Weisheiten 37

Alles an Staat und nichts in der Schüssel.
fr] Plus de veloux que de pain.

Alles andere behalt im Sinn, das Schlafsäckchen vergiss.
Estland

Alles ändert sich auf der Welt.
Estland

Alles ännert sik in der Welt, man de Schimienstäute nit.
Sauerland

Alles arbeitet für unser Ideal, sogar jene, deren Schläge sich bemühen, es zu zerstören.
Rolland, Die Vorboten

Alles auch Meinende
Wird nicht vereint,
Weil das Erscheinende
Nicht mehr erscheint.
Goethe, Zahme Xenien V

Alles auf dem Leibe und nichts darin.
fr] C'est la reine d' Antioche qui mange plus de pain que de brioche.

alles auf den Kopf stellen
en] to turn everything topsy-turvy
fr] mettre tout sens dessus dessous - mettre tout en l'air
it] mettere tutto a soqquadro

Alles auf den Schein, heisst es jetzt; alles auf die Dauer, haben die Alten gesagt.

Alles auf der Welt hat sein zweites Gesicht, die Natur, die Kultur, die Religion, die Kunst, die Politik, die Liebe, alles, alles. Wer das nicht weiß, ist glücklich, ich weiß es.
Hermann Löns, Das zweite Gesicht

Alles auf der Welt ist eitel, wer kein Geld hat, scheisst in'n Beutel.
Ulm

Alles auf der Welt kommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluss an.
Goethe

Alles auf deutschen (o. englischen u.s.w.) Fuß einrichten.
i] Wie man sagt: eine gute Hand schreiben, so lässt Jean Paul 'die Krüppel einen guten Fuß schreiben'.

Alles auf die Faust setzen.

Alles auf die leichte Achsel nehmen.

alles auf eine Karte setzen

Alles auf einmal haben wollen.
en] To have the egg and also the halfpenny that you buy it with.

Alles auf einmal tun zu wollen, zerstört alles auf einmal.
Lichtenberg, Über das Studium der Naturlehre

Alles auf Erden lässt sich finden, wenn man nur zu suchen sich nicht verdrießen lässt.
Philemon, Fragmente

Alles auf jegliche Weise fühlen, mit den Gefühlen zu denken verstehen und mit dem Denken zu fühlen...
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Alles aufs Spiel setzen.
fr] Jouer à tout perdre.
la] Omnem jacere aleam.

Alles Aufsehenerregende, mag es noch so künstlerisch angelegt sein, ermüdet und stößt bald ab.
M. Grimm, Das Ende der großen Kunstformen

Alles aus einer Büchse würzen.

Alles aus Liab - aber nix umsunst! sagen d' Buam und d' Wucherer.

Alles aus Liebe, aber nichts umsonst.
i] Motto eines Ladentisches im Bazar des Berliner Frauenvereins. Vossische Zeitung, 30. Jan. 1868

Alles aus Liebe, du (verfluchter) Hund.
Königsberg

Alles aus Müßiggang. Denn die meisten beten aus Langeweile, die andern verlieben sich aus Langeweile, die dritten sind tugendhaft, die vierten lasterhaft... es ist zu langweilig!
Büchner, Lenz

Alles außer uns ist nur Element, ja ich darf wohl sagen, auch alles an uns, aber tief in uns liegt diese schöpferische Kraft, die das zu erschaffen vermag, was sein soll, und uns nicht ruhen und rasten lässt, bis wir es außer uns oder an uns, auf eine oder die andere Weise dargestellt haben.
Goethe, Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Alles bätert sech op de Dê'r.
hdt] Alles bessert sich auf die Dauer.

Alles Bêd's (beide), Frau Pfarrern, sagt der Kutscher.
i] Die Frau eines Landgeistlichen will einem Lohnkutscher aus der Residenz, der bei kühlem Wetter mit seinem Wagen vor dem Predigerhause wartet, um jemand abzuholen, nach ihrer guten Gewohnheit eine Erfrischung reichen, und fragt ihn deshalb: 'Mögen Sie lieber eine Tasse Kaffee, oder ein Schnäpschen?' 'Alles Bêd's, Frau Pfarrern'.

Alles beed's, Frau Pfarren.
Köthen
i] Ein etwas unbescheidener Lohnkutscher hielt vor der Tür eines Landpredigers und wurde von der Frau desselben gefragt, ob er zu seiner Erquickung lieber Kaffee oder einen Schnaps annehme, worauf er obige sprichwörtlich gewordene Antwort gab.

Alles beginnt der Deutsche mit Feierlichkeit, und so zieht auch
Diesem deutschen Journal blasend ein Spielmann voran.
Goethe, Xenien 251 - Das Journal Deutschland

Alles beginnt mit der Sehnsucht.

Alles Behagen am Leben ist auf eine regelmäßige Wiederkehr der äußeren Dinge gegründet.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,13

Alles bekommt man einmal satt, am schnellsten die Frauen.
Maupassant, Friedhofsbesuche

Alles bekommt man vom Wald, nur ein selbstgewachsenes Spinnrad nicht.
Estland

Alles belebt sich zur Essenszeit und genest zur Topfzeit.
Estland

Alles besieget die Lieb', und wir auch geben besiegt uns.
Vergil, Eklogen, X, 69

Alles besiegt Amor.

Alles besiegt unablässiger Fleiß und die Not des drückenden Mangels.
Virgil, Georgica

Alles besiegt und raubt die geizende Zeit;
Den Ruhm auch, und schafft uns ein zweites Sterben,
Und wie vor dem ersten kein Mittel uns vor ihm feit.
So siegt die Zeit ob der Welt, lässt ihre Namen verderben.
Petrarca, I, Trionfi

Alles besser wie gestorben.
Warschau
i] Trost der Unglücklichen, die bei großem Verlust, z.B. Einer Feuersbrunst, wenigstens das Leben gerettet haben.

Alles Bestreben, einen Gegenstand zu fassen, verwirrt sich in der Entfernung vom Gegenstande und macht, wenn man zur Klarheit vorzudringen sucht, die Unzulänglichkeit der Erinnerungen fühlbar.
Goethe, L. K. Vogel, letzte Lebensjahre

Alles bezwingt die Liebe.
la] Omnia vincit Amor.

Alles bis auf den letzten Heller bezahlen.
fr] Payer rubis sur l'ongle.
fr] Payer ric à ric.

Alles Blut ist gleich alt. England

Alles Böse gründet in einem Guten, und alles Falsche in einem Wahren.
Thomas von Aquin, Über das Böse

Alles Böse ist nicht böse.
Venedig

Alles Böse ist nur das Phänomen der Hemmung des Triebs zum Guten, der Verzehrung des Guten.
Johann Wilhelm Ritter, Fragmente

Alles Böse, nur kein böses Weib. Hebräisch

Alles böss kompt vom guten her, auss Engeln Teuffel, auss Jungfrawen Huren.

Alles brennt trocken gut, nur die Lampe nicht.
Westfalen

Alles bricht, wenn es zu dünn wird, der Mensch, wenn er zu stark wird.
Kurdistan

Alles Brot ist dem gesund, der hungert.

Alles bunt durcheinander wie ein Hanswurstwamms auf der Kirchweih.

Alles da, Holz un Torf, die Miet' wird abgedanzt, drêmol um'n Ofen is ein Monat weg.
Stettin
i] Der Ofen steht nämlich dicht in einer Ecke.

Alles das geschieht mit Arglist.
la] Dolo malo haec fiunt omnia.

Alles das, wonach wir aus Vernunft streben, ist nichts anderes als das Erkennen, und der Geist beurteilt, insofern er von der Vernunft Gebrauch macht, nur das als für ihn nützlich, was zum Erkennen führt.
Baruch de Spinoza, Ethik

Alles Dasein hat in sich schon das Verderben.

Alles Dasein, welches verneint werden kann, verdient es auch, verneint zu werden; und wahrhaftig sein heisst: an ein Dasein glauben, welches überhaupt nicht verneint werden könnte und welches selber wahr und ohne Lüge ist.
Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 3, Schopenhauer als Erzieher

Alles Denken geschieht unter der Kategorie der Zeit, das wahre Erkennen dagegen schaut in einem ewigen Nu.
Meister Eckhart

Alles Denken hat bisher Resultate ergeben.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Alles Denken ist Nachdenken, der Sache nachdenken.
Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem (Vorrede)

Alles Denken ist nichts anderes als ein Vorstellen durch Merkmale.
Kant

Alles Denken ist unmoralisch. Sein eigentliches Wesen ist Zerstörung.
Wilde, Eine Frau ohne Bedeutung

Alles Denken ist Zurechtmachen.
Morgenstern

Alles Denken, das in die Tiefe geht, endet in ethischer Mystik.
Albert Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken

Alles der Würste wegen.

Alles Dichten und Trachten der Menschen, wie es sich in ihren so mannigfaltigen Bestrebungen betätigt, schlägt zwar äußerlich sehr verschiedene Wege ein, aber schließlich läuft es doch immer auf das eine letzte Ziel, die Erlangung der Glückseligkeit, hinaus. Diese aber ist das höchste Gut, nach dessen Erlangung nichts mehr zu wünschen übrig bleibt.
Boetius, Tröstungen der Philosophie, 3. Buch

Alles dichtet und tut und kein Mensch weiß, was er will, es sind lauter Velleitäten, die, wie Seifenblasen den spielenden Kindern, so den lieben Verfassern vor der Nase zerplatzen.
Goethe, An Nees v. Esenbeck, 24.5.1827

Alles Ding hat sein end.

Alles ding macht verdrossen mut, so man sein zuvil hat und thut.
la] Omne quod est nimium, crebrum sordescit ob usum.

Alles Ding will vorher Rat, dann Tat.

Alles dings ein mass.
dk] Alting til maade.
la] Omnibus in rebus modus est pulcherrima virtus.

Alles doppelt sehen.
i] Betrunken sein.
z] Es daucht jhn, was er siehet wer zweyfeltig.

Alles Drängen, alles Ringen
ist ewige Ruh' in Gott dem Herrn.
Goethe, Zahme Xenien

Alles durch den Arss fahren lassen.

Alles durch den Bauch jachen.

Alles durch Milde, nichts durch Gewalt.
dk] Lemfeldighed er ofte bedre end ret og magt.
dk] Mildhed er øm til at medlide; let til at forlade, færdig til at hielpe.
dk] Mildhed udretter meere end strenghed
en] The charitable give cut at the door and God puts in at the window.
fr] Tout par amour, rien par force.
la] Facilitate nihil est homini melius, neque clementia.

Alles durcheinander, wie sie der Griff gibt, sagte der Bettler, als er eine Filzlaus drunter fand.
ho] Zulke loopen er onder, zei de meid, en zij had eene plattluis tusschen hare vingeren.

Alles Edle ist an sich stiller Natur und scheint zu schlafen, bis es durch Widerspruch geweckt und herausgefordert wird.
Goethe, Eckermann, 1.4.1827

Alles ein Gesöff, sagte die Gans, da hatte sie in sieben Pfützen herumgeschnattert.

Alles eine Zeit lang.
la] Omnia ad tempus certum durant.

Alles Eisen lässt sich hämmern, aber nicht aus jedem wird Stahl.

Alles Elend der Welt wird durch impotente Hirne verursacht.

Alles en der Meddelmass (Mittelmaß).
Bedburg

Alles endert sich ohne des Papstes wurstkahen und der kuhschwantz.

Alles endet, außer die Liebe zu Gott.
Portugal

Alles entartet unter den Händen der Menschen.
Rousseau, Emile

Alles Entscheidende entsteht trotzdem.
Friedr. Nietzsche, Ecce homo

Alles entsteht und vergeht nach Gesetz; Doch über des Menschen
Leben, dem köstlichen Schatz, herrschet ein schwankendes Los.
Goethe, Elegien: Euphrosyne

Alles Erdreich ist Österreich untertan.
la] Austriae Est Imperare Orbi Universo.
Wahlspruch

Alles Erkennen ist Gestaltung. Gestaltung ist seelisches Besitzergreifen, Hunger nach Erkenntnis ist seelischer Wille zum Besitz.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Alles erkennt man an diesen Händen, an der Art wie sie warten, wie sie greifen und stocken: den Habsüchtigen an der krallenden, den Verschwender an der lockeren Hand, den Berechnenden am ruhigen, den Verzweifelten am zitternden Gelenk...
Stefan Zweig, Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau

Alles erkläret sich wohl', so sagt mir ein Schüler, 'aus jenen
Theorien, die uns weislich der Meister gelehrt.'
Habt ihr einmal das Kreuz von Holze tüchtig gezimmert,
Paßt ein lebendiger Leib freilich zur Strafe daran.
Goethe, Venezianische Epigramme 79

Alles erlaubt sich ein Weib, und es dünkt unziemlich ihr gar nichts.
Juvenal, Satiren

Alles Erzeugnis der Kunst ist Symbol der Offenbarung, und da hat oft der auffassende Geist mehr teil an der Offenbarung als der erzeugende.
Bettina von Arnim, Goethes Briefwechsel mit einem Kinde

Alles es gued in 'n Folkspot, mär niene witte Fiksebounen, hadde de gneädige Frau saght.
Hagen
hdt] Alles ist gut im Gesindetopf, aber keine weißen Fiksbohnen. (Fikse-, Fitze- Fisebônen, d.i. die gefeset werden müssen, um sie grün (mit den Schoten) zu essen)

Alles Ewige ist notwendig.
Thomas von Aquin, Summe gegen die Heiden

Alles fällt auf mich, nur kein Beutel Geld.
i] Klage eines vom Glück Vernachlässigten.

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