Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
F

und oder

'Frei' ist nur ein Synonym für 'einsichtig'.
Claude-Adrien Helvétius, Vom Geist

'Freund in der Not' will nicht viel heißen - Hilfreich möchte sich mancher erweisen.
Aber die neidlos ein Glück dir gönnen,
Die darfst du wahrlich Freunde nennen. Paul Heyse, Freunde

'Furchtlos und treu' ist der Wahlspruch der Liebe. Geibel, Meister Andrea, 2, 9

F-u-r-t - fleuten ging he. Strelitz

Fäärgiätten Braut (Brot) deit manchen an Beine (Leibe) weh. Soest

Fabian (20.1.) im Nebelhut, der tut den Pflanzen gar nicht gut.

Fabian (20.1.), Sebastian - lässt den Saft in die Bäume gahn.

Fabian Sebastian (20.1.) fängt de Baam to driben an. Hannover

Fabian Sebastian (20.1.) fängt der rechte Winter an. Koblenz

Fabian Sebastian (20.1.) lest den Safft ins Holz gahn.

Fabian Sebastian (20.1.) nimmt der Taubert die Taube an. Sachsen

Fabiaun und Sebastiaun (20.1.) lät den Saft in de Bäume gaun. Tecklenburg

Fachleute sollten als Verlängerung unserer Sinne, als die Astronomen unserer Sehkraft, die Radarmannschaft unserer Ohren, das heißt als Lieferanten von Daten betrachtet werden, als Werkzeuge, (...) aber niemals dürfen die Fachleute an die Stelle unseres Gehirns treten, das sich immer das Recht der letzten Entscheidung vorbehalten muss.
Yehudi Menuhin, Kunst und Wissenschaft als verwandte Begriffe

Fäh föhat de Bua oppen Woagen, öawa wenig kanna troagen. Ukermark (Wird auf seine Ungefälligkeit, Unbarmherzigkeit usw. bezogen)
hdt] Viel fährt der Bauer auf dem Wagen, aber wenig kann er tragen.

Fahet die Füchse, weil sie noch klein sind.

Fähigkeit bricht Felsenmauern durch. China

Fähigkeit ist des armen Mannes Reichtum.
en] Ability is the poor man's wealth.

Fähigkeit ohne Erziehung ist traurig, und Erziehung eines Unfähigen ist vergeblich. Saadi, Rosengarten

Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte!
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismeri

Fähigkeit und Notwendigkeit wohnen in derselben Hütte. Niederlande

Fähigkeiten werden vorausgesetzt, sie sollen zu Fertigkeiten werden. Dies ist der Zweck aller Erziehung. Goethe, Wahlverwandtschaften

Fähigkeiten, Talente erregen Vertrauen...
Goethe, Dichtung wid Wahrheit IV,17

Fahnlehen und Bischofgut muss der König ganz leihen und nicht zweien. (Gegen Zerstückelung der Länder, deren Untheilbarkeit schon früh als Grundgesetz galt)

Fahr deinen Mist zu Felde, weil du Schultheiss bist.
mhd] Darumb die weil du amptmann bist vergess nit uszufüren mist.
mhd] Lass aus dem hof füren deinen mist mit vorteil weil du schultheisz bist; aber doch baw zuvor ein haus, der mist kommt hernach auch hinausz.
mhd] Sô dû schultheize bist sô fäer ûz dînen mist, so wirt behoft dîn mist sô dû nümme schultheize bist.

Fahr du nur zu, ist doch der Schubkarren nicht unser.
i] Geborgte Sachen werden nicht geschont.

Fahr ghen Molnheym und lass dir den geck schneiden.
i] Molnheim, worunter wohl Möllen (Mäll'n, Mulne), ein lauenburgisches Städtchen, gemeint ist, worin Till Eulenspiegel begraben liegt, der auch dort geboren wurde und so dem Orte eine seltsame Berühmtheit verlieh.
la] Ede helleborum. Naviget Anticyras.

Fahr hin gen Anticyras und las dir den Narrn beschneiden.
z] Wann einer jmmer narrirt, auch allzeit schwermbt und dollisirt, weist man jn gen Anticyras, das er sich da purgieren lass, den Narrn mit Nießwurtz lass ausstreiben.

Fahr hin und wirf nicht um.
z] Wers nicht glauben und sich an dieser verzweifelten Leute Exempl stoßen vnnd trewe warnung nicht annemen will, der far hin und werff nicht um.

Fahr hin! Ich habe auf Dank ja nie gerechnet. Schiller, Wallensteins Tod, III, 7 (Wallenstein)

Fahr im November deinen Mist, denn wenn so überwintert ist, dann ist der Mist des Bauern List.

Fahr ja nicht mit dem Bären, spring eher auf des Wolfes Rücken.

Fåhr m-a, oder spår m-a, euer Gnaden. (Sagen die Wiener Fiaker, wenn sie einen Mann einherkommen sehen, aus dessen Äußerm sie entnehmen zu können meinen, dass ihm die Mittel fehlen, einen Wagen zu mieten)

Fahr nicht aus deiner Haut, wenn du fährst.

Fahr nicht so hoch her, stolzer Mann, noch hast du 's letzte Hemd nicht an. (Die hoch obenhinaus wollen, kommen gemeiniglich nirgends an)
z] Ein Feurwerck oder Rachetlein, das hoch in die Höhe fährt und doch weder den Himmel erreicht, noch wider auff die Erde kömmt, sondern in der Lufft zerknallt.

Fahr nit aus deiner haut.

Fahr wohl, du altes Jahr mit Freud und Leiden! Der Himmel schenkt ein neues, wenn er will.
Annette von Droste-Hülshoff, Das geistliche Jahr 1820

Fahr wohl, Strohsack, ich habe ein Bett bekommen.

Fahr' dem Teufel in die Hand.

Fahr' hin gen Müllem und lass dir den Geck ausschneiden.

Fahr' in Nobiskrug.
i] Nobiskrug, ungewöhnlicher Nobishaus, ist die eigentümliche, ihrer Etymologie nach noch unerklärte Bezeichnung der Hölle oder der alten Unterwelt, deren Wirt der Teufel ist. Man hält es für wahrscheinlich, dass das 'N' sich durch die gewöhnliche Verbindung mit der Präposition 'in' erst eingeschlichen und dass es also ursprünglich 'in Obiskrug' geheißen habe, wie das Wort mundartlich auch noch vorkommt.
z] Nobiskrôg = Name einiger Dorfschenken; niedersächsisch Obiskrôg, Obskrôg, gehört der Fabel an und bedeutet Schenke (Krôg) des Abgrunds der Hölle, mit vorgesetztem ›N‹ wie Nêrs, Nôst, nêrstig.
z] Nobiskrug ist aus Abyssus verdorben. Der Teufel bauet allzeit seine Kapelle und Nobiskrug, wo Gott seine Kirche hat.
z] Nobiskratten, von Nobis und Kratten (Korb). Ein Doppelwort, dessen erste Hälfte vom holländischen Nobisse (Teufel) oder vom lateinischen abyssus abzustammen scheint, wo dann das ›N‹ ein müßiger Vorschlag des Wohllauts wegen oder ein Überbleibsel des alten unbestimmten Artikels en, an ist. Zur Hölle, zum Teufel fahren.
ho] Hij is nobis. (Von jemandem, der trunken ist)
mhd] Swaz dem himele obe und unde sî und in abisses grunde, daz lit uns ze swarem vunde, ê wir daz gevinden. (Aus einem Gedicht Hermanns der Damen um die Zeit von 1310)
ho] Eer en trouw is in nobiskroeg verzopen.
ho] Hij zit in nobiskroeg, onder Lucifers staart.

Fahr' n'an Teufel und brik dat G'nick. Holstein
mhd] Nû var hin, daz hiute der tiefel ûz dir kal.

Fahr' nur her, ich bin schon da. (Du wirst deinen Mann finden)
la] Gramen in nido Corydi.

Fahr, aber hetz nicht, red, aber schwätz nicht.

Fahre aus, du unsauberer Geist! Markus 5, 8

Fahre du fort, zu sinnen, zu finden, zu vereinigen, zu dichten, zu schreiben, ohne dich um andre zu bekümmern. Man muss schreiben, wie man lebt, erst um sein selbst willen, und dann existiert man auch für verwandte Wesen.
Goethe, Italienische Reise III, 5.10.1787

Fahre fort im Sündenleben,
Wirst den vier Winden noch Tritte geben.
Goethe, Zahme Xenien VIII

Fahre hin, du Flattersinn.

Fahre hin, o Kriegesmann!
Den Tod musst du erleiden!
Hans Christian Andersen, Der standhafte Zinnsoldat

Fahre mittenhin, das ist für Fallen und Straucheln gut.

Fahre nicht aus der Haut, wenn du kein Rückgrat hast.
Stanislaw Jerzy Lec

Fahre schon jn das dorff, dye pavren sein truncken.

Fahre wie der Teufel, und du wirst ihn bald treffen. Robert Lembke, Steinwürfe im Glashaus

Fahre wohl damit.

Fahrende hab acht nit für eygen.

Fahrende Hab' geht auf und ab.
ho] Acht geene varende have voor uwe eigene.

Fahrender Schüler bleibt ein Schüler.
z] Um Reminiscere wollen sie nicht mehr descere, auf Oculi lassen die Bücher sie; auf Lätare gehen sie aus dem Tare; auf Judica sind sie in patria; auf Palmarum haben sie par marum.
la] Saxum volutum non obdabitur musco.

Fahrender Topf ist bald zerschellt.
i] Wer sich etwas zumutet, was über seine Kraft geht.
la] Sepe fit illisia plaustrare (plaustrire) fidelia nisa.
la] Seria plaustrando luet ire volens aliquando.
sd] Opta gioeller grytan at hon will gerna aka.

Fahrendes kat keinen Zug. [RSpW] (Der Verkauf der Fahrhabe konnte durch Näherrecht - ein Vorzugsrecht von Blutsfreunden und Verwandten - nicht gehindert werden)

Fahret wohl, ihr feigen Lügen!
Ihr wart niemals meine Wahl. Grillparzer, Ahnfrau, III (Jaromir)

Fahrhabe achte nicht für Eigen. [RSpW] (Der Begriff des Eigentums im engern Sinne des Worts war in den deutschen Rechten von jeher an das liegende Gut geknüpft)

Fahrlässige Offizierer (Beamte) machen einen schläffrigen Herrn.

Fährleute sind aller Leute Knecht. (Vom Charakter der Dienstverhältnisse. Wer nicht wie Fährleute, Lohnkutscher, Fremdenführer u.s.w. den Beruf hat, allen zu dienen, kann seine Dienste ablehnen, auch wenn ihm Bezahlung geboten wird)

Fahrniss hat keinen Zug.

Fahrniss ist, was die Fackel verzehrt.

Fahrrad, Foto, Frau leihe man nicht aus.

Fährst mit Rappen statt Kühen du, so geht es rasch der Armut zu.

Fährt das Glück dem Narren ins Bein, so bekommt er 's Zipperlein. Russland

Fährt der Bauer im Januar Schlitten, muss er im Herbst um Säfrucht bitten.

Fährt der Mann an, so fährt das Weib aus.

Fährt ein Ochs durch alle Land, er wird stets als Rind erkannt.
mhd] Kumt ein ohse in fremdiu lant, er wirt doch für ein rint erkant.
mhd] Und fuer ain ochs durch alle land, sô hiesz man in doch nur ain rind.

Fahrt fort in unmittelbarer Beachtung der Pflicht des Tages und prüft dabei die Reinheit eures Herzens und die Sicherheit eures Geistes. Wenn ihr sodann in freier Stunde aufatmet und euch zu erheben Raum findet, so gewinnt ihr auch gewiss eine richtige Stellung gegen das Erhabene, dem wir uns auf jede Weise verehrend hinzugeben, jedes Ereignis mit Ehrfurcht zu betrachten und eine höhere Leitung darin zu erkennen haben.
Goethe, Wanderjahre III,13

Fährt in die Blüte Donner und Blitz, bewohnt jede Pflaume ein kleiner Fritz.

Fahrt nur fort, nach eurer Weise
Die Welt zu überspinnen!
Ich in meinem lebendigen Kreise
Weiß das Leben zu gewinnen.
Goethe, Zahme Xenien I

Faist land, faul leut.
it] Il paese grasso fà l'huomo pigro.

Fâken un wenig. (Oft und wenig, nämlich essen und trinken oder füttern)

Fakten sind wie Schuhe: wem sie nicht passen, der zieht sie nicht an. Karl Garbe

Fakultisten und Belletristen lieben sich mit dem Mund, wie die Katze den Hund.

Fakultisten und Belletristen sich schmatzen, so freundlich wie Hund und Katzen.
la] Expertes invidentiae Masurum januae.

Falke mit Falke, Gans mit Gans, die kahle Henne mit dem lahmen Hahn. Türkei

Falken fängt man nicht mit leeren Händen.

Falken ist der Landesfürsten Weidwerk.

Falken und Tauben muss man nicht zusammentun.
mhd] Swer valken vn hebich ze tube tvt und wolfe ze schafen, daz ist nicht gvt.

Fall dir keinen Buckel. Rheinpfalz

Fall man nich ût de Lûk.
i] Glaube dich nicht zu sicher.

Fall me nit in den Kram, lôt mick est ûtepacket hann. Waldeck

Fall und Stoß: dadurch die Bewegung der Weltkörper erklären zu wollen, ist eigentlich ein versteckter Anthropomorphismus, es ist des Wanderers Gang über Feld. Der aufgehobene Fuß sinkt nieder, der zurück gebliebene strebt vorwärts und fällt, und immer so fort vom Ausgehen bis zum Ankommen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1242

Fall' auf den Rücken und schlage dir ein Auge aus.

Fall' auf meine Henne (Ziege u.s.w.).
inf] Im Erzgebirge glaubt das Volk, wenn man in der Nacht etwas fallen hört, es müsse darauf ein Todesfall erfolgen, dieser könne aber von dem Menschen ab und auf ein Vieh gewendet werden, wenn man schnell Obiges spreche.

Fäll' den Spruch stets so in der Parteien Kriege, dass satt werde der Wolf und unversehrt bleibe die Ziege.

Fall' mir ins Maul, sagte die faule Magd zur Kirsche, an die sie mit der Nase stieß.

Fälle den gesunden Baum, und der kranke wird von selbst fallen. Polen

Fälle nicht den Baum, der dir Schatten spendet.

Fälle weder den ganzen Wald, noch komm ohne Holz nach Hause. Serbien

Fallen dem flinken Politiker neue Gedanken ein, so macht er sie mit seinem rhetorischen Jargon garantiert unschädlich.
Nüsse

Fallen die Eicheln vor Michaeli ab, so steigt der Sommer früh ins Grab.

Fallen dir Reichtum zu, so hänge das Herze nicht daran.

Fallen in der Christnacht Flocken, der Hopfen sich wird gut bestocken.

Fallen ist der Sterblichen Los.
So fällt hier der Schüler,
Wie der Meister,
doch stürzt dieser gefährlicher hin.
Goethe, Vier Jahreszeiten

Fallen ist der Sterblichen Los. So fällt hier der Schüler
Wie der Meister; doch stürzt dieser gefährlicher hin. Goethe, Vier Jahreszeiten: Winter

Fallen ist kein schande, aber lang ligen und nicht wollen wider auffstehen, ist schande.

Fallen ist keine Schande, aber liegen bleiben.
i] Fehlen und Irren gereicht nicht immer zur Unehre, wohl aber im Fehler und Irrtum verharren

Fallen ist keine Schande, aber nicht wieder aufstehen.

Fallen ist leichter als (o. denn) aufstehen.

Fallen ist menschlich, liegen bleiben teuflisch.

Fallen ist nicht so große Sünde, als wenn man nicht wieder will auffstehen.

Fallen ist schand, lange ligen ist größer schand.

Fallen und wieder aufstehen ist menschlich, fallen und liegen bleiben ist tierisch.

Fallende Lerchen singen nicht.

Fallende reisen geraten oft am besten.

Fallender Nebel und Nebelregen schönes Wetter zu machen pflegen.

Falls jemand die Geschicke unseres Lebens lenkt, möchte ich ihn tadeln. Alles ist zu schwer und erbarmungslos.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1884)

Fällst du, so vergiss ja dess wiederauffstehens nicht.
fr] Ce n'est pas honte de choir mais de trop gésir.
fr] Tout âne qui tombe et qui se relève n'est pas une rosse.
ho] Vallen is geene schande, maar lang blijven liggen en niet weder willen opstaan, dat is schande.
it] Chi ha sbagliato istrada torni addietro.
it] Non è vergogna cadere nel fango, ma non volersene levare.
it] Sbagliare è umano, ostinarsi nel male e nell' errore è satanico o bestiale.
la] Facilius cadimus quam resurgimus.
sp] Quien peca y enmienda á Dios se encomienda.

Fällst hin, so viel bist wert. Estland

Fällst vom Kirchturm herunter kommst nicht zu Schaden, kratzt den Arsch, brichst dir den Finger. Estland

Fällt am 1. Mai Reif, so hofft man auf ein gutes Jahr.

Fällt am Faschingsmontag Schnee, rufen die Äpfelbäum': Juchhe. Oberösterreich

Fällt am Jakobi (25.7.) die Blüte vom Kraut, wurden schlechte Kartoffeln gebaut.

Fällt am Maitag ein Tau, so fällt diesen Monat kein Tau mehr. Luzern

Fällt am Michaelistage (29.9.) Regen, am Gallustage (l6.10.) nicht, dies ein gut Frühjahr verspricht.

Fällt auch nur ein kleiner Schnee, so sieht man schon die Spur nicht meh. Wendische Lausitz

Fällt auf die Fronleichnamsprocession Regen, so regnet's vierzig Tage allerwegen. Frankfurt

Fällt auf Eligius (l.12.) ein kalter Wintertag, die Kälte noch 4 Monde dauern mag.

Fällt auf Lichtmess (2.2.) Sonnenschein, wird der Flachs sehr lang und fein.

Fällt das Blatt auf die Dornen, die Dornen durchbohren es, fallen die Dornen auf das Blatt, die Dornen durchbohren es.

Fällt das Brot, dann fällt es auf die Butterseite.
en] The bread never falls but on ist buttered side.

Fällt das Kind auf den Boden, legt man (ihm) ein Kissen unter, fällt der Alte auf den Boden, wirft man (ihm) eine Egge unter. Estland

Fällt das Laub auf Leodegar (2.10.), so ist das nächste ein fruchtbar Jahr. Rheinpfalz

Fällt das Laub früh, aber langsam ab, so wird ein früher aber 'langschwoafata' Winter und umgekehrt. Österreich

Fällt das Laub zeitig im Garten, so ist ein schöner Herbst und Winter zu erwarten.

Fällt das Laub zeitig, wird der Winter eisig.

Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt.

Fällt das Wasser, so wird der Stein sichtbar.

Fällt de îrste Snee in'n Dreck, ward de Winter en Geck. Mecklenburg
i] Scherzhaft auch mit dem Nachsatze: So äs he 'n Geck. Man meint, wenn der erste fallende Schnee ein Tauschnee ist, gäbe es keinen strengen, sondern einen veränderlichen, geckenhaften Winter.
en] Whether you boil snow or pound it, you will have but water from it.
ho] Valt de eerste sneeuw op een' nat geregenden grond, zoo kan de oogst gering zijn; valt zij op een' bevroren boden, zoo kan de oogst goed worden.

Fällt der Apfel weg, so bekommt er einen Fleck.

Fällt der Apfel weit vom Baum, schert dies die Stachelbeere kaum. [ASpW]

Fällt der Baum, so klaubt alle Welt Holz.
en] If a man falls, all will tread on him.
en] When the ox falls, there are many that will help to kill him.
fr] Chacun joue au roi dépouillé.
fr] Quand l'arbre est à terre, tout le monde court aux branches.
it] Sopra l'álbero caduto ognuno corre a fare legna.
la] Arbore dejecta quivis ligna colligit.
sp] Del árbol caído todos hacen leña.

Fällt der erste Schnee in Kot, so gibt's einen milden Winter. Luzern
ho] Een sneeuwtje op het slijk geeft eene zekere vorst. – Sneeuw op slik geeft ijs, dun of dik.

Fällt der erste Schnee in'n Dreck, so ist (oder wird) der Winter ein Geck.

Fällt der Hafen auf den Stein, so zerbricht er, fällt der Stein auf den Hafen, so zerbricht er auch.

Fällt der Himmel ein, er kann Pinsel decken, aber nicht schrecken.

Fällt der Himmel, so bleibet nirgend kein Stuhl noch Stecken stehn.

Fällt der himmel, so bleibt nit ein zaun steck stehn.

Fällt der Himmel, so stirbt alles, was lebet.

Fällt der Krug auf den Stein, zerbricht er, und fällt der Stein auf den Krug, zerbricht er auch.

Fällt der Narr vom Mast des Schiffs in den Sund, mit einer Otter in der Hand taucht aus dem Sund er, fällt der Weise aus dem Kähnlein in den Bach, trotz hingereichtem Ruder muss er doch ertrinken. Finnland

Fällt der Nebel zu der Erden, wird ein gutes Wetter werden; steigt er nach dem Erdendach, folgt ein großer Regen nach.

Fällt der Nebel, kommt trockenes Wetter, steigt der Nebel, kommt Regen. Estland

Fällt der Neumond vor Speciosus (Mitte oder 15. März), frühe Ernte folgen muss.

Fällt der Schnee auf den Kot, so vergeht er. Russland

Fällt der Schnee auf die Blätter, dann kommen schwarze Weihnachten (25. XII). Estland

Fällt der Wagen um, so hebe ihn auf und wag's wieder.

Fällt der Wagen, so leid es alles im Dreck.

Fällt die Gerste in der Marterwoche aus dem Sack, so bleibt sie in den Hosen stecken. Sachsen

Fällt die Jugend eines Sohnes gerade in die Zeit der Umwendung, so kann man versichert sein, dass er mit seinem Vater nichts gemein haben wird.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,8

Fällt die Stadt, so fällt auch der Flecken. Estland

Fällt doch oft ein pferd auf freien (o. vier) Füßen im ebnen feldt.

Fällt ein Reicher, heißt's ein Unfall; fällt ein Armer, heißt's er ist betrunken.

Fällt eine Krankheit den Menschen an, so ruft sie den Schwestern: kommt schnell heran.

Fällt eine Nadel in einen tiefen Brunnen, so gucken mehr Leute zu, als hineinsteigen, um sie herauszuholen.

Fällt einer, so ist ihm auffstehen nicht verbotten.

Fällt im November das Laub sehr früh zur Erden, soll ein feiner Sommer werden.

Fällt im Wald das Laub sehr schnell, ist der Winter bald zur Stell'.

Fällt im Winter viel Schnee und bleibt er lange liegen, dann gibt's ein gutes Jahr, so hat man stets geschrieben.

Fällt irgendwo ein Stein, trifft er mich allein.

Fällt Juniregen in den Roggen, so bleibt der Weizen auch nicht trocken.

Fällt kein Tau im Julius, Regen man erwarten muss.

Fällt man aufwärts, so bedeutet es Glück.

Fällt man ins Feuer, verbrennen auch die Kleider.

Fällt Regen um Lichtmess (2.2.) nieder, dann kommt auch der Winter kaum wieder.

Fällt Schnee, wenn schon die Blätter treiben, dann hat er wenig Lust zu bleiben.
it] Quando la neve vien sulle foglie, il fioccar perde le voglie.

Fällt Sünne Johannis (24.6.) Riegen in, kann de Aren (Ernte) laige (elend) sîn. Tecklenburg
fr] Du jour saint Jean la pluye fait la noisette pourrie.
fr] Eau de saint Jean ôte le vin et ne donne pas de pain.

Fällt viel Regen im sechsten Mond, wird überall Gold aus der Erde wachsen. China (Nach dem traditionellen Mondkalender beginnt das Jahr etwas Mitte Februar, somit fällt der sechste Mond in die Zeit von Juli - August)

Fällt vor Jakobi (25.7) die Blüte vom Kartoffelkraut, so werden keine guten Knollen gebaut.

Fällt während der großen Sonnenwende kalter Regen bei Nordwind, dann bekommt man Brotgetreide nicht einen Kornkastenvoll, sondern einen Lehrntopfvoll. Estland

Fällt zu Eligius (1.12.) ein kalter Wintertag, die Kälte wohl vier Monat dauern mag.

Fällt's Buchenlaub früh und schnell, wird der Winter streng und hell.

Fällt's, so fällt's, wie man Blindekuh spielt.

Falsch angelegte Dinge sind nie von Bestand, schon dass sie soviel verheißen, muss sie verdächtig machen, weil selbst nicht richtig ist, was zuviel beweisen will.
Baltasar Gracián y Morales

Falsch Eid, falsch Geld findet man jetzt in aller Welt.

Falsch Gebild und Wort
Verändern Sinn und Ort!
Goethe, Faust I, Auerbachs Keller
Mephisto Vs 2314

Falsch Geld legt man mit der blanken Seite oben.

Falsch gerechnet, ist nicht bezahlt.

Falsch Gewicht und Maß verstehen keinen Spaß.

Falsch gezielt und falsch geschossen. Ulm

Falsch ist das Geschlecht der Menschen. Schiller, Gedichte: Hero und Leander

Falsch Lieb, falsch Freund, falsch War, falsch Geld findet man jetzt ihn aller Welt.

Falsch Liebe, falsch Freund, falscher Rat, falsch Wahr, falsch Geld find man jetzt in aller Welt.

Falsch Lob ist gewisser spott.
mhd] Gelogen lop ist unwert.
mhd] Der des gert, das man in mit lügen lobe, ich hânz dû für daz er tobe.
dä] Falsk roes er spot.
dä] Halvt at rose er halvt at skiełd.
fr] Un mauvais éloge vaut un grand blâme.

Falsch Rat, falsch Freund, falsch Lieb, falsch Geld, davon ist voll die ganze Welt.

Falsch wie die Schwüre der Spieler.

Falsch wie ein Rechenpfennig.

Falsch wie eine Katze.

Falsch wie Märzeis.

Falsche Bescheidenheit ist wahre Arroganz. China

Falsche Christen sind Wolken ohne Regen. Luthers Tischreden

Falsche Demut weiß nimmer, dass sie Hochmut ist; denn wo sie das wüßte, würde sie bald demütig von dem Ansehen der häßlichen Untugend. Luther, Deutsche Schriften

Falsche Edelsteine müssen eine gute Fassung haben.

Falsche Ehre und Klirren der Sporen ist nur eine Speise für die Ohren.

Falsche Freud ist das größeste Elend.

Falsche Freud kompt einem schwer an.

Falsche Freunde haben Brillen für alle Gesichter.

Falsche Freunde laufen mit den Hasen und jagen mit den Hunden.
port] Amigos e mulas fallecem a duras.
sp] Amigos y mulas fallescen á las duras.

Falsche Freunde sind Fischer, die das Wasser trüben, ehe sie angeln.
ho] Onder vriendschaps schijn bezorgt hij 't zijn.
ho] Onder vriendschaps schijn zit 't ergste venijn.

Falsche Freunde sind gleich denen Blasen, so nur, wann es regnet, auf dem Wasser geboren werden.

Falsche Freunde sind Regenblasen auf dem Wasser. (Die eben nur so lange dauern, als es regnet)

Falsche Groschen gelten im Himmel nicht.

Falsche Groschen kennt man erst, wenn sie abgegriffen sind.

Falsche Größe ist ungesellig und unzugänglich: Da sie ihre Schwäche fühlt, so verbirgt sie sich oder zeigt sich wenigstens nicht offen und lässt nur so viel von sich sehen, als nötig ist, um Achtung einzuflößen und nicht als das zu erscheinen, was sie in Wirklichkeit ist, einfache Kleinheit.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Falsche Haare machen alte Schädel nicht jung.
ho] Als ik een valsch haar op het hoofd had, zou ik het uitrukken.

Falsche Herzen und untreue Hände findet man aller Ende.

Falsche Juristen reden ein loch durch einen brief, daran sieben siegel hangen.

Falsche Karten mischen.
i] Mit Unrecht verdächtigen.

Falsche Lehr helt die länge den stich nicht.

Falsche Lehrer seind wie nacht Eulen, zu denen die Vögel fliegen und sich ob ihren Wandel verwundern.

Falsche Lehrer wollen gerühmbt sein.

Falsche Leut geben gute Wort aus einem falschen Herzen.

Falsche leut können kalt und warm aus einem munde blasen.
la] Viri duplices animis.

Falsche Leut tun wie falsche Leut pflegen.

Falsche Leut, die auf beyden Achseln können Wasser tragen.

Falsche meinung (und beredungen) machen viel Unglück.

Falsche Münz gilt nichts, weder in der aussgab noch einnahm.
dä] Falsk mønt gielder hverken i indtægt eller udgift

Falsche Münze gibt's überall.

Falsche Münze wird von niemand sonst übersehen als vom klugen Wechsler.
i] Der Überkluge wird oft am ersten betrogen.

Falsche Prediger sind ärger als Jungfrauenschänder.

Falsche Räte und Juristen ehren Gott in ihren Kisten.

Falsche Rechte und Juristen ehren Gott in ihren Kisten.

Falsche sind Hühner, die zwar gut singen, aber übel scharren.

Falsche Stellungen zur Außenwelt. Wer hat sie nicht? jede Lebensstufe hat die ihr eignen.
Goethe, F. v. Müller, 8.3.1824

Falsche Tendenzen sind eine Art realer Sehnsucht, immer noch vorteilhafter als die falsche Tendenz, die sich als ideelle Sehnsucht ausdrückt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 923

Falsche Treue hat kurzen Zagel.
la] Frangenti fidem fides frangatur eidem.

Falsche Treue, falsches Gold. (Von Kumpanei)

Falsche verkäufer machen all ding teuer.

Falsche Vorstellung, dass man ein Phänomen durch Kalkül oder durch Worte abtun und beseitigen könne.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1278

Falsche Wort mit gutem Schein sind die betrüglichsten.

Falsche Worte gelten zum höchsten, wenn sie Masken unserer Taten sind.
Goethe, Götz A II, Adelheiden Zimmer
Adelheid

Falsche Zeugen gelten nicht.
ho] Valsche getuigen gelden niet.

Falsche zeugen, die sein wohlfeil, wers sucht, werden ihm wohl zu teil.
i] Aber verachtet.

Falsche Zeugen, falsch Bericht, falsche Schwür' und falsch Gewicht, falsche Liebe und falsch Geld findet man in der ganzen Welt.

Falsche Zungen sind wohlfeil.

Falschen Alarm geben. (Zur Vorsicht warnen, obwohl es gar nicht nötig wäre)
en] A false alarm

Falschen Gruß man mit Falsch erwidern muss.

Falschen Leuten gehört falsches Geld.

Falscher Ehrgeiz haut den Kopf ab. (Führt ins Verderben)

Falscher Freunde Tück' entdeckt das Unglück.

Falscher Herren Worte sind toter Leute Schuhe; wer darauf wartet, wird gewiss barfuss gehen.

Falscher Kuss, viel Verdruss.

Falscher Leute Rat führt auf schlimmen Pfad.
mhd] Swaz raete ein valscher bringet, die kument ûz swachem grunde.

Falsches Geld verschießt.

Falsches Gerede ist wie Wolfsdreck: schwarz und haarig.

Falsches Lob ist sicherer Spott.

Falsches Mitleid ist schlimmer als Neid.

Falschheit hat bei der Hoftafel den ersten Sitz.

Falschheit ist ... eine Lüge der ganzen Person.
Jean de La Bruyère, Von den Frauen

Falschheit ist des Teufels Tochter, die mit ihres Vaters Zunge spricht.
dä] Løgn er Fandens Datter, og taler sin Faders Maal.

Falschheit ist ehrlos, und Lug wird von jedem verachtet. Sadi, Pend-nameh

Falschheit liebt die geraden Wege nicht.
dä] Løgn bliver ikke træt af at gaae lange veie.

Falschheit regiert die gantze Welt.

Falschheit soll nicht über Recht gehen. (Aber sie geht oft über Recht, d.h. es gelingt, durch Leugnen und allerhand Rechtskniffe das Recht zu besiegen)

Falschheit steckt auch hinter einem schönen Gesicht.
dä] Falskhed ligger ofte under fagert haar.

Falschheit trägt das Banner auf Erden.

Falschheit und untreu find man auff allen märckten feil.

Falschheit versteckt sich oft unter blondem Haar.

Falschheit, Latein und böses Geld gehen durch die ganze Welt.
dä] Løgn og latin løbe verden omkring.

Falschheit, List und Trug ist Neidhards bestes Meisterstück.

Falten machen einen Mann männlicher, eine Frau älter.
Jeanne Moreau

Falten sind schwerlich aus Kleidern zu reiben.

Familiäre Nestwärme lässt sich nicht durch ideologische Brutkästen ersetzen.
Norbert Blüm, Unverblümtes von Norbert Blüm

Familie, du bist die Heimstatt aller sozialen Laster, die Versorgungseinrichtung aller bequemen Frauen, die Ankerschmiede des Familienversorgers und die Hölle der Kinder!
August Strindberg, Der Sohn der Magd

Familienleben: Strafvollzug in der kleinsten Zelle der Gemeinschaft. Alexander Eilers

Familiensinn ist relativ. In Italien ist der angeheiratete Neffe eines armen Großonkels noch ein lieber Verwandter, in Amerika ist die Schwiegertochter eines Millionärs bereits eine Fremde.
Roberto Rossellini

Familienurlaub ist die Fortsetzung des Ehekrieges auf anderem Territorium.
Gabriel Laub

Fan Jongen an Dommen feit 'm a Wiard tu wedden. Föhr
hdt] Von Jungen und Dummen kriegt man die Wahrheit zu wissen

Fan Thank staarw Smath's Kat. Nordfriesland
hdt] Von Dank sagen starb die Katze des Schmieds. (Der leere Dank trägt nichts ein, man kann davon nicht leben)

Fanatiker der Gewalt, des Ungeistes und der Knechtung.
Thomas Mann, Tagebuch, Februar 1934

Fanatiker sind Leute, die jederzeit aus dem Rahmen fallen können, obwohl sie nicht im Bilde sind.
Hans Clarin

Fanatiker: der Stärke seiner Überzeugung entspricht die Tiefe seines Irrtums.
Ron Kritzfeld

Fanatiker: einer, der auf seine Kanonen vertraut, gleichgültig, ob sie geladen sind oder nicht.
Jones

Fanatismus - eine der gefährlichsten Geistesstörungen.
Friedrich Hacker

Fanatismus besteht im Verdoppeln der Anstrengung, wenn das Ziel vergessen ist.
George de Santayana

Fanatismus ist das Paradies für eine Sekte.
Keals

Fanatismus ist die hochexplosive Mischung von Engstirnigkeit und Energie.
Herbert von Karajan

Fanatismus ist ja wohl eine Ausfallerscheinung und hat mehr mit dem Unterleib als mit dem Kopf zu tun…
Brigitte Reimann, Franziska Linkerhand

Fang alles an nur mit Bedacht; führ' alles mit Bestand!
Was drüber dir begegnen mag, da nim Geduld zur Hand.
Friedr. von Logau, Deutsche Sinn=Gedichte (1654), Beginnen

Fang an deinem Weinberg an zu schneiden.

Fang an zu philosophieren, und dir wird schwindlig.
Anton Tschechov

Fang an, den Strömling am Schwanz zu verzehren, dann sieht der Kopf, was man mit dem Arsch macht. Estland

Fang dann an zu essen, wenn die anderen anfangen zu scheißen. Estland

Fang demütig an, und hör' großmütig auf! Braunschweig

Fang den Kranich nicht mit der Axt. Estland

Fang erst an zu lernen, bevor du lehren willst. Estland

Fang Fische im Meer, fang sie nicht beim Käufer.

Fang Gänse nicht auf trockenem Land.

Fang jetzt an zu leben, und zähle jeden Tag als ein Leben für sich.
Seneca

Fang jetzt zu leben an und zähle jeden Tag als ein Leben für sich. Seneca

Fang keinen Storch auf dem Dach und lass eine Meise nicht aus der Hand. Estland

Fang keinen Vogel im Fluge. Estland

Fang nie gegen das Gericht einen Prozess an, das Gericht legt dich unter die Pfote (= kriegt dich klein). Estland

Fang viel an, bächt lützel. Schlesien
hdt] Fang viel an, verdirb wenig.

Fang vorher keinen Zaun an zu errichten, bis der Haufen nicht fertig ist.

Fang' viel an, richt' wenig aus.
la] Multa aggressus omnibus frustrabitur.
la] Plurima qui aggreditur, nil apte perficit unquam.

Fang's an, so ist's halb getan.

Fange an dir an.

Fange deine Herzensausbildung nicht mit dem Anbau der edlen Triebe, sondern mit dem Ausschneiden der schlechten an. Ist einmal das Unkraut verwelkt oder ausgezogen: dann richtet sich der edlere Blumenflor von selber kräftig in die Höhe. Jean Paul, Hesperus: Wetterbeobachtungen über den Menschen

Fange deine Herzenskultur nicht mit dem Anbau der edeln Triebe, sondern mit dem Ausscheiden der schlechten an. Ist einmal das Unkraut verwelkt oder ausgezogen: dann richtet sich der edlere Blumenflor von selber kräftig in die Höhe. Jean Paul, Fragmente aus Hesperus: Dritter Schalttag

Fange die Reformation von dir an, so gehet es fort. Chr. Lehmann, Politischer Blumengarten

Fange in deinem Weinberge an zu schneiden.

Fange mit Kleinem an und arbeite ruhig fort, bis ein großes Werk fertig ist.
altfries] Bigenn me dit Litj en da krabbe olter dit gurt klaar heest.

Fange viel an bächt lützel. (lützel = beendigt wenig)

Fange viel an, richt wenig aus. (Rollenhagen, Froschmäuseler, 1595)

Fange zuerst den Hasen, dann wollen wir den Pfeffer dazu machen.

Fangen mit Zeus wir an!
gr] Έκ Διὸς ἀρχώμεσδα
Theokrit (geb. um 300 v. Chr.), Idyllen

Fangen neue Gesetze an, so spannt Betrug gleich daran, dass Obrigkeit nicht strafen kann.

Fangen und gefangen werden.
la] Captantes capti sumus.
la] Graecia capta ferum victorem cepit.
la] Jam cautor ipse captus est.
la] Scito quod tenens teneris.

Fangen wie Zunder. (Von dem, der leicht für äußere Eindrücke empfänglich, besonders der Verführung leicht zugänglich ist)

Fanget ein Bauer einen Hasen im Kraut, so büßt er dafür mit seiner Haut.

Fängst du an zu komponieren, so mache alles im Kopf! Erst wenn du ein Stück ganz fertig hast, probiere es am Instrumente!
Robert Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln

Fängst du bei der Mitte an, wenn du einen runden Kuchen isst?

Fängst Du Biber? sagte der Fuchs zum Wolf, als diesem der Schwanz auf dem Eis festgefroren war.
ndt] Fangste Bewerken? sä' de Voss tau'n Wulf, as düssen d' Swans up'n Ise fastefrôren was. Lüneburg

Fängst du dein Werk mit Beten an, ist's um die Hälfte schon getan.

Fängst du dir zu beweisen an,
dass du noch jung geblieben bist, dann,
lieber Freund, denk stets daran,
dass dies ein Alterszeichen ist.
Wolfgang Salpeter

Fängst du mit Vergnügen an, so ist die Sache halb getan.

Fängt das Glücksrad an zu drehen, so bleibt es nicht stehen.
dä] Naar hiulet begynder først at hælde, er det snart ude med lykken.

Fängt der August mit Donnern an, er's bis zum End' nicht lassen kann.

Fängt der August mit Hitze an, bleibt sehr (o. sie) lang die Schlittenbahn.

Fängt der Bart an, weiß zu sein, lass die Frau und trinke Wein.
it] Quando la barba fa bianchino, lascia la donna e tiente al vino.

Fängt der Dezember früh an zu toben, wird man ihn im Januar loben.

Fängt der Juli mit Tröpfeln an, wird man lange Regen han.

Fängt der Winter zu früh an zu toben, ist er im Dezember nicht zu loben.

Fängt die Lerche im Lichtmonat (Februar) an zu singen, so ist der Frühling kalt, erscheint sie im Fastenmonat (März), ist der Frühling warm. Estland

Fängt ein Bauer einen Hasen im Kraut, so muss er's büßen mit der Haut. (Erinnert an die Härte der frühern Jagdgesetze)

Fangt euer Handwerk fröhlich an, so wird's gar bald sein wohlgetan!

Fangt man ein neu ordnung an, so spant betrug gleich dran, das Obrigkeit nicht straffen kan.

Fängt man eine neue Ordnung an, so spannt Betrug gleich daran, dass die Obrigkeit nicht bestrafen kann.

Far 'n Botterbrot kêpe. (Sehr billig kaufen)

Far Brod (Für Brot) gahet man Steine. Jüdisch-deutsch. Brody (Undank ist der Welt Lohn)

Far'ch wier de Arwêt, söä de Liehrjong, awer grot is se ne.

Farbe bekennen - mit offenen Karten spielen
en] to put o's cards an the table - to show o's hands (o. colours) - to come into the open
fr] jouer (o. mettre) cartes sur table - annoncer la couleur
it] mettere le carte in tavola - spiegare le insegne

Farbe nehmen. (Plötzlich rot werden)

Farbe wirkt unmittelbar auf uns, auf unsere Sinne. Das Farbenfreudige macht uns heiter, düstere, dunkle Farben stimmen uns ernst.
Lea Grundig, Über die Farbe

Farben und Licht stehen zwar untereinander in dem genausten Verhältnis, aber wir müssen uns beide als der ganzen Natur angehörig denken: denn sie ist es ganz, die sich dadurch dem Sinne des Auges besonders offenbaren will.
Goethe, Zur Farbenlehre - Vorwort

Farben waren mir ein Glück und mir war es, als ob sie meine Hände liebten.
Emil Nolde (13. Oktober 1944)

Farbenpracht blendet das Auge.
Lao-tse, Dao-de-dsching

Färber erkennt man an den Händen.

Farsakist thu allos hethinussion? Farsaku. Altwestfälisches Taufgelöbnis (um 850)
hdt] Sagst du allem Heidentum ab? Ich sage ab.

Farzens und Wünschens halber darf niemand aus dem Bette steigen.

Fas Maurervieh, der Zimmerochs und die Herren Handlanger werden zum Essen gebeten.
i] In dieser scherzhaften Form werden in Ostpreussen die genannten Handwerker, wenn sie auf einem ländlichen Grundstück beschäftigt sind, zum Essen gerufen.

Fas Nachtkissen ist ihr lieber als das Nähkissen.
i] Sie zieht Schlaf und Vergnügen nützlicher Beschäftigung vor.

Fasching in Ehren wird niemand wehren.

Fasching ohne Witz ist ein Schäfer ohne Spitz.

Faschingsfreier holt der Geier. Böhmen

Fass das Leben immer als Kunstwerk.
Christian Morgenstern, Stufen

Fass den Kopf (= beginn beim Kopf), dann kommst zum Schwanz. Estland

Fass dich an die eigene Nase!

Fass es mit beiden Händen.
la] Ambabus manibus.
la] Non una tantum manu capiendum est.
la] Obviis ulnis.

Fass immer ein neugeborenes Baby an, sonst wird es seine Hand gegen dich erheben, wenn es heranwächst. Irland

Fass keine alte Sache an, sie fängt an zu stinken. Estland

Fass und Glas sind gern beieinander.

Fass zweifach, kannst's nicht einfach fassen.
la] Rem pateris modicam et mediocri bole ferenda.
la] Si spectas oculos majora ad crimina.

Fass' an deine Nase. Rottenburg

Fass' ein scharfes Messer nicht mit bloßen Händen an.

Fasse deinen Mut zusammen! Es ist kein Elend in der Welt von beständiger Dauer.
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Fasse nicht den Schwanz des Leoparden an, hast du es aber getan, so lasse ihn nicht mehr los. Äthiopien

Fasse zuerst an deine eigene Nase. Estland

Fasse, was du halten kannst.

Fassen Sie einen Gegenstand, eine Materie, einen Begriff, wie man es nennen will, halten Sie ihn recht fest, machen Sie sich ihn in allen seinen Teilen recht deutlich, und dann wird es Ihnen leicht sein, gesprächsweise, an einer Masse Kinder zu erfahren, was sich davon schon in ihnen entwickelt hat, was noch anzuregen, zu überliefern ist.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,7

Fässer, die hell klingen, sind leer.

Fassest du die Muse nur beim Zipfel,
Hast du wenig nur getan,
Geist und Kunst, auf ihrem höchsten Gipfel,
Muten alle Menschen an.
Goethe, Begeisterung

Fasst du die Hand der Braut, und sie ist zart wie Sammt, so passt sie nicht fürs Küchen- (Wirthschafts-)amt.

Fasst man das Pferd, so hat man den Reiter.
dä] Skyd hesten, saa har du manden.

Fasst mers anna Bendel und führt mers ümme Ring.

Fasst Mut, ihr Freunde, Gefährten im Kampf!
Das Ludwigslied (882)

Fast alle Ehen sind nur Konkubinate.
Friedrich Schlegel, Fragmente

Fast alle Gesetze seien Synthesen des Unmöglichen, zum Beispiel das Institut der Ehe.
Goethe, F. v. Müller, 19. 10. 1823

Fast alle Gewerbe sind schmierig, sagte die Frau des Mesners und nahm die Kerzenstummel vom Altar. Schweiz

Fast alle großen Revolutionen sind im Exil vorbereitet und geschürt worden, denn kein Revolutionär ist zäher und feuriger als der emigrierte.
Balder Olden, Stationen meines Lebens

Fast alle haben sich verheiratet, ohne von der Frau und von der Liebe auch nur die allergeringste Kenntnis zu besitzen.
Honoré de Balzac, Die Physiologie der Ehe

Fast alle keuschen Frauen sterben jung oder werden verrückt.
Donatien Alphonse François Marquis de Sade, Geschichte von Juliette

Fast alle Menschen scheinen mir das Leben mit falschen Anstrengungen zu vergeuden - überall prachtvolle Energie am falschen Platz.
Thomas Wolfe, an Horace Williams, Febr. 1922

Fast alle Menschen sind von Natur 'Heldenverehrer', gegen diesen gesunden Instinkt lässt sich nichts Stichhaltiges einwenden.
Houston Stewart Chamberlain, Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts

Fast alle Menschen, die etwas taugen, haben einfache Manieren. Leopardi

Fast alle, die über den Frieden reden, denken nicht daran, dass es ihn noch nie gegeben hat (...), was kein Einwand gegen ihn ist, aber eine Gedankenlosigkeit.
Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte. Ein Wörter-Buch für Zeitgenossen

Fast alles Ernste ist schwer, und alles ist ernst.
Rainer Maria Rilke, An F. X. Kappus, 16. 7.1903

Fast alles Große in der Welt ist durch das Genie, durch die Festigkeit eines einzelnen Mannes bewirkt worden, der gegen die Vorurteile der Menge ankämpfte oder ihr welche beibrachte. Voltaire, Essais sur les moeurs des nations

Fast ausnahmslos erweisen sich persönliche Leidenschaften als dem allgemeinen Wohl schädlich. Machiavelli, Florentiner Geschichte

Fast bei allen Urteilen (in der deutschen Literatur) waltet nur der gute oder böse Wille gegen die Poeten, und die Fratze des Parteigeistes ist mir mehr zuwider, als irgend eine andere Karikatur.
Goethe, Riemer, Oktober/November 1803

Fast bringt nichts ins Haus.

Faßt die Flügel des Vogels in Gold und er wird sich nie wieder in die Lüfte schwingen.

Faßt frischen Mut! So lang ist keine Nacht,
Dass endlich nicht der helle Morgen lacht!
Shakespeare, Macbeth, IV, 3 (Malcolm)

Fast hingefallen, sagte Vater Land, da lag er schon.
ndt] Ball follen, säd' Vater Lang', dôr lêg he all.

Fast immer werden die Moden von den häßlichen Frauenzimmern aufgebracht, und die hübschen sind töricht genug, sich unterzuordnen. Rousseau

Fast jede Arbeit gewährt die Befriedigung, die Zeit totzuschlagen und dem Ehrgeiz einen wenn auch noch so bescheidenen Spielraum zu lassen, und diese Vorteile genügen, selbst den, der eine stumpfsinnige Arbeit hat, im Durchschnitt zufriedener zu machen als den ganz Müßigen. Ist die Tätigkeit aber interessant, dann kann sie eine Befriedigung weit höherer Ordnung gewähren als bloße Befreiung von der Langweile. Bertrand Russell, The Conquest of Happiness

Fast jede Frau wäre gerne treu. Schwierig ist es bloß, den Mann zu finden, dem man treu sein kann.
Marlene Dietrich

Fast jeder Amerikaner, der es zu etwas gebracht hat, war früher einmal Zeitungsjunge.
Bing Crosby

Fast jeder hat Gefühl für die Natur, der eine mehr, der andere minder, aber nur wenig gibt es, die fühlen: Gott ist Geist.
Vincent van Gogh, Briefe

Fast jeder Mann wirft seiner Frau Dinge vor, deren sie sich nicht schuldig fühlt, und umgekehrt. Aber weder wird die eine Seite mit ihren Beschuldigungen je aufhören noch die andere sich je rechtfertigen können.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1897)

Fast jeder Minderheit wird heute das Recht eingeräumt, sich zu artikulieren, zu formieren und notfalls für sich selbst zu demonstrieren, wer aber außer einem bischen Grips nichts Nachteiliges vorzuweisen hat, schweige still im Staate D.
Johann Ludi

Fast jeder nämlich erklärt für berechtigt die Leidenschaft, zu der er sich bekennt.
Lucius Annaeus Seneca, Über den Zorn

Fast jeder schöpferische Geist hat über ein schlechtes Gedächtnis geklagt, den meisten Gedächtniskräftigen fällt wenig ein. Keyserling, Reisetagebuch eines Philosophen, 5, China, Auf dem Yang Tse

Fast jedermann macht sich ein Vergnügen daraus, sich kleiner Verpflichtungen zu entledigen; viele Leute empfinden Dankbarkeit wegen größerer, aber es gibt fast niemanden, der nicht, was große anbelangt, Undankbarkeit an den Tag legte. La Rochefoucauld, Réflexions morales

Fast jedermann macht sich ein Vergnügen daraus, sich kleiner Verpflichtungen zu entledigen; viele Leute empfinden Dankbarkeit wegen größerer, aber es gibt fast niemanden, der nicht, was große anbelangt, Undankbarkeit an den Tag legte. La Rochefoucauld, Réflexions morales

Fast mer's anna Bendel, und führt mer's ümme Ring.

Fast möcht' ich glauben: Das, was ich nicht mit eignen Augen sah,
Steht desto schöner vor dem innren Sinn.
Henrik Ibsen, Das Hünengrab (Blanka)

Fast niemand bemerkt vor sich selber das Verdienst eines andern. La Bruyère, Charactere

Fast niemand die Tugend mehr kennt, so sehr hat Geld die Leute verblend't.
la] Vis fieri dives? Christi mandata sequaris; diminiasque animi gaudia nota tui.

Fast noch sorglicher als unsern Hass suchen wir unsere Liebe zu verbergen. Börne, Vermischte Aufsätze: Denkrede auf Jean Paul

Faste zweyfach, kanst du nicht einfach fasten.

Fasten ist nicht Brot sparen.
fr] Double jeûne, double morceau.

Fasten ohne Regen verkünden ein Jahr mit viel Segen.

Fasten und Beten sind fromme Mittel, die Zeit zu töten.

Fasten und Feiern geht wie das Kreuztragen und Singen. (Wer das Kreuz trägt, ist vom Singen befreit)

Fasten und feiern ist der Christenheit verboten. (Nämlich beides gleichzeitig, denn erst kommt Fasten, dann Feiern der Feste)

Fastenbissen, doppelter Bissen.
i] Das Verbotene reizt.
fr] Morceau jeûne, double morceau.

Fastenfreier, die sind teuer. Böhmen

Fastliches Essen, schlechtes Essen (o. schlechte Kost).

Fastnacht schön - Blümlein bald stehn.

Fastnacht soll man mit seiner Frau und Ostern mit seinem Pfarrer halten.
i] Dies ursprünglich französische Sprichwort beruht auf Gebräuchen, die heute noch bestehen. An Fastnacht vereinigen sich alle Verwandte bei ihrem Familienhaupte, nehmen ein gutes Mahl und überlassen sich allen Arten von Vergnügungen. Man ist so aufmerksam auf diese Zusammenkünfte, dass man auf Entzweiung zwischen denjenigen schließt, welche diesem Gebrauch nicht nachgekommen sind. Ein Ehemann, wie kalt er auch sonst gegen seine Gattin sein mag, wird nie unterlassen, Fastnacht mit ihr zu feiern, um den Urteilen seiner Mitbürger auszuweichen. - Der andere Teil des Sprichworts findet seine Erklärung in einem Gesetz der Tridentiner Kirchenversammlung, wie überhaupt in einer Verordnung der katholischen Kirche, welche fordert, dass jeder katholische Christ bei Strafe der Excommunication während der Fasten beichten und das Abendmahl genießen solle. Diesem Befehle während der Fasten nachkommen, heißt seine Ostern machen.
fr] Il faut faire carême-prenant avec sa femme et Pâques avec son curé.
ho] Men moet vastenavond met zijne vrouw, en paschen met zijn pastoor houden.

Fastnachtfrost holt sich die alte Mähre zur Kost. (Tötet sie)

Fastnachtsliebe stirbt in den Fasten.

Fastnachtsschnee tut der Saat weh.

Fasttag - Gasttag.
ho] Vastendagen zijn gastendagen.

Fasttag - Lasttag.

Fat em äwer de Mâg. Mecklenburg
hdt] Fass ihn über dem Magen.
i] Greif ihn herzhaft an; eine Redensart die auch beim Kartenspiel gebraucht wird.

Fatalismus in der Politik ist nicht nur gefährlich, er ist ein Verbrechen. K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Fatalismus ist an und für sich grenzenlos traurig.
Alexander Herzen, Memoiren und Reflexionen, England

Fatt di an de Näs', denn häst Flêsch.
i] Um ein Kind abzufertigen, das um Fleisch bittet, und das zu antworten pflegt: 'De Näse hebb' öck all oft ön de Hand gehaft, awer det öss mi e to klêner Heppe.'
la] Teneas tuis te!

Fatt di doch an din' Näs' (Nase), af dei nich natt öss.

Faul bekommt (o. kriegt) nichts (o. wenig) ins Maul.

Faul bis zum Kerngehäuse. USA

Faul Drahtgarn und papieren Leder gibt auch Schuhe.

Faul Fleisch ist des Studierens bald müde.

Faul Fleisch stinkt.
la] In molli carne vermes nascuntur.

Faul Fleisch und Schelmenbein sind sehr gemein.
z] Das faul fleisch und das schelmenbein ist leider worden also gemein, das yeder tragen will im rucken, niemandts zu arbeit sich will bucken.

Faul fleisch wächst gern.

Faul fleysch muss man mit etzen ergetzen.

Faul händ verarmen.
slow.: Ruka bez roboty prijde do zebroty.

Faul Holz leuchtet wohl, aber es wärmt (glüht) nicht (brennt schlecht).

Faul hund legt man an einn strohalm.

Faul hund seindt gut zu halten.

Faul im Tun, fleißig im Beten: Orgelspiel ohne Bälgetreten.

Faul in der Arbeit und fleißig im Beten ist Orgelspiel ohne Balgentreten.

Faul in der Jugend, fleißig im Alter.

Faul leut haben (o. machen) gern viel feiertag.
i] Es bedarf großer Anstrengung nicht, sie von einer Arbeit zurückzuziehen.

Faul leut haben lang tage.

Faul leut lassen sich gern halten.

Faul Leut machen die Woch nur siben Feyertag.

Faul Leuth haben bald Feyertag gefunden.

Faul Mann wird jederman gram.

Faul mästet gut.
ho] Vuil maakt vet.

Faul pferd hebt ein klein kind.

Faul pferd hebt ein klein kind.
z] Es will jhnen jmmer zu spät nacht werden.'
ho] Luije lui vinden haast speel (heilige-, vier-, feest-)dagen.
la] Desidi semper feriae.
la] Ita nec in minimis ponas dispendia damnis nullo vel breve tempus emi.
la] Longa dies ignavo homini, nox longa videtur et longi menses, longior annus abit.
sd] Lat män är dagen lång.
un] A' rest béres gyakran nézi a' napot.

Faul und gefräßig ist gern beisammen.
ndt] Faul und gefressig (diebisch und genäschig) ist gern beysammen.

Faul und gefräßig, sagt Lump, erhält den Leib.
ho] Lui, lekker en ligt zijn de drie voornaamste deugden van 't hoovaardige Sticht.
ho] Lui, lekker en veel te meugen zijn drie dingen, die niet deugen.

Faul und groß ist doppelter Schade.

Faul und treg (= träge), das helt den Leyb.

Faul und trey, dos helt den leyb.

Faul Wasser löscht auch Feuer.
ho] Vuil water bluscht ook brand.
sd] Skittit vatten, som man icka kan släckia en brand uti.

Faul wie ein Esel.

Faul, arm und doch verzehren, geschieht nit lang mit ehren.
it] Chi non ha entrata, nè mestier, e va a spasso, ne va all' ospital a passo a passo.

Faule (o. schlechte) Ware wird jedermann angetragen.

Faule (o. schofle) Taten in schöne Berichte packen.
fr] A mal exploiter, bien écrire.

Faule Äpfel in goldenen Körben.

Faule Äpfel werden nicht gut, wenn man sie zu faulen tut.

Faule Äpfel, faule Birnen, faule Menschen, faule Dirnen.

Faule Arbeit, wäßrige Kost. Estland

Faule Arbeiter heben hoch auf und schlagen gemach nieder.

Faule Austern geben die schönsten Perlen.

Faule Balken und morsche Bretter geben kein Haus für Sturm und Wetter.

Faule Bären mästen sich gern von fremdem Honig.

Faule Bauern finden keinen guten Acker.
it] Cattivo lavoratore non trova mai buona terra.

Faule Bäume - faule Früchte.

Faule Bäume lassen sich nicht pfropfen.

Faule Bettler, die nicht wollen arbeiten, sind zu straffen.

Faule Birn lässt man unter viel schlechte Äpfel eingehen.

Faule Birn und schlechte Dirn.

Faule Birnen lässt man unter viele schlechte Äpfel eingehen.

Faule Bohnen finden einen blinden Käufer.

Faule Eier kann man lange ausbieten, eh' eine feine Nase sie kauft.

Faule Eier schwimmen oben.

Faule Eier sind keine Kaufmannswährung. (Verdorbene Ware ist man nicht schuldig zu behalten, kann sie vielmehr binnen ortsüblicher Zeit dem Verkäufer wieder zustellen)

Faule Eier sind umsonst zu teuer.
ho] Vuile eijeren op een' hoop, hoe meer om 't geld, hoe slechter koop.

Faule Eier stinken, wenn sie brechen.
ho] Als dat ei breekt, zal het stinken.

Faule Eier und stinkende Butter geben schlechten Kuchen, sagt Mutter.

Faule Eier und stinkende Butter gehören zusammen.
ndt] Faule eyr und stinckend butter gehören zusamen.
ndt] Faule eyr und stinckend butter gehorn in ein eyr und schmaltz.

Faule Engel taugen weniger als fleißige Teufel.
Emil Gött, Im Selbstgespräch

Faule Esel tragen gern schwer.

Faule eyer und stinckende butter gehören zusammen. Es ist ein rechter Salat für das maul. Eine rechte deck auf den ars. Es ist zapff für die flaschen. Ein recht weib für den man. Es ist eben gurr als gaul, Vihe als stal. Zwo hosen eines tuchs.

Faule fisch und arge renck und hilpertsgriff.
varSich mit Hilpersgriffen und besondern Practicken behelffen.

Faule Fisch und faule Butter sind ein schlechtes (o. lieb' ich nicht als) Futter.
ho] Vuile boter, vuile visch.

Faule Fische hebt kein Fischer auf.

Faule Fische und stinkende Butter. (Wenn zwei sich verbinden, die beide nicht viel taugen)

Faule Frauen wollen alles auf einmal schaffen.

Faule haben allzeit Feiertag.

Faule haben lange Tage. (Sie wissen nicht, was sie anfangen sollen)

Faule han gern vil Feyertag.

Faule Hand ist des Maules Unglück.
la] Manus sine opere, mendicabit propere.

Faule Hände bringen Unheil.
en] Idle hands cause mischief.

Faule Hände fangen nicht Spinnen.

Faule Hände hat das Glück, es zieht in die Höhe den Strick und lässt ihn fallen im Augenblick.
bm] Líná ruka (huba) holé nestesti.

Faule Hände müssen ein böss (Miss-) Jahr haben. (Der Träge hat stets ein Unglück in Bereitschaft, das er zu seiner Entschuldigung vorschützt)
en] Idle folks lack no excuses.
la] Segnities difficultatem praetexit.

Faule Hände, faul Garn!
ho] Slappe handen maken kwade banden.

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