Weisheiten 73


Das Vergangene abgetan sein lassen, die Zukunft der Vorsehung anheim stellen - beides heisst den eigentlichen Sinn der Gegenwart nicht verstehen, die überhaupt nur so weit als Realität gelten kann, als sie durch Treue des Gedächtnisses das Vergangene zu bewahren, durch Bewusstsein der Verantwortung die Zukunft in sich einzubeziehen versteht.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das vergangene bedächtlich erachten, das zukünfftig wohl und reiff betrachten.

Das Vergangene ist das Künftige von heute.
Japan

Das Vergangene können wir nicht zurückrufen, über die Zukunft sind wir eher Meister, wenn wir klug und gut sind.
Goethe, An Corona Schröter, Anfang 1781?

Das Vergangene löst uns von allem um uns herum und versetzt so die Seele in die stille ruhige Stimmung, die man zum Schaffen unbedingt braucht.
Gogol, Die Beichte des Autors

Das Vergangene wie das Entfernte mag ich mir nicht lieber heraufrufen als durch genaue Betrachtung einzelner Wirklichkeiten.
Goethe, Schriften zur Literatur - Junger Feldjäger

Das vergeht wie die grünen Erbsen.
Meiningen

Das vergeht, bi e Pfond Säfe (Seife).
Henneberg

Das Vergessen ist die Wurzel des Exils, die Erinnerung bedeutet Erlösung.
Elie Wiesel, Chassidische Feier

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
Kiekegaard

Das Vergnügen bei der Liebe liegt im Lieben, und das Glück in der Leidenschaft, die man empfindet, und nicht in der, die man erregt.
La Rochefoucauld, Reflexionen und moralische Sentenzen

Das Vergnügen ist der Feind der Freude.
Romano Guardini

Das Vergnügen ist so nötig, als die Arbeit.
Lessing, Der junge Gelehrte

Das Vergnügen kann sich auf den Schein stützen, das Glück aber muss auf der Wahrheit beruhen. Nur diese kann uns jenes Glück geben, dessen die menschliche Natur fähig ist. Der durch den Schein Glückliche hat sein Glück auf Börsenwucher gebaut; der durch die Wahrheit Glückliche aber auf Bodenwerte und auf gute Renten.
Chamfort, Maximes et pensées

Das Vergnügen läuft demjenigen nach, der es flieht.
i] Wer die geräuschvollen Vergnügen der Welt flieht, findet ein höheres Glück in dem Frieden der Seele und rein geistigen Genüssen.
fr] Le plaisir court après celui qui le fuit.

Das Vergnügen verbraucht uns. Die Arbeit kräftigt uns. Wähle.
Charles Baudelaire (1821-1867), Tagebücher

Das Vergnügen, Gutes zu tun, ist das einzige, das sich nicht abnutzt.
China

Das Vergnügen, zu geben, ist dem wahren Glück unentbehrlich, aber der Ärmste schon kann es haben.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Das verhält sich wie die Sonnenscheibe zur Kniescheibe.

Das verhält sich wie ein Christuskopf zu einem Dachrinnenkopfe.

Das verhält sich wie ein Nachtwächterhorn zur Posaune.

Das Verhalten der Söhne ist zuweilen eine Reaktion gegen die Fehler ihrer Väter.
Maurois, Die drei Dumas

Das Verhalten einer politischen Partei zu ihren Fehlern ist eines der wichtigsten und sichersten Kriterien für den Ernst einer Partei und für die tatsächliche Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihrer Klasse und den werktätigen Massen.
Lenin, Der Blinke Radikalismus

Das Verhalten zur Kunst muss voll Ruhe, Ernst, ohne Hast und Reklamehaftes sein.
Block, Die Kunst und die Zeitung

Das Verhältnis der Dinge und nicht das der Menschen zueinander ruft den Krieg hervor...
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Das Verhältnis des Mannes zum Weib ist das natürlichste Verhältnis des Menschen zum Menschen.
Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte

Das Verhältnis von Ursache und Wirkung ist durch kein Dekret, durch keine Maßregel, durch kein Machtaufgebot aus der Welt zu schaffen.
W. Liebknecht, Die Grund- und Bodenfrage

Das Verhältnis zu dem, was man liebt, ist so entschieden, dass die Umgebung wenig sagen will, aber dass es die gehörige, natürliche, gewohnte Umgebung sei, dies verlangt das Gemüt.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,12

Das Verhältnis zu einem Menschen, dem man sich verpflichtet glaubt, ist immer ein gezwungenes.
Tschernyschewski, Was tun?

Das Verhältnis zwischen Armen und Reichen ist das einzige revolutionäre Element in der Welt, der Hunger allein kann die Freiheitsgottin ... werden.
Büchner, An Gutzkow, 1835

Das Verhängte muss geschehen,
Das Gefürchtete muss nahn.
Friedrich Schiller, Kassandra

Das Verheiraten und das Kaufen eines Grundstücks sind ein ewiges Fallen.
Estland

Das verhüte der Himmel, sagte der Pfaff, als er zur Hölle fuhr.
ho] Dat verhoede de hemel, zei Klootje, en hij dacht aan onzen lieven Heer niet.

Das verirrte Schaf hat den längsten Schwanz.
i] Das Verlorengegangene stellen wir uns immer kostbarer vor als es in Wirklichkeit war

Das verkauft er für Humanität? Zusammenaddieren
Kannst du den Engel, das Vieh, aber vereinigen nicht.
Schiller, Gewisse Romane

Das Verlangen des Faulen regt sich vergebens, das Verlangen der Fleißigen wird befriedigt.
Altes Testament, Sprüche Salomos 13, 4

Das Verlangen hört nie auf.

Das Verlangen nach dem Garten verlässt nie das Herz der Nachtigall.
Persien

Das Verlangen nach einem Ding ist größer als sein Wert.
Australien

Das Verlangen nach einer Frau, die man einmal besessen hat, ist etwas Grauenvolles und tausendmal schlimmer als alles andere...
Flauber, November

Das Verlangen nach Macht hat... seine Quelle im Verlangen nach Vergnügen.
Helvetius, Vom Menschen

Das Verlangen nach Seligkeit und Unsterblichkeit hat Gott in unser Wesen eingesenkt.
Augustinus

Das Verlangen nach Wissen wird größer, indem man es erwirbt.
England

Das Verlangen, welches man nach dem Anblicke gewisser Gegenstände hat, hängt gar nicht allein von ihrer Größe, von ihrer Schönheit oder Wichtigkeit ab, es ist in jedem Menschen mit vielen zufälligen Eindrücken des Jugendalters, mit früher Vorliebe für individuelle Beschäftigungen, mit Hang nach der Ferne und einem bewegten Leben verwebt.
A. v. Humboldt, Ansichten der Natur

Das Verletzen unserer Familiengeheimnisse ist ohnehin ein bedeutenderer Diebstahl als das Wegnehmen einiger Geldstücke.
Büchner, an die Familie, August 1834

Das Verliebtsein ist eine abscheuliche Plage, bei der das Essen nicht mehr schmeckt und der Schlaf nicht mehr erquickt.
Weerth, an Betty Tendering, Ende September 1855

Das Verlorene vergessen ist der größt vorteil.

Das verlorengegangene Messer hatte einen goldenen Griff.
en] The lost knife had a golden handle.
tü] Kaybolan bıcağın sapı altın olur.

Das verlorengegangene Schaf hatte den längsten Schwanz.
i] Verlust lässt die Dinge wertvoller erscheinen, als sie waren
en] The sheep that went astray had the largest tail.
tü] Zayi olan koyunun kuyruğu büyük olur.

Das Vermögen aber soll durch Mittel erworben werden, die von Unsittlichkeit frei sind; erhalten aber soll man es durch Genauigkeit und Sparsamkeit; durch dieselben Mittel soll es auch vermehrt werden.
Cicero, De officiis, 2. Buch, 24. Kap.

Das Vermögen der Frau und das Muhen der Kuh sind gleich.
Estland

Das Vermögen des Staates ist wie der Ozean. Wer nicht daraus schöpft, ist ein Dummkopf.
tü] Devlet malı deniz, yemeyen domuz.

Das Vermögen des vernünftigen Denkens täuscht die, welche sich darauf verlassen, selten oder niemals; seine Schlussfolgerungen aus dem, worauf es sich stützt, sind augenscheinlich und gewiss; aber das, worin es uns am häufigsten, wenn nicht allein irreleitet, ist, dass die Prinzipien, woraus wir Schlüsse ziehen, die Unterlage, worauf wir unsere Folgerungen gründen, nur einen Teil bilden, dass etwas ausgelassen ist, was mit in Rechnung gezogen werden sollte, um diese richtig und genau zu machen.
Locke, Über den menschlichen Verstand

Das Vermögen ist die Fallsucht der Seele, die Wurzel der Sünde, die Tugend vernichtende Pest, die der Entwicklung und Stärkung der Gerechtigkeit, des Mutes, der Dankbarkeit und der Freundschaft in einer gesunden Menschenseele ein Bein stellt.
Déry, Die Geschichte vom Leben und Sterben des heiligen Ambrosius

Das Vermögen ist nicht dessen, der's erworben, sondern dessen, der's genießt.
it] La roba non è di chi le fece, ma di chi la gode.

Das Vermögen, das du benutzt, geht zu Ende. Wissen, wenn du es benutzt, vermehrt sich.
Suaheli

Das Vermögen, die Motive des Wollens schlechthin selbst hervorzubringen, ist die Freiheit.
Kant

Das Vermögen, jedes Sinnliche zu veredeln und auch den totesten Stoff durch Vermählung mit der Idee zu beleben, ist die schönste Bürgschaft unseres übersinnlichen Ursprungs.
Goethe, F. v. Müller, 29.4.1818

Das Vermögen, schaden zu können, erweckt, fürchte ich, die Lust, schaden zu wollen; und es ist besser, unrecht leiden, als unrecht tun.
Lessing, Zeus und das Schaf

Das Vermögen, welches die Verbindung der Wahrheiten untereinander einsieht, heisst im eigentlichen Sinne die Vernunft.
Leibniz

Das Vermögen. die Motive des Wollens schlechthin selbst hervorzubringen, ist die Freiheit.
Kant

Das Vernünftige bricht sich nicht von selbst Bahn. Es setzt sich nur soviel Vernunft durch, wie die Vernünftigen durchsetzen.
Bert Brecht

Das Vernünftige ist durchaus nicht immer das Gute, das Vernünftigste jedoch muss auch das Beste sein.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Vernünftigste ist immer, dass jeder sein Metier treibe, wozu er geboren ist und was er gelernt hat, und dass er den anderen nicht hindere, das Seinige zu tun. Der Schuster bleibe bei seinem Leisten, der Bauer hinter dem Pflug, und der Fürst wisse zu regieren. Denn dies ist auch ein Metier, das gelernt sein will, und das sich niemand anmaßen soll, der es nicht versteht.
Goethe, Eckermann, 25.2.1824

Das Verschließen ist zu spat, wenn man im Stall kein Vieh mehr hat.
la] Nil juvat amisso claudere septa grege.

Das verschlossene Tor hält selbst den losgelassenen Teufel zurück.

Das verschlug ihm den Atem.
en] That took his breath away.
fr] Cela lui a coupé le souffle.
it] Ciò gol ha levato il fiato.

Das verschweigt des Sängers Höflichkeit.
i] Es ist dies die Schlusszeile eines bei F.L. Lischke in Berlin erschienenen Liedes, dessen erste Zeilen lauten: 'Als der liebe Gott die Welt erschaffen, schuf er Fische, Löwen, Affen.'

Das versengt mir den Weiher nicht.

Das Verseschmieden raubt einem den Schlaf, selbst Essen und Trinken kommen zu kurz, oft kratzt man sich am Kopf, benagt die Fingernägel bis aufs Fleisch und macht den Griffel stumpf, den man beim angestrengten Nachdenken krampfhaft umklarnmert.
Ecbasis captivi in belehrender Gestalt (vor 1030)

Das Versprechen der Gerste: 'Wenn nichts dazwischen kommt, werde ich in acht Wochen im Krug springen'.
Estland
i] In acht Wochen wird das Bier im Krug fertig sein

Das Versprechen der Nacht ist mit Butter bestrichen, welche zergeht, wenn der Tag darauf scheint.

Das Versprechen füllt den Magen nicht.

Das Versprechen halten, wenn der Esel seine Ohren leckt.

Das Versprechen hat keinen Schwanz hinten.
Estland

Das Versprechen ist auch ein guter Mann.
Estland

Das Versprechen ist ein Geschenk.

Das Versprechen ist eine halbe Pflicht.
Estland

Das Versprechen, das du dir selbst gibst, sei dir heiliger als jedes andere! Ein Drittes weiß sich schon Recht gegen dich zu verschaffen; aber die Pflicht, die du gegen dich selbst eingingst, kann niemals Zwangspflicht werden. Betrachte sie also immer als Ehrenschuld, die du an deine Natur zu zahlen hast.
Hebbel, Tagebücher, 1837

Das Versprochene ist des anderen Mannes Eigentum.
Estland

Das Verständliche an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern Ton, Stärke, Modulation, Tempo, mit denen eine Reihe von Worten gesprochen wird - kurz die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft: alles das also, was nicht geschrieben werden kann.
Nietzsche

Das verständliche Leben ist das ausgehallete Wort.
Jakob Böhme

Das verstehst du nicht, das versteh' ich kaum.
i] Scherzhafte Zurechtweisung.

Das versteht ein Ochsentreiber.
z] Das will ich einem großen Ochsentreiber aus seinen Decretalen klar und war machen. Luther

Das versteht sich am Rande, dass der Matzkuchen rund ist.
ndt] Dat versteit sik am Ranne, dat de Pannekauken rund is. Westfalen

Das versteht sich am Rande, dass es in der Mitte tief ist.
Kreis Nimptsch in Schlesien
ho] Een kind zou merken, dat dit figuur lijker wijze gesproken is, en dat eene muis geen olifant, en een toren geen horen is.

Das versteht sich am Rande, was Matzkuchen ist.

Das versteht sich am Rande.
la] Illud indictum intelligitur.

Das versteht sich! sagte der Bauer, da sprach er Hochdeutsch.

Das verstohlenste Gebet ist das beste.
Rostand, La Samaritaine

Das versuche an einem Türken, an dem nichts zu verderben ist.

Das Vertrauen ist etwas so Schönes, dass selbst der ärgste Betrüger sich eines gewissen Respektes nicht erwehren kann vor dem, der es ihm schenkt.
Ebner-Eschenbach

Das Vertrauen, welches neue Freunde sich einander schenken, pflegt sich stufenweise zu entwickeln.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,8

Das Vertraun wird kommen,
Hat jeder nur erst seine Sicherheit.
Schiller, Wallensteins Tod

Das verwelkte Alter vertreibt die losen Leidenschaften.
la] Arida pellente lascivos amores canitie.

Das verwundbarste Ding und doch das unbesiegbarste ist die menschliche Eitelkeit: Ja, durch die Verwendung wächst seine Kraft und kann zuletzt riesengroß werden.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschtiches

Das verwundete Pferd zittert schon, wenn es den Sattel sieht.
Neugriechisch

Das verwundete Tier geht nicht mehr mit den anderen Tieren.
Duala (Bantu)

Das Verzeihen ist die schönste Blume des Sieges.
Arabien

Das Verzeihen kann härter sein als die Strafe.
Norwegen

Das verzweifelte Kreuz!
i] Bezieht sich auf ein Kreuz von Hölzern, die sehr künstlich gefügt und schwer auseinander zu lösen sind.

Das Vieh bekommt in der Christnacht menschliche Sprache, Wasser verwandelt sich in Wein.

Das Vieh des Fremden frisst die Kräuter, aber das des Eigentümers legt sich hungrig nieder.
Babylon

Das Vieh des Herrn Furchtsam kommt sicher hindurch, das des Herrn Mutig stirbt.
Zulu

Das Vieh frisst Grummetheu anstelle von Getreide.
Estland

Das Vieh gibt, aber das Haus nimmt.
Estland

Das Vieh ins Korn lassen (führen).
i] Dahin, wohin es eben nicht kommen soll. Schlechte Hut oder Verführung.
dä] Han vii gierne føre foe i kom.

Das Vieh ist leicht zu treiben, das selber nach dem Stalle (Felde u.s.w.) läuft.

Das Vieh ist wie der Stall.
Sachsen
dä] Det kveg er let at gjenne til byes, som selv bisser for.

Das Vieh weiß, wenn es heim soll und geht vom Gras weg, aber der Narr kennt niemals seines Magens Maß.
Altgermanisch

Das viel unrecht gehen, macht darumb den weg nicht recht.

Das Viele gibt man aus, mit dem Wenigen hält man Haus.
sp] Lo mucho se gasta, y lo poco basta.

Das Viele im Einzelnen, am Einzelnen setzt uns nicht mehr in Verlegenheit, wenn wir uns folgendermaßen ausdrücken: Das untere Lebendige sondere sich vom Lebendigen, 0 Lebendige gliedere sich am Lebendigen, und da wird ein jedes Glied ein neues Lebendige.
Goethe, Maximen und Reflexionen - Betrachten wir unserem ...

Das viele Lecken (Küssen) setzt blaue Flecken.

Das viele Lesen hat uns eine gelehrte Barbarei zugezogen.
Lichtenberg, Aphorismen

Das viele Lesen ist dem Denken schädlich. Die größten Denker, die mir vorgekommen sind, waren grade unter allen den Gelehrten, die ich habe kennengelernt, die, die am wenigsten gelesen hatten. Ist denn Vergnügen der Sinne gar nichts?
Lichtenberg, Aphorismen

Das viele Stehen hat die Füße der Henne klein gemacht.
Kamerun
i] Mit Herumstehen wird nichts erreicht

Das vierd alter heisset Senium und ist das letzt auf der Grub und das scheidmesser in ars.
hdt] Das vierte Alter heisst Senium und ist das letzte auf der Gruße und das Scheidmesseer im Arsch.

Das viertäglich (o. viertägige) Feber bringt keinen vmb.

Das Visierwasser fehlt.
i] Schützenausdruck zur Bezeichnung geistiger Getränke. Ein guter Trunk soll den Blick klar machen, und ruhiges, sicheres Zielen bewirken.
z] Es war etwas kalt, was einen lebhaften Consum von Visirwasser zur Folge hatte.

Das Vögelchen sorgt sich ja nicht ums Brot.
Estland

Das Vogelgarn offen spreiten.
i] Verlegenheit bereiten.
z] Wilt etwas tun, so schweig, nit warn; du spreitest sunst das vogelgarn offenlich den vögeln dar, das jeder sein bald nimmet war; darum so lug, dein raten spar.

Das Vogeljunge stirbt nicht im mütterlichen Nest.

Das Vogelnest wird vom Weibchen gebaut.
tü] Yuvayı dişi kuş yapar.

Das Vöglein will hin, wo es ausgebrütet ist.
ndt] Dit Függelke well hen, hurt ütbröddet es. Nordfriesland

Das Volk aber ist zufrieden, dass die Hanswürste da droben [auf dem Theater] ihm Späße vormachen, an denen es keinen Teil verlangt.
Goethe, An Zelter, 3.12.1824

Das Volk an sich selbst ist nicht der Staat, sondern es ist eine durch Abstammung, Wohnplatz, Schicksal, Bedürfnis beisammenlebende Familienmenge.
H. Zschokke, Pandora

Das Volk bedarf anschaulicher und nicht begrifflicher Wahrheiten.
Rivarol

Das Volk der Denker.
i] Sprichwörtliche Bezeichnung des preussischen Volkes, wie es das Volk in Waffen genannt wird.

Das Volk duldet lange, aber am Ende kommt die Rache, die Rache mit roten Händen und unhörbaren Schritten.
Oscar Wilde, Vera oder Die Nihilisten

Das Volk eignet sich schnell Bildung an und hat bereits eigne Dichter, die ihm seine Zukunft zeigen, während sie seine Leiden teilen...
Belinski, 'Die Geheimnisse von Paris'

Das Volk erstaunt war, wie es deute,
Dass ein Mann mehr Vernunft besaß
Als eine Menge Leute.
La Fontaine, Fabeln

Das Volk fordert von einem Fürsten viel.
la] Majora populus semper a summo exigit.

Das Volk fühlt sich für sich selbst verantwortlich.
F. Wolf, Beaumarchais

Das Volk führt aasige Gespräche.
Estland

Das volk gemein spricht überal, das man kein buben ölen sol.
la] Nullus inungatur nebulo, plebs undique fatur.

Das Volk hat aber doch gewisse Rechte.
Schiller, Wilhelm Tell, IV, 4 (Rudolf der Harras)

Das Volk hat ein gutes Gefühl für liebenswerte Taten...
F. Wolf, Beaumarchais

Das Volk hat etwas von Kindern an sich, die sich am Anblick eines Umzugs, eines Sterbefalls, eines Brandes, an allem, was Leben und Treiben verursacht, erfreuen.
Multatuli, Woutertje Pieterse

Das volk hungert
weil die herren zuviel steuern verzehren
deshalb muss es hungern
Laudse, Daudedsching

Das Volk im Mittelalter hat immer, wenn es irgendwo große Geistesmacht sah, dergleichen einem Teufelsbündnis zugeschrieben...
Heine, Die Romantische Schule

Das Volk in Waffen.
i] Zur Bezeichnung des preussischen, aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgegangenen Heeres. Der sprichwörtlich gewordene Ausdruck ist weder, wie von Kleist-Retzow in der Sitzung des preussischen Herrenhauses vom 13. August 1866 irrtümlich annimmt, von Friedrich Wilhelm IV. zuerst gebraucht, noch ist er von dem Ausspruch Napoleon's am 30. Dec. 1813: 'A l'aspect de tout ce peuple en armes' herzuleiten; er ist vielmehr echt deutschen Ursprungs und findet sich zuerst in einer im Jahre 1837 bei Becker in Wesel von Hermann Neumann unter dem Titel Erz und Marmor herausgegebenen Sammlung Balladendichtungen. In dem Zueignungsgedicht An Preussens Heer lautet die erste Strophe: 'Gegrüßet, Preußen, Männer sonder Wanken, du Volk in Waffen, du Spartanerheer. Borussia, du Wonne der Gedanken, Borussia, du Wort, wie Gold so schwer.' In der Schlesischen Zeitung (vom 15. Oct. 1871, Nr. 479) erklärt der Dichter, Garnisons- Oberinspector in Neisse, dass er der Urheber des Worts ist, und zwar, weil die 4. Aufl. von Büchmann's Geflügelten Worten darüber noch im Ungewissen war. In der Thronrede vom 12. Juni 1860 heisst es: 'Es ist nicht die Absicht, mit dem Vermächtnis einer großen Zeit zu brechen. Die preussische Armee wird auch in Zukunft das preussische ?Volk in Waffen? sein.' In den Schles. Provinzialblättern (1870, S. 628) ist in einer Anmerkung angeführt, der Ausdruck soll sich bereits in den Kriegsliedern von 1813 finden. Im folgenden Jahrgange dieser Zeitschrift (1871, S. 27) nimmt aber der Dichter die Urheberschaft für sich in Anspruch, oder verlangt, dass Stellen als Beläge dafür, dass er vor ihm gebraucht worden sei, beigebracht würden, was bisjetzt, obgleich inzwischen vier Jahre verfloßen und Büchmann's Geflügelte Worte bereits bis zur 9. Auflage vorgeschritten sind, noch nicht geschehen ist. Der Nachweis darf also unangezweifelt als geführt gelten, dass der seitdem, am 11. Sept. 1875 zu Neisse verstorbene Dichter Hermann Neumann der wirkliche Urheber des Worts ist.

Das Volk ist aufrichtig, die Gesellschaft handelt; das Volk kämpft mit dem Messer, die Gesellschaft mit dem Gift der Sprache oder der Ideen; das Volk leidet den Tod, die Gesellschaft geht straffrei aus.
Honoré de Balzac (1799-1850), Der Ehevertrag

Das Volk ist der Tugend fähig, aber nicht der Weisheit. Unfehlbarer dort, wo es achtet, als dort, wo es wertet, vermag es zu erkennen, aber nicht zu wählen. Es liegt mehr Sinn, als man glaubt, in dem Witz über den Fleischer, der sich, als er einen Advokaten brauchte, ins Gerichtsgebäude begab und den dicksten aussuchte.
Joubert, Gedanken und Maximen

Das Volk ist derjenige Teil des Staates, der nicht weiß, was er will.
Hegel

Das Volk ist die beste Schule der Einfachheit.
Johannes R. Becher, Wachstum und Reife

Das Volk ist die Wurzel eines Landes. Ist die Wurzel fest, lebt das Land in Frieden.
Shujing

Das Volk ist doch immer produktiv und gedankenreich, wenn einmal der Weg eingeschlagen ist; es birgt alle Ideen in seinem Schoße.
Gottfried Keller, Briefe

Das Volk ist ein gerader Stamm, aber alle Späne, in welche ihn die Staat-Drechsler teilen, krümmen sich.
Jean Paul, Der Komet

Das Volk ist ein Kind; aber dieses Kind wächst und verspricht zum kräftigen, vernünftigen Manne zu werden. Der Kummer hat es verständig gemacht und ihm gezeigt, was der konstitutionelle Flitter in Wahrheit wert ist.
Belinski, 'Die Geheimnisse von Paris'

Das Volk ist ein Tier mit vielen Köpfen.
Schweden

Das Volk ist eine Kugel, die sich nach allen Richtungen wenden lässt.
z] Ich thue alles und bin doch nichts, ich thue das Böse wie das Gute. Wenn ich befehle, so gehorche ich. Ich gebe mehr als ich empfange. In meinem Namen wird das Gesetz gemacht; und schlag' ich zu, so schlag' ich auf mich selbst.
fr] Je fais tout, et je ne suis rien; je fais le mal, je fais le bien.
fr] J'obéis toujours, quand j'ordonne; je reçois moins que je ne donne; en mon nom on ne fait la loi, et quand je frappe, c'est sur moi.

Das Volk ist eine Wetterfahne.
z] Das Volk kennt keine Berathung, es sieht auf keine Gründe, es weiß weder einen Unterschied: zu machen, noch lässt es sich die Dinge angelegen sein. Nach Dünkel urteilt es in den meisten Fällen, nach Rechtschaffenheit in den wenigsten.
la] Carens consilio, ratione discrimine, diligentia ex opinione multa, ex virtute pauca judicans.
la] Mobile mutatur semper cum principe vulgus.

Das Volk ist frei: seht an, wie wohls ihm geht!
Goethe, Faust I, Auerbachs Keller (Mephisto) Vs 2295

Das Volk ist mehr wert als seine herrschende Schicht, als seine Staatsart und gar als diejenigen, die ihm seine Meinungen vorschreiben; es lebt länger, es wägt gerechter, es behält im Bewußtsein, es ist dankbar.
Arnold Zweig, Antigermanismus

Das Volk ist nicht der Regierung wegen da, sondern die Regierung des Volkes wegen; die Regierung soll den Willen des Volkes ausführen, sie soll nichts weiter sein als die vollziehende Gewalt.
August Bebel (1840-1913), Rede im Deutschen Reichstag..., 8. 11. 1871

Das Volk ist nicht edel, das seine Toten nicht ehrt.
Schack Staffeldt, bei E. Jonas, Nordische Diamanten

Das Volk ist nie ärger, als wenn es im Überfluss ist.
la] Chorea est circulus, cujus centrum est diabolus.

Das Volk ist ohne viel Geist und die Großen ohne Herz; jenes hat einen guten Kern, aber keine gefällige Schale; diese haben nichts als ein angenehmes Äußere und eine Oberfläche ohne Tiefe.
La Bruyère, Von den großen Herren

Das Volk ist schwer zu regieren, wenn es allzu klug ist.
Laotse

Das Volk ist von Natur aus nicht gewalttätig, sondern friedlich.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Das Volk ist wie der Fürst.

Das Volk ist wie Gras, das Vieh zertrampelt es, und im Jahr darauf schießt es in desto satterem Grün empor.
Kraszewski, Gräfin Cosel

Das Volk kann Souveränität höchstens übertragen, aber niemals ausüben.
Mussolini, Über Machiavelli

Das Volk läßt sich nie bestechen, wohl aber oft hinter das Licht führen...
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Das Volk liebt den Mann, der die Gerechtigkeit bringt, dem Weisen schenkt es eher Ehrfurcht als Liebe.
Francesco Guicciardini, Ricordi

Das Volk liebt großherzige, kühne Führer ... wählt sich selbst seinen Abgott - um ihn zu lieben, nicht zu fürchten.
Wassili Schukschin, Ich kam euch die Freiheit zu bringen

Das Volk liebt schnell, es vergisst schnell.
F. Wolf, Beaumarchais

Das Volk macht sich seine Lieder und Liederdichter...
Chamisso, Vorrede zu Beranger-Übersetzungen

Das Volk muss immer einen Juden haben, den es brät.

Das Volk muss regiert werden, aber nach volkstümlichem Sinn, von ihm geht die Lehre aus über seine Bedürfnisse; der Staat muss seinen Willen dem Volksgeist unterwerfen...
Bettina von Arnim (1785-1859), Ilius Pamphilius und die Ambrosia

Das Volk ruft heute Hosianna und morgen Kreuzige.
la] Populus mutatur ad horam quamlibet, et stabilem nescit habere fidem.
la] Scinditur incertum studia in contraria vulgus. Virgil

Das Volk schätzt Stärke vor allem...
Goethe, Italienische Reise I, 6.10.1786

Das Volk schenkt seine Gunst, doch bleibt es wandelbar.
Rivarol

Das Volk spielt den Richter über meine Gedanken, für die ich ihm Rechenschaft schuldig oder verantwortlich bin. Die Geschworenen haben, wenn ihre fixen Ideen angegriffen werden, ebenso harte Köpfe und Herzen als die stiersten Despoten und deren knechtische Beamten.
Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los.
Th. Körner, Männer und Buben

Das Volk steigt nicht zu dem Wahren und Schönen hinauf, sondern zieht es zu sich herab; aber nicht um es unter die Füße zu treten, sondern um es zu herzen, zu liebkosen, um es im ewig wechselnden Spiel zu drehen und sich über seinen Glanz zu wundern und zu freuen.
Raabe, Die Chronik der Sperlingsgasse

Das Volk und die Großen haben weder dieselben Tugenden noch dieselben Laster.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Das Volk und nur das Volk ist die Triebkraft, die die Weltgeschichte macht.
Mao Tsetung, Ausgewählte Werke

Das Volk verehr' ich so wie ihr,
Die Masse zusamt dem Hebel;
Lasst ihr aus dem Volk die Besten weg,
So bleibt nur noch der Pöbel.
Grillparzer, Einfälle und Inschriften

Das Volk verhält sich zu seinen großen Männern wie der Boden zu den Pflanzen, die aus ihm hervorgehen.
Belinski, Betrachtungen über die russische Literatur des Jahres 1846

Das Volk verlangt, dass die Schriftsteller seine Tagesleidenschaften mitfühlen, dass sie die Empfindungen seiner eigenen Brust entweder angenehm anregen oder verletzen: Das Volk will bewegt werden.
Heine, Die Romantische Schule

Das Volk weiß mehr als zehn Gelehrte.
dä] Almuen veed som tree vide.

Das Volk will betrogen sein.
ho] Het volk will betrogen zijn.

Das Volk will instinktiv, will logischerweise zwei Dinge: die größtmögliche materielle Behaglichkeit und die größte Existenz-, Bewegungs- und Handlungsfreiheit für sich selbst; d. h. die beste Organisation seiner wirtschaftlichen Interessen und die völlige Abwesenheit jeder Regierungsgewalt, jeder politischen Organisation - da eben jede politische Organisation naturgemäß auf eine Legation der Freiheit hinausläuft Das ist die Unterströmung aller Volksinstinkte.
Michael Bakunin

Das Volk will zum besten gehalten sein, und so hat man unrecht, wenn man es nicht zum besten hält.
Goethe, F. v. Müller, 27.6.1830

Das Volk wird durch Namen betrogen, nicht durch Dinge.
James Harrington

Das Volk wird es eines Tages überhaben, und es wird für seine Not die Kapitalisten büßen lassen, entweder durch blutige Proskriptionen oder durch die Plünderung ihrer Häuser.
Flaubert, Lehrjahre des Gefühls

Das Volk wird nicht bloß geschunden; es ist dahin gebracht, dass es sich selbst schinden muss.
Hebbel, Tagebücher, 12. 2. 1841

Das Volk! Das sind die vielen leeren Nullen,
Die gern sich beisetzt, wer sich fühlt als Zahl,
Doch wegstreicht, kommt's zum Teilen in der Rechnung.
Grillparzer, Ein Bruderzwist in Habsburg, III 1 (Kaiser Rudolf)

Das Volk, das den Gesetzen unterworfen ist, muss auch ihr Urheber sein.
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Das Volk, dessen Güte so sehr gepriesen wird, ist gar nicht gut; es ist manchmal so böse wie andere Potentaten. Aber seine Bosheit kommt vom Hunger.
Heine, Geständnisse

Das Volk, insofern mit diesem Worte ein besonderer Teil der Mitglieder eines Staats bezeichnet ist, drückt den Teil aus, der nicht weiß, was er will.
Hegel

Das Völkerrecht ist ein wahres Naturrecht: Kein Volk auf Erden ist berechtigt, zu seinen Gunsten von seinem Nachbar die Aufopferung seiner selbst zu fordern, keines ist verpflichtet, sich zum Besten des Nachbarn zu verleugnen oder aufzuopfern. Die Natur kennt keine herrschenden sowie keine dienstbaren Völker.
Franz Palacky, Brief an die Deutsche Nationalversammlung

Das Volkslied zu pflegen ist eines der stärksten Mittel, ein gesundes Volkstum zu erhalten.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das volle Herz macht sich durch Zeichen Luft...
Goethe, Prolog, 15.10.1793

Das völlige Fehlen jeder regelmäßigen Arbeit ist für den Menschen unerträglich.
Herzen, Mein Leben

Das vollkommen Schöne muss auch vollkommen wahr sein.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das vollkommene Leben ist nur den Vernünftigen und Besonnenen zuzuerkennen.
Aristoteles, Protreptikos

Das Vollkommene muss uns erst stimmen und uns nach und nach zu sich hinaufheben. So erscheinen uns schöne Personen immer schöner, verständige verständiger.
Goethe, Reise in die Schweiz 1797, 18. Sept.. Erregte Ideen

Das vollkommene Weib zerreisst, wenn es liebt.
Nietzsche, Ecce homo, Warum ich so gute Bücher schreibe

Das Vollkommene, wo es anzutreffen ist, gibt eine gründliche Befriedigung, wie der Schein eine oberflächliche, und so bringen beide eine ähnliche Wirkung hervor.
Goethe, An Schiller, 4.9.1799

Das vom Armen geliehene dauert nicht lange.
Estland
i] Es wird bald zurückgefragt

Das von einer guten Hausfrau geschnittene Brot ist besser als das von einer schlechten Hausfrau gemachte.
Estland

Das von selbst Verständliche wird gemeinhin am gründlichsten vergessen und am seltensten getan.
Christian Morgenstern, Lebensweisheit-Ethisches

Das vor dem Johannistag (24. VI) gemachte Heu ist doppelt so gut wie dasjenige nach Jaan (Johannistag).

Das vor Jaan (Johannistag, 24. VI) gemachte Heu ist Arznei für die Kühe.

Das vordere Gut gibt dem hintern Weg und Steg.
[RSpW]
z] Kann der Mann nicht anderswo zu seinem Felde kommen, so darf er sich durch das fremde Korn den Weg schneiden ohne Entgelt, muss das geschnittene Korn aber liegen lassen. Und wer sein Land düngen will, aber kein Dungweg hat, der soll klimmen auf seines Hauses höchste Spitze oder auf den Berg, soll suchen den nächsten Weg und den mindesten Schaden (seiner Fahrt) und soll den Weg mit Garben belegen.

Das vordere Tor ist wohl groß, durch das man hineinbringt, aber die hintere Tür ist noch größer, durch die man hinausbringt.
Estland

Das vorgegebene Lebensziel muss man durchdenken und die ganze augenscheinliche Gewissheit, auf die wir die Vermutungen zurückführen. Wenn wir dies nicht tun, wird alles voller Unentschiedenheit und Verwirrung sein.
Epikur, Sprüche

Das Vorgehen des Lebens (ich sage nicht: das Fortschreiten) geschieht in Sprüngen.
Francesco Chiesa, in 'Ossigeno lascentes'

Das Vorhandene, das Anschauliche, wirkt, als leicht übersehbar, stets mit seiner ganzen Gewalt auf einmal: hingegen Gedanken und Gründe verlangen Zelt und Ruhe, um stückweise durchdacht zu werden; daher man sie nicht jeden AugenblIck ganz gegenwärtig haben kann.
Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, Paränesen und Maximen, 19

Das Vorhängeschloß bewahrt die Habe.
Estland

Das Vorhängeschloß hält den Dieb zurück.
Estland

Das vorige Jahr hat immer mehr gebracht (o. war immer besser).
i] Von den Landleuten, die immer klagen. Von allen, die mit der Gegenwart unzufrieden, die Vergangenheit weit über sie erheben.
mhd] Je langer sô boeser jâr.
la] Laudator temporis acti.
la] Semper preteritus annus melior.

Das vorige Jahr war immer besser.

Das Vornehmtun steht ihm, wie der Sau eine Taschenuhr.

Das Vortäuschen von Wissen ist besser als Erziehung.
Lateinamerika

Das Vorteil schlägt den Mann.

Das Vortreffliche [...] sollte durchaus nicht bekrittelt noch besprochen, sondern genossen und andächtig im stillen bedacht werden.
Goethe, An Zelter, 29.3.1827

Das Vortreffliche aller Art, das zugleich populär wäre, ist das seltenste.
Goethe, Schriften zur Literatur - Über den Plan eines lyrischen Volksbuches

Das Vortreffliche ist unergründlich, man mag damit anfangen, was man will.
Goethe, Maximen und Reflexionen

Das Vortreffliche zu kennen und zu lieben, was man nicht besitzt, noch zu besitzen hofft, ist eigentlich der größte Vorzug des gebildeten Menschen, da der rohere, selbstige im Besitz oft nur ein Surrogat für Einsicht und Liebe, die ihm abgehen, zu erwerben sucht.
Goethe, Am Rhein, Main und Neckar 1814/15 - Kunst und Altertum - Frankfurt

Das Vortreffliche, die Tugend, das Ausnehmende macht die Ausnahme, nicht die Regel, in der Welt.
Goethe, Riemer, 26.4.1810

Das Vortrefflichste gilt nun einmal, wohl dem, der es wiederholen kann!
Goethe, Schriften zur Kunst - Relief von Phigalia

Das Vorübergegangene kann unserm innern Auge und Sinn als gegenwärtig erscheinen durch gleichzeitige schriftliche Monumente, Annalen, Chroniken, Dokumente, Memoires, und wie das alles heißen mag.
Goethe, An B. G. Niebuhr, 23.11.1812

Das Vorurteil des Volkes zugunsten der Großen ist so blind und die Eingenommenheit für ihre Gebärde, ihre Miene, den Ton in ihrer Stimme und ihr ganzes Benehmen so allgemein, dass es bis zur Vergötterung käme, wenn es ihnen auch noch einfiele, gut zu sein.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Das Vorurteil ist das Kind der Unwissenheit.
Hazlitt

Das Vorurteil ist die hochnäsige Empfangsdame im Vorzimmer der Vernunft.
Waggerl

Das Vorurteil ist ein Floß, an das sich der schiffbrüchige Geist klammert und ins Sichere rudert.
Fliegende Blätter

Das Vorurteil ist ein unentbehrlicher Hausknecht, der lästige Eindrücke von der Schwelle weist. Nur darf man sich von seinem Hausknecht nicht selber hinauswerfen lassen.
Kraus

Das Vorurteil sieht, was gefällt, und sieht nicht, was offenkundig ist.
de Vere

Das Vorurteil stumpft die Seele ab, und die Furcht ist der erste Schritt zur Sklaverei.
Du Marsais/D'Holbach, Essay über die Vorurteile

Das Vorzüglichste, was wir durch Mitteilung älterer Briefe gewinnen, ist, uns in einen früheren, vorübergegangenen, nicht wiederkehrenden Zustand unmittelbar versetzt zu sehen. Hier ist nicht Relation noch Erzählung, nicht schon durchgedachter und durchgemeinter Vortrag; wir gewinnen eine klare Anschauung jener Gegenwart, wir lassen auf uns einwirken wie von Person zu Person.
Goethe, Maximen und Reflexionen

Das wachs muss man wohl beeren, so lasst es sich formieren und zur kerzen machen.

Das Wachs wird hart, wenn es vom Feuer entfernt wird.
i] Verlaß deine Frau nicht auf lange Zeit
Birma

Das wachsende Gefühl für Moral bei Frauen macht Ehen zu einer so hoffnungslosen, einseitigen Einrichtung.
Oscar Wilde, Der ideale Gatte

Das Wachstum der Welt ist Kultur. Kultur ist musikalischer Rhythmus.
Block, Tagebuch 1919

Das Wachstum ist arglistig. Die Kleider werden gerade in dem Moment zu knapp, wo die Blöße unpassend wirkt.
Hugo, Gavroche

Das Wachstum ist nicht bloß Entwicklung, die verschiedenen organischen Systeme, die den einen Menschen ausmachen, entspringen auseinander, folgen einander, verwandeln sich ineinander, verdrängen einander, ja zehren einander auf, sodaß von manchen Fähigkeiten, von manchen Kraftäußerungen, nach einer gewissen Zeit, kaum eine Spur mehr zu finden ist.
Goethe, Dichtung und Wahrheit I,2

Das Wagen in hohen Ehren steht, wenn's gerät; kommt aber nichts heraus, so lacht man den Wagehals aus.

Das Wagnis, ein Kind in die Welt zu setzen. Oder die Weigerung, ein Kind zu bekommen, weil die Erde nicht bewohnbar war.
Teolinda Gersão, Landschaft mit Frau und Meer im Hintergrund

Das Wahlrecht steht im Zentrum des Freiheitskampfes.
Nelson Mandela, Rede, 20. Dezember 1991

Das wahr würt wohl truckt, aber nit vertruckt.
la] Veritas premitur, sed non opprimitur.

Das Wahr', kommts nicht gleich, so kommts übers Jahr.

Das wahre dichterische Genie, wo es auftritt, ist in sich vollendet, mag ihm Unvollkommenheit der Sprache, der äußeren Technik, oder was sonst will, entgegenstehen, es besitzt die höhere innere Form, der doch am Ende alles zu Gebote steht, und wirkt selbst im dunkeln und trüben Elemente oft herrlicher, als es später im klaren vermag.
Goethe, Schriften zur Literatur - Des Knaben Wunderhorn

Das Wahre fördert, aus dem Irrtum entwickelt sich nichts, er verwickelt uns nur.
Goethe, Maximen und Reflexionen 596

Das wahre Genie arbeitet gleich einem reißenden Strome sich selbst seinen Weg durch die größten Hindernisse.
Lessing, Rezensionen

Das wahre Genie ist notwendigerweise wenn schon nicht universal in seinen Manifestationen, so doch solcher Universalität durchaus fähig.
Edgar Allan Poe, Marginalien

Das wahre Genie kennt keine Schranken.
Nestroy, Der Schützling

Das wahre Genie wird bei der Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer, sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
C. M. von Weber, Literarische Arbeiten

Das wahre Glück allein
Ist: ein rechtschaffner Mann zu sein.
Gellert, Das Testament

Das wahre Glück des Menschen ist Gesundheit und froher Mut. Wer diese beiden Gaben hat, kann alle übrigen entbehren.
Palmblätter

Das wahre Glück wäre, sich an die Gegenwart zu erinnern.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

Das wahre Glück, das Eigentum der Weisen,
Steht fest, indes Fortunens Kugel rollt.
Wieland, Erdenglück

Das wahre Glück
Ist die Genügsamkeit,
Und die Genügsamkeit
Hat überall genug.
Goethe, Adler und Taube

Das wahre Heim ist im Hofe. (Dort wo die Frauen sitzen) Bantu

Das wahre Heim ist im Hofe.
i] Dort wo die Frauen sitzen
Bantu

Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Die Phänomenologie des Geistes

Das Wahre ist eine Fackel, aber eine ungeheure, deswegen suchen wir alle, nur blinzelnd so daran vorbei zu kommen, in Furcht sogar, uns zu verbrennen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 236

Das Wahre ist einfach und gibt wenig zu tun, das Falsche gibt Gelegenheit, Zeit und Kräfte zu zersplittern.
Goethe, An Zelter, 2.1.1829

Das Wahre ist gottähnlich: es erscheint nicht unmittelbar, wir müssen es aus seinen Manifestationen erraten.
Goethe, Maximen und Reflexionen 619

Das Wahre kann bloß durch seine Geschichte erhoben und erhalten, das Falsche bloß durch seine Geschichte erniedrigt und zerstreut werden.
Goethe, An Zelter, 17.5.1815

Das wahre Meisterstück ? erfüllet uns so ganz mit sich selbst, daß wir des Urhebers darüber vergessen; daß wir es nicht als Produkt eines einzeln Wesens, sondern der allgemeinen Natur betrachten.
Gotthold Ephraim Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Das wahre Meisterstück, dünkt mich, erfüllt uns so ganz mit sich selbst, dass wir des Urhebers darüber vergessen, dass wir es nicht als das Produkt eines einzelnen Wesens sondern der allgemeinen Natur betrachten.
Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Das wahre Rechte ist nur Saat der Zukunft.
L. Schefer, Laienbrevier, Oktober

Das wahre System kann nicht erfunden, es kann nur als ein an sich, namentlich im göttlichen Verstande, bereits vorhandenes gefunden werden.
Schelling, Sämtliche Werke

Das wahre Talent ist stets gutmütig, redlich, aufgeschlossen und keinesfalls verkrampft; sein Spott schmeichelt dem Geist und will nie die Eigenliebe des anderen treffen.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Wahre triffst du, wie es ziemt Erfahrenem.
Goethe, Pandora (Epimetheus) Vs 703

Das Wahre währt.

Das Wahre war schon längst gefunden,
Hat edle Geisterschaft verbunden,
Das alte Wahre, faß es an!
Verdank es, Erdensohn, dem Weisen,
Der ihr, die Sonne zu umkreisen,
Und dem Geschwister wies die Bahn.
Goethe, Gott und Welt - Vermächtnis

Das wahre Wissen ist nicht Macht, es ist Ohnmacht, das Wissen um das Unberechenbare, um die Grenzen. Der Mensch muss Übermenschliches erfahren, um wahrhaft Mensch zu sein, und er erfährt es an Verstandesgrenzen, andererseits gewinnt er auch Ideen, unermeßlich, mit denen sich sein Leben niemals deckt.
Fliegende Blätter

Das wahre Ziel ist, die Gesellschaft auf einer Grundlage neu aufzurichten, die die Armut ausschließt.
Oscar Wilde, Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus

Das Wahre, Gute und Vortreffliche ist einfach und sich immer gleich, wie es auch erscheine. Das Irren aber, das den Tadel hervorruft, ist höchst mannigfaltig, in sich selbst verschieden und nicht allein gegen das Gute und Wahre, sondern auch gegen sich selbst kämpfend, mit sich selbst in Widerspruch. Daher müssen in jeder Literatur die Ausdrücke des Tadels die Worte des Lobes überwiegen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1028

Das Wahre, mit dem Göttlichen identisch, lässt sich niemals von uns direkt erkennen: wir schauen es nur im Abglanz, im Beispiel, Symbol, in einzelnen und verwandten Erscheinungen, wir werden es gewahr als unbegreifliches Leben und können dem Wunsch nicht entsagen, es dennoch zu begreifen.
Goethe, Versuch einer Witterungslehre

Das währet einen Tanz zur Hochmess.

Das Wahrgenommene erschöpft bei weitem nicht das Wahrnehmbare.
A. v. Humboldt, Kosmos

Das wahrhaft Hohe ist in erhabene Schlichtheit gekleidet - wo Größe ist, da ist auch Schlichtheit.
Gogol, Über die Art, Weltgeschichte zu lehren

Das wahrhaft Nationale besteht nicht in der Beschreibung eines Sarafans, sondern eben im Geist des Volkes.
Gogol, Ein paar Worte über Puschkin

Das wahrhaft Schöne in seiner Einfachheit, seiner Schlichtheit ist keineswegs schmucklos, aber gerade Sparsamkeit und Echtheit der Ausschmückung rühren uns und lassen das Schöne noch schöner erscheinen.
Becher, Macht der Poesie

Das wahrhaft schöpferische, geniale Kunststück, Gemeinschaft und Persönlichkeit in der Menschengestaltung zu vereinen, hat bisher unsere Epik nur höchst unvollkommen zustande gebracht. In dieser Vereinigung aber erblicken wir die Perspektive einer neuen Romanliteratur.
Johannes R. Becher, Macht der Poesie

Das wahrhafte Gewissen ist die Gesinnung, das, was an und für sich gut ist, zu wollen.
Hegel

Das Wahrsagen (Wahrheit sagen) bringt nur Klagen.
sd] Spåmän ha tu wilkor.

Das wahrste Studium der vaterländischen Geschichte wird dasjenige sein, welches die Heimat in Parallele und Zusammenhang mit dem Weltgeschichtlichen und seinen Gesetzen betrachtet.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

Das Waisenkind geht in den Sumpf, um sich zu schmücken, auf die Rasenhügel, um sich einzuwickeln.
Estland

Das Waisenkind hat ärmliche Lebensbedingungen, das Pflegekind noch ärmlichere.
Estland

Das Waisenkind hat gesagt, dass es im Jahr dreimal Weihnachten hätte - das erste Mal, wenn Erbsen gerupft werden, das zweite Mal zur Zeit des Kohldünstens und das dritte Mal die wirklichen Weihnachten.
Estland

Das Waisenkind hat viele Schmerzen.
Estland

Das Waisenkind ist (da), um von Mühen geplagt und von Sorgen gedrückt zu werden, um von aller Welt verspottet zu werden.
Estland

Das Waisenkind ist flink, ohne geschlagen zu werden, glatt, ohne gegessen zu haben.
Estland

Das Waisenkind ist wie ein hinter den Zaun geworfener Hund.
Estland

Das Waisenkind lernt von den Kindern anderer Eltern.

Das Waisenkind schneidet sich selbst den Nabel.
Osmanien

Das Waisenkind soll nicht versuchen, mit dem Liebling der Mutter zu wetteifern.
Haussa, Afrika

Das Waisenkind wächst eine Spanne, vermindert sich um zwei Spannen.
Estland

Das Waisenkind wird selten rot und dennoch duldet man es nicht.
Estland

Das Waldhorn hört man weit, aber die Fehler eines Mädchens noch viel weiter.

Das walt Got, sprach pfaff Peter, da stieg er auf die magd.

Das walt Gott!
ho] Dat wilde God.

Das walt Gott, sprach der Dieb, da er zum ersten Mal zum Laden einstieg und stehlen wollt.

Das walte der Teufel.

Das Waltgott isch alliwil no besser as e Fluech.

Das Wams ist ihm aufgegangen.
fr] Vôtre jupe s'est detachée.

Das Wandern ist eigene, nicht erborgte Aktivität, mit der man die Überwindung des Raumes bestreitet. Viel inniger wird man so ein Teil der Natur, man taucht immer tiefer in sie ein und erfüllt sich mit ihrer Produktivität. Es gibt keine zweite Art, zu seinPestalozzi, in der sich Naturgenuss und geistiger Selbstgenuss so verbinden lassen.
Hauptmann, Das Abenteuer meiner Jugend

Das Wänglein weiß, das Mündlein rot, bringt manche Jungfrau in große Not.

Das Wappen an die Wand hängen.
ho] De wapens aan den wand hangen.

Das war (alles) für die Katze
en] that was a waste of time - that was for the birds
fr] on a travaillé pour le roi de Prusse - c'est comme si an pissait dans un violon
it] era buttato via (o. sprecato)

Das war (prächtig) abgerändelt, als wenns beim Uhrmacher bestellt wäre.

Das war a Bissen vor en Kroancken.
i] Von etwas sehr Gutem, Wohlschmeckendem, Gesundem
ho] Het is een lekker beetje (hapje).

Das war an eines Tauben Tür geklopft.
ho] Het is voor een doofmans deur geklopt.

Das war auf mich geschossen.
i] Ich war damit gemeint.
z] Die Jungfraw merckte, dass vff sie geschossen wehr.

Das war aus dem Herzen gesprochen.
ho] Dat was uit het hart gesproken.

Das war beim Maule weg.

Das war damals, als der Herzog durch die Töppe ritt.
i] Es ist lange her. Vom Herzog zu Sachsen und Weißenfels, der die über Mangel an Verdienst klagenden Töpfer dadurch unterstützen wollte

Das war das rechte Eieressen nicht.

Das wär' das Rechte, dann kommst du vom Hund auf den Bettelsack.

Das war den Tauben geflötet, kann man's nicht sehen, so kann man's doch riechen.
ho] Het is den doove gefloten, als men het niet zien kan, men kan het toch rucken.

Das war der Funke ins Pulverfass
en] that made the whole thing blow up
fr] cela a mis le feu aux poudres
it] ciò ha dato fuoco alle polveri

Das war der rechte Ton.
fr] C'est le ton qui faut la chanson.

Das war der Tropfen, der das Gefäß zum Überlaufen brachte
en] that was the straw that broke the camel's back (o. the drop that made the cup run over)
fr] c'était la goutte qui fit déborder le vase
it] era la goccia che fece traboccare il vaso

Das war deutsch gesagt.
i] Derb
z] Spanisch mit Gott, italisch mit den Frauen, französisch mit den Freunden, englisch mit den Vögeln und deutsch - mit den Pferden. Kaiser Karl V.

Das war die gute alte Zeit
en] those were the good old times
fr] c'était le bon vieux temps
it] era il buon tempo antico

Das war die Ordnung der Natur, dass sich der Schwächere demütigen Sinnes dem Stärkeren näherte und nicht umgekehrt...
Strindberg, Am offenen Meer

Das war die Reise nach Kalwe.
i] Eine unnütze, erfolglose.

Das wär dir ein schönes Gartengelände,
Wo man den Weinstock mit Würsten bände.
Goethe, Sprichwörtlich

Das wär' drüber nei.
i] Es ist zum Erstaunen, übersteigt meine Erwartungen, wäre unglaublich, mehr als ein Wunder. In dem Sinne: es geht übers Bohnenlied.

Das war dumm, sagte der Tod, dass ich den Doktor Pillmann geholt habe.
i] Weil dieser ihm durch seine Pillenkuren sehr nützlich war

Das wär' ein andrer Regenwurm.
i] In dem Sinne: das wäre eine andere Wurst, eine andere Sache.

Das war ein Beutelschlag.
i] Ein empfindlicher Verlust für die Börse, die Kasse

Das war ein blinder Schlag.
ho] Blinde slagen doen.

Das war ein Butz.
Nürnberg (Posse, lustiger Streich)

Das war ein Cäsar: Wann kommt seinesgleichen?
en] Here was a Caesar. When comes such another?
Shakespeare, Julius Cäsar III,2

Das war ein dummer (übel abgelaufener) Spaß.
la] Jocularium malum.

Das war ein Fang, sagte der Bettler, als er in einem Griff zehn Läuse fing.
ho] Dat is eene schoone vangst, zei Lijs Smoddermuil, en zij ving negen en twintig luizen in éénen greep.

Das war ein fetter Brocken.
ho] Dat is een vette brok in zijn nest gesleept.

Das war ein Fuchsstreich.
ho] Het zijn vossen streken.

Das war ein gelungener Streich.
en] A trick and a half.
fr] Le coup vaut l'argent.

Das war ein goussautischer Streich.
i] Der Präsident Goussaut war seiner Torheiten wegen sprichwörtlich geworden; und wenn irgendetwas Närrisches vorkam, so sagte man: das war ein goussautischer Streich. Als einst bei einer Spielpartie einer falsch geworfen hatte, rief er aus: 'Ich bin ein wahrer Goussaut.' Zufällig stand der Präsident hinter ihm und rief; 'Sie sind ein Narr.' Der Spieler erwiderte: 'Das wollte ich eben sagen.'

Das war ein grober Schnitt.
i] War sehr stark gesagt, verletzend.

Das war ein grober Spaß.
fr] Cette raillerie passe jeu.

Das war ein gründlicher (ordentlicher, rechter) Bock.
ho] Hebt gij ooit zulk een' bok gezien?

Das war ein guter Junge.
i] Berliner Spottrede hinter dem Rücken eines Angeführten.

Das war ein Lazarettball.
i] Beim Billardspiel für kraftlos.

Das war ein Quiproquo.
i] Eine arge Verwechslung.
fr] Un quiproquo d'apothicaire.

Das war ein Schlag ins Kontor für ihn
en] that was a real slap in his face
fr] quelle douche pour lui - il lui est arrivé une tuile - quelle tuile!
it] fu un brutto colpo per lui

Das war ein Schlag ins Wasser
en] that was a flash in the pan (o. a wild goose chase)
fr] ce fut un coup d'épée dans l'eau
it] fu un buco nell'acqua

Das war ein schlimmes Omen.
z] Ist ein schlim omen, wann eine Nation den Ausländern verhönet. Grimmelshausen, Teutscher Michel

Das war ein Schneiderstich.
i] Beim Kartenspiel, ein Stich ohne zählende Augen, bei Spielen, wo es auf letztere, nicht auf die Zahl der Stiche ankommt.

Das war ein schönes Angebinde.
la] Donum onomasticum.

Das war ein Schuß! Davon
Wird man noch reden in den spätsten Zeiten.
Schiller, Wilhelm Tell, III, 3 (Leuthold)

Das war ein Seidenleben mit Zwirn verfitzt.

Das wär' ein seltner Mann, der niemals irren kann.
it] È buon maestro chi non falla mai.

Das war ein Sprung, sagte der Narr, als er über einen Strohhalm geschossen war.
ho] Dat is een extraordinaire sprong, zei Maarten, en hij sprong ovor eene wetering van drie voeten waters.
ho] Dat is een schoone sprong, zei Barend, en hij stopte over een slotje.
ho] Dat is een voltigeersprong, zei de boer, en hij sprong over een' zwavelstok.
ho] Dat is een voltigeer-sprong, zei Tijs, en hij zag een dief van de ladder stooten.

Das war ein unverhofftes Erbe.
ho] Die erfenis is als uit den hemel komen vallen.

Das war ein Wink.
fr] C'est un avertissement, un avis au lecteur.

Das war ein Wurf, sagte Hans, und warf seine Frau zum Dachfenster hinaus.

Das war ein Zug, sagte Hans und zog der Braut das Hemd aus.

Das war eine (moralische) Ohrfeige für ihn
en] that was a slap in his face
fr] c'ètait une gifle pour lui
it] era per lui uno schiaffo (morale)

Das war eine harte Nuss, sagte Luther, als er an einem Tage in der Schule funfzehn mal die Rute und dann daheim wegen einer Nuss noch den Stock bekam und denselben Abend noch ins Kloster lief.

Das war eine köstliche Zeit!
Lortzing, Der Waffenschmied (Stadinger)

Das war eine Prügelsuppe mit groben Schnitten.

Das war eine scharfe Prise.

Das war eine schwere o. eine Zangengeburt
en] that was a tough job
fr] c'éait un accouchement laborieux
it] questo è stato un parto difficile

Das war einem Tauben gepredigt.
ho] Dat is voor den doove gepreekt.
la] Mortuo verba facere.

Das war geflogen ohne f.
i] Buchstabenwitz für: gelogen

Das war gepudelt.
Ostpreußen
i] Soviel wie ein Bock geschoßen.

Das war getroffen, als ein Fleischer, der den Ochsen für den Kopf schlagen wollte, und schlug ihn für den Hintern.
z] Dat is schlecht troffen, söä' de Schlächter, doa ha'r'n Osten in 't O' schloan.

Das war grobes Geschütz.
ho] Hij komt met grof geschut.

Das war gut geschossen für einen Einäugigen.
fr] Voilà bien visé pour un borgne.

Das war herum wie ein Lauffeuer.

Das war hier nicht am Platze.
la] Non erat his locus.
Horaz, Ars poëtica

Das war immer mein Wunsch.
la] Hoc erat in votis.
Horaz, Satiren

Das war in den Wald geredet.
i] Erfolglos, wie: in den Wind.
mhd] Es ist in den walt gesungen, daz ich ir genâden klage.
mhd] Swâz ich han gesungen, de ist gerüefet in den walt.

Das war Kalk in die Kürssen.
i] Mit der erklärenden Beifügung: Da hatt' ers verschütt.
z] Einem Kalck in die Kürsen geben.

Das war kein Heldenstück, Octavio!
Schiller, Wallensteins Tod, III, 9 (Wallenstein)

Das war keinem Tauben gesagt.
ho] Dat hebt gij geen' doove gozegd.

Das war Maurerregen.
Schwaben
i] Eine Feuersbrunst.

Das war mein bester Markt.
fr] Il n'en a pas eu meilleur marché.

Das war noch unterm alten Fritze, wo der Kalbskopf um zwei Gröschel war.
Schlesien

Das war Pech, sagte der Schuster, als er Butter haben wollte und in den Quark griff.

Das war schlecht geschwommen, sagte der Krebs zum Hecht.
z] Wenn der Erbadel von seinen Vorrechten über den wahren Adel eines Landes, d.i. die Klügsten und Tapfersten desselben, spricht, so lautet es ungefähr ebenso.

Das war schlechter Tabak.
i] Wenn man unangenehme Dinge hören muss.

Das war schlechter Zwirn.
i] Mittel und Verfahren taugten nichts.

Das wär so'n Geschäft
Für mein'n Vater sein'n Sohn!
David Kalisch, Der gebildete Hausknecht

Das war Speck auf die Falle gelegt.
i] Ein Anschlag, jemand in die Falle zu locken.
z] Die Pharisäer brachten ein Weib zu Jesu, die sie im Ehebruch betroffen hatten und forderten von ihm, seine Meinung darüber auszusprechen, was für einen Prozess man ihr machen solle; aber das war Speck auf die Falle gelegt.
fr] Le goût de la noix.

Das war vor dem Kriege
i] jüdisch-deutsch: vor der Milchomoh
i] Nämlich vor der französischen Revolution. Das gehört der alten Zeit an.

Das war weg wie ein Vesperquark.

Das war zu früh geknallt, sagte der Kellner zum Pfropfen, der im Keller aus der Flasche sprang.
en] Fly not yet, as the waiter said to the gingerbeer on a hot day.

Das wäre doch der Teufel!
i] Wenn das geschähe oder das nicht zu erreichen wäre.

Das wäre ein harter Orden, darin man jede Buhle meiden müsste.

Das wäre ein Leben Georg! wenn man seine Haut vor die allgemeine Glückseligkeit setzte!
Goethe, Götz A III, Saal
Götz

Das wäre ein schlechtes Aperçu, bei dem ein kluger Mensch sich nicht denken müsste: gerade das oder das Gegenteil ist mir auch schon einmal eingefallen.
Arthur Schnitzler

Das wäre ein Vorschlag zur Güte.

Das wäre ein widriger Wind, der niemandem etwas Gutes zuweht.
en] It is an ill wind that blows nobody good.

Das wäre eine neue Mode.
la] Qui modus equitum.

Das wäre für seinen Schnabel.
i] Es würde ihm lieb sein (schmecken), wenn er's bekäme.
fr] C'est pour son nez, vraiment c'est pour son nez.

Das wäre ins Wasser geworfen.
ho] Dat is zoo goed als in het water geworpen.

Das wäre mir die rechte Höhe,
Da zu befehlen, wo ich nichts verstehe!
Goethe, Faust II A IV, Hochgebirg
Faust Vs 10311

Das wäre noch schöner, wenn die Katze mit der Henne fliegen tät.
Rothenburg

Das wäre schlimm, wenn alle, welche lieben
Und lieben werden, daran sterben müssten.
Euripides, Hippolytos

Das wäre überstanden.
Breslau
i] Eine Arbeit, ein Ärger, Schreck u.s.w.

Das wäre Wasser im Mörser stampfen.
ho] Dat is water in den vijzel stampen.

Das wäre wohl der werteste Professor der Physik, der die Nichtigkeit seines Kompendiums und seiner Figuren, gegen die Natur und gegen die höhren Forderungen des Geists gehalten, durchaus zur Anschauung bringen könnte.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1186

Das waren mir selige Tage.
i] Der Anfangsvers eines 1781 in Fritzchens Liedern zu Hamburg erschienenen, durch Hurka komponierten Liedes von Ch. Ad. Overbeck.

Das waren Spitzen.
i] Das waren Stichelreden

Das waren Trugschlüsse.
i] Irrige, verfängliche.
la] Loquei Stoicorum. Cicero

Das wäret ein tantz zur hochmess und verwelkt wie ein wisenblum.

Das warm ist das Leben, das kalt ist der Tod.

Das Warmbier ist ihm eingefroren.
i] In Kunst über alle Künste verlangt der Herr mit zorniger Anrede: 'Was meint ihr Mausköpfe?' Eine Antwort von seinen Dienern. Einer antwortete: 'Herr, mein Warmbier ist ganz eingefroren bei dieser Hitze.'

Das Warten soll mich nicht verdrießen.
Pfeffel, Der Knabe und sein Vater

Das Warum des Kindes ist der Anfang der Philosophie.
Italien

Das Warum hat viel Seelen geführt.

Das Warum wird offenbar,
Wann die Toten auferstehen!
Müllner, Die Schuld

Das Was [des Lebens] liegt in uns, das Wie hängt selten von uns ab, nach dem Warum dürfen wir nicht fragen, und deshalb verweist man uns mit Recht aufs Quia.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,11

Das Was bedenke, mehr bedenke Wie!
Goethe, Faust II A II, Laboratorium
Homunculus Vs 6992

Das was der Mensch an sich bemerkt und fühlt, scheint mir der geringste Teil seines Daseins. Es fällt ihm mehr auf, was ihm fehlt, als das was er besitzt, er bemerkt mehr, was ihn ängstigt, als das was ihn ergötzt und seine Seele erweitert...
Goethe, An Lavater, 4.10.1782

Das Was des Kunstwerks interessiert die Menschen mehr als das Wie; jenes können sie einzeln ergreifen, dieses im Ganzen nicht fassen. Daher kommt das Herausheben von Stellen, wobei zuletzt, wenn man wohl aufmerkt, die Wirkung der Totalität auch nicht ausbleibt, aber jedem unbewusst.
Goethe, Maximen und Reflexionen

Das Was des Lebens liegt in uns, das Wie hängt selten von uns ab, nach dem Warum dürfen wir nicht fragen, und deshalb verweist man uns mit Recht aufs Quia.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,11

Das Was gilt selten, aber das Wie wird immer gelten.

Das wäschet ihm der Rhein nicht ab.
z] Doch bleibt bei jn biss in das grab der glantz, des lobs und ehren schein, welch nicht abwescht, noch Elb noch Rhein.
z] Der Rein jms nit abwaschen mag.
sinnverwandt] Das wäscht em de Rhii nid ab. Das schläckt e kei Geist ewäg. Er git weni Milch meh. Schweiz
i] Wenn sich einer durch eine schlechte Handlung mit einem Makel befleckt hat oder wenn Strafe auf jemanden wartet. Blutsverwandtschaft, Rechte.
la] Nec Phasis nec Ister eluet.

Das wäschet ihm weder die Eger noch die Elbe ab.

Das Wasser (d. h. das Gute) hat Kinder, aber das Feuer hat keine Kinder.
Afrika

Das Wasser am Morgen ist das beste Wasser.

Das Wasser an Sankt Vit (15.6.), verträgt die späte Gerste nit.

Das Wasser auf seine Mühle treiben.

Das Wasser beschmutzt sich, um die Wäsche zu reinigen.

Das Wasser bricht Deich' und Dämm' entzwei, drum lass es nicht in Magen 'nei.
ho] Het water is gevaarlijk in de maag, het steekt dijken en dammen door.

Das Wasser der Lehmgrube wird nie klar.
Estland

Das Wasser der Quelle versiegt, der Schmutz brodelt herauf.
Hawaii
i] Wenn keine Argumente übrig sind, wird geschimpft

Das Wasser des Meeres ist für den Fisch des Meeres wohlschmeckend.

Das Wasser fließt dahin, wohin ihm der Weg gewiesen.
i] Gottes Wille geschehe.
bm] Tec voda, kam pán káze.
bm] Zertem také jeden tak pravil, udĕlav strouhu.

Das Wasser fließt fort, auch wenn der Müller schläft.
dä] Vandet løber, men mølleren sover.

Das Wasser fließt in tausend Windungen und kehrt doch ins große Meer zurück.
Ein Mensch wandert tausend Li und kehrt doch nach Haus zurück.
China

Das Wasser fließt wieder zum Meer, wo es kam her.
la] Fluxerunt vnde reputent (repetunt) loca jugiter vnde.
sd] Thit kombir watn som warith hawer.

Das Wasser fließt zum Meer.
it] L'acqua va al mare.

Das Wasser fließt, wo es früher gefloßen.
ill] Teč će voda, kud je prije tekla; stono nasa mila majka rekla.

Das Wasser für die Jungen, den Wein für die Alten.
bm] Voda mladým, víno starým.

Das Wasser geht ihm bis an den Hals.
la] Jam proximus ardet Ucalegon. Virgil

Das Wasser geht manchmal über die Körbe.
i] Oder einem ins Maul.

Das Wasser geht mir bis an die Seele.
Ps. 69, 2

Das Wasser geht mit dem Strome.
fr] L'eau va toujours à la rivière.

Das Wasser geht über seinen Acker.
ho] Het water liep al over zijn' akker.

Das Wasser gibt dem Hornvieh Kraft, den Menschen stärkt der Rebensaft.
z] Drum schenket Wein nur immer ein, wer möchte gern ein Hornvieh sein.
la] Vina bibant homines animantia cetera fontes absit ab humano pectore potus aquae.

Das Wasser haftet nicht an den Bergen, die Rache nicht an einem großen Herzen.
China

Das Wasser hält sich nicht im Sieb.
fin] Ei vesi seulassa pysy.

Das Wasser hat einen kleinen Kopf.
Böhmen
i] Es dringt daher überall, in die kleinste Öffnung ein.

Das Wasser hat kein Malz.
Wendische Lausitz

Das Wasser hat keine Balken (und Zacken zum anhalten).
fr] Il n'est rien tel que plancher des vaches.
la] Non habet in manibus ventos, qui navigat aequor.
la] Purius ex ipso fonte bibuntur aquae.
un] Nincs rokonczája a' tengernek.

Das Wasser hat Quellen, der Baum hat Wurzeln.

Das Wasser hat sich verlaufen.
i] In Bezug auf einen bekannten Trinker, der sich einmal mit Wasser begnügen lässt.

Das Wasser höhlt sich selbst ein Stein, durch stetes Tropfen allein.
ho] Het water holt een' aarden steen, en dat maar dar een' drup alleen.

Das Wasser im Meer macht Herz und Taschen leer.
i] Von Auswanderern, die ihr Vermögen verlieren, und auch noch an ihrem Charakter Schaden leiden.

Das Wasser ins Meer laufen lassen.
it] Lasciar andare l' acqua alla China.

Das Wasser ist am besten an der Quelle.

Das Wasser ist am besten beim Ursprung.
mhd] Daz wazzer, niender ist sô guot so dâ ez uz von sprunge gât.
la] Fida terra, infidum mare.

Das Wasser ist das Auge der Landschaft.
i] Ursprünglich ein Ausspruch des potsdamer Gartenkünstlers Lenne, dem sich der braminische Spruch: Der Wald ist der Haarschmuck des Landes, zur Seite stellt.

Das Wasser ist das Beste.
i] Mit diesem altgriechischen Sprichwort eröffnet Pindar seinen ersten olympischen Siegeshymnus; und die Wasserfrage steht jetzt in den deutschen Städten obenan.

Das Wasser ist den Bach 'nab und vorbei.
i] Um zu sagen, wir wollen jetzt davon abbrechen und nicht mehr über die Sache reden, sie ist abgetan.

Das Wasser ist die beste Arznei.
i] Insofern das mäßige Wassertrinken ein vorzügliches Mittel zur Erhaltung der Gesundheit ist, wie dies immer allgemeiner anerkannt wird. Ein besonderes Vertrauen haben die slawischen Völker zur Heilkraft des Wassers, was aus der Achtung zu ersehen ist, die sie den Brünnlein und Quellen beweisen, die reines Wasser bieten. In allen slawischen Ländern gibt es gute und heilige Wasser, welche sehr oft auch mit Kapellen ausgezeichnet sind.
bm] Nejlacinĕjsí lék voda kdo mu rozumí.

Das Wasser ist ein freundliches Element für den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,10

Das Wasser ist gesund (gut), aber nicht in den Schuhen.

Das Wasser ist gut, aber der Wein besser.

Das Wasser ist ihm im Maul geronnen.
z] Wie ihm nun das Wasser im Maul geronnen, da betrachtet er erst, was er getan.
i] Er ist in der Verlegenheit, in der Not, in einer peinlichen Lage.

Das Wasser ist in den Schuhen nichts nutz, viel weniger im Magen.
i] Um das Bier- und Weintrinken gegenüber dem Trinken von Wasser zu rechtfertigen. In Venetien legt man ihm zur Last, dass es sogar die Pfühle zerfresse, und die Männer gelb mache, erkennt aber an, dass es die Schönheit der Frauen fördere.
it] L'acqua smarcisce i pali, la fa vegnir i omeni zali, la fa bianchir le pele, e la fa le done bele.

Das Wasser ist jhm ins Maul gangen.

Das Wasser ist nicht gebälkt, sagt der Jude.

Das Wasser ist sehr trübe.

Das Wasser ist still, aber tief.
Litauen

Das Wasser ist zollfrei.

Das Wasser ist zu stark, es reisst Häuser ein.

Das Wasser kann ohne Fische auskommen, aber kein Fisch ohne Wasser.

Das Wasser kommt ihm bis ans Knie, aber die Zunge kriegt nichts.

Das Wasser kommt zu spät, wenn der Spinnrocken brennt.
ho] Het is te spade water te werpen, als het vuur in het spinrokken is.

Das Wasser lässt sich nicht beim Schopf nehmen.
i] Um es aufzuhalten; es geht rücksichtslos vorwärts.
kroat] Voda nema kečke, za koju bi se prijeti morć.

Das Wasser läuft ihm darüber im Munde zusammen.
pl] Idzie mu ślinka na ti.

Das Wasser läuft ihm in die Schuhe.
i] Ist in Gefahr, Verlegenheit.

Das Wasser läuft immer den Berg hinab.

Das Wasser läuft immer in den Fluss.

Das Wasser läuft mir im Munde zusammen.
fr] Cela fait venir l'eau à la bouche.
la] Salivam movere.

Das Wasser läuft nicht den Berg hinauf.
i] Unmögliches passiert nicht

Das Wasser läuft wohl im Zickzack, erreicht aber doch das Meer.
Estland

Das Wasser läuft, die Leute reden und der Wind bläst.
Litauen

Das Wasser macht sich seine Bahn, fragt nicht nach Freund und GeVatersmann.
bm] Voda nesetři kmotrovství ani příbuzenství.

Das Wasser macht uns (Menschen) nicht wie Zuckertaler weich.

Das Wasser macht weder krank noch betrunken noch Schulden.
i] Aber der Genuss kalten Wassers ruft die Krätze hervor!'
sp] Agua no enferma ni enbeoda ni adeuda.

Das Wasser mag niemand in Schuhen haben, viel weniger im Magen.
i] Im Magen ist es aber jedenfalls gesünder als in den Schuhen.

Das Wasser mag schlummern, aber nicht der Feind.
Bulgarien

Das Wasser muss erst sieden, ehe man die Suppe quirlt.
la] Prius quam assa fit farina. (Die Alten taten Mehl an den Braten)

Das Wasser muss seinen Lauf haben.

Das Wasser nimmt ab, die Steine bleiben.

Das Wasser nimmt alles weg.

Das Wasser nimmt dem Wein die Kraft.
ho] Het water neemt de kracht van den wijn weg.

Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll
Ein Fischer saß daran.
Goethe, Der Fischer

Das Wasser reicht (o. steht) ihm bis zum Hals
v] das Messer sitzt ihm an der Kehle
en] he is in deep water(s) - he feels the knife at his throat
fr] il est aux abois - il a le couteau sur (o. sous) la gorge
it] ha l'acqua alla gola

Das Wasser richten.
i] Krankheit und Heilmittel dagegen aus Besichtigung des Urins erkennen (wollen).

Das Wasser rinnt ihm in den Mund.
i] Er ist in äußerster Not.

Das Wasser rinnt ins Meer und nicht zurück; zurück kehrt auch kein Augenblick.

Das Wasser rinnt ins Meer zurück, doch kehrt zurück kein Augenblick.

Das Wasser sagt: Es gibt keinen großen Mann in dieser Welt.
Jabo, Afrika
i] Selbst der Größte kann ertrinken

Das Wasser schmeckt nach dem Brunnen, die Untertanen nach der Obrigkeit.

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