Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
I
'Ich bekomme mir nicht gut', sagte jemand, um seinen Hang zur Gesellschaft zu erklären. 'Der Magen der Gesellschaft ist stärker als der meinige, er verträgt mich.' Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches
'Ich bin über die Wurzeln des Baums gestolpert, den ich gepflanzt hatte.' Das muss ein alter Forstmann gewesen sein, der dies gesagt hat.
Goethe, Maximen und Reflexionen 994
'Ich habe Könige aus der Nähe gesehen und meine Illusionen in der Politik waren dahin'. Das sagte Vicomte de Chateaubriand vor 150 Jahren. Unsere heutigen 'Könige' können wir dank des Fernsehens stets aus der Nähe betrachten. Lothar Schmidt
'Ich hatte das Glück, unglücklich zu sein' darf zuweilen ein Volk so gut sagen als ein Mensch. Jean Paul, Marterwoche
'Ich hätte die Vergnügungen bald aufgegeben', sagen sie, 'wenn ich den Glauben hätte.' Und ich sage euch: ihr hättet bald den Glauben bekommen, wenn ihr die Vergnügungen aufgegeben hättet. Pascal, Gedanken
'Ich hielt mich stets von Meistern entfernt,
Nachtreten wäre mir Schmach!
Hab alles von mir selbst gelernt.'
Es ist auch darnach!
Goethe, Zahme Xenien VII
'Ich kann wohl' und 'ich werde wohl' sind zwei faule Knechte. Steiermark
'Ich kans wohl', 'ich kans zuvort', regiert jetzt an allem Ort; wenns nun soll kommen fort, so hinckt es hie und mangelt dort.
i] Mit dem Schluss: 'und wenn sie sollen fort, ist wahr davon kein wort.'
'Idealisten' werden deshalb patronisiert, weil sie Ziele nicht zu verwirklichen gedenken, sondern bloß verehren.
Günther Anders
'In der Urzeit seien Menschen gewesen
Seien mit Bestien zusammen gewesen.'
Goethe, Zahme Xenien V
'Ins Innre der Natur’
O du Philister!
’Dringt kein erschaffner Geist.’
Mich und Geschwister
Mögt ihr an solches Wort
Nur nicht erinnern!
Wir denken: Ort für Ort
Sind wir im Innern.
Goethe, Gott und Welt – Allerdings
'Ist Konkordat und Kirchenplan
Nicht glücklich durchgeführt?'
Ja, fangt einmal mit Rom nur an,
Da seid ihr angeführt.
Goethe, Zahme Xenien IX
'Ist's auch geschält?' fragte Faulpelz, als man ihm ein Ei bot.
'Ists in der Näh? Kams aus der Ferne?
Was beugt dich heute so schwer?'
Ich spaßte wohl am Abend gerne,
Wenn nur der Tag nicht so ernsthaft wär.
Goethe, Zahme Xenien IV
I baiss m'r die Noasa (Nase) 'runter, wenn ...
I be Moër.
i] Ich bin Meier. Eine sprichwörtliche Redensart im Ries, wo der Meierhof ursprünglich der bedeutendste im Dorfe ist. Der auf ihm sitzende Bauer heißt Meier, rieserisch 'Moër'; ein Ehrentitel, den man ihm zu geben nicht unterlassen darf, wenn man nicht bedeutend 'daneben heben' (sich verfehlen) will. Moër zu sein, ist das Ideal der rieser Bauern; und mancher hat es sich schon viel kosten lassen, um mit dem Hofe auch den schönen Titel einzuhandeln. Für das Herunterkommen, wenn es seine anderweitigen guten Gründe hat, ist selbstverständlich kein Kraut gewachsen, auch nicht auf dem Meierhof. Der Besitzer muss nicht in jedem Dorfe eben der reichste Bauer sein; er kann auch verderben, wenn er's nicht anders haben will. Aber dem Ansehen des Titels schadet dies nichts. Obige Redensart will daher nichts anders sagen, als: ich bin der Erste, Einflussreichste, Mächtigste u.s.w.
I bi miner Mutter nid a de Zehe g'wachse.
I bi scho g'macht, aber gar übel g'rothe.
i] Scherzhafte Entgegnung auf die Aufforderung: Mach', mach'!
I bin a nit uf der Wassersupp'n harg'schwumma. Franken
i] Ich bin auch nicht von schlechter Herkunft.
I bin au amôl sechzehn gewese, sagt der sell (närrische) Alte.
I bin au koiner Sau vom Ars g'fallen, sagte der Bauer, da sich einer mit seiner Abkunft vom Schulmeister rühmte.
I bin in d' Krott komma.
I bin Manns genug d'rzua.
i] Ich habe dazu Geschick, Kraft und Ausdauer.
I bin nur zum Laufa, net zum Springa.
i] Mein Stand ist nicht so hoch, das ist nicht mein Beruf, das geht einen Höhern an.
I bin wie a Brüthenn, mir frierts de ganze Tag. Neresheim
I de Hudle erzieht me d' Pudle. Solothurn
i] Hudel, in Luzern Kindswindel, wofür in Aarau Huttel, dann Lappen, besonders alter Lumpen von Leinwand, uneigentlich lumpiger Mensch. Hudelvolk = Lumpenvolk, Hudelwaare = Sachen oder Leute ohne Werth. – Liederliche Menschen in lumpigen Kleidern groß gezogen.
I der erste Wuchen im Augste heiss, blybt der Winter lang weiß.
I du verflischter Rechen, sagte der Handwerksbursche, der aus der Fremde kam und den Namen von dem Dinge nicht mehr wusste, als er auf die Zinken trat und ihm der Stiel an die Nase schnellte.
i] verflischter = mildernde Verstümmelung von verflucht.
I fall in d' Schatefras'n (Scheitefraisen). Troppau (Ich falle vor Erstaunen um)
I gäb kei Rübischnizli drum.
I gäb net nach und wenn's Krotte (Kröten) haglet. Ulm
I gang aus, und wenn's Krotte (auch Schmiedeknechte) haglet.
I gib dir a Dåchtl, dass dir neun Tåg vom Teufl tramt. (Dieselbe Redensart kommt auch vor mit den Ausdrücken: Dern, Detschen, Flaudern, Flåschen, Fotzen, Watschn)
I gib meiner Schnoaderbichsen net umsunst z' essen. Niederösterreich
i] Wer von seinem Munde einen starken Gebrauch macht.
I git dir e Weggli wie siib Meitli dem Hund.
i] Weggen oder Wek = ein hölzerner oder eiserner Keil um Holz zu spalten u.s.w., dann eine Art keilförmiger Kuchen, worauf man Butter und Kümmel tut. Weggli ist die Verkleinerungsform.
I Gotts Namen, is nid g'schwore. Luzern
I größer narr, i größer pfarr.
I ha 'ne sure Suppe g'ha, se rumplet mer im Bûch; i wett e neue Taler gä, i hätt' se ume drus. Bern
I ha no nie kei so gueti Suppe gässe, sitdem i G'richtsvogt bi.
i] Prahlerei, Hochmut.
I hab e Boi (Bein) im Bauch. Ulm (Ich kann mich nicht bücken)
I hab Wien vor lauter Häuser nit g'funden.
i] Sagte der Bauer, als man ihn fragte, wie ihm die Residenzstadt gefallen habe.
I hab' g'meint, 's komm Wunder weiß wer. Ulm
I hab' ihm a paar g'steckt.
i] Ein paar Ohrfeigen gegeben.
I hab' scho' a Spur.
i] Ich habe eine Vermutung über die Sache.
I hab's im Griff, wie der Metzger den Stich. (Sagt der, welcher etwas gut und ausgezeichnet kann)
I häd bald a schwarze Henna (Henne) verlobt. Bayern (Wenn jemand lange ausgeblieben ist)
I hätt net glaubt, dass d' Krebs so lange Schwänz hettet. Ulm
I hau de durch wie d' Nusssäck. Bietigheim
I hau di nieder, dass d' mit 'n Arsch auf d' Uhr schaust.
i] Ein Kraftausdruck aus der Umgegend von Wien.
I hau di nun wie en Nusssack. Ulm
I hau di nun wie en Tanzbär (o. Affe). Ulm
I hau di, dass du's gern besser hättest. Rottenburg
i] Während der Belagerung von Düppel durch die Preussen (März 1864) vernahm man in Berlin in der entsprechenden Volksklasse die Redensart: 'Ik hau dir ein Düppel jejen deine Büffelkoppel, dass de nach Alsen rüberfliegst, wenn du nich jleich deine Missunde hältst, du ollet Dannewerk. Schlesisches Morgenblatt, 1864
I hau dir eins auf d' Fotzen (Mund), dass du drei Tag keine Sonne siehst. Troppau
I hau gucket wie a Narre. Ulm
I hau ihn zusammen wie 's alte Eisen. Nürtingen
I hau'n g'moant, i mües aus der Haut fahra. (Fast wäre ich dem Zorn, dem Unwillen unterlegen, ich hätte fast meine Fassung verloren)
I hett die Brüah (Brühe) drvou. Würzburg (Eine abweisende Redensart, um zu sagen: ich will davon nichts wissen)
I hett g'meint, de Herget ließne das nid zue.
I ho nit sou viel Haar uf'n Koupf, as mi dös reut. Franken
I hob moin Schuss scho sider' drei Johr im Lauf, soll i ihn wege de Dunerskerle (betrunkenen Kerle) verschießen? sagte der Posten, als der Hauptmann fragte, warum er nicht auf den Strolch Feuer gegeben habe.
I hust' dir drein. Nürtingen (Für: blass', pfeif', scheiß')
I Jahre 1901 wurde die Leiche eines Vagabunden im Spritzenhaus von Lichtenhain bei Jena mit Strohseilen an Armen und Beinen von einigen jungen Leuten gebunden, welche ihr das Herumstrolchen benehmen wollten.
I jo, de Wein was gaut, säd' de Bûr tô'm Aptheker in Körlin, as he nâ acht Dâg' betâlt. Ik feul em noch. Hinterpommern
I kån ihr kan G'schloss vorhängen. Niederösterreich (Sagt die Mutter in Bezug auf ihre Tochter, um auszudrücken: Ich kann ihre Jungfrauschaft nicht behüten, wenn sie es nicht selber tut)
I kån net immer die Hand drauf halten. Niederösterreich (Sagt die Mutter, wenn die Tochter nicht selbst auf sich achtet, um die Jungfrauschaft zu bewahren)
I kann net greine, außer i krieg Prügel, sagte der Bube, als ihn der Vater fragte, warum er net greint hat, als man seine Mutter ins Grab gelassen.
I kauf's um ke Pfund Lumpa.
i] Ich lege nicht den geringsten Wert darauf.
I komm' und wenn's Schmiedknecht regnet. Ulm
I könnet glei naus, wu ke Louch it. Franken
hdt] Ich könnte gleich hinaus, wo kein Loch ist. (Um den höchsten Grad der Aufregung zu bezeichnen)
I kumme nid us der Musik.
I lass m'r main Kopf 'runterschnaid.
i] Mit der Fortsetzung: 'wenn dass (nit) wahr is'.
I lass mer net im Bart kratzen. Ulm
I lass mi net schupfe. Ulm
i] Aufziehen. Schupfen war im Mittelalter, z.B. in Straßburg, eine Strafe für Weinverkäufer, die falsch Maß hatten und für Bäcker, welche Brot gegen die Stadtordnung buken. Der Sträfling ward mit einem Strafwerkzeug in den Kot geworfen und mehrmals damit bedeckt.
I ma nid rede wie de Ma e Nase het.
I mach nex bais (bös). (Ich hindere nicht, bin nicht dagegen)
I mag nid 's Mûl (Mal) uftun, hät de Sämichasper gseit, wo-n er is Gülleloch abe gheit ist.
i] Gülle = Pfütze, Wasser; dann auch Mistjauche. Wer in ein Loch, mit solcher Flüßigkeit gefüllt, fällt, hütet sich wohl, den Mund zu öffnen.
I mehr gesetz, i weniger recht.
I möcht di nid mit eme Stäbli arüere. Luzern
i] Von einer ekligen, widerwärtigen Person.
I möcht uff der Sau zum Land usryte. Solothurn
i] Ausruf, wenn etwas nicht zum Aushalten ist.
I möcht's käm Hund gunne.
I mött nüd gern d' Suppe mit tem g'me ha.
i] Ich möchte nicht gern gemeinsame Sache mit ihm machen.
I muss dir nur d' Stadtbrill' ufsetza.
i] Um zu sagen: damit du siehst. Ironisch: um besser zu sehen, einzusehen, zu verstehen.
I muss net von allem Dräck (Dreck) han. Ulm
I nimms auf mein G'wisse, wie d' Katz d' Bratwurst. Schwaben
I rede vu ander Leit und ander Leit vu mir, seit de Schwôb.
I röid wi m'r d'r Schnoabel g'wachs'n ît. Franken
i] Wie ich es gewohnt bin; dann auch: geradeheraus, ungeschminkt.
fr] Il parle comme un perroquet.
I sag nit äso, änd sag nit äso, damit einer nit sagen kann, i hätt äso oder äso gesagt. Wien
I sau slâ Gott 'n Deuwel dôt! reip Uelenspeigel, do em de Böxen platze. Lüneburg
I schlaf bei da graen Bettfrau und iss bei der goldenen Sun. Wien
i] Bei der grünen Bettfrau schlafen und bei der goldenen Sonne essen, klagt der Obdachlose, der im freien, grünen Felde übernachten muss und nicht hat, um sich in einem Gasthause zu erfrischen.
I schlag d'r alle Zähne in den Rachen na. Rottenburg
I schlag der oins hinter dei Passohr, dass de den Himmel für a Bassgeig asiehst. Ulm
I schlag di (dass du) grün und blau (wirst). Rottenburg
I schlag di as der vierzäh Tag 's Lîge weh tuet.
I schlag di den Buckel (Ranzen) voll. Rottenburg
I schlag di hinters Ohr, no wirst net hinkig. Rottenburg
I schlag di krumm und lahm (o. bucklig). Rottenburg
I schlag di no ung'spitzt in Boden hinein. Rottenburg
I schlag di, dass dir der Asch g'schwillt. Rottenburg
I schlag di, dass du Baumöl saichst. Rottenburg
I schlag di, dass du nach Gott schreist. Rottenburg
I schlag di, dass du's gern besser hättest.
I schlag di, dass man dich von mir wegtragen muss. Nürtingen
I schlag di, schla du vördann. Ostfriesland
I schlag dir glei eini ins Landg'richt (Mund), dass dir di Schreiber in Hals abi kugeln. Rotttal
I stell' mi auf main Kopf.
I stoh allewil im Scherme, wenn's Glück regnet. Aargau
i] Scherme = ein Ort, der gegen Wind und Wetter oder anderes, was schaden kann, Schutz gewährt; im engern Sinne ein leichtes Gebäude, um das Vieh im Notfalle unter Dach zu stellen; hochdeutsch Schirm. Fürscherm, Vorscherm = ein hervorspringendes Dach an einem Hause. Schermtanne = eine große dichte weitästige Tanne zum Schutz gegen das Vieh.
I thu di g'scheidsten Reden, wenn sie mir einfallen. Franken
i] Selbstironie.
I trau mi net, es fliegt mir am End davon, sagte der Lehrbub, als der Meister meinte, er solle sein Fleisch blasen, wenn es zu heiss sei.
I waiss nit, wu m'r d'r Kopf steht.
I war eh' scho im Gehen, hat der gsagt, den s' nausgschmissn ham
I war ihm's Füederl höcha legen.
hdt] Ich werde ihm das Futter höher legen. (Ihn einzuschränken wissen. Von der Viehfütterung entlehnt)
I wäss nit, wi i' mein Sôk (Sack) ou' henga söll. Franken
i] Ich weiß mir in dieser Verlegenheit nicht zu helfen.
I wäss nit, wu i'n hintue sell. (Ich kenne ihn, weiß aber seinen Namen nicht; ich habe ihn schon einmal gesehen, weiß mich aber des Nähern über ihn nicht zu erinnern)
I wäss, wu mi' d'r Schuh drückt. Franken
fr] Vous ne savez pas où le bât le blesse.
sp] Sé donde me aprieta el zapato. Don Quixote
I weniger gsatz (Gesetz), i besser recht.
I wer eam schon an Schurr antuan. Kärnten
i] Ich will ihm schon einen Verdruss, ein Ärgernis verursachen, ihm einen schlimmen Possen spielen.
I werd' ferti (fertig), eh'r a Kaz e Ä löigt und wenn si scha 'n Nast sizt. Franken
I wett em lieber en Kübel voll gen, weder gnueg.
I wett für das nit der Pumperniggel singe. Solothurn
i] So wertlos ist mir die Sache, so unbedeutend erscheint mir die Angelegenheit.
I wett küechle, wen i Anke hätt, aber i ha kes Mehl.
i] Von denen, welchen alles fehlt, was zur Sache erforderlich ist.
I wett, wenn d' nume rot würdest!
sinnverwandt] Es g'scheht em uf d' Nase recht. I wott, er wär as Tüfels Chilbi! I wett, dass de Stössvogel de gno hett. I wett, wenn d' numen au versunkist. I wett, wenn z' Dräck verfahre thätist. I wett, wenn z' Tod gheitist. I wett, wenn d' Bei abgheitist und de Grind verschlichist! I wett, wenn di nume 's heilig Dunnerwetter verchlöpfti. Schweiz
I weusch dir en böse Nohber (Nachbarn) und e Floh is Ohr.
I will d'r 'n Deig'l (Deckel) von Höf'n thanna (vom Topf tun). Franken (Ich will dir reinen Wein einschenken)
I will der zeige, wo d' Chatz im Heu liit.
I will der's goab'n (geben), as (dass) der vor G'lust nit's Jung' ô' gett (abgeht). Franken (Spottweis zu einem, der großes Gelüst hat, wie eine Schwangere)
I will di banklöchle. (Vom Bankloch, Loch in einer Bank zur Aufnahme des Spinnrockens. Früher hat man bisweilen die Katzen mittels eines Strickes an diesen Banklöchern erdroßelt, woraus sich wohl die Drohung erklärt, die man scherzhaft noch gegen Kinder gebraucht)
schweiz] Chomm, i will di bancklöchle. (Necken, plagen)
I will di bî de Ôgen gân un nageln di de Finster to. (Drohung derer, die mit Fäusten einem anderen ins Gesicht schlagen wollen)
I will di in d' Schule füere-n, 'aß lehrsch läse. Solothurn
i] Ich will dir sagen, wer recht hat.
I will di no lehre Haber bicke.
I will di zum Brunne fueren, 'ass vor em selber lehrsch sufe. Solothurn
I will hindersi ge Rom laufe.
i] Beteuerungsformel mit der Ergänzung: wenn es nicht wahr ist.
I will iner lo de Chopf (Kopf) abschlo.
I will kei g'sundi Stund' meh ha.
i] Beteuerungsformel.
I will mi lo i de Pfanne haue.
i] Zu ergänzen: wenn es nicht so, nicht wahr ist, wenn es sich nicht so verhält. Um etwas zu beteuern
ähnlich] Alledag! Jere ja. Bern Jo sehr. (Zürich.) Jo derzu. Dütli. Bern Mis b'halt's. Oeppe ja! Oeppen au! Oeppe Gottel (auch: egottel, egoppel, goppel au, goppelheja). Gottwel! So Gottel! Jo 's der Gott. Bern Säbisch! Säb wett i meine! Schätz wohl. (Zürich.) Säg, i hab's geseit. 'S Bott. Bern 'S isch kei Red! 'S isch nu se gwüß! Spaß aparti. Womoll (auch: Momol). Wäigger. (Zürich.) Bigönig! Bigopp (bigopplig, bipopp, bigopslig, bigotzlig). Bigost (bigostlig, bigöst, bigöstlig, z'göst). Bim Aveheuel. Luzern Bim Bluest. Bim Chätzli. Bim Chrut am Becki. Bim Chrutmilzbrand. Bim Chrüz an Stäcke. Bim De ud Dise. Bim Dolder. Bim Dracke. Bim dreibeinige Donnerstufel. Bim Diter. Bim Dütschel. Bim Dunderli. Bim Eicher. Bim Eichli. Bim Eicherlig. Bim Eichledrü. Eidi bim Eid. Bim Goffert. Bim G'wüße! Bim Hebet. Bim Hell. Bim Hackementlig. Bim Hafner. Bim Hund. Bim Heuel. Bim Schnepp. Bim Strehl. Bim ebige Strom Dummer Hammer. Bim Tüchtel (= Dütschel). Bim Tünnggeler. Bim Tümer. Bim Tiger. Bim Tiller (Tilder, Täller). Bim Wätti. Bi mine Muet. (Aargau.) Bi Treu und Säligkeit. Mi Sêcht, mi Sêchtlig, mi Sechti, mi Sex, mi thürt. Gott Seel. Mi armi thüri Himelsgottsseel. Das Möckli Brod soll mi verspränge. De Güggel soll mer 's Westli verbicke. Der Tüfel soll e Schelm si. Der Tüfel soll verrecke, wenn's nid wahr ist. Der Stier soll mi hudle. Do bîsst kei Mûs en Fade meh ob. Es ist so wohr as Ame! Es soll mich d's Böscha holu (Wallis). Es gilt es Chürchli. Es gilt en Schüblig. I' will nid flueche, aber der Tüfel sölt mi näh. I will kei g'sundi Stund meh ha. I will nit lebens hie hinne goch. I will nid vo dem Plotz eweg cho. I will der gäbeln es isch so! I will en Chäzer sê. I will Hans (Hansjoggeli) Heiße. I will kei Teil am Himmel ha. I will 's Tüfels fluecht sii. I will mi lo henke. I will mi lo de Kopf abschlo. I will mi lo z' Chrut und z' Fätze verschlo. I will mi lo verrîsse und verzehre. I will hindersi ge Rom laufe. Nähm 's der Tüfel, es ist wahr. Nähm mi der Tonnost. 'S heilig Donnerwetter, soll mi verschießen. 'S muess sî, wie wenn d's an en Ofen am redt ist. Wenn d's nid glaube witt, so bätt bis d' zum Glaube chumst.
I will mi lo z' Chrut (Kraut) und z' Fätze verschlo.
i] Beteuerungsformel mit einem durch 'Wenn' eingeleiteten Ergänzungssatz.
I will's no lieber z' tod rühre, als no ein ist wintere. Schweiz
I wir de zletzt müesse d' Chaz düre bach zin. Bern
I wird' so dumm sein, sagt der Fuchs, und lass mi von die Henna auffressn!
I wollt', i wär dahâm, sagte der Jude, als man ihn henkte. Schwaben
I wott keis Helgli. Solothurn
i] Ich will keine Belohnung.
I wött lieber si Betbuech se, as (z.B.) si Ross. (Von einem rauhen Menschen, der mit den ihm untergeordneten Wesen (Menschen oder Tieren) sehr hart verfährt)
I' bleib net dahoim und wenn's Krote (auch Schmiedeknecht) hagelt. Schwaben
I's muss 'n e Furz ei die Quare gange sein. Böhmen
I, keine Idee.
I, sä de besopen Bûer, da ehne Jürgen in de Hosen schetten harre, Arften getten un Linsen schetten. Hildesheim
Icarus wolte zu hoch fliegen, da muste er im meer liegen. Tut es einem sehr wohl glücken, so soll er sich desto mehr tücken, soll meiden stoltz und vbermut, welcher Gott und menschen vbel tut.
la] Icare nate bibis? iam iam sine patre peribis? Jam tibi dixi bis medio tutissimus ibis. Icarei fati, memores estote beati.
la] Dum petit elatis nimium sublimia pennis Icarus, Icareas nomine fecit aquas.
Ich (Er) muss immer über Bänkel springen.
z] Wahrscheinlich von einer (Schul-?) Strafe entlehnt. Ein anderer meint, die Redensart könne wohl vom Femegericht ihren Ursprung haben. 'Bei demselben', sagt er, 'saß man mit übereinander geschlagenen Beinen. Der Fron warnte den Angeklagten, indem er ihn mit einem geschälten Weidenstock über die Schienbeine schlug, worauf jener die Beine über die Bank schwenkte und die Versammlung verließ. Diese Warnung erhielt er dreimal, blieb sie erfolglos, so verfiel er dem Gericht.'
Ich (Gott) war ein Vater der Armen. Hiob 29, 16
Ich (ma) möchte mich (sich) goar begroaben.
Ich aber muss meinem erhabenen Schüler zurufen: La Musica merita d'esser studiata (die Musik verdient es, studiert zu werden). Beethoven, an Erzherzog Rudolf, 1819
Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen. Josua, 24, 15
Ich acht' es gleich, als wenn es zu Rom donnert.
Ich achte der Possen nicht, sagte jener Bischof, als er einen Spruch aus der Bibel hörte.
Ich achte ihn nicht so viel wie meine alten Schuhe.
ho] Ik acht hem als mijn' ouden schoen.
Ich achte mich in keinem Stück so glücklich,
Als dass mein Sinn der Freunde treu gedenkt.
en] I count myself in nothing else so happy
As in a soul rememb'ring my good friends.
Shakespeare, König Richard II. II,3
Ich achte nicht des Mondes Schein, so mir die Sonne will gnädig sein.
Ich achte weder Geld noch Gold, der Ehr und Treu bin ich holt, Hoffnung mich erhelt biss mein glück felt.
Ich ackere, sagte die Ameis, da sass sie auf dem Ochsenhorn.
Ich Affe, steh' und gaffe, und weil ich gaff' und steh', so könnt' ich weiter geh'. Hausinschrift
Ich als Dichter habe ein ganz anderes Interessse, als das der Kritiker hat. Mein Beruf ist zusammenfügen, verbinden, ungleicharte Teile in ein Ganzes zu vereinigen; des Kritikers Beruf ist, aufzulösen, trennen, das gleichartigste Ganze in Teile zu zerlegen.
Goethe, K. A. Böttiger, (Frühjahr) 1795
Ich arbeite für den Teufel, bis ich mein Mittagessen habe, und dann folge ich Gott. Zigeuner
Ich ärgere mich, wenn der treffliche Homer auch einmal schläft. Horaz, Von der Dichtkunst
Ich asse lieber Worscht beim Brute hot's zu viel Mahl.
hdt] Ich esse lieber Wurst, das Brot hat zu viel Mehl.
Ich bau' ein Haus für mich, gefällt's dir nicht, bau' eins für dich.
la] Tecum habita.
Ich beantrage sofortige Obduktion, denn es ist reine Verleumdung, sagte der Mann zum Richter, als dieser ihm vorhielt, seine Frau habe ihn angeklagt, sie mit Arsenik vergiften zu wollen.
Ich bedank' mich für de gnäd'ge Strofe. Oberlausitz (Ironisch bei erhaltenen Verweisen und dergleichen, doch mit sehr ernster geschichtlicher Grundlage, an jene Zeiten erinnernd, wo sich die Bauern beim 'gnädigen Herrn_ für die erhaltenen Prügel zu bedanken hatten)
Ich bedauere die Menschen, welche von der Vergänglichkeit der Dinge viel Wesens machen und sich in Betrachtung irdischer Nichtigkeit verlieren. Sind wir ja eben deshalb da, um das Vergängliche unvergänglich zu machen, das kann ja nur dadurch geschehen, wenn man beides zu schätzen weiß.
Goethe, Maximen und Reflexionen 155
Ich beeile mich, über alles zu lachen, um nicht gezwungen zu sein, darüber zu weinen. Beaumarchais, Der Barbier von Sevilla, I, 2
Ich befahl's meinem Hunde, der hat's mit Bellen seinem Schweif gegeben zu bestellen. Basken
en] He who goes about a thing himself, has a mind to have it done; who sends another, cares not, whether it be don or not.
en] Tat which a man causes to be done, ho does himself.
Ich befehle dem Hund, und der Hund befiehlt seinem Schwanz. Basken
Ich begnüge mich, den Weltlauf zu genießen, ohne in ihn einzugreifen; ein Leben zu leben, das wenigstens entschuldbar ist und durch das ich mich und andere nicht unnötig behellige.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais
Ich begreife nicht, wie die Reisenden in Afrika immer über Wassermangel klagen können, sagte Biermann, als er sechs Seidel Bier getrunken hatte; ich würde es wochenlang ohne Wasser aushalten.
Ich begreife, dass man einer Stimmung dieser Art nicht immer Herr sein kann, aber man kann danach streben. W. v. Humboldt, Briefe an eine Freundin, 2. 2. 1835
Ich behalt meine Zähne zum Wölffen, die kleinen Hündlein beißen mich nicht.
Ich behalt mir das selbs, sprach graf Hanns von Werdenberg.
Ich behandle das Kleine mit derselben Liebe wie das Große, weil ich den Unterschied zwischen klein und groß nicht recht gelten lasse.
Theodor Fontane, Briefe
Ich beharre streng auf der Forderung, die ja auch allgemein anerkannt wird, dass bei jeder Erzählung, besonders der beschreibenden, die strengste Folge der abzubildenden Gegenstände in Verknüpfung, Steigerung, in jeder Art von Vorschritt immer so klar und scharf gezeichnet sein müsse, dass der Hörer und Leser notwendig so und nicht anders denken könne.
Goethe, An K. Streckfuß, 27.1.1827
Ich behaupte – da bei den Menschen die Männer von Natur das stärkere Geschlecht sind, die Frauen das schwächere – dass man jeder der beiden Naturanlagen die für sie förderlichsten Leistungen zuweisen muss, die schwerere dem stärkeren, die leichteren dem schwächeren Geschlecht. Daher passt Spinnrad besser für die Frauen als für die Männer und ebenso der Haushalt! Dagegen Gymnastik mehr für die Männer als für die Frauen wie auch das Leben unter freiem Himmel.
Gajus Musonius Rufus
Ich behaupte, dass eine mittelmäßige Rede unter der Gewalt eines vollendeten Vortrags mehr Eindruck macht als die vollendetste, bei der der Vortrag mangelt. Quintilian
Ich behaupte, dass wenn alle Menschen wüssten, was sie voneinander sagen, es nicht vier Freunde auf der Welt gäbe. Pascal, Pensées
ich bekam (o. es überlief mich) eine Gänsehaut
en] it made my fesh creep - it gave me the creeps - my flesh was crawling
fr] j'en eus la chair de poule
it] mi venne la pelle d'oca
ich bekam weiche Knie - die Knie zitterten mir
en] I went weak at the knees
fr] j'avais les jambes en coton (o. en pâté de foie) - j'en ai eu les jambes coupées
it] le gambe mi facevano giacomo giacomo
Ich beklage einen verliebten Alten: die Leidenschaften der Jugend richten eine schreckliche Verheerung in einem abgenützten und verwelkten Körper an.
Vauvenargues, Reflexionen und Maximen
Ich bekomme die Schuld, sagte der Käse, und der Zucker hat die Zähne verdorben.
ho] Ik krijg de schuld, zei de kaas, maar de suiker heeft uwe tanden bedorven.
Ich bekümmere mich nicht um fremde Sachen, sagte Hans auf der Ofenbank, als man ihn fragte, was an der Uhr sei.
bm] Sedím u peci a hřeji pleci, i nemíchám se v cizí vĕci.
Ich belle aus keinem Hundskopf.
la] Non injussa cano.
Ich bemerke nur, dass es den Regierungen mit ihrem Liberalismus so geht wie den Damen: die jüngste gefällt immer am besten. Bismarck, im Abgeordnetenhause, 9. 12. 1868
Ich ben bang, de Trunenkeet e Loch en. Bedburg
Ich ben esu gramm we 'ne Markgrof en der Muuz. Köln
hdt] Ich bin heiser wie ein Häher in der Mauser.
Ich beneide alle Leute darum, nicht ich zu sein.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe
Ich beniesses, 's is woahr.
Ich benutze meine Bibel all Wochen, sagte der Bauer, als ihn der Pastor fragte, ob er sie auch gebrauche, ich wetze mein Barbiermesser darauf.
Ich bepreife nicht, wie ein Mensch, der über sich nachdenkt und doch von Gott nichts weiß oder wissen will, sein Leben vor Verachtung und Langeweile tragen kann. Bismarck
ich besitze keinen roten Heller (o. Groschen o. Pfennig o. Rappen) - ich sitze auf dem Trockenen - in meinem Geldbeutel herrscht Ebbe - ich bin (völlig) abgebrannt (o. blank)
en] I haven't (got) a penny to bless myself with (o. to my name) - I am an the rocks - my funds are at low ebb - I am hard up (o. stony-broke)
fr] je n ai pas le sou (o. un sous vaillant o. un liard o. un rond) - je n'ai plus un radis - je suis fauché (o. à sec) -je suis raide comme un passe-lacet - ma bourse est plate - les fonds sont bas (o. en baisse)
it] resto in secco - non ho il becco (o. l'ombra) di un quattrino - non ho un quattrino da far cantare il cielo - sono al verde (o. all' asciutto) - ho le tasche vuote - sono corto di danaro - non ho un baiocco
Ich bestehe darauf, dass man jungen Mädchen, die man gut erziehen will, auch von der Liebe etwas sagen muss. Stendhal, Über die Liebe
Ich bestrafe meine Frau nur mit guten Worten, sagte der Mann und warf ihr die Bibel an den Kopf.
Ich bestreite nicht, dass Gebete uns sehr nützlich sein mögen, denn mein Verstand ist zu schwach, um alle Mittel bestimmen zu können, welche Gott zu Gebote stehen, um die Menschen zur Liebe zu ihm, d. h. zum Heil, zu führen. Spinoza, Brief an van Blyenbergh, Schiedam, 28. 1.1665
Ich bestreite, dass der Adel in Preußenunpopulär sei.
von Bismarck, Preuß. Landtag 24. Okt. 1849
Ich bete an die Macht der Liebe,
Die sich in Jesu offenbart.
Gerhard Tersteegen (Vertont v. Demetrius Bortiansky)
Ich betrachte auch einen siegreichen Krieg an sich immer als ein Übel, das die Staatskunst den Völkern zu ersparen bemüht sein muss.
Otto von Bismarck, Rundschreiben an die Vertreter des Norddeutschen Bundes (29. Juni 1870)
Ich betrachte das Leben als eine Herberge, in der ich verweilen muss, bis die Postkutsche des Abgrunds eintrifft.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares
Ich betrachte die Musik nicht nur als eine Kunst, das Ohr zu ergötzen, sondern als eins der größten Mittel, das Herz zu bewegen und Empfindungen zu erregen. Gluck, An J. B. Suart, 1777
Ich beuge mich vor Christus als der Offenbarung des höchsten Prinzips der Sittlichkeit. Goethe
Ich beuge mich, aber ich breche nicht. La Fontaine, Fabeln: Die Eiche und das Schilfrohr
Ich bewundere, was über mir ist, ich beurteile es nicht.
Goethe, Theatralische Sendung II,2
Ich bezweifle sehr, dass Ehemänner länger leben als Junggesellen. Ich bezweifle allerdings nicht, dass es ihnen so vorkommt.
Jean Marais
Ich bî goar ze jung uf de Welt kummen. Schlesien
Ich bî hinte (heunte) nich wî a Farkel (Ferkel) schloafen gegangen, sagte die Magd, 's hôt mich a Junggeselle geharzt. Schlesien
Ich bî ôch ankummen wi junk Bier ohne Häwen. Schlesien
Ich bien au a Paterjot (Patriot), sagte Hans; Weib, koch Sauerkraut. Schlesien
z] Dem Sauerkraute bleib' ich treu. L. Börne
Ich bilde mir so viel ein als ein Doktor, Edelmann u.s.w.
Ich bin
Gefährlich, weil ich über mich gedacht. Schiller, Don Carlos, III, 10 (Marquis)
Ich bin a ghözta Fuchs. Oberösterreich
Ich bin allein auf weiter Flur.
Joh. Ludw. Uhland, Schäfers Sonntagslied (1805), Meldodie von Konradin Kreutzer (1821)
Ich bin alles Gewesene und Seiende und Künftige, und meinen Schleier hat nie ein Sterblicher gehoben. Plutarch, Isis und Osiris
Ich bin allezeit derjenige, welcher. Berlin (Nämlich kann, wenn ich will, oder weiß, was zu tun ist)
Ich bin am Ufer.
i] Ich weiß es, die Sache ist mir klar, ich bin zu Hause; auch in dem Sinne: ich bin jetzt an einem sichern Orte.
bm] Už jsem doma.
bm] Už jsem na břehu.
bm] Uš jsem na prostrannĕ.
Ich bin an keinen Baum gepisst.
i] Um zu sagen, dass man ebenso von guter ehrlicher Abkunft sei wie der andere.
Ich bin auch ein Dieb, lasst mir die Gäule, sagte der Bauer zu den Soldaten, als sie ihm die Pferde nehmen wollten.
Ich bin auch ein Mensch.
la] Homo sum, humani nihil a me alienum puto.
Ich bin auch in dem spital gewesen.
Ich bin auch in der sucht krank gelegen.
Ich bin auch jung gewesen, sagte jene alte Frau, und hab' auch geküsst, aber so ein Geküsse hab' ich mein Lebtag nicht geseh'n.
Ich bin auch kein Muss von gestern.
Ich bin auch keiner Sau vom Arsch gefallen, sagte der Bauer, da sich einer mit seiner Abkunft vom Schulmeister brüstete.
Ich bin auch mit der Lauge gewaschen.
ndt] Ich bin ah mit dr lägh gewaschen. Oberharz
i] Ich habe dasselbe Schicksal gehabt, mir ist dasselbe begegnet.
Ich bin auch musikalisch, sagte die Magd, ich blase die Suppe.
Ich bin auch nicht auf dem Miste gefunden.
Ich bin auch nicht auf der Brennsupp'n dahergeschwommen.
Ich bin auch nicht auf der Sau dahergeritten.
Ich bin auch nicht auf der Straße gefunden.
Ich bin auch nicht hinter dem Zaune aufgelesen worden.
Ich bin auch nicht von der Straße gekehrt.
dä] Om jeg er ellers fød i stæn; ikke funden ved en høg eller gierde som et hitte barn.
ho] Die zijn aan een' boom gepisst.
ho] Meendi dat ick aen een boom gopyst bin.
Ich bin auch unter Leuten gewesen, sagt jener, do er vnter der Spende schier erdruckt war.
Ich bin auf dem Hofe aufgewachsen und weiß wie man mit Rindvieh umgeht, sagte der Ochsenjunge.
ho] Hij is aan het hof van Jan Vlegel opgevoed.
Ich bin auf dem Reinen, sagt der Spieler, wenn er kein Geld mehr hat.
Ich bin auf die Ferse gefallen. Ungarn
z] Ei, bevor man mich hat, drück' ich mich schon; ich bin ja auf die Ferse gefallen.
z] Er wundere sich höchlich, wie ich, doch sonst nicht auf den Kopf gefallen, nicht einsehen wollte. Goethe
z] Genug, er war auf den Kopf gefallen und dadurch zu Verstande gekommen.
en] his head is screwed (on) the right way
fr] il n'est pas tombé sur la tête
it] sa distinguere il pan dai sassi
la] Emunctae naris homo. Horaz
pl] Nie jest on w ciemię bity.
Ich bin aus einem durchlauchtigen Hause, sagte jener, mein Vater hatte wenig Schindeln auf dem Dache und wenig Bretter am Giebel.
i] Ähnlich sagte auch Papst Sixtus V., der Sohn eines armen Bauern, in der Mark Ancona, in dessen Hause die Sonne überall durchscheinen konnte.
Ich bin aus Flandern, geh' eine um die anderen. (Um Flatterhaftigkeit und Treulosigkeit der Weiber und jungen Männer auszudrücken)
z] Derowegen so war ich rasch geritten, sage, mein herzlieber Hese, dein Herz, dein Rat, ich bin von Flandern, gebe eine um die anderen. Neue preuss. Provinzialblätter, 1846
z] Flandern galt, als das jetzige Belgien noch zum deutschen Reichsgebiet gehörte, für die beste Grafschaft der Welt.
Ich bin aus Neapel gebürtig, dort kapaunt man alljährlich zwei- bis dreitausend Knäblein. Manche sterben daran, die anderen bekommen dadurch eine Stimme, die weit schöner als eine Frauenstimme ist, wieder andere lenken späterhin die Geschicke der Staaten.
Voltaire, Candide oder Die beste der Welten
Ich bin aus Tantalus' Geschlecht. Goethe, Iphigenie auf Tauris, I, 3 (Iphigenie)
Ich bin Bartholomes, und nichten der stark Herkules.
Ich bin besser als mein Ruf.
i] Aus Schillers Maria Stuart (4. Akt, 4. Scene) entlehnt, wo diese sagt: 'Das Ärgste weiß die Welt von mir, und ich kann sagen: ich bin besser als mein Ruf.'
Ich bin da (einmal) gewesen, ich komme nit hin wider.
fr] C'est le ventre de ma mère, je n'y retourne plus.
Ich bin da gewesen, ich komm nicht hinwieder.
la] Detestatio loci. – Vidit me locus iste semel; cum viderit ultra, ad caput et retro versa recurre aqua.
Ich bin da, sagte der Hund. (Spott auf jemand, der seine Person sehr hervortreten lässt)
ho] Ik ben éen, zei de hond.
Ich bin da, und du bist da, und wenn ich wiederkomme, bin ich wieder da. Danzig
Ich bin dagewesen, ich komme nicht wieder hin.
Ich bin dankbar für die schärfste Kritik, wenn sie nur sachlich bleibt. Bismarck, im Reichstage, 30.11. 1874
Ich bin darzukummen, wie jene Moit zum Kinde.
Ich bin das A und das O. Offenb. Joh 1,8
i] Im griechischen Alphabet ist der letzte Buchstabe das O = Omega.
Ich bin das Gestell, du das Zuckerfass. Surinam
i] Das Gestell oder die Barbakoto ist die Vorrichtung, auf der die Zuckerfässer bis nach Ablauf des Syrups stehen. Die Neger wollen durch das Sprichwort den Gedanken ausdrücken: Du Glücklicher kannst gehen, ich muss bleiben.
Ich bin dein mit Herz und Seele, mit Hemd und Haut.
Ich bin den deutschen Turnübungen durchaus nicht abgeneigt. Um so mehr hat es mir leid getan, dass sich sehr bald allerlei Politisches dabei einschlich, so dass die Behörden sich genötigt sahen, sie zu beschränken oder wohl gar zu verbieten und aufzuheben. Dadurch ist nun das Kind mit dem Bade verschüttet. Aber ich hoffe, dass man die Turnanstalten wieder herstelle, denn unsere deutsche Jugend bedarf es, besonders die studierende, der bei dem vielen geistigen und gelehrten Treiben alles körperliche Gleichgewicht fehlt und somit jede nötige Tatkraft zugleich.
Goethe, Eckermann, 1.5.1825
Ich bin der Akansa, immer zwei für einen Dreistüber. (Wie es auch komme, ich bleibe mir gleich, mich wirst du stets unverändert finden)
Ich bin der Anfang und das Ende. Offenb. Joh. 1, 8
la] Ego sum alpha et omega.
Ich bin der Ansicht, dass mein eigentliches Sein nur in mir selber wohnt; das andere Leben von mir besteht darin, was meine Freunde von mir wissen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais
Ich bin der Ansicht, dass sich unsere Nation dazu verpflichtet fühlen sollte, noch ehe dieses Jahrzehnt zu Ende geht, das Ziel zu erreichen, einen Menschen auf dem Mond zu landen und ihn wohlbehalten zur Erde zurückzubringen. Wir haben gelobt, dass wir den Weltraum nicht beherrscht sehen wollen von einer feindlichen Flagge der Eroberung, sondern von einem Banner des Friedens und der Freiheit. Wir haben geschworen, dass wir den Weltraum nicht erfüllt sehen wollen mit Waffen der Massenvernichtung, sondern mit Instrumenten der Forschung und Verständigung. John F. Kennedy, Rede vor dem Kongreß am 25.5.1961
Ich bin der Arras (Rabe), bin ich oben, so ruf' ich: 'Kwa!', bin ich unten, so ruf' ich: 'Kwa'. Surinam (Von jemandem, der sich immer gleicht, der bei seinem Worte bleibt. Was ich gesagt habe, habe ich gesagt)
Ich bin der Aussatz und fürchte selbst den Gouverneur nicht. Surinam
Ich bin der Bräutigam, den niemand haben will.
z] Wenn unser Herrgott den Schaden besieht, bin ich der Bräutigam, den niemand haben will.
Ich bin der erste nicht und werde der letzte nicht sein. (Der dies oder das tut, dem dies oder jenes begegnet)
Ich bin der erste, anzuerkennen, dass die semitische Rasse, verglichen mit der indoeuropäischen, wirklich einen minderwertigen Typus der Menschheit darstellt. Renan, Histoire générale et système comparé des langues sémitiques
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht: denn alles, was entsteht,
Ist wert, dass es zugrunde geht,
Drum besser wärs, dass nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.
Goethe, Faust I, Studierzimmer
Mephisto Vs 1339f.
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässet sein Leben für seine Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, siehst den Wolf kommen und verlässet die Schafe und fleucht. Johannes, 10,12
Ich bin der Hahn, ain redlich Man, der khrahen khan, da Turm und Mawren zu Poden gan. Neue Illustrirte Zeitung, 1879
i] Gelegentlich der Besitzergreifung Mostars, der Hauptstadt der Herzegowina im Jahre 1878, wurde dort ein aus der Zeit des Kaisers Maximilian II. datierendes Kanonenrohr, der 'Hahn', mit obiger Inschrift gefunden. Es ist drei und einen halben Meter lang und von Hanns Christoff Löffler gegossen worden.
Ich bin der Herr im Haus, aber was meine Frau sagt, soll geschehen.
Ich bin der Herr, hat der Mann gesagt und ist in die Hehnersteige geschloffen (geschlüpft). Oberösterreich
Ich bin der Herr, sagt Vater Hahn, wenn ich nicht wär`, sagt Mutter Henn`.
Ich bin der Herr, sagte der Mann, da saß er unterm Tisch.
Ich bin der Kantor von Jüterbogk und das ist meine Frau, sagte der Star.
i] Bezieht sich auf eine ergötzliche Geschichte, die 1878 durch die Zeitungen ging. Nach diesen Berichten hatte der Kantor in Jüterbogk seit Jahren einen sehr gelehrigen Star, der nicht nur einzelne Worte, sondern auch ganze Sätze nachsprach. Der Kantor hatte die Gewohnheit, bei missfälligen Vorkommnissen in seinem Hausstande zu äußern: 'Das ist ja eine verdammte Wirtschaft!' Worte, die dem Vogel bald geläufig waren. Derselbe hatte auch ferner öfters von seinem Pfleger vernommen: 'Ich bin der Kantor von Jüterbogk, und das ist meine Frau.' Das kluge Tier sprach bald beide Sätze und rief dieselben öfter des Tages zum Vergnügen der Hausbewohner. Nun hatte der Vogel im Frühjahr, seinem Freiheitstriebe folgend, einmal das Weite gesucht. Seine Freiheit war aber nur von kurzer Dauer. Mit einer Menge seiner Genossen war er in die Hände eines Jägers des Grafen Solms-Baruth gefallen, welcher sie als gute Tischbeute betrachtete. Bis auf zwei war ihnen bereits das Lebenslicht ausgeblasen, als einer der beiden übrig gebliebenen plötzlich schrie: 'Das ist ja eine verdammte Wirtschaft!' Der Jäger prallt erschreckt zurück und bricht, an Übernatürliches glaubend, stotternd in die Worte aus: 'Wer ist denn da?' worauf ihm die Antwort wurde: 'Ich bin der Kantor von Jüterbogk, und das ist meine Frau.' Der Vogel hatte dadurch sein und seines Gefährten Leben gerettet.
Ich bin der Kotfisch und verberge meinen Gestank nicht; es gibt aber mehr, die sind wie ich. Surinam
i] Sinn: Bei mir kommt alles gleich heraus, andere sind nicht besser als ich; aber sie wissen es besser zu verbergen
Ich bin der Labora, sagte der Buchhalter, indem er auf den Fabrikherrn wies, als nach dem Herrn Ora gefragt wurde.
i] Ein Fabrikhaus hatte über der Tür zur Schreibstube (Comptoir) den Spruch: Ora et labora anbringen lassen. Eines Tages kam ein Weber vom Lande und fragte den Buchhalter: 'Sind Sie vielleicht der Herr Ora?' 'Nein, ich nicht', entgegnete der Gefragte, indem er über die Schulter auf den Fabrikherrn wies; 'der ist der Ora, ich bin der Labora.'
Ich bin der Meinung, dass die Abneigung, welche manche Leute ihr ganzes Leben gegen Bücher und Wissenschaften behalten, ihren Grund bloß darin haben, dass sie in dem Alter, welches Anstrengung und Zwang am wenigsten ertragen kann, mit Gewalt zum Lernen angetrieben und an die Bücher gefesselt worden sind. Locke, Gedanken über Erziehung
Ich bin der Meinung, dass die Rolle der Frau in der Familie, wie auch in der gesamten Zivilisation, konservativ ist und sein soll. André Gide, Die Schule der Frauen, Robert
Ich bin der Meinung, dass es ohne die Freiheit nichts in der Welt gibt. Chateaubriand, Mémoires d'Outre-tombe
Ich bin der Meinung, dass man das eigene Ich, die innere Quelle, am besten in der Einsamkeit wiederfindet.
Anne Morrow Lindbergh, Muscheln in meiner Hand
Ich bin der Mitbürger eines jeden, der denkt, mein Vaterland ist die Freiheit. Salvador de Madariaga
Ich bin der öffentliche Mahner, doch rede ich zu Tauben. Koran, Sure 15, 89
Ich bin der Pater Orakel, wenn ich meinen Mund auftue, so darf kein Hund bellen.
Ich bin der Rabe (Arras); bin ich oben, so ruf' ich: Kwa; komm' ich herunter, so ruf' ich: Kwa. Surinam
Ich bin der Regen, ich tue Gutes, ich tue Böses. Surinam
i] Es kommt alles auf Zeit und Umstände an, und es hat alles zwei Seiten.
Ich bin der Sapakel, wenn du laut sprichst, höre ich's nicht, aber wenn du leise sprichst. Afrika
fr] Plus fait douceur que violence.
ho] Men wint meer door zachtzinnigheid dan door kwaadaardigheid.
it] Il cane s'alletta più colle carezze, che colle catena.
pl] Łagodność uśmiérza gniéw.
sd] Sagtmod gör herren trygg.
Ich bin der Schlamm, du die Flut. Ich bleibe, du kommst und gehst; ich bin beständig, du unbeständig. Surinam
Ich bin der Schutzengel meines Schweins geworden, sagte der Bauer, als er es bei der Überschwemmung aus dem Stalle gerettet hatte.
Ich bin der Sohn von des Königs Leibpferd, sagte der Maulesel, aber er vergaß zu sagen, dass seine Mutter eine Eselin.
ho] Ik ben een zoon van's konings lijfpaard, zei de muilezel; maar hij vergat te zeggen, dat zijne moeder eene ezelin was.
Ich bin der Sonnenvogel, der Regen macht mich nicht nass. Surinam
i] Von Leuten, von denen alles abläuft, wie Wasser von der Gans; die sich aus nichts etwas machen.
Ich bin der Überzeugung, dass Verstand, und sei er noch so hell erleuchtet, wenig ausrichtet, ist er nicht mit Enthusiasmus gepaart. Chamberlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts, Allgemeine Einleitung
Ich bin der Vogel, der schon davongeflogen ist, ehe der Baum zum Niederstürzen kracht. Surinam
Ich bin der Weg, ihr geht mich nicht, ich bin gerecht, ihr ehrt mich nicht.
Ich bin des blassen Todes.
la] Nullus sum.
Ich bin des Teufels.
i] Sprichwörtliche Eid- und Fluchformel.
Ich bin des trocknen Tons nun satt,
muss wieder recht den Teufel spielen.
Goethe, Faust I, Studierzimmer
Mephisto Vs 2009
Ich bin die Auferstehung und das Leben. Joh., 11, 25
Ich bin die Koralle, du kannst mich überall tragen. Afrika
fr] Étre au poil et à la plume.
fr] Il est de tous les métiers.
la] Bonus lancorius et egregius dux.
la] Omnis Aristippum decuit color. Horaz
la] Omnium horarum homo.
la] Pedem dextrum in calceo, sinistrum in pelvi.
Ich bin die Nachteule, mein Geschrei bedeutet nichts Gutes. Surinam (Wie gut ich's auch meine, man hört meine Ermahnungen nicht; ich gelte für einen Unglückspropheten)
Ich bin die Nachteule, wenn ich schreie, stirbt jemand. Surinam (Ich bin ein Unglücksvogel. Wo ich hinkomme, meidet man mich, weil man glaubt, dass ich Unglück bringe)
Ich bin die Tochter des Ghettovolks!
Der schnarrenden und schnorrenden Rabbis,
Der Waisenkinder und Totengräber.
Iwan Goll, Noemi, IV
Ich bin die Zunge, die zwischen den Zähnen steht.
i] Zwischen Tür und Angel stehen; allen dienen und keiner Partei angehören.
Ich bin doch nicht dein Affe. (Ich lasse mir von dir nichts vormachen, ich tanze nicht nach deiner Pfeife)
ich bin durch Schaden klug geworden
en] I have leamed wisdom by experience
fr] je suis devenu sage (o. j'ai appris) à mes dépens
it] ho imparato a mie spese
Ich bin e rührend Mädel, sagte die Dirne, da hatt' sie einen Kochlöffel in der Hand.
Ich bin ehrbar, wie mein seliger Großvater. (Scherz zur Bemäntelung eines nicht ganz angemessenen Lachens)
Ich bin ein angehender Greis, der Hoffnung hat, ehrwürdig zu werden. Also nichts zu fürchten! Nestroy, Lady und Schneider, II, 5 (Fuchs)
Ich bin ein angesehener Mann, sagte der Dieb, da stand er am Schandpfahl.
ho] Hoe heb ik zooveel bekijks, zei loße Trui, en zij werd naar het spinhuis gebragt.
Ich bin ein Atheist. (Als das Teetrinken in Deutschland aufkam, nannten sich scherzhaft diejenigen, welche sich dem neuen Brauch nicht anschlossen, Atheeisten, Nichtteetrinker, oder wurden so genannt)
Ich bin ein aufstrebender Bursche, sagte der Schiffsjunge, als er zum Topsegel klomm.
en] I'm a rising young man and a capital prospect before me, as Sinbad the sailer said, when he was lifted into the air by the eagle.
Ich bin ein ausgezeichneter Mensch, sagte der schwarze Peter, der ein Brandmal auf der Stirn hatte.
ho] Ik loop met braadharing, zei Jerven de Plerri, en hij was tot Enkhuizen gebrandmerkt.
Ich bin ein böser esel, sprach der schuelmaister von Sigmaringen.
Ich bin ein Deutscher und bin stolz darauf, es zu sein; doch immer erröte ich dessen, wenn ich höre, dass Deutsche selbst ihr Vaterland verachten. Börne, Gesammelte Schriften, II: Vermischte Aufsätze, XXXV: Der Narr im weißen Schwan
Ich bin ein Deutscher und Gelehrter,
Und die beobachten auch in der Hölle,
Auch in dem Schoß von Gottes Herrlichkeit,
Und dann auch, wenn sie rasen! Grabbe, Don Juan und Faust, III, 2 (Faust)
Ich bin ein doppelter Schelm, ich besorge beides, sagte jener, als einer behauptete, Gut müsse zwei Schelme haben, einen, der gewinne, und den andern, der es vertue.
Ich bin ein ehrlicher Mann, sagte Finanzer; wer kein Geld hat, ist ein Hundsfott.
Ich bin ein Emir, und du bist ein Emir - und wer soll die Esel hüten? Jemen
Ich bin ein feiner Kerl, sagt Merten, ich wichse meine Stiefeln selber.
Ich bin ein freier Mann und singe
Mich wohl in keine Fürstengruft. Georg Herwegh, Leicht Gepäck
Ich bin ein frommer Vogel, sagte die Dohle, ich bin in der Kirche ausgebrütet (geboren und auferzogen).
Ich bin ein Gast auf Erden. Psalm. 119, 19, 39.
mhd] Mensch, dû bist hie ein gast vnde wenest sîn ein wîrt.
mhd] Wir sein hie geste ende buwen große veste.
la] Incola ego sum in terra.
Ich bin ein gerieben Kind, sagte Pfiff, ich kann multiplizieren, wo lauter Nullen sind.
Ich bin ein gesunder Kerl, sagte der Invalid, wenn ich nicht krank bin.
Ich bin ein großer Rindfleischesser, und ich glaube, das tut meinem Witz Schaden.
en] I am a great eater of beef, and I believe that does harm my wit.
Shakespeare, Was ihr wollt I,3
Ich bin ein guter Kerl, sagte Harpax, ich gebe einem Freunde den Dreck aus dem Leibe.
ho] Wat ben ik even wel een goed kalf, zei Harmen, ik zou den stront wel uit mijn lijf douwen, en geven ze aan mijne vrienden.
Ich bin ein guter Mann, ich lasse, was ich nicht kann, trinke nie aus leerer Flasche und stecke keinen Kirchturm in die Tasche.
Ich bin ein Herr, du bist ein Herr, wer wird nun ein Pferd striegeln? (o. wer wird das Vieh abwarten?) Osmanien
Ich bin ein Herr, du bist ein Herr, wer zum Teufel soll den Sack tragen.
Ich bin ein Hirt, kein Prophet, spricht Amos. (Das ist mir zu hoch, ich bin kein Doktor, kein Gelehrter)
Ich bin ein Hoffmann, kann Senff essen und doch nicht weinen.
dä] Jeg er hof-mand, kand vel æde senep, og ei græde.
Ich bin ein hübscher Junge gewesen, sagte jener Hässliche, aber die Zigeuner haben mich vertauscht.
Ich bin ein Kadet, sagte der Junge zum Bettelvogt, meine Mutter ist eine geborene von Habenichts.
ho] Wel zeker ben je een kadet; je moêrs aars bestond. uit twee kwartieren.
Ich bin ein König über die Völker, aber nicht über die Gewissen. (Sum rex populorum, sed non conscientiarum.) Heine, Über Polen
Ich bin ein lieber Mann, sagte der Executor, ich habe einnehmende Manieren.
Ich bin ein Mann des Todes!
Ich bin ein Mann wie ein ander Mann, nur dass mir Gott der Ehre gan.
z] Auf eine Zeit schriebe einer der Abgönner des Kaisers Maximilianus jhme vber sein Secret mit Kreide den Spruch: ›Da Adam rodet und Eva spann, wer war da ein Edelmann?‹ Vnd wie wohl es der gute Keyser wohl verstunde, dass es yhme angeschrieben were, vertrug ers doch demütig, und sagte es hernach seinen Rähten vber tische sampt den obigen Worten: ›Ich bin ein Mann, wie ein ander Mann, nur dass mir Gott der Ehre gan.‹'
ho] Ik ben een man gelijk een ander man, alleen dat mij God de eere gunde.
Ich bin ein Mann, der alles selber machen will, damit er sich hinterher beklagen kann, dass er alles selber machen muss.
Henri Nannen
Ich bin ein Mann, der an Autoritäten glaubt und sich ihnen da, wo ich nicht notwendig auf mein eigenes Urteil verwiesen bin, gern unterordnet. Bismarck, im Reichstag, am 21. Februar 1879
Ich bin ein Maurer, ich lass mir's nicht wehren, vom Pinseln und Mauern muss ich mich ernehren.
Ich bin ein Mensch,
Wohl weiß ich dieses, und mir ward am nächsten Tag
Kein größerer Anteil, als er dir beschieden ist.
Sophokles, Oedipus auf Kolonos, 564/66
Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben. Bernh. Thiersch, Lied zur Feier des 3. August
Ich bin ein redlicher Finder, sagte der Taschendieb, als der Richter ihn nach seinem Beruf fragte. Berlin (Er trieb nämlich das Gewerbe zu stehlen und gab es dann dem Eigentümer gegen die dem redlichen Finder ausgesetzte Belohnung zurück)
Ich bin ein sauberer Kerl, sagte der Hahn, ich habe den Kamm immer bei mir.
Ich bin ein scharfes Gewürz, sagte der Mäusedreck unter dem Pfeffer. Russland
Ich bin ein Schatten - das bist auch du!
Ich rechne mit der Zeit - und du?
Auf einer alten Sonnenuhr
Ich bin ein Stäubchen Nichts im Hauche deines Seins;
Dasein und Nichtsein ist in meiner Kleinheit eins. Saadi, Bostan
Ich bin ein Suppenschwabe.
i] Ich esse gern Suppe.
Ich bin ein Teufel, und meine Herkunft ist im Beutel.
Ich bin ein Tjotjo, um anderer Leute Kinder groß zu ziehen. Surinam (Der Tjotjo ist ein kleiner Vogel in Surinam, der mit dem dortigen Blauvogel tun soll, wie unsere Grasmücke mit dem Kuckuck)
Ich bin ein toller Politicus, versauf mein Geld in Publice und flick die Hosen privatim.
Ich bin ein Ungar. Ich gehe in den Löwenkäfig, wenn du deinen Handschuh hineinwirfst, unter ganz kleine Löwen, aber ich winke nicht in die Luft. Das ist unter meiner Würde. Gábor von Vaszary, Monpti
Ich bin ein ungezogenes Kind, weil meine Eltern Säufer sind.
Ich bin ein Vogel aller Dinge, des Brot ich ess'; des Lied ich singe. Westfalen
Ich bin ein wahres Duseltier, ach, lieber Gott, komm, hilf du mir. Königsberg
Ich bin ein wahres Rabenaas, ein rechter Sündenknüppel, sang der Mucker bei seinem Tippel.
i] Sprichwörtlich gewordener Anfang eines alten kirchlichen Kernliedes.
ho] Het is een raven-aas.
Ich bin ein wenig schuldig, das leid' ich geduldig.
Ich bin eine Freundin der Wappenkunst, sagte die Frau und setzte ihrem Mann Hörner auf.
Ich bin eine Lichtfreundin, sagte die Mücke (Motte) und verbrannte sich die Flügel.
i] Ich strebe nur dem Lichte zu, mir folge nach, der mir gleich denkt‹, so prahlt die Fliege stolz und hat die Flügel sich am Licht versengt.
Ich bin eine Respektsperson, sagte der Friseur zum Barbier, vor mir nimmt man die Mütze ab, aber nicht vor dir.
Ich bin em gram, wie annem Hunde.
Ich bin entweder zu lang oder zu kurz.
i] Klage dessen, der sich vom Glück vernachlässigt glaubt, der zu früh oder zu spät kommt, und dann ausruft: Wo ich hinkomme, ist das Gute schon gewesen oder will bald bös werden.
Ich bin erdrosselt von lauter Arbeit, und meine Tochter beklagt sich, dass ihr Gesicht nicht mit Streifen bemahlt sei.
Ich bin es müde, über Sklaven zu herrschen. Friedrich der Große, An den Präsidenten von der Goltz, 1785
Ich bin Eur' Weib, wenn Ihr mich haben wollt -
Sonst sterb ich Eure Magd!
en] I am your wife if you will marry me,
If not, I'll die your maid:
Shakespeare, Der Sturm III,1
Ich bin eyn vogel wolgemuth, sagte die ewl, wenns auch den andern (Vögeln) we tut.
Ich bin ferne davon zu glauben, dass ich Schopenhauer richtig verstanden habe, sondern nur mich selber habe ich durch Schopenhauer ein wenig besser verstehen gelernt: das ist es, weshalb ich ihm die größte Dankbarkeit schuldig bin. Nietzsche, Unschuld des Werdens
Ich bin fertig, ehe die Katze ein Ei legt. Türingen
Ich bin fest davon überzeugt, dass Verdauung das große Geheimnis des Lebens ist und unser Charakter, unser Talent, unsere Tugenden und sonstigen guten Eigenschaften ständig von Rindfleisch, Hammelbraten, Pastetenkrusten und von fetten Suppen beeinflusst werden.
Sydney Smith
Ich bin fix und fertig, sagte das Beefsteak zum Koch. Deutsch-amerikanisch
Ich bin für diese ganze Welt der Urquell und der Untergang.
Es gibt nichts Höheres als mich, - kein andres Ding, was es auch sei!... Ich bin der Kraftbegabten Kraft, die frei von Neigung und Begier;
Die Liebe, die erlaubt und recht, in allen Wesen - die ich bin!
Ja, alles Sein - der Güte Reich, der Leidenschaft und Finsternis -
Es stammt aus mir, es ist in mir, doch ich bin darum nicht in ihm!
Mahâbhârata, Bhagavadgîtâ
Ich bin ganz ausgebauert. (Der Vorrat, den ich von einer Sache hatte, ist mir ausgegangen)
ich bin ganz Ohr
en] I am all ears - I am listening with all my ears
fr] j'écoute de toutes mes oreilles
it] sono tutt'orecchi
Ich bin ganz zufrieden, wenn ich gerade so viel Gehirn habe, um mir bewusst zu sein, dass ich genieße. Ich brauche nicht zu begreifen, warum ich genieße. Ja ich ziehe sogar vor, es nicht zu begreifen. Meine Erfahrung lehrt mich, dass unsere Vergnügungen nicht vertragen, dass wir über sie nachdenken. Shaw, Mensch und Übermensch, III (Der Komptur)
Ich bin geneigter als jemand noch eine Welt außer der sichtbaren zu glauben, und ich habe Dichtungsund Lebenskraft genug, sogar mein eigenes beschränktes Selbst zu einem Swedenborgischen Geisteruniversum erweitert zu fühlen.
Goethe, An Lavater, 14.11.1781
Ich bin gern ein Narr, aber der Narren Narr mag ich nicht sein.
Ich bin gestiegen, sagte der Bürgermeister; erst saß ich im Rat, jetzt hänge ich am Galgen.
sp] Del alcalde al verdugo, ved como subo.
Ich bin gewiss, wie Sie mich hier sehen, schon tausendmal dagewesen und hoffe wohl noch tausendmal wiederzukommen.
Goethe, J. D. Falk, 25.1.1813
Ich bin gott einn tod schuldig, den zahl ich ihm wann er will.
Ich bin Heintz grober art, nicht wie der Luther hochgelart.
ich bin hereingefallen
en] I am bitten - I fell for it
fr] j'ai donné dedans (o. dans le panneau)
it] ci sono cascato - sono rimasto fregato
Ich bin Herr des Kopfes und kann sitzen, wo ich will, sagte die Laus zum Kamme.
Ich bin heut nicht zu Haus, sagte der Teufel, es wird ein Pfaff begraben.
Ich bin heute aus dem Dienst gegangen und habe meinem Herrn getrrotzt und habe nichts gegessen.
ndt] Eck sin vandage affgôn, un hebbe muinen Heren trotzet, und hebbe nix getten. Lippe
Ich bin heute nicht bei Stimme, sagte die Krähe zur Nachtigall.
Ich bin hier ein Sklave.
i] In einem widerwärtig abhängigen Verhältnis.
jüdisch-deutsch] Ich bin an Ewed-Knaani bei ihm, d.i. Ein kanaanitischer Sklave, von denen die Bibel erzählt, wie sie bei den Hebräern Sklavendienste tun mussten.
Ich bin hier in guter Weide.
i] Mir geht es gut, es geht mir nichts ab, ich lebe herrlich und in Freuden.
ho] Hij is daar in goede weide.
Ich bin höflich gegen sie, wie gegen alles kleine Ärgernis; gegen das Kleine stachlicht zu sein, dünkt mich eine Weisheit für Igel. Nietzsche, Zarathustra
Ich bin ich und setze mich selbst, und setz ich mich selber
Als nicht gesetzt, nun gut! setz ich ein Nicht-Ich dazu.
Schiller, Ein sechster
Ich bin ihm a su groam, ich welden anspeen.
Ich bin ihm auf die Sprünge gekommen.
Ich bin ihm gerade gut genung.
Ich bin ihm so feind wie dem Teufel selbst.
la] Non secus ille mihi exosus, quam limina Ditis.
Ich bin ihm so gut, dass ich ihn fressen möchte, ich könnte ihn dann hintragen, wohin ich wollte. Schlesien
Ich bin ihnen so feind, als dem Bettler die Laus.
Ich bin immer beschämt oder verdrießlich geworden, wenn ich zum Nachteil der Kritik etwas las oder hörte. Sie soll das Genie ersticken, und ich schmeichle mir, etwas von ihr zu erhalten, was dem Genie sehr nahe kommt. Ich bin ein Lahmer, den eine Schmähschrift auf die Krücke unmöglich erbauen kann. Doch freilich, wie die Krücke dem Lahmen wohl hilft, sich von einem Orte zum andern zu bewegen, aber ihn nicht zum Läufer machen kann, so auch die Kritik. Wenn ich mit ihrer Hilfe etwas zustande bringe, so kostet es mich viel Zeit. Lessing, Hamburgische Dramaturgie
Ich bin in deinen Worten, du bist in meinem Sinn. Estland
Ich bin in dem Zeichen geboren.
i] Soll eine Entschuldigung sein, um zu sagen, ich habe es tun müssen.
Ich bin in der kleinen Kinder Zunft, die keine Zehen haben.
Ich bin in dieser Zeit so glücklich gewesen, viele treffliche Handzeichnungen berühmter Meister um ein Billiges zu kaufen. Solche Zeichnungen sind unschätzbar, nicht allein, weil sie die rein geistige Intention des Künstlers geben, sondern auch, weil sie uns unmittelbar in die Stimmung versetzen, in welcher der Künstler sich in dem Augenblick des Schaffens befand.
Goethe, Eckermann, 5.7.1827
Ich bin in ein den Gesamtbedürfnissen und Ordnungen des Staates im Interesse des Friedens und des Gedeihens meines Vaterlandes gegenüber sich unterordnender Staatsmann. Bismarck
Ich bin in einem Alter, in dem man Jugendsünden gestehen sollte, bevor man sie vergisst.
Ephraim Kishon, Kishon für alle Fälle
Ich bin in Gedanken wie der Stier von Schlatt.
Ich bin in keinem Stück groß; nur mein Fleiß kann mich vielleicht eines Tages meinem Vaterlande nützlich machen, und das ist der ganze Ruhm, nachdem ich strebe. Friedrich der Große, Briefe
Ich bin in Ländern gewesen, in denen das Leben tausendmal länger währt als bei uns, und ich habe festgestellt, dass auch dort gemurrt wird. Aber überall gibt es vernünftige Wesen, die sich in ihr Schicksal zu fügen und dem Schöpfer der Natur zu danken wissen.
Voltaire, Micromegas
Ich bin in meinem Fach, sagte der betrunkene Maurer, als er in die Kalkgrube (Kalkschaff) gefallen war.
ho] Ieder in zijn vak, zei Gijsje, en hij viel in den kalkbak.
Ich bin in seinen Kahn gestiegen.
i] Habe Dienste bei ihm genommen. Die Redensart war dem sogenannten Eisenbahnkönig Stroussberg eigen. 'Sie wären mein Mann', sagte er zu einem österreichischen Staatsbeamten, 'wollen sie nicht in meinen Kahn steigen?'
Ich bin in Staatsgeschäften alt genug geworden, um zu wissen, wie man einen verdrängt, ohne ihm seine Bestallung zu nehmen. Goethe, Egmont, IIIl, Palast der Regentin (Regentin)
Ich bin in Terebes ein größerer Herr als in Wien.
i] Sprichwort des Grafen Andrassy.
Ich bin in Trauer, sagte die Frau, als die Freundin sich wunderte, dass sie eine Negerin zur Amme habe.
Ich bin ja auch dem Hund nicht vom Arsch gefallen. (Dass man mir so verächtlich begegnen sollte)
Ich bin ja nicht verheiratet mit ihm. Nürtingen
i] Ich muss ja nicht bei ihm bleiben.
Ich bin jedoch hierüber ganz beruhigt, ich schätze Wolfen [Altphilologe in Halle] unendlich, wenn er wirkt und tut, aber teilnehmend habe ich ihn nie gekannt, besonders am Gleichzeitigen, und hierin ist er ein wahrer Deutscher.
Goethe, An W. v. Humboldt, 31.8.1812
Ich bin jetzt auch ein hochangesehener Mann, sagte der Dieb, als er am Galgen hing.
la] Sunt miseri fures, quos mala furca necat.
Ich bin jetzt verheiratet und mein Mann ersetzt mir das alles, sagte die Dame, als ein Herr sie fragte, wo das Hündchen, das Aeffchen und die Papageien hingekommen seien, die sie früher gehabt.
Ich bin kein Aufhetzer, aber ein guter Hund beißt von selber.
Ich bin kein Aufhetzer, aber zusammenhetzen mag ich gern.
Ich bin kein ausgeklügelt Buch.
Ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch.
C. F. Meyer, Huttens letzte Tage
Ich bin kein Bremer. (Ich trage keine langen, über die Finger hängenden Handmanschetten, die bei den Franzosen Aiguilettes, bei den Holländern bramers heißen)
ho] Ik ben geen Bremer.
z] Ich bin keiner, der etwas sitzen lässt.
ndt] Ik laat het werk mij niet uit de hand nemen, mijn vader is geen Bremer geweest.
i] Wie Bilderdijk das Wort Bremer als eine Verballhornung aus Bramer = Handmanschettenträger betrachtet, so bezeichnet es ein anderer holländischer Schriftsteller, Koning, als eine Verstümmelung aus breeuwer, und versteht unter werk den Flachs, der zum Kalfatern der Schiffe gebraucht wird und den der Breeuwer oder Kalfater aus einer Hand in die andere gehen lässt, um ihm die für die Fugen erforderliche Stärke zu geben.
Ich bin kein Doktor.
la] Davus sum, non Oedipus. Terenz
Ich bin kein Fluss, der nicht zurückkommen kann. Spanien (Der Mensch kann ja, wenn er irrt, seine Ansichten ändern)
Ich bin kein Freund von Hülsenfrüchten, sagte Neumann, und ließ die verputzte Frau stehen.
Ich bin kein Freund von statistischen Zahlen, weil ich den Glauben an sie bei näherem Studium verloren habe. Bismarck
Ich bin kein gemeiner Vogel, sagte die Krähe, als sie auf dem Kirchthor saß.
bm] Zaletèla vrána na dům velkého pána.
Ich bin kein Hexenmeister.
fr] Il n'est pas grand clerc en cette matière.
fr] Il n'est pas un grand clerc.
ho] Hij is geen heksenmeester.
la] Davus sum, non Oedipus. Terenz
Ich bin kein Hurenkind, das alles zweimal sagt.
i] Diese Redensart rührt daher, dass man in frühern Zeiten oft darüber in Zweifel war, ob ein unehelich Geborener nach seinem Vater oder nach seiner Mutter zu nennen sei, und dass man denselben daher, um hierüber zu entscheiden, den Namen des Vaters und der Mutter zugleich anzugeben und sich somit gleichsam doppelt zu nennen nötigte. Der Grundsatz, dass ein unehelich Geborener bei nicht nachfolgender Ehe den Familiennamen seiner Mutter zu führen habe, ist durch neuere Gesetze entschieden festgesetzt worden. Früher glaubte man, dass der unehelich Geborene dann den Namen seines Vaters führen dürfe, wenn letzterer die Tatsache der Schwängerung zugestanden habe. Die Römer sagten: Zweimal dasselbe sagen, ist lächerlich.
la] Bis eadem dicere (recensere) ridiculum.
Ich bin kein hurt'ger Kopf
Begreife schwer, hab niemals was erdacht,
Und wer mich dumm nennt, schimpft mich darum nicht. Hebbel, Gyges u. s. Ring, 5 (Thoas)
Ich bin kein Kind, kein Säugling mehr.
Ich bin kein Kofferabschneider.
i] Ein Berliner Bankier, dem 1871 jemand einen Gründungsvorschlag machte, gab zur Antwort: 'Ich bin kein Kofferabschneider. Sehen Sie, wir verschaffen mit dem Gründungsproject allen Betheiligten eine Reisegelegenheit; wir lassen sie in den Reisewagen einsteigen; wenn aber der Wagen im Rollen ist, dann schneiden wir die Koffer mit den Reiseeffecten ab, gleichviel, ob sie das ganze Gut des Reisenden enthielten.' Seitdem ist die Bezeichnung 'Kofferabschneider' für Gründer zum geflügelten Wort geworden.
Ich bin kein Prophet, noch eines Propheten Sohn.
ho] Ik ben geen profeet, noch eens profeten zoon.
Ich bin kein Prophet, sondern ein Hirt, spricht Amos.
Ich bin kein Redner, wie es Brutus ist,
Nur, wie ihr alle wisst, ein schlichter Mann.
Shakespeare, Cäsar, III, 2 (Antonius)
Ich bin kein solcher Held.
la] Non sum ex istis heroibus.
Ich bin keine solche.
z] Meint ihr, ich sei eine solche?
Ich bin keinem Goldschmiede und kein Wirt ist mir etwas schuldig.
Ich bin keiner von seinen Kornuten.
i] Von seinem Gelichter, von seinen Kumpanen, Konsorten, Spießgesellen, Zechgenossen.
ndt] Karnutje als Schimpfwort für Kinder. Sachsen
Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.
en] I am life that wants to live amid life that wants to live.
Ich bin liederlich, du bist liederlich, sind wir nicht liederliche Leute.
Walter Scott, Guy Mannering
Ich bin maus-, mutter-, sternallein.
Ich bin mehr als jemals überzeugt, dass man durch den Begriff der Stetigkeit den organischen Naturen trefflich beikommen kann.
Goethe, An Schiller, 10.8.1796
Ich bin mein eigener, wenn auch ein sehr schlechter Meister.
la] Pessimum magistrum memetipsum habeo. Hieronymus
Ich bin meinr mutter eben so saur worden als du.
Ich bin mir bewußt, dass ich lieber das Gute sehe und mich darüber freue als das Böse finde und darüber zürne; aber die Freude bleibt still, und der Zorn wird laut. Seume, Spaziergang: An den lieben Leser
Ich bin mir mehr treu schuldig, denn einem anderen.
Ich bin mir nicht geschoit (gescheiht) genung.
Ich bin mir selbst der Nächste.
la] Proximus sum egomet mihi.
Terenz, Andria
Ich bin mir selbst näher als ein Freund.
Ich bin mit der Zeit ein gutes Postpferd geworden, lege meine Station zurück und bekümmere mich nicht um die Kläffer, die auf der Landstraße bellen. Friedrich der Große, An Voltaire (1789)
Ich bin mit gleicher Münze bezahlt worden.
dä] At betale med liige myndt.
Ich bin mit meiner Liebe
Vor Gott gestanden,
Ich stellte diese Triebe
Zu seinen Handen.
Ich bin von diesen Trieben
Nun unbetreten:
Ich kann dich, Liebster, lieben
Zugleich und beten.
Rückert, Liebesfrühling
Ich bin mit mir und meinem Gott zufrieden.
Ich bin müde, matt und krank und ein bischen faul dermang. Köthen
Ich bin nich wählerisch, sagte die Auster, als man sie fragte, ob sie gebraten oder gesotten sein wollte.
Ich bin nicht abergläubisch und gebe nichts auf diese dunklen Anregungen, insofern sie nur solche wären; aber es sind meistenteils unbewußte Erinnerungen glücklicher und unglücklicher Folgen, die wir an eigenen oder fremden Handlungen erlebt haben. Goethe, Wahlverwandtschaften, I, 1
Ich bin nicht Allerheiligen Knecht.
la] Non omnibus servio.
Ich bin nicht auf einem Beine hergekommen. (Mit einem Glase, einer Tasse ist's nicht genug)
ndt] Uf emm Beene bîn ich nicb heregekommen.
ndt] Drei Beene hot der Schusterschemmel.
ndt] Vier Rader hàln a Wân. Schlesien
ho] Men kan op een been niet loopen.
Ich bin nicht aus einer Katzenpfote gekrochen, sagte Tante Bohls.
ndt] Ik bün nich ut'n Kattpôt krapen, se(de) Tante Bohls. Ostfriesland
Ich bin nicht bei seinem Kindelbier gewesen.
z] Aber hiervon wollen wir uns mit niemand einlassen zu disputieren (dass der Vogel Phönix 93312 Jahr alt wird), es wird ein anderer so wenig als ich bei ihren Kindelbieren gewesen sein.
Ich bin nicht bloß Hirt, ich bin auch Schäfer, sagte der Pfaff, und küsste die Maid.
Ich bin nicht bloß selbst witzig, sondern auch Ursache, dass andere Witz haben. Shakespeare, König Heinrich IV., 2. Teil, I, 2 (Falstaff)
Ich bin nicht da für einen Petersdreck.
Ich bin nicht deiner Meinung, sagte die Henne zum Fuchs, da er sie zu einem Spaziergang einlud, und flog in den Stall.
ho] Ik versta uwe meening zeer wel, zei de patrijs tegen den vas, en hij vloog van hem weg.
Ich bin nicht deines Urteils Knecht; was dir nicht gefällt, ist drum nicht schlecht.
Ich bin nicht der Meinung, dass durchs Evangelium sollten alle Künste zu Boden geschlagen werden und vergehen, wie etliche Abergeistliche vorgeben, sondern ich wollt alle Künste, sonderlich die Musika, gern sehen im Dienste dessen, der sie gegeben und geschaffen hat. Luther, Deutsche Schriften
Ich bin nicht frei,
Ein ehrnes Schicksal waltet über mir,
Und unaufhaltsam reißt es mich dahin,
Und eisern fällt und trifft das graue Los. Chamisso, Faust
Ich bin nicht für alle gewachsen, sagte die Kirsche.
la] Non omnibus dormio.
Ich bin nicht gehörnt. Litauen
i] Wenn man sagen will: ich bin nicht reich. Es ist nicht zu bestimmen, ob durch die Hörnerkraft das Kräftige versinnlicht werden soll, weil das Kräftige auch das Reiche ist, oder ob durch 'gehörnt' jemand angedeutet werden soll, der viel Gehörntes besitzt, d.i. eine große Rindviehzucht, und auf diese Weise reich ist.
lit] Ne taurotus esmi.
Ich bin nicht gern in dem land, da die aussgab größer ist, denn die einnam.
Ich bin nicht Hannibal; ich bin nur der schlichte Grabianka.
pl] Ja nie Annibal, tylko prosty Grabianka.
Ich bin nicht hartnäckig genug, meine eigne Meinung stürmisch gegen Millionen durchsetzen zu wollen, aber ich habe Selbständigkeit genug, sie vor Millionen und ihren ersten und letzten nicht zu verleugnen. Seume, Spaziergang nach Syrakus (Einleitung)
Ich bin nicht hasenschreckig. (Ich bin nicht einzuschüchtern, ich fürchte mich nicht)
Ich bin nicht hier um Fliegen zu fangen. (Ich habe Wichtigeres zu tun)
ho] Ik ben hier niet om vliegen te vangen.
Ich bin nicht hier, um die Gänse zu hüten.
ho] Ik ben hier niet, om de ganzen te hoeden.
Ich bin nicht in der Gebelaune heut.
en] I am not in the giving vein to-day.
Shakespeare, König Richard III. IV,2
Ich bin nicht jedermann zu Haus.
Ich bin nicht neugierig, sondern wissbegierig.
i] Zur Beschönigung der Neugierde.
ho] De nieuwsgierigheid bedriegt de wijsheid.
Ich bin nicht schnipsch.
i] Bei Ablehnung einer Prise von seiten eines Nichtschnupfers, namentlich eines Mädchens. Wortspiel zwischen schnippisch und schnüpfisch, d.h. ich bin nicht gewohnt zu schnupfen, obgleich die letztere Form nicht üblich ist.
Ich bin nicht schuld daran, dass der Brüllaffe keinen Bart hat. Afrika
Ich bin nicht Schwalbengeschlecht, lass mich nicht im flug fangen.
Ich bin nicht so alt geworden, um mich um die Weltgeschichte zu bekümmern, die das Absurdeste ist, was es gibt; ob dieser oder jener stirbt, dieses oder jenes Volk untergeht, ist mir einerlei; ich wäre ein Tor, mich darum zu bekümmern.
Goethe, F. v. Müller, 6.3.1828
Ich bin nicht so dumm, als du glaubst. (Die englischen Neger in Surinam drücken mit dem Sprichwort: Ist der Indianer auch noch so trunken, so kennt er doch seine Hängematte, den Gedanken aus: Ich bin zwar dumm, aber nicht so dumm, als du glaubst)
Ich bin nicht so ehrgeizig, sagte der Doktor, der viel Gegner hatte, als man ihm sagte: Viel Feind', viel Ehr'.
Ich bin nicht so schadenfroh, sagte Hagestolz, als ihm ein Bräutigam zurief: Freue dich mit mir, morgen heirate ich.
Ich bin nicht tauber Nüsse wegen da.
ho] Ik zit hier niet voor doove neuten.
Ich bin nicht weit von der gruben.
Ich bin nicht Welf, nicht Ghibellin, dem, der gut zahlt, häng' ich den Mantel hin.
it] Guelfo non son, nè Ghibellin m' appello; chi mi dà più, io volterò mantello, chi mi dà da mangiar, tengo da quello.
Ich bin nicht, was ich bin. Shakespeare, Othello, I, 1 (Jago)
Ich bin nie auf ein Leben ohne Sinn gestoßen, man muss nur wirklich nach seinem Sinn suchen.
Anaïs Nin, Absage an die Verzweiflung
Ich bin nie unzufrieden über Einwendungen, die man mir macht; ich ändre vielmehr meine eigne Meinung sehr gern, sobald ich eine fremde für besser erkenne. Heinrich IV.
Ich bin niemand nicht schuldig, dann Got mein seel.
Ich bin niemand schuldig, als nur Gott einen Tod; den bezahl' ich ihm, wann er will.
Ich bin nit der Hahn, darum man tantzt.
Ich bin nit jedermanns Narr.
la] Non omnibus dormio. Cicero
Ich bin noch nicht meiner Meinung, sagte der Wirt in Ellfeld.
i] Und zwar in der Regel dann, wenn die Schoppengäste über irgendetwas stritten und ihn um seine Ansicht fragten. Zur Charakteristik derer, die erst dann eine eigene Meinung haben, wenn sie ein oder mehrere fremde vernommen haben.
Ich bin nun ein für allemal für diese kirchlichen Zeremonien verdorben, alle diese Bemühungen, eine Lüge gelten zu machen, kommen mir schal vor, und die Mummereien, die für Kinder und sinnliche Menschen etwas Imposantes haben, erscheinen mir auch sogar, wenn ich die Sache als Künstler und Dichter ansehe, abgeschmackt und klein.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 8.6.1787
Ich bin nur noch der Schatten der Maria. Schiller, Maria Stuart, III, 4 (Maria)
Ich bin peinlich gerecht, weil es die Distanz aufrecht erhält. Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)
Ich bin persönlich das Widerbellen durch viele Jahre gewohnt worden und spreche aus Erfahrung: wir haben noch lange nicht zu fürchten, dass wir überstimmt werden, wenn man uns auch widerspricht.
Goethe, An Zelter, 15.1.1826
Ich bin reicher als mein Vater, sagte der Strolch, mein Vater musste jährlich hundert Taler Zinsen geben, das brauch ich nicht.
i] Er hat nämlich die Güter seines Vaters durchgebracht.
Ich bin Republikaner, ich bin Royalist, ich fahre für beide Parteien, wie's passt mir, den Mist.
la] Pompejanus ero, si vicerit omnia Magnus, omnia si Caesar, Caesarianus ero.
Ich bin sau desperat, dass ich nich waass, wous jech thoue, sagte der Jude, als man ihm vorhielt, dass er am Begräbnisstage seiner Frau ein hübsches Mädchen küsste.
Ich bin schlecht und recht, drum bin ich ein armer Knecht.
Ich bin schon die stiegen hinunder gefallen, kommt hernach, sagte der Geck zu Neustatt zu seinem Herrn.
Ich bin schon ein bißchen zu alt dazu, selbst ein gutes Beispiel geben zu können, aber ich bewundere noch immer die Leute, die dergleichen tun. Oscar Wilde, Ein idealer Gatte, I (Lady Markby)
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