Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
C

und oder

C. M. B. (die Namen der hl. Dreikönige) über der Tür.

Caesar diesseits des Rubicon.
la] Caesar citra Rubiconem.

Caesars Leben ist nicht lehrreicher für uns als unser eigenes Leben.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Calderon de la Barca, Pedro] Auch Goethe bewundert mehr das wollüstige Farbenspiel, als die Charakteristik Calderons, in der er weit unter Shakespeare stehe. In den Intrigenstücken sei er besonders Meister, und hier müsse der Deutsche noch recht bei ihm in die Schule gehn.
H. Voß, 25.9./9.10.1814

Calderon de la Barca, Pedro] Auf jedem Jahrmarkt getraue ich mir, auf Bohlen über Fässer geschichtet, mit Calderons Stücken, mutatis mutandis, der gebildeten und ungebildeten Masse das höchste Vergnügen zu machen.
Goethe, An H. v. Kleist, 1.2.1808

Calderon de la Barca, Pedro] Bei Calderon dagegen ist dem Zuschauer, dessen Wahl und Wollen nichts überlassen, wir empfangen abgezogenen, höchst rektifizierten Weingeist, mit manchen Spezereien geschärft, mit Süßigkeiten gemildert, wir müssen den Trank einnehmen wie er ist, als schmackhaftes, köstliches Reizmittel, oder ihn abweisen.<br>Goethe, Schriften zur Literatur - Calderons Tocher der Luft

Calderon de la Barca, Pedro] Bei Calderon finden Sie dieselbe theatralische Vollkommenheit [wie bei Molière], Seine Stücke sind durchaus bretterrecht,es ist in ihnen kein Zug,der nicht für die beabsichtigte Wirkung kalkuliert wäre. Calderon ist dasjenige Genie, was zugleich den größten Verstand hatte.<br>Goethe, Eckermann, 26.7.1826

Calderon de la Barca, Pedro] Dass mein Aufenthalt im Orient mir den trefflichen Calderon, der seine arabische Bildung nicht verleugnet, nur noch werter macht, wie man edle Stammväter in würdigen Enkeln gern wieder findet und bewundert.
Goethe, An J. D. Gries, 29.3.1816

Calderon, «Der standhafte Prinz»] Man wird, wie bei den vorigen Stücken, aus mancherlei Ursachen im Genuss des einzelnen, besonders beim ersten Lesen, gestört, wenn man aber durch ist und die Idee sich wie ein Phönix aus den Flammen vor den Augen des Geistes emporhebt, so glaubt man nichts Vortrefflicheres gelesen zu haben [...]+ wenn die Poesie ganz von der Welt verloren ginge, so könnte man sie aus diesem Stück wieder herstellen.
Goethe, An Schiller, 28.1.1804

Calderon, «Die Tochter der Luft»] Und gewiss, wenn irgendein Verlauf menschlicher Torheiten hohen Stils über Theaterbretter hervorgeführt werden sollte, so möchte genanntes Drama wohl den Preis davontragen.
Goethe, Schriften zur Literatur - Calderons Tochter der Luft

Camisa ist zu gut, um unverständig, und zu schlecht, um verständig genannt zu werden. Zentralamerika (Die Camisa ist ein Damenhemd von äußerst feiner Gaze, das nur bis zu den Hüften reicht)

Caput is kein Kamsol.

Caracho, Beine los. Angerburg

Carlyle, Thomas] An Carlyle ist es bewundernswürdig, dass er bei Beurteilung unserer deutschen Schriftsteller besonders den geistigen und sittlichen Kern, als das eigentlich Wirksame, im Auge hat. Carlyle ist eine moralische Macht von großer Bedeutung. Es ist in ihm viel Zukunft vorhanden, und es ist gar nicht abzusehen, was er alles leisten und wirken wird.
Goethe, Eckermann, 25.7.1827

Carnem in carnarium meum, sprach die Frau, dass der Mann ihr beiwohne.

Carpe Diem - Nutze den Tag! Horaz

Cartesianisch: abgeleitet von Descartes, einem berühmten Philosophen, dem Autor des gefeierten Satzes Cogito ergo sum - mit ihm, so nahm er befriedigt an, habe er die Wirklichkeit der menschlichen Existenz bewiesen. Der Satz mußte jedoch folgendermaßen verbessert werden: Cogito cogito ergo cogito sum - 'Ich denke, dass ich denke, also denke ich, dass ich hin': die größte Annäherung an die Gewissheit, die je einem Philosophen gelungen ist.
Bierce

Casanova sprach lächelnd zu seinen Gästen:
Mit den Frauen ist es, ich hoffe, ihr wisst es,
wie mit den Äpfeln rings an den Ästen.
Die schönsten schmecken nicht immer am besten.
Erich Kästner, Kurz und bündig. Epigramme

Cascina, Pontedera und Vico, früher oft bewährt, sind jetzt drei Flecken und kein Deut mehr wert.
i] Sie liegen im Pisaner Gebiet und wurden in den Kämpfen der Florentiner und Lucchesen oft belagert, sind aber jetzt ohne Bedeutung.
it] Cascina, Pontedera e Vico son tre paesi che vagliono un fico.

Caseus und caepe, die kommen ad prandia saepe.

Caseus und panis sind köstliche fercula sanis.

Castrogiovanni, die Unüberwindliche.
i] Castro-Giovanni l' insuperabile. Ist auf einem steilen Kalkfelsen erbaut. Wegen ihrer Lage fast inmitten der Insel wird sie auch umbilicus Siciliae, Nabel Siciliens genannt.

Catania, die Berühmte, die Schöne.
i] Catania illustre, la bella. Sie ist die schönste und freundlichste Stadt Siciliens, hatte früher einen Hafen, der 1698 durch Lavaströme verschüttet wurde.

Catholisch Muss Bleiben.
i] In der Niederlausitz liest man die Buchstaben CMB (Caspar, Melchior, Balthasar), welche zu Grossneujahr (6.1.) vom Geistlichen an die Türen der Katholiken geschrieben werden, in dieser Weise.

Catilinarische Existenzen.
i] Diese Redensart datiert aus dem Jahre 1863 und wird dem preussischen Ministerpräsidenten von Bismarck zugeschrieben. Dr. Büchmann zählt sie zu den »geflügelten Worten«, über welche er am 11. Februar 1863 im königlichen Schauspielhause zu Berlin eine Vorlesung hielt. Er brachte Beispiele davon aus der alten und neuen Geschichte, mit Cäsar's »Veni, vidi, vici« und »Jacta est alea« beginnend. Auf die neueste Zeit übergehend, führte er die längst sprichwörtlich gewordenen Aussprüche Manteuffel's: »Der Starke weicht ruhig zurück«, des Grafen Brandenburg dreifaches: »Niemals, niemals, niemals!«, des jetzigen preussischen Kriegsministers von Roon: »Angenehme Temperatur« und von Bismarck's »Blut und Eisen«, wie dessen »Catilinarische Existenzen« an. (Schles. Morgenblatt, Breslau 1864, Nr. 43.) Hierzu möchten der grössern Vollständigkeit wegen noch kommen des Grafen Schulenburg- Kehnert 1806 in Berlin gesprochenes Wort: »Ruhe ist die erste Bürgerpflicht«, von Kamptz': »Burschenschaft ist: Burschen, schafft!«, von Rochow's: »Der Untertanenverstand ist beschränkt«, von Savigny's: »Die Gegenwart hat keinen Beruf zur Gesetzgebung«, Hansemann's: »In Geldsachen hört die Gemüthlichkeit auf«, Kühlwetter's (1849 bei Errichtung des Constablerinstituts ausgesprochenes): »Der beste Staat ist der, welcher die meiste Polizei hat«, und von Stahl's: »Die Wissenschaft muss umkehren.« Auch das Rezept: »Gegen Demokraten helfen nur Soldaten.«

Cato ward in seinem Alter gerichtlich angeklagt, da er denn in seiner Verteidigungsrede hauptsächlich hervorhob, man könne sich vor niemand verteidigen als vor denen, mit denen man gelebt habe. Und er hat vollkommen recht.
Maximen und Reflexionen 399

Cato wollte lieber gut sein als seinen.
la] Cato esse, quam videri, bonus malebat.
Sallus, Catilina

Cato wollte wohl andere strafen,
Selbander mocht er gerne schlafen.
Goethe, Zahme Xenien IV

Cato, Marcus Porcius] Cato wollte wohl andere strafen,
Selbander mocht er gerne schlafen.
Goethe, Zahme Xenien IV

Caute! die Bauern verstehen auch Latein.

Caute, caute, ihr Gesellen, der Wirt versteht auch Latein.

Cefalu die Reizende.
it] Cefalu la graziosa.
i] Eine Stadt Siziliens in entzückender Lage an einer Bucht des Tirrhenischen Meeres.

Cette fille a pris roman par la queue. (Sie hat den Roman am Ende angefangen)

Cha me d' Aehri nüme zelle, so lid's Chorn i siebe Woche uf der Selle (= Schwelle, Türselle = Türschwelle). Luzern

Chalt Händ, früsch Herz. Luzern

Champagner unter den Ungar gießen.
i] Wenn man den Wein nicht mit Wasser, sondern mit einem anderen, womöglich noch stärkern Wein mischt.

Chancengleichheit bedeutet Gelegenheit zum Nachweis ungleicher Talente.
Sir Herbert Samuel

Chaos und Anarchie sind nur handelnd zu bezwingen.
Becher, Vorwort zu 'Brennende Ruhr' von Karl Grünberg

Chapp dich un (ans, in) der fauler Wand.
i] Chappen, polnisch chapać = haschen, greifen. Zur Abwehr einer ungerechten Beschuldigung, falschen Anklage. Um zu sagen: Was willst du von mir? Vergreife dich doch lieber an der Wand.

Charakter hat derjenige, der in den bestimmten Kreisen einer bestimmten Lebensanschauung lebt und waltet, sich gleichsam mit derselben identifiziert und nie in Widerspruch gerät mit seinem Denken und Fühlen.
Heine, Ludwig Börne

Charakter im großen und kleinen ist, dass der Mensch demjenigen eine stete Folge gibt, dessen er sich fähig fühlt.
Goethe, Maximen und Reßexionen 839

Charakter ist also Eigenschaft und Gewohnheit zugleich, jenes a priori angesehen, dieses a posteriori.
Goethe, Riemer, 27.8.1808

Charakter ist das, was man hat, wenn keiner zuschaut.
Siegfried Lowitz

Charakter ist der Inbegriff des bewussten und unbewussten Willens.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes.

Charakter ist nur Eigensinn. Es lebe die Zigeunerin.
Paul Scheerbart

Charakter ist viel leichter zu erhalten als wiederherzustellen. England

Charakter nennt man die Gebundenheit der Ansichten, durch Gewöhnung zum Instinkt geworden.
Nietzsche

Charakter polierter Nationen! werft die Münze in den Tiegel, wenn ihr ihren Gehalt wissen wollt, unter dem Gepräge fndet ihr ihn in Ewigkeit nicht. So bald eine Nation poliert ist, so bald hat sie konventionelle Wege, zu denken, zu handeln, zu empfinden, so bald hört sie auf, Charakter zu haben.
Goethe, Schriften zur Literatur - Charakteristik der vornehmsten europäischen Nationen

Charakter wird durch Wohlstand verdorben. Eskimo

Charakter, Individualität, Neigung, Richtung, Örtlichkeit, Umgebungen und Gewohnheiten bilden zusammen ein Ganzes, in welchem jeder Mensch, wie in einem Elemente, in einer Atmosphäre, schwimmt, worin es ihm allein bequem und behaglich ist.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,17

Charakter: die Summe der Tendenzen, in einer bestimmten Weise zu handeln.
Thomas Henry Huxley

Charaktere machen oft die Schwäche zum Gesetz.
Goethe, Maximen und Reßexionen 342

Charaktere müssen im Lustspiel sein,
Nicht bloßer Witz, wie keck er sprühe.
Tu ein Stück Fleisch in den Topf hinein;
Das Salz allein gibt schlechte Brühe.
Heyse, Spruchbüchlein, Theater

Charaktere ohne Handlung sind lahm, Handlungen ohne Charaktere blind.
Hofmannsthal

Charakterfestigkeit besitzen heißt, den Einfluss der anderen auf sich selbst erprobt haben. Also bedarf es der anderen.
Stendhal

Charakterfestigkeit heißt, die Wirkung der andern auf sich selbst erprobt haben, also sind dazu die andern nötig. Stendhal, Über die Liebe

Charakteristisch für den gegenwärtigen Augenblick ist es jedoch, daß die gewöhnliche Seele sich über ihre Gewöhnlichkeit klar ist, aber die Unverfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall durchzusetzen. Ortega y Gasset, Aufstand der Massen, Die Tatsache der Überfüllung

Charakteristisch für die Gedankenlosigkeit ist die Unfähigkeit, in Zusammenhängen denken zu können.
Johannes R. Becher, Auf andere Art so große Hoffnung

Charakterlosigkeit ist ein Mythos, den biedere Individuen geschaffen haben, um damit die Faszinationskraft anderer Leute erklären zu können.
Oscar Wilde

Charakterologisch gesehen, stellen folglich alle Idealisten einen tätigen, willenhaften, sich selbst bestimmenden, innerlich freien Menschentypus dar - im Gegensatze zu den passiven oder doch passiveren der Realisten, welcher in extremen Fällen bis zur völligen Schlappheit und knechtischen Nachgiebigkilt an die Dinge herabsinkt. Darum ist er (der Idealist) nicht käuflich im Bereiche seiner geistigen Existenz und lässt hier in keiner Weise «mit sich handeln», weder im psychologischen noch ökonomischen Sinne des Wortes. J. M. Verweyen, Der Edelmensch

Charakterschwäche und geistige Leere, mit einem Wort alles, was uns hindert, mit uns selbst allein zu sein, bewahrt viele Menschen vor dem Menschenhass.
Chamfort, Maximen und Gedanken

Charaktervoll erscheint ein Mensch weit häufiger, weil er immer seinem Temperament, als weil er immer seinen Prinzipien folgt. Nietzsche, Menschl. Allzumenschl.

Charme ist das, was in anderen ist und das uns zufriedener macht mit uns selbst. Amiel

Charme ist das, was manche Leute haben, bis sie beginnen, sich darauf zu verlassen.
Simone de Beauvoir

Charme ist der unsichtbare Teil der Schönheit, ohne den niemand wirklich schön sein kann.
Sophia Loren

Charme ist die Fähigkeit, den anderen vergessen zu lassen, dass man so aussieht, wie man aussieht.
Jean-Paul Belmondo

Charme ist eine besondere Qualität, die jeder Beschreibung trotzt. Lunt

Charme wächst, wie die Perle, aus einer kleinen Wunde, die sich langsam schließt.
Lilli Palmer

Charme: die Art, wie ein Mensch «ja» sagt, ohne dass ihm eine bestimmte Frage gestellt worden war.
Albert Camus

Chaser über is treipfe.
i] Wortspiel mit Chaser = Schwein, und dem Zeitwort: überchasern, wiederholen, ähnlich wie: ochsen, büffeln, eseln.

Chasonim sind Narronim. Jüd.-deutsch
i] Der Chassen muss ein Narr sein. Chasonim = Mehrzahl von Chassen, Narronim, von Narr, des Reims wegen mit hebräischer Biegung.

Chast nu Täller säge, so git's no e Warst derzue.

Chatzeliebi foot mit Schnoren aa und hört mit Chratzen uuf. Schwiizertütsch

Chäuf (Kauf) und Läuf göh verschide. Solothurn (Im Handel geht es nicht immer gleich)

Chaufwi (Kaufwein), Bottwi – thüre Wi. Hauenstein

Chaussee und Vollgesöff sind Herr.

Cheen geht über Schön. Jüd.-deutsch (Anmut geht über Schönheit)

Chefideologe: Architekt, entwirft immer neue Luftschlösser für Millionen Landsleute und nimmt selber mit bescheidener Datscha vorlieb.
Ron Kritzfeld

Chefs haben immer schlechte Manieren.
Francis M. de Picabia, Aphorismen

Chelbene gehört nach darunter. Jüd.- deutsch
i] Nämlich Galbaum (2 Mos. 30, 34), ein stark und widrig riechendes Gummi Syriens, das auch unter das Räucherwerk im Tempel getan wurde, um anzudeuten, dass unter den Frommen auch der Sünder geduldet werden müsse.

Chelmer Narrunim (Narren). Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Die Stadt Chelm in Polen steht wegen ihrer Einwohner in einem ähnlichen Rufe wie Schilda, Schöppenstädt, Polkwitz u.a. in Deutschland. Es sind eine Menge ergötzlicher Anekdoten von ihnen im Umlauf, die den Abderitenstreichen und schildaer Stücklein an die Seite gestellt werden können. Unter andern sollen sie den Ofen in der Synagoge dadurch vor dem Wegstehlen geschützt haben, dass sie folgende Inschrift anbringen ließen: »Dieser Ofen gehört in die Synagoge zu Chelm.«

Chemie ist Natur zu herabgesetzten Preisen.
Jürgen v. Manger

Cherubim = Hes 28,12.14

Chi no pol bater el caval, bate la sela. Welschtirol
fr] Qui ne peut battre le cheval batte la salle
ho] Die het paard niet slaan kan sla den zaeel.

China und Japan hatte ich vor einem Jahre [in der Lektüre]+ fleißig durchreist und mich mit jenem Riesenstaat ziemlich bekannt gemacht.
Goethe, An Ch. H. Schlosser, 23.1.1815

Chind erzühe ischt au gwerchet. Schwiizertütsch

Chinesische Herrscher geben sich nicht mit Barbaren außerhalb der Großen Mauer ab. China

Chinesische, indische, ägyptische Altertümer sind immer nur Kuriositäten, es ist sehr wohl getan, sich und die Welt damit bekannt zu machen, zu sittlicher und ästhetischer Bildung aber werden sie uns wenig fruchten.
Goethe, Maximen und Reflexionen 763

Chirurgen machen stets einen guten Schnitt. Alexander Eilers

Chleini Lüt' (Leute), Teufelshüt'. Aargau

Chlîne Lüt (Leute) hett Gott erschaffen und die große Bengel wachse-n-im Wald.
i] Wortspiel mit Bengel = Knüttel und grober Mensch.

Chlini Ämtli bringe churzi Ehr u lange Chöste. Luzern

Chlini Beiji steche-n-au. Solothurn

Chlini Chind - chlis Leid,
grossi Chind - grosses Leid:
sy si chly, so trampe si eim uf d Füess;
sy si gross, so trampe si eim uf ds Härz. Schwiizertütsch

Chlîni Ding fröuwe d' Ching. Bern

Chlini Ross blibe lang Füli. Solothurn
i] Kleine Pferde haben lange ein jugendliches Ansehen, gilt auch von kleinen Menschen.

Chlîni Vögeli chönna d' Schnäbeli o wît ûftûe. Bern

Chlyni Beiji stächen au. Schwiizertütsch
hdt] Kleine Bienen stechen auch.

Chodowiecki ist ein sehr respektabler und wir sagen idealer Künstler. Seine guten Werke zeugen durchaus von Geist und Geschmack. Mehr Ideales war in dem Kreise, in dem er arbeitete, nicht zu fordern.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1131

Chojresch (Bestechung) macht kein Risches, Bosheit, Schlechtigkeit. Warschau jüdisch-deutsch

Chojsik Narr hot sein eigen Weib nit derkännt. Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Bezieht sich auf eine unbekannte Anekdote.

Chojsik Narr will aushüngern Chelm. Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Der jüdische Eulenspiegel Chojsik drohte einst, die Stadt Chelm auszuhungern, indem er sich vor das Stadttor hinstrecken wollte, um auf diese Weise der Stadt die Zufuhr von Lebensmitteln abzuschneiden.

Chömme d' Schneegäns im Herbst gly zue-n-is, so git's e früeche-n und sträng Winter, göh si aber im Früelig gly wider furt, so git's e früeche'n und warme Summer. Solothurn

Chordirigent
la] regens chori

Chorherren und Pfeiffern sol man gütlich thun, sie dienen dem beruf.

Chorherrisch leben.
i] Leichtfertig, schimpflich, epikuräisch.

Chosek hot den Taten nicht erkannt. Jüd.-deutsch, Brody (Chosek = Name eines jüdischen Eulenspiegels, Taten = Vater)
i] Die Redensart wird angewandt, wenn jemand eine ihm gehörende Sache nicht erkennt.

Chräit der Güggel (Hahn) vor Mitternacht, git's wüescht's, chräit er noh Mitternacht, git's schön's Wätter.

Chresdag (Christtag) an der Dühr, Ostern öm et Für.

Chresdag an der Dühr, Ostern öm et Für.

Chrisam: Gleitmittel ins Jenseits. Alexander Eilers

Chrisamskinder rührt kein Schinder.

Chrischan, lot de Katt de Fisch stahn. Pommern

Christ hat vns gefreit vor allem leid.

Christ ist ein gemein gut.

Christ, so du kannst ein Kind von ganzem Herzen werden,
So ist das Himmelreich schon deine hier auf Erden.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Christen an der König Höf sind Wildtprät.

Christen dürfen nur eine Frau heiraten. Man nennt das Monotonie.
Robert Lembke, Das Beste aus meinem Glashaus. Humoristisches und Satirisches

Christen haben ausswendig streit, inwendig furcht.

Christen haben ein Seel voll Gottes und einen Leib voll leidens.

Christen haben keine Nachbarn.

Christen haben keine Planeten sondern Gott allein zum Propheten.

Christen lassen Gott alles walten.

Christen seind dünn gesehwet.

Christen sind allenthalben in trübsal.

Christen sind dünn gesät.

Christen sind edle seulen der Welt.

Christen sind Kreuzträger.
la] Acerra philologica.

Christen sind nicht weideschaff, sondern schlachtschaff.

Christen sollen wenig Wort und viel That machen.

Christen und Könige sollen wissen, was sie glauben.

Christen werden nicht geboren, sondern wiedergeboren.
i] Man hat dieses Sprichwort, das sich auf Joh. 3, 3 bezieht, den Adelsbrief der Christen genannt.

Christen werden viermal geboren, durch die Mutter, durch die Taufe, durch die Bekehrung und durch den Tod.

Christenglaube gath uff steltzen.

Christengut hat sanften muth.

Christenleut sind auff Erden arme leut, aber in Gott die reichesten.

Christens Görgel, der Bock hat ein Auter (Euter). Rott-Thal (Ausruf bei etwas Seltsamem, Ungewöhnlichem)

Christenthumb erbet (vererbt sich) nicht.

Christentum ist (ein) ewiger Feiertag.

Christentum ist Platonismus fürs «Volk». Nietzsche, Jenseits von Gut u. Böse, Vorrede

Christentum muss man nicht so sehr den Arbeitern wie den nicht arbeitenden Herren predigen.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1906)

Christentum vererbt sich nicht.

Christentum, Revolution, Aufhebung der Sklaverei, gleiche Rechte, Philanthropie, Friedensliebe, Gerechtigkeit, Wahrheit: alle diese großen Worte haben nur Wert im Kampf, als Standarte: nicht als Realitäten, sondern als Prunkworte für etwas ganz anderes (ja Gegensätzliches!). Nietzsche, Wille zur Macht

Christi blut ist der Christen bestes gut.
dä] Christ er det navn, som lykke er til god havn.

Christi Bräute sollen nicht von Hosen träumen, predigte Pater Abraham den Nonnen in Wien.

Christi gnad und ehr verdorret falsche lehr.

Christi Himmelfahrt
la] ascensio Domini

Christi Kreuz muss Lästerer haben.

Christi Leben und Wandel sind eines Christen bester Katechismus.

Christi leiden allgemein erlöset gross und klein.

Christi leiden ist genug für alle, kompt aber wenigen zu gut.

Christi Lieb' macht auch seine Boten lieb.

Christi Passion ist unsere Religion.

Christi Ritter müssen leiden vil.

Christi Schifflein mag wol sincken, aber nicht versinken.

Christi schmerz, angst und leid ist unser aller freud.

Christi Triumph hilfft uns ins Himmelreich.

Christi verdienst ist vnser gewinnst.

Christi vnschuld decket unser schuld.

Christi wort ist fett und süss, aber es lest sich nicht leichtlich verdawen.

Christian (3. oder 12.4.) fängt zu säen an.

Christianos ad leonem! Tertullianus
dt] Werft die Christen den Löwen vor.

Christkindlein trägt die Sünden der Welt,
Sankt Christoph das Kind über Wasser hält,
Sie haben es beid uns angetan,
Es geht mit uns von vornen an.
Goethe, Sprichwörtlich

Christlich getauft sein macht keinen Christen, sondern christlich tun.

Christlich ist es, Sünde hassen, göttlich aber, Sünd' erlassen.

Christlich reden ist keine halsbrechende Arbeit (Tugend).
fr] Parler chrétien.

Christliche Mys tiker sollte es gar nicht geben, da die Religion selbst Mysterien darbietet. Auch gehen sie immer gleich ins Abstruse, in den Abgrund des Subjekts.
Goethe, Maximen und Reflexionen 338

Christliche oder Evangelische Freiheit ist die Freiheit des Gewissens, dadurch das Gewissen frei wird von Werken, nicht also, dass keine geschehen, sondern dass es sich auf keine verlässt. Luther, Lateinische Schriften

Christliche Treue ist Grund und Anfang aller guten Werke.
dä] Kristiliga tru vera grundvaull ok upphof allra godtverka.

Christlichen dienst soll man nit verkauften.

Christo gelobt man nichts mit schall, es sey dan fast verloren all.
la] Christo quando datur res, spes bona tuus tribulatur.

Christtag (24.12.) feucht und nass, gibt leere Speicher und Fass.

Christum erkennen ist der höchste schatz.
fr] Par argent obtient-on maintes choses caduques et le salut par la grâce en Jesus-Christ.

Christum lieb haben ist besser, denn alles Wissen.
fr] O combien qui en Christ croit est heureux.
la] Si Christum bene scis satis est, si cetera nescis.

Christum predigen ist gar ein schwer und gefährlich Amt; hätte ich's etwan gewußt, so wollt ich mich nimmermehr dazu hergegeben haben, sondern gesagt mit Mose: Sende, wen du willst! Luther, Deutsche Schriften

Christus bekehrt keine Hohepriester, wol aber ihre Jünger.

Christus bene coepta secundet. Erasmus
dt] Christus möge segnen, was gut begonnen ist.

Christus buss'n (küssen) wollen, und 'n Juden treffen. Oberösterreich
i] Eine jemandem zugedachte Gunst oder Ehre infolge eines Zufalls, eines Missverständnisses einer Person erweisen, der sie nicht bestimmt war. Von gläubigen Katholiken entlehnt, welche die Figur Christi oder irgend eines Heiligen aus Verehrung küssen.

Christus dachte einen alleinigen Gott, dem er alle die Eigenschaften beilegte, die er in sich selbst als Vollkommenheiten empfand. Er ward das Wesen seines eigenen schönen Innern, voll Güte und Liebe wie er selber.
Goethe, zu Eckermann, 28. Febr. 1831

Christus der recht Held ist sieghafft, wider den todt und all sein krafft.
la] Est pugilfortis, qui frangit uincula mortis.

Christus ein Gott vom Himmel kam,
Ein Mensch auf Erden wundersam,
Als Gott und Mensch, als Mensch und Gott,
Anbetung ward ihm, Schand und Spott,
Zuletzt zu unserer Seligkeit
Ging er durchs Grab zur Herrlichkeit.
Goethe, Invectiven

Christus est via, veritas et vita.
hdt] Christus ist der Weg (die Wahrheit, das Leben).

Christus hat den Juden nicht den Fuchsschwanz durchs Maul gezogen, sondern ihnen gestrelet mit der Hechel.

Christus hat dich allein erlöset, drum ruff jhn an, und sey getröst, gib ihm allein allzeit die ehr, du bedarffst sonst keine mutter mehr.
la] Sola diuina saluandus sum medicina.

Christus hat durch erstes Kommen
uns des Teufels Reich genommen.
Kommt er jetzt nicht bald hernieder,
kriegt der Teufel alles wieder.
Friedrich Logau, Sinngedichte, Die Zukunft Christi

Christus hat durch seine wunden vnsern schaden verbunden.

Christus hat gesagt: ich bin ein Hirt (o. Säemann, Weinstock), hätte er gesagt: ich bin ein Junker, wehe uns gemeinen Leuten.

Christus hat kein Glück auf Erden.

Christus hat Recht, uns auf die Kinder zu weisen, von ihnen kann man leben lernen und selig werden.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 22.9.1781

Christus hat viele Diener, aber wenig Nachfolger.

Christus in allem trübsal ist vnser bestes labsal.

Christus in Zachäi Haus war ein lieber Gast.

Christus ist der allgemeine Ablas Meister, der das Fegfewer aussgelescht.

Christus ist der Papisten Weisenberg, aber nicht Kronen Weisenberg.

Christus ist der rechte Hertzog in Oesterreich.

Christus ist der Welt Widerchrist. Sebastian Franck bei Zinkgref, Apophth.

Christus ist mein Leben und Sterben Gewinn.
la] Mihi enim vivere Christus est et mori lucrum.

Christus ist mein unmittelbarer, wie sie sagen, Bischof, Abt, Prior, Herr, Vater und Meister. Einen andern kenne ich nicht mehr. Luther, Lateinische Schriften

Christus ist nicht in der Kammer.

Christus ist nicht Steuermann, sondern Steuerknecht im römischen Schiff der guten Werke.

Christus ist sauer essens nit ungewohnt, und kan widerumb noch viel sauers kochen, wehe denen, die es essen müssen.

Christus ist um Geld verraten worden. Neugriechisch

Christus ist unbegreiflich, niemand kann ihn in diesem Leben auslernen, dass er recht verstünde, was und wer er wäre; denn er ist Gott. Luther, Deutsche Schriften

Christus ist uns schon viele Jahre vorausgegangen, deswegen muss man wol beritten sein, wenn man ihm folgen will, sagte der Abt, als ihn einer fragte, warum er reite, während sein Herr und Meister zu Fuße gegangen sei.

Christus ist unser Fleisch und wir sein Gebein.

Christus ist unsers lebens zielstatt, zweck und fürbild.

Christus konnte wol die Reichthümer verachten, er bedurfte ihrer nicht, hätte er aber alles kaufen müssen, er würde anders gesprochen haben.

Christus lässt wohl sinken, aber nicht ertrinken.

Christus leidet am meisten von den Gelehrten.

Christus möge segnen, was gut begonnen ist.
la] Christus bene coepta secundet.
Erasmus, Colloquia familiaria, Auspicanti quippiam

Christus muss wachsen, ich aber abnehmen, sagt Johannes.
i] So sagt man am Tage der Geburt Johannes, weil die Tage um diese Zeit abnehmen und Christi Geburt näher rückt.

Christus regiert, Christus überwindet, Christus triumphiert. Karl der Große bei Zinkgref, Apophth.

Christus segne dieses Haus.
la] C. M. B. (Christus mansionem benedicat bzw. Caspar, Melchior, Balthasar)

Christus und Belial lassen sich nicht vertragen.

Christus und der Belial stehen nimmer in einem Stall.

Christus verdient's, der Glaube begreift's, die Werke bezeugen's.

Christus war der Mensch, wie der Mensch eigentlich gedacht und geplant war. Er fiel aber unter die Menschen, wie sie nicht gedacht waren, und so scheiterte, menschlich gesehen, auch Christus, der Gottessohn.
August Everding, Vortrag im Kloster Andechs, 29. Mai 1988

Christus wäre nimmermehr bei Zachäo eingekehrt, wenn er nicht vom Maulbeerbaum herabgestiegen wäre. (Empfiehlt Bescheidenheit)

Christus wird noch täglich gekreuzigt.

Christus, da er Menschen ziehen wollte, musste er Mensch werden. Sollen wir Kinder ziehen, so müssen wir auch Kinder mit ihnen werden. Luther, Deutsche Schriften

Christus, vnser rüster, ist aller Christen muster.

Chromatische Betrachtung und Gleichnisse. Lieben und Hassen, Hoffen und Fürchten sind auch nur differente Zustände unseres trüben Inneren, durch welches der Geist entweder nach der Licht oder Schattenseite hinsieht. Blicken wir durch diese trübe organische Umgebung nach dem Lichte hin, so lieben und hoffen wir, blicken wir nach dem Finstern, so hassen und fürchten wir. Beide Seiten haben ihr Anziehendes und Reizendes, für manche Menschen sogar die traurige mehr als die heitere.
Goethe, Tagebuch, 25.5.1807

Chuder (Kauder) im Chopf hâ. (Närrisch, verrückt, verwirrt sein)
ho] Men weet wel, in welk gezelschap men is, als ratten en muizen koeterwaalsch spreken.

Chuma (kommen) n'i nid hütt, so chuma n'i de morn und vilicht gar üb'rmorn. Bern
i] Trostspruch der Faulen und Lahmen.

Churzi Haar sî glî b'bürstet. Bern

Churzi Predigt, langi Brootwürst. Schweiz

Churzi Ross und längi Rind, e rychi Frau und weni Chind, das hilft huse. Solothurn

Chutzpe (Dreistigkeit, Keckheit, Frechheit) muss mer habe' (wenn man im Leben fortkommen will). Jüdisch-deutsch

Chutzpe muss mer habe'.

Cis Rhenum scheide den Krieg.

Claudius, Matthias] Irrtum wolltest du bringen und Wahrheit, o Bote von Wandsbeck,
Wahrheit, sie war dir zu schwer, Irrtum, den brachtest du fort!
Goethe, Xenien 18 - Erreurs et vérité

Claus speiset mit worten.
la] Verba importat Hermodorus.

Clauss meint, es sei geritten, wenn er den Sattel auf'm Kopfe getragen.
i] Um einen einfältigen Menschen zu schildern.

Clemens, ich werde dein Weib - und zwar so bald wie möglich. Die Natur gebietet es.
Sophie Mereau, an Clemens Brentano, 28. Oktober 1803, Grund: Schwangerschaft

Co Komin, to Dunin.
i] Dem berühmten Peter Dunin soll die heilige Jungfrau versprochen haben, dass seine Nachkommenschaft sich in so viel Familien ausbreiten solle, als er Kirchen bauen werde; und deren soll er 77 erbaut haben.

Coellen (Köln) in Duyschlant, London in engelant, Parijs in vrankrych, Roma in Italien.
i] In der Köhlhof'schen Chronik von 1499, in der dieses Sprichwort vorkommt, wird Köln die »hochwürdige und heilige Stadt«, die »Metropolis und Hauptstadt vom ganzen deutschen Lande« genannt.

Cöllen (Köln) eine Kroin boven allen Städten schoin.
i] Altdeutscher Spruch, der sich unter dem Bilde auf dem silbernen Tafelaufsatz befindet, den 1858 die Stadt Köln dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preussen, jetzigem Kronprinz (1869), zum Hochzeitsgeschenk überreichte.

Columbus, Christoph] Ein merkwürdiges Beispiel, wie die Nachwelt irgendeinem Vorfahren die Ehre zu rauben geneigt ist, sehen wir an den Bemühungen, die man sich gab, Christoph Colomb die Ehre der Entdeckung der neuen Welt zu entreißen. Freilich hatte die Einbildungskraft den westlichen Ozean schon längst mit Inseln und Land bevölkert. [... Freilich waren die Nachrichten von Asien her schon weit herangerückt, Kühngesinnten und Wagehälsen genügte die Küstenschiffahrt nicht mehr, durch die glückliche Unternehmung der Portugiesen war die ganze Welt in Erregung, aber es gehörte dem doch zuletzt ein Mann dazu, der das alles zusammenfaßte, um Fabel und Nachricht, Wahn und Überlieferung in Wirklichkeit zu verwandeln.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Erfinden und Entdecken

Computer ersparen Vermutungen, Bikinis tun das auch.
Lothar Schmidt

Computer sind die logische Weiterentwicklung des Menschen: Intelligenz ohne Moral.
John Osborne

Computer sind Genieprothesen.
Dieter Hildebrandt

Computer sind nutzlos. Sie können nur Antworten geben.
Pablo Picasso

Concordia ist zu allen Dingen gut.

Corneille, Pierre] Corneille hat, wenn ich so sagen darf, große Menschen dargestellt, und Racine vornehme Personen.
Goethe, Lehrjahre III,17

Corneille, Pierre] Durch die despotische Unvernunft des Kardinal Richelieu war Corneille an sich selbst irre geworden.
Goethe, Maximen und Reflexionen 94

Corneille, Pierre] Eine tiefe innere Selbständigkeit ist der Grund aller seiner Charaktere, Stärke des Geistes in allen Situationen ist das Liebste, was er schildert.
Goethe, Theatralische Sendung II,2

Corneille, Pierre] Von Corneille ging eine Wirkung aus, die fähig war, Heldenseelen zu bilden. Das war etwas für Napoleon, der ein Heldenvolk nötig hatte, weshalb er denn von Corneille sagte, dass, wenn er noch lebte, er ihn zum Fürsten machen würde.
Goethe, Eckermann, 1.4.1827

Corporis Christi schön und klar guter Wein in diesem Jahr.

Cöslin darf eine Torheit tun, und darf sie auch bezahlen.
i] Zur Zeit der Reformation lebte dort ein katholischer Barbier, der eines Tages zu viel trank und sich zur Störung des Gottesdienstes mit einem Glase Branntwein in der Hand und einer quakenden Ente unter dem Arme in die Kirche hineindrängte. Darüber gerieten die Cösliner in solche Entrüstung, dass sie ihn in einen Sack näheten und lebendig ersäuften. Sie mussten wegen dieser Tat nicht allein 4000 Gulden bezahlen, sie erhielten auch den Namen Sacksöfers deshalb. Sie haben aber auch noch andere Spitznamen gehabt. So sagte man Horsa Cöslin, weil sie einmal gegen ihren Landesherrn Bogislaf X. zwar einen mutigen, aber unbesonnenen Angriff gemacht hatten. Man schimpfte sie dann auch wieder Musum Cöslin, oder Mus Cöslin, weil ihr Bürgermeister Heidenreich ihnen den Ratsschatz mausete und damit nach Lübeck entwich, der Lübecker Rat aber den Schatz mit Beschlag belegte und davon einen festen Turm baute, den man dort Musum Cöslin nannte.

Counsel is to be given by the wise, the remedy rich.
tü] Adam sözün adama eder.

Courag wie a Teufel, will sehn, wer mir was tut, sagte der Schwabe.

Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser. Ausdauer, das ist die Hauptsache.
Theodor Fontane, Der Stechlin

Courage schützt vor Blamage.

Courage, Kraut und Lot (Pulver und Blei) hilft manchem aus der Not.

Courage, verlass mich nicht, wenn's angeht, so entlauf' ich. Schwaben

Courier ist ein großes Naturtalent, das Züge von Byron hat, sowie von Beaumarchais und Diderot. Er hat von Byron die große Gegenwart aller Dinge, die ihm als Argument dienen, von Beaumarchais die große advokatische Gewandtheit, von Diderot das Dialektische, und zudem ist er so geistreich, dass man es nicht in höherm Grade sein kann.
Goethe, Eckermann, 21.3.1831

Courier, Paul Louis] Courier ist ein großes Naturtalent, das Züge von Byron hat, sowie von Beaumarchais und Diderot. Er hat von Byron die große Gegenwart aller Dinge, die ihm als Argument dienen, von Beaumarchais die große advokatische Gewandtheit, von Diderot das Dialektische, und zudem ist er so geistreich, dass man es nicht in höherm Grade sein kann.
Goethe, Eckermann, 21.3.1831

Cousin, Viktor] Was Cousin betrifft, so kann er zwar uns Deutschen wenig geben, indem die Philosophie, die er seinen Landsleuten als etwas Neues bringt, uns seit vielen Jahren bekannt ist, allein er ist für die Franzosen von großer Bedeutung.
Goethe, Eckermann, 3.2.1830

Cramanz machen.
z] Drumb Vater mach nicht viel Cramanz.
z] Ir machet heut gar viel kramanzen.
z] Ich werd nit lang Kramanz machen.

Cras, Cras ist des Raben Sang.

Cras, cras schreyen die Raben, d.h. morgen, morgen will ich Busse tun.

Cresole, ein armer Ort, man hat nicht Brot, nicht Krümchen dort.
it] A Cresole - non v' è nè pan nè fregole (= briccioli).

Cretenser seind lügner, faul beuch, und böse vihe.
la] Cretensis cretensem.

Crispin macht den Armen um Gotteslohn Schu, er stahl aus Erbarmen das Leder dazu.

Crispinus stillt dat Ledder, un gift de Schoh um Gotts willen.
i] Die stahlen das Leder und machten armen Leuten Schuhe daraus.

Crux, sagt der Pfaff, das ist ihr lux.

Cum acho et cracho oder Acho crachoque. Studentensprache, scherzhaftes Latein
mhd] Mit Ach und wehe vnnd Awe Marya.
z] Von Kling und Klang, von Ach und Krach
Ward rund umher das Echo wach. G.A. Bürger
i] Ursprung: Mit Ächzen und Krächzen. (Mit Ach-Seufzen und Stöhnen).
Eine der vielen stehenden Zwillingsformeln unsrer Sprache. In vielen stehen die beiden Geschwisterbegriffe nur durch 'und' verbunden nebeneinander, bei anderen macht der Reim die Verwandtschaft beider gleich fürs Ohr deutlich, wieder bei anderen - und das sind im allgemeinen die ältesten - der Stabreim. Beispiele:
A. Verbindungen ohne End- und Stabreim.
a. Substantiva: Ach und Weh, (Zit. Goethe: 'Half ihm doch kein Weh und Ach'), in Acht und Bann, die Alten und Jungen, in Amt und Würden, Art und Schick, Art und Weise, über Berg und Tal, Bomben und Granaten, nach altem Brauch und Herkommen, Brauch und Sitte, Brief und Siegel, Dichten und Trachten, in Fleisch und Blut (in succum et sanguinem), mit Feuer und Schwert (ferro ignique), mit Fug und Recht, unter Glas und Rahmen, Gram und Kummer, in Grund und Boden, Hals und Bein, über Hals und Kopf, mit Hand und Mund, Hand und Fuß haben, mit Händen und Füßen (manibus pedibusque), mit Hängen und Würgen, an Haupt und Gliedern, Haut und Knochen, auf Heller und Pfennig, Hieb und Stich, Hitze und Kälte, Hopfen und Malz (oleum et operam perdere), Hunger und Durst (fames sitisque), in Jahr und Tag, Kern und Schale, in Ketten und Banden (catenae et vincula), Kraft und Macht, wie Kraut und Rüben, über Land und Meer, Leben und Treiben, Leib und Gut, mit Leib und Seele, durch mark und Bein, Maß und Gewicht, ohne Maß und Ziel (Ovid: est modus in rebus, sunt certi denique fines), Mittel und Wege, Mord und Totschlag, Mühe und Arbeit, mit Mühe und Not, zu Nutz und Frommen, an Ort und Stelle, nach Pflicht und Gewissen, Pflicht und Schuldigkeit, Rang und Titel, nacht Recht und Billigkeit, in Reih und Glied, in Ruh und Frieden, in Sack und Asche, hinter Schloss und Riegel, ohne Sinn und Verstand, Sommer und Winter, Speise und Trank, Spiel und Tanz, mit Spießen und Stangen, Spott und Hohn, Stadt und Land, Sünde und Schande, Tag und nacht (noctes diesque), Tisch und Bett (früher: bank und bette), auf Tod und Leben, auf Treu und Glauben, Wald und Heide, Wall und Graben, zu Wasser und zu Lande (terra marique), in Wort und Bild, mit Wort und Tat, Zeit und Stunde, Zeit und Umstände, Zeit und Weile.
b. Adjektiva und Adverbia: All und jeder, alt und jung, angst und bange, dick und fett, früh und spät, groß und breit, gut und nütze, hier und dort, hin und wieder, hoch und teuer, kalt und frostig, krumm und lahm, kurz und bündig (breviter et abscise), kurz und gut, über kurz oder lang, lang und breit, lauter und rein, lieb und wert, nackt und bloß, recht und billig, rund und nett, steif und fest, toll und blind, voll und ganz, wohl oder übel.
c. Verba: Achten und schätzen, beißen und kratzen, drehen und wenden, dichten und trachten, essen und trinken (to eat and to drink, manger et boire), grünen und blühen, hören und sehen, hungern und dursten, kehren und wenden (alter Ausdruck bei Grenzbestimmungen), kommen und gehen (to come and to go, passer et lasser, frapper et s'en aller), sich krümmen und winden, lachen und weinen (to smile and to sneer, to laugh and to cry, rire et pleurer), leben und sterben, lieben und hassen, säen und ernten (to sow and to reap, to sow and to mow, semer et recueillir), schäumen und zischen, sein und bleiben, sengen und brennen, sieden und braten, stehen und liegen lassen, suchen und finden (to seek and to find, chercher et trouver), tun und lassen, tosen und brausen, versprechen und halten (to promise and to hold [keep], promettre et tenir), wagen und gewinnen (to venture und to have, risquer et gagner), wohnen und hausen, zittern und beben. Erstunken und erlogen, nicht gehauen und nicht gestochen, gesottnes und gebratnes, gestiefelt und gespornt, gestoben und geflogen, verbreift und besiegelt, verraten und verkauft, verriegelt und verSchlossen.
B. Gereimte Verbindungen (auch im Sprichwort spielt der Reim eine große Rolle: Jugend hat keine Tugend. Juristen, böse Christen! Frankenweine, Krankenweine! Träume sind Schäume. Würde, Bürde! Alles vergeht, Tugend besteht. Andre Jahr', andre Haar'! Begonnen ist halb gewonnen. Borgen macht Sorgen. Ende gut, alles gut. Erst die Pfarre, dann die Quarre. Eile mit Weile! Ehestand, Wehestand. Ehre verloren, alles verloren! Stank statt Dank! usw.
a. Substantiva: Mit Ach und Krach, unter Dach und Fach, Hack und Mack, Hack und Pack (preußisch), mit Sack und Pack, ohne Saft und Kraft, Knall und Fall, Salz und Schmalz, außer Rand und Band, Schand und Brand antun, Sang und Klang, mit Rat und Tat, Habchen und Babchen, Kragen und Magen, Handel und Wandel, in Saus und Braus, mit Dreck und Speck, Weg und Steg, Schlemmer und Demmer, Krethi und Plethi, Stein und Bein, Freud und Leid, Glimpf und Schimpf, mit Kind und Rind, auf Schritt und Tritt, Kipper und Wipper, in Irren und Wirren, noch bestem Wissen und Gewissen, über Stock und Block, in Not und Tod, ohne Ruck und Zuck, Lug und Trug, Gruß und Kuss, Gut und Blut, Gut und Mut verlieren, zu Schutz und Trutz, Gemüt und Geblüt, Mücken und Tücken, in Hülle und Fülle, Würde und Bürde.
b. Adjektiva und Adverbia: Dann und wann, echt und recht, schlecht und recht, de- und wehmütig, mein und dein, weit und breit, pfiffig und kniffig, voll und toll, stumm und dumm (stumm, dumm und gefräßig), hüben und drüben, (in Sachsen scherzhaft: denk- und gegenwärdig).
c. Verba: Schalten und walten, langen und bangen, raten und taten, ächzen und krächzen, schauen und trauen, gehen und stehen, leben und weben, hegen und pflegen, schlemmen und demmen (Narrenschiff), schlenzen und scherwenzen (Goethe im 'Götz'), sterben und verderben, herzne und scherzen, scheiden und meiden, singen und klingen, singen und springen, fliegen und kriechen, sich schmiegen und biegen, summen und burmmen, lügen und trügen, rütteln und schütteln. Geschniegelt und gebügelt, verschoben und verschroben, ungezwungen und ungedrungen, gerüttelt und geschüttelt.
C. Allitterierende Ausdrücke.
a. Substantiva: Anfang und Ende, zwischen Baum und Borke, in Bausch und Bogen, Blatt und Blüte, Brot und Butter, Bürger und Bauer, Buße und Besserung, Deich und Damm, durch Disteln und Dornen, Donner und Doria (Schiller 'Fiesco'), an allen Ecken und Enden, auf Eid und Ehre, Eigen und Erbe, mit Fäusten und Füßen, Feuer und Flamme, Freund und Feind, Friede und Freude, Fisch und Fleisch, Geld und Gut, Geld und gute Worte, weder Gicks noch Gacks, Gift und Galle, Glück und Glas, Gras und Kräuter, Grund und Grat, Hahn und Henne, Hass und Hader, Haus und Heim (house and home), Haus und Herd, Haus und Hof (arae et foci), mit Haut und Haar, mit Herz und Hand, Himmel und Hölle, Hirt und Herde, Kaiser und König, Kalb und Kuh, mit Keulen und Knitteln, Kind und Kegel, Kisten und Kasten, Kisten und Koffer, Kopf und Kragen, Krume und Kruste, Küche und Keller, Land und Leute, Lappen und Lumpen, Leib und Leben, Gelehrte und Laien, Licht und Leben, Licht und Luft, Lunge und Leber, Luft und Liebe, Mann und Maus, bei Nacht und Nebel, Nahrung und Notdurft, Pfand und Pfennig, Pfarrer und Pfründe, ohne Rast und Ruh, Ross und Reiter (Bürger in der 'Lenore'), in Samt und Seide, Sang und Spiel, Scherz und Schimpf, Schild und Schirm, Schild und Schwert, mit Schimpf und Schande, Schloss und Schlüssel, Schmach und Schande, Schutz und Schirm, Seele und Seligkeit, Speer und Spieß, Stecken und Stab (Psalm 23, 4), Stiefel und Sporn, Stock und Staude, über Stock und Stein, mit Stumpf und Stiel, vor Tag und Tau, Tor und Tür, Tod und Teufel, Topf und Tiegel und Wald und Weide, Wald und Wiese, Wasser und Weide, Wasser und Wein, eine gute Wehr und Waffen (Luther), Wind und Wasser, Wind und Wellen, Wind und Wetter, mit (ohne) Wissen und Willen, Witwen und Waisen, Wohl und Wehe, Wort und Werke (Goethe im 'Zauberlehrling'), Zaum und Zügel, Zeit und Ziel, Zins und Zoll, Zweck und Ziel.
b. Adjektiva und Adverbia: An und ab, auf und ab, blaß und bleich, blank und bloß, braun und blau, dick und dünn, drauf und dran, drum und dran, drunter und drüber (omnia sursum deorsum fortuna versavit. Seneca, Ep. 44), erb- und eigentümlich (Goethe im 'Götz'), fix und fertig, frank und frei, frei und froh, frisch und fröhlich, frisch, fromm, fröhlich, frei (Wahlspruch der Turner), ganz und gar, gäng und gäbe, im großen und ganzen, grün und gelb, gut und gern, nicht halb, nicht heil (heil = ganz), hin und her, hoch und hehr, hoch und heilig, hott und hü, immer und ewig, klein und keck, klipp und klar, kurz und klein, je länger, je lieber, lieb und leid, lichterloh, los und ledig, matt und müde, nagelneu, niet- und nagelfest (Gegensatz: fahrende Habe), null und nichtig, nun und nimmermehr, offen und ehrlich, sauer und süß, sauersüß, starr und steif, wie und warum, wo und wie, wohl und warm, wohlweislich, wüst und wild.
c. Verba: Ich bin und bleibe, beißen und bellen, nichts zu beißen noch zu brechen (brocken) haben, biegen oder brechen, bitten und beten, büßen und bessern, drehn und deuteln (Bürger in den 'Weibern von Weinsberg'), fasten und feiern, forschen und fragen, haben und halten, halten und hegen, hoffen und harren, hüten und hegen, küssen und kosen, wie er leibt und lebt, sich nicht rücken noch rühren, sich nicht rühren und rappeln, schinden und schaben, schirmen und schützen, schlenzen und scherwenzen, schnarchen und schnauben, singen und sagen, tun und treiben, trotten und traben, nicht wanken noch weichen, zittern und zagen.)

Cura prima finxit: Dieses Seiende hat den Ursprung seines Seins in der Sorge. Cura teneat, quamdiu vixerit: Das Seiende wird von diesem Ursprung nicht entlassen, sondern festgehalten, von ihm durchherrscht, solange dieses Seiende, in der Welt ist. Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1. Hälfte

Cuvier, Georges] Cuvier, der große Naturkenner, ist bewundernswürdig durch seine Darstellung und seinen Stil. Niemand exponiert ein Faktum besser als er. allein er besitzt fast gar keine Philosophie.
Goethe, Eckermann, 3.2.1830

Cyprian von Karthago erzählt von einem Kind, das Überreste einer heidnischen Opfermahlzeit genossen hatte und sich von dem Diakonen, der ihm den Kelch des Herrn reichen wollte, abwandte. Dem Diakon gelang es aber doch, dem Kind etwas Wein einzuflößen. Da erbrach es sich, denn der zum Blut des Herrn geweihte Trunk konnte nicht in dem entheiligten Magen bleiben.

Seiten: 1

operone | Liste