Weisheiten 68


Das Menschenleben ist eine Pilgerfahrt.
la] Vita hominis peregrinatio.

Das Menschenleben ist eine ständige Schule.
Gottfried Keller

Das Menschenleben ist seltsam eingerichtet: Nach den Jahren der Last hat man die Last der Jahre.
Alfred Polgar

Das Menschenpack fürchtet sich vor nichts mehr als vor dem Verstande, vor der Dummheit sollten sie sich fürchten, wenn sie begriffen, was fürchterlich ist, aber jener ist unbequem, und man muss ihn beiseite schaffen, diese ist nur verderblich, und das kann man abwarten.
Goethe, Lehrjahre VII,3

Das menschlich Höchste für den Menschen ist nach der Religion die Kunst, die ja in allen ihren Zweigen auch der Religion dient. Selbst das Landschaftsbild ist als Bild eines göttlichen Werkes religiös, und es wird desto mehr und desto schöner, je tiefer es göttliches Walten darzustellen imstande ist.
Adalbert Stifter, Die oberösterreichische Kunstausstellung (1863)

Das Menschliche aber ist das sich Ordnende, Einfache und dringt aus dem Unverständlichen durch zum Verständlichen. Macht das Rätselhafte zum Begreifbaren.
Johannes R. Becher, Abschied

Das menschliche Dasein ist zu traurig ohne Gottesglaube.
Carl Hilty, Neue Briefe

Das menschliche Denken ist... seiner Natur nach fähig, uns die absolute Wahrheit, die sich aus der Summe der relativen Wahrheiten zusammensetzt, zu vermitteln, und es tut dies auch.
Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus

Das menschliche Denken wird sinnlos, wenn es kein bestimmtes Ziel hat.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das menschliche Elend wird in dem Maß abstrakt, als es sich von uns entfernt.
André Gide, So sei es

Das menschliche Geschlecht ist erst der Mensch.
L. Schefer, Laienbrevier, Mai

Das menschliche Gewissen kann von sehr fragwürdiger Nahrung leben. Ein Mensch, der sich mit der sorgfältigsten Ausführung einer schwierigen Sache befaßt, verliert seine Selbstachtung niemals. Der Ausreißer, der Pfuscher, der Simulant, der Feigling, der Schwächling, alle die können über ihrem eigenen Missgeschick und ihren Betrügereien die Fassung verlieren, aber der Mensch, der das Böse geschickt, energisch, meisterhaft vollbringt, wird nach jedem Verbrechen stolzer und kühner.
Shaw, Der Arzt am Scheidewege, Vorrede über Ärzte

Das menschliche Herz ist ein ungeheures Labyrinth voll anziehender und abstoßender Gefühle...
Weitling, Das Evangelium des armen Sünders

Das menschliche Herz weidet sich gern an den eigenen Vorzügen oder an der Schlechtigkeit der andern; und wer... nicht hoffen kann, es andern in Tugend gleichzutun, strebt danach, ihnen gleich zu werden, indem er sie von ihrer Höhe herabzureißen trachtet.
Francis Bacon (1561-1626), Über den Neid

Das Menschliche ist unsere letzte Entschuldigung, unsere erste Rechtfertigung sollte es sein.
Martin Kessel

Das menschliche Leben beginnt jenseits der Verzweiflung.
Jean-Paul Sartre, Die Fliegen

Das menschliche Leben gleicht einem langen Wege, auf dem man eine schwere Last zu tragen hat.

Das menschliche Leben ist ein Ei in der Hand eines Kindes.
Rumänien

Das menschliche Leben ist ein Kampf von Anfang bis Ende. Wir alle werden unter Umständen voll Kummer und Schmerzen in dieses elende Leben geboren.
August Strindberg, Der Sohn der Magd

Das menschliche Leben muss schön sein, ein Mensch muss für das Schöne leben.
Gladkow, Das Birkenwäldchen

Das menschliche Leben, soweit wir es kennen, ist eine Welle, die völlig in Glanz und Freude gehüllt ist.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1884)

Das menschliche Wesen ist ebenso leicht der Menschenfresserei fähig wie der Kritik der reinen Vernunft, es kann mit den gleichen Überzeugungen und Eigenschaften beides schaffen, wenn die Umstände danach sind, und sehr großen äußeren Unterschieden entsprechen dabei sehr kleine innere.
Robert Musil

Das menschlichste Geschäft ist, Menschen zu erziehen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache, und wir haben sie, um zu sprechen.
Fontane, Unwiederbringlich

Das mentale Gebet, das alle Religionen einschließt und ausschließt und nur bei wenigen, gottbegünstigten Menschen den ganzen Lebenswandel durchdringt, entwickelt sich bei den meisten nur als flammendes, beseligendes Gefühl des Augenblicks, nach dessen Verschwinden sogleich der sich selbst zurückgegebene, unbefriedigte, unbeschäftigte Mensch in die unendlichste Langeweile zurückfällt.
Goethe, Divan, Noten und Abhandlungen - Ältere Perser

Das merk dir zum Latein.

Das merke gut, wenn du trinkst, vertrink' nicht frohen Mut.

Das merke ich, erwiderte der Gast, indem er den Gänsbraten beroch, als der Wirt sagte, er lobe sich selbst.

Das Merkmal einer echten Gaunerei ist, dass der Gesellschaft auf eine unmoralische Weise eine moralische Lehre erteilt wird.
Peter Bamm, Anarchie der Liebe

Das Merkmal eines kleinen Menschen ist, dass er hochmütig wird, wenn er merkt, dass man ihn braucht.
Fliegende Blätter

Das Merkmal geistiger Mittelmäßigkeit ist die Sucht, immer etwas zu erzählen.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Das merkt a Pfard und hot 'n klên'n Kupp.

Das merkt ein Kind.
la] Et puero perspicuum. Hoc et puero notum.

Das merkt ein Schaf.
ho] Dat kan een schaap wel merken.

Das Merkwürdige an den Statussymbolen ist, dass die Symbole den Menschen wichtiger sind als der Status.
Parkinson

Das Messer beim Heft haben.

Das Messer darf wohl den Bart nehmen, aber nicht das Kinn.

Das Messer der Verwandten ist stumpf.
Ägypten

Das Messer im Ferkel stecken lassen.
i] Eine Arbeit unvollendet lassen.

Das Messer in der Scheide, auch das. geht weg.
Estland
i] In der Not gibt man alles her

Das Messer is so scharf, ma könnte druffe uf Rom reiten.
dä] Det er en kniv, som ei kand bide paa en pung.

Das Messer is starch, es schnîdt's kalt Wasser bis uf de Grund.
i] Ironisch von einem sehr stumpfen Messer.
en] 'T is a good knive, it will cut butter when 't is melted.

Das Messer ist bis auf den Knochen gegangen.
i] Die Wunde ist bedeutend tief.

Das Messer ist des Schweines, der Junge des Mädchens Mörder.
Estland

Das Messer ist nicht des Kindes Spielzeug.
Estland

Das Messer ist so scharf, dass man darauf bis Paris reiten könnt und thät kein Wolf kriege.
Ulm

Das Messer kennt seinen Herrn nicht.
Kongogebiet

Das Messer kommt nicht aus der Scheide.
fr] Ce cousteau ne vient pas de ceste gaine.

Das Messer macht den Koch nicht.

Das Messer nach der Schneide, das Schiff nach dem Wasser.
ho] Neem't mes naar de scheê, en't schip naar de zee.

Das Messer neben die Scheide stecken.

Das Messer noch tiefer in die Buttermilch stecken.
z] Ich will ihm zu verdrieß und zu leid (spricht mancher verlorene Sohn) ein Bankett halten und das Messer noch tiefer in die Buttermilch stecken.

Das Messer sammt der Scheide.
ho] Daar is het mes met de scheede.

Das Messer schneidet das Wasser bis auf den Boden.

Das Messer sitzt (steht) ihm an der Kehle (Gurgel).
i] Ist in großer Gefahr. In dem Sinne: Er ist auf den Hund gekommen. Es geht mit ihm auf die Neige. Er pfeift auf dem letzten Loche. Es ist mit ihm Matthäi am letzten.
fr] Il a les pieds sur la braise. Il danse sur la corde. Il est aux abois, au bout de ses flûtes, près de ses pièces. Il est bas percé. Il ne bat plus que d'une aile. Il ne sait plus sur quel pied (corde) danser, de quel bois faire flèche, où donner de la tête. On lui a mis le couteau sur la gorge.
la] Ensis haeret jugulo. Ovid
la] Sita est res in cuspide ferri.

Das Messer zerstört die Scheide.
fr] La lame use le fourreau.

Das Messer, das dein Brot schneidet, kann dir auch den Hals abschneiden.
Surinam
i] Etwas kann zum Guten und Schlimmen ausschlagen; es kommt alles auf Zeit und Umstände an. Der beste Freund kann der gefährlichste Feind werden.

Das Messer, so er gewetzt, hat ihm selbst die Gurgel abgeschnitten.

Das Messer, was sie gewetzt, ist in ihre eigene Kehle gegangen.

Das Messgewand an den Nagel hängen.
i] Aus dem geistlichen Stande treten.

Das Metaphysische der Naturlehre bleibt dein Philosophen anheimgestellt, wie hoch und tief er anfangen, wie weit herab und herauf er gehen will, bleibe ihm überlassen.
Goethe, Aphorismen und Fragmente - Philosophie

Das methodische Geschwätz der hohen Schulen ist oftmals nur ein Einverständnis, durch veränderliche Wortbedeutungen einer schwer zu lösenden Frage auszuweichen, weil das bequeme und mehrenteils vernünftige 'Ich weiß nicht' auf Akademien nicht leichtlich gehöret wird.
Immanuel Kant, Träume eines Geistersehers

Das milchmaul trägt die windeln noch um den bauch.

Das Minarett ist umgestürzt, hängt den Barbier auf!
Maurisch

Das mindere (schwache) Geschlecht
la] sexus sequior

Das mir's Herze im Leibe lachte.
i] Bezeichnung großer, oft verborgen gehaltener Freude

Das Misere singen.
z] Die Handwerks-Leute das Misere sangen und am Hungertuche nagten.

Das Missgeschick beginnt immer nach Mitternacht.
it] I guai cominciano sempre dopo la mezzanotte.

Das Misslingen des Brotes ist einer Woche Schaden, die missernte - eines Jahres Schaden, das misslingen der Heirat ist ein lebenslanger Schaden.
Estland

Das Misstrauen gegen den Geist ist Misstrauen gegen den Menschen selbst, ist Mangel an Selbstvertrauen.
Heinrich Mann, Geist und Tat

Das Misstrauen ist die erste Pflicht jedes Gesetzgebers. Gesetze sind ja nicht gemacht gegen die Guten, sondern gegen die Schlechten, und je mehr Schlechtigkeit ein Gesetz bei seinem Adressaten voraussetzt, um so besser ist es selbst.
Radbruch

Das Misstrauen ist die Mutter der Sicherheit.

Das Misstrauen ist eine der giftigsten Schattenpflanzen des politischen Exils.
Franz Werfel, Die wahre Geschichte vom wiederhergestellten Kreuz

Das Misstrauen ruft die Täuschung herbei.

Das Misstraun ist die schwarze Sucht der Seele,
Und alles, auch das Schuldlosreine, zieht
Fürs kranke Aug' die Pracht der Hölle an.
Kleist, Die Familie Schroffenstein, I, 2 (Silvester)

Das Missverhältnis zwischen einer Idee und den Menschen, die diese Idee verwirklichen sollen, ist in jedem Falle größer als das zwischen den Menschen, die für diese Idee sterben und denen, die sie verraten.
Arthur Schnitzler, Aphorismen und Betrachtungen

Das Missverständnis ist die diplomatische Form der Ausrede.
Lothar Schmidt

Das Misten hilft nur, wenn das Säen hinzukommt.
Russland

Das mit Bitten gekriegt ist, stehet dürr genug.
fr] Acheter est meilleur marché que demander.

Das mit Lüge Verdiente ist Diebstahl.
Estland

Das Mitleben ist doch ganz was anders, jedes wahre Verhältnis und missverhältnis spricht sich sogleich aus.
Goethe, Italienische Reise I, 18

Das Mitleid der Reichen ist wie der Tau, der vom ersten Strahl der Sonne aufgesogen wird.
Russland
it] Spesso finta pietà, è vera invidia.

Das Mitleid des Henkers liegt im sicheren Hieb.
Ernst Jünger

Das Mitleid des Mannes enthält keine Milch.
i] Er kann dem Baby nicht helfen) Kikuju (Kenia)

Das Mitleid eines Ausländers ist wie der Schatten eines Dorns.
Rumänien

Das Mitleid füllt den Magen nicht aus.
Oberitalien

Das Mitleid hat ein sonderbares Tastgefühl und heiligt alles, was es berührt: aber es hat auch ausgestochene Augen. Es ist oft unwillkürlich egoistisch, paradox und haltlos.
Henri Barbusse (1873-1935), Der Schimmer im Abgrund

Das Mitleid ist die letzte Weihe der Liebe, vielleicht die Liebe selbst.
Heine, Italien, III: Die Stadt Lucca

Das Mitspracherecht des Schauspielers ist der Text.
Fritz Kortner

Das Mittel des Dramas ist der erregte Mensch als Träger der ausdrucksvollen Gebärde und des erregenden Wortes.
Arnold Zweig, Versuch über Kleist

Das Mittel gegen die Furcht: das gute Gewissen.
Bias

Das Mittel halten (oder treffen) ist schwer und nicht einem jeden gegeben.

Das Mittel ist der Tugend Straße.

Das Mittel ist oft schlimmer als die Krankheit.
dä] De beste middel undertiden er at bruge intet middel.
fr] Le remède est pire que le mal.
en] The cure is worse than the evil.

Das mittel triff, dan alle spil verderbt zu wenig oder zuil.
la] Omne nocet nimium, mediocriter omne gerendum.

Das Mittel zwischen Sein und Nichtsein ist etwas zu werden.

Das Mittelalter hat sich ganz aus dem Rohen entwickelt. Über die alte Zivilisation, die alte Philosophie, Politik und Jurisprudenz hatte es reinen Tisch gemacht, um in allem wieder von vorn anzufangen. Das einzige, das es aus der untergegangenen alten Welt übernommen hatte, war das Christentum und eine Anzahl halbzerstörter, ihrer ganzen Zivilisation entkleideter Städte.
Engels, Der deutsche Bauernkrieg

Das Mittelmaß ist gut dem Alter wie der Jugend,
Nur Mittelmäßigkeit allein ist keine Tuend.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Das Mittelmaß ist in allen Dingen das beste.
la] Mediocritas in omni re est optima.
Wahlspruch der Stadt Lübeck

Das Mittelmäßige nur ist des Guten Feind,
Das Schlechte nicht, weil Schlecht und Gut sich nicht vereint.
Das Schlechte lässt sich nie dem Guten ähnlich drechseln,
Sie sehn sich gar nicht gleich und sind nicht zu verwechseln.
Das Mittelmäßige dagegen, weil es zwischen
Gutem und Schlechtem liegt, droht beides zu vermischen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Das mittelmäßige und schlechte Buch ist es eben dadurch, dass es vielen zu gefallen sucht und auch gefällt.
Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches

Das mittelste Pferd muss den Wagen ziehen.
ho] Het middelste paard moet den wagen trekken.

Das mittlere Alter ist nicht der Anfang vom Ende, sondern das Ende vom Anfang.
Erich Butterworth, How to avoid Middle-Age Letdown

Das mittlere Talent ist freilich immer in der Zeit befangen und muss sich aus denjenigen Elementen nähren, die in ihr liegen.
Goethe, Eckermann, 21.1.1827

Das mittlere Wirken der Weltgenese sehen wir leidlich klar und vertragen uns ziemlich darüber; Anfang und Ende dagegen, jenen in den Granit, dieses in den Basalt gesetzt, werden uns ewig problematisch bleiben.
Goethe, Geologie und Mineralogie - Fragmentarisches - Hervortreten des Unterschiedlichen

Das möcht ein Bauern verdrießen.
i] Ist sehr verdrießlich. Auf den Bauer wird hier mit Verachtung hingewiesen, weil derselbe im Mittelalter wenig galt. Was einen Bauern verdrießt, muss äußerst verdrießlich sein, da er an Verdruss und Schweiß gewöhnt ist

Das möcht' einen Heiden erbarmen.

Das möcht' ich nicht in meinen Schuhen haben, viel weniger in meinem Leibe.
i] In Bezug auf schlechtes Getränk u. dgl.
ho] Ik will het nog niet eens in mijn laarzen (schoenen) hebben, laat staan in mijn lijf.

Das möchte (wollte) ich sehen, sagte der Blinde.
en] Tat would I fain see, said blind George of Hollowee.

Das möchte den Teufel verdrießen.
ho] Dat mag den drommel verdrieten.

Das möchte einen Stein erbarmen.
i] Auch die unempfindlichsten Herzen könnte es zum Mitleid bewegen. Wahrscheinlich von den steinernen Heiligenbildern, die von dem Flehen der Gläubigen oft bis zu Tränen gerührt wurden. So gab dem heiligen Bernhard ein steinernes Muttergottesbild die süßeste Jungfermilch stromweis aus ihren Brüsten zu kosten. Der Abt Benedict Knittel von Schönburg, der Vater unserer Knittelverse, hat das Wunder durch folgende Verse am Eingange der Kirche jenes Klosters verewigt: 'Salve, o Bernarde, pie, Jesu lactans et Mariae'.
la] Adamanta movet. Ovid

Das möchte ich duzen.
Breslau

Das möchte ich nicht in meine Stiefeln gießen.
ho] Ik will het nog niet eens in mijne laarzen hebben, last staan in mijn lijf.

Das möge der Jude Apella glauben.
la] Credat Judaeus Apella.
Horaz, Satiren I, 5, 100

Das mögen die Götter wissen.

Das Mögliche soll der Entschluss
Beherzt sogleich beim Schopfe fassen:
Er will es dann nicht fahren lassen
Und wirket weiter, weil er muss.
Goethe, Faust - Vorspiel auf dem Theater (Direktor) Vs 223

Das mögst dü schon verbrennen mit'm Chumetz (gesäuertes Brot).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Die Redensart wird in Bezug auf unbrauchbare Sachen gebraucht, und bezieht sich darauf, dass am Vorabend des Osterfestes alles Gesäuerte sorgfältig im Hause aufgesucht und verbrannt wird.

Das Mönchskleid macht keinen Klostergeistlichen.

Das Möndchen hat 'nen Brunnen.
Tschechien
i] Wenn der Mond einen Ring hat, will es regnen

Das Moor verdorrt, es schwelt im Feuer der Himmel,
Es fällt der Mond, der Erdkreis brennt.
Das Muspilli (um 860)

Das Moos abmähen.
i] Wenn man gegen etwas Zartes und Unreifes zu hart verfährt oder den Nutzen vor der Zeit haben will. Von denen, die, sobald nur das Gras anfängt Spitzen zu treiben, es abmähen, ohne es die gehörige Größe erlangen zu lassen.

Das Moos ist der Stube Wärme, der Lehm des Ofens Stärke.
Estland

Das Mooslied singen.
z] 'S Moosg'sang, ein Lied, das die alten Jungfrauen schildert.

Das Möpslein fällt dem Doggen in die Beine.

Das moralische Element kommt im Frieden seltener zur Geltung, im Kriege bildet es die Bedingung jeglichen Erfolges, den wahren Wert der Truppe
Helmuth Graf von Moltke

Das moralische Gewitter in einem außerordentlichen Menschen wirkt vielleicht elektrisch auf junge, noch nicht abgestumpfte Gemüter, die ihm nahen, wie das materielle Gewitter auf Katzen wirkt.
Heine, Ludwig Börne, 1. Buch

Das Moralische versteht sich immer von selbst.
Fr. Th. Vischer, Auch Einer

Das Morgen ist jeweils schlechter als das Heute (d. h. es kommt selten etwas Besseres nach).
la] Cotidie est deterior posterior dies.

Das Morgen ist Schüler des Heute.
vgl] Ein Tag lehrt den anderen.
la] Discipulus est prioris posterior dies.

Das Morgengebet öffnet das Fenster unserer Seelen, das Abendgebet versperrt die Tür vor den höllischen Geistern.

Das Morgenrot dämmert, das Schwein (o. der Hagestolz) treibt sich umher.
Estland

Das Morgenrot draußen, ein Sack am Hals, (ist es) draußen hell, eine Furche hinten, (ist es) draußen dunkel, die Peitsche in der Hand.
Estland

Das Morgenrot preisen und die Sonne unbesungen lassen.
Russland

Das morsche Rad bricht zuerst.
en] The worst spoke in a cart breaks first.

Das Moschustier vergisst das Netz, aber das Netz vergisst nicht das Moschustier.
Malaysia

Das moskowitische Lamm.
z] Es wächst in der kleinen Tatarei zwischen Don und Wolga. Es ist ein merkwürdiges Gewächs, auf einem starken Stengel drei Fuß hoch, auf welchem die Frucht, Boramez genannt, nach Art eines Kürbis oder einer Melone steht, welche von aussen die Gestalt eines Lammes an Füßen, Ohren, Kopfe, Schwanz und ganzem Leibe präsentirt. Wenn es vom Stiel abgelöst wird, gibt es einen Saft, wie rot Blut. Wenn es reif, so bekommt es ein Fell und Wolle wie ein Lamm, so man wider die Kälte gebrauchen könnte. Die Wölfe sollen auch diesem Gewächs ebenso gierig nachstellen als den Lämmern.

Das Motiv einer guten Handlung ist manchmal nichts anderes als zur rechten Zeit eingetretene Reue.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das müd'ste, Jammervollste ird'sche Leben,
Das Alter, Mangel, Schmerz, Gefangenschaft
Dem Menschen auflegt, - ist ein Paradies
Gegen das, was wir vom Tode fürchten.
Shakespeare, Maß für Maß, III,
(Claudio)

Das Mühen ums Schöne ist ein Zweikampf, in dem der Künstler aufschreit vor Angst, noch ehe er besiegt ist.
Charles Baudelaire (1821-1867), Das Confiteor des Künstlers

Das Mühlrad ist zerbrochen,
Die Liebe hat doch kein End;
Und wenn sich zwei Herzlieb tun scheiden,
So reichen sie einand die Händ.
Volkslied: Das Mühlrad

Das Mühlrad läuft immer, kommt aber nirgends hin.

Das mühsam erlangte Glück wird doppelt genossen.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das Mûl (Maul) öss em wie e Schoppeloch (Schüneloch) on de Mage wie e Möddfach.
i] Möddfach = Mittelfach der Scheune.

Das mul voll fladen han.
i] Brei im Munde haben.

Das mulus mulum spielen.
i] Loben, um wieder gelobt zu werden.

Das Münchener Kind kennt keinen höhern Turm als den Frauenturm.

Das Mundtuch möchte ein Tischtuch werden.
Jamaika

Das Mundwerk einer Frau macht niemals Ferien.
Schwarze in den USA

Das Mus ist noch nicht gar.

Das Mus verschütten.
z] Wenn sie das muss denn gar verschütt.
z] Wie unser aller Eltermutter das Muss also verschütt.
z] Ein bös Tyran all Ding zerrüt, in allem tun das Mus verschüt.

Das musikalische Talent kann sich wohl am frühesten zeigen, indem die Musik ganz etwas Angeborenes, Inneres ist, das von Außen keiner großen Nahrung und keiner aus dem Leben gezogenen Erfahrung bedarf.
Goethe, Eckermann, 14.2.1831

Das muss dem Esel krauen.
i] Das wird er gern hören, wird ihm angenehm sein

Das muss ein böser Wind sein, der einem nichts Gutes herbläst.

Das muss ein böses Tier sein, das sich verteidigt, wenn man es angreift.
Frankreich

Das muss ein Mann tun, der Courage hat, sagt Schneider Lai, als ihn seine Frau unter das Bett (o. den Tisch) getrieben hatte.
i] Spott auf j-n, der, nachdem er sich feig benommen hat, seinen Rückzug als eine mutige Tat darstellt. Dem Sprichwort soll ein wirklicher Vorgang in Daun (Regierungsbezirk Trier) zu Grunde liegen. Ein Schneider Namens Lai soll von seiner Frau unter das Bett oder unter den Tisch getrieben worden sein, dann dieselbe drohend angesehen und ausgerufen haben: Das muss ein Mann tun, der Courage hat.

Das muss ein mut seyn; wann drey Hund beyeinander im Brunnen ligen, so frewet sich einer so sehr als der ander.

Das muss ein Prophet sein, der das verstehen will.
la] Praeter Sibyllam leget nemo. Plautus

Das muss ein schlechter Advokat sein, der Wasser trinkt.

Das muss ein schlechter Hund sein, der des Pfeifens nicht wert ist.

Das muss ein schlechtes Kind sein, wo sich kein Vater zu finden lässt.
ndt] Dat mot en slecht Kind siyn, wo sik kein Vâr tau finnen lätt. Büren

Das muss ein starker Zaun sein, den nicht jede Sau umwühlen soll.

Das muss eine kluge Hand sein, die Narren scheren will.

Das muss einem Kinde einleuchten.
i] Was sehr leicht zu verstehen ist.

Das muss geahndet werden!

Das muss gehen, und wenn der Teufel auf Stelzen geht.
Franken

Das muss geschehen und wenn zehn Teufel dagegen wären.
fr] Il faut que cela soit, veuille Dieu, veuille diable.

Das muss gscheh'n und wenn's Gratz gilt.
i] Und wenn ich auch die größten Schwierigkeiten zu überwinden, die größten Opfer zu bringen hätte, so muss ich doch mein Ziel erreichen.

Das muss ich wissen, was mein Weib für Schenkel hat.
i] Um zu sagen: in dieser Sache habe ich nur die genaueste und zuverlässigste Kenntnis.

Das muss ihm der Neid lassen.

Das muss ihm zu den Zehen herausschwären.
ho] Het moet of ten teenen (mond) uitzweren.

Das muss in Buxtehude geschehen sein.
i] Also nirgends

Das Muss ist ein saures Essen.

Das Muss ist ein schlimmes Essen.
la] Aut servias, ut servus, aut fugias, ut cervus.

Das Muß ist eins von den Verdammungsworten, womit der Mensch getauft worden.
Büchner, an die Braut, nach dem 10. 3. 1834

Das muss ist hart, aber beim muss kann der Mensch allein zeigen, wies inwendig mit ihm steht. Willkürlich leben kann jeder.
Goethe, An J. F. Krafft, 31.1.1781

Das muss ja seyn ein armer mann, der nicht ein Fähnlein Läuss ernehren kann.

Das muss man (o. wird man nicht) mit Wachholder vertreiben.
i] Von unreiner Luft, eigentlich und uneigentlich, Ärgernis usw.

Das muss man den Engländern lassen, dass sie von lange her das Gute zu schätzen wußten und dass sie eine grandiose Art haben, es zu verbreiten.
Goethe, Italienische Reise I, 27.9.1786

Das muß man den Engländern lassen, daß sie von lange her das Gute zu schätzen wußten und daß sie eine grandiose Art haben, es zu verbreiten.
Goethe, Italienische Reise I, 27.9.1786

Das muss man einem vorreden, der keine Haare mehr auf dem Kopfe hat.
Niederlausitz
i] Einem, der alt und kindisch geworden ist.

Das muss man im Leben immer, alles von Herzen tun.
Paustowski, Der Vagabund

Das muss man in den Schornstein schreiben.
i] So sagt man in Baden von etwas sehr Seltenem, nicht oft Vorkommendem, z.B. einem seltenen Besuche.

Das muss man mit der großen Zehe in den Schornstein schreiben.
i] Ein freudiges Ereignis, seltenen Besuch.

Das muss man mit in den Kauf nehmen.

Das muss man mit schwarzer Kreide in den Rauchfang schreiben.
Steiermark
i] Um etwas ironisch als seltenen, merkwürdigen Fall zu bezeichnen. Auch um etwas der völligen Vergessenheit zu übergeben.

Das muss man schmieden, weil's heiss ist.

Das muss man über einen andern Leisten schlagen.
ho] Hij schoeit het op eene andere leest.

Das muss schon ein Mensch von hoher Art sein, dem die Sehnsucht nach Freiheit etwas anderes bedeutet als die Begier nach Verantwortungslosigkeit.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das muss sein, und sollt's Magdeburg kosten.

Das müssen Domherren sein, sagte der Blinde, als er zwei Vorübergehende Zoten reißen hörte.

Das müssen vornehme Leute sein, sagte er, ihr Hintern hat zwei Hälften.

Das musst du als ein Knabe leiden,
Dass dich die Schule tüchtig reckt.
Die alten Sprachen sind die Scheiden,
Darin das Messer des Geistes steckt.
Goethe, Zahme Xenien VIII

Das müsst ein ungeschlachter Wein sein, der eim nit gießet gut Latein ein.
fr] Après bon vin bon cheval.

Das müsste (würde) einen Juden verdrießen.
z] ...Ein Jüden solt es wohl verdrießen.

Das müsste denn sein.
Breslau
i] Ironische Bemerkung, wenn jemand durch eine Lüge etwas zu beweisen sucht.

Das müsste ein armer Teufel sein, dem nicht eine Seele diente.
fr] Le diable est pauvre qui n'a point d'ame.

Das müsste ein dummer (heilloser) Teufel sein, dem er eine Seele entführt.
i] Von einem Geistlichen, der nicht bessernd und sittlich erhebend wirkt.

Das müsste ein schlechter Hengst sein, der nicht einen Schlag von der Mähre ertragen könnte.
i] Die Begierden sind blind, sobald sie ihre Befriedigung durchaus verlangen.

Das müsste gar eine schlechte Kunst sein, die sich auf einmal fassen ließe, deren Letztes von demjenigen gleich geschaut werden könnte, der zuerst hereintritt.
Goethe, Wanderjahre II,3

Das müsste keine Jugend sein,
Die nicht mal stapfte querfeldein
Dem Gärtner grad durch den Salat
Und hielte das für große Tat.
Der Gärtner schimpft erst hinterdrein
Dann aber denkt er lachend: nein,
Das müsste keine Jugend sein...
Will Vesper, Rufe in die Zeit

Das müsste sein ein schlimmer Wein, daraus nicht flösse gut Latein.

Das Mütlein sinken lassen.
z] Paulus lässet bald das stolze Mütlein sinken.

Das Mutterherz ist der schönste und unverlierbarste Platz des Sohnes, selbst wenn er schon graue Haare trägt; und jeder hat im ganzen Weltall nur ein einziges solches.
Stifter

Das Mutterherz kann nicht lügen.
Niederlande

Das Mütterliche verehrt mir. Der Vater ist immer nur ein Zufall.
Nietzsche, Unschuld des Werdens

Das mutterlose Kind steht im Wege, wenn die Stiefmutter backt.
Finnland

Das Mutterschaf hütet sich davor, auf sein Lamm zu treten.

Das mutwillige Kind gibt keine Ruhe, auch dem guten Reitpferd darf nie Ruhe gegeben werden.
Spanien

Das Mysterium der Liebe ist größer als das Mysterium des Todes. Die Liebe allein zählt.
Oscar Wilde, Salome

Das Mysterium ist nicht eine undurchdringbare, sondern nur verhüllte Wahrheit. Nur was der Geist bewundert, das verehrt, liebt, betet das Herz an.
Franz Xaver von Baader, Sämtliche Werke

Das Nachbier ist wie das Gebräu, aber viel dünner.
i] Um zu sagen, der Vater war nicht viel wert, der Sohn noch weniger.
bm] Tyze patoky jenom ze jestĕ řidsí.

Das Nachdenken des Dummen gleicht dem Schlaf.

Das Nachdenken ist eine höchst zwecklose Beschäftigung, solange man nichts von den Tatsachen weiß.
Bernhard Shaw

Das nachdenkende, betrachtende, forschende Leben ist eigentlich das höchste und menschlichste, allein in gewisser Art lässt es sich doch nur in höherem Alter vollkommen genießen.
Wilhelm von Humboldt, An Charlotte Diede, 9. 7. 1824

Das nachgelassene Brot wird hinterher süß.
Estland

Das Nachgeld macht den Markt.

Das Nachlassen der Kräfte ist ein Hilfsmittel, um besser zu beten. Die Entspannung verscheucht die Spinnweben aus dem Geist.
Mutter Teresa

Das nächste Blut erbt das Gut.

Das nächste Jahr in Jerusalem.
i] Ein alter Festwunsch der Juden zum neuen Jahre.

Das nächste Spiel ist immer das schwerste Spiel!
Sepp Herberger, Rundbrief an die Nationalspieler, 20. August 1954

Das Nächste, das Liebste.

Das Nachtlager (od. die Herberge) ist Gottes.
Estland

Das Nachtlager (od. die Herberge) trägt ja keiner auf dem Rücken.
Estland

Das nackte Kind, das zagt nicht;
Mit seinem Pfennig springt es fort
Und kennt recht gut den Semmelort,
Ich meine des Bäckers Laden.
Goethe, Gott und Welt - Die Weisen und die Leute (Krates)

Das nackte Leben ist schon in unsern Zeiten eine Wohltat.
Goethe, Mädchen von Oberkirch A I Sz 1
Gräfin

Das Nah- und Nächstliegende ist es, was den Menschen wahrhaft bewegt, woran seine Kräfte sich naturgemäß ausbilden. Innerhalb der Familie betätigt er am stärksten die beiden Kräfte, die untrennbar und verhängnisvoll in ihm verschlungen sind: den Egoismus und die Liebe.
Ricarda Huch (1864 - 1947)

Das Nah- und Nächstliegende ist es, was den Menschen wahrhaft bewegt, woran seine Kräfte sich naturgemäß ausbilden. Innerhalb der Familie betätigt er am stärksten die beiden Kräfte, die untrennbar und verhängnisvoll in ihm verschlungen sind: den Egoismus und die Liebe.
Ricarda Huch, Familienleben der Gegenwart

Das Nahen des Alters bringt etwas wie eine absolute Muße mit sich. Man braucht sich nicht mehr zu strecken, um sich irgendwelche Lorbeeren zu pflücken. Man weiß, dass das Ziel bereits im Vergangenen war, dass man sozusagen darüber hinweggeschossen hat.
Marcel Jouhandeau

Das Naheste, das Nötigste.

Das nähm' ich für des Kaisers Gut.

Das Naive als natürlich ist mit dem Wirklichen verschwistert. Das Wirkliche ohne sittlichen Bezug nennen wir gemein.
Goethe, Maximen und Reflexionen 60

Das naive menschliche Denken geht von der Sache aus, das wissenschaftliche von der Methode.
Carl Friedrich von Weizsäcker

Das Nämliche wollen und das Nämliche nicht wollen, das erst ist unwandelbare Freundschaft.
Sallus, Catil.

Das Narrenfieber ist schwer zu heilen.
it] Chi è ammalato di pazzia tarda molto a guarire.

Das Narrenhandwerk ist gemein in der Welt.

Das Narrenseil geht um den Erdkreis wie die Sonne.

Das Närrische der Aufgeblasenheit besteht darin, dass derjenige, der andere so wichtig schätzt, dass er glaubt, ihre Meinung gebe ihm einen so hohen Wert, sie gleichzeitig so verachtet, dass er sie gleichsam als nichts gegen sich ansieht.
Kant, Bruchstücke aus dem Nachlasse

Das Närrischste ist, dass jeder glaubt, überliefern zu müssen, was man gewußt zu haben glaubt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 583

Das Närrischste, was es gibt, ist eine Mutter mit ihrem ersten Kind.

Das Naschen nimmt Geld und Gut hin.

Das Nasenende hast du wol angefasst (gesehen), aber noch nicht das Lebensende.
Estland

Das Nasse (= das Bier) lacht nicht den Mann aus, der Mann lacht das Nasse aus.
Estland

Das nasse Holz verbrennt mit dem trockenen.

Das Naturell, das man mit der Milch eingesogen, geht nur mit dem Leben fort.
Türkei

Das Natürliche ist keine Schande.
la] Naturalia non sunt turpia. Euripides

Das Natürliche ist nicht schimpflich.
la] Naturalia non sunt turpia.
Vergil, Georgica (Auch bei Euripides)

Das natürliche Recht aber ist die Freiheit, und die weitere Bestimmung derselben ist die Gleichheit in den Rechten vor dem Gesetz.
Hegel

Das natürliche Recht eines jeden wird bloß durch seine Macht bestimmt; daraus folgt, dass, wenn jemand einen Teil seiner Macht, gezwungen oder freiwillig auf einen anderen überträgt, er ihm damit notwendig den gleichen Teil seines Rechts abtritt.
Spinoza, Theol.-Pol. Traktat

Das Näudigste (nötigste) eist, hadde de Biuer sagt, as eam ên Pêrd in'n Grawen fallen was, do hadde he eist sin Wîf prügelt.
Paderborn
ho] Het noodigste eerst, zei de boer, toen hem zijne buren haalden, om zijne koe uit de sloot te trekken, en hij stak zijne pijp aan.

Das Nebending zur Hauptsache (oder umgekehrt) machen.

Das Nebensächliche macht riesige Fortschritte. Wir entfernen uns immer weiter vom Wesentlichen.
Fliegende Blätter

Das Nefas (Unrechtsfässlein) hat einen Zapfen, der immer rinnt.

Das nehest Blut, das nehest Erb.

Das nehme ich dir nicht ab!
en] You're (o. You have got to be) kidding! - Pull the other one! - It's got bells on! - You're having me on! - You're winding me up! - You can tell those tales to the Marines! (coll, dated)

Das Nehmen ist Allerwelts Kunst.

Das neidische Auge sieht um die ganze Erde herum.
Russland

Das Nein des Mädchens ist das Ja des Jungen.

Das Nein einer Frau ist ein doppeltes Ja.

Das Nein ist lebendiger als das Ja, der Widerspruch belebt am heftigsten, und nichts befruchtet wie die Lektüre schlechter Bücher.
Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Das nenn' ich bittre Qual, vermählt zu sein
Dem Mann, der uns verabscheut!
Shakespeare, Ende gut, alles gut

Das nenn' ich einen Edelmann!
Sein Ur-, Ur-, Ur-, Ur-Alterahn
War älter einen Tag als unser aller Ahn.
Lessing, Sinngedichte Nr. 23

Das nenn'
Ich einen Weisen! Nie die Wahrheit zu
Verhehlen! für sie alles auf das Spiel
Zu setzen! Leib und Leben! Gut und Blut!
Lessing, Nathan der Weise

Das nenne ich eine edle Art, Leid zu tragen, wenn man es für sich allein trägt und nicht vielen andern offenbart.
Menander, Fragmente

Das nennt man einen Missgriff.
i] Sprichwörtlich gewordener Ausspruch eines Fürsten zu seinem Geheimschreiber, der statt des Streusandfasses das Tintenfass ergriff und den Brief übergoss, den ihm der König diktiert hatte.

Das nennt man: mit dem Hunde gemessen und den Schwanz zugegeben.

Das Nest bleibt dennoch mein, wenn schon der Kuckuck legt darein, sprach jener Bachstelz.

Das Nest des blinden Vogels ist von Gott gebaut.
England

Das Nest einer Maus im Ohr einer Katze war nie und wird nie sein.

Das Nest gehört nicht dem, der's gefunden (o. dem, der's weiß), sondern dem, der's ausnimmt (der Eier oder Vögel nimmt).
ho] Die het nestje weet, heeft het niet; maar die het rooft.

Das Nest ist leer
v] der Vogel ist ausgeflogen
en] the bird(s) had fown
fr] l'oiseau s'est envolé
it] il nido (o. il nascondiglio) è vuoto - la tana è vuota

Das Nest leer finden.
i] Das Gesuchte an einem Orte nicht antreffen.
fr] Trouver blanque.

Das Nest verrät den Vogel.

Das Nest werden sie finden, aber die Vögel sind ausgeflogen.
ndt] He find en leddig Nest, de Jungen sünt all utflog'n.
i] So sagte spottweis Kunz von Kaufungen, als er die sächsischen Prinzen vom altenburger Schlosse entführt hatte.

Das Netz an der rechten Stelle auswerfen.
la] Rete in dextram mittere navigii.

Das Netz auswerfen tut's nicht allein.

Das Netz der Mechanisierung ist international; niemals waren die Völker einander so nahe, niemals haben sie der Wechselwirkung so bedurft, einander so viel besucht und so gut gekannt.
Rathenau, Kritik der Zeit

Das Netz dessen, der schläft, fängt etwas.
Tschechien

Das Netz fängt ihm die Fische, während er schläft.
i] Von denen, die das, was sie wünschen, gewissermassen ohne ihr Zutun oder ohne besondere Anstrengung erlangen.

Das Netz fragt die Fische nicht, ob sie heraus wollen.
dä] Garnet drager og uwillige fiske op.

Das Netz für den Vogel, das Gold für den Menschen.

Das Netz ist nicht die Hauptsache, sondern die Fische.
Russland

Das Netz muss immer hängen.
i] Versuche alles! Ergreife jede Gelegenheit.
ho] Hang vrij netten; geen vogel, of men kan hem vangen.

Das Netz muss kleine Maschen han, wenn kein Aal soll zwischen gahn.
ho] Die netten zijn van eng beslag, daar geen aal door de maas mag.

Das Netz sucht nicht den Fisch, der Fisch sucht selbst das Netz auf.
Estland

Das Netz, das sich in der Nacht verwickelt hat, wird bei Tageslicht wieder entwirrt.
Samoa-Inseln

Das neu dünkt einem allzeit das beste sein.

Das neu, das treu.

Das Neue davon ist nicht gut und das Gute nicht neu.
i] Aus einem Distichon entstanden, durch welches J. Heinr. Voss sein Urteil über einige Bücher ausgesprochen hat; es lautet: 'Dein redseliges Buch lehrt mancherlei Neues und Wahres; wäre das Wahre nur neu, und das Neue nur wahr.'

Das Neue dringt herein mit Macht, das Alte
Das Würd'ge scheidet, andre Zeiten kommen,
Es lebt ein anders denkendes Geschlecht.
Schiller, Wilhelm Tell, II, 1 (Attinghausen)

Das neue Europa bedarf zur Bewältigung der Gärung, die sich überall Luft macht, kräftiger und gewandter Hände am Staatsruder.
Metternich, Denkwürdigkeiten

Das Neue gefällt, das Alte befriedigt.
Spanien

Das Neue gefällt.
it] Ogni novello è bello.

Das neue Geschöpf ist nichts als eine wirklich gewordene Idee der schaffenden Natur, die immer nur tätig denket.
Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Das Neue hat als solches schon eine besondere Gunst.
Goethe, Rameaus Neffe - Anmerkungen - Marivaux

Das Neue ist angenehm.
z] Jedes Neue, auch das Glück erschreckt. Schiller
fr] Au nouveau tout est beau.
it] Da novello tutto è bello.
la] Grata rerum novitas.
un] Minden ujság kedves.

Das Neue ist immer angenehmer, wenn auch das Alte besser ist.
Finnland
bm] Mnoho se v svĕtĕ novinkuje, leč málo pravdy ohlasuje.
dä] Altid noget nyt, sielden noget godt.
fr] Point de nouvelles, bonnes nouvelles.
ho] Er is niets niuws onder de zon, zei Salomo.
sd] Alltid något nytt, sällan något godt.

Das Neue ist immer das Beste.

Das Neue ist selten was Gutes.

Das Neue ist, eben weil es neu ist, dasjenige, was am meisten überrascht.
Lessing, Über das Epigramm

Das Neue ist, was einen Anfang hat in der Zeit, aber kein Ende findet.
Fliegende Blätter

Das neue Jahr folgt dem alten, die Sorgen hatten, werden Sorgen haben.
Polen

Das neue Jahr hat so lange eine weiße Weste, bis man sie anzieht.
Hans Fallada (1893 - 1947)

Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.
Goethe, An Lavater, Ende Dezember 1783

Das neue klingt, das alte klappert.
ndt] Dat Nigge klingelt, dat Olle rappelt. Iserlohn
fr] Tout nouveau, tout beau.
fr] Toute nouveauté paraît belle.
la] O quante precis sunt nova grata magis.
pl] Nowa miotła ozysto miecie.

Das Neue muss das Alte überwinden, aber es muss das Alte überwunden in sich haben, es 'aufheben'... Es gibt Neues, aber es entsteht im Kampf mit dem Alten, nicht ohne es, nicht in der freien Luft.
Brecht, Bemerkungen zum Formalismus

Das neue Recht beginnt, wo es das alte gelassen.
[RSpW]
i] Obgleich jedes Gesetz für immer gegeben wird, so müssen doch um neuer Sachen willen neue Rechte gesetzt werden, um jedem neuen Verhältnis gerecht zu werden.
z] Die Rechte ändern sich bei (all) gemeiner Änderung und erneuern sich bei gemeiner Neuerung. Den Frieden, den das alte Gesetz nicht ausgerichtet hat, soll das neue ausrichten.
altfries] Dat nye riucht al deer thoe bygynnen deert ald iethen had.

Das Neue reizt.
Goethe, J. S. Grüner, 1.8.1822

Das Neue schone, flick' am Alten, das heisst gut haushalten.

Das Neue schon's, das Alte flick's, sonst kommt's zu nix.

Das Neue treibt das Alte hinaus.
Estland

Das Neue, Große, Befreiende muss kommen aus dem deutschen Geist, und zwar im Gegensatz zu Macht, Reichtum und Geschäften.
Jacob Burckhardt, An Arnold von Salis, Basel, 21. 4. 1872

Das Neue, schon's, das Alte, flick's, sonst kommst du zu nix.

Das Neueste in der Welt ist das Verlangen nach Bildung als Menschenrecht, welches ein verhülltes Begehren nach Wohlleben ist.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, Kap. 2, Die Kultur

Das Neueste ist, dass ich morgen gehängt werde, schrieb Schusters Franzel, sonst geht es mir gut.

Das Neugeborene ist ein kleines runzliges, miauendes Tier, das sich erst langsam in einen Menschen verwandelt (...).
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Neujahr singen.
z] Es sind arme Leute, welche zu Hause die Neujahrwünsche auf Grund ihrer Kenntnis von Personen und Sachen in Verse bringen. Weiber und Kinder singen dann in den Bauernhöfen ihre auf sämmtliche Insassen berechneten Verse in lebhafter Melodie ab.

Das neukircher Mädlein hat gesagt: Kann ich das Wasser beim obern Brunnen holen, so geh' ich nicht zum untern.
i] Von solchen Mädlein, die sich gern einen Schritt ersparen.

Das Nicht Wichtig! ließ den Kapitän das Schiff verlieren.
Jamaika

Das Nicht-haben ist der Anfang allen Denkens.
Robert Musil

Das Nichtstun hat auf den Organismus dieselbe Wirkung wie die Dunkelheit auf die Gehörorgane. Es verstärkt die inneren Geräusche, verursacht Trugbilder im Gesichtsfeld und Dröhnen im Gehirn.
Örkény, Familie Tót

Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz.
Dalai Lama XIV, Das Auge der Weisheit

Das Nicken eines Herrn ist dem Narren ein Frühstück.
en] A nod from a lord is a breakfast for a fool.

Das nieder und schwach findt alzeit gut gemach.

Das niedere Veilchen riecht besser als Wintergrün.
i] Das Unten ist dem glänzenden Oben vorzuziehen.

Das niedere Volk
la] plebs infra

Das Niederreißen der Greise ist ein Aufbauen und das Aufbauen der Jugend ein Niederreißen.

Das niedrig gewachsene, schmalschultrige, breithüftige und kurzbeinige Geschlecht das schöne nennen konnte nur der vom Geschlechtstrieb umnebelte männliche Intellekt: in diesem Triebe nämlich steckt seine ganze Schönheit. Mit mehr Fug als das schöne, könnte man das weibliche Geschlecht das unästhetische nennen.
Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

Das Niesen absorbiert alle Funktionen der Seele, ebenso sehr wie die Arbeit.
Blaise Pascal, Pensées

Das Nilpferd, das sich sehen lässt, wirft das Boot nicht um.
Tanganjika

Das nimmt der Wind mit fort.
fr] Autant en emporte le vent.

Das nimmt dir (o. dem nimmt's) kein Jud' mehr ab.
Riedlingen
i] Er hat seine Lektion, seine Prügel.

Das nimmt ein Ende mit Schrecken.

Das nimmt eine Mück' auf dem Schwanz übern Rhein.

Das nimmt er so gern wie einen bösen Groschen.
ho] Hij is ermede te paaijen als een Jood met de billen van een zwijn.

Das noch nicht Vollendete liegen lassen, wie es ist, hat besonderen Reiz und gibt ein frohes und entspanntes Gefühl.

Das Nödigst' toêrst, säd' de Bur, un prügelt sîn Fru, un lêt dat Perd in'n Graben liggen.

Das Nonenbier trinken.
i] In der Klostersprache cerevisia nonalis, weil es den Mönchen um die neunte Stunde (nonae) zum Frühstück gereicht wurde.

Das Nonnenkleid abziehen.

Das Nötigste im Leben des Menschen sind: Wasser, Feuer, Eisen und Salz, kräftiger Weizen, Milch und Honig, Blut der Trauben, Ö1 und Kleidung.
Jesus Sirach 39, 26

Das nötigste zuerst, sagt der Bauer, verprügelt seine Frau und lässt das Pferd im Graben liegen.

Das Notwendigste und Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo.
Mozart, Brief an seinen Vater, 13. 10. 1777

Das Novellenschreiben halte ich für eine ziemlich schwierige Sache, was mir nicht allzu oft gelingen will.
Storm, an Hermione von Preuschen und Mina Hahn, 26. 10. 1873

Das nur der himmel nicht nidervall.

Das Nützliche befördert sich selbst, denn die Menge bringt es hervor, und alle können's nicht entbehren, das Schöne muss befördert werden, denn wenige stellen's dar und viele bedürfen's.
Goethe, Lehrjahre VIII,5

Das Nützliche ist nicht fern vom Notwendigen.
Chairemon. Fragmente

Das nützt ihm so viel wie Kniehosen einer Heuschrecke.
i] Ein farbiger Methodistenprediger in Südcarolina schloss seine Predigt mit den Worten: 'Meine hartköpfigen Brüder, ich sehe ein, dass euch meine Predigten nicht mehr nützen als einer Heuschrecke Kniehosen.'

Das nützt so viel als leeres Stroh dreschen.

Das nützt so viel wie ein Senfpflaster auf einem hölzernen Bein.
fr] Cela sert comme un cautère sur une jambe de bois.

Das nützt so viel, als wenn man von einem Esel Wolle scheren wollte oder einem Pferde Knochen zum Abnagen hinwirft, damit es fett werden soll.

Das Obere von der Suppe und das Letzte vom Kaffee will er haben.

Das Oberhaupt (der Familie) ist wie ein Müllhaufen, jeder kommt mit seinem Kehricht und legt ihn nieder.
Haussa, Afrika

Das Objekt der Lyrik ist nämlich immer das Leben, und das verändert nur seine Formen, aber nicht sein Wesen.
Leonhard, Dialog zwischen R. Leonhard und W. Hasenclever, 8. 12. 1929

Das Öchslein lernt vom alten Farren pflügen.

Das offene Haar! Prächtiger Mantel des Weibes in den Urtagen...
Flaubert, November

Das öffentliche Wohl ist das oberste Gesetz.
la] Salus publica suprema lex.

Das öffentliche Wohl soll das oberste Gesetz sein.
Marcus Tullius Cicero, Über die Gesetze

Das öffnet der Begehrlichkeit Tür und Tor
en] that opens the door wide (o. a door) for (o. to) greed (iness)
fr] cela ouvre la porte à la convoitise
it] spalanca la porta all'avidità

Das oft einer nichts Böses tut, das wehrt die blöde armut.

Das oft gesehene Mädchen ist Kupfer, das ungesehene Gold.

Das Ohr des Hörenden muss dem Munde des Singenden zu Hilfe kommen.
Russland

Das Ohr hat (nur) ein Loch.
Jabo, Afrika
i] Man kann nicht mehreren zugleich zuhören

Das Ohr hat keine Türen.
i] Man kann sie nicht verschließen, also auch nicht hindern, Dinge zu hören, die man nicht hören will oder soll.

Das Ohr hört sich nimmer satt.

Das Ohr hört, das Herz fühlt.
Estland

Das Ohr ist älter als die Hörner.

Das Ohr ist der Weg zum Herzen.
Frankreich
fr] L'oreilles est le chemin cu cour.

Das Ohr ist ein (bloßes) Tor.
Afrika
i] Wer zu viel Gewicht auf Hörensagen lege, handelt töricht

Das Ohr ist nicht hungrig.
i] Weil es immer etwas hört
Bantu

Das Ohr ist nicht länger als das Haupt.

Das Ohr leih' jedem, die Hand dem Freunde, die Lippen der Frau!

Das Ohr muss nicht über das Haupt hinausreichen.
Afrika
i] Das Ei muss nicht klüger sein wollen als die Henne.

Das Ohr sah zu, wie das Horn außer Reichweite wuchs.
Haussa, Afrika
i] Nicht wer zuerst im Vorteil ist, gewinnt immer

Das Ohrgeheimnis ist nicht einer Erbse wert.

Das Öl ist der Lampe so nötig als der Docht.

Das Öl ist in Griechenland eine sehr gemeine Sache.

Das Öl, das in die Lampe kommt, ist so ehrlich als das, womit man salbt.

Das Opfer liegt, - die Raben steigen nieder.
Schiller, Wilhelm Tell, IV, 3 (Stüßi)

Das Opfer von etwas oder jemandem werden

Das Opfer, das die Liebe bringt,
Es ist das teuerste von allen,
Doch wer sein Eigenstes bezwingt,
Dem ist das schönste Los gefallen.
Goethe, Zahme Xenien VIII

Das Opfer, das Gott am höchsten schätzt, ist die Frömmigkeit.
Menandros, Monostichoi

Das Opfer, so der Pfaff verschmäht, dem Küster in den Beutel geht.

Das Orchester versetzt die Damen in Trance, aber schreiben tun's dann dem Tenor.
Arthur Schnitzler

Das organisatorische Schöpfertum des Volkes, besonders des Proletariats und sodann auch der Bauernschaft, äußert sich in Perioden revolutionärer Wirbelstürme millionenmal stärker, reicher und fruchtbringender als in Perioden des sogenannten ruhigen... geschichtlichen Fortschritts.
Lenin, Der Sieg der Kadetten

Das organische Leben auf der Erdrinde ist eine tiefe Einheit, als Ganzes entstanden und vergehend.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Pantoffelholz schwimmt überall oben.
z] Vor dem dreissigjährigen Kriege sind Anno 1620, 54 Einwohner in dem Dorffe Brumbi (im Amte Calbe an der Saale) gezehlet worden, welches, wie erzehlet wird, im Papstthum schuldig gewesen seyn, dem heil. Antonio ein Schwein zu halten und zu ernehren, welches denen Tempelherren zuständig gewesen, mit dem Bedeuten, dass, wer in demselben Dorffe in seinem Hause absolute Herr wäre, dem sollte dieses Schwein zu eigen werden. Als nun auf eine Zeit ein Bauer solcher absoluten Herrschaft sich rühmete, wurde zwar demselben das Schwein zu holen vergönnt, weil aber dasselbe im Heimholen sich sperret und ihm die Strümpffe besudelte und er sorgete, es würde seine Frau mit ihm desshalb nicht zufrieden seyn, musste er dießmahl das Schwein fahren lassen und sich zur absoluten Herrschaft in seinem Hause besser legitimiren.' Ferner: 'Es hat auf eine Zeit ein Prädicant am Ostertage sich auf die Canzel gestellet; und als vor der Predigt hat sollen gesungen werden: Christ ist erstanden: so hat er seine Zuhörer also angeredet: >Wer unter euch Herr im Hause ist, der fange das Lied an.< Als nun keins anheben wollte, sprach er: >Was, seyd ihr Männer? Hat denn keiner das Regiment in seinem Hause?< Und spricht darauf zu den Weibern: >So fahe euer eine, so die Herrschaft im Hause hat, zu singen an.< Also bald heben die Weiber alle mit lautem Schall an das Osterlied zu singen, und wollte keine die letzte seyn.
i] In ältern Gesetzen finden sich mancherlei Bestimmungen gegen das Pantoffelregiment. So setzen die Statuten der Stadt Blankenburg (Schwarzburg) von 1594 fest, dass ein Mann, der sich von seiner Frau hat schlagen lassen, mit Gefängnis u.s.w. gestraft und ihm hierüber das Dach auf seinem Hause abgehoben werde.

Das Papier besaß, wie eine Schlange, paralysierende Kraft.
Ukase. Sendschreiben. Listen... Oh, wie furchtbar sind sie! Schukschin, Ich kam euch die Freiheit zu bringen

Das Papier duldet alles und errötet über nichts.

Das Papier ist geduldig.

Das Papier lässt auf sich malen und drucken, was man will.
ndt] Al Pâpier as düüljag. Amrum
ndt] Dass Papier es geduldig, me' kô d'rauf geschreib, bäs me will. Henneberg
ndt] Et Papier es jedôldig. Gladbach
ndt] 'S Papier ist geduldig, es nimmt alles an. Luzern
fr] En la peau de brebis ce que tu veux écris.
fr] Le papier endure (souffre) tout.
fr] Le papyer est doulx, il endure tout.
ho] Het papier is geduldig.
it] La carta non si fa rossa.
la] Epistola non erubescit. Cicero
la] Litterae non erubescunt. Cicero
la] Mitis papyrus omnia suffert.

Das Papier lasst drucken, was man will.

Das Papier muss alles leiden.
fr] Le papier souffre tout, et ne rougit de rien.

Das Papier spricht, wenn die Menschen schweigen.
fr] Papier parle quand gens se taisent.

Das Papier wird nicht rot.
it] La carta non diventa rossa.

Das papistische Recht ist eim Bild gleich, das am Haupt ein Jungfrau, am Leib ein Löw, am Schwanz ein Schlang ist.
z] Der anfang ist schön und lieblig anzusehen, es handelt aber dann mit gewalt und ist zuletzt eitel betrug und falschheit. Luther

Das Päpstlein in jedem Dorf pflegt sich wie die Laus im Schorf.

Das Papsttum ist ein Menschenfund, da Gott nichts von weiß.
Luther

Das Papsttum ist eine politische Macht jederzeit gewesen, die mit der größten Entschiedenheit und dem größten Erfolge in die Verhältnisse dieser Welt eingegriffen hat, die diese Ereignisse erstrebt und zu ihrem Programm gemacht hat.
Bismarck, im preußischen Herrenhause, 10. 3. 1873

Das Paradies der Erde
Liegt auf dem Rücken der Pferde
In der Gesundheit des Leibes
Und am Herzen des Weibes.
Bodenstedt, Die Lieder des Mirza Schaffy

Das Paradies findest du nur in den Armen der Geliebten.

Das Paradies ist nicht für alte Leute.
i] Aus einem Scherz hervorgegangen. Eine alte Frau, die darüber erschrak, wurde damit getröstet, dass es im Paradiese deshalb keine Alten gebe, weil dort alle wieder jung würden.

Das Paradies ist weit und nit für alle Leut'.
it] Il paradiso è dei meno, non dei più.

Das Paradies kann man nur finden auf dem Rücken eines Pferdes und in den Armen seiner Geliebten.

Das Paradoxe der Ehe besteht darin, dass sie gleichzeitig eine erotische und eine soziale Funktion zu erfüllen hat.
Simone de Beauvoir

Das Paradoxem ist eine Revolte der Vernunft gegen ihre eigene Ohnmacht.
Fliegende Blätter

Das Paris der Arbeiter, mit seiner Kommune, wird ewig gefeiert werden als der ruhmvolle Vorbote einer neuen Gesellschaft. Seine Märtyrer sind eingeschreint in dem großen Herzen der Arbeiterklasse.
Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich

Das Parkett hat zwar oft den Lebemann geschliffen. Und die Schale glänzt vor Glätte, aber der Kern ist angefressen.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Parlament ist die Speerspitze der Beamtenschaft.
Fliegende Blätter

Das Parlament kann alles tun, außer einen Jungen in ein Mädchen verwandeln.
England

Das Parlament kann alles tun, nur nicht aus einer Frau einen Mann machen.
i] So sagt man in England sprichwörtlich, um die verfassungsmäßige Gewalt des Parlaments zu bezeichnen.

Das passet nicht in unsern Kreis:
Zugleich Soldat und Diebsgeschmeiß!
Und wer sich unserm Kaiser naht,
Der sei ein redlicher Soldat!
Goethe, Faust II A IV, Gegenkaisers Zelt (Trabanten) Vs 10823f.

Das passet z'anen wie Großvater und Eichkatzel.

Das passiert, wann der Vater ein Pfaff und der Sohn ein Chorschuler ist.

Das Passiv-Empfangende des Weiblichen, in dem die antike Philosophie das rein Negative sah, erscheint in der christlichen Gnadenordnung als das Positiv-Entscheidende.
Gertrud von Le Fort, Die ewige Frau

Das passt als wenn es angegossen wäre.
ho] Het past hem, als of het aan zijn lijf gegoten was.

Das passt älteren Leuten wenig.
la] Non probabantur haec senibus.

Das passt in mein Abc nicht rein.
i] Nicht zu meinen Vorstellungen

Das passt in seinen Kram.
i] Kommt ihm so erwünscht, wie einer Gottheit ein Opfer, entspricht ganz seinen Bestrebungen und Neigungen; das ist ein Braten für ihn, Wasser auf seine Mühle.

Das passt mir nicht in den Kram
jüdisch-deutsch] Das is e Karwen für 'n (ein Opfer für ihn)
en] that doesn't suit my plans
en] I don't like it a bit
fr] cela ne fait pas mon affaire
fr] Voilà bien mon cas.
ho] Hat komt in zijne kraam te pas.
it] non mi quadra - non mi va a genio

Das passt weder zum Korbe noch zum Deckel.
pt] Depois de vindimas cavanejos.

Das passt wie das fünfte Rad am Wagen.
altfries] Dit passet üs de fifst Weel ön de Wein.

Das passt wie der Hamen auf den Nagel.
Frische Nehrung

Das passt wie der Kirchturm zum Mantel.
Ostpreußen

Das passt wie der Mönch zur Nonne.
i] Man versteht unter Mönch und Nonne auch Stempel und Nuss, oder Nabe und Nuss, Patrize und Matrize, Hohlspiegel mit Rücken nach oben und mit Rücken nach unten, weshalb das Sprichwort, wie viele andere, ein Doppelgesicht hat.

Das passt wie die Faust aufs Auge (o. wie der Igel zum Taschentuch).
ndt] Dät basst wie en Fûst ob dät Aug. Siegen

Das passt wie ein Deckel auf eine Kanne.
Frankenwald

Das passt wie ein Strumpf zu einer Gewürzbüchse.
i] Jener pommersche Offizierbursche hatte einen seiner Strümpfe zwar nicht zur Gewürzbüchse, aber dafür zum Kaffeetrichter für seinen Herrn gebraucht. Dieser ruft: 'Ich reiße den Kopf dir von dem Rumpf, wenn wirklich du nahmst meinen Strumpf zum Kaffeetrichter.' 'Nä, Herr, so dumm bün ick nich we'en, van Ehren Strümpen nöm ick kên'n, den Kaffee ick dorch mînen göt.'
ho] Het past hem als een' ezel de laarzen.
ho] Hij is zoo bekwaam als eene kous tot een' peperzak.

Das passt wie eine Maus auf einen Elefanten.

Das passt wie eine Sonnenuhr in einen Sarg.
ho] Dat past als een zonnewijzer in eene doodkist.
ho] Dat past als rozen in een varkenskot.

Das passt wie Goliaths Harnisch dem David.
ho] Het past hem als David het harnas van Goliath.

Das passt wie Gretels Jacke.

Das passt wie Honig auf Neujahrsabend (o. wie Honig auf Matthesen Hochzeit).
Eifel

Das passt wie Kaplan Solnig und ein Schnapsrausch.

Das passt wie Rosen in einen Schweinestall.

Das passt wie Schubkarren und Perrücke.

Das passt wie Tag und Nacht.
fr] C'est le jour et la nuit.

Das passt zusammen wie Hellebarde und Barmherzigkeit.

Das passt, wie mein Kapp' vor ä Kirchendach.

Das Patengeschenk hängt (kommt) ihm heraus.
i] Wenn bei einem kleinen Knaben oder zerlumpten Bettler die Geschlechtsteile sichtbar sind.

Das Paternoster hat Kirchen gebaut, das Vaterunser reisst sie nieder.
England
i] Gegen das Bibellesen der Laien gerichtet

Das Pechmandl kommt.
i] Der Schlaf; vermutlich, weil die Augen sich schließen und nicht wieder öffnen wollen.

Das peinliche Verhör ist eine bewundernswerte Erfindung, die einen Unschuldigen von schwachem Naturell mit Sicherheit ins Verderben bringt und einen Bösewicht von kräftiger Statur heil davonkommen läßt.
La Bruyère, Von mancherlei Gebräuchen

Das Pendel muss zwischen Einsamkeit und Gemeinsamkeit, zwischen Einkehr und Rückkehr schwingen.
Anne Morrow Lindbergh, Muscheln in meiner Hand

Das Pentagramma macht dir Pein?
Goethe, Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1396

Das Pergament, ist das der heilge Bronnen,
Woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt?
Goethe, Faust I, Nacht (Faust) Vs 566

Das persönliche Interesse ist der einzige und universelle Maßstab für das Verdienst der menschlichen Handlungen; deshalb ist die Rechtschaffenheit in bezug auf einen einzelnen Menschen... nichts anderes als die Gewöhnung an Handlungen, die ihm persönlich nützen.
Helvetius, Vom Geist

Das persönliche Wohl eines jeden basiert ausnahmslos auf dem Gemeinwohl...
Bestushew-Marlinski, Über die Romantik

Das Pfand bringt Schulden nach Hause.
Estland

Das Pfand ist nicht gut, da man seinen Leib verpfänden muss.
mhd] Dat pant enis nicht gud, dar cyn man dat lyff to pande laten mod.

Das Pfeiflein macht gar süßes Spiel, wenn es den Vogel fangen will.

Das Pfeiflein muss lauten wohl, wenn man Vöglein fangen soll.
la] Fistula dulce canit, volucrem dum decipit auceps.

Das Pferd abdecken, um die Haut zu gewinnen.

Das Pferd am Schwanz aufzäumen

Das Pferd an Barren!

Das Pferd beim Schwanz aufzäumen

Das Pferd beim Zaume, den Mann beim Worte.

Das Pferd bläst den Hafer erst, ehe es ihn frisst.

Das Pferd braucht zu viel Streu.
i] Von einem Schimmel oder einem schönen Pferde, das als Staatspferd dient; dann von eiteln Frauen.
ho] Dat is een duur paardje, om te strooijen.

Das Pferd dem, der es reiten, das Schwert dem, der es sich umgürten kann.
tü] At binenin, kılıç kuşananındır.

Das Pferd denkt ein Ding, der es sattelt ein anderes.
Portugal

Das Pferd der Gemein hat die schlechtesten (o. stumpfesten) Eisen.
en] The common horse is worst shod.

Das Pferd der Gemeinde hat die stumpfesten Eisen.

Das Pferd des Kaisers hebt den Schwanz.

Das Pferd des Reichen kann den weiten Weg nicht bewältigen, wenn ein Kleinkind zum Herrn wird, kann es die große Regierung nicht führen.

Das Pferd erkennt man am Kopf und am Schopf, den Narren an jedem losen Geschwätz.

Das Pferd fällt um, der Sattel bleibt; der Mensch stirbt, aber sein Name dauert.
Türkei

Das Pferd fasst man beim Zaum, den Ochsen bei den Hörnern, den Mann beim Wort.
ho] Men vangt het paard bij den breidel, en den man bij zijn woord.
sd] Styr häst med betsel, och kona med kjäpp.

Das Pferd findet in den Zügeln einen Halt am Reiter - nicht umgekehrt.

Das Pferd frisst der Saatkeime Wurzeln, die Sorge frisst des Herzens Wurzeln.

Das Pferd fürchtet keine großen Fuhren, es fürchtet häufige Fuhren.

Das Pferd gehört dem Manne, die Wirtschaft dem Weibe.
Finnland

Das Pferd gehört dem, der es reitet, das Schwert dem, der es führt mit Kraft, die Herrschaft dem, der sie erbeutet, das Mädchen dem, der es beschlaft.

Das Pferd geht seinen Schritt, es achtet der Hunde Belfern nicht.
z] Ein großes Pferd aus hohem Mut, das duncket sich gar viel zu gut, wenn es ein böser Hund bilt an, stillschweigend thuts fürüber gahn.

Das Pferd geht so, wie es am Zügel gehalten wird.
Kaschmir, Indien

Das Pferd geht zur Krippe, aber die Krippe nicht zum Pferde.

Das Pferd hat befohlen, ihm beim Roggensäen die Peitsche zu geben.

Das Pferd hat ein Eisen verloren.
en] Your horse cast a shoe.

Das Pferd hat Fett am Leibe, wenn man ihm für einen Dreier Speck unter den Schwanz bindet, sagte der Eckensteher zum Droschkenkutscher.

Das Pferd hat gesagt, dass wenn es den Wolf einmal fangen sollte, würde es ihn mit dem linken Fuß auf einen Streich auf den Grund der Hölle schleudern.

Das Pferd hat keine andere Untugend, als dass es nicht auf Bäume steigt.
i] So sagen die Rosskämme, und meinen das Brückenholz.

Das Pferd hat keine Angst vor dem Schlag, Das Pferd hat Angst vor dem Fressen.

Das Pferd hat mit dem Wolf die Kräfte gemessen, Schwanz und Mähne sind übrig geblieben.

Das Pferd hat Recht wie das Vieh.
[RSpW]
i] Es ist bei Flurbeschädigungen dem Pfändungsrecht unterworfen wie anderes Vieh. Eine Beschränkung desselben fand nur zu Gunsten des Hengstes, des Farren (Zuchtstiers) und der Sau statt; denn 'alles Zielvieh ist gefreit; geht es dem Mann zu Schaden, er darf es nur mit einem Sommerladen aus dem Korn treiben'.

Das Pferd hat seine Kräfte mit dem Wolf gemessen, Schwanz und Mähne sind übrig geblieben.
Russland

Das Pferd hat versprochen, mit dem Fohlen dann ins Freie zu gehen, wenn ein hautgroßer Flecken (Erde) schon kahl ist.

Das Pferd hat vier Beine und kann doch stolpern.

Das Pferd hat vorzeiten gesagt, dass es für seine große und schwere Arbeit als Lohn nichts anderes haben möchte, als einen vollen Bauch und nette Hufeisen, die seinen Füßen nicht wehtun lassen.

Das Pferd ist (seines) Herrn Brotgeber.

Das Pferd ist (seines) Herrn Ernährer.

Das Pferd ist am gefährlichsten hinten, das Weib vorn, der Wagen an der Seite, ein Pfaff überall.
Sauerland

Das Pferd ist der Hund der Getreideschößlinge, die Frau der Hund des warmen Brotes
i] Das Pferd liebt Getreideschößlinge, die Frau warmes Brot.

Das Pferd ist des Hauses Stütze.

Das Pferd ist des Mannes Sklave.

Das Pferd ist dessen, der es reitet.

Das Pferd ist geschaffen, um zu warten; die Frau, um zuzusehen.

Das Pferd ist gut, aber lahm.
i] Von einem an sich guten Menschen, der aber für ein bestimmtes Geschäft unbrauchbar ist.

Das Pferd ist gut, die Peitsche sei noch besser.

Das Pferd ist ihm alle geworden.
i] Er ist vom Pferde gefallen; auch: er ist in seiner Rede u.s.w. stecken geblieben. Mit seinem Vermögen, seinem Handel, Geschäft, seiner Klugheit u.s.w. ist's zu Ende gegangen.
ho] He is gaar.

Das Pferd ist längst verhungert, ehe das Gras gewachsen ist.
it] Cavallo, no morire, che l'erba dee venire.
it] Mentre l'herbo cresce vien meno il cavallo.

Das Pferd ist nicht furchtsam, sagte der Felinger, es hat schon viel Nächte allein im Stalle gestanden, als man ihn fragte, ob es scheue.

Das Pferd ist oft gescheiter (o. klüger) als sein Reiter.
i] Abweichend von der Ausdrucksweise über viele andere Haustiere, die meist aus Injurien besteht, spricht man vom Pferde fast immer nur in schmeichelhaften Wendungen. Darum achtet der Fuchs aber auch das Pferd so hoch, dass dies, als es alt und verlassen ist, an ihm noch einen Freund findet und erzählt: 'Und ist niemand, der nach mir frag oder Mitleiden mit mir trag ohn' dass Reinick den Fliegen wehrt, das ich doch nicht von ihm begehrt.' Wie ihm das Pferd so sehr imponiren konnte, erzählt Reineke selbst in seiner Beichte an Grimbart. Er traf nämlich einmal eine Stute nebst Fohlen. Der ihn begleitende hungrige Isegrimm bat ihn, der Mutter das Füllen abzukaufen. Reineke ließ sich sofort in Kaufunterhandlungen ein. Die Stute erklärte sich zum Verkauf bereit gegen die Summe, die an einen ihrer Hinterfüße angeschrieben sei. Reineke merkte, worauf es hinausging und sagte, er könne nur nothdürftig lesen, der Wolf verstehe das besser. Dieser erbot sich sofort dazu. Die Stute hob den mit sechs Nägeln beschlagenen Fuß empor und versetzte ihm einen Schlag an den Kopf, dass er betäubt zur Erde stürzte, indess sie mit dem Füllen davonging. Ähnlich dieser ist die Fabel Boner's Vom falschen Ruhme (1330). Dort erbietet sich der hungrige Löwe dem Pferde einen Dorn aus dem Fuße zu ziehen, aber es ergeht ihm ebenso wie dem Isegrimm. Selbst mit dem Teufel wird das Pferd fertig, wie dies aus einer niederösterreichischen Sage zu ersehen ist. Man vermisste die Müller in der Hölle, und schickte deshalb einen Teufel aus, einige zu holen. Unterwegs erkundigte er sich, wie sie aussähen. Man sagte ihm, sie seien weiß und fänden sich in der Nähe eines Bachs. Bald darauf bemerkte er einen weidenden Schimmel, hielt ihn für einen Müller und wollte ihn schnurstracks zur Hölle führen. Aber der Schimmel verstand keinen Spaß. Da ihm der Teufel von der falschen Seite ankam, schlug er aus und traf ihn so gewaltig an den Fuß, dass er zeitlebens hinken muss.

<<< operone >>>


DEUTSCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79


ENGLISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20


FRANZÖSISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49


ITALIENISCH
1 2 3 4


LATEINISCH
1 2 3 4


PORTUGIESISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20


SPANISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10