Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten F
'Frei' ist nur ein Synonym für 'einsichtig'.
Claude-Adrien Helvétius, Vom Geist
'Freund in der Not' will nicht viel heißen - Hilfreich möchte sich mancher erweisen.
Aber die neidlos ein Glück dir gönnen,
Die darfst du wahrlich Freunde nennen. Paul Heyse, Freunde
'Furchtlos und treu' ist der Wahlspruch der Liebe. Geibel, Meister Andrea, 2, 9
F-u-r-t - fleuten ging he. Strelitz
Fäärgiätten Braut (Brot) deit manchen an Beine (Leibe) weh. Soest
Fabian (20.1.) im Nebelhut, der tut den Pflanzen gar nicht gut.
Fabian (20.1.), Sebastian - lässt den Saft in die Bäume gahn.
Fabian Sebastian (20.1.) fängt de Baam to driben an. Hannover
Fabian Sebastian (20.1.) fängt der rechte Winter an. Koblenz
Fabian Sebastian (20.1.) lest den Safft ins Holz gahn.
Fabian Sebastian (20.1.) nimmt der Taubert die Taube an. Sachsen
Fabiaun und Sebastiaun (20.1.) lät den Saft in de Bäume gaun. Tecklenburg
Fachleute sollten als Verlängerung unserer Sinne, als die Astronomen unserer Sehkraft, die Radarmannschaft unserer Ohren, das heißt als Lieferanten von Daten betrachtet werden, als Werkzeuge, (...) aber niemals dürfen die Fachleute an die Stelle unseres Gehirns treten, das sich immer das Recht der letzten Entscheidung vorbehalten muss.
Yehudi Menuhin, Kunst und Wissenschaft als verwandte Begriffe
Fäh föhat de Bua oppen Woagen, öawa wenig kanna troagen. Ukermark (Wird auf seine Ungefälligkeit, Unbarmherzigkeit usw. bezogen)
hdt] Viel fährt der Bauer auf dem Wagen, aber wenig kann er tragen.
Fahet die Füchse, weil sie noch klein sind.
Fähigkeit bricht Felsenmauern durch. China
Fähigkeit ist des armen Mannes Reichtum.
en] Ability is the poor man's wealth.
Fähigkeit ohne Erziehung ist traurig, und Erziehung eines Unfähigen ist vergeblich. Saadi, Rosengarten
Fähigkeit ruhiger Erwägung - Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte!
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismeri
Fähigkeit und Notwendigkeit wohnen in derselben Hütte. Niederlande
Fähigkeiten werden vorausgesetzt, sie sollen zu Fertigkeiten werden. Dies ist der Zweck aller Erziehung. Goethe, Wahlverwandtschaften
Fähigkeiten, Talente erregen Vertrauen...
Goethe, Dichtung wid Wahrheit IV,17
Fahnlehen und Bischofgut muss der König ganz leihen und nicht zweien. (Gegen Zerstückelung der Länder, deren Untheilbarkeit schon früh als Grundgesetz galt)
Fahr deinen Mist zu Felde, weil du Schultheiss bist.
mhd] Darumb die weil du amptmann bist vergess nit uszufüren mist.
mhd] Lass aus dem hof füren deinen mist mit vorteil weil du schultheisz bist; aber doch baw zuvor ein haus, der mist kommt hernach auch hinausz.
mhd] Sô dû schultheize bist sô fäer ûz dînen mist, so wirt behoft dîn mist sô dû nümme schultheize bist.
Fahr du nur zu, ist doch der Schubkarren nicht unser.
i] Geborgte Sachen werden nicht geschont.
Fahr ghen Molnheym und lass dir den geck schneiden.
i] Molnheim, worunter wohl Möllen (Mäll'n, Mulne), ein lauenburgisches Städtchen, gemeint ist, worin Till Eulenspiegel begraben liegt, der auch dort geboren wurde und so dem Orte eine seltsame Berühmtheit verlieh.
la] Ede helleborum. Naviget Anticyras.
Fahr hin gen Anticyras und las dir den Narrn beschneiden.
z] Wann einer jmmer narrirt, auch allzeit schwermbt und dollisirt, weist man jn gen Anticyras, das er sich da purgieren lass, den Narrn mit Nießwurtz lass ausstreiben.
Fahr hin und wirf nicht um.
z] Wers nicht glauben und sich an dieser verzweifelten Leute Exempl stoßen vnnd trewe warnung nicht annemen will, der far hin und werff nicht um.
Fahr hin! Ich habe auf Dank ja nie gerechnet. Schiller, Wallensteins Tod, III, 7 (Wallenstein)
Fahr im November deinen Mist, denn wenn so überwintert ist, dann ist der Mist des Bauern List.
Fahr ja nicht mit dem Bären, spring eher auf des Wolfes Rücken.
Fåhr m-a, oder spår m-a, euer Gnaden. (Sagen die Wiener Fiaker, wenn sie einen Mann einherkommen sehen, aus dessen Äußerm sie entnehmen zu können meinen, dass ihm die Mittel fehlen, einen Wagen zu mieten)
Fahr nicht aus deiner Haut, wenn du fährst.
Fahr nicht so hoch her, stolzer Mann, noch hast du 's letzte Hemd nicht an. (Die hoch obenhinaus wollen, kommen gemeiniglich nirgends an)
z] Ein Feurwerck oder Rachetlein, das hoch in die Höhe fährt und doch weder den Himmel erreicht, noch wider auff die Erde kömmt, sondern in der Lufft zerknallt.
Fahr nit aus deiner haut.
Fahr wohl, du altes Jahr mit Freud und Leiden! Der Himmel schenkt ein neues, wenn er will.
Annette von Droste-Hülshoff, Das geistliche Jahr 1820
Fahr wohl, Strohsack, ich habe ein Bett bekommen.
Fahr' dem Teufel in die Hand.
Fahr' hin gen Müllem und lass dir den Geck ausschneiden.
Fahr' in Nobiskrug.
i] Nobiskrug, ungewöhnlicher Nobishaus, ist die eigentümliche, ihrer Etymologie nach noch unerklärte Bezeichnung der Hölle oder der alten Unterwelt, deren Wirt der Teufel ist. Man hält es für wahrscheinlich, dass das 'N' sich durch die gewöhnliche Verbindung mit der Präposition 'in' erst eingeschlichen und dass es also ursprünglich 'in Obiskrug' geheißen habe, wie das Wort mundartlich auch noch vorkommt.
z] Nobiskrôg = Name einiger Dorfschenken; niedersächsisch Obiskrôg, Obskrôg, gehört der Fabel an und bedeutet Schenke (Krôg) des Abgrunds der Hölle, mit vorgesetztem ›N‹ wie Nêrs, Nôst, nêrstig.
z] Nobiskrug ist aus Abyssus verdorben. Der Teufel bauet allzeit seine Kapelle und Nobiskrug, wo Gott seine Kirche hat.
z] Nobiskratten, von Nobis und Kratten (Korb). Ein Doppelwort, dessen erste Hälfte vom holländischen Nobisse (Teufel) oder vom lateinischen abyssus abzustammen scheint, wo dann das ›N‹ ein müßiger Vorschlag des Wohllauts wegen oder ein Überbleibsel des alten unbestimmten Artikels en, an ist. Zur Hölle, zum Teufel fahren.
ho] Hij is nobis. (Von jemandem, der trunken ist)
mhd] Swaz dem himele obe und unde sî und in abisses grunde, daz lit uns ze swarem vunde, ê wir daz gevinden. (Aus einem Gedicht Hermanns der Damen um die Zeit von 1310)
ho] Eer en trouw is in nobiskroeg verzopen.
ho] Hij zit in nobiskroeg, onder Lucifers staart.
Fahr' n'an Teufel und brik dat G'nick. Holstein
mhd] Nû var hin, daz hiute der tiefel ûz dir kal.
Fahr' nur her, ich bin schon da. (Du wirst deinen Mann finden)
la] Gramen in nido Corydi.
Fahr, aber hetz nicht, red, aber schwätz nicht.
Fahre aus, du unsauberer Geist! Markus 5, 8
Fahre du fort, zu sinnen, zu finden, zu vereinigen, zu dichten, zu schreiben, ohne dich um andre zu bekümmern. Man muss schreiben, wie man lebt, erst um sein selbst willen, und dann existiert man auch für verwandte Wesen.
Goethe, Italienische Reise III, 5.10.1787
Fahre fort im Sündenleben,
Wirst den vier Winden noch Tritte geben.
Goethe, Zahme Xenien VIII
Fahre hin, du Flattersinn.
Fahre hin, o Kriegesmann!
Den Tod musst du erleiden!
Hans Christian Andersen, Der standhafte Zinnsoldat
Fahre mittenhin, das ist für Fallen und Straucheln gut.
Fahre nicht aus der Haut, wenn du kein Rückgrat hast.
Stanislaw Jerzy Lec
Fahre schon jn das dorff, dye pavren sein truncken.
Fahre wie der Teufel, und du wirst ihn bald treffen. Robert Lembke, Steinwürfe im Glashaus
Fahre wohl damit.
Fahrende hab acht nit für eygen.
Fahrende Hab' geht auf und ab.
ho] Acht geene varende have voor uwe eigene.
Fahrender Schüler bleibt ein Schüler.
z] Um Reminiscere wollen sie nicht mehr descere, auf Oculi lassen die Bücher sie; auf Lätare gehen sie aus dem Tare; auf Judica sind sie in patria; auf Palmarum haben sie par marum.
la] Saxum volutum non obdabitur musco.
Fahrender Topf ist bald zerschellt.
i] Wer sich etwas zumutet, was über seine Kraft geht.
la] Sepe fit illisia plaustrare (plaustrire) fidelia nisa.
la] Seria plaustrando luet ire volens aliquando.
sd] Opta gioeller grytan at hon will gerna aka.
Fahrendes kat keinen Zug. [RSpW] (Der Verkauf der Fahrhabe konnte durch Näherrecht - ein Vorzugsrecht von Blutsfreunden und Verwandten - nicht gehindert werden)
Fahret wohl, ihr feigen Lügen!
Ihr wart niemals meine Wahl. Grillparzer, Ahnfrau, III (Jaromir)
Fahrhabe achte nicht für Eigen. [RSpW] (Der Begriff des Eigentums im engern Sinne des Worts war in den deutschen Rechten von jeher an das liegende Gut geknüpft)
Fahrlässige Offizierer (Beamte) machen einen schläffrigen Herrn.
Fährleute sind aller Leute Knecht. (Vom Charakter der Dienstverhältnisse. Wer nicht wie Fährleute, Lohnkutscher, Fremdenführer u.s.w. den Beruf hat, allen zu dienen, kann seine Dienste ablehnen, auch wenn ihm Bezahlung geboten wird)
Fahrniss hat keinen Zug.
Fahrniss ist, was die Fackel verzehrt.
Fahrrad, Foto, Frau leihe man nicht aus.
Fährst mit Rappen statt Kühen du, so geht es rasch der Armut zu.
Fährt das Glück dem Narren ins Bein, so bekommt er 's Zipperlein. Russland
Fährt der Bauer im Januar Schlitten, muss er im Herbst um Säfrucht bitten.
Fährt der Mann an, so fährt das Weib aus.
Fährt ein Ochs durch alle Land, er wird stets als Rind erkannt.
mhd] Kumt ein ohse in fremdiu lant, er wirt doch für ein rint erkant.
mhd] Und fuer ain ochs durch alle land, sô hiesz man in doch nur ain rind.
Fahrt fort in unmittelbarer Beachtung der Pflicht des Tages und prüft dabei die Reinheit eures Herzens und die Sicherheit eures Geistes. Wenn ihr sodann in freier Stunde aufatmet und euch zu erheben Raum findet, so gewinnt ihr auch gewiss eine richtige Stellung gegen das Erhabene, dem wir uns auf jede Weise verehrend hinzugeben, jedes Ereignis mit Ehrfurcht zu betrachten und eine höhere Leitung darin zu erkennen haben.
Goethe, Wanderjahre III,13
Fährt in die Blüte Donner und Blitz, bewohnt jede Pflaume ein kleiner Fritz.
Fahrt nur fort, nach eurer Weise
Die Welt zu überspinnen!
Ich in meinem lebendigen Kreise
Weiß das Leben zu gewinnen.
Goethe, Zahme Xenien I
Faist land, faul leut.
it] Il paese grasso fà l'huomo pigro.
Fâken un wenig. (Oft und wenig, nämlich essen und trinken oder füttern)
Fakten sind wie Schuhe: wem sie nicht passen, der zieht sie nicht an. Karl Garbe
Fakultisten und Belletristen lieben sich mit dem Mund, wie die Katze den Hund.
Fakultisten und Belletristen sich schmatzen, so freundlich wie Hund und Katzen.
la] Expertes invidentiae Masurum januae.
Falke mit Falke, Gans mit Gans, die kahle Henne mit dem lahmen Hahn. Türkei
Falken fängt man nicht mit leeren Händen.
Falken ist der Landesfürsten Weidwerk.
Falken und Tauben muss man nicht zusammentun.
mhd] Swer valken vn hebich ze tube tvt und wolfe ze schafen, daz ist nicht gvt.
Fall dir keinen Buckel. Rheinpfalz
Fall man nich ût de Lûk.
i] Glaube dich nicht zu sicher.
Fall me nit in den Kram, lôt mick est ûtepacket hann. Waldeck
Fall und Stoß: dadurch die Bewegung der Weltkörper erklären zu wollen, ist eigentlich ein versteckter Anthropomorphismus, es ist des Wanderers Gang über Feld. Der aufgehobene Fuß sinkt nieder, der zurück gebliebene strebt vorwärts und fällt, und immer so fort vom Ausgehen bis zum Ankommen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1242
Fall' auf den Rücken und schlage dir ein Auge aus.
Fall' auf meine Henne (Ziege u.s.w.).
inf] Im Erzgebirge glaubt das Volk, wenn man in der Nacht etwas fallen hört, es müsse darauf ein Todesfall erfolgen, dieser könne aber von dem Menschen ab und auf ein Vieh gewendet werden, wenn man schnell Obiges spreche.
Fäll' den Spruch stets so in der Parteien Kriege, dass satt werde der Wolf und unversehrt bleibe die Ziege.
Fall' mir ins Maul, sagte die faule Magd zur Kirsche, an die sie mit der Nase stieß.
Fälle den gesunden Baum, und der kranke wird von selbst fallen. Polen
Fälle nicht den Baum, der dir Schatten spendet.
Fälle weder den ganzen Wald, noch komm ohne Holz nach Hause. Serbien
Fallen dem flinken Politiker neue Gedanken ein, so macht er sie mit seinem rhetorischen Jargon garantiert unschädlich.
Nüsse
Fallen die Eicheln vor Michaeli ab, so steigt der Sommer früh ins Grab.
Fallen dir Reichtum zu, so hänge das Herze nicht daran.
Fallen in der Christnacht Flocken, der Hopfen sich wird gut bestocken.
Fallen ist der Sterblichen Los.
So fällt hier der Schüler,
Wie der Meister,
doch stürzt dieser gefährlicher hin.
Goethe, Vier Jahreszeiten
Fallen ist der Sterblichen Los. So fällt hier der Schüler
Wie der Meister; doch stürzt dieser gefährlicher hin. Goethe, Vier Jahreszeiten: Winter
Fallen ist kein schande, aber lang ligen und nicht wollen wider auffstehen, ist schande.
Fallen ist keine Schande, aber liegen bleiben.
i] Fehlen und Irren gereicht nicht immer zur Unehre, wohl aber im Fehler und Irrtum verharren
Fallen ist keine Schande, aber nicht wieder aufstehen.
Fallen ist leichter als (o. denn) aufstehen.
Fallen ist menschlich, liegen bleiben teuflisch.
Fallen ist nicht so große Sünde, als wenn man nicht wieder will auffstehen.
Fallen ist schand, lange ligen ist größer schand.
Fallen und wieder aufstehen ist menschlich, fallen und liegen bleiben ist tierisch.
Fallende Lerchen singen nicht.
Fallende reisen geraten oft am besten.
Fallender Nebel und Nebelregen schönes Wetter zu machen pflegen.
Falls jemand die Geschicke unseres Lebens lenkt, möchte ich ihn tadeln. Alles ist zu schwer und erbarmungslos.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1884)
Fällst du, so vergiss ja dess wiederauffstehens nicht.
fr] Ce n'est pas honte de choir mais de trop gésir.
fr] Tout âne qui tombe et qui se relève n'est pas une rosse.
ho] Vallen is geene schande, maar lang blijven liggen en niet weder willen opstaan, dat is schande.
it] Chi ha sbagliato istrada torni addietro.
it] Non è vergogna cadere nel fango, ma non volersene levare.
it] Sbagliare è umano, ostinarsi nel male e nell' errore è satanico o bestiale.
la] Facilius cadimus quam resurgimus.
sp] Quien peca y enmienda á Dios se encomienda.
Fällst hin, so viel bist wert. Estland
Fällst vom Kirchturm herunter kommst nicht zu Schaden, kratzt den Arsch, brichst dir den Finger. Estland
Fällt am 1. Mai Reif, so hofft man auf ein gutes Jahr.
Fällt am Faschingsmontag Schnee, rufen die Äpfelbäum': Juchhe. Oberösterreich
Fällt am Jakobi (25.7.) die Blüte vom Kraut, wurden schlechte Kartoffeln gebaut.
Fällt am Maitag ein Tau, so fällt diesen Monat kein Tau mehr. Luzern
Fällt am Michaelistage (29.9.) Regen, am Gallustage (l6.10.) nicht, dies ein gut Frühjahr verspricht.
Fällt auch nur ein kleiner Schnee, so sieht man schon die Spur nicht meh. Wendische Lausitz
Fällt auf die Fronleichnamsprocession Regen, so regnet's vierzig Tage allerwegen. Frankfurt
Fällt auf Eligius (l.12.) ein kalter Wintertag, die Kälte noch 4 Monde dauern mag.
Fällt auf Lichtmess (2.2.) Sonnenschein, wird der Flachs sehr lang und fein.
Fällt das Blatt auf die Dornen, die Dornen durchbohren es, fallen die Dornen auf das Blatt, die Dornen durchbohren es.
Fällt das Brot, dann fällt es auf die Butterseite.
en] The bread never falls but on ist buttered side.
Fällt das Kind auf den Boden, legt man (ihm) ein Kissen unter, fällt der Alte auf den Boden, wirft man (ihm) eine Egge unter. Estland
Fällt das Laub auf Leodegar (2.10.), so ist das nächste ein fruchtbar Jahr. Rheinpfalz
Fällt das Laub früh, aber langsam ab, so wird ein früher aber 'langschwoafata' Winter und umgekehrt. Österreich
Fällt das Laub zeitig im Garten, so ist ein schöner Herbst und Winter zu erwarten.
Fällt das Laub zeitig, wird der Winter eisig.
Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt.
Fällt das Wasser, so wird der Stein sichtbar.
Fällt de îrste Snee in'n Dreck, ward de Winter en Geck. Mecklenburg
i] Scherzhaft auch mit dem Nachsatze: So äs he 'n Geck. Man meint, wenn der erste fallende Schnee ein Tauschnee ist, gäbe es keinen strengen, sondern einen veränderlichen, geckenhaften Winter.
en] Whether you boil snow or pound it, you will have but water from it.
ho] Valt de eerste sneeuw op een' nat geregenden grond, zoo kan de oogst gering zijn; valt zij op een' bevroren boden, zoo kan de oogst goed worden.
Fällt der Apfel weg, so bekommt er einen Fleck.
Fällt der Apfel weit vom Baum, schert dies die Stachelbeere kaum. [ASpW]
Fällt der Baum, so klaubt alle Welt Holz.
en] If a man falls, all will tread on him.
en] When the ox falls, there are many that will help to kill him.
fr] Chacun joue au roi dépouillé.
fr] Quand l'arbre est à terre, tout le monde court aux branches.
it] Sopra l'álbero caduto ognuno corre a fare legna.
la] Arbore dejecta quivis ligna colligit.
sp] Del árbol caído todos hacen leña.
Fällt der erste Schnee in Kot, so gibt's einen milden Winter. Luzern
ho] Een sneeuwtje op het slijk geeft eene zekere vorst. – Sneeuw op slik geeft ijs, dun of dik.
Fällt der erste Schnee in'n Dreck, so ist (oder wird) der Winter ein Geck.
Fällt der Hafen auf den Stein, so zerbricht er, fällt der Stein auf den Hafen, so zerbricht er auch.
Fällt der Himmel ein, er kann Pinsel decken, aber nicht schrecken.
Fällt der Himmel, so bleibet nirgend kein Stuhl noch Stecken stehn.
Fällt der himmel, so bleibt nit ein zaun steck stehn.
Fällt der Himmel, so stirbt alles, was lebet.
Fällt der Krug auf den Stein, zerbricht er, und fällt der Stein auf den Krug, zerbricht er auch.
Fällt der Narr vom Mast des Schiffs in den Sund, mit einer Otter in der Hand taucht aus dem Sund er, fällt der Weise aus dem Kähnlein in den Bach, trotz hingereichtem Ruder muss er doch ertrinken. Finnland
Fällt der Nebel zu der Erden, wird ein gutes Wetter werden; steigt er nach dem Erdendach, folgt ein großer Regen nach.
Fällt der Nebel, kommt trockenes Wetter, steigt der Nebel, kommt Regen. Estland
Fällt der Neumond vor Speciosus (Mitte oder 15. März), frühe Ernte folgen muss.
Fällt der Schnee auf den Kot, so vergeht er. Russland
Fällt der Schnee auf die Blätter, dann kommen schwarze Weihnachten (25. XII). Estland
Fällt der Wagen um, so hebe ihn auf und wag's wieder.
Fällt der Wagen, so leid es alles im Dreck.
Fällt die Gerste in der Marterwoche aus dem Sack, so bleibt sie in den Hosen stecken. Sachsen
Fällt die Jugend eines Sohnes gerade in die Zeit der Umwendung, so kann man versichert sein, dass er mit seinem Vater nichts gemein haben wird.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,8
Fällt die Stadt, so fällt auch der Flecken. Estland
Fällt doch oft ein pferd auf freien (o. vier) Füßen im ebnen feldt.
Fällt ein Reicher, heißt's ein Unfall; fällt ein Armer, heißt's er ist betrunken.
Fällt eine Krankheit den Menschen an, so ruft sie den Schwestern: kommt schnell heran.
Fällt eine Nadel in einen tiefen Brunnen, so gucken mehr Leute zu, als hineinsteigen, um sie herauszuholen.
Fällt einer, so ist ihm auffstehen nicht verbotten.
Fällt im November das Laub sehr früh zur Erden, soll ein feiner Sommer werden.
Fällt im Wald das Laub sehr schnell, ist der Winter bald zur Stell'.
Fällt im Winter viel Schnee und bleibt er lange liegen, dann gibt's ein gutes Jahr, so hat man stets geschrieben.
Fällt irgendwo ein Stein, trifft er mich allein.
Fällt Juniregen in den Roggen, so bleibt der Weizen auch nicht trocken.
Fällt kein Tau im Julius, Regen man erwarten muss.
Fällt man aufwärts, so bedeutet es Glück.
Fällt man ins Feuer, verbrennen auch die Kleider.
Fällt Regen um Lichtmess (2.2.) nieder, dann kommt auch der Winter kaum wieder.
Fällt Schnee, wenn schon die Blätter treiben, dann hat er wenig Lust zu bleiben.
it] Quando la neve vien sulle foglie, il fioccar perde le voglie.
Fällt Sünne Johannis (24.6.) Riegen in, kann de Aren (Ernte) laige (elend) sîn. Tecklenburg
fr] Du jour saint Jean la pluye fait la noisette pourrie.
fr] Eau de saint Jean ôte le vin et ne donne pas de pain.
Fällt viel Regen im sechsten Mond, wird überall Gold aus der Erde wachsen. China (Nach dem traditionellen Mondkalender beginnt das Jahr etwas Mitte Februar, somit fällt der sechste Mond in die Zeit von Juli - August)
Fällt vor Jakobi (25.7) die Blüte vom Kartoffelkraut, so werden keine guten Knollen gebaut.
Fällt während der großen Sonnenwende kalter Regen bei Nordwind, dann bekommt man Brotgetreide nicht einen Kornkastenvoll, sondern einen Lehrntopfvoll. Estland
Fällt zu Eligius (1.12.) ein kalter Wintertag, die Kälte wohl vier Monat dauern mag.
Fällt's Buchenlaub früh und schnell, wird der Winter streng und hell.
Fällt's, so fällt's, wie man Blindekuh spielt.
Falsch angelegte Dinge sind nie von Bestand, schon dass sie soviel verheißen, muss sie verdächtig machen, weil selbst nicht richtig ist, was zuviel beweisen will.
Baltasar Gracián y Morales
Falsch Eid, falsch Geld findet man jetzt in aller Welt.
Falsch Gebild und Wort
Verändern Sinn und Ort!
Goethe, Faust I, Auerbachs Keller
Mephisto Vs 2314
Falsch Geld legt man mit der blanken Seite oben.
Falsch gerechnet, ist nicht bezahlt.
Falsch Gewicht und Maß verstehen keinen Spaß.
Falsch gezielt und falsch geschossen. Ulm
Falsch ist das Geschlecht der Menschen. Schiller, Gedichte: Hero und Leander
Falsch Lieb, falsch Freund, falsch War, falsch Geld findet man jetzt ihn aller Welt.
Falsch Liebe, falsch Freund, falscher Rat, falsch Wahr, falsch Geld find man jetzt in aller Welt.
Falsch Lob ist gewisser spott.
mhd] Gelogen lop ist unwert.
mhd] Der des gert, das man in mit lügen lobe, ich hânz dû für daz er tobe.
dä] Falsk roes er spot.
dä] Halvt at rose er halvt at skiełd.
fr] Un mauvais éloge vaut un grand blâme.
Falsch Rat, falsch Freund, falsch Lieb, falsch Geld, davon ist voll die ganze Welt.
Falsch wie die Schwüre der Spieler.
Falsch wie ein Rechenpfennig.
Falsch wie eine Katze.
Falsch wie Märzeis.
Falsche Bescheidenheit ist wahre Arroganz. China
Falsche Christen sind Wolken ohne Regen. Luthers Tischreden
Falsche Demut weiß nimmer, dass sie Hochmut ist; denn wo sie das wüßte, würde sie bald demütig von dem Ansehen der häßlichen Untugend. Luther, Deutsche Schriften
Falsche Edelsteine müssen eine gute Fassung haben.
Falsche Ehre und Klirren der Sporen ist nur eine Speise für die Ohren.
Falsche Freud ist das größeste Elend.
Falsche Freud kompt einem schwer an.
Falsche Freunde haben Brillen für alle Gesichter.
Falsche Freunde laufen mit den Hasen und jagen mit den Hunden.
port] Amigos e mulas fallecem a duras.
sp] Amigos y mulas fallescen á las duras.
Falsche Freunde sind Fischer, die das Wasser trüben, ehe sie angeln.
ho] Onder vriendschaps schijn bezorgt hij 't zijn.
ho] Onder vriendschaps schijn zit 't ergste venijn.
Falsche Freunde sind gleich denen Blasen, so nur, wann es regnet, auf dem Wasser geboren werden.
Falsche Freunde sind Regenblasen auf dem Wasser. (Die eben nur so lange dauern, als es regnet)
Falsche Groschen gelten im Himmel nicht.
Falsche Groschen kennt man erst, wenn sie abgegriffen sind.
Falsche Größe ist ungesellig und unzugänglich: Da sie ihre Schwäche fühlt, so verbirgt sie sich oder zeigt sich wenigstens nicht offen und lässt nur so viel von sich sehen, als nötig ist, um Achtung einzuflößen und nicht als das zu erscheinen, was sie in Wirklichkeit ist, einfache Kleinheit.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere
Falsche Haare machen alte Schädel nicht jung.
ho] Als ik een valsch haar op het hoofd had, zou ik het uitrukken.
Falsche Herzen und untreue Hände findet man aller Ende.
Falsche Juristen reden ein loch durch einen brief, daran sieben siegel hangen.
Falsche Karten mischen.
i] Mit Unrecht verdächtigen.
Falsche Lehr helt die länge den stich nicht.
Falsche Lehrer seind wie nacht Eulen, zu denen die Vögel fliegen und sich ob ihren Wandel verwundern.
Falsche Lehrer wollen gerühmbt sein.
Falsche Leut geben gute Wort aus einem falschen Herzen.
Falsche leut können kalt und warm aus einem munde blasen.
la] Viri duplices animis.
Falsche Leut tun wie falsche Leut pflegen.
Falsche Leut, die auf beyden Achseln können Wasser tragen.
Falsche meinung (und beredungen) machen viel Unglück.
Falsche Münz gilt nichts, weder in der aussgab noch einnahm.
dä] Falsk mønt gielder hverken i indtægt eller udgift
Falsche Münze gibt's überall.
Falsche Münze wird von niemand sonst übersehen als vom klugen Wechsler.
i] Der Überkluge wird oft am ersten betrogen.
Falsche Prediger sind ärger als Jungfrauenschänder.
Falsche Räte und Juristen ehren Gott in ihren Kisten.
Falsche Rechte und Juristen ehren Gott in ihren Kisten.
Falsche sind Hühner, die zwar gut singen, aber übel scharren.
Falsche Stellungen zur Außenwelt. Wer hat sie nicht? jede Lebensstufe hat die ihr eignen.
Goethe, F. v. Müller, 8.3.1824
Falsche Tendenzen sind eine Art realer Sehnsucht, immer noch vorteilhafter als die falsche Tendenz, die sich als ideelle Sehnsucht ausdrückt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 923
Falsche Treue hat kurzen Zagel.
la] Frangenti fidem fides frangatur eidem.
Falsche Treue, falsches Gold. (Von Kumpanei)
Falsche verkäufer machen all ding teuer.
Falsche Vorstellung, dass man ein Phänomen durch Kalkül oder durch Worte abtun und beseitigen könne.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1278
Falsche Wort mit gutem Schein sind die betrüglichsten.
Falsche Worte gelten zum höchsten, wenn sie Masken unserer Taten sind.
Goethe, Götz A II, Adelheiden Zimmer
Adelheid
Falsche Zeugen gelten nicht.
ho] Valsche getuigen gelden niet.
Falsche zeugen, die sein wohlfeil, wers sucht, werden ihm wohl zu teil.
i] Aber verachtet.
Falsche Zeugen, falsch Bericht, falsche Schwür' und falsch Gewicht, falsche Liebe und falsch Geld findet man in der ganzen Welt.
Falsche Zungen sind wohlfeil.
Falschen Alarm geben. (Zur Vorsicht warnen, obwohl es gar nicht nötig wäre)
en] A false alarm
Falschen Gruß man mit Falsch erwidern muss.
Falschen Leuten gehört falsches Geld.
Falscher Ehrgeiz haut den Kopf ab. (Führt ins Verderben)
Falscher Freunde Tück' entdeckt das Unglück.
Falscher Herren Worte sind toter Leute Schuhe; wer darauf wartet, wird gewiss barfuss gehen.
Falscher Kuss, viel Verdruss.
Falscher Leute Rat führt auf schlimmen Pfad.
mhd] Swaz raete ein valscher bringet, die kument ûz swachem grunde.
Falsches Geld verschießt.
Falsches Gerede ist wie Wolfsdreck: schwarz und haarig.
Falsches Lob ist sicherer Spott.
Falsches Mitleid ist schlimmer als Neid.
Falschheit hat bei der Hoftafel den ersten Sitz.
Falschheit ist ... eine Lüge der ganzen Person.
Jean de La Bruyère, Von den Frauen
Falschheit ist des Teufels Tochter, die mit ihres Vaters Zunge spricht.
dä] Løgn er Fandens Datter, og taler sin Faders Maal.
Falschheit ist ehrlos, und Lug wird von jedem verachtet. Sadi, Pend-nameh
Falschheit liebt die geraden Wege nicht.
dä] Løgn bliver ikke træt af at gaae lange veie.
Falschheit regiert die gantze Welt.
Falschheit soll nicht über Recht gehen. (Aber sie geht oft über Recht, d.h. es gelingt, durch Leugnen und allerhand Rechtskniffe das Recht zu besiegen)
Falschheit steckt auch hinter einem schönen Gesicht.
dä] Falskhed ligger ofte under fagert haar.
Falschheit trägt das Banner auf Erden.
Falschheit und untreu find man auff allen märckten feil.
Falschheit versteckt sich oft unter blondem Haar.
Falschheit, Latein und böses Geld gehen durch die ganze Welt.
dä] Løgn og latin løbe verden omkring.
Falschheit, List und Trug ist Neidhards bestes Meisterstück.
Falten machen einen Mann männlicher, eine Frau älter.
Jeanne Moreau
Falten sind schwerlich aus Kleidern zu reiben.
Familiäre Nestwärme lässt sich nicht durch ideologische Brutkästen ersetzen.
Norbert Blüm, Unverblümtes von Norbert Blüm
Familie, du bist die Heimstatt aller sozialen Laster, die Versorgungseinrichtung aller bequemen Frauen, die Ankerschmiede des Familienversorgers und die Hölle der Kinder!
August Strindberg, Der Sohn der Magd
Familienleben: Strafvollzug in der kleinsten Zelle der Gemeinschaft. Alexander Eilers
Familiensinn ist relativ. In Italien ist der angeheiratete Neffe eines armen Großonkels noch ein lieber Verwandter, in Amerika ist die Schwiegertochter eines Millionärs bereits eine Fremde.
Roberto Rossellini
Familienurlaub ist die Fortsetzung des Ehekrieges auf anderem Territorium.
Gabriel Laub
Fan Jongen an Dommen feit 'm a Wiard tu wedden. Föhr
hdt] Von Jungen und Dummen kriegt man die Wahrheit zu wissen
Fan Thank staarw Smath's Kat. Nordfriesland
hdt] Von Dank sagen starb die Katze des Schmieds. (Der leere Dank trägt nichts ein, man kann davon nicht leben)
Fanatiker der Gewalt, des Ungeistes und der Knechtung.
Thomas Mann, Tagebuch, Februar 1934
Fanatiker sind Leute, die jederzeit aus dem Rahmen fallen können, obwohl sie nicht im Bilde sind.
Hans Clarin
Fanatiker: der Stärke seiner Überzeugung entspricht die Tiefe seines Irrtums.
Ron Kritzfeld
Fanatiker: einer, der auf seine Kanonen vertraut, gleichgültig, ob sie geladen sind oder nicht.
Jones
Fanatismus - eine der gefährlichsten Geistesstörungen.
Friedrich Hacker
Fanatismus besteht im Verdoppeln der Anstrengung, wenn das Ziel vergessen ist.
George de Santayana
Fanatismus ist das Paradies für eine Sekte.
Keals
Fanatismus ist die hochexplosive Mischung von Engstirnigkeit und Energie.
Herbert von Karajan
Fanatismus ist ja wohl eine Ausfallerscheinung und hat mehr mit dem Unterleib als mit dem Kopf zu tun…
Brigitte Reimann, Franziska Linkerhand
Fang alles an nur mit Bedacht; führ' alles mit Bestand!
Was drüber dir begegnen mag, da nim Geduld zur Hand.
Friedr. von Logau, Deutsche Sinn=Gedichte (1654), Beginnen
Fang an deinem Weinberg an zu schneiden.
Fang an zu philosophieren, und dir wird schwindlig.
Anton Tschechov
Fang an, den Strömling am Schwanz zu verzehren, dann sieht der Kopf, was man mit dem Arsch macht. Estland
Fang dann an zu essen, wenn die anderen anfangen zu scheißen. Estland
Fang demütig an, und hör' großmütig auf! Braunschweig
Fang den Kranich nicht mit der Axt. Estland
Fang erst an zu lernen, bevor du lehren willst. Estland
Fang Fische im Meer, fang sie nicht beim Käufer.
Fang Gänse nicht auf trockenem Land.
Fang jetzt an zu leben, und zähle jeden Tag als ein Leben für sich.
Seneca
Fang jetzt zu leben an und zähle jeden Tag als ein Leben für sich. Seneca
Fang keinen Storch auf dem Dach und lass eine Meise nicht aus der Hand. Estland
Fang keinen Vogel im Fluge. Estland
Fang nie gegen das Gericht einen Prozess an, das Gericht legt dich unter die Pfote (= kriegt dich klein). Estland
Fang viel an, bächt lützel. Schlesien
hdt] Fang viel an, verdirb wenig.
Fang vorher keinen Zaun an zu errichten, bis der Haufen nicht fertig ist.
Fang' viel an, richt' wenig aus.
la] Multa aggressus omnibus frustrabitur.
la] Plurima qui aggreditur, nil apte perficit unquam.
Fang's an, so ist's halb getan.
Fange an dir an.
Fange deine Herzensausbildung nicht mit dem Anbau der edlen Triebe, sondern mit dem Ausschneiden der schlechten an. Ist einmal das Unkraut verwelkt oder ausgezogen: dann richtet sich der edlere Blumenflor von selber kräftig in die Höhe. Jean Paul, Hesperus: Wetterbeobachtungen über den Menschen
Fange deine Herzenskultur nicht mit dem Anbau der edeln Triebe, sondern mit dem Ausscheiden der schlechten an. Ist einmal das Unkraut verwelkt oder ausgezogen: dann richtet sich der edlere Blumenflor von selber kräftig in die Höhe. Jean Paul, Fragmente aus Hesperus: Dritter Schalttag
Fange die Reformation von dir an, so gehet es fort. Chr. Lehmann, Politischer Blumengarten
Fange in deinem Weinberge an zu schneiden.
Fange mit Kleinem an und arbeite ruhig fort, bis ein großes Werk fertig ist.
altfries] Bigenn me dit Litj en da krabbe olter dit gurt klaar heest.
Fange viel an bächt lützel. (lützel = beendigt wenig)
Fange viel an, richt wenig aus. (Rollenhagen, Froschmäuseler, 1595)
Fange zuerst den Hasen, dann wollen wir den Pfeffer dazu machen.
Fangen mit Zeus wir an!
gr] Έκ Διὸς ἀρχώμεσδα
Theokrit (geb. um 300 v. Chr.), Idyllen
Fangen neue Gesetze an, so spannt Betrug gleich daran, dass Obrigkeit nicht strafen kann.
Fangen und gefangen werden.
la] Captantes capti sumus.
la] Graecia capta ferum victorem cepit.
la] Jam cautor ipse captus est.
la] Scito quod tenens teneris.
Fangen wie Zunder. (Von dem, der leicht für äußere Eindrücke empfänglich, besonders der Verführung leicht zugänglich ist)
Fanget ein Bauer einen Hasen im Kraut, so büßt er dafür mit seiner Haut.
Fängst du an zu komponieren, so mache alles im Kopf! Erst wenn du ein Stück ganz fertig hast, probiere es am Instrumente!
Robert Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln
Fängst du bei der Mitte an, wenn du einen runden Kuchen isst?
Fängst Du Biber? sagte der Fuchs zum Wolf, als diesem der Schwanz auf dem Eis festgefroren war.
ndt] Fangste Bewerken? sä' de Voss tau'n Wulf, as düssen d' Swans up'n Ise fastefrôren was. Lüneburg
Fängst du dein Werk mit Beten an, ist's um die Hälfte schon getan.
Fängst du dir zu beweisen an,
dass du noch jung geblieben bist, dann,
lieber Freund, denk stets daran,
dass dies ein Alterszeichen ist.
Wolfgang Salpeter
Fängst du mit Vergnügen an, so ist die Sache halb getan.
Fängt das Glücksrad an zu drehen, so bleibt es nicht stehen.
dä] Naar hiulet begynder først at hælde, er det snart ude med lykken.
Fängt der August mit Donnern an, er's bis zum End' nicht lassen kann.
Fängt der August mit Hitze an, bleibt sehr (o. sie) lang die Schlittenbahn.
Fängt der Bart an, weiß zu sein, lass die Frau und trinke Wein.
it] Quando la barba fa bianchino, lascia la donna e tiente al vino.
Fängt der Dezember früh an zu toben, wird man ihn im Januar loben.
Fängt der Juli mit Tröpfeln an, wird man lange Regen han.
Fängt der Winter zu früh an zu toben, ist er im Dezember nicht zu loben.
Fängt die Lerche im Lichtmonat (Februar) an zu singen, so ist der Frühling kalt, erscheint sie im Fastenmonat (März), ist der Frühling warm. Estland
Fängt ein Bauer einen Hasen im Kraut, so muss er's büßen mit der Haut. (Erinnert an die Härte der frühern Jagdgesetze)
Fangt euer Handwerk fröhlich an, so wird's gar bald sein wohlgetan!
Fangt man ein neu ordnung an, so spant betrug gleich dran, das Obrigkeit nicht straffen kan.
Fängt man eine neue Ordnung an, so spannt Betrug gleich daran, dass die Obrigkeit nicht bestrafen kann.
Far 'n Botterbrot kêpe. (Sehr billig kaufen)
Far Brod (Für Brot) gahet man Steine. Jüdisch-deutsch. Brody (Undank ist der Welt Lohn)
Far'ch wier de Arwêt, söä de Liehrjong, awer grot is se ne.
Farbe bekennen - mit offenen Karten spielen
en] to put o's cards an the table - to show o's hands (o. colours) - to come into the open
fr] jouer (o. mettre) cartes sur table - annoncer la couleur
it] mettere le carte in tavola - spiegare le insegne
Farbe nehmen. (Plötzlich rot werden)
Farbe wirkt unmittelbar auf uns, auf unsere Sinne. Das Farbenfreudige macht uns heiter, düstere, dunkle Farben stimmen uns ernst.
Lea Grundig, Über die Farbe
Farben und Licht stehen zwar untereinander in dem genausten Verhältnis, aber wir müssen uns beide als der ganzen Natur angehörig denken: denn sie ist es ganz, die sich dadurch dem Sinne des Auges besonders offenbaren will.
Goethe, Zur Farbenlehre - Vorwort
Farben waren mir ein Glück und mir war es, als ob sie meine Hände liebten.
Emil Nolde (13. Oktober 1944)
Farbenpracht blendet das Auge.
Lao-tse, Dao-de-dsching
Färber erkennt man an den Händen.
Farsakist thu allos hethinussion? Farsaku. Altwestfälisches Taufgelöbnis (um 850)
hdt] Sagst du allem Heidentum ab? Ich sage ab.
Farzens und Wünschens halber darf niemand aus dem Bette steigen.
Fas Maurervieh, der Zimmerochs und die Herren Handlanger werden zum Essen gebeten.
i] In dieser scherzhaften Form werden in Ostpreussen die genannten Handwerker, wenn sie auf einem ländlichen Grundstück beschäftigt sind, zum Essen gerufen.
Fas Nachtkissen ist ihr lieber als das Nähkissen.
i] Sie zieht Schlaf und Vergnügen nützlicher Beschäftigung vor.
Fasching in Ehren wird niemand wehren.
Fasching ohne Witz ist ein Schäfer ohne Spitz.
Faschingsfreier holt der Geier. Böhmen
Fass das Leben immer als Kunstwerk.
Christian Morgenstern, Stufen
Fass den Kopf (= beginn beim Kopf), dann kommst zum Schwanz. Estland
Fass dich an die eigene Nase!
Fass es mit beiden Händen.
la] Ambabus manibus.
la] Non una tantum manu capiendum est.
la] Obviis ulnis.
Fass immer ein neugeborenes Baby an, sonst wird es seine Hand gegen dich erheben, wenn es heranwächst. Irland
Fass keine alte Sache an, sie fängt an zu stinken. Estland
Fass und Glas sind gern beieinander.
Fass zweifach, kannst's nicht einfach fassen.
la] Rem pateris modicam et mediocri bole ferenda.
la] Si spectas oculos majora ad crimina.
Fass' an deine Nase. Rottenburg
Fass' ein scharfes Messer nicht mit bloßen Händen an.
Fasse deinen Mut zusammen! Es ist kein Elend in der Welt von beständiger Dauer.
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen
Fasse nicht den Schwanz des Leoparden an, hast du es aber getan, so lasse ihn nicht mehr los. Äthiopien
Fasse zuerst an deine eigene Nase. Estland
Fasse, was du halten kannst.
Fassen Sie einen Gegenstand, eine Materie, einen Begriff, wie man es nennen will, halten Sie ihn recht fest, machen Sie sich ihn in allen seinen Teilen recht deutlich, und dann wird es Ihnen leicht sein, gesprächsweise, an einer Masse Kinder zu erfahren, was sich davon schon in ihnen entwickelt hat, was noch anzuregen, zu überliefern ist.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,7
Fässer, die hell klingen, sind leer.
Fassest du die Muse nur beim Zipfel,
Hast du wenig nur getan,
Geist und Kunst, auf ihrem höchsten Gipfel,
Muten alle Menschen an.
Goethe, Begeisterung
Fasst du die Hand der Braut, und sie ist zart wie Sammt, so passt sie nicht fürs Küchen- (Wirthschafts-)amt.
Fasst man das Pferd, so hat man den Reiter.
dä] Skyd hesten, saa har du manden.
Fasst mers anna Bendel und führt mers ümme Ring.
Fasst Mut, ihr Freunde, Gefährten im Kampf!
Das Ludwigslied (882)
Fast alle Ehen sind nur Konkubinate.
Friedrich Schlegel, Fragmente
Fast alle Gesetze seien Synthesen des Unmöglichen, zum Beispiel das Institut der Ehe.
Goethe, F. v. Müller, 19. 10. 1823
Fast alle Gewerbe sind schmierig, sagte die Frau des Mesners und nahm die Kerzenstummel vom Altar. Schweiz
Fast alle großen Revolutionen sind im Exil vorbereitet und geschürt worden, denn kein Revolutionär ist zäher und feuriger als der emigrierte.
Balder Olden, Stationen meines Lebens
Fast alle haben sich verheiratet, ohne von der Frau und von der Liebe auch nur die allergeringste Kenntnis zu besitzen.
Honoré de Balzac, Die Physiologie der Ehe
Fast alle keuschen Frauen sterben jung oder werden verrückt.
Donatien Alphonse François Marquis de Sade, Geschichte von Juliette
Fast alle Menschen scheinen mir das Leben mit falschen Anstrengungen zu vergeuden - überall prachtvolle Energie am falschen Platz.
Thomas Wolfe, an Horace Williams, Febr. 1922
Fast alle Menschen sind von Natur 'Heldenverehrer', gegen diesen gesunden Instinkt lässt sich nichts Stichhaltiges einwenden.
Houston Stewart Chamberlain, Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts
Fast alle Menschen, die etwas taugen, haben einfache Manieren. Leopardi
Fast alle, die über den Frieden reden, denken nicht daran, dass es ihn noch nie gegeben hat (...), was kein Einwand gegen ihn ist, aber eine Gedankenlosigkeit.
Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte. Ein Wörter-Buch für Zeitgenossen
Fast alles Ernste ist schwer, und alles ist ernst.
Rainer Maria Rilke, An F. X. Kappus, 16. 7.1903
Fast alles Große in der Welt ist durch das Genie, durch die Festigkeit eines einzelnen Mannes bewirkt worden, der gegen die Vorurteile der Menge ankämpfte oder ihr welche beibrachte. Voltaire, Essais sur les moeurs des nations
Fast ausnahmslos erweisen sich persönliche Leidenschaften als dem allgemeinen Wohl schädlich. Machiavelli, Florentiner Geschichte
Fast bei allen Urteilen (in der deutschen Literatur) waltet nur der gute oder böse Wille gegen die Poeten, und die Fratze des Parteigeistes ist mir mehr zuwider, als irgend eine andere Karikatur.
Goethe, Riemer, Oktober/November 1803
Fast bringt nichts ins Haus.
Fast hingefallen, sagte Vater Land, da lag er schon.
ndt] Ball follen, säd' Vater Lang', dôr lêg he all.
Fast immer werden die Moden von den häßlichen Frauenzimmern aufgebracht, und die hübschen sind töricht genug, sich unterzuordnen. Rousseau
Fast jede Arbeit gewährt die Befriedigung, die Zeit totzuschlagen und dem Ehrgeiz einen wenn auch noch so bescheidenen Spielraum zu lassen, und diese Vorteile genügen, selbst den, der eine stumpfsinnige Arbeit hat, im Durchschnitt zufriedener zu machen als den ganz Müßigen. Ist die Tätigkeit aber interessant, dann kann sie eine Befriedigung weit höherer Ordnung gewähren als bloße Befreiung von der Langweile. Bertrand Russell, The Conquest of Happiness
Fast jede Frau wäre gerne treu. Schwierig ist es bloß, den Mann zu finden, dem man treu sein kann.
Marlene Dietrich
Fast jeder Amerikaner, der es zu etwas gebracht hat, war früher einmal Zeitungsjunge.
Bing Crosby
Fast jeder hat Gefühl für die Natur, der eine mehr, der andere minder, aber nur wenig gibt es, die fühlen: Gott ist Geist.
Vincent van Gogh, Briefe
Fast jeder Mann wirft seiner Frau Dinge vor, deren sie sich nicht schuldig fühlt, und umgekehrt. Aber weder wird die eine Seite mit ihren Beschuldigungen je aufhören noch die andere sich je rechtfertigen können.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1897)
Fast jeder Minderheit wird heute das Recht eingeräumt, sich zu artikulieren, zu formieren und notfalls für sich selbst zu demonstrieren, wer aber außer einem bischen Grips nichts Nachteiliges vorzuweisen hat, schweige still im Staate D.
Johann Ludi
Fast jeder nämlich erklärt für berechtigt die Leidenschaft, zu der er sich bekennt.
Lucius Annaeus Seneca, Über den Zorn
Fast jeder schöpferische Geist hat über ein schlechtes Gedächtnis geklagt, den meisten Gedächtniskräftigen fällt wenig ein. Keyserling, Reisetagebuch eines Philosophen, 5, China, Auf dem Yang Tse
Fast jedermann macht sich ein Vergnügen daraus, sich kleiner Verpflichtungen zu entledigen; viele Leute empfinden Dankbarkeit wegen größerer, aber es gibt fast niemanden, der nicht, was große anbelangt, Undankbarkeit an den Tag legte. La Rochefoucauld, Réflexions morales
Fast jedermann macht sich ein Vergnügen daraus, sich kleiner Verpflichtungen zu entledigen; viele Leute empfinden Dankbarkeit wegen größerer, aber es gibt fast niemanden, der nicht, was große anbelangt, Undankbarkeit an den Tag legte. La Rochefoucauld, Réflexions morales
Fast mer's anna Bendel, und führt mer's ümme Ring.
Fast möcht' ich glauben: Das, was ich nicht mit eignen Augen sah,
Steht desto schöner vor dem innren Sinn.
Henrik Ibsen, Das Hünengrab (Blanka)
Fast niemand bemerkt vor sich selber das Verdienst eines andern. La Bruyère, Charactere
Fast niemand die Tugend mehr kennt, so sehr hat Geld die Leute verblend't.
la] Vis fieri dives? Christi mandata sequaris; diminiasque animi gaudia nota tui.
Fast noch sorglicher als unsern Hass suchen wir unsere Liebe zu verbergen. Börne, Vermischte Aufsätze: Denkrede auf Jean Paul
Faste zweyfach, kanst du nicht einfach fasten.
Fasten ist nicht Brot sparen.
fr] Double jeûne, double morceau.
Fasten ohne Regen verkünden ein Jahr mit viel Segen.
Fasten und Beten sind fromme Mittel, die Zeit zu töten.
Fasten und Feiern geht wie das Kreuztragen und Singen. (Wer das Kreuz trägt, ist vom Singen befreit)
Fasten und feiern ist der Christenheit verboten. (Nämlich beides gleichzeitig, denn erst kommt Fasten, dann Feiern der Feste)
Fastenbissen, doppelter Bissen.
i] Das Verbotene reizt.
fr] Morceau jeûne, double morceau.
Fastenfreier, die sind teuer. Böhmen
Fastliches Essen, schlechtes Essen (o. schlechte Kost).
Fastnacht schön - Blümlein bald stehn.
Fastnacht soll man mit seiner Frau und Ostern mit seinem Pfarrer halten.
i] Dies ursprünglich französische Sprichwort beruht auf Gebräuchen, die heute noch bestehen. An Fastnacht vereinigen sich alle Verwandte bei ihrem Familienhaupte, nehmen ein gutes Mahl und überlassen sich allen Arten von Vergnügungen. Man ist so aufmerksam auf diese Zusammenkünfte, dass man auf Entzweiung zwischen denjenigen schließt, welche diesem Gebrauch nicht nachgekommen sind. Ein Ehemann, wie kalt er auch sonst gegen seine Gattin sein mag, wird nie unterlassen, Fastnacht mit ihr zu feiern, um den Urteilen seiner Mitbürger auszuweichen. - Der andere Teil des Sprichworts findet seine Erklärung in einem Gesetz der Tridentiner Kirchenversammlung, wie überhaupt in einer Verordnung der katholischen Kirche, welche fordert, dass jeder katholische Christ bei Strafe der Excommunication während der Fasten beichten und das Abendmahl genießen solle. Diesem Befehle während der Fasten nachkommen, heißt seine Ostern machen.
fr] Il faut faire carême-prenant avec sa femme et Pâques avec son curé.
ho] Men moet vastenavond met zijne vrouw, en paschen met zijn pastoor houden.
Fastnachtfrost holt sich die alte Mähre zur Kost. (Tötet sie)
Fastnachtsliebe stirbt in den Fasten.
Fastnachtsschnee tut der Saat weh.
Fasttag - Gasttag.
ho] Vastendagen zijn gastendagen.
Fasttag - Lasttag.
Fat em äwer de Mâg. Mecklenburg
hdt] Fass ihn über dem Magen.
i] Greif ihn herzhaft an; eine Redensart die auch beim Kartenspiel gebraucht wird.
Fatalismus in der Politik ist nicht nur gefährlich, er ist ein Verbrechen. K. Peltzer, An den Rand geschrieben
Fatalismus ist an und für sich grenzenlos traurig.
Alexander Herzen, Memoiren und Reflexionen, England
Fatt di an de Näs', denn häst Flêsch.
i] Um ein Kind abzufertigen, das um Fleisch bittet, und das zu antworten pflegt: 'De Näse hebb' öck all oft ön de Hand gehaft, awer det öss mi e to klêner Heppe.'
la] Teneas tuis te!
Fatt di doch an din' Näs' (Nase), af dei nich natt öss.
Faul bekommt (o. kriegt) nichts (o. wenig) ins Maul.
Faul bis zum Kerngehäuse. USA
Faul Drahtgarn und papieren Leder gibt auch Schuhe.
Faul Fleisch ist des Studierens bald müde.
Faul Fleisch stinkt.
la] In molli carne vermes nascuntur.
Faul Fleisch und Schelmenbein sind sehr gemein.
z] Das faul fleisch und das schelmenbein ist leider worden also gemein, das yeder tragen will im rucken, niemandts zu arbeit sich will bucken.
Faul fleisch wächst gern.
Faul fleysch muss man mit etzen ergetzen.
Faul händ verarmen.
slow.: Ruka bez roboty prijde do zebroty.
Faul Holz leuchtet wohl, aber es wärmt (glüht) nicht (brennt schlecht).
Faul hund legt man an einn strohalm.
Faul hund seindt gut zu halten.
Faul im Tun, fleißig im Beten: Orgelspiel ohne Bälgetreten.
Faul in der Arbeit und fleißig im Beten ist Orgelspiel ohne Balgentreten.
Faul in der Jugend, fleißig im Alter.
Faul leut haben (o. machen) gern viel feiertag.
i] Es bedarf großer Anstrengung nicht, sie von einer Arbeit zurückzuziehen.
Faul leut haben lang tage.
Faul leut lassen sich gern halten.
Faul Leut machen die Woch nur siben Feyertag.
Faul Leuth haben bald Feyertag gefunden.
Faul Mann wird jederman gram.
Faul mästet gut.
ho] Vuil maakt vet.
Faul pferd hebt ein klein kind.
Faul pferd hebt ein klein kind.
z] Es will jhnen jmmer zu spät nacht werden.'
ho] Luije lui vinden haast speel (heilige-, vier-, feest-)dagen.
la] Desidi semper feriae.
la] Ita nec in minimis ponas dispendia damnis nullo vel breve tempus emi.
la] Longa dies ignavo homini, nox longa videtur et longi menses, longior annus abit.
sd] Lat män är dagen lång.
un] A' rest béres gyakran nézi a' napot.
Faul und gefräßig ist gern beisammen.
ndt] Faul und gefressig (diebisch und genäschig) ist gern beysammen.
Faul und gefräßig, sagt Lump, erhält den Leib.
ho] Lui, lekker en ligt zijn de drie voornaamste deugden van 't hoovaardige Sticht.
ho] Lui, lekker en veel te meugen zijn drie dingen, die niet deugen.
Faul und groß ist doppelter Schade.
Faul und treg (= träge), das helt den Leyb.
Faul und trey, dos helt den leyb.
Faul Wasser löscht auch Feuer.
ho] Vuil water bluscht ook brand.
sd] Skittit vatten, som man icka kan släckia en brand uti.
Faul wie ein Esel.
Faul, arm und doch verzehren, geschieht nit lang mit ehren.
it] Chi non ha entrata, nè mestier, e va a spasso, ne va all' ospital a passo a passo.
Faule (o. schlechte) Ware wird jedermann angetragen.
Faule (o. schofle) Taten in schöne Berichte packen.
fr] A mal exploiter, bien écrire.
Faule Äpfel in goldenen Körben.
Faule Äpfel werden nicht gut, wenn man sie zu faulen tut.
Faule Äpfel, faule Birnen, faule Menschen, faule Dirnen.
Faule Arbeit, wäßrige Kost. Estland
Faule Arbeiter heben hoch auf und schlagen gemach nieder.
Faule Austern geben die schönsten Perlen.
Faule Balken und morsche Bretter geben kein Haus für Sturm und Wetter.
Faule Bären mästen sich gern von fremdem Honig.
Faule Bauern finden keinen guten Acker.
it] Cattivo lavoratore non trova mai buona terra.
Faule Bäume - faule Früchte.
Faule Bäume lassen sich nicht pfropfen.
Faule Bettler, die nicht wollen arbeiten, sind zu straffen.
Faule Birn lässt man unter viel schlechte Äpfel eingehen.
Faule Birn und schlechte Dirn.
Faule Birnen lässt man unter viele schlechte Äpfel eingehen.
Faule Bohnen finden einen blinden Käufer.
Faule Eier kann man lange ausbieten, eh' eine feine Nase sie kauft.
Faule Eier schwimmen oben.
Faule Eier sind keine Kaufmannswährung. (Verdorbene Ware ist man nicht schuldig zu behalten, kann sie vielmehr binnen ortsüblicher Zeit dem Verkäufer wieder zustellen)
Faule Eier sind umsonst zu teuer.
ho] Vuile eijeren op een' hoop, hoe meer om 't geld, hoe slechter koop.
Faule Eier stinken, wenn sie brechen.
ho] Als dat ei breekt, zal het stinken.
Faule Eier und stinkende Butter geben schlechten Kuchen, sagt Mutter.
Faule Eier und stinkende Butter gehören zusammen.
ndt] Faule eyr und stinckend butter gehören zusamen.
ndt] Faule eyr und stinckend butter gehorn in ein eyr und schmaltz.
Faule Engel taugen weniger als fleißige Teufel.
Emil Gött, Im Selbstgespräch
Faule Esel tragen gern schwer.
Faule eyer und stinckende butter gehören zusammen. Es ist ein rechter Salat für das maul. Eine rechte deck auf den ars. Es ist zapff für die flaschen. Ein recht weib für den man. Es ist eben gurr als gaul, Vihe als stal. Zwo hosen eines tuchs.
Faule fisch und arge renck und hilpertsgriff.
varSich mit Hilpersgriffen und besondern Practicken behelffen.
Faule Fisch und faule Butter sind ein schlechtes (o. lieb' ich nicht als) Futter.
ho] Vuile boter, vuile visch.
Faule Fische hebt kein Fischer auf.
Faule Fische und stinkende Butter. (Wenn zwei sich verbinden, die beide nicht viel taugen)
Faule Frauen wollen alles auf einmal schaffen.
Faule haben allzeit Feiertag.
Faule haben lange Tage. (Sie wissen nicht, was sie anfangen sollen)
Faule han gern vil Feyertag.
Faule Hand ist des Maules Unglück.
la] Manus sine opere, mendicabit propere.
Faule Hände bringen Unheil.
en] Idle hands cause mischief.
Faule Hände fangen nicht Spinnen.
Faule Hände hat das Glück, es zieht in die Höhe den Strick und lässt ihn fallen im Augenblick.
bm] Líná ruka (huba) holé nestesti.
Faule Hände müssen ein böss (Miss-) Jahr haben. (Der Träge hat stets ein Unglück in Bereitschaft, das er zu seiner Entschuldigung vorschützt)
en] Idle folks lack no excuses.
la] Segnities difficultatem praetexit.
Faule Hände, faul Garn!
ho] Slappe handen maken kwade banden.
Faule Heringe ins Land führen. (Irrige Ansichten, Lehren)
Faule Herren, träge Knechte.
dä] Lad herre, doven svend.
dä] Lad herre, fortredne svenne.
en] Servants will not be diligent, where the masters negligent.
it] Cattivo signore, fà cattivo servitore.
it] Il padrone impudente fà il servitor negligente.
un] A hol kedvére él a gazda, lusta a szolga.
un] Henyélő gazdának álmos a béresse.
Faule Hunde reiten auf dem Arsch, wenn sie jagen sollen.
Faule Jugend macht lausiges Alter.
Faule Jugend, lausig(es) Alter.
Faule Knappen – schöne Schurze.
Faule Knechte (o. Leute) sind gute Propheten. (Der Bequeme sieht nur Schwierigkeiten)
ho] Luije lieden zijn halve profeten.
Faule knechte sind gut propheten.
mhd] Ein loi deiner is vake ein gût prophete.
la] Praecinit ignavus crebro ventura minister.
la] Saepe prophetizat servus quicunque pigrizat.
Faule leut feiern viel.
la] Ignavis semper feriae sunt.
Faule Leut haben allzeit faule tag.
la] Otia perpetuo delitiosa care.
Faule Leut tun großer arbeyt nicht wehe.
Faule Leut', listige Leut'. (Um sich vor der Arbeit zu drücken, sind sie erfinderisch)
ho] Luije menschen zoeken list.
Faule Leute boren nicht gern dicke Bretter.
Faule Leute feiern viel.
Faule Leute haben allzeit, immerdar Feiertag.
ndt] Ful Lüt hend all Firtig.
Faule Leute haben die meiste Arbeit. (Wenn man ihren Reden glaubt)
en] Idle folks have the most labour.
Faule Leute haben große Mühe.
en] Idle people take the most pains.
en] Who is more busy than they tat hare least to do.
Faule Leute haben lange Tage.
Faule Leute haben viel Entschuldigungen.
en] Idle folks lack no excuses.
Faule Leute hören am liebsten das Feierabendgeläut. Eifel
Faule Leute kommen leicht in Schweiß.
Faule Leute kriegen keine Beute!
Faule Leute sind lebendig tot.
sd] Latar män är lefwandes död.
Faule Leute und fette Schweine schwitzen gern.
Faule Leute werden nicht reich.
fr] Gens paresseux jamais riches.
Faule Leute, faule Anschläge.
Faule Mädchen, lange Fädchen.
Faule Mägde haben scharpff Messer.
Faule Meister machen reiche Knechte.
Faule Menschen wollen alles auf einmal schaffen. China
Faule Mutter macht die Tochter zur Buhlin.
Faule Nâtere (Näherin) mache lange Fade. Henneberg
Faule Nüsse werden auch verkauft.
i] Auch solche Mädchen werden an Männer gebracht, deren Charakter nicht rühmlich ist.
it] Anche le noci pertugiate si vendono.
Faule Ochsen verdienen das Futter nicht.
dä] Lader oxe er ei hvile vierd.
sd] Later oxe är icke hviland wärd.
Faule Pfähle stehen nicht lange.
ho] Kranke palen staan het langst.
Faule Pferde verderben den Reiter.
z] Also machen die fahrlessige Officirer einen schleffrigen Herrn.
Faule Rettig und böse Ruben, gottlose Pfaffen, Huren und Buben und auch stinkender Branntwein gehören zum Teufel in die Hölle hinein.
Faule Sachen haben übeln Klang.
sd] Mycket i märren som intet duger.
sd] Skittin saak haar elack stank.
Faule sachen werden mit stillschweigen am besten verantwortet.
Faule Schäfer haben (o. halten sich) gute Hunde.
Faule Schneider nehmen lange fäden.
Faule sind gar stolze Pfauen, haben aber nichts zu kauen.
Faule Tage sind schwer zu tragen.
Faule Ursachen gebären viel Krankheiten.
Faule Weiber machen die Männer reich.
i] Faulende, gestorbene, insofern sie dem Manne Vermögen hinterlassen.
Faule werden ja nicht gesät oder gepflügt, sie wachsen von selbst. Estland
Faule Winter geben mürbe Schafe.
Faulem Wichte bringt auch guter Acker keine Früchte.
i] Wicht gehört als ein Geist aus der Heidenzeit zu den Verdammten, und der bloße Name, ohne nähere Bestimmung, ist ein Scheltwort. Schlimmer machen ihn noch Zusätze (Bösewicht).
it] Buon terreno e buon lavoro rende il frutto come d'oro.
Faulen fällt faules zu.
ho] Den vulen valt dat vule.
la] Accidit ex merito rerum pars pessima pravo.
Faulen Händen gibt Gott die Drüsen.
Faulen Leuten gehet die arbeit von der Hand.
Faulen Leuten sind die Werck Glieder verbrent im ersten Bade.
Faulen Leuten wird es immer zu spät Nacht.
Faulen Menschen währt die Zeit stets lang.
Faulen sind die Werkglieder im ersten Bade verbrannt.
Faulen soll keiner sein Gut befehlen.
Faulenzen
Erweitert des Teufels Grenzen. Abraham a Santa Clara
Faulenzen erweitert des Teufels Grenzen.
Abraham a Sancta Clara
Faulenzen macht müde, Arbeit nie. Estland
Faulenzen zu aller frist, vieler Laster Nahrung ist.
un] A henyélés gonoszság veleje.
un] A henyélés minden rosz gondolatoknak anya.
Faulenzer haben alle Wochen sieben Feiertage, doch keine Heiligen.
Faulenzer haben das ganze Jahr Feiertage.
Faulenzer sind immer bestrebt, mit etwas beschäftigt zu sein. Frankreich
Faulenzt der Jüri (Georgstag, 23.4.), dann muss der Mart (Martinstag, 10.9.) sich hinter dem Ohr kratzen.
Fauler Fuhrmann spannt lieber aus als an.
Fauler Hund, gutes (= großes) Glück. Estland
Fauler Kohl und faules Kraut, faules Fell, faule Haut; faule Aepfel, faule Birn', faule Menschen, faule Dirn'; faule Rettich, faule Ruben, faule Knaben, faule Buben; faules Fleisch, fauler Zahn, fauler Gesell, fauler Gespan; faules Aas, faule Leiber, faule Frauen, faule Weiber; faule Eiche, faule Tann', fauler Wirt und fauler Mann; fauler Hund, faule Leut' sind nichts nütz zu aller Zeit.
Fauler Leute Schweiß bricht bald aus.
Fauler Mann toter Mann.
dä] Lad mand er halv-død mand og ei livet værd.
Fauler Mist ist gut anzulegen.
Fauler Vogel, fauler Gesang.
Fauler Vogel, faules Ei.
en] As good be an addled egg as an idle bird.
Fauler Winter, schlechter Sommer.
Fauler, geh zur Ameise. Estland
Faulert bohrt nicht gern dicke Bretter.
Faulert ist jederzeit arm.
Faulert muss zerrissen gehn.
z] Ders aber faulisch greifet an, dem gibt man auch Sant Faulharts Lohn.
fr] De grasse matinée robe déchirée.
it] Il pigro e neghittoso è sempre bisognoso.
la] Otia non ditescunt.
Faulert sieht oft nach der Sonne.
Faules Fleisch wächst gern. (Faulheit nimmt ständig zu)
Faules Frauenzimmer, wer wird denn immer dasitzen wie ein gepfropfter Hundsdreck. Schlesien
Faules Geschwätz ist Teufels Ergetz.
Faules Holz dreschen. (So viel wie: leeres Stroh)
Faules Wasser löscht auch Feuer.
Faulhans geht voraus, Schmalhans folgt hinterdrein.
Faulheit adelt nicht.
Faulheit bort nicht gern dicke Bretter.
Faulheit bringet nichts guts.
Faulheit der Laster Nahrung ist, darum schlaf' wenig zu aller Frist.
ho] Ledigheid is de voedster van ontallijke kwalen.
Faulheit gähnt vor Schlaf, Fleiß bewegt den Mund. Estland
Faulheit gehört nirgendwohin. Estland
Faulheit geht langsam voran, Armut kommt leicht (= schnell) hinterher. Estland
Faulheit geht mit Hunger Hand in Hand. Estland
Faulheit geht so langsam, dass Armut sie einholt (o. überholt).
ho] De luiheid gaat zoo langzaam, dat de armoede haar schielijk inhaalt.
Faulheit gibt dir nichts als Läuse und lange Nägel. Dänemark
Faulheit gibt kein Brot. Estland
Faulheit hat Armut zu Lohn.
Faulheit hat einen langsamen Schritt, und findet unterwegs die Armut.
Faulheit ist aller Laster Anfang. Estland
Faulheit ist aller Laster Säugamm' und Mutter.
ho] Luiheid is de aanvang van allen laster.
Faulheit ist der Armut Bruder. Estland
Faulheit ist der Dummheit Sklave. Estland
Faulheit ist der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit. Immanuel Kant
Faulheit ist der kürzeste (o. nächste) Weg zur Schande.
Faulheit ist der Schlüssel zur Armut und die Planen suchen damit das Himmelreich.
Faulheit ist der Schlüssel zur Armut.
en] Idleness is the key of beggary.
Faulheit ist der Sünde Ansteckung. Estland
Faulheit ist des Lebens Verlängerer. Estland
Faulheit ist des Teufels Knecht.
la] Ocium est pulvinar Satanae.
Faulheit ist des Teufels Kopfkissen. Estland
Faulheit ist die Angewohnheit, sich auszuruhen, bevor man müde ist.
Faulheit ist die Furcht vor bevorstehender Arbeit. Cicero, Tusculanae
Faulheit ist die Mutter aller Erfindungen.
Curt Goetz
Faulheit ist Dummheit des Körpers, und Dummheit Faulheit des Geistes.
Johann Gottfried Seume, Apokryphen
Faulheit ist ein anfang der bosheit.
la] Ignavia mali operis initium.
Faulheit ist eine Bürde. Irland
Faulheit ist eine vornehme Dame. (Sie ist sich zu gut zum Arbeiten)
Faulheit ist viel wert, wenn sie recht geführt wird. Schottland
Faulheit kennt kein Rückenweh. Rußland
Faulheit kommt nicht weit.
ho] De luiheid komt niet, daar ze wezen wil.
Faulheit lässt sich ja nicht betrügen. Estland
Faulheit läst sich nicht anspannen.
Faulheit laufft hinterm Wagen hin.
Faulheit lohnet mit armut.
en] Poverty is the reward of idleness.
fr] Renard qui dort la matinée, n'a pas la gueule emplumée.
it] La povertà è il premio della pigrizia.
la] Multam malitiam docuit otiositas.
Faulheit lohnt mit Schande.
ho] Luiheid loont met armoede.
Faulheit macht Schwielen (am Hintern). Jemen (Nämlich vom Sitzen)
Faulheit mit Heseln Safft erquicket lernt wohl arbeiten.
Faulheit schneidt gern die Bort (Bretter), da sie am Dünnsten sind. (Denn sie ist, wie die Walachen sagen, eine vornehme Dame)
Faulheit strengt an, als stemmte man Gewichte.
Man ist allein, und das ist kein Verkehr.
Erich Kästner, Fauler Zauber
Faulheit und Armut sind gute Schwestern, erwischt dich die eine, lässt die andre dich nicht los.
Faulheit und Dummheit und die aus beiden gemischte Furcht sind die Quellen des meisten Unfugs, den Bosheit und Übermut anrichten. Wo keine Sklaven sind, kann kein Tyrann entstehen.
Seume, Apokryphen
Faulheit und Gutartigkeit machen einen guten Pensionär aus. England
Faulheit und gute Tag' verleiten zur Sünde und bringen Schmach.
ho] Luiheid en een lekkre bek is de sleutel van gebrek.
la] Variam dant otia mentem. Lucan
Faulheit und Hunger sind eines Dorfes Kinder. Estland
Faulheit und Nachlässigkeit gehen Hand in Hand. Estland
Faulheit und Nachlässigkeit sind Brüder. Estland
Faulheit und Rast verzehren mehr, als sie einbringen.
Faulheit und Schlafen macht keine Grafen.
z] Faulheit und Dummheit und die aus beiden gemischte Furcht sind die Quellen des meisten Unfugs, den Bosheit und UeberMut anrichten. Wo keine Sklaven sind, kann kein Tyrann entstehen. Faulheit ist Dummheit des Körpers und Dummheit - Faulheit des Geistes. Seume
Faulheit verderbet witz und sinn.
Faulheit wendet sich herfür, wie die Angel in der Tür.
Faulheit zwingt leihen, Stumpfsinn Asche stampfen. Estland
Faulheit, bulschafft, nacht und spiel bringt manchen schaden viel.
Faulheit, Frauendienst, Kränklichkeit, zu große Anhänglichkeit an den Geburtsort, Genügsamkeit und Furchtsamkeit, dies sind sechs Hindernisse der Größe. Narájana, Hitopadesa
Faulheit, Kaffee und Leckerli bringen dich ums Aeckerli.
Faulheit: der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit.
Kant
Faulheit: die Angewohnheit, sich auszuruhen, bevor man müde wird.
Renard
Faulige Gründe verderben die Kabeltaue. (Böser Umgang den Charakter)
Faulpelz, schtrupp (beeile) dich. Oberharz
Fault im Heumonat eine Bürde Heu, so wächst eine Fahrt Trauben zu. Eifel
Faust endet als Greis, und im Greisenalter werden wir Mystiker.
Goethe, F. Förster, 1828
Faust muss man mit der Faust wehren.
Faustrecht gebrauchen.
Faustrecht gilt mehr als Kopfrecht.
Faustrecht ward nie schlecht.
la] Si vinum postulet, pugnos illi dato.
Fäute up'n Disk, dann weit dei Buur, dat Sönndag is.
hdt] Füße auf den Tisch, dann weiß der Bauer, dass Sonntag ist.
Faßt die Flügel des Vogels in Gold und er wird sich nie wieder in die Lüfte schwingen.
Faßt frischen Mut! So lang ist keine Nacht,
Dass endlich nicht der helle Morgen lacht!
Shakespeare, Macbeth, IV, 3 (Malcolm)
Februar füllt die Gräben schwarz oder weiß, doch weiß ist besser. Sachsen
Februar hat seine Mucken - baut aus Eis wohl (o. oft) feste Brucken.
Februar mit Frost und Wind macht die Ostertage lind.
Februar mit Kot, bringt Krankheit und Not.
Februar mit Schnee und Regen deutet an den Gottessegen.
Februar mit Sonnenschein und Vogelsang
macht dem Bauern Angst und Bang.
Februar verkuppelt manches Paar.
fr] Février l'anelier.
Februar warm - Frühling kalt.
Februar, der kürzeste der Mondenzahl, ist auch der schlimmste hundertmal.
Februar: Die Sonne kehrt zurück.
Roald Amundsen, Eskimoleben (Eskimo-Monatsnamen)
Februartau bringt Nachtfrost im Mai. Arnsberg
fr] La neige de février brusle le bled et l'allorcier.
Februoar waarm, twee moal Gott erbaarm. Altmark
Februoari - Scheper, woar di. Strelitz
hdt] Februar - Schäfer, sieh dich vor!
Fechten ist keine Sünde. (Handelt von den Kämpfen eines für berechtigte Zwecke geführten Kriegs)
Fechter zielen zum Kopff und schlagen die Füss.
Fedder Richtop, hä gèid so strak, as wan hä 'ne Pîlhacke slunken hädde.
hdt] Vetter Recht-, d.i. Gradeauf, er geht so strack (gerade, von strecken), als wenn er eine Pfeil- oder Spitzhacke verschluckt hätte. Statt Pîlhacke sagt man auch wohl Lâ'estook (Ladestock).
Feder auf Feder berupft man eine Gans, Schritt für Schritt kommt weit der Hans.
it] A penna a penna si pela l'oca.
Feder und Tinte erröten niemals. England
Feder und Tinte tun (oft) mehr als die Flinte.
Federfuchser und Flöh' machen viel Weh.
Federleicht, ja federleicht
Muß der Wandrer sein.
Grün, Vogel und Wanderer
Federlein auf Federlein, bald wird das Vöglein nackend sein.
ho] Met enkel veêrtjes plukt men den vink kaal.
Federlein zu Federlein, endlich wird's ein Deckbett sein.
fr] Petit à petit l'oiseau fait son nid.
ho] Beetje bij beetje, zei de vrouw, dan komt de to vol, en toen maakte zij boter.
Federn klauben (o. lesen). (Schmeicheln)
Federn machen den Vogel flügge, Geld den Mann.
Federn und Worte sind leichte Waare.
ho] Woorden en veeren vliegen daar heen.
Federn zieren den Vogel.
v] Kleider machen Leute.
v] Das Kleid macht den Mann.
v] Vor schönen Kleidern zieht man den Hut ab.
fr] La belle plume fait le bel oiseau.
Federspiel gibt keinen Zoll. (Gewisse Gegenstände und Tiere von besonderer Färbung und Zeichnung waren von der Entrichtung des Zolls befreit. Das Sprichwort redet hier von Vögeln von einer besondern Farbenzeichnung)
Federspiel und Vögelbeizen ist der Zuseher Scherz und der Falken-Liebhaber langwieriger Beutelschmerz.
Federwat geht und erbt wieder an den Stamm. [RspW]
i] Alles von dem einen Ehegatten als Ausstattung in die Ehe gebrachte Bettzeug fällt nach dem Tode des einen Gatten dem anderen zur lebenslänglichen Nutznießung zu, nach dem Tode des anderen aber kommt es wieder an den Stamm, d.i. an die erbberechtigten Familienglieder des vorverstorbenen Ehegatten.
Fege vor deiner Tür, so (o. da) brauchst du Besen (genug).
Fege zuerst vor deiner Tür, dann geh (sie) den anderen fegen. Estland
Fehlen (o. Irren) ist menschlich, vergeben göttlich.
Fehlen dem Januar Schnee und Frost, gibt der März sehr wenig Trost.
Fehlen dem Wolfe die Lämmer, holt er die Schafe. Russland
Fehlen ist menschlich, bereuen göttlich, aber fortsündigen teuflisch.
ho] Fouten zijn menschelijk.
la] Humanum est peccare, sed perseverare diabolicum.
Fehlen ist menschlich, Vergeben göttlich.
Fehlen ist Menschlich, verthädigen ist Teufflisch.
Fehlender Umgang hat viele Freundschaften zunichte gemacht. Altgriechisch
Fehler begehen und sich nicht ändern, das nenne ich fürwahr verfehlt.
Konfuzius, Gespräche
Fehler der Dilettanten: Phantasie und Technik unmittelbar verbinden zu wollen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1127
Fehler der Individualität als solcher gäbe die moralische Weltordnung jedem zu und nach, darüber möge jeder mit sich selbst fertig werden und bestrafe sich auch selbst dafür, aber wo man über die Grenzen der Individualität herausgreife, frevelnd, störend, unwahr, da verhänge die Nemesis früh oder spät angemessene äußere Strafe.
Goethe, F. v. Müller, 28.3.1819
Fehler der Jugend sind erträglich, denn man betrachtet sie als Übergänge, als die Säure einer unreifen Frucht, am Alter bringen sie zur Verzweiflung.
Goethe, Biographische Einzelnheiten - Herder 1803
Fehler der sogenannten Aufklärung: dass sie Menschen Vielseitigkeit gibt, deren einseitige Lage man nicht ändern kann. Goethe, Maximen und Reflexionen
Fehler entstehen durch Eile, nie, wenn man etwas gemächlich tut. China
Fehler erkennt man nicht, biss sie begangen sindt.
Fehler gibt es aber auch in der Kunst: Der Schreiblehrer kann einen Schreibfehler machen und der Arzt die Arznei unrichtig verabreichen, also kann das offenbar auch in der Natur vorkommen.
Aristoteles, Physik
Fehler gibt es die Menge, wo die Liebe dünn ist. Malajalam, Indien
Fehler kann man begehen, wie man will, nur baue man sie nicht auf. Kein Beichtvater kann von solchen Bausünden jemals absolvieren.
Goethe, F. v. Müller, 15.9.1827
Fehler schließen Vorsatz und Tücke aus; - daher müssen alle Fehler allen zu verzeihen sein. Lessing, Briefe antiquarischen Inhalts
Fehler sind dick, wo die Liebe dünn ist. England
Fehler sind keine Heuschober, sonst gäbe es viel mehr fette Pferdchen. Lateinamerika
Fehler sind oft besser als Flickwerk.
Fehler und Irrtümer treten bei solcher täglichen Buchführung von selbst hervor, die Beleuchtung des Vergangenen wuchert für die Zukunft. Wir lernen den Moment würdigen, wenn wir ihn alsobald zu einem historischen machen.
Goethe, F. v. Müller, 23.8.1827
Fehler wachsen mit derAnnäherung, Vorzüge mit der Entfernung.
Aus den 'Fliegenden Blättern'
Fehler werden mit großen Leiden bezahlt, aber die Leiden des Menschen, Qualen seines schöpferischen Suchens, haben ein Recht auf unsere und unserer Kinder Achtung.
Maxim Gorki, Das Märchen vom Leben
Fehler, die man in anderen Dingen macht, können bisweilen wieder gutgemacht werden; aber die Fehler, die man im Krieg macht, können nicht wieder gutgemacht werden, da ihnen die Strafe auf dem Fuß folgt.
Niccolò Machiavelli, Kriegskunst
Fehlet Bildung und Farbe doch auch der Blüte des Weinstocks,
Wenn die Beere, gereift, Menschen und Götter entzückt.
Goethe, Römische Elegien VIII
Fehlet die Einsicht oben, der gute Wille von unten,
Fährt sogleich die Gewalt, oder sie endet den Streit.
Goethe, Vierjahreszeiten - Herbst 72
Fehlet einer im nutzen, so trifft er zu schaden.
Fehlgeschossen, da bin i, sagte der Bauer, als der Blitz in einen Heuhaufen schlug, den er eben verlassen hatte, um Schutz vor dem Regen unter einem Wagen zu suchen.
Fehlst du, laß dichs nicht betrüben:
Denn der Mangel führt zum Lieben,
Kannst dich nicht vom Fehl befrein,
Wirst du anderen gern verzeihn.
Goethe, Zahme Xenien III
Fehlt aber einem Fürsten die persönliche Größe, und weiß er nicht durch gute Taten bei den Seinen sich in Liebe zu setzen, so muss er auf andere Vereinigungsmittel denken, und da gibt es kein besseres und wirksameres als die Religion...
Goethe, Eckermann, 3.4.1829
Fehlt das Brot im Haus, so zieht der Friede aus.
Frembd brot schmeckt wol.
ho] Vreemd brood emaakt wel.
it] Il pane degl' altri par sempre più saporito.
la] Aliena nobis, nostra plus aliis placent.
la] Juvat inconessea voluptas. (Ovid.)
Fehlt den Weibern Linnen, so lernen sie spinnen.
sd] Naken qvinna drifver nöden til spinnen.
Fehlt der Fraß dem Gaumen, dann sauget man am Daumen.
Fehlt die Mauer, so wird der Weinberg verwüstet, fehlt die Frau, so ist einer rastlos und ruhelos.
Altes Testament, Jesus Sirach 36,30
Fehlt dir beim Ficken der Erguß, bist du reif für Spartacus.
Fehlt dir der Mais, lass dir den Teff genügen. Russland
Fehlt dir Weisheit, was hast du erworben? Hast du Weisheit erworben, was fehlt dir? Hebräisch
Fehlt ein Sänger, so hustet er drein.
fr] Chantre toussist qui perd sa notte.
la] Haesitantia cantoris tussis.
Fehlt es am Essen, so halte dich ans Trinken.
Fehlt es an Dank, so fehlt's nicht an Gestank.
Fehlt es dem protestantischen Kultus im ganzen an Fülle, so untersuche man das einzelne, und man wird finden, der Protestant hat zu wenig Sakramente, ja er hat nur eins, bei dem er sich tätig erweist, das Abendmahl: denn die Taufe sieht er nur an anderen vollbringen, und es wird ihm nicht wohl dabei.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,7
Fehlt leider nur das geistige Band.
Goethe, Faust
Fehlt Ort und Zeit, und fehlt der Mann, der sie verführt,
So leben Frauen tugendhaft, wie sich's gebührt. Narâjana, Hitopadesa
Fehlt uns Geld, so lagst uns wenigstens Ehre haben. Osmanien
Fehlt uns Reichtum, so lasst uns Ehre haben. Türkei
fr] Fi de richesse sans honneur.
fr] N'est richesse qui honneur vaille.
fr] Fy de richesse, d'estat, d'argent et d'or, qui de vertu n'ayme le trésor.
Fehlt zu Pfirsichen der Appetit, schmeckt auch die Hagebutte nit.
Fehlt's am Winde, so greif' zum Ruder.
Fehlt's dem Diebe an Gelegenheit,
Glaubt er an seine Ehrlichkeit. Talmud, Sanhedrin
Fehlt's im Kopf, so fehlt's im gantzen Leib.
la] Dum caput infestat, labor omnia membra molestat.
Fehlts dir an Geist und Kunst-Gebühr,
Die Liebe weiß schon Rat dafür.
Goethe, Landschaft
Feierabend! hat der Rauschige gsagt, wie er in d' Mistlackn gfalln ist!
Feiere, und deine Hallen sind gefüllt, faste, und die Welt geht vorüber. China
Feierlichkeit dient fast immer dazu, Dummheit zu verbergen.
La Rochefoucauld
Feierlichkeit nennt man jenen Nebel, den die Dummheit erzeugt, wenn sie in die Enge getrieben wird.
Heimito von Doderer
Feiertag - fülltag.
Feiertag ist Fülltag worden, Sabbattag Sauftag.
Feiertage geigen. (Mit den Füßen läuten)
Feiertage haben auch ihre Plage.
Feiertage kommen wie Könige und gehen wie Bettler. Estland
Feiertagskleider werden bald Alltagshosen.
Feig wie eine Hyäne.
inf] So sagen die Araber, während uns das Tier von jeher als über die massen frech und bis zum Grausen blutdürstig geschildert worden ist. Die arme Hyäne ist sprichwörtlich das Urbild aller Bestialität geworden. Ohne Frage aber gehört die Hyäne zu den erbärmlichsten Feiglingen. Ein Schuss, ein donnernder Ruf des Menschen, ein Steinwurf, das Bellen eines Hundes kann eine ganze Schar derselben auseinander treiben.
Feig, wirklich feig ist nur, wer sich vor seinen Erinnerungen fürchtet.
Elias Canetti, Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-1972
Feige haben kein Glück.
Feige Hunde
Sind mit dem Maul am freisten, wenn ihr Wild
Schon weit vorausläuft.
en] Coward dogs
Most spend their mouths, when what they seem to threaten
Runs far before them.
Shakespeare, König Heinrich V. II,4
Feige Hunde bellen viel.
la] Canes timidi vehementius latrant.
Feige Hunde sind mit dem Maul am freisten. Shakespeare, König Heinrich V., II, 4 (Dauphin)
Feige Leut' kommen mit tapfern nicht in Streit.
mhd] Den frumen hazzent ie die zagen.
mhd] Wir han daz selden gesehen daz der bose und der zage queme zû strîte oder zû slage.
Feige Soldaten tun mit den Fersen die besten Taten.
sd] Rädder krigsman brukar hare wärian.
Feige wie ein Kaninchen.
Feigen auf der Stange suchen. (Etwas Schwieriges unternehmen)
it] Cercare i fichi in vetta.
Feigen hat er ausgeschlagen und Hanbutten davongetragen.
Feigen im Winter setzen.
la] Ficum hyeme quaerere.
Feigen liest man nicht vom Dornstrauch.
Feigen nach Fisch zieren die Disch.
la] A carnibus legumina.
la] A pisce ficum.
la] Ab esu carnium caseum.
la] Ab esu piscium nuces.
la] Ficus post pisces.
la] Pomum post coenam.
la] Potum post ovum.
la] Potum post pisces.
la] Saltum post pomum.
Feigen teilen. (Wohlhabende, die sehr karg sind)
la] Ficos dividere.
Feigen weisen.
Feigenbäume sind der Vögel liebste Räume. (Von Vergnügungssüchtigen, die anständige Arbeit fliehen und doch Vorteil und Gewinn ziehen wollen)
Feigenblatt = etwas, dass zur Tarnung, Verhüllung oder Vorwand dient.
Feigenblätter sind noch keine Hosen. (Entschuldigungen noch keine Rechtfertigungen)
Feigenblätter suchen (o. flechten). (Ausflüchte, Entschuldigungen)
ho] Hij zoekt naar vijgebladen.
ho] Zij vlechten vijgebladeren.
Feiger Gedanken,
bängliches Schwanken,
Weibisches Zagen,
ängstliches Klagen,
Wendet kein Elend,
macht dich nicht frei.
Goethe, Lila A II
Magus
Feigheit ist der wirksamste Schutz gegen die Versuchung.
Mark Twain
Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit. Frankreich
Feigheit verlängert das Leben.
Feigherzig und geschwätzig ist das Alter.
Schiller, Die Braut von Messina I, 7
Feigling: jemand, der in gefährlichen Situationen mit seinen Beinen denkt.
Bierce
Feiglinge sind immer blaß.
Oscar Wilde, Lady Windermeres Fächer
Feiglinge sind Leute, die mit den Füßen nachdenken.
Jerry Lewis
Feiglinge sterben tausend Tode. (Vor Angst)
en] Cowards die many times before their deaths.
en] Cowards die often.
Feile Dirnen, Würfel und Trank machen Haus und Leben krank.
Feiler Leib hat Sold genommen.
Feiler Mund und feile Hand bringen eitel Scham und Schand.
la] Et verba et opera foeda sunt venalia.
Feilsch hart, bezahl ehrlich. Estland
Feilsch' wie ein Jude, bezahl' wie ein Herr.
Fein auf fein hält nicht.
Fein gegen fein ist nichts wert als (Rock-)Futter.
fr] Fin contre fin ne vaut rien pour doublure.
Fein gegen fein lässt sich nicht gut machen.
fr] Fin contre fin n'est pas bon à faire.
Fein gegen fein wird niemals gutes Futter sein.
fr] Fin contre fin n'est pas bon pour faire doublure.
i] Die Entstehung dieses französischen Sprichworts, dessen man sich bedient, um zu sagen, dass zwei listige Personen sich gegenseitig nicht leicht betrügen lassen, soll folgende sein. Der Marquis de Veron hatte den Maler Jean Mabuse in seine Dienste genommen, der in demselben Maße geschickt wie dem Trunke ergeben war. Alle Besserungsversuche, die der Marquis mit ihm anstellte, blieben erfolglos. Eines Tags wurde dem Marquis der Besuch des Kaisers Karl V. angemeldet. Um diesen würdig zu empfangen, sollten seine Leute alle in weißen Damast gekleidet erscheinen. Der Maler Mabuse verkaufte aber den Stoff, vertrank das Geld und erschien in einem Kleide von feinem Papier. Der Kaiser staunte, als er den Maler sah. Noch niemals, erklärte er, habe er so feinen Stoff gesehen, und ließ den Künstler näher treten, worauf er in ein schallendes Gelächter ausbrach. Auf die Frage, warum er das getan habe, antwortete er: 'Ich wollte alle Zuschauer durch diese Feinheit in Erstaunen setzen.' - 'Ins Gefängnis!' rief erzürnt der Marquis und fügte hinzu: 'et sache que fin contre fin n'est pas bon pour doublure.' Doch erwirkte der Kaiser Erlass der Strafe für ihn.
Fein Handwerk hat auch feine Art.
Fein in seinen Manieren und klug in der Unterhaltung, scheute er jede Art von Ehrgeiz, selbst die, Geist zu zeigen. D'Olivet, Histoire de l'académie française
Fein ist die Zunge der Waage.
dä] Ok er miatt mundangs hofet.
Fein Pulver treibt weiter als grobes.
Fein ratsam bringt großen Zoll, macht Söller, Küch und Keller voll.
Fein sachte, dass der Herr nich fällt. Schlesien
Fein singen und grob scharren ist des Teufels Handwerk.
it] Cantar bene, e ruspar male è un arte del diavolo.
Fein und gut gesponnen hält auch.
sp] No quiebra delgado, sino gordo y mal hilado.
Fein zu sein gibt kein gutes Unterfutter.
Feind in freunds gstalt sind die bösesten in der welt.
Feind und Freund zeigen beide an, der eine, was ich soll, der andere, was ich kann.
Feind werden und lieb haben stehet jedermann frey vor der Welt.
Feind, der überwunden, den muss man zur wollust ziehen und nicht zu Waffen.
Feinde bleiben beide und liegen immer auf der Lauer: Sie lauern einer auf die Schwäche des andern, Kinder auf die der Eltern und Eltern auf die der Kinder.
Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum
Feinde haben scharfe Augen und hören fein.
ho] Een vijand luistert naauw.
Feinde sind oft besser als Freunde.
it] Il nemico ti fa savio.
Feinde und kleine Wunden verachtet kein Weiser.
Feinde verheeren, Freunde verzehren.
Feinden, die mit Schwertern stehen, kann man aus dem Wege gehen, den scheinbaren Freunden mit Kränzen weniger.
Feindes Gab ist Gifft oder schad.
Feindes Gaben gelten nicht.
Feindes Geschenke haben Ränke.
Feindes gewalt mag man wohl widerlegen.
Feindes Mund redet selten Grund (o. was guts).
Feindes Mund schilt jeden einen Hund.
Feindes Übermacht nährt sich durch Weilen. Shakespeare, König Heinrich IV., 1, III, 2 (König Heinrich)
Feindesgeschenke haben Ränke.
la] Hostium munera non munera.
Feindeshaß, der aus Furcht fließt, kann kein Volk entehren. E. G. Kolbenheyer, Stimme, Eine Sammlung aus den Jahren 1919-1930
Feindesschüsse sind besser als Judasküsse.
Feindlich anbändeln.
en] To pick a quarrel (o. start a fight) with s.o.
fr] Chercher noise (o. querelle) à qn.
it] Attacar brighe
Feindlich ist die Welt
Und falsch gesinnt!
Es liebt ein jeder nur
Sich selbst. Schiller Die Braut von Messina, 356/8 (Isabella)
Feinds Mund redet nicht (o. selten) grundt.
Feinds mund redt niemandt wohl.
Feindschaft ist der Wetzstein der Klugheit.
Feindschaft ist kein fruchtbar Erbgut.
Feindschaft mäht, wer Groll gesä't.
Feindschaft soll sterblich, Freundschaft aber unsterblich sein.
Feindsmund red kein grund.
z] Alt und wahr, Herr Isegrimm, beweist sich das Sprichwort: Feindes Mund frommt selten. Goethe
z] Des vyendes munt schaffet selden vrôm.
z] Eines viendes munt lobet mich ze keiner stunt.
z] Feindes Mund frommt selten. Goethe, Reineke Fuchs 1. Gesang Vs 92
en] Your enemy desires that you should have shame.
ho] Vijands mond spreekt selden goed.
la] Os hostis raro loquitur bona non sibi caro.
Feine Arbeit wird nicht bezahlt. (Sprichwort der Kegelschieber, in ganz Böhmen gebräuchlich)
Feine Fäden spinnen.
Feine Gewebe wollen scharfe Augen.
Feine Herren wollen nicht zuviel geben, und schämen sich, wenig zu geben. Tschechien
Feine Höflichkeit und Tischzucht hat jhr Lob und Preiß bey den Leuten.
Feine Köpfe machen leichte Werck und ersparen viel Unkosten.
Feine Leute beobachten wohl genauer und merken auf die Dinge, aber sie glossieren sie auf ihre Weise. Um ihren Ausführungen Gewicht zu geben, können sie es nicht unterlassen, ihre Erzählung ein wenig zu drehen und zu wenden. Niemals stellen sie die Sache so rein dar, wie sie ist... Montaigne, Essais
Feine Leute haben feine Sachen. (Scherzhaft, wenn jemand etwas Neues trägt)
Feine Leute sind solche, die nur in feiner Umgebung ordinär werden.
Wolfgang Herbst
Feine Leute, feine Sachen.
Feine Mäntel vertreiben grobe Röcke.
Feine Schuldner sind die Herren fremder Börsen.
bm] Dobrý dlužník cizího mčšce hospodář.
ill] Dužnik dobar tudjemu tobolcu gospodar.
Feine Windeln, aber kein Hemd.
i] Wo das Notwendige fehlt, weil man die Mittel für Putz und Luxusgegenstände verwandt hat. In Rom geht oft Vater und Mutter ohne Hemde, aber sie sorgen, dass ihre Kinder die feinsten Windeln haben.
Feinem Tuch schaden die Schaben am meisten.
it] Nel più fin panno la tignuola fà più danno.
Feiner (o. trefflicher) Mann steht frühe auf.
fr] Homme fin se lève matin.
Feiner Geschmack bringt an den Bettelsack.
Feiner Rauch macht auch schwarz.
Feiner Regen dringt ein.
it] Le spese minute, per le continuare, occultamente consumano lo avere.
Feiner Spott ist ein Dorn, der etwas von dem Duft der Blume konserviert hat. d'Houdetot
Feiner Zwirn hält nicht.
dä] Smaal traad holder intet.
Feinfühligkeit beim Almosengeben ist die Anmut des Wohltuns.
Sully Prudhomme, Gedanken
Feingefühl ist die Dienerin der Wahrheit. China
Feinschmeckerei ist ein Akt unserer Urteilskraft: was angenehm schmeckt, das wählen wir.
Anthelme Brillat-Savarin
Feinschmeckerei verdirbt den Geschmack.
Lao-tse, Dao-de-dsching
Feinster Anstand und wahrhaft gute Manieren kommen vom Herzen und von einem ausgeprägten Gefühl persönlichen Wertes.
Balzac, Die Lilie im Tal
Feist Land gibt grobe Ochsen.
Feiste Fliegen stechen minder. (Ähnlich soll schon der römische Kaiser Tiberius gesagt haben, als man ihm riet, seine Beamten zu wechseln, r meinte, es wäre besser, die bisherigen Beamten zu belassen, die sich schon bereichert, sozusagen am Fraße gesättigt hätten, vgl. auch Shakespeare, 'Julius Caesar': Lasst wohlbeleibte Männer um mich sein)
Feiste Hühner legen wenig Eier.
Feiste Küchen machen magere Testamente.
Feiste Kuchen, mager Erbe.
Feiste Leut, faule Leut.
Feld Diebe, böse Diebe. (Felddiebstahl wurde als ein schwerer angesehen. Wenn ein Mann Korn vom umzäunten Acker stahl, so brach er 'Gottes Schloss' und wurde wegen solcher Tat gewöhnlich am Leben bestraft)
Feld geben. (Zeit und Ort zum Kampfe oder auch zur Verhandlung eines Rechtsstreites gestatten und bestimmen)
Feld und Hag haben auch Ohren.
Feldarbeit ist also beschaffen, tut man eine zu spat, so kompt alle andere zu langsam.
Felder haben Augen, und die Wildnis hat Ohren. Hindi, Indien
Felder sehen, Wälder hören, drum gib Acht, man wird dich stören.
Feldherren und Reichsräte lassen sich nicht aus Samen ziehen.
Feldkümmel und Flaschenkümmel machen beid' im Hause Getümmel. (Feldkümmel = eine gute Kümmelernte, die viel Geld ins Haus liefert, Flaschenkümmel = Kümmeltrinken)
Feldmaus und Katze feiern ein Fest vom Fette des Unglücklichen.
Felix und Petrus (21./22. Feb.) zeigen an, was wir 40 Tage Wetter han.
Felle und Weiber werden vom Stampfen weicher. Litauen
Fels des Ärgernisses. Nach Jesaias 8, 14
Felsen sollten nicht Felsen und Wüsten nicht Wüsten bleiben,
Drum stieg Amor herab, sieh, und es lebte die Welt.
Goethe, Antiker Form sich nähernd
Felt der krug vff den steyn, so zerbricht er; felt aber der steyn vff den krug, so zerbricht er auch.
mhd] Swelhen ende ich kêre immer bristet mir der kruoc.
dä] Støder krukken mod steenen, saa brister hun; falder steenen pa krukken, ligesaa.
la] Flet victus, victor interijt.
la] Qui vicit periit, plorant qui succubuere.
sd] När kruuken stötes medh kiättelen, så får hon wist knäck.
sp] Si da el cántaro en la piedra ó la piedra en el cántaro, mal para el cántaro. Don Quixote
Fen (fein) langsam, dass der Herr nicht fällt.
Fen langsam oas wie die Boaren, wenn sie ei a Thurm krichen.
Fenchel, Eysenkraut, Rosen, Rauten, Schelkraut macht die Augen lauter.
i] Unsere Vorfahren machten einen übermäßigen Gebrauch von Gewürzen, was nicht allein darin seinen Grund hatte, dass es ihrem Geschmack zusagte, sondern weil sie denselben mancherlei heilkräftige Wirkungen zuschrieben. So behaupteten sie, dass Pfeffer, Zimt und Ingwer dem Magen und der Verdauung sehr zuträglich seien, der Fenchel dem aufgeblähten Magen dienen und die Verstopfung der Nieren öffnen soll. Die Melisse soll das Herz stärken und dessen Zittern und Klopfen vertreiben, der fleißige Gebrauch der Näglein Haupt und Herz ermutigen, und die Muskatnuss sehr gut sein den Phlegmaticis oder flüssigen, kalten Leuten und auch den Melancholicis, und der Salbei soll trunken machen, wenn man ihn in Wein legt. Diese Anschauung hat auch in Sprüchen wie der obige von Gärtner und ähnlichen ihren Ausdruck gefunden.
la] Foeniculus, verbena, rosa et chelidonia, ruta, ex istis fit aqua, quae lumina reddit acuta.
Fenster brechen alle von selbst. Bayern (Es will niemand die Schuld eines zerbrochenen Fensters auf sich nehmen)
Fenster hinausschlagen darf man, aber nicht hinein. Böhmen
Fenster nass, die Wolken lass, die Fenster trocken, die Wolken locken. Eifel
Fensterschau macht keine gute Hausfrau.
fr] Fille fenestrière ou trottière rarement bonne ménagère.
Fent (Bursche), schâmst di nêt, seggst tegen dîn Vaars Snute van Beck.
inf] Sagte die Mutter zu ihrem Sohne, welcher eben gesagt hatte: Vaar, hest 'n Haar an d' Beck. Er wollte ihn warnen, ein Haar mit zu verschlucken, das sich an den Lippen befand. Die Mutter tadelte ihn wegen des ungeeigneten Ausdrucks 'Beck' und bediente sich dafür des noch weniger passenden 'Snute' dafür.
Fer e Pfennig klên Göld.
Fer Göld (Geld) kriggt man Zocker. Grosswerder
Fer ist gelutzt worden.
i] Er ist wegen aufregender Reden auf der Kanzel bestraft worden. Die Redensart wird wohl jetzt nur auf Geistliche angewandt, welche aufreizende, deutschfeindliche, besonders gegen das Schulaufsichts-Gesetz gerichtete Reden halten. Sie hat ihre Entstehung in einem 1872 vom Deutschen Reichstage erlassenen Gesetze, das hauptsächlich von dem bayerschen Kultusminister Lutz angeregt und gegen das Treiben der klerikalen Partei gerichtet ist, um deren Einfluss von der Schuljugend fern zu halten.
Fer Komet - ein Flüchtling des Sonnensystems.
Marc Chagall
Fercht't a sich nich der Sinnde? Schlesien
Ferdinand ist dem Teufel aus der Hölle gerannt. Gegend von Brieg in Schlesien (Mit diesem Sprichwort ist offenbar dem Kaiser Ferdinand II., des 'Sohnes der Jesuiten', der vom Jahre 1619-37 regierte und auf dessen Namen die Greuel des Dreißigjährigen Kriegs lasten, ein Gedächtnis gesetzt, das der Gesinnung der Schlesier entspricht)
Ferkel sind Ferkel, und zieht man ihm eine Chorkappe (o. ihnen ein Abendkleid) an, legt es sich doch in den Dreck.
ho] Men kan een varken geene reinheid leeren.
Ferkelfraß ist besser als Kälbertrank. Estland
Fern den Augen, fern (aus) dem Herzen.
fr] Qui est des yeux, est loin du coeur.
ho] Die verr' is uyt der sogh ghostelt, is verr' uyt'd hert, en onghemelt.
it] Lontan dagl occhi lontan dal cuore.
la] Non sunt amici, amici qui degunt procul.
Fern der Heimat verliert ein Mensch sein Ansehen, und eine Ware gewinnt an Wert.
Fern im Süd das schöne Spanien. Geibel, Der Zigeunerbube im Norden
Fern lebende Freunde sind keine Freunde. Altgriechisch
Fern vom Haus ist nahe beim Schaden. (In der Ferne muss man aufpassen)
Fern vom Schuß ist sicher.
Fern vom Wasser ist für's Ertrinken gut.
ho] Verre van het water is goed tegen het verdrinken.
Fern von der Gefahr sind alle tapfer.
Fern von der Heimat büßen Männer von ihrem Wert ein, aber Waren gewinnen an Wert. China
Fern von gebildeten Menschen, am Ende des Reiches, wer hilft euch
Schätze finden und sie glücklich zu bringen ans Licht?
Nur Verstand und Redlichkeit helfen, es führen die beiden
Schlüssel zu jeglichem Schatz, welchen die Erde verwahrt.
Goethe, Antiker Form sich nähernd
Fern von Menschen wachsen Grundsätze, unter ihnen Handlungen. Jean Paul, Die unsichtbare Loge
Ferne (weite) Reisen, große Lügen.
fr] De longs voyages, longs mensonges.
sp] De luengas vias luengas mentiras.
Ferne Gäste kommen spät. (Auf entfernte Bekannte kann man in der Not kaum rechnen)
Ferne gesessen, wird bald vergessen; nah bei der hand, wird fast bekannt.
Ferne Pläne sind eitel Späne.
it] Degli anni il breve termine vieta ordir lunga speme.
Ferne Reisen, große Lügen. (Über Entferntes lässt sich leicht flunkern)
Ferne Vögel haben feine (schöne) Federn.
i] Warnung vor scheinbarer Liebenswürdigkeit von etwas ungenügend Bekanntem. Die Alliteration tritt auch im ursprünglich schottischen Sprichwort hervor: Far fouls hae fair feathers.
Ferner bedenke man, dass man [bei der Natur] immer mit einem unauflöslichen Problem zu tun habe, und erweise sich frisch und treu, alles zu beachten, was irgend auf eine Art zur Sprache kommt, am meisten dasjenige, was uns widerstrebt, denn dadurch wird man am ersten das Problematische gewahr, welches zwar in den Gegenständen selbst, mehr aber noch in den Menschen liegt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 420
Ferner bin ich sehr an das Befehlen gewohnt, doch wo ich nichts zu sagen habe, da kann ich es bleiben lassen.
Goethe, An Ysenburg v.Buri, 23.5.1764
Ferner entdecken wir in uns ein Gefühl der unechtesten Art, nämlich ein Bedürfnis der Unterwürfigkeit und des Staunens, ein Verlangen, uns an einem für groß gehaltenen Eindruck zu berauschen und darüber zu phantasieren. Ganze Völker können auf solche Weise ihre Erniedrigung rechtfertigen, auf die Gefahr, dass andre Völker und Kulturen ihnen später nachweisen, dass sie falsche Götzen angebetet haben. Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen
Ferner glaubte ich der Natur abgemerkt zu haben, wie sie gesetzlich zu Werke gehe, um lebendiges Gebild, als Muster alles künstlichen, hervorzubringen.
Goethe, Geschichte meines botanischen Studiums - Verfolg - Schicksal der Handschrift
Ferner haben auch diejenigen, welche kaufen, verkaufen, pachten, verpachten und in Geschäftsabschlüsse verwickelt werden, die Gerechtigkeit für ihre Geschäftsführung durchaus nötig. Ja die Macht dieser Tugend ist so groß, daß nicht einmal diejenigen, welche von Übeltaten und Freveln leben, ganz ohne einen Funken von Gerechtigkeit zu leben imstande sind. Cicero, Drei Bücher von den Pflichten
Ferner haben die Israeliten aus so vielen Wundern sich doch keinen gesunden Begriff von Gott bilden können, wie die Erfahrung selbst gezeigt hat. Spinoza, Theologisch-politischer Traktat
Ferner ist das Allgemeinste wohl auch für die Menschen am schwierigsten zu erkennen, denn es liegt am weitesten ab von der sinnlichen Wahrnehmung.
Aristoteles, Älteste Metaphysik
Ferner ist ein Urphänomen nicht einem Grundsatz gleichzuachten, aus dem sich mannigfaltige Folgen ergeben, sondern anzusehen als eine Grunderscheinung, innerhalb deren das Mannigfaltige anzuschauen ist.
Goethe, An Ch.D. v. Buttel, 3.5.1827
Ferner ist es eine recht deutsche Art, zu einem Gedicht oder sonstigen Werke den Eingang überall, nur nicht durch die Türe zu suchen.
Goethe, An Zelter, 14.4.1816
Ferner müsse eine Zeitschrift die Art und Weise des Orts, woher sie stamme, genugsam andeuten, wie der Ring auf der Fläche des Wassers die unten verborgene Quelle verrate, und, sie rund umschließend, den Bereich ihrer Wirkung kenntlich mache.
Goethe, C. J. Clement, 1826
Ferner müssen wir auch im Glück, wenn uns alles nach Wunsch geht, uns recht vor Stolz, Hochmut und Anmaßung hüten. Denn beides, das Unglück wie das Glück, ohne Mäßigung tragen, zeugt von Charakterlosigkeit. Cicero, Drei Bücher von den Pflichten
Ferner schadet die zu schlaffe Zucht der Weiber gleichmäßig der gewählten Staatsform und dem Wohle des Gemeinwesens. Aristoteles, Politik
Ferner sind die Gesinnungen und Meinungen eines bedeutenden Verfassers nicht so leicht auszusprechen.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre - Einleitung
Ferner üb' ich hierin die vier Kardinaltugenden: Klugheit, indem ich Geld zum voraus aufnahm: denn man weiß nie, was biegt noch bricht. Wer weiß, ob die Welt noch drei Jahr lang steht? Und stünd sie auch länger, wer wär so toll, dass er drei Jahr zu leben sollt hoffen? Rabelais, Gargantua und Pantagruel
Ferner wird ein junger Mann, wo nicht gerade an sich selbst, doch an anderen bald gewahr, dass moralische Epochen ebensogut wie die Jahreszeiten wechseln.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,13
Fernes Wasser löscht nicht nahen Durst. China
Fernsehen - das Nullmedium.
Hans Magnus Enzensberger
Fernsehen ist das einzige Schlafmittel, das mit den Augen eingenommen wird.
Vittorio De Sica
Fernsehen ist die Rache des Theaters an der Filmindustrie.
Peter Ustinov
Fernsehen ist ebenso wenig schädlich, wie Wein schädlich ist, krankhaft ist lediglich die Unfähigkeit, mit dem lustversprechenden Angebot umgehen zu können. Alexander Mitscherlich, Großstadt und Neurose
Fernsehen ist ein Hilfsmittel und keine Kunstform.
Woody Allen
Fernsehen ist Kaugummi für die Augen.
Orson Welles
Fernsehen: durch die Augen direkt in den Bauch - unter Auslassung des Kopfes.
Günter Gaus
Fernsehsendungen zu machen, ist eine viel zu wichtige Sache, als dass man sie den Fernsehleuten allein überlassen könnte.
Margaret Thatcher
Ferrn von haus ist nahe bey schaden.
dä] Hvo der er langt fra sit hjem, er næst ved sin skade.
dä] Langt fra huus, nær ved skade.
en] Far from court, far from care.
ho] Verre van de plats, verre van de gezondheid.
Fersenbeißer und Kopftreter werden keine Freunde. Luther (Der Kampf des Guten mit dem Bösen ist ein nie endender. Wenn einer Schlange der Kopf zertreten ist, so ist sofort wieder eine andere da)
Fersengeld geben.
ndt] Mit verssengelt bezalen.
inf] Auf eine schimpfliche Weise fliehen. Man hat dafür auch die Redensart: Das Hasenpanier ergreifen, oder man lässt den Fliehenden sagen: Ich fleuch dich nicht und sollte ich mich zu Tode laufen. Nach dem Alemannischen Recht musste der, welcher seine Mitkämpfer in Gefahr verließ und dadurch in Lebensgefahr brachte, 160 Solidus als Strafe bezahlen, weil er dem Feinde die Fersen gezeigt hatte. In einigen Gegenden, z.B. in Schlesien, heißt: Einem Fersengeld geben, soviel als seinem Vormann auf die Fersen treten, um ihn zu schnellerm Gehen zu veranlassen. Die Franzosen sagen von jemand, der sich schnell aus dem Staube macht: Il a fait Gilles. Diese Redensart hat folgenden Ursprung: Als der Prinz Gilon von Languedoc die Nachricht erhielt, dass man ihn zum Könige erwählt habe, entzog er sich durch die Flucht der Annahme der Krone. Er wurde später als Saint-Gilles heilig gesprochen. Sein Name lebt übrigens noch in einer anderen französischen Redensart: Il a le mal Saint-Gilles. Er hat die Krankheit des heiligen Gilles, d.h. einen Krebsschaden.
fr] Montrer les talons.
la] Cavum pedis ostendere.
la] Duobus pedibus fugere.
la] Talaria induere.
la] Volam pedis ostendere.
Fersengeld ist oft die beste Münze.
Fert Gewesene göfft de Jude nuscht. (Für das, was man einmal gehabt hat)
Fertig bis aufs Heftlin ansetzen.
Fertig ist die Laube!
en] There you are! - Bob's your uncle!
fr] C'est fini! - Tour est liquidé!
it] Ecco fatto il becco all'oca!
Fertig und (Streu-)Sand daraufgestreut. Nürtingen
Fertig wie eine Dirn zum Tanzen.
Fertige Hand lobt alle land.
Fesche Schenkel im Bett vermögen mehr zu fügen als die Ochsen, die das Brachfeld pflügen.
sp] Más tiran nalgas en lecho que bueyes en barbecho. (Drastischer die Fassung: Más tira coño que soga. = Mehr zieht der Kegel als das Seil.)
Fesseln und Bettelstab darf niemand verfluchen, sie können zu jedem kommen. Estland
Fessle die Leute an dich durch Wohltaten, das ist die beste Wallfahrt. Persien
Fest alle Zeit in Freud' und Leid.
Fest bis ans Ende der Dinge, sägt Jürge, da hing er seine Hosen ins Museum.
Fest gebunden, fest gefunden.
en] Fast binde, fast finde.
fr] Une chose gagnée est considérée comme trouvée.
it] Cosa guadagnata è come cosa trovata.
fest im Sattel sitzen
i] Seiner Sache gewiss sein, sich seines Vorteils nicht berauben lassen; seinen Satz standhaft behaupten.
z] Fast in'n Sadel sitt'n.
en] to be firm in o's saddle
fr] être bien en selle
fr] etre ferme dans les arçons
fr] être ferme sur ses eériers
it] reggersi saldo in sella
ho] Hij heeft zich in den zadel gezet.
Fest ruhet der Kirche herrliches Schiff auf deinem Pfeiler, o Priesterkniff.
Fest steht jedem sein Tag und von unausdehnbarer Kürz' ist
Allen das Leben; den Ruhm ausbreiten durch Taten jedoch kann
Tapfere Tugend.
Vergil, Äneis, X, 467/69
Fest wie der Erde Grund.
inf] Diese Redensart stammt aus jener Zeit, in der man die Erde nicht allein für einen feststehenden, sondern auch für einen durch und durch festen (massiven) Körper hielt. Seit in neuerer Zeit uns die Geologie belehrt hat, dass die Dicke der festen Erdrinde kaum 50 Meilen beträgt und alles, was lebt, auf dem dünnen Mantel eines ungeheuern, nie verlöschenden Feuerherdes wandelt, hat sie ihren ursprünglichen Sinn verloren.
Fest wie ein Ochsenknopf.
la] Herculanus nodus.
Fest, entschlossen, schlicht und wortkarg - so kommt man nah der wahren Menschlichkeit.
Festdaog sünd Prêsters êr Quäldaog, 't Gesinn' êr Wäldaog un Bûr êr Glûpdaog. Altmark
hdt] In den Festtagen muss der Prediger sich abquälen, das Gesinde feiert und ist lustig, der Bauer und Landwirt hält Umschau auf Feld und in Wirtschaft.
Feste Burg, um auszudauern,
Ist des Mannes ehrne Brust.
Goethe, Faust II A III, Vor dem Palast des Menelas . Schattiger Hain
Euphorion Vs 9857f.
Feste geben Klopfe auf die Weste. (Prügeleien in Tanz- und Trinklokalen)
Feste kommen groß und gehen klein. Estland
Feste kommen wie Herren, gehen wie Bettler. Estland
Feste Köpfe, lose Mäuler.
Feste Städte, wüstes Land.
dä] Fast stad, øde land.
Festen Fuß fassen (o. halten). (Sch mit den Füßen feststellen, sich an einem Orte festsetzen)
Fester Entschluss und beharrliche Durchführung eines einfachen Gedankens führen am sichersten zum Ziel.
Helmuth Graf von Moltke, Verordnungen für die höheren Truppenführer (24. Juni 1869)
Fester Sinn geht nicht leicht her und hin.
i] Er lässt sich nicht bald irre machen.
la] Qui constans est, imperturbatus est. Seneca
Fester Wille führt zum Ziele.
Fester Wille ist die größte Weisheit. Estland
Festes Aug' und sichere Hand preisen allwärts Leut' und Land.
Festgäste im Himmel, Speisezubereiter in der Hölle. Estland
Festgelegner Stein lässt das Wasser nicht hinein.
i] Sogar dem Wasser wird es schwer, unter einen Stein zu dringen, der lange gelegen hat.
bm] Pod zalehlý kámen ani voda nejde.
Festhalten ist die Tugend eines Weibes.
Goethe, Die guten Weiber - Seyton
Festigkeit oder Schwäche im Tod hängt von der letzten Krankheit ab. Vauvenargues, Reflexionen und Maximen
Festina lente, sagte die Ente.
Festmond im Dreck macht Gesundheit ein Leck.
Festredner sind Männer mit Kopf. Mit Kehlkopf. Wiesner
Feststehn immer,
Stillstehn nimmer.
Festtage sind in Klöstern Fasstage, wo es keine Tauben, sondern Dauben kostet.
Festung ist nicht mehr als ein Urteil.
i] Spricht die Behauptung aus, man könne niemand in eines anderen Herrn Gericht verfesten, denn die Festung oder Verhaftung sei lediglich ein Urteil und setze Zuständigkeit voraus. Andere Sprichwörter stehen damit in Widerspruch.
Festung nimmt dem Manne den Leib und nicht sein Recht. [RSpW] (Es kann jemand verhaftet werden, ohne schuldig zu sein. Das Recht der Verteidigung bleibt ihm, und er kann seine Unschuld beweisen)
Festungen in die Luft bauen
Festungen und Fürsten müssen allezeit mit Vorrat, Geld und Volk versehen sein.
Festzeit gibt keine Hosen, Feiertage keine (leinenen) Hosen. Estland
Fett fühlt net (nichts).
Fett gehört obenan, sagte der alte dürre Hund und nahm den ersten Platz.
Fett gewordenes Pferd schlägt aus.
Fett hat keine Nerven.
Fett hocken sie auf dem Sofa, bei Nüsschen und Bier, im Zigarettenrauch – und regen sich über die jungen Haschischraucher auf.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin!
Fett ist immer oben, Wasser unten. Estland (Dem Reichen bleibt immer der Sieg)
Fett ist weder Geist noch Körper, sondern bloß, was die müde Natur liegenläßt.
Georg Chr. Lichtenberg, Aphorismen
Fett lockt die Maus in die Falle. Estland
Fett Päar moagern Herrn.
i] Man soll die Pferde nicht so füttern, dass die Herren dabei verarmen.
Fett sammelt, wer viele Frauen hat.
Fett schwimmt oben, sagte Barthel, da lebte er noch.
ndt] Fett schwemmt bowen, on wenn et mâr Hondsfett es. Meurs
ndt] Fett schwömmt ovve, effel (aber) der Schum noch derbovve. Aachen
ndt] Fett swemmt baoben, ôk wenn 't man von' Swînägel iss. Altmark (Gerechtigkeit erhält doch endlich den Sieg)
ndt] Fett swemmt bâwen, säd' de Jung, dar schêt he in de Bottermelk. Hamburg
ndt] Fett swemmt boben, un ess et auk men Rüenfett. Lippe
ndt] Fett schwemmt baob'n. Altmark
ho] Het vet wil altijd boven drijven, behalve in de rozijnenworst.
Fett schwimmt oben.
i] Mit einem Einflussreichen ist schlecht streiten. Auch: Der Wohlhabende erreicht durch irgendeinen (gesetzlichen oder ungesetzlichen) Einfluss leicht seinen Zweck.
Fett settet Fett. Hannover (Fett setzt Fett an, trocken Brot gibt schmale Bäuche, aus nichts wird nichts)
Fett un Salz äs das beste Schmalz.
Fett und dicke kan bald mager und schmal werden.
Fett und geil wie Klosterkatzen.
Fett war es - Seife ist es geworden.
Fett wie a Judengans.
Fett wie eine reiche Wittwe.
Fett wird leicht ranzig.
Fette Beamte - dürre Bauern.
Fette die Stiefel eines verworfenen Menschen ein, er wird sagen, dass man sie ihm verbrennt. (Ein Mensch von niedrigem Charakter hat für empfangene Wohltaten keine Anerkennung, geschweige Dank, er vergilt sie vielmehr durchBeleidigungen)
fr] Graissez les bottes d'un vilain, il dira qu'on les lui brûle.
Fette einem Flegel die Stiefel ein, und er wird sagen, dass man sie ihm verbrennt.
fr] Graissez les bottes d'un vilain, il dira qu'on les lui brûle.
Fette Erde macht den Menschen faul.
Fette Esel wissen nicht, wie die Falten im Graurock stehen. (Es ist ein anderes von Not reden hören oder sie selbst fühlen. Falten sind Wirkungen des Mangels)
Fette Hand macht fetten Mund.