Weisheiten 56


Das Feuer verzehrt eher eine Strohhütte als einen Palast.
i] Der Arme wird vom Unglück am ersten und empfindlichsten betroffen

Das Feuer vom Himmel holen.

Das Feuer weiß nicht, wessen Kappe (o. Mütze) brennt.

Das Feuer wird das Fett finden.

Das feuer wirdt durch seine aigne Aschen erhalten.
la] Suis ignis cineribus alitur.

Das Feuer wollen auslöschen und die Funken in der Asche lassen, ist nicht weisen Mannes Werk.

Das Feuer ziert den Krieg, wie das Magnificat die Vesper.
i] Albrecht der Jüngere von Brandenburg, ein kleiner Louvois

Das Feuer, das den Bart ergriffen, wird auch das Haupthaar verzehren.

Das Feuer, das den Leib erwärmt, kann auch den Leib verbrennen.

Das feuer, das Meer und ein Weib sind drey böse Ding.

Das Feuer, das mich nicht brennt, lösche ich nicht.

Das Feuer, die Liebe und den Husten erkennt man rasch.
it] Il fuoco, l'amore e la tosse presto si conosce.

Das Feuerchen brennt im Ofen - die Christenmenschen kommen.
Estland

Das Feuilleton ist die Unsterblichkeit eines Tages.
Ludwig Speidel

Das feurige Pferd zehrt den Reiter auf.
Italien

Das Fieber der Jugend hält den Rest der Welt auf Normaltemperatur.
Georges Bernanos

Das Fieber der Jugend hält den Rest der Welt auf Normaltemperatur.
Georges Bernanos (1888 - 1948)

Das Fieber lest sich nicht dreymal anschreiben.
i] Es bekommt's keiner dreimal in seinem Leben

Das Fieber überfällt die schwachen Mägen, und Frömmelei die schwachen Krägen (o. Köpfe).

Das Fiedeln, Schreien, Kegelschieben
Ist mir ein gar verhasster Klang,
Sie toben, wie vom Bösen Geist getrieben,
Und nennen's Freude, nennen's Gesang.
Goethe, Faust I (Wagner)

Das fiel aufs Butterbrot.

Das Filial gehört zu der Mutter, wie die Küchlein zur Henne.

Das Filztuch schätzt man erst, wenn es regnet.
tü] Abanın kadri yağmurda bilinir.

Das Finale singen.
i] Ein Ende machen

Das find ich gut, da ließe sich ein Pakt,
Und sicher wohl, mit euch, ihr Herren, schließen?
Goethe, Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1414

Das Finden ist nicht verboten.
i] Der Finder darf den Fund behalten
Duala (Bantu)

Das findet keine Zustimmung.
i] es wird nicht genehmigt
la] Non placet.

Das findet man nicht auf der Gasse.
fr] Cela ne se trouve pas dans le pas d'un cheval.

Das findet sich, sagt der Bauer.

Das finstere Gesicht schneidet den Lebensunterhalt ab.

Das Firmament ist der Thron aller Schönheit, wie auch der Mensch seinen Thron hat, die Erde nämlich.
Hildegard von Bingen, Welt und Mensch

Das Firmament kreist, und die Stunden zeigen beständigen Wechsel.

Das Fischlein möge man bestreuen mit seinem Bruder (Salz), seinem Vater (Wasser) zuführen, es genießen mit seinem Sohne (Saft, Brühe aus dem Fisch) und den Vater (Wasser) darauf trinken.
Hebräisch

Das Fitschel-Fetscheln.
i] Heucheln, Verleumden

Das Flattieren hilfft jetzt manchen herfür, der sonst müsst bleiben hinder der Tür.

Das Fleckchen an der Wang ist eine Zier, das schwarze,
Doch wenn es zu groß wird, so ist es eine Warze.
Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen

Das Fleisch an den Knochen ist süß, das Mädchen in der Morgendämmerung lieb.
Estland

Das Fleisch der Lerche (lodola) schmeckt jedem.
Toskana
dä] Hver hører helst sin egen roos.
dä] Ingen er som jo heller vil loves end lastes.
la] Nemo tam gnarus, qui non sit laudis avarus.
la] Omnes mortales sese laudarier optant.
la] Trahimur omnes laudis studio. Cicero
sd] Hwem hörer icke giärne sitt egit roos.

Das Fleisch der Schwachen ist die Kost der Starken.

Das Fleisch des alten Pelikans wird dir weich schmecken, wenn du zwei Tage hast hungern müssen.
Tartaren

Das Fleisch einer alten Jungfer fault nicht.
Estland

Das Fleisch essen die Herren, die Knechte müssen die Knochen nagen.

Das Fleisch hat seinen eignen Geist.
Frank Wedekind, Feuerwerk (Vorwort)

Das Fleisch ist bei dem Katholiken ebenso schnell aus dem Fass wie bei dem Protestanten.

Das Fleisch ist gut (für die Dauer), sagte Neumann, und aß die Sauce.
ho] Dat is lekkere peen, zei Lubbert, en hij at al het vleesch op.

Das Fleisch ist Kraut, das Kraut Wasser; die Männer sind Weiber, die Weiber nichts.
i] In Bezug auf die Einwohner von Valencia

Das Fleisch ist willig - aber der Koch ist schwach.

Das Fleisch ist zu zähe, sagte der hungernde Schusterbub, als ihn die Meisterin ins Gesicht schlug.
en] That's a bad pas, as the man said, when he saw a dancing master kicking his son.

Das Fleisch kauft man nach Pfunden, aber die Weiber nach der Hand.

Das Fleisch können alle essen, aber die Haut nicht alle tragen.
i] Was für den einen passt, passt darum nicht für alle. Es schickt sich nicht alles für alle

Das Fleisch muss hoch stehen, wenn's der Hund nicht erlangen soll.
dä] Flesket hænger ikke saa høit, at hunden ei agter sig beenet.
en] Flesh never stands so high, but a dog will venture his legs.

Das Fleisch sei auf dem Markte noch so schlecht, es findet seinen Knecht.
i] Der Appetit darauf hat. Trost für weibliche Personen, die sich nicht durch vorzügliche Eigenschaften auszeichnen

Das Fleisch um die Knochen herum, (und) eine Frau unter dem Nabel sind am süßesten.
Estland

Das Fleisch verlieren, um die Knochen zu behalten, ist töricht.
la] Stultitia perdere carnes propter ossa.

Das Fleisch vom Bratspieße wegessen.

Das Fleisch vom Wolfe kaufen.
Spanien

Das Fleisch von der Katze kaufen.
dä] Kiød af katten kiøbe.

Das Fleisch wächst nicht ohne Knochen und der Baum nicht ohne Äste.
Estland

Das Fleisch war so frech geworden in dieser Römerwelt, dass es wohl der christlichen Disziplin bedurfte, um es zu züchtigen. Nach dem Gastmahl eines Trimaikion bedurfte man einer Hungerkur gleich dem Christentum.
Heine, Romantische Schule

Das Fleisch wird wohlfeil werden, die Kälber sind geraten.
la] Vili pretio carnes ementur, multi enim vituli humi jacent.

Das Fleisch, dess man viel kriegt für wenig Geld, ist selten gut.

Das Fliegen geht an, aber das Niedersitzen ist des Teufels, sagte der junge Fuchs, als er vom Turm herabgeflogen und auf eine Hechel zu sitzen gekommen war.
i] Der junge Fuchs wollte durchaus trotz der Warnungen des alten fliegen. Er band sich ein Paar Hühnerflügel an, sprang zu den Turmfenstern hinaus und kam unten auf dem Lager eines Hechelmachers an. Als ihn der alte fragte, wie ihm das Fliegen gefallen habe, gab er die obige Antwort.

Das fliegen ist wohl sanfft, aber das nidersitzen tut weh.
i] Anspielung auf Ikaros

Das fliegende Pferd braucht keine Sporen.
sp] Caballo que vuela, no quiere espuelas.

Das Fließen des Wassers und die Wege der Liebe haben sich seit den Zeiten der Götter nicht geändert.
Japan

Das fließt wie Wein aus einem hölzern Bein.
ho] Het vloeit als een fontein uit een' bezenstok.

Das flüchtige Leben gleicht einem Traum.

Das Flußpferd, das du sehen kannst, wirft dein Boot nicht um.
Südafrika

Das Flußpferd, welches du sehen kannst, wirft dein Boot nicht um.

Das Flüstem einer schönen Frau hört man weiter als den lautesten Ruf der Pflicht.
Pablo Picasso

Das Flüstern auf dem Kissen ist niemals gut.
Irland

Das flutscht wie ein Aal

Das Fohlen wird faul, wenn es geht mit dem alten Gaul.

Das folgt nicht daraus.
la] Non sequitur.

Das Forschen ist an sich schon beinah die Entdeckung. Man findet immer, wenn man innig genug sucht, auf jede dringlich gestellte Frage kommt schließlich die Antwort. Oft zu unserem Schmerz.
Klaus Mann, Der Wendepunkt

Das Fortreisen ist eine recht gute Sache, wenn nur das Wiederkommen nicht wäre.
Goethe, Eckermann, zeitlich unbestimmt

Das Fortue auff vier stimmen singen.
i] In Geld, Vermögen, Leben u.s.w. hineinstürmen

Das fortwährende Dasein des Menschengeschlechts ist bloß ein Beweis der Geilheit desselben.
Schopenhauer, Nachlaß, Neue Paralip.

Das fortwährende Zusammenwohnen mit dem Glück verblendet einen unverständigen Menschen; das Glück fegt seine Besonnenheit hinweg wie der Wind die Wolke im Herbste.
Dann packt ihn der Schönheitsdünkel und der Reichtumsdünkel: 'Ich bin hochgeboren, ich bin vollkommen, ich bin ein Übermensch.'
Mahâbhârata

Das Fragen hat man umsonst.
dä] Spørgsmaal koster intet.

Das Fragen ist die Frömmigkeit des Denkens.
Martin Heidegger

Das Fragen kostet nichts - aber die Antwort, sagt der Advokat.

Das französische esprit kommt dem nahe, was wir Deutschen Witz nennen. Unser Geist würden die Franzosen vielleicht durch esprit und âme ausdrücken. Es liegt darin zugleich der Begriff von Produktivität, welchen das französische esprit nicht hat.
Goethe, Eckermann, 21.3.1831

Das französische Heer mit seinen ritterlichen Senegalesen ist der Friedenstifter und Beschirmer Europas.
H. G. Wells, Die Hoffnung auf Frieden

Das Frauenzimmer hat ein angebornes stärkeres Gefühl für alles, was schön, zierlich und geschmückt ist. Schon in der Kindheit sind sie gerne geputzt und gefallen sich, wenn sie geziert sind.
Immanuel Kant, Über das Gefühl des Schönen und Erhabenen

Das Frauenzimmer verrät sich nicht leicht; darum betrinkt es sich nicht. Weil es schwach ist, so ist es schlau.
Kant, Bruchstücke aus dem Nachlaß

Das Fräulein Adulatio trumpelt Kayser, Chur- Fürsten, Graffen und Obrigkeiten auffm maul, und müssen thun, was sie haben will.

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang.
Es rührte sie so sehre,
Der Sonnenuntergang.
Heine, Neue Seraphine

Das frei schaf frisst der wolff.
fr] Brebis mal gardée, du loup est tost happée.

Das Freie ist der Wille. Wille ohne Freiheit ist ein leeres Wort, so wie die Freiheit nur als Wille, als Subjekt wirklich ist.
Hegel

Das freie Meer befreit den Geist...
Goethe, Faust II A V, Palast
Mephisto Vs 11177

Das freie Meer
i] außerhalb der Küstengewässer
la] mare liberum

Das freie Schaf frisst der Wolf.

Das freie Wesen muss auch das ursprüngliche sein. Ist unser Wille frei, so ist er auch das Urwesen, und umgekehrt.
Arthur Schopenhauer, Zur Ethik

Das freiheitliche Schlagwort im Munde von Traditionshütern ist die größte Gefahr für die Revolution.
Erich Mühsam, Mittel der Revolution

Das Freisein von etwas erfährt seine Erfüllung erst in dem Freisein für etwas. Freisein allein um des Freiseins willen aber führt zur Anarchie.
Dietrich Bonhoeffer

Das Fremde ist wertvoll nur deshalb, weil es etwas Fremdes, also etwas Seltenes und Belehrendes ist.
Victor Auburtin (1870-1928), Das Fremde

Das fremde Kind sieht man (auch) in der Ecke, das eigene nicht mal auf dem Fußboden.
Estland

Das fremde Korn und die eigenen Kinder scheinen immer besser.
China

Das Fremde nimm, das Eigene laß (d.i. behalt).
Estland

Das fremde Schaf legt sich abseits der Herde.
tü] Yabancı koyun kenara yatar.

Das Fremde siehst du unter dem Walde, und das deinige siehst du nicht unter deiner Nase.
Galizien

Das Freudigste freudig zu sagen
misslingt häufig, weil das Freudigste solch einen überfreudigen Ausdruck annimmt, dass wir ihm nicht zu glauben vermögen.
Johannes R. Becher, Macht der Poesie

Das freut mich, wie den Hund 's Hachlleken.
i] Ganz und gar nicht

Das freut mich, wie die stotzmäre der trottertanz.

Das Friedenstiften ziemt des Greisen Sinn.
en] To be a make-peace shall become my age.
Shakespeare, König Richard II. I,1

Das Frischgewagte gerät nur.
Goethe, Hermann und Dorothea, IV, 247 (Euterpe)

Das frisst jhm das Herz abe.

Das frisst kein Brot.
i] So hört man oft von Dingen sagen, die man nimmt und verwahrt, weil sie keinen Unterhalt kosten wie Haustiere

Das frisst um sich wie der Wolf und Krebs.

Das fromme Glockenseil schämt sich zu keiner Frist, dass es ein loser Strick gewesen ist.

Das Froschquaken hält den Elefanten nicht vom Trinken ab.

Das fröwt (freut) mich, wie den stültzer der hoppentanz.

Das Frühere geht bald zu Ende, wenn nichts hinzukommt.

Das Frühere hat sich in der Welt verirrt, das Gegenwärtige ist eben vorhanden.

Das Frühere hilft nicht, wenn das Jetzige nicht taugt.

Das fuchst mich. Grünberg (Verdrießt mich, ist mir nicht recht)

Das Fuder, das umgefallen ist, muss man aufheben, beim stehenden Fuder ist es nicht nötig.
Estland

Das führe' sie nit aus, da is unser Harjet (Herrgott) dazwische'.
Jüdisch-deutsch (Wenn etwas gegen das Judentum, auch religiöse Neuerungen aus der eigenen Mitte, unternommen ward)

Das führt zu bösen Häusern.

Das Fuhrwerk eines Unglücklichen ist leicht umzuwerfen.
Schottland

Das Füllen ausjagen.
i] Soviel wie: das Kalb austreiben

Das füllt den Sack nicht.
ho] Dat vult den zak niet.

Das Fundament aller Staatskünste besteht darin, die Menschen zu täuschen über das, was ihr eigner Vorteil ist.
Mohr

Das Fundament des Rechts ist die Humanität.
Schweitzer

Das fünfte Rad am Wagen stört mehr, als dass es hilft.
fr] La cinquième roue de la charrette gêne plus qu'elle n'aide.

Das fünfte Rad am Wagen.
Frîdanc, Bescheidenheit ed. W. Grimm, No. 41
en] to be fifth wheel
fr] être la cinquième roue de la charrette
it] essere la quinta (o. l'ultima) ruota del carro - reggere il moccolo

Das fünfte Rad läuft nie die Spuren entlang.
Estland

Das fünfte Sein
i] Quintessenz
la] quinta essentia

Das Für und das Wider
la] pro et contra

Das Für und Wider wohl erwägen.
la] Ponere in utraque parte calculos.

Das Fürchterlichste ist, wenn platte unfähige Menschen zu Phantasten sich gesellen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1012

Das Fürtreffliche wirkt auf Eingeweihte nicht allein.
Goethe, Schriften zur Kunst - Der Sammler und die Seinigen 1. Brief

Das Fürtrefflichste ist unergründlich, man mag damit anfangen, was man will.
Goethe, Maximen und Reflexionen 227

Das Fußgehn ist gewiß die angenehmste Art zu reisen. Man genießt die Schönheiten der Natur; man kann sich unerkannt unter allerlei Leute mischen, beobachten, was man außer dem nicht erfahren würde; man ist ungebunden...
Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Das Futter ist teurer als das Pferd.
i] Folgekosten bedenken

Das Futter sticht ihn.

Das gäb' ich um keine goldene Sau.
Wien
i] Was teuer und selten.

Das gab ihm den Rest
en] that was the last straw
fr] cela l'a achevé
it] ciò gli ha dato il colpo di grazia

Das gab mir Licht.
i] Dadurch erfuhr ich es.

Das gäb nid genueg für Salz uf d' Suppe.

Das Gackern der Hühner leidet man um der Eier willen.

Das Gallentränklein mit Honig vermischen.
mhd] Und mir in honege Walther gap den gallentranc.

Das Gänsemelken nicht verstehen.
Osnabrück
i] Die Sache nicht anzugreifen wissen

Das Gänslein ist wie Mutter Gans.
en] Goose and gander and gosling are three sounds, but one thing.

Das Gänslein mit einander rupfen.
z] Wie sie (die Frau und der Mönch) nun zu Nacht mit einander gegessen hatten, sich ins Bett fügten und mit einander das Gänslein rupften.

Das Gänslein will die Gans schwimmen lehren.
un] Csirke oktattya a tyúkot.

Das gantze schöne Gewölb Gottes stehet fest und hat doch nirgendt kein Pfeiler.

Das ganz Gemeine ist's, das ewig Gestrige,
Das immer war und immer wiederkehrt
Und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
Schiller, Wallensteins Tod (Wallenstein)

Das ganze Dorf ist abgebrannt, und nun gießt's aus den Wolken.
ho] Als het huis verbrand is, wil men de schade inhalen met de spijkers op de rapen.
it] Arsa la casa, tardi si vien con l'acqua.

Das Ganze für das Einzelne
la] totum pro parte

Das ganze Gebäude des Absolutismus, so sorgfältig gezimmert, so voll künstlicher Dunkelheit, anscheinend so unerschütterlich gegründet - es ist von dem Frühlingshauch einer Märznacht über den Haufen gefallen.
L. Bucher, Nationalzeitung, 1890

Das ganze Geheimnis, sein Leben zu verlängern, besteht darin, es nicht zu verkürzen.
Ernst von Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele

Das ganze Glück des Menschen besteht darin, bei anderen Achtung zu genießen.
Blaise Pascal

Das ganze Haus voll Meister und keiner ist in der Lehre gewesen.
ho] Een huis vol korporaals, en nog niet één die zijne dienst verstaat.

Das ganze Jahr esse ich Knoblauch, und das ganze Jahr brennt es mein Eingeweide.
Babylon

Das ganze Jahr schicker (betrunken) un am Purim nüchtern.
i] Von einem, der die Erwartung insofern täuscht, als er sich anders zeigt, als Sitte, Zeit, Gewohnheit, Umstände erfordern. Das ganze Jahr berauscht (schickor), fröhlicher Laune, und gerade am Purimfeste, wo jeder sich der Freude hingibt, ernst und verstimmt.

Das ganze Jahrhundert ist ein Wettrennen nach großen Zielen mit kleinen Menschen.
Jean Paul, Clavis Fichtiana

Das ganze Landesvolk schuldet dem Könige große Pflicht.

Das ganze Leben beruht auf der Erkenntnis der Wahrheit...
Turgenjew, Die Wahrheit und das Wahre

Das ganze Leben besteht aus Teilen und hat Kreise, wobei sich größere um die kleineren legen. Es gibt aber einen Kreis, der alle umfasst und umringt; er reicht vom Geburtstag bis zum Todestag.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

Das ganze Leben besteht aus Wollen und Nicht-Vollbringen, Vollbringen und Nicht-Wollen. - Wollen und Vollbringen ist nicht der Mühe wert oder verdrießlich, davon zu sprechen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 915f

Das ganze Leben ist der Versuch, es zu behalten.
Ingeborg Bachmann

Das ganze Leben ist ein ewiges Wiederanfangen.
Hugo von Hofmannsthal

Das ganze Leben ist ein Kampf; ohne Kampf ist es nur ein Scheinleben; leben und wirken heisst kämpfen, davor zurückweichen heisst leben ohne Endzweck.
Nordische Diamanten

Das ganze Leben ist ein Traum. Niemand weiß, was er tut, niemand weiß, was er will, niemand weiß, was er weiß. Wir verschlafen das Leben, ewige Kinder des Schicksals.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Sogres

Das ganze Leben ist nur einmal Frühlingsaufatmen, und ob wir zwanzig oder dreißig oder hundert Jahre zählen, so lang muss der Atemzug aushalten, aufstrebend ins Leben, mit allen Kräften, in vollster reichster Blüte den Duft ausbreitend in die Weite auf schwingenbeladenen Winden.
Bettina von Arnim, Die Günderode

Das ganze Leben wird dem Glücklichen zu kurz,
Dem Leidenden nimmt eine Nacht kein Ende.
Fr. Jacobs, Griechische Blumenlese

Das ganze menschliche Geschlecht lobt nur das Gute, das Individuum oft das Schlechte.
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Das ganze Reich des Unbewussten kann einmal als Reich des Bewussten erobert werden; denn man weiß nicht, wie weit die Besonnenheit steigen kann in höhern Verhältnissen, da sie ja in unsern niedern bekannten sich in den großen Unterschieden und Sprüngen von Wilden zu Weltweisen offenbart.
Jean Paul, Salina: Anhang

Das ganze schlesische Himmelreich.
i] Schweinebraten, Klössel, vielleicht auch Sauerkraut. Sogar Backobst gehörte nicht ins Reich der Unmöglichkeiten. Das ganze schlesische Himmelreich.

Das ganze Schriftsteller- und Rezensentenwesen ist doch immer nur dem fabelhaften Geisterstreite gleich, wo die gebeinlosen Heroen sich zur Luft in der Mitte voneinander hauen, und alle sogleich wieder hergestellt sich mit Vater Odin wieder zu Tische setzen.
Goethe, An F. H. Jacobi, 26.12.1796

Das Ganze unsrer Sittlichkeit besteht in unserm vollendeten Kennen, Können und Wollen des Guten.
Pestalozzi, Schriften und Flugblätter aus der Revolutionszeit

Das ganze Vergnügen an der Liebe beruht schließlich auf dem Wechsel.
Molière, Don Juan

Das ganze Volk für ihre nächsten Kampfziele erhoben hat.
Lenin, Von der Verteidigung zum Angriff

Das ganze Weltwesen liegt vor uns wie ein großer Steinbruch vor dem Baumeister, der nur dann den Namen verdient, wenn er aus diesen zufälligen Naturmassen ein in seinem Geiste entsprungenes Urbild mit der größten Ökonomie, Zweckmäßigkeit und Festigkeit zusammenstellt.
Goethe, Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Das ganze Wesen der Welt abstrakt, allgemein und deutlich in Begriffen zu wiederholen und so als reflektiertes Abbild in bleibenden und stets bereit liegenden Begriffen der Vernunft niederzulegen: Dieses und nichts anderes ist Philosophie.
Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung

Das gar vil sichrer ist zu leben
In einer Ehrlichen Armut,
Denn bey sehr grossem Hab und Gut,
Darinnen ist Abend und Morgen
Ein jmmerwerend angst und sorgen.
Hans Sachs, Sehr herrliche Schöne u. wahrhafte Gedicht (1590)

Das Garaus mit etwas spielen.

Das Garn auf einmal auf den Boden laufen lassen.
i] Ausgelassen sein, über den Strang schlagen

Das Garn aufnehmen.
i] Feierabend machen

Das Garn aufstellen (o. auswerfen).

Das Garn in richtigen Gang bringen.
i] Eine Sache so einleiten, dass sie gehörigen Verlauf hat

Das Garn inn das Meer werffen.

Das Garn ist gestrickt.
i] Der Plan angelegt

Das Gasthütlein abziehen.
i] Soviel wie: Schamhütlein. Von jemandem, der durch eiserne Verhältnisse gezwungen wird, seine frühere, ihm bequemere Weise zu leben, abzulegen und sich in fremde zu fügen

Das Gaukelmännlein kann solches nicht.

Das Gaukeln schafft kein festes Glück.
Goethe, Faust II A IV, Vorgebirg (Obergeneral) Vs 10695

Das Gäulein laufend machen.
i] Übel Ärger machen

Das geb' ich hin für eine taube Nuss.
dä] Jeg giver det op for en bold-kiep.

Das Gebackene
Vom Leichenschmaus gab kalte Hochzeitsschüsseln.
Shakespeare, Hamlet I, 2

Das Gebären von Jungen und das Spielen mit Steinen sind Vorkriegsarbeiten.
Estland

Das Gebäude folgt dem Grundstück.
la] Superficies solo cedit.
[RSpW]

Das Gebäude hat eigentlich die Bewohner gemacht. Denn wenn das Leblose lebendig ist, so kann es auch wohl Lebendiges hervorbringen.
Goethe, Wanderjahre I,2

Das Gebell der Hunde macht auf die Wolken keinen Eindruck.

Das Gebell von alten Hunden ist nicht umsonst.
ho] Het gebas van eenen ouden hond behoort men te gelooven.

Das Geben erfordert Verstand.
Ovid, Liebesgedichte

Das Geben gibt und nimmt der Gabe ihren Wert.
z] Das Herz des Gebers macht die Gabe dankswert, die Gabe nicht das Herz.
la] Non tam rei quam animo dubetur gratia.

Das Geben ist leicht; das Geben überflüssig zu machen, ist viel schwerer.
Henry Ford (1863 - 1947)

Das geberde ist gut.

Das Gebet allein besiegt selbst Gott.
Tertullaan, Über das Gebet

Das Gebet der blinden dringt durch die wolcken.

Das Gebet der Frommen scherzt nicht.
i] 1859 wurde von bayerischen Geistlichen ein neugedrucktes Gebet an Soldaten verteilt, das im Jahre 1805 auf dem Heiligen Grabe gefunden und damals schon dem Kaiser Franz überschickt worden sein soll, dem es, wenn es fleißiger gebetet worden wäre, den Sieg über Napoleon I. verschafft haben würde. Es wurde versichert, dass dem, der dies Gebet täglich einmal bete oder sich vorbeten lasse und nebstdem täglich einige Ave-Maria und Vaterunser bete, verheissen sei, gegen Schuss, Hieb und Stich, gegen Krankheit, jähen Tod u.s.w. gesichert und der Sündenvergebung gewiss zu sein.

Das Gebet des Armen dringt durch die Wolken.

Das Gebet des Betrübten ist ein lieblicher Gesang in Gottes Ohren.

Das Gebet des Bösen geht nicht in den Himmel.

Das Gebet des Christen ist eine allmächtige Kaiserin.

Das Gebet des Fremdlings wird erhöret.

Das Gebet des Herrn
i] das Vaterunser
la] oratio dominica

Das Gebet des Huhns dringt nicht zum Ohr der Weihe.
Suaheli

Das Gebet des Hundes steigt nicht zum Himmel.
sp] Oración de perro, no va al cielo.

Das Gebet fängt man mit dem Halleluja an, die Rede mit dem Sprichwort.
Äthiopien

Das Gebet gibt Mut und Freudigkeit ins Herz, Kraft ins Gebein, und Licht in den Kopf.

Das Gebet holt den Segen aus dem Himmel; die Arbeit gräbt ihn aus der Erde. Das Gebet ist dein Himmelswagen, Arbeit dein Erdenwagen; beide bringen dir viel Glück ins Haus.
Heinr. Müller, Predigten (1663-1675)

Das Gebet ist der Aufstieg des Geistes zu Gott oder eine Bitte an Gott um das uns Zukömmliche.
Johannes von Damaskus, Quelle der Erkenntnis

Das Gebet ist der beste Credentzleffel.

Das Gebet ist der Schlüssel für den Morgen und der Türriegel für den Abend.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Das Gebet ist der Schlüssel zum Tage und das Schloss für die Nacht.
ho] Het gebed moet zijn de sleutel van den dag en het slot van den nacht.

Das Gebet ist der Seelen Jacobsleiter, daran sie zu Gott auf- und absteigen.

Das Gebet ist die beste Arznei.
dä] Bøn og barmhiertighed, fyrm og faste læge mange sygdomme.
la] Oratio optimus medicus aegrotanti.

Das Gebet ist die beste Wetterglocke.
i] Die man ehemals zu läuten pflegte, um sich vor dem Gewitter zu schützen

Das Gebet ist die Seele und das wahre Wesen der Religion. Darum muß das Gebet der Kern des Lebens eines jeden Menschen sein, denn kein Mensch kann ohne Religion leben.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Das Gebet ist die Selbstteilung des Menschen in zwei Wesen - ein Gespräch des Menschen mit sich selbst, mit seinem Herzen.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Das Gebet ist ein Doppelschlüssel.
z] Das Gebet holt den Segen vom Himmel herab, das Gebet ist ein Krug, mit dem wir reichlich aus dem Heilsbrunnen, welcher Jesus heisst, schöpfen können. Das Gebet ist der Gläubigen Himmelsschlüssel, womit sie die Schatzkammer Gottes öffnen können. Appuhnss Missionspredigt

Das Gebet ist ein goldener Amper (Eimer), mit dem wir aus dem Brunnen der göttlichen Güte schöpfen.

Das Gebet ist ein goldener Schlüssel, mit dem wir den Schatzkasten Gottes öffnen.

Das Gebet ist ein Rauchwerk (o. Weihrauch), das dem Teufel Kopfweh macht.
fr] Gourmer le diable à coups de bréviaire.

Das Gebet ist ein Rauchwerk, das dem Teufel Kopfweh macht.

Das Gebet ist ein unleidlich Geschrei für Gottes Ohren.

Das Gebet ist für solche Menschen erfunden, welche eigentlich nie von sich aus Gedanken haben und denen eine Erhebung der Seele unbekannt ist oder unbemerkt verläuft; was sollen diese an heiligen Stätten und in allen wichtigen Lagen des Lebens, welche Ruhe und eine Art Würde erfordern?
Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft

Das Gebet ist Gott ein Opfer, dem Menschen eine Hülfe, und dem Teufel eine Geißel.

Das Gebet ist Mutter und Ursprung aller Seelenerhebung.
Bonaventura, Pilgerbuch der Seele zu Gott

Das Gebet ist überhaupt die einzige Form der Revolte, die den Kopf aufrecht trägt.
Georges Bernanos (1888 - 1948)

Das Gebet ist wie der Beter.

Das Gebet macht der Witwen ein schranck (einen Wall) vmb jhr Häusslin.

Das Gebet nützt der ganzen Welt, denn der Frieden beginnt zu Hause und in unseren eigenen Herzen. Wie können wir Frieden in die Welt bringen, wenn wir keinen Frieden in uns haben?
Mutter Teresa

Das Gebet schlägt die feindt.

Das Gebet steigt empor und die Erhörung sinkt herab.

Das Gebet tröstet.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1890)

Das Gebet und red ist der kranken Arzt.
i] Aus diesem Grunde ist denn auch gegen die Anwendung des Chloroform bei Entbindungen von einer Seite Widerspruch erhoben worden. Man hat gesagt: 'Chloroform ist der Köder des Satans, welcher Gott um die tiefen und ernsten Weherufe bestiehlt, die in der Stunde der Bedrängniss um Hülfe zu ihm aufsteigen.'

Das gebet will das hertz gantz und allein haben.

Das Gebet, das ungehört bleibt, lautet: Laß alte Männer ihre Jugend wiedergewinnen.
Libanon

Das gebet, das wort und der glaub seindt der Kirchen waffen.

Das Gebet, kristallisiert im Wort, legt immer wieder die Wellenlänge fest, auf welcher das Zwiegespräch weiter geführt werden muss, auch wenn sich unser Bewusstsein auf andere Ziele richtet.
Dag Hammarskjöld, Zeichen am Weg

Das Gebiet der Sprache erstreckt sich vom Buchstabieren bis auf die Meisterstücke der Dichtkunst und feinsten Philosophie, des Geschmacks und der Kritik; und der Charakter derselben fällt teils auf die Wahl der Wörter, teils auf die Bildung der Redensarten.
Joh. Georg Hamann, Kreuzzüge des Philologen

Das Gebildete wird sogleich wieder umgebildet, und wir haben uns, wenn wir einigermaßen zum lebendigen Anschaun der Natur gelangen wollen, selbst so beweglich und bildsam zu erhalten, nach dem Beispiele, mit dem sie uns vorgeht.
Goethe, Bildung und Umbildung organischer Naturen - Die Absicht eingeleitet - Vorwort zur Morphologie

Das geblüt kraucht, da es nicht gehen kan.
i] Die schwache Mutter zur kranken Tochter

Das geblüt leugt (o. treugt) nicht.

Das geborene Blut nimmt Erbe und Buße.
altfries] Dat barsee blot dat nimt dat erne und bothe.

Das gebot der liebe ist ein kurtz gebot und lang gebot, ein einig gebot und vil gebot, es ist kein gebot und alle gebot.

Das gebrauchte Mädchen sitzt auf der Bank, das übrig gebliebene auf der Pritsche.
Estland

Das Gedächtnis der Knaben ist wie Schrift im Stein.
Arabien

Das Gedächtnis der Menschen ist so furchtbar kurz.
Bertha von Suttner, Lebenserinnerungen

Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer.
Brecht, Zum Völkerkongreß für den Frieden, Wien 1952

Das Gedächtnis des Menschen ist das Vermögen, den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechend die Vergangenheit umzudeuten.
George Santayaria

Das Gedächtnis fälscht ... Es drängt Wichtiges zurück und Unwichtiges in den Vordergrund.
Lion Feuchtwanger, Die Ziegel von Les Milles

Das Gedächtnis gleicht einem Autoscheinwerfer, der bald einen Baum, bald ein Wärterhäuschen, bald einen Menschen dem Dunkel entreisst.
Ilja Ehrenburg, Memoiren

Das Gedächtnis hebt die Zeit auf: Es vereint, was dem Anschein nach getrennt vor sich geht.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1900)

Das Gedächtnis ist der Diener unserer Interessen.
Thornton Wilder

Das Gedächtnis ist die Sparbüchse des Geistes.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gedächtnis ist die Versammlung des Denkens.
Martin Heidegger

Das Gedächtnis ist ein kapriziöses und launiges Wesen, einem jungen Mädchen zu vergleichen; bisweilen verweigert es ganz unerwartet, was es hundertmal geliefert hat, und bringt es dann später, wenn man nicht mehr daran denkt, ganz von selbst entgegen.
Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

Das Gedächtnis ist ein Sieb, das Feine (o. Kleine) fällt, das Große bleibt.
dä] Hukommelsen er som garnet, det store beholdes, det smaae gaaer igiennem.

Das Gedächtnis ist ein Sieb, in dem wir unser Wissen aufzubewahren trachten. Es empfiehlt sich, ab und zu größere Gedanken zu fassen.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gedächtnis ist ein sonderbares Sieb: Es behält alles Gute von uns und alles Üble von den anderen.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gedächtnis ist eine gute Tasche, aber sie zerreisst, wenn einer zuviel hineinstopft.

Das Gedächtnis ist für alle Tätigkeiten der Vernunft notwendig.
Pascal, Gedanken

Das Gedächtnis ist nach Gegenständen verteilt, und in niemand ist es für alle gleich gut. Das Angenehmste ist ein leichtes Gedächtnis für Gedichte.
W. von Humboldt, Briefe an eine Freundin, 7. 4.1833

Das Gedächtnis ist so kurz und das Leben so lang!
Honoré de Balzac (1799-1850), Gesetzbuch für anständige Menschen

Das Gedächtnis ist wie ein Zaubersieb: Es lässt den Kehricht durch und behält die Goldkörnchen zurück.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gedächtnis lässt nach, wenn man es nicht übt.
Marcus Tullius Cicero, Über das Greisenalter

Das Gedächtnis mag immer schwinden, wenn das Urteil im Augenblick nicht fehlt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 111

Das Gedächtnis nimmt ab, wenn man es nicht übt.
Cicero, Cato Major

Das Gedächtnis stirbt zuerst.
i] Ausnahmsweise erhält es sich auch bis ins hohe Alter, wofür der französische Bühnendichter Ancelot einen Beweis liefert, der ein so außerordentliches Gedächtnis besass, dass er sein erstes Drama, das ins Meer gefallen war, aus dem Gedächtnis wiederschrieb. Und er erfreute sich desselben bis in die späten Lebensjahre
it] La memoria sen fugge dall' huomo, come lo schiavo dal suo signore.

Das Gedächtnis will geübt sein.
fr] Mémoire et usage rendent l'homme sage.

Das Gedächtnis, die Freude sind Gefühle; und sogar die geometrischen Lehrsätze sind Gefühle, denn die Vernunft macht die Gefühle natürlich, und die natürlichen Gefühle sterben an der Vernunft.
Pascal, Gedanken

Das Gedicht ist eine Gestalt, worin unsere menschliche Gefühls- und Gedankenwelt als Rhythmus, Metrik und Melos verkörpert ist.
Johannes R. Becher, Poetische Konfession

Das Gedicht ist so schön, daß man den Eindruck davon, bei den schlechten Zuständen, in denen man lebt, nicht in sich behalten kann und daß man immer von neuem erstaunt, wenn man es wieder liest. Es ist darin der helleste Tag.
Goethe, Eckermann, 20.3.1831

Das Gedichtete behauptet sein Recht wie das Geschehene.
Goethe, Riemer, November 1812

Das Gedränge zum Himmel ist so groß, dass viele auf den breiten Weg kommen.

Das Gedruckte übt einen mächtigen Druck aus, der besondere Glaube ans Gedruckte ist einer der mächtigsten Aberglauben.
Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte

Das Geeinte zu entzweien, das Entzweite zu einigen, ist das Leben der Natur, dies ist die ewige Systole und Diastole, die ewige Synkrisis und Diakrisis, das Ein- und Ausatmen der Welt, in der wir leben, weben und sind.
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre 3. Abt. 739

Das gefährliche Alter.
Titel eines 1910 erschienenen Buches der dänischen Schriftstellerin Karin Michaelis. Gemeint ist die Zeit zwischen 40 und 50 Jahren, die nach Ansicht der Verfasserin bei vielen Frauen besonders gefährlich ist.

Das Gefährliche an den Dummköpfen ist, dass sie oft dasselbe denken wie die Gescheiten. Wie soll man sie da erkennen?
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gefährliche an der Gewohnheit besteht nicht darin. dass sie unfrei macht, sondern darin, dass sie die Ilusion der Freiheit gibt.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gefährliche an Halbwahrheiten ist, dass fast immer die falsche Hälfte geglaubt wird.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das gefährlichste aller Bücher in weltgeschichtlicher Hinsicht, wenn durchaus einmal von Gefährlichkeit die Rede sein sollte, sei doch wohl unstreitig die Bibel, weil wohl leicht kein anderes Buch so viel Gutes und Böses, als dieses, im Menschengeschlechte zur Entwicklung gebracht habe.
Goethe, J. D. Falk, 10.11.1810

Das gefährlichste aller Rauschgifte ist der Erfolg.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das gefährlichste am Idealismus ist seine Tendenz, in Fanatismus umzuschlagen.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gefährlichste ist, wenn man den Feind unterschätzt und sich damit beruhigt, dass wir stärker sind.
Wladimir I. Lenin, Rede auf der II. Gesamtrussischen Konferenz

Das gefährlichste Organ am Menschen ist der Kopf.
Döblin, Die Vertreibung der Gespenster

Das Gefallen an Schmeicheleien kommt bei Männern meist von der geringen Meinung, die sie von sich selber haben, bei Frauen vom Gegenteil.
Swift, Gedanken über verschiedene Gegenstände

Das Gefallen an sich selbst, das Verlangen, dieses Selbstgefühl anderen mitzuteilen, macht gefällig, das Gefühl eigener Anmut macht anmutig. Wollte Gott, alle Menschen wären eitel, wären es aber mit Bewusstsein, mit Maß und im rechten Sinne, so würden wir in der gebildeten Welt die glücklichsten Menschen sein.
Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre

Das Gefängnis betritt man gewöhnlich nicht freiwillig und bleibt auch selten freiwillig darin, sondern hegt das egoistische Verlangen nach Freiheit.
Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum

Das Gefängnis ist für Männer, das Weinen für Frauen.
Libanon

Das Gefäß ist besser als der Deckel.

Das Gefäß tut's nicht, es kann guter Wein in einer schlechten Kanne, und saurer Wein in einem schönen Becher sein.

Das Geflüster vor den Toren hören jedermanns Ohren.

Das Gefühl braucht Opposition. Wenn man schon aus Liebe heiratet, sollten wenigstens die Eltern dagegen sein.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gefühl der Freundschaft ist so zart, dass der geringste rauhe Wind es absterben macht und oft in tödlichen Haß verwandelt.
Jakob M. R. Lenz, Zerbin

Das Gefühl der Humanität wird gekränkt, wenn ein Mensch in einem anderen die Menschenwürde missachtet, aber noch mehr wird es gekränkt und leidet es, wenn ein Mensch in sich selbst die eigene Würde nicht achtet.
Belinski, Betrachtungen über die russische Literatur des Jahres 1847

Das Gefühl der Kraft und Verbissenheit bei der Verfolgung eines Ziels... diese Eigenschaft verdanke ich den heiligen Schriften des menschlichen Geistes - den Büchern, die die großen Qualen und Martern der wachsenden menschlichen Seele widerspiegeln, der Wissenschaft - der Poesie der Vernunft, der Kunst - der Poesie der Gefühle.
Maxim Gorki, Wie ich lernte

Das Gefühl der Leere, das aus den meisten Büchern über Moral aufsteigt, kommt daher, dass ihre Verfasser so unaufrichtig sind.
Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Das Gefühl der Liebe gegen ihre Eltern rettet unendlich viele Kinder vor dem Bösen in der Stunde der Versuchung.
Pestalozzi, Über Gesetzgebung und Kindermord

Das Gefühl der Scham schwindet leicht, Schulden sind schwerer wegzubringen.

Das Gefühl der Unsicherheit ist an sich recht angenehm, die Welt wird größer, das Leben mannigfaltiger.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gefühl der Wasserwaage und des Perpendikels, das uns eigentlich zu Menschen macht und der Grund aller Eurhythmie ist...
Goethe, Italienische Reise II, 9.4.1787

Das Gefühl des Glücks zerschmettert den Menschen, er ist nicht stark genug, es zu ertragen.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Das Gefühl des Glücks zerschmettert den Menschen; er ist nicht stark genug, es zu ertragen.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Das Gefühl des Menschen ist stumpfer gegen das Gute als gegen das Böse.
Livius

Das Gefühl des Menschen ist zerreißbar wie Seidenpapier. Die Welt gleicht einem Schachspiel, das sich mit jedem Zuge ändert.

Das Gefühl eigner Anmut macht anmutig.
Goethe, Wanderjahre II, 3

Das Gefühl erfüllter Pflicht verlässt in höchster Not uns nicht.

Das Gefühl findet, der Scharfsinn weiß die Gründe.
Jean Paul, Aphorismen

Das Gefühl gehört nur einem jeden selber, mit seiner Tätigkeit aber gehört er der Welt, mit seinem Bewußtsein macht er die Welt sich zugehörig.
Gustav Radburch

Das Gefühl innerer Einsamkeit hängt gewiß eng mit dem Empfinden zusammen, in seiner Umgebung fremd zu sein, und den daraus entspringenden Schwierigkeiten, sich mit den anderen zu vertragen oder gar sich ihnen anzupassen.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Das Gefühl ist der heilige Wächter der Kunst, der Probierstein des Gefühls aber ist die Kontinuität seiner Momente, das Ununterbrochene des Eindrucks.
Grillparzer, Studien zur deutschen Literatur

Das Gefühl ist vielleicht an sich unfehlbar - aber es greift oft nach dem falschen Objekt.
Henri Henri Barbusse (1873-1935), (1873-1935), Der Schimmer im Abgrund

Das Gefühl schuldiger Dankbarkeit ist eine Last, die nur starke Seelen zu ertragen vermögen.
Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Gefühl unserer Kräfte steigert sie.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Das Gefühl von Abenteuer ist für unsere Lebenskontinuität ungeheuer wichtig, damit wir das Tragische, das Gefühl von etwas Tragischem und Verluste überwinden können, wenn wir unseren Weg gehen.
Anaïs Nin, Vertrauliches Gespräch

Das Gefühl von Gesundheit erwirbt man sich nur durch Krankheit.
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Das Gefühl von Glück und Fülle ist ganz unabhängig von wirklichem Erleben? Aber in welcher Sphäre liegt es dann, und warum ist es manchmal in uns und manchmal wieder unerreichbar?
Franziska Gräfin zu Reventlow, Tagebücher

Das Gefühl von Interesse des Menschen am Menschen, der Trieb gegenseitiger Hilfe, erstirbt in so großen Städten beinahe ganz...
W. v. Humboldt, Tagebuch, 9. 8. 1789

Das Gefühl wird von den Deutschen als eine Tugend, als eine göttliche Schickung, als irgendetwas Mystisches angesehen.
Stendhal, Über die Liebe

Das Gefühlsschema, das uns der Friedensvertrag (von Versailles) gebracht hat, war in hohem Maße ein Kunstprodukt in dem Sinne, dass es das Ergebnis von Meinungen war, die Tag für Tag lediglich durch eine Auswahl unter den Tagesnachrichten großgezogen worden waren... Aber die Meinung, welche die Politik der Unterdrückung vorschrieb, ist an sich schon das Ergebnis der Weigerung, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.
Norman Angeli, Die Früchte des Sieges

Das gegebene Brot wird gegessen und des Gebers Hand verschmäht.
Estland

Das Gegengift gegen unreine Gedanken sind reine Gedanken.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Das Gegenmittel zu Anmaßung ist Gleichgültigkeit.
Malajalam, Indien

Das Gegenteil der Heiligen sind nicht die Sünder, sondern die Scheinheiligen.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gegenteil einer banalen Wahrheit ist falsch - aber das Gegenteil einer tiefen Wahrheit ist ebenfalls wahr.
Nils Bohr

Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit, das Gegenteil von Leben nicht Tod, sondern die Gefühllosigkeit.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das gegenwärt'ge Unglück trägt sich leicht;
Doch grauenvoll vergrößert es der Zweifel
Und der Erwartung Qual dem weit Erntfernten.
Schiller, Wallensteins Tod IV, 9

Das Gegenwärtige ist das Ewige, oder richtiger das Ewige ist das Gegenwärtige, und das Gegenwärtige ist das Erfüllte.
Søren Kierkegaard, Der Begriff Angst

Das gegenwärtige Unglück soll uns lehren, ein künftiges Glück ertragen.
dä] Brug det närvärendes onde skal lide det tilkommende gode.

Das Gegenwärtige, sagt ein großer Weltweiser, von dem Vergangenen geschwängert, gebiert das Künftige.
Lichtenberg

Das gegründetste Vorurteil wiegt auf der Waage der Gerechtigkeit so viel als nichts.
Lessing, Emila Galotti, V, 5 (Marinelli)

Das Geheimnis allen geistigen Schaffens ist die Sammlung. Nur wer sich in stillen Stunden seiner Arbeit in den Stoff mit vollkommener Hingabe versenkt, kann Eigenes sehen, kann Schöpferisches leisten. Solche köstliche Frucht geistiger Arbeit muss aber lange und im stillen reifen.
Othmar Spann, Haupttheorien der Volkswirtschaftslehre

Das Geheimnis auch der kleinsten Freuden der Natur übersteigt die Vernunft.
Vauvenargues, Réflexions et maximes

Das Geheimnis bleibt unzugänglich: Theoretisches Wissenwollen ist unerfüllbar.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Geheimnis der Autos: man ist in seinen eigenen vier Wänden.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geheimnis der Frauen erfährt nicht eine, als ihr, als ich und die ganze Gemeine.
Bergamo

Das Geheimnis der Kindererziehung besteht darin zu wissen, wann man seine Geduld verlieren muss.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geheimnis der kleinsten natürlichen Freuden geht über die Vernunft hinaus.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Das Geheimnis der kleinsten natürlichen Freuden geht über die Vernunft hinaus.
Lucde Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet.
Pablo Picasso

Das Geheimnis der Tugend ist die - Gewohnheit.
Feuerbach, Tagebuch 1834-1836

Das Geheimnis des Agitators ist, sich so dumm zu machen, wie seine Zuhörer sind, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er.
Karl Kraus

Das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen.
Mazzini

Das Geheimnis des Lebens ist nicht zu tun, was du gern hast, sondern gern zu haben, was du tust.
England

Das Geheimnis des menschlichen Lebens liegt nicht im bloßen Leben, sondern im Sinn des Lebens.
Fjodor M. Dostojewski

Das Geheimnis des rechten Altwerdens liegt in einem Satz: Die Zeit geht sanft nur mit denen um, die mit der Zeit sanft umgehen.
Anatole France

Das Geheimnis einer glücklichen Ehe besteht darin, Katastrophen als Zwischenfälle und Zwischenfälle nicht als Katastrophen zu behandeln.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geheimnis einer glücklichen Ehe liegt darin, dass man einander verzeiht, sich gegenseitig geheiratet zu haben.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geheimnis einer guten Ehe ist die Kunst der Improvisation in einem bewährten Repertoire.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geheimnis eines glücklichen Lebens liegt in der Entsagung.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Das Geheimnis eines Menschen liegt in der Hierarchie seiner Ängste.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geheimnis hat sehr große Vorteile: denn wenn man den Menschen gleich und immer sagt, worauf alles ankommt, so denkt er, es sei nichts dahinter.
Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre

Das Geheimnis im Leben ist, dass jeder es selber nähen muss, und das Merkwürdige ist, dass ein Mann es ebenso gut zu nähen vermag wie ein Weib.
Søren Kierkegaard, Furcht und Zittern

Das Geheimnis ist dein Gefangener, so lange du es bewahrst, du aber bist sein Gefangener, wenn du es offenbarst.

Das Geheimnis jeder Macht besteht darin: zu wissen, dass andere noch feiger sind als wir.
Ludwig Börne, Der Narr im Weißen Schwan

Das Geheimnis jeder politischen Wirkung ist Kontinuität.
Arnold Zweig, Die Liga V

Das Geheimnis meines Erfolgs ist weder Begabung noch Glück, sondern harte Arbeit.
Robyn Erbesfield, Überliefert von Heinz Zak (Rock Stars)

Das Geheimnis, langweilig zu sein, besteht darin, alles zu sagen.
Frankreich

Das Geheimnis, tausend Hände am Tag schütteln zu können, ohne Schaden zu nehmen, besteht darin, selbst zu schütteln und nicht schütteln zu lassen.
Eleanor Roosevelt

Das Geheimnis, zum Weinen zu bringen, besteht darin, dass man selber weint; aber es sind echte Tränen nötig...
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Das Geheimnis
Ist für die Glücklichen; das Unglück braucht,
Das Hoffnungslose, keinen Schleier mehr:
Frei, unter tausend Sonnen kann es handeln.
Schiller, Wallensteins Tod, III, 18 (Max)

Das Geheimniss der Frauen erfährt nicht eine, als ihr, als ich und die ganze Gemeinde.
Bergamo

Das Geheimnisvolle hat einen gewissen göttlichen Anstrich.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das Gehen schadet dem Pferde nicht.
Surinam
i] Gewohnheit wird zur anderen Natur

Das gehet ihm sauer unter Augen.

Das gehet so glücklich als wenn's vier Räder hätte.

Das Gehirn - das Erkenntnisvermögen - läßt sich durch Übung, Training ebenso entwickeln wie die Muskeln.
Maxim Gorki (1868-1936), an die 2 000 Pioniere der Polarstadt Igarka, 13. 1. 1936

Das Gehirn befindet sich nicht im Barte.
Hindi, Indien

Das Gehirn denkt, wie der Magen verdaut.
Arthur Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit

Das Gehirn des zivilisierten Menschen ist ein Museum einander widersprechender Wahrheiten.
Remy de Gourmont

Das Gehirn entwickelt sich zwecks Existenzerhaltung, nicht zwecks Selbsterkenntnis.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gehirn in seiner natürlichen Lage und heiteren Ruhe hegt keinen Gedanken der Unterjochung eines andern unter seine Meinungen, Wünsche und Gefühle.
J. Swift, Aphorismen

Das Gehirn ist ihm verbrannt.
i] Er handelt ohne Verstand.
ho] Hoe kan het in gezonde hersens opkomen.

Das Gehirn ist übrigens voller Geheimnisse, es ist eine 'terra incognita', welche die Physiologen kaum erst zu entdecken beginnen. Es ist sicher, dass es Fähigkeiten besitzt, welche oft keine Verwendung in dem Milieu finden, in dem der Mensch sich entwickelt.
Paul Lafargue, Der Ursprung der abstrakten Ideen

Das Gehirn kennt keine Scham.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

Das Gehirn muss, wenn es seine Fähigkeiten voll entwickeln soll, so gut wie jedes andere Organ fleißig geübt und entsprechend genährt werden; unterbleibt dieses oder wird die Ausbildung nach falscher Richtung unternommen, so tritt statt normaler Entwicklung nicht nur Hemmung, sondern geradezu Verkrüppelung ein.
August Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus

Das Gehör verlieren ist viel verlieren, die Ehre verlieren ist alles verlieren.

Das gehört auf den Rollwagen.
i] In Bezug auf ungeschliffenes Benehmen und grobe Rede.
z] Es ist von alter her ein sprichwort vnder vilen gewesen, wenn man etwan schampern und schendtliche wort geredt, hat man gesagt: Stille, Mutz, diss gehort auf den Rollwagen oder ins Schiff.

Das gehört dazu, wie der Löffel zur Suppe.

Das gehört dazu, wie der Schnee zu den Alpen.
z] Ein Lehrer muss ernst sein, sagte die Herzogin, das gehört dazu wie der Schnee zu unsern Alpen. Scheffel, Ekkehard, I

Das gehört der Katz'.
ndt] Das isch für d' Chatz. Bern

Das gehört in die schule.
i] Wir wollen uns darüber den Kopf nicht zerbrechen.

Das gehört namentlich zum Begriff selbst des Spazierengehens, dass man keinen ernsthaften Zweck damit verbindet.
W. v. Humboldt, Briefe an eine Freundin, 29. 5. 1830

Das gehört nicht vor meinen Richterstuhl.
la] In quinque judicum generibus situm est.

Das gehört nicht zum Liede.
la] Extra cantionem.
la] Nihil ad fides.
la] Nihil ad versum.

Das gehört zusammen wie Pfeffer zum Schinken.

Das gehörte Wort geht verloren, wenn es nicht vom Herzen verstanden wird.
Chretien de Troyes, Yvain

Das geht (o. ging) an, sagte die alte Frau, als ihr Rock lichterloh brannte.

Das geht (o. läuft) wie am Schnürchen
en] that goes without a hitch (o. like clockwork)
fr] cela va comme sur des roulettes - ça ne fait pas un pli
it] tutto va liscio come l'olio

Das geht ab, wie der Weck auf den Laden.
Henneberg

Das geht an meine Adresse.

Das geht an seiner Nase vorbei.
i] Ihm wird nichts davon zuteil.
ho] Dat gaat zijn' neus voorbij.

Das geht auf der Ochsenpost.

Das geht auf Generals-Unkosten.
i] Auf Kosten der Gemeinde, des Volkes, oder irgend einer Gemeinschaft

Das geht aufeinander, wie die Säue zum Tor einlaufen.

Das geht aus dem Leime.

Das geht bis an (über) die Puppen.
Berlin
i] Die Redensart rührt von den Sandsteinfiguren am sogenannten Großen Stern im Tiergarten zu Berlin, welche früher dort standen und bezog sich lediglich auf die Entfernung. Fuhr man, so kam diese nicht in Betracht. Beim Gehen wurde sie als beträchtlich bezeichnet und bald auf andere Entfernungen übertragen, später in der jetzigen Bedeutung gebraucht. In älterer Zeit wurden jene Figuren Puppen genannt.
z] Von Berlin nach Charlottenburg führt durch den Tiergarten eine Chaussee. Etwas über der Hälfte des Wegs befindet sich ein mit Bänken besetzter runder Platz, der jetzt unter dem Namen 'der große Stern' bekannt ist, die der bekannte Architekt Freiherr von Knobelsdorff mit französischen Hecken umgab und an deren acht einmündenden Alleen er mythologische Statuen aufstellte, die man Puppen nannte. In den Sonnabenden macht der Berliner gern einen Spaziergang bis nach den >Puppen<, und, reichen die Kräfte, auch noch weiter, darüber hinaus. Kehrte er ermüdet zurück, so klagte er, er sei noch hinter den Puppen gewesen. Wollte man nun im geselligen Verkehr etwas räumlich oder geistig Fernliegendes bezeichnen; so sagte man: Das geht ja hinter oder über die Puppen (hinaus). Seit Aufstellung der Marmorstatuen auf der Schlossbrücke zu Berlin, die vom Volke auch Puppen genannt werden, hat man von der alten Redensart noch eine andere Anwendung gemacht. Man nahm bekanntlich an der ungewohnten Aufstellung der nackten Figuren Anstoß. Ging nun ein Mädchen sehr frei gekleidet, so hieß es, das geht noch über die Puppen.

Das geht bis an die aschgraue (schwarze) Pechhütte.

Das geht bis auf die Haut.
i] Ist fühlbar, sehr empfindlich

Das geht den ganzen Tag schon so, sagte Anke Diedels, da lag sie mit den Äpfeln in der Gosse.

Das geht dich einen (feuchten) Dreck an
en] that's none of your business - mind your own business
fr] ce ne sont pas tes oignons - occupe-toi de tes oignons
it] questo non ti riguarda un bel niente

Das geht dich einen Quark an.
ndt] Dat geit di 'n Quark an.
i] Darum hast du dich nicht zu bekümmern.

Das geht durch den Baum.
Ostpreußen
i] Von einer Sache, von der man zwar einsieht, dass sie nicht völlig nach dem Gesetz ist, die man aber nicht weiter untersuchen will. Baum ist hier eine Kette oder ein willkürlicher Baumstamm über den Fluss, um den Schiffern den Weg zu versperren

Das geht durch den Bogen.

Das geht durcheinander wie Hechsel und Kaf.
Eifel

Das geht durcheinander wie Kappes und Mus.
Eifel

Das geht einem durch Mark und Bein
en] that sets your teeth an edge
fr] cela vous pénètre jusqu'á la moelle des os
it] ciò vi penetra dentro le midolla delle ossa

Das geht einen Ton zu hoch.
ho] Dat gaat een toontje te hoog.

Das geht euch einen blauen Teufel an.
i] Ihr habt euch darum nicht zu kümmern.

Das geht gegen das Wams.
Württemberg
i] Das sind fühlbare Angriffe, die man abwehren muss.

Das geht gut ab.
i] Es verläuft glücklich
i] Ausdruck der Schützensprache, der sich auf das Abschießen von Feuerwaffen und die Explosion von Sprengkörpern bezieht.

Das geht hart auf hart, sagte Eulenspiegel und schiss auf einen Stein.

Das geht hinten hott.
Rottenburg
i] Die Sache kommt in Unordnung, besonders die Haushaltung geht den Krebsgang

Das geht hockrig wie auf einem polnischen Knittel-(oder Knüppel)damm.

Das geht ihm an die Kehle.
ho] Het bijt hem de keel af.

Das geht ihm bei Haut und Haar nichts an.
Nürtingen

Das geht ihm durch die Haut.
i] Erzürnt ihn

Das geht ihm durch Lunge und Leber.

Das geht im Lami aus, wie des Esels Geschrey.

Das geht in die Weite! sagte Bastian und schiss sich die Hosen voll.

Das geht ja wie am Schnürel, sagte der Dieb zum Henker, als er ihm die Schlinge an den Hals legte.

Das geht jhm ein, wie Senff.

Das geht keinen Nachtwächter was an.

Das geht langsam, wie mit der Fliege aus der Buttermilch.

Das geht lätsch (hin und her).
Köthen

Das geht mich mit keiner Ader an.

Das geht mir gegen den Strich
en] it rubs me the wrong way- it goes against my grain
fr] cela me fait (o. ferait) mal au ventre
it] questo non mi va a genio

Das geht mir über die braune Butter.

Das geht mir völlig ab.
i] Dafür fehlt mir das Verständnis oder Einfühlungsvermögen

Das geht mir wider das Kamisol.

Das geht mit dem Teufel zu.

Das geht mit vollem Wind.

Das geht m'r im Kopf 'rum.
i] Dieser Gedanke beschäftigt mich vor allen.

Das geht nach der Tanzschule, sagte der Kerl, als ihn der Henker nach dem Galgen führte, wo er gegeißelt werden sollte.
ho] Dat gaat naar de dansschool, zei Jan Plerri, en de beul bragt hem naar het schavot, om gegeeseld te worden.

Das geht nach tausend Teufel.
i] Das ist hin, für immer verloren.

Das geht nicht (so leicht, so geschwind) wie die Vermehrung der Karnickel.

Das geht nicht mit rechten Dingen zu.
fr] Cela ne se fait pas naturellement.

Das geht nicht so leicht, wie man ein Butterbrot isst.

Das geht nicht so schnell, wie mit dem Backenstreich bei der Firmelung.

Das geht nicht so, sagte Beckmann, als er bei einem Mädchen schlief und ihr nichts tat.

Das geht nicht zu mit rechten Dingen.
Schiller, Pegasus im Joche

Das geht noch mit großem Dank ab.
Rhöngebirge

Das geht tief genug, sagte der Freier zu seiner Braut, als er eine Nadel in ihre Nadelbüchse steckte.
ho] Dat gaat er diep in, zei Joor, en hij stak eene naald in zijn vrijsters naaldenkoker.

Das geht über alle Baumspitzen.
Harz

Das geht über alle Geigen.
z] Dieser Gehorsam ist dem N. ein göttlicher, guldiner und über alle Geigen lieblicher und annemblicher Gehorsam.

Das geht über Bord.
i] Geht über den Rand des Schiffs hinaus. Wird von einer Sache gesagt, die man für verloren hält

Das geht über das Bohnenlied.

Das geht über den Brocken.
Harz

Das geht über den Haarzopf.

Das geht über den Kerbstock.
i] Wenn etwas alles Maß überschreitet.
ho] De kerfstok loopt te hoog.
ho] Het loopt over den kerfstok.

Das geht über den kölner Dom.
la] Acesei et Heliconis opera.

Das geht über den Krammetsvogel.
i] Die Römer schätzten den Krammetsvogel über alles andere Vogelwild, daher schreibt Horaz in einem seiner Briefe: 'Nil melius turdo.'
dä] Blandt fuglene holdes krams-fuglen, blandt de firefødde dyr haren for lekkerste spiise.

Das geht über den preussischen Pfiff.

Das geht über den Schellenkönig.
i] Die Schellen kamen als eine Zierrat für die Kleider vornehmer Personen aus dem Orient, und haben sich lange in Mode erhalten. Noch bei der Krönung Karl's V. trugen alle Beamten Schellen. Geistliche trugen sie an Messgewändern; man zierte sogar Heiligenbilder damit; und obgleich sie in der Folge nur noch eine Auszeichnung der Hofnarren blieben, so war ehemals doch derjenige, welcher die meisten und größten Schellen trug, der Vornehmste oder der Schellenkönig. Aus dem wirklichen Leben trug man sie ins Kartenspiel über, und was über den Schellenkönig hinausgeht, muss in irgendeiner Beziehung das äusserste Mass erreicht haben. Die Amtsketten, welche die Stadtverordneten in neuerer Zeit tragen, scheinen ein Anfang zur Rückkehr zu jener alten schönen Sitte zu sein.

Das geht über die Hutschnur.

Das geht über die lange Wurst.
i] Es ist wahrscheinlich die Wurst gemeint, welche nach der königsberger Chronik die dortigen Fleischer am 1. Januar 1601 im Festzug der Gewerbe mit sich führten. Dieselbe war 1005 Ellen lang, wog 885 Pfund. Es war dazu gekommen kein anderes Fleisch als 81 Schweineschinken (118 Mark 10 Groschen), 11/2 Tonne Salz (3 Mark 5 Groschen), 11/2 Tonne Bier (3 Mark), 181/4 Pfund Pfeffer (24 Mark 13 Groschen). Es hatten daran gearbeitet: 3 Meister und 87 Gesellen = 90 Personen, die bei der Arbeit 40 Fass Bier ausgetrunken haben. Zu dieser Wurst hatten die Kuchenbäcker 8 Striezel von 91/2 Fuß Länge und 6 große Kringel gebacken, wozu außer den sonstigen Zutaten 2 Pfund Anis und 12 Scheffel Weizen erforderlich waren.

Das geht über die österreichische Landwehr!
i] Entstand im deutschen Befreiungskriege, und wird angewandt, um außerordentliche Langsamkeit zu schildern.

Das geht über die Rundschnur.
i] Geht fast zu weit, ist schier unglaublich.

Das geht über die Schnur.
ho] Buiten (uit, boven, over) de kerf gaan.

Das geht über ein czenstochauer Wunder.
i] Ist ein Wunder über alle Wunder, ist sehr wunderbar, geht über alle Begriffe hinaus. Die Mönche im czenstochauer Kloster machten nämlich mit den von ihnen fabrizierten Wundern sehr starke Ansprüche an den Glauben.
pl] Cud większy nad Częstochowskie.

Das geht über Kreide und Rotstift.
z] Von idyllischen Städteverwaltungen und dergleichen könnte ich ein Lied singen, das über Kreide und Rothstift ginge. Vossische Zeitung, 31. Juli 1867

Das geht über mein Vermögen (jüdisch: Jechooles).

Das geht über meinen Grips.

Das geht über meinen Hellespont.
Böhmen
i] Scherzhaft für: Horizont

Das geht über meinen Horizont
v] da komme ich nicht mehr mit - das ist mir zu hoch
en] that's too deep for me - this is beyond my compass (o. reach o. depth) - that goes over my head - that beats me
fr] c'est au-dessus de ma portée
it] non ci arrivo

Das geht über meinen Rücken.
i] Dafür bin ich verantwortlich.

Das geht über Schiff und Gut (Ladung).
i] Der Schaden betrifft nicht bloß die Reeder, sondern auch die Kaufleute, welche Güter auf dem Schiff haben.

Das geht über Schminke, sagte der Narr, als er eine Ohrfeige bekam.
ho] Dat staat mij heel schoon, zei de filozoof, en hij zou een' klap voor zijne koon krijgen.

Das geht über schwarzen Kaffee.

Das geht über sein Haar hinaus.

Das geht über seinen Horizont.
ho] Het gaat boven zijn horizon.
la] Quae supra nos, nihil ad nos.

Das geht über sieben Beete.
i] Besonders, wenn etwas das Maß überschreitet
z] Was sich ein solcher Küchendragoner einbildet, das geht über sieben Beete.

Das geht übers Konversations-Lexikon.

Das geht uns nichts an.
la] Nil est ad nos.

Das geht von statten, als wenns vier Rade hette.

Das geht vorüber, wie der Rhein bei Köln.
ho] Het zal u voorbij gaan, als de Rijn voor keulen.

Das geht wider den Strich.
en] It goeth against the grain.

Das geht wie am Rädle (o. wie am Schnürle).
Rottenburg

Das geht wie auf der Accise.
i] Ununterbrochen heraus und hinein

Das geht wie auf der Ochsenpost (o. Schneckenpost).

Das geht wie auf'm Schneckenrennen.

Das geht wie der Blitz (o. wie der Teufel, wie's Wetter, wie der Wind u.s.w.).

Das geht wie ein Lauffeuer (durch das Dorf; die Stadt).
i] So schnell verbreitet sich die Nachricht von dem Vorgange.

Das geht wie eine Kugel aus dem Rohr.

Das geht wie eine Laus auf einer Teerquaste.
ndt] Thet gongt üs an Lüs üb an Tjarkwast. Nordfriesland
i] Man kommt nicht von der Stelle, so viel man sich abmüht.

Das geht wie gehext.

Das geht wie gepfiffen.

Das geht wie geschmiert, sagte Töffel, als er den Ölkrug fallen ließ.

Das geht wie kommandiert (exerziert, geschmiert).

Das geht wie Öl.

Das geht wie 's Brezelbacken.
fr] Cela va comme les Heures de notre curé.

Das geht wie's Kuckuckgeschrei.

Das geht wie's Wasser.
i] Gut, glatt, z.B. das Lesen ohne Stocken

Das geht zu wie auf der Pracherherberge.

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