Weisheiten 67


Das letzte Mittel der Könige (der letzte Ausweg)
la] ultima ratio regum

Das letzte muss den last tragen.

Das letzte Ort in der Schul' heisst man den Eselsstuhl.

Das letzte Röcklein ist ihm angemessen.

Das letzte Schaf darf man ja nicht aus dem Stall geben.
Estland

Das letzte Schiff sinkt nicht.
i] Ein Wort des Trostes und der Hoffnung für die, welche viel, ja alles bis auf einen kleinen Rest, von dem sie Rettung erwarten, verloren haben.
ho] Het laatste schip zinkt niet.

Das letzte Schwein kriegt den dicksten Trank.
i] Wenn Bequemlichkeit oder Verspätung Vorteil bringt

Das letzte Stündlein schlägt ihm.

Das letzte und einzige Mittel
la] ultima et unica ratio

Das letzte und entscheidende Erleben, zu dem wir alle hindurchdringen müssen, ist, im Leben stehend, vom Leben frei zu werden.
Albert Schweitzer, Johann Sebastian Bachs Künstlerpersönlichkeit

Das letzte versuchen.

Das letzte Wort behalten (haben wollen).
i] Wer beim großen Haufen Recht behalten will, darf sich das letzte Wort nicht nehmen lassen.

Das letzte Wort gilt.
i] Das letzte Übereinkommen ist maßgebend.

Das letzte Wort über die Wunder des Hundes ist noch nicht geschrieben.
Jack London, Der Schiffshund von Makombo

Das letzte zuerst tun.
la] Ocream fronti applicare.

Das letzte, das beste.
fr] Aux derniers les bons.

Das letzte, das man verliert, ist die Hoffnung.
Metastasio

Das Letzte, was eine Frau an der Liebe interessiert, ist die Theorie.
Alfred Charles Kinsey

Das Letzte, was man findet, wenn man ein Werk schafft, ist die Erkenntnis, was man an seinen Anfang zu stellen hat.
Blaise Pascal, Pensées

Das Letzte, was man im Leben gewinnen kann, ist nichts haben zu wollen.
Ernst Wiechert

Das letzte, was man verliert, ist die Hoffnung.
Venedig

Das leuchtet selbst einem Blinden ein.
la] Apparet id quidem etiam caeco.

Das leuchtet wie die Katze eines Lichtziehers in der Nacht.
ho] Het blinkt als eene kaarsenmakers kat in't donker.

Das leuchtet wie ein heller Karfunckel.

Das liberale Zeitalter hat die Gleichheit vor der Verwesung mit der Gleichheit vor Gott verwechselt.
Franz Werfel, Zwischen Oben und Unten

Das Licht am hellen Mittag suchen.

Das Licht am untern Ende anzünden.
Russland
en] He lights his candle at both ends.
fr] On y brûle la chandelle par les deux bouts.
ho] Di kaars brandt aan beide einden.
ho] Hij steeht zijne kaars aan beide kanten aan.

Das Licht an beiden Enden anzünden (und sich dabei die Finger verbrennen).
i] Übel verstandener Vorteil oder sinnlose Verschwendung.

Das Licht brennt ihm in die Nägel.
i] Zur Bezeichnung einer elenden Lage.

Das licht brennt ihn auf dem (o. die) Finger.
i] Er muss schnelle Hilfe haben.

Das Licht brennt nicht länger als bis der Docht verzehrt ist.
dä] Lyset brænder ei længere end vegen naaer.
dä] Saa længe der er talg ved veegen, saa længe skinner lyset.
sd] Ljuset brinner icke längre än weken räcker.

Das Licht brennt, als wenn de Schnîder frîe wöll.
Memel

Das Licht brennt, as wenn 't vörn Dôden brennt.
Holstein

Das Licht dabei (bei etwas, bei irgendeiner Arbeit) nicht verdienen.
fr] Le jeu ne vaut pas la chandelle. Unter Umständen kann man den französischen Satz umkehren: La chandelle vaut le jeu.

Das Licht der vernunfft nimbt ab und zu, wie der Mond.

Das Licht der Welt erblicken
i] Geboren werden
en] to draw o's first breath
fr] voir le jour
it] vedere la luce

Das Licht der Welt
la] lux mundi

Das Licht des Glühwürmchens reicht nur für es selbst.
Marathi, Indien

Das Licht dieses Glaubens ist nichts weiter als der Phosphorglanz der Fäulnis.
Maxim Gorki, Unter fremden Menschen

Das Licht erleuchtet zugleich dich selbst und die Finsternis.
Langbehn, Rembrandt als Erzieher, I: Deutsche Kunst: Verhältnis zu Spinoza

Das licht halten.
z] Der zu eim Ding hilft und die Tür aufthut, der helt das liecht oder die füß darzu.

Das Licht hat einen Räuber.
ho] Daar zit een brief (ook: dief, Brabander, eene rouweeîl) aan de kaars.

Das Licht hilft dem Schatten.
la] Ubi onus, ibi sonus.

Das Licht im Sacke ins Haus tragen.
i] Beruht auf einer Schildbürger-Geschichte, die im obern Wallis auch von den Vispertälern, im untern von den Salvanesern erzählt wird, zufolge der man ein Haus gebaut, aber die Fenster vergessen hatte. Da es nun stockfinster darin war, kam man endlich nach langer und gründlicher Beratschlagung auf das Auskunftsmittel, Sonnenschein hineinzutragen. Man stellte Säcke auf die Wiese, wo die Sonne schien, schloss sie, wenn sie voll Licht waren, trug sie in das neue Haus und schüttete den Sonnenschein aus.

Das Licht ist ausgeblasen.
ho] De kaarsen zijn uitgeblazen.

Das Licht ist bis auf den Nagel verbrannt.
ho] De kaars is tot op den nagel verbrand.

Das Licht ist da, und die Farben umgeben uns, allein trügen wir kein Licht und keine Farben im eigenen Auge, so würden wir auch außer uns dergleichen nicht wahrnehmen.
Goethe, Eckermann, 26.2.1824

Das Licht ist ein Symbol des Lebens und der Freude...
Honoré de Balzac (1799-1850), Der Ehevertrag

Das Licht ist eine der ursprünglichen, von Gott erschaffenen Kräfte und Tugenden, welches sein Gleichnis in der Materie darzustellen sich bestrebt. Dieses geschieht auf mancherlei Weise.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 3. Abt. - Bacon

Das Licht ist für alle Augen, aber nicht alle Augen sind für das Licht.
Ernst von Feuchtersleben, Aphorismen

Das Licht ist für den Teufel angezündet.
ho] Het is eene kars voor den duivel.

Das Licht ist ihm in der Auktion der Jahre ausgegangen.
i] Dies Sprichwort bezeichnet in Neapel hohes Lebensalter und stammt von dem dortigen Gerichtsgebrauch, bei Auktionen ein Licht anzuzünden, nach dessen Abbrennen kein Angebot weiter angenommen wird.

Das Licht ist Maß und Zahl der Jahreszeiten, der Tage und all unserer Zeit.
Dionysios Aeropagites, Peri ton theon onomaton

Das Licht ist mein Richtmaß.
i] Inschrift auf Sonnenuhren
la] Lux mea lex.

Das Licht ist sehr (zu) klein für die große Laterne.
ho] Het is een klein licht voor zoo'n groote lantaarn.

Das Licht kommt aus dem Osten.
la] Ex oriente lux.

Das Licht können wir nicht begreifen, und die Finsternis sollen wir nicht begreifen, da ist den Menschen die Offenbarung gegeben, und die Farben sind in die Welt gekommen, das ist: Blau und Rot und Gelb.
Philipp Otto Runge, An Johann Daniel Runge (7. November 1802)

Das Licht lacht immer über das Werk der Dunkelheit.
Estland

Das Licht lacht über das Werk der Finsternis.
Schweden

Das Licht lacht über die Arbeit der Dunkelheit.
Estland

Das Licht leucht andern und nicht sich selbst.
en] The candlle does not give light to itself.

Das Licht leuchtet anderen und zerstört sich selbst.
fr] La chandelle esclaire chacun et allume et soy mesme se détruit tout et consume.
sd] Ljuset tjenar andra och tären sig sjelft.

Das Licht leuchtet in der Finsternis.
la] Lux in tenebris lucet.

Das Licht muss heller brennen, sagte Töffel, und putzte es aus.
ho] Dat licht helder, zei Gerrit, en hij snoot de kaars uit.

Das Licht nehmen und den Leuchter damit suchen.
i] Ohne Überlegung handeln. Auch um Zerstreuteit zu bezeichnen.

Das Licht nimmt zu am Neujahrstag so weit ein Mücklein gähnen mag.

Das Licht scheint für andere und nicht für sich selbst. Schweden

Das Licht scheint in die Finsternis.
ho] Het licht schijnt in de duisternis.

Das Licht scheuen.

Das Licht sei keineswegs eine Zusammensetzung verschiedener Farben, auch könne das Licht allein keine Farben hervorbringen, vielmehr gehöre immer dazu eine gewisse Modifikation und Mischung von Licht und Schatten.
Goethe, Eckermann, 6.5.1823

Das Licht sollte nur da sein, insofern Sie es sehen? Nein! Sie wären nicht da, wenn das Licht Sie nicht sähe.
Goethe, A.
Schopenhauer, 1808/1814

Das Licht ungetrübter göttlicher Offenbarung ist viel zu rein und glänzend, als dass es den armen, gar schwachen Menschen gemäß und erträglich wäre. Die Kirche aber tritt als wohltätige Vermittlerin ein, um zu dämpfen und zu ermäßigen, damit allen geholfen und damit vielen wohl werde. Dadurch dass der christlichen Kirche der Glaube beiwohnt, dass sie, als Nachfolgerin Christi, von der Last menschlicher Sünde befreien könne, ist sie eine sehr große Macht. Und sich in dieser Macht und diesem Ansehn zu erhalten und so das kirchliche Gebäude zu sichern, ist der christlichen Priesterschaft vorzügliches Augenmerk.
Goethe, Eckermann, 11.3.1832

Das Licht verhauen.

Das Licht vom Himmel lässt sich nicht versprengen,
Noch lässt der Sonnenaufgang sich verhängen
Mit Purpurmänteln oder dunkeln Kutten.
Lenau, Die Albigenser

Das Licht wird als eines der ersten Mittel, die Farbe den Körpern zu entziehen, angesehen, und zwar nicht allein das Sonnenlicht, sondern das bloße gewaltlose Tageslicht.
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre 3. Abt. - 596

Das Licht, das ist das Gute; die Finsternis, die Nacht,
Das ist das Reich der Sünde und ist des Bösen Macht.
Chamisso, Abba Glosk Leczeka

Das Licht, was vorangeht, leuchtet besser, als das, was nachfolgt.
i] Vorauszahlungen sind angenehmer als solche, die sehr spät hintennach kommen. Das Gute, was man während seines Lebens tut, ist verdienstlicher, als fromme Vermächtnisse.
dä] Best eer man af det lys foregaaer.
fr] La chandelle qui va devant, (vaut) éclaire mieux que celle qui va derrière.
ho] Die kerse die vore gaet die light schoon.
la] Previa lux scire dat eunti quo valet ire.

Das lieb geld ist's alles.

Das liebe Brot Semmel heißen.

Das liebe deutsche Publikum ist von der Art, dass es dasjenige für gar nichts hält, was es schon kennt.
Goethe, An J. F. v. Cotta, 20.2.1819

Das liebe Geld kann alles.
i] Der Glaube an die Allmacht des Geldes

Das liebe haus, das beste haus.
la] Domus amica, domus optima.

Das liebe Heil'ge Römsche Reich,
Wie hälts nur noch zusammen?
Goethe, Faust I, Auerbachs Keller (Frosch) Vs 2090

Das liebe Kind ist dem Vater so ähnlich als wenn's ihm aus den Augen wär geschnitzet.

Das liebe, allerliebste, gegenwärtige Publikum meint immer: das, was man ihm vorsetzt, müssten jedesmal warme Kräppel aus der Pfanne sein. Es hat keinen Begriff, dass man sich zu jedem Neuen und wahrhaft Altneuen erst wieder zu bilden habe.
Goethe, An Zelter, 29.1.1831

Das Lieben bringt groß Freud,
Es wissen's alle Leut!
Schwäbisches Volkslied

Das liebenswürdigste Herz ist das, welches am leichtsten liebt, aber das am leichtsten liebt, vergisst auch am leichtsten.
Goethe, An Käthchen Schönkopf, 1.6.1769

Das Liebesfeuer hat schon manch Vorurteil verbrannt.
Russland

Das Liebesfeuer verzehrt ihn.
la] Ignis in medullis ardet.

Das Liebesfieber ist schwer zu heilen.
sd] Kärlekssjukan är swår att bota.

Das liebst weib sei dir, das da lebt.

Das liebste geld, dass du hast.

Das Liebste holt der Teufel am ersten und lässt seinen Unflat (Stank) zurück.
la] Si qua placent, abeunt, inimica tenacius haerent.

Das Liebste holt der Teufel am ersten, sagte Hans zu Jörge, mir die Schecke und dir 's Weib.

Das 'Lied der Arbeit' ist noch längst nicht gesungen. Die erste Zeile dazu hat noch nicht einmal begonnen. Wir beginnen allmählich das Phänomen der Arbeit zu begreifen, die der tiefste Ausdruck des menschlichen Wesens ist.
Becher, Auf andere Art so große Hoffnung

Das Lied der Nibelungen kann sich, nach meiner Einsicht, dem Stoff und Gehalte nach, neben alles hinstellen, was wir poetisch Vorzügliches besitzen...
Goethe, An F. H. v. d. Hagen, 18.10.1807

Das Lied hat eines Esels Final.

Das Lied ist aus (zu Ende).
la] Cantatum satis est.

Das Lied ist meiner stimmen zu hoch.
Luther

Das Lied stimmet und klingt zu seiner Geig (Zither).

Das Lied wird in diesem Ton nicht aushalten.
z] Ich gedachte wohl, das Lied würde in solchem Ton aushalten.

Das Lied wird nicht mit der Feder in der Hand geschaffen, nicht auf dem Papier, nicht mit strenger Berechnung, sondern im Wirbel, im Selbstvergessen, wenn die Seele tönt und alle Glieder... freier werden, wenn die Arme wie von selbst in die Luft fliegen und wilde Wogen der Fröhlichkeit den Menschen emporreißen.
Gogol, Über kleinrussische Lieder

Das Lied zu hoch anfangen.

Das Lied, das aus der Kehle dringt,
Ist Lohn, der reichlich lohnet.
Goethe, Der Sänger

Das Liedlein geht nicht anders.
ho] Het liedje gaat zoo.

Das Liedlein singen dessen, des Brot sie essen.
z] Das etliche under in das liedlein sungen, des Brot sie ässen.

Das liedlein zu hoch anfangen.
la] Arrogans est similis armis deauratis.

Das Liegen ist ein Haupt Sprach, die kan man aller Orten.

Das liegt an der Rasse, sein Mutter ist auch a Weible g'wese, sagte Hundsvott, als ihm einer vorwarf, der Hund, den er von ihm gekauft habe, sei eine Hündin.

Das liegt an der Verpackung. Stettin
i] Ein in mehrfachem Sinne angewandtes Wort. Beklagt sich jemand über ein Misslingen, so wird ihm mit diesem Worte gesagt, er habe selbst schuld daran, habe gewissermassen die gute Ware so schlecht verpackt, dass dieselbe Schaden leiden musste. Ist aber von dem schlechten Streich eines andern die Rede, so gewinnt das Wort den Sinn: der ganze Kerl taugt nichts, es ist nichts anderes von ihm zu erwarten.

Das liegt klar obenauf, wie Schinken auf dem Butterbrot.

Das liegt mir am Herzen
en] I have it at heart
fr] cela me tient au coeur
it] ciò mi sta a cuore

Das liegt mir schwer auf dem Magen
i] es ärgert oder bekümmert mich.
ndt] Dess liegt m'r in Maga.
en] it preys an my mind
fr] cela me serre le cour
fr] cela me pèse sur le cour
ho] Hij zal er zijne maag niet aan overladen.
it] ce l'ho sullo stomaco

Das liegt noch in weiter Ferne
en] that's still a far cry
fr] nous en sommes encore loin
it] questo è ancora di là da venire

Das liegt so klar am Tage, wie der Bauer an der Sonne.

Das ließe ich mir nicht im Schlafe einfallen.
la] Ne per somnium quidem hoc velim.

Das Lineal auf die Finger erhalten.
i] Tadel, Zurechtweisung; aus der Schulstube entlehnt, wo Schreibschüler wegen falscher Federhaltung, falschen oder schlechten Schreibens wohl in dieser Weise erinnert werden.

Das linke Auge juckt, ich werde heut noch 'ne Freud' haben.
Ostpreußen

Das Linsengericht Esau's schmeckt ihm besser als die Honigfladen Simson's.
i] Er zieht sinnliche Genüsse den geistigen vor.

Das Lob der Krankheit ist noch nie besungen worden. Wenigstens die Ärzte sollten nicht undankbar sein.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Lob des Dieners ist des Herrn Ehre.

Das Lob des Neidischen schmeckt wie Essig mit Zucker.

Das Lob des Wohltäters der Menschheit führen die Menschen erst im Munde, wenn er es nicht mehr hören kann.
M. Grimm, Der Schriftsteller als Staatsbürger

Das Lob eines Freundes und die Verachtung eines Feindes wiegen gleich schwer.

Das Lob eines Klugen ist besser als das von tausend Narren.

Das Lob eines Weisen ist besser als von zehn Narren.
mhd] ein Lop, daz mit der volge ûz wîsem munde gat, daz lop bestât von tage ze tage ie lûter.

Das Lob geht auch in die Ohren der Weisen.
Russland

Das lob hat armůt in der gschrift,
Das nüt uf ert ie ward so groß,
Das nit von erst uß armů floß.
Seb. Brant, D. Narrenschif (1494)

Das lob ist der Toren (Narren) prob.
i] Willst du wissen wie dumm ein Narr ist, so lobe ihn.

Das Lob ist nur der Schatten der Tugend.
England

Das Lob ist so viel wert als wie der, so es spendet.
z] Dass beide mich getadelt, kann ich ihnen verzeihen; aber dass sie mich gelobt, verzeihe ich ihnen nicht.

Das Lob ist verdächtig.
i] Den Ton auf das.
la] Mercenarium praeconium. Cicero

Das Lob ist wirklich erfreulich, das von denen ausgeht, die selbst Lob genossen haben.
la] Ea est enim profecto iucunda laus, quae ab iis proficiscitur, qui ipsi in laude vixerunt.

Das Lob macht einen Gegenstand weder schlechter noch besser.
Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Das Lob von tausend Narren wiegt nicht den Tadel eines einzigen klugen Mannes auf.

Das Lob, das man hört, ist nicht viel wert.

Das Lob, was einem Löwen gebührt, muss man keiner Maus zulegen.

Das Loben macht einen weder besser noch dicker.
Estland

Das Loch berechn' ich nicht, sagte der Trödler, als der Bauer meinte, die Jacke sei zu teuer, sie habe schon ein Loch.

Das Loch der Lüge ist nicht tief.
Afrika

Das Loch einem verriemen.

Das Loch ist groß, der Flicken klein.
tü] Delik büyük, yama küçük.

Das Loch ist nicht zu stopfen.
ho] Dat gat is niet te stoppen.

Das Loch ist oft schöner als der Fleck.
i] Gilt auch von schlechten Entschuldigungen, die das Übel ärger machen.

Das Loch ist so gut wie die Tonne.
Lettland

Das Loch ist vernagelt.
ho] Dat gat is vernageld.

Das Loch ist zugeschnappt.
i] Er ist endlich erwischt worden.

Das Loch lockt (o. ruft) den Dieb herbei.
sp] El agujero llama al ladrón.

Das Loch ruft den Dieb herbei.
i] Gelegenheit reizt.

Das Loch zustopfen, wenn die Hühner ausgeflogen sind.

Das Loch zustopfen, wenn 's Bein gebrochen ist.
sp] Recebido ya el daño, atapar el horado.

Das Loch, was er machte, ging in ein Getreide(Stroh-)magazin.
i] Von dem Fehlschlagen einer mühsamen Unternehmung. Von einem Diebe entlehnt, der eine Mauer in der Absicht durchbrach, Kostbarkeiten, Kleinodien dahinter zu finden, aber nur Getreide oder Stroh fand, womit ihm wenig gedient sein konnte.

Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke.
Wittgenstein

Das Los der Menschen ist verschieden, die Welt besteht aus Glücklichen und Unglücklichen.
sp] Unos nacem con estrella, y otros nacen estrellados.

Das Los der Menschen scheint zu sein nicht Wahrheit, sondern Ringen nach Wahrheit; nicht Freiheit und Gerechtigkeit und Glückseligkeit, sondern Ringen danach.
Seume, Apokryphen

Das Los der Parteien wird von den Parteilosen bestimmt.
Fliegende Blätter

Das Los der Unvermählten aber ist
Ein einsam Alter und der Spott der Toren.
Halm, Der Sohn der Wildnis, 1 (Actäa)

Das Los der vielen ist, zu Erhaltung Ihrer Existenz und zu Ihrer Betätigung in der Gesellschaft eine mehr oder weniger seelenlose Arbeit zum Beruf zu haben, in der sie nicht viel oder fast nichts von ihrem Menschentum verausgaben können, weil sie sich in ihr fast wie Menschenmaschinen zu betätigen haben. Dennoch aber befindet sich keiner in der Lage, dass er nicht Gelegenheit hätte, sich irgendwie als Mensch zu verausgaben.
Albert Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken

Das Los der Waffen wechselt hin und her:
Kein kluger Streiter hält den Feind gering.
Goethe, Iphigenie A V Sz 3 (Iphigenie) Vs 1866

Das Los des Schriftstellers ist schwer, furchtbar und bedrückend.
Block, Die Seele des Schriftstellers

Das Los fällt immer auf die Unglücklichen.

Das Los ist geworfen.
i] Der Entschluss ist gefasst.
ho] Het lot is geworpen.

Das Los stillt den Hader.
la] Contradictiones comprimit sors.

Das Lösegeld für einen König ist für eine Schüssel Märzenschnee zuwenig.

Das Lot ist zu langsam ausgeworfen, wenn das Schiff gestrandet ist.
ho] Het is te laat, als het schip stuit het lood de werpen.

Das Lot macht allmählich auch einen Zentner.

Das Löwenjunge erhält sein Leben dadurch, dass es junge Enten frisst.

Das Löwenmaul hat ein Hasenherz.

Das Luder und das Doppelspiel sammt Würfel verzehren viel.

Das Lügen ist eine menschenfreundliche Kunst: Selbst dem Amateur lässt sie eine kleine Chance.
Fliegende Blätter

Das Lümmelglöckel läuten.
Breslau
i] Dies 'Glöckel' befand sich im Schweidnitzer Keller zu Breslau und wurde stets geläutet, wenn jemand ein Glas zerbrach oder einen andern Lümmelstreich machte.

Das Lumpenproletariat, dieser Abhub der verkommenen Subjekte aller Klassen, der sein Hauptquartier in den großen Städten aufschlägt, ist von allen möglichen Bundesgenossen der ,schlimmste. Dies Gesindel ist absolut käuflich und absolut zudringlich.
Engels, Vorbemerkung zu 'Der deutsche Bauernkrieg'

Das mach' einer Katze weis.
ho] Maak dat aan de kat wijs.
ho] Vertel dat aan de kat.

Das mache ich nicht nach, sagte Till, als er einen Mann vom Dache fallen sah, dass er tot war.
ho] Dat zou ik je niet nadoen, zei Kwak, en hij zag een man van een huis dood vallen.

Das mache mir einmal einer nach, sagte Hans Quast, da fiel er und brach beide Beine.
ho] Doe mij dat eens na, zei Gerrit, en hij brak zijne beide beenen.

Das machet scheel augen für war, dass man falsch gericht brauchen thar.
la] Lances dissimiles, saciunt oculos mihi tristes.

Das macht böses Blut.
ho] Het zet kwaad bloed.

Das macht böses Spiel.
ho] Dat zal kwaad spel maken.

Das macht das ganze Spiel zu Schanden.
ho] Dat maakt al 't spel te schande.

Das macht das Maß voll - das bringt das Fass zum Überlaufen
en] that fills the cup to the brim
fr] c'est la goutte d'eau qui fait déborder le vase
it] ciò colma la misura (o. rincara la dose) - questo è la goccia che fa traboccare il vaso

Das macht den Deutschen von heute so unbeliebt: Er beruft sich bei fast jeder Gelegenheit auf seine 'Geistesheroen', die doch fast immer nur im Gegensatz zu ihm gelebt haben, und ist dabei genauso auf seinen Vorteil bedacht wie der Nachbar.
Christian Morgenstern, Stufen

Das macht den Kohl nicht fett.
i] Von jeder Sache, die zu irgendeinem Behuf nicht hinreichen will und kann. Wird den Zweck nicht wesentlich fördern, wird zum Besserwerden nicht viel beitragen.
ndt] Dat sall (wird) de Käul net viel fetten. Westfalen
ndt] Dat makt'n Kohl ok nich fett. Strelitz
en] a fat lot it helps
fr] cela me (te etc.) fait une belle jambe
it] questo non cambia nulla

Das macht den Mund wässrig.
la] Salivam movet.

Das macht der Katze keinen Buckel.
Solothurn
i] Ändert an der Sache nichts, hat nichts zu bedeuten.

Das macht der Liebe kein Kind, wenn sie nur sonst keine Hure ist.
Ostpreußen

Das macht der Lieben kä Kind.
i] Von etwas, das man für erlaubt oder unschädlich hält, z.B. Küssen.

Däs macht der Magd koi Kind.
Ulm

Das macht die Jugend, sagte die Frau, da sprang sie übern Strohhalm.
ndt] Dat dêt de Jonghêt, sacht de Frau, da sprong se överne Strühzalme. Aachen
ho] Dat is een voltigeer-sprong, zei de boer, en hij sprong over een' zwavelstok.
ho] Het is de jongheid, zei besje, en toen speelde een zeventiger met buitel mannetjes.

Das macht die Zeit.
i] Sagen die Philister, wenn sie von Ereignissen getroffen werden, von denen sie alles andere, nur nicht deren Ursache einsehen.

Das macht einem den Mund wässerig.
fr] Cela fait venir l'eau à la bouche.
la] Salivam hoc movet. Seneca

Das macht mich um ein Jahr älter.
la] Discedo, crede, senior anno protinus.

Das macht mir graue Haar.

Das macht mir Kummer - das gibt mir zu schaffen
en] that gives (o. causes) me (no end of) trouble
fr] cela me donne du fil à retordre
it] ciò mi dà del filo da torcere

Das macht nichts, es geht nicht um Frankreich.

Das macht nix, wenn das Haus nur frühzeitig wieder geöffnet wird, sagte der junge Mann, als der Herr, der ihn in Dienst nehmen wollte, bemerkte, dass es pünktlich um zehn Uhr geschlossen werde.

Das macht um Moses willen nicht.

Das macht uns arm bei allem Reichtum, dass wir nicht allein sein können, dass die Liebe in uns, solange wir leben, nicht erstirbt.
Friedrich Hölderlin, Hyperion

Das macht unser Küchen feist.

Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Theodor Storm, Die Nachtigall

Das macht, weil nichts in der Welt einzeln steht, und irgendein Wirksames nicht als ein Ende, sondern als ein Anfang betrachtet werden muss.
Goethe, An Schiller, 5.7.1802

Das mächtigste Hirngespinst der Welt ist die öffentliche Meinung: niemand weiß genau, wer sie macht, niemand hat sie je persönlich kennengelernt. aber alle lassen sich von ihr tyrannisieren.
Fliegende Blätter

Das Mächtigste im Dichter, welches seinen Werken die gute und die böse Seele einbläset, ist gerade das Unbewusste.
Jean Paul, Vorschule der Asthetik

Das Mädchen (soll man) ohne Grund antreiben und den Jungen ohne Schuld schlagen.
Estland

Das Mädchen auf dem Tanzboden und Getreide auf dem Vorgewende darf man nicht als Regel nehmen.
Köthen
i] Vorgewende = Umwendestelle des Pflugs am Wege.

Das Mädchen darf nicht über einen Strohhalm treten.
Estland

Das Mädchen gefällt am besten, wenn es auf dem Rücken liegt.

Das Mädchen gibt man nicht für die Kopfsteuer.
Finnland

Das Mädchen hält sein Herz in der Gürteltroddel verborgen.
Estland

Das Mädchen hat den Schneider.
i] Ist schläfrig wie ein Schneider, der tief in die Nacht gearbeitet hat.

Das Mädchen hat ein Hufeisen (einen Absatz) verloren.

Das Mädchen hat mehr als man sieht.
Westfalen
i] Sie hat auch Geld.

Das Mädchen hat neun Lügen, die Frau hat eine Lüge.
Estland

Das Mädchen ist aus besonderem Teig, hebt man ihn auf, so verdirbt er gleich.
Venetien

Das Mädchen ist aus besonderm Teig, man sieht ihn nur an, da verdirbt er gleich.
Venetien

Das Mädchen ist bei der Mutter wie ein Lamm so sanft und fromm; ist sie mit dem Manne getraut, wird ihr Zünglein laut.

Das Mädchen ist des Hauses Schmuck, der Junge des Hauses Schande.
Estland

Das Mädchen ist des Jungen Seitenwärmer.
Estland

Das Mädchen ist des Jungen zweite Hälfte.
Estland

Das Mädchen ist im Sommer ein Flaschenstäubling (d.i. schmückt den Hof wie ein Flaschenstäubling), im Winter des Hauses Schmuck.
Estland

Das Mädchen ist just kein Hund.
i] In der Studentensprache: sie sieht nicht übel aus.

Das Mädchen ist so lange zu Gast, bis die Elster auf dem Zaunpfahl (hockt).
Estland

Das Mädchen ist verliebt, die Suppe ist versalzen.
ho] De meid is verliefd, zij laat den brij aanbranden.

Das Mädchen ist von Gott geschaffen, die Frau vom Mann entkräftet (d. i. welk gemacht).
Estland

Das Mädchen ist zu haben.
fr] Cette fille a le bouquet sur l'oreille.

Das Mädchen kann nicht heiraten, wenn der Mann sie nicht nimmt.

Das Mädchen kommt aus Jüterbogk, das Hemd ist länger als der Rock.

Das Mädchen lob (erst dann), wenn es verheiratet ist.
Estland

Das Mädchen macht die Mutter schön.
i] Nach dem Volksglauben wird die Frau, wenn sie mit einem Mädchen schwanger geht, schön, während sie hässlich werden soll, wenn sie einen Knaben in Aussicht habe.
it] La puella fa la mamma bella.

Das Mädchen mag einen Bräutigam han, es soll sich aber an einem begnügen lan.

Das Mädchen mit leerem Kopf, der Junge mit halbem Verstand.
Estland

Das Mädchen mit Recht wohl Perle heisst, denn je seltener gesehen, desto schöner es heisst.
it] La ragazza è come la perla, men la si vede più par bella.

Das Mädchen muss einen Mann haben.
Ostpreußen
i] Beim Kartenspiel, wenn die Dame von dem König gestochen wird.

Das Mädchen muss sich auch vor dem Hund schämen.
Estland

Das Mädchen sieht man bei der Arbeit, den Jungen beobachtet man beim Kaufladen.
Estland

Das Mädchen soll auch der Katze den Weg freigeben.
Estland

Das Mädchen soll den Mund zu-, die Ohren aber offenhalten.
Estland

Das Mädchen soll man ohne Grund antreiben und den Jungen ohne Schuld schlagen.

Das Mädchen sucht den klugen Mann, der Jüngling - die schöne Frau.

Das Mädchen trägt die Nase hoch.
i] Ist eitel, hoffärtig, will hoch hinaus.

Das Mädchen tritt vor die Tür des Hauses und richtet an den Abendstern die Bitte, ihr ihren Liebsten treu zu erhalten

Das Mädchen wächst um die Höhe einer Mistkugel, der Knabe um Haaresbreite.

Das Mädchen wäre schön, sagte der Mohr, als er eine Weiße sah, wenn es nur schwarz wäre.

Das Mädchen wird durch Viehmist groß, der Junge durch das Axtöhr.
Estland

Das Mädchen wird unter Tränen zur Frau und unter Stöhnen zur Mutter.
Henry de Montherlant, Die jungen Mädchen

Das Mädchen, das liebelt allgemein, wird keines einzigen Braut je sein.
Bergamo

Das Mädchen, das schlecht wäscht, lässt sieben Mal das Wasser kochen.

Das Mädchen, das seine Backen nicht schmücken, schmücken seine Großväter.

Das Mädchen, das viele Freier hat, wählt oft den schlechtesten.
England

Das Mädchen, dessen Wangen es nicht schön machen, wird es auch nicht durch seine Großväter.
Libanon
i] Durch ihren Familiennamen

Das mag Apollo verstehen!
i] Wenn etwas sehr dunkel und unverständlich ist.
la] Ne Apollo quidem intelligat.

Das mag 'ch ne nohchsoin (nachsagen), 's is mer schun zu lichte.
Oberlausitz

Das mag den Fremden zum Verständnis helfen, wie sehr in Frankreich das Provisorische endgültig ist.
Balzac, César Birotteau

Das mag denn alles gelten wie die Bemühungen der Astronomen, deren Beobachten und Rechnen wir nicht schelten wollen, da sie uns denn doch zuletzt den Begriff des Unbegreiflichen etwas näher bringen.
Goethe, An Zelter, 29.1.1830

Das mag der Geier holen!
i] In Tirol denkt man bei dieser sprichwörtlichen Verwünschungsformel zunächst wohl nur an den Lämmergeier, der zuweilen selbst kleine Kinder überfällt und in seinen Klauen durch die Luft als Beute mit sich fortträgt.

Das mag der Geier wissen!
fr] Le diable n'en sait rien.

Das mag der Henker glauben.
la] Credat Judaeus Apella.

Das mag der Hund nicht, und wenn's mit Butter geschmiert ist.
Breslau

Das mag der Kuckuck glauben, ich nicht.

Das mag der Teufel glauben (o. verstehen, wissen).
ndt] Das mag der Teixel glauben.
ndt] Der Teix'l hol' di ganzi G'schicht.
ndt] Du schlagst ein Teixel heraus und zehn hinein.
fr] Le diable n'y entend rien.
ho] Dat mag de drommel doen (weten).
ho] De duivel geloove hem.

Das mag die beste Musik sein, wenn Herz und Mund stimmt überein.

Das mag ein anderer glauben.
fr] Croyez cela et buvez de l'eau. (Glaub's und trink Wasser darauf, um es hinabzuwaschen)

Das mag ein böse henne sein, die eyer legt den nachbauern mein.
la] Est gallina mala, quae uicinis parit oua.

Das mag ein elends mäuslein sein, das nicht mehr hat, dan ein löchlein.

Das mag ein jüdischer Rabbi glauben.
la] Credat Judaeus Apella. Horaz

Das mag ein Narr glauben (machen).
ho] Dat mag een geek geloven.

Das mag er an die Peitsche schmieren.

Das mag er in seinen Sack stecken.
ho] Die kunt gij in uwen zak steken.

Das mag er noch auf dem Siechbett büßen.
la] In morbo consumat.

Das mag Gott entscheiden.
ho] Dat zullen wij God en den molenaar laten scheiden, die scheiden zooveel.

Das mag ich umsonst nicht.
i] Etwas anders schaut in Betreff dieses Punktes der Morgenländer an; was er umsonst haben kann, ist ihm immer angenehm, daher verschmäht niemand ein Geschenk vom Höchsten bis zum Niedrigsten. Dies ist der Sinn des arabischen Sprichworts: Es wurde an die Tür gepocht. Wer ist da? Eine Hure umsonst. Herein, sagte er und wärst du auch tötliches Gift.
la] Non pluris quam simias.

Das mag man einem andern weißmachen.
fr] Autant pour le brodeur.
fr] Donner des bricoles à quelqu'un.
fr] Donner des canards à quelqu'un.
fr] Donner des cassades à quelqu'un.
fr] Il me semble qu'on me bout du lait.
fr] Je lui en ai baillé d'une.
fr] Passer la plume par le bec à quelqu'un.
fr] Portés vos coquilles à d'autres.
fr] Vous me la baillés belle.
la] Ad populum phaleras tuas profers.

Das mag 'nen Stein jammern.
i] Das verdient Mitleid.

Das magere Schaf wird von allen Lämmern gesogen.

Das Magere und das Fette, das Süße und das Bittere sind Brüder.
Estland

Das magische Viereck in der Politik lautet: die gelante Maßnahme muss rechtlich erlaubt, wirtschaftlich sinnvoll, sozialpolitisch erwünscht und politisch durchsetzbar sein.
Fliegende Blätter

Das Mäglin der Trüschen (der Magen der Aalraupe) soll ein herrliche krafft haben wider alle Krankheiten der Mutter (Gebärmutter) der Weiber, insonderheit soll er, im Tranck gegeben, die Nachgeburt gewaltig treiben, auch das Bauchgrimmen hinnemmen

Das magst du sieden oder braten.

Das magst du wissen, eines Arabers Eifersucht ist die Eifersucht selbst.
Persien

Das Mähen macht die Lenden krank, das Heurechen die Knochen krank.
Estland

Das Mahl des Herrn
i] Abendmahl
la] cena dominica

Das Maidlein hat Werg an der Kunkel.
z] So spricht man, so eines schellig ist und im unordentlichen Lieben der Buhler gefangen.

Das Majorat um ein Linsengericht geben.

Das Makura, das man geworfen hat, trifft keine Schuld.
i] Makura = Kopfstütze

Das Mal der Dichtung ist ein Kainsstempel!
F. Freiligrath, Gedichte, Bei Grabbes Tod

Das malet man jhm nicht in Schild.

Das man ein schack (schalk, nequam) vil unter dye panck stest, so ragen ym dye Fuße her fur.

Das man fern holet, ist das best.

Das man mir nicht gann (gönnt), dess war ich ein Mann.

Das man verhehlet, ist das best.

Das Management ist die schöpferischste aller Künste. Es ist die Kunst, Talente richtig einzusetzen.
McNamara

Das Mangelholz hängt ihm über (vor) der Tür (o. vor Küche und Keller).
i] Bezeichnung der Dürftigkeit.

Das mangelt ihm so wenig wie dem Hund die Flöhe.
fr] Je ne manque non plus de cela qu'un chien de puces.

Das Manierierte ist ein verfehltes Ideelle, ein subjektiviertes Ideelle, daher fehlt ihm das Geistreiche nicht leicht.
Goethe, Maximen und Reflexionen 508

Das Manneswert zählt.
Estland

Das Mannigfaltige
Lässt sich erlernen;
Das Urgewaltige
Kommt von den Sternen.
Geibel, Sprüche

Das männliche Geschlecht ist glücklicher und neidloser als das weibliche; weil jenes im Stande ist, zweierlei Schönheiten mit ganzer Seele zu fassen, männliche und weibliche; hingegen die Weiber lieben meistens nur die eines fremden Geschlechtes.
Jean Paul, Die unsichtbare Loge

Das männliche Glied
la] membrum virile

Das Männliche ist peripher, kämpfend, das Weibliche ist 'Dasein' in Dauer.
Oswald Spengler, Urfragen

Das Märchen der Stadt werden.
z] Dass ich das Märchen der Stadt geworden.

Das Märchen ist aus, da läuft eine Maus.
fr] Je jetai mon bonnet par dessus les moulins, et je ne sais plus ce qu'il devint.

Das Märchen ist der Anfang der Dichtung, die Mitte der Religion und das Ende der Philosophie.
Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Das Märchen von der Arbeit der Menschen auf Erden ist das interessanteste Märchen der Welt!
Gorki, Der Morgen

Das Mark aus etwas aussaugen.
fr] Tirer la mouelle des os.
la] Eruere medullam.

Das Marsfeld
la] campus Martius

Das martialische Polen, das wachsame Preußen, das witzige Niederland, das reiche Flandern, das niedliche England, das verliebte Frankreich, das herzhafte Schweizerland, das listige Savoyen, das verschmitzte Italien.

Das Martinsfest (10.11.) begehen.

Das Maß darf nicht größer sein als der Sack.
Estland

Das Maß der Menschlichkeit zeigt sich in der Härte gegen sich selbst und in der Unerbittlichkeit gegen die Unmenschlichkeit.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Maß der Poesie wächst entsprechend unserem Wissen. Je weniger Rätselhaftes es gibt, je mächtiger der menschliche Verstand ist, desto wirksamer umfaßt er die Poesie unserer Erde und gibt sie an andre weiter.
Paustowski, Die Geburt einer Erzählung

Das Maß der Unabhängigkeit gibt einem Staate seine Stellung in der Welt; es legt ihm zugleich die Notwendigkeit auf, alle inneren Verhältnisse zu dem Zweck einzurichten, sich zu behaupten. Dies ist sein oberstes Gesetz.
Leopold von Ranke, Politisches Gespräch

Das Maß des Schmerzes wächst mit der Anteilnahme des Herzens.
Ecbasis captivi in belehrender Gestalt (Nachtigall)

Das Maß ist die Tugend des Menschen, das Unmaß sein Laster.
Hermann Kasten, Die Abenteuer eines Moralisten

Das Maß ist ihm voll gemessen.
ho] Wij hebben hem de maat vol gemeten.

Das Maß ist voll
en] that's the limit
fr] la mesure est comble
it] la misura è colma

Das Maß sei so groß wie es ist, einmal wird es doch voll.
Estland

Das Maß überschreiten
en] to overshoot the mark
fr] dépasser les bornes
it] colmare la misura

Das Maß unseres Opfers ist das Maß unserer Liebe.
England

Das Maß, das der Kaiser gab, soll man nicht mehren.
[RSpW]
i] Bezieht sich auf die Höhe der Zölle, welche vom Reich festgesetzt war.
z] Man darf niemand höher drängen an seinem Gute, als es der Kaiser gesetzt hat.
i] Aber die Landesherren kehrten sich wenig an diese Bestimmung, sie taten, was ihnen gefiel, und die Zolleinnehmer machten es ebenso.
z] De mate dey die Keyser gegeven hefft, de en sall man nicht meheren.

Das Materielle an diesem Idealismus ist: dass er nicht die Absicht hat, die Menschen mit Idealen satt zu machen.
Ludwig Marcuse

Das materielle Leben allein kann die Menschen nicht befriedigen. Menschen, die nur an Konsum denken... ersticken eines Tages in ihm.
M. Wander, Das Schiff fahren lassen und in die Sonne schauen

Das Maul (nicht) in die Tasche stecken.
ndt] 'S Maul in Tascha stecka. Schwaben
i] Von seiner Zunge keinen oder einen nur sehr schüchternen Gebrauch machen; schweigen, wo man sprechen sollte. Die Redebetrüger und Schwätzer haben das Maul nicht in der Tasche.

Das Maul (weit) aufreißen

Das Maul anziehen.
i] Schweigen.

Das Maul aufsperren wie eine Seemöve.
i] Wer allzu hastig nach Beute schnappt, weil die Möve ein gieriger Vogel ist.

Das Maul auftun und deutsch reden.

Das Maul aufwerfen.
Luther
i] Über etwas unwillig sein, ein unfreundlich Gesicht machen, heimlichen Unwillen mit Murren bezeigen, auch wohl: Ekel vor etwas ausdrücken.
fr] Faire la grogne.

Das Maul beschmieren.
z] Er will allezeit das Maul beschmieren.

Das Maul bis zu den Ohren aufreißen.
z] Bald druf riss sie's Moal biss zu'n Uhren uf und ging ohne Gott danck ich dervaun, und doas argerte mich su sihr, doas mer de Golle boalde is an Magen getraten. Breslau

Das Maul bringt den Dieb an den Galgen.
i] Er verrät sich selber

Das Maul einer herumstreichenden Katze ist immer aufgesperrt.

Das Maul einziehen.
fr] Faire le petit bee.

Das Maul findet man alleine.

Das Maul findet man auch im Finstern.
i] Jeder kennt seine eigenen Interessen

Das Maul frisch aufthun.
Luther
i] Frei herausreden.

Das Maul gegen einen aufwerfen.
i] Mit ihm maulen, zürnen.
fr] Faire la lippe à quelqu'un.

Das Maul geht ihm den ganzen Tag als wenn's geschmiert wäre.

Das Maul geht ihm wie dem Bäcker (Seifensieder) der Arsch.
Ostpreußen

Das Maul geht ihm wie der Wasserstelze der Schwanz.

Das Maul geht ihm wie ein Spulrad (o. einer Pfeffermühle).

Das Maul geht ihr wie eine Windmühle.
Steiermark
i] Nicht wie eine Mahlmühle, sondern wie ein klapperndes Windrad auf einer Stange zum Vögelscheuchen.

Das Maul geht ihr wie 'ne Flachsbreche.

Das Maul geht mit ihm durch.

Das Maul hängen.
i] Schmollen; aus Bosheit, Eigensinn, Verstimmung nicht reden.
ndt] 'S Maul henga. Würzburg

Das Maul hat er immer voll, aber nichts im Bauch.

Das Maul hat mir schon lange danach gestunken (gewässert).

Das Maul in den Himmel stoßen.
i] Von Leuten, die alles tadeln, mit allem unzufrieden sind; die Sonnenschein haben wollen, wenn's regnet und Regen, wenn die Sonne scheint.
z] Der mit seim maul erreichen mag den Himmel und die stern all tag und straffen Gott in seinen zeichen. Jetzt hat er jn nit recht gethan, das er uns hie hat regen lan. Jetz ist's zu warm, denn ist's zu kalt und reden Gott in sein gewalt.

Das Maul in etwas (alles) hängen.
Henneberg
i] Unbefugt, ohne Beruf reden.

Das Maul ist das Beste an ihm.
fr] Il fait plus de bruit que d'effet.

Das Maul ist der Münzer.
i] Einfluss der Rede.

Das Maul ist des Leibes Henker und Arzt.

Das maul ist des leibs Henker und arzt.

Das Maul ist ein kleines Loch und verzehrt Haus und Hof.

Das maul ist ein lügner, der magen ist ein Schalk.

Das maul ist ein schalck, wann man ihm was gibt, so isst's.
ho] De mond is een schalk, biedt men hem wat, hij neemt het.

Das Maul ist ein teures Löchlein.
dä] En mund kostar meget aaret igienem.

Das Maul ist ein teures Tor.
la] Alvus homini plurimum negotii exhibet.

Das Maul ist ein Verräter.
ho] De kwakkelen verraden zich zelven door hunnen bek.

Das Maul ist eine Mühle, die selten steht.
ho] De mond is een gaande molen.

Das Maul ist ihm verschwollen.
i] Er kann oder will nicht reden.

Das Maul ist ihm verstopft wie dem Frosch nach Sankt-Jakobstag.

Das Maul ist ihr nicht zugefroren.
i] Sie weiß wohl zu reden, die Zunge ist ihr gelöst.
fr] Elle a, n'a pas le bec gelé.
fr] Il n'est pas estropié de la langue.

Das Maul ist leicht verbrannt.

Das Maul ist schnell gefüllt, aber langsam (o. schwer) das Auge.
ho] De mond ist haast gevuld.
tü] Açın karnı doyar gözü doymaz.

Das Maul ist wie der Gaul, beide haben einen Zaum vonnöten (o. nötig).

Das Maul kostet am meisten.

Das Maul lehrt Hände und Kopf viel Arbeit.

Das Maul lose und die Hände zuhause.

Das Maul macht die Küche warm.
i] Man kann durch Reden den Brotschrank füllen, aber auch die Küche kalt machen. Wer redet, wie es den Leuten angenehm ist, dessen Küche ist meist wohl versorgt.
it] Per la bocca si scalda il forno.

Das Maul mit Honig beschmieren.

Das Maul mit Würsten messen.
z] Der ist mehr dann einmal darbey gewesen, wann man einander dass Maul mit Würsten gemessen hat.

Das Maul muss nehmen, wenn es was bekommt.
bm] Kdyz nám, jen ham; nemám, hubĕ nedám.
wend] Dyz mam, da ham; dyz nimam, da tradam.

Das Maul muss sich nach dem Beutel richten.
fr] Gouverne ta bouche selon ta bourse.
sd] Man mäste ställa munnen efter matsäcken.

Das Maul nach der Taschen richten.

Das Maul nach etwas hängen (spitzen).
z] Da sich nun der von Navarra je länger je feindseliger zeigte, und das Maul nach dem König in Engelland hienge u.s.w.
i] Wohl mit demselben unterhandelte.

Das Maul nicht auftun dürfen.

Das Maul raten lassen.

Das Maul rennt mit ihm weg.

Das Maul spaziera laun.
i] Ohne Beruf, unbescheiden, von allem sprechen oder sich ohne Bedenken, ohne Maß und Ziel in alles mischen.

Das Maul spitzen.
fr] Faire le cû de poule.

Das Maul spricht oft: Freund, Gott grüße dich: aber das Herz meint: Freund, hüte dich.

Das Maul steht ihr (den ganzen Tag) nie still.
Nürtingen
fr] C'est un petit bec qui n'a pas la pepie.
fr] La langue lui fretille.

Das Maul stinkt ihm danach.
i] Hat eine Begierde nach irgendetwas, namentlich nach etwas schwer Erreichbarem.

Das Maul stinkt ihm nach Dreck.

Das maul trägt den Fuß hinweg.

Das Maul trägt die Füße (o. Beine).

Das Maul tut einer leichter auf als den Sack (o. Beutel).

Das Maul tut ihm nicht wehe.
z] Redt einer allzuviel, so heisst's: ihm tut das Maul gewisslich keinmal wehe; es läuft ein starcker Gaul nicht so geschwinde fort, als dessen Klappermühle, die so geläufig ist.

Das Maul tut weh - indessen
Der Bauch will essen.
Russland

Das Maul über sich werfen.
i] Das Kinn aufheben, ein Herz fassen, auch wohl: die Nase höher tragen.
fr] Lever (secouer) le menton.

Das Maul umsonst waschen.

Das Maul voll nehmen kann jeder.

Das Maul wässert ihm danach.
i] Er empfindet eine große Begierde danach.
z] Und wässerte ihnen das Maul nach der Herrschaft.
z] Einer von den Suppenfressern, dems maul nach gelt auch grund zu Wässern.
dä] Det kløer hans næse efter.
dä] Han slikker sine fingre efter det.
dä] Hans tænder løbe i vand der efter.
ho] Zijn mond watert er van.

Das Maul wischen und davon gehen.
i] Von denen, die etwas gethan haben, es aber leugnen und sich stellen, als hätten sie es nicht gethan. Auch etwas von jemandem genießen und, ohne dafür zu danken, fortgehen.

Das Maul zrinnt (zerrinnt) ihm.
Österreich
i] Er sperrt das Maul vor Erstaunen auf.

Das Maul zu weit auftun.
i] Zu freimütig sein.

Das Maul zur (Lügen-)Taschen machen.

Das Maulfüllen gehet für.
z] Ist das Thun bei dir im Brauch allein, ist nicht Maulfüllen auch dabei?

Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg...
Goethe, Mignon

Das Maulttier ist ein gut Maultier, aber eine schlimme Bestie.
Venetien

Das Mäuslein hat's genommen.
i] So sagt man in der Schweiz, wenn man etwas verlegt oder verloren hat.

Das Meer an den Regenbogen hängen wollen.

Das Meer ausschöpfen (ausbrennen, austrinken, austrocknen, ausmessen) wollen.
Jos. 40, 12
i] Unmögliches versuchen. Auch von einer langwierigen Arbeit, von einem Geschäft, dessen Ende man nicht sieht.
fr] C'est la mere à boire.
la] Exurere mare.
la] Mare exhaurire.
la] Mare hemina emetiri.

Das Meer besteht (nur) aus Tropfen.

Das Meer Buddha hat keine Küsten.
China

Das Meer erschöpft sich nie.

Das Meer flutet imme
Das Land behält es nimmer.
Goethe, Divan. Buch der Sprüche

Das Meer gebietet dem Meer. Wenn man sich die Quellen des Ozeans dichten wollte, so müsste man sie so darstellen [bei Betrachtung des Rheinfalls zu Schaffhausen].
Goethe, Tagebuch, 18.9.1797

Das Meer gibt, das Meer nimmt, das Meer beerdigt auch den Mann.
Estland

Das Meer grämt sich nicht um die Fische.
Russland

Das Meer hat Augen, der Wald Ohren.
Estland

Das Meer hat hundert Herzen.
Estland

Das Meer hat keine Balken.
it] Il mare non ha travi.

Das Meer hat keinen Grund, und das Leiden der Juden kein Ufer.
Jiddisch

Das Meer hätte gern wieder Feigen.

Das Meer hört, der Wald sieht.
Estland

Das Meer in Ravenna suchen.
i] Etwas am unrechten Orte suchen. Ravenna war nämlich zur Gothenzeit noch ein Hafenplatz am Adriatischen Meer, ist aber durch allmähliche Versumpfung und Anschwemmung jetzt dem Meer weit entrückt und Binnenstadt.
it] Cercare Maria per Ravenna.

Das Meer ist breiter denn der See und dazu bitter.

Das Meer ist doch ein großer Anblick!
Goethe, Italienische Reise I, 8.10.1786

Das Meer ist eine böse Herberge.

Das Meer ist eine Zone der Selbstgespräche, die nichts bezwecken, als sich Fragen und Antworten zuzuwerfen, sie hinwegzuspülen, sie zu erneuern und so der Größe es Himmels ein Beispiel zu geben.
Fliegende Blätter

Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit, des Nichts und des Todes, ein metaphysischer Traum.
Thomas Mann, Lübeck als geistige Lebensform

Das Meer ist nicht so gefährlich, als Mädchen sind begehrlich.
fr] La mer n'est si dangereuse que les filles sont trompeuses.

Das Meer ist nicht still, wenn der Wind stürmt.
mhd] Dat mêr is niht stille als it stormet van winde.
la] Non mare tranquillum, dum tempestale movetur.

Das Meer ist ohne Ufer und der Yang-Tse-Kyang ohne Grund.

Das Meer ist wohl groß und weit, die Schiffe treffen sich doch.
Estland

Das Meer klagt, dass es ihm an Wasser fehle.
i] Die Araber nennen übrigens die Sahara das Meer ohne Wasser.
en] The sea complains it wants water.

Das Meer lehrt beten.

Das Meer mit einem Schwamm austrocknen.
i] Das Unmögliche versuchen.

Das Meer nennt den Nil seinen Bruder, der Sumpf aber hadert mit dem Nil.
Abessinien

Das Meer nimmt alle Flüsse auf und dennoch wird es nicht voller.
dä] Alle vande løbe til havet, dog bliver det ei fuldere.

Das Meer pflügen.
i] Von unfruchtbarer Tätigkeit.
la] Litus arare. In litus arenas fundere. Ovid

Das Meer reibt den jungen Mann, das Rasenpflügen den jungen Ochsen auf.
Estland

Das Meer sagt: Wenn ich etwas an mich nehme, wird man es nicht wiedersehen, denn ich bin groß.
Jabo, Afrika

Das Meer schließt sich auch über dem Heiligen, wenn er hineinfällt.

Das Meer sinkt nicht, wenn der Hund am Rande leckt.
Estland

Das Meer treibt nicht alle Tage (Jahre) einen Wal ans Land.

Das Meer treibt seine Wellen gegen das Ufer.
Russland

Das Meer trinkt jahraus jahrein süß Wasser und bleibt salzig.
dä] Havet sluger det färske vand i sig, og giver det salte fra sig.

Das Meer tut den Schiffen nichts, die fest vor Anker liegen.

Das Meer und der Wind gerieten aneinander, die Versöhnung fiel den Schiffern zu.

Das Meer verlassen und den Bach suchen.
Russland

Das Meer verschlingt Weise wie Narren.

Das Meer verweigert sich keinem Flusse.
England

Das Meer wartet nicht auf einen Mann mit einer Schiffsladung.
Irland

Das Meer weist keinen Fluss zurück.

Das Meer winkt dem Deich, aber der Deich nicht dem Meere.
Russland

Das Meer wird schon den Mann machen (= erziehen).
Estland

Das Meer wird vom Winde, das Volk vom Gerede bewegt.

Das Meer wird von einem Steinwurf nicht trübe.

Das Meer wirft großen Unrat aus.

Das Meer wirft mehr Schaum aus als Sand und mehr Sand als Bernstein.
Estland

Das Meer würde ausgeschöpft werden können, wenn es keinen Zufluss hätte.
Palmblätter

Das Meer wurde zu Honig, doch dem Armen fehlte der Löffel.
tü] Deniz bal olmuş, fukara kaşık bulamamış.

Das Meer, das Feuer, die Frau: drei Übel.
Neugriechisch

Das Meeresufer umpflügen.
i] Auf etwas Nutz- oder Fruchtloses unendliche Mühe verwenden. Wenn man dem Gefälligkeiten, Wohltaten erweist, bei dem nie Anerkennung zu hoffen ist.

Das Mehl (kaufe) beim Müller, das Brot beim Bäcker.

Das Mehl aus dem Sack schütten und Asche dafür einraffen.

Das Mehl des Satans gibt schlechtes Brot.

Das Mehl des Teufels verwandelt sich in Grüsche (Kleie).
fr] La farine du diable s'en va moitié en son.
ho] Het meel van den duivel gaat heel in gruis weg.
ital.-schweiz] La farina dal diaul la va in crüsca.

Das Mehl des Teufels wird zur Kleie.

Das Mehl gegen den Wind beuteln, ist Narrheit.

Das Mehl hat er gegeben, aber Kuchen hat er nicht erhalten.

Das Mehl im Maul behalten und mummum sagen.

Das Mehl ist des, der die Brote daraus bäckt.

Das Mehl ist gut, aber der Sack taugt nichts.
i] Papst Clemens brauchte dies Wort in Bezug auf den gewandten Juristen Farinarius, auf dessen Namen es eine Anspielung ist. Derselbe besaß eine tiefe Kenntnis des geistlichen und weltlichen Rechts, und strafte als Advokat und päpstlicher Fiskal mit unerbittlicher Strenge, sündigte aber selbst auf die sträflichste Weise

Das Mehl ist noch nicht gemessen, wovon er das Brot soll essen.

Das Mehl vom Teufel geht gemeiniglich in Graus.

Das Mehl von Peschawer ist nicht ohne Beimischung von Gerste, und die Frauen von Kabul haben keinen Mangel an Freunden.
Persien
i] Die Einwohner der Stadt Kabul sind teils Perser (Schiiten), teils Afghanen (Sunniten). Die Frauen der letzteren haben, nach dem Beispiel ihrer betrügerischen und unmäßigem Trunk ergebenen Männer, ebenfalls den Weg der Tugend nicht gewählt und leben in anderer Weise, wie das Sprichwort andeutet, ausschweifend.
dä] Intet meel er saa fiint, som jo har sander, eller viin saa klar, som jo haar bærme, eller træ saa godt, som jo har knort.

Das Mehr gilt.
i] Wer seine Meinung als die Meinung der Mehrzahl geltend machen will. Weil bei Abstimmungen die meisten Stimmen beschließen oder zum Gesetz erheben.
fr] Le plus enporte le moins.
la] Livius: Pars, inquit, major meliorem vicit.
la] Plinius (in epistolis queritur): numerosas sententias non expendi.
la] Plurima vota valent.
la] Plurium calculus vincit.

Das Mehrheitprinzip ersetzt den Bürgerkrieg durch friedliche Mittel.
Fliegende Blätter

Das Meidlin hat Werch an der Kunkel.
i] Von Mädchen, die Liebesgedanken im Kopfe haben.
z] So spricht man, so eines schellig ist und in unordentlicher Liebe der Buhler gefangen.

Das Meidlin im Hûs han und des nicht müßig gahn.
i] Meidlin ist die schwäbische Form für Mädchen. Weitere: Danach sagt man rheinfränkisch: es Mädche (Mehrzahl die Mädcher), niederrheinisch: Mädches, niederdeutsch: 't Mäken, schwäbisch-fränkisch: 's Madla, Mädel, Mädle; thüringisch: 's Mädl, allemannisch-schweizerisch: 's Maidli oder Maidschi, bairisch-österreichisch: 's Madl oder Dirndl, in Tirol: Gitsche.

Das Mein und Dein ist alles Zankes Ursprung.
la] Verba meum atque tuum sunt omnis semina belli.
la] Vis, ne sit bellum, tolle meum atque tuum.

Das Mein und Dein lässt nichts gemein.
bm] Co mého, to vrat', a se svým jak chces.

Das mein und dein macht alle freundt unrein.

Das Meininger Rütli.
i] So nennt man im Meiningenschen, namentlich auf dem Friedhofe des Dorfes Solz, die Stätte, wo die Gattin des dortigen Pastors Magister Heim beerdigt ist, der bei einem Einkommen von 300 Talern sechs Söhne hat studieren lassen, worunter der berühmte Berliner Arzt. An jener Stätte, über dem Grabe ihrer Mutter, schwuren nämlich am 5. Sept. 1775 die sechs Söhne feierlich, einander bis zum Tode zu lieben und dadurch ihre Eltern zu ehren.

Das meiste auf der Welt geht von selbst, der Erfolg lässt oft ganz törichtes Verhalten berechtigt erscheinen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das meiste Leid kommt daher, dass sich so wenige Menschen auf das Vergessen und das Vergessenwerden einrichten.
Weisenborn, Memorial

Das Meiste nimmt das Mindeste weg.
i] Beim Widerstreit der Rechte hebt das größere das geringere auf.
ndt] Dat meiste dempet dat mynneste. Bremen

Das meiste rede mit dir selbst.

Das Meiste und Beste, was wir haben, hängt von anderen ab. Wir müssen entweder unter Freunden oder unter Feinden leben.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das meiste Unheil in der Welt hat die Schönheit gestiftet, ob sie gleich das Glück oder vielmehr die Wollust einzelner mag befördert haben.
Lichtenberg, Aphorismen

Das meiste Unheil richtet Leichtgläubigkeit an.
Lucius Annaeus Seneca, Über den Zorn

Das Melancholische, Dichterische p. p. in der Liebe ist eigentlich eine eigne Form von Anschauung des Genusses...
Lichtenberg, Aphorismen

Das Menschenauge kann von der Wirklichkeit nur erfassen, was seiner Aufnahmefähigkeit entspricht.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Menschenerlebnis ist etwas so grandios Herrliches, dass ich immer schwer von meinem Entzücken in die Wirklichkeit zurückfinden kann.
Alma Mahler-Werfel, Mein Leben

Das Menschengeschlecht befindet sich im besten Zustande, wenn es möglichst frei ist.
Dante Alighieri, Über die Monarchie

Das Menschengeschlecht ist bestimmt, Erleuchtetes zu sehen, nicht das Licht.
Goethe, An Dora

Das Menschengeschlecht kann ohne Freiheit nicht glücklich sein, diese politische Freiheit aber ist auf die Freiheit des Urteils begründet.
Dante, Über die Monarchie

Das Menschengeschlecht wird nicht vergehen, bis dass alles geschehe! Bis der Genius der Erleuchtung die Erde durchzogen!
Johann Gottfried Herder, Journal meiner Reise im Jahr 1769

Das Menschengeschlecht wird vom Schicksal beherrscht.
la] Regitur fatis mortale genus.

Das Menschengeschlecht zittert vor dem Gespenst des Aberglaubens nur deshalb, weil seine unwissenden, vom Blendwerk der Apstel des Betrugs verführten Stammväter ihm ihre Schauder und ihre Vorurteile weitergegeben haben.
Du Marsais/D'Holbach, Essay über die Vorurteile

Das Menschengeschlecht, von Natur aus schlecht, ist durch die Gesellschaft noch schlechter geworden.
Chamfort, Maximen und Gedanken

Das Menschenherz ist ein unergründlicher Born der Traurigkeit: Nur ein einziges Glück wohnt darin, vielleicht noch ein zweites, aber der Menschheit ganzer Jammer vermag dort zusammenzutreffen und als steter Gast darin zu hausen.
Gustave Flaubert, November

Das Menschenkind hat rohe Milch getrunken.
i] Jeder Mensch ist nur ein Mensch
tü] İnsanoğlu çiğ süt emmiş.

Das Menschenleben hat seine Gesetze, man muss sich ihnen mit freundlichem Gesicht fügen: Es ist uns bestimmt, zu altern und manchmal schwach oder krank zu werden, und zwar aller Ärztekunst zum Trotz.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Menschenleben hat Tage wie die Zeit, außerhalb der es wächst, ein Weltwunder.
Hermann Stehr, Der Heiligenhof

Das Menschenleben ist bunt wie die Bohnenblüte.

Das Menschenleben ist ein langer Marsch mit einer drückenden Last auf dem Rücken.
var] Das menschliche Leben gleicht einem langen Wege, auf dem man eine schwere Last zu tragen hat.

Das Menschenleben ist eine fortgehende Schule. Der Staatsmann wie der Bauer muss jeden Morgen die Erfahrungen von gestern sammeln, das Verbrauchte umwenden und erneuern; unsere Seele muss, wenn sie nicht verkommen will, jeden Tag ihre Wäsche wechseln.
Gottfried Keller, Über Jeremias Gotthelf

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ITALIENISCH
1 2 3 4


LATEINISCH
1 2 3 4


PORTUGIESISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20


SPANISCH
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