Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
G

und oder

'Gewaltszenen machen brutal!' sprach Herr Müller und schlug seinen Sohn weg vom Fernsehgerät. [ASpW]

'Gib eine Norm zur Bürgerführung!'
Hienieden,
Im Frieden,
Kehre jeder vor seiner Türe;
Bekriegt,
Besiegt,
Vertrage man sich mit der Einquartierung.
Goethe, Zahme Xenien II

'Glaube mir Mutter, dass ich ergeben und zufrieden sterbe. Gott hat mir Kraft und Ruhe gegeben.' Für sich selbst fügte er hinzu: 'Hat er das?'
Theodore Dreiser, Eine Amerikanische Tragödie (1925)

'Glückselig, wem sie nur
Die äußere Schale weist!’
Das hör ich sechzig Jahre wiederholen,
Ich fluche drauf, aber verstohlen,
Sage mir tausend tausendmale:
Alles gibt sie reichlich und gern,
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einem Male.
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob- du Kern oder Schale seist.
Goethe, Gott und Welt – Allerdings

G'füllte Naunscherln un båchene ulmer Tritscherl.
z] Ich erinnere mich, dass mir Kleinem meine auf dem Lande aufgewachsene Mutter, wenn ich fragte, was wir zu essen bekommen würden, die obige Antwort gab. Welche Genüsse damit gemeint seien, konnte sie mir auch nicht sagen. Bei ähnlichen Anlässen antwortet man jetzt in Wien: ›An' båchenen Leberschas‹.
v] Ja, g'füllte Nauscherln wirst kriagen.
i] In Niederösterreich eine Abfertigung für den, der zu viel begehrt, oder etwas verlangt, was ihm nicht gegeben werden kann.

G'räth's, dan git's 'n Peif, verderbts, dân git's 'n Farz. Nassau

G'redt und gschissn is bald a Haufn!

G'röst se wie en Pfau. (Rösta, rüsta, g'röst, g'rüst = zurecht machen, reparieren, ausrüsten, in Stand stellen. Schö gröst = schön gekleidet)

G'sagt is 's laichta ols don. Niederösterreich

G'sâlza Brût (Brot) macht Wanga rût.

G'scheh ist g'scheh, was brochen ist, wird nümme ganz. Luzern

G'schenkt, g'schenkt, nimma ge'm (geben); g'funden, g'funden, wida ge'm; g'schold'n, g'schold'n, aufg'hengt. Niederösterreich

G'schida Lüüta (Leute) n'isch guat brediga. Bern

G'schliffni Wort und e schlähti Meinig sind hunderttusigbeinig.

G'setzt isch nit g'säjet und g'schnitte-n-isch nit g'mäjet. Solothurn
i] Jede Feldarbeit will besonders gelernt sein.

G'stohlen is bald 'was. Wien
i] Ein Fehler ist schnell geschehen.

G'sundheit und e ruehigs G'wisse ist der grösst Reichtum. Luzern
bm] Zdraví od srdce, a nemoc k srdci.

G'wogn und gemass'n ît ball gefrass'n. Franken (Das Zugewogene und Zugemessene, im Gegensatz zum Selbsterzeugten und darum reichlicher Vorhandenen, ist bald verzehrt)

G'wonat (Gewohnheit) is en eisene Pfaed, wer's auszuiht, thuet si laed.

G'wünscht's Korn geit (gibt) ke Mahl. Franken

Gä (geben), gä, nimmer gä, g'funden, g'funden, wieder gä.

Ga an'n Galgen.

Ga hen na Hörsten, un leer 't beden. Ostfriesland

Ga hen na Hostrup und lât di de Dös utschnîden. Schleswig
v] Ga na Hostrup un lat di den Däs utschnîen.
i] Dös = Taumel, Schwindel, Verwirrung, Dusel, Betäubung, daher auch Schlemmerei. Die schleswigschen Dörfer haben mehr wie anderwärts eine bestimmte Physiognomie, bestimmte Sprichwörter, die nur von dem einzelnen gelten, bestimmte Spitznamen, die sich auf Eulenspiegeleien und Tatsachen gründen. In Hostrup gibt es nach dem Volkswitz eine eigene Scheuer, in die alle Dummheiten kommen. Das Ausschneiden mag freilich seine Schwierigkeiten haben. Schwabenstreiche sind überall zu Hause. Eine gute Anzahl lustiger Streiche dichtet der Volksmund auch den Kussauern bei Plön, den Neuenkirchnern an der Elbmündung, den Kisdorfern bei Bramstedt, den Fockbeckern bei Rendsburg, den Bishorstern in der Haseldorfer Marsch und vor allen den Büsumern an.

Ga hen un floit de Aanten wat vör. (Um jemanden abzufertigen)

Ga hen un föhl de Hühner, of se'n Ei hebbt, un danz mit de Hahn.

Ga hen un giff de Katt 'n bäten Heu. (Um jemanden zu entfernen)

Ga hen un luse (lause) di in de Legte (Niederung), dann hest du kên Not, dat up de Höchde di de Lü seht.

Ga hen un lûse die in de Legde (Niederung), dann hest du kên Nôt, dat up de Hôgde (Höhe) di de Lü(de) sêt. Ostfriesland

Ga hen un schum Butte.

Ga hen und leere dat Weven, dann kannst du 'n Amt. Ostfriesland

Ga hen, föhl de Höner, of se 'n Ei heft, un danz' mit de Hân! Ostfriesland

Ga na 'me Balken (Boden) un drêif Muise oppen Pin (Pflock). (In der Grafschaft Mark als Antwort auf die Frage der Kinder: Bat sa 'k (sal ik) daun? (Was soll ich thun?)

Ga na Blautwêrnsât. (Ein Auftrag, der am 1. April neckweise erteilt wird)

Ga na Hûs un gröt Möm.
v] Ga na Hûs, un segg, dat du da (hier) west büst.
i] Beide Redensarten werden gebraucht, jemand scherzhaft ab- und von sich zu weisen.

Gä na Nöttens un ler(e) dat Gôsewâren. Ostfriesland
hdt] Gehe nach Nöttens (ein Ort nahe bei Wittmund, Amt Aurich, Hannover) und lerne das Gänsehüten.

Ga so mote dy de Bodel (Büttel) bewaren (slan).

Ga'n mott't (gehen muss es), wenn et nich will, lat ik 'ne Krücke machen, sagte das Mädchen, da hatte es ein Kind mit nur einem Bein bekommen.

Gab es Gewitter am Georgitag (23.4.), so folgt gewiss noch Kälte nach.

Gäb es keine Wölf' im Wald und keinen Teufel in der Hölle, Hirten und Pfaffen wären längst verhungert.
bm] Kdy by čertův v pekle a vlkův v lese nebylo, dávno by knĕží a pastuchové hladem zemřeli.

Gab macht gunst.

Gab macht taub, macht Glaub, den Richter blend, das Kind stille, das Weib willig (den Tagelöhner hurtig), den Narren frölich, den Weisen munder, die Pfaffen andechtig, den Feind zum Freund.
fr] Les dons rompent les rochers.
fr] Si don qu'on prent lient la gent.
ho] Giften en gaven breken zelfs de steen rotsen.
la] Munera, crede mihi, placant hominesque, Deosque, placatur donis Jupiter ipse datis.

Gab mir 1786 unsägliche Mühe, bei anderen an meiner Überzeugung: dem Menschen dürfe der Zwischenknochen nicht abgesprochen werden, Teilnahme zu erregen. Die Wichtigkeit dieser Behauptung wollten selbst sehr gute Köpfe nicht einsehen, die Richtigkeit leugneten die besten Beobachter, und ich mußte, wie in so vielen anderen Dingen, im stillen meinen Weg für mich fortgehen.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Erläuterung zu dem aphoristischen Aufsatz Die Natur

Gäb Mutterbrust a Bier wie dieses hier, so fein, möcht' ich mei Lebtag nur a Säuglein sein.

Gab um gab ist nicht dankenswert.

Gab und verehrung betören auch die Weisen.

Gab verschmähet unter tausent nit einer.

Gäb' es keine Kinder, wer würde die Nacht Geschrei im Hause machen.
bm] Kdyby nebylo dĕtcův, nebylo by pláčův.

Gäb's keine Augen und keine Brauen, gäb' es weder Sünde noch Lieb' zu den Frauen.

Gäb's schwarze Flecken überall, wo der Teufel hat gesessen, es sähen manche Kirchen aus wie Schmiedeessen.

Gäb's so viel Gold als Stein, so würd' es nicht so teuer sein.
v] Gold bliebe doch Gold, auch wenn es nicht so selten wäre. Russland

Gäbe es auch immer Raum für Spaß. Estland

Gäbe es ein Volk von Göttern, so würde es sich demokratisch regieren. Eine so vollkommene Regierung passt für Menschen nicht.
Gäbe es im Denken schon Widersacher und nicht bloße Gegner, dann stünde es um die Sache des Denkens günstiger.
Martin heidegger

Gäbe es endlose Gewebe und halslose Schafe, so könnte ein Mädchen heiraten.

Gäbe es Gutes in den Negern, so wären ihre Gesichter nicht (schwarz wie) Eisen. Maurisch

Gäbe es kein Gesetz, so würden die Menschen einander fressen. Libanon

Gäbe es kein Gold und keine Frauen, so gäbe es keine Verdammung. England

Gäbe es kein Seufzen in der Welt, so würde die Welt ersticken. Kreolisch

Gäbe es keine Armut, so schiene die Sonne nicht. Serbien

Gäbe es keine Elefanten im Dschungel, so wäre der Büffel ein Riese. Senegal

Gäbe es keine Gesetze, so wäre kein Eigentum sicher.

Gäbe es keine Hehler, so gäbe es keine Diebe. USA

Gäbe es keine Kinder, so gäbe es keine Tränen. Tschechien

Gäbe es keine Narren, so gäbe es keine Weisen.
mhd] Die wîsen möhten niht genesen soltens âne toren wesen.

Gäbe es keine Schafe, gäbe es auch keine Wölfe.

Gäbe es keine schlechten Menschen, so gäbe es keine guten Juristen. England

Gäbe es keine Toren, so achtete man der klugen Leute nicht.
dä] Hvis daaren ei øvede sin daarskab, blev de viises klogskab ei bekiendt.

Gäbe es keine Tränen, würden die Rippen verbrennen.

Gäbe es keine Träume und Illusionen, so würde des armen Mannes Seele ihn verlassen. Türkei

Gäbe es keine Weiber und keinen Wind, so wären weder schlecht Wetter noch schlecht Gesind.

Gäbe es keine Zigaretteninserate, würden die Zeitungen hundertmal mehr über die Gefahren des Tabaks berichten.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin!

Gäbe es keinen Bruch, so wäre kein Töpferhandwerk. (Auch das Unglück hat sein Gutes)

Gäbe es keinen Fehltritt, so gäbe es auch keine Verzeihung. Ägypten

Gäbe es keinen Gott, so müsste man ihn erfinden.
Voltaire

Gäbe es keinen Wind und keine Frauenzimmer, dann bliebe der Himmel immer heiter.

Gäbe es nicht solche, die etwas leisten, hätten viele nichts zu lästern.
Emil Baschnonga

Gäbe es sieben andere Frauen, dann gäbe es sieben andere Männer.

Gäbe es Sonne, so hätte es schon gestern welche gegeben. Jemen (Wenn jemand keinen Freier finden kann)

Gabe macht Gunst.

Gabe oder Kauf wandelt nicht das Gut, sondern die Herrschaft. [RSpW] (Ein zins- und zehentpflichtiges oder mit Reallasten behaftetes Gut kann seinen Besitzer wechseln, seine Lasten bleiben)
mhd] Die gabe oder kouff wandilt nicht dat gut, sunder is wandilt di herrschaft.

Gabe um Gabe ist nicht dankenswert.

Gabe und Verehrung betört auch den Weisen.

Gabe will Gegengabe.

Gabel und Griff gehören zusammen.
ho] De gaffel blijft bij den greep.

Gabeln sind nicht alle zweyzinckig.

Gabelstiche sind schlimm, sie machen drei Löcher.
fr] A deux coups quatre pertuis (trous, plaies).

Gäben alle Küsse Flecken, wären alle Mädchen Schecken.

Gaben brechen Felsen. Spanien

Gaben haben Sporn zur Arbeit und Treue.

Gaben machen kein Christen, sondern der glaub.

Gaben machen taub und Glaub'.

Gaben macht der Wille gut.
ho] Al is de gift klein, ze komt uit een goed hart.

Gaben sind wie der Geber.

Gaben soll man nicht allezeit aussschlagen.

Gaben sollst du nicht allweg loben.
mhd] Swie grôz denne sîn gâbe si, der milte ist niht lobes bi.

Gaben und Almosen machen kein reichen arm.

Gaben und Geschenke behagen jedermann.

Gaben verblenden weiser Leute Augen.
i] Von der Biegung des Rechts durch Geschenke an die, welche es pflegen sollen.
ho] Ghiften verblijnden der wyser lude oghen.

Gaben vom Feind sind selten gut gemeint.
fr] Don d'ennemy c'est mal encontre, chastoi d'ami c'est bonne encontre.

Gaben werden gegeben, dem der hat.

Gaben, die ein Armer einem Reichen gibt, ist Bettelei.
z] Dann er wirfft ein Bratwurst nach einer Seiten Speck.

Gaben, die einmahl gegeben, soll man nicht widerumb fordern.

Gackere du, die Hühner legen die Eier.
i] Spottweise von einem leeren Schwätzer.

Gackern kann jeder, aber Eier legen nicht.
sp] Cacarear, y no poner huevo.

Gackern, die langweilige Vorrede zu den Eiern.
Heinrich Heine

Gackert dö Henn', dou (da) kriegt sö kenn, gackert der Hohn, dou krîgt sö en Mohn.
i] Dies an der böhmisch-sächsischen Grenze übliche Sprichwort sagt, dass ein Mädchen, welches am Weihnachtsabend die schlafenden Hühner stört, dann, wenn der Hahn aufschreie, einen Witwer, wenn aber zuerst eine Henne gackere, einen jungen Burschen heiraten werde.

Gad Bohna (Bohnen) seh. Appenzell (Von sehr kleinen Menschen)

Gäf dem Mil (Maul), ed ässt. Siebenbürgen/Sachsen

Gaffe jemand gegen einen Backofen.
ndt] Gâbi jens töögen en Baakaun. Sylt

Gah hen, un melck de Höner (de Gös). (Derbe Abweisung für jemand, der Unnützes tut)

Gah ligge (liegen), gah ligge. De Schwien ön dinem Oeller liggn all lang, on de Hehner sönd ock schon up de Sett. Dönhofstädt
i] Zu einem Kinde, das nicht zu Bett will.

Gah na Blexen un lehr't hexen. (Ort in Ostfriesland. Eine Erinnerung an die Hexenzeit, wie sich deren in der Volkssprache noch mehrere finden)

Gah na Rominte, Zigga opschwänze (Zäge hede).
i] Gewöhnlich als Abfertigung eines Anmaßenden, Vorlauten u.s.w. Sonst gehört Rominten, Dorf im Goldaper Kreise (Regierungsbezirk Gambinnen) zu den Punkten, wohin man alte Jungfern verweist; namentlich solche, welche ihres hoffärtigen Wesens wegen unverheiratet geblieben sind. Der Volksglaube hat ihnen besondere Aufenthaltsorte angewiesen, wo sie nach ihrem Tode wohnen müssen und nicht selten auch schwierige Aufgaben lösen, widerwärtige Geschäfte besorgen müssen. In Ostpreussen ist ihnen das Dorf Rominten für diesen Zweck bestimmt; ferner die Zählau, ein bei Friedland gelegener großer Bruch, sowie der Speicher im Vorwerk Markhausen zwischen Heilsberg und Landsberg. Denen, die, wenn Überfüllung eingetreten ist, hier nicht Platz finden, ist ein Unterkommen im Speicher zu Kanothen bei Gerdauen oder im Walde Lauenberg, zwischen Hermsdorf und Zinten, gesichert. In diesem Walde müßen sie in Gemeinschaft mit alten Junggesellen Ziegen hüten, während sie in Rominten die Ziegen bloß aufschwänzen dürfen. Das Dorf ist nämlich wegen seiner niedrigen Lage so schmutzig, dass sich die Ziegen sonst den kurzen Schwanz beschmutzen würden.

Gähe reich würt niemand on sünd.

Gahn (geben) ist salger as Nahma, sagte der Bauer, als er dem Schulzen eine Ohrfeige gab.

Gahn (geben) und kê Ende. Oberlausitz

Gähnen ist eine ansteckende Krankheit.

Gähnen und Unsinn stecken in Gesellschaft an.

Gähzornig leut seind trew leut.

Gaimetzer macht auch seinen Nächsten (o. Nachbar) gaimetzen. (Gamatzen = gähnen. Gaumetzen = das Maul aufreißen. - Das böse Beispiel ist ansteckend)

Gäl i ha rächt gha, as i gange bi? hät de Schnîder zu sim Kamerad g'seit, wo se ne use gheit händ.
hdt] Gelt, ich habe recht getan, dass ich gegangen bin, sagte der Schneider zu seinem Kameraden, als sie ihn hinausgeworfen hatten.

Galant wie ein Franzose.

Galante Frauen leiden darunter, dass sie selbst von sich und alle Menschen von ihnen denk sie verfehlen ihr Leben.
Stendhal, Über die Liebe (Fragmente)

Galanterie kostet nichts und bringt alles, und sie ist die Bedingung für allen erotischen Genuss. Galanterie ist die Freimaurerei der Sinnlichkeit und der Wollust zwischen Mann und Wein. Sie ist eine Natursprache wie die Sprache der Liebe überhaupt.
Søren Kierkegaard, Stadien auf dem Lebensweg

Galanterie und Aufmerksamkeiten gelten bei ihnen mehr als Liebe.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Saint-Preux)

Galenist und Theophrast sind nicht für des Herzens Prast. (Entgegengesetzte Ärzte oder Heilmethoden)

Galenus macht die Seinen reich. (Nicht alle, es gibt auch viel arme Ärzte)

Galgen und Orden werden oft auf demselben Wege erworben. (Da die letzteren um die Zeit zu entstehen beginnen, in welche die Abschaffung der erstern fällt, könnte man glauben, sie wären an die Stelle derselben getreten)
la] Ille crucem sceleris pretium tulit, hic diadema. Juvenal

Galgen zerstört, Diebstahl gemehrt.
z] In Deutschland hat man den Galgen, soviel bekannt, überall abgeschafft, seit welcher Zeit freilich dies genannte Sprichwort sich als wahr genug erwiesen.

Galgen, behalte dein Recht, sagte jener lose Dieb, da er ins Wasser fiel.
ndt] Galgen, wahr dien Recht, sä de Deef, dor weer he in't Water fullen.

Galgenfrist heißt auch gelebt.
Jüdisch-deutsch] Chaje Schû heißt auch gelebt.

Galgenreue in der Marterwochen. (Auch Huren-, Mönchs- oder Wolfsreu)
v] Galgenreu' geht nicht von Herzen.
v] Galgenreu hat die wehre nit. (Ist nicht von Dauer)
ho] Galgenberouw is een arm beschut.

Galienus gibt Reichtum, Iustinian verleiht Ehren:
der arme Aristoteles bleibt stets Fußgänger.
la] Dat Galenus opes, dat Iustinianus honores:
pauper Aristoteles cogitur ire pedes.

Galilei, Galileo] Er führte die Naturlehre wieder in den Menschen zurück und zeigte schon in früher Jugend, dass dem Genie ein Fall für tausend gelte, indem er sich aus schwingenden Kirchenlampen die Lehre des Pendels und des Falles der Körper entwickelte.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 5. Abt. - Galilei

Gall, Franz Joseph] Galls Vortrag durfte man wohl als den Gipfel vergleichender Anatomie anerkennen, denn ob er gleich seine Lehre von dorther nicht ableitete und mehr von außen nach innen verfuhr, auch sich mehr eine Belehrung als eine Ableitung zum Zweck vorzusetzen schien: so stand doch alles mit dem Rückenmark in solchem Bezug, dass dem Geist vollkommene Freiheit blieb, sich nach seiner Art diese Geheimnisse auszulegen.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1805

Galle bleibt Galle, wenn man sie auch mit Honig bestreicht.
mhd] Diu galle was ie bitter doch swaz man honiges dar ûf streich.

Galle im Leibe haben.

Galle im Munde, Honig im Herzen. (Er meint es besser, als er spricht)

Galle kommt der Dreck alle. Sachsen

Galle machen. (Aufwand, Staat)

Galles schaff hämm (heim) alles. (Es ist jetzt Zeit zur völligen Einbringung der Feldfrüchte)
v] Sankt- Gall hat allem, auch dem Kohl geboten. Tschechien

Gallimathias reden oder schreiben.
i] Verworrenes Zeug. Die Redensart wird von einem französischen Advokaten hergeleitet, der in einem Prozesse, den ein französischer Bauer Namens Matthias wegen eines Hahnes (Gallus) führte, im Eifer der Verteidigung, die in lateinischer Sprache geführt wurde, wiederholentlich den Gallus Matthiae mit Galli Matthias verwechselt haben soll.

Galliwein (16.10.) - Sauerwein, Galliwein - Bauerwein.

Galls Vortrag durfte man wohl als den Gipfel vergleichender Anatomie anerkennen, denn ob er gleich seine Lehre von dorther nicht ableitete und mehr von außen nach innen verfuhr, auch sich mehr eine Belehrung als eine Ableitung zum Zweck vorzusetzen schien: so stand doch alles mit dem Rückenmark in solchem Bezug, dass dem Geist vollkommene Freiheit blieb, sich nach seiner Art diese Geheimnisse auszulegen.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1805

Galoppiere nicht den Hügel abwärts! USA

Gält ein Batzen jeder Streich, wir wären noch einmal so reich.

Gan Luo genoß mit zwölf die Gunst des Staates Qin. Jiang Taigong bezog mit achtzig das Gehalt der Zhou. (Gan Luo lebte im 3. Jh. v. Chr., erfüllte bereits als Zwölfjähriger wichtige diplomatische Aufträge des Reiches Qin in anderen Fürstentümern. Jiang Taigong (etwas 11. Jh. v. Chr.) wurde noch im Alter von achtzig Jahren vom König Wen-wang der Zhou-Dynastie zum Minister ernannt)

Ganckerleganck spielen und durch das hanfene Fenster sehen sollen.

Gand (gehe) in aller Säue Namen, so frisst dich kein Jud'.

Gang (gehe) mir die Gasse hinab. Nürtingen (Lass mich ungeschoren)

Gang äckesch un frôg (frag), de wälsche Frau begähnt dêr nit. Köln

Gang Band haue. (Er kann Band hauen gehen, d.i. er ist verarmt und mag sich mit Hauen von Widen und Weiden sein Brot erwerben)

Gang du den engen Weg.

Gang lieber zum Doktor als zum Dokterle.

Gang mer net über mein Aeckerle. Ulm

Gang mir vom Stand. Nürtingen (Marktbude, um zu sagen: Scher' dich fort)

Gang mitten hindurch, so betrübstu am Ort nichts.

Gang zum Schinder an der Done (Donau). Ulm

Ganggelöriwasser und Süssholzsaft gibt alten Jungfern neue Kraft. Gegend am Tunersee

Gangk (geh) on kôp (kaufe) dek Petterzelge (Petersilie), dan kanste din Wâter god mâken, sied de Elberfeller. Plettenberg in der Grafschaft Mark

Gangster sind Vollidioten, die davon profitieren, dass wir über sie Filme machen.
John Cassavetes

Gank (geh), de wälsche Frau begähnt dêr nit. Köln

Gank, Rôss, oder de hâst Farr sele würden. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Geh, Ross, oder du hättest Pfarrer sollen werden.

Gannev min Haggannev lacht unser Harjet. Jüdisch-deutsch
hdt] Wenn ein Dieb vom anderen stiehlt, lacht unser Herrgott.

Gans herüber, Gans hinüber.

Gans richtig, sêd Johann Ernst, un smêt den Prêster in Graben. Holstein
i] Spott über gewisse Lebensunfälle, hier der Prediger, den sein Bauer in den Graben warf.

Gans übern Rhein, Ganss wieder heim.

Gänse am Walpern-(Walpurgis-)Tag ausgebrütet, geraten nicht.

Gänse auf der Weide halten. (Mit Hoffnungen speisen)

Gänse bezahlen mit dem Kopf. [RSpW] (Handelt vom Pfändungsrecht, das die Befugnis enthält, bewegliche Sachen eines anderen teils als Beweismittel für behauptete Rechtsverletzung, teils zur Deckung des etwaigen Schadens wegzunehmen)

Gänse bringen den Reif davon, Schwäne den Schnee, Kraniche das schlechte Wetter.

Gänse ducken sich, wann sie unter einem Tor durchgehen, denn sie sorgen, sie möchten mit dem Kopff oben anstoßen.

Gänse haben kein Recht. [RSpW]
i] Zu den Tieren, gegen die ein sehr strenges Pfändungsrecht bestand, gehören die Gänse, wie davon eine Anzahl Sprichwörter Zeugnis geben.
z] Gänse haben kein Recht, als nur, so weit sie mit ihrem Halse zwischen zwei Planken sich durchzwingen können.
z] Eine Gans hat im Felde nicht länger Recht ihre Nahrung zu suchen, als von der einen Bohne zur anderen (d.h. in der Zeit von der Einerntung der Bohnen bis zur Aussaat derselben), werden sie außerhalb dieses Zeitraums auf dem Felde getroffen, dann soll es dem Eigentümer ein- oder zweimal gesagt werden, werden sie auch dann getroffen, so mag man sie totschlagen.
mhd] Ganse haben goin recht.

Gänse mästet man im finstern Käfig.
z] Die Genss werden in einem finstern Käfig gemästet und wol gespeisset, damit man jn zu S. Martinstag kragab mache.

Gänse und Völker werden gerupft.

Gänse und Weiber hören nicht auf zu schnattern und wenn man sie zu Tode füttert.
ho] Men kan der ganzen en der wijven nooit zoveel geven, dat ze zwijgen.

Gänse wollen immerdar trincken.

Gänse, Enten, Hühner auf jemands Gras haben keinen Frieden.
z] Gehen Gänse ins Korn, so schlägt man sie tot, macht einen Galgen auf das Land und hängt sie daran, darob ergeht kein Gericht. Westfälische Geschichte, Lemgo 1755-1801
mhd] Gans, enden ende hoen deren op iemant gras en hebben genen vrede.

Gänsefedern fürchten ja kein Wasser.

Gänsefüßchen benutzen zweierlei Arten von Schriftstellern: die ängstlichen und die ohne Talent. Erstere erschrecken vor der eigenen Courage und Originalität, die zweiten, die irgendein Wort in Gänsefüßchen setzen, wollen damit sagen: Sieh mal, Leser, was für ein originelles, kühnes und neues Wort ich gefunden habe!
Anton P. Tschechow, Briefe, 20. Okt. 1888

Gänsekiele stürzen weder Bänk' noch Stühle.
z] Ein Gänsekiel macht kein Halloh bei uns. Ostdeutschland, Glocke und Kanone, Königsberg 1842

Gänsemist und Ziegenmist lassen den Bauer wie er ist. (Sind ihm von keinem Nutzen)

Gänsewein trinken.
i] Nämlich Wasser, wofür man im Elsass für Wasser die Namen: Gänswi, Gänswîn, Gansläwi, Gänsschnaps, Gänsebrenz, Wackelsteinreps, Wasslemer Wîn oder blos Wasslemer hat. Auch die Dänen haben die scherzhafte Bezeichnung des Wassers mit 'gaasevin'.
ho] Het is witte wijn uit jufvrouw Eénarm. (Das ist weißer Wein von Jungfrau Einarm (nämlich aus der Pumpe)).

Ganz abgesehen von den Tausenden, die in der Fremde hungerten, oft verhungerten, sogar bei den materiell relativ Gesicherten blieben die lebenstechnischen Probleme von quälender Kompliziertheit, wozu der psychologische Druck, die seelische Spannung kam.
Klaus Mann, Der Wendepunkt

Ganz abgesehen von unsern eignen Produktionen, stehen wir schon durch das Aufnehmen und völlige Aneignen des Fremden auf einer sehr hohen Stufe der Bildung.
Goethe, Fürst Puckler, 15.9.1826

Ganz allgemein gilt, dass nur der Mensch gierig ist, der unbefriedigt ist. Die Gier ist immer das Ergebnis tiefer Enttäuschung. Ob es um die Gier nach Macht, nach Essen oder etwas anderem geht, die Gier ist immer das Ergebnis einer inneren Leere.
Erich Fromm, Von der Kunst des Zuhörens

Ganz anders aber ist es bei der Deklamation oder gesteigerten Rezitation. Hier muss ich meinen angebotenen Charakter verlassen, mein Naturell verleugnen und mich ganz in die Lage und Stimmung desjenigen versetzen, dessen Rolle ich deklamiere. Die Worte, welche ich ausspreche, müssen mit Energie und dem lebendigsten Ausdruck hervorgebracht werden, so dass ich jede leidenschaftliche Regung als wirklich gegenwärtig mitzuempfinden scheine.
Goethe, Schriften zur Literatur - Regeln für Schauspieler § 20

Ganz anders arbeitet man aus Grundsätzen als aus Instinkt, und eine Abweichung, von deren Notwendigkeit man überzeugt ist, kann nicht zum Fehler werden.
Goethe, An Schiller, 30.12.1797

Ganz aufgehen in der Familie heißt ganz untergehen.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

ganz aus dem Häuschen sein
en] to be beside o. s. - to be all agog (o. in great taking)
fr] être hors de ses gonds (o. dans tous ses états)
it] essere fuori dei gangheri

Ganz außer Adam sein. (Atemlos, Wortwitzelei, auf die Lautähnlichkeit zwischen Adam, Odem und Atem)

Ganz bekannt, halb gebüßt.
fr] Péché avoué est à demi (o. à moitié) pardonné. (Eingestandene Sünde ist halb verziehen)

Ganz dumm is hä ne, blot drî Vörtel.

Ganz eigen ists mit mythologischer Frau:
Der Dichter bringt sie, wie ers braucht zur Schau,
Nie wird sie mündig, wird nicht alt,
Stets appetitlicher Gestalt,
Wird jung entführt, im Alter noch umfreit...
Goethe, Faust II A II, Am untern Peneios / Chiron Vs 7428f.

Ganz elend bin ich, wen es jammert, der tröste mich.

Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit, denn nur, wann man allein ist, ist man frei.
Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit

Ganz gewiß hat es auf dieser Welt niemals Hexen und Hexenmeister gegeben, aber ebenso unleugbar haben zu allen Zeiten Leute an Betrüger geglaubt, die dasTalent besaßen, als Zauberer aufzutreten.
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Ganz gibt Glanz.

Ganz gleich ergeht's dem Guten wie dem Bösen!
Ein schwierig Rätsel, rätselhaft zu lösen.
Goethe, Festzug 18.12.1818 - Braut von Messina / Aurora

Ganz gleich wie hoch der Baum auch wächst, seine Blätter fallen doch nach unten zu seinen Füßen.

Ganz in Vollkommenheit siehst du kein Ding erglänzen!
Warum? Damit dein Geist hab' etwas zu ergänzen.
Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen

Ganz Israel war davon erschrocken.

Ganz klein war es hässlich wie ein Affe, aber niedlich in den Augen seiner Mutter.

Ganz leiss gebachen.
i] Wider die Kleiderpracht der Frauenzimmer.
z] Fraw Venus mit höflichen sachen ist gantz und gar zu leiss gebachen und ist aus seiden faden gespunnen.
z] Sie (eitle Frau) lond jn seidin kleider messen und hants in jm hauss zu fressen. Lasst auch dafür ein kittel machen und seind nit also leiss gebachen.

Ganz nah an der Ferse begleitet die Not.
Goethe, Faust II A V, Mitternacht / Not Vs 11394

Ganz nahe daran steht die Neigung, aus der nicht selten Liebe sich entwickelt. Sie bezieht sich auf ein reines Verhältnis, das in allem der Liebe gleicht, nur nicht in der notwendigen Forderung einer fortgesetzten Gegenwart. Diese Neigung kann nach vielen Seiten gerichtet sein, sich auf manche Personen und Gegenstände beziehen, und sie ist es eigentlich, die den Menschen, wenn er sie sich zu erhalten weiß, in einer schönen Folge glücklich macht.
Goethe, Maximen und Reflexionen 389f.

Ganz ohne Anzug wird der Mensch sich fremd.

Ganz preussisch laufen.

Ganz recht, täglich einen Pfennig gibt jährlich einen Taler.
en] Right, master, right, four nobles a year a crown a quarter.
en] Right, Roger, your sow is good mutton.

Ganz richtig geschissen, Herr Dokter, man 'n beten to dünn. Pommern
i] Einem Klugscheißer zur Antwort.

Ganz richtig! sagte Johann Ernst und warf den Pastor in den Graben.

Ganz schlimm ist es, wenn man beim Abendmahl eine lädierte Oblate bekommt

Ganz tief innen steckt wohl in uns allen ein solches Gefühl ständigen Bedrohtseins...
Feuchtwanger, Die Ziegel von Les Milles

Ganz und gar
Bin ich ein armer Wicht.
Meine Träume sind nicht wahr,
Und meine Gedanken geraten nicht.
Goethe, Sprichwörtlich

Ganz und gar.
la] Purus putus. Plautus

Ganz verdreht, wie da Wind es Lauba weht. Oberösterreich

Ganz vergebens strebst du daher, durch Schriften des Menschen
Schon entschiedenen Hang und seine Neigung zu wenden,
Aber bestärken kannst du ihn wohl in seiner Gesinnung,
Oder, wär er noch neu, in dieses ihn tauchen und jenes.
Goethe, Erste Epistel

Ganz wohl, mein Sohn, sagte die Bäuerin zum Schlosskaplan, der sie gefragt hatte: Wie geht's, Frau Eselsmutter.

Ganz Zaschendorf muss ersaufen, wenn in Weinböhla die Zapfen gezogen werden.
i] Nämlich die der Weinfässer. Man will damit den reichen Ertrag der Weinberge in und um Weinböhla, ein Dorf 11/2 Stunde östlich von Meißen, unfern der Leipzig-Dresdener Eisenbahn, bezeichnen, der sich in einem Jahre schon auf 1800 Fass belaufen hat. Zaschendorf liegt tiefer, zwischen Weinböhla und Meißen.

Ganze Beine sind besser als ein gemieteter Bauch.

Ganze drei Groschen machen mehr Lärm als ein großer Sack Geld.

Ganze Ochsen opfern.
i] Es geschah nur von sehr Reichen und von Königen, dass sie ganze Ochsen opferten. Große Kosten machen, sehr viel daran wagen.

Ganze Sachen sind immer einfach, wie die Wahrheit selbst. Nur die halben Sachen sind kompliziert.
Heimito von Doderer, Repertorium.

Ganze, Halb- und Viertelsirrtümer sind gar schwer und mühsam zurechtzulegen, zu sichten und das Wahre daran dahin zu stellen, wohin es gehört.
Goethe, Maximen und Reflexionen 465

Gaoliang liebt im Herbst keinen Regen. (Gaoliang ist eine in Nordchina weit verbreitete Hirseart)

Gapp ens tegen (gegen) 'ne Backoffend, dan sist du, we de grützte Mull hat. Aachen
hdt] Gähne einmal (trotzend) dem Backofen gegenüber, dann wirst du sehen, wer das größte Maul hat.
v] Jibbin's jin an Bâghaan. Nordfriesland
hdt] Gape einmal gegen einen Backofen. (Versuch's einmal, dich gegen einen Gewaltigen aufzulehnen.

Gär es net fär. Bedburg
hdt] Gern ist nicht fern.
la] Voluntario nil fit difficile.

Gar Fisch ist Fisch, gar Mann ist Mann, ins Kloster mit dem Pfaff.

Gar freundliche Gesellschaft leistet uns
Ein ferner Freund, wenn wir ihn glücklich wissen.
Goethe, Tasso A IV Sz 2 / Leonore Vs 2448

Gar gekocht ist gesund.

Gar geneigt wären wir daher, das Erdbeben als entbundene tellurische Elektrizität, die Vulkane als erregtes Elementarfeuer anzusehen und solche mit den barometrischen Erscheinungen in Verhältnis zu denken. Hiemit aber trifft die Erfahrung nicht überein...
Goethe, Versuch einer Witterungslehre

Gar geschwind kommt oft ein anderer Wind.

Gar hübsch ists, auf seinem Pferde mit dem Mantelsäckchen wie auf einem Schiffe herumzukreuzen.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 2.12.1777

Gar in die Asche fallen.

Gar kein Heilmittel ist die Mitte in der Arzneikunde. China (Zwischen dem, das heilt, und dem, das tötet)

Gar leicht gehorcht man einem edlen Herrn,
Der überzeugt, indem er uns gebietet.
Goethe, Tasso A II Sz 5 / Antonio Vs 1647

Gar lieblich ist es hochzuachten,
Was ruhmvoll die Ahnen einst vollbracht.
Fischart, Bündnuß v. Verain der Freien Stätt Zürich, Bern v. Straßburg (1588)

Gar manchen Schatz bewahrt von Jugend auf
Ein edles, gutes Herz und bildet ihn
Nur immer schöner, liebenswürdger aus
Zur holden Gottheit des geheimen Tempels...
Goethe, Natürliche Tochter A II Sz 1 / Sekretär Vs 702

Gar manchen werden man die weiber mit list betrogen han.
la] Adam, Simsonem, Loth, Dauidem, Salomonem foemina decepit, quis modo tutus erit.

Gar mancher baut ein neues Haus, ists fertig, guckt ein Schelm heraus.

Gar mancher geht nach Myrten aus und bringt sich Nesseln nur ins Haus.

Gar mancher hat sich ernst beflissen,
Und hatte dennoch schlechten Lohn.
Es ist ganz eigen: wenn sie wissen,
So meinen sie, sie wüßten schon.
Goethe, Zahme Xenien VIII

Gar mancher mich richt't, er denkt seiner nicht; gedächt' er sein, vergäß' er mein.
dä] Døm saaledes imellem andre, at andre ei skal dømme ilde om dig.
la] Qui me respicit et mea, se non respicit ille Et sua; dice ergo: '????t sea?t??' homo.

Gar mancher möchte ehrlich sein, trügs Gegenteil nicht viel mehr ein.

Gar mancher schlau und sehr behänd, sich fügt in jedes Regiment.

Gar mancher wähnt sich im Himmel, dabei schwebt er nur über den Wolken.
Friedl Beutelrock

Gar mancher wissenschaftliche Versuch, der Natur irgendein Geheimnis abgewinnen zu wollen, kann für sich, teils auch durch Charlatanerie der Unternehmer, eine lächerliche Seite bieten, und man darf dem Komiker nicht verargen, wenn er im Vorbeigehen sich einen kleinen Seitenhieb erlaubt.
Goethe, Tag und Jahreshefte 1803

Gar manches Herz verschwebt im Allgemeinen,
Doch widmet sich das Edelste dem Einen.
Goethe, Urworte, Orphisch

Gar manches Unbequeme, ja Schädliche hat die Erscheinung von Gästen auf dem Theater, wir lehnten sie sonst möglich ab, wenn sie uns nicht Gelegenheit gaben, sie als neue Anregung und Steigerung unserer bleibenden Gesellschaft zu benutzen...
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1801

Gar nicht von sich reden, ist eine sehr vornehme Heuchelei.
Nietzsche

Gar nichts Neues sagt ihr mir!
Unvollkommen war ich ohne Zweifel.
Was ihr an mir tadelt, dumme Teufel,
Ich weiß es besser als ihr!
Goethe, Zahme Xenien V

Gar oft bringt uns selbst, und anderen durch uns, ein augenblicklicher Anlass mehr Freude, als der entschiedenste Vorsatz nicht gewähren kann.
Goethe, Dichtung und Wahrheit I, 5

Gar oft dem böses widerfert, der sich zu böser gsellschafft kert.
la] Surgit origo mali, de turpi saepe sodali.

Gar oft den Armut widerfährt, der sein gut vnnützlich verzehrt.
la] Qui sua demergit, mendicus ad ostia pergit.

Gar oft der beste rat den schlimsten ausgang hat.
dä] Et glas god viin fordærves af en flue som falder deri.
dä] Godt raad kand spildes aflidet.

Gar oft im Laufe des Lebens, mitten in der größten Sicherheit des Wandels bemerken wir auf einmal, dass wir in einem Irrtum befangen sind, dass wir uns für Personen, für Gegenstände einnehmen ließen, ein Verhältnis zu ihnen erträumten, das dem erwachten Auge sogleich verschwindet, und doch können wir uns nicht losreißen, eine Macht hält uns fest, die uns unbegreiflich scheint. Manchmal jedoch kommen wir zum völligen Bewußtsein und begreifen, dass ein Irrtum so gut als ein Wahres zur Tätigkeit bewegen und antreiben kann. Weil nun die Tat überall entscheidend ist, so kann aus einem tätigen Irrtum etwas Treffliches entstehen, weil die Wirkung jedes Getanen ins Unendliche reicht.
Goethe, Maximen und Reflexionen 67

Gar oft in Leid ist große Freud'.

Gar oft sich zutrug, dass der klein den großen schlug.

Gar oft und dick wird es gespürt, dass der gast ist, wie der wirt.
la] Saepius est hospes talis, qualis suus hospes.

Gar schwär ein mensch zu dulden ist, des maul zusteht zu keiner frist.
la] Pondus ualde graue, uerbosum uas sine claue.

Gar selten tun wir uns selbst genug, desto tröstender ist es, anderen genug getan zu haben.
Goethe, Maximen und Reflexionen 406

Gar selten, wer was verschüttet hat, bringt das ganze wieder an sein Statt.
la] Res quae sparguntur, toto non saepe leguntur.

Gar viel erlebt man's -, mit der Andacht Mienen
Und frommem Wesen überzuckern wir
Den Teufel selbst.
Shakespeare, Hamlet

Gar viel fabulieren die Dichter.
Solon, Fragmente

Gar viele Dinge sind in dieser Welt,
Die man dem anderen gönnt und gerne teilt,
Jedoch es ist ein Schatz, den man allein
Dem Hochverdienten gerne gönnen mag,
Ein andrer, den man mit dem Höchstverdienten
Mit gutem Willen niemals teilen wird -
Und fragst du mich nach diesen beiden Schätzen:
Der Lorbeer ist es und die Gunst der Frauen.
Goethe, Tasso A III Sz 4 / Antonio VS 2013f.

Gar viele [Dilettanten] vergeuden hiedurch [dass sie etwas versuchen möchten, wozu ihnen Anlage von der Natur versagt ist], den schönsten Teil ihres Lebens und verfallen zuletzt in wundersamen Trübsinn.
Goethe, Tag- und Jahreshefte bis 1786

Gar vieles kann lange erfunden, entdeckt sein, und es wirkt nicht auf die Welt, es kann wirken und doch nicht bemerkt werden, wirken und nicht ins Allgemeine greifen. Deswegen jede Geschichte der Erfindung sich mit den wunderbarsten Rätseln herumschlägt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1081

Gar vieles kann, gar vieles muss geschehn,
Was man mit Worten nicht bekennen darf.
Goethe, Natürliche Tochter A I Sz 3 / König Vs 194

Gar wenig man Tyrannen find't, die rechtes Tod's gestorben sind.

Gar wenig spinnt, wer viel grübelt und sinnt.

Gar wohl lassen sich aber nach meinen Ansichten von der Natur und ihren Gesetzen Planeten denken, aus welchen die höhen Monaden bereits ihren Abzug genommen, oder wo ihnen das Wort noch gar nicht vergönnt ist. Es gehört eine Konstellation dazu, die nicht alle Tage zu haben ist, dass das Wasser weicht und dass die Erde trocken wird.
Goethe, J. D. Falk, 25.1.1813

Gar zu gemein, ist selten rein.

Gar zu gescheit ist doppelt närrisch.
it] Chi si battezza savio, s'intitolo pazzo.

Gar zu gesund ist ungesund.
dä] Alt for sundt er usundt.

Gar zu gut ist halb schlimm.
v] Gar zu gut ist liederlich.

Gar zu höflich ist grob.
v] Gar zu höflich ist halb bäuerisch.
v] Gar zu höflich sein, ist auch ein grobheit.
z] Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist. Goethe, Faust
fr] Trop de civilité engendre importunité.

Gar zu junge Eheleut und newe Amptleut haben einen bestand wie eine hohe Leinene Wand.

Gar zu keck geht (o. ist) nicht allezeit wohl.
la] Qui nimis est audax, saepe infeliciter audet.

Gar zu klug dient nirgends.
ndt] Ich hoa's mei Tage gehort, goar ze kluk is holb tumb. Schlesien

Gar zu scharf gesehen macht böse Augen.

Gar zu sehr eingeheizt, zündet das Haus an.

Gar zu sparsam macht faule Katzen.

Gar zu streng ist Unrecht.

Gar zu viel wissen wollen, bringt den Fuchs um den Schwanz.

Gar zu wohl trauen reitet dir das Ross hin.
la] Nimia securitas facit negligentes.

Garaus macht böse Hosen.

Garaus, so wird ein voller Bruder draus.

Garauss ist gut Pfalgräfisch (pfalzgräflich).

Garde, hüte dich, nun kommt der Bauer.

Gardinenpredigt ist nachts.
ho] Zij heeft hem de gordijn-metten gelezen.
ho] Zij houdt eene gordijn-preek.
la] Uxores maritis multa, quamquam non omnia de deo, concionantur.

Gardrud (17.3.) snitt den rugen Hafer ut. Fehmarn

Garen un Dike maket keinen Minschen rike. Hannover
hdt] Gartenbau und Teichwirtschaft sind wenig einträglich.

Gares Essen taugt für jedermann. Estland

Garn stellen (o. richten) fängt keine Vögel, sondern zuziehen.

Garnegruss (Gernegroß) und Battelstulz wachsen bejde uf faulen Hulz.

Garsthass oder Stankfass bleib mir von der Nas'.

Garstig wie eine Spinne.

Garstige Juristen haben keine Conscientz. Luthers Tischreden

Garstige Weiber sind gute Haushälterinnen.

Garstiger Speck und garstige Butter gehören zusammen.

Gart', wende deinen Namen! (Also: Trag!)

Garten muss man warten.

Gärten, die am meisten kosten, bringen das wenigste Gras.

Gartenblumen und Feldblumen sind zweierlei Dinge.

Gartenland - Wartenland.
v] Gartenwerk - Wartenwerk. (Wer den Nutzen haben oder das Vergnügen genießen will, welche die Gärten gewähren, der muss sich ihren Anbau und ihre Pflege angelegen sein lassen.

Gäs (Gäscht, Hefen) es de Bäcker. Meurs

Gassaten gehen. Franken (Vom Herumlungern der Kinder, auch wenn jemand planlos in der Stadt umhergeht)

Gassenengel, Hausteufel.
en] Street-angels, house-devils
fr] Femmes sont anges à l'eglise, diables à la maison.
it] Angelo di strada, diavolo di casa.
la] Domi leones, foris vulpes.
sp] En visita somos todos buenos.

Gast mag auf Gast wohl zeugen. (Von der Befähigung, ein Zeugnis abzulegen. Der Gast, d.h. hier der rechtlose Fremde, konnte ein Zeugnis in Sachen eines anderen Fremden ablegen, aber nicht auf einen angesessenen Mann. 'Dat gast vp gast wohl tugen mochte.'

Gast mag nicht mit Gast handeln. [RSpW] (Gast bezeichnet hier einen Fremden, der sich im Inlande aufhält. Mögen = vermögen. Nach dem Sprichwort, dessen Rechtsanschauung überwunden ist, durften Kaufmannsgüter auf Grund des Stapel- und Niederlagsrechts einer Stadt nur an Bürger und erst dann an Fremde verkauft werden, wenn sie einige Zeit gelegen haben)

Gast und Fisch bleiben kaum drei Tage frisch.
v] Ein Gast ist wie ein Fisch, er bleibt nicht lange frisch.
v] Fisch und Gast, nach drei Tagen stinken sie fast.
v] Gast und Fisch sind nach drei Tagen nicht mehr frisch.
v] Gast und Fisch stinken nach drei Tagen.
v] Wenn der Gast am liebsten ist, soll er wandern.
en] Fish and guests smell at three days old.
fr] L'hôte et le poisson en trois jours sont poison. (Der Gast und der Fisch sind in drei Tagen Gift)
ho] Een gast is gelijk de visch, hij stinkt op den derden dag.
it] L'ospite ed il pesce dopo tre giorni ti rincrece.
la] Post tres saepe dies vilescit piscis et hospes.
sp] El forastero y la pesca á los tres días apesta.

Gastarbeiter sind Patrioten auf Spezialisierung im Ausland.
Zarko Petan

Gäste im Haus und Mist auf dem Hof zehren alle Tage und manchmal recht groff.

Gäste kommen nur in ein glückliches Haus. Birma

Gäste mit milder Hand sehen die Diener gern.

Gäste mit Worten speisen.

Gäste soll man ehren.

Gäste sollen bei Tage kommen. Samoa-Inseln

Gäste sollen nit fürwitzig sein.

Gäste und Reiher sehen am schönsten aus, wenn sie sich erheben. Japan

Gäste, die nachmittags kommen, bleiben gern über Nacht. (Wenn man sagen will, dass Regen, der nachmittags beginnt, über Nacht anhalten oder von längerer Dauer sein werde)

Gäste, die Ungelegenheiten anrichten, muss man zur Hintertür hinausstoßen. (Wird mit Bezug auf belästigende Blähungen angewandt)

Gastereien sind der Ärzte Factoreien. ( Sonst hat man sie auch als künstlerische Versuche erklärt, seinen Freunden den Magen zu verderben)

Gastfrei Haus treibt den Wirt hinaus.
sp] Casa hospedada comida y denostada.

Gastfreundschaft besteht aus ein wenig Wärme, ein wenig Nahrung und großer Ruhe.
Emerson

Gastfreundschaft ist die Tugend des Sohnes und die Weisheit des Vorfahren. China

Gastfreundschaft und Medizin sollst du auf drei Tage beschränken.

Gastfreundschaft, du heilige Tugend, die im Jugendalter des Menschengeschlechts so gewöhnlich war und in unsern Tagen so selten geworden ist ...
Nikolai M. Karamsin, Reise durch Deutschland

Gastfreundschaft: eine Tugend, welche uns veranlaßt, bestimmten Personen Speisen zu geben und Obdach zu gewähren und die beides nicht nötig haben.
Bierce

Gasti macht fasti. Oberösterreich
hdt] Garstig macht feistig. (So wie Schlampas macht Wampas)

Gastierung und Fröhlichkeit, ein schönes Weib und ein schön Kleid, ein guter Freund und ein guter Wein sollen allezeit beieinander sein.

Gastung und Fröhlichkeit, ein schön Weib und schön Kleid, guter Freund und guter Wein sollen allzeit beieinander sein.

Gat (gib) em gute, hîrt oas doch nich.

Gät dem Vögeli au es Würmli.
i] Scherzweise zu einem, der pfeift. Gebt dem Vöglein doch auch ein Würmlein.

Gat gesießen äs half gießen. Siebenbürgen/Sachsen
v] Guet g'sässa isch halb g'gässa. Bern
hdt] Gut (wohl) gesessen ist halb gegessen.
i] Bei Tische bequem sitzen ist so viel wert als ein paar Gerichte.
z] Die Regierung sorgt für die Demokraten genug, sie gibt ihnen halbe Fütterung, denn ein alter Spruch sagt: Gut gesessen ist fast so gut wie halb gegessen.

Gät Harz (Herz), vil Schmärz.

Gat Ross fäincht em äm Schtal. Siebenbürgen/Sachsen
i] Meist mit Bezug auf erwachsene Mädchen, gebraucht, in dem Sinne: Ehrsame Mädchen laufen nicht auf der Gasse herum; oder liebenswürdige Mädchen werden auch zu Hause ihre Freier finden.

Gat wer et lang lieven (leben), wun det Âlder nit wêr.

Gata ock gude Woorte und asst deste winger. Schlesien
hdt] Gebt ihm gute Worte und esst desto weniger.

Gatschmakt (Gutschmack) mâcht de Hainjdre nakt.
v] Gatschmakt mâcht de Käinjder nakt.

Gätt (etwas) Neues erfreut et minschliche Hätz. Köln

Gau (rasche, schnelle) Lü(de) (Leute) lôpt sick dôt, loije (faule) Lü(de) dragt sick dôt.
v] Gau hädd den Hals gebroke. Kleve (Warnung vor zu großer Eile)

Gäuch aussbrüten.
z] Gäuch aussbrüten hatt ein sinn, daran ich selten vil gewinn, wann ich's schon spisst und briet sie auch, so fliegens doch zum alten gauch.

Gäuch fahen.
z] Es ist eyn besunderlicher list, geuch zu fohen syn gewiss, man foht ir glich vill mit blicken alss mit iagen, garn und stricken.

Gauch, tu es jm nach, dann red zu der sach.

Gäuche sitzen nicht gern hart.

Gäuche ziehen.

Gauchheil ist unter den kräutteren.
z] Geringe Leut trachten nach groß ehr und würde.

Gauchspeis ist umsunst, wenn sie nicht gekocht ist mit Gunst.

Gaude Frau un gaude Katt (o. 'ne gode Fru un 'ne gode Katt), (de) hollen dat Hus rein.

Gaudeiw (Gaudieb) dau wat, freten un supen kostet wat. Hannover

Gauden Weg ümm het kên Krümm. Mecklenburg

Gaugerichtsbarkeit ist der Landleute freie Wahl.
i] Die Obrigkeit war unsern Altvordern 'ein lebendig ordnendes Recht, das Gesetz eine stumme Obrigkeit, das Gemeinwesen übertrug aber die Ausübung. Jeder Gau wählte sich seine Richter auf Lebenszeit oder bei frischer That für den einzelnen Fall.' Das obige Sprichwort ist aus Fiducius' Beiträgen zur Geschichte Berlins entlehnt, wo es lautet: 'Gogescop is der landlude frie kore.'

Gaukeln leyt am verschlahen.
z] Gaukeln ist, der leüte augen blenden, das sy mainen, sy sehen das, das sy nit sehen.

Gaukelwitz macht grob Conzen spitz.

Gaukler und Dichter
Sind gar nahe verwandt, suchen und finden sich gern.
Goethe, Venezianische Epigramme 47

Gaul als Gurr, Bub als Hur.
v] Gaul um gurre.
z] Für was gibt man was.
v] Lohn um lohn, Korn um Saltz, Ruck um stuck, wurst wider wurst.

Gauner sein ist unbequem. Es ist leichter, ein anständiger Mensch zu werden.
Victor Hugo, Gauroche

Gäus un Frugens möt man schnattern låten.

Gausbrâd (Gänsebraten) schall de best sîn, un Swînsbrâd is 't.

Gaut, dat ik nischt dormit tau daun heff, sär de Fru, da harr sei dat Dörp tausåmen schladdert.

Gave (Gabe) de da blindt ist, macht krum, was recht ist. (Beklagenswerte Wirkung von Geschenken auf den Richter)
mhd] Der allir meist gibt in di hant, der machit von einem svanen ein raben.

Gayenhofer Arbeit machen. Schaffhausen (Beides bedeutet Abderitenstreiche, polkwitzer Stücke)

Ge grousser Lêd (Leid) äls wat me sich selv andêt. Aachen

Geangelt vierzehn Tag und einen Frosch gefangen. (Von undankbarer Arbeit, nutzloser Beschäftigung)

Gearbeitet wird mit Verstand (od. Nachdenken), nicht mit großer Kraft. Estland

Gearste (= Gerste) in de Aske, giet Geld in de Taske. Westfalen

Geb ichs dir, so mangelts mir, gib du mir, und mangelt dir.

Geb' Sie Acht, ich bin etwas kitzlig am Halse, sagte der Dieb zum Henker.
i] In Komorn in Ungarn wurde 1878 der Raubmörder Ign. Kellner hingerichtet. Der Scharfrichter wies der Oberstadthauptmannschaft von Pest ein Zeugniss über die durch ihn vollzogene Hinrichtung des Verurteilten vor, in dem es hieß: 'Die letzten Worte Kellners waren an den Scharfrichter gerichtet und lauteten: Geb' Sie Acht u.s.w.'

Gebackenes Brot wird gegessen, ein aufgezogenes Kind gefunden. Estland

Gebackner Dreck ist kein Fladen, sagte der Bauer zum Bäcker.

Gebahnter Weg ist sicher.
fr] Il n'y a rien de si sûr que le chemin battu.

Gebärden sind des Herzens Fenster.

Gebare jung, und tu' als ein Alter!
la] Mature fias senex, si diu velis esse senex. Cicero
la] Senilis uventa praematurae mortis est signum.

Gebären fällt (o. ist) den Frauen leichter als Schweigen.

Gebarsch - nehmarsch. (Nach Agricola ist das Wort unter den Kindern gebräuchlich, welche aus Unbeständigkeit und Wankelmut einander bald etwas geben, bald wieder nehmen)

Gebe Gott einen schönen Tod, denn das tut uns am meisten not.
sp] Dios nos dé buena muerte, que ésa es la mejor suerte.

Gebe Gott nichts, so könt man ihm kein kertzen anzünden.

Gebe Gott, dass du jede Arbeit zu verrichten verstehst, aber hüte dich davor, alles zu machen.

Gebe Gott, dass er des jähen Todes sterbe.

Gebe Gott, dass ich den Weg in die Kirche gehe, nicht ins Gericht.

Gebe Gott, was sie mir gönnen, allen Menschen, die mich kennen.

Gebe ich nicht, so gönne ich doch.

Gebe is nix deutsch bei ihm. (Für den Geizhals hat das Wort keinen Sinn)

Gebe oft, doch mit stillschweigen.

Gebe steht nicht in seinem Wörterbuch. (Vom Geizigen)

Gebeichte und versünte sünd ist keine sünd.

Gebeichtete Sünde verringert sich, denn sie wird zur Wahrheit. Indien

Gebeleute sind tot. Sauerland

Geben - sollte unser Vergnügen sein, doch Empfangen - unsere Schande.
Oliver Goldsmith, Der Weltbürger

Geben armet nicht.
v] Alles, was du gibst, wirst du mit fortnehmen. Türkei

Geben die Johanniswürmchen (24.6.) ungewöhnlich viel Licht, so ist schönes Wetter in Sicht.

Geben erwirbt geben.

Geben es nicht immer tut, abschlagen ist auch gut.
mhd] Swer milte und guot hât wil der lobelîchen leben, der sol ze rehter zîte geben, und sol ze rehter zit versagen: die müezen beidiu wohl behagen. (Wolf und Hund)
mhd] Wer kan behalten und geben ze reht, der solt iemer leben.
mhd] Wizzet, er ist ein saelic man, der rehte halten und geben kan.

Geben fängt zu Hause an.
Lido Anthony 'Lee' Iacocca, Mein amerikanischer Traum

Geben hat ein weit Loch.

Geben heißt, auf Wucher leihen.
dä] Hvo som giver, han aagrer, og givet er tit dyrt folgt.

Geben Holzäpfel keinen Most, so geben sie doch Essig.

Geben ist Angeln.

Geben ist doppelt wert, wenn man nicht begehrt. (Wenn unaufgefordert gegeben wird)
la] Gratius est donum, quod venit ante preces.

Geben ist ehrenvoll, Nehmen ist schmerzhaft.
sp] El dar es honor, y el pedir dolor.

Geben ist ein Doppelschlüssel.

Geben ist ein guter Bursche (o. Kerl), aber er wird bald müde. Schottland

Geben ist leichter als bitten.
port] Melhor he dar a ruins, que pedir a bons.

Geben ist nicht jedermanns Sache.
la] Crede mihi, res est ingeniosa, dare.

Geben ist schwerer als empfangen.

Geben ist seliger als annehmen müssen.
Charles Tschopp

Geben ist seliger denn (o. als) nehmen. Apostelgeschichte 20, 35 (Als Rechtssprichwort hat es den Sinn: Es ist besser Gefundenes wiedergeben, als an sich nehmen)
mhd] Geben tuot dem milten baz danne versagen, wizzet daz. Freidank
bm] Lépe dáti nezli bráti.
dä] Det er bedre at give end tage.
dä] Og gud elsker en glad giver.
en] It is better (o. more blessed) to give than to receive.
fr] Il est plus doux de donner que de recevoir.
fr] Mieux vaut donner que recevoir.
it] Donar è honore, pregar è dolore.
it] Rende più felice il dare che il ricevere.
la] Beatius est dare, quam accipere.
la] Beatius est magis dare quam accipere.
la] Ditare quam ditescere est magis regium.

Geben ist seliger denn Nehmen: das Motto der Barmherzigen und der Boxer.
Harold Pinter

Geben kann ein jeder, was (o. wieviel) er will, aber nehmen darf er nur nach Verdienst.
russ] Datj moschet wsäkoi, a wsätj po dostoinstwu.

Geben kann man niemand ohne seinen Willen, man kann ihm aber ohne seinen Dank nehmen.

Geben lässt schön, Wiederfordern macht Sauersehen.

Geben macht die eigne Tasche leer, und aus der fremden macht's kein Ehr'.
bm] Z cizího dávati hanba, a z vlastního skoda.

Geben macht Ehre, Bitten Schmerz.

Geben macht freund und leben.

Geben macht kein Feindschafft.

Geben macht Leben.

Geben Ring oder Hof sich Sonne und Monde, bald Regen und Wind uns nicht verschont.

Geben Sie acht, Freund, es sind Preußen, die wollen immer alles besser wissen als andere Leute.
Goethe, J. S. Grüner, 11.8.1822

Geben Sie dem Arbeiter das Recht auf Arbeit!
Otto von Bismarek, Reden (im Deutschen Reichstag, 9. Mai 1884)

Geben Sie Gedankenfreiheit.
Friedrich Schiller, Dom Karlos (Marquis)

Geben sodann diese Gelehrten von ihren Wahrnehmutigen Rechenschaft, so erhalten wir, ungeachtet der höchsten persönlichen Wahrheitsliebe des einzelnen, dennoch keineswegs die Wahrheit der Objekte, sondem wir empfangen die Gegenstände immer nur mit dem Geschmack einer sehr starken subjektiven Beimischung.
Goethe, Eckermann, 18.5.1824

Geben tut wohl, fordern weh.

Geben um Gottes willen macht den Menschen nicht arm.

Geben und Bitten ist zu viel.
bm] Dávat' a prosit' jest mnoho: Ber rád, kdyz davají.
pl] Od przybytku glowa nieboli.

Geben und doch behalten gilt nichts. (Schenkungen sollen kraftlos sein, wenn die geschenkte Sache nicht sofort übergeben wird)

Geben und Haben erfordert seine Gaben. Spanien

Geben und Nehmen ist Kunst, die nicht jeder versteht.
i] Der schwerste Tadel, den ein Araber über eine andere Nation aussprechen kann, ist: Die Männer verstehen nicht zu geben, die Weiber nicht zu versagen.
z] Selten wird in der Welt etwas genommen, wie es gegeben wird, es müsste denn das tägliche Brot vom Bäckerladen sein. Goethe

Geben und nehmen kann uns das Glück, was wir hoffen und lieben,
Aber die Hoffnung beherrscht, so wie die Liebe, das Glück.
Friedrich Bouterwek, Sinnsprüche

Geben und nehmen macht gute Freunde. Schottland

Geben und nemen ist das gleichste recht.

Geben und weislich erhalten tut den Reichen bei gutem Stand erhalten.

Geben und widergeben macht die Leut arm unnd reich.

Geben und widergeben stifftet und erhelt die Freundschafft.
ho] Gheven ende weder gheven helt de vrientschap tesamen.
la] Alternando boni nos munere sumus amici.

Geben und Wiedergeben hält die Freundschaft zusammen (o. fest und eben).

Geben und zurückbehalten gilt nicht.
fr] Donner et retenir ne vaut.

Geben wir Gold zu Gold.
pl] Zloto przydajmy do zlota.
i] Als Boleslaw Schiefmund (1087-1138) einen Gesandten in das Lager Kaiser Heinrich's V. bei Breslau schickte, um Friedensanerbietungen zu machen, führte sie der letztere zu seinen Schätzen und sagte, auf die Fülle Goldes weisend: 'Da seht die Mittel, mit denen euch mein Schwert unterwerfen soll.' Der polnische Gesandte Graf von Góra zog ganz ruhig seinen goldenen Ring vom Finger und warf ihn mit den obigen Worten, die in ein Sprichwort übergingen, in die Kiste des Kaisers.

Geben, wo man nicht begehrt, ist eine Tugend.

Gebend bist du ein Bruder, aber nehmend ein Feind.

Gebende gibt es wenig, Begehrende aber viel.

Gebende Hand hat viel Freunde.
bm] Kazdá ruká pekna, která dává.
pl] Kazda reka piekna, która co daje.

Gebet auf, Segen nieder.
dä] Bøn stiger op, naade stiger ned.

Gebet bettet.

Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und Gotte, was Gottes ist. Matth. 22, 21

Gebet im Glück ist Kraut und Lot, versagt nicht, macht die Feind all tot.

Gebet in Not ist bessern Tages Abendrot.
dä] En god bøn i onde tider er det beste raad mod verre tider.

Gebet ist dess Himmels Schlüssel.
ho] Het gebed is de sleutel der eeuwigheid.
ho] Het gebed opent's hemels deur.

Gebet ist eine Münze, die auch im Himmel gilt.

Gebet ist eine Wand im Sturm.

Gebet klopft an, bis sich die Tür öffnet. England

Gebet macht aus Steinen Brot.

Gebet ohne Arbeit ist eine Hacke ohne Stiel.
z] Hat Gott für dich die Hände mit Arbeit immer voll, sag' mir, du frommer Beter, womit er segnen soll.

Gebet ohne das Herz dringt nicht zum Himmel.

Gebet ohne Inbrunst ist ein Vogel ohne Flügel.
en] The prayers that are forced do not penetrate into heaven.
ho] Het gebed is zonder vrucht, zoo de ijver ontbreekt.

Gebet ohne Innigkeit ist verlorne Arbeit.

Gebet soll man nit verkauffen.
z] Nach einer Urkunde aus dem Jahre 1436 betrug der Preis von 13 Vaterunsern und 3 stillen Gebeten einen Pfennig, die Strafe von 1 Thaler konnte mithin nur durch 3744 Paternoster und 864 stille Gebete abgetragen werden.

Gebet und Fleiß macht gut und weis.

Gebet und fleiss, und lesen, weiß, macht kurtze zeit und leicht arbeit.

Gebet und Proviant haben noch nie die Arbeit behindert. England

Gebet und tränen sind der Kirchen waffen.

Gebet wird nicht verhindern, dass du stirbst. Haussa, Afrika

Gebet, gebet, gebet zum ersten, zweiten und dritten!
Goethe, F. v. Müller, 27.1.1819

Gebet, glaub, hoffnung und gedult tun bey den Christen das best.

Gebet, so wird euch gegeben!
dä] Giver saa skal eder gives.
la] Date, et dabitur vobis.

Gebet, was euer ehr ist.
z] Sagen, die das allmosen bitten.

Gebete sollten der Schlüssel des Tages und das Schloss der Nacht sein. England

Gebete zu Gott und Dienste am Zaren gehen nicht verloren. Rußland

Gebeten Gut ist am teuersten.

Gebetteltes (gestohlen) Brot schmeckt süß. (Weil es zu verdienen keinen sauern Schweiß gekostet hat)
la] Nil mendicatis sociorum dulcius offis.

Gebeugtes Haupt trifft der Säbel nicht.

Gebeut (gebiete), hersch oder lad den knechten auff, als seiest selbs ein knecht.

Gebieten ohne Straf und Macht, macht Herrn und Gebot veracht.
mhd] Gebieten ohn straff und ohn macht, macht Herren und yhr gebot veracht't.

Gebietende Herren machen nit vil Wort.

Gebietender Herren Bitten sind scharfe Befehle.

Gebilde, strebsam, Götter zu erreichen,
Und doch verdammt, sich immer selbst zu gleichen!
Faust II A II, Felsbuchten des Agäischen Meeres / Nereus Vs 8096f.

Gebirge: Schwärze, Schweigen und Schnee.
Rot vom Wald niedersteigt die Jagd,
Oh, die mossigen Blicke des Wilds.
Georg Trakl, Geburt

Gebirgswasser fließt stets abwärts.

Geblichener Stoff fürchtet sich auch in der Truhe vor dem Dieb. Estland

Gebockt ist nicht gelammt.

Gebohrte Perlen haben weniger Wert als volle.

Geboren in a Habel (Häuschen). Jüd.-deutsch. Brody (Ein Sonntagskind)

Geboren werden heißt herauszukommen, zu sterben heißt zurückzukehren. Taoistisch

Geboren werden heißt, in unkongenialer Umgebung auf die Welt kommen, d. h. in Romantik geboren werden.
Gilbert Keith Chesterton, Heretiker

Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.
Gertrud von Le Fort, Aphorismen

Geboren zu werden, ist ein andauernder Prozess (...). Jeder Vorgang des Geborenwerdens, jeder Schritt zu etwas Neuem, ist mit Ungewissheit und Angst verbunden und erfordert Glauben.
Erich Fromm, Seele und Gesellschaft

Geborene Ränkemacher sind nicht ohne Finten, sind sie nicht vorn, so haben sie sie hinten.

Geborene Ritterschaft ist ehrlicher als gewählte.
i] Gegen die Neuverleihung des Adels, die zu allen Zeiten mit misstrauischen Augen betrachtet worden ist.
mhd] Der geborne ist edeler wen der gekorne.

Geborener Knecht bleibt ein Knecht.

Geborgene Güter tragen ungeborgenen Schaden nicht. [RSpW]
i] Alle diejenigen Güter, die aus Furcht vor Seegefahr im Hafen zur Aufbewahrung niederlegt wurden, nehmen an dem weitern Schicksal der übrigen Fracht keinen Antheil mehr. Geht die letztere im Verlauf der Seereise zu Grunde, so leiden die geborgenen Güter den Schaden nicht mit.
mhd] Van gebergeden guderen dorff me nener vngebergeten guder schaden draghen.

Geborgt Geld soll man lachend bezahlen.
v] Erborgtes Geld geht mit Lachen und kommt mit Weinen. Osmanien
la] Mutua quae debes, ridendo solvere debes.

Geborgt Schwein gibt fette Weihnacht und magere Ostern.
pt] Bacoro fiado, bom inverno, e máo verão.

Geborgt wird nur einmal im Jahr, und zwar am 30. Februar.

Geborgte Kleider passen nie gut. England
v] Geborgte Kleider wärmen nicht lange.
ho] Geleende kleederen doen niemand eer.
fr] D'habits d'autruy mal on s'honore.
it] Chi l'altrui veste si pone presto si spoglia.

Geborgte Pracht wird verlacht.
i] Zu viel Pracht ist auch ein Fehler, er lässt sich aber leicht verbessern. Russland

Geborgte Schönheit dauert nicht.
ho] Geleende schoonheid kan niet duren.

Geborgter Mantel hält nicht warm. Ägypten

Geborgter Ruhm und Märzenschnee sind heute da und morn nicht meh.
dä] Det er en fattig roes, man skal laane of forfædre.

Geborgter Verstand taugt zu nichts. Jiddisch

Geborgtes Geld (o. Gut) bringt kein (o. nimmer) Glück, denn es will immer zu seinem Herrn zurück.

Geborgtes Pferd und deine eigenen Sporen machen die Meilen kurz.
v] Geborgtes Pferd und eigene Sporen reiten gut.
dä] Laant hest og egne sporer gjøre korte mijle.

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