten ohne Zahl;
Kauft doch was, ihr schönen Herrn!
Ich verkaufe gar zu gern.
Alle Sorten, alle Namen
Von Geschenken für die Damen;
Kauft doch was, ihr schönen Herrn!
Ich verkaufe gar zu gern.
Bluhmen, Bänder, Flohr und Spitzen,
Mäntel, Schürzen, Kappen, Mützen,
Alles in Paris erdacht,
Und in Leipzig nachgemacht.
Kauft doch was, ihr schönen Herrn!
Ich verkaufe gar zu gern.
Nun, ist nichts gefällig?
DER LIEUTENANT. Gefällig? O ja, vielleicht mehr, als dir feil ist.
LENE. Das versteh' ich nicht.
DER LIEUTENANT vertraut ins Ohr. Ich will dir's erklären, Lenchen.
LENE. Ich mag nichts wissen, Schäker. Kauf mir lieber was ab.
DER LIEUTENANT. Der Herr Obriste muß zuerst aussuchen. Was er übrig läßt, ist für den Lieutenant gut genug.
LENE zum Obristen. Nun, Alter?
DER OBRISTE. Liebes Kind, du siehst wohl an meinem Aufzuge, daß ich wenig brauche, sehr wenig.
LENE. Es muß ja nicht just für dich seyn he? Du hast doch ein Schätzel, so heimlich du auch thust.
DER LIEUTENANT halblaut. Recht so, Trutschel. Stich ihn an.
LENE. Hum! Er spricht mir zu wenig. Mit den Leuten ist's nichts. Zum Lieutenant. Nu, Windbeutel, ist's mit dir auch nichts?
DER LIEUTENANT. Es gilt eine Probe, Lenchen. Ich bin bereit. Will schön thun.
LENE. Trarare! Wenn ihr mir nichts abkauft, geh ich meiner Wege. Adies. Singend. Kauft doch was! Kauft doch was! Geht ab.
DER OBRISTE. Wir sind gestört worden, Vetter.
DER LIEUTENANT. O, fangen Sie Ihr moralisches Kollegium nicht wieder an. Sie hätten sich treflich zum Professor geschickt.
DER OBRISTE. Ich hab' aber noch etwas auf dem Herzen.
DER LIEUTENANT. Permission. Es fällt mir eben ein, daß ich mit einer Dame um einen Fächer gewettet habe. A revoir, mon Cousin!
NATHAN. Geh nur. Du sollst schon erfahren, was du nicht hören willst. Du bist am längsten Werber gewesen, und zu deinem Glück. Noch ist es Zeit umzukehren, ehe dich Müßiggang und Wohlleben ganz zum Dienste verderben. Geht auf und ab.
NATHAN geht über das Theater, ausrufend. Nichts zu handeln hier? Alte Kleider! Alt Gold! alt Silber!
DER OBRISTE sich umsehend. Er kömmt nicht wieder! Das konnt' ich wohl denken. Leih deinen Freunden nur Geld, oder sag' ihnen die Wahrheit, wenn du ihrer los seyn willst. – Ob ich ihm nachgehe?
GREIF der, so oft der Obriste seiner Bude nahe gekommen ist, sich immer tief gebückt hat, ohne bemerkt zu werden, schreyt endlich heraus. Ganz ergebener Diener, Ihro Gnaden.
DER OBRISTE ohne sich umzusehen. Sein Diener! Will ab, erblickt Bärbchen. Sieh, sieh! welch ein artiges Mädchen! Bleibt stehen, sie zu betrachten.
BÄRBCHEN ohne den Obristen zu sehen, beschäfftigt ein Band um einen neuen Mannshut zu binden.
Ja, Lukas, dieser Hut soll dich,
Dich diese Schleife zieren;
In diesem Hute sollst du mich
Zum Traualtare führen.
Allein, wie leicht kann unsre Ruh
Indeß ein Unfall stören!
Ach, Lukas, ach! daß ich und du
Schon an der Kirchthür wären!
DER OBRISTE näher tretend. Guten Tag, mein Kind.
BÄRBCHEN erschrocken. Ach, ich glaube gar, es ist der gnädige Herr – Will ab.
DER OBRISTE sie zurückhaltend. Und darum willst du fort?
BÄRBCHEN sich sträubend. Laß er mich los! – Lukas kann's nicht leiden – wenn's Lukas erfährt –
DER OBRISTE. Wir müssen bekannter mit einander werden, meine Tochter. Nicht so wild! Wer ist denn Lukas?
BÄRBCHEN. Mein Bräutigam.
DER OBRISTE. So viel hab' ich wohl schon gemerkt; aber wer ist er?
BÄRBCHEN. Mein Bräutigam, gnädiger Herr, und will durchaus nicht, daß ich mit einem andern Mannsbilde rede.
DER OBRISTE. Auch nicht mit mir? Aber um dir das verbieten zu lassen, mußt du erst seine Frau seyn.
BÄRBCHEN schnell. Ach, wär' ich's nur schon!
DER OBRISTE. Woran liegt's, daß du's noch nicht bist?
BÄRBCHEN. Frag' er meinen Vater und Lukas Mutter.
DER OBRISTE. Wollen die Alten nicht?
BÄRBCHEN. Sie wollen wohl, aber sie können wegen der Zeit nicht eins werden. Das eine spricht Michaeli, das andere Martini, und darüber geht ein Vierteljahr nach dem andern hin.
DER OBRISTE. Das ist nicht recht.
BÄRBCHEN. Ja, ich bin auch manchmal so ungeduldig, so ängstlich – Als ich noch ein kleines Mädchen war, dacht' ich jedesmal, ich würde die Christbescherung nicht erleben – und jetzt, denk ich – wenn der Vater nicht bald macht – wird mir's noch gehen, wie Mariechen.
DER OBRISTE. Wie gieng's denn Mariechen?
BÄRBCHEN. Weiß er das Unglück nicht, gnädiger Herr? Schluchzend. Sie war meine Spielkameradinn, wir giengen zu gleicher Zeit in die Pfarre, und das Jahr drauf hielt sie mit Wilhelm Springer Verlöbniß; da tanzten wir noch bis um Mitternacht, und machten uns so lustig –
DER OBRISTE. Weiter, mein Kind!
BÄRBCHEN. Laß Er mich nur zu Athem kommen!
In unserm ganzen Dorf war Sie
Das lieblichste Gesicht;
Kein Jüngling blühte so, wie Er,
Mein Lukas selber nicht.
Und beide waren gut und fromm
Von Kindesbeinen an,
Und beide sich, wie Engelein,
Mit Liebe zugethan.
Schon aufgeboten waren sie,
Ja, schon zum drittenmal;
Und morgen sollte Hochzeit seyn,
Bereit war Bett' und Mahl.
Da giengen sie noch Tags vorher
Hinaus, und gruben Leim;
Und ach! sie kamen dießmal nicht
Von ihrer Arbeit heim.
Denn über ihrem Haupte bricht
Das hohle Land, stürzt ein,
Begräbt sie – ängstlich hört man noch
Sie unterm Schutte schreyn.
Zu spät! Man zieht sie todt hervor,
Auch noch im Tode schön;
Lautweinend kömmt das ganze Dorf,
Das Unglückspaar zu sehn.
Ein Hügel deckt sie nun, Ein Sarg
Umschließet ihr Gebein.
Der Kirchthür' gegenüber blinkt
Der goldne Leichenstein.
Beym Aus- und Eingang seh' ich ihn,
Und thränend fragt mein Blick:
Verdien' ich, Himmel, wohl von dir
Ein günstiger Geschick?
DER OBRISTE. Fürwahr eine betrübte Geschichte. Aber nimm sie weniger zu Herzen, meine Tochter. Du sollst es erleben, was Mariechen nicht erlebte. Ich will selbst mit deinem Vater reden.
BÄRBCHEN freudig. Soll ich ihn rufen, gnädiger Herr?
DER OBRISTE. Heute nicht. Heute ist Jahrmarkt, und Freyheit die Losung.
BÄRBCHEN traurig. Wenn denn?
DER OBRISTE. Sey ruhig, mein Kind. Verlaß dich auf mich.
Bald soll der hochzeitliche Kranz
In deinen Locken prangen;
Bald soll dein Arm im Reihentanz
An Lukas Armen hangen.
Noch ein Wort, Kleine! Hat dir nicht eben ein Officier begegnet?
BÄRBCHEN. Ein Officier? Doch nicht der Herr Lieutenant?
DER OBRISTE. Denkt doch! Kennst du den Herrn Lieutenant?
BÄRBCHEN verdrüßlich. Ih wer kennt den nicht! Er kömmt ja oft genug herüber.
DER OBRISTE. Du bist nicht gut auf ihn zu sprechen.
BÄRBCHEN. Er macht's auch darnach.
DER OBRISTE. Trägt er vielleicht die Nase zu hoch?
BÄRBCHEN. Das Gegentheil.
DER OBRISTE. Wie das?
BÄRBCHEN. Ey, er packt gleich an, und thut so vertraut, und läßt nicht los. Er hat mir schon ein paarmal mit Lukas Verdruß gemacht.
DER OBRISTE. Der unartige Mensch!
BÄRBCHEN. Ja, käme mir ein anderer so, ich wollt' ihn abführen – Mit einem Knix. aber vor des gnädi gen Herrn gnädigem Herrn Vetter muß man denn freylich ein Auge zudrücken.
DER OBRISTE. Mein Vetter ist nicht besser, als ein anderer. Führ' ihn nur ab. Du thust mir einen Gefallen. Er mag dich bey mir verklagen.
BÄRBCHEN muthwillig. Wenn ich das wüßte –
DER OBRISTE. Ohne Bedenken, Mädchen! – Also – auf der Hochzeit sehen wir uns wieder. Ich darf doch das Strumpfband lösen?
BÄRBCHEN. Nein, Herr, aus Knie darf er mir nicht kommen.
DER OBRISTE lachend. Schon gut. Komm mir nur indessen der Leimgrube nicht zu nahe. Geht ab.
BÄRBCHEN nachrufend. Sey er nur nicht von den vornehmen Leuten, die viel versprechen und wenig halten! An mir soll's nicht fehlen. – Ha! was wird Lukas zu der Nachricht sagen? Geschwinde zu ihm!
SUSCHEN ihr entgegen hüpfend. He, Bärbchen, Bärbchen! Trifft man dich hier an?
BÄRBCHEN. Warum? Hat Lukas nach mir gefragt?
SUSCHEN. Lukas? Lukas fragt heute viel nach dir. Er ist zum Weine. Ich habe dich gesucht, ich!
BÄRBCHEN. Nun, Naseweiß!
SUSCHEN ihr eine Puppe zeigend. Da! Sieh! Meinen Jahrmarkt! Freue dich doch mit mir!
BÄRBCHEN. Pfuy! So ein großes Mädchen, und noch mit Puppen zu spielen!
SUSCHEN. Soll ich denn nichts zu spielen haben, wenn du den ganzen Tag mit Lukas schäkerst? Wie neidisch!
BÄRBCHEN. Wie abgeschmackt?
SUSCHEN. Und weißt du, wie der Kerl heißt? – Lukas.
BÄRBCHEN. Ha! Der hat ihn dir geschenkt.
SUSCHEN. Ja, es hat sich. Selbst gekauft hab' ich ihn, aus meinem Beutel gekauft.
BÄRBCHEN. Du?
SUSCHEN. Und noch Geld übrig behalten. Da, sieh!
BÄRBCHEN. Mädchen, wie kömmst du zum Gelde?
SUSCHEN. Ich hab's verdient. Rath' einmal, wie?
BÄRBCHEN. Ich mag nicht.
SUSCHEN. Es ist heute des Vaters Geburtstag.
BÄRBCHEN. Heute?
SUSCHEN. Und da schlich ich mich an sein Bette, als er noch im Morgenschlafe lag, und sang ihn mit einem Liedchen an, das mich meine Pathe, die Frau Pfarrerinn, gelehrt hat.
BÄRBCHEN. Laß doch hören!
SUSCHEN.
Schlaf immerhin am Abend deines Lebens!
Dir gab die gütige Natur
Den Hang zur Ruhe nicht vergebens;
Drum schlafe, Vater, schlafe nun.
Ganz hast du sie, des Tages Last getragen;
Genieße deines Lohnes nun!
Es ist so reizend, sich zu sagen:
Ach, endlich kann ich sorglos ruhn!
Das klingt anders, als des Herrn Kantors Stückchen. Nicht wahr?
DORCHEN in Gedanken. Daß ich nicht an den Geburtstag gedacht habe!
SUSCHEN. Woran kannst denn du jetzt denken? Läufst, sobald du aus dem Bette bist, zu Lukas Mutter, und kömmst nicht eher wieder, bis du zu Bette gehst. Der arme Vater! Wenn er mich nicht hätte! Ich will auch bey ihm bleiben. Ich will unter den ersten zehn Jahren nicht freyen. Leb wohl, Schwester! Der Vater hat meinen Lukas noch nicht gesehen. Das ist ein Kerl! So einen Schnurrbart kriegt dir deiner sein Lebtag nicht. Itsch! Etsch! Geht ab.
BÄRBCHEN für sich. Wie ich's nun anfange, daß der Vater meine Vergessenheit nicht übel nimmt? Mit einem Glückwunsch nachgeschlichen kommen, läßt so dumm – ich will Mutter Even fragen.
BÄRBCHEN schmollend. Dorthin. Indem sie den Hut versteckt.
DER LIEUTENANT faßt sie bey der rechten Hand, und läßt sie die ganze Scene durch nicht los. Halt! so kömmst du nicht vorbey. Ich will nicht umsonst alles durchstänkert und umgerannt haben.
BÄRBCHEN will sich losreißen. Herr, ich muß fort.
DER LIEUTENANT. Erst mich angehört!
BÄRBCHEN. Was hätten denn Er und ich mit einander auszumachen?
DER LIEUTENANT. Sehr viel. Wenn du nur wolltest, wildes Ding!
BÄRBCHEN wie vorhin. Ich will fort.
DER LIEUTENANT. Und ich laß dich nicht fort.
BÄRBCHEN drohend. Herr Lieutenant, es läuft nicht gut ab.
DER LIEUTENANT. Das ist meine Sorge. Ein seidnes Tuch und eine Perlenschnur zeigend. Sieh einmal, Bärbchen! siehst du?
BÄRBCHEN. Ich bin nicht blind.
DER LIEUTENANT. Es soll für meine Schöne. Ists nicht hübsch?
BÄRBCHEN. Wenn seine Schöne nicht hübscher ist!
DER LIEUTENANT. Wie verstehst du das?
BÄRBCHEN. Daß es für ein Fräulein ein verzweifelt kahles Geschenk ist.
DER LIEUTENANT. Wer denkt's denn einem Fräulein zu?
BÄRBCHEN. Er selbst.
DER LIEUTENANT. Für meine Schöne soll's. Da, nimm!
BÄRBCHEN. Vexir'er mich nicht, Herr!
DER LIEUTENANT. Was wird's?
BÄRBCHEN. Ich hätte den Gukuk von seiner Schönen und von seinen Geschenken. – Will sich wieder losreißen. Auh! Er verrenkt mir die Hand.
DER LIEUTENANT. Mädchen! werde doch Einmal gescheut!
BÄRBCHEN. Hm! ich möchte wissen, wer von uns beiden der größte Narr wäre.
DER LIEUTENANT. Sachte! sachte! Ein bischen höflicher! Immer mit der Thür ins Haus.
BÄRBCHEN. Losgelassen, oder es kömmt noch toller!
DER LIEUTENANT. Laß mich erst sehen, was du vor mir versteckst!
BÄRBCHEN fährt ihm mit dem Hut unter die Nase. Da! Riech dran!
DER LIEUTENANT. Haha! Gewiß für Musche Lukas?
BÄRBCHEN. Es kann seyn.
DER LIEUTENANT. Wir wollen tauschen. Nimm du das, und gieb mir den Hut.
BÄRBCHEN. Immerhin.
DER LIEUTENANT. Aber einen Kuß in den Tausch! Er küßt sie, sie schlägt ihn mit dem Hute, und lacht aus vollem Halse.
DER LIEUTENANT. Ah! noch Einen zur Strafe!
LUKAS der das letztere von weitem mit angesehen hat. Ein feines Spielchen! Habt ihr das mehr probirt?
BÄRBCHEN. Ih Lukas! Du hier? und stehst mir nicht bey?
DER LIEUTENANT. Wo führt dich denn der Henker her, Kerl?
LUKAS wild. Blitz! über den Herrn Lieutenant! Ich will ihn bekerlen. Ich will ihn die Bauermädchen küssen lehren. Will auf ihn los.
DER LIEUTENANT die Hand an den Degen. Untersteh dich!
BÄRBCHEN Lukas zurückhaltend. Laß ihn gehen, Lukas! Ich bitte dich.
LUKAS. Was? Du hilfst ihm über? Du bist mir die Rechte. Hatt' ich dir nicht verboten, dich mit ihm einzulassen?
BÄRBCHEN. Wenn er mich aber anpackt –
LUKAS nachsprechend. Anpackt! anpackt! und zerherzt und zerküßt! Und du dich halbtodt darüber lachst! Unverschämte!
BÄRBCHEN nach einer kleinen Pause sich ihm erschrocken nähernd. Lukas, ist das dein Ernst?
LUKAS. Drey Schritte vom Leibe!
BÄRBCHEN. Lukas!
LUKAS. Hab' ich den Spektakel nicht mit Augen gesehen? Und wär' ich nicht just dazu gekommen, wer weiß, was –
BÄRBCHEN schmeichelnd. Lieber Lukas, willst du mich wohl anhören?
LUKAS. Halt's Maul!
DER LIEUTENANT für sich. Vortreflich! Stellt sich seitwärts, um das Ende des Zanks abzuwarten.
BÄRBCHEN. Du bist betrunken –
LUKAS. Den Teufel bin ich's! Ich habe gesehn, ich habe gehört.
BÄRBCHEN nimmt den Hut auf, stäubt ihn ab, und nähert sich wieder mit Vertraulichkeit. Sieh einmal, Alter, was ich dir für einen schönen Hut zur Hochzeit gekauft habe!
BÄRBCHEN empfindlich. Deinen Bräutigamshut!
LUKAS knirschend. Bräutigamshut! Tritt noch einmal darauf.
BÄRBCHEN weinend. Nein, das ist zu arg! Schon gut! Ich will's dem Vater klagen, wie du mit mir und meinem Geschenk umgehst.
LUKAS. Schon gut! Heule nur! Stell dich an, wie du willst! Klag's dem Vater, klag's! Ich frage nicht so viel darnach – Ein Schnippchen schlagend. Es ist aus mit uns.
LUKAS.
Glaubest du mit Schmeicheleyen,
Süßen Blicken und Geschenken,
Falsche, mich zu hintergehn?
BÄRBCHEN.
Kannst du das von Bärbchen denken?
Kannst du mich so schmerzlich kränken?
Kannst du meine Thränen sehn?
LUKAS.
Mich, der dich so herzlich liebte,
Falsche, mich zu hintergehn!
BÄRBCHEN.
Mich, die dich noch nie betrübte,
Mich durch den Verdacht zu schmähn!
LUKAS.
Nie verdient' ich das an dir.
BÄRBCHEN.
Nie verfuhrst du so mit mir.
LUKAS.
Geh nur! Bald soll dich's gereuen.
Geh nur, geh! ich kenne dich.
BÄRBCHEN.
Dennoch will ich dir verzeihen.
Lukas! ach, nur höre mich!
DER LIEUTENANT. Hahaha! Wie komm' ich dazu? – Das Glück verläßt doch seine Lieblinge nicht. – Völlig entzweyt! So weit glaubt' ich's nie zu bringen. – Ja, wer nun geschwinde vom Tempo profitiren könnte! aber geschwinde! Denn jetzt geht er hin, sich vollends um den Verstand zu trinken, und morgen hat er Rausch und Bosheit ausgeschlafen. – Da ist guter Rath theuer. Sinnt.
GREIF wie vorhin bey dem Obristen. Ganz ergebener Diener, Herr Lieutenant.
DER LIEUTENANT ohne ihn zu bemerken. Wenn ich das Mädchen aufsuchte, mich stellte, als thäte mir's leid, den Anlaß gegeben zu haben, mich erböte, Lukas zu besänftigen, ihn sogar, im Nothfall, um Verzeihung zu bitten – und wenn ich sie dadurch treuherzig gemacht hätte – wollen sehn –
DER LIEUTENANT hastig. Bist du's, Fikfak? Was willst du? was ist vorgefallen?
FIKFAK. Nichts, Herr Lieutenant, nichts. Bin ich denn so ein Hiobsbote?
DER LIEUTENANT. Was willst du aber hier?
FIKFAK. Mich ein wenig auf dem Kirschleber Jahrmarkt umsehen?
DER LIEUTENANT. Ohne Urlaub?
FIKFAK. Den wollt' ich eben bey Ihnen holen.
DER LIEUTENANT drohend. Du! nimm dir nicht zu viel heraus! Befahl ich dir nicht gestern, keinen Fuß aus dem Thore zu setzen, bis du die Handwerkspursche hättest? wo sind sie, heh?
FIKFAK. Zum Teufel.
DER LIEUTENANT wild. Wo du auch hingehörst.
FIKFAK. Ich konnte sie nicht halten. Sie rochen Lunte, so schön mein Kamerad und ich uns auch verkappt hatten, und machten sich mit Tagsanbruch davon. Dafür hab' ich aber einen armen Hungerleider von Maler ertappt, der zeither auf den Dörfern da herum die Kreuzer und Grenzsteine angestrichen hat, und dem ich weiß machte, der König brauchte einen Bataillenmaler. Aber ich werd' ihn wohl wie der laufen lassen, denn der Schlag hat ihm den rechten Arm gelähmt.
DER LIEUTENANT. Narrenstreiche! Und unser Transport, der morgen fort soll, und an dem noch drey Mann fehlen?
FIKFAK. St! Sich geheimnißvoll umsehend. Merken Sie nicht Unrath? Darum komm' ich eben. Auf Jahrmärkten giebt's immer was. Meine Pursche sitzen schon in den Schenken und lauern. Da ist der lange Pfefferkuchenmann, ich weiß nicht, ob Sie ihn kennen – den hätt' ich schon längst gern weggeputzt.
DER LIEUTENANT. Nun, so mache deine Sachen klug. Will ab.
FIKFAK. Sie könnten mir auch wohl spioniren helfen, Herr Lieutenant.
DER LIEUTENANT. Ich habe keine Zeit.
FIKFAK. Wie gewöhnlich. Ihm ins Ohr. Was haben Sie denn auf dem Korne?
DER LIEUTENANT sich verstellend. Nichts. Ich muß wieder zu meinem Vetter.
FIKFAK. Und darum eilen Sie so? – Um Vergebung, Herr Lieutenant. Schalkhaft. Mit dem Herrn Vetter ists nicht richtig. – Theilen Sie mir immer Ihr Plänchen mit! Ich verrathe Sie nicht.
DER LIEUTENANT. Aber hilfst mir auch nicht?
FIKFAK. Wer weiß? Ich kann ja den Jemand, der Ihren Absichten im Wege steht, mit in die Schenke nehmen und besaufen.
GREIF der gehorcht hat, den Hals aus der Bude streckend. Um Vergebung, das Schenkenbier taugt nichts. Ich führ' auch Bier, braun Bier, weiß Bier, Bryhan, und Wein, von welcher Sorte man nur beliebt.
DER LIEUTENANT sinnend. Hm! – Du bringst mich auf einen verzweifelten Einfall. – Lehnt sich ihm auf die Schulter. Höre, Fikfak! Besaufen ist keine Kunst. Wenn du nicht mehr kannst!
FIKFAK. Was denn noch?
DER LIEUTENANT. Ihn anwerben.
FIKFAK mit Gelächter. Anwerben? Liesens Vater? Den alten Graukopf!
DER LIEUTENANT ungeduldig. Was willst du mit Liesen? hab' ich die Meerkatze nicht schon seit einem Monat aufgegeben? – Bärbchen, Bärbchen – das wär' ein Leckerbissen!
FIKFAK. Denkt doch! Lukasens Bärbe? Kein schlechter Geschmack, in der That. – Aber wie wollen Sie der beykommen?
DER LIEUTENANT. Das begreifst du nicht, Star?
FIKFAK. Sie hängt viel zu sehr an ihrem Schatz, und der hat Augen wie ein Luchs.
DER LIEUTENANT. Man könnte Thüren mit dir aufrennen. – Den sollst du eben in die Eisen jagen.
FIKFAK sich einfältig verwundernd. Haha!
DER LIEUTENANT. Und du fängst ihn, greifst du's nur halbweg gescheut an. Alles ist vorbereitet. Er hat schon einen Hieb, hat sich schon mit seinen: Mädchen auf mein Anstiften überworfen. Mach ihn vollends toll und voll – und er ist unser.
FIKFAK mit verstelltem Ernst. Aber, Herr Lieutenant!
DER LIEUTENANT. Was?
FIKFAK. Wäre das auch recht?
DER LIEUTENANT. Wie so?
FIKFAK. Wär's keine Sünde, einen armen Teufel, in der Besoffenheit, um seine Freyheit, um sein Mädchen, um alles zu prellen?
DER LIEUTENANT erstaunt. Kerl!
FIKFAK. Ja, Herr Lieutenant. Ich bin des Gemäkels müde. Das Gewissen wacht auch einmal auf. Wo es mit rechten Dingen zugeht, laß' ich mir weder Mühe noch Wege in meinem Dienste verdrießen. Aber daß ich Ihnen zu gefallen ein Seelenkipper werden soll, davon steht nichts in meiner Ordre.
DER LIEUTENANT mit verbißnem Aerger. Hat's übergeschnappt?
FIKFAK. Ich schaffe dem König freywillige Rekruten; Ihre Mädchen mögen Sie sich selbst schaffen.
DER LIEUTENANT in vollem Zorn. Unverschämter Pursche! Mache mir den Kopf nicht warm, oder ich fuchtle dich, daß es eine Art hat. So ein Schleicher! Mich erst auszuholen, um hernach – Ich will nichts mehr von dir wissen. Morgen sollst du zum Regimente zurück. Meine Uhr heraus! Eher wollt' ich sie auf die Gasse werfen, als dir lassen.
FIKFAK losplatzend. Hahaha! Verstehen Sie denn keinen Spaß mehr, Herr Lieutenant?
DER LIEUTENANT. Was?
FIKFAK. So holterpolter in Eifer zu kommen? Um des albernen Lukas willen! – Ich dächte, wir kennten uns. – Ihre Hand, Herr Lieutenant! Werden Sie wieder gut! Nennen Sie mich wieder Ihren Sancho Pansa! Ihre Hand!
DER LIEUTENANT. Auf deinen Buckel! – Seit wann bin ich dein Narr? Ist's jetzt Zeit, Possen zu treiben?
FIKFAK.
Lassen Sie mich immer spasen!
Gut genug, ich hab' ihn schon.
Keiner ist beym Bataillon,
Keiner, der, wie Fikfak, würbe.
Finten, Flausen, Pfiffe, Nasen,
Werden endlich mir nicht schwer. –
Ach, Herr, wenn man davon stürbe,
Lebten Sie und ich nicht mehr!
Ja, mit meinem Gewissen will ich schon fertig werden. Stehen Sie mir nur sonst für die Folgen.
DER LIEUTENANT. Folgen?
FIKFAK. Wenn die Braut mit ihrem Anhang aufwacht, und die Sturmglocke zieht, und mich beym Herrn Obristen verklagt, der über gewisse Dinge ganz anders denkt, als wir.
DER LIEUTENANT. Das giebt sich. Schaff ihn nur erst fort. Da läßt sich schon ein Deckmantel finden. Und hernach, meynst du denn, daß ich das Mädchen auf dem Halse behalten will? Sie soll ihn wiederhaben, aber erst von mir erkaufen. Für Lukas bleibt sie immer gut genug. – Du hast doch noch Geld?
FIKFAK. Wird nicht viel seyn.
DER LIEUTENANT. Hier ist mein Beutel, mit à peu près zwanzig Pistolen. Mein ganzer Rest. Halte gut Haus damit.
FIKFAK. Ich will mein Möglichstes thun, Herr Lieutenant. Indessen – schreiben Sie lieber wieder frisch um Vorrath!
DER LIEUTENANT. So Schlag auf Schlag? Das geht nicht. Sie wollten mir schon meine letzten Rechnungen nicht passiren lassen. Ich weiß nicht, was den alten Perrücken anwandelt. – Laß sie brummen! Nur diesen Streich noch durchgesetzt! Das wird mich nicht ruiniren. Dann will ich aber auch anfangen zu wirthschaften – daß du deine Freude sehen sollst.
FIKFAK. Zu wirthschaften? Ja, wie bisher. Eine schöne Wirthschaft! – Was kümmert's mich? Ich schmiede das Eisen, weil's glüht. Aber – aber der Krug geht zu Wasser, bis er bricht. – Immerhin. Bricht er, so bricht er. Ein Soldat muß sich in alles finden. In der Garnison ist's auch fein. Da sitzen wir auf den Wällen und schmauchen, und singen Gassenhauer. Will trällernd ab.
GREIF nachdem er vergebens durch allerley Geräusch sich bemerken zu machen gesuchthat, ruft nach. Um Vergebung, Herr Fikfak. Auf ein Wort!
FIKFAK sich umdrehend. Bonus dies, Herr Greif.
GREIF. Um Vergebung. Haben Sie die französischen Deserteurs schon gesehen, die sich auf dem Jahrmarkt aufhalten sollen?
FIKFAK. Deserteurs? Französische? Das ist mir lieb zu hören.
GREIF. Es geht auch ein Tyroler mit wollenen Decken herum, der sein gestrichenes Maaß haben mag.
FIKFAK. Danke für die Nachricht, Herr Greif.
GREIF. Das Leipziger Lenchen ist auch hier.
FIKFAK. Immer besser! Danke! danke! Will fort.
GREIF ihm stärker nachrufend. Schon gehen? so rund vorbey? Einen alten Kunden mit Verachtung strafen?
FIKFAK. Ein andermal. Ich bin eilig. Trällert wieder im Abgehen, steht still. Halt! war das nicht die Melodie vom Rekrutenliede? – Das könnt' ich just brauchen, um meinen Mann fidel zu machen – Wie geht's doch? Trällert. Falsch! – Ey, es fällt mir wohl im Gehen ein. Will ab kömmt wieder. Ich hab's, ich hab's.
Auf ewig, o Kriegsgott, ergeb' ich mich dir.
Hier bin ich! O, mach' einen Helden aus mir!
Was heißen Gefahren, Strapazen und Müh?
Mit Ehr' und Vergnügen belohnest du sie.
Wie will ich in meiner Montirung mich blähn!
Will stolz um mich her, wie ein Junkerchen, sehn,
Wenn Bürger und Bauer vor mir sich nun bückt,
Und jegliches Mädchen mir freundlicher nickt.
Der Bürger und Bauer lebt immer so so,
Wird alt, und dabey seines Lebens nicht froh.
Ich lobe mir kurz, aber lustig gelebt,
Und sorge nicht, wann und wo man mich begräbt.