| Kain (H. Bulthaupt), Oper 1 Akt (17. Febr. 1900 Berlin,
Hofoper) Musik von Eugene d'Albert Personen Handlung In felsiger Ödenei erblickt man die Familie der aus dem Paradiese verstoßenen ersten Menschen.
Adam und Eva ruhen, leidesmüde, vor ihrer Hütte; Adah, Kains Weib, schöpft an der Felsenquelle
Wasser, während ihr Söhnchen Hanoch bei seinen Großeltern Kunde vom Paradiese erfragen möchte.
Abgekehrt von den übrigen und düster vor sich hinbrütend, sitzt Kain, während der am Opfersteine
lagernde Abel in seliger Verzückung von den Wonnen des Paradieses träumt. Als Kain im Dämmern der Nacht allein zurückgeblieben und Gott verlästert, steigt aus dem Felsen mit bleichem Angesicht, und von schwarzen Fittichen umwallt, Luzifer, der gefallene Engel des Herrn, empor und lehrt Kain das Geheimnis des Todes, den er, der Furchtbare, als Wohltäter der Menschheit preist. Kain huldigt ihm für diese Gabe und betet Luzifer an, da er ihm größer zu sein dünkt als Gott, der nur Qualen aufzuerlegen, diesen aber kein Ende zu setzen vermöge. Luzifer verschwindet darauf, und Kain sinkt auf das Gestein zu kurzer Ruhe nieder. Allmählich wird es Morgen. Abel tritt aus der Hütte, um Gott in der erwachenden Natur zu lobsingen, während er Früchte auf dem Opfersteine ansammelt. Fröhlichen Sinnes weckt er den Bruder und fordert ihn auf, mit ihm zu opfern; Kain aber antwortet mit Ingrimm und will, daß Abel mit ihm dem Truge des Seins entsage und dem Herrn fluche. Abels Erwiderungen steigern sich zu immer begeisterteren Dankeshymnen, und Kain, durch sie aufgestachelt, ergreift die Axt und zertrümmert den Altar, dann erschlägt er den Bruder. Nach dieser Untat, die ihn zum Bewußtsein gebracht, kommt es wie ein furchtbarer Schrecken über Kain; er sinkt über die Leiche des Bruders nieder, während unsichtbare Stimmen von allenthalben mit Entsetzen seinen Namen zu flüstern scheinen und schließlich aus der Höhe herab der Herr ihn nach seinem Bruder fragt und in rollenden Gewittern ein fluchendes Wehe! auf den Möder herniederdonnert. Adam, Eva, Adah und Hanoch, die den Herrn im Wetter zürnen hören, kommen aus der Hütte, erblicken den toten Abel und brechen in bange Wehklagen aus. Als Eva zürnend ruft, daß Kain ihr den liebsten Sohn erschlagen, während er und sein falsches Geschlecht fortleben, rafft sich Kain aus seiner dumpfen Verzweiflung auf und will dem Tode zur vollen Herrschaft helfen, indem er ihm auch seinen Knaben Hanoch opfert. Nun aber hebt Adam die Axt wider Kain, und nur Adahs mutiges Dazwischentreten hemmt den tödlichen Streich. Durch Schauer kommt Kain zur Besinnung, und seiner bebenden Seele entringt sich nun das Bekenntnis, daß seine Sünde größe sei, als der Herr sie ihm je vergeben könne. Den aus dem Gewitter herabgellenden Verdammungsspruch mit resignierten Worten erwidernd, schreitet der Geächtete mit Weib und Kind über das blitzumlohte Gebirge fort, während Adam und Eva in starrem Schmerze an der Leiche des geliebten Sohnes verweilen.
Das Thema ist in Dichtung (von Hans Sachs bis Byron, von Byron bis Kastropp und Bulthaupt) und Musik (von Förtsch, 1689, Piccini, Rud. Kreutzer bis Max Zenger (Oratorium) und Eugene d'Albert (im modern-deutschen, schwerdramatischen Stile), oft behandelt worden. Dichterisch am erhabensten noch immer von Lord Byron. |