Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten G

und oder

'Geist' ist die spezifisch städtische Form des verstehenden Wachseins. Spengler, Der Untergang des Abendlandes

'Geist' ist heute Marktware, wer redet noch davon? Ein wirklich eigener Gedanke aber ist immer noch so selten wie ein Goldstück im Rinnstein. Christian Morgenstern, Stufen: Zeitkritisches

'Gewaltszenen machen brutal!' sprach Herr Müller und schlug seinen Sohn weg vom Fernsehgerät. [ASpW]

'Gib eine Norm zur Bürgerführung!'
Hienieden,
Im Frieden,
Kehre jeder vor seiner Türe;
Bekriegt,
Besiegt,
Vertrage man sich mit der Einquartierung.
Goethe, Zahme Xenien II

'Glaube mir Mutter, dass ich ergeben und zufrieden sterbe. Gott hat mir Kraft und Ruhe gegeben.' Für sich selbst fügte er hinzu: 'Hat er das?'
Theodore Dreiser, Eine Amerikanische Tragödie (1925)

'Glück im Spiel, Pech in der Liebe', sagte der Mann, als er beim Pokern seine Frau einsetzte und gewann. [ASpW]

'Glückselig, wem sie nur
Die äußere Schale weist!’
Das hör ich sechzig Jahre wiederholen,
Ich fluche drauf, aber verstohlen,
Sage mir tausend tausendmale:
Alles gibt sie reichlich und gern,
Natur hat weder Kern
Noch Schale,
Alles ist sie mit einem Male.
Dich prüfe du nur allermeist,
Ob- du Kern oder Schale seist.
Goethe, Gott und Welt – Allerdings

G'füllte Naunscherln un båchene ulmer Tritscherl.
z] Ich erinnere mich, dass mir Kleinem meine auf dem Lande aufgewachsene Mutter, wenn ich fragte, was wir zu essen bekommen würden, die obige Antwort gab. Welche Genüsse damit gemeint seien, konnte sie mir auch nicht sagen. Bei ähnlichen Anlässen antwortet man jetzt in Wien: ›An' båchenen Leberschas‹.

G'räth's, dan git's 'n Peif, verderbts, dân git's 'n Farz. Nassau

G'redt und gschissn is bald a Haufn!

G'röst se wie en Pfau. (Rösta, rüsta, g'röst, g'rüst = zurecht machen, reparieren, ausrüsten, in Stand stellen. Schö gröst = schön gekleidet)

G'sagt is 's laichta ols don. Niederösterreich

G'sâlza Brût (Brot) macht Wanga rût.

G'scheh ist g'scheh, was brochen ist, wird nümme ganz. Luzern

G'schenkt, g'schenkt, nimma ge'm (geben); g'funden, g'funden, wida ge'm; g'schold'n, g'schold'n, aufg'hengt. Niederösterreich

G'schida Lüüta (Leute) n'isch guat brediga. Bern

G'schidi Hüner legid au i d' Nessle. Luzern

G'schisse is nit gemolt, gerischert (Schuhe geflickt) nit g'solt. Schwaben
la] Cacatum non est pictum.

G'schliffni Wort und e schlähti Meinig sind hunderttusigbeinig.

G'setzt isch nit g'säjet und g'schnitte-n-isch nit g'mäjet. Solothurn
i] Jede Feldarbeit will besonders gelernt sein.

G'stohlen is bald 'was. Wien
i] Ein Fehler ist schnell geschehen.

G'sundheit und e ruehigs G'wisse ist der grösst Reichtum. Luzern
bm] Zdraví od srdce, a nemoc k srdci.

G'wogn und gemass'n ît ball gefrass'n. Franken (Das Zugewogene und Zugemessene, im Gegensatz zum Selbsterzeugten und darum reichlicher Vorhandenen, ist bald verzehrt)

G'wonat (Gewohnheit) is en eisene Pfaed, wer's auszuiht, thuet si laed.

G'wünscht's Korn geit (gibt) ke Mahl. Franken

Gä (geben), gä, nimmer gä, g'funden, g'funden, wieder gä.

Ga an'n Galgen.

Ga hen na Hörsten, un leer 't beden. Ostfriesland

Ga hen na Hostrup und lât di de Dös utschnîden. Schleswig

Ga hen un floit de Aanten wat vör. (Um jemanden abzufertigen)

Ga hen un föhl de Hühner, of se'n Ei hebbt, un danz mit de Hahn.

Ga hen un giff de Katt 'n bäten Heu. (Um jemanden zu entfernen)

Ga hen un luse (lause) di in de Legte (Niederung), dann hest du kên Not, dat up de Höchde di de Lü seht.

Ga hen un lûse die in de Legde (Niederung), dann hest du kên Nôt, dat up de Hôgde (Höhe) di de Lü(de) sêt. Ostfriesland

Ga hen un schum Butte.

Ga hen und leere dat Weven, dann kannst du 'n Amt. Ostfriesland

Ga hen, föhl de Höner, of se 'n Ei heft, un danz' mit de Hân! Ostfriesland

Ga na 'me Balken (Boden) un drêif Muise oppen Pin (Pflock). (In der Grafschaft Mark als Antwort auf die Frage der Kinder: Bat sa 'k (sal ik) daun? (Was soll ich thun?)

Ga na Blautwêrnsât. (Ein Auftrag, der am 1. April neckweise erteilt wird)

Ga na Hostrup un lat di den Däs utschnîen.
i] Dös = Taumel, Schwindel, Verwirrung, Dusel, Betäubung, daher auch Schlemmerei. Die schleswigschen Dörfer haben mehr wie anderwärts eine bestimmte Physiognomie, bestimmte Sprichwörter, die nur von dem einzelnen gelten, bestimmte Spitznamen, die sich auf Eulenspiegeleien und Tatsachen gründen. In Hostrup gibt es nach dem Volkswitz eine eigene Scheuer, in die alle Dummheiten kommen. Das Ausschneiden mag freilich seine Schwierigkeiten haben. Schwabenstreiche sind überall zu Hause. Eine gute Anzahl lustiger Streiche dichtet der Volksmund auch den Kussauern bei Plön, den Neuenkirchnern an der Elbmündung, den Kisdorfern bei Bramstedt, den Fockbeckern bei Rendsburg, den Bishorstern in der Haseldorfer Marsch und vor allen den Büsumern an.

Ga na Hûs un gröt Möm.

Ga na Hûs, un segg, dat du da (hier) west büst.
i] Beide Redensarten werden gebraucht, jemand scherzhaft ab- und von sich zu weisen.

Ga na Nöttens un lehr 't Gosewaren.
i] Gehe nach Nöttens (eine aus zwei Häusern bestehende Ortschaft im Kirchspiel Wittmund, Bezirk Aurich, Amt Harlingen) und lerne das Gänsehüten.

Gä na Nöttens un ler(e) dat Gôsewâren. Ostfriesland
hdt] Gehe nach Nöttens (ein Ort nahe bei Wittmund, Amt Aurich, Hannover) und lerne das Gänsehüten.

Ga so mote dy de Bodel (Büttel) bewaren (slan).

Ga'n mott't (gehen muss es), wenn et nich will, lat ik 'ne Krücke machen, sagte das Mädchen, da hatte es ein Kind mit nur einem Bein bekommen.

Gab es Gewitter am Georgitag (23.4.), so folgt gewiss noch Kälte nach.

Gab es jemals eine Herrschaft, die denen, die sie besaßen, nicht natürlich erschien? John Stuart Mill, Hörigkeit der Frau

Gäb es keine Wölf' im Wald und keinen Teufel in der Hölle, Hirten und Pfaffen wären längst verhungert.
bm] Kdy by čertův v pekle a vlkův v lese nebylo, dávno by knĕží a pastuchové hladem zemřeli.

Gab macht gunst.

Gab macht taub, macht Glaub, den Richter blend, das Kind stille, das Weib willig (den Tagelöhner hurtig), den Narren frölich, den Weisen munder, die Pfaffen andechtig, den Feind zum Freund.
fr] Les dons rompent les rochers.
fr] Si don qu'on prent lient la gent.
ho] Giften en gaven breken zelfs de steen rotsen.
la] Munera, crede mihi, placant hominesque, Deosque, placatur donis Jupiter ipse datis.

Gab mir 1786 unsägliche Mühe, bei anderen an meiner Überzeugung: dem Menschen dürfe der Zwischenknochen nicht abgesprochen werden, Teilnahme zu erregen. Die Wichtigkeit dieser Behauptung wollten selbst sehr gute Köpfe nicht einsehen, die Richtigkeit leugneten die besten Beobachter, und ich mußte, wie in so vielen anderen Dingen, im stillen meinen Weg für mich fortgehen.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Erläuterung zu dem aphoristischen Aufsatz Die Natur

Gäb Mutterbrust a Bier wie dieses hier, so fein, möcht' ich mei Lebtag nur a Säuglein sein.

Gab um gab ist nicht dankenswert.

Gab und verehrung betören auch die Weisen.

Gab verschmähet unter tausent nit einer.

Gäb' es keine Kinder, wer würde die Nacht Geschrei im Hause machen.
bm] Kdyby nebylo dĕtcův, nebylo by pláčův.

Gäb's keine Augen und keine Brauen, gäb' es weder Sünde noch Lieb' zu den Frauen.

Gäb's nur keinen Wein
Und keine Weibertränen!
Goethe, Stoßseufzer

Gäb's schwarze Flecken überall, wo der Teufel hat gesessen, es sähen manche Kirchen aus wie Schmiedeessen.

Gäb's so viel Gold als Stein, so würd' es nicht so teuer sein.

Gäbe es auch immer Raum für Spaß. Estland

Gäbe es das Ungerechte nicht, so kennte man den Begriff der Gerechtigkeit nicht. Heraklid, Fragmente

Gäbe es ein Volk von Göttern, so würde es sich demokratisch regieren. Eine so vollkommene Regierung passt für Menschen nicht.
Gäbe es im Denken schon Widersacher und nicht bloße Gegner, dann stünde es um die Sache des Denkens günstiger.
Martin Heidegger

Gäbe es endlose Gewebe und halslose Schafe, so könnte ein Mädchen heiraten.

Gäbe es Gutes in den Negern, so wären ihre Gesichter nicht (schwarz wie) Eisen. Maurisch

Gäbe es kein Gesetz, so würden die Menschen einander fressen. Libanon

Gäbe es kein Gold und keine Frauen, so gäbe es keine Verdammung. England

Gäbe es kein Seufzen in der Welt, so würde die Welt ersticken. Kreolisch

Gäbe es keine Armut, so schiene die Sonne nicht. Serbien

Gäbe es keine Elefanten im Dschungel, so wäre der Büffel ein Riese. Senegal

Gäbe es keine Gesetze, so wäre kein Eigentum sicher.

Gäbe es keine Hehler, so gäbe es keine Diebe. USA

Gäbe es keine Kinder, so gäbe es keine Tränen. Tschechien

Gäbe es keine Narren, so gäbe es keine Weisen.
mhd] Die wîsen möhten niht genesen soltens âne toren wesen.

Gäbe es keine Schafe, gäbe es auch keine Wölfe.

Gäbe es keine schlechten Menschen, so gäbe es keine guten Juristen. England

Gäbe es keine Toren, so achtete man der klugen Leute nicht.
dä] Hvis daaren ei øvede sin daarskab, blev de viises klogskab ei bekiendt.

Gäbe es keine Tränen, würden die Rippen verbrennen.

Gäbe es keine Träume und Illusionen, so würde des armen Mannes Seele ihn verlassen. Türkei

Gäbe es keine Weiber und keinen Wind, so wären weder schlecht Wetter noch schlecht Gesind.

Gäbe es keine Zigaretteninserate, würden die Zeitungen hundertmal mehr über die Gefahren des Tabaks berichten.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin!

Gäbe es keinen Bruch, so wäre kein Töpferhandwerk. (Auch das Unglück hat sein Gutes)

Gäbe es keinen Fehltritt, so gäbe es auch keine Verzeihung. Ägypten

Gäbe es keinen Gott, so müsste man ihn erfinden.
Voltaire

Gäbe es keinen Wind und keine Frauenzimmer, dann bliebe der Himmel immer heiter.

Gäbe es nicht solche, die etwas leisten, hätten viele nichts zu lästern.
Emil Baschnonga

Gäbe es noch keine frivolen Männer, so würden sie nicht ruhen noch rasten, bis sie deren herangebildet hätten, denn unsere Leichtfertigkeit ist in weit höherem Maße das Werk der Frauen als umgekehrt. Rousseau, Emile

Gäbe es sieben andere Frauen, dann gäbe es sieben andere Männer.

Gäbe es Sonne, so hätte es schon gestern welche gegeben. Jemen (Wenn jemand keinen Freier finden kann)

Gabe macht Gunst.

Gabe oder Kauf wandelt nicht das Gut, sondern die Herrschaft. [RSpW] (Ein zins- und zehentpflichtiges oder mit Reallasten behaftetes Gut kann seinen Besitzer wechseln, seine Lasten bleiben)
mhd] Die gabe oder kouff wandilt nicht dat gut, sunder is wandilt di herrschaft.

Gabe um Gabe ist nicht dankenswert.

Gabe und Verehrung betört auch den Weisen.

Gabe will Gegengabe.

Gabel und Griff gehören zusammen.
ho] De gaffel blijft bij den greep.

Gabeln sind nicht alle zweyzinckig.

Gabelstiche sind schlimm, sie machen drei Löcher.
fr] A deux coups quatre pertuis (trous, plaies).

Gäben alle Küsse Flecken, wären alle Mädchen Schecken.

Gaben brechen Felsen. Spanien

Gaben haben Sporn zur Arbeit und Treue.

Gaben machen kein Christen, sondern der glaub.

Gaben machen taub und Glaub'.

Gaben macht der Wille gut.
ho] Al is de gift klein, ze komt uit een goed hart.

Gaben sind wie der Geber.

Gaben soll man nicht allezeit aussschlagen.

Gaben sollst du nicht allweg loben.
mhd] Swie grôz denne sîn gâbe si, der milte ist niht lobes bi.

Gaben und Almosen machen kein reichen arm.

Gaben und Geschenke behagen jedermann.

Gaben und Opfer ehren Gott nicht, und Tempelschmuck schmückt ihn nicht. Aber eine göttliche Gesinnung vereiniget uns innig mit ihm; denn gleich und gleich gesellt sich gern. Claudius, Wandsbecker Bote: Geburt und Wiedergeburt

Gaben verblenden weiser Leute Augen.
i] Von der Biegung des Rechts durch Geschenke an die, welche es pflegen sollen.
ho] Ghiften verblijnden der wyser lude oghen.

Gaben vom Feind sind selten gut gemeint.
fr] Don d'ennemy c'est mal encontre, chastoi d'ami c'est bonne encontre.

Gaben werden gegeben, dem der hat.

Gaben, die ein Armer einem Reichen gibt, ist Bettelei.
z] Dann er wirfft ein Bratwurst nach einer Seiten Speck.

Gaben, die einmahl gegeben, soll man nicht widerumb fordern.

Gabst mit die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen.
Goethe, Faust, I, 14 (Faust)

Gackere du, die Hühner legen die Eier.
i] Spottweise von einem leeren Schwätzer.

Gackern kann jeder, aber Eier legen nicht.
sp] Cacarear, y no poner huevo.

Gackern, die langweilige Vorrede zu den Eiern.
Heinrich Heine

Gackert dö Henn', dou (da) kriegt sö kenn, gackert der Hohn, dou krîgt sö en Mohn.
i] Dies an der böhmisch-sächsischen Grenze übliche Sprichwort sagt, dass ein Mädchen, welches am Weihnachtsabend die schlafenden Hühner stört, dann, wenn der Hahn aufschreie, einen Witwer, wenn aber zuerst eine Henne gackere, einen jungen Burschen heiraten werde.

Gad Bohna (Bohnen) seh. Appenzell (Von sehr kleinen Menschen)

Gäf dem Mil (Maul), ed ässt. Siebenbürgen/Sachsen

Gaffe jemand gegen einen Backofen.
ndt] Gâbi jens töögen en Baakaun. Sylt

Gah hen, un melck de Höner (de Gös). (Derbe Abweisung für jemand, der Unnützes tut)

Gah ligge (liegen), gah ligge. De Schwien ön dinem Oeller liggn all lang, on de Hehner sönd ock schon up de Sett. Dönhofstädt
i] Zu einem Kinde, das nicht zu Bett will.

Gah na Blexen un lehr't hexen. (Ort in Ostfriesland. Eine Erinnerung an die Hexenzeit, wie sich deren in der Volkssprache noch mehrere finden)

Gah na Rominte, Zigga opschwänze (Zäge hede).
i] Gewöhnlich als Abfertigung eines Anmaßenden, Vorlauten u.s.w. Sonst gehört Rominten, Dorf im Goldaper Kreise (Regierungsbezirk Gambinnen) zu den Punkten, wohin man alte Jungfern verweist; namentlich solche, welche ihres hoffärtigen Wesens wegen unverheiratet geblieben sind. Der Volksglaube hat ihnen besondere Aufenthaltsorte angewiesen, wo sie nach ihrem Tode wohnen müssen und nicht selten auch schwierige Aufgaben lösen, widerwärtige Geschäfte besorgen müssen. In Ostpreussen ist ihnen das Dorf Rominten für diesen Zweck bestimmt; ferner die Zählau, ein bei Friedland gelegener großer Bruch, sowie der Speicher im Vorwerk Markhausen zwischen Heilsberg und Landsberg. Denen, die, wenn Überfüllung eingetreten ist, hier nicht Platz finden, ist ein Unterkommen im Speicher zu Kanothen bei Gerdauen oder im Walde Lauenberg, zwischen Hermsdorf und Zinten, gesichert. In diesem Walde müßen sie in Gemeinschaft mit alten Junggesellen Ziegen hüten, während sie in Rominten die Ziegen bloß aufschwänzen dürfen. Das Dorf ist nämlich wegen seiner niedrigen Lage so schmutzig, dass sich die Ziegen sonst den kurzen Schwanz beschmutzen würden.

Gähe reich würt niemand on sünd.

Gahn (geben) ist salger as Nahma, sagte der Bauer, als er dem Schulzen eine Ohrfeige gab.

Gahn (geben) und kê Ende. Oberlausitz

Gähnen ist eine ansteckende Krankheit.

Gähnen und Unsinn stecken in Gesellschaft an.

Gähzornig leut seind trew leut.

Gaimetzer macht auch seinen Nächsten (o. Nachbar) gaimetzen. (Gamatzen = gähnen. Gaumetzen = das Maul aufreißen. - Das böse Beispiel ist ansteckend)

Gäl i ha rächt gha, as i gange bi? hät de Schnîder zu sim Kamerad g'seit, wo se ne use gheit händ.
hdt] Gelt, ich habe recht getan, dass ich gegangen bin, sagte der Schneider zu seinem Kameraden, als sie ihn hinausgeworfen hatten.

Galant wie ein Franzose.

Galante Frauen leiden darunter, dass sie selbst von sich und alle Menschen von ihnen denk sie verfehlen ihr Leben.
Stendhal, Über die Liebe (Fragmente)

Galanterie kostet nichts und bringt alles, und sie ist die Bedingung für allen erotischen Genuss. Galanterie ist die Freimaurerei der Sinnlichkeit und der Wollust zwischen Mann und Wein. Sie ist eine Natursprache wie die Sprache der Liebe überhaupt.
Søren Kierkegaard, Stadien auf dem Lebensweg

Galanterie und Aufmerksamkeiten gelten bei ihnen mehr als Liebe.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Saint-Preux)

Galenist und Theophrast sind nicht für des Herzens Prast. (Entgegengesetzte Ärzte oder Heilmethoden)

Galenus macht die Seinen reich. (Nicht alle, es gibt auch viel arme Ärzte)

Galgen und Orden werden oft auf demselben Wege erworben. (Da die letzteren um die Zeit zu entstehen beginnen, in welche die Abschaffung der erstern fällt, könnte man glauben, sie wären an die Stelle derselben getreten)
la] Ille crucem sceleris pretium tulit, hic diadema. Juvenal

Galgen zerstört, Diebstahl gemehrt.
z] In Deutschland hat man den Galgen, soviel bekannt, überall abgeschafft, seit welcher Zeit freilich dies genannte Sprichwort sich als wahr genug erwiesen.

Galgen, behalte dein Recht, sagte jener lose Dieb, da er ins Wasser fiel.
ndt] Galgen, wahr dien Recht, sä de Deef, dor weer he in't Water fullen.

Galgenfrist heißt auch gelebt.
Jüdisch-deutsch] Chaje Schû heißt auch gelebt.

Galgenreu hat die wehre nit. (Ist nicht von Dauer)
ho] Galgenberouw is een arm beschut.

Galgenreu' geht nicht von Herzen.

Galgenreue in der Marterwochen. (Auch Huren-, Mönchs- oder Wolfsreu)

Galienus gibt Reichtum, Iustinian verleiht Ehren:
der arme Aristoteles bleibt stets Fußgänger.
la] Dat Galenus opes, dat Iustinianus honores:
pauper Aristoteles cogitur ire pedes.

Galilei, Galileo] Er führte die Naturlehre wieder in den Menschen zurück und zeigte schon in früher Jugend, dass dem Genie ein Fall für tausend gelte, indem er sich aus schwingenden Kirchenlampen die Lehre des Pendels und des Falles der Körper entwickelte.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 5. Abt. - Galilei

Gall, Franz Joseph] Galls Vortrag durfte man wohl als den Gipfel vergleichender Anatomie anerkennen, denn ob er gleich seine Lehre von dorther nicht ableitete und mehr von außen nach innen verfuhr, auch sich mehr eine Belehrung als eine Ableitung zum Zweck vorzusetzen schien: so stand doch alles mit dem Rückenmark in solchem Bezug, dass dem Geist vollkommene Freiheit blieb, sich nach seiner Art diese Geheimnisse auszulegen.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1805

Galle bleibt Galle, wenn man sie auch mit Honig bestreicht.
mhd] Diu galle was ie bitter doch swaz man honiges dar ûf streich.

Galle im Leibe haben.

Galle im Munde, Honig im Herzen. (Er meint es besser, als er spricht)

Galle kommt der Dreck alle. Sachsen

Galle machen. (Aufwand, Staat)

Galles schaff hämm (heim) alles. (Es ist jetzt Zeit zur völligen Einbringung der Feldfrüchte)

Gallien im weiteren Sinne zerfällt in drei Teile: den einen bewohnen die Belgier, den zweiten die Aquitanier, den dritten die Völkerschaften, welche in ihrer eigenen Sprache Kelten, in der unsrigen Gallier heißen.
la] Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam, qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.
Caesar, De bello Gallico 1

Gallimathias reden oder schreiben.
i] Verworrenes Zeug. Die Redensart wird von einem französischen Advokaten hergeleitet, der in einem Prozesse, den ein französischer Bauer Namens Matthias wegen eines Hahnes (Gallus) führte, im Eifer der Verteidigung, die in lateinischer Sprache geführt wurde, wiederholentlich den Gallus Matthiae mit Galli Matthias verwechselt haben soll.

Galliwein (16.10.) - Sauerwein, Galliwein - Bauerwein.

Galls Vortrag durfte man wohl als den Gipfel vergleichender Anatomie anerkennen, denn ob er gleich seine Lehre von dorther nicht ableitete und mehr von außen nach innen verfuhr, auch sich mehr eine Belehrung als eine Ableitung zum Zweck vorzusetzen schien: so stand doch alles mit dem Rückenmark in solchem Bezug, dass dem Geist vollkommene Freiheit blieb, sich nach seiner Art diese Geheimnisse auszulegen.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1805

Galluskorn und Urbanhafer, was daraus wird, magst später sagen. Tschechien

Galoppiere nicht den Hügel abwärts! USA

Gält ein Batzen jeder Streich, wir wären noch einmal so reich.

Gan Luo genoß mit zwölf die Gunst des Staates Qin. Jiang Taigong bezog mit achtzig das Gehalt der Zhou. (Gan Luo lebte im 3. Jh. v. Chr., erfüllte bereits als Zwölfjähriger wichtige diplomatische Aufträge des Reiches Qin in anderen Fürstentümern. Jiang Taigong (etwas 11. Jh. v. Chr.) wurde noch im Alter von achtzig Jahren vom König Wen-wang der Zhou-Dynastie zum Minister ernannt)

Ganckerleganck spielen und durch das hanfene Fenster sehen sollen.

Gand (gehe) in aller Säue Namen, so frisst dich kein Jud'.

Gang (gehe) mir die Gasse hinab. Nürtingen (Lass mich ungeschoren)

Gang äckesch un frôg (frag), de wälsche Frau begähnt dêr nit. Köln

Gang Band haue. (Er kann Band hauen gehen, d.i. er ist verarmt und mag sich mit Hauen von Widen und Weiden sein Brot erwerben)

Gang du den engen Weg.

Gang lieber zum Doktor als zum Dokterle.

Gang mer net über mein Aeckerle. Ulm

Gang mir da hinten herum. Nürtingen

Gang mir vom Stand. Nürtingen (Marktbude, um zu sagen: Scher' dich fort)

Gang mitten hindurch, so betrübstu am Ort nichts.

Gang zum Schinder an der Done (Donau). Ulm

Ganggelöriwasser und Süssholzsaft gibt alten Jungfern neue Kraft. Gegend am Tunersee

Gangk (geh) on kôp (kaufe) dek Petterzelge (Petersilie), dan kanste din Wâter god mâken, sied de Elberfeller. Plettenberg in der Grafschaft Mark

Gangster sind Vollidioten, die davon profitieren, dass wir über sie Filme machen.
John Cassavetes

Gank (geh), de wälsche Frau begähnt dêr nit. Köln

Gank, Rôss, oder de hâst Farr sele würden. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Geh, Ross, oder du hättest Pfarrer sollen werden.

Gannev min Haggannev lacht unser Harjet. Jüdisch-deutsch
hdt] Wenn ein Dieb vom anderen stiehlt, lacht unser Herrgott.

Gans herüber, Gans hinüber.

Gans richtig, sêd Johann Ernst, un smêt den Prêster in Graben. Holstein
i] Spott über gewisse Lebensunfälle, hier der Prediger, den sein Bauer in den Graben warf.

Gans übern Rhein, Ganss wieder heim.

Gans, Gänslein und Gänserich sind drei Namen, aber ein Ding. England

Gänse am Walpern-(Walpurgis-)Tag ausgebrütet, geraten nicht.

Gänse auf der Weide halten. (Mit Hoffnungen speisen)

Gänse bezahlen mit dem Kopf. [RSpW] (Handelt vom Pfändungsrecht, das die Befugnis enthält, bewegliche Sachen eines anderen teils als Beweismittel für behauptete Rechtsverletzung, teils zur Deckung des etwaigen Schadens wegzunehmen)

Gänse bringen den Reif davon, Schwäne den Schnee, Kraniche das schlechte Wetter.

Gänse ducken sich, wann sie unter einem Tor durchgehen, denn sie sorgen, sie möchten mit dem Kopff oben anstoßen.

Gänse haben kein Recht. [RSpW]
i] Zu den Tieren, gegen die ein sehr strenges Pfändungsrecht bestand, gehören die Gänse, wie davon eine Anzahl Sprichwörter Zeugnis geben.
z] Gänse haben kein Recht, als nur, so weit sie mit ihrem Halse zwischen zwei Planken sich durchzwingen können.
z] Eine Gans hat im Felde nicht länger Recht ihre Nahrung zu suchen, als von der einen Bohne zur anderen (d.h. in der Zeit von der Einerntung der Bohnen bis zur Aussaat derselben), werden sie außerhalb dieses Zeitraums auf dem Felde getroffen, dann soll es dem Eigentümer ein- oder zweimal gesagt werden, werden sie auch dann getroffen, so mag man sie totschlagen.
mhd] Ganse haben goin recht.

Gänse mästet man im finstern Käfig.
z] Die Genss werden in einem finstern Käfig gemästet und wol gespeisset, damit man jn zu S. Martinstag kragab mache.

Gänse und Völker werden gerupft.

Gänse und Weiber hören nicht auf zu schnattern und wenn man sie zu Tode füttert.
ho] Men kan der ganzen en der wijven nooit zoveel geven, dat ze zwijgen.

Gänse wollen immerdar trincken.

Gänse, Enten, Hühner auf jemands Gras haben keinen Frieden.
z] Gehen Gänse ins Korn, so schlägt man sie tot, macht einen Galgen auf das Land und hängt sie daran, darob ergeht kein Gericht. Westfälische Geschichte, Lemgo 1755-1801
mhd] Gans, enden ende hoen deren op iemant gras en hebben genen vrede.

Gänsefedern fürchten ja kein Wasser.

Gänsefüßchen benutzen zweierlei Arten von Schriftstellern: die ängstlichen und die ohne Talent. Erstere erschrecken vor der eigenen Courage und Originalität, die zweiten, die irgendein Wort in Gänsefüßchen setzen, wollen damit sagen: Sieh mal, Leser, was für ein originelles, kühnes und neues Wort ich gefunden habe!
Anton P. Tschechow, Briefe, 20. Okt. 1888

Gänsekiele stürzen weder Bänk' noch Stühle.
z] Ein Gänsekiel macht kein Halloh bei uns. Ostdeutschland, Glocke und Kanone, Königsberg 1842

Gänsemist und Ziegenmist lassen den Bauer wie er ist. (Sind ihm von keinem Nutzen)

Gänsewein trinken.
i] Nämlich Wasser, wofür man im Elsass für Wasser die Namen: Gänswi, Gänswîn, Gansläwi, Gänsschnaps, Gänsebrenz, Wackelsteinreps, Wasslemer Wîn oder blos Wasslemer hat. Auch die Dänen haben die scherzhafte Bezeichnung des Wassers mit 'gaasevin'.
ho] Het is witte wijn uit jufvrouw Eénarm. (Das ist weißer Wein von Jungfrau Einarm (nämlich aus der Pumpe)).

Ganz abgesehen von den Tausenden, die in der Fremde hungerten, oft verhungerten, sogar bei den materiell relativ Gesicherten blieben die lebenstechnischen Probleme von quälender Kompliziertheit, wozu der psychologische Druck, die seelische Spannung kam.
Klaus Mann, Der Wendepunkt

Ganz abgesehen von unsern eignen Produktionen, stehen wir schon durch das Aufnehmen und völlige Aneignen des Fremden auf einer sehr hohen Stufe der Bildung.
Goethe, Fürst Puckler, 15.9.1826

Ganz allgemein gilt, dass nur der Mensch gierig ist, der unbefriedigt ist. Die Gier ist immer das Ergebnis tiefer Enttäuschung. Ob es um die Gier nach Macht, nach Essen oder etwas anderem geht, die Gier ist immer das Ergebnis einer inneren Leere.
Erich Fromm, Von der Kunst des Zuhörens

Ganz anders aber ist es bei der Deklamation oder gesteigerten Rezitation. Hier muss ich meinen angebotenen Charakter verlassen, mein Naturell verleugnen und mich ganz in die Lage und Stimmung desjenigen versetzen, dessen Rolle ich deklamiere. Die Worte, welche ich ausspreche, müssen mit Energie und dem lebendigsten Ausdruck hervorgebracht werden, so dass ich jede leidenschaftliche Regung als wirklich gegenwärtig mitzuempfinden scheine.
Goethe, Schriften zur Literatur - Regeln für Schauspieler § 20

Ganz anders arbeitet man aus Grundsätzen als aus Instinkt, und eine Abweichung, von deren Notwendigkeit man überzeugt ist, kann nicht zum Fehler werden.
Goethe, An Schiller, 30.12.1797

Ganz aufgehen in der Familie heißt ganz untergehen.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

ganz aus dem Häuschen sein
en] to be beside o. s. - to be all agog (o. in great taking)
fr] être hors de ses gonds (o. dans tous ses états)
it] essere fuori dei gangheri

Ganz außer Adam sein. (Atemlos, Wortwitzelei, auf die Lautähnlichkeit zwischen Adam, Odem und Atem)

Ganz bekannt, halb gebüßt.
fr] Péché avoué est à demi (o. à moitié) pardonné. (Eingestandene Sünde ist halb verziehen)

Ganz besonders hüte man sich, durch sein Gespräch die eigenen sittlichen Schwächen zu enthüllen, was gewöhnlich dann geschieht, wenn man geflissentlich von Abwesenden, um sie herunterzusetzen oder lächerlich zu machen, redet, oder lieblos von ihnen urteilt, sie verleumdet oder beschimpft. Cicero, Drei Bücher von den Pflichten

Ganz dumm is hä ne, blot drî Vörtel.

Ganz ehrlich meint jeder es am Ende doch nur mit sich selbst und höchstens mit seinem Kinde. Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

Ganz eigen ists mit mythologischer Frau:
Der Dichter bringt sie, wie ers braucht zur Schau,
Nie wird sie mündig, wird nicht alt,
Stets appetitlicher Gestalt,
Wird jung entführt, im Alter noch umfreit...
Goethe, Faust II A II, Am untern Peneios
Chiron Vs 7428f.

Ganz elend bin ich, wen es jammert, der tröste mich.

Ganz elend ist keiner trotz üblen Siechtums:
Den einen beseligt ein Sohn,
Den zweiten Verwandtschaft, sein Wohlstand den dritten,
Den vierten ein würdiges Werk. Edda I. Götterlieder 11. Die Sprüche Hars (Havamal)

Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit: denn nur wann man allein ist, ist man frei. Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, Paränesen und Maximen

Ganz freudlos geht kein Mensch durch diese Welt,
Wie wenige dauernd glücklich auch zu preisen.
Selbst wer kein Erdenglück für möglch hält,
Hat seine Freude dran, dies zu beweisen. Bodenstedt, Nachlaß des Mirza Schaffy

Ganz gewiss hat es auf dieser Welt niemals Hexen und Hexenmeister gegeben, aber ebenso unleugbar haben zu allen Zeiten Leute an Betrüger geglaubt, die dasTalent besaßen, als Zauberer aufzutreten.
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Ganz gibt Glanz.

Ganz gleich ergeht's dem Guten wie dem Bösen!
Ein schwierig Rätsel, rätselhaft zu lösen.
Goethe, Festzug 18.12.1818 - Braut von Messina
Aurora

Ganz gleich wie hoch der Baum auch wächst, seine Blätter fallen doch nach unten zu seinen Füßen.

Ganz glücklich, in der Gegenwart, hat sich noch kein Mensch gefühlt; er wäre denn betrunken gewesen.
Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

Ganz in Vollkommenheit siehst du kein Ding erglänzen;
Warum? damit dein Geist hab etwas zu ergänzen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Ganz Israel war davon erschrocken.

Ganz klein war es hässlich wie ein Affe, aber niedlich in den Augen seiner Mutter.

Ganz leiss gebachen.
i] Wider die Kleiderpracht der Frauenzimmer.
z] Fraw Venus mit höflichen sachen ist gantz und gar zu leiss gebachen und ist aus seiden faden gespunnen.
z] Sie (eitle Frau) lond jn seidin kleider messen und hants in jm hauss zu fressen. Lasst auch dafür ein kittel machen und seind nit also leiss gebachen.

Ganz mählich nun die Menschen, wie sie sind, ich nehme,
Und ihre Taten still zu dulden mich bequeme. Molière, Le Misanthrope

Ganz nach seines Bildners Willen muss des Lehms Gestalt geraten:
Also formt sich auch sein Schicksal selbst jeder Mensch durch seine Taten.
Hitopadesa

Ganz nah an der Ferse begleitet die Not.
Goethe, Faust II A V, Mitternacht
Not Vs 11394

Ganz nahe daran steht die Neigung, aus der nicht selten Liebe sich entwickelt. Sie bezieht sich auf ein reines Verhältnis, das in allem der Liebe gleicht, nur nicht in der notwendigen Forderung einer fortgesetzten Gegenwart. Diese Neigung kann nach vielen Seiten gerichtet sein, sich auf manche Personen und Gegenstände beziehen, und sie ist es eigentlich, die den Menschen, wenn er sie sich zu erhalten weiß, in einer schönen Folge glücklich macht.
Goethe, Maximen und Reflexionen 389f.

Ganz ohne Anzug wird der Mensch sich fremd.

Ganz ohne körperliche Züchtigung eine gediegene Schulzucht aufrecht zu erhalten, ist wohl unmöglich. Pestalozzi, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt

Ganz ohne Mystik kommt man im christlichen Denken nicht leicht aus, und vollends ein wirklich lebendiges, tatkräftiges Christentum ist ohne einen erheblichen Beisatz davon nicht denkbar. Hilty, Glück

Ganz preussisch laufen.

Ganz recht, täglich einen Pfennig gibt jährlich einen Taler.
en] Right, master, right, four nobles a year a crown a quarter.
en] Right, Roger, your sow is good mutton.

Ganz richtig geschissen, Herr Dokter, man 'n beten to dünn. Pommern
i] Einem Klugscheißer zur Antwort.

Ganz richtig! sagte Johann Ernst und warf den Pastor in den Graben.

Ganz schlimm ist es, wenn man beim Abendmahl eine lädierte Oblate bekommt

Ganz tief innen steckt wohl in uns allen ein solches Gefühl ständigen Bedrohtseins...
Feuchtwanger, Die Ziegel von Les Milles

Ganz und gar
Bin ich ein armer Wicht.
Meine Träume sind nicht wahr,
Und meine Gedanken geraten nicht.
Goethe, Sprichwörtlich

Ganz und gar.
la] Purus putus. Plautus

Ganz unglücklich ist niemand, ist er gleich nicht gesund;
Einer hat an Söhnen Segen,
Einer an Freunden, einer an vielem Gut,
Einer an trefflichem Tun. Havamal

Ganz verdreht, wie da Wind es Lauba weht. Oberösterreich

Ganz vergebens strebst du daher, durch Schriften des Menschen
Schon entschiedenen Hang und seine Neigung zu wenden,
Aber bestärken kannst du ihn wohl in seiner Gesinnung,
Oder, wär er noch neu, in dieses ihn tauchen und jenes.
Goethe, Erste Epistel

Ganz wohl, mein Sohn, sagte die Bäuerin zum Schlosskaplan, der sie gefragt hatte: Wie geht's, Frau Eselsmutter.

Ganz Zaschendorf muss ersaufen, wenn in Weinböhla die Zapfen gezogen werden.
i] Nämlich die der Weinfässer. Man will damit den reichen Ertrag der Weinberge in und um Weinböhla, ein Dorf 11/2 Stunde östlich von Meißen, unfern der Leipzig-Dresdener Eisenbahn, bezeichnen, der sich in einem Jahre schon auf 1800 Fass belaufen hat. Zaschendorf liegt tiefer, zwischen Weinböhla und Meißen.

Ganze Beine sind besser als ein gemieteter Bauch.

Ganze drei Groschen machen mehr Lärm als ein großer Sack Geld.

Ganze Ochsen opfern.
i] Es geschah nur von sehr Reichen und von Königen, dass sie ganze Ochsen opferten. Große Kosten machen, sehr viel daran wagen.

Ganze Sachen sind immer einfach, wie die Wahrheit selbst. Nur die halben Sachen sind kompliziert.
Heimito von Doderer, Repertorium.

Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns zu vergelten. Christian Morgenstern, Lebensweisheit-Ethisches

Ganze, Halb- und Viertelsirrtümer sind gar schwer und mühsam zurechtzulegen, zu sichten und das Wahre daran dahin zu stellen, wohin es gehört.
Goethe, Maximen und Reflexionen 465

Ganzer Krieg ist besser als halber Friede. Russland
bm] Vojna slavná lepší než hanebný pokoj.

Gaoliang liebt im Herbst keinen Regen. (Gaoliang ist eine in Nordchina weit verbreitete Hirseart)

Gapp ens tegen (gegen) 'ne Backoffend, dan sist du, we de grützte Mull hat. Aachen
hdt] Gähne einmal (trotzend) dem Backofen gegenüber, dann wirst du sehen, wer das größte Maul hat.

Gär es net fär. Bedburg
hdt] Gern ist nicht fern.
la] Voluntario nil fit difficile.

Gar Fisch ist Fisch, gar Mann ist Mann, ins Kloster mit dem Pfaff.

Gar freundliche Gesellschaft leistet uns
Ein ferner Freund, wenn wir ihn glücklich wissen.
Goethe, Tasso A IV Sz 2
Leonore Vs 2448

Gar gekocht ist gesund.

Gar geneigt wären wir daher, das Erdbeben als entbundene tellurische Elektrizität, die Vulkane als erregtes Elementarfeuer anzusehen und solche mit den barometrischen Erscheinungen in Verhältnis zu denken. Hiemit aber trifft die Erfahrung nicht überein...
Goethe, Versuch einer Witterungslehre

Gar geschwind kommt oft ein anderer Wind.

Gar hübsch ists, auf seinem Pferde mit dem Mantelsäckchen wie auf einem Schiffe herumzukreuzen.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 2.12.1777

Gar in die Asche fallen.

Gar kein Heilmittel ist die Mitte in der Arzneikunde. China (Zwischen dem, das heilt, und dem, das tötet)

Gar leicht gehorcht man einem edlen Herrn,
Der überzeugt, indem er uns gebietet.
Goethe, Tasso A II Sz 5
Antonio Vs 1647

Gar lieblich ist es hochzuachten,
Was ruhmvoll die Ahnen einst vollbracht.
Fischart, Bündnuß v. Verain der Freien Stätt Zürich, Bern v. Straßburg (1588)

Gar lustig ist die Jägerei
Allhier auf grüner Heid'.
Der Jäger aus Kurpfalz, Volkslied

Gar manchen Schatz bewahrt von Jugend auf
Ein edles, gutes Herz und bildet ihn
Nur immer schöner, liebenswürdger aus
Zur holden Gottheit des geheimen Tempels...
Goethe, Natürliche Tochter A II Sz 1
Sekretär Vs 702

Gar manchen werden man die weiber mit list betrogen han.
la] Adam, Simsonem, Loth, Dauidem, Salomonem foemina decepit, quis modo tutus erit.

Gar mancher baut ein neues Haus, ists fertig, guckt ein Schelm heraus.

Gar mancher geht nach Myrten aus und bringt sich Nesseln nur ins Haus.

Gar mancher hat sich ernst beflissen,
Und hatte dennoch schlechten Lohn.
Es ist ganz eigen: wenn sie wissen,
So meinen sie, sie wüßten schon.
Goethe, Zahme Xenien VIII

Gar mancher ist der Weisheit nicht beflissen,
Der wahrlich anders würde sein, verstünd er
Den Ernst der Tat im strafenden Gewissen. Chamisso, Ein Baal Teschuba

Gar mancher kommt trotz vielem Lesen
Mit dem Verständnis in die Brüche.
Wohl hat er die Sprüche der Weisheit gelesen,
Doch nicht verstanden die Weisheit der Sprüche.
Bodenstedt, Aus dem Nachlasse des Mirza Schaffy

Gar mancher mich richt't, er denkt seiner nicht; gedächt' er sein, vergäß' er mein.
dä] Døm saaledes imellem andre, at andre ei skal dømme ilde om dig.
la] Qui me respicit et mea, se non respicit ille Et sua; dice ergo: '????t sea?t??' homo.

Gar mancher möchte ehrlich sein, trügs Gegenteil nicht viel mehr ein.

Gar mancher reimt ganz gut, doch ist sein Urteil töricht. Boileau, L'art poétique

Gar mancher schlau und sehr behänd, sich fügt in jedes Regiment.

Gar mancher wähnt sich im Himmel, dabei schwebt er nur über den Wolken.
Friedl Beutelrock

Gar mancher wissenschaftliche Versuch, der Natur irgendein Geheimnis abgewinnen zu wollen, kann für sich, teils auch durch Charlatanerie der Unternehmer, eine lächerliche Seite bieten, und man darf dem Komiker nicht verargen, wenn er im Vorbeigehen sich einen kleinen Seitenhieb erlaubt.
Goethe, Tag und Jahreshefte 1803

Gar manches Herz verschwebt im Allgemeinen,
Doch widmet sich das Edelste dem Einen.
Goethe, Urworte, Orphisch

Gar manches Unbequeme, ja Schädliche hat die Erscheinung von Gästen auf dem Theater, wir lehnten sie sonst möglich ab, wenn sie uns nicht Gelegenheit gaben, sie als neue Anregung und Steigerung unserer bleibenden Gesellschaft zu benutzen...
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1801

Gar nicht von sich reden, ist eine sehr vornehme Heuchelei. Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches

Gar nichts Neues sagt ihr mir!
Unvollkommen war ich ohne Zweifel.
Was ihr an mir tadelt, dumme Teufel,
Ich weiß es besser als ihr!
Goethe, Zahme Xenien V

Gar nichts verdirbt,
Der Leib nur stirbt;
Doch wird er auferstehen. Salomo Franck, Schweizer Gesangbuch

Gar oft bringt uns selbst, und anderen durch uns, ein augenblicklicher Anlass mehr Freude, als der entschiedenste Vorsatz nicht gewähren kann.
Goethe, Dichtung und Wahrheit I, 5

Gar oft dem böses widerfert, der sich zu böser gsellschafft kert.
la] Surgit origo mali, de turpi saepe sodali.

Gar oft den Armut widerfährt, der sein gut vnnützlich verzehrt.
la] Qui sua demergit, mendicus ad ostia pergit.

Gar oft der beste rat den schlimsten ausgang hat.
dä] Et glas god viin fordærves af en flue som falder deri.
dä] Godt raad kand spildes aflidet.

Gar oft entsteht Schlimmes durch schlimme Genossen. Altrömisch

Gar oft im Laufe des Lebens, mitten in der größten Sicherheit des Wandels bemerken wir auf einmal, dass wir in einem Irrtum befangen sind, dass wir uns für Personen, für Gegenstände einnehmen ließen, ein Verhältnis zu ihnen erträumten, das dem erwachten Auge sogleich verschwindet, und doch können wir uns nicht losreißen, eine Macht hält uns fest, die uns unbegreiflich scheint. Manchmal jedoch kommen wir zum völligen Bewußtsein und begreifen, dass ein Irrtum so gut als ein Wahres zur Tätigkeit bewegen und antreiben kann. Weil nun die Tat überall entscheidend ist, so kann aus einem tätigen Irrtum etwas Treffliches entstehen, weil die Wirkung jedes Getanen ins Unendliche reicht.
Goethe, Maximen und Reflexionen 67

Gar oft in Leid ist große Freud'.

Gar oft ist ohne Recht zerronnen,
Was ohne Recht man hat gewonnen. Freidank, Bescheidenheit

Gar oft sich zutrug, dass der klein den großen schlug.

Gar oft und dick wird es gespürt, dass der gast ist, wie der wirt.
la] Saepius est hospes talis, qualis suus hospes.

Gar schwär ein mensch zu dulden ist, des maul zusteht zu keiner frist.
la] Pondus ualde graue, uerbosum uas sine claue.

Gar selten tun wir uns selbst genug, desto tröstender ist es, anderen genug getan zu haben.
Goethe, Maximen und Reflexionen 406

Gar selten, wer was verschüttet hat, bringt das ganze wieder an sein Statt.
la] Res quae sparguntur, toto non saepe leguntur.

Gar töricht ist, wer auf die Zukunft baut. Racine, Les plaideurs

Gar viel erlebt man's -, mit der Andacht Mienen
Und frommem Wesen überzuckern wir
Den Teufel selbst.
Shakespeare, Hamlet

Gar viel fabulieren die Dichter.
Solon, Fragmente

Gar viele Dinge sind in dieser Welt,
Die man dem anderen gönnt und gerne teilt,
Jedoch es ist ein Schatz, den man allein
Dem Hochverdienten gerne gönnen mag,
Ein andrer, den man mit dem Höchstverdienten
Mit gutem Willen niemals teilen wird -
Und fragst du mich nach diesen beiden Schätzen:
Der Lorbeer ist es und die Gunst der Frauen.
Goethe, Tasso A III Sz 4
Antonio VS 2013f.

Gar viele Male weinten oft die Söhne
Durch ihres Vaters Schuld.
Dante, Paradies, VI, 109

Gar viele [Dilettanten] vergeuden hiedurch [dass sie etwas versuchen möchten, wozu ihnen Anlage von der Natur versagt ist], den schönsten Teil ihres Lebens und verfallen zuletzt in wundersamen Trübsinn.
Goethe, Tag- und Jahreshefte bis 1786

Gar vieles kann lange erfunden, entdeckt sein, und es wirkt nicht auf die Welt, es kann wirken und doch nicht bemerkt werden, wirken und nicht ins Allgemeine greifen. Deswegen jede Geschichte der Erfindung sich mit den wunderbarsten Rätseln herumschlägt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1081

Gar vieles kann, gar manches muss geschehn,
Was man mit Worten nicht bekennen darf.
Goethe, Die natürliche Tochter, I, 3 (König)

Gar vieles kann, gar vieles muss geschehn,
Was man mit Worten nicht bekennen darf.
Goethe, Natürliche Tochter A I Sz 3
König Vs 194

Gar vieles zu dulden verbindet ein einziges Jawort. Goethe, Hermann und Dorothea

Gar wenig man Tyrannen find't, die rechtes Tod's gestorben sind.

Gar wenig spinnt, wer viel grübelt und sinnt.

Gar wohl lassen sich aber nach meinen Ansichten von der Natur und ihren Gesetzen Planeten denken, aus welchen die höhen Monaden bereits ihren Abzug genommen, oder wo ihnen das Wort noch gar nicht vergönnt ist. Es gehört eine Konstellation dazu, die nicht alle Tage zu haben ist, dass das Wasser weicht und dass die Erde trocken wird.
Goethe, J. D. Falk, 25.1.1813

Gar zu gelehrig sein führt die Wachtel ins Netz. Russland
fr] Imprudence, babil, et sotte vanité, et vaine curiosité, ont ensemble étroit parentage, ce sont enfants tous d'un lignage.

Gar zu gemein, ist selten rein.

Gar zu gescheit ist doppelt närrisch.
it] Chi si battezza savio, s'intitolo pazzo.

Gar zu gesund ist ungesund.
dä] Alt for sundt er usundt.

Gar zu gut ist halb schlimm.

Gar zu gut ist liederlich.

Gar zu höflich ist grob.

Gar zu höflich ist halb bäuerisch.

Gar zu höflich sein, ist auch ein grobheit.
z] Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist. Goethe, Faust
fr] Trop de civilité engendre importunité.

Gar zu junge Eheleut und newe Amptleut haben einen bestand wie eine hohe Leinene Wand.

Gar zu keck geht (o. ist) nicht allezeit wohl.
la] Qui nimis est audax, saepe infeliciter audet.

Gar zu klug dient nirgends.
ndt] Ich hoa's mei Tage gehort, goar ze kluk is holb tumb. Schlesien

Gar zu scharf gesehen macht böse Augen.

Gar zu scharff macht schertig.

Gar zu sehr eingeheizt, zündet das Haus an.

Gar zu sparsam macht faule Katzen.

Gar zu streng ist Unrecht.

Gar zu viel wissen wollen, bringt den Fuchs um den Schwanz.

Gar zu wohl trauen reitet dir das Ross hin.
la] Nimia securitas facit negligentes.

Garaus macht böse Hosen.

Garaus, so wird ein voller Bruder draus.

Garauss ist gut Pfalgräfisch (pfalzgräflich).

Garde, hüte dich, nun kommt der Bauer.

Gardinenpredigt ist nachts.
ho] Zij heeft hem de gordijn-metten gelezen.
ho] Zij houdt eene gordijn-preek.
la] Uxores maritis multa, quamquam non omnia de deo, concionantur.

Gardrud (17.3.) snitt den rugen Hafer ut. Fehmarn

Garen un Dike maket keinen Minschen rike. Hannover
hdt] Gartenbau und Teichwirtschaft sind wenig einträglich.

Gares Essen taugt für jedermann. Estland

Garn stellen (o. richten) fängt keine Vögel, sondern zuziehen.

Garnegruss (Gernegroß) und Battelstulz wachsen bejde uf faulen Hulz.

Garsthass oder Stankfass bleib mir von der Nas'.

Garstig wie eine Spinne.

Garstige Juristen haben keine Conscientz. Luthers Tischreden

Garstige Weiber sind gute Haushälterinnen.

Garstiger Speck und garstige Butter gehören zusammen.

Gart', wende deinen Namen! (Also: Trag!)

Garten Eden = Paradies; besonders fruchtbares Gebiet

Garten muss man warten.

Gärten, die am meisten kosten, bringen das wenigste Gras.

Gartenblumen und Feldblumen sind zweierlei Dinge.

Gartenland - Wartenland.

Gartenwerk - Wartenwerk. (Wer den Nutzen haben oder das Vergnügen genießen will, welche die Gärten gewähren, der muss sich ihren Anbau und ihre Pflege angelegen sein lassen.

Gäs (Gäscht, Hefen) es de Bäcker. Meurs

Gassaten gehen. Franken (Vom Herumlungern der Kinder, auch wenn jemand planlos in der Stadt umhergeht)

Gassenengel, Hausteufel.
en] Street-angels, house-devils
fr] Femmes sont anges à l'eglise, diables à la maison.
it] Angelo di strada, diavolo di casa.
la] Domi leones, foris vulpes.
sp] En visita somos todos buenos.

Gast mag auf Gast wohl zeugen. (Von der Befähigung, ein Zeugnis abzulegen. Der Gast, d.h. hier der rechtlose Fremde, konnte ein Zeugnis in Sachen eines anderen Fremden ablegen, aber nicht auf einen angesessenen Mann. 'Dat gast vp gast wohl tugen mochte.'

Gast mag nicht mit Gast handeln. [RSpW] (Gast bezeichnet hier einen Fremden, der sich im Inlande aufhält. Mögen = vermögen. Nach dem Sprichwort, dessen Rechtsanschauung überwunden ist, durften Kaufmannsgüter auf Grund des Stapel- und Niederlagsrechts einer Stadt nur an Bürger und erst dann an Fremde verkauft werden, wenn sie einige Zeit gelegen haben)

Gast und Fisch bleiben kaum drei Tage frisch.

Gast und Fisch sind nach drei Tagen nicht mehr frisch.

Gast und Fisch stinken nach drei Tagen.

Gastarbeiter sind Patrioten auf Spezialisierung im Ausland.
Zarko Petan

Gäste im Haus und Mist auf dem Hof zehren alle Tage und manchmal recht groff.

Gäste kommen nur in ein glückliches Haus. Birma

Gäste mit milder Hand sehen die Diener gern.

Gäste mit Worten speisen.

Gäste soll man ehren.

Gäste sollen bei Tage kommen. Samoa-Inseln

Gäste sollen nit fürwitzig sein.

Gäste und Reiher sehen am schönsten aus, wenn sie sich erheben. Japan

Gäste, die nachmittags kommen, bleiben gern über Nacht. (Wenn man sagen will, dass Regen, der nachmittags beginnt, über Nacht anhalten oder von längerer Dauer sein werde)

Gäste, die Ungelegenheiten anrichten, muss man zur Hintertür hinausstoßen. (Wird mit Bezug auf belästigende Blähungen angewandt)

Gastereien sind der Ärzte Factoreien. ( Sonst hat man sie auch als künstlerische Versuche erklärt, seinen Freunden den Magen zu verderben)

Gastfrei Haus treibt den Wirt hinaus.
sp] Casa hospedada comida y denostada.

Gastfreundschaft besteht aus ein wenig Wärme, ein wenig Nahrung und großer Ruhe.
Emerson

Gastfreundschaft ist die Tugend des Sohnes und die Weisheit des Vorfahren. China

Gastfreundschaft und Medizin sollst du auf drei Tage beschränken.

Gastfreundschaft, du heilige Tugend, die im Jugendalter des Menschengeschlechts so gewöhnlich war und in unsern Tagen so selten geworden ist ...
Nikolai M. Karamsin, Reise durch Deutschland

Gastfreundschaft: eine Tugend, welche uns veranlaßt, bestimmten Personen Speisen zu geben und Obdach zu gewähren und die beides nicht nötig haben.
Bierce

Gasti macht fasti. Oberösterreich
hdt] Garstig macht feistig. (So wie Schlampas macht Wampas)

Gastierung und Fröhlichkeit, ein schönes Weib und ein schön Kleid, ein guter Freund und ein guter Wein sollen allezeit beieinander sein.

Gastung und Fröhlichkeit, ein schön Weib und schön Kleid, guter Freund und guter Wein sollen allzeit beieinander sein.

Gat (gib) em gute, hîrt oas doch nich.

Gät dem Vögeli au es Würmli.
i] Scherzweise zu einem, der pfeift. Gebt dem Vöglein doch auch ein Würmlein.

Gat gesießen äs half gießen. Siebenbürgen/Sachsen

Gät Harz (Herz), vil Schmärz.

Gat Ross fäincht em äm Schtal. Siebenbürgen/Sachsen
i] Meist mit Bezug auf erwachsene Mädchen, gebraucht, in dem Sinne: Ehrsame Mädchen laufen nicht auf der Gasse herum; oder liebenswürdige Mädchen werden auch zu Hause ihre Freier finden.

Gât schmieren, gât fuoren. Siebenbürgen/Sachsen

Gat wer et lang lieven (leben), wun det Âlder nit wêr.

Gata ock gude Woorte und asst deste winger. Schlesien
hdt] Gebt ihm gute Worte und esst desto weniger.

Gatschmakt (Gutschmack) mâcht de Hainjdre nakt.

Gatschmakt mâcht de Käinjder nakt.

Gätt (etwas) Neues erfreut et minschliche Hätz. Köln

Gau (rasche, schnelle) Lü(de) (Leute) lôpt sick dôt, loije (faule) Lü(de) dragt sick dôt.

Gau hädd den Hals gebroke. Kleve (Warnung vor zu großer Eile)

Gäuch aussbrüten.
z] Gäuch aussbrüten hatt ein sinn, daran ich selten vil gewinn, wann ich's schon spisst und briet sie auch, so fliegens doch zum alten gauch.

Gäuch fahen.
z] Es ist eyn besunderlicher list, geuch zu fohen syn gewiss, man foht ir glich vill mit blicken alss mit iagen, garn und stricken.

Gauch, tu es jm nach, dann red zu der sach.

Gäuche sitzen nicht gern hart.

Gäuche ziehen.

Gauchheil ist unter den kräutteren.
z] Geringe Leut trachten nach groß ehr und würde.

Gauchspeis ist umsunst, wenn sie nicht gekocht ist mit Gunst.

Gaude Frau un gaude Katt (o. 'ne gode Fru un 'ne gode Katt), (de) hollen dat Hus rein.

Gaudeamus igitur,
Juvenes dum sumus. (Freuen wir uns, solange wir jung sind.) Altes Studentenlied; teilweise einem Bußgesang aus dem Jahre 1257 entnommen. Jetzige Fassung von Christ. Wilh. Kindleben (1781)

Gaudeiw (Gaudieb) dau wat, freten un supen kostet wat. Hannover

Gauden Weg ümm het kên Krümm. Mecklenburg

Gaugerichtsbarkeit ist der Landleute freie Wahl.
i] Die Obrigkeit war unsern Altvordern 'ein lebendig ordnendes Recht, das Gesetz eine stumme Obrigkeit, das Gemeinwesen übertrug aber die Ausübung. Jeder Gau wählte sich seine Richter auf Lebenszeit oder bei frischer That für den einzelnen Fall.' Das obige Sprichwort ist aus Fiducius' Beiträgen zur Geschichte Berlins entlehnt, wo es lautet: 'Gogescop is der landlude frie kore.'

Gaukeln leyt am verschlahen.
z] Gaukeln ist, der leüte augen blenden, das sy mainen, sy sehen das, das sy nit sehen.

Gaukelnde Bilder eines geträumten, unbestimmten Glücks schweben, unter kapriziös gewählten Gestalten, uns vor, und wir suchen vergebens ihr Urbild. Daher sind wir in unseren Jünglingsjahren mit unserer Lage und unserer Umgebung, welche sie auch sei, meistens unzufrieden; weil wir ihr zuschreiben, was der Leerheft und Armseligkeit des menschlichen Lebens überall zukommt, und mit der wir jetzt die erste Bekanntschaft machen, nachdem wir ganz andere Dinge erwartet hatten. Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit

Gaukelwitz macht grob Conzen spitz.

Gaukler und Dichter
Sind gar nahe verwandt, suchen und finden sich gern.
Goethe, Venezianische Epigramme 47

Gaul als Gurr, Bub als Hur.

Gaul um gurre.
z] Für was gibt man was.

Gauner sein ist unbequem. Es ist leichter, ein anständiger Mensch zu werden.
Victor Hugo, Gauroche

Gäus un Frugens möt man schnattern låten.

Gausbrâd (Gänsebraten) schall de best sîn, un Swînsbrâd is 't.

Gaut, dat ik nischt dormit tau daun heff, sär de Fru, da harr sei dat Dörp tausåmen schladdert.

Gave (Gabe) de da blindt ist, macht krum, was recht ist. (Beklagenswerte Wirkung von Geschenken auf den Richter)
mhd] Der allir meist gibt in di hant, der machit von einem svanen ein raben.

Gayenhofer Arbeit machen. Schaffhausen (Beides bedeutet Abderitenstreiche, polkwitzer Stücke)

Gazetten müssen nicht geniert werden. Friedrich der Große

Ge grousser Lêd (Leid) äls wat me sich selv andêt. Aachen

Geangelt vierzehn Tag und einen Frosch gefangen. (Von undankbarer Arbeit, nutzloser Beschäftigung)

Gearbeitet wird mit Verstand (od. Nachdenken), nicht mit großer Kraft. Estland

Gearste (= Gerste) in de Aske, giet Geld in de Taske. Westfalen

Geb ichs dir, so mangelts mir, gib du mir, und mangelt dir.

Geb' Sie Acht, ich bin etwas kitzlig am Halse, sagte der Dieb zum Henker.
i] In Komorn in Ungarn wurde 1878 der Raubmörder Ign. Kellner hingerichtet. Der Scharfrichter wies der Oberstadthauptmannschaft von Pest ein Zeugniss über die durch ihn vollzogene Hinrichtung des Verurteilten vor, in dem es hieß: 'Die letzten Worte Kellners waren an den Scharfrichter gerichtet und lauteten: Geb' Sie Acht u.s.w.'

Gebackenes Brot wird gegessen, ein aufgezogenes Kind gefunden. Estland

Gebackner Dreck ist kein Fladen, sagte der Bauer zum Bäcker.

Gebahnter Weg ist sicher.
fr] Il n'y a rien de si sûr que le chemin battu.

Gebärden sind des Herzens Fenster.

Gebare jung, und tu' als ein Alter!
la] Mature fias senex, si diu velis esse senex. Cicero
la] Senilis uventa praematurae mortis est signum.

Gebären fällt (o. ist) den Frauen leichter als Schweigen.

Gebären ist ein schwierig Ding, aber gegen Schweigen ist's ein Kinderspiel. Russland

Gebarsch - nehmarsch. (Nach Agricola ist das Wort unter den Kindern gebräuchlich, welche aus Unbeständigkeit und Wankelmut einander bald etwas geben, bald wieder nehmen)

Gebe Gott einen schönen Tod, denn das tut uns am meisten not.
sp] Dios nos dé buena muerte, que ésa es la mejor suerte.

Gebe Gott nichts, so könt man ihm kein kertzen anzünden.

Gebe Gott, dass du jede Arbeit zu verrichten verstehst, aber hüte dich davor, alles zu machen.

Gebe Gott, dass er des jähen Todes sterbe.

Gebe Gott, dass ich den Weg in die Kirche gehe, nicht ins Gericht.

Gebe Gott, dass man anfange einzusehen, dass nur Rat und Mäßigung zum Baue führen kann; denn bauen, nicht stets einreißen, tut not. Adalbert Stifter, An Gustav Heckenast

Gebe Gott, was sie mir gönnen, allen Menschen, die mich kennen.

Gebe ich nicht, so gönne ich doch.

Gebe is nix deutsch bei ihm. (Für den Geizhals hat das Wort keinen Sinn)

Gebe oft, doch mit stillschweigen.

Gebe steht nicht in seinem Wörterbuch. (Vom Geizigen)

Gebe, o Jupiter, dass die Deutschen ihre Kräfte erkennen und ihren Fleiß auf höhere Dinge richten, dann werden sie nicht mehr Menschen, sondern Götter sein. Giordano Bruno, Abschiedsrede i. d. Universität Wittenberg, 1588

Gebeichte und versünte sünd ist keine sünd.

Gebeichtete Sünde verringert sich, denn sie wird zur Wahrheit. Indien

Gebeleute sind tot. Sauerland

Geben - sollte unser Vergnügen sein, doch Empfangen - unsere Schande.
Oliver Goldsmith, Der Weltbürger

Geben armet nicht.

Geben die Johanniswürmchen (24.6.) ungewöhnlich viel Licht, so ist schönes Wetter in Sicht.

Geben erwirbt geben.

Geben es nicht immer tut, abschlagen ist auch gut.
mhd] Swer milte und guot hât wil der lobelîchen leben, der sol ze rehter zîte geben, und sol ze rehter zit versagen: die müezen beidiu wohl behagen. (Wolf und Hund)
mhd] Wer kan behalten und geben ze reht, der solt iemer leben.
mhd] Wizzet, er ist ein saelic man, der rehte halten und geben kan.

Geben fängt zu Hause an.
Lido Anthony 'Lee' Iacocca, Mein amerikanischer Traum

Geben hat ein weit Loch.

Geben heißt, auf Wucher leihen.
dä] Hvo som giver, han aagrer, og givet er tit dyrt folgt.

Geben Holzäpfel keinen Most, so geben sie doch Essig.

Geben ist Angeln.

Geben ist doppelt wert, wenn man nicht begehrt. (Wenn unaufgefordert gegeben wird)
la] Gratius est donum, quod venit ante preces.

Geben ist ehrenvoll, Nehmen ist schmerzhaft.
sp] El dar es honor, y el pedir dolor.

Geben ist ein Doppelschlüssel.

Geben ist ein guter Bursche (o. Kerl), aber er wird bald müde. Schottland

Geben ist leichter als bitten.
port] Melhor he dar a ruins, que pedir a bons.

Geben ist nicht jedermanns Sache.
la] Crede mihi, res est ingeniosa, dare.

Geben ist Sache der Reichen. Goethe Hermann und Dorothea, I, 15 (Kalllope)

Geben ist schwerer als empfangen.

Geben ist seliger als annehmen müssen.
Charles Tschopp

Geben ist seliger denn (o. als) nehmen. Apostelgeschichte 20, 35 (Als Rechtssprichwort hat es den Sinn: Es ist besser Gefundenes wiedergeben, als an sich nehmen)
mhd] Geben tuot dem milten baz danne versagen, wizzet daz. Freidank
bm] Lépe dáti nezli bráti.
dä] Det er bedre at give end tage.
dä] Og gud elsker en glad giver.
en] It is better (o. more blessed) to give than to receive.
fr] Il est plus doux de donner que de recevoir.
fr] Mieux vaut donner que recevoir.
it] Donar è honore, pregar è dolore.
it] Rende più felice il dare che il ricevere.
la] Beatius est dare, quam accipere.
la] Beatius est magis dare quam accipere.
la] Ditare quam ditescere est magis regium.

Geben ist seliger denn Nehmen. Apostelgeschichte 20, 35
fr] La main qui donne est au-dessus de celle qui reçoit.

Geben ist seliger denn Nehmen: das Motto der Barmherzigen und der Boxer.
Harold Pinter

Geben kann ein jeder, was (o. wieviel) er will, aber nehmen darf er nur nach Verdienst.
russ] Datj moschet wsäkoi, a wsätj po dostoinstwu.

Geben kann man niemand ohne seinen Willen, man kann ihm aber ohne seinen Dank nehmen.

Geben lässt schön, Wiederfordern macht Sauersehen.

Geben macht die eigne Tasche leer, und aus der fremden macht's kein Ehr'.
bm] Z cizího dávati hanba, a z vlastního skoda.

Geben macht Ehre, Bitten Schmerz.

Geben macht freund und leben.

Geben macht kein Feindschafft.

Geben macht Leben.

Geben Ring oder Hof sich Sonne und Monde, bald Regen und Wind uns nicht verschont.

Geben Sie
Gedankenfreiheit. Schiller, Don Carlos, III, 10 (Marquis)

Geben Sie acht, Freund, es sind Preußen, die wollen immer alles besser wissen als andere Leute.
Goethe, J. S. Grüner, 11.8.1822

Geben Sie dem Arbeiter das Recht auf Arbeit, solange er gesund ist; sichern Sie ihm Pflege, wenn er krank ist; sichern Sie ihm Versorgung, wenn er alt ist!
Otto von Bismarek, im Deutschen Reichstag, 9. Mai 1884

Geben Sie Gedankenfreiheit.
Friedrich Schiller, Dom Karlos (Marquis)

Geben sodann diese Gelehrten von ihren Wahrnehmutigen Rechenschaft, so erhalten wir, ungeachtet der höchsten persönlichen Wahrheitsliebe des einzelnen, dennoch keineswegs die Wahrheit der Objekte, sondem wir empfangen die Gegenstände immer nur mit dem Geschmack einer sehr starken subjektiven Beimischung.
Goethe, Eckermann, 18.5.1824

Geben tut wohl, fordern weh.

Geben um Gottes willen macht den Menschen nicht arm.

Geben und Bitten ist zu viel.
bm] Dávat' a prosit' jest mnoho: Ber rád, kdyz davají.
pl] Od przybytku glowa nieboli.

Geben und doch behalten gilt nichts. (Schenkungen sollen kraftlos sein, wenn die geschenkte Sache nicht sofort übergeben wird)

Geben und Haben erfordert seine Gaben. Spanien

Geben und Nehmen ist Kunst, die nicht jeder versteht.
i] Der schwerste Tadel, den ein Araber über eine andere Nation aussprechen kann, ist: Die Männer verstehen nicht zu geben, die Weiber nicht zu versagen.
z] Selten wird in der Welt etwas genommen, wie es gegeben wird, es müsste denn das tägliche Brot vom Bäckerladen sein. Goethe

Geben und nehmen kann uns das Glück, was wir hoffen und lieben;
Aber die Hoffnung beherrscht, so wie die Liebe, das Glück. Bouterwek, Neue Vesta, Sinnsprüche nach alten Autoren

Geben und nehmen macht gute Freunde. Schottland

Geben und Nehmen, ein Gesetz aller Entwicklung. Christian Morgenstern, Stufen: Lebensweisheit-Ethisches

Geben und nemen ist das gleichste recht.

Geben und weislich erhalten tut den Reichen bei gutem Stand erhalten.

Geben und widergeben macht die Leut arm unnd reich.

Geben und widergeben stifftet und erhelt die Freundschafft.
ho] Gheven ende weder gheven helt de vrientschap tesamen.
la] Alternando boni nos munere sumus amici.

Geben und Wiedergeben hält die Freundschaft zusammen (o. fest und eben).

Geben und zurückbehalten gilt nicht.
fr] Donner et retenir ne vaut.

Geben wir Gold zu Gold.
pl] Zloto przydajmy do zlota.
i] Als Boleslaw Schiefmund (1087-1138) einen Gesandten in das Lager Kaiser Heinrich's V. bei Breslau schickte, um Friedensanerbietungen zu machen, führte sie der letztere zu seinen Schätzen und sagte, auf die Fülle Goldes weisend: 'Da seht die Mittel, mit denen euch mein Schwert unterwerfen soll.' Der polnische Gesandte Graf von Góra zog ganz ruhig seinen goldenen Ring vom Finger und warf ihn mit den obigen Worten, die in ein Sprichwort übergingen, in die Kiste des Kaisers.

Geben, wo man nicht begehrt, ist eine Tugend.

Gebend bist du ein Bruder, aber nehmend ein Feind.

Gebende gibt es wenig, Begehrende aber viel.

Gebende Hand hat viel Freunde.
bm] Kazdá ruká pekna, která dává.
pl] Kazda reka piekna, która co daje.

Gebet auf, Segen nieder.
dä] Bøn stiger op, naade stiger ned.

Gebet bettet.

Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Matth. 22, 21, und Mark. 12, 17

Gebet im Glück ist Kraut und Lot, versagt nicht, macht die Feind all tot.

Gebet in Not ist bessern Tages Abendrot.
dä] En god bøn i onde tider er det beste raad mod verre tider.

Gebet ist dess Himmels Schlüssel.
ho] Het gebed is de sleutel der eeuwigheid.
ho] Het gebed opent's hemels deur.

Gebet ist eine Münze, die auch im Himmel gilt.

Gebet ist eine Wand im Sturm.

Gebet klopft an, bis sich die Tür öffnet. England

Gebet macht aus Steinen Brot.

Gebet ohne Arbeit ist eine Hacke ohne Stiel.
z] Hat Gott für dich die Hände mit Arbeit immer voll, sag' mir, du frommer Beter, womit er segnen soll.

Gebet ohne das Herz dringt nicht zum Himmel.

Gebet ohne Inbrunst ist ein Vogel ohne Flügel.
en] The prayers that are forced do not penetrate into heaven.
ho] Het gebed is zonder vrucht, zoo de ijver ontbreekt.

Gebet ohne Innigkeit ist verlorne Arbeit.

Gebet soll man nit verkauffen.
z] Nach einer Urkunde aus dem Jahre 1436 betrug der Preis von 13 Vaterunsern und 3 stillen Gebeten einen Pfennig, die Strafe von 1 Thaler konnte mithin nur durch 3744 Paternoster und 864 stille Gebete abgetragen werden.

Gebet und fleiss, und lesen, weiß, macht kurtze zeit und leicht arbeit.

Gebet und Fleiß macht gut und weis.

Gebet und Proviant haben noch nie die Arbeit behindert. England

Gebet und tränen sind der Kirchen waffen.

Gebet wird nicht verhindern, dass du stirbst. Haussa, Afrika

Gebet, damit ihr empfanget! Luk.6, 38

Gebet, gebet, gebet zum ersten, zweiten und dritten!
Goethe, F. v. Müller, 27.1.1819

Gebet, glaub, hoffnung und gedult tun bey den Christen das best.

Gebet, so wird euch gegeben!
dä] Giver saa skal eder gives.
la] Date, et dabitur vobis.

Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Lukas 6, 38, Bergpredigt

Gebet, was euer ehr ist.
z] Sagen, die das allmosen bitten.

Gebete sollten der Schlüssel des Tages und das Schloss der Nacht sein. England

Gebete zu Gott und Dienste am Zaren gehen nicht verloren. Rußland

Gebeten Gut ist am teuersten.

Gebetteltes (gestohlen) Brot schmeckt süß. (Weil es zu verdienen keinen sauern Schweiß gekostet hat)
la] Nil mendicatis sociorum dulcius offis.

Gebeugtes Haupt trifft der Säbel nicht.

Gebeut (gebiete), hersch oder lad den knechten auff, als seiest selbs ein knecht.

Gebeut nicht auch im Könipreich des Schönen
Wer immer König ist im Reich des Wahren?
Platen, Sonette

Gebieten ohne Straf und Macht, macht Herrn und Gebot veracht.
mhd] Gebieten ohn straff und ohn macht, macht Herren und yhr gebot veracht't.

Gebietende Herren machen nit vil Wort.

Gebietender Herren Bitten sind scharfe Befehle.

Gebilde, strebsam, Götter zu erreichen,
Und doch verdammt, sich immer selbst zu gleichen!
Faust II A II, Felsbuchten des Agäischen Meeres
Nereus Vs 8096f.

Gebildet ist, wer weiß, wo er findet, was er nicht weiß. G. Simmel

Gebildet sein heißt nun: sich nicht merken lassen, wie elend und schlecht man ist, wie raubtierhaft im Streben, wie unersättlich im Sammeln, wie eigensüchtig und schamlos im Genießen. Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 3, Schopenhauer als Erzieher

Gebildete und erfahrene Männer sind stets die nachsichtigsten und duldsamsten, während unwissende und engherzige Personen nachtragen und keine Rücksicht kennen. Smiles, Der Charakter, 6. Kap.: Selbstbeherrschung

Gebirge: Schwärze, Schweigen und Schnee.
Rot vom Wald niedersteigt die Jagd,
Oh, die mossigen Blicke des Wilds.
Georg Trakl, Geburt

Gebirgswasser fließt stets abwärts.

Geblasen ist nicht gezogen.

Geblichener Stoff fürchtet sich auch in der Truhe vor dem Dieb. Estland

Gebockt ist nicht gelammt.

Gebohrte Perlen haben weniger Wert als volle.

Geboren in a Habel (Häuschen). Jüd.-deutsch. Brody (Ein Sonntagskind)

Geboren werden bedeutet nur zu sterben beginnen. Th. Gautier, L'Horloge

Geboren werden heißt herauszukommen, zu sterben heißt zurückzukehren. Taoistisch

Geboren werden heißt, in unkongenialer Umgebung auf die Welt kommen, d. h. in Romantik geboren werden.
Gilbert Keith Chesterton, Heretiker

Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind.
Gertrud von Le Fort, Aphorismen

Geboren zu werden, ist ein andauernder Prozess (...). Jeder Vorgang des Geborenwerdens, jeder Schritt zu etwas Neuem, ist mit Ungewissheit und Angst verbunden und erfordert Glauben.
Erich Fromm, Seele und Gesellschaft

Geboren, herangewachsen, verdorben, gestorben. Litauen
dä] Milene ere alt gierde for at vi kunde hverken giøre dem længere eller staekkere.
dä] Saa snart fød, saa snart paa veyen til døden.
dä] Vi fødes til at døe, og er ei under at den døer som var dødelig.
la] Nascimur hac omnes lege, ut moriamur.

Geborene Ränkemacher sind nicht ohne Finten, sind sie nicht vorn, so haben sie sie hinten.

Geborene Ritterschaft ist ehrlicher als gewählte.
i] Gegen die Neuverleihung des Adels, die zu allen Zeiten mit misstrauischen Augen betrachtet worden ist.
mhd] Der geborne ist edeler wen der gekorne.

Geborener Knecht bleibt ein Knecht.

Geborgene Güter tragen ungeborgenen Schaden nicht. [RSpW]
i] Alle diejenigen Güter, die aus Furcht vor Seegefahr im Hafen zur Aufbewahrung niederlegt wurden, nehmen an dem weitern Schicksal der übrigen Fracht keinen Antheil mehr. Geht die letztere im Verlauf der Seereise zu Grunde, so leiden die geborgenen Güter den Schaden nicht mit.
mhd] Van gebergeden guderen dorff me nener vngebergeten guder schaden draghen.

Geborgt Geld soll man lachend bezahlen.

Geborgt Schwein gibt fette Weihnacht und magere Ostern.
pt] Bacoro fiado, bom inverno, e máo verão.

Geborgt wird nur einmal im Jahr, und zwar am 30. Februar.

Geborgte Kleider passen nie gut. England

Geborgte Kleider wärmen nicht lange.
ho] Geleende kleederen doen niemand eer.
fr] D'habits d'autruy mal on s'honore.
it] Chi l'altrui veste si pone presto si spoglia.

Geborgte Pracht wird verlacht.
i] Zu viel Pracht ist auch ein Fehler, er lässt sich aber leicht verbessern. Russland

Geborgte Schönheit dauert nicht.
ho] Geleende schoonheid kan niet duren.

Geborgter Mantel hält nicht warm. Ägypten

Geborgter Ruhm und Märzenschnee sind heute da und morn nicht meh.
dä] Det er en fattig roes, man skal laane of forfædre.

Geborgter Verstand taugt zu nichts. Jiddisch

Geborgtes Geld (o. Gut) bringt kein (o. nimmer) Glück, denn es will immer zu seinem Herrn zurück.

Geborgtes Kleid hält nicht warm. Arabien

Geborgtes Pferd und deine eigenen Sporen machen die Meilen kurz.

Geborgtes Pferd und eigene Sporen reiten gut.
dä] Laant hest og egne sporer gjøre korte mijle.

Geborgtes Schwein gibt fette Weihnachten und magere Ostern.

Geborsten Fass lässt das Wasser aus jeder Spalte fließen. (So der Dünkelhafte seine Weisheit)

Geborstener Hafen bricht zuletzt. (Hafen = Topf)

Gebot machen niemand besser und jederman ärger.

Gebot ohne glauben lehren macht Heuchler.

Gebrannt ist nicht gebraten.

Gebrannte Hunde fürchten auch kaltes Wasser.
ho] Gebrande honden vreezen ook koud water.

Gebrannte Kinder scheuen das Feuer.

Gebrannten Kalk im Wasser verwahren wollen.

Gebranntes Kind scheut das Feuer.
en] A burnt child dreads (the) fire.
en] Once bitten, twice shy.
fr] (Un) chat échaudé craint l'eau froide.
it] Cane scottato ha paura dell'acqua fredda.
it] Chi si è scottato con l'acqua calda ha paura del fuoco.
la] Cautus enim metuit foveam lupus.
la] Expertus metuit.
sp] Gato escaldado del agua fría huye.
z] Gebrannte Kinder fürchten das Feuer oder vernarren sich darein.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Gebrântewéinj (Branntwein) äs des Hussäre se Kafê. Siebenbürg.-sächs.

Gebraten Hasen fliehen dir nit ins maul.
ho] Gebraden hazen loopen den slapenden niet in den mond.

Gebraten oder gesotten!
Ihr sollt nicht meiner spotten.
Was ihr euch heute getröstet,
Ihr seid doch morgen geröstet.
Goethe, Sprichwörtlich

Gebratene Eier geben keine Küchlein.
en] You can't eat your cake, and have your cake.
it] Non si può mangiar la forcaccia e trovarla in tasca.

Gebratene Hasen laufen dem Schläfer nicht in den Mund. Holland

Gebratene Lerchen (o. Tauben) fliegen einem nicht ins Maul.

Gebratene Vögel fliegen niemand ins Maul.
bm] Pečeni ptáci nelítají do huby.
bm] Žádnému pečený holub (vrabec, pták) do úst nevletí.
fr] Les alouettes rôties ne se trouvent pas sur les haies.
pl] Nieprzylecą do lenia pieczone gołąbki, by sied ział i nadsiedział zgotowawszy ząbki.
z] Gebratene Tauben und der Sozialismus fallen nicht vom Himmel. Das einzige, was bei einer solchen unproduktiven, traumverlorenen 'Tätigkeit' eines Tages unverhofft vom Himmel fallen kann, sind Atombomben. Ludwig Turek, Die goldene Kugel

Gebratener Vogel fliegt nicht mehr aus der Pfanne.

Gebratne Wurst liegt gern in Sauerkraut.

Gebratner Speck und Butter dran, isst, wenn es not, ein armer Mann.
z] Gebratener Speck und Butter dran ist ein galantes Essen.

Gebrauch alle Bosheit auff Erden, predige und bekenne Christum, so bleibest bei Ehre und Würden.

Gebrauch der Welt, aber lass sie dich nicht gefangen nehmen.

Gebrauch tut mehr, denn aller Meister Lehr'.
ho] 'T volk dient zich met 't gebruik veelmeer, dan van natuur en goede leer.
it] La prattica val più della grammatica.
la] Solus et artifices qui facit, usus erit.

Gebrauche das Kleine, um das Große zu erwerben. China

Gebrauche deine Zunge nicht dazu, jemandes Ehre zu verletzen, denn auch du bist betroffen, wenn Nachbars Wand brennt.
Ecbasis captivi in belehrender Gestalt (Fuchs)

Gebrauche jedes Glied, wozu es sich schickt; rede nicht mit dem Finger, nähe nicht mit der Zunge.
sp] Con cada miembro el oficio que convenga; no hables con el dedo, no coses con la lengua.

Gebrauche nicht mehr Witz als Salz für die Suppe.

Gebrauche nur neun Zehntel deines Verstandes, das Zehnte gib deinen Kindern und Enkeln. China

Gebrauchen Sie doch nicht immer das Fremdwort'ldeale!' - wir haben doch das schöne germanische Wort 'Lügen'.
(Relling) Henrik Ibsen (Wildente V)

Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen!
Doch Ordnung lehrt Euch Zeit gewinnen.
Goethe, Faust I, Studierzimmer
Mephisto Vs 1908

Gebrauchte Hand ist der Vater des Reichtums. Schottland

Gebrauchte Rut' wirft Gott in die Glut.

Gebrauchter Pflug blinkt.

Gebrauchter Pflug rostet nicht.

Gebrauchter Schlüssel (o. Spaten) ist immer blank.
en] The used key is always bright.
fr] La clef dont on se sert est toujours plus claire.
la] Usu claresco, otio robesco.
sd] Den nyckel som ständigt begagnas är alltid blank.

Gebrauen zwier, vom Brauer und vom Schenken. (Vom Bier, das der Schenk durch Wassernachguss noch einmal gebraut hat)

Gebräut ist so gut als gekäut.

Gebrautes ist so gut wie Gekautes. (Bier nährt auch)

Gebrech findet man nur bei Leuten.
z] Der Gebrech ist an uns. Luther
z] Mit Leuten, die nach Empfahung des H. Abendmals zappeln und unruhig sind, ist weisslich zu handeln, dann der Gebrech ist am Glauben. Luther

Gebrechen des Kopfs sind unheilbar, und da die Unwissenden sie nicht kennen, suchen sie auch nicht, was ihnen abgeht.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Gebrechliche Leute leben am längsten.
i] Wenn jemand immer klagt.
ho] De gebrekkige lieden leven't langst.

Gebrechliche Räder gehen oft am längsten.

Gebrechlichkeit ist des Alters Begleiterin. Russland

Gebrochene Knochen, gut gerichtet, werden kräftiger.
en] Broken bones well set become stronger.

Gebrochene Rose verwelkt.

Gebrödete Narren sind solche, die man ums Brot anstellt.

Gebrühte Katze scheut auch das kalte Wasser.

Gebrühte Katzen fürchten auch kaltes Wasser.
fr] Chat échaudé craint l'eau froide.
fr] Chat eschaudez laue creint.
ho] Gebrande katten vreezen ook koud water.

Gebt acht! Ein Lied vom neusten Schnitt!
Und singt den Rundreim kräftig mit!
Goethe, Faust I, Auerbachs Keller
Brander Vs 2124

Gebt acht! Es fehlt an diesem steinernen Gast, der uns den ganzen Abend nichts getaugt. L. da Ponte, Don Juan (Mozart)

Gebt Acht, dass mich die Füchs nit zerreissen. Oberinntal
z] Wenn beim Düngen die Mädeln mit Mistausbreiten denjenigen, welche den Mist im Schiebkarren auf das Feld schieben, nicht nachkommen, sodass sie noch viele Haufen auszubreiten haben, wenn die 'Schieber' schon fertig sind, so sagt man: sie haben 'Füchs'. Sie werden dann von den Mannsleuten ausgelacht und mit dem obigen Spruche geneckt.

Gebt Achtung, wenn Ihr Kinder lehrt,
Dass ihr auf einmal nicht sie allzusehr beschwert.
Es geht der Jugend wie den Alten,
Wer alles fassen soll, wird endlich nichts behalten.
Lichtwer, Fabeln: Das Kamel

Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie können sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.
Neues Testament, Matthäus 7, 6 (Jesus: Bergpredigt)

Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Matthäus 22, 14
it] Date a Cesare quel che è di Cesare.

Gebt dem Reichen, was den Reichen gebührt, aber schlagt die Armen nicht tot.

Gebt dem Verrückten eine Flöte in die Hand und er zerbricht sie.

Gebt einem Manne Glück und werft ihn in die See!.

Gebt euren Kindern schöne Namen,
Darin ein Beispiel nachzuahmen,
Ein Muster vorzuhalten sei.
Sie werden leichter es vollbringen
Auch gute Namen zu erringen;
Denn Gutes wohnt dem Schönen bei! Rückert, Erbauliches und Beschauliches aus dem Morgenlande

Gebt Feuer! Ach, wie schießt ihr schlecht! Jul. Mosen, Sandwirt Hofer

Gebt ihm zu trinken, er hats wohl verdient.

Gebt ihm, er ist von Ulm.
i] Eine Aufhetzungsrede der Schweizer bei Händeln, einen derb abzuprügeln. Sie hat entweder ihren Ursprung in dem Schwabenkriege, in welchem sich die Ulmer vor allen anderen Reichsstädten an Eifer gegen die Schweizer hervortaten, was, da Pirkheimer, ein Schweizerischer Schriftsteller, sie 'grössere Schreier als Streiter' nennt, diese natürlich um so mehr gegen sie reizen musste. Oder der in dem Sprichwort sich gegen die Ulmer aussprechende Hass hat seine Quelle darin, dass Ulm im Städteverein die ausschreibende und mahnende war, wodurch sie sich unbeliebt machte.

Gebt ihnen Schläg, wenn sie es verdienen, und doch gute Wort dazu; sonst werden sie scheu und versehen sich nichts Guts zu euch.
Martin Luther, Tischreden

Gebt Ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken!
Solch ein Ragout, es muss Euch glücken,
Leicht ist es vorgelegt, so leicht als ausgedacht.
Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater
Direktor Vs 99f.

Gebt ihr euch einmal für Poeten,
So kommandiert die Poesie!
Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater/ Direktor Vs 220

Gebt mir eine große Idee, dass ich an ihr gesunde! Herder, Auf dem Totenbette, 18.12. 1803

Gebt mir eine Weinsuppe (o. Weinkalteschale), wenn ich tod bin.
i] Solange ich lebe, möchte ich aber richtigen Wein trinken.

Gebt mir nur ein gutes Unterbett, sagt der Hafer, das Deckbett mag sein, wie es will.

Gebt mir zu tun,
Das sind reiche Gaben!
Das Herz kann nicht ruhn,
Will zu schaffen haben.
Goethe, Sprichwörtlich

Gebt mir, wo ich stehen soll,
Weist mir das Gebiet,
Und ich will euch wohl erfreun
Noch mit manchem Lied.
Grillparzer, Ohne Heim

Gebt nur den Malern und Kunstbeflissenen zu leben und zu tun, so werden sich schon von selber Schüler bilden.
Goethe, S. Boisserée, 2.8.1815

Gebt um der Liebe willen und seht, fünf Finger hab ich nur an der einen hand und an der anderen nur zwei und noch drei! (In den Mund eines Bettlers gelegt, der Verkrüppelung seiner Hand vorspiegelt)
sp] Cinco dedos en una mano y en la otra tres y dos, ¡dais por amore de Dios!

Gebt uns eine Frist und eine kleine Ehe, dass wir zusehn, ob wir zur großen Ehe taugen! Es ist ein großes Ding, immer zu Zweien zu sein! Nietzsche, Zarathustra, III, Von alten und neuen Tafeln

Gebt, Götter, mir Geduld, Geduld tut not!
en] You Heavens, give me that patience, patience I need!
Shakespeare, König Lear II,4

Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß da ihr messet, wird man euch wieder messen. Lukas, 6, 38

Gebt, und es wird Euch gegeben werden. Wer großherzig ist, wird immer Segen empfangen. In dem Maß, in dem der Hass tobt, müssen wir versuchen, uns in der Liebe zu vervollkommnen, bis zum Opfer.
Papst Johannes XXIII., Briefe an die Familie, 11. Dezember 1942

Gebücktes Alter spricht gerade Sprache. Herero,

Gebundene Hände machen freie Gedanken.
en] A long tongue is a sign of a short hand.

Gebundene Rede erfordert Entfesslungskunst. Alexander Eilers

Geburt hat keinen Wert da, wo die Tugend fehlt. Molière, Le festin de pierre

Geburt ist etwas (o. viel) , Bildung ist mehr. (Anlagen müssen ausgebildet werden)
dä] Berømmelsen af herkomst er vel god, men af egen dyd er og bedre.

Geburt macht (nicht) edel.

Geburt macht weder böse noch gut.

Geburt und Ehre können Frauen bezeugen. [RSpW]
i] Das Zeugnis einer Frau, als des 'wankelmütigen Geschlechts' war ursprünglich sehr verdächtig, man ließ es nur bei Klagen über Personenstand, wo Geburt und Ehe zu beweisen war, und überhaupt in solchen Fällen zu, wo die Wahrheit auf keinem anderen Wege ermittelt werden konnte.
mhd] Bordt und echte mogen frouwen tuegen.

Geburt und Tod betrachtet ich
Und wollte das Leben vergessen,
Ich armer Teufel konnte mich
Mit einem König messen.
Goethe, Zahme Xenien IX

Geburt und Tod sind vorgeschrieben, Reichtum und Ehre liegen bei Gott. China

Geburt verachtet Gold und Verdienst.

Geburt, Stand und Vermögen stehen in keinem Widerspruch mit Genie und Geschmack, das haben uns fremde Nationen gelehrt, welche unter ihren besten Köpfen eine große Anzahl Edelleute zählen.
Goethe, Lehrjahre III,9

Geburtsweh, vergessenes Weh.

Gebüßt wird unter der Sonnen
Jede Tat der verblendeten Wut.
Schiller, Die Braut von Messina, I, 8 (Chor)

Geck lôss Geck elans (vorbei). Köln

Gecke, dat is Deibels Tég, ower Menschkeid sind noch viel schlimmer. Sauerland

Gecken geloben viel und sehr.
mhd] Gecken loven vele unde grôt.
la] Promittunt stolidi quae non tribuisse valebunt.

Gecken haben viel Worte.
mhd] Gecken hebben vele wôrde.
la] Verbula multiplicat stultus verbosior aequo.

Gecken lassen sich bald entrüsten.
la] Iracundia levis atque infirmi animi argumentum.

Gecken lassen sich leichtlich schrecken.

Gecken mit Kalbsgekrösen behangen. (Von Leuten, die sich geckenhaft kleiden und sich durch ihre Haltung und äußere Erscheinung von anderen auszeichnen)

Gecken moss m'r us d'r Wäg gôn. Düren

Gecken on Kenger (Kinder) sage de Wohrheit. Düren

Gecken send och Löck (Leute). Düren

Gecken sind in allen Landen frei.
la] Multa licent stultis.
la] Verus habet nusquam terrarum mario leges.

Gecken sind veränderlich wie der Mond.

Gecken soll man nicht um Rat fragen.
mhd] Van gecken sal men neinen rat vragen.
la] Antiquum verbum: fatuos tu consule nunquam.

Gecken sorgen nicht.

Gecken und Narren verschmechen Kunst und Lehr.

Gecken verwandeln sich wie der Mond.
mhd] Gecken vorwandelen sik als de mane.
la] Mutantur stolidi veluti vaga luna quotannis.

Geckenhaftigkeit ersetzt Herzensleere.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Unterdrückte Maximen

Geckenwark gitt Geckengarn.

Geckheit is Geckheit, man Für in'n Eers (Feuer im Arsch) is ken Geckheit. Ostfriesland

Gedächt der dieb an galgen, so liess er sein stelen.

Gedacht hat sie und sinnt beständig, aber nicht als ein Mensch, sondern als Natur. Sie hat sich einen eigenen, allumfassenden Sinn vorbehalten, den ihr niemand abmerken kann.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Fragment über die Natur

Gedächte der Dieb ans Hencken, er liess sein stehlen anstehen (er würde nicht ans Stehlen denken).

Gedächtnis ... ist das Tagebuch, das wir alle bei uns tragen.
Oscar Wilde, Bunbury

Gedächtnis des Tods sündiget nicht.

Gedächtnis haben kalte Seelen;
Die fühlenden - Erinnerung. Fr. Haug, Sinngedichte

Gedächtnis ist das Tagebuch, das wir immer mit uns herumtragen.
Wilde

Gedächtnis nennt man die Fähigkeit, sich das zu merken, was man vergessen möchte.
Daniel Gelin

Gedächtnis: Phantasie mit Bewußtsein.
Kant

Gedanken bringen nicht so viel ein wie Gefühle kosten. Jiddisch

Gedanken dulden keinen Zwang.
la] Cogitatum quis coget? Vis veritatis.

Gedanken fliegen stets ein unnd auss, eine stost die ander auss. (Die Chinesen empfehlen, die Gedanken (überhaupt) nur als Gäste und die Wünsche als Kinder aufzunehmen)

Gedanken gehn und Lieder
Fort bis ins Himmelreich. Eichendorff, Wanderlieder

Gedanken gleichen Festungen, in denen man sich ebenso geborgen wie belagert und gefangen fühlen kann.
Lohberger

Gedanken hüpfen wie Flöhe von einem Menschen auf den andern. Aber sie beißen nicht alle.
Stanisław Jerzy Lec, Unfrisierte Gedanken

Gedanken im Haus wollen auch heraus.
bm] Co na mysl padne, to i na ústa.
bm] Jak do myslí, tak i mluví.

Gedanken kann man so wenig wehren, als den Vögeln, dass sie dir nicht uber kopff auff der strassen fliegen.
mhd] Gedanke muoz man ledic, vrî, ungevangen lâzen gân, ez enwart nie keiser, künic sô hêr, der gedanc unt merken kunne erwern.

Gedanken kann man von der Stirn ablesen. Estland

Gedanken laufen und fehlen, laufen und treffen.

Gedanken leiden keinen Zwang.
mhd] Gedanke die sint ledic frî, dazs in der werlte nieman kan erwenden.

Gedanken machen Flüsse. Luther (Das Nachsinnen, Nachgrübeln über einen Gegenstand macht innerlich unruhig)

Gedanken machen Narren den Tanz gut.

Gedanken machen oft großen lermen im Menschen.

Gedanken niemand fangen kann, er sei ein noch so kluger Mann.
mhd] Wan die sêle und den gedanc nie dehein man betwanc.

Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Kant, Kritik der reinen Vernunft

Gedanken schaden nicht dem Kopf, sondern dem Herzen.
Martin Luther, Tischreden

Gedanken setzen vielleicht nichts in Bewegung, aber sie setzen sich fest.
Ernst R. Hauschka

Gedanken sind die Schatten unsrer Empfindungen - immer dunkler, leerer, einfacher als diese.
Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Gedanken sind frei, und sie sind es nicht, sie sind bedingt, sie sind bedingt unfrei.
Johannes R. Becher, Das poetische Prinzip

Gedanken sind frei.
William Shakespeare, Der Sturm (Stephano)

Gedanken sind frei. Shakespeare, Der Sturm, III, 2 (Stephano)

Gedanken sind geflügelt, aber fast alle dar Hühner art, sie fliegen nicht in die höhe, bleiben auffm Boden.

Gedanken sind Handlungen. Nietzsche, Nachgelassene Fragmente

Gedanken sind in der geistigen Welt, was Empfindung in der sinnlichen Welt ist.
Bettina von Arnim, Tagebuch

Gedanken sind nicht stets parat, man schreibt auch, wenn man keine hat.
Wilhelm Busch

Gedanken sind nicht Taten;
Vorsätze nur Gedanken.
en] Thoughts are no subjects,
Intents but merely thoughts.
Shakespeare, Maß für Maß V,1

Gedanken sind so viel wert als die materi darauff sie fallen.

Gedanken sind von Gesetzen nicht zu Tode zu hetzen.
z] Für die stillen Gedanken ist noch kein Inquisitionsgericht erfunden.

Gedanken sind wie der Wind, den man wohl hört und nirgendt findt.
mhd] Die bant kan niemen vinden, diu gedanke mugen binden: man vât wohl wîp unde man, gedanke nieman vahen kan.
mhd] Gedanke und ougen die sint snel.

Gedanken sind wie Flöhe: Sie springen von Kopf zu Kopf, aber sie beißen nicht jeden.
Stanislaw Jerzy Lec

Gedanken sind wie Haare. Die meisten sind wertlos, sobald sie den Kopf verlassen haben.
Werner Mitsch

Gedanken sind wie kugeln auffm kegelplatz, sie lauffen und felen, sie lauffen und treffen.

Gedanken sind Zeichen von einem Spiel und Kampf der Affekte.
Nietzsche

Gedanken sind zollfrei - aber nicht höllenfrei. (Wenn Gedanken auch vom weltlichen Gericht nicht bestraft werden können, so mögen sie doch vor dem Gesetz der Sittlichkeit nicht bestehen)

Gedanken sind zollfrei, treffen doch oft ein.

Gedanken sind zollfrei, Worte vogelfrei.
z] Gedanken sind zollfrei, aber man hat doch Scherereien. Kraus
z] Gedanken sind zollfrei, notgedrungen lassen wir sie also passieren, aber o wie gerne möchten wir sie kontrollieren. Emil Gott, Zettelsprüche. Aphorismen
z] Gedanken sind zollfrei? Sofern sie die Grenzen nicht überschreiten. Stanislaw Jerzy Lec
z] Man kann den Menschen nicht verwehren zu denken, was sie wollen. Schiller
z] Wer das Wort Denkfreiheit erfunden hat, war gewiss ein Dummkopf, der weiter keine Erfindung machen wird. Gedankenfreiheit ist eine Erfindung der Despotie. Sie ist und wird weder gegeben, noch zugestanden, jeder denkt, indem er ist, durch sein Wesen. Wer den Tod nicht fürchtet, denkt auch laut, wenn er erst mit seiner moralischen Natur gehörig in Ordnung ist. Seume
mhd] Gedanke sint vrî, daz ist wâr.
en] Opinions are free.
en] If wishes were horses, beggars would ride.
en] Thoughts are free.
fr] Les pensées sont franches de douane.
fr] Les pensées sont libres.
ho] Gedachten zijn tolvrij.
it] I pensieri non pagano gabella.
it] I pensieri sono esenti dal tributo, ma non dall' inferno.
la] Cogitationis poenam nemo patitur.
la] Liberae sunt cogitationes. Cicero
la] Immunis est hominum cogitatio.
la] Liberae sunt cogitationes nostrae.
la] Linguis potest, non imperari mentibus.
la] Quaevis cogita at haud quaevis tua lingua loquatur.
sp] El pensamiento no tiene barrera.

Gedanken sind zollfrei.
i] Aber nicht, wenn sie gedruckt sind, dann erheben zur Zeit die Zollvereinsstaaten 15 Sgr. Eingangssteuer vom Zentner. Ein Witzling bemerkt, wenn die Gedanken etwas taugten, wären sie nicht zollfrei. - Im juridischen Sinne will das Sprichwort sagen, dass ein Mensch wegen bloßer Gedanken von der Obrigkeit nicht bestraft werden kann. Jeder Strafe muss eine gesetzwidrige Handlung vorangehen. Nur die Tat tötet den Mann, denn wer auch an ein Verbrechen denkt, begeht dasselbe nicht. Daher empört das päpstliche Recht den Sinn des Unbefangenen, da es gegen die Ketzer und Ungläubigen bloß wegen irriger Meinungen schwere Strafen verordnet. Äußerst feine Brüsseler Kanten haben den Namen 'Gedanken' (Pensées). Ein Spekulant im Kontrebandieren versuchte eine Partie über die Grenze zu bringen. Er wurde ertappt und wollte sich mit dem Sprichwort, Gedanken sind zollfrei, verteidigen, konnte aber die Steuerbehörde nicht für seine Anschauung gewinnen.
z] Ich mus schweigen, aber was ich gedenke, da schlegt mich niemand um.

Gedanken sollen aus der Seele geboren werden, Wörter aus den Gedanken und Sätze aus den Worten.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Gedanken sollten als Gäste begrüßt Werden und Wünsche als Kinder. China

Gedanken steigen ein und aus, der eine stößt den anderen aus.

Gedanken stoßen dem Fasse den Boden nicht aus.

Gedanken töten, Worte sind verbrecherischer als irgendein Mord, Gedanken rächen sich an Helden und Herden.
Gottfried Benn, Der gedankliche Hintergrund

Gedanken trifft kein Bannstrahl.
mhd] Gedanke nieman kan erwern den tôren, noch den wîzen, dar umbe sint gedanke frî ûf aller hande sache.

Gedanken und Gewissen sind Privatsache. Der Staat sollte z. B. nicht versuchen, die private Moral zu überwachen. Er soll nur dort eingreifen, wo gemeinsames Handeln, ein einheitliches Gesetz notwendig sind. Wilson, Der Staat

Gedanken und Tauben kommen nicht allein zurück, wenn sie fortfliegen.

Gedanken und Wege trennen die Menschen.

Gedanken wollen oft - wie Kinder und Hunde -, dass man mit ihnen im Freien spazierengeht.
Christian Morgenstern

Gedanken zahlen keine Steuern.
it] I pensieri non pagano gabelle.

Gedanken, denen man aus Furcht ausweicht, graben sich nur noch tiefer ein.
David S. Viscott

Gedanken, die länger leben wollen, müssen im Bilde sein.
Hellmut Walters

Gedanken, die leeren Köpfen entspringen, sind am gefährlichsten.
Petan

Gedanken, die schockweise kommen, sind Gesindel. Gute Gedanken erscheinen in kleiner Gesellschaft. Ein göttlicher Gedanke kommt allein. Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Gedanken, die zuerst gleißen, tun zuletzt die Leut beschmeißen.

Gedanken, welche in Luftschlössern wohnen, arbeiten nicht mehr.
Gerhard Uhlenbruck

Gedankenarm - ein traurig Los!
Viel lieber doch gedankenlos. Heyse, Spruchbüchlein

Gedankenlos gekauft, mit Not verkauft. Estland

Gedankenlos wie die Nonne den Psalter betet.

Gedankenlosigkeit tötet. Andere.
Stanislaw Jerzy Lec

Gedankenlosigkeit, die uns den Wert des Augenblicks verkennen lässt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1324

Gedankensplitter entstehen, wenn man sich den Kopf zerbricht.
Gerhard Uhlenbruck

Gedankensprung – mit einem Satz zum kritischen Punkt.
Alexander Eilers

Gedank’ und Urteil, wie im Wahnsinn, toben
Blind um die Wahrheit irrend hin und her:
Der ich dich schön gepriesen, hell gedacht,
Die schwarz wie Höll’ und finster wie die Nacht.
en] My thoughts and my discourse as madmen’s are,
At random from the truth vainly express’d;
For I have sworn thee fair and thought thee bright,
Who art as black as hell, as dark as night.
Shakespeare, Sonett 147

Gedeihen sollen Augenwäscher und verschwinden die Haarschopfschneider. Estland (Dem Schaf darf man den Schopf auf der Stirn nicht abscheren, vor der Schur müssen die Schafe gewaschen werden)

Gedeihet einer, so gedeihet er einem gantzen Geschlecht, verdirbt er, so verdirbt er ihm allein.

Gedeiht auch schlechtes Unkraut ohne Sonne,
Von Früchten reift zuerst, die erst geblüht!
en] Though other things grow fair against the sun,
But fruits that blosson first, will first be ripe.
Shakespeare, Othello II,3

Gedeiht das Korn auf dem Sande, wird teure Zeit im Lande.

Gedenk an den Tag, den niemand (ver)meiden mag.
dä] Tank paa den dag som ingen kand undgaae.
fr] Nous mourons tous les jours.
ho] Denk om den dag dien niemand kan ontgaan. (of voorbig mag).
la] Memento mori.
la] Respice principium potius sed prospice finem, coelum suspiciens, despiciensque solum.

Gedenk der vier letzten stuck, dess Todts, dess Gerichts, der Hölle und dess Himmels.

Gedenk in allem deinem Tun an Gott: geht dir's wohl, so dank ihm; geht dir's übel, so klag's ihm. Friedrich III. der Fromme, Pfalzgraf bei Rhein

Gedenk jung ans Alter, so gerat's dir allzeit wohl.
la] Venturae memores jam nunc estote senectae; sic nullum vobis tempus abibit iners.

Gedenk, dass der Neidhart noch lebet.

Gedenk, Junger, an den alten Mann, so du nicht wilt bettln gahn.

Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen, und die Jahre herzutreten, da du wirst sagen: Sie gefallen mir nicht. Pred. Salomo, 12, 1

Gedenke an ihn, wie er gestorben, so musst du auch sterben. Gestern war es an mir, heute ist es an dir. Jesus Sirach, 38,23

Gedenke der Quelle wenn du trinkst.

Gedenke der vier letzten Dinge!
mhd] Gedenke der veir utersten!
la] Judicii, mortis, coeli barathrique memento.

Gedenke des Todes!
la] Memento mori!

Gedenke dessen, der dir zum erstenmal Salz gezeigt hat. Indien

Gedenke stets des Alters deiner Eltern - als Grund zur Freude, Grund auch zur Besorgnis.
Konfuzius, Gespräche

Gedenke zu leben.
Goethe, Lehrjahre VIII,5

Gedenke, dass du mögest Äpfel essen!

Gedenke, dass du nur ein Mensch bist!
la] Memento hominem esse!

Gedenke, dass du sterben musst.
la] Memento mori.

Gedenken der besten Zeit macht fliehn von Sünden weit.

Gedenken ist die beste Arznei vor ein schlecht Gedächtnis.
la] Saepe recordari medicamine fortius omni.

Gedenken ist zollfrei.

Gedenkst du jemals mit Anstand zu befehlen, so musst du mit Eifer dienen. Chesterfield, Briefe an seinen Sohn, London, 5.2.1750

Gedenkst du mich zu beweinen, wenn ich tot bin, dann bedaure mich lieber, solange ich am Leben bin. Serbien

Gedenkt ainer under den banck, so bleibt er darunder.

Gedenkt man, wie viel Menschen man gesehen, gekannt, und gesteht sich, wie wenig wir ihnen, wie wenig sie uns gewesen, wie wird uns da zu Mute! Wir begegnen dem Geistreichen, ohne uns mit ihm zu unterhalten, dem Gelehrten, ohne von ihm zu lernen, dem Gereisten, ohne uns zu unterrichten, dem Liebevollen, ohne ihm etwas Angenehmes zu erzeigen.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,1

Gedichte enthalten Bilder und Bilder Gedichte. (Ausspruch des Dichters, Malers und Beamten Wang Wie (702 - 761), wurde zu einem Leitsatz in der traditionellen Tuschmalerei)

Gedichte leisten – vor allem in heutiger Zeit – Unerhörtes. Alexander Eilers

Gedichte macht man gar nicht mit einem der fünf Sinne, sondern mit einem sechsten.
Rudolf Leonhard, Dialog zwischen R. Leonhard und W. Hasenclever, 8.12.1929

Gedichte schenke nur einem Menschen mit Talent. China

Gedichte sind gemalte Fensterscheiben! Goethe, Parabolisch: Gedichte

Gedichte sind wie Austern: Wenn sie nicht von ganz vorzüglicher Qualität sind, sind sie ungenießbar.
Carl Zuckmayer

Gedinge bricht Landrecht und Stadtrecht. [RSpW]
inf[ Unter Geding ist ein Vertrag, eine Zusage oder ein Gelübde zu verstehen, was auch früher ein 'bedingtes Recht' genannt wurde. Das Landrecht enthält die allgemeinen Bestimmungen, die im ganzen Lande zur Richtschnur bei Entscheidung von Streitigkeiten dienen, aber oft da, wo zwischen einzelnen Personen etwas Besonderes festgesetzt worden ist, nicht in Anwendung kommen können. Als Quelle des obigen Rechtssprichworts wird das sächsische Weichbildrecht angegeben: 'Wente gelovede brect allerhande recht.'
mhd] Gedînge brechent lantrecht.
mhd] Geding precht lantrecht und statrecht.
la] Conventio est lex.

Gedingt Pferd macht kurze Meilen.
i] Man will damit sagen, dass der, welcher fremde Pferde gemietet hat, meist dieselben nicht so schont, als wenn es seine eigenen wären, sondern, um schnell das Ziel seiner Reise zu erreichen, sie durch häufiges Anspornen zu einem schnellern Laufe antreibt, weil der dadurch entstehende Schaden doch dem Eigentümer zufalle.

Gedräute Ohrfeigen schmerzen nicht.

Gedrohte Maulschellen und aufgewärmtes Essen sind ohne Saft und Kraft.
it] Schiaffo minacciato non fù mai ben dato.

Gedrohter Schlag ist ein halber Schlag.
it] Schiaffo minacciato non è mal ben dato.
sp] Bofeton amagado, nunca bien dado.

Gedruckte Lügen am schwersten wiegen.

Geduld - mit der Zeit wird aus dem Grase Milch. China

Geduld baut, Ungeduld bricht ab.

Geduld behält das Feld.
z] In Unterhandlungen hat gewöhnlich der Dümmste den Vorteil der Beharrlichkeit, während die Klugen bald ungeduldig werden. Ein wahrer Diplomat müsste daher, wie das Kamel ohne Trinken durch die Wüste, auch, ohne sich müde machen zu lassen, durch die geistloseste, ermüdendste Unterhaltung schreiten können.
ho] Patiëntie verwint in alle strijden.
it] Patienza vince in tutte le guerre.

Geduld bei der Liebe und auf dem Nagel ein Floh, dauern wie Wasser im Siebe und Feuer im Stroh.

Geduld bekommt man auch in der Apotheke nicht. Italien

Geduld bettet den Armen weich.
dä] Taalmodighed er elendigheds havn.

Geduld bewährt den Gelehrten.
dä] Hvo som har mangel paa taalmodighed har mangel paa viisdom.
ho] Geduld gaat boven geleerdheid.

Geduld bewährt sich im Unglück.

Geduld bezwingt das trotzigste Herz.
la] Domitrix omnium patientia.

Geduld bringt Frucht.

Geduld bringt huld, vergibt alle schuld.
la] Qui satis expectat, prospera cuncta videt.

Geduld bringt Mut, Mut gebiert Hoffnung, Hoffnung lässt nicht zu Schanden werden. (Deutsche Geduld ist sprichwörtlich)
z] Das deutsche Volk ist wirklich ein seltsames Volk! Die Idee beherrscht es so stark, dass es die Ausführung für eine überflüssige Sache hält, und doch lässt sich wieder nicht sagen, dass es für eine große Idee ein großes Opfer zu bringen im Stande wäre. Ich achte die deutsche Nation sehr hoch, sie ist die von Vorurteilen freieste, sie besitzt einen Erkenntnistrieb wie keine zweite, sie hat den verzehrenden Eifer des Faust, die Wahrheit in allen Schlupfwinkeln des Himmels und der Hölle zu erspähen. Sie hat aber einen großen Mangel, sie hat keine Entschlussfähigkeit, sie kommt nicht zur Tat. Proudhon, Neuyorker Illustrirte Zeitung und Familienblätter, 23. Okt. 1863

Geduld bringt Rosen.

Geduld die beste Arzenei in allem Leid und Unglück sei.

Geduld ein Kräutlein gut genannt, brichs ab, brauchs recht, mach dirs bekannt.

Geduld erhält Gottes Huld.

Geduld erreicht bisweilen von den Menschen, was sie niemals zu gewähren dachten. Und Gelegenheit kann selbst die ärgsten Betrüger zwingen, ihre falschen Versprechungen einzuhalten.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Unterdrückte Maximen

Geduld es en Siele-Spies, evver verdamp dä se fresse moas.

Geduld fehrt nicht mit dem kopfe hindurch.

Geduld frisst den Teufel.

Geduld geht über Wissenschaft.
it] Pazienza passa scienza.

Geduld gewinnt des Glückes Huld.

Geduld haben mit einem Freunde ist besser, als ihn für immer verlieren.

Geduld hat einen eisernen Zahn, der Kieselsteine verdauen kann.

Geduld hat einen harten Zahn, der selbst Kieselsteine zermahlen kann.

Geduld hat keinen Bestand, hat sie nicht Demut an der Hand.

Geduld heilet alle Schmerzen.

Geduld heilt Leid.

Geduld hilft Bürde tragen.
z] Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht, mit Gott im Himmel hadre nicht. Bürger
it] A qualsivoglia dolore rimedia la pazienza.
un] Minden nyavalyának legjobb orvossága a türom olaj.

Geduld hilft gegen jedes Übel. Italien
en] Patience is a plaster for all sores.
fr] A toute fâcherie la pacience y sert de remède.

Geduld im Leiden, Demut in Freuden.

Geduld in armut ist besser denn aller Welt gut.

Geduld in Not ist Himmelsbrot.

Geduld in Not, Hoffnung zu Gott, gut Gewissen dabei macht mich sorgenfrei.

Geduld inn Creutz ist dess Glaubens schein.

Geduld is Leidens troost. Holland (Wodurch sie mit der allgemeinen Wahrheit eine historische Erinnerung verbinden, an das Ungemach nämlich, was die Stadt Leyden durch die Belagerung im Jahre 1574 zu ertragen hatte)
it] D'ogni dolor rimedio è la patienza.
la] Dolori cuivis remedium patientia.
la] Gaudet patientia duris. Lucanus

Geduld ist aller Schmerzen Arzenei. Pubillius Syrus, Spruchverse

Geduld ist allezeit die beste Labung in dem Leid.

Geduld ist bei schlechtem Wetter ein guter Steuermann.
it] Patienza ci vuol alle tempeste.

Geduld ist bitter, aber ihre Frucht ist süß.
ho] Geduld is een bitter kruid, maar draagt echter goede vrucht.
tü] Sabır acıdır, meyvesi tatlıdır.

Geduld ist das beste Kraut für (o. im) Unglück.
fr] Patience passe science, et qui ne l'a pas science.

Geduld ist das beste Magenelixier. (Aber nur mit dem Zucker der Hoffnung genießbar)

Geduld ist das beste Pflaster für alle Schwären.

Geduld ist das größte Gebet. Indien, Buddhistisch

Geduld ist der (allerbequemst und) beste sieg im bitteren Felde.

Geduld ist der beste Harnisch wider Gott, wider böse Leut und böss Gesind.

Geduld ist der beste Lebensbalsam.
la] Antidotum vitae patientia.

Geduld ist der Freude Schlüssel.

Geduld ist der kinder schwert.

Geduld ist der Kopf der Reichen.

Geduld ist der Mut der Gelassenen.
Beutelrock

Geduld ist der Schlüssel zur Freude. Arabien

Geduld ist der Seele Schild.
it] Nelle disgrazie la pazienza serve di targa e di rotella.
la] Domitrix omnium patientia.

Geduld ist der seelen speise.
bm] Strpeni prinásí spasení.

Geduld ist des Mannes Halt.

Geduld ist die beste Arnei im Unglück.

Geduld ist die beste Schule der Tugend.

Geduld ist die Fähigkeit, die dann, wenn man sie am meisten braucht, erschöpft ist.
MacWilliams

Geduld ist die größte tugend.

Geduld ist die Kunst des Hoffens. Frankreich

Geduld ist die Kunst zu hoffen.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Geduld ist die Kunst, die Ungeduld zu verbergen.
Hermann Schridde

Geduld ist die Schwester der Weisheit, Zorn der Bruder der Narrheit.

Geduld ist die Tugend der Esel.
fr] La patience est la vertu des ânes.

Geduld ist die Tugend der Mitte zwischen Aktivität und Passivität.
Ernst R. Hauschka

Geduld ist die Tür zur Freude.

Geduld ist ebenso schmachvoll wie Eile: Beide sind Furcht.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Geduld ist ein (edel) Kräutlein, dass nicht in allen gärten wächst.
dä] Taalmodighed er en urt som vogser ei i hver have.
it] La patienza è una buon herba, ma non cresce in tutti gl' horti.

Geduld ist ein art von stockfisch, lest sich klopfen, läst holtz auff sich hawen, Erbiss auffm rücken treschen.

Geduld ist ein arzenei wider alle Wunden.

Geduld ist ein arznei des lebens.

Geduld ist ein arznei für all unglück.
bm] Trpelivost nejlepsi lékarství.
pl] Cierpliwosc najlepsze lekarstwo.
la] Cuivis doloris remedium est patientia.

Geduld ist ein Baum, dessen Wurzeln bitter und dessen Früchte nicht süß sind. Iran

Geduld ist ein bitteres Kraut, aber es trägt süße Früchte.
pl] Terpjenyje gorko, no plod onago sladok.

Geduld ist ein bittres Kräutl.

Geduld ist ein edles Kraut, wächst aber nicht in allen Gärten.

Geduld ist ein Feuer, in dem das Wasser der Trübsal verdampft.
dä] Taalmodighed er beste lægedom for ald alykke.
la] Quod ratio nequit, saepe sanavit mora. Seneca

Geduld ist ein gut Kraut, sagte der Executor, aber in meinem Garten wächst sie nicht.
ho] Patiëntie is goed kruid, maar wast niet in alle hoven, zei Hein de diender, en hij kreeg door zijne patiëntie eene sneê in zijne tronie.

Geduld ist ein gutes Gewürz.

Geduld ist ein Heilkrautl, aber Mut Allermannsharnisch-Wurzli.

Geduld ist ein Jungfrau, hette sie sich verehlicht, man hette jr lengst einen Scheidbrieff gegeben.

Geduld ist ein Pflaster auf (o. für) alle Wunden (o. für alle Schäden).

Geduld ist ein schöner Sieg.

Geduld ist ein sehr gesundes Kräutlein.

Geduld ist ein seltzam kraut.

Geduld ist ein teurer Schatz.

Geduld ist eine bittere Arznei, sagte die Gicht, aber in meiner Schule lernt man sie nehmen.
ho] Patiëntie-kruid groeit in den hof van den flerecij niet.

Geduld ist eine Grundtugend der Politik - solange man sie nicht mit der Ausdauer verwechselt, Fehlschläge in unbegrenzter Zahl hinzunehmen.
Hans Kasper

Geduld ist eine Salbe, je mehr man davon hat, desto mehr braucht man.
sp] La paciència és una pasta, que qui més en té més en gasta.

Geduld ist eine schwere Kunst, die Weiber nie lernen, aber lehren können.

Geduld ist eine Tugend des Indianers und bringt einem christlichen Weißen keine Schande.
James Fenimore Cooper, Die Prärie

Geduld ist eine Tugend.
en] Patience is a virtue.

Geduld ist einem Menschen so nötig als einem Armen das Geld oder einem Narren die Weissheit.

Geduld ist fünf Tael wert, Nachgiebigkeit drei. (Tael, Silbergewichtseinheit, die in Ostasien häufig als Zahlungsmittel gebraucht wird)

Geduld ist für alle Wunden das beste Pflaster.
dä] Taalmodighed læger alting.

Geduld ist gezähmte Leidenschaft.
Lymann Abbott

Geduld ist gut für Memmen.
en] Patience is for poltroons.
Shakespeare, König Heinrich VI., Dritter Teil, I, 1 (Clifford)

Geduld ist gut predigen.

Geduld ist gut, wenn man sich nicht sein ganzes Leben gedulden muss. Arabien

Geduld ist halb Creutz.

Geduld ist in der Berge langem Bleiben
Und in der Ewigkeit des Regenfalls.
Geduld ist eines Baumes stetig Treiben
Und der gestrahlte Ausbau des Kristalls -
Wo ist ein Ding, das anders sich vollende?
Ina Seidel, Geduld

Geduld ist munter, sie liegt auf der Bank oder drunter.

Geduld ist nicht in jedem Gewürzladen feil.

Geduld ist nur ein frommer Ausdruck für Selbstmord!
Sean O'Casey, Halle der Heilung

Geduld ist nur gut für Memmen.
Shakespeare, König Heinrich VI.

Geduld ist schal, und ich hab nun genug.
en] Patience is stale, and I am weary of it.
Shakespeare, König Richard II. V,4

Geduld ist stärker denn Diamant.

Geduld ist über Gold: sie kann auch Gott bezwingen,
Und was er hat und ist, ganz in mein Herze bringen. Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Geduld ist Unfalls Arznei.

Geduld ist unsers Herr Gottes Esell.

Geduld ist zu vielen Dingen gut.

Geduld ist Zucker aller trubsal unnd beschwernuss.

Geduld kann Gift und Feuer essen und zuletzt den Teufel fressen.

Geduld kann wohl ein Zech borgen, schenckt sie doch nicht.

Geduld kommt von Allah, Unruhe vom Teufel.

Geduld lädt gewalt zu gast (o. Haus).

Geduld lässt Erbsen auf sich dreschen.
z] Auf diese Weise müsste man sich ins Gesicht schlagen lassen, ohne zu mucken.

Geduld lässt Holz auf sich hauen.

Geduld lehrt hoffen.

Geduld Leid guts unnd böss, wie es Gott beschert.

Geduld machet auss einem Feindt oft einen Freundt.

Geduld macht alles leichter.

Geduld macht alles Schwere leicht.

Geduld macht das Leiden leicht. Luther

Geduld macht die sauere Rebe zum Konfekt. Osmanien
en] Everathing comes to him who waits.
en] Never sya die.
en] Patience and snare cathe many a hare.
fr] Avec la paille et le temps mûrissent les nefles et les glands.
fr] La patience vient à bout de tout.
fr] Patience et longueur de temps (font plus que force ni que rage).
fr] Patience passe science.
fr] Tout vient à point à qui sait attendre.
it] Chi aspettar puòle, ha ciò che vuole.
it] Chi vive sperando muore cantando.
it] Col tempo e con la paglia maturano le nespole.
la] Patientia colligit rosas, sed raro copiosas.

Geduld macht klug.

Geduld macht Seide aus dem Maulbeerblatt. Bulgarien

Geduld mehrt, Ungeduld zerstört. (Hier nicht in dem Sinne von Ausdauer im Ertragen, sondern im Schaffen und Wirken)
dä] Taalmodighed bygger, utaalmodighed nedbryder.

Geduld meistert alles.
la] Certum dolori remedium est patientia.

Geduld mit Armut ist des armen Mannes einziges Heilmittel. England

Geduld mit Zwang ist ein Mittel für einen tollen Hund. England

Geduld muss man warten, sie wächst nicht in jedermanns Garten.

Geduld muss man wie ein salat mit öll und saltz geschmack machen.

Geduld muss mit bescheidenheit gesaltzen sein.

Geduld öffnet alle Türen.
fr] La patience poussée à bout se tourne en fureur.
bm] Trpelivost zelezná vrata probíjí.
krain] Poterplenje zelezne vrata prebije.

Geduld öffnet die Tür zum Ruhegemach. Ägypten

Geduld siegt wider alles übel (o. unglück).
dä] Godt taal fanger en god ende.
la] Nobile vincendi genus est patientia: vincit qui patitur, si vis vincere, disce pati.

Geduld trägt auch fremde Schuld.

Geduld überwind alles unglück.

Geduld überwindet alles, ausgenommen preussische Justiz.

Geduld überwindet alles.

Geduld überwindet Holzäpfel.

Geduld überwindet Hutzelbrüh. Rheinhessen

Geduld überwindet Staudenkraut. Schweiz (In Schlesien: Sauerkraut)

Geduld überwindt all ding.

Geduld überwindt alle ding und macht all leiden leicht und gering.

Geduld überwingt Surchrut (Sauerkraut) und der Späck d' Rüebe. Solothurn

Geduld übt sich in hartem Stand.

Geduld un 'n Schmaltbodder dat schmeert de Riwwen. Lippe
hdt] Geduld und Schmalzbutterbrot schmiert die Rippen.

Geduld und Batzen gehn viel in einen Sack.

Geduld und Dütchen (o. Silbergroschen) haben. (Wer Geduld hat und Geld kann viel aushalten und erreichen)

Geduld und ein Schmalzbrot steuert Eifer und Hunger. Arnsberg

Geduld und ein wenig schreyen ist gut Pflaster auff den schmertzen.

Geduld und ein wenig schreyen sind die besten Artzeneyen.

Geduld und Fleiß erringt den Preis.
en] Patience and time overcome all things.
en] Patience wears out stones.
fr] Avec le temps et la patience on vient à bout de tout.
it] Colla pazienza si vince tutto.
it] Colla pazienza si prende la lepre col carro.
la] Leve fit, quod bene fertur, onus.
la] Romanus sedendo vincit.
sp] Con paciencia se gana el cielo.

Geduld und Fleiß, und ich bin überzeugt, ich werde alles erreichen, was ich will.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1847)

Geduld und Heiterkeit siegen allezeit.

Geduld und langer Mut,
Richten mehr als Gewalt und Wut. La Fontaine, La lion et le rat

Geduld und langmut obsiegen und behalten das Feld.

Geduld und Liebe überwinden alles.
Theodor Storm, An Ernst Storm, 8.8.1870

Geduld und Nachgeben gewinnt am meisten.

Geduld und Salat schmecken nicht, wenn man nicht Salz und Öl darantut.

Geduld und Schweigen ist das beste Medium für Männer, sagte die Frau.
ho] Silentie en patiëntie is het beste geneesmiddel, zei Cornisicia, en zij zette haren man een' teelband op, daar twee bijzondere pluimen uitgroeiden.

Geduld und Will' erreicht jedes Ziel.

Geduld und Zähigkeit hilft uns in schlimmen Tagen
viel mehr als Kraft und Raserei.
Jean de La Fontaine, Der Löwe und die Ratte

Geduld und Zeit lindern alle Traurigkeit.
it] Chi la dura, la vince.
la] Levius fit patientia, quidquid corrigere est nefas.

Geduld und Zeit vermögen mehr als Gewalt und Wut.
fr] Patience et longueur de temps font plus que force ni que rage.

Geduld und Zeit wirken mehr als Heftigkeit.
it] Tempo e pazienza fanno più che violenza.

Geduld verbeisst alles Hertzenleid.

Geduld verdauet alle Not und verschlingt zuletzt den Tod.

Geduld vergibt alle Schuld.

Geduld verliert nichts. (Die gute nichts, aber die faule oft nicht weniger als alles, Selbständigkeit, eigene Würde. Wer ohne diese leben kann, der wage es ohne Gefahr mit jeder, auch der schlechtesten Art von Geduld.)

Geduld wächsst nicht in jedermans (o. allen) Garten.

Geduld will jedermann reiten.

Geduld wird alle Schmerzen heilen.
Publilius Syrus, Sentenzen

Geduld wird mit allem fertig.
fr] La patience vient à bout de tout.

Geduld wird oft zur Katz, kann sie nicht entfliehen, so springt sie dem, der sie vergewaltigt, ins angesicht.

Geduld zieht Gewalt zu Gaste.

Geduld – verdammtes Wort! – Im Wörterbuch der Liebenden ist's nicht zu finden.
Johann N. Nestroy, Einen Jux will er sich machen

Geduld! Geduld! wenn's Herz auch bricht! Bürger, Leonore

Geduld! Was langsam reift, das altert spat! C. F. Meyer, Huttens letzte Tage, Deutsche Libertät

Geduld, das edle Kraut, wächst nicht in allen Gärten.
i] Wenn die Sprichwörter Geduld empfehlen, so meinen sie nicht jene passive Esels- und Schafsgeduld, die jede Unbill ruhig erträgt und den, der sie zufügt, noch hündisch beleckt, sondern die aktive Geduld, jene konsequente, überzeugungstreue Ausdauer im Kampfe, die den Gegner ermüdet oder im Erliegen noch siegt. Diese Geduld ist allerdings ein edles Kraut zu nennen, das nicht in allen Gärten wächst.
it] Della pazienza non ne vendon gli speciali.

Geduld, den Nagel will ich dir stecken, dass du weißt, er ist gesteckt.

Geduld, du junger, rosenwangiger Cherub!
en] Patience, thou young and rose-lipp'd cherubin.
Shakespeare, Othello IV,2

Geduld, Geduld, Geduld, Vergeben, Vergeben, Vergeben: Wertvoller als Geduld ist Vergeben.

Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht, mit Dänemark da hadre nicht.

Geduld, Geld und Zeit schlichten alle Sachen.

Geduld, Hoffnung, Glaube, Liebe, alle diese Tugenden sind die Vernunft actu, in Ausübung, sie sind die ausgeübte Vernunft.
Goethe, Riemer, 24.12.1810

Geduld, leve Sêle, 't Hartschlag ist to Für (Feuer), mörgen gifft't friske Wurst. Ostfriesland (Hartschlag = von Herz, Lunge und Leber eines Schlachttiers)

Geduld, liebe Seele, morgen gibt's Pfannenkuchen.

Geduld, liebe Seele, morgen haben wir wieder nichts.

Geduld, säd' Schrîwer, da lêwe noch (da er noch lebte). Lüneburg

Geduld, Schweigen, Lachen, hilft oft in schlimmen Sachen.

Geduld, segt Schult. Mecklenburg

Geduld, und die Karten gemischt.

Geduld, unschuld und ein gut gewissen kan alles aussstehen.

Geduld, Vernunft und Zeit gehört zu meiner Schecke. Breslau
Geduld, Vernunft und Zeit machen möglich die Unmöglichkeit.
Geduld, Vernunft und Zeit macht enge Löcher weit. Schlesien
Geduld, Vernunft und Zeit! (Zuruf an j-n, dessen Eile zu mäßigen)
Geduld, Vernunft und Zeit, das sind drei edle Dinge.
Geduld, Vernunft und Zeit, das sind drei schöne Sachen, wer es nicht erwarten kann, der soll es anders machen.
ndt] Geduld, Vernunft un Havergrüt, de sünd to allen Dingen nüt. Lübeck (Geduld, Vernunft und Hafergrütze, die sind zu allen Dingen nütze)

Geduld, Zeit und Geld bezahlt alles.

Geduld, Zeit und Geld schlichtet alle Sachen.
it] Con patienza, tempo e danari accomoda ogni cosa.

Geduld, zu hoch angespannt, würt rasend (o. wüethig).
fr] La patience poussée à bout se tourne en fureur.
la] Furor fit laesa saepius patientia.

Geduld: Alle Kinder Gottes haben Flügel! Lateinamerika

Geduld: eine milde Form der Verzweiflung, verkleidet als Tugend.
Bierce

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