Bach, Johann Chr.

Catone in Utica

Erste Handlung

Erster Auftritt.

Ein Waffensaal.

Cato, Marcia und Arbaces.

MARCIA.
Warum bist du so betrübt, o Vater?
Wenn auch deine Standhaftigkeit
An zu wanken fängt, so ist Rom schon unterdrückt.
Rede: deine Betrübniß
Ist dem Herzen einer Tochter
Weit schmerzlicher
Als alles Unglück.

ARBACES.
Woran denkst du Herr? Bey diesen Stillschweigen
Kenne ich kaum den Cato mehr.
Ach, wenn das erste Feuer
Deines großen Herzens schon einigermaßen erlöscht ist;
So ist keine Freyheit mehr für uns übrig, und Cesar hat gesiegt.

CATO.
Tochter, Freund, die Traurigkeit
Und das Stillschweigen sind nicht allezeit
Merkmale der Niederträchtigkeit. Die Wuth des Cesars
Hat alles verändert. Die Hoffnung
Wohnt noch in mir, die ihm zuvorkömt;
Rom ists, welches in den Armen seines Tyrannen seufzet,
Und ihr fraget, warum ich tiefsinnig bin, warum ich schweige?

MARCIA.
Wer weiß? Cesar ist vielleicht noch
Roms Sohn.

CATO.
Aber ein unbarmherziger Sohn
Welcher seinen Leidenschaften dienet.

ARBACES.
Cesar bat noch nicht ganz Rom besiegt,
Seiner Wuth bleibt noch
Der stärkste Widerstand zu überwinden übrig.

CATO.
Und was bleibt denn Rom noch übrig?

ARBACES.
Dein Herz bleibt ihm übrig,
Und wenn nicht durch deinen Rath
Unsre letzte Hoffnung einschlägt,
So würde ich meine Numidier nicht keñen.

CATO.
Es ist mir bekannt, und ich habe viel verborgen,
Da ich deine Tapferkeit verschwiegen; erhabene Seele
Welcher nichts ermangelt, als das Glück
Eine Geburth Roms zu seyn.

ARBACES.
Ach Herr, verbessere diesen Fehler
Der nicht von mir herkömt; deine Tugend
Verehre ich schon seit langer Zeit in der
Brust der Marcia. Verknüpfe also
Unsre Freundschaft noch stärker.
Erlaube, daß ich als Bräutigam ihr die Hand reiche:
Die Tochter haßt mich nicht, so bin ich ein Römer.

MARCIA.
Und du, Vater, könntest zugeben, daß die, welche als eine Bürgerin
In Rom gebohren, und ernährt ist,
Zum Verbündnisse mit einem Könige
In das Capitolium gienge?

ARBACES.
(Welch ein edler Stolz!)

CATO.
So wie sich das Schicksal verändert,
Verändern sich auch die Gebräuche.
Prinz, fürchte nichts; in kurzem
Soll Marcia deine Braut seyn. Nimm bis dahin
Das erste Pfand meiner väterlichen Liebe
In dieser Umarmung

Er küßt ihn.

Und bedenke, daß von heute an
Rom dein Vaterland sey. Du bist nun
Ein Römer, und deine Pflicht ist
Rom zu erretten, oder mit ihm zu fallen.
Mir diesen schönen Namen auf der Stirn
Wirst du weit tapferer fechten
Und das Geschick wird in dir
Einen Sohn Roms verehren.
Lebe frey, und wenn das Schicksal
Dir auch dieses versagt,
So wirst du wenigstens von mir lernen,
Wie man sterben muß.

Zweyter Auftritt.

Marcia, Arbaces.

ARBACES.
Ihr meine unglücklichen Triebe,
Wenn sie von deinen schönen Herzen kein Mitleid
Erlangen können, wenn nicht Liebe –

MARCIA.
Allein was habe ich bis hieher
Für Proben von deiner Liebe?

ARBACES.
Du hast noch keine gefodert?

MARCIA.
Und wenn ich, o Prinz
Nun jetzt diese Proben von dir verlangte?

ARBACES.
Ausser dich nicht zu verlassen,
Werde ich sonst alles thun.

MARCIA.
So verlange ich denn, daß an diesen Tage von keiner
Vermählung geredet werde: Deiner Foderung
Hat der Vater beygestimmt,
Er muß nicht wissen, was ich dir aufgelegt, und ich bin zufrieden.

ARBACES.
Allein, warum willst du, daß ich selbst
Meine Glückseligkeit so weit entferne?

MARCIA.
Erfülle meinen Befehl, und bedenke
Wie viel du versprochen, und wie viel ich befohlen habe.

ARBACES.
Werden mir hernach diese geliebten Augen
Mitleid oder Haß bringen?

MARCIA.
Ich drohe dir keinen Haß,
Ich verspreche dir keine Liebe:
Gieb mir nur ein Merkmal der Treue,
Verlaß dich auf mein Herz,
Ich will sehn, ob du mich liebst.
Dich hernach zu belohnen,
Laß meine Sorge seyn
Verlange keine Belohnung,
So sehr du sie wünschest.

Gehn ab.

Dritter Auftritt.

Innerer Theil der Mauer von Utika, nebst dem Stadtthore, welches im Prospekt mit einer Zugbrücke geschlossen ist, die sich hernach herabläßt.
Cato, hernach Cesar und Fulvius.

CATO.
So komme denn Cesar. Den Grund
Welcher ihn herführt, begreife ich nicht.
Ist es Betrug? Ist es Furcht?
Nein: einen Römer wird der Ehrgeitz
Zum herrschen nicht so ins Herze kommen,
Daß er darüber niederträchtig denken solte.

Die Brücke wird herunter gelassen, und man sieht den Cesar mit den Fulvius kommen.

CESAR.
Ich zeige mich nicht vor dir mit vielen hundert Kriegsschaaren,
Die ich bewaffnet zu meiner Vertheidigung
In offnen Felde habe. Ohne Waffen, und
Allein mich auf deine Treue verlassend
Komme ich in diese feindseligen Mauren.
So sehr ehrt Cesar
Des Cato Tugend, und bestrebt sich selbige nachzuahmen.

CATO.
Du kennest mich genung, und da du dich auf mich verläßt,
Thust du nichts als deine Schuldigkeit.

CESAR.
Es ist wahr, ich kenne dich. Und gegen meine Waffen
War das Schicksal
Zu verschwenderisch mit seiner Gunst.
Aber ich verlange noch eine weit grössere Eroberung,
Wofür ich alle andern hingebe.
Es ist deine Freundschaft, hierum ersuche ich dich.

FULVIUS.
Auch der Senat wünscht sie; und dieses Verlangens wegen
Schickt er mich als Abgesandter hieher.

CATO.
Wer den Cato zum Freunde haben will,
Kann ihn sehr leicht erlangen: Er sey Rom getreu.

CESAR.
Wer ist ihm getreuer als ich? Ich vergieße für selbiges
Mein Schweiß und Blut.

CATO.
So hälst du mich denn
Für so wenig unterrichtet?

FULVIUS.
Herr, was sprichst du?
Dieses ist nicht der Weg
Die Zwistigkeiten zu dämpfen: ich komme als ein Gesandter des Friedens,
Und nicht des Streites.

CATO.
Nun wohlan, rede!
(Wir wollen hören, was er sagen wird.)

FULVIUS.
(Die zu große Tugend
Hat ihn zu erbittert gemacht.)

Zum Cesar.

CESAR.
(Doch bewundere ich sie, ob sie mich gleich beleidigt.)

Zu Fulvius.

Durch deine und meine Macht
Ist die Welt getheilt, sobald als die
Freundschaft uns wieder verbindet, so ist alles in Ruhe.
Und wenn du für das römische Blut
Noch einiges Mitleiden hegst, so wirst du meinen Antrag
Gefällig anhören.

Vierter Auftritt.

Emilia, und Obgedachte.

EMILIA.
O Götter! was sehe ich!
Ist dieses die Freystatt
Die ich vom Cato hoffte? Die unglückliche Witwe des Pompejus
Muß sich an einem Orte
Mit ihrem Feinde befinden.

FULVIUS.
(Mitten in ihren Unglück
Ist sie noch schön.)

CATO.
Emilia, deiner Betrübniß wegen
Verzeihe ich dir diese Uebereilung.

CESAR.
Du bist zu ungerecht, wenn du mich
Noch immer so sehr hassest.

FULVIUS.
Herr, dies scheint mir
Keine gelegene Zeit, um von Frieden zu reden.
Die Sache erfodert einen weit einsamern Ort,
Auch ein weit heiteres Gemüth.

CATO.
Ich erwarte euch also in kurzen
In meiner Wohnung. Und du, Emilia
Denke indessen, daß du deinem Schmerz
Nicht alle Freyheit verstatten mußt,
Ob dich gleich das Schicksal zur Tochter des Scipio
Und zur Gemahlin des Pompejus gemacht hat.

Geht ab.

Fünfter Auftritt.

Cesar, Emilia und Fulvius.

CESAR.
Du redest nicht Emilia? Bey diesen Stillschweigen
Hoffe ich einen Anfang deiner Beruhigung.

EMILIA.
Du betrügst dich. Indem ich schweige,
Denke ich auf Rache.

FULVIUS.
Und du kannst dich nicht besänftigen,
Ob du gleich einen so großmüthigen Sieger vor dir hast?

EMILIA.
Ich, mich besänftigen? Vielmehr will ich
Wenn er auch mit tausend Kriegsschaaren umringt wäre,
Ihm ins Gesicht sagen, daß ich ihn hasse, und seinen Tod wünsche.

CESAR.
Alles dieses ist nicht fähig genug, Emilia
Meine Ruhe zu stören.
Weil dein Haß ohnmächtig ist, so mißfällt er mir nicht ganz.
Ein Bach, den man kaum durch Blumen und Gras
Hinmurmeln hört,
Ran den Sand nicht einmal aufrühren,
Und den Nymphen und Hirten
Ist er ein Gegenstand des Vergnügens.
Das sanfte Lüftchen
Welches kaum einen Myrten- oder Lorbeerbaum bewegt,
Kan das Ungewitter nicht herzurufen,
Und ist den ermüdeten Wanderer
Nur eine Erquickung.

Geht ab.

Sechster Auftritt.

Emilia und Fulvius.

EMILIA.
Wie sehr von dir selbst verschieden,
Sehe ich dich wieder, o Fulvius. Und wer hat dich
Zum Begleiter des Cesars, und zu meinem Feinde gemacht?

FULVIUS.
Da ich jetzo Rom diene,
So bin ich nicht dein Feind. Zu stark habe ich
Die schöne Vorstellung deiner Bitten in mein Herz gedrückt.

EMILIA.
Ein Freund des Cesars,
Und ein Liebhaber der Emilia
Stimmen schlecht zusammen, entweder vertheidige ihn,
Oder räche meinen Gemahl; zur Belohnung
Erlaube ich dir, daß du mich lieben kanst.

FULVIUS.
(Ach was schmeichelt sie sich!
Sie irrt sich!)

EMILIA.
Was denkst du?

FULVIUS.
Ich denke, daß du an meiner
Treue nicht zweifeln solltest.

EMILIA.
So sollst du also
Meinen Zorn ausrichten.

FULVIUS.
Befiehl mir eine Probe
Von deinem Verlangen.

EMILIA.
Ich verlange,
Daß Cesar sterbe. Kan ich mich
Jetzt auf dich verlassen?

FULVIUS.
Ich komme dir zuvor, und der Streich
Geschehe nach deinen Rath; das Werk verrichte ich.

Geht ab.

Siebenter Auftritt.

EMILIA allein.
Wenn ich noch andre thörichte Liebe anhöre, oder erdulde,
Wenn ich nach deinem Tode noch Oden schöpfe,
So verzeihe mir, liebster Gemahl,
Ja verzeihe es mir; denn es bleiben
Mir keine andre Waffen mich zu rächen übrig. Dir habe ich
Alle meine Triebe gewidmet, und dir erhalte ich sie auch,
Selbst wenn sich mein Leben endet, soll doch
Die ersten Bande unsrer Liebe noch verknüpft bleiben,
Wenn es wahr ist, das Todte sich noch jenseit der Gruft lieben.
Wenn du mich im Schooße irgend eines Gestirns,
Oder am Ufer des Flusses Lethe erwartest;
So werde nicht unwillig, theure Seele,
Auch ich werde dahin kommen.
Ja ich will kommen, doch verlange ich vorher,
Daß der schuldige Schatten dieses Tyrannen,
Welcher zu deinen Unglück
Die Welt bewaffnete,
Vor dem meinigen vorhergehe.

Geht ab.

Achter Auftritt.

Gebäude zum Theil verwüstet, nahe bey der Wohnung des Cato.
Cesar und Fulvius.

CESAR.
So unterstand sich Emilia
Dich zur Untreue zu verleiten? Und hofft
So viel von deiner Liebe?

FULVIUS.
Ja, allein so sehr ich sie auch liebe,
Liebe ich doch mehr meine Ehre.

CESAR.
Ach mein Freund Fulvius,
Ich setze mein ganz Vertrauen auf mich selbst.

FULVIUS.
Und Cato?

CESAR.
Eile zu ihm mit der Versicherung,
Daß ich, ehe es Mittag würde,
Wieder hieher komme.

FULVIUS.
Ich gehe, allein dort seh ich
Die Marcia herannahen.

CESAR.
Laß mich einen Augenblick
Mit ihr in Freyheit.

FULVIUS.
Ich weiß du liebst sie;
Sie betet dich an, und ich weiß aus der Erfahrung
Was für Freude man in dem
Augenblick empfindet,
Wenn der getreue Liebhaber seine Geliebte wieder sieht.

Zehnter Auftritt.

Marcia und Cesar.

CESAR.
So sehe ich dich wieder, o Marcia?
Kaum trau ich meinen Augen! Nimmt mit deiner Schönheit
Auch deine Liebe zu? Welchen Antheil
Nehmen der Marcia Triebe
An den meinigen?

MARCIA.
Und wie bist du gesinnt?

CESAR.
Wie ich gesinnt bin? Welch eine Frage?
Ist es Scherz, oder ein Traum?
Kennest du den Cesar nicht?
Welchen du so sehr geliebt,
Welchen du geschworen,
Weder durch die Zeit, noch durch ein feindliches Schicksal
Ihm ungetreu zu werden.

MARCIA.
Und so denkst du noch jetzo?
Nein: du bist nicht, wer du gewesen, und nimst nur den Namen an.
Den Cesar betete ich an, ich läugne es nicht, und er war
Der ganzen Welt süßeste Hoffnung, und auch die meinige.
Diesen Cesar liebte ich, dieser gefiel mir,
Ehe mich der Himmel von ihm trennte.
Dieser Cesar kömmt zurück, und ich sehe ihm wieder.

CESAR.
Was kan ich mehr thun? ich bete den Cato
In dem Herzen der Marcia an: Dein schönes Herz
Bewundre ich wie einen Theil des seinigen
Hier hat mich mehr die Freundschaft, als unsre Liebe für ihn, hergezogen.

MARCIA.
Dies ist mein Cesar. Ich fange jetzo an
Ihn in dir zu erkennen: so gefällst du mir,
So hast du mich verliebt gemacht. Liebe nur den Cato,
Ich bin nicht eifersüchtig, wenn ein solcher Nebenbuhler
Dein Herze theilt,
So bist du nur noch würdiger, daß ich dir meine Liebe erhalte.

CESAR.
Dieses ist ein zu großer Sieg. Ach ich vertheidige
Mich zu schlecht wieder eine so großmüthige Tugend.
Erheitere dich, ich bin auf deine Ruhe
Bedacht, und ehe der Tag vergeht,
Sollst du durch Thaten sehen,
Daß ich noch eben der Cesar bin, der dich geliebt hat.
Der welcher eine süße Liebe verdammt
Sehe nur meine Feindin an;
Er höre sie, und sage mir nachher,
Ob die Liebe Schwachheit ist.
Wenn die Triebe aus einer
So schönen Quelle entstehen;
So sind ihr die Helden unterthan
Und selbst die Götter lieben.

Geht ab.

Eilfter Auftritt.

Marcia, und hernach Cato.

MARCIA.
Jetzt empfinde ich, daß alle meine
Verlohrne Hoffnungen sich wieder in meiner Brust entzünden.
Doch wer weiß es? Es ist noch ein großer
Theil von diesen Tage übrig.

CATO.
Laß uns gehen, Tochter.

MARCIA.
Wohin?

CATO.
In dem Tempel, zu der Hochzeit
Des Numidischen Peinzen.

MARCIA.
(O Götter!) Aber warum
So eilfertig?

CATO.
Unser Schicksal leidet
Keinen Aufschub.

MARCIA.
(Treuloser Arbaces!) Der Prinz
Wird sich vielleicht dem Altar nicht nähern.

CATO.
Einer meiner Getreuen ist schon gegangen
Ihn aufzumuntern.

Im Begrif wegzugehen.

MARCIA.
(Welche Qual!)

Zwölfter Auftritt.

Arbaces, und Obgedachte.

ARBACES.
Ach verweile, o Herr.

Zu dem Cato.

MARCIA.
(Du wirst befriedigt werden.)

Leise zu den Arbaces.

CATO.
Kom, o Prinz, laß uns gehen,
Das Beylager zu vollziehen.

ARBACES.
Ach wenn du willst,
Daß ich noch dankbarer werde; so laß es dir gefallen,
Solches bis auf den künftigen Tag zu verschieben.

CATO.
Nein: die Altäre rauchen schon,
Die Priester sind zusammen, und der geringste
Aufschub würde itzo zur Unzeit kommen.

ARBACES.
(Marcia, was soll ich thun?)

MARCIA.
(Du frägst mich noch darum?)

CATO.
Allein was ist dieses für ein Kaltsinn?
Gewiß hierunter
Verbirgt sich ein Geheimniß.
Es kömmt dir doch nicht in den Sinn, Arbaces,
Daß du ein Afrikaner bist?

ARBACES.
Ich erdulde alles
Für den Cato, und wenn –

CATO.
Und ich habe dich,
Für sehr was anders gehalten.

ARBACES.
Du wirst sehen –

CATO.
Ich habe genug gesehen,
Und verlange weiter nichts zu sehen.

Geht ab.

ARBACES.
Verlangst du noch mehr? Grausame!

MARCIA.
Mir zu gehorsamen
Hast du kaum angefangen, und vor meinen
Angesicht erhebst du dich schon so sehr?

ARBACES.
O Grausamkeit!

Dreyzehnter Auftritt.

Emilia und Obgedachte.

EMILIA.
Erhabene Liebhaber, mitten in meinen
Schmerz nehm ich Antheil an eurer Freude.

ARBACES.
Erhalte bis zu einer andern Zeit
Die Wünsche, Emilia: das Bündniß ist noch nicht fest.

EMILIA.
Ich verstehe es nicht, und eure Liebe
Scheint mir ungewöhnlich und sehr neu.

ARBACES.
(Ach ich verstehe es nicht; und doch empfinde ichs.)
In jeder Brust
Herrscht eine verschiedene Liebe.
Der eine leidet, und seufzt
Ohne Hoffnung.
Der andre liebt
Die Unbeständigkeit;
Dieser verlangt Krieg,
Und der andre Frieden.
Und was ihr wünscht
Ist Grausamkeit.
Unter diesen Elenden
Lebe ich auch,
O verlache
Meinen Schmerz nicht:
Der vielleicht
Dein Mitleid verdienet.

Geht ab.

Vierzehnter Auftritt.

Marcia und Emilia.

EMILIA.
Wenn Arbaces die versprochene Treue nicht halten sollte,
So ist Cesar der Unwürdige
Der ihn verführt hat.

MARCIA.
Mäßige deinen Argwohn,
Cesar ist so vieler Niederträchtigkeit nicht fähig,
Ob er gleich unser Freund ist.

EMILIA.
Und du redest so? was würdest du sagen,
Wenn du den Cesar liebtest? Ach ich fürchte nichts,
Und doch scheint es, daß deine Reden es sagen.
Nein, eine Feindin denket nicht auf eine solche Art.

Geht ab.

Fünfzehnter Auftritt.

MARCIA allein.
Ach ich habe zu viel gesagt; und Emilia
Hat meine ganze Liebe gesehn. Allein wer kann
Wohl seine Leidenschaften so verstellen,
Welche man allezeit in andern Augen sieht?
Es ist vergebens, ihr Liebhaber,
Die Ruhe in euren Herzen zu stören
Da ein Blick schon genung ist
Selbige zu entdecken.
Es ist thöricht etwas zu verhehlen,
Was zu verbergen nichts hilft;
Und der sieht es bald in Handlungen,
Der weiß, daß dies Liebe ist.

Ende der ersten Abhandlung.

Es folgt der Tanz.

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