Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten B
'Bedeutung' legen wir einem Ereignis bei, wenn es dabei 'um Werte geht', 'Sinn', wenn darauf Werte hervorgehen. Radbruch
'Bei den Franzosen ist Lügen und Meineid kein Laster, sondern eine Redensart.' Und wer dies Zeugnis ergänzen wollte, kann sagen dass es heute Tugenden sind. Montaigne. Essais
'Bei mancherlei Geschäftigkeit
Hast dich ungeschickt benommen.'
Ohne jene Verrücktheit,
Wär' ich nicht so weit gekommen.
Goethe, Zahme Xenien IV
'Bei so verworrnem Spiele
Wird mir wahrhaftig bang!'
Es gibt der Menschen so viele,
Und es ist der Tag so lang.
Goethe, Zahme Xenien 171
'Bequemlichkeit ist die Hauptsache', sagte der Teufel, da setzte er sich auf die Flachshechel. [ASpW]
'Beste aller möglichen Welten' (W. Leibniz). Die Absurdität ist schreiend!
Arthur Schopenhauer
'Bist du denn nicht auch zugrunde gerichtet?
Von deinen Hoffnungen trifft nichts ein!'
Die Hoffnung ists, die sinnet und dichtet,
Und da kann ich noch immer lustig sein.
Goethe, Sprichwörtlich
'Bleib gesund' füttert das Pferd ja nicht. Estland
'Bleib gesund' ist auch ein guter Mann. Estland
'Brich doch mit diesem Lump sogleich,
Er machte dir einen Schelmenstreich,
Wie kannst du mit ihm leben?'
Ich mochte mich weiter nicht bemühe,
Ich hab ihm verziehe,
Aber nicht vergeben.
Goethe, Zahme Xenien V
B'hüt uns Gott vor Gabelstich, drui môl geit neun Löcher. (Gegen Verleumder, Verführer und allerlei arge und gefährliche Leute. Erinnert wohl an die Kampfweise im Bauernkriege)
fr] Dieu me garde de la douce façon et gentile du prince de Condé et de l'esprit et du curedent de l'amiral (Coligny).
ho] Zacht met uwe gaffel-steken, de drie maken negen gaten.
B'r huon ann noien Nupper krickt. Sprottau
hdt] Wir haben einen neuen Nachbar bekommen.
i] Sagt man, wenn der erste Schnee gefallen ist. In einzelnen Gegenden des schlesischen Gebirgs lautet das Wort: Nuckwer.
B'schâds (Bescheid) gnug, haessd's in Wallersta. Wallerstein in Rims bei Neresheim
B-moll singen. Ostpreussen (Soviel als klein beigeben oder Abbitte tun)
i] Der Thorner Rat entschied im Jahre 1605 in Injuriensachen zwischen dem Schulkollegen Andres und dem Kantor: Der Magister solle sein Maul eine andere Zeit besser in Acht nehmen und der Cantor künftig auch B-moll singen, sonst würde ein etc. Rath das Finale halten. Neue preuss. Provinzialblätter, 1853
Ba a schweren Wugen is git zu Fiss gehen. Jüdisch-deutsch, Brody
hdt] Neben einem schweren Wagen zu Fuß gehen.
i] Man kann schon etwas wagen, wenn man Unterstützung zur Seite hat.
Ba bliffi (wo bleiben wir) wann de Welt verget? Dann krêpe-wi (kriechen wir) innen Backuowen. Iserlohn
i] Um die ans Brot gewöhnten Propheten lächerlich zu machen.
Baal's Brüder fallen vor Gold wie vorm güldnen Kalbe nieder.
Babel war keine Flasche, und mit Wenn steckt man's in die Tasche.
Babele (= Großmütterchen), Babele na-dir (= da hast du) a beinernen, ün gieb mir an eisernen. Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Spruch der kleinen Kinder beim Verlust der Milchzähne, indem sie dieselben auf den Ofen werfen.
Babylonis opes. Statius, Silvae
dt] die Reichtümer Babylons
Babylonischer Turmbau.
Babys sind süße, rosige Geschöpfchen, die man unausgesetzt herzen und kosen möchte, damit sie endlich zu brüllen aufhören.
Ephraim Kishon, Kishon für alle Fälle
Bacchus der Vater, Venus die Mutter, Ire (Zorn) die Hebamm' erzeugen das Podagram (= Fußgicht).
i] Wenn auch nicht jeder der Trunkenheit und Wollust ergebene Mensch, der noch überdies bei jedem Anlass dem Zorn die Zügel schießen lässt, podagrisch wird, so wird doch in der Regel dadurch der Grund zu einem siechen Leben gelegt.
dä] Til Podagra er Bacchus fader venus moder, orede amme eller foster moder.
fr] La goutte vient de la feuillette ou de la fillette.
la] Nascitur ex Venere et Baccho, solventibus artis, filia, quae membra podagra virum.
Bacchus et ad culpam causas dedit. Vergilius, Georgica
dt] Bacchus gab auch Anlass zu mancherlei Schuld.
Bacchus lebe!
la] Vivat Bacchus!
Bacchus liebt die Freiheit.
la] Apertos Bacchus amat colles.
Bacchus liebt die offenen Hügel.
la] Apertos Bacchus amat colles.
Bacchus soll sie schweren Sorgen vergessen lassen.
la] Curas Bacchus exoneret graves.
Bacchus tötet mehr denn Mars.
Bacchus und Mars haben mehr Deutsche erlegt, als Venus Welsche hat ausgefegt.
ho] De goede Bacchus is een vriend, die droeve geesten wonder dient.
Bacchus verdanken wir unsere Lieder.
la] Debemus carmina Baccho.
Bacchus, der Spender des Frohsinns, soll uns beistehen!
la] Adsit laetitiae Bacchus dator.
Bach ist oftmals zutiefst bewegend und leidenschaftlich, aber er schildert keine persönlichen Leidenschaften und will auch keine persönlichen Überzeugungen übermitteln. Er spricht für das Menschliche und Zeitlose.
Yehudi Menuhin, Lebensschule
Bäche, die am meisten brausen, trocknen am ersten aus.
i] Ein Feind, der im ersten Anlauf sehr grimmig ist, gleicht einem Regenbache, der über das Gebirge hereinbraust und alles mit sich fortführt, was er ereilt.
Bäche, die kein Wasser haben, machen keinen Strom.
Bachstelze - Krummbeinlein, sie hackt das Bodeneis im Sumpf. Estland
Back mi en Ei, wenn 'k dout sin (bin). Recklinghausen
Backen und Brauen gerät (o. geraten) nicht immer.
i] Bei Geschäften von der Art, wo es viel auf die Zutaten und auf äußere Zufälligkeiten ankommt.
ndt] Al Backsels un Braussels geradt nich. Ostfriesland
ndt] Alle Backsels un Brossels sünd nich awerên. Ostfriesland
ndt] Bakken un bruen misradet wol ins.
ho] Alle bakzels en brouwels vallen niet even goed uit.
Backen und Brauen gerät nicht allzeit wohl.
Backen wir, oder essen wir das Mehl?
Backen, dass die Taler knacken.
Bäcker sind die besten Baumeister, sie bauen aus kleinen Semmeln große Häuser.
Bäcker und Brauer können nicht auf einem Platze Sitzen.
ho] Daar de bakker zit, kan de brouwer niet liggen.
Bäcker und Müller sind die letzten, die Hungers sterben.
ho] Die mondbehoeften vaart, mondbehoeften eet.
Bäcker und Müller zanken sich miteinander, wer von ihnen der größte Schelm sei. (Vom Schneegestöber mit Regen vermischt)
Bäcker, backe tüchtig, richtig, gewichtig.
Bäckerbrod as Bäckerbrod.
Bäckerbrot ist Leckerbrot.
Backöwens un Fruggen mötte Hius bluiwen. Soest
hdt] Backöfen und Frauen müssen zu Hause sein.
Bad' gnug oder sitz' nicht (erst) ein.
i] Alles ordentlich, genügend, gehörig oder gar nicht.
Bad', wasche dich, wenn's schicket sich;
Gesund dich's hält und kost't kein Geld. von Arnim, Der Wintergarten
Bad, Wein und Weiber erquicken (o. verderben) unsre Leiber (o. unsern Leib).
la] Balnea aunt remedia laborum.
la] Balnea, vina, venus, corrumpunt corpora nostra, conservant eadem balnea, vina, venus.
la] Vina acuunt animos, vino mens aegra resurgit.
Badd'et nit, sau schad'et nit. Waldeck
Bade dich eh' es Nacht wird.
Bade die Kinder anderer Leute, aber wasch sie nicht hinter den Ohren. Kreolisch
Bade genug, aber sitze nit ein.
i] Eine Badekur im Mittelalter dauerte zwar nicht so viel Wochen als in unsern Tagen, dagegen dauerten die einzelnen Bäder länger. Während jetzt ein Bad dreißig bis fünfundvierzig Minuten dauert, kam es vor, dass die Leute bis zu vier Stunden täglich badeten. In Ems fing man mit einer Stunde an, und legte jeden Tag bis zu zehn Stunden eine Stunde zu. Es wird sogar eines Falles aus jener Zeit gedacht, in welchem ein Wassersüchtiger ohne Unterbrechung zehn Tage lang im Bade blieb, in demselben aß und schlief.
Bade nicht in allen Pfützen.
Bademütter und Waschweiber reden viel an einem langen Sommertage.
ho] Drie vroedvrouwen, drie besteedsters en drie waschvrouwen zijn te zamen negen koppelaarsters.
Baden ist mehr als waschen.
Baden wendet nicht allen Schaden.
Baden, Wildbad und Zell fließen aus einer Quell.
i] Um anzudeuten, dass die Heilbrunnen Liebenzell, Wildbad und Baden-Baden in ihren Hauptbestandteilen (kohlen- und schwefelsaures Natron, Eisenoxyd, Kieselerde, Kochsalz und kohlensauren Kalk) sehr ähnlich sind und eine gemeinsame unterirdische Quelle haben mögen.
Bader - Salbader.
la] Balneator, percunctator.
Bäder arm mit Ihren (Ehren), as riek mit Schåden.
hdt] Armut schändet nicht.
Bader erkennt man an der Schürze.
i] Man nimmt ihnen auch, wie Goethe bemerkt, nichts übel.
Bader geben sich oft für Wundärze aus.
i] Und nehmen's übel, wenn man sie nicht Doktor heißt und ihr Gebräu – Medizin.
Bäder, Lieb' und Wein machen das Leben klein.
i] Der Gebrauch der Bäder kann unter Umständen mehr schaden als nützen.
Bagatelle führt zur Hölle.
i] Es ist gefährlich, etwas für Kleinigkeit zu betrachten.
Bagatellisiere den großen Zank, und den kleinen mach zu nichts.
Bagdad ist nicht weit für einen Verliebten. Türkei
i] Um zu sagen, dass für Verliebte die Entfernungen schwinden und es für sie nichts gibt, das zu schwer zu überwinden wäre.
Bahn halten.
i] In demselben Wege bleiben, den andere gehen.
Bahre gegen Bahre.
Bai (wer) en Ruien smeiten well, kann lichte 'n Stein finnen. Arnsberg
Bai (wer) hir den Plauch (Pflug) nitt hallen well, dei maut 'ne in Hollant trecken (ziehen). Iserlohn
Bai (wer) viel Nigges inbrenget, brenget viel ut.
i] Wer Neuigkeiten bringt, nimmt deren auch wieder mit fort.
Bai allerwiägen de Nase hewwen well, maut se boa beschieten terügge trecken.
Bai dat Guet iärwet (erbt), dai iärwet ock dat Kruet. Westfalen
la] Res nata ex re mea, ad me pertinet.
Bai de Kau (Kuh) kopen well, dai kueme oppen Stall. Iserlohn
Bai de Tochter well friggen, dai maut de Môr striken. Iserlohn
Bai lange liäwea (leben) well, maut di taum Doe schicken. Iserlohn
Bai lüget, dai drüget. Iserlohn
Bai lüget, dai stielt; bai hort, dai snort. Iserlohn
Bai well helpen kricken, dai maut helpen bicken. Grafschaft Mark Woeste
i] kricken = auch kraken = krachen, knarren.
Baise Possa macha.
i] Böses Spiel machen, schlimme Streiche spielen, heimlich schaden, entgegenarbeiten.
Bakel, juble nicht zu früh.
Bald (heute) Lamm, bald (morgen) Wolf.
dä] Stundum lam, stundum løve.
Bald (o. gut) angerannt, ist halb gewonnen.
mhd] Men spricht ein dinck dos sijt gewis, wale angerant halff aichten is.
Bald - und du hast alles vergessen; bald - und alles hat dich vergessen. Marc Aurel
Bald abfahren müssen. (Sterben)
Bald anders besteht wie eine getünchte Wand im Regen.
Bald anders besteht wie Schnee im Wasser.
i] Von Unbeständigen, Wankelmütigen, Wetterwendischen. Die alten Römer sagten von solchen Leuten: Bald im Pallium, bald in der Toga.
la] Modo palliatus, modo togatus. Tullius
Bald anders ist in allen enden, bey hohen und bey niedern Ständen.
Bald angefangen, bald liegen gelassen.
Bald angerannt ist halb gefochten (o. gewonnen).
Bald aufgenommen, bald hingeworfen.
Bald aufgezuckt, bald hingeworfen.
Bald bekommt eine Seuche, wer sich zu den Huren begibt.
mhd] Bolde kricht he eine sükede, de sik to den horen gift.
la] Incidit in morbum, turpi qui servit alittae.
Bald bezahlt, ist gut bezahlt.
Bald brennt ein Haus, aber langsam löscht man's aus.
i] Ein Streit ist leicht entfacht, aber schwer beigelegt.
Bald d' Horra emol e Suppe mit enand g'gessen hend, sönd alsama glich.
i] Sobald die neugewählten Herren oder Beamten in die Luft der Alten kommen, so athmen sie die gleiche aus, d.h. sie sind so herrisch wie jene.
Bald der Gülden im Kasten klinget,
Die Seel sich auf gen Himmel schwinget.
Hans Sachs, Die Wittenberger Nachtigall
Bald entstanden, bald vergangen.
Bald entzündet, bald erloschen. Estland
Bald fehlt das Buch zum Titel, bald der Titel zum Buche.
z] Vielmals muss man fragen: Wo ist das Buch zu diesem Titel, vielmals auch: wo ist der Titel zu diesem Buche.
Bald felt de Lîf up en Rosenblad, bald up'n Köklâk. Lüneburg
i] Die Liebe wählt ebenso gut als schlecht, bald den Würdigsten, bald den Unwürdigsten.
Bald fertig, bald Brei. Passau
Bald Fleisch, bald Fisch sein.
ho] Nu visch en dan weder vleesch zijn.
Bald geben, ist doppelt (o. viel) geben.
i] Zusatz: Dreimal geben heißt nichts geben.
Bald gegeben ist doppelt gegeben.
fr] Mieux vaut promptement un œuf, que demain un bœuf.
fr] Qui donne vite donne deux fois.
la] Bis dat, qui cito dat.
Bald genug ist gut genug.
fr] Assez tôt si assez bien.
Bald geredt, aber nicht aussgetragen.
Bald getan, ist viel (o. wohl) getan.
Bald getraut of (oft) lang geraut (gereut).
Bald gewonnen, bald verloren.
Bald glauben nahm nie kein gutes Ende.
Bald gutgemacht, ist nur halb verschuldet.
la] Peccatum extenuat, qui celeriter corrigit.
Bald Haar, bald Strick.
dä] Stundum som et haar, og stundum som et laar.
Bald hat noch keinen Hasen errannt. Schlesien
Bald ist angenem.
la] Si bene quid facias, facias cito - nam cito factum gratum erit, ingratum gratia tarda facit.
Bald ist's vergeben, aber langsam vergessen.
Bald kann das Fernsehen die tausendste Gockelschau und Klugscheisserrunde zum Thema 'Kostenexplosion im Gesundheitswesen' feiern. Wir gratulieren!
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin! Aphorismen zum Gesundheitswesen und zur Gesundheitspolitik
Bald kann man den Traum vom Leben nicht unterscheiden. Wäre nicht doch das Losungswort - Liebe und Anhänglichkeit.
Goethe, an Ch. G. v. Voigt, März/April 1815
Bald kannst aufspringen, schnell das Gericht kochen. Estland
Bald kennt jeder den eigenen Vorteil, und gönnet dem anderen
Seinen Vorteil, so ist ewiger Friede gemacht.
Goethe, Vierjahreszeiten - Herbst 74
Bald Leid, bald Freud.
bm] Dnes žalost, zejtra radost.
la] Jupiter jam pluit, jam serenus est.
la] Miscentur tristia laetis.
Bald nach dem Matthiastag (24.2.), da springen die Frösche in den Bach.
Bald nach der Umwandlung des Klosters Grimma in eine Schule hörte man aus einem verschlossenen Gang immerfort Stimmengewirr. Der Rektor Adam Siber sammelte seine stärksten Schüler um sich, und sie stiegen in den unterirdischen Gang hinab. Obgleich sie die Erscheinung eines eisgrauen, alten Mönches warnte, gingen sie immer weiter, bis sie vor einer Tafel standen, um die bei brennenden Kerzen Mönche mit Totengesichtern saßen. Einer von ihnen erhob sich und bat die Eindringlinge, sie möchten doch die Ruhe der Toten nicht stören, und schenkte ihnen zum Andenken einen vergoldeten Kelch. Sofort war die Erscheinung verschwunden, und bebend flohen die Schüler ans Tageslicht
i] Noch heute wird in Grimma dieser Kelch benutzt, wenn den Fürstenschülern das Abendmahl gereicht wird
Bald nach ihrer Entstehung und Verbreitung litt die christliche Religion durch sinnige und unsinnige Ketzereien, sie verlor ihr ursprüngliches Reine. Als sie aber gar rohe Völker und verderbte Gesittete bändigen und beherrschen sollte, waren derbe Mittel nötig, nicht Lehren, sondern Dienst bedurfte man.
Goethe, An Zelter, 14.11.1816
Bald reich, bald arm, bald gar nichts.
Bald rot, bald weiß ist nicht gesund.
Bald rot, bald weiß kriegt nicht den Preis.
z] Einst sah ich dich, da warst du rot, doch damit hat's jetzt keine Not. Da weißt, als ein erfahrner Mann, wie man die Farbe wechseln kann.
Bald spricht er so, bald so.
fr] Il a son dit et son dédit.
Bald staunt der Geist die Schöpfungswunder an,
Und bald entsetzt er sich vor ihren Schrecken,
Fällt aus dem einen in den andern Wahn
Und kann des Rätsels Lösung nicht entdecken.
Rückert, Spruchartiges
Bald trüb und rauh, bald licht und mild, ist der April des Menschen Ebenbild.
Bald und willig gegeben, ist angenehm.
Bald versiedet nicht.
Bald wenig und bald viel, so macht's das Spiel.
Bald werdet ihr das Land überfluten wie die Flüsse, die nach einem plötzlichen Regen die Schluchten hinunterstürzen. Aber mein Volk ist eine versiegenden Ebbe, wir werden niemals wiederkehren.
Seattle, Die Rede dies Indianerhäuptlings Seattle
Bald zerrinnt, was man am Sonntag spinnt.
i] Besonders wenn man schlechten Flachs dazu nimmt.
Bald, aber noch nicht. Köthen
i] Als Abfertigung.
Bald, bald, aber noch lange nicht.
i] Bei absichtlicher Zögerung.
Bald, es kenne nur jeder den eigenen, gönne dem anderen
Seinen Vorteil, so ist ewiger Friede gemacht.
Goethe, Xenien
Bald, sagte die Magd, und in ein paar Stunden war sie nahe fertig.
en] Two anons and a bye and bye is an hour and a half.
Balken gibt's in allen Dingen.
i] Um zu bezeichnen, dass nichts so gewiss sei, dem nicht ein Hindernis entgegenstehe, das uns zwingen könne, die Sache genauer zu überlegen. Vom Pflügen entlehnt, wo ein Stück Holz, das in dem zu pflügenden Acker liegt, die Arbeit erschwert.
Ball spielen wie ein Lahmer
la] more claudi pilam tenere
Ball verloren, Spiel verloren.
ho] Bal verloren, spel verloren.
Bälle öffnen (zeigen) den Weg in die Hölle.
Balmund lebt jetzund.
la] Tutor mala fide administrans.
Balsam gießt dem Toten auf,
Und Tränen Toten-Ehr!
Goethe, Künstlers Morgenlied
Bamme (wenn man) für 'n Tâler Kuche bäckt, erspart me für'n Batze Brûd.
Bamme gestorbe is, braucht me könn Dokter. Henneberg
hdt] Wenn man gestorben, braucht man keinen Arzt mehr.
Banalität ist die Zuflucht der geistig Schwachen.
Balzac, Lilie im Tal
Bananen, die nicht bewacht werden, gehören jedermann.
Bändiger der Herzen, Amor! Joh. Gottfr. Herder, Stimmen der Völker in Liedern (1807), Hochzeitlieder
Bange (furchtsame) Hunde bellen viel.
i] Der Feind, welcher die meisten Drohungen ausstößt, ist nicht der gefährlichste. Weiber fechten mit der Zunge besser als Männer.
la] Canes timidi vehementius latrant, quam mordent.
un] A félénk eb csak ugat, de nem igen marhat.
Bange machen gilt nicht, sagte der Hase zum brüllenden Löwen. Da wurde er gefressen. [ASpW]
Bange machen gilt nicht.
ndt] Bang moaken gelt nich. Ukermark
ndt] Bange mâken gilt nit.
la] Ne quid moveare verborum strepitu.
Bangigkeit. Diese letztere Empfindung wird in uns rege, wenn wir ein moralisches Übel auf die handelnden Personen heranrücken und sich über sie verbreiten sehen...
Goethe, Eckermann, 21.7.1827
Bank-Noten treffen immer den richtigen Ton.
Karl Garbe
Banken sind gefährlicher als stehende Armeen.
Jefferson
Banknoten: Musikzeichen, nach denen fast alle Menschen tanzen lernen.
Ron Kritzfeld
Bann (wenn) der Kôpf ro (herunter) es, hat der Orsch Feierabet. Henneberg
Bann (wenn) me sprecht: Kaffée, Schossée, Adje, da hat me' ke gût Zeit mé.
hdt] Wenn man spricht: Kaffee, Chaussee, Adjieu hat man keine gute Zeit mehr.
Bann d's nit recht es, so es 's lenks. Meiningen
i] Wortspiel, um Gleichgültigkeit auszudrücken.
Bann de derhem (daheim) kei Mäus wisst, geä ohnig (fort) un fang Ratte. Henneberg
Bann de nett geséä kôst, ze fass de Katz önnerm Ärm. Henneberg
i] Erinnert an die Gellert'sche Fabel: »Von ungefähr muss einen Blinden u.s.w.« Wenn einer sagt: »Ich kann nicht sehen«, so pflegt der andere mit dem obigen Sprichwort zu antworten: »Wenn du nicht sehen kannst, so nimm die Katze unter den Arm.«
Bann di Kuh 'naus es, macht me de Schtall zu.
Bann di Weiber wäsche onn backe, honn se d'n Teufel henner den Nacke.
Bann die Nöss' geroëte, geroëte die Hôrn. Henneberg
hdt] Wenn die Nüsse geraten, sollen auch die Huren geraten.
Bann ist die Rache mit dem Schwerte.
i] Es ist hier der Königsbann gemeint. Wer mit dem Bann des Papstes, des Bischofs u.s.w. von der Christenheit belegt wurde, und ein Jahr oder mehrere in demselben blieb, verlor dadurch weder Freiheit, noch Lehen, noch Erbe. Der kirchliche Bann konnte wohl blitzen, aber nicht donnern. Wer jedoch Jahr und Tag in des Königs Bann blieb, verlor Ehre und Recht, Freiheit, Erbe und Lehen.
mhd] Der Ban, das ist die rache mit dem swerte.
Bann leiht man ohne Mannschaft.
Bann me (wenn man) tut, bi (wie) all di Leut, se narrt me' nîet. Meiningen
i] Wird man nicht zum Narren, macht man sich nicht lächerlich, handelt nicht töricht.
Bann schadet der Seele und nimmt doch niemand den Leib.
mhd] Ban scadet der sell unde ne nimt doch nieman den lif.
Banns of Pätterkätt rênt, so wört teuering, on bann alle Steutlich voll Mâl hange.
hdt] Wenn es an Petri Kettenfeier (1.8.) regnet, so entsteht Teurung und wenn alle Stauden voll Mehl hangen.
Bär (wer) sich of di Ofenbank setzt, will e Râmwecha ha. Meiningen
i] Râmweche = Rahmweiche, d.i. Brot mit sauerm Milchrahm bestrichen.
Bär bleibt Bär, führt man ihn auch übers Meer.
fr] On a beau passer les mers, on change de climat, et non d'humeur.
Bar gegen bar setzen.
i] Es soll darunter bisweilen jus talionis verstanden werden.
Bar geld ist gute Ware.
dä] Rede penge er beste vare.
fr] Argent contant rend l'homme contant.
fr] Bien n'est pas argent monnoyé.
ho] Reet ghelt is goede waer.
Bar Geld lacht.
en] Out of debt, out of danger long.
fr] Argent comptant fait content.
it] Amor fa molto, il denaro tutto.
sp] El que paga descansa.
sp] Poderoso caballero es Don Dinero.
Bar geld vergnüget.
la] Pecunia praesens rei hominem contentum facit.
Bar nett kömmt (kommt) zu rachter Zeit, dâr muss nahm boass überbleit. Henneberg
Bär und Büffel können keinen Fuchs fangen.
i] Die plumpe Einfalt vermag nichts gegen die feine Schlauheit und Durchtriebenheit.
ndt] Ein beer ist ein gross thier, noch kan er kein fuchs fallen.
Bär und Petz ist eine Hetz.
i] Die Änderung des Namens tut's nicht, wann die Sache, die Person dieselbe bleibt.
Bär und Petz, es ist einer wie der andere. Litauen
Barbara (4.12.) im weißen Kleid, verkündet gute Sommerzeit.
Barbarei ist die Abwesenheit von Normen und Berufungsinstanzen.
Onega y Gasset
Barbarei und Zivilisation - Vorgericht und Nachspeise der Kultur.
Emil Gött, Im Selbstgespräch
Barbaren kommen herzu, nordische Riesen, denen die entnervten Römer wie Zwerge erscheinen: Sie verwüsten Rom und geben dem ermatteten Italien neue Kräfte. Ein fürchterlich-gütiger Erweis, dass alle Ausschweifung in der Natur sich selbst räche und verzehre!
Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
Barbaren sind Völker, die ihr Entwicklungsvermögen erschöpft haben, ohne zur Kultur gelangt zu sein. E. G. Kolbenheyer
Barben haben süße Mäulein, bringen manchen um sein fahles Gäulein.
Barbenmäulein und Hechtenzünglein bringen den Reiter um sein Gäulein.
i] Die Geschichte vom Wohlleben und Verarmen in kurzer anmutiger Form, gedrängt, nicht bloß in Taschen, sondern Mundformat.
z] Das beste an den Fischen: Salmeus infederos, rupis hechtilisque in ceberis, carpeus in zünglis iss alius im nuttel drommis, stockfisch in blasiis, krepsius in schewantis barba meülin lecker biss.
ho] Een lekkere mond leidt tot den bedelzak.
Barbiere sind närrisch oder Schwätzer.
sp] Barbero ó loco, ó parlero.
Barbiere werden nicht so alt als Papageien, aber sie sprechen mehr.
Barbieren und Huren muss man recht zahlen.
Barbiermesser von Holz und Bierfässer von Glas taugen selten was.
dä] Sjelden seer man öll skur af glas, og rag-kniv af trae.
Barchent machen. Oberösterreich
i] Sich in gerichtlicher Haft befinden.
Bären fressen keinen Sommer.
Bären in einer Höhle vertragen sich nicht. Rußland
Bären muss man nicht reizen.
dä] Det er ei godt at stinge biørn med skev.
Bären und Wölfe verderben das Land, es kümmert sie wenig,
Wessen Haus die Flamme verzehrt...
Goethe, Reineke Fuchs 9. Gesang Vs 330
Bären, Löwen, wilde Schwein drey böse thier zu zemen sein.
Bares Geld ist die sicherste Medizin. Bulgarien
Bares Geld ist lachender Kauf.
Bares Geld lacht.
fr] Rien de plus éloquent que l'arg'ent comptant.
la] Gratissimus summus.
la] Reddit mercatum parata pecunia gratum.
Barfuß bis an den Hals. - Splitternackt.
en] In o's birthday suit. - Without a stitch on. - In the altogether. - Stark-naked. - Mother-naked. - To be starkers. - In one's birthday suit. - To be (in the) nude. - In Adam's suit.
fr] En costume d'Adam. - Nu comme un verme. - L'habit du père Adam. - Se promener en costume d'Adam.
it] In costume adamitico - Nudo come un verme.
ho] Adamskleren. - In Paradijskostuum.
Barfuß für einen durch die Hölle laufen.
Barfuß gehen hilft nichts zur Seligkeit.
i] Wider die barfüßigen guten Werke der Mönche und Wallfahrer.
Barfuß reist unbequem, aber sicher.
Barfuß tanzen.
fr] Marcher sur la chrétienté.
Barfuß und ein Säbe an der Seite.
ndt] Barfaut un en Säebel an Siyt. Westfalen
Bargeld
la] numerata pecunia
Bargeld befriedigt die Welt.
Bargeld das kauft.
Bargeld dingt (o. kauft) wohlfeil.
Bargeld dingt genau.
Bargeld hilft.
Bargeld ist Aladins Wunderlampe.
Bargeld ist der beste Glaube.
Bargeld ist die (beste) Losung.
Bargeld ist die beste Ware.
Bargeld ist eine gute Arznei.
Bargeld ist lachender Kauf.
Bargeld kauft wohlfeil.
Bargeld lacht, sagte der Kreditgeber, als man ihn am Zinsfuß kitzelte. [ASpW]
Bargeld lacht.
Bargeld lacht. Ist das Lachen schmierig, dürfte es sich um Schmiergeld handeln. [ASpW]
Bargeld macht angenehmen Markt.
Bargeld macht den Kauf.
Bargeld macht manchen Kauf schlecht.
Bargeld trotzt.
Bargeld und gare Kost ist leicht verzehrt.
Bargeld zwingt die Welt.
Bari, die Königin Apuliens.
it] Bari, la regina della Puglia.
i] Die meisten italienischen Städte haben einen charakterisierenden Beinamen, so heißt Bergamo ‚Das witzige' (Bergamaske). Bologna, wegen seiner weltberühmten Universität, die im Mittelalter 12000 Studenten zählte und in Bezug auf Rechtswissenschaft die erste der Welt war, ‚Die Gelehrte'. Sie heißt auch wegen der Fruchtbarkeit der Ebene, in der sie liegt, ‚Die Fette'. Als Hauptstadt der gallischen Bojer hiess sie Bononia, die alten Münzen Bolognas tragen den Wahlspruch der Stadt: Bononia docet. - Brescia, wegen der großen Eisenbergwerke, welche die berühmtesten Waffenfabriken Italiens unterhalten, ‚Die Bewaffnete, Streitbare'. Brescia, l'armata, l'armigera. Als Liebling der Republik Venedig, an die sie 1426 kam, hieß sie auch ‚der Stadt Venedig Braut'.
Barkauf ist Sparkauf.
Barmherzig sein fängt zu Hause an.
en] Charity begins at home.
Barmherzige Mütter ziehen lausige (oder grindige) Töchter (o. Kinder).
Barmherziger Samariter. Luc. X., 33-36.
Barmherzigkeit beginnt im eigenen Hause, aber sollte da nicht enden. Schottland
Barmherzigkeit beginnt im eigenen Hause. England
Barmherzigkeit erhebt das Gericht.
Barmherzigkeit gegen Wölfe ist Grausamkeit (o. Unrecht) gegen Schafe.
dä] Barmhjertighed er ej kræmmere eller aager-karle nyttig.
ho] Barmhartigheid voor de wolven is wreedheid tegen de schapen.
Barmherzigkeit ist eine Magd, die langsam geht und oft unterwegs ihre Gabe verschüttet.
Barmherzigkeit ist größer als Recht.
Barmherzigkeit ist keinem Krämer und Wucherer nütze.
Barmherzigkeit ist leichter zu üben als Gerechtigkeit.
Sully Prudhomme, Gedanken
Barmherzigkeit machet viel Freud' (od. Freunde).
Barmherzigkeit schaut auf die Not, nicht welche Ursache sie hat.
mhd] Barmhertzigkeit sihet auff die noth, nit was für Ursache es hat.
dä] Barmhjertighed seer til nøden, ikke til aarsagen eller personen.
Barmherzigkeit überdeckt viele Sünden.
en] Charity covers a multitude of sins.
Barnabas (11.6.) macht Bäum' und Dächer nass.
Barnabas sorgt für (langes) Gras.
Barnabas, den längsten Tag lass.
en] Barnaby bright, the longest day and the shortest night.
Bärr nett kömmt (kommt), dann wörrd der Pählz net gewäösche. Henneberg
Bärr niss aus sich macht, iss niss. Henneberg
i] Wer geachtet sein will, muss sich durch seine Haltung Achtung erwerben.
Bärr sich die Nase roa schnéïdt, verschändt sich das Gesicht. Henneberg
Bärr zeärrscht kömmt (kommt), mehlt ärrscht.
Bärr zelätzt kömmt (kommt), dann wörrd der Boërt (Bart) nett gewixt. Henneberg
Barsch sticht das Schwein in den Arsch.
i] Von Übereilung.
Barschaft ist besser als Gelahrschaft.
Bart auf Bart ist Geissbocksart.
Bart und Mantel (allein) machen keinen Philosophen.
i] Fast alle alten Philosophen trugen Bärte, nur Antisthenes, der Stifter der Cyniker, riet das Abscheren des Bartes an.
it] La barba non fa il filosofo.
it] La sapienza non istà nella barba.
it] Non fa la toga il dottore.
la] Barba non facit philosophum. Plutarch
la] Si promissa facit sapientem barba, quid obstat, barbatus possit vel caper esse Plato?
Bärte fürchten keine Schnurrbärte.
Bärte schlagen die Leut nicht.
i] Aber sie geben doch ein kriegerisches Ansehen: daher trugen beinahe alle alte wie neue Krieger Bärte, die Scythen und Baktrier so lange, dass selbst Parmenid, einer der tapfersten Generale Alexanders, seinem Könige den Rat gab, er möchte seine Truppen nur in der Nacht gegen dieselben anführen. Die Longabarden sind wegen ihrer langen Bärte bekannt-
Bärte stutzen, Kleider kürzen, seht die Ammoniter ins Verderben stürzen!
Bärte von drei Farben können nur Verräter an sich tragen.
sp] Barba de tres colores no la traen si no traydores.
Bartelme (Bartholomäus, 24.10.), treibt das Kraut in die Höh.
Bartelmei (Bartholomäus, 24.10.) knickt den Hafer in die Knie. Marsberg
dä] Auch die Dänen nennen ihn den Halmbrecher, weil um diese Zeit heftige Winde einzutreten pflegen, die das Getreide niederschlagen und brechen. Daher: Bertel bry destrau.
Bartelmei (Bartholomäus, 24.10.) springt der Hirsch ins Wasser nei.
pl] Jelen do wody wskoczy.
Bartelmeiwes, Stücke deines.
i] Bartolomäus ist das Stück des Diebes, d.h. es ist weg, als wenn es der Dieb geholt hätte. Sagt, dass von diesem Tage ab das Vesperbrot (Vier-Uhr-Stück der Hessen) wegfällt, weil früher zu Abend gegessen wird.
Barth, Barth ist Teufelsart.
i] Stadt in Pommern. Das Sprichwort ist angeblich durch den gewalttätigen Sinn Barther Fischer und Schiffer entstanden.
Barthel (Bartholomäus, 24.10.) hat die Beeren beschmutzt.
i] Mit dieser Redensart lehnt man in Grochwitz bei Troppau den Genuss der Brombeeren nach Bartholomäi ab.
Barthel nach Grommet (Grummt) und Michel nach Mod. Oberes Kinzigtal in Kurhessen
Barthel weiß schon, wo er den Most holt.
ndt] Boartel weese schun, wu a soll Must hullen.
Barthelmä (Bartholomäus, 24.10.), Bauer sä (säe), Grummet mä (mähe).
Barthelmäus (Bartholomäus, 24.10.) pflückt die Nuss.
Barthelmei (Bartholomäus, 24.10.) schüttelt Äpfel und Birnen ei.
Barthelmie (Bartholomäus, 24.10.) schiesst aus die Kroazbeere.
i] An diesem Tage soll ihr Wohlgeschmack schon aufhören.
Barthlime (Bartholomäus, 24.10.) bringt Reifen und Schnee. Solothurn
en] Sankt Bartholomew brings the cold dew.
Bartholomä (24.10.) treibt das Kraut in die Höh'.
Bartholomä (24.10.) wer Korn hat, der sä',
wer Gras hat, der mäh',
wer Hafer hat, der rech',
wer Äpfel hat, der brech'.
Bartholomä (24.10.), Vesperkost Ade. Ostpreußen
Bartholomäi (24.10.) habe den Samen.
pl] W Bartłomiéj, nasienie miéj.
Bartholomäi (24.10.) schreit d' Vögel ach und wä ih. Ulm
Bartholomäus (24.10.) bringt das Salz in die Äpfel.
ndt] Bartlemes brenget 'et salt in de Appeln. Grafschaft Mark
Bartholomäus (24.10.) geht durch den Hafer und zieht in nach unten.
ndt] Battelmês geiht dörch den Hâwer un treckt em dâl. Mecklenburg
i] Hafer, der um diese Zeit noch steht, legt sich.
Bartholomäus (24.10.) hat's Wasser (o. Wetter) parat für den Herbst bis zur Saat. Westpreußen
Bartholomäus (24.10.) verbietet Butter und Käse.
i] Es wird von da ab kein Vesperbrot mehr gereicht.
Bartholomäus (24.10.) zieht den Flor über den Flachs. Sachsen
Bartholomäusaussaat (24.10.) die letzte Aussaat. Estland
Bartholomäustag (24.10.), wie der sich hält, ist's den ganzen Herbst bestellt.
ndt] Bartholomäus-Daag, wie dä sich häld, oss de gannsen Hörbsd bestelld. Trier
Bartholome (24.10.), wer Korn hat, der säh, wer Gras hat, der mäh, wer Hafer hat, der rech', wer Äpfel hat, der brech. Wetzlar
Bartholomei (24.10.) schüttet Äpfel und Birnen ei.
Bartlenûs rîss (Rose) macht den Uorsch (Arsch) bliess (bloß).
i] Wenn man sich aufputzt wie eine Rose, so wird man bald nackt gehen müssen.
Bartlosigkeit ist ein Wolkentag.
i] Man kann Zeit und Alter nicht erkennen) Uganda
Baruch haba nach dem Essen. Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Willkommen nach Tische, in Bezug auf solche, deren starke Seite die Gastfreundschaft nicht ist.
Barwick und Newcastle sind die Schlüssel zu Schottland.
Bas (was) nachkommt, fresst d'r Hond. Meiningen
Basel das lustigste, Chur das oberste, Köln das reichste, Kostnitz das größte, Mainz das heiligste, Speier das würdigste, Straßburg das edelste, Trier das älteste.
i] So charakterisierte man früher die Stifter am Rhein.
Basil, den Priester, ehre mir, du Priester, sei verständig. Griechen
la] Tu supplex ora, tu protege, tuque labora.
Basiliskeneier brüten.
la] Ova aspidum ruperunt.
Basiliskeneier muss man zertreten, nicht brüten.
ho] De basiliscus moet in het ei vertreden worden.
Basis der Gerechtigkeit ist die Gleichheit.
la] Prima pars est aequitatis aequalitas.
Bass z'erst Rauchbrot esse und nachher das wîsse.
Bässer en Mûs em Döppe als kê Flêsch.
hdt] Besser eine Maus im Topfe als gar kein Fleisch.
ho] Beter eene muis in den pot dan gansch geen vleesch.
Bässer Möcke gefâng als miesig gâng. Trier
hdt] Besser Mücken gefangen als müßig gegangen.
Bässer schäel als blenk. Düren
Bast hält fest, sagt die Hexe.
ndt]Bast hölt fast, seggt de Hex. Samland
Bast nimmst du, mit einem Lederriemen bezahlst du. Estland
Bast um die Taille hat eine Gürtelweberin, und eine Holzsichel des Schmiedes Frau. Estland
Basta!
i] Es genügt vollkommen. Das genügt vollauf.
la] Abunde est. Celsus
Bastard - Ausart.
ho] Bastaarden slaan altijd nit den aard.
ho] Een bastaard aardt wel naar ziin' bast.
Bastard bringt so groß Pfennigbrot wie Ehkind.
i] Es wird von der Mutter ebenso geliebt.
Bastarde haben ein zahlreiches Geschlecht.
dä] Hore-unger har megen slaegt.
Bäste mäd, se nom der de Fess af de Räck. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Bist du müde, so nimm die Füße auf den Rücken.
Bat 'ne guede Nietel (Nessel) wären well, dä brient frö. Iserlohn
Bat (was) nit kost, dat dough ok nit, sach de Junge, doa sol 'ne sin Vâr (Vater) taum drüdden moale fam Galgen los koupen. Kierspe in der Grafschaft Mark
Bat biäter es as 'ne Lûs (Laus), maut me met niämen noa Hûs. Iserlohn
Bat de Rüens lätt, dat friet he ôk. Grafschaft Mark
Bat den enen recht es, es dem annern billig.
Bat dervüören es en Piepen un Packen, dat git derna en Biten un Krassen. Grafschaft Mark Woeste
i] Piepen = küssen.
hdt] Erst (vor der Hochzeit) küßen und umarmen, dann beißen und kratzen.
Bat di nachfolget, slätt di de Hacken kapott. Grafschaft Mark
Bat es der dann, dat ewich hält, hadde mâl de Mü'ermann sacht, da hadd e' 'n Backuowen mâket, dä was wi'er inen stüörtet.
ho] Wat duurt er eeuwig, zei de metselaar, toen had hij, om de goedkoopte, een' oven van Friesche turf gemetseld.
Bat me lärt (gelernt) hiät, dat friet' iäm kain Brot af. Iserlohn
Bat sall me seggen (sagen), bat sall me daun? En Küken es kain Haun. Iserlohn
Bäter armsälig förn as grôtherrsch gahn. Süderdithmarschen
ndt] Liaber batt'lmannisch g'fôhr'n, as êd'lmannisch ganga. Franken
ndt] Ein othmödig fahren ys bether, als ein hochmödig gahn.
dä] Bedre er at kiøre end at trave.
Bäter ên Nimmmit as two Hâlna. Süderdithmarschen
hdt] Besser ein Nimmmit als zwei Holnach.
Bäter is bäter, sö jener Jung, un streu Zucker op Sirup. Süderdithmarschen
Bäter schlicht füührt (gefahren) as god goan. Strelitz
Bäter u Lûs in'n Kôl, as gâr kên Flêsk. Ostfriesland
Bäter was, as gar nicks, seggt dei Düwel, un et dei Bottermelk mit dei Stakelfork. Mecklenburg
Bäter'n Kriddelkopp as 'n Dudelkopp (Tropf). Oldenburg Weserzeitung
i] Die großen Leute gelten dort für schwer beweglich; man zieht die kleinen, lebendigern, leichter feuerfangenden vor. Dudelkopp ist ein Mensch, der sich alles gefallen, der sich ungestraft auf der Nase herumspielen lässt, dem Energie fehlt. Mit dem Sprichwort tröstet sich die Frau, die von der Heftigkeit ihres Mannes zu leiden hat, wehrt sich das Mädchen, dem man eine Schlafmütze von Mann aufdringen will.
ho] Ik heb liever een' kwaadkop dan een' doedeldop.
Bäter, dat de Kôh (Kuh) van 'n Hawer spring'n, as dat de Vagels van 'n Hawer singen.
Bau deine Hütte am Straßenrand, und du wirst in drei Jahren noch nicht fertig sein. China
Bau den Stall nicht eher fertig, als bis das Pferd nicht da ist. Estland
Bau Hoffnung an mit Gebet und Fleiß! Säst drein Geduld, bringt's Ehrenpreis.
Bau Hoffnungsfeld mit Gebet und Fleiß, sä drein Geduld, bringst (o. trägt) Ehrenpreis.
Bau mich wie du wort (willst), egg mich dat et trog (taugt). (Vom Haferbau)
Bauch, Bauch, du must dich gewöhnen, dich nur nach Brot zu sehnen, lass anderen ihren Rücken krumm und schief im Dienste bücken.
Bauch, wärst du eine Scheune, und Zunge ein Wagenbrett!
i] Sagt der, welcher auf anderer Kosten schlemmt.
Bauchknecht ist ein groß Geschlecht.
dä] Bug-knegt er af største slægt.
Bäuchlein gut gefüllt, Hände ans Werk, sagte die plumpe Magd.
Bauchsorge geht über Kopfsorge (o. Seelsorge].
dä] Større sorg for bugen end for sjoelen.
dä] Större sorg for bugen end for sielle.
Baue - das erste Haus für deinen Feind, das zweite Haus für deinen Freund, das dritte Haus für dich.
Baue auf keinen gefrorenen Fluss und traue keinem Judaskuss.
Baue dein Haus weit von den Verwandten und dicht an einem Wasserlaufe. Slowenien
Baue dein Hüttchen im Tal
Und nicht auf dem Gipfel.
Heine, Vorwort zu 'Hebräische Melodien'
Baue erst den Stall, bevor du die Gäule kaufst. Russland
Baue immer einen Zaun um des Königs Wort herum. Bantu
Baue keinen Stall, eh du Ochsen hast.
Baue nicht eher fest auf treue Liebe und Freundschaft, als bis du erst solche Proben gesehen hast, die Aufopferung kosten.
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen
Baue nicht hundert Kirchen, sondern sorge für hundert Waisenkinder.
Bauen (oben) fix, unner nix.
Bauen die Ratten (ihr) Nest auf den Kornschober, kommt ein tiefer Winter, wenn (aber) unter den Kornschober, (kommt) ein niedriger (Winter) (d.i. wenig Schnee). Estland
Bauen Gley (Glanz) unner 'twei. Lübeck
Bauen hat ein weites Maul.
Bauen im April schon die Schwalben, gibt's viel Futter, Korn (o. Küh') und Kalben.
Bauen ist (k)eine Kunst, aber es kostet viel.
Bauen ist ein Lust, nur dass es viel kost, das hat Welten nicht gewost (gewusst).
ndt] Buën (= Bauen) is 'ne Lust, doch wat et kust, hew eck nich ewusst, segt de Timmermann. Hildesheim
i] In Lorchhausen (Nassau) steht an einem Hause: »Dass Bauwen ist ein Lust, nur allein dass vil kust, das hab ich N.N. nicht Gewust, mit bauwen bin ich's Erfahren. Gott Wol diss Haus bewaren.« (Plauderstübchen, 1858) Im Odenwalde steht an einem Hause: »Wie ich bawet, hat ich Freud und sorgen all Abend und morgen, wie ich aufhert, Du lieber Herr Gott, klopft an die Haussthür der Bankerott.« (Plauderstübchen, 1858) Denselben Spruch hat die Villa March in Charlottenburg zur Inschrift.
it] Casa fatta e vigna posta, nissun sa quanto essa costa.
Bauen ist ein süß Verarmen (o. Armmachen).
i] Sogar Marcus Crassus, einer der reichsten Baulustigen des alten Rom pflegte zu sagen: Baulustige werden durch sich selbst zu Grunde gerichtet.
it] Il fabbrieare è un dolce impoverire.
it] Quie fabricat, l'ischit ad s'ultimu.
Bauen ist eine Lust,
Aber was es kostet, hab' ich nit gewusst,
Hätten sie mir das vorhergesagt,
So hätt ich mich anders bedacht.
Bauen ist eine Lust, aber (o. nur) es kostet Geld.
Bauen ist eine Lust, aber der hundertste weiß erst was' kust't. Schlesien
Bauen ist schwerer als einreißen.
Bauen kann nur (der) Habich -nicht (der) Hättich.
Bauen kost Geld.
Bauen macht den Beutel schlapp.
Bauen macht ledige Beutel.
en] Building is a sweet impoverishing.
it] Casa fatta, e vigna posta, non si sa quel ch'ella costa.
it] Chi edifica sua bursa purifica.
it] Murare e piatire e un dolce impoverire.
la] Qui pascit multos, qui multas construit aedes recte ad egestatis tendit uterque viam.
Bauen ohne Not bringt in Armut.
Bauen um Markus (25.4.) schon die Schwalben, so gibt's viel Futter, Korn und Kalben.
Bauen und Gastieren schnell zum Bettel führen.
Bauen und Gastieren werden dich ins Armenhaus führen.
la] Aedificia et lites faciunt pauperum.
la] Aedificare domus multas et pascere multos, est brevis ad summum semita pauperiem.
Bauen und Prozessieren bringen an den Bettelstab.
Bauen und Prozessieren kann zum Bettelstab führen.
en] Building and marrying is a sweet impoverishing.
fr] Qui se marie ou edifie sa propre bourse il purifie.
it] Murare e piatire è dolce impoverire.
la] Aedificia et lites faciunt pauperes.
sp] Á quien hace casa ó se casa, la bolsa le queda rasa.
Bauen und reichlich Haushalten gehören nicht zusammen.
Bauen und viel Leute (o. Mäuler) speisen tut zu großer Armut weisen (o. reißen).
en] Building and the marrying of children are great wasters.
Bauen, Prozessführen, kranck sein kosten viel gelt mich und arbeit.
Bauer - Lauer.
i] Der Syrer sagt: Schami - Schumi, d. i. der Damaszener ist ein Betrüger.
ho] Boeren zijn maar loeren, zegt de schrift.
Bauer bleibt Bauer, selbst wenn er auf seidenem Kissen schläft (o. Edelmann wird).
Bauer ist Bauer, ein Schelm von Natur.
ndt] Buur öss e Buur, e Schelm von Natur.
Bauer werden ist nicht schwer, Bauer bleiben eine Ehr'.
Bauer zu sein und den Boden zu bearbeiten ist eine gute Sache.
A. H. Tammsaare, Satan mit gefälschtem Paß
Bauer, Bauer, kotz' dich, die Herren haben Hunger.
Bauer, freu dich! wenn die Amsel zeitig.
Bauer, lass sehen, wer den anderen bescheisst, sagte der Landsknecht.
Bauer, zahl' die Kosten, wie viel hast du Gerste gedroschen ?
Bauer, zu Sankt Bartholomä (20.8.) willst Winterroggen du, so säh!
Bauerbrot - sauer Brot, aber ehrlich Brot.
dä] Bonde-handelen er kied-sommelig for den seendraegtigereth: giör man en teng sildig, saa en man vag efter med alting.
Bäuerlein tragt's ins Kloster hinein, so gibt man dir ein Suppen und sauer Wein.
Bäuerlein und Greta sind dispare valde diaeta.
i] Sintemal der schlafet, uam Grete Parocho schaffet.
Bauerleut und Rittersleut - ohne Ross kemmas net weit.
Bauern brauchen ihr Recht nicht zu wissen. [RSpW]
i] Was man nicht weiss, kann man natürlich nicht ausüben und wird anderen dadurch nicht unbequem. Weiber und Ritter brauchten es nach dem römischen Rechte auch nicht zu wissen.
ho] Bowren dörffen auch ihr recht nich wissen.
Bauern darf man keinen starken Wein geben, es tut's ein frischer Brunnen.
Bauern dürfen keines Kredenzens, sie sind frei vom Giftessen.
Bauern fressen, Edelleute saufen und Mönche scheissen.
Bauern hätten (ein) gut Leben, wenn sie's wüssten.
Bauern heiraten nach Land, Edelleute nach Stand, Hofleute nach Welt, Kaufleute nach Geld.
Bauern hinter den Pflug, Bürger auf den Wall und Landsknecht ins Feld.
Bauern kann man das Murren ebenso wenig abgewöhnen, als den Wölfen das Heulen.
Bauern können nicht entbehren, die vom Brote sich ernähren.
Bauern lausen.
i] Wird mit » Nonnen hüten« zu den schwierigsten Geschäften, ja zu den Höllenstrafen gerechnet.
Bauern lieben lange Bratwürste und kurze Predigten.
ho] Da boeren hebben dikwiljs dorst, zij houden van eene korte preek en eene lange worst.
la] Concio grata brevis, longum farcimen agresti.
Bauern machen Fürsten.
Bauern machen Kaufleute, Kaufherrn machen Junkherrn, Junkherrn machen Bettler.
Bauern muss man die Feigen geben, die in der Stadt hinter der Mauer kleben.
Bauern muss men mit einem frischen Rossapfel aufrichten.
Bauern nehmen den Markt in die Hand. (Sie sehen sich vor)
Bauern sagen auch etwas Wahres.
z] Des Bauern Handschlag ist auch ein Manneswort.
Bauern schimpfen nicht, sie schlagen dreimal an eine Stelle.
dä] Bonde-harme veed ingen maade, han slaær to gange paa et sted.
Bauern schlagen einander tot, Edelleute machen einander die Kinder.
Bauern schlagen nicht zu Borge.
Bauern schlagen zweimal auf dieselbe Stelle.
dä] Bonde slaaer to gange paa et sted.
Bauern sind alleweg ins zukünftige Jahr reich.
Bauern sind auch Leut.
Bauern sind doch nur Bauern, wenn sie etwas geben, sehn sie sawer, und reden jmmer und stets dauou als hett man ihm nichts guts gethan.
Bauern sind Hofleute, die nicht in die Stube dürfen.
Bauern sind Katzenart, lobt man sie, so strecken sie sich, schmäht man sie, so bersten sie, dass sie funken.
Bauern sind Lauern, so lange sie dauern.
Bauern sind oft Hänse, aber niemals Gänse.
dä] Bönder en ikke giaes for de ere graae.
Bauern sind Schalke, wer's nicht glaubt, ist auch einer.
Bauern soll man nicht ins Regiment setzen.
Bauern sollen die Dithmarschen sein, sie mögen wohl Herren genennt werden.
z] Darum sagen die Dithmarschen im wohlbegründeten Selbstbewusstsein ihrer Bildung, ihres Besitzes, ihrer Geschichte und Freiheiten sprichwörtlich selbst von sich: Bauern sollen die Dithmarschen sein. Sie mögen wol Herren genennt werden. Günnel, Schleswig-Holsteins Land und Leute, Zwickau 1865
Bauern tragen keine Sporen. (Auch kennen sie Sporen (Ehrgeiz) nicht)
fr] Vilain ne sçait qu'esperon vaut.
Bauern tun Bauerntat.
Bauern und Ackersleute sind gern beisammen.
la] Rusticus agricolam, miles fera bella gerentem, rectorem dubiae navita puppis amat.
Bauern und Arme haben auch ihren Zorn, er hat aber die Wehre nicht.
Bauern und Glöckner richten selten Ketzerei an.
Bauern und Juden ist nicht zu trauen.
ho] Boeren en smousen zijn niet te vertrouwen.
Bauern und Kaufleute müssen halten.
Bauern und Mehlsäcke klopft man solange als es staubt.
Bauern und Schweine haben immer etwas zu grunzen.
z] Bauern kann man das Murren ebenso wenig abgewöhnen, als den Wölfen das Heulen.
Bauern und Schweine sind eine Gemeine.
ho] Ik ga eens zien, of mijne familie slaapt, zei Jorden de boer, en hij keek in het varkenskot.
Bauern und Seeleute haben keinen Feiertag und keine Nacht. Estland
Bauern und Weiden muss man alle drei Jahre beschneiden.
Bauern und Weiden, sollen sie nicht werden geil, muss man alle drei Jahr beschneiden.
Bauern und Weidenköpfe muss man oft beschneiden.
z] De Bû'r glîkt der Wîd, jemihr man 'n beschnied't, jemihr un frischer schleit hä ut.
bm] Chlap jest jako vrba, čím čestĕjie ji obrubáš, tím sĕ húštĕ obalí.
dä] Var bonden ey bunden, da hlev han vaerre end hunden.
Bauern verstehen auch Latein.
Bauernarbeit hat die meiste Hoffnung.
Bauernarbeit ist am fröhlichsten.
Bauerndienst - Bauernlohn, Herrendienst - Herrenlohn.
Bauernehre ist den Herren nichts als Glas, aber Herrenehre soll den Bauern sein Granitenstein.
Bauernfleisch - böses Fleisch.
Bauerngeld klingt auch in der Welt.
ho] Boerengeld is zoo goed als heeren-munt.
Bauerngerechtsame sind nicht gleich.
alteng] Gebur-gerihta syn nies lîce.
Bauerngeschenk ist eine Pflicht, Herrengeschenk eine Gnade. Petersburg
Bauerngeschlecht und Weidengattung rottet niemand aus. Estland
Bauerngut hin, Bauerngut her, sagte Krietzschfriege, ich kann das Ackern nicht lernen. Leipzig (Gottfried K., unverheirateter Tagelöhner, sollte ein Bauerngut unter der Bedingung erben, dass er die Landwirtschaft erlerne. Da er aber das Ackern durchaus nicht begreifen konnte, ließ er das Bauerngut mit der obigen Redensart fahren)
Bauernkinder geben auch Doktoren.
Bauernkirchweih machen.
la] Rus civitas.
Bauernköpf' sind Lauernköpf', keine Hafnertöpf'.
Bauernköpfe empfinden nichts, man schlag' ihnen denn einen Hacken hinter die Ohren.
Bauernköppe - harte Knöppe.
Bauernkuchen bringt zum Stehlen, Fladen bringt zum Springen. Estland (Man muss schnell austreten gehen)
Bauernküchen sind keine Schlossküchen.
Bauernleben ist am fröhlichsten und voller Hoffnung.
z] Denn ackern, säen, pflanzen, pflügen tun sie alle auf gute Hoffnung.
Bauernleben ist das seligste Leben, diesen wächst alles, die anderen Stände müssen's kaufen. (Lieblingsspruch des Kurfürsten Friedrich den Weisen von Sachsen)
Bauernrecht ist nicht Ritterrecht.
Bauernscheren ist ärger denn Herrenschinden.
Bauernschlau, pfiffig, geweckt sein bedeutet, dass diese Intelligenz Tempo hat.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass
Bauernschritt ist ein langsamer Schritt.
Bauernschweiß ist der beste Dung.
Bauernschweiß und Märzenstaub sind teure Ware.
dä] Hvo de vil have bondens seved skal bride vel pa hanmen, og dekke ham warm.
Bauernstand - schöner Stand.
dä] Bonde-handel lystig vandel.
Bauernstolz und Übermut wohnen unter einem Hut. (Wie wir von Bauernstolz reden, so hatten die Alten Bauernhass, worunter ein wilder, furchtbarer Hass verstanden wurde)
la] Odium agreste. (Lucian.)
Bauernstolz wälzt sich auf der Erde.
Bauernwillkür ist frei. [RSpW]
mhd] Alle buern wikoer is vry.
i] Das deutsche Mittelalter war der freien Entwickelung und Selbstbestimmung mehr wie jede andere Zeit günstig. Neben Gewohnheit und Gesetz bildete die Üereinkunft der Berechtigten und Verpflichteten Rechte und Rechtsformen, und fast jede Stadt und jedes Dorf hatte ein eigenes gewillkürtes Recht.
Bauest du ein Haus, so gucket ein andrer zum Fenster aus.
Bauest du ein Haus, so mach's vollends aus.
i] Was du tust, das tue ganz.
dä] En slet bygmester som begynder og veed ej at udfœre bygningen.
la] Domum quum facis, ne relinque impolitam.
Bauest du kuchs, so gehet dein gelt in duchs (Dux).
fr] Si tu bâtis une maison, pousse-la jusqu'au pignon.
Bauet auf und reißt nieder, so habt ihr Arbeit immer wieder
Baukweitensåt un Wiewerråt geråden alle œben Johr.
Baulust, Geldverlust. Jüdische Spruchweisheit
Baum der Erkenntnis = vom Baum der Erkenntnis essen = durch Erfahrung klug, wissend werden
Baum des Lebens = der Lebensbaum mit seinen immgrünen Nadeln
Baum Gutschmack trägt Nuss Bettelsack.
Bäum, die man oft versetzt, bekleiben nicht.
Baumblüten, die im Herbste kommen, haben künftigem Sommer die Frucht genommen.
Bäume bleiben ja nicht gefangen. Estland
Bäume ohne Frucht, schöne Weiber ohne Zucht, die findt man vngesucht.
Bäume pflanze im Frühling.
Bäume sind allweg ins zukünftige Jahr reich.
Bäume sind für den Schatten da, und Kinder für das Alter. China
Bäume, die nahe beieinander stehen, reiben sich.
Bäume, die oft knacken, brechen nicht leicht. (Leute, die viel klagen, halten es oft lange aus)
Bäume, die vom Blitz getroffen sind, sollte man nicht auslöschen. Abruzzen
Bäume, die zeitig grünen, verlieren die Blätter früh.
Bäume, welche die meisten Blätter haben, tragen oft die wenigsten Früchte.
Baumwolle ist Königin.
i] Baumwollenjunker in den Sklavenstaaten der nordamerikanischen Union, ein Königtum. Auf die Baumwolle gründet sich ein großer Teil der englischen Aristokratie, sie ist eine der gewaltigsten Ursachen der ungeheuern Kapitalsbewegung der neuern Zeit, sie hat alle anderen Bekleidungsstoffe in den Hintergrund gedrängt und ist einer der mächtigsten Gegenstände des kolossalen Verkehrs geworden, der auf Wasser- und Eisenstraßen die Welt durchzieht. Lange Zeit beherrschte die englische Baumwollindustrie unumschränkt den Markt Europas, und erst seit 1845 begann der Einfluss deutschen Fleißes sich bemerkbar zu machen. In England ziehen vier Millionen Menschen aus der verschiedenartigen Bearbeitung der Baumwolle ihren Unterhalt. Schlesische Zeitung, 1867
en] Cotton is king.
Baumwolle und Feuer spielen nicht zusammen. Türkei
fr] L'homme est le feu, la femme est l'étoupe, et le Diable le vent, qui souffle.
Baun die Ameisen große Haufen, kommt ein strenger Winter gelaufen.
Bäunen (Bohnen) in de Päut, Hawer in den Kläut, Gearste in de Aske, giet Geld in de Taske. Westfalen (Päut = Pôt = Pfuhl, Pfütze, Kläut = Kloß, Aske = Asche)
Baurenfarb - die ehrlichste Farb.
Bäurisch gefahren ist besser als herrisch gelaufen.
Baurn sagen auch etwa war.
Baursmanns Sohn, lass Rösslein stahn, es thut dir wohl etwas geringers.
Baust du ein Schloss an die Grenze, dann befestige es mit doppeltem Wall. Russland
Baust mich in d' Molde, ich lass dir's nicht unvergolde, sagt das Korn zum Bauer. Oberösterreich
Baut die Ameise hoch ihr Haus, fällt der Winter trocken aus.
Baut einer sein Haus mit fremdem Geld, sammelt er Steine für einen Schutthaufen.
Altes Testament, Jesus Sirach 21, 8
Baut Krankenhäuser, und ihr werdet Kranke ernten.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin! Aphorismen zum Gesundheitswesen und zur Gesundheitspolitik,
Bauwendig und verlaufenes Gut gehört zur höchsten Hand. [RSpW]
ndt] Buwending gudt und verlopen gudt höret thor hogsten hand.
i] Es war eine Regel der Herrschaft, dass ihr die Güter verfielen, deren Besitzer ausgewandert (wo der Bau gewendet wird) oder verschollen war. Man nannte verlaufen Gut, dessen Besitzer nicht aufzufinden war.
Bayerisch Bier aus Bayerns Malz,
Wein und Mädel aus Bayerns Pfalz,
sind drei schöne Dinge, dächt' ich.
Wer eins hat - ei, wie schmeckst du prächtig.
Bayerische Verordnung und gut Bier währt drei Tage oder vier.
Bayerischer Wein, Juden und jung Wölfelein sollen am besten in der Jugend sein.
Bayeuther Gebot,
Selb'er Brot,
Thiersteiner Bier
währet nur ein Wochen vier.
Be-Ruchel bitchu so-ktane. Jüdisch-deutsch, Warschau
hdt] Etwas sehr deutlich verklausulieren.
i] Die Bibel erzählt, der Patriarch Jakob habe dem Laban erklärt: »Ich will dir dienen sieben Jahre um Rachel deine Tochter, die kleine!« Und doch wurde Jakob betrogen, weshalb der Volkswitz noch hinzugefügt: »ün mit a Stückel Licht«, damit nicht in der Dunkelheit ein anderer Gegenstand untergeschoben werde.
Beachte nicht das, was auf dem Kissen gesagt wird. China
Beadelkaup (Bettelkauf), düer Kaup. Westfalen
Beamte gibt es große und kleine, doch ihre Büttel sind alle gleich. China
Beamte gleichen ja zumeist Geschwüren, Herr, von schlimmer Art:
Die geben Geld, die Eiter nicht heraus, bleibt ihnen Druck erspart.
Beamte sind Ratten, die der Herrn Gefälle heimlich fressen.
Beamte tun ein' Eid und halten ihn wie's Sonntagskleid.
ho] Alle landsbedienden hebben een' eed gedaan.
la] Videant consules, ne quid detrimenti respublica capiat.
Beamte werden Gewitter machen wie Jupiter.
Elias Canetti, Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-1972
Bearg un Dal ligget stille, Menskenkinner begiegnet sik wan'er wo. Westfalen (wan'er = Wann eher, wann, irgendeinmal)
en] Friends may meet, but mountains never greet.
en] Mountains do not come nearer to mountains, but men to men.
fr] Deux montagnes ne se rencontrent jamais, mais les hommes se rencontrent.
it] Si riscontrano gli uomini, e non le montagne.
la] Occurrunt homines, nequeunt occurrere montes.
Beater dat de Rinner dervoa springet, äs dat de Vüegel dernoa singet. Westfalen
hdt] Besser dass die Rinder danach springen, als dass die Vögel danach singen.
i] Man soll das Getreide nicht gar zu reif werden lassen.
Beater en Strohhalm vör sik böeren (haben), as en Balken vör en annern. Westfalen
Beater en Toek äs en Loek. Büren
i] Toek = etwas Zusammengezogenes (Geflicktes), teien = ziehen. Im Sauerlande: Biäter en Tuak es en Luak. Tuaken = schlecht zunähen, aber nicht völlig gleichbedeutend mit flicken, daher auch das Sprichwort nicht mit: Besser ein Flick als ein Loch.
Beater en Tollkopf äs en Heientopp.
i] Heientopp = Werchzopf. Heie, Hede = Werch. Besser zu lebhaft, als zu gleichgültig, tot.
Beater pusten (blasen) as dat Mul verbrannt. Westfalen
Beaumarchais, Pierre Auguste Caron] Er war ein toller Christ, und Sie müssen seine Memoiren lesen. Prozesse waren sein Element, worin es ihm erst eigentlich wohl wurde.
Goethe, Eckermann, 10.4.1829
Bebaue keinen unfruchtbaren Boden.
la] Sterilem agrum ne colas.
Becherrand und Lippen,
Zwei Korallenklippen,
Wo auch die gescheitern
Schiffer gerne scheitern.
Friedrich Rückert, Gedichte
Beck hat weder Mehl noch Säck, hat weder Ross noch Fülli, fahrt mit der Katz i d' Mühle. (Spottreim)
Beckenbrot singen. Jüdisch-deutsch, Warschau (Beckebrot, verdorben aus Botenbrot, pflegte der Lohn für eine angenehme Nachricht zu sein. In der Folge wurde der Lohn für die Sache selbst genommen)
Bedacht es got bim Minsken. Waldeck (Dem Menschen ist Bedacht, sorgfältige Überlegung zu empfehlen)
Bedacht hat kein Schaden gebracht.
Bedacht im Rat, bedacht beim Wein, wird euer Spruch ein weiser sein.
Bedacht im Raten, geschwind in Taten.
Bedacht ist immer gut gemacht.
Bedacht ist schon, was zu bedenken ist.
Schiller, Wallensteins Tod
Bedächtig im Rat und schnell zur Tat, nie gereuet hat.
la] Cochlea consiliis, in factis esto volucris.
Bedächtige Reden führen stets zum klügsten Ziel. Euripides, Phönizierinnen
Bedächtigkeit ist die Mutter der Klugheit.
dä] Betuen ksomhed er viis doms mod.
fr] La réflexion est la mère de la prudence.
Bedächtigkeit schafft Sicherheit.
Bedachtsam wie einer, der ums Maul barbiert.
Bedachtsamkeit ist die Tochter der Weisheit.
Bedanke dich für weniges, und du wirst viel finden. Afrika, Haussa
Bedarf ich eines Gottes für meine Persönlichkeit, als sittlicher Mensch, so ist dafür auch schon gesorgt. Die himmlischen und irdischen Dinge sind ein so weites Reich, dass die Organe aller Wesen zusammen es nur erfassen mögen.
Goethe, An F. H.Jacobi, 6. 1. 1813
Bedarf man des Honigs, wenn der Zucker süß ist? Jiddisch
Bedarf man eines Diebes, so nehme man ihn vom Galgen, hat man ihn gebraucht, so henke man ihn wieder dran.
Bedauere nicht, damit du nicht bedauert wirst.
Beddeln lêrt Büele flicken.
hdt] Betteln lehrt die Beutel flicken. (Armut nötigt die Menschen auch das Kleinste und Unbedeutendste zu Rate zu halten)
Bede mâkt Sede.
hdt] Bitte (wenn sie erfüllt wird) macht Sitte oder Gewohnheit.
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn,
Musst mir meine Erde doch lassen stehn
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd.
Goethe, Prometheus
Bedecke den Kummer mit einem Flicken aus Sprichwörtern. Shakespeare
en] Patch grief with proverbs.
Bedecke sie, bedecke sie, sagte der Mann seiner Frau, warum sollte ich sie bedecken, ich habe sie nicht gestohlen, sagte sie und saß mit hochgezogenem Rock auf den Knien.
Bedeckt Morello das Haupt, und hüllt Fiesole sich ein, dann, Landbewohner, läuft, denn es wird bald Regen sein.
i] Die Stadt Fiesole liegt nördlich von Florenz auf einer Anhöhe.
it] Quando monte Morello ha il capello, e Fiesole la cappa, pianigiani, correte, ecco l' acqua.
Bedecktes - Feuer, größre Hitze.
Bedecktes Feuer glimmt unter der Asche. (Von verhaltener Leidenschaft)
fr]u bien couvert, comme dit ma bru, par sa cendre est entretenu.
Bedecktes Feuer hitzt am meisten. (Gemeint ist zurückgehaltene Leidenschaft)
fr] Le feu plus couvert est le plus ardent.
Bedeln (betteln) schänd wol, man 't armt doch nich.
Bedenk', Mensch, wie fröhlich es da sein mag, da tausend Jahr wird sein ein Tag, und wie betrübt es sei alldar, da ein Tag wird sein tausend Jahr.
Bedenke auch, dass alle Zeit, in der wir nicht waren, mag ihre Dauer auch von Ewigkeit sein, für uns wie nicht gewesen ist. Lucretius, De natura rerum
Bedenke das Ende mehr als den Anfang. Bosnien
Bedenke das Ende, so behältst du reine Hände!
it] Felice, chi misura ogni suo passo, e chi dell' opre sue riguarda il fine.
la] Finem vitae specta.
la] Quidquid agis, prudenter agas, et respice finem.
la] Respice finem, respice funem.
Bedenke das Ende, so wirst du nicht Übels tun.
Bedenke das Ende, so wirst du nimmer(mehr) Böses tun.
it] Di tutto quello, che vuoi far e dire, pensa prima ciò che nè può seguire.
la] Finem vitae specta.
la] In omnibus operibus tuis memorare novissima tua et in aeternum non peccabis.
Bedenke dies: Schon manchmal trat ein Segen
In der Gestalt des Unglücks dir entgegen,
Dir fehlte nur in jener Zeit des Leidens
Der klare Blick des Unterscheidens.
Franz Ludwig Feodor Löwe
Bedenke es am Abend und tu es am Morgen, dann hast du keine Sorgen. Rußland
Bedenke in allem, was du tust, vorher Zeit und Ort. Rabelais: Wahlspruch
Bedenke man nun die wundersame Komplikation der menschlichen Natur, in welcher sich die stärksten Gegensätze vereinigen, Materielles und Geistiges, Gewöhnliches und Unmögliches, Widerwärtiges und Entzückendes, Beschränktes und Grenzenloses...
Goethe, Italienische Reise III, Philipp Neri
Bedenke man, eh noch die Tat beginnt.
Goethe, Natürliche Tochter A III Sz 1
Weltgeistlicher Vs 1197
Bedenke nicht, gewähre, wie du's fühlst.
Goethe, Iphigenie A V Sz 3
Iphigenie Vs 1992
Bedenke stets, dir im Unglück standhaft deinen Gleichmut zu bewahren.
la] Aequam memento rebus in arduis
Servare mentem. Horaz, Oden
Bedenke zeitig, sonst trauerst du spät.
Bedenke, dass der erste Grundsatz aller Lebensweisheit und Ökonomie ist, jede gute Stunde an einem luftigen und trockenen Orte vorsorglich sicherzustellen, auf dass man sie habe und sie sofort vom Brett herunternehmen könne, wenn einmal die Zeiten teuer und die frischen Gemüse rar werden sollten. Raabe, Der Däumling
Bedenke, dass du (nur) ein Mensch bist.
la] Memento te hominem esse.
la] Hominem te memento!
Bedenke, dass du sterben musst!
en] Remember death.
la] Memento mori.
la] Momento homo, quia pulvis es et in pulverem revertis.
Bedenke, dass ein noch so guter und kluger Mensch, wenn er zum Fanatiker einer Idee wird - und sei es die höchste und schönste - sich in ein böses und beschränktes Wesen verwandelt.
Anatoli Lunatscharski, Faust und die Stadt
Bedenke, mein Freund, woraus du zusammengesetzt bist und in was du verwandelt wirst, lass ab von deinem Übermut und entsage einem Teile deiner Einbildung. Samakschari, Goldene Halsbänder
Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und Staub wieder werden wirst.
la] Memento, homo, quia pulvis es et in pulverem reverteris.
1. Mos. 3, 19 und Proph. Jona 3, 5
Bedenke, warum du hier bist.
la] Dic, cur hic.
Bedenke, was du tust und was dir nützt.
Goethe, Iphigenie A I Sz 2
Arkas Vs 156
Bedenke, wie viel du leichtfertig für Geld, wie viel du unter Mühen für deine Karriere unternommen hast; etwas muss man auch für die Muße wagen.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik
Bedenke: Wenn wir auf das hohe Roß steigen, sind wir alle schlechte Reiter.
Charles Tschopp
Bedenken bringt frommen.
Bedenken is gôt bi'n Minschen. Rastede
Bedenken sind Gewissensbisse im voraus.
Hans Joachim Clarin
Bedenklich ist es, doch ich sorge weiter nicht,
Und alles bleibe hohen Göttern heimgestellt,
Die das vollenden, was in ihrem Sinn sie deucht...
Goethe, Faust II A III, Vor dem Palast des Menelas
Helena Vs 8582f.
Bedenks, darnach lenks.
Bedenkt es wohl.
Man übereile nichts.
Friedrich Schiller, Demetrius (Sapieha)
Bedenkt in Wohl und Weh
Dies goldne Abc.
Goethe, Gesellige Lieder - Frech und froh
Bedenkt man die Schönheit, die Jugend, den Stolz und die Verachtung jener Frau, so kann man nicht zweifeln, dass nur ein Held sie einmal zu entzücken vermag. Nun hat sie ihre Wahl getroffen: ein kleines Ungeheuer ohne Geist.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere
Bedenkt man nun, dass wiederholte sittliche Spiegelungen das Vergangene nicht allein lebendig erhalten, sondern sogar zu einem höheren Leben emporsteigem, so wird man der entoptischen Erscheinungen gedenken, welche gleichfalls von Spiegel zu Spiegel nicht etwa verbleichen, sondern sich erst recht entzünden, und man wird ein Symbol gewinnen dessen, was in der Geschichte der Künste und Wissenschaften, der Kirche, auch wohl der politischen Welt sich mehrmals wiederholt hat und noch täglich wiederholt.
Goethe, Schriften zur Literatur - Wiederholte Spiegelungen
Bedenkt, dass Fanatiker gefährlicher sind als Schurken. Einen Besessenen kann man niemals zur Vernunft bringen, einen Schurken wohl!
Voltaire, Potpourri
Bedenkt: Der Teufel, der ist alt,
So werdet alt, ihn zu verstehn.
Goethe, Faust II A II, Gotisches Zimmer
Mephisto Vs 6817
Bedênter, hinder mî! - 'Herr, öck beschit di.' Dönhoffstädt
Beder armselich to fohrn, as rîk (reich) to gahn. Rendsburg
Bedeutende Geister lassen sich durch bedeutende Ämter schnell belehren.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Nachgelassene Maximen
Bedeutsame Worte brauchen keinen Zeugen.
sp] Palabras señaladas no quieren testigo.
bedeutungslos
la] nullius momenti
Bediene dich deines eigenen Hintern, wenn du hofieren willst. Russland
Bedingen bricht Landrecht.
Bedingt Recht bricht Landrecht. [RSpW]
i] Wenn ein Geschäft nach einem bestimmten Recht vereinbart ist, so kommt auch dies Recht gegenüber dem gemeinen zur Anwendung.
z] Die Ordnung alles Bestehenden als Wahrheit in den Verhältnissen oder, mit den Rechtsbüchern zu reden, Gott selbst. Im eigentlichen und strengeren Sinne aber bezeichnet Recht die Ordnung jener äußerlichen Verhältnisse und Handlungen freier Menschen, welche zum Bestande aller, sowohl innerhalb eines bestimmten Gemeinwesens als der Menschheit überhaupt notwendig sind.
bedingter Vorsatz
la] dolus eventualis
bedingungsweise
la] sub condicione
Bedink (bedenk), bedink! de Wedwen uch Wîse net krink.
Bedréije (betrügen) jelt (gilt) néit.
Bedrog (Betrug) rîcht net. Aachen (Macht nicht reich)
ho] Bedrog zal nooit bedijen.
Bedrohte Hunde leben lange. Irland
Bedrohte Leute leben lang.
en] Threatened folks live long.
fr] Gens qu'on menace, vivent longtemps.
ho] Gedreigde lieden leven het langst.
Bedrohter Mann lebt dreißig Jahr.
dä] Længe lever truet mand, om han fanger brød.
ho] Een ghedreicht (gedreut) man, leeft wael XXX jaer.
it] Vive più il minacciato che l'impiccato.
la] Vivere ter denos vir quam minor hic valet annos.
sp] Los amenazados comen pan.
Bedrücktes Herz und düsteres Gesicht und ein wundes Herz: ein böse Frau. Schlaffe Hände und zitternde Knie: eine Frau, die ihren Mann nicht glücklich macht.
Altes Testament, Jesus Sirach 25, 23
Bedürfen zeigt dem Menschen Menschen.
Wer nicht bedarf, lebt von dem Leben fern. L. Schefer, Laienbrevier, Dezember, Vl
Bedürft ihr meiner zu bestimmter Tat,
Dann ruft den Tell, es soll an mir nicht fehlen. Schiller, Wilhelm Tell I., 3l
Bedürftigkeit durchkreuzt unsere Wünsche zwar nicht, aber sie schränkt sie ein. Überfluss vermehrt unsere Bedürfnisse und hilft uns, sie zu befriedigen. Ist man auf seinem Platz, so ist man glücklich.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Nachgelassene Maximen
Beeil dich nicht unnütz, wenn du scheißen willst, dann muss man sich immer Zeit nehmen, um die Hosen herunterzulassen. Estland
Beeil dich, um rechtzeitig fertig zu sein. Estland
Beeile dich langsam.
la] Festina lente.
Beeile dich mit deinen Beinen, nicht mit deiner Zunge. Bantu
Beeile dich nicht mit der Zunge, zögere nicht beim Werk!
Beeilt euch nur ja nicht so, sagte der Dieb, da sie den Galgen bauten, es wird doch nichts daraus, ehe ich komme. Westfriesland
Beeilt euch, Männer!
la] Festinate, viri!
Beende das Zaudern! Immer hat Aufschub denen, die bereit standen, geschadet.
Lukan, Der Bürgerkrieg
Beent (betet) för der aue (alten) Börgermêster (Bürgermeister), dan der neuen es ömmer schlehter. Aachen
Beer (Bier) un Barmhartigkeit kamt bi em tosamen.
Beeren (o. Birnen) und Frauen schmecken am besten, wenn man sie selber pflückt.
ho] Peeren en vrouwen die niet en braken, die plàchten alderbest te smaken.
it] Pere e donne senza rumori sono stimate gli meliori.
Beeren austeilen.
Beeren sind des Magens Spülwasser. Estland
Beerende Bäume und gezweiete sind gebannt. [RSpW]
i] Beerende d.i. fruchttragende, und gezweiete d.i. veredelte, gepfropfte Bäume waren im Gegensatz zu den edeln Bäumen der Mark (Eichen und Buchen) und dem unfruchtbaren (weichen) Holze überhaupt der gemeinen Nutzung entzogen, da sich an ihr Bestehen selbstverständlich immer nur die das Sondereigentum begründende Kultur des Einzelnen knüpft, sie durften daher auch nicht auf Almende- oder Gemeingut gepflanzt werden, sie waren aus dem Bereich desselben gebannt.
ndt] Alt gébärende böm und zwystok sindt verbannen. Schweiz
Beess (Beiß) an Pelz, wenn du bîse bist.
Beethoven, Ludwig van] An den Beethoven wollte Goethe gar nicht heran; ich sagte ihm aber, ich könne ihm nicht helfen, und spielte ihm nun das erste Stück der c-moll-Symphonie vor. Das berührte ihn ganz seltsam. Er sagte erst: Das bewegt aber gar nichts, das macht nur staunen; das ist grandios! Und dann brummte er so weiter und fing nach langer Zeit wieder an: Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.
F. Mendelssohn-Bartholdy, 25.5.1830
Beethoven, Ludwig van] Beethoven habe ich in Teplitz kennen gelernt. Sein Talent hat mich in Erstaunen gesetzt; allein er ist leider eine ganz ungebändigte Persönlichkeit, die zwar gar nicht unrecht hat, wenn sie die Welt detestabel findet, aber sie freilich dadurch weder für sich noch für andere Genussreicher macht.
Goethe, An Zelter, 2.9.1812
Beethoven, Ludwig van] Zusammengefaßter, energischer, inniger habe ich noch keinen Künstler gesehen. Ich begreife recht gut, wie er gegen die Welt wunderlich stehn muss.
Goethe, An Christiane v. Goethe, 19.7.1812
Beethoven, Ludwig van] …rezitierte Goethe die Worte [Egmonts]: 'Süßer Schlaf! Du kommst wie ein reines Glück, ungebeten…' Hierbei [fuhr er fort] ist allerdings die musikalische Begleitung angezeigt, und Beethoven ist mit bewundernswertem Genie in meine [Goethe] Intentionen eingegangen.
F. Förster, Mai/Juni 1821
Befehl dich selbst.
Befehl es S. Rochus, der hat jetzo nichts zu schaffen.
Befehl ist der Herren Bitte
Befehl ist eben nicht Befehl, wenn ein Verbrechen befohlen wird - es gibt keinen zwingenden Befehl gegen das Gewissen. [ASpW]
Befehle nicht, wo dir die Macht gebricht! Sophokles, Ödipus auf Kolonos
Befehle, wer kann, gehorche, wer muss.
it] Comandi chi può, e obbedisca chi deve.
Befehlen die Blinden, so wird sich viel zu tadeln finden.
la] Caeci praescriptio.
Befehlen ist leicht getan, aber 's fällt davon kein Span.
Befehlen tut's nicht, selbst angreifen tut's.
sp] Manda, y descuida, no se parà cosa ninguna.
Befehlen verlängert das Leben. Deswegen werden Generäle und Dirigenten so alt.
Howard T. Hunter
Befehlen, stehlen und hehlen sind drei Diebe.
Befehlt und tut, so wird's geschehen.
Befêlen is lichter as befolgen.
Befeuchtet (o. begossen) Gras wächst am besten.
Befiehl dem Affen, und der Affe befiehlt seinem Schwanz. Jamaika
Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen.
la] Committe Domino viam tuam, et spera in eo, et ipse faciet.
Befiehl den Krieger in die Schlacht,
Das Mädchen führe du zum Reihen,
So ist gleich alles abgemacht.
Goethe, Faust II A II, Laboratorium
Homunculus Vs 6937
Befiehl du deine Wege und fall' nur nicht vom Stege, weil du besoffen bist. Schlesien
Befiehl es Sanct-Rochus, der hat jetzo nichts zu schaffen.
Befiehl Gott alle deine Sachen, was gilt's, er wird's gewiss wohl machen.
Befiehl und diene,
Dien und befehle
Gegen jeden Tag
muss man sich brüsten.
Goethe, Epigrammatisch
Befiehl's dem Hunde und belle selber.
ho] Beveel (commandeer) je honden, en blaf zelf.
Befiehl's und mach's selber, so brauchst du nicht zu sorgen.
Befindet sich einer heiter und gut,
Gleich will ihn der Nachbar peinigen;
Solang der Tüchtige lebt und tut,
Möchten sie ihn gerne steinigen.
Ist er hinterher aber tot,
Gleich sammeln sie große Spenden,
Zu Ehren seiner Lebensnot
Ein Denkmal zu vollenden.
Goethe, Westöstlicher Divan, Rendsch nameh
Befindet sich irgend hie ein Mann, der in Wahrheit sagen kann, dass ihn sin Heirat nicht gereu', und fürcht sich nicht vor siner Frauen: der mag diesen Backen herunter hauen.
i] Inschrift zu Wien.
Befleck dein Herz nicht; dein Gemüt ersinne
Nichts gegen deine Mutter; überlaß sie
Dem Himmel und den Dornen, die im Busen
Ihr stechend wohnen. Shakespeare, Hamlet, I, 5 (Geist)
Befleiße dich gemeiner Tracht und guter Sitten.
Befördrung geht Euch nach Empfehl' und Gunst,
Nicht nach ehmal`gem Rang, wo jeder Zweite
Den Platz des Vormanns erbt.
en] Preferment goes by letter and affection,
Not by the old gradation, where each second
Stood heir to the first.
Shakespeare, Othello I, 1
Befrage den Leidenden, nicht den Wanderer. Bulgarien
Befrage lieber den Erfahrenen als den Arzt. Ägypten
Befreien muss man sich aus dem Gefängnis der Alltagsgeschäfte und der Politik.
Epikur, Sprüche, In: Briefe, Sprüche, Werkfragmente
Befreunde dich mit einem Juden, er wird dir hier und da nützlich sein. Arabien
Befreunde dich nicht mit dem Hungrigen; sagt er auch: ich esse nicht, er füllt sich dennoch den Bauch. Osmanien
Befreundete Flagge erhält feindliche Ladung. (Die neutrale Flagge schützt jede Ware, außer Kriegsbedarf, vor der Wegnahme seitens der kriegführenden Mächte)
Befriedigung, die ich von außen träumte,
Kam nun von innen selber in mein Dach.
Das Leben rächt ja stets, was es versäumte:
Ich hole meine Jugendjahre nach.
Grillparzer, Ruhe
Befürchte nicht, dass du dereinst wirst schwach und alt, befürchte vielmehr, dass noch lebend dir das Herz wird kalt.
Begabt sein ist ein unregelmäßiges Zeitwort ... Es hat nur Gegenwart und Zukunft.
István Örkény, Die Herzogin von Jerusalem
Begabte Menschen erziehe mit den Augen, mittelmäßige mit Worten und die dummen mit dem Stock. China
Begabung hängt halb vom Talent und halb vom Lernen ab. China
Begabung setzt sich aus vielerlei Elementen zusammen, und nicht zuletzt kommt sie auch dadurch zustande, daß ein begabter Mensch alles, was er zu seiner Begabung benötigt, heranholt, an sich zieht und sich aneignet.
Johannes R. Becher, Das poetische Prinzip
Begangene Fehler können nicht besser entschuldigt werden als mit dem Geständnis, dass man sie als solche erkenne.
Pedro Calderón de la Barca
Begeb dich nicht ins getreng (Gedränge).
Begegnen ist ein höchstes Liebesglück.
Und zwei zusammen sehen Fluss und Bahn
Und Berg und Busch sogleich ganz anders an.
Und wer dieselben Pfade wandernd schleicht,
Sei ihm des Zieles holder Wunsch erreicht.
Goethe, Zu meinen handzeichungen III. Frei Welt
Begegnest du einem Menschen, dann sprich mit ihm, wie man mit Menschen spricht, begegnest du einem Gespenst, dann sprich mit ihm, wie man mit Gespenstern spricht.
Begegnest du mir im Frühlingswind, so komme ich zu dir im Sommerregen.
Begegnet uns jemand, der uns Dank schuldig ist, gleich fällt es uns ein. Wie oft können wir jemand begegnen, dem wir Dank schuldig sind, ohne daran zu denken.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,4
Begegnung ist der Anfang der Trennung. Japan
Begeh eine Sünde dreimal, und du wirst denken, sie sei gestattet. Jiddisch
Begehr nicht fremdes Brot. Estland
Begehr' an den Tisch, so kommst du wenigst' auf die Bank.
la] Iniquam petentum at aequum feras.
Begehre an den Tisch, so kommst du auf die Bank.
la] Summum cape et medium habebis.
Begehre des Rocks, es wird dir dennoch kaum das Hemde.
Begehre des Tannenwaldes, es wird dir dennoch kaum das Tannenreis werden. Russland
mhd] Des steit na em gulden wagen, he kricht al wannêr einen naven.
la] Aureolum poscens currum vel quaeritat axem.
dä] Hvo som attraaer en guld-vogn, han fanger sagt en lund-stikke.
dä] Stræb efter det høje, og du skal naae det middel maadige.
ho] Die nae enen gulden waghem staet, crigheit gheern enen naghel af.
la] Ex auro carrum cupis, hinc tibi confero clavum.
la] Iniquum petendum ut aequum feras.
la] Rerum irrecuperabilium felix oblivio.
la] Summum cape, et medium habebis.
sd] Den som gapar efter mycket, mister ofta hela stycket.
Begehre doch nicht Silbergeld!.
Begehre nicht das Fremde, und gib das deinige nicht weg. Litauen
Begehre nicht fremdes Hab und Gut!
la] Alienum noli concupiscere!
Begehre nie ein Glück zu groß und nie ein Weib zu schön,
Sonst könnte dir's in seinem Zorn der Himmel zugestehn. Inschrift auf Burg Cochem
Begehre viel, es wird dennoch wenig genug.
Begehren heißt schon besitzen.
Rudolf Leonhard, Aeonen des Fegefeuers
Begehren kennt keine Ruhe. England
Begehren verlockt dich, der Wunsch stößt dich von hinten. Estland
Begehren verschönt, was hässlich ist. Spanien
Begehren verspricht mehr als der Genuss hält. Frankreich
Begehren von Amt oder Vorrecht ist Ehrgeiz.
Thomas Hobbes, Leviathan
Begehren, verbunden mit der Erwartung, das Gewünschte,zu erlangen, nennt man Hoffnung.
Thomas Hobbes
Begehret nicht mit Haß und Neid,
Die Gnaden Gottes andern zu entziehen.
Er ist, der allen gern verleiht;
Begehrt von ihm, so ist auch euch verliehen! Rückert, Erbauliches und Beschauliches aus dem Morgenlande
Begehrlichkeit und Macht sind die Quellen aller unserer Handlungen: die Begehrlichkeit verursacht die freiwilligen, die Macht die unfreiwilligen. Pascal, Gedanken
Begehrst Reichtum, gerätst in Streit, begehrst Vermögen, bleibst arm. Estland
Begehrt ein seidenes Kleid, und ihr werdet einen Ärmel davon erhalten. Schottland
Begehrt unser Haar.
Begeht ein Alter eine Dummheit, so heißt es, er habe seinen Verstand verloren, tut ein Junger das gleiche, so heißt es, er habe noch keinen erworben. Korea
Begeist'rung ist keine Heringsware,
Die man eingepökelt auf einige Jahre.
Goethe, Frisches Ei, gutes Ei
Begeisterung allein ist nicht genug, (für den Dichter) man ordert die Begeisterung eines gebildeten Geistes. Schiller, Über Bürgers Gedichte
Begeisterung heißt der Atlas, der die Welt auf seinen Schultern zu neuen Tagen trägt. Schäme dich nie der herrlichen Gewalt, die dich fortreißt, und sei es unter Tränen, einem Menschen oder einer Sache mit deinem Leben anzugehören, und wehre jeglicher Stimme, die dich in dieser Entzückung beirren will, bis sie dich dennoch beugt! Martin Raschke, Begeisterung
Begeisterung ist alles! Gib einem Menschen alle Gaben der Erde und nimm ihm die Fähigkeit der Begeisterung, und du verdammst ihn zum ewigen Tod. Adolf Wilbrandt, Fridolins heimliche Ehe
Begeisterung ist darum so schätzbar, weil sie der menschlichen Seele die Kraft einflößt, ihre schönsten Anstrengungen zu machen und fortzusetzen. Smiles, Der Charakter, Die Schule der Erfahrung
Begeisterung ist ein Feuer, das die Innenwelt in Fluss erhält, aber Vernunft muß ihr die Gußform richten, in die sich das geschmolzene Metall ergießt, sonst verfließt alles gehalt- und gestaltlos. Otto v. Leixner, Aus meinem Zettelkasten, Nr.1: Beiträge zur Menschenkenntnis
Begengen (Beginen) sind net wiese schergen. Bedburg
Beger vil, es wirt dennoch wenig genug.
Begeranisch Bier schmeckt mir (schier).
la] Begerana est omnibus sana.
Begerstu zu begleiten mich, so soltu frundtlich halten dich.
la] Si uls esse comes mihi, mores accipe comes.
Begib dich gleich hinaus aufs Feld,
Fang an zu hacken und zu graben,
Erhalte dich und deinen Sinn
In einem ganz beschränkten Kreise,
Ernähre dich mit ungemischter Speise,
Leb mit dem Vieh als Vieh, und acht es nicht für Raub,
Den Acker, den du erntest, selbst zu düngen;
Das ist das beste Mittel, glaub,
Auf achtzig Jahr dich zu verjüngen.
Goethe, Faust, I, 6 (Mephisto)
Begib dich in Gesellschaft von Männern, die sind, wie du sein möchtest. Schottland
en] Such a man as thou would be, draw thee to such company.
Begib dich nicht auff trunckenheit, sonst wird dir's leid in ewigkeit.
Begib dich nicht in die Gegenwart der Geschöpfe, wenn du das Antlitz Gottes in deiner Seele klar und ungebrochen bewahren willst, sondern entleere und entferne deinen Geist weit von ihnen, und du wirst in göttlichen Lichtern wandeln, denn Gott ist den Geschöpfen nicht ähnlich.
Juan de la Cruz, Merksätze von Licht und Liebe
Begib dich nicht in die Höhle des Löwen.
en] Never beard a lion.
Begier bringt nichts nach Hause.
Begier macht blind, und Wünsche trügen. Ramler, Fabellese, 4. Buch, Nr. 23, Der Mann u. d. Vögelein
Begierd' ist ein Schalk.
ho] De begeerte belooft meer, dan het bezit geeft.
Begierde im Blick, er ruhte auf ihr.
Alexander Eilers
Begierde ist eine Kaiserin (in allen Menschen und Tieren).
Begierde ist etwas Maßloses.
la] Res immoderata cupido est.
Begierde ist Kaiser.
Begierde schwächt ihren Knecht.
it] Chi suoi vizii non doma, nelle mani la vergogna porta.
Begierde setzt Sporen in die Haut.
dä] Begierlichhed og vrede ere onde raadgivere.
ho] Begeerde verlangt.
Begierde und Zorn sind böse (o. die schlechtesten) Ratgeber.
it] La concupiscenza inganna la prudenza.
la] Cupido atque ira pessumi consultores.
Begierde wird nie (o. nimmer) satt.
la] Cupiditati nil satis.
Begierden sind seelische Krankheiten.
la] Cupiditates enim animorum morbi sunt.
Begierden, Lust- und Schmerzgefühle von vielfachster Art wirst du vornehmlich bei den Kindern, Weibern und Sklaven finden, auch bei der geringwertigen Masse der sogenannten Freien. Platon, Staat (Sokrates zu Glaukon)
begierig zu hören
la] studiosus audiendi.
Begießen, wo es schon nass ist.
Beginn die Mühle nicht eher zu loben, bevor du nicht weißt, was für ein Mehl sie mahlt. Estland
Beginn eines besseren Zeitalters.
i] Motto des britischen Ordens vom heiligen Michael und heiligen Georg
la] Auspicium melioris aevi.
Beginn mit Haferbrei, damit du mit Huhn enden kannst. Schottland
Beginne dein Gewebe nur, Gott wird dir schon Garn dazu geben.
Beginne ein Werk mit Verstand, mit Überlegung befrage die Vernunft, dann bereuest du das getane Werk nicht.
Beginne in der Weise der anderen, so dass du auf deine eigene Weise enden kannst. Spanien
Beginne niemals die Ehe mit einer Vergewaltigung.
Honoré de Balzac, Die Physiologie der Ehe
Beginnen die Wangen dir einzusinken, so lass die Weiber und halt dich ans Trinken. Italien
Beginnen ist etwas, aber Durchhalten ist mehr.
Beginnen ist halb gewinnen.
ndt] Begunnen is halff gewunnen.
ho] Is er een begin, dan komt er ook een einde aan.
Beginnen muss man mit Jupiter.
la] Ab Iove incipiendum.
Beginnen und Vollenden.
la] Suscipere et finire. Inschrift auf einem Vereinstaler Georgs V. von Hannover vom Jahre 1861.
Beginnen wir mit Gott, dann wird auch der Fortgang gut sein. Tschechien
Beginnst du ein Werk, bedenke das Ende!
Beginnt der Regen, wenn die Spittelleute aufstehn, so hört er während des Tages nicht auf. Niederlausitz
Beginnt nicht vor anderen Leuten eure schmutzige Wäsche zu entwirren (= zu zeigen). Estland
Beglückt, beglückt, wer die Geliebte findet,
Die seinen Jugendtraum begrüßt:
Wenn Arm um Arm und Geist um Geist sich windet
Und Saal in Seele sich ergießt! Hölty, Die Seligkeit der Liebenden
Beglückt, wer Treue rein im Busen trägt,
Kein Opfer wird ihn je gereuen!
Allein ein Pergament, beschrieben und beprägt,
Ist ein Gespenst, vor dem sich alle scheuen.
Goethe, Faust I, Studierzimmer
Faust Vs 1724
Beglückt, wer, ruhig liebend ein frommes Weib,
Am eignen Herd in rühmlicher Heimat lebt,
Es leuchtet, über festem Boden
Schöner dem sicheren Mann sein Himmel.
Hölderlin, Mein Eigentum
Begnadigung macht Missetäter. England
en] Pardon makes offenders.
Begnüg dich mit der Hälfte!
la] Dividuum fac!
Begnüge dich mit dem, was du in Händen hast, denn Genügsamkeit ist der zweite Reichtum und ein Schatz, der nie vergeht. Sei daher nicht begierig und habsüchtig; denn was dir beschieden ist, wird an dich kommen; aber durch Begehrlichkeit und Habsucht geschieht nicht, was nicht geschehen soll. Buch des Kabus
Begnüge dich, aus einem kleinen Staate,
Der dich beschützt, dem wilden Lauf der Welt,
Wie von dem Ufer, ruhig zuzusehn.
Goethe, Tasso A II Sz 1
Prinzessin Vs 808f.
Begnügt euch doch, ein Mensch zu sein! Lessing, Nathan der Weise, III, 9 (Tempelherr)
Begnügt euch mit eurem Sold.
la] Contenti estote stipendiis vestris.
Begöff di, Bröderke, begöff di, häst so nich vêle Freidedâg' gehatt. Memel (Als Trost beim Tode. Begeben = sich beruhigen.)
Begonnen Werk hilft Gott vollenden.
Begonnen Werk lobt man, wenn's beendet.
ho] Begonnens wercs wort immer einde.
la] Vidimus in cöpta fore finem laudis adepta.
Begonnen Werk nimmt auch ein Ende.
ho] Alle begonnen werk neemt een eind.
Begossene Hunde fürchten das Wasser.
Begrab das Alte nicht eher, bevor das Neue noch nicht da ist. Estland
Begraben ist in ewige Nacht
Der Erfinder großer Name zu oft. Klopstock, Oden: Der Eislauf
Begrabner Schatz, verborgner Sinn bringen niemand Gewinn.
Begrabner Schatz, verborgner Sinn ist Verlust ohne Gewinn.
Begreife das Glück als absurd, als unmöglich, und trachte dennoch, es zu erobern.
Benedetto Croce
Begreife es, wer kann.
la] Qui potest capere, capiat.
Begreiflich ist jedes Besondere, das sich auf irgendeine Weise anwenden lässt. Auf diese Weise kann das Unbegreifliche nützlich werden.
Goethe, Maximen und Reflexionen
Begreift, dass Gott das Endziel, nicht der Ausgangspunkt der ganzen Schöpfung ist.
André Gide, Tagebuch
Begrenzung … das ist`s was unsere werten deutschen Männer sich am wenigsten selbst geben können.
Goethe, An H. K. Eichstädt (Entwurf), 12. 3. 1814
Begriff ist Summe, Idee Resultat der Erfahrung; jene zu ziehen, wird Verstand, dieses zu erfassen, Vernunft erfordert.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1135
Begriffe sind Tastversuche des Geistes.
Otto Michel
Begruben (begraben) zehn Eilen (Ellen) ünter der Erde. Warschau, Jüdisch-deutsch (J-n hart mitnehmen, aber auch nachhaltig schaden)
Begünstige mit allen Mitteln, die dein Gewissen verträgt, den Hang der Frauen, nur die parfümierte Luft eines selten geöffneten Zimmers zu atmen, in das durch wollüstige, durchsichtige Musselinwolken kaum ein halbes Licht durchdringt.
Honoré de Balzac, Physiologie der Ehe
Behagen ist die eigentliche Grundbedingung des Humors sowohl in subjektivem als in objektivem Sinn, und der Begriff des Behagens verträgt sich nicht mit Beschränkungen irgendwelcher Art. In gewissem Sinne kann der Humorist niemals ein Ende machen -, kaum einen Anfang. Nur technische Notwendigkeiten sind es, die ihn dazu nötigen. A. Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken
Behagen schaut nicht vorwärts, nicht zurück,
Und so verewigt sich der Augenblick!
Goethe, Inschriften, Denk- und Sendeblätter – An Grafen Paar
Behaglich lasst euch auf den Sesseln nieder, die
Ihr hungrig oder satt hierhergekommen seid!
Doch wer vom Tische kommt, der hat das bessre Teil.
Plautus, Poenulus, Prolog
Behaglich lebt, wer Großmütterchen für sich sorgen lässt.
Behalt dein silber und dein gold, ich bin der werten freiheit hold.
la] Non bene pro cuncto libertas uenditur auro.
Behalt den Kragen warm,
Fülle nicht zu sehr den Darm,
Mache dich der Greten nicht zu nah;
So wirst du langsam grau!
Luther, Tischreden (1566)
Behält der Hase lange sein Sommerkleid, so ist die Kälte noch weit.
Behalt dir ein gut Blatt auf die Letzt.
Behalt dir etwas auf die nachhut.
fr] Garder une poire pour le soif.
fr] Il faut faire feu (vie) qui dure.
la] Relinque aliquid ex convivio hospitibus forte advenientibus.
Behalt ein Ding sieben Jahre lang, und du wirst Verwendung dafür finden. Gälisch
Behalt ein gut blatt auff die letsten letze. (Denke ans Ende)
Behalt ein gute Kart auf die letzte Less (Stich).
Behalt ein gutes Blatt auf die letzte Lese. (Vernünftige Sorge für die Zukunft)
ho] Al hadden zij ook al hun moes verkocht, zij zouden toch nog het beste blad behouden hebben.
Behalt ein standhafft Herz vnd lass dem Glücke seinen Schertz.
Behalt eine empfangene Wohltat im Gedächtnis!
la] Beneficii accepti esto memor! a
Behalt es für dich.
la] Habeas tibi.
Behalt etwas auf den (letzten) Stich.
Behalt etwas auf den Stich.
Behalt, was du hast. 1. Mos. 33, 9
Behalte das Brot, dir kommen Eier. (Begnüge dich vorläufig mit einem Stück Brot, Besseres wird noch kommen)
mhd] Helde 't brot, dy komen eier.
la] Observa panem, tibi protinus ova dabuntur.
Behalte das ja für dich!
la] Haec tu tecum habeto!
Behalte deine Ängste für dich, aber an deinem Mut lass teilhaben. England
Behalte deine Dirne bei dir und lass andere Leute unbehelligt.
Behalte deine Stachelbeeren!
i] Unterlasse deine Sticheleien, behalte deine faulen Witze.
Behalte deinen Mund für die Suppe, dein Maul für die Brühe. Estland
Behalte den Alus (Hausbier) für die Kindstaufe. Litauen
Behalte der Mutter Gemüt und die Muttersprache.
Behalte diesen Rat für dich!
Behalte eine gute Karte auf den letzten Stich.
Behalte im Gedächtnis, was du gelesen hast.
la] Quae legeris, memento.
Behalte lieber deinen Kopf als den Hut.
Behalte nicht hundert Rubel, behalte lieber hundert Freunde. Russland
Behalte nicht, was dir nichts nützt und ein anderer brauchen kann.
sp] Lo que a ti no aprovecha y otro ha menester, no lo debes retener.
Behalte, was du hast, mit dem anderen ist's misslich.
Behalten ist leichter als gewinnen.
dä] Den som begierer at beholdesit haver bedreret end den som begierer at vinde.
Behaltet euer Tränengas, es gibt genug zum Heulen.
Behältst du nicht, was du hast, trägst du bald des Elends Last.
Behandele das Glück sehr vorsichtig und fordere nicht das Unheil heraus. China
Behandele das Übel, als wäre es eine Krankheit in deiner eigenen Person. China
Behandele eine Angelegenheit nicht nachliissig, und kein Kummer wird in dein Herz dringen. Babylon
Behandeln muss man Schicksalsschläge mit der Dankbarkeit für das Verlorene und mit der Erkenntnis, dass man das Vergangene nicht ungeschehen machen kann.
Epikur, Sprüche
Behandelst mich, dass ich, wie jene Katze,
Dir die Kastanien aus den Gluten kratze.
Goethe, Faust II A I, Finstere Galerie
Faust Vs 6253
Behandelt die Frau mit Nachsicht!
Aus krummer Rippe ward sie erschaffen,
Gott konnte sie nicht ganz grade machen.
Willst du sie biegen, sie bricht,
Läßt du sie ruhig, sie wird noch krümmer,
Du guter Adam, was ist denn schlimmer? -
Behandelt die Frauen mit Nachsicht:
Es ist nicht gut, dass euch eine Rippe bricht.
Goethe, Divan - Buch der Betrachtungen
Behandelt jeden Menschen nach seinem Verdienst, und wer ist vor Schlägen sicher? Shakespeare, Hamlet, II, 2 (Hamlet)
Behandelt mich, dass ich wie jene Katze,
Dir die Kastanien aus den Gluten kratze.
Goethe, Faust, II, 1 (Faust)
Behandle deinen Mund als wäre er eine Flasche (verschlossen), bewache deine Gedanken, wie du eine Stadt bewachen würdest. China
Behandle die Fehler von anderen mit ebsoviel Milde wie deine eigenen. China
Behandle einen Älteren wie deinen Vater, einen Jüngeren wie deinen Sohn, einen Gleichalterigen wie deinen Bruder. Ägypten
Behandle niemand mit Verachtung; ertrage schmähende Reden mit Geduld; sei nicht zornig gegen den Zornigen; gib Segnungen für Flüche. Manu, Gesetzbuch
Beharre, wo du stehst! – Maxime, notwendiger als je, indem einerseits die Menschen in große Parteien gerissen werden, sodann aber auch jeder Einzelne nach individueller Einsicht und Vermögen sich geltend machen will.
Goethe, Maximen und Reflexionen 549
Beharren Sie nur dabei und halten Sie immer an der Gegenwart fest. Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit.
Goethe, Eckermann, 3.11.1823
Beharrlich und aufrichtig.
i] Wahlspruch Friedrichs des Großen
la] Constanter et sincere.
Beharrlichkeit führt zum Ziel. (Wahlspruch des harmonischen Vereins unter Karl Maria v. Weber 1810)
Beharrlichkeit trägt den Sieg davon.
Beharrlichkeit überwindet alles.
ndt] Mirst iedoch geseit, dei dâ staete künnen sîn, daz sî gelücke wol berogen.
fr] Persévérance arrive à récompense.
fr] Persévérance vient à bout de tout.
fr] Qui ne se lasse pas, vient à bout de tout.
Beharrlichkeit wird zuweilen mit Eigensinn verwechselt. Nach Kotzebue, Neue Schauspiele
Beharrungsvermögen
la] vis inertiae
behauchter Anlautvokal
la] Spiritus asper
Behaupte das Deine, gib jedem das Seine, doch Unrecht verneine.
Behaupte, wo du stehst!
Goethe, Maximen und Reflexionen 222
Behaupten ist nicht beweisen.
Behaupten, eine Sache zeige nicht an, was sie sei, heißt ebensoviel als sagen, sie sei nicht, was sie sei, oder die Erkenntniskraft des Menschen sei nicht imstande, sich einen richtigen Begriff zu fassen.
Goethe, Geologie und Mineralogie - Fragmentarisches
Behaupten: Ein Mensch sei zu glauben verpflichtet, ist weder Wahrheit noch Menschenverstand. Ihr könnt Menschen durch Gewinn oder Strafen dazu zwingen, dass sie sagen oder schwören, sie glaubten, und dass sie so tun, als ob sie glaubten, aber weiter könnt ihr nichts. Swift, Gedanken über Religion
Behauptung ist nicht Beweis.
W. Shakespeare
Behelpen ist kein Sattetten (Sattessen). Sauerland.
Behende und gut steht nicht gut beisammen.
Behende und willige Gabe ist zweierlei Gabe.
Behender als eine Töpferscheibe.
Behendigkeit ist in allen Dingen gut.
ho] Behendigheit gaat voor kracht.
ho] Eerlijke behendigheid is te roemen.
Behendigkeit ist keine Gaukelei (o. Hexerei).
Beherberge du den Beduinen, er wird dir deine Kleider mitnehmen. (Von der Undankbarkeit. Die ägyptischen Beduinen stehen bei den Städtern in schlechtem Kredit)
Beherrsche deinen Zorn.
la] Compesce mentem.
Horaz, Oden
la] Iracundiam rege.
Beherrsche die Sache, dann werden die Worte schon folgen. Cato Censorius
Beherrsche diese Lüge!
Betrogener, betrüge. Goethe, Westöstlicher Divan
Beherrschung der Triebe durch die moralische Kraft ist Geistesfreiheit, und Würde heißt ihr Ausdruck in der Erscheinung. Schiller, Über Anmut und Würde
Beherzt geredet ist halb gefochten.
Beherzte Zunge, blödes Herz.
fr] Hardie langue, courte lance.
Behielt ein jedes Land sein weiß, sein Kleiderpracht, sein Tranck und Speiss; lies man England sein Woll' und Tuch, India sein Gewürz und Geruch, Welschland sein Geschleck und stolze Pracht, Frankreich und Spanien ihr Kleidertracht: so stünd' es besser in der Welt, wir Deutschen behielten unser Geld. Illinger, Altmodischer Kleider- Teufel, Frankfurt 1629
Beholt ein standhafft hertz
Und lass dem glück sein schertz!
Beholt't (behalten) as Hans Jung den Hötjer (Hutmacher). Holstein
Behrisch, Ernst Wolfgang] Dieser Freund war einer der wunderlichsten Käuze, die es auf der Welt geben kann. […] Schon sein Äußeres war sonderbar genug. Hager und wohlgebaut, weit in den Dreißigen, eine sehr große Nase und überhaupt markierte Züge; eine Haartour, die man wohl eine Perücke hätte nennen können, trug er vom Morgen bis in die Nacht, kleidete sich sehr nett und ging niemals aus, als dem Degen an der Seite und den Hut unter dem Arm. Er war einer von den Menschen, die eine ganz besondere Gabe haben, die Zeit zu verderben, oder vielmehr die aus nichts etwas zu machen wissen , um sie zu vertreiben. Alles, was er tat, mußte mit Langsamkeit und einem gewissen Anstand geschehen, den man affektiert hätte nennen können, wenn Behrisch nicht schon von Natur etwas Affektiertes in seiner Art gehabt hätte. Er ähnelte einem alten Franzosen, auch sprach und schrieb er sehr gut und leicht Französisch.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,7
Behüet vns Gott vor großem Glück, gnädigen Herren und gesunder Speiss.
Behüt dich Gott! es wär zu schön gewesen;
Behüt dich Gott! es hat nicht sollen sein.
Scheffel, Der Trompeter von Säckingen, Lied Jung Werners
Behüt einen Gott vor denen, welchen einer trawet, denn den man nit trawet, vor denen hüt sich einer selbst.
Behüt uns Gott und der große Zar. Russland
Behüt uns Gott vor drei Gabelstichen, sie machen neun Löcher. (Kein Streit mit dreien!)
Behüt uns Gott vor Feuer, vor Zimmerleut und Mäuer, die eine Stunde arbeiten sie, die andere Stunde essen (saufen) sie, die dritte rauchen sie Tabak und so vergeht der ganze Tag. Köthen
Behüt uns Gott vor Feuersbrunst, vor Miswachs und vor teurer Zeit, vor Maurern und vor Zimmerleut.
Behüt uns Gott vor Fleisch im Sommer und vor Milch im Winter.
Behüt uns Gott vor teurer Zeit, vor Maurer und vor Zimmerleut', vor Schinder und Exequirer, vor Doktor und Barbierer.
Behüt uns vor Mistgabeln, die machen drei Löcher.
Behüt vns got vor gabelstichen, sie (drei) machen drei (neun) löcher.
i] Aus dem Bauernkriege, wo Aexte, Sensen, Sicheln und namentlich dreizackige Heugabeln die Waffen der ländlichen Bevölkerung bildeten. Dergleichen »Gabelstiche« verursachten gar gefährliche Wunden.
Behüte das Feuer und die Kinder. Estland
Behüte dich selbst, dann behütet dich auch Gott.
Behüte die Katze, schone das Pierd, dann bist du deiner Frau ein guter Mann.
Behüte Gott! wie sonst das Zeugen Mode war,
Erklären wir für eitel Possen.
Der zarte Punkt, aus dem das Leben sprang,
Die holde Kraft, die aus dem Innern drang
Und nahm und gab, bestimmt, sich selbst zu zeichnen,
Erst Nächstes, dann sich Fremdes anzueignen,
Die ist von ihrer Würde nun entsetzt;
Wenn sich das Tier noch weiter dran ergötzt,
So muss der Mensch mit seinen großen Gaben
Doch künftig höhen, höhern Ursprung haben.
Goethe, Faust II A II, Laboratorium
Wagner Vs 6838f.
Behüte mich Gott vor meinen Freunden; mit meinen Feinden will ich schon fertig werden.
fr] Mieux vaut un sage ennemi qu'un imprudent ami.
Behüte uns Gott und der große Zar.
Behütet ist, wen Gott behütet. Portugal
Behutsam gangen auff gut Bedacht, hat selten ein'n in Schaden gebracht.
Behutsam schließt man die Augen der Toten, ebenso behutsam muss man den Lebenden die Augen öffnen.
Jean Cocteau, Hahn und Harlekin
Behutsamkeit gewinnt den Streit.
Behutsamkeit,
Gewinnt den Streit. Abraham a Santa Clara, Etwas für alle
Bei 'ne Schmedt hengt gau (schnell) de Dör ên 'ne Tur (Angel). Aachen
Béi 'ner Hitte (Ziege) mo me ümmer 't Mess öwer der Dör hangen hewwen. Sauerland
Bei a Ferd kückt män auf die Zähn; bei a Menschen auf 'n S'eichel (Verstand). Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Das Pferd beurteilt man nach den Zähnen, den Menschen nach dem Verstande.
Bei a schweren Wugen is güt zü Fuß zü gehen. (Bei reichen Personen fällt auch für die Dienerschaft etwas ab)
Bei Abendrot hofft man auf schönes Wetter.
it] Rosso di sera buon temp si spera.
Bei abnehmendem Mond pflanz' nichts, weil's die Mühe nicht lohnt.
it] Quando scema la luna, non seminar cosa alcuna.
Bei abnehmendem Monde ist's böse Zaunlatwergen einnehmen.
bei Adam und Eva anfangen = bei der Erzählung sehr weit ausholen
en] To start from Adam and Eve.
fr] Remonter au déluge. (Bis zur Sintflut zurückgehen)
it] Iniziare dalle origini.
la] A linea incipere. - Ab ovo Ledae incipere.
Bei allem Geschlecht der Sterblichen werden die Sänger
Wert der Achtung geschätzt und Ehrfurcht: weil ja die Muse
Ihnen gelehrt den Gesang, und huldreich waltet der Sänger.
Homer, Odyssee, VIII, 479/81
Bei allem ist etwas und bei etwas (manchem) ist auch nichts.
Bei allem ist was und bei »was« ist noch was.
i] Jede Sache hat ihre Schwierigkeiten; und hat sich erst eine gefunden, so gesellt sich auch leicht noch eine andere hinzu.
Bei allem ist was, und bei was ist noch was. (Alles hat seine Schwierigkeiten, und meist kommen noch mehr dazu)
Bei allem muß man aufs Ende und auf den Ausgang sehen; denn vielen hat Gott das Glück vor Augen gehalten und sie dann gänzIich zugrunde gerichtet. Man muß das Ende bei allem abwarten. Solon, bei Herodot
Bei allem nun hat der treue Forscher sich selbst zu beobachten und zu sorgen, dass, wie er die Organe bildsam sieht, er sich auch die Art zu sehen bildsam erhalte, damit er nicht überall schroff bei einerlei Erklärungsweise verharre, sondern in jedem Falle die bequemste, der Ansicht, dem Anschauen analogste zu wählen verstehe.
Goethe, Maximen und Reflexionen
Bei allem, was du sagst, achte auf den rechten Augenblick. Reden zur unpassenden Zeit sind nicht beliebt.
Bei allem, was du tust, denk an das Ende, so wirst du niemals sündigen.
Altes Testament, Jesus Sirach 7, 36
Bei allem, was ein Mensch sichtbar werden lässt, kann man fragen: was soll es verbergen? Wovon soll es den Blick ablenken? Welches Vorurteil soll es erregen? Und dann noch: bis wie weit geht die Feinheit dieser Verstellung? Und worin vergreift er sich dabei? Nietzsche, Morgenröte
Bei allem, was ich tue, daran denken, dass die erste und einzige Bedingung, von welcher der Erfolg abhängt, Geduld heißt, und dass es gerade die Voreiligkeit ist, die bei jedem Tun am meisten hindert.
Leo N.Tolstoi,Tagebücher (1851)
Bei allem, was man mit ganzem Herzen tut, braucht man keinen Helfer.
Bei allem, was uns überliefert, besonders aber schriftlich überliefert werde, komme es auf den Grund, auf das Innere, den Sinn, die Richtung des Werks an, hier liege das Ursprüngliche, Göttliche, Wirksame, Unantastbare, Unverwüstliche, und keine Zeit, keine äußere Einwirkung noch Bedingung könne diesem innern Urwesen etwas anhaben...
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,12
Bei allen Bübereien will ein Mönch der Erste sein.
Bei allen diesen Ereignissen kann ich mein Glück nicht genug schätzen, dass ich so früh in das Interesse der bildenden Kunst herangetrieben worden. Da ich nun kein Talent zur Ausübung besaß, mußte ich mich mehr um Erkenntnis bemühen, und davon hab ich mir erworben gerade soviel, als ich vors Haus brauche, das heißt, dass mein Enthusiasmus für irgend ein Werk verständig sein und dauernd werden konnte.
Goethe, An Zelter, 4.10.1831
Bei allen Dingen dieser Welt, die der Mühe wert sind, getan zu werden, gibt es einen Punkt, wo keiner sie tun würde, außer aus Notwendigkeit oder um der Ehre willen. Das ist der Augenblick, wo die Institution einen Menschen hält.
Chesterton
Bei allen Dingen muss man das Ende bedenken.
fr] En toute chose il faut considérer la fin.
Bei allen Gottes Heiligen schwören.
Bei allen guten Menschen kann man darauf rechnen, daß sie eine aristokratische Natur haben. Die Demokratie ist eine richtige politische Überzeugung wenn sie aber Naturanlage ist, nicht vorteilhaft. Hilty, Glück
bei allen Heiligen (o. hoch und heilig o. hoch und teuer) schwören
en] to swear by all the saints (o. by all that's holy)
fr] jurer ses grands dieux
it] giurare solennemente
Bei allen heiligen Engeln, bei allen Bildern der Seligkeit, die sich ein reines gutmütiges Herz erschafft, es ist nichts Himmlischeres als ein weibliches Wesen, das sich dem geliebten Manne hingibt.
Goethe, Lehrjahre IV,20
Bei allen Heiligen schwören.
Bei allen Reformen und Erfindungen muss sich der-Mensch ständig auf dem Niveau des erreichten Fortschritts befinden.
Elsa Triolet, Das rote Pferd
Bei allen scheinbaren Rückschritten müssen Menschheit und Wissenschaft immer vorschreiten, und wenn beide sich zuletzt auch wieder in sich selbst abschließen sollten.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre . Einleitung
Bei allen Streitigkeiten kommt am Ende doch nichts weiter heraus, als dass sich zwei entgegengesetzte, nicht zu vereinigende Vorstellungsarten recht deutlich aussprechen und jeder auf der seinigen nur desto fester und strenger beharrt.
Goethe, An K. C. v. Leonhard, 12.10.1807
Bei allen Teufelsfesten
Wirkt der Parteihass doch am besten.
Goethe, Faust, II, 4 (Mephisto)
Bei allen Tieren ist das Weibchen besser, nur nicht beim Menschen. Beduinisch
Bei allen Wahlen kommt es zuletzt zu einem Wettstreit der vorteilhaftesten Fotos. Man rutscht ins Schaugeschäft ab. Graff
Bei aller Pflege, die man ihm angedeihen lässt, sollen die Schenkel eines guten Pferdes nie fett werden.
Bei allzu großer Freude gehe auf den Friedhof, und ist dein Herz übervoll an Leid und Kummer, so gehe auch dorthin. Armenien
Bei allzu langem Nachdenken kommt man nicht auf den richtigen Gedanken.
Bei altem Geld und schönen Frauen kann man gut die Welt beschauen.
ho] Oud geld en jouge vrouwen, wilt gie vrij in 't duister houën.
Bei alten Geschichten mischt man die Karten neu.
sp] A cuentas viejas, barajas nuevas.
Bei alten Leuten ist es das ganze Jahr Winter.
Bei alten Münzen zweifelt niemand.
i] Nur bei neuen entsteht die Frage, ob echt oder falsch. Das Neue unterliegt der Untersuchung, das Alte wird (leider!) ungeprüft angenommen, weil man bei diesem voraussetzt, dass die Prüfung früher erfolgt sei.
Bei Alten suche Rat, bei Jungen Tat.
Bei Alten wird man gut gehalten. (Trostgrund für Junge beim Freien und Dienen)
Bei Altmond fällt man den Laubbaum, bei Neumond den Nadelbaum. Estland
Bei Altmond hören die Hagestolze nicht und bei Neumond sehen sie nicht. Estland
Bei Altmond pflanzt man Nadelbäume und bei Neumond Laubbäume. Estland
Bei Altmond vor oder nach der Michaelswoche wird Kohl gehackt, denn die Michaelswoche ist eine harte, eiserne Woche. Estland
Bei anderer Leute Feuer kann man sich auch wärmen.
Bei Anwendung deiner Grundsätze musst du dem Ringer, nicht dem Zweikämpfer ähnlich sein. Dieser wird nämlich niedergestochen, sobald ihm sein Schwert abhanden kommt, jenem aber steht seine Faust immer zu Gebote, und er bedarf weiter nichts, als sie zu ballen. Marc Aurel, Selbstbetrachtungen
Bei Arbeit und bei Bärenhatz hat Frau Venus keinen Platz.
Bei arger List ist nit allzeit gut Glück.
sd] List får sällan treffnad.
Bei armen Leuten wärmt man sich nicht.
la] Cubans cum inope friget.
Bei Astrachan kommt ein Schwimmer wohl über die Wolga, aber nicht über den Kaspischen See. Russland
Bei aufgespannten Segeln ist gut rudern.
Bei Ausbreitung der Technik hat man keine Sorge, sie hebt nach und nach die Menschheit über sich selbst und bereitet der höchsten Vernunft, dem reinsten Willen höchst zusagende Organe.
Goethe, Wanderjahre I, 1.Bd., Einzelschemata
Bei australischen Völkern besteht die Abwehr der Toten darin, daß mit der Leiche eine ziemlich lange Zeit, oft stundenlang, im Kreise herum und kreuz und quer im Busche gelaufen wird, auf daß der Tote die Orientierung verliert und den Heimweg nicht mehr zu finden imstande ist.
Bei Bären und Toren ist mancher Schlag verloren.
dä] At slaae biørnen med riis.
Bei Beginn des Jünglingsalters, zu einer Zeit, wo unsere Einsicht noch so schwach ist, da entscheidet sich jeder für den bestimmten Beruf, zu dem er die größte Neigung hat. So kommt es, daß die meisten bereits an eine bestimmte Berufs- und Lebensbahn gefesselt sind, ehe sie noch zu beurteilen vermögen, was für sie das Beste sein würde. Cicero, Drei Bücher von den Pflichten
Bei beiden Geschlechtern hängt davon, wie man die Jugend angewandt hat, das Schicksal des hohen Alters ab; das wird bei den Frauen schon früher wahr... Eine fünfundvierzigjährige Frau gewinnt nur Bedeutung durch ihre Kinder oder ihren Liebhaber. Stendhal, Über die Liebe
Bei beiden Geschlechtern ist das Schicksal des hohen Alters davon abhängig, wie man seine Jugend angewandt hat, das bewahrheitet sich vor allem bei den Frauen (...), mit zwanzig Jahren schmeichelt man ihr, wenn sie vierzig ist, kümmert sich kein Mensch mehr um sie.
Stendhal, Über die Liebe
Bei bekümmertem Herzen ist übel scherzen.
Bei Beleidigung ist die Absicht, ein Übel zuzufügen. Ein Übel aber kann die Weisheit nicht treffen. Für sie gibt's nur ein Übel, die Schande, diese aber kann da nicht Zutritt gewinnen, wo Tugend und Ehre schon sind: Beleidigung reicht also nicht an den Weisen heran. Wenn empfangene Beleidigung ein Erleiden irgendeines Übels ist, der Weise aber kein Übel erleiden kann so erreicht den Weisen keine Beleidigung. Seneca, Von der Stärke des Weisen
Bei berauschenden Getränken bezeichnet unsere Sprache den von der Natur verhängten Zustand unfreiwilliger Buße für das Übermaß in dem Gebrauch derselben als Katzenjammer, beim Verkehr nennt man ihn eine «Handelskrise»; in neuester Zeit ist dafür der Ausdruck «Krach» üblich geworden. Der Krach ist der durch übermäßige Kreditausnutzung bewirkte ökonomische Katzenjammer - der Schwindel spielt bei beiden eine große Rolle. Ihering, Der Zweck im Recht
Bei bestimmten Geistern muss man verweilen und sich von ihnen durchdringen lassen, wenn du etwas gewinnen willst, was in der Seele zuverlässig Platz finden soll.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe an Lucilius
Bei beten und Arbeit schwindet (o. wird kurz) die Zeit.
la] Nunc lege, nunc ora, nunc cum fervore labora.
la] Sic erit hora brevis, sic labor ipse levis.
Bei Betrachtung der Bilder muss man vorerst fragen, was wollte der Künstler mit diesem Bilde sagen? Man muss die Idee des Künstlers sich eigen zu machen streben.
Goethe, J. S. Grüner, 22.8.1822
Bei Betrachtung der Natur ins großen wie im kleinen habe ich unausgesetzt die Frage gestellt: Ist es der Gegenstand oder bist du es, der sich hier ausspricht? Und in diesem Sinne betrachtete ich auch Vorgänger und Mitarbeiter.
Goethe, Maximen und Reflexionen 593
Bei betrunkenem Kopf kommt das wahre Wesen des Menschen zum Vorschein. Estland
Bei Biedermanns Treu zu sagen.
la] Fide bona polliceri.
Bei Bielefeld macht man beim Abschneiden ein Kreuz, um das Brot gegen Hexerei zu schützen.
Bei Bienen und Schaf ist man schnell an und schnell af (ab). Eifel
Bei Blinden, Mönchen und alten Tanten werden aus Mücken Elefanten.
sp] En mujeres, ciegos y frailes los mosquitos son elefantes.
Bei Bohun ist es alles eins, ist's kein Fuchs, so ist's ein Hund. Polen
pl] Jak Bohun cilkom zwiraka, Koly ne lys, to sobaka.
Bei Bornierten und geistig Dunkeln findet sich der Dünkel; bei geistig Klaren und Hochbegabten aber findet er sich nie. Bei solchen findet sich höchstens ein freudiges Gefühl ihrer Kraft; da aber diese Kraft wirklich ist, so ist dieses Gefühl alles andre, aber kein Dünkel. Eckermann, Gespräche mit Goethe, 5.4.1830
Bei bösem Spiel muss man ein gut Gesicht machen.
ho] Bij een slecht spel een goed gezigt zetten.
Bei bösen (zornigen, heftigen) Herren ist viel zu lernen.
bm] Kdo s pány pobývá, v rozum prospívá.
ho] Bij moeijelijke heeren valt veel te leeren.
Bei Bösen wird man böse.
z] Bei den bösen wirt man böss.
Bei Branntwein und Frauen soll man nicht glotzenbleiben. Estland
Bei Braten, Kuchen und Wein ist gut fröhlich sein.
Bei Brot ist gut wandern.
Bei Brot und Festen beruhigt sich das Volk am besten.
it] Pane e feste tengon il popol quieto.
Bei Brot und Wein kann man fröhlich sein.
Bei Buckligen muss man nicht von Höckern reden.
z] Du kannst »nackt« sagen vor dem Geraden, aber sprich das Wort nicht aus vor Buckligen.
Bei Butz und Stengel (noch aufessen). (Mit Haut und Haar)
Bei Buzen und Stil, rubis und stubis.
Bei Calderon dagegen ist dem Zuschauer, dessen Wahl und Wollen nichts überlassen, wir empfangen abgezogenen, höchst rektifizierten Weingeist, mit manchen Spezereien geschärft, mit Süßigkeiten gemildert, wir müssen den Trank einnehmen wie er ist, als schmackhaftes, köstliches Reizmittel, oder ihn abweisen.
Goethe, Schriften zur Literatur - Calderons Tocher der Luft
Bei Calderon finden Sie dieselbe theatralische Vollkommenheit [wie bei Molière], Seine Stücke sind durchaus bretterrecht,es ist in ihnen kein Zug,der nicht für die beabsichtigte Wirkung kalkuliert wäre. Calderon ist dasjenige Genie, was zugleich den größten Verstand hatte.
Goethe, Eckermann, 26.7.1826
Bei daam mues ma emaûl auskehre. Ulm
Bei dam is Huppe und Malz verturben. Schlesien
Bei dam is Lôb und Groas verturben.
hdt] Bei dem ist Laub und Gras verdorben. Schlesien
Bei Daraus hört das Vaterunser auf.
i] Daraus liegt am östlichen Ende der alten Sachsenkolonie, dort hört das sächsische Vaterunser auf.
Bei de fenster sind. (Weder kalt noch warm)
Bei de Hand sîn, wie ennen alden Schlof (Pantoffel)
o. Schundsborschel (Schuhbürste). Meurs
Bei de Loiten hengt der Himmel vuller Geegen. Schlesien
z] Der Himmel hängt zwar nicht tagtäglich voller Geigen, doch kommt man dann und wann an den vergnügten Reigen.
Bei de Reiche lernt mr's Spara, bei de Arme 's Kocha.
Bei deinem Freund siehst du den Splitter im Auge, bei dir selber spürst du den Balken nicht.
Bei deinem Trunk gedenk' des Sprüchleins stündlich: Eins nach dem anderen, aber gründlich!
Bei deinen Handlungen überlasse die Entscheidung nicht der Leidenschaft, sondern dem Verstande.
Epicharmos, Fragmente
Bei deiner Kuh hast du Fried' und Ruh.
i] Segen der Häuslichkeit, der Zurückgezogenheit.
Bei dem Braten sagt er: 'Drauf, drauf!' aber beim Essig: 'Meine Zähne vertragen es nicht.' (Von denen, die das Gute und Angenehme gern haben, aber sich sträuben, wo es Widerwärtiges zu ertragen gilt)
Bei dem brennt ein Licht, wenn's bei andern dunkel ist.
i] Er sieht schärfer als viele andere. Auch wohl ironisch.
Bei dem brennt's gleich an allen Ecken.
Bei dem ehrbaren Geschäft der Ehe ist der Geschlechtstrieb in der Regel nicht so munter, da ist er trüber und stumpfer.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais
Bei dem ewigen Beweisen und Folgern verlernt das Herz fast zu fühlen, und doch wohnt das Glück nur im Herzen, nur im Gefühl, nur im Kopfe, nicht im Verstande.
Heinrich von Kleist, Briefe an Ulrike von Kleist, 12. November 1799
Bei dem fährt mehr in den Ecken umher, als bei anderen in Schränken liegt. (Von einem, der sehr reich ist)
ndt] Do steckt e Neschires. Jüdisch-deutsch (Verdorben aus aschiruth, der Reichtum)
Bei dem Feuer kann man kein Nießmus braten. (Bei dem Feuer ist nichts Genießbares zu bereiten, entweder weil es zu klein oder zu übelriechend ist)
Bei dem Freunde halte still, der dich nur, nicht das Deine will.
Bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge kann ganz Europa binnen zehn Jahren kosakisch oder ganz republikanisch sein. Napoleon I., zu Las Casas (8.4.1816)
Bei dem Geringen ist Ruhe.
Bei dem gilt hundert für eins. Trier
Bei dem hält keine Laus mehr. Nürtingen
i] Er ist so verkommen, dass selbst das Ungeziefer ihn flieht.
Bei dem heisst es auch: Wie du kommst, so gehst du.
i] Leicht gewonnen, leicht zerronnen. Hat auch die Bedeutung: aus der Hand in den Mund leben.
Bei dem heißt's auch: was ich hergeb', hab' ich nimmer. Nürtingen
Bei dem Herrn Schulzen richtet man mehr aus als beim Schulzen.
i] Nur ja nicht zu wenig Ehre geben. Wenn man was erreichen will, soll man es an höflicher Ehrerbietung nicht fehlen lassen.
Bei dem Herrn, unserm Gott, ist kein Unrecht, noch Ansehen der Person, noch Annehmen des Geschenks. 2. Chronik, K. 19, V. 7
Bei dem Heuchelstab gewinnet man Ehre, gunst vnnd hab.
Bei dem hilft kein Reden, der sich nicht will lassen überreden.
Bei dem hilft kein wohlreden, der sich nicht will lassen überreden.
Bei dem hoat aach die Windel nit gerauscht.
i] Er ist arm geboren. Seine Windel war nicht von feiner, rauschender Leinwand.
Bei dem is alles Mines.
i] Verstellung (minoth).
Bei dem ist auch schon eine Schraube los (o. locker).
i] Es ist in seinem Kopfe nicht mehr ganz richtig.
Bei dem ist jedes Wort verloren.
Bei dem ist's auf Spitz' und Knopf. Ulm (Es ist auf einem Entscheidungspunkte)
Bei dem ist's im oberen Stock (o. Oberstübchen) nicht richtig.
Bei dem ist's im Oberstüble nicht sauber. Ulm
Bei dem kann man 's Geld im Simri messen. Nürtingen
Bei dem kann man sich 's Maul aufreden.
Bei dem kein Joachimsthaler gilt.
i] Bei Gott, der unbestechlich ist.
z] Vnd denck nur an denselben Bzaler, bey welchem gilt kein Joachims Thaler, sondern gibt viel anderen schatz, der kein ross, schab, noch mauss, noch ratz verzeren mag.
Bei dem Kinderwerk stehet die Welt.
Bei dem kleinsten aber und bei dem größten Glücke ist immer eins wodurch Glück zum Glücke wird: das Vergessenkönnen oder, gelehrter ausgedrückt, das Vermögen, während seiner Dauer unhistorisch zu empfinden. Wer sich nicht auf der Schwelle des Augenblicks, alle Vergangenheiten vergessend, niederlassen kann, wer nicht auf einem Punkte wie eine Siegesgöttin ohne Schwindel und Furcht zu stehen vermag, der wird nie wissen, was Glück ist, und noch schlimmer: er wird nie etwas tun, was andre glücklich macht. Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen