Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
Di

und oder

'Die anderen Götter, bitte, lassen mich nicht Gott sein.' - 'Das ist Künstlerlos, mein Lieber.'
Franz Werfel, Zwischen Oben und Unten

'Die Feinde, sie bedrohen dich,
Das mehrt von Tag zu Tage sich,
Wie dir doch gar nicht graut!
Das seh ich alles unbewegt,
Sie zerren an der Schlangenhaut,
Die jüngst ich abgelegt.
Und ist die nächste reif genung,
Ab streif ich sie sogleich
Und wandle neu belebt und jung
Im frischen Götterreich.
Goethe, Zahme Xenien V

'Die Geisterwelt ist nicht verschlossen,
Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot!
Auf! bade, Schüler, unverdrossen
Die irdsche Brust im Morgenrot!'
Goethe, Faust I, Nacht
Faust Vs 443f.

'Die Religion ist Opium für das Volk' nur, wenn sie verboten ist. Stanislaw Jerzy Lec

'Die Tugend in der Mitte', sagte der Teufel und setzte sich zwischen zwei Juristen. Dänemark

'Die Wahrheit ist ein Weib.' Nietzsches Gleichung mit zwei Unbekannten. Alexander Eilers

Di (dich) söll d'r Schnee on'zünd'n.
i] Eine scherzhafte Verwünschung in Franken.

Di äs ängden (immer) af der Hochzeit. Siebenbürgisch-sächsisch

Di äs geschégt (gescheit) wä der Deiwel. Siebenbürgen-Sachsen

Di äs îwer en Juden. Siebenbürgisch-sächsisch

Di äs uf alle Vären, af alle Segten (Seiten) beschlôen (beschlagen). Siebenbürgisch-sächsisch

Di äs wä der Furz in der Latär (Laterne). Siebenbürg.-sächs. (Er ist unstet, Hans überall)

Di Baue'n gnuag Mist, d' Hea'n (= Herren) gnuag Geld, Bue (= Bube, Bursche) doas war' (= wäre) a Leb'n af de Welt. Innsbruck.

Di chlyne Lüüt het Gott erschaffe, und di grosse Bängel wachsen im Wald. Schwiizertütsch

Di de nit wäl gräbeln, won de Hâschräken zoabeln, di mis äm Wäingter gô mät dem Sîl: 'Brâder Honess, hôd er nit Hâ fîl?

Di dräwt nementern det Wasser. Siebenbürgen/Sachsen
i] Der trübt niemand das Wasser, ist ein stiller und friedliebender Mensch.

Di ean Beedlar (Bettler) kann egh vör dreügh, dat di öödar vöör dör steant. Nordfriesland

Di Frâ on (und) di Katz gehör'n ins Haus. Henneberg

Di Fremde macht Leut', hot's Mädle gsait und isch mit am Schubkarre voll Kind hoimkomme. Allgäu

Di G'wu'het is an eisnene Pfoad, zoicht ma' s' oa, thuat ma se Load. Alpach
hdt] Die Gewohnheit ist ein eisern Hemd, wer sie anzieht, tut sich Leides.

Di gale Groschen wern sich schu noch weiß wäsche. Henneberg (Wird gesagt, wenn jemand eine reiche Frau genommen hat, mit gelbem, hässlichem Gesicht)

Di gêw uch seng Hämd vum Leiw. Siebenbürgen-Sachsen
hdt] Der gäbe euch sein Hemd vom Leibe.

Di Gös, diar jens ön Kuuren wessen haa, wel aldtit wed'er hen. Sylt
hdt] Die Gänse, die einmal im Korn gewesen sind, wollen allzeit wieder hin.

Di greiwt net gärn än 't Schäp (Tasche). Siebenbürgen/Sachsen
i] Von einem, der sehr karg im Ausgeben ist.

Di gud Ferrang sin iarst Wiif sliawart, jü öödar reampt, jü trâd leat ham me't nâgalt Luragh gung. Föhr
hdt] Des guten Föhringers erste Frau machte lange Stiche (wenn sie ihres Mannes Kleider flickte), die zweite noch längere, die dritte ließ ihn mit blossem Schenkel (Lende) laufen.

Di ho-n-i im Magen. Augsburg
i] Du bist mir zuwider wie ein Brechpulver.

Di hôt de Heangd (Hunde) im Zôgel. Siebenbürgisch-sächsisch

Di hot det Fußemänte (Fuchsmantel) äm. Siebenbürg.-sächs

Di hôt det Glück um Zäppen (Zipfel). Siebenbürgen-Sachsen

Di hôt Krîn. Siebenbürgen/Sachsen
i] Der ist gescheit.

Di Jöögas, di Fröögasch. Amrum
i] Die Jugend, die Freude.

Di kâ det Mél lâken. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Der kann 's Maul lecken.
i] Der hat's gut getroffen, namentlich durch Heirat.

Di kit (kommt) vun hîm (daheim). Siebenbürg.-sächsisch (Er ist wohl versorgt)

Di koa (kann) sich de Grun (Schnurrbart) wäschen (wischen). Siebenbürgen-Sachsen

Di konnt ma mit d'r Ûst'rkerze (Osterkerze) ni bässer zosomma läächta.

Di Kukût rêpdt sin ein Nôm. Sylt
z] Er ist die Drommete seiner eigenen Tugenden. Shakspeare
z] Du nennst, Kuckuck, deinen Namen; dein Ausruf handelt nur von dir. In dieser Sorgfalt scheinst du mir beredten Männern nachzuahmen.
dä] Kukkeren raaber sit egen navn.
fr] La pelle se moque du fourgon.
la] Coccyx sui ipsius nomine proditur.

Di lêt uch Hûlz (Holz) af sich hân. Siebenbürgisch-sächsisch (Ist sehr geduldig)

Di Loith hoan Geld, se mechten's frassen. Schlesien

Di lütten Direns beden am leiwsten vor den Speigel. Mecklenburg

Di Mäkens (Mädchen), di flöiten (pfeifen), die Hünder (Hühner), di kröen, müt man den Hals afdräen.
i] Wenn Hühner krähen kommt Feuer aus.

Di Mân hê lung fangeren. Amrum
hdt] Der Mann hat lange Finger.

Di moacht gärn de Furz zem Danner. Siebenbürg.-sächs. (Von einem Aufschneider)

Di Müller senn Dî (sind Diebe); es dâr nett, es e annerer.
ho] Alle molenaars zijn geene dieven, schoon ze den naam voeren.

Di Rat, dis Herz; di Arsch, die Tabackpfeife.

Di Sau keft me' net im Soack. Henneberg

Di schäckt alles durch de Gurgel. Siebenbürgen-Sachsen

Di schaff î innen Strohsack nei.
i] Um jemand zu sagen: Du stehst mir in der Arbeit weit nach.

Di schneuzt (putzt) mät der Arkeder Lächtschêr (Lichtscher). Siebenbürgen/Sachsen
i] Um zu sagen: sie putzt mit der Hand. Erkeden oder Erked ist ein Dorf im schässburger Bezirk.

Di schünst' putzt d's Licht. Henneberg
i] Weil dem Schönsten am meisten daran liegt, gesehen zu werden. Die Redensart wird gern als Artigkeit für die von jemand übernommene Mühe des Lichtputzens gesagt.
fr] La plus belle mouche la chandelle.

Di stirkst Suppn is d`Wassersuppn, denn's Wasser dreibt Mühlriader.

Di Stûb'm verliert nex. Coburg

Di üst (isst) mät der foafhärniger Gafel. Siebenbürg.-sächsisch (Mit der fünfhörnigen Gabel, d.i. mit den Fingern)

Di vostram fidem, quam saepe forte temere
eveniunt, quae non audeas optare! Terentius
dt] Bei den Göttern! wie oft geschieht durch blinden Zufall, was man nicht zu träumen gewagt hätte!

Di wann Krîn (Meerrettich) raiba mit somma.
i] Werden sich nicht vertragen; es wird Zank geben. Er wäre just recht (gut) zum Krênreiben. In Oberösterreich von jemand, der zu nichts viel taugt, zu keinem Geschäft zu gebrauchen ist. Die Redensart ist aus der Küche entlehnt, weil das Meerrettichreiben eine der geringfügigsten Küchenarbeiten ist.

Di wânt niks ööders üüßa Stak an Pöös. Amrum
i] Dir fehlt nichts anderes als Sack und Beutel.

Di Weiber, diä flöten, di Hüöner, diä kreän, diä mut ener det Jenik umdreaen.

Di werd' (würde) uch de Krîn (Krone) versoffen (verspillen), won e Kiser wêr. Siebenbürgen/Sachsen

Di wird 's nu noach der Sonne friar'n. Franken
i] Du wirst dich nach diesen angenehmen Verhältnisen zurücksehnen.

Dia haltet zamma wia d'Zecka. Schwaben

Dia hot a Maul (o. a Gosch) wia a Scheraschleifer (o. wia a Stadeltoar). Schwaben

Dia hot en Kropf wia a Baßgeig. Schwaben

Dia isch so sauber wia aus 'm Lädele (o. Schächtele) raus. Schwaben

Dia kriagt nix mit as a Hend voll Sägspä. Franken
i] Um eine ärmliche Aussteuer oder Mitgift zu bezeichnen.

Dia liegat umanand wia d'Jünger am Ölberg. Schwaben

Dia Schand wöscht d'r Mö (Main) nit roa. Franken

Dia Schnitter is innen Soamer kên Bier tuo düer un innen Winter kene Körschte tuo hart.
i] Schnitter heißen in der Neumark die Leute aus dem Wartebruche, die während der Ernte auf Accord arbeiten, viel verdienen, aber auch viel daraufgehen lassen.

Dia sieht aus wia d'Hex am Barfüaßertoar. Schwaben
i] So sagte man einst in Augsburg zu einem Mädchen mit zerzausten Haaren. Nimmt Bezug auf ein Bild der sagenhaften Attilahexe am früheren Barfüßertor.

Dia sind wie 's Paar von Alte (Altheim): Hans und Mai (Marie). Ulm

Dia streitat wia d'Bettelleut. Schwaben

Dialektik ist die Kunst (oder der Trick), zu zwei Seiten das Ding zu erdenken, das sie hat.
Kudszus

Dialektik ist nur eine Form der Rache.
Nietzsche

Dialektik kneift wie Wahrheit so lange, bis sie blaue Flecken bekommt.
Baschnonga

Dialektik nennt man jene Methode, die nicht weiß, was aus dem Zusammentreffen von Sonne und Regen wird, ein Regenbogen oder eine lauwarme Pfütze.
Jeannine Luczak

Dialektik: Umwertung aller Worte.
Ron Krtzfeld

Dialektika lehrt; Rhetorika movieret und beweget; diese gehört zum Willen, jene zum Verstand.
Luther

Diäm de Biädelsack (Bettelsack) warm omme Nacken wärt dai es ter Arbet verduorven. Iserlohn

Diäm hänget de Magen op ener Sit. Iserlohn
i] Er ist hungrig.

Diamanten schneiden Diamanten.
en] Diamonds cut diamonds.

Diamanten sind der schwarze Adlerorden der Frauen.

Diar 't Lok hê, gongt me a Bridj tu Bâd. Amrum
hdt] Wer das Glück hat, geht mit der Braut zu Bett.

Diar a Diiwel skat, diar skat'r bi Huuper (Bonker).
hdt] Wo der Teufel scheisst, da scheisst er bei Haufen.

Diar a dik am liagsten as, diar ridj a hüünjer henaauer. Amrum
hdt] Wo der Deich am niedrigsten ist, da reiten die Hunde hinüber.

Diar a Küü (Kühe) tuhiart, namt's bin Hurner. Amrum

Diar a Nöös stêt, skênt sîn Angesigt. Amrum
hdt] Wer seine Nase stösst, schändet sein Angesicht.

Diar a Skur pâse, tjögt 's uun. Amrum
hdt] Wem die Schuhe passen, der zieht sie an.

Diar a Wiard sâit, fand nian Harbargh. Amrum
i] Wer die Wahrheit sagt, findet keine Herberge.

Diar an gratten Snewâl feit, hi feit uk an gâden Hûp Kurn. Amrum (Wer einen großen Schneehaufen (vor seinem Hause) bekommt, der bekommt auch einen guten Haufen Korn)

Diar an gratten Snütj hâ, skal an starken Romp hâ. Amrum
hdt] Wer eine große Schnauze hat, muss einen starken Rumpf haben.

Diar an grotten Eers hea, skol uk an grotten Boks ha.
hdt] Wer einen großen Arsch hat, muss eine große Hose haben.

Diar an Hünj slâu wal, fant sâcht an Knappal. Nordfriesland

Diar an Hüünj slaau wal, kaan lagt an Staak finj. Amrum

Diar as nian Gul so ruad, hat sprangt föör't Bruad.
hdt] Es ist kein Geld so rot, es springt fürs Brot.

Diar at Sönnandâis-Kluadar tu dâtk unnhea, komt bal so fîr, dat 'r Hallagh an Wirk likhadennangh gongt. Nordfriesland
hdt] Wer die Sonntagskleider für täglich anhat, kommt bald so weit, dass er an Fest- und Werktagen gleich geht.
ho] Hij heeft zijn zondags goed alle dagen aan, en zijn' schat in den zak.

Diar Atj an Mâm egh harki wul, maast at Kunlawskan harki. Nordfriesland
hdt] Der Vater und Mutter nicht gehorchen wollte, musste dem Kalbfell gehorchen.

Diar bângh as, sleapt bi Woch. Nordfriesland
hdt] Wer sich fürchtet, schläft an der Wand.

Diar egh ual mensch wel, mut ham jongh aphinge.

Diär en fül Müd' hêd, di mut en stark Reg (Rücken) hâ. Sylt
hdt] Wer einen bösen Mund hat, muss einen starken Rücken haben.

Diär en Hün' slaa wel, di fendt saagt en Stok. Sylt
hdt] Wer einen Hund schlagen will, findet leicht einen Knüppel.

Diar flaag an Vöggel Stark aauer Dannemark. Wat hed hi uun sin Kraap? Sööwen Püünj Haap. Wat hed hi uun sin lagte Bian? an Höömerk an an Sliptian. Amrum
hdt] Es flog ein Vogel Stark über Dänemark. Was hatte er in seinem Kopfe? Sieben Pfund Hopfen. Was hatte er in seinem linken Bein? Einen Hammer und einen Schleifstein.

Diar hab Brei mâe, saâket völ vân Graat. Nordfriesland
hdt] Wer gern Brei mag, spricht viel von Grütze.

Diar hal wohl, dê föl. Amrum
hdt] Wer gern will, tut viel.

Diar ham bidreegh mal, mut eeder uüth a Bian. Nordfriesland

Diar helpt öntökrammin, mut uk help of tö ieten. Sylt
hdt] Wer da hilft einkrumen (einbrocken), muss auch helfen aufzuessen.

Diar iarst unn a Sêk komt, komt'r lêtst wedder üütj. Amrum
hdt] Wer zuerst in den Sack kommt, kommt zuletzt wieder heraus.

Diar kâm a Müüs uun't Fêl. Amrum
hdt] Da kam eine Maus in die Falle.

Diar kân hia Mots (Mütze) eftersmitj. Amrum
i] Der Vorteil ist hin, der Gewinn entgangen.

Diar komt niks tu briad föör ham. (Es kommt nichts zu breit für ihn, es wird nichts erübrigt)

Diar kön völ tâm Schep ûn ian Heak.
hdt] Es können viel zahme Schafe in einem Stalle sein.

Diar leit a Hüünj (Hunde) bigreewen. Amrum

Diär Lek hed', di geid me di Brid tö Bêd. Sylt

Diar lêpt nian Hüünj (Hund) sööwen Juar dol of hi fant sin Steed. Amrum

Diar man Jil hâ, kaan a Diwal dânse lêt. Amrum
hdt] Wer Geld hat, kann den Teufel tanzen lassen.

Diar me a Diiwal gudwen as, di kaan sâcht uun Heal kem. Nordfriesland
hdt] Der mit den Teufel gut Freund ist, kann leicht in die Hölle kommen.

Diar mut an trithüümer iin föse. Amrum
hdt] Dafür muss ein dreizolliger (nämlich: Nagel) ein. (Die Lüge ist von Gewicht, ein schwacher Drahtstift trägt sie nicht)

Diar nant as an uk nicks mêsch wal, di as tweisis nant. Nordfriesland
hdt] Wer nichts ist und auch nichts sein will, der ist zweimal nichts.

Diar Nêman nêmt, diar nêmen klêmt Amrum
hdt] Was niemand nennt, drückt niemand.

Diar nian Jil as, diar as a Diiwel, an diar föl as, diar as'r tweis. Amrum

Diar nian Jil as, diar's a Dönnar, an diar völ as, diar's ar tweisis. Nordfriesland
hdt] Wo kein Geld ist, da ist der Teufel, und wo viel ist, da ist er zweimal.

Diar öölern an Gruw (Grube) grêft, fêlt 'r sallew iin uun. Amrum

Diar san Hiaren (Haare) uun a Bödder (Butter). Amrum

Diar san uk willens Epistler med, wed hi fertell. Amrum (Es sind bisweilen Episteln unter dem, was er erzählt, es ist nicht alles ein Evangelium)

Diar sen brêken Potten ön alle Lönden. Sylt
hdt] Es sind gebrochene Töpfe in allen Ländern.

Diar skal as an râr Swin tu, diar an Kriak üüb ridj' skal. Amrum
hdt] Das muss ein sonderbares Schwein sein, auf dem eine Krähe reiten soll (kann).

Diar stüüw wel Sunbarghar tung, man niar feat (fette) Katrinam.

Diar völ eant uk völ skant. Nordfriesland
hdt] Wer viel endet, auch viel schändet.
ndt] Di föl ênt, di föl skunt. Amrum

Diar wel sat, di lêt sin rük'en. Amrum

Diär wel set, die mei sin rukken let. Sylt
hdt] Wer wohl sitzt, der lasse sein Rücken.

Diar wiar de Buulün aur de Nok. Sylt
hdt] Da war die Boleine über die Spitze der Raa.

Diar't Blud (Blut) egh goagt, diar kreapt at dach. Nordfriesland

Diärdt breed (breit) hêd', di kjendt uk brêd hinge let. Sylt

Diäten: Der geglückte Versuch von Parlamentariern, die eigenen fetten Einkünfte durch einen Begriff zu verschleiern, der den gewöhnlichen Bürger an magere Schonkost und Hungerkur erinnert.
Ron Kritzfeld

Diätetik ist Vernichtung des leiblichen Lebens um seiner Erhaltung willen, Askese des leiblichen Lebens um des geistigen willen, und Skeptizismus die des Geistigen zu seiner Erhaltung.
Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Dich adeln konnt' ein Federstreich,
Doch edeln kann kein Kaiser dich.
Nicolay, Sinngedichte

Dich betrügt der Staatsmann, der Pfaffe, der Lehrer der Sitten,
Und dies Kleeblatt, wie tief betest du Pöbel es an.
Leider lässt sich noch kaum was Rechtes denken und sagen
Das nicht grimmig den Staat, Götter und Sitten verletzt.
Goethe, Epigrammatisch

Dich feir' ich einmal, so gern hab' ich dich. Schwaben

Dich fürchtet, wer von dir schlimm hinterm Rücken spricht.
Und dich verachtet, wer dich lobt ins Angesicht. Rückert, Weisheit des Brahmanen

Dich hab' ich mit Löffeln gefressen.

Dich hat das Mäusel bissen. Wien
i] Zu jemandem, der zu viel getrunken hat.

Dich hat der Bär geleckt.
z] Man schreibet von der Bärin, dass sie nur kleine 4 stücklein Fleisch geberet, die nicht viel größer sind den Meuse, haben auch keine Augen und kein Haar, nur die Klämichen siehet man ein wenig an Füssen. Darnach belecken sie Vatter und mutter so lang biss sie zu jungen Bährichen werden.

Dich hat die Hand der Venus berührt, sie deutet dir leise,
dass sie das Körperchen bald, ach! unaufhaltsam verstellt.
Bald verdirbt sie die schlanke Gestalt, die zierlichen Brüstchen,
Alles schwillt nun, es passt nirgends das neuste Gewand.
Goethe, Venezianische Epigramme 101

Dich im Unendlichen zu finden,
musst unterscheiden und dann verbinden...
Goethe, Gott und Welt - Atmosphäre

Dich kann mein Mund nicht glücklich sprechen,
Solang des Feindes Auge wacht. Schiller, Gedichte: Der Ring des Polykrates

Dich lieben, Gott, ist Seligkeit;
Gern tun, was dir gefällt,
Wirkt edlere Zufriedenheit
Als alles Glück der Welt. Phil. Friedr. Hiller, Nicht um ein flüchtig Gut der Zeit

Dich liebt' ich immer, dich lieb ich noch heut,
Und werde dich lieben in Ewigkeit.
Uhland, Der Wirtin Töchterlein

Dich lobe eins andern Mund, Eygen Lob ist zu grob.

Dich und das Deinige gilt's, wenn die Wand des Benachbarten brennet. Horaz, Episteln

Dich werd' ich beim Kriebse nehmen.

Dich will ich lieben, du harmlos Leben, Leben des Hains und des Quells! Dich will ich ehren, o Sonnenlicht! An dir mich stillen, schöner Äther, der die Sterne beseelt und hier auch diese Bäume umatmet und hier im Innern der Brust uns berührt!
Friedrich Hölderlin, Hyperion

Dich zerreibe ich ja in der Arschkerbe. Breslau
i] Um große körperliche Überlegenheit und Verachtung auszudrücken.

Dich, liebste Freundin, anzusehen, genügt mir, um glücklich zu sein.
Mönch von Salzburg, Das Taghorn

Dicht auf die Flamme folgt der Rauch.
sp] Cerca le anda el humo tras la llama.

Dicht bei der Naht weg.

Dicht beieinander as Hochtied und Kinnelber. (Mit Doppelsinn, denn Hochzeit und Kindelbier heißen im Volksmunde auch zwei nur durch eine Brücke von einander getrennte Dörfer in der Gegend von Jakobshagen)

Dicht daneben ist auch vorbei.
en] A miss is as good as a mile.

Dicht neben dem Wehe der Welt und oft aus seinem vulkanischen Boden hat der Mensch seine kleinen Gärten des Glücks angelegt.
Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Dicht unter dem Alltag liegt die Poesie. Man braucht die Schicht des Alltäglichen nur zu ritzen, dann kommt sofort Poesie zum Vorschein.
Eugene O'Neill

Dichte heiligkeit ist zweifeltige bossheit.
ho] Heiligheed ligt niet in den schijn.

Dichte Saat ist des Feldes Schönheit, dünne Saat des Kornkastens Schönheit. Estland

Dichte Saat verliert (= verdirbt), dünne Saat (lässt) wachsen. Estland

Dichte Zweige reiben sich gegeneinander. Estland

Dichten bedeutet: Nichts mit Sicherheit wissen und alles wissen wollen!
Andersen Nexö, Erinnerungen

Dichten bringt mehr Ehre als Nähre.

Dichten heißt nicht, die Dinge wiedergeben, sondern sie überwinden und dienstbar machen, nicht in ihnen hängen bleiben, sondern den Menschen durch sie befreien.
Paul La Cour, Fragmente eines Tagebuchs

Dichten heißt, sich ermorden.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Dichten ist ein lustiges Handwerk, nur find ich es teuer:
Wie dies Büchlein mir wächst, gehn die Zechinen mir fort.
Goethe, Venezianische Epigramme 46

Dichten ist ein Übermut,
Niemand schelte mich!
Habt getrost ein warmes Blut
Froh und frei wie ich.
Goethe, Divan - Buch des Sängers - Derb und tüchtig

Dichten ist eine Arbeit, die nur Gutgeratenen gerät.
Marie von Ebner-Eschenbach

Dichten ist immer die Wiedergabe von Erinnerung. Die Erinnerung aber ist selbst etwas Dichtendes, künstlerisch Zusammenfassendes und Auswählendes.
Christian Morgenstern, Stufen

Dichten ist nichts anderes als ein ewiges Symbolisieren: wir suchen entweder für etwas Geistiges eine äußere Hülle, oder wir beziehen ein Äußeres auf ein unsichtbares Inneres. A. W. Schlegel

Dichten ist zeugen.
Novalis, Fragmente

Dichten ist zwar Himmelsgabe,
Doch im Erdenleben Trug. Goethe, Westöstl. Divan, Das Schenkenbuch (Hatem)

Dichten und Malen sind freie Künste.

Dichten zwar ist Himmelsgabe,
Doch im Erdeleben Trug.
Goethe, Divan - Schenkenbuch - Hatem, Eben drum...

Dichter (näher) an das Merk kommen.
i] Die Sache genauer treffen, der Wahrheit näher kommen.
z] Du hast nicht ganz die halbe Wahrheit gesagt; probier's noch einmal, vielleicht kommst du das nächste mal dichter an das Merk. Im Morgenstern, Doylestown, Pennsylvanien, 17. Juli 1850

Dichter dünken sich erhaben. Sie wohnen in den Wolken.
Friedrich Wolf, Beaumarchais

Dichter gibt es sehr wenige auf der Welt, sie sind die Hohenpriester, sie sind die Wohltäter des menschlichen Geschlechts; falsche Propheten aber gibt es sehr viele. Adalbert Stifter, Vorrede zu den Bunten Steinen

Dichter gleichen Bären,
Die immer an eignen Pfoten zehren.
Goethe, Sprichwörtlich

Dichter haben hundertmal mehr gesunden Sinn als die Philosophen. Indem sie das Schöne suchen, treffen sie auf mehr Wahrheiten, als die Philosophen auf der Suche nach dem Wahren finden.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Dichter kennen berühmte Gegenden, ohne dort gewesen zu sein.

Dichter lieben nicht zu schweigen,
Wollen sich der Menge zeigen.
Lob und Tadel muss ja sein!
Goethe, An die Günstigen

Dichter schreiben über Mütter, Unternehmer über Väter.

Dichter sind alle Narren, aber sie sind mir doch hinten lieber als die ganzen anständigen Menschen vorne! dass einer mit soundso viel Jahren in geregelte, satte Verhältnisse kommt, dazu gehört nicht viel!
O. M. Graf, Wunderbare Menschen

Dichter und Kinder, man gibt sich mit beiden nur ab, um zu spielen,
Nun, so erboset euch nicht, wird euch die Jugend zu laut.
Goethe, Xenien 67 - Das Privilegium

Dichter und Liebhaber sind längst schon leider im Ruf, dass ihren Versprechen und Zusagen nicht viel zu trauen sei...
Goethe, Wanderjahre II,4

Dichter und Lügner sind Vettern.
la] Mentiuntur multa cantores.

Dichter und Maler sind frei. (Dichter und Maler sind ein freies Geschlecht)
i] Von Hartnäckigen und Starrköpfigen, denen man ihren Willen lassen muss, oder von Weibern, den alles erlaubt, oder von Fürsten, denen alles zum Lobe gereicht.
z] Beide haben stets das gleiche Recht alles zu wagen und zu versuchen, beider Künste sind auch sehr verwandt. Die Malerei ist eine schweigende Dichtkunst und die Dichtkunst eine redende Malerei. Horaz
fr] Poëtes, peintres et pèlerins a faire et dire sont devins.
la] Fingunt multa poetae, pictores, peregri.

Dichter und Mispeln gedeihen am besten, wenn sie einige Zeit auf Stroh liegen.

Dichter und Priester waren im Anfang eins, und nur spätere Zeiten haben sie getrennt. Der echte Dichter ist aber immer Priester, so wie der echte Priester immer Dichter geblieben. Und sollte nicht die Zukunft den alten Zustand der Dinge wieder herbeiführen?
Novalis, Blütenstaub

Dichter und Schweine kommen erst nach ihrem Tod zu Ehren. Italien

Dichter werden mehr von den Bildern als von der Wirklichkeit der Gegenstände begeistert.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Dichter wird man dadurch, ... dass man alles bemerkt und liebkost, woran die anderen achtlos vorübergehen.
Andersen Nexö, Erinnerungen

Dichter wissen auch dann von den Wundern und der Schönheit der Natur, wenn sie ihre Klause kaum verlassen.

Dichter wollen entweder uns nützen oder ergötzen.
la] Aut prodesse volunt aut delectare poëtae.
Horaz, ars poëtica 333

Dichterische Äußerungen sind unwillkürliche Bekenntnisse, in welchen unser Innres sich aufschließt und zugleich unsre Verhältnisse nach außen sich ergeben.
Goethe, an König Ludwig I. von Bayern, 14. April 1829

Dichterleben: große Worte, kleine Brötchen.
Hanns-Hermann Kersten

Dichtern sieht man ja wohl nach, wenn sie das Vorrecht, sagen zu können, was sie fühlen, gegen den Freund, gegen die Geliebte vielleicht übermäßig ausüben.
Goethe, An Johanna Frommann, 27.4.1808

Dichtes Gestrüpp verbirgt selbst den Elefanten.

Dichtkunst ist ein Spiel der Sinnlichkeit, durch den Verstand geordnet. Kant, Anthropologie

Dichtung ist Aufstand.
P. Neruda, Ich bekenne, ich habe gelebt

Dichtung ist eine besondere Ekstase.
Peter Hilli, Aus der 'Völkermuse'

Dichtung ist Erinnerung und Ahnen von Dingen, was sie besingt, ist nicht gestorben, was sie berührt, lebt schon.
Alphonse de Lamartine, Geschichte der Girondisten

Dichtung ist kein Ausnahmezustand, sondern ein normaler, allen Menschen eigener und gemäßer.
Becher, Verteidigung der Poesie

Dichtung ist nichts anderes als konzentrierter Einsatz von Leben.
Hermann Kasack

Dichtung ist wie jedes Kunstwerk dem lebenden Organismus ähnlich. Das einzelne Wort trägt den Formwillen des Ganzen in sich, so wie jede Zeile um den Plan des Ganzen weiß.
Heinrich Waggerl, Nachlass

Dichtung und Philosophie stehen beide gleichwertig nebeneinander, sie sind die Gipfel menschlicher Geistestätigkeit und wohl die edelsten und schwierigsten Gattungen, denen sich der Menschengeist zuwenden kann.
Giacomo Leopardi, Gedanken aus dem Zibaldone

Dick 'rin, 't is unser. Pommern

Dick 'rin, gesprochen wird nich. Pommern (Beim Kartenspiel)

Dick 'rin. (Zuruf in der Bedeutung: Frisch drauf los)

Dick (auch saftig) auftragen. (Stark übertreiben, lügen)

Dick Drank moakt fett Swîn'.

Dick sein ist keine physiologische Eigenschaft - das ist eine Weltanschauung.
Kurt Tucholsky, Priester und Detektiv

Dick und rund, denn hast gleich ein Pfund. ( Sagt die Spinnerin, wenn's beim Garn aufs Gewicht ankommt)

Dick up, segt Hans, dat sall'n Hingst warn.

Dick wie ein altbayerisch Sesser.

Dick wie ein Mondkalb.
z] Da können sie alle dick werden wie die Mondkälber, ich bleib' aber nicht.

Dicke (o. fette) Brocken geben fette Vögel. (Wirkung guter Kost und Fütterung)

Dicke Abendnebel hegen öfters für die Nacht den Regen. Breslau

Dicke Ammen geben weniger Milch.
fr] Degraces nourices autounes foys moin de lait. - De grosses nourrices, moins de lait.
la] A pingui et obesa nutrice interim minus lactis.

Dicke Bäuche und rote Köpfe kommen nicht vom Winde.
ho] Hij heeft om niet zulk een' dikken buik niet.

Dicke Bäuche, leere Köpfe.
en] Fat paunches make lean pates.
la] Pinguis venter non gignit sensum tenuem.

Dicke Bohnen und Schwartenmagen kann der Bauer sehr wohl vertragen. Eifel

Dicke Brocken geben fette Vögel.

Dicke Bücher und reiche Freunde trösten oft am meisten.

Dicke Bücher! vieles Wissen!
Ach! was werd ich lernen müssen!
Will es nicht in Kopf hinein,
Mag es doch im Buche sein!
Goethe, F. v. Müller, 27.10.1824

Dicke Frauen gebären in drei Monaten.

Dicke Haut will scharfe Hiebe. Estland

Dicke Häute wollen scharfe Lauge.

Dicke Leute, faule Leute.
fr] Grosses gens, bonnes gens.

Dicke Melk mâket det Harte welk.
hdt] Geronnene Milch macht das Herz welk.
i] Das Volk nimmt an, dass der Genuss dieser Milch eine Erschlaffung des ganzen Körpers zur Folge habe, aus diesem Grunde verwirft man sie und zieht sich Speck vor, der bessere Kräfte gibt.

Dicke Mialk un söte giëwet schwanke Föte, Plundermialk un Wacken giëwet stiefe Hacken. Bielefeld
hdt] Dicke Milch und süße gibt schnelle Füße. Geronnene Milch und Milchwasser gibt steife Hacken.

Dicke Sahne, flüssige (= magere) Milch. Estland

Dicke Tunke tunkt sich bald aus. Breslau

Dicke, mürrische Fichtenwälder.
Heinrich Heine

Dickedôn (dicktun) mîn Rîkdôm, ach Gott, wenn geiht dat Fröäden an.

Dickeduon (dicktun) mien Reichtum, Körschkin Broed kum ruet. Neumark

Dickem kann man kein Salz und Dünnem keine Brühe hinzutun. Estland

Dicker Brei treibt die Kinder nicht auseinander, (aber) dünner wohl. Estland

Dicker Drank (Abfall) makt (göft) fette Schwîn.

Dicker Hintern macht stolz und bequem.

Dicker Kopf, klein Gehirn.
bm] V tučnem tĕle hubený mozek.
fr] Große têto et petit cou, c'est le commencement d'un fou.
fr] Große tête, peu de sens.
ho] Een vette kop, een mager brein.
it] Capo grasso, cervello magro.
it] Grossa testa non fa sottil ingogno.
pl] W barzo tłustémn ciele nauki niewiele.

Dicker Trank macht fette Schweine.

Dickes (= der Satz) kostet Geld. Estland

Dickes (d.i. Brei) bringt an den Bettelstab, Dünnes (d. i. Suppe) lässt leben. Estland

Dickes Buch, großes Übel Slowakei

Dickes Eis vergeht auch. Wend. Lausitz

Dickes ist immer besser als reines Wasser. Estland

Dickes musst biegen, Dünnes nachziehen. Estland

Dicketun ist seine Farbe (o. sein Vergnügen).

Dickkopf - Dummkopf.
fr] Grosse tête, peu de sens.
la] Crassi cerebri.

Dickohr muss dem Seiler folgen.
i] Wer dem Vernunftgesetz nicht gehorcht, muss dem Zwange folgen. Wer nicht hören will, muss fühlen.

Dicktun ist mein Leben, Bruder, leih mir einen Sechser.

Dicktun ist mein Reichtum, Prachern mein Handwerk.

Dicktun ist mein Reichtum, zwei Pfennige (o. Nichtshaben) mein Vermögen. (Spott auf den Hochmut, wenn der Beutel leer ist)

Dideldumdei, Ohmke gävt mi 'n Paarkei,
Nix is nix, ên is wat, gêft mi twê, denn geh 'k mi 'n Pad.

Diderot ist Diderot, ein einzig Individuum, wer an ihm oder seinen Sachen mäkelt, ist ein Philister, und deren sind Legionen.
Goethe, An Zelter, 9.3.1831

Diderot war nahe genug mit uns verwandt, wie er denn in alledem, weshalb ihn die Franzosen tadeln, ein wahrer Deutscher ist.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,11

Die 'Renaissance' wäre nicht die hohe, weltgeschichtliche Notwendigkeit gewesen, die sie war, wenn man so leicht von ihr abstrahieren könnte. Jacob Burckhardt, Die Kunst der Renaissance in Italien

Die 'wahre' Natur ist der Idealbegriff einer 'gesunden' im größtmöglichen Einklange ihrer Funktionen tätigen Natur. Die einer solchen Natur gemäße Lebensführung vollzieht sich demzufolge in der Richtung der Lebenserhaltung und -förderung des betreffenden Lebens. J. M. Verweyen, Der Edelmensch

Die (germanischen) Männer kleiden sich trotz des strengen Winters in kurze Mäntel oder Bast von Bäumen.
Pomponius Mela, Geographie des Erdkreises

Die (kleinen) Mistbellerlein machen mehr Geschrei als viel Jagdhunde.

Die (rotbäckige) Wachsbirne kennt ihre Muhme, die Holzbirne nicht. Wendische Lausitz

Die 40 Ritter (10.3.) gar noch mit Eis und Schnee, die tun den Öfen noch lange weh.

Die Aalraupe hilft gegen Gelbsucht

Die Aare kümmern sich nicht um Fliegen.
la] Aquilae nesciunt muscas. Wahlspruch des Ompteda

Die Abbrech nicht finden können. (Das Ende)

Die Abdecker gehörten wie die Fahrenden und Spielleute, Bader, Müller, Leineweber, Schäfer, Scharfrichter und Schergen zu der Kategorie der unehrlichen Leute, die durch ihr anrüchiges Gewerbe der Standesehre für ihre Person verlustig gegangen waren. Eine Rechtsfolge dieses Zustandes bestand darin, daß die Angehörigen solcher Berufe und ihre Kinder von der Aufnahme in andere Zünfte ausgeschlossen waren. In ganz besonderem Maße war die Tätigkeit des Abdeckers wie die des Scharfrichters, der im Nebenamt auch oft das Schinderhandwerk ausübte, verrufen. Diese Leute waren von der Stadt- und Dorfgemeinschaft ausgeschlossen, sie mußten abgesondert wohnen, und niemand wollte mit ihnen und ihren Dienstleuten in Berührung kommen.

Die Abendglocke (Klekanicek) holt die nach dem Betläuten noch im Freien weilenden Kinder

Die Abendglocke wiegt den Tag zur Ruh…
Der müde Landmann schleicht der Hütte zu…
Thomas Gray

Die Abendglocken läuten, die Tochter ins Haus.

Die abendländische Kultur hat dem Christentum so viel zu danken, wie die Medizin den Krankheiten. Wer wollte sagen, dass die Krankheiten deshalb als etwas Gutes anzusprechen wären. K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Die abends sorgen, haben das Frühstück am Morgen.
it] E meglio temere, che soffrire.

Die abends weinen, werden morgens lachen.
bm] Večer pláč, a zjitra radost.

Die Abendsonne ist schön, aber sie reift keine Trauben.
dä] Mod aften mister solen sin varnu og skin.

Die Abendstege erfahren viele Dinge.

Die Abergläubischen, ein geheimer Orden.
Heinrich Waggerl, Nachlass

Die Abgeordneten glauben ihre Pflicht schon dann erfüllt zu haben, wenn sie sich gewählt ausdrücken.
Berkensträter

Die Abgeschiednen betracht' ich gern,
Stünd' ihr Verdienst auch noch so fern,
Doch mit den edlen lebendigen Neuen
Mag ich wetteifernd mich lieber freuen.
Goethe, Den Besten

Die Abhängigkeit der Frau war in den besitzenden Klassen immer am ausgeprägtesten.
Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht

Die Abk. für Abk. ist Abk.

Die Ableitung allgemeiner Grundsätze aus einzelnen Beobachtungen ist eine sehr heikle Arbeit, und es kommt häufig vor, daß man durch Haß oder Geistesbeschränktheit, die nicht alle Seiten einer Sache betrachtet, Irrtümer begeht. Hume, Untersuchungen über den menschlichen Verstand

Die Abneigung der Deutschen gegen Provinzialismus, gegen das Alltägliche, das eigentlich das Soziale und Humane ist, ist eben provinzlerisch (...).
(1964) Heinrich Böll, Worte töten Worte heilen

Die Abschiede der Freundschaft haben zwar etwas von dem schwermütigen, aber nichts von dem ängstlichen Abschiede der Liebe.
en] The farewells of friendship have indeed something of the melancholy, but not the anguish, of those of love. Bulwer Lytton, Ernst Maltravers (1837)

Die Absicht eines Christen, der ein Streitgespräch über die Glaubenswahrheiten führt, muss nicht darauf zielen, den Glauben zu beweisen, sondern den Glauben zu verteidigen.
Thomas von Aquin, Gegen die Irrtümer der Griechen

Die absolute Gleichheit ist das größte Kunststück - das Ideal - aber nicht natürlich. Von Natur sind die Menschen nur relativ gleich.
Novalis, Fragmente

Die Absonderung vom Wohltäter ist der eigentliche Undank.
Goethe, Dichtung und Wahrheit

Die Abstraktion ist der Tod der Ethik, denn Ethik ist lebendige Beziehung zu lebendigem Leben.
Albert Schweitzer, Kultur und Ethik

Die Abtrünnigkeit der Armee ist nicht eine der Ursachen der Revolution selbst. Rivarol

Die Abwesenden entfernen sich mit jedem Tage mehr. Japan

Die Abwesenden gehen jeden Tag weiter und weiter von uns fort. Rußland

Die Abwesenden haben (immer) unrecht. Casanova, Memoiren, Bd. 11
i] In der ursprünglichen Bedeutung des der richterlichen Praxis entstammenden Sprichwortes sind unter 'absents' wohl die freiwillig Abwesenden zu verstehen, welche durch ihre Abwesenheit einen Beweis ihrer Schuld liefern und in contumaciam verurteilt werden.

Die abwesenden sind wie die Toten fern und ohne Gewalt, deswegen man auch Gutes von ihnen reden soll.
Goethe, an Charlotte v. Stein, 9. Nov. 1778

Die Abwesenden verspielen immer.

Die Abwesenheit vermehrt den Respekt. Tunesien

Die Achilleis ist eine alte Idee, die ich mit mir herumtrage und die besonders durch die letzten Händel über das Alter der Homerischen Gedichte und über die rhapsodische Zusammenstellung derselben neues Leben und Interesse erhalten hat. Ich fange mit dem Schluß der Ilias an, der Tod des Achills ist mein nächster Gegenstand, indessen werde ich wohl noch etwas weiter greifen. Diese Arbeit führt mich auf die wichtigsten Punkte der poetischen Kunst, indem ich über das Epische nachzudenken alle Ursache habe.
Goethe, An Knebel, 22.3.1799

Die Achillesferse entdecken. (Die Schattenseiten eines Gegenstandes auffinden)

Die Achse ist gebrochen. (Der Fortang des Unternehmens ist auf unerwartete Weise gestört, gehemmt worden)

Die Achse soll gehen, aber keiner will drehen.
sd] Alla wilja att yxan skall gå, men ingen will hålla i skaftet.

Die Achsel einziehen.
z] Hierüber zogen etliche die Achsel ein und entschuldigten sich. Simplic.

Die Achsel schupfen. (Bedenken äußern)

Die Achselstücke der Bourgeoisie bezeichnen die Gehaltsgruppe des Trägers.
Emil Gött, Im Selbstgespräch

Die Achsenenden eines Bösen stoßen mit allen zusammen. Estland

Die Acht und Macht in der Welt haben, lassen sich nicht gern straffen.

Die achte Zeugung ist Entleerung
Des Einzelwesens von dem Weltenstofte
Und geht mit ihrem Vater nicht zugrunde.
Hebbel, Sonett an die Kunst

Die Achtung aber vor der eigenen Denkkraft und ihre Hochschätzung wird bewirken, dass du wohl mit dir selbst zufrieden bist als auch dich wohl zu den Gliedern der Gemeinschaft fügst und mit den Göttern übereinstimmst.
Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Die Achtung enthält das Werturteil der Gesellschaft, das sich in Form der öffentlichen Meinung kundgibt; sie hat nicht sowohl die Person als vielmehr den Menschen zum Gegenstand.
Ihering, Der Zweck im Recht

Die Achtung vor deinem eigenen Selbst ist nächst der Religion der stärkste Damm gegen alle Laster.
Francis Bacon

Die Achtung, die ein Mensch verdient, und sein Wert hängen ab von seinem Mut und seinem Willen: Hierin liegt seine wahre Ehre.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Die Achtung, die uns die Mitmenschen einflößen, lässt sich an der Art unserer Vertraulichkeit ermessen.
Sully Prudhomme, Intimes Tagebuch

Die Achtung, die wir in der Welt besitzen, leistet oft mehr als die mächtigsten Heere.
Ludwig XIV., Memoiren

Die Ackerpferde fressen am wenigsten.

Die Ader ist reich genug.

Die Aderlässe sind zu meiden, so Bauern mit langen Eisen auf den Kirchmessen schneiden.

Die Adler brauchen einen freien Himmel: Im Käfig sterben sie vor Traurigkeit.
Anacleto Verrecchia

Die Adler nisten hoch und fallen doch auffen Boden.

Die Adler verfolgen keine Tauben.

Die Adligen von heute sind nur die Gespenster ihrer Vorfahren.
Antoine Comte de Rivarol, Maximen und Reflexionen

Die Advokaten fressen Geld.

Die Advokaten lernen das Aufspielen von den Richtern.

Die Advokatenstreiche verstehen.

Die Affekte sind die krankhaften Säfte der Seele, und an jedem Übermaße derselben erkrankt die Klugheit: Steigt gar das Übel zum Munde hinaus, so läuft die Ehre Gefahr.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Die Affekte wohnen im Bauch, die Vernunft im Hirn. (Leider regiert oft das Unterste das Oberste)

Die Affentatze herauskehren.
z] So lange sie Hoffnung hegten, haben sie ihn mit seidenem Handschuh angefasst, nachdem er aber ihre Liebesanträge zurückgewiesen, strecken sie die grobe Affentatze heraus. Gartenlaube, 1871

Die Affin im tanz, die sau im perlenkranz.

Die Afterweisen suchen von jeder neuen Entdeckung nur so geschwind als möglich für sich einigen Vorteil zu ziehen, indem sie einen eitlen Ruhm bald in Fortpflanzung, bald in Vermehrung, bald in Verbesserung, geschwinder Besitznahme, vielleicht gar durch Präokkupation, zu erwerben suchen und durch solche Unreifheiten die wahre Wissenschaft unsicher machen und verwirren, ja ihre schönste Folge, die praktische Blüte derselben, offenbar verkümmern.
Goethe, Maximen und Reflexionen 699

Die Agitation unterscheidet sich von der Propaganda dadurch, dass sie vor allem die Gefühle der Zuhörer und der Leser bewegt und deren Willen unmittelbar beeinflußt. Sie bringt sozusagen den Inhalt der revolutionären Verkündung zum Glühen und lässt ihn in allen Farben erglänzen.
Lunatscharski, Die Revolution und die Kunst

Die Aglester (Elster) neben die Nachtigall setzen.

Die Agnessonne (21.1.) hat weder Kraft noch Wonne.

Die ägyptische Finsternis. (Scherzhaft bei Stromausfall)
z] Da war eine dicke Finsternis in ganz Ägyptenland drei Tage.
Ex 10,22

Die ägyptische Zwiebel ist ihm lieber als Manna.
i] Er zieht rohe Sinngenüsse den geistigen vor.

Die Ahnung der Frau ist meistens zuverlässiger als das Wissen des Mannes.
Rudyard Kipling

Die Ahnung ist des Herzens Licht.
Karl Leberecht Immermann, Gedichte

Die Ahnung ist die Quelle der Religion.
Jakob Boßhart, Bausteine zu Leben und Zeit

Die Ahnungslosen müssen sich mit Vorahnungen begnügen.
Wolfgang Mocker

Die akademische Freiheit ist die Freiheit, soviel lernen zu dürfen, wie man nur will. Rud. Virchow, Aus einer Festrede

Die Akten darüber sind noch nicht geschlossen.

Die Aktiengesellschaft in ihrer jetzigen Gestalt ist eine der unvollkommensten und verhängnisvollsten Einrichtungen unseres ganzen Rechtes; das meiste Ungemach, welches in den letzten Jahren auf dem Gebiete des Verkehrslebens über uns hereingebrochen ist, stammt entweder direkt aus dieser Quelle oder steht wenigstens mit ihr in engster Verbindung. Ihering, Der Zweck im Recht

Die Aktivität bei der Beteiligung am politischen Kampf steht in umgekehrtem Verhältnis zur Aktivität bei der Aneignung der Früchte des Kampfes.
Lenin, Politische Sophistereien

Die Aktualität ist der Pulsschlag der Presse. Deshalb haben Zeitschriften einen relativ niedrigen Blutdruck.
Cevil King

Die Alastern schreen derb arnstlich, de Schilger (Gläubiger) war'n kumm'n.

Die Albernheit ist der Prüfstein der Freundschaft sowohl als der Liebe.
Peter Bamm, Die kleine Weltlaterne (1935)

Die Albernheit ist eine Erholung von der Umwelt.
Peter Bamm

Die Albernheiten in einer noch längeren Vorrede entschuldigen oder empfehlen zu wollen, ist wohl selbst die größte Albernheit. Plinius, An Paternus

Die Alchemie verhält sich zum Christentum wie ein Traum zum Bewusstsein, man könnte auch sagen: wie eine natürliche und darum auch primitive religiöse Aussage zu einem durchgeistigten Dogma höchster Kultur. Der lichte Geist christlicher Offenbarung hat seinen differenziertesten Ausdruck in der religiösen Einheit der Heiligen Trinität gefunden; ebenso nimmt - seltsam genug! - der chthonische Geist der Träume, der alcemistischen Phantasien und der Märchen in vielen Fällen gleichfalls trinitarische Gestalt an. C. G. Jung, Bewusstes und Unbewusstes, Nachwort von Aniela Jaffe

Die Alchemisten haben fünferlei Beute: sie vertun das Gut, verderben die Zeit, beschweren das Leben, schwächen den guten Namen und betrügen die Leute.

Die Alchemisten reiten auf einem hanfenen Pferde dem Himmel zu.

Die Âlden sal em schpôte, nor de Kräpel nit. Siebenbürgisch-sächsisch

Die alle tag feiern, fragen nicht nach dem Sonntag.

Die Allegorie verwandelt die Erscheinung in einen Begriff, den Begriff in ein Bild, doch so, dass der Begriff im Bilde immer noch begrenzt und vollständig zu halten und zu haben und an demselben auszusprechen sei.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1112

Die allein nicht schlafen kann, nehm' zu Fassnacht einen Mann.

Die allein verdienten Achtung, die das Notwendige zu erfassen und zu erklären vermochten.
Xenophon, Erinnerungen an Sokrates

Die Alleinherrschaft ist nötig zum Heile der Welt.
Dante, Monarchie

Die Alleinherrschaft wird entweder vom Volk oder von den Großen herbeigeführt, je nachdem, wer von beiden Parteien Gelegenheit dazu findet.
Machiavelli, Der Fürst

Die allen Heiligen dienen, haben kalte Küche.
z] Der Dienst kann zwar sehr vereinfacht werden. Jener französische Marquis gab einfach seine Visitenkarte auf dem Altar des Heiligen ab, der eben einer Procession beiwohnte.

Die allen Heiligen dienen, werden mehr beräuchert als bereicht (bereichert).
ho] Wiens heiland zoude hij zijn, die zich zelven heilloos is.

Die allerentferntesten Pflanzenarten jedoch haben eine ausgesprochene Verwandtschaft, sie lassen sich ohne Zwang untereinander vergleichen.
Goethe, Geschichte meines botanischen Studiums

Die allererste Bedingung, damit eine Nation geachtet werde, besteht darin, dass sie sich selbst achtet. Eine Stärkung des nationalen Selbstbewußtseins und Selbstgefühls bei den einzelnen Deutschen ist wünschbar, damit einerseits die Verleugnungen oder Vertuschungen der eigenen Herkunft und Sprache, und anderseits das Brüsten mit fremdem Besen aufhören. Spitteler, Politische Tagesberichte: Die Ausländerei der Deutschen

Die allergerechtesten Klagen jedoch, welche man, wie es scheint, gegen das Schicksal sollte erheben dürfen, beziehen sich auf den Untergang hoher Werke der Kunst und Dichtung. Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

Die allergrößten Narren sind vor allen andern auf dieser Welt: der Diener, der sich an bösen Herrn bind't, der Herr, so üble Diener hält.
pl] Dwaj głupcaj na swiecie: pan co niechętnego sługę chowa a sługa co niechętnemu panu służy.

Die allerhöchste Freude
Gewähren jene Güter, die uns allen gemein sind, die wir nicht veräußern, nicht vertauschen können, die uns niemand raubt, an die uns eine gütige Natur ein gleiches Recht gegeben und dies Recht mit stiller Macht und Allgewalt bewahrt. Goethe, Theaterreden: Epilog

Die Allerklügsten nur und die Allerdümmsten ändern sich nie.
Konfuzius, Gespräche

Die allermeisten Männer, besonders in Frankreich, begehen oder besitzen eine schöne Frau als ein zum Luxus erforderliches Ding, so wie man sich ein schönes Pferd hält.
Stendhal, Über die Liebe

Die allerschlimmste Krankheit ist das Leben;
und heilen kann sie nur der Tod.
Heinrich Heine

Die allerschwerste Kunst ist aber die Regierungskunst.
Karl Julius Weber, Democritos

Die allerstillste Liebe ist die Liebe zum Guten.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Die Allertörichtsten und die Allerweisesten haben leicht Erfolg. Aber der zwischen beiden Stehende hat zu leiden.
Mahabharata, Buch 12

Die allerunützesten Ding in einem Hause sind Hühner ohne Eier, Säue ohne Ferkel, Kuh ohne Milch, Tochter ein Nachtfar, Sohn ein Spieler, Weib ein Gäudin und die Magd schwanger.

Die allervorteilhafteste Ordnung für alle ist nicht dann gegeben, wenn das Ziel jedes Einzelnen in Gewinn, in irdischem Glück besteht, sie ist erst gegeben, wenn jeder sich ein Glück zum Ziel setzt, das vom irdischen unabhängig ist.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1889)

Die alles ersparen und unsern Herr Gott nicht mit einem Heller aus dem Grabe löseten, die bekommen lachende Erben.

Die alles wissen wollen, wissen wohl gar nichts.
la] Qui omnia se simulant scire, nequicquam sciunt.

Die alles wollen sehen, sein blinde Narren.

Die allgemeine Achtung vor dem Geld ist die einzige hoffnungsvolle Tatsache in unserer Zivilisation, die einzige gesunde Stelle an unserem gesellschaftlichen Gewissen... Denn Geld und Leben sind unzertrennlich: Geld ist die Zahlstelle, welche die soziale Verteilung des Lebens ermöglicht. Shaw, Major Barbara

Die allgemeine Bildung ist nur ein Vorstadium des Kommunismus: die Bildung wird auf diesem Wege so abgeschwächt, dass sie gar kein Privilegium mehr verleihen kann. Am wenigsten ist sie ein Mittel gegen den Kommunismus. Die allgemeinste Bildung, d. h. die Barbarei, ist eben die Voraussetzung des Kommunismus. Nietzsche, Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten

Die allgemeine, die natürliche Religion bedarf eigentlich keines Glaubens: denn die Überzeugung, dass ein großes, hervorbringendes, ordnendes und leitendes Wesen sich gleichsam hinter der Natur verberge, um sich uns faßlich zu machen, eine solche Überzeugung dringt sich einem jeden auf, ja wenn er auch den Faden derselben, der ihn durchs Leben führt, manchmal fahren ließe, so wird er ihn doch gleich und überall wieder aufnehmen können.
Goethe, Dichtung und Wahrheit I,4

Die allgemeinen Sprüche der Menge sind zu wahr, um belacht zu werden. Walisisch

Die Allgemeinheit war ja wohl immer schon der schlechteste Lehrer für das Leben und Fühlen. Und niemals stand es so gut um die menschlichen Dinge, dass nicht der großen Menge gerade das Schlechtteste gefiel.
Erasmus von Rotterdam, Handbüchlein eines christlichen Streiters

Die Allmacht zwar vermag sonst alle Sachen, doch eines kann sie nicht: es allen recht zu machen.

Die Allmacht, an die sich der Mensch im Gebete wendet, ist nichts als die Allmacht der Güte, die zum Heile des Menschen auch das Unmögliche möglich macht.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Die Alltagskleider werden lang, die Festtagskleider werden breit. Estland (Bei alt und mager werdenden Menschen)

Die allzeit lehren, sich nimmer bekehren.

Die allzeit wollen was sonderlichs sein, die seind gemeiniglich die größesten Narren.

Die Almosen zu behalten, die durch die Ohren gehen, ist kein Kornhaus groß genug.

Die Alpenmilch ist gut, sagte die Milchfrau, sie ist vom reinsten Wasser.

Die als Mädchen zankt, schlägt als Frau. Finnland
bm] Dĕvčinky hezounké, tichounké, milounké! I odkudž zlé ženy se berou? Z tĕchže je vždycky vyberou.

Die alt geyss (Geiß) hüpfft auch.

Die alt kuw (Kuh) biset.
la] Anus bacchatur.

Die alt kuw (Kuh) spilt.

Die alta Weiber sönd de jonge Manna Chüechlipfanna.
i] Sinn: Eine alte Frau ist für einen jungen Mann ein Glück, weil sie nicht durch ein kinderreiches Leben Unglück in die Ehe bringt.

Die Alte (d. i. die alte Frau) begraben - ein Kalb schlachten, die Neue nehmen - eine Kuh bekommen. Estland

Die Alte (greift) wieder zum Weinkrug.
i] sie hängt wieder an der Flasche

Die alte Behle, wenn sie kaan' Kartoffel hat, kann se kaane schäle.
z] Ich will dir was erzähle' von der alten Behle. Aus einem alten Kinderliede

Die alte Bräuch vergehen, die newe bleiben stehen.
la] Consuetudo nunquam in eodem stat diu.

Die alte Denkart tauscht kein Ehrenmann
Auf einem höhern Posten. Schiller, Iphigenie in Aulis, II, 2 (Menelaos)

Die alte Erfahrung wird in solchen Fällen die Zweifelsüchtigen für die Majorität erwerben, weil wenige genugsamen Charakter haben, die Vorteile des Positiven entschieden anzuerkennen.
Goethe, Tagebuch, 27.3.1829

Die alte Frau hat ihre Schafe geschoren und tanzt mit ihren Lämmchen.

Die alte Frau hat sich am Brei verbrannt und pustet in den Joghurt.

Die alte Frau verlangt im Januar nach Gurken. (Sie verlangt das Unmögliche)

Die alte Geiß hüpft auch.

Die alte gute Zeit ist hin (o. kehrt nicht wieder).

Die Alte hat drei Bräutigame: Der Thomas der Totenwelt, der Madis des Erdreichs, der Kaarle des Grabhügels kommen zu der Alten auf die Freite. Estland

Die Alte ist hübsch durch Schmuck, die Junge durch Schönheit. Estland

Die alte Jungfer briuged d' Chind i der Schoss derher. Schaffhausen
i] Wenn eine alte Jungfer heiratet.

Die alte Jungfer dient in der Hölle dem Teufel als Schürhaken. Estland

Die alte Jungfer im Himmel, die Seele in Not. Estland

Die alte Jungfer ist des Vaters Hosenhaken. Estland

Die alte Jungfer ist ein eiserner Zahn. Estland

Die alte Jungfer ist ein Goldtropfen, der Hagestolz ein Mischmasch von Spülicht. Estland

Die alte Jungfer ist eine Himmelstaube, der Hagestolz ein Höllenknüppel. Estland

Die alte Jungfer ist eine Tonne Gold. der Hagestolz ein halbes Rad. Estland

Die alte Jungfer ist Gottes Bein, der Hagestolz das Höllenbrett. Estland

Die alte Jungfer ist im Himmel, eine goldene Halskette um, der Hagestolz ist in der Hölle, Feuerbrand zwischen, den Zähnen. Estland

Die alte Jungfer ist wie dürrer Wachholder. Estland

Die alte Jungfer ist wie ein Baum, der vertrocknet ist. Estland

Die alte Jungfer ist wie ein Schlitten: Hinauf auf den Berg kommt sie nicht, nach hinten sieht sie nicht. Estland

Die alte Jungfer ist wie ein umfallender Baum. Estland

Die alte Jungfer ist wie eine wächserne Kirche, der Hagestolz wie eine alte Egge. Estland

Die alte Küh gä d' Milch und die junge Hühner d' Eier. Bern

Die alte Kuh gar bald vergisst, dass sie ein Kalb gewesen ist.
i] Wenn Alte übertrieben die Jugend tadeln.

Die alte Kuh meint, sie war niemals ein Kalb. Frankreich

Die alte Latte. Jena
i] 'Es ist die alte Latte', 'Wie die alte Latte'. So wird in Jena ein Student genannt, der im Jahre 1827 immatrikuliert wurde und (im Juni 1866) noch als Student dort lebte. Er führt den Namen 'Bierlatte'. Es wird auch mitgeteilt, dass sie noch jeden Tag auf der alten Burschenkneipe, dem Burgkeller, in altgewohnter Weise speise.

Die alte Liese.
i] So wird im Erzherzogthum Österreich wegen seines Brummens der Kontrabass genannt.

Die alte Literatur der eigenen Nation ist immer als eine fremde anzusehen.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III, Anmerkungen . Früheres Vorwort

Die alte maß ist doch die best.

Die alte Mode reißt wieder ei; wo d' Buben raus sind, da wöllet se wieder nei. Bopfingen

Die alte Mutter und das zerrissenen Hemd sind nicht ehrlos.

Die alte Ordnung, die heute noch genau so besteht wie damals, nahm und gab dem Deutschen: sie nahm ihm die persönliche Freiheit, und sie gab ihm Gewalt über andere.
Tucholsky, Der Untertan

Die alte Prophete sind gstorbe und die neue chöned nüt. Schweiz

Die Alte sen wie die Junge. Jüdisch-deutsch (Besonders in Bezug auf Frauen, dass die alten wie die jungen den Putz lieben und eiteln Vergnügungen ergeben sind. Das Sprichwort hat namentlich die augenfälligen Vorteile im Auge, welche aus einem langen andauernden Dienstverhältnis für beide Teile entstehen)

Die alte Sünde (d.i. der Teufel) sagte: 'Rührst du mich drei Tage nicht an, so rühr ich dich drei Jahre nicht an'. Estland

Die alte Tragödie bei Äschylus hat ähnlichkeit mit den alten tragischen Balladen, besonders den schottischen. Vielleicht ließen sich diese auf alte Weise zu Dramen machen.
Goethe, Riemer, Dezember 1804

Die alte Tragödie beruht auf einem unausweichlichen Sollen, das durch ein entgegenwirkendes Wollen nur geschärft und beschleunigt wird.
Goethe, Schriften zur Literatur - Shakespeare und kein Ende

Die alte weise, die beste.

Die alte Welt gab gülden Geschirr zum Gottes Haus, die newe nimmts wider drauss.

Die alte Welt lobt mancher und tut, was der neuen gefällt.

Die alte Zeit war immer besser.
la] Semper superioris anni proventus melior. Diogenes

Die Alte, die nicht laufen kann, bring sie unter die Erde.

Die Alten (Griechen und Römer) sind die einzigen Alten, die nie alt werden.
C. J. Weber, Demokritos

Die Alten - die Besten.

Die alten Angelsachsen schrieben dem Achat besonders große Kräfte zu: er sollte seinen Träger vor Blitz und Zauber, das Haus gegen feindliche Geister schützen, die Wirkung von Giften vereiteln und, eingenommen, versteckte teuflische Krankheiten an den Tag bringen. Er kann: als Amulett den Biß der Schlangen und Skorpione unschädlich machen; unter der Zunge getragen, stark abkühlen und den Durst löschen; die Augen stärken, fruchtbar und bei den Menschen angenehm machen; unter das Haupt gelegt vielerlei Traumbilder erzeugen; vor Gefangenschaft schützen und den Sieg verleihen, überhaupt vor jedem Unfall bewahren.

Die alten Anker sind die besten.

Die Alten begraben ihre Jungen.

Die Alten bleiben gern beim Alten.

Die alten Briten wurden öfters von tapfern Weibern in Schlachten geführt. Mehrere skandinavische Weiber waren nach Homer Seeräuberinnen. Eine Nordamerikanerin tut auf dem Felde und eine Pariserin im Kaufladen alles, was bei uns der Mann. Sollte es sonach genug sein, wenn ein Mädchen bloß stickt, strickt und flickt?
Jean Paul, Levana

Die alten Deutschen fassten Entschlüsse in Trunkenheit und führten sie nüchtern aus, andere werden sie nüchtern fassen und trunken ausführen.
Herder, Vom Erkennen und Empfinden der menschlichen Seele

Die alten Deutschen waren stets Löwen in Gefahren und Lämmer - bei Pokalen.

Die Alten ehre stets,
Du bleibst nicht ewig Kind;
Sie waren, wie du bist,
Und du wirst, was sie sind.

Die Alten ersticken bei den Jungen und die Jungen erfrieren bei den Alten. (Gegen Ehen verschiedener Altersstufen)

Die Alten essen und trincken mit den jungen.

Die alten Freunde halten in der Not.

Die alten Freunde sind die besten.

Die Alten glaubten an ein ruhendes Licht im Auge, sie fühlten sodann als reine kräftige Menschen die Selbsttätigkeit dieses Organs und dessen Gegenwirken gegen das äußre Sichtbare, nur sprachen sie dieses Gefühl sowie des Fassens, des Ergreifens der Gegenstände mit dem Auge durch allzu krude Gleichnisse aus.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 2. Abt. - Betrachtungen über Farbenlehre und Farbenbehandlung der Alten

Die alten großen Meister sind meistens ehelos geblieben. Anselm Feuerbach, Ein Vermächtnis

Die Alten haben alle Tage etwas Neues.

Die Alten haben den Kalender am Leibe.

Die alten haben sich beflissen auff ein gut Gewissen, und nicht auff viel wissen,
zu diesen Zeiten achtet man mehr auff viel wissen, als auffs gut Gewissen.

Die alten habn uns wie man schawt, wie den Nachkomn zu gut gebawt, uns allen aber Christus hat den weg gebawt zur ewigen stadt.

Die Alten halten sich mit den Zähnen auf.

Die Alten hatten ein Gewissen ohne Wissen, wir heutzutag haben das Wissen ohne Gewissen.
Julius Wilhelm Zincgref, Apophthegmata

Die alten Heiligen sind die besten.
fr] Il n'est miracle que de vieux saints.

Die alten Heiligen tun keine Wunder mehr. (Wenn neue kommen; sowie wenn ein neuer Arzt an einen Ort kommt, der ältere scheinbar zurücktritt)

Die Alten im Rat springen nicht über einen Bach.(Sie nehmen sich Zeit) Kikuju (Kenia)

Die alten Jungfern müssen den Elisabetturm waschen.
i] Mahnung der Breslauer an heiratsfähige Mädchen, sich vor diesem Lose bei zeiten zu hüten.

Die alten Jungfern müssen nach ihrem Tode Schnee reutern (o. Wolken schieben). Oberösterreich
i] Am Samstag nach Lichtmesse standen auch einst die alten Jungfern auf der Traunbrücke und schrien: z] Zeit, Zeit, Überzeit, wi a mei liaba Vada schreit u.s.w.

Die alten Jungfern tun mehr alleweil Wolken ausdauchen. Oberösterreich
i] Wenn es lange und stark regnet. Die Wolken sind als nasse Tücher gedacht, die ausgewunden werden.

Die Alten kannten die Bahn;
Bildeten nicht die vielen;
Hielten die vielen in Unwissenheit:
Gebildeter Pöbel ist schwer zu lenken. Laotse, Die Bahn und der rechte Weg

Die alten Katzen haben auch Mäuse gefangen.
i] Ja, sie haben sie gefangen, die jungen sollen sie erst fangen.

Die alten Kessel remen gern.

Die alten Knechte wählen die besten Pferde.

Die alten Knochen wollen nicht mehr.
ndt] De ollen Knaken wöllen nich mehr.
i] Das Alter gestattet so schwere Arbeit nicht mehr.

Die alten Köche essen auch noch gern Salz.

Die Alten können gute Suppen machen.

Die alten Kühe schlecken auch noch gern Salz.

Die Alten lassen sich nicht lange in den Bart greifen.

Die alten Lehren, die tausend Jahre geglaubt wurden, sind ganz baufällig, an diesen riesigen Gebäuden ist weniger Holz als an den Stützen, die sie halten sollen.
Brecht, Leben des Galilei

Die Alten lernten, um zu erhöhen den eigenen Wert, heute lernt man, um von anderen höher gewertet zu werden.
Konfuzius, Gespräche

Die alten Leute geben gerne gute Verhaltungsmaßregeln, um sich darüber zu trösten, dass sie nicht mehr imstande sind, schlechte Beispiele zu geben.
La Rochefoucauld, Maximen

Die Alten lieben den Bart, die Jungen den Zopf, und die dazwischen - lange Fingernägel.
i] Sie waren das Kennzeichen des reichen Müßiggängers

Die alten Lose und die leeren Fass (Fässer) gelten nichts mehr.

Die alten Männer halten sich mit den Zähnen auf.

Die alten meinen, die Glaser machen nicht mehr so helle Fenster wie vorzeiten, aber Fenster sind Fenster, der alten Augen werden finster.

Die alten Menschen sind größer, reiner und heiliger gewesen als wir, es hat in ihnen und über sie noch der Schein des göttlichen Ausgangs geleuchtet, etwa wie helle, reine Körper noch eine Weile fortleuchten oder glänzen, wenn man sie unmittelbar aus dem grellen Sonnenstrahl in dichte Dunkelheit versetzt.
Jacob Grimm, an Achim von Arnim (20. Mai 1811)

Die alten Menschen: wohl sind sie lange Schatten, und ihre Abendsonne liegt kalt auf der Erde, aber sie zeigen alle nach Morgen.
Jean Paul, Flegeljahre

Die Alten mit Rat, die Jungen mit Kraft (o. Tat). Estland

Die Alten möchten die Jungen alle abschaffen
oder ihnen zeitlebens wenigstens als dankbaren Schülern, gelehrigen Jüngern den Meister zeigen.
Werfel, Nicht der Mörder, der Ermodete ist schuldig

Die Alten müssen darumb so lange leben, dass sie dem Teuffel in Ars sehen. Luthers Tischreden

Die Alten müssen die Jungen lehren.

Die Alten müssen ihre Stärke aus der Schüssel nehmen.

Die Alten müssen sich ihre Stärke in der Kanne, im Bett und hinterm Ofen suchen.

Die Alten müssen wir ernähren und den Jungen zu essen geben.

Die alten Mütterlein haben alte gesamlete Hellerlein.

Die alten Narren die besten.
en] No fool like the old fool.
ho] Oude narren zijn de beste.
ho] Oud mal gaat boven al.
ho] Oud mal heeft geen' stal; oud mal heeft geen' val.
ho] Oud mal, kwaad mal.
sd] Gambla narrar äro och til.
sd] Gamla narrar finnas och.

Die alten Ochsen machen die Furche gerade. Rumänien

Die alten Propheten sind tot und die neuen gelten (o. taugen) nichts mehr.

Die alten Propheten sind tot, den neuen glaubt man nicht.

Die alten Propheten sind tot, die neuen sagen nicht wahr.

Die alten Raben fliegen noch.
i] Die alten Feinde, Widersacher, Gegner u.s.w. sind noch da und tätig. Der Pfälzer Kurier vom 23. Sept. 1870 wendet die Redensart auf die der Einheit Deutschlands feindselige Partei an.

Die Alten raten und die Jungen taten.
la] Facta juvenum, consulta virorum, vota senum.

Die Alten raten wohl.
sp] Del viejo el consejo.

Die Alten reden gern von altem Käse.

Die alten Runzeln hält man wert, sie sind ein Kron auf dieser Erd.

Die alten Sachsen leisteten im Kriege ihren Fürsten jeden Gehorsam, der Friede aber führte die unabhängige Gleichheit zurück.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

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