Autor - John Stuart Mill (1806-1873)

  • Aber der Mann, und mehr noch das Weib, die angeklagt werden, etwas getan zu haben, 'was niemand tut', oder etwas unterlassen zu haben, 'was jeder tut', werden zum Gegenstand so wegwerfender Bemerkungen, als ob er oder sie ein schweres sittliches Verbrechen begangen hätten. Man muss Titel oder sonst Rang besitzen, oder bei Leuten von Rang etwas gelten, um sich, ohne in der Achtung zu sinken, dem Luxus, einigermaßen nach Belieben handeln zu dürfen, hingeben zu können.
    John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit
  • Alle Männer, nur mit Ausnahme der tierisch rohesten, wollen in der mit ihnen auf das Innigste verbundenen Frau keine gezwungene, sondern eine freiwillige Sklavin, oder besser nicht eine Sklavin, sondern eine Favoritin. Zu diesem Zwecke ist alles angewendet worden, um den weiblichen Geist niederzuhalten.
    John Stuart Mill (1806-1873), Die Hörigkeit der Frau
  • Alles Gute, das besteht, ist eine Frucht der Originalität.
    John Stuart Mill (1806-1873), Die Freiheit
  • Die verhängnisvolle Neigung der Menschen, über etwas, was nicht mehr zweifelhaft ist, nicht länger nachzudenken, ist die Ursache der Hälfte aller Irrtümer.
    John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit
  • Gab es jemals eine Herrschaft, die denen, die sie besaßen, nicht natürlich erschien?
    John Stuart Mill (1806-1873), Hörigkeit der Frau
  • Hat es je eine Herrschaft gegeben, die den Herrschenden nicht natürlich erschien?
    John Stuart Mill (1806-1873), Die Hörigkeit der Frau
  • In England ist nach den eigentümlichen Verhältnissen der Staatsverwaltung das Joch der öffentlichen Meinung vielleicht schwerer, das des Gesetzes jedoch leichter als in den meisten anderen Ländern Europas.
    John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit
  • Jede Frau wird von frühester Jugend an erzogen in dem Glauben, das Ideal eines weiblichen Charakters sei ein solcher, welcher sich im geraden Gegensatz zu dem des Mannes befindet, kein eigener Wille, keine Herrschaft über sich durch Selbstbestimmung, sondern Unterwerfung, Fügsamkeit und die Bestimmung durch andere.
    John Stuart Mill (1806-1873), Die Hörigkeit der Frau
  • Jede Sittenlehre predigt ihnen, die Pflicht der Frau sei, für andere zu leben, sich selbst vollständig aufzugeben und keine andere Existenz als in und durch die Liebe zu haben, und die hergebrachte Sentimentalität behauptet, dass dies der Zustand sei, welcher der eigentlichen Natur der Frau gemäß sei.
    John Stuart Mill (1806-1873), Die Hôrigkeit der Frau
  • Nicht die ganze Menschheit hat das Recht, einen einzigen Andersdenkenden zum Schweigen zu bringen.
    John Stuart Mill (1806-1873)
  • Nicht weil des Menschen Wünsche stärker sind, wirken sie Übles, sondern weil des Mensehen Gewissen schwach ist.
    John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit
  • Nur diejenigen sind glücklich, die ihren Blick auf etwas anderes als ihr eigenes Glück heften. Frage dich selbst, ob du glücklich bist, und du wirst aufhören, es zu sein.
    John Stuart Mill (1806-1873)
  • Nur soweit eine Handlungsweise andere betrifft, ist er der Gesellschaft verantwortlich. Soweit sie ihn selbst betrifft, ist seine Unabhänglgkeit rechtlich unbeschränkt. Über sich selbst, seinen Leib, seine Seele ist das Individuum unbeschränkter Herrscher.
    John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit
  • Ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Fähigkeiten des Einzelnen glaubt der Mann, dass er das Recht hat zu befehlen und die Frau die Pflicht zu gehorchen.
    John Stuart Mill (1806-1873), Die Hôrigkeit der Frau
  • Schutz gegen die Tyrannei der Behörde ist daher nicht genug; es braucht auch Schutz gegen die Tyrannei der vorherrschenden Meinungen und Gefühle; gegen die Neigung der Gesellschaft, ihre eigenen Ideen und Handlungen als Lebensregeln allen, die hiervon abweichen, durch andere Mittel als bürgerliche Strafen aufzunötigen, zu verhindern die Entwicklung und, wenn möglich, sogar die Bildung irgendeiner Individualität, die nicht mit ihrem Tun und Lassen übereinstimmt, und alle Charaktere zu zwingen, sich nach ihrem eigenen Muster zu bilden. Es gibt eine Grenze, welche die Einmischung der Gesamtmeinung in die persönliche Unabhängigkeit berechtigterweise nicht überschreiten darf, und diese Grenze zu finden, sie gegen Angriffe zu schützen, ist für den gesunden Zustand der menschlichen Angelegenheiten ebenso unerlässlich wie der Schutz gegen politischen Despotismus.
    John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit
  • Wenn alle Menschen mit einer einzigen Ausnahme derselben Meinung wären, hätten sie dennoch nicht das Recht, diesen einen Andersdenkenden zum Schweigen zu bringen, ebensowenig wie umgekehrt der eine - hätte er die Macht dazu - berechtigt wäre, alle andern Menschen zum Schweigen zubringen.
    John Stuart Mill (1806-1873)
  • Wenn geniale Menschen einen starken Charakter besitzen und ihre Fesseln sprengen, so macht die Gesellschaft, der es nicht gelungen ist, sie zur Trivialität herabzudrücken, Warnungszeichen aus ihnen, auf die man mit feierlichem Schauder als auf Beispiele wilder Verirrungen hinweist, ungefähr mit demselben Recht, mit dem man sich über den Niagara beklagen könnte, dass er nicht gleich einem holländischen Kanal ruhig ein seinem Bette dahinfließt.
    John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit
  • Wer immer in einem überfüllten Beruf oder bei einem Wettbewerb Erfolg hat, wer immer in seiner Bewerbung um eine auch von andern gewünschten Sache den Vorzug vor diesen erhält, zieht Vorteil aus dem Verluste andrer, aus ihren vergeblichen Bemühungen, aus ihren enttäuschten Erwartungen.
    John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit
  • Wer sich noch in dem Zustand befindet, wo andre für ihn sorgen müssen, muss gegen seine eigene Handlungsweise ebenso wie geschützt werden wie gegen äußere Unbill.
    John Stuart Mill (1806-1873), Über Freiheit
  • Wir können nie sicher sein, dass die Ansicht, die wir zu unterdrücken suchen, falsch ist, auch wenn wir sicher sein könnten, wäre die Unterdrückung immer noch ein Übel.
    John Stuart Mill (1806-1873), Die Freiheit


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