Weisheiten 7

A stiehlt unserm Herrgott a Tag ob.
i] Der Tagedieb.

A stieht em salber am Lichte.

A stisst nei (stt hinein) wie a Flscher.
i] Ist dort auf einen Posaunenblser angewandt.

A Stoch (Stich) in der siebten Ripp.
Jdisch-deutsch, Warschau
i] Eine schwere Beleidigung, ein nachhaltiger Schaden, der wehe tut.

A Stoch in Schabbes herein.
Jdisch-deutsch, Warschau
hdt] Einen Stich in den Sabbat machen.
i] Irgendeine Arbeit bei bereits begonnenem Sonnabend verrichten. Vom Schneider entlehnt, der eine Arbeit vor Anbruch des Sabbats fertig machen will, und, wenn ihm dies nicht gelingt, einen Stich in den Sabbat macht.

A su larnt ma a Baaren die Knste ab.
hdt] So lernt man einem Bren die Knste ab.
ho] Zoo vraagt man den boeren de kunst af.

A Tanz geht nit var an Essen.
Jdisch-deutsch, Warschau
ndt] Et es nit god danze mit leddige Ranzen.
z] Es geht kein Tanz vor dem Essen. Erst muss der Magen befriedigt sein, erst dann ist an Arbeit wie an Vergngen zu denken.'
fr] Aprs la panse vient la danse.

A Tapp n a Kusch ale dalejnie rusz.
Jdisch-deutsch, Warschau
i] Mit dieser Redensart rufen weibliche Personen ihrem etwas zu weit gehenden Liebhaber Einhalt zu. Cajolieren und ein Kuss, aber nicht weiter. Der polnische Nachsatz bedeutet: aber weiter rhre mich nicht an.

A Tate 's a Kind.
Jdisch-deutsch, Warschau
i] Ein Mensch, dessen Thun und Lassen eine gute Herkunft verrt. Tate = Vater.

A Tippel, anna Krgel anna Puckel vull Prgel.
Schlesien
i] Scherzhafte Antwort auf die Frage: Was wirst du mir schenken; ein Tpflein und ein Krgel und den Buckel voll Prgel.

A toater Hund beisst net und a hinerne Henn legt net.
hdt] Ein toter Hund beisst nicht und eine tote Henne legt nicht.

A Tochter naus gea.
i] Eine Tochter hinausgeben, verheiraten.

A Toten trugt mn nit zurck.
Jdisch-deutsch, Warschau
i] Nmlich vom Friedhof.

A tummediker (immer vorhandener) Groschen ist besser wie an amuledig Rndel (Dukaten).
Jdisch-deutsch, Warschau
i] Besser wenig und sicher als viel und selten.

A tut gar uoarthoffk.
Sprottau
i] Arthaftig, dass es eine (gute) Art hat.

A verkriecht sich, wie der Hund vorn Fliegen.

A verliert sich wies Quaksilber.
z] Schmalhans wird Kchenmeister sein, wenn sein Glck sich wie Quecksilber verlieren wird.

A verschater Kapzen.
Jdisch-deutsch, Warschau
i] Vom polnischen Kapcan = Bettler, armer Schlucker, Hungerleider. Von einem armen Teufel, der noch noble Passionen hat. Durch das Wort: 'verschat', das sich im Deutschen nicht wiedergeben lsst, wird ein Ausgelassener bezeichnet.

A verschttet's Wasser kann ma nimmer aufhebn.

A verzagte Mntsch (Mensch) isch im Himmel nid sichar.
Bern

A verzunft Moilchen (Mulchen) machen.
Schlesien
z] 'S gieng auch eina verbee, die machte sua verzunft Moilchen, as mar hette sillen a Wirmle os der Gusche ziehn.

A Vogel ei der Hand ies besser as zehn uff'm Dache, sagte Hans, als er Nachbars Tauben sitzen sah, und einen Molkendieb in der Hand hatte.

A wr' gut weg ze schenken, a roit's nich sr.
Schlesien
z] Er taugte allerdings gut zum wegschenken, er wrde niemanden reuen.
fr] Enlev comme un courcin.

A ward doch missen Haare lassen, wenn's derzu kommt.
Schlesien

A wart a Hasen.
Bhmisch-Friedland
hdt] Er wartet auf den Hasen.
i] Von jm, der die Arme auf der Brust bereinanderlegt, also die Zeit im Nichtstun verbringt.

A Wearelt as trinj sch'n Hingsthaad, man egh schen Pankuuk.
hdt] Die Welt ist rund wie ein Pferdekopf, aber nicht wie ein Pfannkuchen.

A weessen senn Orss wall zu lecken.
hdt] Er wei ihm seinen Arsch wohl zu lecken.

A Weg wie auf 'n Tisch.
Warschau
i] Ein sehr ebener, gerader Weg.

A wegjagen wie a Katz vn der Milch.
Jdisch-deutsch, Warschau
i] Einen mit langer Nase abziehen lassen.

A Weib is m Taif'l san Leib.
Obersterreich
hdt] Ein Weib ist dem Teufel sein Leib.

A Weib ohne Ma ist wia a Haus ohne Dach. Schwbisch

A Weib und a Kuh guckt nur zu.
i] Beide wollen geschont und nicht zu anstrengenden Arbeiten herangezogen werden.

A Weib und a Ro, a Madl und a Gwehr - leiht ma net her.

A Weib z' schlaget ist a schlechte Kunst.
Ulm

A Weib z' schlaget ist kein Kunst, aber a Schand'.
Ulm

A weiss a Fuchsschwantz schon zu streichen.

A weiss sich beim Arsche kein Rat.
sterreich-Schlesien

A weiss sonst alle neue Avisen.

A weng (wenig) a Brod (Brot) is a gueda G'fahrt.
Obersterreich
i] So sagt der Bauer, der nicht leicht ohne etwas Brot auf einen weiten oder wichtigen Gang sich macht. In hufig wiederkehrenden Sagen schtzt ein Stck Brot vor der Wut des wilden Jgers, der Macht des Bsen. Nach dem Volksglauben kann auch der Teufel dem, der ein Stck Brot bei sich hat, nichts anhaben.

A werd egen mgen am letzten Paare gn.
Schlesien
i] egen = eigen, Fllwort in der Bedeutung von wohl, gar

A werd ei Geiers Kirche kummen.
Schlesien
i] Verhllung fr Teufel. Die Scheu des Volkes, gewisse Wrter, wie Gott, Christus, Himmel, Sakrament u.s.w. auszusprechen, erstreckt sich namentlich auf den Teufel, dessen Namen, besonders in frherer Zeit, zu nennen man ganz besonders zu vermeiden suchte. In allen Gegenden finden sich dafr Ausdrcke, die entweder aus dem Namen Teufel entstellt sind, weil man auf diese Weise doch das unmittelbare Nennen vermied, oder sie beziehen sich auf seine Gestalt und Farbe, und sind noch anderen Ursprungs. Dahin gehren auch die Redensarten: Hol's der Geier! Hol's der Hund!

A werd ens (uns) anforzen wie 'n Schandarm.
Schlesien
i] So barsch behandeln, wie Gendarmen wohl zu tun pflegen.

A werd mer schund wder in meine Schoten kummen.
fr] Laissez le faire, il viendra moudre notre moulin.

A werd schuen amol ei's Tippla fall'n.
Schlesien
hdt] Er wird schon einmal ins Tpflein fallen
i] bel ankommen.

A werd's Krimmern am Nacken krgen.
Schlesien
i] Er wird gehngt werden.
z] Fulge gudem Rothe, weil noch Zt zu roten, ih du's (ehe du das) Krimmen in Nacken krigest.

A wert mich ju nich im Schtiche lussen.
Schlesien
z] Man wird dich nicht im Stiche lassen.

A wert's wul missen a Wink ner gn, wort ok a wink.
Schlesien
hdt] Er wird es mssen nher geben (sich deutlicher aussprechen, ein wenig verstndlicher machen), warte darum ein wenig.

A wss alle Schliche am Esel ins Loch, aber knen wieder rs (heraus).

A wss nich, w a de orme Loite (Leute) genunk tribelieren sul.
Schlesien

A wss seine Sachen schun ze schnden.
Schlesien

A Wiard klinkt s an Klaak.
Nordfriesland
hdt] Die Wahrheit klingt wie eine Glocke.
i] Sie ist so sicher erkennbar und vernehmbar, wie eine Glocke. Wenn man eine Glocke hrt, wei man sogleich, dass es eine Glocke ist. hnlich ist es mit der Wahrheit.

A Wiard komt altidj fr ferflden Drren.
Nordfriesland
hdt] Die Wahrheit kommt allezeit vor verschlossene Tren.

A wiel andern Loithen (Leuten) Rotten fangen und kon im salber keene Moise fangen.

A wiel een gor mit a Oogen derstechen.
hdt] Er will einen gar mit den Augen durchstechen.

A wl andern Ratten fangen und konem (kann ihm) salber kne Moise fangen.
Schlesien
la] Alienos agros irrigas tuis sitientibus.
la] Alienum aras fundum.
la] Nonne id flagitium est te aliis consilium dare, foris sapere, tibi non poe te auxiliarier? Terenz

A will alles han (haben), was a sieht, wie die Kinder.

A wils gar gemalt han.

A Wimmerl im Hirn haben.
Wien
i] Hitzblatter, Auswuchs, Ast. Man sagt auch ein verwimmertes Herz oder Gewissen haben. Die obige Redensart wird meist in dem Sinne gebraucht: etwas verrckt sein. Anderwrts kommt die Redensart vor: einen Wurm im Kopfe haben.

A wink schworze Kreide hr, doss ma aml sitt.
Schlesien

A wird a langes a breetes machen.

A wird a mohl anne Schmarre davontragen (wegkriegen).

A wird am lngsten gegangen sien.

A wird em Kaiser wull nich ausem Lande follen.

A wird ihm noch manchen sauern Wind mssen lussen unter die Noase gihn.

A wird og nicht hieren a Kuckuck singen.

A wird seine sieben Sachen schun machen.

A wird sich noch imma (um den) Hals reden.
ho] Hij breekt daar veele woorden den hals om.

A wird su lange saufen, bissem der Krug wird am Holse stecken bleiben.

A wird wul nich aus der Haut fahren.
Schlesien

A wird's wul nher gan.
i] Er wird sich deutlicher erklren.

A wirft goar garne a ng am Sperlije.
hdt] Er wirft gar gerne ein Ei nach dem Sperling.

A Wirm krlt fr a duas.
Amrum
hdt] Ein Wurm krmmt sich vor dem Tode.

A wiss sich recht azuschmeren.
i] Stellt sich freundlich, schmeichelt sich ein.

A Witfrau (Witwe) ist wia a Garten ohne Zaun.
Schwbisch

A Witfrau ist wia a Garta ohne Zaun. Schwbisch

A wollt mich drankrigha (drankriegen), onns (und das) Kalb koam arschlich.
sterreich-Schlesien
i] Er wollte mich betrgen, aber betrog sich selbst, die Sache kam anders, als er gedacht.

A Wort is asoj gt wie a Chsimes-Jad (Unterschrift).
Jdisch-deutsch, Warschau
hdt] Ein Wort (vor Zeugen) ist so gut wie eine Unterschrift.

A Wort n a Forz knn mn nicht zurcknehmen.
Jdisch-deutsch, Warschau

A Wugen is a Seiger (Uhr), a Schlitten is a Peiger (toter Krper).
Jdisch-deutsch, Warschau
i] Eine Fuhrmannsregel, welche dem Wagen einen Vorzug vor dem Schlitten gibt. Jener besitzt ein Rderwerk wie eine Uhr, whrend dieser gleich einem Cadaver geschleift werden muss.

A wurde wie a Blut unterm Gesichte.

A Zaddik im Pelz.
Jdisch-deutsch
i] Zaddik heisst hebrisch: 'der Fromme, der Gerechte', und ist gleichzeitig die Benennung des 18. Buchstaben des hebrischen Alphabets, welcher dem deutschen Z entspricht (eigentlich Tsad). Am Ende eines Wortes wird ohne Ausnahme das sogenannte 'schlechte' (verdorben aus schlicht = gerade) Zaddik geschrieben. Nun ist aber das Zaddik im Worte 'Pelz', weil am Schlusse, eben 'schlecht'; daher bezeichnet der Volkswitz mit diesem Wortspiel einen frommthuenden Menschen, der im Grunde so schlecht ist, wie das Zaddik im Worte Pelz.

A zehlt em alle Bissen ans Maul.

A zehrt vom Lebe (Leibe) wie die Hundaxen.

A Zimmermannshaar misst an Zoll und a Schneiderfurz a gschlagene Elln.

A zoddelt em immer noch.

A zoiht a Kp (Kopf) aus der Schlinge.

A z'widar Salsse.
Obersterreich
i] Eine zuwidere, widerwrtige Salse. Unter 'Sals' versteht man den dick eingesottenen Saft irgendeiner Fruchtbeere u.s.w., der meist als Arznei aufbehalten wird. Die obige Redensart wird besonders auf widerwrtige Weibspersonen angewandt.

A Zwug zu stellen.
Jdisch-deutsch, Warschau
i] Vom altdeutschen zwagen = baden. Jemand etwas einbrocken. Im Sinne der polnischen und vielleicht aus dieser entstandenen Redensart: Sprawić komuś łaźnię.

A, e, i, o, u, die Ochsen schreien Muh.

A. E. I. O. U.
i] Alles Erdreich ist sterreich untertan. Auch: Allein Evangelium Ist Ohn Verlust. Wahlspruch Kaiser Friedrichs III. [1415-1493]

A. Man sagt: Sie sind ein Misanthrop!
B. Die Menschen ha ich nicht, gottlob!
Doch Menschenha, er blies mich an,
Da hab ich gleich dazu getan.
A. Wie hat sichs denn so bald gegeben?
B. Als Einsiedler beschlo ich zu leben.
Goethe, Probatum est

A. Sag mir, warum dich keine Zeitung freut?
B. Ich liebe sie nicht, sie dienen der Zeit.
Goethe, Zeit und Zeitung

Aach der hat e Brett vorm Kopp awwer aans mit Gucklecher drin.

Aach e Mann am Brckelch'n.
i] Von einem unbedeutenden einflusslosen Menschen. Das Brckelchen ist ein Gsschen bei der Judengasse in Frankfurt a.M. Es war und ist teilweise noch der Sammelplatz der jdischen Proletarier.

Aachen ist des deutschen Reiches Haupt.
i] Auch das neue Rom genannt
la] Urbs Aquavis, urbs regalis, Regni sedes principalis Prima Regum curia.

Aachen und Kln sind nicht an einem Tage gebaut (und werden nicht an einem Tage zerschell'n).
ho] Aken en Keulen niet te gelijk.
la] Alta die solo non est exstructa Corinthus.

Aal iss'n qud (bses) Ml.
Ostfriesland

Aal iss'n swr Ml (= Mahlzeit), ick will lver Stnen dragen, as eten.
Ostfriesisch
i] Er ist schwer zu verdauen, der Witz liegt darin, dass 'dragen un eten' beide auf 'Steine' bezogen werden, der Sinn ist: ich will lieber Steine tragen, als Steine essen.
d] Aal og slimer fisk gir tung sind og ond mave.

Aal, Kohl und Verdruss man als Abendkost nicht nehmen muss.
d] Aal, og kaal, og knur er ond aftensmad.

Aale fangen.
i] Aus Gewinnsucht das Recht trben, weil man Aale nur fngt, wenn man den Schlamm tchtig aufwhlt.

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LATEINISCH
1 2 3 4

PORTUGIESISCH
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SPANISCH
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