Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
Ea-Eh

und oder

'Ehre genießen sie alle, wenn sie das Ziel ihres Strebens erreichen. Der reiche Mann, der tapfere Mann, der weise Mann, alle werden von vielen Leuten geehrt, so dass sie über die Lust, die damit verbunden ist, unterrichtet sind. Aber die Lust, die die Betrachtung der wirklichen Welt gewährt, kann keiner gekostet haben als der Philosophische.' 'So ist sein Urteil, was die Erfahrung anlangt, das treffendste.' Platon, Staat, Sokrates zu Glaukon

'Ein dicker Mann, folglich ein guter Mann', sagt Cervantes.
Heinrich Heine

'Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper', wenn möglich noch mit gesundem Menschenverstand – schrecklich!
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin! Aphorismen zum Gesundheitswesen und zur Gesundheitspolitik

'Ein neu Projekt ward vorgebracht;
Willst du dich nicht damit befassen?'
Habe schon mal bankrott gemacht;
Nun will ich's andern überlassen. Goethe, Zahme Xenien

'Ein Weib ohne Zucht', sagt das arabische Sprichwort, 'Ist eine Speise ohne Salz'; und noch füglicher könnte dies Sprichwort von der Liebe selbst gelten. Eine Liebe ohne Scham ist nicht Liebe mehr, sie ist Ekel. Herder, Auch eine Philosophie zur Geschichte der Bildung der Menschheit

'Einmal ist Keinmal.' Dies ist das erlogenste und schlimmste unter allen Sprichwörtern, und wer es gemacht hat, der war ein schlechter Rechnungsmeister oder ein boshafter. Einmal ist wenigstens Einmal, und daran lässt sich nichts abmarkten. J. P. Hebel, Schatzkästlein: Nützliche Lehren

'Einmal und nicht wieder', sagte die Brautjungfer, als sie im Bett des Bräutigams aufwachte. [ASpW]

'Er hat große Dinge im Kopfe', sagt man jetzt, um jemand lächerlich zu machen. Man kann ein kleines, sklavisches, weggeworfenes Geschlecht nicht besser bezeichnen. J. G. Seume, Apokryphen

'Er ist sehr ungesellig', besagt beinahe schon: 'Er ist ein Mann von großen Eigenschaften.' Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

'Er soll dein Herr sein' ist die Formel einer barbarischen Zeit, die lange vorüber ist.
Goethe, Die guten Weiber
Seyton

'Erfahrung' ist immer schlechte Erfahrung, 'Gewissen' ist immer schlechtes Gewissen, 'Wahrheit' ist immer unangenehme Wahrheit. Nur 'Vorsätze' sind immer gute Vorsätze.
Krailsheimer

'Erst die Arbeit, dann das Vergnügen', sagte der Ehemann und ging bis zum Fernsehkrimi mit seiner Frau ins Bett. [ASpW]

'Es gibt sehr viele Menschen, die unglücklicher sind als du' - gewährt zwar kein Dach, darunter zu wohnen; allein sich bei einem Regenschauer darunter zu retirieren, ist das Sätzchen gut genug. Lichtenberg, Bemerkungen vermischten Inhaltes

'Es ist ein Gott' kann, meiner Meinung nach, nichts anderes sagen als: Ich fühle mich, bei aller meiner Freiheit des Willens, genötigt, recht zu tun.
Georg Christoph Lichtenberg

'Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren.' Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben, und jede soll ihren Mann haben.
Neues Testament, Paulus (1 Korinther 7, 1-2)

'Es muss entweder gar keine Wahrheit sein, oder sie muss von der Beschaffenheit sein, dass sie von den meisten, ja von allen, wenigstens im wesentlichen, empfunden werden kann.' 'Es liegt nicht an der Wahrheit, dass sie es nicht werden kann, sondern an den Menschen.' Lessing, Der Freigeist (Juliane und Adrast)

'Et Beste häld (= holt) de Duiwel immer te äirst, sach de Junge, gistern uesen S'gimmel, vandâge (= heute) min Mäuer (= Mutter).

'Et Flass es brutgail, et is 'ne Brût (Braut) im Huse. (So sagt man, wenn der Flachs recht lang wird)

E ä e Kripesnäser (Krebsnieser). Siebenbürgen/Sachsen
i] Ein Spintisirer. Spott auf eingebildete Klugheit.

E armer Mensch heft den Wind ömmer von värn.

E äs af 't Hîwd gefallen. Siebenbürg.-sächs. (Er ist auf den Kopf gefallen)

E äs af de Gass kun. Siebenbürgen-Sachsen (Er ist auf die Gasse, d.i. um Haus und Hof, um sein Vermögen gekommen)

E äs âlt wä de Keakel. Siebenbürgisch-sächsisch (Kockel, ein Fluss im Kreise Hermannstadt. Von jemand, der sehr alt ist)
sp] Viejo como la sarna.

E äs âlt, wä en stîgîss. Siebenbürgisch- sächsisch (Steingeist, Gemse)

E äs e wällmödig Kont (Kunde). Siebenbürgen/Sachsen
i] Ein mutwilliger, gutgelaunter, zum Mutwillen hinneigender Mensch.

E äs ein aus den Uge geschnîden. Siebenbürgen

E äs fêl woa (wie) de Jerd (Erde). Siebenbürg.- sächsisch (Sehr faul)

E äs Frängd (Freund) mät em aus der siwenter Schässel. Siebenbürg.-sächs. (Von einem entfernten Anverwandten)

E äs froa (frei) dervue wä Abraham vun Zendersch. Siebenbürg.-sächs. (Zendersch ist ein sächsisches Dorf. Vielleicht mag ein sächsischer Schul- oder Pfarramtskandidat Namens Abraham die Amtsstelle daselbst, nach der er gestrebt, nicht erhalten haben)

E äs glât (glatt) wä en Ôlket. Siebenbürgen-Sachsen

E äs gor geschumerig. Siebenbürgen-Sachsen (Zum Schämen geneigt, hennebergisch: schamerig)

E äs grôw (grob) wä e Pâlescher. Siebenbürgen-Sachsen (Die Pâleschor sind die Einwohner von Pâlosch, einem acht Stunden von Schässburg gelegenen, von Walachen bewohnten Orte)

E äs mät de Scheagebirst geschôssen. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Er ist mit der Schuhbürste geschossen.

E äs net fär mät gewiest. Siebenbürg.-sächsisch (Er ist nicht weit mit gewesen, hat nicht viel erfahren, ist unwissend)

E äs net vu Schink. Siebenbürgen/Sachsen
i] Er schenkt nicht gern.

E äs nor glidslank. Siebenbürgen-Sachsen

E âs nor spanelank (Spannelang). Siebenbürgen/Sachsen
i] Ist sehr klein.

E äs ôfgekratzt. Siebenbürgen - sächsisch (Er ist ab-, besonders mit Tode abgegangen)

E äs vu Rummes.
i] Name eines Dorfes in Siebenbürgen, dessen Bewohner sich nicht durch Überfluss an Geist und Witz auszeichnen sollen.

E äs wä me Finger. Siebenbürg.-sächsisch

E ässt (ists) wä en Drêscher. Siebenbürg.-sächsisch

E ässt, wä är siwen. Siebenbürg.-sächsisch (Isst soviel wie ihrer Sieben)

E bîse Gesell föhrd ön de Hell. Trier

E bliest sich af. Siebenbürgisch-sächsisch

E bös Spiel will nach gespielt sein.
i] Man muss den Kampf durchkämpfen, in welchen uns eine Schuld oder ein ungünstiges Geschick versetzt hat.

E böse Schmue fliegt weit.
i] Schemuah = was man vernommen hat, Gerede, Gerücht. Die Nachricht von einem Unglück, ein böses Gerücht, verbreitet sich rasch und weit, weil die Leute lieber vom Unglück als Glück reden.

E Bösske (Bisschen), on wat Gôd's, on e (dat) Schettlke voll. Dönhoffstädt

E Bûr on e Oss, dat sin twê Bêster, awer de Oss öss klêker as de Bûr. (Grund: Weil der Ochs sich den Hintern selber lecken kann)

E Bur und a Stier isch's glych Thier. Solothurn

E Bur und e Pfarrer wüsse meh als e Pfarrer alleini. Emmental

E Chassen muss e Fresser sein. Jüd.-deutsch (Derselbe wurde nämlich als solcher nicht nur häufig zu Mahlzeiten, Hochzeiten, Beschneidungen u.s.w. gebeten, sondern er erhielt auch als Gefälle seines Amts die Kaldaunen der geschlachteten Tiere, sodass er allerdings zu reichlichem Essen Veranlassung hatte)

E Chauf (Kauf) und d' Ohrfyge göh ungerschidlich. Solothurn

E Chuh (Kuh), e Huh und e Rebe gend nünt vergebe. Schaffhausen

E dänt wä Haller äm Weisskirch. Siebenbürg.-sächsisch
i] Die vorzüglich in Schässburg übliche Redensart bezieht sich auf Weisskirch, eine Stunde von Schässburg. Man sagt hier, der erste Besitzer Haller habe als Abgeordneter der Stadt den Ort für Schässburg von dem Fürsten erbitten sollen, habe ihn aber für sich erbeten.

E de Dôd nich up der Hûke sit, êer werd nich êgan (o. eschicket, ebâet).
hdt] Ehe der Tod nicht auf der Gittertür, der untern halben Tür (in Schlesien Gatter) sitzt, eher wird nicht (nach dem Arzt) gegangen, eher nicht gebetet.

E dinkt, e hât âsen Herrgott un der däcken Zîn. Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Er bildet sich ein, unsern Herrgott an der dicken Zehe zu haben; ist sehr stolz.

E dinkt, hî wêr et (er wâre es). Siebenbürg.-sächs.

E drît de Nôs hî. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Er trägt die Nase hoch.
ho] Hij steekt zijn' neus in den wind.

E drît seng siwe Pelsen ängde mät sich wä de Schnâkenhuern (Schnecke). Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Er trägt seine sieben Pflaumen, d.i. alle seine Habe, immer bei sich.

E du g'schickte Wurst, gist übers Johr en Schüblig.
i] Verwunderung ausdrückend.

E du min Trost.
i] Ausruf des Erstaunens, der Verwunderung
sinnverwandt] Bim tusich Chüppeler! Der Chätzer wille! Du ebigi Saite! E der Chäpper! Eh du armi G'rächtigkeit, liist im Bett und hest ke Chleid! E du geschickti Wurst gist über's Johr en Schüblig! E du grüeni Barmherzigkeit!

E Èr es d'r anner wârt.
hdt] Ehre ist der anderen wert.

E Fass mit Wi hätt drey Gü.
hdt] Der Wein eines Fasses ist von dreierlei Güte.
z] Der auss dem fass süßen Wein verhofft, wenns auff der Heffen ist, wird betrogen.

E feisses Meitli (Mägdelein), e mageri Frau.

E fleissige Mahner ist besser als e fule Arbeiter. Luzern

E flissige Hausfrau ist der beste Sparhafen. Luzern

E Fraa (Frau) is leicht zu überrede'. Jüd.-deutsch (Leicht ist des Weibes Sinn)

E Fraa (Frau) ohne Taam (hebräisch: Geschmack, Verstand) un ohne Rahm jagt den Mann von derhaam (daheim, aus dem Hause).
fr] Une femme sans rime et sans raison chasse le mari de la maison.

E Frag' es ke Klag'. Henneberg

E Frau isch niene hübscher als daheime. Schwiizertütsch

E Frau lachet, wenn si cha,
und briegget, wenn si will. Schwiizertütsch

E Frau ooni Chind isch wien e Chue ooni Schälle. Schwiizertütsch

E frische Nuss lässt sich gut schäle'.

E Für, e Wiib und e Spil säged nie: s isch z vil. Schwiizertütsch

E G'fall'n (Gefallen) ît'n annern warth. Franken

E Gans, die hört die Megille (Brief Esther's), soll mer jage' aus der Kille (Gemeinde).
hdt] Eine Gans, welche das Purimfest, an dem der Brief Esther's (Megillah) vorgelesen wird, gehört hat, soll man aus der Gemeinde jagen. (Regel für Gutschmecker)

E Gascht uf e Weil guckt uf e Meil. (Ein Gast bemerkt in kurzer Zeit oft weit mehr als wir glauben)

E Gassengel, e Husbengel. Luzern

E gedruckter Scheeker. (Wenn jemand einwendet, er habe es gedruckt gelesen)

E Geiß und es Ching chranket und g'sunget g'schwing. Solothurn

E gieste Klâtsch ausrichten.
i] Klâtsch = Schmaus, besonders Kindtaufschmaus, Kindelbier. Die Kuh bleibt giest, wenn sie kein Kalb bekommt. Eine gieste Klâtsch ist also ein Festmahl, dem keine Kindtaufe zu Grunde liegt.

E Gîsbeack (Geißbock) äs det lêtzt Rôss. Schässburg

E gît (er geht) gärn dôr (dahin), wo aser (unser) Härrgott de Hand eraus râkt (ins Wirtshaus). Siebenbürgen-Sachsen

E gît (geht) gärn än de Kirch, wo em (man) mät Gläsern laokt (läutet). Siebenbürgen/Sachsen
i] Er geht ins Wirtshaus, er ist ein Säufer.

E gît af Dôwreng. Siebenbürgen/Sachsen
i] Tagewerk, ähnlich Hoantwrenk oder Hoantrenk = Handwerk, Kirfich = Kirchhof, Stiewrich = Stegreif. – Er geht auf Tagearbeit, arbeitet für Tagelohn.

E gît äm den Èlter. Siebenbürgen-Sachsen
hdt] Er geht um den Altar.

E gît wä der Tôst (Dachs) äm't Loch. Siebenbürgen-Sachsen (er geht nicht recht daran, ist voll Bedenklichkeiten)

E god Pê'd (Pferd) söckt (sucht) men eg'ne (in dem) Stal, en e brav Mättchen egen Hûs. Aachen

E gode op de Nacht, e stiewe gegen e Morge. Ostpreussen

E goder Ratgewer öss beter als e schlechter Arbeider.

E goder Spielmann mot ok op drei Saide spêle könne, am lewste spêlt hei awer op dusend Saide.

E Gotts Name ist nit g'schwore. Luzern

E grîss Plarrement (Geschrei) afschlôn (aufschlagen). Siebenbürgen/Sachsen

E grober Gast kömmt ûgelade. Meiningen

E große Drub, e chline Schluck. Luzern
hdt] Eine große Traube, ein kleiner Schluck.
i] Vom Wachstum im Frühling.

E guete Bettler verdirbt nit, aber er wird unwert. Aargau

E guete Güggel (Hahn) isch nit feist. Solothurn

E guete Ma (Mann) cha-n-e gueti Frau mache. Solothurn

E gueti Frau chan a guete Maa mache. Schwiizertütsch

E gueti Rölli (Rollmühle) ist d' Mutter vo der Mühle. Solothurn

E gueti Sach' holt Kapital und Zins.

E Guorten (Garten) bräingt filer än 't Huos, wat em sonst af em Muort süke mist. Siebenbürgen-Sachsen

E gût Kuh sücht me im Schtoal.

E Gwössa hâ wie en Laubsack. (Ein nachgebendes, elastisches, dehnbares, weites Gewissen haben. Statt des Strohsacks legt man in der Schweiz einen mit Buchenlaub gefüllten Sack unter die Betten)

E Hahneschricht.
i] Antwort auf die Frage, wie weit es bis zum nächsten Dorf sei. Unter Hahnschritt steht irrtümlich die Redensart mit Hahnschricht, was Hahnschrei heißt, als Entfernungsangabe so weit auseinander bedeutet, dass man am Endpunkte noch gerade den Hahn hört, der am Anfangspunkte schreit. Die Bezeichnung ist auch pommerisch. Anders ist gemeint: 'Bis heilige drei Könige wächst der Tag um einen Hahnenschrei', nämlich um so viel länger ist's dann (seit dem 21. Dez., dem kürzesten Tage) hell, als das Schreien des Hahns dauert.

E hâlb Haus, e hâlb Höll. Henneberg

E Handhebi (Handhabe) a-n-e-n alten Mehlsack. Solothurn (Antwort auf die Frage: Was machst du?)

E hat en geat Nôs (Nase). Siebenbürgen/Sachsen

E hîrt de Kripes (Krebse) näsen (niesen). Siebenbürgen/Sachsen

E hölzige Bueb (Bub) isch es guldigs Meitschi wert. Solothurn

E hot a Radel zu viel.
i] Ist nicht recht im Kopfe, hat einen Schuss, einen Sporn.

E hôt dem Dîd noch emôl e Brîtchen gegien. Siebenbürgen/Sachsen
i] Er hat sich mit dem Tode, der als Bote erscheint durch ein Brötchen, dem üblichen Botenlohn, abgefunden, er ist ihm mit Mühe entronnen.

E hôt det Hienesähn (Hühnersehen). Siebenbürgisch-sächsisch (Er ist kurzsichtig)

E hôt e gärn wä der Heangd de Kläpel. Siebenbürgen-Sachsen
hdt] Er hat es gern wie der Hund den Knüppel

E hôt e geat Hoantrenk. Siebenbürg.-sächsisch (Handwerk, sein Geschäft trägt etwas ein)

E hôt e gern, wä de Katz det Stôcheisen. Siebenbürgen-Sachsen (Feuer- oder Schüreisen, von stôchen (stochern), schüren)

E hôt e Gesicht aus Feangdsuelen. (Ist schamlos)

E hôt e Gesicht aus Läder. Siebenbürgen-Sachsen (Schamlos)

E hôt en geat (gut) Kratzewetz. Siebenbürgen/Sachsen
i] Die Gurke, walachisch: kratzawetz. Er hat eine starke Nase.

E hôt en Magen mät em Auszeng (Auszug, Schublade). Siebenbürgen/Sachsen
i] Ist schwer zu sättigen.

E hôt et faustdick hangdern Iren. Siebenbürgen/Sachsen
i] Er ist ein verdrehter, gefährlicher Mensch, dem nicht zu trauen ist.

E hôt Fäneng wä der Heangd Flî. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Er hat Pfennige wie der Hund Flöhe, er hat viel Geld.

E hôt Geld wä Mast (Mist). Siebenbürgen-Sachsen (Er ist sehr reich. Man hat dafür auch die Redensarten: Er hat Späne. Er schwimmt in den Pfennigen. Er hat Pfennige wie der Hund Flöhe. Er fährt mit Sechsen)

E höt Kängd (Kinder) wä Argelflûren. Siebenbürgen/Sachsen
i] Er hat viele Kinder, die an Größe ab- oder zunehmen wie Orgelpfeifen.

E hôt nemestern üst ze befielen. Siebenbürg.-sächs.
hdt] Er hat niemandem etwas zu befehlen. (Er ist ein armer, bedeutungsloser Mensch)

E hôt niche (kein) Gesicht. Siebenbürgen-Sachsen

E hôt sich Not. Siebenbürgen/Sachsen
i] Er geniert sich.

E hôt sich um Schîlâck (an der Schulecke) gewâzt. Siebenbürgen/Sachsen –

E hôt Termen (Eigensinn) wä en Uessen (Ochse). Siebenbürgen/Sachsen

E hôt um Angd fîl. Siebenbürg.-sächs. (Er hat am Ende feil, er ist der Letzte)

E hôt vil Schragen zerässen. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Er hat viel Schuhe zerrissen.
i] Er ist alt.
sinnverwandt] E hôt vilmal de Bäsch grün wärde sän. E hôt vil Wängter iwerliewt. Er hat viel Winter überlebt.

E hôt vilmol de Bäsch (Busch) grän wärde sän. Siebenbürg.-sächs (Ist alt)

E Huser muess e Güder ha. Solothurn (Auf einen Sparer folgt ein Vergeuder)

E is a guder Dümmlich. Schlesien (Zur Bezeichnung eines gutmütigen, umgänglichen Menschen, der gerade das Schießpulver nicht erfunden hat)

E is en ohler Sammlich. Leipzig
i] Ist in allem, was er tut, sehr langsam.

E ist e böse Hauf, wenn e de Vögel nümme wend fresse. Luzern
i] Hanf = Hanfsamen; nümme = nicht mehr; wend = wollen.

E jed Bréser huot de Schtatuten häinjderm Iwen. Siebenbürg.-sächs.

E jêd Haus huot se Gekierschel.

E jêd Mêsser fäinjt séinj Schtîl. Siebenbürgen/Sachsen

E jed Räinjeltchen fäinjt se Fäinjerchen. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Jedes Ringelchen findet sein Fingerchen.

E jêder äs sich sälwest um nächsten. Siebenbürgen/Sachsen
ho] Men is zich zelven de naaste.

E jêder lîft (lobt) séinj Wuor, ich lîéve méinj gor.

E jêder lîft (lobt), wat em fîl äs.

E jêder nit, wat hie bekit. Siebenbürg.- sächs.
hdt] Jeder nimmt was er bekommt.

E Jör (Jahr) äs nit un de Schtäke gebangden.

E Jôrmert, af dên em äm elf ze schnêl und äm zwelf ze loangem kît. Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Ein Jahrmarkt, auf dem man um elf zu früh und um zwölf zu spät kommt.

E jud Arbeder wät seinje Lîn.

E Jud heft ömmer Glöck, on wenn hei bet Möddag liggt.

E Jung wie en Fausd bezwöngd e Mädche wie en Haus. Trier
i] Statt Faust hört man auch Maus.

E Kindbett un e böse Bruscht.
i] Zur Bezeichnung eines doppelten Wehes, wovon jedes allein schon zu schaffen genug macht.

E Kippe is e Klippe.
i] Von den Gefahren einer Geschäftsverbindung. Kippe von kippah, kuphah = Behältnis, Büchse, gemeinschaftliche Kasse, Gesellschaft. Klippe = Ursache zum Verderben.

E Kippe-Tippe is nit kalt und nit warm.
i] Der Topf einer Gesellschaft, Kompagnie steht schlecht. Warnung vor Gesellschaftsgeschäften.

E kit (kommt) än de Lîm (Lehm). Siebenbürgen/Sachsen

E kit eangder de Hôch (Hag). Siebenbürgen/Sachsen

E kit eangder dem Oetch (Attich). Siebenbürgen/Sachsen

E kit eangder dem Schierleng. Siebenbürgen/Sachsen

E kit eangder den Dreisch (hohes Gras). Siebenbürgen/Sachsen
i] Redensarten für: sterben.

E kit nangder de Hâg. Siebenbürg.-sächsisch

E kit nangder dem Dresch. Siebenbürg.-sächs. (Er kommt unter den Dresch, hohes Gras, d.i. er stirbt oder ist gestorben)

E klênet Etwas öss beter, als e grotet Gornuscht.

E Kopp (Kopf) wie e Rat(sherr).
i] So klug, so scharfsinnig.

E Krankeit chunt bim Zentner und gohd bim Quintli. Luzern
i] Die Deutschen pflegen zu sagen: Krankheit kommt centnerweise und gehet quintensweise hinweg.

E Kumetstern (Kometstern) zeigt es Wy-Johr a. Solothurn

E lacht iwern Heangszoand (Hundszahn). Siebenbürgen/Sachsen

E lacht wä der Däpner (Töpfer), won e ämstälpt (umwirft). Siebenbürgen/Sachsen
i] Von hämischem Lachen.

E lange Pîp (Pfeife) on en schnoddrige Näs.

E lank Läwent driw (drüber) moachen. Siebenbürgen/Sachsen
i] Großes Gewäsch über etwas machen. Lawent = Suppe

E lécht (lügt) dat sich de Ierd (Erde) bîgt. Siebenbürgen/Sachsen
i] Lügt sehr stark.

E leddig Schaaf brängk Unverdrag.

E leere Gruß gohd barfuß. Luzern (Höflichkeit ohne begleitendes Geschenk bleibt gar oft ohne die gewünschte Wirkung)

E leere Sack stoht nid ûfrecht.
bm] Prázdný pytel nestojí.
ho] Een ledige zak kan niet regt opstaan.
it] Sacco voto non può star in piedi.
it] Sacco rotto non tien miglio; il pover uomo no va a consiglio.
tschud] Kas tühhi kot püsti seisab?

E lêgt wä gedreckt. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Er lügt wie gedruckt.

E Lewe (Leben) ohn Lêw (Liebe) öss wie e Hund ohn Zagel. Insterburg

E Lewe ohn Lêw öss wie e Hund ver e Grosche.

E Liesel, zwê Kließel. Schlesien

E liewt wä en Horgesch (sehr gut). Siebenbürgen/Sachsen
i] Ein altes Goldstück im Werte von 17 Kreuzern

E lîft (läuft), wä won e Schwierz (Schwärze) hêt gesôfen. Siebenbürgen/Sachsen

E lîft, wä won en der Heangd hât' gebässen. Siebenbürgen/Sachsen
i] Als wenn ihn der Hund gebissen hätte, also sehr hastig.

E Luskenpeter.
dt] Lausepeter, auch Lausefritz.

E macht e Karfretuggesicht (Karfreitagsgesicht). Siebenbürg.-sächs.

E Mädche vun der Meddelmoß (Mittelmaß) geiht am wackerschten üvver de Stroß.

E Mai kiehl on naas fölld Scheier on Fass. Trier

E Maidle wie g'schleckt, e Frau wie e Butze. Hauenstein

E Mann brâcht nor de Hand ze wiéjen, se hêd un em jêde Fäinjer en Froa. Siebenbürgen/Sachsen

E Matzken ône Bôrt, en Sôp ône Salz. Siebenbürgen/Sachsen

E Matzken ône Grun, e Krokt ône Bâflîsch. Siebenbürgen/Sachsen

E Matzken ône Grun, e Krokt ône Rum. Siebenbürgen/Sachsen

E meacht allerhand Kôsnoten (Umstände). Siebenbürgen/Sachsen

E meht Zickzacken.
i] In Luxemburg, um einen Trunkenen zu bezeichnen.
sinnverwandt] En as rejpst, belge, iwer de Bierech, besoff, dronken (ewe en Henkel), fiérdech, fort, fol, fol an dol, gesent, grenaten, geliwert, kanonen, ronn (ewe eng Bomm) am Stureni, am Steps, am Schnas, selech, sât, pupsât, stiére bletz, tibi, tut, am Tubak, ugestach, seng Del, en Dudel, en Denbuortske enge Fesch, é Frieme bei sech, gedrönk ze dêf an d' Glas gekukt, e Glas zé fill, es genochne, krom geluoden, sech es gin, geschnapst, gepompelt, gepenkt, eng Hippchen, eng al Hatt un, d' Hoer geschwollen, en Hoerbeddel, en Haberdatz, e Patt zefill, eng Praum, eng Pareck, e Schotz gehollt, eng Spatz, de Schwetzer e Sabel, zur Seit agepakt, sech eng ugehangen, d' Zong schweer. E stirkelt, en tirkelt, e schwenkt, e geseit alles doubel, 't gêt em alles ronderem. E gêt ân. Et gêt iwer d' Nuos. E kuckt richt fort. E geseit d' Stiéren danzen. E spirt de Wein. E war wo et gutt as. E kann og kengen Be' mê steen. E wâs net me op en e Jong oder e Metchen as.

E merkt, wat de Birre (Birnen) goalden. Siebenbürgen/Sachsen

E mich de Tot up der Tunge sit, êer werd nich schicket.
i] In den untern Volksklassen ruft man in der Regel die Hilfe des Arztes erst an, wenn es zu spät ist.

E moacht sich gärn patzig. Siebenbürgen/Sachsen
z] Nachdem macht er sich in dem Haus auch etwas mehr patzet und groß.

E moacht sich gärn porrig. Siebenbürgen/Sachsen
i] Ist aufgeblasen.

E n' Ard hed e n' Ard. (Recht ist recht

E Narr is kaan Beweis.
z] Die Worte eines Verrückten beweisen nichts. Schiller

E Narr si zur rechte Zit, ist au e Kunst. Luzern

E ôl Weib heft söck oppgehängt.
i] Wenn sich ein starker Wind erhebt.

E oler Bock lett wol von de Woll, awer nich von de Necken. Danziger Nehrung

E oler Mensch öss wie e Schatte, wenn hei äver den Tun stöggt, dann öss hei op e andere Sît.

E Pääd (Pferd) hät vêr Bin und vertritt sich doch bald was. Köln

E paar Auga macha wie en Häftlimacher. (Stieren und starren mit seinen Augen, damit kein Härchen entgehe)

E passt (lauert) af de Mûlterhûf (Maulwurfshaufen). Siebenbürgen/Sachsen
i] Von jemandem, der gespannt auf etwas wartet.

E Pelz öss beter wie e Paar Handmanschötten.

E Pollack blöwt e Pollack on wenn hei bet Möddag liggt.

E Poske möt Sopp (Suppe).
i] Von einem Küsschen, das ein Kind mit unsauberer Nase gibt.

E Pöss ohne Fort öss Rom ohne Papst. Ostpreussen
la] Cum flatu mingere, nihil aliud est, quam proficisci Romam et non videre papam.

E Pöss ohne Fort öss wie e Hochtît ohne Musik.

E Predikante-Sack hat ke Bode.

E rechte Mensch hed viel z' lide. Luzern

E rîchi Schwiegeri bringt alles wider.

E richi Schwiegern und e feisse Sau sind e würde Tod. Luzern
i] würde = willkommener, angenehmer; der Tod der erstern, wegen der Erbschaft, der letztern, wegen Fleisch und Speck.

E ried af Boarg. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Er redet auf Borg
i] Also Unsinn. Er führt nicht aus, was er sagt, hält nicht, was er verspricht.
z] Dieser redet auf Borges und keiner bezahlt gern sein eigen Wort.

E ried är siwen än de Sack. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Er redet ihrer sieben in den Sack zusammen.

E ried wä e Beach. Siebenbürgen/Sachsen
i] Er redet wie ein Buch, sehr klug.

E rot's Röckel verdiene.
i] Im 16. Jahrhundert scheint der graue Rock vorgezogen worden zu sein.

E Rüeli ist über Brüeli. Schweiz

E Sach inn Winkel lehna.
i] Aus den Händen legen, auf etwas verzichten. Für unbrauchbar erklären.

E Sack voll Flöö ischt besser hüete als jungi Wiiber. Schwiizertütsch

E sägt anen wä der Heangel än't Kôches. Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Er siehthinein wie der Hund ins Kochhaus. (Er sieht sich behutsam um)

E Sau reucht ein treck über neun Zäune.

E Sau und en Amme b'haltid eisder der Name. Luzern

E sauersüß Gesicht machen. Ulm

E Scheeker mit e Wortzeiche'. (Eenn man, um einer Lüge Eingang zu verschaffen, irgendetwas als Zeugnis anführt)

E Schicker on e Wagen Hâ (Heu) gait men aus em Weg. Jüdisch-deutsch

E schîner Morgen, e gorschtiger Tâg; e hibsches Meidel, e Schlumpersâk.

E Schneider und e Fleug sind gar liechtes Zeug; e Weber und e Floh sind eben au e so. Luzern

E Schniefke (eine Prise) on e Fort make de Tît kort.

E Schniefke on e Fort öss so got wie warm Fröhstöck.

E Schniefke on e Schnaps, dat ös Handwerker Manêr.

E Schniefke on e Schnapske ös dat halwe Lewe. Ostpreussen

E Schniefke on e Schnapske, on alle Vördeljahr e rên Hemdke, dat gehört tom röndliche Lewe (o. ist die größte Reinlichkeit).

E schön G'sichtle, vergaff di nit, 's chönt au e Lärvle si. Fricktal im Aargau

E schöne Frau macht no chei guete Huusstand. Gegend am Tunersee

E schöne Frau übercho ist liecht, aber sie schön b'haltn ist schwer. Luzern

E schöne Winter, e wüeste Summer. Solothurn

E schöner Rücken un e galanter Gang.
i] Von einem lästigen Menschen, den man am liebsten hat, wenn er fortgeht; sein Rücken ist schön und angenehm sein Gang.

E schöni Frau ischt liecht überchoo, aber schwer z bhalte. Schwiizertütsch

E schreit seinen Hafer gut aus.
fr] Il ne perdra pas l'avoine faute de brailler.

E schüche (schüchterner) Hund isch nit feiß. Solothurn

E Schwäfelspînchen (Schwefelspänchen) en drei Deil un en Moss Wing (Wein) en einem Zogg. Köln
ho] Een zwavelstok in drieën, en een borreltje te meer.

E schwarzer Müller on (und) e wêsser Schmied töge nit vil.

E sêgt än de schiele Wänkel. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Er sieht in den schelen Winkel.

E segt aus wä't Liewen. Siebenbürgisch-sächsisch (Wie das Leben, gesund, blühend)

E Socher ohne Verstand, da liegt der Hessik auf der Hand.
i] Soocher, hebräisch = Handelsmann, neuhebräisch Hessik aus dem biblischen nesek = Schaden. Sinn: ein Geschäftsmann ohne Kenntnis seines Berufskreises, ohne Verstand und Einsicht in das Geschäft, hat nur Nachteil zu erwarten.

E Soocher (Handelsmann) ohne Verstand, da liegt der Hessik uf der Hand. Jüdisch-deutsch

E stît dô (er steht da) wä en ôfgeliese Wangert. Siebenbürg.-sächs. (Wangert =ein abgelesener Weingarten. Um Teilnahmlosigkeit zu bezeichnen)

E strauige'n Ochs, es spreuerig's Ross, e'n' öpfelschnitzige Ma zieh im Früelig kei Strick a. Solothurn
hdt] Ein Ochs, den man nur mit Stroh, ein Pferd, das man nur mit Spreu füttert und ein Mann, der sich nur mit Äpfelschnitzen nährt, sind im Frühjahr zur Feldarbeit untauglich.

E sydige Rock, keis Hemmli a, e rüdige Buch und Flöhdreck d'ra. Solothurn
i] Etwa der Sinn von: Außen hui, innen pfui.

E Traum is allemol e Freud'. Luzern
i] Ist er angenehm, so freut man sich im Traume; ist er schwer, so freut man sich beim Erwachen, dass es nur ein Traum gewesen ist.
dä] Drømme sige een, om han er nod eller god.

E Trunk uff de Salat schad im Dokter e Dukat; e Trunk uff e-n-e-Ei schad im Dokter zwei. Elsass

E trurige Brut (Braut), e fröhligi Frau. Solothurn

E unprüglete Bub' ist grad wie ne ungsalzni Suppe. Emmental

E Vetter u nid Frünt ist nünt.

E voller Spuhle im Sack, Stroh in de Holzschue un e Maidel in Hûs kammer (kann man) nidd gued verstecke.

E wit de Kuckuck neni hire kreischen. Siebenbürgen
ho] Hij zol den koekoek niet horen zingen.

E wüeste Winter, e schöne Summer. Solothurn

E wunt än er Gass, wo de Heangd' (Hunde) ämkîren. Siebenbürgen-Sachsen (Am äußersten Ende einer Sackgasse)

E wunt än er Gäss, wô em 't Brît mät dem Zwîre schnegt.
hdt] Er wohnt in der Gasse, wo man das Brot mit dem Zwirne schneidet.
i] Wo man Palukes (Maisbrei) isst.

E wurmässigi (wurmstichige) Erbs schwimmt allzid owwe. Strasburg

E zecht (zieht) Grimpes (Klötze). Siebenbürgen-Sachsen (Er schnarcht)

Ea hod 'n 's Goudadl krotzt. Steiermark
hdt] Er hat ihm das Doppelkinn gekraut. (Ihm geschmeichelt)

Ea hod a Fauzn kriagg, dass a d' Stedn pan hölliachddn To gsechan hod. Steiermark
hdt] Er hat eine Fauze ins Gesicht gekriegt, dass er die Sterne am hellichten Tage gesehen hat.

Ea hod a kuan ungschoffnes Woat geben, und si is don hab gwoatn. Steiermark
hdt] Er hat ihr kein ungeschaffenes (d.h. kein grobes) Wort gegeben.
i] Und sie ist doch böse geworden.

Ea hod a rods Janggadl aun. Steiermark
hdt] Er hat ein rotes Jäckchen an.
i] Er ist ein Denunziant.

Ea hod an Miakstabbl kriag. Steiermark
i] Er hat einen Merkstölpel, d.i. Nasenstuber gekriegt. Merke es, du Tölpel, eine fühlbare Erinnerung.

Ea hod an Schuss. Steiermark
i] Vom Launenhaften, Überspannten.

Ea hod an waissn Rouk kriagg (Rock gekriegt). Steiermark
i] Er ist Soldat geworden.

Ea hod de Red af d' laichdi Oxl (Schulter) gnoumman.

Ea hod di Kui mid'n Kaibl kaft. Steiermark
dt] Er hat die Kuh mit dem Kälbchen gekauft
i] Eine Schwangere geheiratet.

Ea hod die gounzi Schaiben vafald. Steiermark
hdt] Er hat die ganze Scheibe verfehlt.

Ea hod in kluann Finga mea, wiar Ounari in gounza Koubf. Steiermark
hdt] Er hat im kleinen Finger mehr (nämlich Verstand), als ein anderer im Kopfe.

Ea hod ins an Ped'n aunpunt'n. Steiermark (Er hat uns einen Bären angebunden)

Ea hod ins d'Haut iba d' Oawaschln ozougn. Steiermark (Er hat uns die Haut über die Ohren gezogen, hat Ungerechtigkeiten und Gewalttätigkeiten an ihm verübt)

Ea hod kuan Sitzleda. Steiermark
i] Es fehlt ihm an Ausdauer im Arbeiten.

Ea hod lounki Finga gmocht. Steiermark
hdt] Er hat lange Finger gemacht.

Ea hod mid uam Schlag zwoa Fluigen dawischt. Steiermark

Ea hod si dafraid und dawunned wie d' Moas pan kluann Vegadl. Steiermark
hdt] Er hat sich erfreut und verwundert wie die Meise beim kleinen Vögelein.

Ea hod si dapai d' Finga (Finger) vaprennt. Steiermark

Ea hod'n 's hinta d' Nos'n gribbelt. Steiermark
hdt] Er hat es ihm unter die Nase gerieben.

Ea hod'n gounz in Sok. Steiermark
hdt] Er hat ihn ganz im Sack.

Ea ist eine fidele Haut. (Einfältiger, argloser Mensch)

Ea kaun hingain, wou da Pfeffa woxt. Steiermark

Ea laft (läuft) wiar a Schnaida. Steiermark

Ea laft zan Tisch wia d' Sau zan Trou. Steiermark
hdt] Er läuft zum Tisch wie die Sau zum Trog.

Ea luigg (lügt) in sainen Paiddl. Steiermark

Ea luigg, sou ouft a's Maul aufmocht. Steiermark
ho] Hij liegt zooveel, als hij groot is.

Ea muand, ea hod ois mid'n groß'n Leffl (Löffel) gfressn. Steiermark
i] Er hält sich für allein gescheit.

Ea muis sain Nos'n (Nase) ibarol dapai hoben. Steiermark

Ea muis si oli Fingar olecken, woun das gschiad. Steiermark
hdt] Er muss sich alle Finger ablecken, d.h. sehr froh sein, wenn das geschieht.

Ea schaud aus, as woun a Muaregg vaprennt hed. Steiermark
hdt] Er schaut aus, als wenn er Murek verbrannt hätte.

Ea schaud aus, as woun a nid fimfi zöülen kinnd. Steiermark

Ea schmaisst oli Damfingaloung an Strohsack voa di Tia. Steiermark
hdt] Er wirft alle daumfingerlang den Strohsack vor die Tür
i] Droht alle Augenblicke, das Haus, den Dienst zu verlassen. Ausdruck der Entrüstung mit dem Nebenbegriff der Zurückweisung einer Gunst und Gnade, hauptsächlich mit dem Abbruch eines Dienstverhältnises drohen. Der vor die Tür geworfene Strohsack deutet auf das Scheiden aus dem Hause. Auch die Herberge kündigen.

Ea sitzt mid di Hian (Huhn) auf Steinen.
ho] Hij gaat met de kippen op stok.

Ea steckt in kuan guiddn Haut. Steiermark

Ea tuid, as woun de Prinz Ginggadl sain Ged wa. Steiermark
hdt] Er tut als wenn der Prinz Ginggerl sein Pate wäre.

Ea wiadts nas einseg'n (einsehen), wenn eans Wasser in's Mäl aini rinnd. Niederösterreich

Ea-r-is da Mich'l Glåttweg. Niederösterreich (Er redet ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen)

Eah' as me Bat'ln (betteln) geaht, solt' me sein Löff'l ve'kaff'n. Unterinntal

Eam goat de Finger äs dem doden Fearken de Stêrt. Büren
hdt] Die Finger gehen ihm wie einem toten Ferkel der Steiss. (Er ist ein Faulenzer, mag nichts tun)

Eam sittet de Hut op Vivat, äs wann de Buer en Föer Weiten verkowt heat. Westfalen

Ean Rock an ean God. Nordfriesland
i] Ein Rock, ein Gott.

Ean Vôggal un a Paan as bether üs tjiin un a Lacht. Nordfriesland
hdt] Ein Vogel in der Pfanne ist besser als zehn in der Luft.

Ear guckt in neun Häfa z'môl.

Ear hoad 's Leben vô Gôd und's Ess'n vô Hôf. Niederösterreich
i] Von einem schmarotzenden Müßiggänger, der sich füttern lässt.

Ear hôt Ebbes (etwas) im Kopf g'hät. (Er hatte einen kleinen Rausch. Auch wohl, er war durch ärgerliche Dinge verstimmt)

Ear hôt sei Gosch in ällem drin. (Er spricht überall mit darein, er mischt sich unbefugt in jedes Gespräch, tadelt ohne Beruf)

Ear hôt'n Leibschaden unter'm Hut.
i] Er ist im Kopf nicht richtig, ist überspannt, oder blöde, ein Halbnarr oder Einfaltspinsel.

Ear is a g'schickda' Mensch, wån-a' bôt'nweis' gehd. Niederösterreich

Ear is dumm wiar a Schab Stroh. Steiermark
hdt] Dumm wie eine Garbe Stroh.

Ear is graun wiar a Zaunschöldda. Steiermark
hdt] Er ist hager wie ein Zaunstecken.

Ear is van Ponzius zan Pilatus g'laf'm. Steiermark

Ear is wia's fimfti Rod am Wogn.
z] He (Luther) is so nütte der Cristenheyt, so dat vofte Rad dem wagen. Dat vofte rad den wagen vmme werpet.
z] Ph. M. von Aldegonde sagt, dass die Verkehrung Wassers im Wein zu Cana so viel zum Beweis der Transsubstantiation schickt, als das fünffte Radt in Wagen und die vier Bettlerboden zum Kirchwagen Ezechielis.
z] Wenn der Teufel nichts nutz ist, so ist er doch so viel nutz als das fünfte Rad am Wagen.
jüdisch-deutsch] Man darf ihm huben wie dus füfte Rud im Wugen.
mhd] Der wagen hât deheine stat, dâ wohl stê daz fünfte rat.
mhd] Er (der Klosterlugner) verirt daz Klôster, hoer ich sagen recht als daz vünfte rat den wagen.
mhd] Zo dē fūftē rade zelen.
mhd] Hat ez ain ander follen bracht als ich zo dem fierdē war gedacht so zele man mich zo dē fūftē rade.
fr] Cela sert comme une cinquième roue à un char.
fr] La cinquième roue à un chariot.
la] Malleus quintus ad incudem.
la] Nec currimus, nec remigamus. Aristoteles
la] Nec sibi, nec aliis utiles. Cicero
la] Rota quinta plaustro.
pl] Potrzebny jak dziura w moście, jak psu piąta noga.

Ear rêd't dahear wia dê Kuah in 'n Båch scheisst. Niederösterreich
i] Einfältig, ohne Sinn und Überlegung.

Ear setzt d' Red wia da-r Es'l d' Schoass. Niederösterreich
i] Gespreizt und geziert.

Eät säuket nümmes biäne ächtern Oawen, wenn hai selwer noch nit derächter seäten hiät.

Ebbe folgt nicht auf Ebbe, dazwischen ist die Flut. Sudan

Ebbe oder Flut, wer sich nicht rührt, bekommt kein Gut.
ho] 'T mag vloed zijn of ebben, die niet waagt, zal niet hebben.

Ebbe und Flut warten auf niemand.

Ebbes (etwas) Rechts hat nex Schlechts. Schwaben

Ebbes uf der Schûfla hô. Vorarlberg
i] Etwas begangen haben und dafür der Bestrafung gewärtig sein müssen.

Ebbs kaufe, unn e Böhml unn e Klotz.

Eben an Baumes höchsten Zweigen blühen und sprießen die Früchte - siehe da die schöne Voraussicht des größesten der Werke Gottes!
Johann Gottfried Herder, Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit

Eben darum sind die Gesetze ein menschliches, nicht ein göttliches Institut, damit sie, sobald es notwendig geworden, sobald das Leben einen andern Gang genommen hat, demgemäß verändert werden können. Leopold von Ranke, Über die Zeiten Ferdinands I. und Maximilians II.

Eben dasjenige, was niemand zugibt, niemand hören will, muss desto öfter wiederholt werden.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1218

Eben der Wolfsgrube entkommen, gerät man in eine Tigerhöhle.

Eben deshalb weine ich, weil ich nichts erreiche. Solon

Eben die Träume verraten mir's, dass es auf die Neige geht, ich mein, die wachen Träume, die jeder Mensch hat. Bestehen diese Träume in Hoffnungen, so ist man jung, bestehen sie in Erinnerungen, so ist man alt. Nestroy, Der Zerrissene, I, 6 (Lips)

Eben gleich wie Hering vnnd Tonnen, also versamblen sich Münch und Nonnen.

Eben Herz bornet (brennet) nicht. Luther

Eben nur das glaubt jeder, worauf er durch Zufall gestoßen. Empedokles

Eben recht ist nicht versalzen. Luzern

Eben Recht ist weder eng noch weit.

Eben recht, wie 's Wildbad. Schwaben
i] Wie es eben den Anforderungen entspricht, weil das Wildbad gerade die zusagende Badewärme besitzt.

Eben so mehr in die Hölle gerand, als hinein gangen.
z] Viel Bas in die Helle gerant, als hinein gedrabt.
z] Wer ja hinein wil und sich nicht warnen lest.
z] Es ist so gut ind hel gesprungen, als mit rütschen drein gevungen.

Eben und gerecht, das ist des Reiches Recht.

Eben wie ein Teller. Nürtingen

Eben wie im Traum Erinnerung und Phantasie ihr Wesen gegeneinander treiben.
Goethe, Wanderjahre III,13

Eben zu masse, das hat ein gelasse.

Eben, wenn man alt ist, muss man zeigen, dass man noch Lust zu leben hat.
Goethe, Was wir bringen, Lauchstädt Sz 3
Vater

Ebener Weg ist gut zu reisen.

Ebenmat (Ebenmaß) is tau allen Dingen gaut. Hannover
la] Ne quid nimis.

Ebenso abgeschmackt, wie eine Laute tönt, wenn die Selten nicht zusammenstimmen, lautet es bei Eheleuten, wenn die Sitten nicht zusammenstimmen. Abraham a Santa Clara

Ebenso bedeutsam ist das Märchen, man müsse, bei wunderhafter Wagefahrt nach einem kostbaren Talisman, in entlegensten Bergwildnissen, unaufhaltsam vorschreiten, sich ja nicht umsehen, wenn auf schroffem Pfade fürchterlich drohende oder lieblich lockende Stimmen ganz nahe hinter uns vernommen werden.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1803

Ebenso erscheint der Zentaur beneidenswert, dessen unmögliche Bildung uns nicht so ganz unwahrscheinlich entgegentritt, weil ja der in einiger Ferne hinjagende Reiter mit dem Pferde verschmolzen zu sein scheint.
Goethe, Schriften zur Kunst - Tischbeins Idyllen VIII

Ebenso gehört zur Begabung oder zum Genie auch die Aneignung von Bildung und Wissen, und geradezu ein Zeichen einer bedeutenden Begabung oder gar eines Genies ist die Tiefe und Weite seiner Weltanschauung.
Johannes R. Becher, Das poetische Prinzip

Ebenso geht's allen, die ausschließlich die Erfahrung anpreisen, sie bedenken nicht, dass die Erfahrung nur die Hälfte der Erfahrung ist.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1072

Ebenso groß ist die Tugend, etwas wohl zu behalten, wie es zu gewinnen. Chaucer, Troilus, III, 1634

Ebenso gut kommt das Lammfell auf den Markt, wie das des alten Schafes. Schottland
bm] Více telat v jatkách bývá, než starých volův.
ho] Daar komen zoo wel kalven als koejen aan de markt.

Ebenso ist auch hier in den Sibyllen [von Raffael] die verheimlichte Symmetrie, worauf bei der Komposition alles ankommt, auf eine höchst geniale Weise obwaltend, denn wie in dem Organismus der Natur, so tut sich auch in der Kunst innerhalb der genausten Schranke die Vollkommenheit der Lebensäußerung kund.
Goethe, Italienische Reise III, Dezember 1787 - Bericht

Ebenso ist das Kombinationsvermögen bei allen Individuen vorhanden, aber doch mehr oder weniger verschieden und um so mehr bei solchen Dingen, auf die der Mensch sehr viel Gewicht legt und mit denen sich sein Denken eifrig beschäftigt, so dass du in dir selber gewahr werden wirst, ein gewisser Mensch werde in einer bestimmten Angelegenheit dies oder das sprechen oder so oder anders handeln, und dies wird wirklich der Fall sein, und bei manchen anderen Menschen wirst du bemerken, dass ihre Einbildungskraft und ihr Kombinationsvermögen sehr stark und sicher ist, so dass möglicherweise alles, was sie sich als wirklich einbilden, ganz oder teilweise so sein wird, wie sie sich es eingebildet haben. Maimonides, Führer der Unschlüssigen

Ebenso ist ein Philosoph, der in der Lebensführung Fehler begeht, deswegen tadelnswert, weil er in der Pflichterfüllung, die er anderen predigt, selber nicht standhält und als Lehrer der Lebensregeln gerade in der Lebensweise sich unwürdig zeigt. Cicero,Tusculanae

Ebenso kann und maß auch der Gelehrte seine Vorgänger benutzen, ohne jedesmal ängstlich anzudeuten, woher es ihm gekommen, versäumen wird er aber niemals, seine Dankbarkeit gelegentlich auszudrücken gegen die Wohltäter, welche die Welt ihm aufgeschlossen...
Goethe, Schriften zur Natur und Wissenschaftslehre - Meteore des literarischen Himmels - Plagiat

Ebenso macht umgekehrt Friede an sich nicht kraftlos, wie die so lange auf dessen Tabors-Bergen und Tempetälern eingewohnten Schweizer zeigen.
Jean Paul, Friedens-Predigt an Deutschland

Ebenso mag sich der Idealist gegen die Dinge an sich wehren, wie er will, er stößt doch, ehe er sichs versieht, an die Dinge außer ihm, und wie mir scheint, sie kommen ihm immer beim ersten Begegnen so in die Quere wie dem Chineser die Glutpfanne.
Goethe, An Schiller, 6.1.1798

Ebenso mehr erstickt, als erfroren, wann es ja muss gehenckt sind.

Ebenso schnell stirbt Kalb wie Kuh.

Ebenso verderblich wie die Einbuße nationaler Selbstständigkeit ist für ein Volk auch das Streben nach grenzenloser Weltherrschaft.
Heinrich von Sybel, Kleine historische Schriften (1863-1881)

Ebenso viele Kälber kommen auf den Markt wie alte Kühe.

Ebenso war die Abneigung Friedrichs gegen das Deutsche für die Bildung des Literatwesens ein Glück. Man tat alles, um sich von dem König bemerken zu machen, nicht etwa, um von ihm geachtet, sondern nur beachtet zu werden, aber man tat's auf deutsche Weise, nach innerer Überzeugung, man tat was man für recht erkannte, und wünschte und wollte, dass der König dieses deutsche Rechte anerkennen und schätzen solle.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II, 7

Ebenso war es mit dem Begriff, dass der Schädel aus Wirbelknochen bestehe. Die drei hintersten erkannt ich bald, aber erst im Jahre 1791, als ich aus dem Sande des dünnhaften Judenkirchhofs von Venedig einen zerschlagenen Schöpsenkopf aufhob, gewahrt ich augenblicklich, dass die Gesichtsknochen gleichfalls aus Wirbeln abzuleiten seien...
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Bedeutende Fördernis durch ein einziges geistreiches Wort

Ebenso wie die Schienbeine soll man auch die Hoffnung nicht zu weit herausstrecken.
Epiktet

Ebenso wie es im Leben der Arbeiter keine einzige wirtschaftliche Frage gibt, die nicht für die wirtschaftliche Agitation ausgenutzt werden sollte, gibt es auch auf politischem Gebiet keine Frage, die nicht zum Gegenstand der politischen Agitation dienen müsste.
Wladimir I. Lenin

Ebenso wollen die Menschen jede interessante Situation gleich in Kupfer gestochen sehen, damit nur ja ihrer Imagination keine Tätigkeit übrigbleibe, so soll alles sinnlich wahr, vollkommen gegenwärtig, dramatisch sein, und das Dramatische selbst soll sich dem wirklich Wahren völlig an die Seite stellen.
Goethe, An Schiller, 23.12.1797

Ebenso wollte er auch bei Instrumentalmusiken die Orchester so viel als möglich versteckt haben, weil man durch die mechanischen Bemühungen und durch die notdürftigen, immer seltsamen Gebärden der Instrumentenspieler so sehr zerstreut und verwirrt werde.
Goethe, Lehrjahre VIII,5

Ebenso: am Georgstag auf die Felder geworfene Graberde und Salz.

Ebensoviel tut der, welcher festhält, als der, welcher schindet.
fr] Autant fait celui qui tient que celui qui écorche.

Ebensoviel wert ist der, der jagt und nichts fängt als der, welcher liest und nichts versteht.
fr] Autant vaut celui qui chasse et rien ne prend comme celui qui lit et rien n'entend.

Ebensowenig aber war ich ein Freund herrischer Willkür. Auch war ich vollkommen überzeugt, dass irgendeine große Revolution nie Schuld des Volkes ist sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unöglich, sobald die Regierungen fortwährend gerecht und fortwährend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemäße Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange sträuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.
Goethe, Eckermann, 4.1.1824

Ebensowenig als Glauben erzwingt sich der Kultus des Schönen.
Möchte man diesem nur auch Tempel wie jenem erbaun.
Leuthold, Distichen

Ebensowenig können wir die Bildung verleugnen, die wir von der Bibel hergenommen haben, einer Sammlung bedeutender Dokumente, welche bis auf die letzten Tage einen lebendigen Einfluß hat, ob sie uns gleich so fern liegt und so fremd ist als irgend ein anderes Altertum. dass wir sie näher fühlen, kommt daher, weil sie auf Glauben und höchste Sittlichkeit wirkt, da andere Literaturen nur auf Geschmack und mittlere Menschlichkeit hinleiten.
Goethe, Schriften zur Literatur - Klassiker und Romantiker in Italien

Ebensowenig wie Wasser dick wird, wird eine Hure reuig.

Ebensowohl stirbt Kalb als Kuh. (Es stirbt jung wie alt)
fr] Autant meurt veau que vache.

Ebentewr (Ebenteuer) bringts vortheil.

Ebentewr (Ebenteuer) ist selten allein.

Ebner Weg hat stets gut Fuhrleut.

Ebro, Verräter, du entspringst in Kastilien und bewässerst Aragon!
sp] ¡Ebro traidor! Naces en Castilla y riegas a Aragón.

Ech bän dich (doch) uch net vom Mästtupes. Siebenbürgen/Sachsen
i] Ich bin von guter Herkunft und nicht vom Misthaufen. Tupes = Haufen.

Ech wäll der äst hosten.
hdt] Ich will dir etwas husten, auch wohl flûren, môlen. (Daraus wird nichts)

Echte aber und weise Seelengröße urteilt, dass jenes Ehrenvolle, nach dem die Natur besonders geht, in den Taten ruhe, nicht im Ruhm, und will lieber der Erste sein als scheinen. Denn wer vom Irrtum der unerfahrenen Masse abhängt, ist nicht unter die großen Männer zu zählen.
Cicero, Vom rechten Handeln

Echte Dichtung macht den Menschen frisch und gesund. Scheffel, Ekkehard

Echte Freunde erkennt man in der Not.
en] A friend in need is a friend indeed

Echte Frömmigkeit plustert sich nicht auf.
Sean O’Casey, Des Bischofs Freudenfeuer

Echte Fruchtbarkeit trägt in sich ihren Lohn.
Heinrich Mann, Empfang bei der Welt

Echte Lebensweisheit ist der Bewegung hold, nicht dem Stillstand. Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele

Echte Liebe hält Stich.
z] Doch ihrer Liebe thoat's nischt schoade, denn echte Liebe die hält Stich.

Echte Liebe zündet Wasser an.

Echte Männlichkeit und Unaufrichtigkeit sind unvereinbarliche Begriffe. Dr. Hanns Groß, Kriminalpsychologie

Echte Mehrheiten sind die, in deren Reihen sich auch die Mehrheit der Verständigen befindet.
Hans Kasper

Echte Moral und Moralität ist von keiner Religion abhängig, wiewohl jede sie sanktioniert und ihr dadurch eine Stütze gewährt. Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

Echte Natur ist niemals, Affektation hingegen überall lächerlich.
Friedrich H. Jacobi, Brief vom 10. November 1779

Echte Not muss man sogleich beweisen. [RSpW]
i] Wer einer richterlichen Ladung nicht hatte Folge leisten können, musste, um nicht von den Rechtsfolgen des Ausbleibens betroffen zu werden, dem Gericht bald die Verhinderungsursachen (Krankheit, Überschwemmung, Gefangenschaft u.s.w.) glaubwürdig angeben. Man nannte die Umstände, welche das Erscheinen wirklich unmöglich machten: ehehafte Not.
z] Die echte not sol man zu hant beweisen.

Echte Poesie wird von selbst zugleich philosophisch, moralisch und religiös sein. A. W. Schlegel

Echte Propheten haben manchmal, falsche Propheten haben immer fanatische Anhänger.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Echte Ware, feste Preise.
i] Geschäftsgrundsatz oder -Motto.

Echte weibliche Schönheit bildet sich ... geraume Zeit hindurch mit jedem Jahr vollkommener aus ... in den Augen, in den Gesichtszügen, am ganzen Menschen, wenn der Mensch gut ist und das Leben gut ist.
Nikolai G. Tschernyschewski, Was tun?

Echte Weltvölker sind nie eitel: sie spiegeln sich nicht, sie strahlen aus. H. Kayserling

Echten Freunden ist es auch in einem Grabe nicht zu eng. Rußland

Echten sittlichen Wert verstehen nur wenige Menschen zu würdigen. Konfuzius

Echter Adel verletzt niemand.
fr] Vraie noblesse nul ne blesse.

Echter erbt keinen Unechten, aber Unechter erbt Echten. [RSpW]
i] Von dem Erbfolgerecht und der Erbfähigkeit. Zum Erbe berechtigt gleiche Geburt. Uneheliche (unechte) Kinder sind standeslos, daher durch die Geburt unfähig, das väterliche Erbe anzutreten. Ein echter Mann und ein echtes Weib nimmt des unechten Mannes Erbe nicht, aber der Unechte nimmt des (echten) Vaters Erbe, wenn keine echten Kinder da sind.

Echter Idealismus besteht nicht in der Jagd nach augenblicklicher Verwirklichung dessen, was vielleicht eine Chimäre oder Illusion sein könnte, sondern im täglichen, unermüdlichen, beständigen Kampf um die allmähliche Annäherung an das, was uns als Ideal vorschwebt. Ein echter Idealist vergißt niemals die Realität des täglichen Lebens. Benes, Aufstand der Nationen

Echter Meister, echter Leister.

Echtes ehren,
Schlechtem wehren
Schweres üben,
Schönes lieben! Paul Heyse, Spruchbüchlein: Lebensweisheit: Wahlspruch

Echtes Gefühl kennt keine Worte.
Jan Neruda

Echtes Gold bleibt echt (Gold), auch wenn es neben Blei liegt.

Echtes Gold braucht Feuer nicht zu fürchten. China

Echtes Gold wird klar im Feuer.

Echtes Leid spaßt oft zum besten,
Kennt nicht eiteln Tränendurst. Uhland, Vorwort zur ersten Auflage, 1815

Echtschafft beweyset Kindere. Cleve (Die Ehe führt den Beweis für die gesetzlichen Rechte ehelicher Kinder. Ein Kind, das während der Ehe geboren wird, gilt für ein eheliches)

Eck häwwe et emme (ihm) recht inbichtet (eingebeichtet). Lippe (Anbefohlen, ernstlich gesagt)

Eck häwwe et emme recht inknüppt (eingeknüpft). (Einbeichten)

Eck hoal (halte) mi an en Stamm, dann fall 'k nich van en Twiëlen. Recklinghausen
i] Twiëlen = zweischössige Zweige

Eck hodde nohher Nackenschläge davon. Lippe
i] Unannehmlichkeiten, üble Nachrede.

Eck hôle et jümmer mit der Midde (Mitte), dat het mîn sêl'ge Mutter ôk edân, sä de Brût tau'n Bröddigam. Hildesheim

Eck kann 'r nich vor, sä de Wulf, da draug (trug) he en Schâp weg. Hildesheim

Eck kann dat Ketteln (Kitzeln) an'n Halse nich verdrâgen, sä de Deif, da se êne hängen wollen. Hildesheim

Eck kann nich tau Quêken komen. Hildesheim
hdt] Ich kann nicht vorwärts kommen.
i] Queken heißt, die unnützen Wurzeln ausgäten, die nach der Fortschaffung der Garten- und Feldfrüchte zurückbleiben.

Eck kann't Hemd nich von'n Mâse krîgen, sä dat Bûermäken, da et de Stadtmann küssen woll. Hildesheim

Eck köre (schwatze) von Tüten, du hörest von Hüten. Hildesheim
i] Wenn jemand gänzlich missversteht.

Eck moße mit em in't Mittel sehen. Lippe
i] Nachsicht mit ihm haben.

Eck nehme nix, eck nehme nix, segt de Beddelvagt von Alfeld, un hält de Hand hinnen ût.

Eck pruste (niese) deck wat, sä de Tûnegel tau 'n Hunne, da harr 'e seck upperullt. Hildesheim

Eck schäme meck, sä' dat Mäken, un heil 'n Twêrensfân ('t Hemd) vor de Ôgen. Hildesheim

Eck sin vandage affgôn, un hebbe muinen Heren trotzet, und hebbe nix getten. Lippe. (Wenn jemand zu seinem eigenen Schaden trotzt)

Eck was so in der Angst, dat eck hedde mügen in 'n Muselock krupen. Lippe

Eck will deck wat up dat Lickebret leggen. Hildesheim
i] Ich will dir die Freude nicht machen, den Gefallen nicht erweisen.

Eck will dî dat Fell äwwer de Auern (Ohren) teihen. Lippe

Eck will dî wallachen, dat du sass'st den Hemmel für 'n Dudelsack ansehn. Lippe

Eck will dî wallacken, du sass'st an den Wännen in de Höchte (Höhe) springen.

Eck wolle dat min Bûk 'ne Schünendäle wäre. (Ich wollte, dass mein Bauch eine Dreschtenne wäre, d. h. dass ich alle Tage so gute Speise hätte)

Ecker und Weyden kann man leyden. Weingärten und Teiche machen selten reiche.

Eckermann, Johann Peter] Der getreue Eckart ist mir von großer Beihülfe. Reinen und redlichen Gesinnungen treu, wächst er täglich an Kenntnis, Ein- und Übersicht und bleibt wegen fördernder Teilnahme ganz unschätzbar...
Goethe, An Zelter, 10./14.12.1830

Eckkümich als ein Lauss im Kindbett. (Eckkümich = zunächst von einem eigensinnigen und unbehaglichen Kranken und dann allgemein zur Bezeichnung eines derartigen Gemütszustandes. Von kum, kumig = kränklich, unbehaglich, davon das hochdeutsche Kummer. 'S ist mir kum = ich bin nicht wohl)

Ed äs iwerâl gât (gut), awer im biesten derhîm.

Ed äs nit gât mät der Schwieger un enem Däsch säzen. Siebenbürgen/Sachsen

Ed äss hart, wun et gefrîren äss. (Ironisch als Verspottung gegen solche Leute, die immer über ihr hartes Schicksal klagen)

Ed flog e Gänschen iwer de Rhein, ed kôm als Gikgak widder heim. Trier

Ed öss kâ Müller su arm ôn Wâser, en drönnkd sich hâser. Trier

Ed öss kâ Samsdag essu drief, de Sonn' scheind der Modder Goddes zu Lief. Trier
hdt] Es ist kein Samstag so trüb, die Sonne scheint der Mutter Gottes zu Lieb. Eifel

Ed öss kâ' grîser Schwert, als wann e Bauer zum Här wöhrd. Trier

Ed öss kaan Hochzeid essu klaan, cd michd sich nôg aan'. Trier
hdt] Es ist keine Hochzeit so klein, es macht sich noch ein'.
ndt] Kein Huhzick es esu klein, sei brengt er noch ein. Köln

Ed öss kann Abbröl essu gud, e beschnied dem Schiefer den Hûd. Trier

Ed öss langsd Gold gefloss hoad winnig dervoa genoss. Trier

Edel bleibt der Edelgestein, und läg er im Staube;
Flög er gen Himmel empor, bleibet der Staub, was er ist. Herder, Blumenlese a. morgenl. Dichtern 2, Das Rosental

Edel Gemüt ist besser als edel Geblüt.
la] Nobilitat suum quemque opus.

Edel Gemüt rächt sich nit.
bm] K slechetné mysli nemá prístupu pomsta.
pl] Pomsta podlego serca rzecz.

Edel ist, den seine Tugend adelt.
ho] Niemand edel zonder deugd.

Edel ist, der edel tut (o. handelt).

Edel ist, wer spricht: Ich - nicht, wer spricht: mein Vater. Jemen

Edel ist, wer tut, was ihn adelt.
en] Handsome is that handsome does.
ho] Hij is wel edel, die edele werken doet.
la] Nobilis est ille, quem nobilitat sua virtus.
la] Nobilis est, quisquis nobilitanda facit.
la] Nobiliter vivens et agens haec nobilis et gens.

Edel kompt so nahe bey der Lateinisch kunst her als der Bettel.

Edel machen Kopf und Gemüt, nicht Stand und Geblüt.
la] Nobilitas morum magis ornat, quam genitorum.

Edel macht das Gemüt, nicht das Geblüt.

Edel macht der Kopf und das Gemüt, aber nicht der Stand und das Geblüt.

Edel ohn tugent, vnverschempte Jugent.

Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.
Goethe, Das Göttliche

Edel sein ist gar viel mehr als adelig sein von den Eltern (o. von alters her).
ho] Al zijt gij edel van geslacht, de deugd wordt meest van al geacht.

Edel sind der Götter Söhne schon
Die muss kein Fürst erst adeln wollen.
Gottfried August Bürger, Gedichte

Edel und unedel Blut ist von einer Farbe.

Edel, arm und reich ist im Tode gleich.
ho] Edel, arm en rijk maakt de dood gelijk.

Edelleben Geblüt liebt (o. hasst nie) Edelreben Geblüt.

Edelleut stecken nicht in Bubenheut.

Edelleut und Pfaffen stehen nicht wohl in eim Stall.

Edelleut, Juden und Nussbäume lassen unter sich nichts anderes aufkommen. Oberhessen

Edelleute - des Teufels Beute.

Edelleute säen gern in gemeine Erde.
z] Es ist der Edelleute Brauch, dass sie auch in gemeine Erde säen, denn sonst so mancher wackere Kerl würde von schlechten Eltern kommen.

Edelleute schlüpfen oft in Bubenhäu te.

Edelleute und Hunde lassen die Tür auf.

Edelmann und Hund ist der beste Bund. (Der litauische Edelmann und Hund (oder Teufel), das ist einerlei)

Edelmann, Bettelmann, Bauer gefunden, gestohlen, gekauft. (Spruch der Kinder beim Abzählen von Dingen)

Edelmut ist eine männliche Tugend. Eine Frau neigt mehr zur Barmherzigkeit. K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Edelmut ist nur das Mitleid vornehmer Seelen.
Chamfort, Maximen und Gedanken

Edelmut ist nur verkappter Ehrgeiz, der die kleinen Vorteile verachtet, um größeren nachzugehen.
La Rochefoucauld

Edels bluot (Blut), großer muot.

Edelstein fasset man in gold, nicht in bley.

Edelsteine haben großen krafft, sie können einem den beutel lähren.

Edelsteine muss man nicht in Blei fassen.

Edelsteine und Weiber werden schöner, aber leichter durch das Schleifen.

Edelsteine und Weiber werden zwar leichter, aber auch schöner durchs Schleifen.

Edeltaten machen Edelleut.

Eder de Niaring säät de Tiaring. Sylt
i] Nach der Nahrung setze die Zehrung.

Edinburg - Mädchenburg. (Es hieß Agneda Maiden-Castle - castellum virginum, weil dort königliche Prinzessinnen bis zu ihrer Mannbarkeit aufgehoben wurden)

Edle Frauen schmähen ihren Gatten nicht, das tun nur gefallsüchtige Weiber.
Premtschand, Nirmala

Edle Gemüter trachten nach Lob unnd Ehr, der Pöffel nach Geld und Gut.

Edle Gesinnung kommt von hohen Ämtern.
Titus Livius, Römische Geschichte

Edle Kraft, in sich bewahret,
Wächst im Stillsten unvermerkt...
Goethe, An Personen - Den verehrten achtzehn Frankfurter Festfreunden

Edle Männer weinen leicht. Altgriechisch

Edle Männertugend ist ein sichrer Wall. Äschylos, Die Perser, 347 (Bote)

Edle Pflanzen gedeihen nicht in schlechtem Boden.
en] Noble plants suit not a stubborn soil.

Edle Sachen soll niemand schwachen.

Edle Sänger dürfen
Nicht ungeehrt von meinem Hofe ziehn,
Sie machen uns den dürren Zepter blühn,
Sie flechten den unsterblich grünen Zweig
Des Lebens in die unfruchtbare Krone.
Sie stellen herrschend sich den Herrschern gleich,
Aus leichten Wünschen bauen sie sich Throne!
Und nicht im Raume liegt ihr harmlos Reich:
Drum soll der Sänger mit dem König gehen,
Sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen.
Schiller, Die Jungfrau von Orleans, I, 2 (Karl)

Edle Seelen nährt Anstrengung.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

Edle Seelen zürnen leicht bei ihrem Lob
Dem Lober, wenn sie dieser überschwänglich lobt. Euripides, Iphigenie in Aulis, 979/80 (Klytämnestra)

Edle Steine behalten ihren Glanz.

Edle Sünden darf man wohl verzeihen. Calderon, La Vida es sueno

Edle Taten machen Edelleute.

Edler Baum bringt zeitig Frucht.
la] Generosioris arboris statim planta cum fructu est.

Edler Mut tut ungezwungen, was ist gut.

Edler Sinn bei dürftigen, niedrigen Glücksumständen.
fr] Il a le coeur haut et la fortune basse.

Edler Stolz krümmt sich nicht vor Holz.
z] Stolz ist das Gefühl seines bestimmten Wertes und durchaus lobenswürdig. Besäßen alle dieses edle Selbstbewusstsein, es würde in der Welt in vielen Dingen besser stehen.

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