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O

und oder

'Ohne Grund' ist der triftigste Grund für das Aufhören einer Liebe.
Alfred Polgar, Kleine Schriften, Band 1. Musterung

O Aberglaube, dickste Nacht,
Wie drückst du schwer die Welt!
Das Licht, es ist umsonst erwacht
Am hohen Sternenzelt.
August Platen

O Ackersmann, du Klackersmann, wohl dem, der ein Handwerk kann, seggt de Bessembinne tom Bû'rn.

O Äffin, was sind eure Jungen schön!

O Arbeiter! Enterbtes, geplagtes, geächtetes Volk! Das man einkerkert, verurteilt, tötet! Geschmähtes und beschimpftes Volk! Wirst du nicht aufhören, diesen Rednern des Mystizismus dein Ohr zu leihen, welche, statt dir das Heft in die Hand zu geben, dir unaufhörlich vom Himmel und vom Staate vorreden und dir bald von der Kirche, bald vom Staate das Heil versprechen, und deren feurige und wohlklingende Sprache dich besticht? Proudhon, Bekenntnisse eines Revolutionärs

O Athen, der Städte erste, was für Esel jetzt ernährst du! Neugriechen

O Bäcker Schiffmann, Bäcker Schiffmann, sagte der Schusterjunge, so'n groß Haus un sonne klênen Salzkuchen. Stettin
i] Vor dem Hause des Bäckers Schiffmann, an der Ecke der Langenbrückestraße, versammelte ein Schusterjunge durch den kläglichen Ruf: O Bäcker Schiffmann, o Bäcker Schiffmann, erst einen großen Haufen Neugieriger um sich, bevor er auf vieles Fragen, was es mit dem Bäcker Schiffmann gebe, den Nachsatz hinzufügte.

O Beste! glaube, was man so verständig nennt,
Ist oft mehr Eitelkeit und Kurzsinn.
Goethe, Faust I, Garten
Faust Vs 3100

O bitte, bitte, seggte Brennes, as hei téin Jahr Gefängnîss krêg. Wolfenbüttel

O bleiche Pest der Geldsucht!
Lukan, Der Bürgerkrieg

O blicke nicht nach dem, was jedem fehlt;
Betrachte, was noch einem jeden bleibt!
Goethe, Tasso A III Sz 2
Leonore Vs 1798

O blicke, wenn den Sinn dir will die Welt verwirren,
Zum ewgen Himmel auf, wo nie die Sterne irren.
Rückert, Heimwärts

O blinde Gier! O unverständig Wüten,
Das uns so mächtig spornt im kurzen Leben. Dante, Hölle, XII, 49/50

O brich den Faden nicht der Freundschaft rasch entzwei!
Wird er auch neu geknüpft, ein Knoten bleibt dabei. Rückert, Weisheit des Brahmanen

O das ist herrlich, dass jeder glaubt, mehr vom anderen zu empfangen, als er gibt. O Liebe, Liebe! Die Armut des Reichtums - und welche Kraft wirkts in mich, da ich im anderen alles umarme, was mir fehlt, und ihm noch dazu schenke, was ich habe.
Goethe, An F.H.Jacobi, 13./14.8.1774

O dass dem Menschen nichts Vollkommnes wird,
Empfind ich nun!
Goethe, Faust I, Wald und Höhle
Faust Vs 3240

O dass die innre Schöpfungskraft
Durch meine Sinn erschölle,
dass eine Bildung voller Saft
Aus meinen Fingern quölle!
Goethe, An Merck, .5.12.1774

O dass man mir den Mann nicht gibt.
Den ich so sehr, so sehr geliebt!
Altfranzösisches Tanzlied (Refrain)

O dass wir einen bösen Feind in den Mund nehmen, damit er unser Gehirn stehle!
en] O, that men should put an enemy in their mouths to steal away their brains!
Shakespeare, Othello II,3

O dass wir unsere Ururahnen wären,
Ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor.
Leben und Tod, Befruchten und Gebären,
Glitte aus unseren stummen Säften vor.
Gottfried Benn, Gesänge

O dear hot kein Kropf, 'r hot nou an hauha Ruia (Reien).

O Demokratie, wo willst du noch mit uns hinaus?
Wenn dieser Wicht von den Göttern solch ein Amt empfängt? Aristophanes, Die Vögel, 26,1760 (Poseidon)

O denket, daß ein Gott im Himmel ist,
Dem ihr müßt Rede stehn für eure Taten.
Schiller, Wilhelm Tell, III, 3 (Rösselmann)

O der arme Mensch steht allemal mit zugebundenen Augen vor seinem scharfen Schwerte, unbegreifliches Schicksal! Jean Paul, Leben des Quintus Fixlein

O der du baust auf Gottes Segen,
Lass nur den Segen seinen Lauf gehn.
Wie fruchtbar immer sei der Regen,
Wo du nichts säest, wird nichts aufgehn.
Saadi, Diwan, Mokattaat

O der Wandlung! Graun und Nacht umdüstern
Nun den Schauplatz jener Herrlichkeit!
Matthisson, Elegie in den Ruinen eines alten Bergschlosses

O Deutschland! Weh!
Es bricht der Wolf
In deine Hürde ein,
und deine Hirten streiten
Um einer Hand voll Wolle sich.
Heinrich von Kleist, Die Hermannsschlacht (Wolf)

O Deutschland, meine ferne Liebe,
Gedenk ich deiner, wein ich fast!
Das muntre Frankreich scheint mir trübe,
Das leichte Volk wird mir zur Last. Heine, Neue Gedichte, Romanzen, 8, Anno 1839

O Dichtkunst! welch ein schmerzliches Geschenk des Himmels bist du! Laube, Die Karlsschüler, V, 2 (Schiller)

O Dichtkunst, die das Leben lindert!
Wie manchen Gram hast du vermindert,
Wie manche Fröhlichkeit vermehrt! Hagedorn, Oden und Lieder

O die Tugend selbst gibt keinen Trost, wenn du einen Freund verloren hast, und das männliche Herz, das die Freundschaft durchstochen hat, blutet tödlich fort, und aller Wundbalsam der Liebe stillt es nicht. Jean Paul, Miszellen

O die Verstellung und der Leichtsinn der Weiber ist so recht zusammengepaart, um ihnen ein bequemes Leben und einem ehrlichen Kerl manche verdrießliche Stunde zu schaffen.
Goethe, Lehrjahre II,7

O diese erhabene Vorlesung! sie gibt jedem sein Spielzeug: die Puppe dem Kinde, das Kind dem Manne, dem Manne die Frau und die Frau dem Teufel. V. Hugo

O diese grenzenlos törichte Angst, sich gerade vor dem, was man befürchtet, so zu hüten, dass man es, obwohl man es hätte vermeiden können, noch obendrein heranholt und herbeizieht!
Cicero, Briefe

O diese Vorsorge, die uns unaufhörlich in fremde Bahnen leitet und uns oft für Lebensstellungen vorzubereiten sucht, die wir nimmermehr erreichen werden, sie ist gerade die wahre Quelle aller unserer Leiden. Welch eine Sucht, für ein so vergängliches Leben, wie des Menschen, beständig in die Ferne zu schauen in eine Zukunft, die sich nur selten wirklich so gestaltet, und darüber die Gegenwart zu vergessen, derer er doch sicher ist! Rousseau, Emile

O diese Zeit hat fürchterliche Zeichen:
Das Niedre schwillt, das Hohe senkt sich nieder...
Goethe, Natürliche Tochter A I Sz 5
König Vs 361

O du arme dunne beer (Bier), wo gärst du aver dine macht. Lübben

O du armseliger Dreck, wer heft di geschäte. (Ausdruck tiefster Verachtung)

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Goethe, Der Zauberlehrling

O du Beste! wer kann der Liebe vorschreiben? Dem einfachsten und dem grilligsten Dinge in der grillenhaften Zusammensetzung, die man Mensch nennt.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 12.4.1782

O du christlicher Gott! Wie viele Leiden häufst du auf deine armen Menschen, und doch sollen wir dich in deinen Tempeln dafür loben und preisen!
Goethe, F. v. Müller, 23.2.1823

O du dulle Welt, was krabbelst du im Düstern.

O du dumme Welt, wer sich an dich lehnt, der fällt.

O du geduldiger Strohsack! Ulm
i] In Schlesien habe ich oft den Ausdruck vernommen: O du gerechter Strohsack. Ausruf der Verwunderung.

O du geliebter Strohsack. Ulm

O du gerechter (grundgütiger) Strohsack.

O du gerechter Himmel!

O du glücklicher Jüngling, der du einen Homer zum Verkünder deiner Tapferkeit gefunden hast. Cicero, Rede für den Dichter Archias, 10, 25 (Alexander der Große an Achills Grabe)

O du große und allmächtige Güte, die Welt ist worden zur Nagelschmiede.

O du Haiduckenwetter. (Ausruf der Entrüstung)

O du heilige
Hochbenedeite,
Süße Mutter der Liebe!
Trösterin im Leiden,
Quelle der Freuden,
Hilf uns, Maria!
Herder, Stimmen der Völker in Liedern

O du Heimatflur, o du Heimatflur,
Laß zu deinem heil'gen Raum
Mich noch einmal nur, mich noch einmal nur
Entfliehen im Traum.
Rückert, Aus der Jugendzeit

O du Kindermund, o du Kindermund,
Unbewußter Weisheit froh,
Vogelsprachekund, vogelsprachekund,
Wie Salomo!
Rückert, Aus der Jugendzeit

O du kleines, treuloses Herz! wie fürchterlich schnell ist dein Übergang von den schönsten Empfindungen zu den schlechtesten. Lavater, Geheimes Tagebuch, 14.1.1769

O du Land des Wesens und der Wahrheit,
Unvergänglich für und für!
Mich verlangt nach dir und deiner Klarheit;
Mich verlangt nach dir.
M. Claudius, Als der Sohn unseres Kronprinzen gleich nach der Geburt gestorben war

O du liebe Ann' Krestin', Schâpklête send kein Rosin'.

O du liebe gêl (Gelbe), fall mi doch ön mine Kehl. (Wunsch des Faulen, der unter dem Birnbaume liegt, dass ihm die gelbe Birne in den Mund fallen solle)

O du lieber Strohsack, wie bist du zerrissen.

O du mein holder Abendstern.
Richard Wagner, Tannhäuser III
Wolfram (UA 19. Okt. 1845 in Dresden)

O du mein Meister, der du gewaltiger
Die Gottheit lehrtest, zeige die Wege mir,
Die du da gingst, worauf die Seher,
Deine Verkündiger, Wonne sangen.
Klopstock, Oden: Dem Erlöser

O du reißender Strudel der Habgier, du bist die Wurzel allen Übels!
Waltharilied (Hagen)

O du schimmernde Blüte der Wellen,
Sei gegrüßt, du mein schönes Sorrent. Heyse, Lied von Sorrent

O du unsichtbarer Geist des Weins, wenn du noch keinen Namen hast, an dem man dich kennt, so heiße Teufel. Shakespeare, Othello, II, 3 (Cassio)

O du, vor dem die Stürme schweigen,
Vor dem das Meer versinkt in Ruh,
Dies wilde Herz nimm hin zu eigen
Und führ es deinem Frieden zu!
Geibel, O du, vor dem die Stürme schweigen

O Ehestand!, o Wehestand! Shakespeare, Romeo und Julia, IV, 4 (Kapulet)

O Eifersucht, Eifersucht, du Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft!
Miguel de Cervantes Saavedra, Der wachsame Posten (Soldat)

O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da wie ein missratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß, und betrachtet die ärmlichen Pfennige, die ihm das Mitleid auf den Weg gab. Hölderlin, Hyperion

O eine edle Himmelsgabe ist
Das Licht des Auges. Alle Wesen leben
Vom Lichte, jedes glückliche Geschöpf,
Die Pflanze selbst kehrt freudig sich zum Lichte.
Schiller, Wilhelm Tell, I, 4 (Melchthal)

O Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit! Wie selig und zärtlich redet deine Stimme zu mir!
Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra

O Eitelkeit der Welt!
la] Adonidis horti.

O Elend und kein End'. Nürtingen

O Elend, blecks Fidle. Rottenburg (Herausfordernder Spottruf gegen den zerlumpten Fastnachtputzen mit seinem gefürchteten Kotsäcklein)

O Elend, mach's Haus zu. Nürtingen

O Erforscher der Natur der Dinge, ich lobe dich nicht, wenn du die Dinge kennst, welche die Natur gewöhnlich allein vollbringt, aber freue dich, wenn du den Zweck der Dinge kennst, die dein Geist begreift.
Leonardo da Vinci, Tagebücher und Aufzeichnungen

O es ist schön, von einem Helden sich geliebt
Zu sehn - es ist noch schöner, ihn zu lieben.
Schiller, Die Jungfrau von Orleans, IV, 2 (Sorel)

O Ewigkeit, du Donnerwort,
O Schwert, das durch die Seele bohrt,
O Anfang sonder Ende. J. Rist (1661)

O Fleisch, Fleisch! wie bist du verfischt worden. Shakespeare, Romeo und Julia, II, 4 (Mercutio)

O Frauenträne, Zauber voll Gefahr
Unwiderstehlich du und wunderbar,
Du Wehr der Schwachen, welche, wenn es gilt,
Schirmt oder herrscht, zugleich ihr Speer und Schild. Byron, Der Korsar

O Freiheit süß der Presse!
Nun sind wir endlich froh,
Sie pocht von Messe zu Messe
In dulci jubilo.
Kommt, laßt uns alles drucken
Und walten für und für,
Nur sollte keiner mucken,
Der nicht so denkt wie wir.
Goethe, Zahme Xenien II

O Freiheit! Du bist ein böser Traum!
Heinrich Heine, Ludwig Börne

O Freiheit, wieviele Verbrechen begeht man in deinem Namen! Mme Roland, Auf dem Schafott am 8. 11. 1793

O freilich, wenn Entschlüsse nur Wünsche sind, so ist der Mensch des Zufalls Spiel!
Friedrich Schleiermacher, Monologen

O Freund, der Mensch ist nur ein Tor,
Stellt er sich Gott als seinesgleichen vor.
Goethe, Der ewige Jude

O Freund, man kann ein lyrischer Dichter
Und doch ein dummer Teufel sein.
Geibel, Juniuslieder

O fromme, bescheidne Lerche,
Du über Beifall und Stolz erhabne,
Du muntre Freundin des frühen Fleißes!
Herder, Zur Literatur, 3. Teil

O glaube mir, ein selbstisches Gemüt
Kann nicht der Qual des engen Neids entfliehen.
Ein solcher Mann verzeiht dem anderen wohl
Vermögen, Stand und Ehre, denn er denkt:
Das hast du selbst, das hast du, wenn du willst,
Wenn du beharrst, wenn dich das Glück begünstigt.
Goethe, Tasso A IV Sz 2
Tasso Vs 2318f.

O glaube mir, sein launisch missbehagen
Ruht auf dem breiten Polster seines Glücks.
Goethe, Tasso A V Sz 1
Antonio VS 2969

O glücklich, wer noch hoffen kann
Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen!
Was man nicht weiß, das eben brauchte man,
Und was man weiß, kann man nicht brauchen.
Goethe, Faust, I (Faust)

O Gold, o schnöde Gabe,
Wie wenig magst du frommen!
Magst läuten nur zu Grabe
Das letzte Gnadenwehn.
Annette von Droste-Hülshoff, Das geistliche Jahr 1820

O Gott, behüt vor Unglückszeiten, vor Maurer und vor Zimmerleuten, denn wo die dreie sich einfinden, da muss das Geld im Beutel schwinden.

O Gott, behüt' vor jüdschem gsuch
Und vor des apothekers buch
vor einem alten bösen weib
Und auch vor einem kranken leib.
Thomas Murner, Narrenbeschwerung (1512)

O Gott, beschwichtige die Gedanken,
Erleuchte mein bedürftig Herz!
Goethe, Faust II A V, Bergschluchten
Pater Profundus Vs 11888

O Gott, das Leben ist doch schön! Schiller, Don Carlos, IV, 21 (Marquis)

O Gott, der Tag ist lang, und man kann entsetzlich viel tun, wenn man mit Folge arbeitet und Langeweile flieht.
Goethe, F. v. Müller, 28.6.1830

O Gott, geb du eym jden
Das jm sein Eva werd!
Johann Fischart, D. Philosophisch Ehzuchtbüchlein, Tanz Liedlin, Schlußv.

O Gott, ich bitt', bewahr' mein' Tritt', so fall' ich nit. (Inschrift über einer Treppe)

O Gott, o Gott, wat böst du fer e Gott, nömmst mi de Koh on lätst mi det Wiew.

O Gott, was sind die Hoffnungen dieser Erden.
Goethe, Götz A V, Gärtchen am Turm
Marie

O Gott, wenn mir einst das bescheidne Los fallen sollte, das ich begehre, ein Weib, ein eignes Haus und Freiheit.
Heinrich von Kleist, an Wilhelmine von Zenge, 14. April 1801

O Gott, wie schränkt sich Welt und Himmel ein,
Wenn unser Herz in seinen Schranken banget!
Goethe, Natürliche Tochter A IV Sz 2
Eugenie Vs 1968

O Götter! Welch schwarze Nacht wohnt in den Herzen der Sterblichen!

O große Welt, wie farblos, kleinlich,
Wie ernsthaft flach und hohl du bist,
Wo Dummheit selbst nicht komisch ist.
Puschkin, Eugen Onegin, 7. Buch, 48. Kap.

O Grund ohne Boddem (Boden). Ostpreußen (Gewöhnlicher Ausruf bei Überraschungen oder sich entgegenstellenden Schwierigkeiten)

O hält ich nie gelebt, um das zu schauen! Schiller, Wilhelm Tell, I, 3 (Stauffacher)

O hält Ross und Wagen auf.
z] O ist der stärkste Buchstab, er hält Ross und Wagen auf.

O Handwerk und kein Schraufstock! Nürtingen

O hassenswerter Wahn! der Schwermut Kind!
Was zeigst du doch dem regen Witz der Menschen
Das, was nicht ist!
Shakespeare, Cäsar, V, 3 (Messala)

O hätt' ich mein Wörtlein wieder zurück!

O hätt' ich nie gelebt, um das zu schauen!
Friedrich Schiller, Wilhelm Tell (Stauffacher)

O hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben.
Boethius

O Haupt voll Blut und Wunden
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zum Spott gebunden
Mit einer Dornenkron.
Paul Gerhardt, Geistliche Lieder

O heil'ger Geist zeuch bei mir ein
Und lass mich deine Wohnung sein
Zu steter Freud und Wonne.
Paula Modersohn-Becker, Tagebuchblätter

O heilig Herz der Völker, o Vaterland!
Allduldend gleich der schwelgenden Mutter Erd'
Und allverkannt, wenn schon aus deiner
Tiefe die Fremden ihr Bestes haben.
Hölderlin, Gesang des Deutschen

O heilige Einfalt! (O sancta simplicitas!) Huß auf dem Scheiterhaufen

O heiliger Gambrinus, was ist das, ich bitt' um Bier, und du bringst mir Glas.

O heiliger Sanct-Florian, schütt' einen Kübel Wasser dran. (Auch Shakspeare hat das pleonastische: O holy Saint-Francis)

O heiliger Sanct-Florian, verschon' dies Haus, zünd' andere an!

O heiliger Sanct-Mäha, bescher übers Jahr meha; soviel Köppla, soviel Schöckla, soviel Ährla, soviel Jährla.
i] Wodan, der in Süddeutschland als heiliger Oswald verehrt wird, wird in Franken unter dem willkürlichen Namen Sanct-Mäha angerufen. Die Schar der Mäher tanzt um das geschmückte Ährenbüschel, welches die 'Olle' genannt wird, den obigen Spruch singend oder hersagend.

O heiliger Vitus (15.6.), regne nicht,
damit es uns nicht am Korn gebricht,
denn Regen an dem Vitustag,
die Gerste nicht vertragen mag.

O Herr im Hemd, die Frau ist (ganz) nackt. (In Schlesien Ausdruck des Staunens, der Verwunderung)

O Herr! Was sind die Mühseligkeiten eures Lebens gegen die Jämmerlichkeiten eines Stands, der die besten Triebe, durch die wir werden, wachsen und gedeihen, aus missverstandner Begierde, Gott näher zu rücken, verdammt.
Goethe, Götz A I, Herberge im Wald
Martin

O Herr, er will mich verschlingen.
i] Der Ausruf des Propheten Jonas; angewandt auf jemand, der auf eine unanständige Weise gähnt.

O Herrengunst, du währst nicht lang,
Das hab ich nun leider erfahren,
Drum wolle mich Gott mein Lebelang
Vor allen den Herren bewahren.
Von Fallersleben, Dichterleben: Herrengunst

O herrlich ist's,
Zu haben eines Riesen Kraft; doch grausam,
Sie wie ein Riese zu gebrauchen.
William Shakespeare, Ende gut, alles gut (Isabelle)

O Herz, gib dich zufrieden!
Es ist ein großer Maientag
Der ganzen Welt beschieden.
Geibel, Hoffnung

O Herz, in Lust und Schmerz so trotzig und verzagt,
Du bist ein Jäger, Herz, und bist zugleich gejagt.
Du jagest nach der Zeit, die flüchtig dir entweicht,
Und fliehst die Ewigkeit, die sicher dich erreicht.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

O Herzenspein, hät ich dich, Lûpöhrchen, doch allein!

O Hillemont, du edler Berg, zu dir gehören achtzehn Berg.
z] Dieses Sprichwort soll schon um die Zeit Karls des Großen entstanden sind, als dessen dritte Gemahlin Hildegurdis sich auf dem Hillberge bei Kempten aufhielt, und sey der Sinn: zu dir gehören viele Schlösser, womit sie Hellberg beschenkt hatte.

O Himmel schick Pasteten und mir der größte Bitz (Stück). Solothurn (Ausruf bei Freudenbezeigungen)

O Himmel über mir, du Reiner! Tiefer! Du Licht-Abgrund! Dich schauend schaudere ich vor göttlichen Begierden.
Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra

O Himmel, dem einen gibst du reife Melonen in reichem Maße, dem anderen unreife.

O Hoffnung! holde! güfig geschäftige!
Die du das Haus der Trauernden nicht verschmähst,
Und gerne dienend, Edle! zwischen
Sterblichen waltest und Himmelsmächten.
Hölderlin, An die Hoffnung

O Höflichkeit verlaat mi nig, wenn mi de grave (grobe) Knull anficht. Holstein
i] Spruchreim, den man als Lehre groben Menschen gibt. Grave Knull, sonst Grobian, Filz, ist hier die personifizierte Grobheit.
z] Ich bin der höflichste Mensch von der Welt. Ich tue mir was darauf zugute, niemals grob gewesen zu sein auf dieser Erde, wo es so viele unerträgliche Schlingel gibt. H. Heine

O Hoheit, Hoheit, wirst du nie
Vernünftig wie allmächtig wirken?
Goethe, Faust II A I, Weitläufiger Saal
Herold Vs 5960

O hüte dich, zu spielen mit dem Schwert!
Ein Dämon wohnt, ein friedlicher, im Eisen,
Du weißt nicht, lässest du es leuchtend kreisen,
Ob's nicht in deines Freundes Busen fährt.
E. Geibel, Warnung

O ich bin ein gesprächiger Mensch, wenn ich allein bin.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 11.12.1777

O ich hoas mit Fles (Fleiß) gethoan. (Für: etwas absichtlich tun, sagt man in Schlesien: es mit Fleiß tun)

O ihr Athener und Thebäer, schändliche Mitylinäer, die ihr abends etwas sagt, doch anders handelt, wenn es tagt.

O ihr Erzieher zarter Jugendtriebe,
Bei Spaniern, Franzosen, Deutschen, Briten,
Gebt euren Schülern möglichst viele Hiebe.
Es schmerzt, jedoch es bessert ihre Sitten. Byron, Don Juan

O ihr Genossen meiner Zeit! fragt eure Ärzte nicht und nicht die Priester, wenn ihr innerlich vergeht!
Friedrich Hölderlin, Hyperion

O ihr Schatten seliger Zeit!, ihr meine trauten Erinnerungen!
Friedrich Hölderlin, Hyperion

O ihr schönen triumphierenden Frauen! Anmut und Verderbtheit atmen aus jeder eurer Bewegungen, das Rascheln in den Falten eurer Kleider erregt uns bis ins Innerste, und es entströmt jeder Pore eures Leibes etwas, das uns tötet und uns entzückt.
Gustave Flaubert, November

O ihr Tags- und Splitterrichter,
Splittert nur nicht alles klein!
Denn, fürwahr! der schlechtste Dichter
Wird noch euer Meister sein.
Goethe, Zahme Xenien V

O ihr unsterblichen Götter! Sie sehen es nicht ein, die Menschen, welch' eine große Einnahme die Sparsamkeit ist! Cicero, Paradoxa

O ihr verwünschten Idealisten! An euren Theorien ist nichts reell als das Blut, das ihr dafür vergießt! Hamerling, Danton und Robespierre

O ihr, die ihr glaubt, an euren Gattinnen und Kindern habt ihr einen Feind; so hütet euch vor ihnen. Koran, Der gegenseitige Betrug

O ihr, die ihr glaubt, fragt nicht nach Dingen, die, so sie euch kund würden, euch würden wehe tun. Koran, 5, Der Tisch

O ihr, die ihr Schweres ertragen habt, ein Gott wird auch diese Qualen beenden.
Vergil, Aeneis

O Jahrhundert! Die Studien blühen, die Geister erwachen: es ist eine Lust zu leben. Ulrich von Hutten

O jeh wie klug! Hast du das aus dir selbst oder hast du das aus Büchern gelernt?
ndt] O jeh, wo klauk! Hest dat ut dî sülben, adder hest dat ût Böker lihrt! Pommern
i] Nur ironisch.

O Jesu, großer Wundermann, Hilf du, wo es kein andrer kann.
Bjørnstjerne Bjørnson, Arne

O jêtersch, do hoa îch a rechte Rôk nê oa. Kreis Hirschberg
hdt] Ach je, da hab' ich den rechten Rock nicht an.
i] Wird gesagt, wenn jemand, der bezahlen will, findet, dass er kein Geld hat. Von einer Frau, die, als sie im Laden eingekauft hatte, bemerkte, dass sie ihr Geld gerade in dem Rocke hatte, der zu Hause hing. Man sagt daher auch scherzweis von jemand, der nicht bezahlen kann: Er hat den rechten Rock nicht an.

O jo, sed Baum. Meurs
i] Um zu sagen: Es geht so nicht.

O Jugend, Jugend, wirst du nie
Der Freude reines Maß bezirken?
O Hoheit, Hoheit, wirst du nie
Vernünftig wie allmächtig wirken?
Goethe, Faust, II, 1 (Plutus)

O jugend, weil du hast die Zeit, so spar kein fleiß, müh, noch arbeit, leg wohl an deine junge jor, dass, du nicht werdest ein alter thor.
la] Cum iuuenes estis, cum tempus habere potestis; cur non proficitis, ne tanquam bestia sitis.

O Kind (Amor), o Knabe, groß von Macht ... Paul Fleming, Gedichte (1642). Unmut

O Kind, das Greisenalter siehst du nicht umringt
Von Übeln bloß, Eteokles; denn Erfahrenheit
Macht greise Zungen weiser als der Jugend Mund.
Euripides, Die Phönizierinnen

O Kinder, wäret ihr groß! O Eltern, wäret ihr tot. Holland (Die Eltern wünschen die Kinder groß, und sind sie herangewachsen, dann sind ihnen die Eltern übrig)
ndt] Chlîni Chind, chlîne Chummer; große Chind große Chummer. Bern
ndt] Chlyni Ching, chlys Leid; grossi Ching, großes Leid. Sy si chly, so trambe si eim uff d' Füess, sy si groß, so trambe si eim uff's Herz. Solothurn
ndt] Klân Könner, klâ Lâd; grûss Könner, grûss Lâd. Trier
ndt] Klâne Kenn trere de Alte uf de Schuss, grusse uf d's Harz. Nassau
ndt] Kleine Kinder drücket den Schât, grôte Kinder drücket dat Harte.
ndt] Kleine Kinder tretten auffn Schoss, die großen trotten auffs Herz.
ndt] Kleine Kinner ligget up'm Schäut, graüte up'm Hearten. Westfalen
ndt] Kleine Kinner, kleine Arger, grote Kinner, grote Arger.
ndt] Kleine Kinder, kleinen Ärger; grâte Kinder, grâten Ärger.
ndt] Klî Käinjt, klî Sorgen, grîss Käinjt, grîss Sorgen.
ndt] Kloane Kinda, kloane Sorge; große Kinda, große Sorge. Bayern
ndt] Lütt Kinner lütt Mäuh, grot Kinner grot Mäuh.
bm] Malé deti, malá starost.
dä] Smaa børn, smaa sorge; store børn store sorge.
ho] Klein kind, kleine rouw.
ho] Kleine kinderen hoofdpijn, groote kinderen hartpijn.
ho] Kleine kinderen, nooit verlost, groote kinderen, groote kost.
it] Fanciulli piccoli, dolor di testa; fanciulli grandi, dolor di cuore.
it] Fanciulli piccoli, dolor di capo, e figli grandi, dolor di cuore.
it] Piccoli figli piccoli affanni, grandi figli grandi affanni.
la] Magna dignitas, magna cura.

O kindliche Tage, der Leib ein Schatz zu verschenken - o lieben, das Wagnis oder die Kraft einer Göttin?
Jean N. A. Rimbaud, Genius

O Könige, bezwingt eure Begierden! Beherrscht euch selbst. So wird es nur ein Spiel sein, die Welt zu beherrschen. Palmblätter, Die Bibliothek d. Königs v. Indien

O Königin, du weckst der alten Wunde
Unnennbar schmerzliches Gefühl.
la] Infandum, regina, jubes renovare dolorem.
Vergil, Äneis

O könnt' ich einmal los
Von all dem Menschentreiben,
Natur, in deinem Schoß
Ein herzlich Kind verbleiben.
Just. Kerner, Dichtungen: Sehnsucht

O könnte eine Menschenseele fühlen, wie sie ein liebend Herz zerreißen kann.
Goethe, Egmont A V, Klärchens Haus
Brackenburg

O könnten die Menschen das Elend sehen, das auf den höchsten Stellen lastet, die sie erstreben - sie würden sie verwünschen!
Francesco Petrarca, Gespräche über die Weltverachtung

O Konrad, dein Mut dear thuet ett guet. Wurmlingen

O Kyritz, o Kyritz, du mein Vaterland.
i] Scherzhafter Ruf derer, die durch Kyritz fahren, eine kleine Stadt an der Jägelitz, Kreis Ost- Priegnitz, Regierungsbezirk Potsdam, Brandenburg.

O Leben, lang für den Elenden, kurz für den Glücklichen!
Publilius Syrus, Sentenzen

O Leben, Leben, nur leben. Lieber noch verzweifelte Kämpfe als entsagen.
Franziska Gräfin zu Reventlow, Tagebücher

O Lebensmittag! Zweite Jugendzeit!
O Sommergarten!
Unruhig Glück im Stehn und Spähn und Warten!
Der Freunde harr ich, Tag und Nacht bereit,
Der neuen Freunde! Kommt! 's ist Zeit! 's ist Zeit. Nietzsche, Aus hohen Bergen

O legt, ein jeder auf des Vaterlands Altar
Sein bestes Kleinod wohlbedacht mit offner Hand.
Euripides, Phönissen 1018121 (Menoikeus)

O lerne fühlen, welches Stamms du bist! Schiller, Wilhelm Tell, II, 1 (Attinghausen)

O Lieb' wie bist du bitter,
O Lieb', wie bist du süß.
Scheffel, Trompeter von Säckingen

O Lieb, o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!
Goethe, Mailied

O lieb, solang du lieben kannst,
O lieb, solang du lieben magst,
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!
Freiligrath, Der Liebe Dauer

O liebe Hand! so göttergleich!
Die Hütte wird durch dich ein Himmelreich.
Goethe, Faust I, Abend
Faust Vs 2708

O Liebe! wenn die Hand des Herrn
Den Weltenbau zertrümmert,
Kein Sonnenball, kein Mond, kein Stern
Am Firmament mehr schimmert:
Dann wandelst du, der Erde Leid,
Gefährtin der Unsterblichkeit,
In Siegsgesang am Throne.
Matthisson, Liebe

O lieber Herzog! Streben wir nicht allzuhoch
Hinauf, dass wir zu tief nicht fallen mögen.
Schiller, Wallensteins Tod 3,4

O lieber no Wein, saget de schömberger Mädlen.

O lieber Sankt Urban von Ensisheim, gib mir zu trinken, betete der Mönch, und verschied.

O Lieber, lern im Ungemach nicht trotzig sein. Sophokles, Philoktetes, 1387 (Neoptolemos)

O Lorbeerzweige!
Ihr wachst auf einem himmelnahen Gipfel,
Zu dem ich nun schon zwanzig Jahre steige.
Rückert, Lorbeerzweige

O Lotte was für Häute muss man abstreifen, wie wohl ist mirs, dass sie nach und nach weiter werden, doch fühl ich, dass ich noch in manchen stecke.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 9.10.1781

O macht og furt (fort), su hoat ma Ort und Ende.

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!
So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,
Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud und Mut
Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!
Goethe, Mailied

O Männer wüßtet ihr's, ihr könntet wartend ruhn.
Uns ist's so viel um euch, als euch um uns zu tun.
Goethe, Laune des Verliebten Sz 8
Egle

O Mannli (Männlein), schlag' nur ein, wir wollen beide unser sein.

O Martein, Martein, der Korb muss verbrannt sein, das Geld aus der Taschen, der Wein in der Flaschen, die Gänse am Spieß, da sauf' und friss.

O mein Freund, die Geduld ist bitter, ihre Frucht aber süß.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Julie)

O mein Heimatland! O mein Vaterland!
Wie so innig, feurig lieb' ich dich!
Gottfried Keller, An das Vaterland (Schweizer Landeshymne, vertont von Wilhelm Baumgartner)

O mein lieber Augustin, alles ist hin. (Ursprünglich Anfangszeile eines Volksliedes, jetzt das fröhliche Grablied leichter Gemüter für ihr lustig verzehrtes Vermögen. Es lebt als Sprichwort in dem Munde solcher, die sich den Kopf mit der Sorge für den nächsten Tag oder die nächsteMahlzeit nicht zerbrechen)
fr] Il est frit, tout est frit.

O mein wahrsagend Herz!
Schiller, Wallensteins Tod 3,17

O meine Gattin! Meine würdige, keusche Gefährtin! O Glanz und Glück meines Lebens!
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Saint-Preux)

O meine Geliebte, die Schicksale der Menschen sind wunderlich.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 7.11.1782

O meine Tränen, einer schätzet euch,
Ihr seid den Himmelsgaben darin gleich;
An allem bin ich arm, in euch so reich. Des Knaben Wunderhorn, Liebesklagen des Mädchens

O mensch bedenck gantz Fleißiglich, warumb Gott hat erschaffen dich, dass du also aufrichtig stehst, nicht wie die Tier gebogen gehst, nemlich das du solt diese welt mit allem jhrem gut und gelt, ja herrlichkeit, pracht, ehr und kunst, macht, weissheit, list, liebe und gunst verachten gar und nicht druff bawen, sonder alleinig dich vertrawen dem, der den himmel hat besessen, und siner güte nicht vergessen, die er uns allen hat gethon in Christo seinem lieben Sohn, indem er uns will allen geben, so wirs glauben, das ewig leben.
la] A re terrena procedunt mille venena; et re terrena requies remouetur amoena; et re terrena sanctorum mens aliena. De re terrena non sit tibi gloria plena; de re terrena non sit tibi plena crumena. De re terrena tua mens non fiat amoena. In re terrena labor eminet atque cathena. In re terrena nec lex nex iuris habena. In re terrena nihil est aliud nisi poena.

O Mensch,
Genießest über Gräbern!
Goethe, Der Wandrer

O Mensch, bedenk die Ewigkeit, die Blume welkt, es flieht die Zeit.

O Mensch, das Geld ist nur Chimäre. Christian Morgenstern, Galgenlieder

O Mensch, drâchtiger! Ostpreussen
i] Ausruf des Erstaunens.

O Mensch, hab Acht, so oft es schlagt, all Zeit betracht'.

O mensch, so dir recht wer bekandt dein vrsprung und zeitlicher standt, so wirstu dich mit freuden kehren und mit weinen dein zeit verzeren.
la] O homo, si scires, quidnam esses, unde uenires, nunquam gauderes, sed in omni tempore fleres.

O Mensch, warum so hoffärtig?
mhd] O minsche, warumme bistu hoverdich?
la] Quid cinis et pulvis? quid frigida terra superbis?

O Menschenantlitz! Wundervoller Spiegel,
Vom lauen Hauch der Gottheit leis umflossen,
Du heilig Buch, in dessen Purpursiegel
Des Himmels ew'ge Rätsel tief verschlossen!
Anastasius Grün, Schutt (1831), Turm am Strande

O Menschenherz, was ist dein Glück?
Ein rätselhaft geborner
Und, kaum gegrüßt, verlorner,
Unwiederholter Augenblick.
Lenau, Frage

O Menschheit, wo bleibt dein Wohl? Soll das immer auf neue von dem albernen Samum der Aufgeblasenheit, der dahergestobert kommt in der Wüste, unter den alten Sand begraben werden?
B. v. Arnim, Dies Buch gehört dem König

O miss die Welt nicht mit dem Blick
Kurzsicht'ger Tagespolitik!
Sie sieht im Reichtum der Naturen
Nur schwarz und weiße Schachfiguren.
Geibel, Spruch

O möchte nur die Demut keimen! Vertrocknet ist die Herrlichkeit.
Annette von Droste-Hülshoff, Das geistliche Jahr 1820

O Morgenzeit, du frische Zeit!
Des Lebens reichste Quelle!
Hebbel, Morgen und Abend

O Mutter, was kann ich dir bringen
Für all deine Liebe und Treue?
V. Friedrich von Strauß und Torney: Meine Mutter

O Nachahmer, sklavisches Gezücht.
la] O imitatores, servum pecus.
Horaz, Episteln

O Nacht, du Sternenbronnen,
Ich bade Leib und Geist
In deinen tausend Sonnen.
O Nacht, die mich umfleußt
Mit Offenbarungswonnen,
Ergib mir, was du weißt.
Christian Morgenstern

O nein! die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß.
Goethe, Faust I, Auerbachs Keller
Mephisto Vs 2202

O Phantasie, du unerforschlicher Quell, aus dem Künstler und Gelehrte trinken! Franz Schubert, Tagebuch, 1824

O quam suavis musica, sagte der Teufel und blies der Sau in den Hintern.

O Rat zu Strasburg, siehe zu und hüt' dich, mach deine Tür wohl zu.

O Retterin!, o Natur!, du gute, alles heilende!
Friedrich Hölderlin, Hyperion

O richtet nicht, denn wir sind alle Sünder! Shakespeare, König Heinrich Vl. 2, III, 3 (König Heinrich)

O rohes Herz der Männer! Wenn ihr Stolz
Beleidigt wird, dann achten sie nichts mehr,
Sie setzen in der blinden Wut des Spiels
Das Haupt des Kindes und das Herz der Mutter!
Schiller, Wilhelm Tell, IV, 2 (Hedwig)

O römisch Reich, sieh wohl für dich, damit der Bund nicht von dir wich.

O sage mir,
Wie heißt das Tier,
Das vieles kann vertragen,
Das wohl den größten Rachen hat
Und auch den größten Magen? -
Es heißet Haifisch auf dem Meer
Und Fiskus auf dem Lande. Hoffmann von Fallersleben, Naturwunder

O sähst du, voller Mondenschein,
Zum letztenmal auf meine Pein.
Goethe, Faust I, Nacht
Faust Vs 386f.

O sancta simplicitas!
z] Ach du liebe heilige Einfalt, was thust du, rief Joh. Huss, als er sah, wie ein Bawrsmann einen großen Armvoll Reisicht zu seinem Scheiterhaufen trug.

O sang mir d' Gass na.

O schau' nur ein einzigesmal
Mitleidsvoll in meine Liebesqual. Schwäbisches Volkslied

O Schemper, gähr' nich äwer dine Macht.
i] Schemper ist ein Bier, welches die letzte Kraft des Malzes enthält.

O Schicksal, dem einen gibst du reife, dem anderen unreife Melonen zu essen. Türkei

O Schicksal, gib mir zu so vielem und so großem Glück auch ein kleines Unglück!
König Philipp II. von Makedonien, überliefert bei Plutarch (Denksprüche)

O schilt das goldne Jugendalter nicht!
Der Kopf ist rasch, allein das Herz ist gut.
Grillparzer, Das goldene Vließ

O Schlaf! o holder Schlaf! Du Pfleger der Natur! Shakespeare, König Heinrich IV., 2. Teil, III, 1 (König Heinrich)

O Schmach: zu alt, mit jung vereint zu sein!
en] O spite! too old to be engag'd to young.
Shakespeare, Ein Sommernachtstraum I,1

O schmölze doch dies allzu feste Fleisch.
en] O, that this too too solid flesh would melt.
Shakespeare, Hamlet I,2

O schöner Tag, wenn endlich der Soldat
Ins Leben heimkehrt, in die Menschlichkeit.
Schiller, Piccolomini, I, 4 (Max)

O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt'ger Aufenthalt.
Eichendorff, im Wald der Heimat

O schönes Haus, du wünschtes Tier, du hesch scho g'frässe dree oder vier, du hescht der Feuft im Rache, du wotsch em au der Garus mache.
i] Bezieht sich auf ein Haus in Greng im Canton Solothurn, als ein fünfter hineinzog, nachdem schon vier darin zu Grunde gegangen waren.

O Schönheit, bring es doch der Schwester Weisheit bei,
Dass ohne dich ein Bild sie ohn' Erscheinung sei.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

O Seele sündigst du und denkst: Gott sieht es nicht,
Wie ist die Blindheit groß, wie klein der Einsicht Licht!
Und sündigst du und weißt, dass es sein Blick vernahm,
Wie ist die Frechheit groß, wie klein ist deine Scham.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

O sel'ge Folter, wenn der Folterer
Mich Antwort lehrt zu meiner Lossprechung!
en] O happy torment, when my torturer
Doth teach me answers for deliverance!
Shakespeare, Der Kaufmann von Venedig III,2

O selig, o selig ein Kind noch zu sein! Lortzing, Zar und Zimmermann, III, 14 (Zar)

O selige Jugend, wie sie, Tag und Nacht,
Den Ort zu ändern innigst angefacht,
Durch wilden Bergriß höchst behaglich steigt,
Und auf dem Gipfel Nebeldunst erreicht.
Goethe, Schriften zur Kunst - Radierte Blätter nach Goethe - 5. Bequemes Wandern

O selige Natur! Ich weiß nicht, wie mir geschiehet, wenn ich mein Auge erhebe vor deiner Schöne, aber alle Lust des Himmels ist in den Tränen, die ich weine vor dir, der Geliebte vor der Geliebten. Hölderlin, Hyperion

O sie sind süß, die Verwandtschaften des Bluts die schon selbst die Natur stiftet; aber wieviel süßer noch sind Verwandtschaften der Seele! Engel, Von den Freuden der Erkenntnis

O sing uns ein Märchen, o sing es uns oft,
Dass ich und der Bruder es lerne.
Goethe, Ballade vom vertriebenen und zurückkehrenden Grafen

O Sonne, wo bist du geblieben.

O Sonnenschein! O Sonnenschein!
Wie scheinst du mir ins Herz hinein,
Weckst drinnen lauter Liebeslust,
Dass mir so enge wird die Brust!
Robert Reinick, An den Sonnenschein (vertont von Robert Schumann)

O Sorge! Sorge! die du vor der Zeit den Mord beginnst, laß ab!
Goethe, Egmont A V, Gefängnis
Egmont

O spottet nicht der traurigen Asketen,
Dass sie den Leib mit scharfen Leiden plagen,
Die süßen Erdenfreuden sich versagen,
Die flüchtigen, nur allzuschnell verwehten! N. Lenau: Die Asketen

O sprich mir nicht von jener bunten Menge,
Bei deren Anblick uns der Geist entflieht!
Verhülle mir das wogende Gedränge,
Das wider Willen uns zum Strudel zieht!
Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater
Dichter Vs 59f.

O Stadt (Berlin) der Schmerzen in Verzweiflung düsterer Zeit!
Wann grünen auf die toten Bäume mit Geklinge?
Johannes R. Becher, Berlin

O stilles Leben im Walde!
O grüne Einsamkeit!
O blumenreiche Halde!
Wie weit seid ihr, wie weit!
Freiligrath, Die Tanne

O Straßburg, o Straßburg,
Du wunderschöne Stadt. Soldatenlied um 1800

O suche nie dein Glück! Im Weltgewimmel:
Je tiefer in dich zurück,
Je höher im Himmel. Otto Ludwig

O süße Liebe Gottes, die wenig nur bekannt ist! Wer zu ihren Adern fand, hat seine Ruhe gefunden.
Juan de la Cruz, Merksätze von Licht und Liebe

O süße Stimme! Vielwillkommner Ton
Der Muttersprach in einem fremden Lande!
Goethe, Iphigenie A II Sz 2
Pylades Vs 803

O süße Träumerei, du bist die Entschuldigung für meine Faulheit.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

O süßer Heiland, wie bist du so bitter, sagte der Narr, der einen Rettichschnitz für eine Hostie bekommen.

O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald. Eichendorff, Im Walde der Heimat

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
Wie treu sind deine Blätter!
Ernst Anschütz, Der Tannenbaum

O Teufel! Könnte
Die Erde sich von Weibertränen schwängern,
Aus jedem Tropfen wüchs' ein Krokodil.
en] O devil, devil!
If that the earth could teem with woman's tears,
Each drop she falls would prove a crocodile.
Shakespeare, Othello IV,1

O Teufel, Teufel!
Wenn eine Saat aufging aus Weibertränen,
Von der würd jeder Tropfen ein Krokodil.
Shakespeare, Othello, IV, 1 (Othello)

O teurer Laut, o Glück, nach langer Zeit
Auch nur zu hören eines Landsmanns Rede (Heimatsprache).
Sophokles, Philoktet, 234-235

O thou sweet poetry, ruf ich manchmal und preise den Mark Antonin glücklich, wie er auch selbst den Göttern dafür dankt, dass er sich in die Dichtkunst und Beredsamkeit nicht eingelassen.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 14.9.1780

O Tod, wie wohl tust du dem Dürftigen. Jesus Sirach

O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!
Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder.
Goethe, Faust, I, 1 (Faust)

O Tor, im Unglück ist der Trotz nicht förderlich! Sophokles, Ödipus auf Kolonos, 592 (Theseus)

O tötlich mensch, den tod betracht und hab deines lebens besser acht; leichtlich der tod dein seel hinreisst, wenn ohn vernunfft du truncken leist.
la] Scis o mortalis, quod mors leuibus uolat quae subito absque mora, te tristi supplimet hora.

O Trank voll süßer Labe! Goethe, Der Sänger

O traurig Los
Des Armen, der an Königs Gunst gebunden!
en] O, how wretched
Is that poor man that hangs on princes' favours!
Shakespeare, König Heinrich VIII. III,2

O trüg ich doch ein männlich Herz in mir,
Das, wenn es einen kühnen Vorsatz hegt,
Vor jeder anderen Stimme sich verschließt!
Goethe, Iphigenie A IV Sz 4
Iphigenie Vs 1677f.

O über die schlaue Sünde, die einen Engel vor jedem Teufel stellt!
Schiller, Die Verschwörung des Fiesco zu Genua II, 19
Fiesco

O über die trügerische Hoffnung der Menschen!
la] O fallacem hominum spem! Cicero, De orat., III

O über die wilden, unbiegsamen Männer, die nur immer ihr stieres Auge auf das Gespenst der Ehre heften! für alles andere Gefühl sich verhärten! Lessing, Minna von Barnhelm, IV, 6 (Das Fräulein)

O unglücksel'ge Stunde, da das Fremde
In diese still beglückten Täler kam,
Der Sitten fromme Unschuld zu zerstören.
Friedrich Schiller, Wilhelm Tell (Attinghausen)

O unglückselig, wer die Tage zählt
Und scheint ihm einer tausend Jahre!
Petrarca, I, Trionfl.

O unsterbliche Erinnerung an jenen Augenblick der Illusion, des Rauschs und der Bezauberung! Niemals, niemals sollst du in meiner Seele erlöschen.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse (Saint-Preux)

O Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder
la] O Vare, Vare, legiones redde!
Nach Suetonius, Augustus. Ausruf Kaiser Augustus nach der Schlacht im Teutoburger Walde

O Vogt, übe nicht Tyrannei, die Herrschaft währt nicht ewig.

O wackrer Apotheker!
Dein Trank wirkt schnell.
en] O true apothecary!
Thy drugs are quick.
William Shakespeare, Romeo und Julia (1593), V, 3

O Waffen, Waffen her, der letzte Tag bircht an -
Nicht ungebrochen stirbt, wer nämlich fechten kann. Schiller
la] Arma viri, ferte arma, vocat lux ultima victos.
Nunquam omnes hodie moriemur inulti. Vergil, Aeneis II. 668. 670

O Wahrheit, deinen edlen Wein
Musst du mit Wasser mischen;
Denn willst du ihn rein auftischen,
So nimmt er den Kopf den Gästen ein.
Rückert, Vierzeilen

O Waldesfrieden, Waldesruh,
Wie lieblich, unaussprechlich schön bist du!
Bechstein, Der Totentanz

O Wanderer am Bach, geh nur dem Wasser nach,
Es führet sicher dich zu Menschendach und Fach.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

O wär ich nie geboren!
Goethe, Faust I, Kerker
Faust Vs 4596

O was ist glückseliger, als frei von Sorgen zu sein!
Catull, Gedichte

O was ist Menschengröße! Schiller, Wallensteins Tod, IV, 2 (Gordon)

O was sind wir Großen auf der Woge der Menschheit? Wir glauben sie zu beherrschen, und sie treibt uns auf und nieder, hin und her.
Goethe, Egmont A I, Palast der Regentin
Regentin

O wat all, säd de Pracher, und as he toseg, härr he nix.

O wat, tütteretütt, met den Hennen noam Ossen. Grafschaft Mark (Um zu sagen, das ist unglaublich)

O weh der Lüge! Sie befreiet nicht,
Wie jedes andre, wahrgesprochne Wort,
Die Brust, sie macht uns nicht getrost, sie ängstet
Den, der sie heimlich schmiedet, und sie kehrt,
Ein Iosgedruckter Pfeil, von einem Gotte
Gewendet und versagend, sich zurück
Und trifft den Schützen.
Goethe, Iphigenie A IV Sz 1
Iphigenie Vs 1405f.

O weh! heute, o weh! morgen, wann wird das oh weh! enden. Estland

O weh, ich glaube, ich werde ein Gott!
Titus Flavius Vespasian(us), beim ersten Anfall seiner tödlichen Krankheit; nach Tacitus, Historiae

O weh, wie geht es so übel zu, wann Frevel die Frommen schlegt und Hoffart das Fähnlein trägt.

O Weib, des Weibes schönste Zier ist Schweigsamkeit. R. Hamerling, Aspasia

O Weihnacht! Weihnacht! höchste Feier!
Wir fassen ihre Wonne nicht,
Sie hüllt in ihre heil'gen Schleier
Das seligste Geheimnis dicht.
Lenau, Weihnacht

O Weimar! dir fiel ein besonder Los!
Wie Bethlehem in Juda, klein und groß.
Bald wegen Geist und Witz beruft dich weit
Europens Mund, bald wegen Albernheit.
Der stille Weise schaut und sieht geschwind,
Wie zwei Extreme nah verschwistert sind.
Goethe, Auf Miedings Tod

O Weisheit! du red'st wie eine Taube! Goethe, Adler und Taube

O welch ärmliches Geschöpf ist der Mensch, wenn er sich nicht über das Menschliche erhebt! Seneca, Abhandlungen

O welch ein herrliches Geschenk des Himmels ist ein schönes Vaterland!
Heinrich von Kleist, an Wilhelmine von Zenge, 4./5. September 1800

O welch ein Unterschied: die Wahrheit aussprechen, und die Wahrheit empfinden. Lavater, Geheimes Tagebuch, 7. 1. 1769

O welche Masse hässlich schnöder Fehler
Sieht schmuck aus bei dreihundert Pfund des Jahrs!
en] O, what a world of vile ill-favour'd faults
Looks handsome in three hundred pounds a-year!
Shakespeare, Die lustigen Weiber von Windsor III,4

O welche Zauber liegen
In diesem kleinen Wort: Daheim. Geibel, Juniuslieder, Daheim

O Welt voll wunderbarer Wirrung
Voll Geist der Ordnung träger Irrung
Du Kettenring von Wonn und Wehe.
Goethe, Der ewige Jude

O Welt! du rollend Rad! Geschworne Freunde,
Die in zwei Busen nur ein Herz getragen,
Die Zeit und Bett und Mahl und Arbeit teilten,
Vereinigt stets, als wie ein Zwillingspaar,
In ungetrennter Liebe, brechen aus
Urplötzlich durch den Hader um ein Nichts
In bittern Haß. - So auch erboste Freinde,
Die Haß und Grimm nicht schlafen ließ vor Plänen,
Einander zu vertilgen, durch 'nen Zufall,
Ein Ding, kein Ei wert, werden Herzensfreunde,
Und Doppelgatten ihre Kinder.
en] O world, thy slippery turns! Friends now fast sworn,
Whose double bosoms seem to wear one heart,
Whose hours, whose bed, whose meal and exercise,
Are still together, who twin, as 'twere, in love
Unseparable, shall within this hour,
On a dissension of a doit, break out
To bitterst enmity: so, fellest foes,
Whose passions and whose plots have broke their sleep
To take the one the other, by some chance,
Some trick not worth an egg, shall grow dear friends
And interjoin their issues.
Shakespeare, Coriolan IV,2

O Welt! wie schamlos und boshaft du bist!
Du nährst und erziehest und tötest zugleich.
Goethe, Divan - Buch der Betrachtungen - Ferdusi

O Welt, o Welt, wie verzehrstu so übel St. Stephans Geld.
i] Der Graf Georg von Hohenlo, um das Jahr 1416 Bischof, hatte die Redensart: O Welt, o Welt, die er auch an die Wände schrieb. Weil er in seinem bischöflichen Amte sehr köstlich lebte und durch Bauten u.s.w. die Einkünfte der Bistümer durchbrachte, schrieb einmal jemand unter seine Worte den Nachsatz: 'Wie verzehrst du so übel Sankt-Stephans Geld.'
bm] O časy, ó léta nynĕjšího svĕta.

O Welt, vor deinem hässlichen Schlund
Wird guter Wille selbst zunichte.
Scheint das Licht auf einen schwarzen Grund,
So sieht man nichts mehr von dem Lichte.
Goethe, Zahme Xenien V

O Weltgeschichte: Wundervolles Buch!
Ein jeder liest was anderes aus dir,
Der eine Segen und der andre Fluch,
Der Leben, jener Tod dafür.
Sándor Petöfi, Weltgeschichte

O wenn doch erst de Abend kêm, da man sülvst snitt un sülben itt. (Wunsch nach Selbständigkeit. Bezieht sich auf die ostfriesische Sitte, nach welcher es an den heiligen Abenden, d.i. an den Vorabenden der hohen Feste, den Kindern gestattet war, sich ihre Portion Fleisch selbst zu schneiden, die ihnen sonst vorgeschnitten ward)

O wenn es doch immer so bliebe. Bodenstedt, Mirza Schaffy

O wenns Ê (Ei) schunt kliger sein wil as de Henne. Schlesien

O wer doch öfters so verständig wäre, sein Glück brauchen zu können, und so glücklich, dass er seinen Verstand ganz anwenden könnte.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 27.11.1781

O wer weiß,
Was in der Zeiten Hintergrunde schlummert!
Schiller, Don Carlos, I, 1 (Carlos)

O wie elend ist ein Mägdlein, das dem Amor sich entziehen muss! Horaz, Oden

O wie freut es mich, mein Liebchen,
dass du so natürlich bist,
Unsre Mädchen, unsre Bübchen
Spielen künftig auf dem Mist!
Goethe, Musen und Grazien in der Mark

O wie froh ist die Zeit, wenn mit der Braut sich der Bräutgam
Schwinget im Tanze, den Tag der gewünschten Verbindung erwartend!
Goethe, Hermann und Dorothea 6. Gesang Vs 34 3

O wie glücklich ist der, dem Vater und Mutter das Haus schon
Wohlbestellt übergeben, und der mit Gedeihen es ausziert.
Goethe, Hermann und Dorothea, II, 164/165 (Terpsichore)

O wie groß ist die Welt, sagte der Junge, als er hinter Vaters Schuppen kam und ins Freie hinaus sah.
ho] Ei, ei, hoe wijd is de wereld.

O wie hab' ich gearbeit und geritten nach eim Leilach und vier brittern (Bretern), sagte der reiche man, als er sterben sollt.

O wie hatten die alten Tyrannen so Recht, Freundschaften wie die unsere zu verbieten! Da ist man stark wie ein Halbgott und duldet nichts Unverschämtes in seinem Bezirke!
Friedrich Hölderlin, Hyperion

O wie isch dem Meitschene ihre Treue so chlei, es trug se'n'e Fleuge an ihrem Bei. Schweiz

O wie ist das Wasser so guet, seit de Lohmüller, hät i nu mis Müleli no.

O wie lieb ist die Arbeit, wenn man dabei an etwas Liebes zu denken hat und sicher ist, am Sonntag mit ihm zusammen zu sein.
Gottfried Keller, Der grüne Heinrich

O wie mancher gute Rat verdirbt in eines Armen Mund
Und manches grüne Gras in einem tiefen Grund.
Auch manches gute Holz auf einer breiten Heide
Und manches schöne Mägdelein in einem geringen Kleide.

O wie schön ist die Zeit, wenn schalkhaft hinter dem Winter
Schon der Lenz sich versteckt!
Hebbel, Mutter und Kind

O wie schön und doch oft wie traurig öffnet die Sorge des Menschen Brust; sie ist notwendig wie die Nacht mit ihrem trüben Dunkel, damit der Stern der Ewigkeit vor der Tiefe erglänzen kann. A. Oehlenschläger

O wie selig wären die Bauern, wenn sie ihr Gutes erkennten! Luther, Tischreden

O wie so trügerisch sind Weiberherzen,
Mögen sie klagen, mögen sie scherzen;
Oft spielt ein Lächeln um ihre Züge,
Oft fließen Tränen, alles ist Lüge!
J. M. Piave, Rigoletto, IV, 11 (Oper von Verdi)

O wie sorgt sich der Mensch! O wie leer der Inhalt der Dinge!
la] O curas hominum! O quantum est in rebus inane!
Gajus Lucilius, Fragmente

O wie tief, wie lieb wird das Leben, wenn sich die Schätze nach und nach sammeln, die man mit ins Grab nehmen will.
Bettina von Armin, An Achim von Arnim (Dezember 1809)

O wie viel holder blüht die Schönheit doch,
Ist ihr der Schmuck der Treue mitgegeben.
Shakespeare, Sonett

O wie wahr ist es, dass selbst das edelste Samenkorn nur unter Bedingungen zu Hohem und Herrlichem sich entwickeln kann, dass wir größtenteils durch unsere Umgebung zu dem gemacht werden, was wir sind. Hackländer, Nullen

O wie wärt ihr doch in der Tat glücklich zu preisen, wenn es euch nur erst gelungen wäre, unsere Fehler nachzuahmen! Seneca, Vom glückseligen Leben

O wie wird dich nach der Sonne frieren!

O wieviel schöner blüht die Schönheit doch,
Ist ihr der Schmuck der Treue mitgegeben!
Shakespeare, Sonett

O Willegis, o Willegis, deiner Abkunft nicht vergiss! Kurfürst von Mainz
z] Ein Bischof zu Menz (Mainz) mit Namen Willigis, so eines Wagners Sohn von Strewnigen (Stroningen) aus Sachsen gewesen, hat jhme inn seine Gemach, Stuben und Kammern ein Wagenradt für die Augen mahlen und darüber schreiben lassen: Willigis u.s.w., damit er auch seiner Abkunfft sich erinnern und seiner Erzbischöflichen Ehre und Hoheit sich nicht überheben möchte. Wie denn eben daher die Mentzischen Ertzbischoffe ein Radt in ihrem Wappen führen. Es soll sich Willegisus, der erste Bischof von Mainz, auch um die allgemeine Einführung der Speichenräder in Deutschland sehr bemüht haben.

O wo ist der Genuss, der der Begierde gleich?
Goethe, Faust I, Paralipomena

O wolle Gott ein abgekürztes Leben
Den unfolgsamen Ehegatten geben!
Geoffrey Chaucer, Canterbury-Erzählungen

O Wollust, o Hölle,
O Sinne, o Liebe,
Nicht zu befried'gen
Und nicht zu besiegen!
Aus Höhen des Himmels
Hast du mich gezogen
Und hin mich geworfen
In Staub dieser Erde:
Da lieg ich in Fesseln,
Wie wollt ich mich schwingen
Zum Throne des Ew'gen,
Mich spiegeln im Abdruck
Des höchsten Gedankens. Schopenhauer, Neue Paralipomena

O Wucher, wer hat dich erdacht, dem Menschen bist zum Nachteil bracht.

O Wunder! Christus ist die Wahrheit und das Wort,
Licht, Leben, Speis und Trank, Pfad, Pilgram, Tür und Ort. Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1: Christus ist alles

O wunderbarer Nachtgesang:
Von fern im Land der Ströme Gang
Leis Schauern in den dunklen Bäumen -
Wirst die Gedanken mir,
Mein irres Singen hier
Ist wie ein Rufen nur aus Träumen. Eichendorff, Nachts

O wunderbares, tiefes Schweigen,
Wie einsam ist's noch auf der Welt!
Joseph Freiherr von Eichendorff, Morgengebet

O wunderschön ist Gottes Erde
Und wert, darauf vergnügt zu sein.
Hölty, Aufmunterung zur Freude

O wünsche nichts vorbei und nichts zurück!
Nur ruhiges Gefühl der Gegenwart ist Glück.
Friedrich Rückert, Gedichte

O wüsst ich doch den Weg zurück,
Den lieben Weg zum Kinderland!
Klaus Groth, Gedichte (Kinderland, vertont von Johannes Brahms)

O zahme, schimpfliche, verhaßte Demut!
en] O calm, dishonourable, vile submission!
Shakespeare, Romeo und Julia III,1

O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,
Der ersten Liebe goldne Zeit!
Das Auge sieht den Himmel offen,
Es schweigt das Herz in Seligkeit.
Oh, dass sie ewig grünen bliebe,
Die schöne Zeit der jungen Liebe!
Schiller, Das Lied von der Glocke

O Zeiten! o Sitten!
la] O tempore! o mores!
Cicero, 1. Rede gegen Katilina

O Zeiten, o Sitten!
ho] O tijden, o zeden.

O Zorn! du Abgrund des Verderbens,
Du unbarmherziger Tyrann,
Du frisst und tötest ohne Sterben
Und brennest stets von Neuem an;
Wer da gerät in deine Haft
Gewinnt der Hölle Eigenschaft.
Cl. Brentano, Zorn und Liebe

O Zürich, dein Almosen erhält dich!
i] Rühmt die besondere Wohltätigkeit der Züricher.

O! die Rahel Levin hat sehr viel gedacht, hat Empfindungen und Verstand, es ist was Seltenes, das muss ich sagen - wo find't man das?
Goethe, D. J. Veit, 14.8.1795

O! Lass
Des Aberglaubens nächtliche Gespenster
Nicht deines hellen Geistes Meister werden!
Schiller, Wallensteins Tod

O! Lass die Jammerklagen,
Da nach den schlimmsten Tagen
Man wieder froh genießt.
Goethe, Zahme Xenien I

O! mein Freund wer sind die Gelehrten und was sind sie!
Goethe, An F. H. Jacobi, 29.12.1794

O! nimm der Stunde wahr, eh sie entschlüpft.
So selten kommt der Augenblick im Leben,
Der wahrhaft wichtig ist und groß.
Schiller, Piccolomini

o's Brauch ist, legt man die Kuh ins Bett.Schweiz

O't bei O't en Jong bei Jong, denn wat jong es, dat spêlt gêr, wat o't es, dat knottert (o. brummt) gêr. Aachen
ho] Dat oud is, knort graag, dat jong is, speelt graag.

O, Bauer! wann wärst du eine Königin geworden!
i] Wenn gemeine Leute auf einmal über ihren Stand gehoben werden. Das Sprichwort ist wahrscheinlich von dem Fall im Schachspiel hergenommen, wo der eine der Spieler für den Bauern, welchen er durch glückliche Bewegungen in das Lager gebracht hat, seine verlorene Königin wiedererhält.

O, dass ich dich fand,
Einzig warm und fest,
Hand in meiner Hand,
Ina Seidel, Ehe

O, Freiheit, o mächtige Mutter auf ewige Zeit; dein Kleid ist purpurn vom Blute derer, die für dich gestorben sind!
Oscar Wilde, Vera oder Die Nihilisten

O, Hannes wat'n Hoot, de Hoot de hät'n Doler kost un veeruntwintig Grot.

O, man ist auch verzweifelt wenig, wenn man weiter nichts ist, als ehrlich.
Gotthold E. Lessing, Minna von Barnhelm

O, nie genug verehrter Engraum, kleiner Herd!
Goethe, Vorspiel zu Eröffnung des Weimarischen Theaters 19.9. 1807 Wald
Kriegsgöttin

O, oh, krank si öck, stähne möt öck, stähn' öck nich, so glöwe se mi nich; stähn öck äwer all to sehr, gewe se mi kein Ente mehr.

O, schwere Last des Alters, wie verhasst bist du. Euripides, Die Schutzflehenden (um 418 v. Chr.) 1108 (Iphis)

O, seid nicht karg
Mit eurem Beifall! denn es ist ja nur
Ein Kapital, das ihr auf Zinsen legt.
Goethe, Prolog, 1. 10. 1791

O, welch ein Wunder hat unser Herrgott in der Frauen Herz gelegt, wenn sie bloß von der richtigen Art sind! Wie ein Druckfehlerverzeichnis hat er sie an sein großes Weltbuch, in welches ihm der Teufel so viel Unverständlichkeiten und falsche Wörter und Zahlen gesät hat, angehängt!
Wilhelm Raabe, Prinzessin Fisch

O, wennam da Odem ufhîbe zu anner Suppe.

O, wie süß ist es [...], seine eigene Überzeugung aus einem fremden Munde zu hören!
Goethe, Lehrjahre VII,5

O, wie wohl ist mir am Abend, mir am Abend,
Wenn zur Ruh' die Glocke läutet, Glocke läutet:
Bimbam, bimbam, bimbam!
Kanon, Musik von Karl Schulz (1784-1850)

Oa Bua hütet die Goasn leicht, zwoa hart, drei gar nit.

Oa Bue (Bub) hüat't die Goas leicht, zwen hoast (schwer), drei goa nit. Unterinntal

Oab'nroat - d' Sun ei d' Schroat, Morgenroat - schmatzt ei's Koat. Innsbruck

Oalheit halpt egh för Kinjskhaid. Nordfriesland
hdt] Altheit (Alter) hilft (schützt) nicht vor Kindischkeit.

Oamal Bürgermeischter und ums Verreckn net wieder, - hat er gsagt, wie s' ihn abgsetzt haben.

Oan an reotes Fanl (Fähnlein) 'afstök'n. Oberösterreich

Oan aus'n Trall helfen.
i] Aus der Not.

Oan Gwond (Gewand) ham, wie da Hund oan Hout. Oberösterreich

Oan Krae hakt de anarn d' Augeng nöd aus. Österreich
mhd] Keyn Krae beist ihren jungen die augen aus. Haimonskinder, Eyn schön lustig Geschicht, wie Kaiser Carl der groß, vier gebrüder u.s.w. aus Frantzösischer sprach in Teutsch transferirt. Gedruckt zu Simmern 1525.
ndt] Een Råbe hackt den annern keen Ooch ut.
ndt] Jan Kriak hacket jü ööder at Uug et üütj. Amrum
ndt]Jen Kreek hakked' niin Oog üt di üd'er. Sylt
z] Zu Krähen würden die Autoren nicht taugen, denn sie hacken einander in die Augen.
bm] Črt črtu oka nevykline.
bm] Vrána vránĕ oka nevy kline.
bm] Zlodĕj zlodĕji, šibal šibalu neuškodí.
en] Dog does not eat dog.
en] One crow will not pick out another crow's eyes.
fr] Corbeaux avec corbeaux ne se crèvent jamais les yeux, non plus que les brigands maux ne se font l'un l'autre, mais mieux.
fr] Les corbeaux entre eux ne se crèvent pas les yeux.
fr] Les corbeaux ne crèvent pas les yeux aux corbeaux.
fr] Les loups ne se mangent pas entre eux.
fr] Un corbeau n'arrache point l'œil à l'autre.
ho] De eene kraai pikt de andere geene oogen uit.
it] Cane non mangia cane.
it] Corvi con corvi non si scavano gli occhi.
krain] Kdaj vrana vrano piple?
krain] Kdaj vrana vrani oci izkluje?
kroat] Vrana vrani neće oči skopati.
la] Cornicum oculos configere.
la] Cornix cornici nunquam confodit ocellum.
la] Cornix cornici numquam oculos effodit.
la] Corvus oculum corvi non eruet.
la] Ferae inter se placidae sunt. Seneca
la] Graculus graculum non graculat.
la] Lupus non mordet lupum.
la] Saevis inter se convenit ursis. Juvenal
la] Semper graculus assidet graculo.
lit] Warno warnôs akkies ne kerta.
pl] Już to źle, kiedy wilk wilka żrze.
pl] Kruk krukowi oka niewykluje.
pt] Corvos a corvos não se tirão os olhos.
sd] Den ena korpen hackar ej ögat ur den andra.
sp] Con un lobo no se mata un otro.
sp] Unos lobos á otros no se muerden.
un] Holló a' hollónak ki nem vajja szemét.
wend] Karwona karwonĕ woci nĕhudrapjo.
wend] Róna druhej woči njewudrapa.
wend] Róna rónu njedypnje.

Oan Krah peckt d'r oannern d' Augn nid aus. Steiermark

Oan Lachen do kênt men en Narn. Ung. Bergland

Oan Laus varührt a Har und zwoi ziehn 's gar. Oberösterreich
i] Von gewissen ländlichen Arbeiten, wozu zwei, wenn auch physisch schwache Personen, notwendig sind.

Oan nit aus'n Schnür'n lassen. Innsbruck
i] jemanden aufmerksam beobachten.

Oan vorn un hinten bit'n. Ob der Ems (Recht inständig bitten)

Oan'n die Rippen (oder Buckl) aklaube. Oberösterreich
i] Einen tüchtig durchprügeln.

Oan, dear as an Noad'lbüchs'l außer îs. Innsbruck
i] Einen sehr schlanken Burschen bezeichnet man als einen solchen, der aus einem Nadelbüchslein außer, d.h. heraus ist.

Öäwer Oars geiht 'tom Besten, Ihrwürden, söä' de Fru.

Ob aber ein fröhliches Mahl überhaupt ohne Frauen denkbar ist, lasse ich unentschieden; ich führe nur dieTatsache an, dass jeder Schmaus, der durch die Torheit nicht belebt wird, der lieblichsten Würze entbehrt. Erasmus von Rotterdam, Lob der Torheit

Ob aber jemand langsam oder schnell geht, viel oder wenig schläft, oft oder selten zu Hause, prächtig oder schlecht gekleidet ist, Wein oder Bier trinkt, Schulden oder Geld macht, eine Geliebte hat oder nicht -, was geht es dich an, wenn du nicht sein Vormund bist?
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Ob Ali Hoca oder Hoca Ali, bleibt sich gleich.
tü] Ha Ali Hoca, ha Hoca Ali.

Ob Alltags- oder Festgewand
Die Liebe sich erwähle,
Sie bleibe niemals unerkannt
Dem Auge deiner Seele.
A. Grün, Sprüche

Ob arm oder reich, der Tod macht alle gleich.

Ob arm oder reich, niemand ist tugendhaft und glücklich, wenn ihn das Schicksal nicht an den richtigen Platz gestellt hat. Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Ob auch der Kläger nicht klagt, dem Herrn nichts desto minder. [RSpW]
i] In älterer Zeit konnte der Richter nur einschreiten auf Antrag eines Klägers und erhielt dann auch nur seine Gebühren (Gewette). Deutet an, dass der Richter, wenn irgend jemand ein Unrecht begeht, auch ohne Klage des Verletzten von Amts wegen einschreiten könne, also auch ohne Kläger seine Gewette bekomme.

Ob bei uns ist der Sünden viel,
Bei Gott ist viel mehr Gnaden.
Sein Hand zu helfen hat kein Ziel,
Wie groß auch sei der Schaden.
Luther, Deutsche Schriften

Ob beim Essen oder Trinken, ob beim Sitzen oder Gehen, das Alter geht voran, die Jungend folgt hernach.

Ob bleich, ob rot, 's ist niemand sicher vor dem Tod.
ho] Is yemant bleek of is hij root, geen mensch is seker voor de doot.

Ob Butter in der Suppe ist, merkt man wol.
ho] Boter in de pap en spillen in den zak komen ten laatste al uit.

Ob Christian, ob Itzig, 's Geschäft bringt es so mit sich. (Konfessionelle Standpunkte haben keinen Einfluss auf Geschäfte. Man verkauft dem, der für die Waren am meisten zahlt, und kauft bei dem, der die besten Waren für den billigsten Preis liefert, ob Jude oder Christ, recht- oder ungläubig)

Ob Danzsaal un in 't Komedihûs is de Platz knapper as in de Kark. Rendsburg
hdt] Auf dem Tanzsaal und im Theater ist es enger als in der Kirche.

Ob das Geschäft gelingt oder nicht, wir brauchen unserer achtzehn Krüge Wein. China

Ob das Pferd gut oder schlecht, ohne Sporen reitet kein Knecht.
fr] Bon cheval mauvais cheval veut l'esperon, bonne femme mauvaise femme veut le baston.
it] A cavalli tristi e buoni sempre porta i tuoi sproni.

Ob deinem Tisch gedenk der armen, so wird sich Gott auch dein erbarmen.
la] Tunc bene prandetur, cum Christus adesse uidetur si des, ipse dabet, si non des, ipse negabit.

Ob dem ersten Gericht (Mahl) soll man nicht fragen.

Ob dem wollust würdt der vogel gefangen.

Ob denn die Glücklichen glauben, dass der Unglückliche wie ein Gladiator mit Anstand vor ihnen umkommen solle, wie der römische Pöbel zu fordern pflegte?
Goethe, Maximen und Reflexionen 242

Ob der Fußgänger schnell oder langsam geht, die Straße ist immer dieselbe. China

Ob der Leu herrscht oder Bär - dieser reisst und frisst wie der.

Ob der Roman oder das Drama den Vorzug verdiene? Serlo versicherte, es sei ein vergeblicher missverstandener Streit, beide könnten in ihrer Art vortrefflich sein, nur müssten sie sich in den Grenzen ihrer Gattung halten. [...] Im Roman wie im Drama sehen wir menschliche Natur und Handlung.
Goethe, Lehrjahre V,7

Ob der Tag schon morgens schön ist, kan es doch wohl abends Donnern und regnen.

Ob der Weg, den die weibliche Erziehung in letzter Zeit genommen hat - ob die Jagd nach flüchtigem Firlefanz und leeren Nichtigkeiten darauf hingearbeitet haben, die Frauen untauglich für das ruhige häusliche Leben zu machen, in dem sie sich viel schöner dartun als in der überfülltesten Gesellschaft, ist eine Frage, deren Erörterung uns wenig Befriedigung gewähren würde; wir hoffen, nicht.
Charles Dickens, Londoner Vergnügungen

Ob der Winter kalt oder warm soll sein, so geh am Allerheiligen Tag fein in das Gehölz zu einer Buchen; allda magst du folgendes Zeichen suchen: Hau einen Span davon, und ist er trucken, so wird ein warmer Winter herrucken, ist aber nass der abgehauene Span, so kommt ein kalter Winter auf den Plan.

Ob Deutscher (d. i. Herr) oder Bettler - über den Grabhügel tritt keiner. Estland

Ob dich der Genius ruft? ob du dem rufenden folgst?
Ja, wenn du mich frags! - nein! Folge dem rufenden nicht! Goethe, Xenien

Ob dich gleich der Pfennig sticht, ändert sich dein Stamm doch nicht.

Ob die Armut gleich nichts hat, hat sie dennoch reiche Gaben;
Denn sie kann stets Sicherheit und ein gut Gewissen haben. Logau, Sinngedichte, Armut

Ob die Ehe gut war, weiß man nicht vor einem Jahr.
dä] Om aaret efter kand man først sige hvad det er at være gift.

Ob die Gedanken wirklich aus Köpfen stammen? Meist stammen sie aus zweiter Hand.
Wieslaw Brudziński

Ob die Hälfte der Gelehrsamkeit und des Studiums dieser Königreiche nicht nutzlos ist aus Mangel an Unterricht in richtigem Vortrag und Aussprache in unseren Schulen und Universitäten? Berkeley

Ob die Huren pfeifen, Künstler sind sie nicht.

Ob die Idee den Dichter überwältigt oder der Dichter die Idee, davon hängt alles ab. Hebbel, Tagebücher, 20.1.1839

Ob die Liebe ein Glück ist? Jedenfalls ist sie das charmanteste Unglück, das uns zustoßen kann. Curt Goetz

Ob die Menschen im Ganzen sich bessern? Ich glaub es, denn einzeln,
Suche man, wie man auch will, sieht man doch gar nichts davon.
Goethe, Xenien 32 . Goldnes Zeitalter

Ob die Messe gesungen war oder gelesen, das ist gleich gewesen.
pl] Tak wažna msza śpiewana, jako i czytana.

Ob die Raumfahrtwissenschaft eine Macht des Guten oder des Bösen wird, hängt vom Menschen ab. Nur dann, wenn die Vereinigten Staaten eine hervorragende Stellung einnehmen, können wir mit entscheiden, ob dieser neue Ozean ein Meer des Friedens oder ein neuer schrecklicher Kriegsschauplatz werden wird. John F. Kennedy, Rede vor dem Kongreß am 25. 5. 1961

Ob die Überlieferung von Jesus geschichtlich erwiesen ist oder nicht, für mich ist sie wahrer selbst als die Geschichte, denn ich halte sie für möglich, weil sie ein ewiges Gesetz darstellt - das Gesetz vom stellvertretenden Leiden des Unschuldigen.
Mohandas K. 'Mahatma' Gandhi, 1946

Ob die Weiber so viel Vernunft haben als die Männer, mag ich nicht entscheiden, aber sie haben ganz gewiss nicht so viel Unvernunft. Seume, Apokryphen

Ob dir schon einer lang thut beiten, er will dich drumb der schuld nicht queiten.
la] Expectans longe, non uult dimittere quaeque.

Ob dir vom Dach eines Tempels oder einer Schenke ein Ziegel auf den Kopf fällt, die Beule tut genauso weh.

Ob du ausgehst oder heimkehrst, tritt erst vor deine Eltern. China

Ob du der Klügste seist, daran ist wenig gelegen;
Aber der Biederste sei, so wie bei Rate, zu Haus.
Goethe, Vierjahreszeiten - Herbst 81

Ob du dich nicht schämst, sagte die Larve zur Vogelscheuche.
en] I wonder you are not ashamed of yourself, as the smock-frock said to the scare-crow.

Ob du dich selber erkennst? Du tust es sicher, sobald du
Mehr Gebrechen an dir als an den anderen entdeckst.
Hebbel, Epigramme

Ob du eilst oder langsam gehst, der Weg vor dir bleibt derselbe.

Ob du ein anschlag hettst gemacht, der nicht recht war, aus unbedacht, so schem dich nicht, und noch betracht, wie jm zu thun, solch's nicht veracht.
la] Cum erraveris muta consilium.

Ob du eine Dschunke oder einen Rappen nimmst, immer warten drei Zehntel Gefahr auf dich. China

Ob du gleich nicht viel guts tust, so lerne doch von Tugend reden.

Ob du gut warst oder schlecht, du musst eben sterben. Duala (Bantu)

Ob du mich bei Tage auch noch so gut kennst, kommt die Nacht, so hebst du den Feuerbrand über mich auf (mich zu beleuchten).
i] In Surinam von Freunden während des Glücks. Echte Freundschaft muss sich in der Not bewähren, man muss seine Freunde auch im Unglück kennen.

Ob du mich lieb hast, werde ich in der Krankheit sehen. Afrika
fr] Qui tant l'aime, tant l'achepte.

Ob du mir wohlwillst, Hans, werden mir deine Taten sagen.
sp] Si bien me quieres, Juan, tus obras me lo dirán.

Ob du nun deinen Gast eine Meile begleitest oder gar hundert, es bleibt sich gleich, denn verabschieden ,musst du dich am Ende dennoch von ihm.

Ob du pflügst oder nicht, die Pacht musst du zahlen.
sp] Ares, o no ares, renta me pagues.

Ob du red'st oder schöttst di wat af, öss mi glîk.

Ob du redest oder ob der Hund scheisst, ist mir gleich.
i] Um auszudrücken, dass man jemandes Reden nicht das mindeste Gewicht beilege
jüdisch-deutsch] Män hört ihm wie die Katz o. wie den Kuter (Kater).
jüdisch-deutsch] Män hört ihm wie dem Ruw in a klein Städtel.
i] Seine Worte finden wenig Gehör, haben kein Gewicht, keinen Einfluss, wie die Rede eines Rabbiners in einer kleinen Stadt.

Ob du Sesam stiehlst oder Zucker, es ist Unrecht.

Ob du wenig tust oder viel,
Drauf kommt's nicht an!
Ich seh' nur auf dein Ziel -
Die Richtung macht den Mann.
Ed. v. Bauernfeld, Poetisches Tagebuch

Ob ein Epigramm wohl gut sei? Kannst dus entscheiden?
Weiß man doch eben nicht stets, was er sich dachte, der Schalk.
Goethe, Venezianische Epigramme 61

Ob ein fröhliches Mahl überhaupt ohne Frauen denkbar ist, lasse ich unentschieden. Ich führe nur die Tatsache an, dass jeder Schmaus, der durch die Torheit nicht belebt wird, der lieblichsten Würze entbehrt.
Erasmus von Rotterdam, Das Lob der Torheit

Ob ein Mann von einer Schlange gebissen oder von einem Tiger gefressen wurde oder ertrunken ist, er hat (in jedem Fall) die Früchte seiner Taten geerntet. Assam, Indien

Ob ein Mensch gut oder böse ist, hängt von der Gewohnheit ab.

Ob ein Mönch die Kutte an den Nagel hängt, darum geht keine Maus in ein ander Loch.

Ob ein Wort hohl ist, erkennt man erst, wenn man darauf pocht. Polen

Ob eine Heirat zustande kommt oder nicht, die Kupplerin erhält immer ihren Schnaps. China

Ob eine Nation reif werden könne, ist eine wunderliche Frage. ich beantworte sie mit Ja, wenn alle Männer als dreißigjährig geboren werden könnten. Da aber die Jugend vorlaut, das Alter aber kleinlaut ewig sein wird, so ist der eigentliche reife Mann immer zwischen beiden geklemmt und wird sich auf eine wunderliche Weise behelfen und durchhelfen müssen. Goethe, Maximen und Reflexionen

Ob einer arm, ob reich, ob groß, ob klein,
Dass einer seine Pflicht tut, das entscheidet.
Liehburg, Hüter der Mitte (Die Talleute und Rotten)

Ob einer auch ein Nestlein bauet wie ein Schwälblein, so kommen doch die Sperling und treiben einen aus.

Ob einer glaubt, das weiß er im Allgemeinen selber nicht. Darüber, dass er zweifelt, ist sich jeder ohne weiteres klar. Er weiß nur nicht immer woran.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Ob einer mehr Ursache hat, die Menschen zu suchen oder zu meiden, hängt davon ab, ob er mehr die Langeweile oder den Verdruß fürchtet. Schopenhauer, Neue Paralipomena, Zur Lebensweisheit

Ob einer noch so stark, zuletzt versiegt das Mark.
la] Post multa victus opera lexari solet.

Ob einer schon das Recht im Säckel hat, so stehlen einem doch die Juristen den Band.

Ob einer sich in der Wissenschaft genial erweiset wie Oken und Humboldt, oder im Krieg und in der Staatsverwaltung wie Friedrich, Peter der Große und Napoleon, oder ob einer ein Lied macht wie Béranger, es ist alles gleich und kommt bloß darauf an, ob der Gedanke, das Aperçe, die Tat lebendig sei und fortzuleben vermöge.
Goethe, Eckermann, 11.3.1828

Ob einer viel des Guten tu'
Und eine Missetat dazu,
Der Guttat wird vergessen,
Die Missetat gemessen.

Ob er dir gefallen kann?
Die Augen musst du fragen.
Ob's ein braver guter Mann?
Das muss das Herz dir sagen.
Goethe, Maskenzug russischer Nationen 16.2.1810

Ob es einer schon nicht glaubt, so ist er darumb kein ketzer nicht.

Ob es etwas Schöneres geben könne, als wenn die Jugend aus allen Weltgegenden zusammenkäme, um sich fester für das Gute zu verbünden mit dem Entschluss, in jeder Lage ihres Lebens alle ihre Kräfte aufzuwenden und so weiter.
Goethe, Johanna Frommann, 4.12.1817

Ob es Gott gibt oder nicht, wissen wir nicht. Also lasset uns ihm Opfer bringen.
Konfuzius

Ob es nicht vielleicht das Vollkommenste ist, was wir Menschen erleben können, zugleich einen tiefen, nagenden Schmerz und die lichte sonnige Freude - eine lachende Liebe und eine dunkle schwere Leidenschaft.
Franziska Gräfin zu Reventlow, Tagebücher

Ob es wahr ist? Freilich ist's wahr, aber ich weiß nicht, was.
pl] A prawda? Prawda ale niewiém co.

Ob etwas tauglich ist, wissen erst die Enkel.
Robert Neumann

Ob Fehler oder Vorzug, wenn wir ihn nicht haben, treibt uns der Stolz, ihn zu verachten.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Ob Fels und Eiche splittern,
Wir werden nicht erzittern!
Karl Hinkel, Erste Saitenklänge, Kraft und Mut

Ob großes oder kleines Amt:
Gehorsam sind wir allesamt.
Die Mienen ernst, die Scheitel licht,
Tun wir laut Vorschrift unsre Pflicht.
Der Dienst ist alles. Nebenher
Sind unsre Taschen leicht und leer.
im Amtsbereich, von Fall zu Fall,
Beziehn wir uns auf eine Zahl
Und schicken, unserm Stand zum Ruhm,
Die Kinder ins Gymnasium. Joseph Weinheber, O Mensch, gib acht: Beamter

Ob gut oder böse, Held bleibt Held.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Ob Hahn oder Henne ersieht man schon am Kamme.
mhd] Swas in han (nichts als) dann hanen si, das rotet doch der kamb.
la] Omnibus galeritis oportet cristam inesse.

Ob Hammer oder Amboss zuerst gewesen, ist noch nicht ausgemacht.

Ob Heide, Jud' oder Christ,
Herein, was durstig ist! Ratskeller zu Wiesbaden, Inschrift

Ob Herr oder Knecht,
Genie oder Tropf...
Von der Mutter das Herz,
Vom Vater den Kopf.
Cäsar Flaischlen

Ob i eini so wetti, so ne alti Latern' will i lieber schöne Jungi, sie lachet gar gern. Bern

Ob ich dich liebe? Frage die Sterne,
Denen ich oft meine Klagen vertraut.
K. Herlossohn, Buch der Liebe: Irene

Ob ich es in dieser Fähigkeit sehr weit gebracht habe, weiß ich nicht, das aber weiß ich, dass ich ihr allein alles Glück verdanke, dessen ich genieße, wenn ich mich mit ihr allein befinde.
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Ob ich gleich bin ein alter Mann, so kommts mir doch zun zeiten an.

Ob ich Ird'sches denk und sinne,
Das gereicht zu höherem Gewinne.
Mit dem Staube nicht der Geist zerstoben,
Dringet, in sich selbst gedrängt, nach oben.
Goethe, Divan - Buch des Sängers - Talismane

Ob ich liebe, ob ich hasse!
Nur soll ich nicht schelten.
Wenn ich die Leute gelten lasse,
Läßt man mich gelten.
Goethe, Zahme Xenien VII

Ob ich morgen leben werde, weiß ich freilich nicht; aber dass ich, wenn ich lebe, morgen trinken werde, das ist ganz gewiss.

Ob ich's erflieg', ob erreite,
Ob ich's erkriech, ob erschreite,
Ob erstreit', ob erspielt,
ist eins am Ziel.
Rückert, Lieder und Sprüche

Ob ihm der Streit geling', weiß niemand mit gewissen Ding'.
la] Est nulli certum, cui pugna uelit dare sertum.

Ob ihr Anhänger des Systems Tycho de Brahes oder des der Malabaren seid, ich verzeihe es euch gern, wenn ihr nur menschlich seid. Friedrich II.

Ob im Krieg oder in der Liebe, der Siegende hat immer recht.

Ob in der Tief sie quaken, sie quaken doch nur, um zu schimpfen. Ovid, Metamorphosen

Ob klein, ob groß, jeden trifft des Todes Los.
ho] Klein en groot komen dagelijks nader aan den dood.

Ob Knechtschaft besser ist als Freiheit, mag dahingestellt sein; aber dass Knechtschaft bessere Früchte zeitigte, als unsere heutige Freiheit, das kann wohl niemand leugnen.
Gilbert Keith Chesterton, Heretiker

Ob Kuh, ob Philomele erkennt man an der Kehle.

Ob kurz oder lang, ein Stock bleibt ein Stock, ob groß oder klein, ein Mensch bleibt ein Mensch.

Ob man alle Tiere soll fürchten:
Keins doch so sehr wie den Menschen. Germanische Spruchweisheit

Ob man den Teufel mit Haut und Haar frisst oder bloß die Brühe von ihm, ist gleich.
en] As good eat the devil, as the crotte he is boiled in.

Ob man die Hosen ans Wams oder das Wams an die Hosen binde, das ist die Frage.

Ob man einmal aus anderen Menschen klug werden kann? Mir kommt's immer vor, als ob sie alle im Zickzack empfänden und dächten.
Franziska Gräfin zu Reventlow, Tagebücher

Ob man gleich eine vergangene Vorstellungsweise weder zurückrufen kann noch soll, so ist es doch löblich, sich historischpraktisch an ihr zu üben und durch neuere Kunst das Andenken einer älteren aufzufrischen, damit man, ihre Verdienste erkennend, sich alsdann um so lieber zu freieren Regionen erhebe.
Goethe, Tag und Jahreshefte 1816

Ob man reich wird, hängt vom Schicksal ab, ob man Geld erwirbt, vom Fleiß.

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