Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
B

und oder

'Bedeutung' legen wir einem Ereignis bei, wenn es dabei 'um Werte geht', 'Sinn', wenn darauf Werte hervorgehen. Radbruch

'Bei den Franzosen ist Lügen und Meineid kein Laster, sondern eine Redensart.' Und wer dies Zeugnis ergänzen wollte, kann sagen dass es heute Tugenden sind. Montaigne. Essais

'Bei mancherlei Geschäftigkeit
Hast dich ungeschickt benommen.'
Ohne jene Verrücktheit,
Wär' ich nicht so weit gekommen.
Goethe, Zahme Xenien IV

'Bei so verworrnem Spiele
Wird mir wahrhaftig bang!'
Es gibt der Menschen so viele,
Und es ist der Tag so lang.
Goethe, Zahme Xenien 171

'Bequemlichkeit ist die Hauptsache', sagte der Teufel, da setzte er sich auf die Flachshechel. [ASpW]

'Beste aller möglichen Welten' (W. Leibniz). Die Absurdität ist schreiend!
Arthur Schopenhauer

'Bist du denn nicht auch zugrunde gerichtet?
Von deinen Hoffnungen trifft nichts ein!'
Die Hoffnung ists, die sinnet und dichtet,
Und da kann ich noch immer lustig sein.
Goethe, Sprichwörtlich

'Bleib gesund' füttert das Pferd ja nicht. Estland

'Bleib gesund' ist auch ein guter Mann. Estland

'Brich doch mit diesem Lump sogleich,
Er machte dir einen Schelmenstreich,
Wie kannst du mit ihm leben?'
Ich mochte mich weiter nicht bemühe,
Ich hab ihm verziehe,
Aber nicht vergeben.
Goethe, Zahme Xenien V

B'hüt uns Gott vor Gabelstich, drui môl geit neun Löcher. (Gegen Verleumder, Verführer und allerlei arge und gefährliche Leute. Erinnert wohl an die Kampfweise im Bauernkriege)
fr] Dieu me garde de la douce façon et gentile du prince de Condé et de l'esprit et du curedent de l'amiral (Coligny).
ho] Zacht met uwe gaffel-steken, de drie maken negen gaten.

B'r huon ann noien Nupper krickt. Sprottau
hdt] Wir haben einen neuen Nachbar bekommen.
i] Sagt man, wenn der erste Schnee gefallen ist. In einzelnen Gegenden des schlesischen Gebirgs lautet das Wort: Nuckwer.

B'schâds (Bescheid) gnug, haessd's in Wallersta. Wallerstein in Rims bei Neresheim

B-moll singen. Ostpreussen (Soviel als klein beigeben oder Abbitte tun)
i] Der Thorner Rat entschied im Jahre 1605 in Injuriensachen zwischen dem Schulkollegen Andres und dem Kantor: Der Magister solle sein Maul eine andere Zeit besser in Acht nehmen und der Cantor künftig auch B-moll singen, sonst würde ein etc. Rath das Finale halten. Neue preuss. Provinzialblätter, 1853

Ba a schweren Wugen is git zu Fiss gehen. Jüdisch-deutsch, Brody
hdt] Neben einem schweren Wagen zu Fuß gehen.
i] Man kann schon etwas wagen, wenn man Unterstützung zur Seite hat.

Ba bliffi (wo bleiben wir) wann de Welt verget? Dann krêpe-wi (kriechen wir) innen Backuowen. Iserlohn
i] Um die ans Brot gewöhnten Propheten lächerlich zu machen.

Baal's Brüder fallen vor Gold wie vorm güldnen Kalbe nieder.

Babel war keine Flasche, und mit Wenn steckt man's in die Tasche.

Babele (= Großmütterchen), Babele na-dir (= da hast du) a beinernen, ün gieb mir an eisernen. Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Spruch der kleinen Kinder beim Verlust der Milchzähne, indem sie dieselben auf den Ofen werfen.

Babylonis opes. Statius, Silvae
dt] die Reichtümer Babylons

Babylonischer Turmbau.

Babys sind süße, rosige Geschöpfchen, die man unausgesetzt herzen und kosen möchte, damit sie endlich zu brüllen aufhören.
Ephraim Kishon, Kishon für alle Fälle

Bacchus der Vater, Venus die Mutter, Ire (Zorn) die Hebamm' erzeugen das Podagram (= Fußgicht).
i] Wenn auch nicht jeder der Trunkenheit und Wollust ergebene Mensch, der noch überdies bei jedem Anlass dem Zorn die Zügel schießen lässt, podagrisch wird, so wird doch in der Regel dadurch der Grund zu einem siechen Leben gelegt.
dä] Til Podagra er Bacchus fader venus moder, orede amme eller foster moder.
fr] La goutte vient de la feuillette ou de la fillette.
la] Nascitur ex Venere et Baccho, solventibus artis, filia, quae membra podagra virum.

Bacchus et ad culpam causas dedit. Vergilius, Georgica
dt] Bacchus gab auch Anlass zu mancherlei Schuld.

Bacchus lebe!
la] Vivat Bacchus!

Bacchus liebt die Freiheit.
la] Apertos Bacchus amat colles.

Bacchus liebt die offenen Hügel.
la] Apertos Bacchus amat colles.

Bacchus soll sie schweren Sorgen vergessen lassen.
la] Curas Bacchus exoneret graves.

Bacchus tötet mehr denn Mars.

Bacchus und Mars haben mehr Deutsche erlegt, als Venus Welsche hat ausgefegt.
ho] De goede Bacchus is een vriend, die droeve geesten wonder dient.

Bacchus verdanken wir unsere Lieder.
la] Debemus carmina Baccho.

Bacchus, der Spender des Frohsinns, soll uns beistehen!
la] Adsit laetitiae Bacchus dator.

Bach ist oftmals zutiefst bewegend und leidenschaftlich, aber er schildert keine persönlichen Leidenschaften und will auch keine persönlichen Überzeugungen übermitteln. Er spricht für das Menschliche und Zeitlose.
Yehudi Menuhin, Lebensschule

Bäche, die am meisten brausen, trocknen am ersten aus.
i] Ein Feind, der im ersten Anlauf sehr grimmig ist, gleicht einem Regenbache, der über das Gebirge hereinbraust und alles mit sich fortführt, was er ereilt.

Bäche, die kein Wasser haben, machen keinen Strom.

Bachstelze - Krummbeinlein, sie hackt das Bodeneis im Sumpf. Estland

Back mi en Ei, wenn 'k dout sin (bin). Recklinghausen

Backen und Brauen gerät (o. geraten) nicht immer.
i] Bei Geschäften von der Art, wo es viel auf die Zutaten und auf äußere Zufälligkeiten ankommt.
ndt] Al Backsels un Braussels geradt nich. Ostfriesland
ndt] Alle Backsels un Brossels sünd nich awerên. Ostfriesland
ndt] Bakken un bruen misradet wol ins.
ho] Alle bakzels en brouwels vallen niet even goed uit.

Backen und Brauen gerät nicht allzeit wohl.

Backen wir, oder essen wir das Mehl?

Backen, dass die Taler knacken.

Bäcker sind die besten Baumeister, sie bauen aus kleinen Semmeln große Häuser.

Bäcker und Brauer können nicht auf einem Platze Sitzen.
ho] Daar de bakker zit, kan de brouwer niet liggen.

Bäcker und Müller sind die letzten, die Hungers sterben.
ho] Die mondbehoeften vaart, mondbehoeften eet.

Bäcker und Müller zanken sich miteinander, wer von ihnen der größte Schelm sei. (Vom Schneegestöber mit Regen vermischt)

Bäcker, backe tüchtig, richtig, gewichtig.

Bäckerbrod as Bäckerbrod.

Bäckerbrot ist Leckerbrot.

Backöwens un Fruggen mötte Hius bluiwen. Soest
hdt] Backöfen und Frauen müssen zu Hause sein.

Bad' gnug oder sitz' nicht (erst) ein.
i] Alles ordentlich, genügend, gehörig oder gar nicht.

Bad', wasche dich, wenn's schicket sich;
Gesund dich's hält und kost't kein Geld. von Arnim, Der Wintergarten

Bad, Wein und Weiber erquicken (o. verderben) unsre Leiber (o. unsern Leib).
la] Balnea aunt remedia laborum.
la] Balnea, vina, venus, corrumpunt corpora nostra, conservant eadem balnea, vina, venus.
la] Vina acuunt animos, vino mens aegra resurgit.

Badd'et nit, sau schad'et nit. Waldeck

Bade dich eh' es Nacht wird.

Bade die Kinder anderer Leute, aber wasch sie nicht hinter den Ohren. Kreolisch

Bade genug, aber sitze nit ein.
i] Eine Badekur im Mittelalter dauerte zwar nicht so viel Wochen als in unsern Tagen, dagegen dauerten die einzelnen Bäder länger. Während jetzt ein Bad dreißig bis fünfundvierzig Minuten dauert, kam es vor, dass die Leute bis zu vier Stunden täglich badeten. In Ems fing man mit einer Stunde an, und legte jeden Tag bis zu zehn Stunden eine Stunde zu. Es wird sogar eines Falles aus jener Zeit gedacht, in welchem ein Wassersüchtiger ohne Unterbrechung zehn Tage lang im Bade blieb, in demselben aß und schlief.

Bade nicht in allen Pfützen.

Bademütter und Waschweiber reden viel an einem langen Sommertage.
ho] Drie vroedvrouwen, drie besteedsters en drie waschvrouwen zijn te zamen negen koppelaarsters.

Baden ist mehr als waschen.

Baden wendet nicht allen Schaden.

Baden, Wildbad und Zell fließen aus einer Quell.
i] Um anzudeuten, dass die Heilbrunnen Liebenzell, Wildbad und Baden-Baden in ihren Hauptbestandteilen (kohlen- und schwefelsaures Natron, Eisenoxyd, Kieselerde, Kochsalz und kohlensauren Kalk) sehr ähnlich sind und eine gemeinsame unterirdische Quelle haben mögen.

Bader - Salbader.
la] Balneator, percunctator.

Bäder arm mit Ihren (Ehren), as riek mit Schåden.
hdt] Armut schändet nicht.

Bader erkennt man an der Schürze.
i] Man nimmt ihnen auch, wie Goethe bemerkt, nichts übel.

Bader geben sich oft für Wundärze aus.
i] Und nehmen's übel, wenn man sie nicht Doktor heißt und ihr Gebräu – Medizin.

Bäder, Lieb' und Wein machen das Leben klein.
i] Der Gebrauch der Bäder kann unter Umständen mehr schaden als nützen.

Bagatelle führt zur Hölle.
i] Es ist gefährlich, etwas für Kleinigkeit zu betrachten.

Bagatellisiere den großen Zank, und den kleinen mach zu nichts.

Bagdad ist nicht weit für einen Verliebten. Türkei
i] Um zu sagen, dass für Verliebte die Entfernungen schwinden und es für sie nichts gibt, das zu schwer zu überwinden wäre.

Bahn halten.
i] In demselben Wege bleiben, den andere gehen.

Bahre gegen Bahre.

Bai (wer) en Ruien smeiten well, kann lichte 'n Stein finnen. Arnsberg

Bai (wer) hir den Plauch (Pflug) nitt hallen well, dei maut 'ne in Hollant trecken (ziehen). Iserlohn

Bai (wer) viel Nigges inbrenget, brenget viel ut.
i] Wer Neuigkeiten bringt, nimmt deren auch wieder mit fort.

Bai allerwiägen de Nase hewwen well, maut se boa beschieten terügge trecken.

Bai dat Guet iärwet (erbt), dai iärwet ock dat Kruet. Westfalen
la] Res nata ex re mea, ad me pertinet.

Bai de Kau (Kuh) kopen well, dai kueme oppen Stall. Iserlohn

Bai de Tochter well friggen, dai maut de Môr striken. Iserlohn

Bai lange liäwea (leben) well, maut di taum Doe schicken. Iserlohn

Bai lüget, dai drüget. Iserlohn

Bai lüget, dai stielt; bai hort, dai snort. Iserlohn

Bai well helpen kricken, dai maut helpen bicken. Grafschaft Mark Woeste
i] kricken = auch kraken = krachen, knarren.

Baise Possa macha.
i] Böses Spiel machen, schlimme Streiche spielen, heimlich schaden, entgegenarbeiten.

Bakel, juble nicht zu früh.

Bald (heute) Lamm, bald (morgen) Wolf.
dä] Stundum lam, stundum løve.

Bald (o. gut) angerannt, ist halb gewonnen.
mhd] Men spricht ein dinck dos sijt gewis, wale angerant halff aichten is.

Bald - und du hast alles vergessen; bald - und alles hat dich vergessen. Marc Aurel

Bald abfahren müssen. (Sterben)

Bald anders besteht wie eine getünchte Wand im Regen.

Bald anders besteht wie Schnee im Wasser.
i] Von Unbeständigen, Wankelmütigen, Wetterwendischen. Die alten Römer sagten von solchen Leuten: Bald im Pallium, bald in der Toga.
la] Modo palliatus, modo togatus. Tullius

Bald anders ist in allen enden, bey hohen und bey niedern Ständen.

Bald angefangen, bald liegen gelassen.

Bald angerannt ist halb gefochten (o. gewonnen).

Bald aufgenommen, bald hingeworfen.

Bald aufgezuckt, bald hingeworfen.

Bald bekommt eine Seuche, wer sich zu den Huren begibt.
mhd] Bolde kricht he eine sükede, de sik to den horen gift.
la] Incidit in morbum, turpi qui servit alittae.

Bald bezahlt, ist gut bezahlt.

Bald brennt ein Haus, aber langsam löscht man's aus.
i] Ein Streit ist leicht entfacht, aber schwer beigelegt.

Bald d' Horra emol e Suppe mit enand g'gessen hend, sönd alsama glich.
i] Sobald die neugewählten Herren oder Beamten in die Luft der Alten kommen, so athmen sie die gleiche aus, d.h. sie sind so herrisch wie jene.

Bald der Gülden im Kasten klinget,
Die Seel sich auf gen Himmel schwinget.
Hans Sachs, Die Wittenberger Nachtigall

Bald entstanden, bald vergangen.

Bald entzündet, bald erloschen. Estland

Bald fehlt das Buch zum Titel, bald der Titel zum Buche.
z] Vielmals muss man fragen: Wo ist das Buch zu diesem Titel, vielmals auch: wo ist der Titel zu diesem Buche.

Bald felt de Lîf up en Rosenblad, bald up'n Köklâk. Lüneburg
i] Die Liebe wählt ebenso gut als schlecht, bald den Würdigsten, bald den Unwürdigsten.

Bald fertig, bald Brei. Passau

Bald Fleisch, bald Fisch sein.
ho] Nu visch en dan weder vleesch zijn.

Bald geben, ist doppelt (o. viel) geben.
i] Zusatz: Dreimal geben heißt nichts geben.

Bald gegeben ist doppelt gegeben.
fr] Mieux vaut promptement un œuf, que demain un bœuf.
fr] Qui donne vite donne deux fois.
la] Bis dat, qui cito dat.

Bald genug ist gut genug.
fr] Assez tôt si assez bien.

Bald geredt, aber nicht aussgetragen.

Bald getan, ist viel (o. wohl) getan.

Bald getraut of (oft) lang geraut (gereut).

Bald gewonnen, bald verloren.

Bald glauben nahm nie kein gutes Ende.

Bald gutgemacht, ist nur halb verschuldet.
la] Peccatum extenuat, qui celeriter corrigit.

Bald Haar, bald Strick.
dä] Stundum som et haar, og stundum som et laar.

Bald hat noch keinen Hasen errannt. Schlesien

Bald ist angenem.
la] Si bene quid facias, facias cito - nam cito factum gratum erit, ingratum gratia tarda facit.

Bald ist's vergeben, aber langsam vergessen.

Bald kann das Fernsehen die tausendste Gockelschau und Klugscheisserrunde zum Thema 'Kostenexplosion im Gesundheitswesen' feiern. Wir gratulieren!
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin! Aphorismen zum Gesundheitswesen und zur Gesundheitspolitik

Bald kann man den Traum vom Leben nicht unterscheiden. Wäre nicht doch das Losungswort - Liebe und Anhänglichkeit.
Goethe, an Ch. G. v. Voigt, März/April 1815

Bald kannst aufspringen, schnell das Gericht kochen. Estland

Bald kennt jeder den eigenen Vorteil, und gönnet dem anderen
Seinen Vorteil, so ist ewiger Friede gemacht.
Goethe, Vierjahreszeiten - Herbst 74

Bald Leid, bald Freud.
bm] Dnes žalost, zejtra radost.
la] Jupiter jam pluit, jam serenus est.
la] Miscentur tristia laetis.

Bald nach dem Matthiastag (24.2.), da springen die Frösche in den Bach.

Bald nach der Umwandlung des Klosters Grimma in eine Schule hörte man aus einem verschlossenen Gang immerfort Stimmengewirr. Der Rektor Adam Siber sammelte seine stärksten Schüler um sich, und sie stiegen in den unterirdischen Gang hinab. Obgleich sie die Erscheinung eines eisgrauen, alten Mönches warnte, gingen sie immer weiter, bis sie vor einer Tafel standen, um die bei brennenden Kerzen Mönche mit Totengesichtern saßen. Einer von ihnen erhob sich und bat die Eindringlinge, sie möchten doch die Ruhe der Toten nicht stören, und schenkte ihnen zum Andenken einen vergoldeten Kelch. Sofort war die Erscheinung verschwunden, und bebend flohen die Schüler ans Tageslicht
i] Noch heute wird in Grimma dieser Kelch benutzt, wenn den Fürstenschülern das Abendmahl gereicht wird

Bald nach ihrer Entstehung und Verbreitung litt die christliche Religion durch sinnige und unsinnige Ketzereien, sie verlor ihr ursprüngliches Reine. Als sie aber gar rohe Völker und verderbte Gesittete bändigen und beherrschen sollte, waren derbe Mittel nötig, nicht Lehren, sondern Dienst bedurfte man.
Goethe, An Zelter, 14.11.1816

Bald reich, bald arm, bald gar nichts.

Bald rot, bald weiß ist nicht gesund.

Bald rot, bald weiß kriegt nicht den Preis.
z] Einst sah ich dich, da warst du rot, doch damit hat's jetzt keine Not. Da weißt, als ein erfahrner Mann, wie man die Farbe wechseln kann.

Bald spricht er so, bald so.
fr] Il a son dit et son dédit.

Bald staunt der Geist die Schöpfungswunder an,
Und bald entsetzt er sich vor ihren Schrecken,
Fällt aus dem einen in den andern Wahn
Und kann des Rätsels Lösung nicht entdecken.
Rückert, Spruchartiges

Bald trüb und rauh, bald licht und mild, ist der April des Menschen Ebenbild.

Bald und willig gegeben, ist angenehm.

Bald versiedet nicht.

Bald wenig und bald viel, so macht's das Spiel.

Bald werdet ihr das Land überfluten wie die Flüsse, die nach einem plötzlichen Regen die Schluchten hinunterstürzen. Aber mein Volk ist eine versiegenden Ebbe, wir werden niemals wiederkehren.
Seattle, Die Rede dies Indianerhäuptlings Seattle

Bald zerrinnt, was man am Sonntag spinnt.
i] Besonders wenn man schlechten Flachs dazu nimmt.

Bald, aber noch nicht. Köthen
i] Als Abfertigung.

Bald, bald, aber noch lange nicht.
i] Bei absichtlicher Zögerung.

Bald, es kenne nur jeder den eigenen, gönne dem anderen
Seinen Vorteil, so ist ewiger Friede gemacht.
Goethe, Xenien

Bald, sagte die Magd, und in ein paar Stunden war sie nahe fertig.
en] Two anons and a bye and bye is an hour and a half.

Balken gibt's in allen Dingen.
i] Um zu bezeichnen, dass nichts so gewiss sei, dem nicht ein Hindernis entgegenstehe, das uns zwingen könne, die Sache genauer zu überlegen. Vom Pflügen entlehnt, wo ein Stück Holz, das in dem zu pflügenden Acker liegt, die Arbeit erschwert.

Ball spielen wie ein Lahmer
la] more claudi pilam tenere

Ball verloren, Spiel verloren.
ho] Bal verloren, spel verloren.

Bälle öffnen (zeigen) den Weg in die Hölle.

Balmund lebt jetzund.
la] Tutor mala fide administrans.

Balsam gießt dem Toten auf,
Und Tränen Toten-Ehr!
Goethe, Künstlers Morgenlied

Bamme (wenn man) für 'n Tâler Kuche bäckt, erspart me für'n Batze Brûd.

Bamme gestorbe is, braucht me könn Dokter. Henneberg
hdt] Wenn man gestorben, braucht man keinen Arzt mehr.

Banalität ist die Zuflucht der geistig Schwachen.
Balzac, Lilie im Tal

Bananen, die nicht bewacht werden, gehören jedermann.

Bändiger der Herzen, Amor! Joh. Gottfr. Herder, Stimmen der Völker in Liedern (1807), Hochzeitlieder

Bange (furchtsame) Hunde bellen viel.
i] Der Feind, welcher die meisten Drohungen ausstößt, ist nicht der gefährlichste. Weiber fechten mit der Zunge besser als Männer.
la] Canes timidi vehementius latrant, quam mordent.
un] A félénk eb csak ugat, de nem igen marhat.

Bange machen gilt nicht, sagte der Hase zum brüllenden Löwen. Da wurde er gefressen. [ASpW]

Bange machen gilt nicht.
ndt] Bang moaken gelt nich. Ukermark
ndt] Bange mâken gilt nit.
la] Ne quid moveare verborum strepitu.

Bangigkeit. Diese letztere Empfindung wird in uns rege, wenn wir ein moralisches Übel auf die handelnden Personen heranrücken und sich über sie verbreiten sehen...
Goethe, Eckermann, 21.7.1827

Bank-Noten treffen immer den richtigen Ton.
Karl Garbe

Banken sind gefährlicher als stehende Armeen.
Jefferson

Banknoten: Musikzeichen, nach denen fast alle Menschen tanzen lernen.
Ron Kritzfeld

Bann (wenn) der Kôpf ro (herunter) es, hat der Orsch Feierabet. Henneberg

Bann (wenn) me sprecht: Kaffée, Schossée, Adje, da hat me' ke gût Zeit mé.
hdt] Wenn man spricht: Kaffee, Chaussee, Adjieu hat man keine gute Zeit mehr.

Bann d's nit recht es, so es 's lenks. Meiningen
i] Wortspiel, um Gleichgültigkeit auszudrücken.

Bann de derhem (daheim) kei Mäus wisst, geä ohnig (fort) un fang Ratte. Henneberg

Bann de nett geséä kôst, ze fass de Katz önnerm Ärm. Henneberg
i] Erinnert an die Gellert'sche Fabel: »Von ungefähr muss einen Blinden u.s.w.« Wenn einer sagt: »Ich kann nicht sehen«, so pflegt der andere mit dem obigen Sprichwort zu antworten: »Wenn du nicht sehen kannst, so nimm die Katze unter den Arm.«

Bann di Kuh 'naus es, macht me de Schtall zu.

Bann di Weiber wäsche onn backe, honn se d'n Teufel henner den Nacke.

Bann die Nöss' geroëte, geroëte die Hôrn. Henneberg
hdt] Wenn die Nüsse geraten, sollen auch die Huren geraten.

Bann ist die Rache mit dem Schwerte.
i] Es ist hier der Königsbann gemeint. Wer mit dem Bann des Papstes, des Bischofs u.s.w. von der Christenheit belegt wurde, und ein Jahr oder mehrere in demselben blieb, verlor dadurch weder Freiheit, noch Lehen, noch Erbe. Der kirchliche Bann konnte wohl blitzen, aber nicht donnern. Wer jedoch Jahr und Tag in des Königs Bann blieb, verlor Ehre und Recht, Freiheit, Erbe und Lehen.
mhd] Der Ban, das ist die rache mit dem swerte.

Bann leiht man ohne Mannschaft.

Bann me (wenn man) tut, bi (wie) all di Leut, se narrt me' nîet. Meiningen
i] Wird man nicht zum Narren, macht man sich nicht lächerlich, handelt nicht töricht.

Bann schadet der Seele und nimmt doch niemand den Leib.
mhd] Ban scadet der sell unde ne nimt doch nieman den lif.

Banns of Pätterkätt rênt, so wört teuering, on bann alle Steutlich voll Mâl hange.
hdt] Wenn es an Petri Kettenfeier (1.8.) regnet, so entsteht Teurung und wenn alle Stauden voll Mehl hangen.

Bär (wer) sich of di Ofenbank setzt, will e Râmwecha ha. Meiningen
i] Râmweche = Rahmweiche, d.i. Brot mit sauerm Milchrahm bestrichen.

Bär bleibt Bär, führt man ihn auch übers Meer.
fr] On a beau passer les mers, on change de climat, et non d'humeur.

Bar gegen bar setzen.
i] Es soll darunter bisweilen jus talionis verstanden werden.

Bar geld ist gute Ware.
dä] Rede penge er beste vare.
fr] Argent contant rend l'homme contant.
fr] Bien n'est pas argent monnoyé.
ho] Reet ghelt is goede waer.

Bar Geld lacht.
en] Out of debt, out of danger long.
fr] Argent comptant fait content.
it] Amor fa molto, il denaro tutto.
sp] El que paga descansa.
sp] Poderoso caballero es Don Dinero.

Bar geld vergnüget.
la] Pecunia praesens rei hominem contentum facit.

Bar nett kömmt (kommt) zu rachter Zeit, dâr muss nahm boass überbleit. Henneberg

Bär und Büffel können keinen Fuchs fangen.
i] Die plumpe Einfalt vermag nichts gegen die feine Schlauheit und Durchtriebenheit.
ndt] Ein beer ist ein gross thier, noch kan er kein fuchs fallen.

Bär und Petz ist eine Hetz.
i] Die Änderung des Namens tut's nicht, wann die Sache, die Person dieselbe bleibt.

Bär und Petz, es ist einer wie der andere. Litauen

Barbara (4.12.) im weißen Kleid, verkündet gute Sommerzeit.

Barbarei ist die Abwesenheit von Normen und Berufungsinstanzen.
Onega y Gasset

Barbarei und Zivilisation - Vorgericht und Nachspeise der Kultur.
Emil Gött, Im Selbstgespräch

Barbaren kommen herzu, nordische Riesen, denen die entnervten Römer wie Zwerge erscheinen: Sie verwüsten Rom und geben dem ermatteten Italien neue Kräfte. Ein fürchterlich-gütiger Erweis, dass alle Ausschweifung in der Natur sich selbst räche und verzehre!
Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Barbaren sind Völker, die ihr Entwicklungsvermögen erschöpft haben, ohne zur Kultur gelangt zu sein. E. G. Kolbenheyer

Barben haben süße Mäulein, bringen manchen um sein fahles Gäulein.

Barbenmäulein und Hechtenzünglein bringen den Reiter um sein Gäulein.
i] Die Geschichte vom Wohlleben und Verarmen in kurzer anmutiger Form, gedrängt, nicht bloß in Taschen, sondern Mundformat.
z] Das beste an den Fischen: Salmeus infederos, rupis hechtilisque in ceberis, carpeus in zünglis iss alius im nuttel drommis, stockfisch in blasiis, krepsius in schewantis barba meülin lecker biss.
ho] Een lekkere mond leidt tot den bedelzak.

Barbiere sind närrisch oder Schwätzer.
sp] Barbero ó loco, ó parlero.

Barbiere werden nicht so alt als Papageien, aber sie sprechen mehr.

Barbieren und Huren muss man recht zahlen.

Barbiermesser von Holz und Bierfässer von Glas taugen selten was.
dä] Sjelden seer man öll skur af glas, og rag-kniv af trae.

Barchent machen. Oberösterreich
i] Sich in gerichtlicher Haft befinden.

Bären fressen keinen Sommer.

Bären in einer Höhle vertragen sich nicht. Rußland

Bären muss man nicht reizen.
dä] Det er ei godt at stinge biørn med skev.

Bären und Wölfe verderben das Land, es kümmert sie wenig,
Wessen Haus die Flamme verzehrt...
Goethe, Reineke Fuchs 9. Gesang Vs 330

Bären, Löwen, wilde Schwein drey böse thier zu zemen sein.

Bares Geld ist die sicherste Medizin. Bulgarien

Bares Geld ist lachender Kauf.

Bares Geld lacht.
fr] Rien de plus éloquent que l'arg'ent comptant.
la] Gratissimus summus.
la] Reddit mercatum parata pecunia gratum.

Barfuß bis an den Hals. - Splitternackt.
en] In o's birthday suit. - Without a stitch on. - In the altogether. - Stark-naked. - Mother-naked. - To be starkers. - In one's birthday suit. - To be (in the) nude. - In Adam's suit.
fr] En costume d'Adam. - Nu comme un verme. - L'habit du père Adam. - Se promener en costume d'Adam.
it] In costume adamitico - Nudo come un verme.
ho] Adamskleren. - In Paradijskostuum.

Barfuß für einen durch die Hölle laufen.

Barfuß gehen hilft nichts zur Seligkeit.
i] Wider die barfüßigen guten Werke der Mönche und Wallfahrer.

Barfuß reist unbequem, aber sicher.

Barfuß tanzen.
fr] Marcher sur la chrétienté.

Barfuß und ein Säbe an der Seite.
ndt] Barfaut un en Säebel an Siyt. Westfalen

Bargeld
la] numerata pecunia

Bargeld befriedigt die Welt.

Bargeld das kauft.

Bargeld dingt (o. kauft) wohlfeil.

Bargeld dingt genau.

Bargeld hilft.

Bargeld ist Aladins Wunderlampe.

Bargeld ist der beste Glaube.

Bargeld ist die (beste) Losung.

Bargeld ist die beste Ware.

Bargeld ist eine gute Arznei.

Bargeld ist lachender Kauf.

Bargeld kauft wohlfeil.

Bargeld lacht, sagte der Kreditgeber, als man ihn am Zinsfuß kitzelte. [ASpW]

Bargeld lacht.

Bargeld lacht. Ist das Lachen schmierig, dürfte es sich um Schmiergeld handeln. [ASpW]

Bargeld macht angenehmen Markt.

Bargeld macht den Kauf.

Bargeld macht manchen Kauf schlecht.

Bargeld trotzt.

Bargeld und gare Kost ist leicht verzehrt.

Bargeld zwingt die Welt.

Bari, die Königin Apuliens.
it] Bari, la regina della Puglia.
i] Die meisten italienischen Städte haben einen charakterisierenden Beinamen, so heißt Bergamo ‚Das witzige' (Bergamaske). Bologna, wegen seiner weltberühmten Universität, die im Mittelalter 12000 Studenten zählte und in Bezug auf Rechtswissenschaft die erste der Welt war, ‚Die Gelehrte'. Sie heißt auch wegen der Fruchtbarkeit der Ebene, in der sie liegt, ‚Die Fette'. Als Hauptstadt der gallischen Bojer hiess sie Bononia, die alten Münzen Bolognas tragen den Wahlspruch der Stadt: Bononia docet. - Brescia, wegen der großen Eisenbergwerke, welche die berühmtesten Waffenfabriken Italiens unterhalten, ‚Die Bewaffnete, Streitbare'. Brescia, l'armata, l'armigera. Als Liebling der Republik Venedig, an die sie 1426 kam, hieß sie auch ‚der Stadt Venedig Braut'.

Barkauf ist Sparkauf.

Barmherzig sein fängt zu Hause an.
en] Charity begins at home.

Barmherzige Mütter ziehen lausige (oder grindige) Töchter (o. Kinder).

Barmherziger Samariter. Luc. X., 33-36.

Barmherzigkeit beginnt im eigenen Hause, aber sollte da nicht enden. Schottland

Barmherzigkeit beginnt im eigenen Hause. England

Barmherzigkeit erhebt das Gericht.

Barmherzigkeit gegen Wölfe ist Grausamkeit (o. Unrecht) gegen Schafe.
dä] Barmhjertighed er ej kræmmere eller aager-karle nyttig.
ho] Barmhartigheid voor de wolven is wreedheid tegen de schapen.

Barmherzigkeit ist eine Magd, die langsam geht und oft unterwegs ihre Gabe verschüttet.

Barmherzigkeit ist größer als Recht.

Barmherzigkeit ist keinem Krämer und Wucherer nütze.

Barmherzigkeit ist leichter zu üben als Gerechtigkeit.
Sully Prudhomme, Gedanken

Barmherzigkeit machet viel Freud' (od. Freunde).

Barmherzigkeit schaut auf die Not, nicht welche Ursache sie hat.
mhd] Barmhertzigkeit sihet auff die noth, nit was für Ursache es hat.
dä] Barmhjertighed seer til nøden, ikke til aarsagen eller personen.

Barmherzigkeit überdeckt viele Sünden.
en] Charity covers a multitude of sins.

Barnabas (11.6.) macht Bäum' und Dächer nass.

Barnabas sorgt für (langes) Gras.

Barnabas, den längsten Tag lass.
en] Barnaby bright, the longest day and the shortest night.

Bärr nett kömmt (kommt), dann wörrd der Pählz net gewäösche. Henneberg

Bärr niss aus sich macht, iss niss. Henneberg
i] Wer geachtet sein will, muss sich durch seine Haltung Achtung erwerben.

Bärr sich die Nase roa schnéïdt, verschändt sich das Gesicht. Henneberg

Bärr zeärrscht kömmt (kommt), mehlt ärrscht.

Bärr zelätzt kömmt (kommt), dann wörrd der Boërt (Bart) nett gewixt. Henneberg

Barsch sticht das Schwein in den Arsch.
i] Von Übereilung.

Barschaft ist besser als Gelahrschaft.

Bart auf Bart ist Geissbocksart.

Bart und Mantel (allein) machen keinen Philosophen.
i] Fast alle alten Philosophen trugen Bärte, nur Antisthenes, der Stifter der Cyniker, riet das Abscheren des Bartes an.
it] La barba non fa il filosofo.
it] La sapienza non istà nella barba.
it] Non fa la toga il dottore.
la] Barba non facit philosophum. Plutarch
la] Si promissa facit sapientem barba, quid obstat, barbatus possit vel caper esse Plato?

Bärte fürchten keine Schnurrbärte.

Bärte schlagen die Leut nicht.
i] Aber sie geben doch ein kriegerisches Ansehen: daher trugen beinahe alle alte wie neue Krieger Bärte, die Scythen und Baktrier so lange, dass selbst Parmenid, einer der tapfersten Generale Alexanders, seinem Könige den Rat gab, er möchte seine Truppen nur in der Nacht gegen dieselben anführen. Die Longabarden sind wegen ihrer langen Bärte bekannt-

Bärte stutzen, Kleider kürzen, seht die Ammoniter ins Verderben stürzen!

Bärte von drei Farben können nur Verräter an sich tragen.
sp] Barba de tres colores no la traen si no traydores.

Bartelme (Bartholomäus, 24.10.), treibt das Kraut in die Höh.

Bartelmei (Bartholomäus, 24.10.) knickt den Hafer in die Knie. Marsberg
dä] Auch die Dänen nennen ihn den Halmbrecher, weil um diese Zeit heftige Winde einzutreten pflegen, die das Getreide niederschlagen und brechen. Daher: Bertel bry destrau.

Bartelmei (Bartholomäus, 24.10.) springt der Hirsch ins Wasser nei.
pl] Jelen do wody wskoczy.

Bartelmeiwes, Stücke deines.
i] Bartolomäus ist das Stück des Diebes, d.h. es ist weg, als wenn es der Dieb geholt hätte. Sagt, dass von diesem Tage ab das Vesperbrot (Vier-Uhr-Stück der Hessen) wegfällt, weil früher zu Abend gegessen wird.

Barth, Barth ist Teufelsart.
i] Stadt in Pommern. Das Sprichwort ist angeblich durch den gewalttätigen Sinn Barther Fischer und Schiffer entstanden.

Barthel (Bartholomäus, 24.10.) hat die Beeren beschmutzt.
i] Mit dieser Redensart lehnt man in Grochwitz bei Troppau den Genuss der Brombeeren nach Bartholomäi ab.

Barthel nach Grommet (Grummt) und Michel nach Mod. Oberes Kinzigtal in Kurhessen

Barthel weiß schon, wo er den Most holt.
ndt] Boartel weese schun, wu a soll Must hullen.

Barthelmä (Bartholomäus, 24.10.), Bauer sä (säe), Grummet mä (mähe).

Barthelmäus (Bartholomäus, 24.10.) pflückt die Nuss.

Barthelmei (Bartholomäus, 24.10.) schüttelt Äpfel und Birnen ei.

Barthelmie (Bartholomäus, 24.10.) schiesst aus die Kroazbeere.
i] An diesem Tage soll ihr Wohlgeschmack schon aufhören.

Barthlime (Bartholomäus, 24.10.) bringt Reifen und Schnee. Solothurn
en] Sankt Bartholomew brings the cold dew.

Bartholomä (24.10.) treibt das Kraut in die Höh'.

Bartholomä (24.10.) wer Korn hat, der sä',
wer Gras hat, der mäh',
wer Hafer hat, der rech',
wer Äpfel hat, der brech'.

Bartholomä (24.10.), Vesperkost Ade. Ostpreußen

Bartholomäi (24.10.) habe den Samen.
pl] W Bartłomiéj, nasienie miéj.

Bartholomäi (24.10.) schreit d' Vögel ach und wä ih. Ulm

Bartholomäus (24.10.) bringt das Salz in die Äpfel.
ndt] Bartlemes brenget 'et salt in de Appeln. Grafschaft Mark

Bartholomäus (24.10.) geht durch den Hafer und zieht in nach unten.
ndt] Battelmês geiht dörch den Hâwer un treckt em dâl. Mecklenburg
i] Hafer, der um diese Zeit noch steht, legt sich.

Bartholomäus (24.10.) hat's Wasser (o. Wetter) parat für den Herbst bis zur Saat. Westpreußen

Bartholomäus (24.10.) verbietet Butter und Käse.
i] Es wird von da ab kein Vesperbrot mehr gereicht.

Bartholomäus (24.10.) zieht den Flor über den Flachs. Sachsen

Bartholomäusaussaat (24.10.) die letzte Aussaat. Estland

Bartholomäustag (24.10.), wie der sich hält, ist's den ganzen Herbst bestellt.
ndt] Bartholomäus-Daag, wie dä sich häld, oss de gannsen Hörbsd bestelld. Trier

Bartholome (24.10.), wer Korn hat, der säh, wer Gras hat, der mäh, wer Hafer hat, der rech', wer Äpfel hat, der brech. Wetzlar

Bartholomei (24.10.) schüttet Äpfel und Birnen ei.

Bartlenûs rîss (Rose) macht den Uorsch (Arsch) bliess (bloß).
i] Wenn man sich aufputzt wie eine Rose, so wird man bald nackt gehen müssen.

Bartlosigkeit ist ein Wolkentag.
i] Man kann Zeit und Alter nicht erkennen) Uganda

Baruch haba nach dem Essen. Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Willkommen nach Tische, in Bezug auf solche, deren starke Seite die Gastfreundschaft nicht ist.

Barwick und Newcastle sind die Schlüssel zu Schottland.

Bas (was) nachkommt, fresst d'r Hond. Meiningen

Basel das lustigste, Chur das oberste, Köln das reichste, Kostnitz das größte, Mainz das heiligste, Speier das würdigste, Straßburg das edelste, Trier das älteste.
i] So charakterisierte man früher die Stifter am Rhein.

Basil, den Priester, ehre mir, du Priester, sei verständig. Griechen
la] Tu supplex ora, tu protege, tuque labora.

Basiliskeneier brüten.
la] Ova aspidum ruperunt.

Basiliskeneier muss man zertreten, nicht brüten.
ho] De basiliscus moet in het ei vertreden worden.

Basis der Gerechtigkeit ist die Gleichheit.
la] Prima pars est aequitatis aequalitas.

Bass z'erst Rauchbrot esse und nachher das wîsse.

Bässer en Mûs em Döppe als kê Flêsch.
hdt] Besser eine Maus im Topfe als gar kein Fleisch.
ho] Beter eene muis in den pot dan gansch geen vleesch.

Bässer Möcke gefâng als miesig gâng. Trier
hdt] Besser Mücken gefangen als müßig gegangen.

Bässer schäel als blenk. Düren

Bast hält fest, sagt die Hexe.
ndt]Bast hölt fast, seggt de Hex. Samland

Bast nimmst du, mit einem Lederriemen bezahlst du. Estland

Bast um die Taille hat eine Gürtelweberin, und eine Holzsichel des Schmiedes Frau. Estland

Basta!
i] Es genügt vollkommen. Das genügt vollauf.
la] Abunde est. Celsus

Bastard - Ausart.
ho] Bastaarden slaan altijd nit den aard.
ho] Een bastaard aardt wel naar ziin' bast.

Bastard bringt so groß Pfennigbrot wie Ehkind.
i] Es wird von der Mutter ebenso geliebt.

Bastarde haben ein zahlreiches Geschlecht.
dä] Hore-unger har megen slaegt.

Bäste mäd, se nom der de Fess af de Räck. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Bist du müde, so nimm die Füße auf den Rücken.

Bat 'ne guede Nietel (Nessel) wären well, dä brient frö. Iserlohn

Bat (was) nit kost, dat dough ok nit, sach de Junge, doa sol 'ne sin Vâr (Vater) taum drüdden moale fam Galgen los koupen. Kierspe in der Grafschaft Mark

Bat biäter es as 'ne Lûs (Laus), maut me met niämen noa Hûs. Iserlohn

Bat de Rüens lätt, dat friet he ôk. Grafschaft Mark

Bat den enen recht es, es dem annern billig.

Bat dervüören es en Piepen un Packen, dat git derna en Biten un Krassen. Grafschaft Mark Woeste
i] Piepen = küssen.
hdt] Erst (vor der Hochzeit) küßen und umarmen, dann beißen und kratzen.

Bat di nachfolget, slätt di de Hacken kapott. Grafschaft Mark

Bat es der dann, dat ewich hält, hadde mâl de Mü'ermann sacht, da hadd e' 'n Backuowen mâket, dä was wi'er inen stüörtet.
ho] Wat duurt er eeuwig, zei de metselaar, toen had hij, om de goedkoopte, een' oven van Friesche turf gemetseld.

Bat me lärt (gelernt) hiät, dat friet' iäm kain Brot af. Iserlohn

Bat sall me seggen (sagen), bat sall me daun? En Küken es kain Haun. Iserlohn

Bäter armsälig förn as grôtherrsch gahn. Süderdithmarschen
ndt] Liaber batt'lmannisch g'fôhr'n, as êd'lmannisch ganga. Franken
ndt] Ein othmödig fahren ys bether, als ein hochmödig gahn.
dä] Bedre er at kiøre end at trave.

Bäter ên Nimmmit as two Hâlna. Süderdithmarschen
hdt] Besser ein Nimmmit als zwei Holnach.

Bäter is bäter, sö jener Jung, un streu Zucker op Sirup. Süderdithmarschen

Bäter schlicht füührt (gefahren) as god goan. Strelitz

Bäter u Lûs in'n Kôl, as gâr kên Flêsk. Ostfriesland

Bäter was, as gar nicks, seggt dei Düwel, un et dei Bottermelk mit dei Stakelfork. Mecklenburg

Bäter'n Kriddelkopp as 'n Dudelkopp (Tropf). Oldenburg Weserzeitung
i] Die großen Leute gelten dort für schwer beweglich; man zieht die kleinen, lebendigern, leichter feuerfangenden vor. Dudelkopp ist ein Mensch, der sich alles gefallen, der sich ungestraft auf der Nase herumspielen lässt, dem Energie fehlt. Mit dem Sprichwort tröstet sich die Frau, die von der Heftigkeit ihres Mannes zu leiden hat, wehrt sich das Mädchen, dem man eine Schlafmütze von Mann aufdringen will.
ho] Ik heb liever een' kwaadkop dan een' doedeldop.

Bäter, dat de Kôh (Kuh) van 'n Hawer spring'n, as dat de Vagels van 'n Hawer singen.

Bau deine Hütte am Straßenrand, und du wirst in drei Jahren noch nicht fertig sein. China

Bau den Stall nicht eher fertig, als bis das Pferd nicht da ist. Estland

Bau Hoffnung an mit Gebet und Fleiß! Säst drein Geduld, bringt's Ehrenpreis.

Bau Hoffnungsfeld mit Gebet und Fleiß, sä drein Geduld, bringst (o. trägt) Ehrenpreis.

Bau mich wie du wort (willst), egg mich dat et trog (taugt). (Vom Haferbau)

Bauch, Bauch, du must dich gewöhnen, dich nur nach Brot zu sehnen, lass anderen ihren Rücken krumm und schief im Dienste bücken.

Bauch, wärst du eine Scheune, und Zunge ein Wagenbrett!
i] Sagt der, welcher auf anderer Kosten schlemmt.

Bauchknecht ist ein groß Geschlecht.
dä] Bug-knegt er af største slægt.

Bäuchlein gut gefüllt, Hände ans Werk, sagte die plumpe Magd.

Bauchsorge geht über Kopfsorge (o. Seelsorge].
dä] Større sorg for bugen end for sjoelen.
dä] Större sorg for bugen end for sielle.

Baue - das erste Haus für deinen Feind, das zweite Haus für deinen Freund, das dritte Haus für dich.

Baue auf keinen gefrorenen Fluss und traue keinem Judaskuss.

Baue dein Haus weit von den Verwandten und dicht an einem Wasserlaufe. Slowenien

Baue dein Hüttchen im Tal
Und nicht auf dem Gipfel.
Heine, Vorwort zu 'Hebräische Melodien'

Baue erst den Stall, bevor du die Gäule kaufst. Russland

Baue immer einen Zaun um des Königs Wort herum. Bantu

Baue keinen Stall, eh du Ochsen hast.

Baue nicht eher fest auf treue Liebe und Freundschaft, als bis du erst solche Proben gesehen hast, die Aufopferung kosten.
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Baue nicht hundert Kirchen, sondern sorge für hundert Waisenkinder.

Bauen (oben) fix, unner nix.

Bauen die Ratten (ihr) Nest auf den Kornschober, kommt ein tiefer Winter, wenn (aber) unter den Kornschober, (kommt) ein niedriger (Winter) (d.i. wenig Schnee). Estland

Bauen Gley (Glanz) unner 'twei. Lübeck

Bauen hat ein weites Maul.

Bauen im April schon die Schwalben, gibt's viel Futter, Korn (o. Küh') und Kalben.

Bauen ist (k)eine Kunst, aber es kostet viel.

Bauen ist ein Lust, nur dass es viel kost, das hat Welten nicht gewost (gewusst).
ndt] Buën (= Bauen) is 'ne Lust, doch wat et kust, hew eck nich ewusst, segt de Timmermann. Hildesheim
i] In Lorchhausen (Nassau) steht an einem Hause: »Dass Bauwen ist ein Lust, nur allein dass vil kust, das hab ich N.N. nicht Gewust, mit bauwen bin ich's Erfahren. Gott Wol diss Haus bewaren.« (Plauderstübchen, 1858) Im Odenwalde steht an einem Hause: »Wie ich bawet, hat ich Freud und sorgen all Abend und morgen, wie ich aufhert, Du lieber Herr Gott, klopft an die Haussthür der Bankerott.« (Plauderstübchen, 1858) Denselben Spruch hat die Villa March in Charlottenburg zur Inschrift.
it] Casa fatta e vigna posta, nissun sa quanto essa costa.

Bauen ist ein süß Verarmen (o. Armmachen).
i] Sogar Marcus Crassus, einer der reichsten Baulustigen des alten Rom pflegte zu sagen: Baulustige werden durch sich selbst zu Grunde gerichtet.
it] Il fabbrieare è un dolce impoverire.
it] Quie fabricat, l'ischit ad s'ultimu.

Bauen ist eine Lust,
Aber was es kostet, hab' ich nit gewusst,
Hätten sie mir das vorhergesagt,
So hätt ich mich anders bedacht.

Bauen ist eine Lust, aber (o. nur) es kostet Geld.

Bauen ist eine Lust, aber der hundertste weiß erst was' kust't. Schlesien

Bauen ist schwerer als einreißen.

Bauen kann nur (der) Habich -nicht (der) Hättich.

Bauen kost Geld.

Bauen macht den Beutel schlapp.

Bauen macht ledige Beutel.
en] Building is a sweet impoverishing.
it] Casa fatta, e vigna posta, non si sa quel ch'ella costa.
it] Chi edifica sua bursa purifica.
it] Murare e piatire e un dolce impoverire.
la] Qui pascit multos, qui multas construit aedes recte ad egestatis tendit uterque viam.

Bauen ohne Not bringt in Armut.

Bauen um Markus (25.4.) schon die Schwalben, so gibt's viel Futter, Korn und Kalben.

Bauen und Gastieren schnell zum Bettel führen.

Bauen und Gastieren werden dich ins Armenhaus führen.
la] Aedificia et lites faciunt pauperum.
la] Aedificare domus multas et pascere multos, est brevis ad summum semita pauperiem.

Bauen und Prozessieren bringen an den Bettelstab.

Bauen und Prozessieren kann zum Bettelstab führen.
en] Building and marrying is a sweet impoverishing.
fr] Qui se marie ou edifie sa propre bourse il purifie.
it] Murare e piatire è dolce impoverire.
la] Aedificia et lites faciunt pauperes.
sp] Á quien hace casa ó se casa, la bolsa le queda rasa.

Bauen und reichlich Haushalten gehören nicht zusammen.

Bauen und viel Leute (o. Mäuler) speisen tut zu großer Armut weisen (o. reißen).
en] Building and the marrying of children are great wasters.

Bauen, Prozessführen, kranck sein kosten viel gelt mich und arbeit.

Bauer - Lauer.
i] Der Syrer sagt: Schami - Schumi, d. i. der Damaszener ist ein Betrüger.
ho] Boeren zijn maar loeren, zegt de schrift.

Bauer bleibt Bauer, selbst wenn er auf seidenem Kissen schläft (o. Edelmann wird).

Bauer ist Bauer, ein Schelm von Natur.
ndt] Buur öss e Buur, e Schelm von Natur.

Bauer werden ist nicht schwer, Bauer bleiben eine Ehr'.

Bauer zu sein und den Boden zu bearbeiten ist eine gute Sache.
A. H. Tammsaare, Satan mit gefälschtem Paß

Bauer, Bauer, kotz' dich, die Herren haben Hunger.

Bauer, freu dich! wenn die Amsel zeitig.

Bauer, lass sehen, wer den anderen bescheisst, sagte der Landsknecht.

Bauer, zahl' die Kosten, wie viel hast du Gerste gedroschen ?

Bauer, zu Sankt Bartholomä (20.8.) willst Winterroggen du, so säh!

Bauerbrot - sauer Brot, aber ehrlich Brot.
dä] Bonde-handelen er kied-sommelig for den seendraegtigereth: giör man en teng sildig, saa en man vag efter med alting.

Bäuerlein tragt's ins Kloster hinein, so gibt man dir ein Suppen und sauer Wein.

Bäuerlein und Greta sind dispare valde diaeta.
i] Sintemal der schlafet, uam Grete Parocho schaffet.

Bauerleut und Rittersleut - ohne Ross kemmas net weit.

Bauern brauchen ihr Recht nicht zu wissen. [RSpW]
i] Was man nicht weiss, kann man natürlich nicht ausüben und wird anderen dadurch nicht unbequem. Weiber und Ritter brauchten es nach dem römischen Rechte auch nicht zu wissen.
ho] Bowren dörffen auch ihr recht nich wissen.

Bauern darf man keinen starken Wein geben, es tut's ein frischer Brunnen.

Bauern dürfen keines Kredenzens, sie sind frei vom Giftessen.

Bauern fressen, Edelleute saufen und Mönche scheissen.

Bauern hätten (ein) gut Leben, wenn sie's wüssten.

Bauern heiraten nach Land, Edelleute nach Stand, Hofleute nach Welt, Kaufleute nach Geld.

Bauern hinter den Pflug, Bürger auf den Wall und Landsknecht ins Feld.

Bauern kann man das Murren ebenso wenig abgewöhnen, als den Wölfen das Heulen.

Bauern können nicht entbehren, die vom Brote sich ernähren.

Bauern lausen.
i] Wird mit » Nonnen hüten« zu den schwierigsten Geschäften, ja zu den Höllenstrafen gerechnet.

Bauern lieben lange Bratwürste und kurze Predigten.
ho] Da boeren hebben dikwiljs dorst, zij houden van eene korte preek en eene lange worst.
la] Concio grata brevis, longum farcimen agresti.

Bauern machen Fürsten.

Bauern machen Kaufleute, Kaufherrn machen Junkherrn, Junkherrn machen Bettler.

Bauern muss man die Feigen geben, die in der Stadt hinter der Mauer kleben.

Bauern muss men mit einem frischen Rossapfel aufrichten.

Bauern nehmen den Markt in die Hand. (Sie sehen sich vor)

Bauern sagen auch etwas Wahres.
z] Des Bauern Handschlag ist auch ein Manneswort.

Bauern schimpfen nicht, sie schlagen dreimal an eine Stelle.
dä] Bonde-harme veed ingen maade, han slaær to gange paa et sted.

Bauern schlagen einander tot, Edelleute machen einander die Kinder.

Bauern schlagen nicht zu Borge.

Bauern schlagen zweimal auf dieselbe Stelle.
dä] Bonde slaaer to gange paa et sted.

Bauern sind alleweg ins zukünftige Jahr reich.

Bauern sind auch Leut.

Bauern sind doch nur Bauern, wenn sie etwas geben, sehn sie sawer, und reden jmmer und stets dauou als hett man ihm nichts guts gethan.

Bauern sind Hofleute, die nicht in die Stube dürfen.

Bauern sind Katzenart, lobt man sie, so strecken sie sich, schmäht man sie, so bersten sie, dass sie funken.

Bauern sind Lauern, so lange sie dauern.

Bauern sind oft Hänse, aber niemals Gänse.
dä] Bönder en ikke giaes for de ere graae.

Bauern sind Schalke, wer's nicht glaubt, ist auch einer.

Bauern soll man nicht ins Regiment setzen.

Bauern sollen die Dithmarschen sein, sie mögen wohl Herren genennt werden.
z] Darum sagen die Dithmarschen im wohlbegründeten Selbstbewusstsein ihrer Bildung, ihres Besitzes, ihrer Geschichte und Freiheiten sprichwörtlich selbst von sich: Bauern sollen die Dithmarschen sein. Sie mögen wol Herren genennt werden. Günnel, Schleswig-Holsteins Land und Leute, Zwickau 1865

Bauern tragen keine Sporen. (Auch kennen sie Sporen (Ehrgeiz) nicht)
fr] Vilain ne sçait qu'esperon vaut.

Bauern tun Bauerntat.

Bauern und Ackersleute sind gern beisammen.
la] Rusticus agricolam, miles fera bella gerentem, rectorem dubiae navita puppis amat.

Bauern und Arme haben auch ihren Zorn, er hat aber die Wehre nicht.

Bauern und Glöckner richten selten Ketzerei an.

Bauern und Juden ist nicht zu trauen.
ho] Boeren en smousen zijn niet te vertrouwen.

Bauern und Kaufleute müssen halten.

Bauern und Mehlsäcke klopft man solange als es staubt.

Bauern und Schweine haben immer etwas zu grunzen.
z] Bauern kann man das Murren ebenso wenig abgewöhnen, als den Wölfen das Heulen.

Bauern und Schweine sind eine Gemeine.
ho] Ik ga eens zien, of mijne familie slaapt, zei Jorden de boer, en hij keek in het varkenskot.

Bauern und Seeleute haben keinen Feiertag und keine Nacht. Estland

Bauern und Weiden muss man alle drei Jahre beschneiden.

Bauern und Weiden, sollen sie nicht werden geil, muss man alle drei Jahr beschneiden.

Bauern und Weidenköpfe muss man oft beschneiden.
z] De Bû'r glîkt der Wîd, jemihr man 'n beschnied't, jemihr un frischer schleit hä ut.
bm] Chlap jest jako vrba, čím čestĕjie ji obrubáš, tím sĕ húštĕ obalí.
dä] Var bonden ey bunden, da hlev han vaerre end hunden.

Bauern verstehen auch Latein.

Bauernarbeit hat die meiste Hoffnung.

Bauernarbeit ist am fröhlichsten.

Bauerndienst - Bauernlohn, Herrendienst - Herrenlohn.

Bauernehre ist den Herren nichts als Glas, aber Herrenehre soll den Bauern sein Granitenstein.

Bauernfleisch - böses Fleisch.

Bauerngeld klingt auch in der Welt.
ho] Boerengeld is zoo goed als heeren-munt.

Bauerngerechtsame sind nicht gleich.
alteng] Gebur-gerihta syn nies lîce.

Bauerngeschenk ist eine Pflicht, Herrengeschenk eine Gnade. Petersburg

Bauerngeschlecht und Weidengattung rottet niemand aus. Estland

Bauerngut hin, Bauerngut her, sagte Krietzschfriege, ich kann das Ackern nicht lernen. Leipzig (Gottfried K., unverheirateter Tagelöhner, sollte ein Bauerngut unter der Bedingung erben, dass er die Landwirtschaft erlerne. Da er aber das Ackern durchaus nicht begreifen konnte, ließ er das Bauerngut mit der obigen Redensart fahren)

Bauernkinder geben auch Doktoren.

Bauernkirchweih machen.
la] Rus civitas.

Bauernköpf' sind Lauernköpf', keine Hafnertöpf'.

Bauernköpfe empfinden nichts, man schlag' ihnen denn einen Hacken hinter die Ohren.

Bauernköppe - harte Knöppe.

Bauernkuchen bringt zum Stehlen, Fladen bringt zum Springen. Estland (Man muss schnell austreten gehen)

Bauernküchen sind keine Schlossküchen.

Bauernleben ist am fröhlichsten und voller Hoffnung.
z] Denn ackern, säen, pflanzen, pflügen tun sie alle auf gute Hoffnung.

Bauernleben ist das seligste Leben, diesen wächst alles, die anderen Stände müssen's kaufen. (Lieblingsspruch des Kurfürsten Friedrich den Weisen von Sachsen)

Bauernrecht ist nicht Ritterrecht.

Bauernscheren ist ärger denn Herrenschinden.

Bauernschlau, pfiffig, geweckt sein bedeutet, dass diese Intelligenz Tempo hat.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Bauernschritt ist ein langsamer Schritt.

Bauernschweiß ist der beste Dung.

Bauernschweiß und Märzenstaub sind teure Ware.
dä] Hvo de vil have bondens seved skal bride vel pa hanmen, og dekke ham warm.

Bauernstand - schöner Stand.
dä] Bonde-handel lystig vandel.

Bauernstolz und Übermut wohnen unter einem Hut. (Wie wir von Bauernstolz reden, so hatten die Alten Bauernhass, worunter ein wilder, furchtbarer Hass verstanden wurde)
la] Odium agreste. (Lucian.)

Bauernstolz wälzt sich auf der Erde.

Bauernwillkür ist frei. [RSpW]
mhd] Alle buern wikoer is vry.
i] Das deutsche Mittelalter war der freien Entwickelung und Selbstbestimmung mehr wie jede andere Zeit günstig. Neben Gewohnheit und Gesetz bildete die Üereinkunft der Berechtigten und Verpflichteten Rechte und Rechtsformen, und fast jede Stadt und jedes Dorf hatte ein eigenes gewillkürtes Recht.

Bauest du ein Haus, so gucket ein andrer zum Fenster aus.

Bauest du ein Haus, so mach's vollends aus.
i] Was du tust, das tue ganz.
dä] En slet bygmester som begynder og veed ej at udfœre bygningen.
la] Domum quum facis, ne relinque impolitam.

Bauest du kuchs, so gehet dein gelt in duchs (Dux).
fr] Si tu bâtis une maison, pousse-la jusqu'au pignon.

Bauet auf und reißt nieder, so habt ihr Arbeit immer wieder

Baukweitensåt un Wiewerråt geråden alle œben Johr.

Baulust, Geldverlust. Jüdische Spruchweisheit

Baum der Erkenntnis = vom Baum der Erkenntnis essen = durch Erfahrung klug, wissend werden

Baum des Lebens = der Lebensbaum mit seinen immgrünen Nadeln

Baum Gutschmack trägt Nuss Bettelsack.

Bäum, die man oft versetzt, bekleiben nicht.

Baumblüten, die im Herbste kommen, haben künftigem Sommer die Frucht genommen.

Bäume bleiben ja nicht gefangen. Estland

Bäume ohne Frucht, schöne Weiber ohne Zucht, die findt man vngesucht.

Bäume pflanze im Frühling.

Bäume sind allweg ins zukünftige Jahr reich.

Bäume sind für den Schatten da, und Kinder für das Alter. China

Bäume, die nahe beieinander stehen, reiben sich.

Bäume, die oft knacken, brechen nicht leicht. (Leute, die viel klagen, halten es oft lange aus)

Bäume, die vom Blitz getroffen sind, sollte man nicht auslöschen. Abruzzen

Bäume, die zeitig grünen, verlieren die Blätter früh.

Bäume, welche die meisten Blätter haben, tragen oft die wenigsten Früchte.

Baumwolle ist Königin.
i] Baumwollenjunker in den Sklavenstaaten der nordamerikanischen Union, ein Königtum. Auf die Baumwolle gründet sich ein großer Teil der englischen Aristokratie, sie ist eine der gewaltigsten Ursachen der ungeheuern Kapitalsbewegung der neuern Zeit, sie hat alle anderen Bekleidungsstoffe in den Hintergrund gedrängt und ist einer der mächtigsten Gegenstände des kolossalen Verkehrs geworden, der auf Wasser- und Eisenstraßen die Welt durchzieht. Lange Zeit beherrschte die englische Baumwollindustrie unumschränkt den Markt Europas, und erst seit 1845 begann der Einfluss deutschen Fleißes sich bemerkbar zu machen. In England ziehen vier Millionen Menschen aus der verschiedenartigen Bearbeitung der Baumwolle ihren Unterhalt. Schlesische Zeitung, 1867
en] Cotton is king.

Baumwolle und Feuer spielen nicht zusammen. Türkei
fr] L'homme est le feu, la femme est l'étoupe, et le Diable le vent, qui souffle.

Baun die Ameisen große Haufen, kommt ein strenger Winter gelaufen.

Bäunen (Bohnen) in de Päut, Hawer in den Kläut, Gearste in de Aske, giet Geld in de Taske. Westfalen (Päut = Pôt = Pfuhl, Pfütze, Kläut = Kloß, Aske = Asche)

Baurenfarb - die ehrlichste Farb.

Bäurisch gefahren ist besser als herrisch gelaufen.

Baurn sagen auch etwa war.

Baursmanns Sohn, lass Rösslein stahn, es thut dir wohl etwas geringers.

Baust du ein Schloss an die Grenze, dann befestige es mit doppeltem Wall. Russland

Baust mich in d' Molde, ich lass dir's nicht unvergolde, sagt das Korn zum Bauer. Oberösterreich

Baut die Ameise hoch ihr Haus, fällt der Winter trocken aus.

Baut einer sein Haus mit fremdem Geld, sammelt er Steine für einen Schutthaufen.
Altes Testament, Jesus Sirach 21, 8

Baut Krankenhäuser, und ihr werdet Kranke ernten.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin! Aphorismen zum Gesundheitswesen und zur Gesundheitspolitik,

Bauwendig und verlaufenes Gut gehört zur höchsten Hand. [RSpW]
ndt] Buwending gudt und verlopen gudt höret thor hogsten hand.
i] Es war eine Regel der Herrschaft, dass ihr die Güter verfielen, deren Besitzer ausgewandert (wo der Bau gewendet wird) oder verschollen war. Man nannte verlaufen Gut, dessen Besitzer nicht aufzufinden war.

Bayerisch Bier aus Bayerns Malz,
Wein und Mädel aus Bayerns Pfalz,
sind drei schöne Dinge, dächt' ich.
Wer eins hat - ei, wie schmeckst du prächtig.

Bayerische Verordnung und gut Bier währt drei Tage oder vier.

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