Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
K

und oder

'K wünsch jo 'n fröhlich Pâske.
i] Passah = Ostern, vom hebräischen pesach = Übergang. Stehender Wunsch am Osterfest.

'Kahlkopf, komm heraus!' sagte der Amtmann zum Bauer, als er ihm die Haare ausgerauft hatte.

'Kann nich' liggt oppen Karkhof un 'Mag nich' liggt dabi.

Ka Millrâd (Mühlrad) klabberd ärjer als de Zong vôm Rejensberger. Trier
i] Wird von schwatzhaften Leuten gesagt.

Ka Tschuwe is ach a Tschuwe. Jüdisch-deutsch
i] Keine Antwort ist auch eine Antwort.

Käädri (Gertrudstag, 17.3.) ruft siebenundsiebzig Paar Frühlingsvögel herbei. Estland

Kaan Sliche, kaan Mechile, kaan Kappore.
i] Jüdisch-deutsch, um zu sagen, dass alles verloren, alles dahin ist. Die Wörter selichah, mechilah, kapporah, die sich in Bußgebeten oft nebeneinander befinden, heißen eigentlich: Vergebung, Verzeihung, Versöhnung. Man versteht unter selichah aber auch ein bestimmtes Bußgebetbuch; mit mechitah bezeichnet das Volk auch das Gesäß (anus), und kapporah nennt man auch das Versöhnungshuhn. Nun ging einst ein Mann an einem Bußtage früh morgens in einem finsteren Hause die enge Treppe hinunter, in der Hand sein (Opfer) Huhn, unter dem Arme sein Bußgebetbuch, trat einen Fehltritt, stürzte die Treppe hinab. Das Buch entfiel ihm, das Huhn entlief ihm und dabei hatte er sich noch sehr empfindlich aufgesetzt. Da rief er jammernd wie oben: Kaan Sliche, kaan Mechile, kaan Kappore.

Kaan't'r eg aauerhen, do mut't'r unner trogh.
hdt] Kann es nicht überhin, so muss es unten durch.

Käbbele di nitt üm Kaisers Boart. Grafschaft Mark
i] Auch kabbeln, kibbeln = keifen, belfern, zanken, sik käbbeln = im Wortwechsel sein; dänisch: kiävle = zanken.

Kabbele dich nicht um Kaisers Bart.

Kabbes, gemeiner Labbes. Trier
i] So sagen die, welche Kappes (Kappis, Kohl) nicht gern essen.

Kacke du man hin, et is'r ganz reine, segt de Frû Wâse. Hildesheim

Kacken geiht vör Danzen. Sauerland
v] Kacken un Sorgen kumt alle Morgen. Holstein
v] Kacken und pissen kann niemand missen. Breslau

Kadri (= Katharinenbettler, 25.11.) ist zottig, Märt (= Martinibettler, 10.11.) glatt. (Die Kostüme der Katharinen- und Martinibettler).
Kadri fängt an zu harnen, aber Andres schiebt ein Stäbchen vor. (Wenn es am Katharinentag, 25.11., regnet, so friert es am Andreastag, 30.11.).
Kadri ist die Frau von Mart (Martinstag, 10.11.), aber Lutsi (Lucientag, 13.12.) ist seine Schwester.
Kadri sitzt auf Marts Schoß. (Wenn der Martinstag, 10.11., ein Sonnabend ist, so fällt der Katharinentag, 25.11, auf einen Sonntag).
Kadris Sieb (= das Siebengestirn) liegt im Schnee.

Kaf on Lâf es ugleich. Wasungen
hdt] Kauf und Lauf sind ungleich.

Käfer fallen auf Dreck, Jungen fallen auf Mädchen. Estland

Kaffee ist ein schleichendes Gift, sagte Walter als er siebzig Jahre alt war.
i] Ursprünglich ein Ausspruch Voltaires, woraus wohl der Volksmund Walter gemacht hat. Voltaire, Friedrich der Große und Napoleon I. waren leidenschaftliche Kaffeetrinker.

Kaffee ist mein Leben und Sterben mein Tod.
v] Kaffee ohne Rauch ist wie ein Haus ohne Knaben.
v] Kaffee ohne Tabak ist eine Speise ohne Salz.
v] Kaffee stärkt, Tee lässt abmagern. Estland
v] Kaffee und Liebe sind heiß am besten.
v] Kaffee und Zucker machen den Beutel lucker. Schlesien
v] Kaffee verschütten bringt Segen.
v] Kaffee, dir leb' ich; Kaffee, dir sterb' ich.
v] Kaffee, Taufwasser und Alterwein der Weiber schon am Morgen wird nachmittags Liebestrank und Haderwasser zugleich.
v] Kaffee, Zigarren, Töpfchen und Pfeif' machen in der Wirtschaft Unterschleif. Leipzig
v] Puddings und Liebschaften müssen heiß angefasst werden. Schottland
v] Suppe und Liebe muss heiß genossen werden.
z] Wenn der Kaffee gut sein soll, so muss er schwarz sein, wie der Teufel, heiß wie die Hölle und süß wie die Liebe. Talleyrand
ndt] Kaffee un Leef sünd hitt m besten.

Kaffeehaus – Gotteshaus; Branntweinschänke – Teufelstränke.
i] In Konstantinopel hießen die ersten Kaffeehäuser "Schulen der Erkenntnis". Dichter und Weise versammelten sich dort. Auf Veranlassung der Geistlichen, denen am Glauben mehr als an der Erkenntnis liegt, schloss sie Murad II.; sie wurden aber später wieder geöffnet und es erschien sogar ein türkisches Gesetz, dahin lautend, dass eine Frau Grund zur Scheidung habe, wenn ihr Mann ihr Kaffee verweigere. Ein Fürstbischof von Paderborn, Wilh. Anton von Asseburg, verbot mittels Mandat vom 25. Febr. 1777 das Kaffeetrinken. Man trank aber fort, ja man gab auf dem Markte ein großes Kaffeebanket, wogegen der Fürst Truppen aufbot, die aber mit den Kaffeetrinkern sympathisierten. Der Kaffee hat die geistliche und weltliche Macht besiegt. Das erste Kaffeehaus in Deutschland wurde 1683 in Wien von G.F. Koltschitzky gegründet, der als Belohnung für seine Tapferkeit im Türkenkriege das Privilegium dazu erhielt.

Kaffeekanne und Spucknapf haben beide ihren besondern Platz.

Kaffer, licke Fott, denn schittst de Botter. Braunschweig

Kahl wie ein Stoppelfeld.

Kahle Berge haben Goldadern. (Ehre grauen Häuptern, in ihnen wohnt Weisheit)

Kahle glitze hat eine spitze. (Glitze = Glatze, von glitzen = gleissen, glänzen, glinzen)
la] Si non vis falli, caveas consortia calvi.

Kahler Kopf dämpft keine Traurigkeit.

Kahler Sumpf - zerbrochener Schlitten, betrunkene Frau - weinendes Kind. Estland

Kahlköpfe sind wie geschaffen für Buddhisten-Priester. China

Kaihe (Kühe), dei am stärksten bölket, verjiät de Kalwer am eïsten. Westfalen
i] Besonders von jungen Frauen, die beim Tode ihrer Männer sich heftigen Schmerzensäußerungen überlassen. Man will die Erfahrung gemacht haben: je stärker diese hervortreten, desto eher hört die Trauer auf.

Kain Bauer frisst's Brot ung'salze. Ulm

Kains Keule ist ihr Heiligtum.
Am Tage Pauli Bekehrung die Verfolgungssüchtigen.
bm] Kainovská vlídnost.
bm] Nechei já býti jemu Kainem.

Kaiser oder nichts.
z] O Cäsar, o nullo. Diese Worte führt Cäsar Borgia in seinen Kriegsfahnen.

Kaiser Sigismund war der Pfaffen Büttel.

Kaiser und Könige haben das gemeine Recht gemacht.
mhd] Dy keyser und dy konynge haben dz gemeyne recht gemacht.

Kaiser zu werden ist ein schwere Sach, nichts zu sein, kannst werden alle Tag.
la] Non facile Caesar, sed nihil esse potest.

Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann. Köthen

Kaiser, Künig und Fürsten Höfe sollen der tugend und Erbarkeit Schulen sein.

Kaiserhaft gelebt, bettelhaft gestorben.

Kaiserliche Gunst ist wohlriechender Dunst.

Kaiserliche Majestät bringt das Geleit mit sich. [RSpW]
i] Nach dem Staatsrecht unterscheidet man bei Geleit die Geleitsherrlichkeit und das fürstliche Geleit. Jene bestand darin, dass die Fürsten den Kaufleuten und andern Reisenden durch ihr Gebiet eine Begleitung zum Schutz gewährten. Dieses bestand in der Erlaubnis, die einem Mächtigeren gewährt wurde, durch das Land eines andern Fürsten zu ziehen; das von dem Landesherrn ihm mitgegebene Geleit war das Zeichen der gegebenen Erlaubnis. Das obige Sprichwort sagt nun, dass es für den Kaiser einer solchen Erlaubnis nicht bedürfe. Das Wort wird dem Kaiser Ferdinand I. zugeschrieben. Als er einst nach Nürnberg gekommen, hat sich der Markgraf Friedrich von Brandenburg mit einer ansehnlichen Mannschaft an der Grenze eingefunden, um den Kaiser durch sein Land zu geleiten. Bei diesem Anlass soll nun Ferdinand getagt haben: er bedürfe keines Geleitmannes, er sei das Geleit selbst.

Kaiserliches Wort ist so kräftig als ein Eid.

Kaisers alten Landen
Sind zwei Geschlechter nur entstanden,
Sie stützen würdig seinen Thron:
Die Heiligen sind es und die Ritter,
Sie stehen jeden Ungewitter
Und nehmen Kirch und Staat zum Lohn.
Goethe, Faust II A I, Saal des Thrones/ Kanzler Vs 4903f.

Kaiserschloß und Bauernkate passen nicht zusammen. Estland

Kaiserworte sind nicht Drohworte.

Kakerlaken werden nicht rot.

Kakt (kocht) man Kaffee sünner Bohn, ward de Jüch kên Wirkung don; kâkt man Kaffee Tass en Loth, is gewiss de Wirkung god.

Kalb und Kuh miteinander an den Mann bringen.

Kalb, spare dein Heu, der Winter ist noch lang.

Kälber am Karfreitage geworfen gedeihen nicht (o. kommen nicht fort). Hessen

Kälber folgen den Kühen.

Kälber laufen nicht, man dröhe ihnen denn den Schwanz.

Kälber, die zu Göttern gemacht worden sind, betet man an.

Kälberdreck, armer Leute Hoffart und Gewalt, die verriechen bald.

Kälberdünger riecht nicht lange.
la] Merda de ritulo non diu fumat. (Nur alte Freunde sind beständig)

Kälbere, weil du ein Kalb bist.
i] Freue dich deiner Jugend.
z] Der noch gelbschnablichten Jugend ziemt ein weidlicher Sprung, man kälbere, weil man ein Kalb ist.
i] Das Wort "kälbern" kommt a) in dem Sinne von "Kalben" vor. Es bezeichnet b) soviel wie Mutwillen treiben, gumpen, geil sein, scherzen, schäkern, kinhänseln, dalen, auch handgreifliches Liebeln, und c) heißt es soviel als sich übergeben, erbrechen.

Kälberfutter bekommen (o. haben).
z] Daran ist schuldig vatter, muter, was gabent sie euch kelberfutter.

Kälbern von Gold ist jedermann hold.

Kälberne Vögel.

Kälberraffe on Kennerhänn (Kinderhände) dörfe ken Augeblick lêr stêe. Meiningen
i] Kälberraffe = eine Art Sprossengitter im Stalle, hinter welchem dem Vieh Heu und anderes trockenes Futter zum Fressen vorgelegt wird. In Schlesien heißt diese Vorrichtung Raufe, weil das Vieh das Futter daraus hervorrupft.

Kalbfleisch hängt man nicht in den Rauch.
i] Die Jugend muss frisch genossen werden.

Kalbfleisch und Kuh(oder Rind-)fleisch sieden (o. kochen) nicht zugleich.
i] Der Jüngling sollte nie eine alte Frau heiraten; auch ist es schon schwer die aufbrausende Jugend mit dem gesetzten Wesen des verständigen Mannes zur Ausführung eines gemeinschaftlichen Planes zu vereinigen.
dä] Kalve-kiød og oxe-kiød syde ei lige længe.

Kalbfleisch und Rindfleisch sind nimmer gleich miteinander.
v] Kalbfleisch und Rindfleisch schicken sich nimmer zusammen.
z] So wenig als eyn Junger und alter Ochs gleich in eynem Silen zusammengekoppelt ziehen.

Kalbfleisch verträgt keinen Pökel.
i] Junge unerfahrene Leute erliegen in der Regel solchen Geschäften und Unternehmungen, die gereiftere Manneskraft und Einsicht erfordern.
ho] Kalfvleesch kann geene pekel verdragen.

Kalbfleisch wird bald gar.
ndt] Kalfflesk würt boalle gar. Iserlohn

Kalbfleisch wird wohlfeil werden, die Kälber fallen.
i] Scherz, wenn jemand, besonders ein Kind, ungeschickt fällt.
en] Veal will be cheap, calves fall.

Kalbfleisch – Halbfleisch.
i] Oft mit dem Zusatz: Junge Leute – halbe Leute. Es fehlt ihm nicht bloß die Nährkraft, es ist in vielen Fällen auch ungesund. Alles in der Welt verlangt seine Reife, sein gewisses Alter, wenn es für einen bestimmten Zweck tauglich sein soll. Unerfahrene junge Leute in wichtigen Ämtern und Würden sind – Kalbfleisch. Wer ein Kind zur Gattin nimmt, wird bald genug erfahren, dass Kalbfleisch, wie im buchstäblichen Sinne, nur Halbfleisch ist.
v] Kalbfleisch, das Fleisch von jungen Hühnern und von rohen Fischen füllt den Kirchhof. Toskana.
v] Frisches Schweinefleisch ist schädlich. Spanien
ndt] Kalfflêsk, Halfflêsk. Ostfriesland
ndt] Kalvflêsch, Halvflêsch; Hamelflêsch, Damelflêsch; avers up'n Ossenbrad'n müt man gôde Frünn lâden. Lübeck
dä] Kalve-kiød er kun kalv kiød.
en] In a shoulder of veal there are twenty and two good bits. (Volkswitz, der sagt, dass darin zwanzig Bissen enthalten sind, aber nur zwei gute)
fr] Veaux, poullets et poissons crus font les cimetières bossus.
fr] Veau mal cuit et poulets crus font les cimetières bossus. (Von schlechtgekochten Kalbfleisch und rohen Hühnern)
ho] Calfvleisch half vleisch.
la] Pro cibo dimidio carnes vituli reputato.

Kalbfleisch, Halbfleisch. (Damit soll die Unerfahrenheit der Jugend ausgedrückt werden)

Kalbleder ist Halbleder, aber Kuhleder ist gutes Schuhleder.
ndt] Kalflêer dat is man Halflêer, man Kohlêer, dat is gôd Scholêer.

Kälblein, spar' dein Heu, 's ist noch lange bis zum Mai.
ho] Kalfje, spaar uw hooi, want de winter is nog lang.

Kalbs Augen, Hasen Lung, Hecht Leber und Karpfen Zung, süßer Wein und Barben Maul bringen manchen um seinen grauen Gaul.
z] Wie das gemeine Sprichwort sagt, und der verdorben reuter klagt; sprach: Kalbes aug und Hasen lung Hechts Lebern und karpffen Zung süßer wein und barben maul brachten mich um meinen grawen Gaul.

Kalender für Koriander kaufen.
i] Eins fürs andere: Opia pro apia, quid pro quo.

Kalender gut - alles gut! [ASpW]

Kalender machen die Leute, das Wetter der Liebe Herrgott.
ndt] Kalender mâket de Lüe, det Wedder de leiwe Hergod.

Kalix (14.10.) kleb die Stube fix.

Kalk deckt manchen Schalk.

Kalk löscht man mit Wasser, sonst taug er nichts; Wein soll man lassen, wie er ist.

Kalk macht auch den Schornstein weiß.

Kalk macht reiche Väter und arme Kinder.
i] Weil der Kalk, ohne andere Düngungsmittel angewandt, den Boden ausbeutet. Der Kalk hat die Fähigkeit Pflanzen-, Tier- und Mineralstoffe, mit denen er in Berührung kommt, zu zerstören und dadurch als Pflanzennahrungsmittel schnell tauglich zu machen. Aber er wirtschaftet nicht mit eigenen Mitteln, sondern auf Kosten des Feldes; er zehrt von dessen Kraft, entgegengesetzt den direkten Düngungsmitteln, die aus eigenen Mitteln wirken. Über die praktische Verwendung des Kalkes auf Äckern im Boten aus dem Riesengebirge, Hirschberg 1860

Kalk und Marmor sind Vettern.
v] Man würde den Kalk wie Marmor achten, wenn er so selten wäre wie jener. Russland

Kalk und Steine gibt gute Mauer.
ho] Kalk en steen, dat metselt wel.

Kalk, ohne Dünger angewandt, macht arm den Bauer und sein Land.
i] Das Sprichwort redet nur von der ausschließlichen Düngung der Äcker mit Kalk, ohne das gleichzeitige Düngen mit animalischem Dünger und Kalk bei ein und derselben Frucht zu empfehlen. Das letztere Verfahren, bei Öl- und Hackfrüchten angewandt, wird sich nur dann bewähren, wenn Kalk und Dünger nicht in direkte Berührung kommen, weil sonst der Kalk mit den Säuren des Düngers sich verbindet, wodurch das Ammoniak, die Hauptnahrung der Pflanzen frei wird und ungenutzt verloren geht.

Kalkulierter Gedächtnisverlust ist in der Politik ein Überlebensmittel.
Hans Maier

Kalt baden macht (mag) Schaden (schaden).

Kalt Blut und warm angezogen. Königsberg (Nicht so hitzig, sondern ruhig, sachte, besonnen!)
v] Kalt Blut, warm angezogen und 'n nassen Sack drüber. Stettin

Kalt eisen brennt nicht.

Kalt ist der Stiefmutter Hand, weich ist der eigenen Mutter Hand. Estland

Kalt ist schon der Lichtmonat (Februar), noch kälter der Fastenmonat (März). Estland
v] Kalt ist schon die Lichtmess (2.2.), noch kälter die Fastnacht, noch windiger der Aschentag (= Aschermittwoch). Estland

Kalt rieselt matter Schau'r durch meine Adern,
Der fast die Lebenswärm' erstarren macht.
en] A faint cold fear thrills through my veins
That almost freezes up the heat of life.
Shakespeare, Romeo und Julia IV,3

Kalt schmieden ist verboten.

Kalt und langsam wie der Olm (Molch).

Kalt und warm aus einem Maul (o. Mund) blasen.
v] Kalt und warm blasen. Luther
z] Kalt und warm aus einem Munde bläset man oft in einer Stunde. Gryphius
z] Ich mag zwar keine gemeinschafft haben mit leuten, die zu einer stundt kalt, warm blasen aus einem mundt.
i] Zu verschiedenen Personen oder Zeiten für und gegen ein und dieselbe Sache sprechen. Doppelzüngler, Zweiächsler.
fr] Cet homme souffle le chaud et le froid.
fr] Il souffle le chaud et le froid.
la] Aliud stans, aliud sedens loquitur.
la] Calidum et frigidum ex uno ore efflare.

Kalt Wetter und Regen ist des Nordwestwindes Segen.
en] Cold weater and knaves come out of the north.

Kalt wie ein französischer Feldscher.
v] Kalt wie eine Hundsnase. Rottenburg

Kalt' Dezember und fruchtbar' Jahr sind vereinigt immerdar.

Kält' und Kohl vertragen sich wohl.

Kält' und Nachtfrost schädlich sind,
gut dagegen sind die Wind'.

Kalte (tote) Wangen schminkt man nicht.

Kalte Bäder machen warmes Blut.

Kalte Berge gewöhnen an heiße Täler.

Kälte fordert Handschuhe, Reif graue Strümpfe. Estland
v] Kälte fordert von der Kehle einen Pelz. Estland

Kälte greift an wie ein Hund. Estland

Kalte Hände,  warmes Herz. (Da Alter vor Liebe nicht schützt)
v] Kalte Hände machen keinen Toten warm.
v] Kalte Hände, heiße Liebe.
v] Kalte Hände, warmes Herz, sagte die Eskimofrau, als ihr der Forscher die Hand küsste. [ASpW]
v] Kalte Hände, warmes Herz, warme Hände, kaltes Herz. Estland
bm] Studené ruce, uprímné srdce.
en] A cold hand, a warm heat.
en] Cold hands, warm heart.
fr] Froides mains, chaudes amours.
it] Freddo di mano, caldo di cuore.
sp] Manos frías, corazón caliente.

Kälte im Juni verdirbt, was Nässe im Mai erwirbt.

Kälte in der Adventwoch dauert viele andere noch.

Kälte ist des Faulen Fronvogt. Estland

Kälte ist ein guter Gast, aber ein schlechter Wirt. Estland

Kälte kann gegen Kälte nicht schützen. Jamaika (Zwei Arme können einander nicht helfen)

Kalte Kohle gibt kein Feuer.

Kalte Küche und leere Schüssel ziehen keine Gäste (Freunde) herbei.
v] Kalte Küche haben.
i] Keine warmen Speisen.

Kälte lässt umherspringen. Estland
v] Kälte lehrt Kohlen stehlen.
v] Kälte macht Beine. Estland
v] Kälte macht Brücken über die Wasser. Estland
v] Kälte macht die Knochen leicht. Estland
v] Kälte macht flinke Leute.

Kalte Regen, die vor St. Georgentag fallen, sollt man mit Nadeln wieder aus der erden graben.

Kälte reißt die Handschuhe aus der Tasche. Estland
v] Kälte reißt die Nägel ab, Hitze tut nichts Schlechtes. Estland

Kalte Schläge lassen keine Spur zurück.
i] Die Strafe soll zwar ohne Hitze, aber mit Wärme erfolgen, weil sonst die gewünschte Wirkung ausbleibt.

Kälte schließt der Vögel Speichertür. Estland

Kalte Schüsseln und warme Teller.
i] Scherzhafte Antwort auf die Frage: Was gab's? wenn man von einem Besuch zurückkommt und schlecht oder gar nicht bewirtet worden ist.

Kalte Sophie (15.5.) sät Lein zu gutem Gedeihn.

Kalte Sprüch' machen. Ulm
i] Hochtrabendes, gleichgültiges Zeug sprechen.

Kalte Suppe wird schnell warm. Insel Man (Gesagt, wenn sich Liebende streiten)

Kalte Tage, kurze Tage.
dä] De dage som ere de koldeste, de ere ogsaa de korteste.

Kalte Väter haben (oft) warme Töchter.

Kälte vertreibt das Ungeziefer.
i] Eine kalte Küche z.B. die Schmarotzer.
bm] Kde není chlad, tam ovad.

Kalte Wände machen unzufriedene Frauen. Irland

Kalte Wangen schminkt man nicht. Russland

Kalte Weihnachten (25.12.) und ein gutes Jahr sind Brüder. Estland
v] Kalte Weihnachten, warme Ostern, grüne Weihnachten, weiße Ostern. Estland

Kalte Wellen, kalte Ströme.

Kälte wird ja nicht gesät. Estland

Kalte Wunden schmerzen mehr.
ho] Als de wonden koud zijn, zoo doen ze zeerder.

Kälte, die nur hauttief geht und Wärme stiehlt, ist nicht ein Wort der Klage wert. Malaisia

Kalten Ofen herzt niemand.

Kalter April bringt Brot und Wein viel.
it] Aprile freddo, molto pane e poco vino.

Kalter Dezember mit vielem Schnee, schreit der Bauer Juchhe!
v] Kalter Dezember und fruchtbar Jahr sind vereinigt immerdar.

Kalter Februar bringt ein gutes Jahr.

Kalter Juniregen bringt Wein und Honig keinen Segen.

Kalter Kaffe macht hübsch.
i] Ein Scherz, kein Dogma.

Kalter Kuchen ist leicht zu kauen, aber schwer zu verdauen.
i] Wie der kalte Kuchen zum Magen, so verhalte sich Liebe und Ehe.

Kalter Magen, heiße Leber.
ho] Die koude magen hebben, zijn gemeenlijk met eene heete lever gekweld.

Kalter Mai bringt Korn (Stroh) und Heu.
ndt] Kaule Mê giwt vêl Hê. Westfalen

Kalter Ofen bäckt kein Brot.

Kalter Tee und kalter Reis mögen noch hingehen, aber kalte Worte und kalte Reden sind nicht zu ertragen. China

Kalter Valentin (14.2.),
fürher Lenzbeginn.

Kalter Weinmond wenig Gutes hat, nur die Mäuse und Raupen kriegen die Staupen.

Kalter Wind bringt keinen Regen. Estland

Kalter Winter, heißer Sommer. Köln
fr] En hyver au feu, et en esté au bois et au jeu.
fr] En hyver au lict ou auprès du feu, et en esté au soleil.

Kaltes Eisen brennt nicht.
v] Kaltes Eisen schmieden.

Kaltes und Warmes daran setzen.
v] Kaltes und Warmes aus einem Munde blasen.
i] Ähnlich einem griechischen Brunnen, der bei einem Göttertempel gewesen sein soll und von dem man erzählt, er habe am Tage kaltes und des Nachts warmes Wasser gegeben.

Kaltes Wehe gibt Zittern.

Kaltschale und Wost is 'ne reie Kost.
i] Kaltschale und Wurst ist ein Gericht, das bald fertig ist, und daher bei den Frauen, die zum Kochen zu träge sind, sehr beliebt.

Kaltvinisch (kalter Wein) und Schweinfeldisch (Schweinefleisch, Schinken) sind gern beieinander.
i] Wortspiel mit kalvinisch und schwenkfeldisch.

Kalvinisten und Alchimisten lass unter deinem Dach nicht nisten.
z] Sie betrügen Leut und Land, dess hot man Schad und Schand.

Kalwer binnet me an Stricke, de Lü an Schriften. Iserlohn
hdt] Kälber bindet man an Stricke und die Leute an Schriften.

Kam bis Dreikönig (6.1.) der Winter nicht, dann kommt er auch bis Ostern nicht.

Käm ein armer in Schlaraffenland, so wer er doch arm.

Käm unser Herrgott jetzt auf Erden, er müsste erst ein Schüler werden.

Käm' eine Katze ins Morgenland, sie würde miauen, wie es hier bekannt.
v] Wann kämen Katzen in Morgenland, so schryen sie mau, wie bekannt.
la] Trans mare ducatur catus, mau vociferatur.

Kam'k (komme) hüt nich, so kam'k morgen, säd' de Snick, dôr frôt se de Râw. Mecklenburg

Käm's, ich nähm's.

Käme der Neid in den Himmel hinein, er litte dort nur Höllenpein.
bm] Závist' nedá do nebe.
pl] Przed zazdrością w niebie niebyć.

Käme der Teufel aus der Hölle, um zu kämpfen, dann wäre ein Franzose zur Stelle, den Kampf aufzunehmen. Frankreich

Käme er, man würde ihn zum zweiten Mal kreuzigen.
Goethe, Eckermann, 12.3.1828

Käme es auf den Bart an, so könnte die Ziege predigen. Dänemark

Kame ick dy vth den Ôgenschin, balde kame ick ut dem Herten dyn.

Käme Krieg, bekäme man Stiefel an die Füße. Estland

Käme nur der Sommer mit seinen Fliegen, dann hätte der Arme auch Freunde. Finnland

Kämen Katzen ins Morenland, so schrien sie doch mau zuhand.
ndt] Wenn Katzen kemen in Mohren Land, schreyen sie doch Maw.

Kämm deiner Tochter Haar, bis sie zwölf ist, bewache sie, bis sie sechzehn ist, nach sechzehn sag 'danke' zu jedem, der sie heiraten will. Tschechien

Kamm wie Haar.
dä] Kam efter haaret.
dä] Raadne æg skident smør skikker sig vel sammen.

Kämm' dich, wasch' dich, putz' dich schien, denn wir woll'n zum Tanze gehn. Schlesien

Kammer geinen andren hann, dan nimb mer Jesus zum Mann. Köln

Kämmerchen spielen.
i] Einander vergeblich suchen, umeinander herumlaufen, einander gegenseitig einen Vorteil abgewinnen.
fr] Jouer aux barres.

Kammergericht – Jammergericht.
i] Volksurteil über das ehemalige Reichskammergericht zu Wetzlar.

Kammerlehen ist kein recht Lehen. [RSpW]
i] Unter Kammer-, Küchen- oder Kellerehen versteht man die Verleihung eines Ertrags als Sod. Es ist dies kein wahres Lehen mit rechter Gewähre, weil der Gegenstand, welcher den Ertrag liefert, nicht in die Gewalt des Lehnmanns kommt. Ebenso wenig das Burglehen.

Kammern im Kopf haben.
ndt] Kämern im Koppe hewwen. Westfalen
i] Ironisch mit dem Zusatz: äs en Kaustall. Gescheit sein.

Kammerreden sind warm, aber sie brennen nicht.

Kampf in der Schlacht für den Mann, Kindergebähren für die Frau.

Kampf ist eins der Gottesurteile.
altfries] Die kamp is dera fyf ordela godes een.

Kampf ist Mutwille. [RSpW]
i] Das alte deutsche Recht in Bezug auf Körperverletzungen infolge von Schlägereien, Misshandlungen u.s.w.
mhd] Kanff ist eyn motwille.

Kampf ist Sünde.
mhd] Kamph ist sunde.

Kämpf nicht gegen einen Reichen an, sonst wirft er zu deinem Verderben sein Geld ins Gewicht.
Altes Testament, Jesus Sirach 8, 2

Kampf oder Ruh'; als Amboss sei geduldig, als Hammer schlage zu!

Kampf ohne Sang hat keinen Drang.
i] Heinrich's des Löwen Wahlspruch. Der Deutsche singt gern und oft, auch bei der Arbeit, und wir sind nicht das einzige Volk, das Lieder durch Gesang begeistert haben; dafür sprechen Ossian's. Lieder, spricht der Rolandsgesang, und in neuerer Zeit die Marseiller Hymne.

Kampf verlegt alles Zeugnis. [RSpW]
i] Einer der angeblich über einem Verbrechen (Diebstahl, Raub u.s.w.) erschlagen worden war, konnte durch sieben Eide für schuldig erklärt werden und für den Kläger blieb der Kampf ausgeschlossen. Wenn aber ein Verwandter des Erschlagenen ihn anbot, so kam es zu keinem Eide. Der Kampf verlegte das eidliche Zeugnis, weil er als Gottesurteil, nach der Rechtsanschauung jener Zeit, über jeden Eid geht.
mhd] Mit kamphe, er vorleget allen gezeug.

Kampfbare Wunde ist nagelstief und gliedeslang.
i] Wenn sich der Beklagte nicht freiwillig zur Busszahlung bereit erklärte, so kam es zur Entscheidung mittels Zweikampfs. Nur ganz geringfügige Wunden sollten von dieser Entscheidung ausgenommen sein. Das obige Sprichwort sagt nun, wie eine Wunde beschaffen sein musste, wenn darüber durch Zweikampf entschieden werden sollte.
mhd] Ejn hamphbar wunde ist nagelstief unde geledeslang.

Kämpfe
Fürs Vaterland, du kämpfst für deine Liebe!
Es es ein Feind, vor dem wir alle zittern,
Und eine Freiheit macht uns alle frei!
Schiller, Tell 3,2 / Berta zu Rudenz

Kämpfe mit denen, die kämpfen, aber lass die Friedlichen in Frieden.

Kämpfen die Bauern, so kämpfen sie wie die Löwen.
Friedrich Wolf, Der Arme Konrad

Kämpfen wie ein Löwe, oder laufen wie ein Hase.
dä] Enten fægte som en mand, eller græde som en qvinde.

Kämpfest du zu Not, so helf dir Gott.

Kämpfst du mit einem Hund, so geht dein Kleid zugrunde, kämpfst du mit einem Füsten, so verlierst du deinen Kopf.

Kämpft der irdene Topf mit dem kupfernen, dann gewinnt er nichts dabei.

Kämpft der Sperling einmal, dann fürchtet er auch den Menschen nicht. (Der Sperling ist ein in besonders beliebter Vogel, da er als tüchtig und fleißig gilt)

Kamst du ab vom Weg, findest du auch keinen Steg.

Kamst du so spät zu Bett, Freund, dass du nun
So spät aufstehst?
en] Was it so late, friend, ere you went to bed,
That you do lie so late?
Shakespeare, Macbeth II,3

Kamt (kommen) sei ümmer ein Dek, so lihrt sei ok ein Spräk. Mecklenburg
v] Kamt se unner êne Dêke, so lehrt se ôk êne Spröke.

Kamt wi vandage (heut') nich, so kâmt wi morgen doch.
ndt] Chum ich nit hüt, so kum ich doch morn. Schweiz

Kan Diab dafragt ma nöd. Wien

Kan em der nit hälfen, se kân em der doch schuoden.

Kan Gugaschass weit aus. (Schass, besser Schäs = Bauchwind. Guga = Kuckuck. Damit drückt das Volk in Niederösterreich eine kleine Entfernung aus)

Kanarienvögel singen schön, aber sie bringen nichts ein.

Kandel (Kanne) hat kein anderes Echo als Anndel (Anna).

Kandel und Andel (Antel) bringen einen armen (o. bösen) Wandel.
i] Kandel = Kanne; Andel = Wein und Weib. Von den üblen Folgen, welche die Unmäßigkeit im Trunk, die Ausschweifungen anderer Art nach sich ziehen.
z] Desswegen sollte Bacchus von Rechts wegen in der einen Hand einen Regimentsstab, in der andern einen Bettelstab führen; nicht weniger auch Venus tut die Taschen leeren. Abraham a Sancta Clara, Judas der Erzschelm
i] Antel, eigentlich Anthal, ist ein Weinmaß ausschließlich für Ungarweine, unserm Eimer entsprechend.
z] Post diem Jovis folgt dies Veneris; wenn man jovialiter sauft, bleibt die Venus nicht aus.

Kandel und Kundel sind keine guten Gespielen.
i] Das Laster der Trunkenheit entehrt schon den Mann, in einem weit höhern Grade aber das Weib.
z] Viel Unheil in der Ehe rührt daher, wenn Sauphia und Sophia beisammensitzen: wenn die Frau Bibiana den Herrn Calixtum zum Buhlen hat, und ist also zwischen der Mühle und Müllerin nur der Unterschied, dass die Mühle vom Wasser bewegt wird und klappert, die Müllerin aber vom Wein. Abraham a Sancta Clara, Judas der Erzschelm

Kandelfreund ist Wandelfreund.
i] Von der Unzuverlässigkeit der Genussfreunde.

Kaninchen fort, Rat da. Spanien

Kaninchenfleisch soll man reißen, nicht schneiden.

Kann auch die reinste Seele sich zu ihrem Glücke nicht selbst genug sein, so ist es noch weit richtiger zu sagen, dass alle Seligkeit der Erde nicht eines verderbten Herzens Glück machen kann.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Julie)

Kann auch die Schilff aufwachsen, wo sie nicht feucht steht.

Kann auch Gras wachsen ohne Wasser?

Kann aus dem Sohn aber auch gar nichts Gescheites werden, so schwingt er sich auf einem schlechten Pferd zum König hoch.

Kann bellen, er kann beunruhigen, aber er kann nur einen beißen, der sich ihm darbietet.
la] Latrare potest, sollicitare potest, mordere non potest nisi volentem.
Caesarius Arelatensis, Sermones

Kann dagegen der Physiker zur Erkenntnis desjenigen gelangen, was wir ein Urphänomen genannt haben, so ist er geborgen und der Philosoph mit ihm: er, denn er überzeugt sich, dass er an die Grenze seiner Wissenschaft gelangt sei, dass er sich auf der empirischen Höhe befinde, wo er rückwärts die Erfahrung in allen ihren Stufen überschauen und vorwärts in das Reich der Theorie, wo nicht eintreten, doch einblicken könne.
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre 5.. Abt. - 720

Kann das alte Weib nicht mehr trinken, so mag es bald zu Grabe hinken.
ho] Als het oude wijf niet meer drinken kan, mag zij wel om haar graf denken.

Kann das ein Brand werden, sagte Töffel, und klopfte seine Pfeife in den Karpfenteich.
ho] Dat gelijkt wel den tweeden brand van Troje, zei Jochem, en hij zag een' bos zwavelstokken branden.

Kann de Kau (Kuh) nit döer de Döer, dann geit se derümme. Westfalen

Kann denn der Wurm im Staub berechnen wollen,
Wohin der Adler seinen Fittich trägt?
Körner, Rosamunde, II/2 (Richard)

Kann der alte Kater auch nicht mehr mausen, so liegt er doch noch gern vorm Loche.

Kann der eine dumm reden, so kann der andere so klug sein und nicht darauf hören.
bm] Ty umíš nectne mluviti, a já umím toho neposlouchati.

Kann der Georg (23.4.) im Korn die Krähe verstecken, wird sich das Mehl häufen zu prallen Säcken.

Kann der heilige Geist im Felleisen auf Konzilien reisen, so können ihn die Kapuziner auch im Zipfel tragen.

Kann der Herr regieren und der Knecht parieren, so stehet's wohl im Haus.
dä] Hvor herren veed at regere, og folket at lyde, der gaaer det vel til.

Kann der Hund den Knochen nicht beißen, so nagt (leckt) er daran.
bm] Nemůže-li pes kosti hrýzti, bude ji lízati.

Kann der Lahme auch nicht gehen, so kann er doch andern den Weg zeigen.
dä] Den krøbling som ei selv kand gaae, kand dog viise andre ret vey.

Kann der Mann wohl reden und die Frau wohl schweigen, so soll man sich vor ihnen neigen.
dä] Naar manden roses af sin veltalen hed, roses konen af sin taushed.

Kann der Narr das Ebenholz nicht bleichen, so versucht er, Elfenbein schwarz zu machen. Äthiopien

Kann der Papst Fürsten machen, so kann der Kaiser Bischöfe machen.

Kann der Teufel am Michaelstag (29.9.) Heu trocknen, so wird es an Viehfutter nicht fehlen. Estland

Kann der Teufel den großen Heiligen ein Bein unterschlagen, so mögen sich die kleinen wohl fürsehen. - Schlesisch, 17. Jh.

Kann der Teufel nicht anders in den Beichtstuhl kommen, so schleicht er sich in des Paters Rock.
sp] Por las haldas dei vicario sube el diablo al campanario.

Kann der Vogel recht viel picken, gibt es reichlich Korn und Wicken.

Kann die Gesellschaft gesund sein, wenn die Individuen krank sind?
August Strindberg, Der Sohn der Magd

Kann die Vorsicht größer sein,
Das Unheil zu entfernen!
Ich seh bei hellem Mondenschein
Nachtwächter mit Laternen.
Goethe, Zahme Xenien VIII

Kann doch ein Gott, wenn er will, auch fernher Männer erretten.

Kann doch kein Land zum Glück gedeihen, das fortwährend dem Krieg ausgesetzt ist, wie es von der frühsten Zeit an das Schicksal aller östlichen schwächeren Königreiche gewesen.
Goethe, Divan, Noten und Abhandlungen - Einrede

Kann doch kein Mensch, der etwas für die Menschheit leistet, schon zu Lebzeiten auf Belohnung rechnen.
M. Grimm, Der Schriftsteller als Staatsbürger

Kann e Bûr so lewe, nich e mol sin Hund. Tilsit (Wenn einem etwas besonders gut schmeckt)

Kann Ehre ein Bein ansetzen? – Nein! Oder einen Arm? – Nein! Oder den Schmerz einer Wunde stillen? – Nein! Ehre versteht sich also nicht auf die Chirurgie? – Nein! Was ist Ehre? – Ein Wort! Was steckt in dem Wort Ehre? Was ist diese Ehre? – Luft!
en] Can honour set-to a leg? No. Or an arm? No. Or take away the grief of a wound? No. Honour hath no skill in surgery, then? No. What is honour? A word. What is in that word, Honour? What ist that honour? Air.
Shakespeare, König Heinrich IV., Erster Teil V,1

Kann Eifersucht um solchen Mann uns plagen?
Wenn er entfloh, ich würd' es nicht beklagen.
en] Who would be jealous, then, of such a one?
No evil lost is wail'd when it is gone.
Shakespeare, Die Komödie der Irrungen IV, 2

Kann ein Gelehrter Geld gewinnen, so tut er nichts nach rechten Sinnen.

Kann ein Genie der Welt so völlig entsagen, wie es der restlose Ausdruck seiner selbst erfordert, ohne ein Laster oder ein Gebrechen?
William Butler Yeats, Synges Tod

Kann ein Mann am Siebenbrüdertag (10. VII) quer über die Straße reiten, so kann man Heu machen. Estland

kann ein Schiff tragen wie auch umstürzen. China

Kann eine Gesetzgebung wohl sittlich heißen, welche die Angriffe auf die Ehre der Bürger weniger hart bestraft als die auf ihr Leben?
Friedrich Schlegel, Athenäumsfragmente

Kann eine von der Liebe bereitete Mahlzeit jemals unschmackhaft sein?
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Saint-Preux)

Kann einen Gott auffm boden leiden, so lass ihn auch vor dir bleiben.

Kann einer ein kleines verdauen und durchs Gewissen fallen, so gehet mehr hinnach.

Kann einer eines, so kann ein ander ein anderes.
la] Qua simul est laesus fallaci piscis ab hamo, omnibus unca cibis aera subesse putat.

Kann einer nicht dichten, so will er doch richten.

Kann einer nicht etwas für uns tun, ohne Dank zu verdienen.
Goethe, Anekdote zu den Freuden des jungen Werthers / Lotte

Kann einer nicht mehr trinken, so siehet er doch gern zapfen.
z] Alte Geysen lecken auch gern Saltz, eim Alten verlegenen Fuhrmann tut auch dass Geyselklöpffen noch wohl; kann einer nicht mehr trinken, so siehet er doch zepffen und hört gern die Kannen klöpffen.

Kann er auch Körbe flicken, so kann er nicht Seide sticken.
Das Wichtige vertraut der kluge Mann nicht dem Ungeschickten an; den Weidenflechter nimmt er noch nicht zum Seidensticker.

Kann er eins, so kann ichs ander.

Kann er nicht (mehr) singen, so kann er doch (noch) gut schlingen.
i] Von ausgesungenen Sängern, die zwar nicht mehr singen, aber um so besser schlingen können, sagt man in Warschau jüdisch-deutsch: Dus Kol (die Stimme) hot er verloren, nor der Hals is ihm geblieben.

Kann er nicht beißen, so kratzt er doch.
fr] S'il ne mord, s'il ne peut mordre, il égratigne.

Kann er nicht schmieden, so kann er doch den Blasebalg ziehen.
i] Er ist doch zu etwas zu gebrauchen.
bm] Nemůze-li kovatí, ale pomáhá dýmati.

Kann er nicht zimmern, so hawt er doch Spän.
Der Ungeschickte.
dä] Kand hand ei tøme, saa hugger hand spaaner.

Kann es da jemals Glück geben, wo nichts als Schande und Reue herrscht?
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Julie)

Kann etwas abscheulicher sein, als in den Proben zu sudeln und sich bei der Vorstellung auf Laune und gut Glück zu verlassen? Wir sollten unser größtes Glück und Vergnügen darein setzen, miteinander übereinzustimmen, um uns wechselweise zu gefallen, und auch nur insofern den Beifall des Publikums zu schätzen, als wir ihn uns gleichsam untereinander schon selbst garantiert hätten.
Goethe, Lehrjahre IV,2

Kann Gott böse Weiber leiden vnter dem Himmel, so lass sie auch für deiner thür vbergehen.

Kann Gott ein neues Tier schaffen, warum kann er dann nicht das alte ernähren. Estland

Kann ich Armeen aus der Erde stampfen?
Wächst mir ein Kornfeld in der flachen Hand?
Friedrich Schiller, Die Jungfrau von Orleans (Karl)

Kann ich dafür, dass das Kaninchen keinen Schwanz hat? Surinam (Gegen völlig aus der Luft gegriffene Beschuldigungen und Vorwürfe)

Kann ich das Wasser beim obern Brunnen holen, so gehe ich nicht zum untern, sagte das neunkircher Mädchen.

Kann ich durch eines anderen Lob in die Kirche, wenn ich selbst keinen neuen Rock habe. Estland

Kann ich einen gantzen Schöps auf einmal fressen, sagte der Wolff, solt ich nicht auch können ein Mücken verschlingen? Luther

Kann ich keine Feigen tragen, sagte der Strauch, so trage ich Schlehen.
v] Kannst du keine Kokos tragen, Palme, so trage Arekos. Abessinien

Kann ich nicht allwege Lampreten haben, so nehme ich doch mit einem grünen Hecht für gut.

Kann ich nicht mehr, so will ich mich doch also gegen yhm stellen, dass er sehen sol, dass michs verdriesse.
v] Kann ich nicht mehr, so will ich doch sauer darum sehen (o. dreinsehen).
i] Wenn kein Mittel helfen will und man sich verdriesslich von der Angelegenheit abwendet.

Kann ich nicht sein, was ich will, so will ich nicht sein, was ich kann.
i] Dies Wort wird einem der mächtigsten Edelleute, Enguerrand VI., Herr von Coucy, zugeschrieben, der sich vom König den Herzogtitel erbat, den ihm dieser zwar verweigerte, ihm aber den eines Grafen anbot. Diesen wies aber Enguerrand mit den sprichwörtlich gewordenen Worten zurück: Comte je ne veule, duc je ne puis, je demeureray Seigneur de Coucy. Diese Antwort erscheint auch in folgenden Lesarten: Je ne suis roy ne prince aussy, je suis le seigneur de Coucy. Und: Prince je ne daigne roi je ne puy, je suis le sire de Coucy.

Kann ich nicht, was ich will, so will ich, was ich kann; was nicht zu ändern ist, das nehm' ich willig an.

Kann man am Dreikönigsabend um Mitternacht drei Sterne durch den Rauchfang sehen, so muss ein frischer Trunk gezapft werden, denn es gibt ein gutes Weinjahr. Euskirchen

Kann man an der Auffahrt drei Ähren zellen, so sind se in sieben Wochen in der Rellen. (Rellen oder Röllen - im engern Sinne die Kornfege, das Getreide nach dem Dreschen über eine Rolle oder Fege rollen und laufen lassen und dadurch reinigen)

Kann man auch nur den Gedanken wagen, glücklich zu sein, wenn alles in Elend darnieder liegt?
Heinrich von Kleist, an Marie von Kleist, Juni 1807

Kann man auch nur eine Spur Gerechtigkeit in dem Los erblicken, das die Frauen getroffen hat?
Charles Fourier, Über die Liebe und Ehe

Kann man das Ding nimmer vermitteln und etwas aus dem Ärmel schütteln?

Kann man das Familienleben nicht mit Milch vergleichen? Milch wird schnell sauer.
Iwan S. Turgenjew, Wo allzu fein gesponnen wird, da reißt es eben

Kann man dem Feind nicht an die Nieren, so muss man ihm hofieren.
en] Kiss ardently the hands, which you cannot cut off.

Kann man dem Regen entgehen, indem man sich niederbeugt? Assam, Indien

Kann man den Abstand des Roggenknotens mit einer Spanne messen, dann kann man den Roggenhalm mit Klafter messen. Estland

Kann man den Feind nicht schlagen, so muss man ihn schrecken.
v] Kann man den Esel nicht schlagen, schlägt man den Packsattel.
tü] Eşeğe gücü yetmeyen semerini döver.

Kann man den Kopf retten, so mag man den Bart opfern.

Kann man den Lauf eines großen Stromes mit Sand eindämmen? Kann man den Fluss mit dem Eimer ausschöpfen? Kann man den Regenbogen am Firmament mit Händen fassen? Kann man die Meinung eines Tugendhaften unterdrücken?

Kann man denn nicht auch lachend sehr ernsthaft sein?
Lessing, Minna von Barnhelm (Minna)

Kann man die Kuh nicht kriegen, so muss man 's Kalb nehmen.
ho] Moogt gij de koe niet krijgen, zoo neem het kalf.

Kann man doch nicht einmal eine Flasche Wein mit Ruhe trinken, sagte der bankrotte Kaufmann, als man ihn mahnte, eine Schuld zu bezahlen.
ho] Het is toch wonder, dat men mij niet ongemoeid kan laten, zei de bankeroetier, en zijne crediteuren maanden hunne schulden in.

Kann man ein Übel nicht verjagen, so muss man's mutig tragen.
pl] Czego niemoźesz poprawić, lepiéj cicho w sobie strawić.

Kann man einem Unglücklichen verdenken, dass er sich nicht freuen kann.
Goethe, An Körbchen Schönkopf, 12.12.1769

Kann man einen nit an wagen spannen, so span man ihn an Karch.

Kann man einer entfalteten Seele Pflichten vorschreiben?
William Butler Yeats, Entfremdung

Kann man es nicht mit der Tat, dann versuch's mit Rat. Estland

Kann man es nicht überspringen, muss man darunter kriechen.
bm] Když nemůžeš přeskočití, podlez.
bm] Nemůžeš-li přeskociti, překroč.
pl] Podlež, gdzie przeskoczyé niemoźesz.

Kann man fasten mit einem Kuchen in der Hand? Armenien

Kann man im Bett nicht schlafen, so kann man sich doch strecken.
fr] Le lit est une bonne chose, si l'on n'y dort, l'on y repose.
it] Il letto è una bella cosa chi non vi puol dormire vi riposa.

Kann man im Kampf ums Leben seinen Platz behaupten, ohne in erster Linie an sich selbst zu denken? Ist nicht Besitz Kraft?
Houston Stewart Chamberlain, Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts

Kann man kein Tageslicht haben ohne Hahnengekrähe? Indien

Kann man keine reizende Frau haben, so wird die Liebe an Tiere verschwendet. Sanskrit, Indien

Kann man keinen Speck bekommen, muss man mit Kohl fürlieb nehmen.
dä] Hvo ei kand faae flesket lade sig nøge med koolen.
fr] Qui ne peut avoir de la chair se contente du potage.

Kann man mich denn nicht ungeschoren lassen, sagte der Krämer, als ihn die Gläubiger mahnten.
ho] Het is toch wonder, dat men mij niet ongemoeid kan laten, zei de bankeroetier, en zijne crediteuren maanden hunne in.

Kann man mit dem Kopf nicht durch die Wand, so kann man durch die Tür.
la] Destitutus ventis, remos adhibe. Manutius

Kann man nicht hin greifen, so kann man hin werfen.

Kann man nichts Großes bekommen, so muss man Dünnes essen. Estland

Kann man noch eine Erfindung machen, ohne sich davor zu fürchten?
Elias Canetti

Kann man ohne schaden ein Baum nicht ausrotten, so soll man ihn beschneiden und stümmeln, dass der überfluss nit zu stark wachse.

Kann man sich mit dem alten Maß behelfen, so leide man auch die alten Bräuch.

Kann man sich rühmen, fortzuleben ohne Enkel?

Kann man Vertrauen zu einer Frau haben, die einen selber zum Mann nimmt.
Curt Goetz

Kann man vom Walker Sonne kaufen?

Kann man's nicht tun in Freundschaft, so muss man's tun mit Recht.

Kann mancher nicht schaden, so kann er doch verwirren.

Kann nicht jeder wohl reden, so soll doch jeder wohl leben.
dä] Faa tale vel, det bør alle at leve vel.

Kann öck mîn Endke afsêne, wär öck et ôk aftêne, kutsch' Koppke, noch e Wîlke. Wehlau (Worte einer schlaflustigen Bäuerin beim Flachsziehen) >>> Übersehen

Kann sein schützt vor Lügen. (Man soll nichts vorschnell behaupten oder versprechen)

Kann sich ein Schakal mit einem Elefanten messen?

Kann sich öffnen und schließen das Himmelstor ohne das Weibliche?
Lao-tse, Dao-de-dsching

Kann uns zum Vaterland die Fremde werden?
Goethe, Iphigenie A I SZ 2 / Iphigenie Vs 76

Kann unser Herr Gott regnen, so können die Reichen (o. Bauern) auf stelzen gehn.

Kann wohl des großen Meergotts Ozean
Dies Blut von meiner Hand rein waschen? Nein:
Weit eh'r kann diese meine Hand mit Purpur
Die unermeßlichen Gewässer färben
Und Grün in Rot verwandeln.
en] Will all great Neptune's ocean wash this blood
Clean from my hand? No, this my hand will rather
The multitudinous seas incarnadine,
Making the green one red.
Shakespeare, Macbeth II, 2

Kann wohl ein Kind empfinden, wie den Vater
die Sorge möglichen Verlustes quält?
Goethe, Natürliche Tochter A I Sz 6 / Herzog Vs 586

Kann wohl Liebe, so scharf sie sieht, Gebrechen sehen?
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Julie)

Kann zwischen den Geschlechtern Freundschaft entstehen und Bestand haben? Nur scheinbar, denn die Geschlechter sind geborene Feinde. Plus und Minus bleiben Gegensätze, positive und negative Elektrizität sind Feinde, brauchen einander jedoch, um sich zu ergänzen.
August Strindberg, Der Sohn der Magd

Kann' und Kantor reimen sich.

Kannegießer, die von Reichsstädten reden und ihren Rücken mit fremden Sachen beladen.

Kannen Glück, Bauchs Unglück.

Kannibale: ein Gastronom alter Schule, der sich den einfachen Geschmack bewahrt hat und an der natürlichen Diät der Vor-Schweinefleischzeit festhält.
Ambrose Bierce

Kannichtmehr liegt auf dem Kirchhof.
i] Als Antwort auf die Äußerung: Ich kann nicht mehr.

Kannst an' Stoan net weghebn, so muaßt halt drüberspringa.

Kannst dem Schicksal widerstehen,
Aber manchmal gibt es Schläge,
Wills nicht aus dem Wege gehen,
Ei! so geh du aus dem Wege!
Goethe, Memento

Kannst den Narsch toschlute (Arsch zuschließen). Ostpreussen
i] Rat für den, der keine Arbeit hat.

Kannst di drelle wî du wöllst, de Nârsch ös (blövt) ömmer hinde.

Kannst dich ärgern, sollst aber nicht (vor Ärger) brennen. Estland

Kannst die Katze kachle (o.schaukeln, wiegen) auf einer Mauerlatte. Samland

Kannst Doctor wären und wullt nig. Hamburg (Kannst einen Vorteil haben und ließest ihn dir entgehen)

Kannst du auch schwimmen, rief die Frau, als ihr Mann wünschte, dass alle Hahnrei in die See trieben.

Kannst du das Geld brauchen, so bist du sein Herr, wo nicht, sein Knecht.

Kannst du das Leben verstehen? Ich nicht. Ein großes graues graues Ding wie ein Tier und man weiß nie, wie es aussieht, und man weiß nie, was es einem tut. Und wehrt man sich, wird man zertreten von einem grauen schweren Fuß.
Henry von Heiseler

Kannst du dein Haus dir selbst verwalten
Sollst du nicht fremde Aufsicht halten. Jüdisch

Kannst du den Esel nicht bei den Ohren fassen, so nimm ihn beim Schwanz.

Kannst du den Glauben, so kann ich das Vaterunser.
dä] Kandstu troen, saa kand jeg fader vor.

Kannst du den Mund nicht halten, so verstopfe dein Ohr!

Kannst du den Säbel gürten um den Leib, so nimm ein Weib. Serbien

Kannst du den Zorn eines Augenblicks nicht zügeln, ist das so, als ob du das Holz, das du in tausend Tagen hacktest, an einem Tag verfeuerst.

Kannst du des Wassers Boden nicht sehen, so wage es nicht, hindurch zu gehen.

Kannst du des, der vor dir geht, kleine Mängel bald erblicken,
Wird die deinen sehen auch, wer dir nachsieht auf den Rücken.
Friedrich von Logau, Sinngedichte

Kannst du dich dem allgemeinen Schicksal deines Geschlechtes entziehen, das nun einmal seiner Natur nach die zweite Stelle in der Reihe der Wesen bekleidet? Nicht einen Zaun, nicht einen elenden Graben kannst du ohne Hülfe eines Mannes überschreiten, und willst allein über die Höhen und über die Abgründe des Lebens wandeln?
Heinrich von Kleist, an Ulrike von Kleist, Mai 1799

Kannst du dich nicht vor einem hüten, hüte dich vor allzumal.
fr] Ki ne se set de cui garder, si se gart de tous.

Kannst du die Flöte blasen, so lass den Kindern ihre Pfennigpfeifen.

Kannst du die Packnadel auch nicht zum Sticken gebrauchen, so ist sie gleichwohl sehr nützlich.

Kannst du die Welt antreiben.

Kannst du die Zeit nicht halten, entweicht sie durch tausend Spalten.

Kannst du dies, so kann ich das.
dä] Kandstu eet, sa kand jeg et andet.

Kannst du ein Adler sein, so herrsche nicht bloß über Spatzen.

Kannst du es nicht sagen, so singe es.
fr] Si tu ne le pense dire, si le monstre au doigt.

Kannst du es nicht umgehen, musst du (es) geduldig drein (ein-)gehen.

Kannst du geld brauchen, so ists dein knecht, wo nit, so ists dein herr.
v] Das Geld ist gut für den Weisen, schlimm für den Verschwender, am schlimmsten für den Geizigen. Italiene
v] Geld ist dem Geizhals eine Qual, dem Edeln Ehre, dem Verräter aber Tod.
dä] Kand du bruge pengene, saa ere de tienere, hvis ikke, ere de herrer.
en] Money is a servant to some, but a master to others.

Kannst du kaufen, kauf nicht so, dass der Verkäufer erschrickt, kannst du verkaufen, verkauf nicht so, dass der Käufer erschrickt. China

Kannst du kein Paradies durchschreiten,
Schaff dir eines - aus Kleinigkeiten.

Kannst du kein Stern am Himmel sein, so sei eine Lampe im Haus. Arabien

Kannst du lesen, so sollst du verstehen, kannst du schreiben, so musst du etwas wissen, kannst du glauben, so sollst du begreifen, wenn du begehrst, wirst du sollen, wenn du forderst, wirst du nicht erlangen, und wenn du erfahren bist, sollst du nutzen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 525

Kannst du mich schmeichelnd je belügen,
dass ich mir selbst gefallen mag,
Kannst du mich mit Genuss betrügen:
Das sei für mich der letzte Tag!
Goethe, Faust I, Studierzimmer / Faust Vs 1694f.

Kannst du mit dem geld umgehen, so muss es dir nachgehen, kannst du es nicht brauchen, so ists dein Herr.

Kannst du nicht auf den Berg, so bleibe doch auch nicht im Tale.

Kannst du nicht ein Adler sein, halt dich wie die Schnecke fein.

Kannst du nicht fahren, so werde nicht Kutscher.

Kannst du nicht gewinnen, so trage Hader hinein.
z] So lehrete jene Mutter ihren Sohn. Luther, Verantwortung der aufgelegten Aufruhr von Herzog Georgen. Samt einem Trostbrief an die Christen, von ihm aus Leipzig unschuldig verjagt.

Kannst du nicht Gutes tun, so tue auch nicht Schlechtes.

Kannst du nicht im Vorderzuge sein, so ziehe im Trosse nach.

Kannst du nicht im Vorzug sein, so ziehe im Trosse hinten nach.

Kannst du nicht Pfaffe werden, so bleibe (werde) Küster.
i] Aber auch nur dann; ist es eine Möglichkeit, Pfaffe zu werden, so werden es, oder noch etwas Besseres.
en] If we can't as we would, we must do as we can.
fr] Il faut bien se baisser où l'on ne peut se tenir debout.

Kannst du nicht reich werden, so werde der Nachbar eines reichen Mannes. Armenien

Kannst du nicht singen, so musst du pfeifen.

Kannst du nicht werden ein Magister, so bleib' ein Küster.

Kannst du nicht, was du willst, so wolle, was du kannst.
i] Man muss aus der Not eine Tugend machen.
la] Quoniam id fieri, quod vis non potest, velis id, quod possit. Terenz

Kannst du spalten, so kannst du schalten und walten.

Kannst du wechseln, so kann ich tauschen.

Kannst du zu der Welt nur Neigung tragen,
Die so oft dich trog
Und bei deinem Weh, bei deinem Glücke
Blieb in eigenwilliger, starrer Ruh?
Sieh, da tritt der Geist in sich zurücke,
Und das Herz es schließt sich zu.
Goethe, An Lottchen

Kannst du's allein, so nimm keinen Gesellen.
fr] A ce que tu peux faire seul, n'attends personne.

Kannst du's nicht bald vollbringen, so wird's später gelingen.

Kannst du's, so treib es, weisst du's, so üb es.

Kannst man seggen: Teller! de hund schitt di'n Wust.

Kannst mek hinnen küssen, vorn kann eck't sülwenst, sä dat Mäken. Hildesheim

Kannst mi fünfern, hast um sechs (Uhr) Feierabend. Stockerau

Kannst mi hinnen lecken, söä' jen 't Möäken, vöärn kann ick 't allên.

Kannst mi hochblase, wenn öck war lêg (niedrig) sötte. Elbing

Kannst mi öm Nârsch wâne, brûkst keine Mêd tau betâle.

Kannst mich Buckel kratzen tragen. Wien

Kannst mich gern haben.
v] Wer dich gern hat, den habe du auch gern, und wer dich wegwünscht, den wünsche noch weiter weg. Ägypten

Kannst mich schimpfen, wie du willst, nur schimpfe mich nicht schwarz Arschloch.

Kannst mir auf d' Feitig (Feiertage) kommen.

Kannst mir d' Gasse hinabgehen.

Kannst mir den Buckel hinafsteigen (oder: 'runterrutschen). Rottenburg
v] Kannst mir den Buckel küssen, aber wohl unten. Rottenburg
v] Kannst mir den Buckel küssen, wo die Haut ein Loch hat. Rottenburg

Kannst mir nichts Guts tun, thu mir auch nichts Bös.
la] Si amare piget, et reamare non pigeat.

Kannst mir sonst etwas tun. Rottenburg

Kannst ock all Eier kaken (kochen)? (Willst du auch schon die Hausfrau spielen?)

Kannst rede, wenn de Hahn forzt, on segge: Prost, Grossvader. Alt-Pillau

Kannst rede, wenn de Henn pösst on de Hahn farzt, on denn kannst segge: Herr, öss erlaubt ok e Wôrtke to rede?
i] Zu Leuten, namentlich Kindern, die unberufen mitreden. Besonders um zu sagen, dass man sich aus dem Zorne und Schelten jemandes nichts mache.
en] The mountain is angry with the mountain, but the other does not comprehend.

Kannst rîde (reiten) wie du wöllst.
i] Die Art und Weise der Ausführung einer Arbeit bleibt dir überlassen.

Kannstu fliehen (versteh mit ehrn), so fliehe!
i] In der Tierdichtung: Der neue Rat des Smil von Pardubitz, aus der böhmischen Literatur des 14. Jahrhunderts, sagt der Hase: 'Wer am Ende nicht siegen kann, bei dem kommt's doch aufs Laufen an.

"

Kannstu nit gar auf den berg, so bleib doch nit gar im tal.
ho] Al kunt gij op den berg niet gaan, blijf daarom in het dal niet staan.
la] Est aliquid prodire tenus, si non datur ultra. (Horaz.) (Seybold, 149.)

Kannstu was, so tritt herfür, kannstu nichts, tritt hinter die tür.

Kannstus, so treibs; weistus, so übs.

Kannswohl regiert an allen Ort, und wenn er soll fort, ist dran kein wahr Wort.

Kanone: Instrument zur Berichtigung von Staatsgrenzen.
Ambrose Bierce

Kanst de âk den Oßen det Bölken (Ochsen das Bölken) wêren?

Kanst die Kälbchen wohl grasen.
i] In dem Sinne: Du verstehst es, dein Schäfchen zu scheren.

Kanstu nicht mit einem Wagen fahren, so fahre mit einem Karren; fehlt der Karren, so nimm ein Rad.

Kanstu regnen, so kan ich auf holtzschuhen gehn.
v] Kanstu regnen, so kann ich auf Stelzen gehen (o. Regenkleider anlegen), sagte der Bauer.
i] Wer sich in jeden Zustand findet und gegen unvermeidliche Übel immer noch zu waffnen weiß.

Kant' (könnte di Kuh afs Groas boat'n (warten), aft (so) brauchet' s' koa Heu. Unterinntal

Kant, Immanuel] ... es ist ein grenzenloses Verdienst unsres alten Kant um die Welt, und ich darf auch sagen um mich, dass er, in seiner Kritik der Urteilskraft, Kunst und Natur kräftig nebeneinander stellt und beiden das Recht zugesteht: aus großen Prinzipien zwecklos zu handeln.
Goethe, An Zelter, 29.1.1830

Kant, Immanuel] ...dass kein Gelehrter ungestraft jene große philosophische Bewegung, die durch Kant begonnen, von sich abgewiesen, sich ihr widersetzt, sie verachtet habe...
Goethe, Schriften zur Kunst - Winkelmann und sein Jahrhundert - Philosophie

Kant, Immanuel] ...so waren doch die großen Hauptgedanken des Werks [Kritik der Urteilskraft] meinem bisherigen Schaffen, Tun und Denken ganz analog, das innere Leben der Kunst sowie der Natur, ihr beiderseitiges Wirken von innen heraus war im Buche deutlich ausgesprochen. Die Erzeugnisse dieser zwei unendlichen Welten sollten um ihrer selbst willen da sein, und was nebeneinander stand, wohl füreinander, aber nicht absichtlich wegen einander.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Einwirkung der neueren Philosophie

Kant, Immanuel] Dagegen hat aber auch Kant seinen philosophischen Mantel, nachdem er ein langes Menschenleben gebraucht hat, ihn von mancherlei sudelhaften Vorurteilen zu reinigen, freventlich mit dem Schandfleck des radikalen Bösen beschlabbert, damit doch auch Christen herbeigelockt werden, den Saum zu küssen.
Goethe, An das Ehepaar Herder, 7.6.1793

Kant, Immanuel] Die strenge Mäßigkeit, zum Beispiel Kants, forderte eine Philosophie, die diesen seinen angeborenen Neigungen gemäß war. Leset sein Leben, und ihr werdet bald finden, wie artig er seinem Stoizismus, der eigentlich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen einen schneidenden Gegensatz bildete, die Schärfe nahm, ihn zurechtlegte und mit der Welt ins Gleichgewicht setzte.
Goethe, J. D. Falk, zeitlich unbestimmt

Kant, Immanuel] Er [Goethe] war gestern bei uns, und das Gespräch kam bald auf Kant. Interessant ist's, wie er alles in seine eigene Art und Manier kleidet und überraschend zurückgibt, was er las, aber ich möchte doch nicht gern über Dinge, die mich sehr nahe interessieren, mit ihm streiten.
Goethe, Schiller, 31.10.1790

Kant, Immanuel] Goethe sagte mir einmal, dass, wenn er eine Seite im Kant lese, ihm zumute würde, als träte er in ein helles Zimmer.
Goethe, A. Schopenhauer, 1808/1814

Kant, Immanuel] Kant beschränkt sich mit Vorsatz in einen gewissen Kreis und deutet ironisch immer darüber hinaus.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1198

Kant, Immanuel] Kant hat nie von mir Notiz genommen, wiewohl ich aus eigener Natur einen ähnlichen Weg ging als er. Meine Metamorphose der Pflanzen habe ich geschrieben, ehe ich etwas von Kant wußte, und doch ist sie ganz im Sinne seiner Lehre.
Goethe, Eckermann, 11.4.1827

Kant, Immanuel] Kant hat unstreitig am meisten genützt, indem er die Grenzen zog, wie weit der menschliche Geist zu dringen fähig sei, und dass er die unauflöslichen Probleme liegen ließ.
Goethe, Eckermann, 1.9.1829

Kant, Immanuel] Kants Anthropologie ist mir ein sehr wertes Buch und wird es künftig noch mehr sein, wenn ich es in geringem Dosen wiederholt genieße, denn im ganzen, wie es dasteht, ist es nicht erquicklich. Von diesem Gesichtspunkte aus sieht sich der Mensch immer im pathologischen Zustande...
Goethe, An Schiller, 19.12.1798

Kant, Immanuel] Kants Kritik der reinen Vernunft war schon längst erschienen, sie lag aber völlig außerhalb meines Kreises. Ich wohnte jedoch manchem Gespräch darüber bei, und mit einiger Aufmerksamkeit konnte ich bemerken, dass die alte Hauptfrage sich erneure, wieviel unser Selbst und wieviel die Außenwelt zu unserm geistigen Dasein beitrage. Ich hatte beide niemals gesondert, und wenn ich nach meiner Weise über Gegenstände philosophierte, so tat ich es mit unbewußter Naivetät und glaubte wirklich, ich sähe meine Meinungen vor Augen.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Einwirkung der neueren Philosophie

Kant, Immanuel] Kants System ist nicht umgestoßen. Dieses System oder vielmehr diese Methode besteht darin, Subjekt und Objekt zu unterscheiden, das Ich, das von einer beurteilten Sache urteilt mit dieser Überlegung, das bin doch immer ich, der urteilt. Wie also die Subjekte oder Prinzipien des Urteils immer verschieden sind, so werden doch ganz einfach auch die Urteile verschieden sein. Die Methode Kants ist ein Prinzip der Humanität und Toleranz.
Goethe, V. Cousin, 18.10.1817

Kant, Immanuel] Mit der Kantischen Lehre wird es gehn wie mit Modefabrikwaren, die ersten werden am teuersten bezahlt, nachher macht man sie überall nach, und sie sind leichter zu kaufen.
Goethe, An Ch. G. v. Voigt, 27.7.1793

Kant, Immanuel] Nun aber kam die Kritik der Urteilskraft mir zuhanden, und dieser bin ich eine höchst frohe Lebensepoche schuldig.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Einwirkung der neueren Philosophie

Kant, Immanuel] Schiller pflegte mir immer das Studium der Kantischen Philosophie zu widerraten. Er sagte gewöhnlich, Kant könne mir nichts geben. Er selbst studierte ihn dagegen eifrig, und ich habe ihn auch studiert, und zwar nicht ohne Gewinn.
Goethe, Eckermann, 11.4.1827

Kantholz! seggt Silaff un schmêt seine Frau ut dem Bedd.
v] Kantholz, sagte der Zimmermann und schmiss seine Frau aus dem Bett.
ndt] Kantholz, säd de Tömmermann un smeet sine Fru ut et Bedd. Stallupönen

Kantilene: die Fülle der Liebe und jedes leidenschaftlichen Glücks verewigend.
Goethe, Maximen und Reflexionen 5063

Kantores und Sänger, wenn sie voll saufen wollen sie immer raufen.
v] Kantoren singen dem Herrn und haben viel Durst und trinken gern.
la] Cantores amant humores.

Kanu, geh unter! - dann ist einer der Deinigen darin. Duala (Bantu)

Kapaunen im Winter und Hühnchen im Sommer.
it] Cappone l' inverno, e pollastrotti l' estate.

Kapaunen und Hennen sind selten intim.
fr] Jamais chapon n'aima geline.

Kapaunen und Kuhfleisch lassen sich nicht in einem Topfe gleich sieden.

Kapaunen von acht Monaten sind ein königlich Essen.
i] Ehe Indien uns sein Federvieh zugeschickt hatte, war der Kapaun bei einer Mahlzeit die beste Schüssel. Aus der Achtung, welche man für dies Gericht hatte, ist das vorstehende Sprichwort erwachsen.
fr] Chapon de huit mois, dîner de roi.

Kapaunen werden nicht fett, wenn man sie mit Versprechungen füttert.

Kapern mit langen Schwänzen.
kk Antwort auf die neugierige Frage: was werden wir essen?

Kapital und Zinsen auf einmal holen.
la] Et usuram et sortem persolvere.

Kapitalflucht kommt vor Menschenflucht.
Helmar Nahr

Kapitalismus ist Warenproduktion auf der höchsten Stufe ihrer Entwicklung, auf der auch die Arbeitskraft zur Ware wird.
Lenin

Kapitalismus ohne Konkurse ist wie Christentum ohne Hölle.
Frank Borman

Kapitalismus: Die einen arbeiten für ihr Geld, die anderen lassen ihr Geld für sich arbeiten.
Gerhard Uhlenbruck

Kapitalismus: Inferiore Wirtschaftsordnung, welche die Verheißungen des Sozialismus nur unvollständig realisiert.
Helmar Nahr

Kapitän, Pfarrer und Landmesser müssen die Schule besucht haben.

Kappe um Kappe, Schlappe um Schlappe.

Kappe, Rock, Hemd, Hosen, Wamms sind gut, wenn man jeglichs an das Glied legt, dem es gemacht ist.

Kappen (Kleider) und Kalck (Wand, Mauer) bedecken manchen Schalk.
fr] Souvent sous un beau gant se cache une laide main.
it] La veste cuopre gran difetti.
it] Spesso sotto bel guanto si nasconde brutta mano.
la] Struma saepe dibapho tegitur.

Kappen machen keine Mönche.
v] Kappen sind nicht heilig.
z] Weder Kappe nach Platte, weder Kloster noch heilige Gesellschaft, sondern etwas anderes macht heilig und selig.

Kappen und Kron' spricht der Tod gleichen Hohn.

Kappes (Kohl), gepflanzt im Mai, ist wert ein Ei. Westfalen

Kaput ist kein Kamisol.
i] Auch Kapot, Kaputrock, ein Mantel mit einer Kappe, französisch Capot. Im Braunschweigischen wird darunter ein Kleidungsstück verstanden, einer Jacke ähnlich, das früher von den Landleuten als Alltagskleid getragen worden sei.

Kaputt machen.
i] Im Piquetspiel: alle Stiche bekommen.

Kapuut, ein Neues.
ndt] Kapot, en nöi.
i] Ist etwas entzwei und unbrauchbar geworden, so muss man es ersetzen.

Kapuzinerdank hat wenig Klang.
v] Kapuzinerdank und Kapuzinergeld sind beide falsch gemünzt.
v] Kapuzinerfleisch und Weiberblut, das tut in Ewigkeit nicht gut.

Karauschen mit Maibutter. Pommern
i] Karauschen = Cyprinus carassius. Ein sehr beliebtes Gericht. Als Redensart in dem Sinne: Ja, Kirschkuchen, o. Ja, Kuchen.

Karfreitag Sonnenschein bringt uns reiche Früchte ein.
v] Karfreitag war noch nie so lang, dass Ostern nicht folgte.
v] Karfreitagsregen muss tropfenweis aus der Erde gekratzt werden.

Karg Leben ist arm, es friert bis in den Darm.
bm] Skoupý život ošuméle chodí.

Karg sein und niemand wollen geben, das ist ein recht Schmarotzer Leben.
v] Karg sein zur Unzeit macht nicht reich.

Karge Aussaat, spärliche Ernte.
la] Messis erit rara quam dextra sparsit auara.
sd] Hwa litith saar han litith skaer.

Karge Leute entbehren das Beste.
ho] Karige lieden onthalen het best, als het erop aankomt.

Karge Säer, arme Schnitter. Wendische Lausitz

Karger Vater, diebischer Sohn.
bm] U tvrdého (skoupého) otce zlodĕjské dĕti.

Karger – arger.
i] Karg heißt im Mittelhochdeutschen astutus und Arg auch iners, vecors.

Kärgliches Brot ist der Lebensunterhalt der Armen, wer es ihnen vorenthält, ist ein Blutsauger. Altes Testament, Jesus Sirach 34, 25

Karikatur ist eine Huldigung, welche die Mittelmäßigkeit dem Genius darbringt.
Wilde

Karikatur ist eine passive Verbindung des Naiven und Grotesken.
Friedrich Schlegel, Fragmente

Karikatur: eine für den Augenblick geschaffene Darstellung, welche die Hauptzüge des Charakteristischen übertreibt.
Wiggins

Karikaturen sind geistige Akupunktur ohne therapeutische Absicht.
Ronald Searle

Karikaturen sind gezeichnete Leitartikel.
Lothar Schmidt

Karkengân (Kirchgehen) sümt nit, Bibellesen hindert nig. Holstein
it] Non si perde il tempo à pregare colui, ch' è padrone del tempo.

Karksi ist die Gemeinde der Streu, Abja die Gemeinde des Korns.

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar]
Klein ist unter den Fürsten Germaniens freilich der meine,
Kurz und schmal ist sein Land, mäßig nur, was er vermag.
Aber so wende nach innen, so wende nach außen die Kräfte
Jeder, da wärs ein Fest, Deutscher mit Deutschen zu sein.
[...] Denn mir hat er gegeben, was Große selten gewähren,
Neigung, Muße, Vertraun, Felder und Garten und Haus.
Niemand braucht ich zu danken als Ihm, und manches bedurft ich,
Der ich mich auf den Erwerb schlecht, als ein Dichter, verstand.
Goethe, Venezianische Epigramme 34b

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar] Der Großherzog war freilich ein geborener großer Mensch, womit alles gesagt und alles getan ist.
Goethe, Eckermann, 23.10.1828

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar] Der Herzog gehört zu den Urdämonen, deren granitartiger Charakter sich niemals beugt, und die gleichwohl nicht untergehen können. Er wird stets aus allen Gefahren unversehrt hervorgehen. Das weiß er recht gut selbst, und darum kann er so vieles wagen und versuchen, was jeden anderen längst zugrunde gerichtet hätte.
Goethe, F. v. Müller, (1809)

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar] Er hat manche Abhandlung, manches Gesetz abgefasst, und zwar meistenteils gut. Nur hat ein Fürst nicht die Zeit und die Ruhe, sich in allen Dingen die nötige Kenntnis des Details zu verschaffen.
Goethe, Eckermann, 8.4.1829

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar] Er war eigentlich zum Tyrannen geneigt wie keiner, so aber er ließ alles um sich her ungehindert gehen, solange es nur ihn nicht selbst in seiner Eigenheit berührte.
Goethe, F. v. Müller, 22.2.1830

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar] Ich bin dem Großherzog seit einem halben Jahrhundert auf das Innigste verbunden und habe ein halbes Jahrhundert mit ihm gestrebt und gearbeitet, aber lügen müsste ich, wenn ich sagen wollte, ich wüßte einen einzigen Tag, wo der Großherzog nicht daran gedacht hätte, etwas zu tun und auszuführen, das dem Lande zum Wohl gereichte und das geeignet wäre, den Zustand des Einzelnen zu verbessern.
Goethe, Eckermann, 27.4.1825

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar] Ich leugne nicht, er hat mir anfänglich manche Not und Sorge gemacht. Doch seine tüchtige Natur reinigte sich bald [...] zum besten, sodaß es eine Freude wurde, mit ihm zu leben und zu wirken.
Goethe, Eckermann, 23.10.1828

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar] Ihm [dem verstorbenen Großherzog] wäre zu gönnen gewesen, dass er sich meiner Ideen und höhern Bestrebungen hätte bemächtigen können, denn wenn ihn der dämonische Geist verließ und nur das Menschliche zurückblieb, so wußte er mit sich nichts anzufangen, und er war übel daran.
Goethe, Eckermann, 8.3.1831

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar] Wir werden diesen Herbst den Tag feiern, an welchem der Großherzog seit fünfzig Jahren regiert und geherrscht hat. Allein, wenn ich es recht bedenke, dieses sein Herrschen, was war es weiter als ein beständiges Dienen? Was war es als ein Dienen in Erreichung großer Zwecke, ein Dienen zum Wohl seines Volkes! - Soll ich denn also mit Gewalt ein Fürstenknecht sein, so ist es wenigstens mein Trost, dass ich doch nur der Knecht eines solchen bin, der selber ein Knecht des allgemeinen Besten ist.
Goethe, Eckermann, 27.4.1825

Karl August, Herzog von Sachsen-Weimar] [Goethe] lasse sich ohnehin leicht bestimmen, und vom Herzog gern, denn der bestimme ihn immer zu etwas Gutem und Glücklichem, aber einige Personen seien, die einen ganz unheilbringenden Einfluß auf ihn hätten.
S. Boisserée, 5.10.1815

Karl Kraus sagte: 'Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit.' Heute hat das Wort Bande einen Beigeschmack von Familie.
Friedrich Hacker

Karl wollte Birnen stehlen und ich wollt' es ihm ausreden, sagte der andere, als der Bauer rief: Ihr Schlingel, was sucht ihr da auf dem Birnbaum?

Karlemann, zieh Hosen an! Breslau

Karneval muss man mit seiner Frau und Ostern mit seinem Pfarrer feiern.
fr] Il faut faire carême-prenant avec sa femme, et Pâques avec son curé.

Karnevalsliebe stirbt zur Fastenzeit.
it] L'amore di carnevale muore di quaresima.

Karnickel hat angefangen. Berlin
i] Als ein Hund auf dem dortigen Markte ein Kaninchen erbissen und die Hökerin Bezahlung desselben verlangte, erwiderte der Besitzer des Hundes obiges Wort, das häufig wiederholt und Sprichwort wurde. Man wendet es an, wo die Ursache eines Streites u.s.w. einem unschuldigen Schwächern zugeschrieben oder aufgewälzt wird.

Karpe (Karpfen) ist kein Charpe (Schande); Hecht is mir recht; Salm is über all'm.
i] Regel für Gutschmecker.

Karpfen sind träge Fische.

Karpfen und Hahn gehn jederzeit an.
it] Nè carpione nè cappone, non perdon mai stagione.

Karpfen Zung, Hechten Leber, Barben Mäulgen verzehrt dem Reuter sein Apfelgraugäulchen.

Karre und Panier stehen nicht immer vor derselben Tür.
fr] Cent ans bannière et cent ans civière.

Karriere ist ein Pferd, das ohne Reiter vor dem Tor der Ewigkeit anlangt.
Kraus

Karriere: Beförderung bis zur absoluten Inkompetenz.
Cyril Northcote Parkinson

Karrieristen sind Leute, welche andere Leute vor ihren Karren spannen.
Gerhard Uhlenbruck

Kartäuser leben so.
v] Ein Kartäuserleben führen.
v] Er ist in Kartäuser Orden getreten.
v] Nach der Kartäuserregel leben.
v] Wir haben heut' (oft, immer) Kartäusertisch. (Es fehlt Fleischspeise)
i] Die Kartäuser waren sprichwörtlich als Entbehrer und Feinde weltlicher Lust. Von Personen, namentlich Eheleuten, die schmollend nicht miteinander reden, weil sie unter andern beständiges Stillschweigen vorschreibt.
z] Die karteuser sind uns gar zuwider, wenn sie aufstehn legn wir uns nider.
z] Wir halten auch carthauserregl, sie munkt und redt denn nichts mit mir, so meul ich mich und spräch nichts zu ir.
ho] Hij heeft een Carthuizers leven.

Karte aus deiner Hand, willst du gewinnen.
i] Den sichersten Gewinn beim Spiel macht der, welcher aufhört.
dä] Kort og tærning er ond næring.
it] Il più bel tiro di dadi è non giuocarvi.

Karte und Beutel (o. Börse) hat jeder für sich.
sp] Ni ojo en carta, ni mano en arca.

Karten sind ungebundene Bücher, in denen man die Armut studiert.

Karten, die am Tag gestritten, liegen des Nachts still.
z] Als einer sich mit seinem Weibe wohl abgezankt und geschlagen hatte, saget er: Wir sind als die Karten, wenn wir einen ganzen Tag gestritten, liegen wir doch des Nachts wieder beisammen.

Karten, Würfel und das Federspiel verkehren sich oft, wers merken will.

Kartenhäuser bauen.
i] Spielereien treiben, sich mit Luftschlössern beschäftigen.

Kartenspiel hat einen langen Teufelsschwanz. (Fluchen, Schwören, Lügen, Betrügen u.s.w.)
v] Kartenspiel ist des Teufels Brevier (o. Gebetbuch).
v] Kartenspieler brüten Hölleneier.
v] Kartenspielern guckt der Teufel über die Achsel und zählt die Augen (o. Treffer).
v] Kartenspielern und Säufern bietet der Teufel gern einen guten Abend.

Kartoffelbrei, die Woche ist vorbei.
i] Als Sonnabendkost bezeichnet.

Kartoffeln mit Liebe schmecken besser als Bratwürste mit Zank.
v] Kartoffeln sind das halbe Brot.
v] Kartoffeln sind keine Nahrung und Slowaken keine Menschen. Ungarn
v] Kartoffeln sind wie liebes Brot, sie stoppen doch den Magen. Waldeck
v] Kartoffeln tun wohl balgen, aber nicht talgen. (Füllen wohl (den Leib, Balg), geben aber kein Talg, Fett)
v] Kartoffeln, ist der Bauern Sage, schmecken alle Tage.

Käs' iss zu Lodi, bessern findest du nie.

Käs' ist am Morgen Gold, zu Mittag Silber und am Abend Blei.
z] Kess essen ist nicht wohl zu tragen, er macht den Stein und Lenden schmertzen.
dä] Oost er om morgenen som guld, middagen som sølv og om aftenen som blye.

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