Weisheiten 57


Das geht zum Teufel.

Das geht, das es schnaubt (o. schnauft), hat der Bauer gesagt, da ritt er auf der Sau.

Das Geißlein hüpfet wie die Geiß.
ho] Het geitje huppelt in het groen, en zoo zal ook haar jonge doen.

Das Geist-Erschaffene ist lebendiger als die Materie.
Charles Baudelaire (1821-1867), Tagebücher

Das Geisteskapital hat über die Massen zu strömen, lebendig an Lebendigem sich vervielfältigend.
Döblin, Die Vertreibung der Gespenster

Das Geistige eines Kunstwerks besteht nicht darin, über was es spricht, sondern zu wem es spricht.
Moritz Heimann, Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte

Das Geistige hat seinen Ausdruck im Antlitz.
Søren Kierkegaard, Der Begriff Angst

Das geistliche Schwert richtet nicht über Blut.
i] Die geistlichen Gerichte sollten da nicht urteilen, wo man des Menschen Blut vergießen sollte, wo Todesurteile zu fällen waren, weil die Kirche kein Blut vergießt.
mhd] Dat geistliche swert enrichtet nicht over bloit.

Das Geistreiche ist der Wahrheit sehr nahe.
Joubert, Gedanken und Maximen

Das geistreiche Unwesen lebt auf Kosten der Vernunft.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Unterdrückte Maximen

Das geistreiche Zusammensein lebelustiger Menschen zeichnet sich vor allem aus durch eine Sprach- und Gebärdensymbolik.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,17

Das Gelangen zu den einfachsten Erfindungen und Grundsätzen hat Millionen das Leben gekostet, die auf dem Wege starben. Ist es denn nicht einfach, dass zu einer Zeit, wo der Gang der Geschichte rascher ist, auch mehr Menschen außer Atem kommen?
Georg Büchner, Dantons Tod

Das Gelbe vom Schnabel wischen.

Das Geld bewirkt das.
la] Argentum hoc facit.

Das Geld bringt selbst die Teufel festgebunden herbei.

Das Geld brütet Junge, wenn's auf Zinsen geliehen wird.
en] Money begets money.
it] Danari fanno danari.

Das Geld dem Menschen Glück verschafft,
Geld ist Recht, und Geld ist Kraft.
Alles gibt fürs Geld die Welt,
was man liebt und was gefällt.
Leskow, Der Tolpatsch

Das Geld des anderen hat scharfe Zähne.
Norwegen, Russland

Das Geld des Geizigen gehört dem Teufel.

Das Geld des Sakristans kommt und geht im Singen.

Das Geld erkauft den Sieg
Unzweifelhaft sowohl !n Lieb' als Krieg.
Hagedorn, Wein und Liebe

Das Geld errettet manchen Schalck und Balg von Straff und Spott.

Das Geld fällt mir nicht aus dem Ärmel.
fr] On tireroit aussitôt de l'huile d'un mur.
ho] Denkt gij, dat ik een boompje heb, waaran het geld wast.
ho] Denkt gij, dat ik het geld van een boompje kan schudden.
ho] Het geld wast mij niet op den rug.

Das Geld fällt mir nicht aus dem Arsche.
dä] Penge voxer ikke paa træ.

Das Geld gehört der Welt.

Das Geld geht aus einer Hand in die andere.
it] I denari son fatti per spendere.

Das Geld geht hinkend ein und geht tanzend fort.

Das Geld gibt man aus, den Narren hält man zu Haus.

Das Geld gilt da am meisten, wo es geschlagen ist.
ho] Het geld is nergens beter, dan daar het gemunt is.

Das Geld hab' ich erhalten, aber das Regiment verkauft, sagte der Mann, als er unter dem Pantoffel stand.
i] Von Ehemännern, die eine reiche Frau geheiratet haben und sich von ihr beherrschen lassen müssen

Das Geld hängt zähe bei ihm.
fr] Il met plutôt la main à l'epée qu'à la bourse.

Das geld hat den gantzen Erdenkreyss inn.

Das Geld hat den Glauben (Kredit) aus der Welt vertrieben.

Das geld hat den Kargen, nicht der Karg das geld.

Das Geld hat drei Wege: Verlieren, Genießen und Spenden.

Das Geld hat keinen Verstand und der Verstand kein Geld.

Das Geld hat Podagras Art, wo es ist, da bleibt es.

Das Geld hat seinen Gott im Kasten.

Das Geld heilt alle Wunden.
[RSpW]
i] Körperverletzungen konnten mit Geldbußen gesühnt werden

Das Geld hilft einem bis an die Tore der Hölle.
Finnland

Das Geld im Schube, das Mädchen in der Stube.

Das Geld in den Händen eines Weibes hält sich nicht, das Kind in den Händen eines Mannes gedeiht nicht.
Telugu, Indien

Das Geld in den Kasten sperren.
la] Opes arca flagellare. Martial

Das Geld in die Drau (o. Sau, Gail) werfen (o. tragen).
Slowenien
en] to throw o's money away (o. down the drain)
fr] jeter son argent par les fenêtres
fr] Il vaut sont pesant d'or.
ho] Het is geld in het water geworpen.
it] gettare il denaro (o. i soldi) dalla finestra (o. al vento)

Das geld inn der Welt den preiss behelt.

Das geld ist (gern), wo mans in ehren hat.
un] Bor és pénz tartva tart, költve fogy.

Das Geld ist am schnellsten beim Teufel, wenn man einen Engel kennen lernt.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geld ist bei den Pfaffen.

Das geld ist dem geitzigen ein pein, den milten ein zier, dem Verrähter ein Todtschlag.

Das Geld ist der Lebensnerv der Dinge.
gr] Neura ton praxeon. Krantor 290 v. Chr.
la] Nervus rerum. Cicero

Das Geld ist der wahre Apostel der Gleichheit, wo es aufs Geld ankommt, verlieren alle soziale, politischen, religiösen, nationalen Vorurteile und Gegensätze ihre Geltung.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das geld ist der Welt.

Das Geld ist dünn gesäet bei ihm.
fr] Il est chargé d'argent comme un crapaud de plumes.
fr] L'argent est clair semé chez lui.
ho] Het geld is dun gezaaid bij hem.

Das Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter (o. schlimmer) Herr.

Das geld ist ein Span (o. die stärcke) dess Kriegs.

Das Geld ist eine dritte Hand.
Toulet

Das Geld ist eine Leidenschaft, die selten standhält vor der Frau.
Heinrich Mann, Pippo Spano

Das Geld ist eines der großartigsten Werkzeuge der Freiheit, die der Mensch erfunden hat.

Das Geld ist freilich alles vermögend.
Goethe, Reineke Fuchs 8. Gesang Vs 188

Das Geld ist ganz bestimmt kein Übel. Sonst könnten wir es ja nicht so leicht loswerden.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geld ist gefunden.
ho] Dat is gevonden geld.

Das Geld ist Geld, die Welt ist Welt, ein guter Nam' das Feld behält.

Das Geld ist gezahlt, die Arbeit ist aufgeschoben.
Spanien

Das Geld ist gut für den Weisen, schlimm für den Verschwender, am schlimmsten für den Geizigen.
Italiene

Das Geld ist gut, wenn es auch aus einer krätzigen Hand kommt.

Das Geld ist ihm (nicht) ans Hertz gepicht (gewachsen).
fr] L'argent ne lui coute gueres.

Das Geld ist in die Passarge gefallen.
i] Wird gesagt, wenn ein Ermländer sich nach Westpreussen anfreit. Da er über die Passarge muss und in der Regel wenig Geld mitbringt, so sagt man scherzhaft, es sei in die Passarge gefallen

Das Geld ist jetzt der Gott der ganzen Welt, ein allmächtiger Gott, den selbst der verstockteste Atheist keine drei Tage lang verleugnen könnte, denn ohne seine göttliche Hilfe würde ihm der Bäcker nicht den kleinsten Semmel verabfolgen lassen.
Heinrich Heine

Das geld ist lieb, man tut vil darumb.
z] Ist Geld etwas anderes als die Hoffnung des Genusses, wie es die wohlthuende Erinnerung ist der mühsamen Erwerbung? Börne, Gesammelte Schriften, Hamburg 1840

Das Geld ist mir lieb, wer mir's stiehlt, ist ein Dieb.

Das Geld ist naus, aber der Tapps bleibt im Haus.
i] Sagte eine Frau, die früher in guten Verhältnissen gelebt hatte, aber durch ihren tappigen Mann heruntergekommen war

Das Geld ist nicht aller Leute Freund.
ho] Het geld is allemans vriend niet.

Das Geld ist nicht eine Sache sondern ein gesellschaftliches Verhältnis
Marx

Das Geld ist nur das Fett des politischen Körpers, wovon ein Zuviel ebensosehr seine Beweglichkeit behindert, wie ein Zuwenig ihn krank macht.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geld ist rund, dem einen läuft's in 'n Arsch, dem anderen in 'n Mund.
fr] L'argent est plat pour s'entasser.

Das Geld ist rund, es muss rollen.
fr] L'argent est rond, il faut qu'il roule.

Das Geld ist rund, wer's haben kann, der halt's.
fr] L'argent est rond, il faut qu'il roule.
it] I danari sono tondi, e girano.

Das Geld ist schon gezählt.

Das Geld ist sein Gott.
fr] Il fait son Dieu de son argent.
ho] Hij maakt het geld tot zijnen afgod.

Das Geld ist toll.

Das Geld ist tot, aber es schafft Leben und Brot.
dä] Penge ere ufrugtbare af naturen, og maae dog bære frugt.

Das geld ist über alle berge.

Das Geld ist verdient.
ho] Het geld is verdiend.

Das Geld ist viel zu rund, es müßte eckig sein und mit Widerhaken besetzt.
Zech, Die Vögel des Herrn Langfoot

Das Geld ist weggeworfen.
fr] C'est autant d'argent perdu.

Das Geld ist wie ein krankes Kind - man muss alles tun, um es durchzubringen.
Joachim Ringelnatz

Das Geld ist, wo man's in Ehren hält.

Das Geld klingt wohl gut, sagte das Mädchen, aber der Kuchen schmeckt doch besser.
dä] Godt er guld, dog er kagen bedre.

Das Geld läuft ihm allein in die Tasche.
ho] Het geld danst hem in den zak.

Das Geld liebt man jetzund viel mehr, denn Leib und Seel', Gott, Zucht und Ehr'.

Das Geld liegt auf der Straße, die Weisheit im Volksmund.

Das Geld liegt auf der Straße, man muss es nur aufzuheben verstehen (o. wissen).

Das Geld liegt auf der Straße.

Das Geld liegt nicht einfach auf der Straße
en] money does not grow on trees
fr] l'argent ne vous tombe pas sur la tête
fr] l'argent ne se trouve pas dans (o. sous) le pas (o. le sabot) d'un cheval
it] non se ne trovano ad ogni uscio

Das Geld macht alles möglich.
Altes Testament, Kohelet 10, 19

Das geld macht den marckt.

Das Geld macht stumm und Gerades krumm.

Das Geld macht, genau wie der Schnaps, den Menschen zum Sonderling.
Tschechow, Die Stachelbeeren

Das geld mit schefflen aussmessen.

Das geld muss alles zuwege bringen.

Das Geld nicht ansehen ist oft große Klugheit.

Das geld redet, darumb schweigen alle still, und der Pöbl felt ihnen zu.

Das Geld reizt den Geizigen, aber es sättigt ihn nicht.
it] Il denaro mena l'huomo all' inferno, et egli dimora di fuori.

Das Geld richtet alles in der Welt.
i] Spinola erbat den Kardinalshut vom Papste Urban VIII. lange vergeblich. Endlich brachte er einen schweren Beutel und sprach: 'Ich bitte um die Kardinalswürde und 70000 geharnischte Ritter bitten hier mit mir.' Da fand er sofort Erhörung.

Das Geld schmeckt, riecht und stinkt.

Das Geld steht vermöge der Abstraktheit seiner Form jenseits aller bestimmten Beziehungen zum Raum: Es kann seine Wirkungen in die weitesten Fernen erstrecken, ja, es ist gewissermaßen in jedem Augenblick der Mittelpunkt eines Kreises potenzieller Wirkungen.
Georg Simmel, Die Bedeutung des Geldes für das Tempo des Lebens

Das Geld stillt weder den Hunger noch den Durst.

Das geld überwindet alle ding.

Das Geld und die Sprache sind zween Gegenstände, deren Untersuchung so tiefsinnig und abstrakt als ihr Gebrauch allgemein ist. Beide stehen in einer näheren Verwandtschaft, als man mutmaßen sollte. Die Theorie des einen erklärt die Theorie des andern; sie scheinen daher aus gemeinschaftlichen Gründen zu fließen.
Joh. Georg Hamann, Kreuzzüge der Philologen

Das Geld wandert zur Spielbank, der Mörder aufs Schafott.
China

Das Geld war hier die einzige Wahl, drum geht die Wirtschaft zum Skandal.

Das Geld werchet am meisten.

Das Geld wird bei ihm nicht warm.
fr] L'argent lui fond dans la main.
fr] L'argent ne lui arrête pas dans la main.
fr] L'argent s'éclipse entre ses mains.

Das Geld wird nur vom Blut überwältigt und aufgehoben.
Spengler, Der Untergang des Abendlandes

Das Geld zerrinnt ihm in (o. unter) den Fingern
en] money runs through his fingers like water
fr] l'argent lui file entre les doigts (o. lui fond dans les main)-c'est un panier percé
it] ha le mani bucate

Das Geld zieht Geld nach sich und die Läuse Läuseeier.

Das Geld zieht nach den Reichen, wie die Hainbuche den Eichen.
i] Man will wirklich die Bemerkung gemacht haben, dass die Hainbuche sehr oft in Gesellschaft der Eiche angetroffen wird, dass eine Art physischer Verwandtschaft zwischen ihnen zu bestehen scheine

Das Geld zu rechter Zeit veracht' hat manchem großen Nutzen gebracht.

Das Geld zu zählen, habe ich vollkommen aufgegeben, irgendwie ist Geld kein Gewinn.
Block, an J. P. Iwanow, 29. 6. 1910

Das Geld zum Fenster hinaus (o. auf die Straße) werfen.

Das Geld! Das verfluchte Geld, das war an allem schuld! Das war die Hölle!
O. M. Graf, Wir sind Gefangene

Das Geld, das auf der Straße liegt, ist ziemlich dünn gesät.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geld, das gibt sich aus, das Scheusal bleibt im Haus.

Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.
Rousseau

Das Geld, dieses mächtige Zeug, hat vor unserer rühmenswerten Zeit mit Leichtigkeit alles gekauft, was es wollte: herzliche Freundschaft und Ansehen, wahnsinnige Leidenschaft und zarte Anhänglichkeit, unerhörte Ehrungen, Ruhm und Unabhängigkeit und alles, was es an Vortrefflichem auf dieser Welt gab. Aber es hat nicht nur gekauft, es besaß sozusagen auch geradezu märchenhafte Verwandlungskräfte.
Sostschenko, Das Himmelblaubuch

Das Geld, in Schulen angelegt
Die allerhöchsten Zinsen trägt.
Der Groschen für der Schule Macht
Wird auch als Taler heimgebracht.
Spruch im Berliner Rathaus

Das Geld, mein Lieber, das Geld ist die einzige Macht.
François Ponsard, L'honneur et l'argent

Das Geld, was man einnimmt, ist eckig, das, was man ausgibt, ist rund.
Russland

Das Geld, zur rechten Zeit veracht,
Hat manchem großen Nutz gebracht.

Das Geldschiff ist nicht angekommen.
i] Sagt man, wenn das erwartete Geld nicht eingetroffen ist

Das Gelegenheitsgedicht, die erste und echteste aller Dichtarten, ward verächtlich auf einen Grad, dass die Nation noch jetzt nicht zu einem Begriff des hohen Wertes desselben gelangen kann.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,10

Das Gelöbnis der Toleranz, - nein, nicht der Toleranz; denn was kann frostiger sein als das bloße Dulden? Das Gelöbnis der wechselseitigen, werktätigen Liebe.
Erich Schmidt, Bei der Enthüllung des Denkmales Lessings, Berlin, 14. 10. 1890

Das gelobte Land ist das Land, wo man nicht ist.
England

Das gelobte Land
la] terra repromissionis

Das gemein Geplärr ist nicht gar lehr.
en] Common fame 's seldom to blame.
la] Fabula non omnis spernenda est.
la] Fama malum est, oritur surgitque facillima, verum difficile hanc perferre, grave est sedere coortam.
la] Haec passim Dea foeda virum diffudit in ora.
la] Non omnino temere est, quod vulgo dictitant.
la] Publica fama non semper vana.
la] Rumores hominum cures vitare molestos.

Das gemein geschrey gehet selten leer.

Das gemein ist rein, das dein und mein ist unrein.
z] Aber auss vnserer verkerten art ist's geschehen, das jetzt dz rein gemeyn, von jederman vnreyn wird gescholten, also, dass aller menschen reyn ist, das gemein ist vnrein, gemeyn ward nie rein.

Das Gemein ward nie rein.
fr] De bien commun, l'on ne fait pas monceau.
fr] Le bien commun n'a amis ni prochain.
fr] Le bien commun n'a pas de loi, chacun veut le tirer à soi.
la] Ne vile velis.

Das Gemein, das Unrein.
i] Gemeinschaftliches ward nie ordentlich besorgt

Das Gemeindepferd ist am schlechtesten beschlagen.

Das Gemeindepferd will jeder für sich reiten.
dä] Den gemeen nyt tiener mangen til sin egen nyttes skade.

Das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.
Schiller, Nänie

Das gemeine Geplärr ist keine Lehr'.
i] Aus Gerüchten lernt man nichts

Das gemeine Gut geht meist verloren.
mhd] Dat gemeine gût blift mêst vorloren.
la] Res privata viget ubi publica corruit omnis.
la] Communia multis bona perduntur.

Das Gemeine lockt jeden: siehst du in Kürze von vielen
Etwas geschehen, sogleich denke nur: dies ist gemein.
Goethe, Epigrammatisch

Das gemeine Menschenschicksal, an welchem wir alle zu tragen haben, muss denjenigen am schwersten aufliegen, deren Geisteskräfte sich früher und breiter entwickeln.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,15

Das Gemeine muss man nicht rügen, denn das bleibt sich ewig gleich.
Goethe, Maximen und Reflexionen 530

Das gemeine Volk lacht häufig, aber lächelt niemals, während wohl erzogene Leute häufig lächeln, aber selten lachen.
Philipp Stanhope Earl of Chesterfield, Briefe über die anstrengende Kunst, ein Gentleman zu werden

Das gemeinschaftliche Essen ist eine sinnbildliche Handlung der Vereinigung.
Novalis, Fragmente

Das Gemeinschaftsgefühl erkaltet leicht, wenn man zu regelmäßig beisammen ist.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Gemeinwesen ist ein lebenserhaltendesGefängnis.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gemeinwohl als solches ist nicht mein Wohl, sondern nur die äußerste Spitze der Selbstverleugnung. Das Gemeinwohl kann laut jubeln, während ich kuschen muss, der Staat glänzen, indes ich darbe.
Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum

Das Gemeinwohl ist die Bezeichnung, die jeder Politiker zur Unterstützung seiner Argumente verwendet.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gemüse erkennt man am Setzling, den Menschen von Kindheit an

Das Gemüt bleibt jung, solange es leidensfähig bleibt.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Gemüt einer Mutter ist voll Mitleid.

Das Gemüt erliegt dem Druck allzu großer Verpflichtungen...
Goldsmith, Der Weltbürger

Das Gemüt geht also von der Empfindung zum Gedanken durch eine mittlere Stimmung über, in welcher Sinnlichkeit und Vernunft zugleich tätig sind, eben deswegen aber ihre bestimmende Gewalt gegenseitig aufheben [...], und wenn man den Zustand sinnlicher Bestimmung den physischen, den Zustand vernünftiger Bestimmung aber den logischen und moralischen nennt, so muss man diesen Zustand der realen und aktiven Bestimmbarkeit den ästhetischen heißen.
Schiller, Ästhetische Erziehung

Das Gemüt hat mehr Mängel als der Verstand.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Das Gemüt hat ohne Vertrauen ein hartes Los.
Bettina von Arnim (1785-1859), an Goethe, 25. 5. 1807

Das Gemüt ist reich und arm, nicht die Kiste.

Das Gemüt ist träumerischer Natur, darum weiß es auch nichts Seligeres, nichts Tieferes, als den Traum.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Das Gemüt macht reich, es ist besser ein Mann ohne Geld als Geld ohne einen Mann.
Adolf von Nassau, nach Julius W. Zincgref, Apophthegmata

Das Gemüt sieht man in der Rede, wie den Leib im Spiegel.

Das genetische Verfahren leitet uns schon auf bessere Wege, ob man gleich damit auch nicht ausreicht.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1235

Das Genie arbeitet instinktartig und liebt vielmehr kurzgespannten Gesichtskreis.
Merck, Eines Ungenannten Fragment

Das Genie bedürfte auch keine Regel, wäre sich selbst genug, gäbe sich selbst die Regel, da es aber nach außen wirkt, so ist es vielfach bedingt durch Stoff und Zeit, und an beiden muss es notwendig irre werden...
Goethe, Maximen und Reflexionen 423

Das Genie beginnt die schönen Werke, aber nur die Arbeit vollendet sie.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Das Genie braucht keinen Adelsbrief.
z] Das Genie bedarf keines Adelsbriefs und die Tugend ist Königin im Himmel wie auf Erden. Clemens XIV.

Das Genie des Künstlers manifestiert sich recht eigentlich in der Wahl des jeweiligen Lehms.
Edgar Allan Poe, Marginalien

Das Genie entdeckt die Frage, das Talent beantwortet sie.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Genie entzieht sich den Konventionen und sieht die Dinge selbst an.
Sully Prudhomme, Gedanken

Das Genie gehört nur sich selbst, es allein sei Richter seiner Mittel, da es allein ihren Zweck kenne; berufen, die Gesetze zu ändern, sollte es sich über sie hinwegsetzen.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Genie geht glatt durch Mauern und stößt sich wund an der Luft.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Genie hat eher die Idee wie die Teilbegriffe. Ein nachbildender Kopf gelangt niemals zu Ideen. In der Philosophie kommt alles auf die Idee an.
Kant

Das Genie hat etwas vom Instinkt der Zugvögel.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Genie hat kein Geschlecht.
Madame de Staël

Das Genie ist die Geduld.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Genie ist die höchste Verkörperung der Vernunft in einem Punkt und zu einem bestimmten Augenblick.
Theodore Jouffroy, Das grüne Heft

Das Genie ist die Macht, Gott der menschlichen Seele zu offenbaren.
Franz Liszt, Über Paganini

Das Genie ist die sublimste Maschine, die es gibt, - folglich die zerbrechlichste.
Nietzsche, Wille zur Macht

Das Genie ist ein kühner Anführer; es bringt Licht in die Bereiche der Entdeckungen, bahnt einen Weg, und die gewöhnlichen Geister stürzen ihm in Scharen nach.
Helvetius, Vom Menschen

Das Genie ist eine große Sache: es trägt... seinen eigenen Geruch mit sich herum.
Belinski, an W. P. Botkin, 17. 2. 1847

Das Genie ist es, das das Wissen nützlich macht.
Rousseau, Brief an M. de Scheyb

Das Genie ist in der Gesellschaft eine Krankheit, ein geistiges Fieber, von dem man sich wie von einem Übel heilen lassen müsste, wenn nicht der Ruhm als Lohn die Schmerzen linderte.
Germaine Baronin von Staël, Über Deutschland

Das Genie ist in jedem beliebigen Bereich stets das Produkt unzähliger Kombinationen, die man nur in früher Jugend anstellt.
Helvetius, Vom Geist

Das Genie ist sein eigener Lohn: denn das Beste, was einer ist, muss er notwendig für sich selbst sein.
Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung

Das Genie ist unter den anderen Köpfen, was unter den Edelsteinen der Karfunkel: Er strahlt eigenes Licht aus, während die anderen nur das empfangene reflektieren.
Arthur Schopenhauer, Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken

Das Genie ist von Natur einsam und ungesellig. Man schadet ihm, wenn man es zu oft aus seiner Zurückgezogenheit herauslockt.
M. Grimm, Schriftsteller und Oberschicht

Das Genie ist wie das Donnerwetter: Es geht gegen den Wind, schreckt die Menschen und reinigt die Luft.
Søren Kierkegaard, Der Augenblick

Das Genie kann der Schönheitsmittel entbehren, das Talent benutze sie aber alle.
Robert Schumann, Gesammelte Schriften

Das Genie kann man nicht ersitzen, wie die Beamten ihre Pension.
Heimito von Doderer, Repertorium

Das Genie kann man nicht nachahmen.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Unterdrückte Maximen

Das Genie kann man nicht nachahmen.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Unterdrückte Maximen

Das Genie kommt mir immer vor wie eine Rechenmaschine: die wird gedreht, und das Resultat ist richtig: sie weiß nicht warum? oder wieso?
Goethe, zu Veit

Das Genie lässt sich genauso wenig analysieren wie die Elektrizität. Entweder man hat es oder man hat es nicht.
Jean Cocteau, Hahn und Harlekin

Das Genie liebt Einfalt; der Witz Verwicklung.
Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Das Genie macht die Fußstapfen, und das nachfolgende Talent tritt in dieselben hinein, tritt sie aber schief.
Wilhelm Raabe, Frau Salome

Das Genie mit Großsinn sucht seinem Jahrhundert vorzueilen, das Talent aus Eigensinn möchte es oft zurückhalten.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1010

Das Genie schenkt Gott, aber das Talent ist unsere Sache.
Gustave Flaubert, An Louise Collet

Das Genie schlägt bei den Deutschen mehr in die Wurzel, bei den Italienern in die Krone, bei den Franzosen in die Blüte und bei den Engländern in die Frucht.
Kant, Anthropologie

Das Genie sowohl als der recht gute Kopf sucht sein Gebiet ins Unendliche auszudehnen.
Goethe, Rameaus Neffe, Anmerkungen - Geschmack

Das Genie stirbt nicht...
Multatuli, Woutertje Pieterse

Das Genie übt eine Art Ubiquität aus, ins Allgemeine vor, ins Besondere nach der Erfahrung.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1007

Das Genie unterscheidet sich eben dadurch, dass es die Natur reicher und vollständiger sieht, so wie der Mensch vom halb blinden und halb tauben Tiere, mit jedem Genie wird uns eine neue Natur erschaffen, indem es die alte weiter enthüllet.
Jean Paul, Vorschule der Ästhetik

Das Genie will mehr tun als sein Vorgänger; der Affe des Genies nur etwas anders.
Lessing, Abhandlungen von dem weinerlichen oder rührenden Lustspiele

Das Genie zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es die Hindernisse umgeht, sondern dass es sie besiegt.
M. Grimm, Grenzen der Sprachen und Künste

Das Genie, jene einzige rein menschliche Macht, vor welcher man ohne Beschämung sein Haupt beugen darf.
Lombroso, Genie und Irrsinn

Das Genie, wo es auch auftaucht, wird entweder von der Umgebung erdrosselt oder tyrannisiert sie; es gilt ohne Widerspruch als die Blüte der Menschheit und richtet doch überall Not und Wirrnis an, es tritt stets vereinzelt auf, zur Einsamkeit verurteilt, ist unvererblich und hat stets eine Tendenz zur Selbstaufgabe.
Hesse, Goethe und Bettina

Das geniert den großen Geist nicht.

Das Genommene vermindert sich, das Berührte verringert sich.
Estland

Das genügt vollauf.
la] Abunde est.

Das gerade Stiefkind ist doch schiefer als das buckeliche rechte.

Das gerät oft aufs allerärgste, was einer am bessten aussgesunnen hat.
la] Saepe pessime cadunt optime cogitata.

Das Gerede der Herrschaften paßt in der Herrschaften Ohr (d. i. findet bei den Herrschaften Gehör), der Arme kann den ganzen Tag über reden - niemand beachtet es.
Estland

Das Gerede der Leute dauert nur fünfundsiebzig Tage.
Japan

Das Gerede ist größer als die Sache.

Das Gerede und der Lärm betrunkener Männer sind bis Dagö zu hören.

Das Gerede vom gesunden Menschenverstand ist Ideologie.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gericht geht so weit als die Flur.

Das Gericht gewinnt seinen Fortgang, ihr kommt, oder nicht.

Das Gericht gibt nicht mit dem Sack auf den Rücken.
Estland

Das Gericht gibt niemandem Ruhe, wenn man selbst nicht Ruhe hält.
Estland

Das Gericht ist da, dass es richte.
i] Nach sorgfältiger und unparteiischer Untersuchung entscheide
bm] Proto soud, aby soudil.

Das Gericht ist deren Erbe nicht, die daran gesessen.
i] Die Richter wurden nicht durch Geburt, sondern durch Wahl berufen.

Das Gericht ist drei Tage älter als die Welt.
Estland

Das Gericht ist eine Krone der Bescheidenheit.
i] Als Gotteswerk ist 'das Gericht die Weisheit, eine unirrsame Strasse der Besten, die Wahrheit selbst'
mhd] Daz gerichte ist eine crone aller bescheidenheit.

Das Gericht ist ja nicht blind.
Estland

Das Gericht ist nicht für die Armen da.
Estland

Das Gericht ist schuldig, das Raubgut in die rechte Hand zu bringen.
i] Das Gericht soll alles Unrecht wenden und jedem zu seinem Recht verhelfen
altfries] Dat riucht is schyldich dat raefgued weer in da riuchta hand to dryuuen.

Das Gericht kennt das Recht.
la] Iura novit curia.
[RSpW]

Das Gericht muss allzeit mit nüchterner Zunge geleitet werden.
i] Das Sprichwort will nicht bloß sagen, dass die Richter nicht betrunken sein sollen, wenn sie ein Urteil abgeben, was sich von selbst versteht, nüchtern sagt hier, dass sie auch noch nicht gegessen haben sollen. Die Gerichtssitzungen fanden bei unsern Vorfahren zeitig statt, nur bei steigender Sonne, und dauerten höchstens bis Mittag, selten so lange, schon deshalb, weil der Hunger zur Kürze mahnte. 'Wer nur einen Bissen genoss', heisst es, 'wird vor Gott schuldig.'
altfries] Dat riucht schel altyd mey nochteren tonghe leyd wirda.

Das Gericht scheut die Bösen.
i] Das Richteramt kann nur Männern übertragen werden, die makellos dastehen
mhd] Dy bosin schuwet daz gerichte.

Das Gericht setzt niemandem den roten Hahn aufs Dach.
Estland

Das Gericht straft die Unschuld oft, das Laster nicht.

Das Gericht und Schulden - diese fürchte wie einen tollen Wolf.
Estland

Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das gewisseste Wissen von den niederen Dingen.
Thomas von Aquin, Summa theologica

Das geringste Produkt der Natur hat den Kreis seiner Vollkommenheit in sich, und ich darf nur Augen haben, um zu sehen, so kann ich die Verhältnisse entdecken, ich bin sicher, dass innerhalb eines kleinen Zirkels eine ganze wahre Existenz beschlossen ist.
Goethe, An Herzogin Louise, 23.12.1786

Das Gerstenfeld muss wie ein Brautbett zubereitet werden.

Das Gerstenkorn hülfft sowol als das Rockenkorn.

Das Gerücht geht voraus, ehe man verlässt das Haus.
bm] Povest' letí jako pták.
bm] Povest' po usích lidských lítá.
bm] Slova letí, a povest' roste.
dä] Ry og rygte følger mand til dør.

Das Gerücht hat ein groß Maul, aber unter der Haut ist's faul.
bm] Povest' nebe naplnila, a prihlédnes-li, ano pouchle.

Das Gerücht hat Flügel.
la] Fama volat.

Das Gerücht ist blind, aber es läuft schneller als der Wind.
ho] Het gerucht loopt van Dan tot Berseba.

Das Gerücht ist der Klage Anfang.

Das Gerücht ist eine halbe Lüge.

Das Gerücht ist hundertzüngig.

Das Gerücht ist immer größer als die Wahrheit.
i] Es denkt sich mehr hinzu

Das Gerücht ist köstlicher als großer Reichtum.
mhd] Ja, ist der werdikait hail besser den michel gut.
fr] Bonne renommée vaut mieux que ceinture dorée.
la] Melius est nomen bonum, quam divitiae multae.

Das Gerücht ist oft die Schmetterlingspuppe, aus der die Wahrheit schlüpft.

Das Gerücht ist wie Falschgeld: Rechtschaffene Menschen würden es niemals herstellen, aber sie geben es bedenkenlos weiter.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gerücht kommt weiter als der Mann.
ndt] Dat Wôrt kummt wîder as de Mann. Ostfriesland

Das Gerücht lügt oft.
ho] Gerucht van drie wijven maakt eene kermis.

Das Gerücht schreit: Wolf, Wolf! und der Fuchs hat die Gans gestohlen.
bm] Na vlka hlas, a lisky maso jedí.

Das Gerücht tötet den Mann.

Das gesamte Christentum ist durch eine Unzahl solcher abergläubischer Albernheiten entstellt. Die Priester hegen und pflegen indes das Unkraut herzlich gern, wissen sie doch recht wohl, welcher Nutzen daraus erwächst.
Erasmus v. Rotterdam, Lob der Torheit

Das Gesatz ist Gottes Rugk, das Evangelium Gottes Angesicht.

Das Gesatz ist gut, so sein jemand recht gebraucht.

Das Geschäft der Intellektuellen ist es, mittels Zeichen, Namen, Symbolen alles aufzuführen, ohne das Gegengewicht wirklicher Handlungen. Das macht ihre Reden verblüffend, ihre Politik gefährlich, ihr Vergnügen oberflächlich. Es sind soziale Reizmittel, mit den Vorteilen und Gefahren alles Reizmittel.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geschäft kennt weder Vater noch Mutter.
Osmanien

Das Geschäft macht den Mann.
fr] Les affaires font les hommes.

Das Geschäft von Amerika ist - Geschäft.
en] The business of America is business.

Das Geschäft wird durch den Tod allererst bestätigt.
[RSpW]
i] Eine letztwillige Verfügung, hier Geschäft, auch sonst Todgeschäft genannt, tritt erst mit dem Tode dessen, von dem sie ausging, in Kraft, weil er sie, so lange er lebte, noch abändern konnte

Das geschah in dem Jahre, da Karfreitag auf einen Mittwoch fiel.

Das Geschell ist nicht gar fehl.
la] Nam non ulla quidem prorsum perit irrita fama, per populos quaecunque volat, quia numen et ipsa est.

Das Geschenk (das dir geschickt wird) iss und den Teller (auf dem es dir gebracht wurde) zerbrich.
Ägypten (Der Teller möchte sonst an das Geschenk mahnen und an die Pflicht der Dankbarkeit oder an ein Gegengeschenk)

Das Geschenk der Hand - eine Rettung der Seele.

Das Geschenk des Armen währt nicht lange; in der Hütte gibt er es, auf dem Korridor nimmt er es wieder.

Das Geschenk eines Blühenden Talents besteht oft nur aus einem halben Blatt Papier.
China
i] Diesen Titel führten die Beamtenanwärter, wenn sie die erste der drei kaiserlichen Prüfungen bestanden hatten. Weil sie noch nicht über Einkünfte aus einem Amt verfügten, schenkten sie gern eine selbstgeschriebene Kalligraphie

Das Geschenk eines bösen Menschen bringt kein Glück.
Menander, Sentenzen in Monostichen

Das Geschenk eines schlechten Menschen hat den Beigeschmack seines Herrn.
England

Das geschenke des menschen macht jm raum, und bringet für die großen Herren.

Das geschichtliche Denken erniedrigt die Vergangenheit zu einem Rohstoff, wandelt sie in seinen Gegenstand, und die Geschichtsschreibung befreit uns von der Geschichte.
Benedetto Croce, Die Geschichte als Gedanke und als Tat

Das Geschick der besten Liebe ist vielleicht das schmerzlichste: sie an sie selbst zu verlieren.
Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Das Geschick der Liebe zu einem Menschen ist, eine Beleidigung aller andern zu werden.
Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Das Geschick jedes Menschen ist ihm um den Hals gebunden.
Japan

Das Geschick, das ist blind, und der Poet ist gerecht.
Goethe, Xenien 410

Das Geschick, das man nie zu vermissen gezwungen ist.
Ambrose Bierce

Das Geschick
Wird nicht von uns beherrscht und unsern Wünschen,
Und so ergib dich ihm, wie wir es tun.
Goethe, Tancred A I Sz 4 (Arsir)

Das geschieht bald genug, was wohl getan wird.

Das geschieht nur alle Jubeljahre einmal
en] that happens once in a blue moon
fr] cela arrive très rarement
it] ciò capita ad ogni morte di papa

Das geschieht, wenn der Teufel von Aachen kommt.

Das Geschirr ist in Trümmer gegangen.
i] Um auszudrücken, dass etwas unbrauchbar geworden, dass es seine Güte, seinen Nutzungswert verloren u.s.w., hat man auch die Redensarten: Dem Fass ist der Boden ausgegangen. Der Bach ist ausgetrocknet. Die Blätter sind abgefallen. Der Degen ist verrostet. Der Blasebalg hat ein Loch bekommen. Das Kraut ist angebrannt. Die Sonne ist untergegangen. Die Saiten sind zersprungen. Der Wein ist zu Essig geworden.

Das Geschirr zu Baygorri ist irden, als ich einen Bräut'gam dort hatte, war es golden.
Basken

Das geschlachtete Schaf fühlt keine Schmerzen beim Hautabziehen.

Das Geschlecht will das ich fortwährend in der Gattung aufgehen lassen, das heisst unpersönlich machen.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Geschmacksurteil sinnet jedermann Beistimmung an, und wer etwas für schön erklärt, will, dass jedermann dem vorliegenden Gegenstande Beifall geben und ihn gleichfalls für schön erklären solle.
Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft

Das Geschrei bringt die Henne ums Ei.

Das Geschrei der Menge
la] popularis strepitus

Das Geschrei ist doch immer größer als die Sache selbst.
Estland

Das Geschrei tötet den Mann.
i] Es war im alten Rechtsverfahren der Klage Anfang

Das geschrey dess gemeinen Volks ist die war stimm' Gottes.

Das geschrey ist bei manchem das gröste.

Das Geschrey ist des Werckes Schatten, es folgt ihm immer auff dem Fusse nach.

Das geschrey ist ein Poltergeist.

Das geschrey steht selten der Warheit bey.

Das Geschriebene wie das Getane schrumpft zusammen und wird immer erst wieder was, wenn es aufs neue ins Leben aufgenommen, wieder empfunden, gedacht und gehandelt wird.
Goethe, An Zelter, 1. 6. 1809

Das Geschwätz zweier Menschen kann Häuser zum Einsturz bringen.

Das Geschwür der Franken möge dich lieben und der Herr dich hassen.
Ägypten

Das Geschwür des Kriegs lässt sich nur durch die Lanzette des Kriegs kurieren.
Russland

Das gesellschaftliche Recht ist ganz und gar kein sittliches Recht, sondern eine bloße Modifikation des tierischen.
Johann Heinrich Pestalozzi, Meine Nachforschungen über den Gang der Natur

Das gesellschaftliche Spiel ist ein falsches Spiel, wer aber will entdeckt werden? Darum bereut man in einsamen Stunden, wenn unbestechlich die Vergangenheit aufsteigt, nicht seine Fehler, sondern seine Dummheiten.
August Strindberg, Der Sohn der Magd

Das Gesetz also und die Vollziehung desselben, die Strafe, sind wesentlich auf die Zukunft gerichtet, nicht auf die Vergangenheit. Dies unterscheidet Strafe von Rache, welche letztere lediglich durch das Geschehene, also das Vergangene als solches, motiviert ist. Alle Vergeltung des Unrechts durch Zufügung eines Schmerzes, ohne Zweck für die Zukunft, ist Rache und kann keinen andern Zweck haben, als durch den Anblick des fremden Leidens, welches man selbst verursacht hat, sich über das selbst erlittene zu trösten. Solches ist Bosheit und Grausamkeit und ethisch nicht zu rechtfertigen.
Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung

Das Gesetz befiehlt, was recht, und verbeut, was schlecht.

Das Gesetz bemächtigt sich täglich gescheiterter, so gearteter Schurken, und bestraft sie mit einer Grausamkeit, die schlimmer als ihre eigene ist; mit dem Ergebnis, dass sie aus dem Marterhause gefährlicher wieder herauskommen, als sie es betraten, und ihr böses Treiben wieder aufnehmen (niemand will sie zu etwas anderem verwenden), bis sie abermals gefasst, abermals gepeinigt und abermals, mit demselben Resultat, freigelassen werden.
Shaw, Major Barbara, Vorwort, Erste Hilfeleistung für Kritiker, Die Schwächen der Heilsarmee

Das Gesetz bewegt sich auf goldenen Rädern.
Ungarn

Das Gesetz der Freiheit aber gebietet, ohne alle Rücksicht auf die Hilfe der Natur. Die Natur mag zur Ausübung desselben förderlich sein oder nicht, es gebietet.
Friedrich Hölderlin, Über das Gesetz der Freiheit

Das Gesetz der Kunst ist es, zum Volk, von dem sie ausgegangen ist, zurückzukehren, sich ihm einzugliedern...
Rolland, Jugenderinnerungen

Das Gesetz der Vernunft kann nur eins sein: ihre Anwendung auf alles, was ist, was durch die Sinne unmittelbar wahrgenommen oder mit Hilfe der Reflexion als existierend gedacht werden kann.
Forster, Über den gelehrten Zunftzwang

Das Gesetz der Wiedervergeltung ist eine ewige Naturordnung. Wie bei einer Waage keine Schale niedergedrückt werden kann, ohne dass die andre höher steige: So wird auch kein politisches Gleichgewicht gehoben, kein Frevel gegen die Rechte der Völker und der gesamten Menschheit verübt, ohne dass sich derselbe räche und das gehäufte Übermaß selbst sich einen desto schrecklichern Sturz bewirke.
Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Das Gesetz der Zurückhaltung ist bestimmt, durch das Recht der Herzlichkeit durchbrochen zu werden.
Albert Schweitzer, Aus meiner Kindheit und Jugendzeit

Das Gesetz erklärt die Spitze vom Schwert.

Das Gesetz erzeugt nicht die Gerechtigkeit. Das Gesetz ist nichts als die Erklärung und Anwendung dessen, was bereits gerecht ist.
Proudhon

Das Gesetz findet auf alle Rechtsfragen Anwendung, für die es nach Wortlaut oder Auslegung eine Bestimmung erhält. Kann dem Gesetz keine Vorschrift entnommen werden, so soll der Richter nach Gewohnheitsrecht und, wo auch ein solches fehlt, nach der Regel entscheiden, die er als Gesetzgeber aufstellen würde.
Artikel 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. 12.1907

Das Gesetz garantiert zwar nicht das Mittagessen, aber die Mittagspause.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gesetz geht voran, die Hinterlist folgt ihm.

Das Gesetz gleicht dem Wasser, dem Wein und der Milch, die sich am besten in irdenen Gefäßen halten.
i] So wird das Gesetz am besten von bescheidenen Menschen bewahrt

Das Gesetz gleicht der Deichsel eines Wagens: du kannst sie drehen, wohin du willst.

Das Gesetz hat eine wächserne Nase, man kann sie drehen wie man will.
z] Aus manchen Gesetzen lässt sich alles machen, nur keine Garantie für die Rechte des Volks.
dä] Loven har ei mund, kand ei klagen sig.

Das Gesetz hat keine Augen, das Gesetz hat keine Hände, das Gesetz ist nichts, nichts als ein Stück Papier, bis die öffentliche Meinung dem toten Buchstaben den Lebensatem einhaucht.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gesetz in seiner majestätischen Gleichheit verbietet den Reichen wie den Armen, unter den Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen.
France

Das Gesetz ist das Eigentum einer unbedeutenden Klasse von Vornehmen und Gelehrten, die sich durch ihr eignes Machwerk die Herrschaft zuspricht.
Büchner, Der Hessische Landbote

Das Gesetz ist den Wachenden geschrieben.
i] Wer sein Recht, besonders im Wege des Prozesses, nicht verlieren will, muss aufpassen und sorgfältig alle vorgeschriebenen Formen und Zeitfristen beobachten. Versäumt, zu spät getan, ist auch verspielt
dä] Loven er de vaagendes, lykken er de sovendes.

Das Gesetz ist der abstrakte Ausdruck des allgemeinen an und für sich seienden Willens.
Hegel

Das Gesetz ist der Ausdruck und die Perfektion des gesunden Menschenverstandes.

Das Gesetz ist der Freund des Schwachen.
Schiller, Die Braut von Messina II

Das Gesetz ist der Tyrann der Menschen, da es sie zu manchem Naturwidrigen zwingt.
Hippias

Das Gesetz ist die Beredsamkeit der Staatsgewalt.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gesetz ist die Heiligsprechung eines vergangenen Zufalls in die Zukunft hinaus.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gesetz ist die Objektivität des Geistes und der Wille in seiner Wahrheit, und nur der Wille, der dem Gesetz gehorcht, ist frei, denn er gehorcht sich selbst und ist bei sich selbst und frei.
Hegel

Das Gesetz ist die Vereinigung von Einsicht und Macht. Das Volk gibt die Macht, die Regierung die Einsicht.
Antoine Comte de Rivarol, Maximen und Reflexionen

Das Gesetz ist drei Tage älter als die Welt.
Estland

Das gesetz ist ein Hammer, dardurch verstockte Hertzen zu boden geschlagen werden.

Das Gesetz ist ein schlafender Löwe, bei dem man, solang er nicht aufgeweckt wird, so sicher als bei einem Lamme vorbeischleichen kann.
Wieland, Geschichte der Abderiten

Das Gesetz ist ein Spinnengewebe; ein Käfer bricht durch, eine Fliege wird gefangen.

Das Gesetz ist ein Spinnengewebe; es stört die Ratte nicht, der Fliege aber bricht es das Genick.

Das Gesetz ist ein Vertrag, worin man sich gegenseitig das Recht verbürgt. Aber es ist nicht imstande, die Bürger zu Sittlichkeit und Gerechtigkeit zu erziehen.
Lykophron

Das Gesetz ist eine Fahne, und Gold ist der Wind, der sie flattern macht.
Russland

Das Gesetz ist eine Wetterfahne, Geld (o. Gewalt) ist der Wind, der sie dreht.
Russland

Das Gesetz ist einzig und allein gemacht zur Ausbeutung derer, die es nicht verstehen oder die es aus nackter Not nicht befolgen können.
Brecht, Die Dreigroschenoper

Das Gesetz ist für den Politiker eine Mauer, die ihn zwar vor Angriffen schützt , ihn aber auch hindert, sie ohne weiteres zu übersteigen.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gesetz ist für jedermann gleich: nur das Einkommen müsste geändert werden.
Shaw

Das Gesetz ist lückenhaft, das Recht ist lückenlos.
Joseph Unger, Mosaik

Das Gesetz ist nichts anderes als ein richtiges, von dem Wesen der Götter hergeleitetes Gebot der Vernunft, welches das, was ehrbar ist, gebietet, und das, was entgegensteht, verwehrt.
Cicero

Das Gesetz ist nur eine Denkschrift.
Emerson

Das Gesetz ist nur für die Armen, Recht nur für die Reichen.
Türkei
z] Die Regierung hat vielleicht ohne das Gesetz, vielleicht gegen das Gesetz, aber sie hat recht gehandelt. Graf Pfeil, National-Zeitung, Berlin 1857

Das Gesetz ist so, wie man (es) auslegt.
Estland

Das Gesetz ist teuer, trink einen Schoppen und verständige dich.
Schottland

Das Gesetz ist verwirklichte Politik. Wie jede Politik ist auch die durch Gesetz verwirklichte Politik abänderbar, wenn auch nicht so leicht abänderbar wie eine nicht in Gesetzesform gefaßte Politik. Verwandelt der Politiker seine politischen Absichten in ein Gesetz, so ebnet er sich zwar den Weg, macht es aber für sich schwieriger, von dem nunmehr vorgeschriebenen Weg abzuweichen.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gesetz ist weit, die Faust ist nah! Korea

Das Gesetz ist weit, die Faust ist nah!
Korea

Das Gesetz ist wie eine Deichsel; wohin du sie wendest, dorthin zeigt sie.
Gladkow, Der Schnee schmilzt

Das Gesetz ist wirkende Politik, gleichsam die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das gesetz ist zorn, das Evangelium genad.

Das Gesetz kann nicht überreden, wo es nicht bestrafen kann.
England

Das Gesetz kann niemand zwingen, seinen Nächsten zu lieben, aber es kann es schwieriger für ihn machen, seinem Haß Ausdruck zu geben.
Lawson

Das Gesetz läßt sich als eine Stufe der Selbstverwirklichung der politischen Absicht begreifen, eine Stufe, auf welcher die Politik ihre dauerhafte Form gefunden hat. Das Gesetz ist ein Aggregatzustand der Politik. Es kennzeichnet, worin Politik «fest» geworden ist.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gesetz macht den Menschen
Nicht der Mensch das Gesetz.
Goethe, Tagebuch, 25. 5. 1797

Das Gesetz macht in keinem Stand und keinem Beruf gerecht.
Martin Luther, Tischreden

Das gesetz mahnet, der glaub bezahlet.

Das Gesetz Moses, ein Gesetz des Schreckens und der Rache für Sklaven und tiefgesunkene Menschen berechnet...
Thomas Morus, Utopia

Das Gesetz muss auch für ein Volk von Teufeln passen, sofern sie nur Verstand haben.
Kant

Das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.
Goethe, Was wir bringen - Lauchstädt Sz 19 (Nymphe)

Das Gesetz richtet nur Zorn an.

Das Gesetz richtet sich nach dem Gold (d. h. nach den Besitzenden).
la] Aurum lex sequitur

Das Gesetz scheut den Gutsherrn.

Das Gesetz sitzt in der Telege, der Betrug ist das Zugpferd.
Russland

Das gesetz und weltliche Ordnung binden dem Teuffel die Fäuste, dass er inn den seinen nicht nach seinem willen lebe.
dä] Lov er fordi lagt, at bud-ord skal holdes.

Das Gesetz unterwirft sich den Menschen, die Liebe macht ihn frei.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Das Gesetz verpflichtet zu dem, was es selbst nicht gab. Die Gnade gibt das, wozu sie verpflichtet.
Pascal, Gedanken

Das Gesetz weicht der Gnade.

Das Gesetz werde nur immer deshalb aufgestellt, damit eben Ausnahmen gemacht werden könnten, die Ausnahmen seien gerade die Hauptsache.
Goethe, Varnhagen v. Ense, 19. 9. 1829

Das Gesetz zu verletzen ist dasselbe Verbrechen beim Kaiser wie beim Untertan.
China

Das Gesetz, das in die Erscheinung tritt, in der größten Freiheit, nach seinen eigensten Bedingungen, bringt das Objektiv-Schöne hervor, welches freilich würdige Subjekte finden muss, von denen es aufgefaßt wird.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1346

Das Gesetz, die gründlich realistische Formulierung gewisser Erhaltungsbedingungen einer Gemeinde.
Nietzsche

Das Gesetz, die Logik und die Schweizer kämpfen für jeden.
England

Das gesicht bringt böse gedanken.

Das Gesicht bringt das Mädchen unter die Haube.
i] Man urteilt nach dem Auge

Das Gesicht der Frauen betrügt leicht.

Das Gesicht des Menschen erkennst du bei Licht, seinen Charakter im Dunkeln.

Das Gesicht einer schönen Frau sagt: veni mecum, und das einer hässlichen: noli me tangere.
fr] Le beau visage d'une femme s'apelle veni mecum et le laid noli me tangere.
ho] Een leelijk aangezigt is bewaard voor geile zinnen.

Das Gesicht eines Menschen verrät vielleicht dessen Magen, gewiss aber nicht sein Herz.
England

Das Gesicht eines Pfarrers und das eines Junggesellen erkennt man immer.
England

Das Gesicht eines Regierungssprechers: Mit den Jahren sieht es aus wie sein eigenes Dementi.
England

Das Gesicht eines Schlafenden hat bisweilen etwas besonders Rührendes, Zauberhaftes an sich...
Herzen, Mein Leben

Das Gesicht Europas ist nach rückwärts gewendet statt nach vorwärts. Der Büchermarkt wird durch Memoiren überschwemmt. In der öffentlichen Diskussion nimmt die Entstehung des letzten Krieges einen breiteren Raum ein als die Vermeidung des künftigen. Dieser ewige Blick ins Gestrige ist die Hauptursache der europäischen Reaktion und Zersplitterung.
Coudenhove-Kalergi, Paneuropa, Vorwort

Das Gesicht gibt die Seele zu erkennen.
la] Vultus est index animi.

Das Gesicht ging ihm darüber aus dem Leim.
i] Die Sache wurde ihm lächerlich. In Oberösterreich: Jetzt geht mir 's G'sicht aus'm Leim, in dem Sinne: Das ist zu arg, um ruhig zu bleiben, das hätte ich nicht erwartet.

Das Gesicht ist der edelste Sinn. Die anderen vier belehren uns nur durch die Organe des Takts: wir hören, wir fühlen, riechen und betasten alles durch Berührung, das Gesicht aber steht unendlich höher, verfeint sich über die Materie und nähert sich den Fähigkeiten des Geistes.
Goethe, Maximen und Reflexionen 744

Das Gesicht ist der Schattenriss der Seele.

Das Gesicht ist der Spiegel der Seele.
bm] Tvár mysli zrcadlo, vydá hned, co tam padlo.
ho] Het gelaat is de spiegel der ziel.
kroat] Zercalo jesu oci, koje kazú serdca moci.
pl] Twarz (oko) umyslu zwierciadlo, wyda wnet, co tam padlo.

Das Gesicht ist der Titel des Menschen.
bm] Z tvári mysl zárí.
en] In the fore-head and the eye the index of the mind does lie.
fr] Face d'homme fait vertu.
sp] En la frente y en los ojos se lee la letra del corazon.

Das Gesicht ist die höchste Zierde des Leibes und wird durch Pflege, falls sie dem Wegweiser der Natur folgt, nur noch schöner.
Déry, Die Geschichte vom Leben und Sterben des heiligen Ambrosius

Das Gesicht ist ein falscher Wicht.
i] Es kann sich verstellen
fr] Visage masqué, coeur à nu.
it] Il volto sciolto, i pensieri stretti.

Das Gesicht ist ein Schwert.
Neugriechisch

Das Gesicht ist kein Register für das Herz.
England

Das Gesicht ist nicht übel, sagte der Affe, als er einem Buben in den Arsch sah.
ho] Dat is een mooi gezigt, zei de papegaai, en hij zag een klein-kindergatje.

Das Gesicht lebt und stirbt mit dem Herzen.

Das Gesicht lügt nicht.
bm] Twárka není lhárka.

Das Gesicht mag narbig sein, ist nur das Herz ohne Narben.

Das Gesicht ohne Scham besitzt die ganze Welt.
Spanien

Das Gesicht sehen die anderen, von der Gesundheit weiß man (nur) selbst.
Estland

Das Gesicht setzt Manchen auff die Narrenbanck.

Das Gesicht verlieren
en] to lose face
fr] perdre la face
it] perdere la faccia

Das gesicht verrät den Mann, wie es im Herzen mit ihm stehet.

Das Gesicht verrät den Täter (o. Wicht).
i] Oft ist das Gesicht der Verkündiger dessen, was im Herzen vorgeht, und man kann von demselben auf das Innere Schlüsse machen, daher legten die frühern Rechtsgelehrten das Sprichwort dahin aus, dass nach demselben auch die ganze äußere Gestalt des Menschen, besonders aber das Gesicht mit seinen Veränderungen zu den Anzeigen gehören, welche einen Verdacht auf jemand begründen. Aber gar oft ist der Schluss vom Äußeren aufs Innere ein Trugschluss, und in unsern Tagen wird kein richterliches Erkenntniss mehr auf so schwankende und unsichere Unterlagen gegründet. Zur Zeit der Hexenprozesse glaubte man freilich, dass eine hässliche Gestalt, eine widrige Gesichtsbildung das sicherste Merkmal eines bösen Gemüts sei.
fr] Au vis se découvre souvent le vice.
ho] Het gelaat spreekt van de daad.
it] È mal giudicar gli uomini alla ciera.
la] Heu quam difficile est crimen non prodere vultu.
la] Rubet auditor, cui frigida mens est, criminibus tacita sudant praecordia culpa. Juvenal
la] Te prodet facies, turpiter cum facies. (Das Gesicht verrät dich, wenn du schändlich handelst)

Das Gesicht verrät den Wicht.
en] The eye is the mirror of the soul.
fr] Les yeux sont le miroir de l'ame.
I Negli occhi si legge il cuore.
I Alla vista si conosce il cuore.
S Los ojos son el espejo del alma.
L Multa trepidus solet detegere vultus.
L Oculus est animi index.
L Frons est animi ianua.

Das Gesicht verrät, was man in sich hat.
la] Est facies testis, quales intrinsecus estis.

Das Gesicht wahren
en] to save o's face
fr] sauver la face
it] salvare la faccia

Das Gesicht war eher als das Porträt.
Surinam

Das Gesicht welkt - die Gewohnheit gedeiht.
Estland

Das Gesicht wie ein Bundschuh, die Lebensdauer wie ein Bastschuh.
Estland

Das Gesicht wie Weißbrot, der Geschmack wie Dreck.
Estland

Das Gesicht, das man dem Spiegel vormacht, macht er nach.

Das Gesind acht keines Frommen noch Schaden.

Das gesind soll nit viel finden noch verlieren.

Das gesinde soll arbeiten, was im Hauss zu feyren ist, das können Herren und Frawen wohl selbst verrichten.

Das Gesindel
la] ignobile vulgus

Das Gespenst stört (beunruhigt) mich, sagte der Mensch; der Mensch stört mich, sagte das Gespenst.
Afrika

Das Gespräch der Kinder auf der Gasse rührt entweder vom Vater oder von der Mutter her.
Hebräer
en] What children hear at home, soon flies abroad.
fr] Ce que l'enfant oit au foyer est bientôt connu jusqu'au moustier.
pt] Dizem os filhos ao soalheiro, o que ouvem dizer ao fumeiro.
sp] Dicen los niños en el soiejar lo que oyen á sus padres en el hogar.

Das Gespräch der meisten Gelehrten untereinander ist weiter nichts als ein gegenseitiges, heimliches, höfliches Examen.
Jean Paul, Gedanken

Das Gespräch im Fluss (o. Gang) halten
en] to keep the ball of conversation rolling
fr] poursuivre (o. maintenir) la conversation
it] tenere in piedi la conversazione

Das Gespräch ist, meiner Ansicht nach, die lohnendste und natürlichste Übung unseres Geistes: Keine andere Lebensbetätigung macht mir so viel Freude.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das gestapelte Brennholz lacht über das, was schon im Feuer liegt.
i] Obwohl es morgen selber darankommt
Kikuju (Kenia)

Das gesteh ich, segt Vader Stef heilig, do gung he sitten.
Hamburg

Das gestell ist nit gar fehl.

Das Gestern holst du nicht ein, dem Morgen entkommst du nicht.

Das Gestern muss man heut' nicht lästern.

Das Gestern steht vor uns.
Finnland

Das gestohlene Kleienbrot hat einen reineren Geschmack als das gekaufte Weizenbrot.
Russland
dä] Det aedes kand med skiael, ey smager halv saa vel.
dä] Staalne vande ere söde.
dä] Staalet bröd altid söd.
la] Aquae furtivae dulciores.
la] Dulce pomum, cum abest custos.
la] Nitimur in vetitum.
la] Vetitis poteri ulcius est.

Das gestrige Gewitter tut heute keinen Schaden mehr.

Das gestrige Leid kümmert den nicht, der das heutige empfindet.
Russland

Das gesunde Wunschbild des Alters und im Alter ist das der durchgeformten Reife, das Geben ist ihr bequemer als das Nehmen.
Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung

Das Getöse ist für zweitausend und die Hochzeit für zwei.

Das Getränk Israels (jüdisch: Maschke Jisroel).
i] Der Jude, welcher sich streng an die rabbinischen Vorschriften hielt, konnte in christlichen Gasthäusern nichts anderes genießen als Kaffee.

Das Getreide auf dem Feld ist in niemandes Sack, es ist in Gottes Hand.
Estland

Das Getreide auf den Feldern ist immer reich an Hoffnung.
Spanien

Das Getreide kommt in die Mühle, ob man eine Furche fährt oder viele.
i] Ob man den Boden schlecht bestellt oder gut, aber man erntet dessen nicht gleich viel und nicht von gleicher Güte
fr] Bien aré ou mal aré, en la gresse vient le blé.

Das Getreide wächst ihm zu, er darf nicht ackern und nicht säen.
i] Von einem, den das Glück ungewöhnlich begünstigt

Das Getreide wächst ja nur dann, wenn der Wurm nicht an der Wurzel nagt.
Estland

Das Getreide, das rein ist, hebt den Preis, das leichte verschwindet (od. verliert sich) in den Wind.
Estland

Das Getretenwerden ist nur bei einer Henne von Folgen.
Russland

Das Gewahrwerden einer großen Maxime, welches immer eine genialische Geistesoperation ist, man kommt durch Anschauen dazu, weder durch Nachdenken noch durch Lehre oder Überlieferung.
Goethe, Dichtung und Wahrheit IV,16

Das Gewand gehört dem, der es trägt, und die Welt dem, der sie genießt.
England

Das Gewand macht noch keinen Mönch.
la] Habitus non facit monachum. a

Das Gewand ziert nicht den Stand.

Das gewaschene Fass ist jmmer das reineste.

Das Gewebe dieser Welt ist aus Notwendigkeit und Zufall gebildet, die Vernunft des Menschen stellt sich zwischen beide und weiß sie zu beherrschen, sie behandelt das Notwendige als den Grund ihres Daseins, das Zufällige weiß sie zu lenken, zu leiten und zu nutzen, und nur, indem sie fest und unerschütterlich steht, verdient der Mensch, ein Gott der Erde genannt zu werden.
Goethe, Lehrjahre I,17

Das Gewebe kommt deshalb faulenzend voran, weil der Webstuhl hölzerne Beine hat.

Das Gewebe unseres Lebens und Wirkens bildet sich aus gar verschiedenen Fäden, indem sich Notwendiges und Zufälliges, Willkürliches und Rein-Gewolltes, jedes von der verschiedensten Art und oft nicht zuunterscheiden, urcheinanderschränkt.
Goethe, Schriften zur Literatur - Notice sur la Vie et les Ouvrages de Goethe par Albert Stapfer

Das Gewebe unsres Lebens besteht aus gemischtem Garn, gut und schlecht durch einander. Unsre Tugenden würden stolz sein, wenn unsre Fehler sie nicht geißelten, und unsre Laster würden verzweifeln, wenn sie nicht von unsern Tugenden ermuntert würden.
Shakespeare, Ende gut, alles gut

Das Gewedel des Hundes gilt minder dem Herrn als dem Brotnapf.
Russland VI, 450.)

Das Gewehr ist ein schlechtes Argument.
Schweden

Das Gewehr präsentieren.

Das Gewehr strecken.
fr] Mettre les armes bas.
la] Hastam abjicere.

Das Geweih ist dem Hirsch ein Schmuck, aber kein Druck.
bm] Netízí rohi jelenu, ani krídla ptáku, ani oves koni.
bm] Rohy jelenu nejsou tezky.
pl] Niecieza rogi jeleniowi, ani skrzydla ptakowi, ani owies koniowi.

Das Gewesene lebt noch, das Werdende lebt schon, und das Wirkende, das Gestaltende, der Sinn unserer Tage ist der Kampf zwischen zwei Zeitaltern.
England

Das Gewesne wollte hassen
Solche rüstge neue Besen,
Diese dann nicht gelten lassen
Was sonst Besen war gewesen.
Goethe, Divan - Buch des Unmuts - Keinen Reimer...

Das Gewett ist aller Richter Gewett nicht.
[RSpW]
i] Wette oder Gewette ist die von dem Angeklagten neben der an den Kläger zu entrichtenden Buße zu zahlende Geldstrafe, die nach der Verschiedenheit des wettberechtigten Richters verschieden war.
mhd] Das gewet is aller richter gewet nichten.

Das geweyhet fleisch schmeckt wohl.
i] Neigung zum Priesterstande

Das Gewicht gilt mehr als das Gesicht.
i] Von denen, die beim Heiraten mehr auf Vermögen als auf Schönheit sehen

Das Gewicht macht das Gold echt und nicht die Farbe.

Das gewinnet den Wurm und gehet den Krebsgang.

Das Gewiss findet man im Ungewiss.

Das Gewiss geht vor dem Ungewissen.
la] Certa amittimus, dum incerta petimus. Plautus

Das gewiss nicht ums ungewiss geben.

Das Gewisse findet man im Ungewissen.

Das gewisse sol man behalten und das Ungewisse fahren lassen.

Das Gewissen - das ist manchmal eine eklige Geschichte.
Ibsen, Gespenster, II (Engstrand)

Das Gewissen bedarf keines Ahnherrn, mit ihm ist alles gegeben, es hat nur mit der innern eigenen Welt zu tun.
Goethe, Maximen und Reflexionen 423

Das Gewissen des Menschen gibt ihm bessere Auskunft als sieben Wächter auf der Warte.
Altes Testament, Jesus Sirach 37, 14

Das Gewissen des Menschen ist das Denken Gottes.
Victor Hugo, Die Züchtigungen (Vorwort)

Das Gewissen doch verrät, was kein Aug' erspäht.

Das Gewissen duldet keine Gewalt.

Das Gewissen einer Frau endet im Lächeln, das des Mannes im Zorn.
England

Das Gewissen einer Nation muss aus sehr vielen, einander korrigierenden Instrumenten bestehen, die gelegentlich in offenen Konflikt geraten können.
England

Das Gewissen eines Irrlichts verträgt keinen Sonnenschein.

Das Gewissen eines jeden Bürgers ist sein Gesetz.
Thomas Hobbes, Leviathan

Das Gewissen erwacht zuletzt allzeit.

Das Gewissen hält uns keineswegs von allen Taten zurück, doch es verhindert, dass wir Freude daran haben.
Aus den 'Fliegenden Blätterrn'

Das Gewissen hat keine Zähne und kann doch nagen.
Russland

Das Gewissen in einen hohlen Baum stecken, oder ins Gras spinnen.

Das Gewissen ist das Gesetz der Gesetze.
Lamartine

Das Gewissen ist das Nest, in dem alles Gute ausgebrütet wird.
Walisisch

Das Gewissen ist der einzige Spiegel, der weder betrügt noch schmeichelt.
Christine von Schweden

Das Gewissen ist der erleuchtetste Philosoph.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Das Gewissen ist der fürchterlichste Zeuge.
Ein Wort Catos.

Das Gewissen ist der Kompass des Menschen.
Vincent van Gogh, Briefe

Das Gewissen ist der Menschen Schulbuch.

Das gewissen ist der tugend schauplatz.
la] Nullum theatrum virtuti conscientia majus.

Das Gewissen ist der unpersönlich gewordene Vater.

Das Gewissen ist des Menschen Gott.
la] Conscientia hominibus Deus est.

Das gewissen ist des Menschen Schuldbuch, darinn er sein schuld und Sünden schreibt.
dä] Samvittighed er menneskens synde-register.

Das Gewissen ist des Verstandes treuester Ratgeber.
z] Das Gewissen, von der Wahrheit untrennbar, ist der Anfang der Wissenschaft, die Wissenschaft die Vollendung des Gewissens. Die Freiheit des Gewissens kann nie die Freiheit von der Wahrheit und Wissenschaft sein. Das Gewissen hat eine Geschichte in einem jeden Menschen wie im Menschengeschlecht. Die Geschichte des Gewissens ist die eigentliche Geschichte der Menschheit.

Das Gewissen ist die Furcht vor dem Ungewissen.
Fliegende Blätter

Das Gewissen ist die Stimme der Seele, die Leidenschaften sind die Stimme des Leibes.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Das Gewissen ist die Stimme des Staatsanwalts in uns.
William Casey

Das Gewissen ist die veränderlichste aller Normen.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Das Gewissen ist dünkelhaft bei den Starken, ängstlich bei den Schwachen und Unglücklichen, unruhig bei den Unschlüssigen usw.: ein Organ des uns beherrschenden Gefühls und der Meinungen, welche uns regieren.
Vauvenargues, Réflexions et maximes

Das gewissen ist ein Bestien, macht dz der mensch muss wider sich selbs stehen.

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