Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
R

und oder

'Raus dermit, su schwärt's net. Harz

'Raus mit der Ziege auf den Teichdamm.
v] 'Raus mit der Ziege auf den Markt.
i] Frisch gewagt!

'Raus, Kaptän, rief Bohnenstengel.
i] In Stepenitz und andern Haffdörfern. Sehr allgemeine Anwendung z.B. morgens beim Wecken, dann beim Kartenspiel u.s.w. Aus einem übrigens verklungenen Liede, das 1800 im Schwange war und ein Schifferabenteuer verherrlichte.

'Rauss mit dem aalden, doss der noie Raum hot.

'Rech' ist in dieser lieben Welt,
was, wer's nicht hat, zuletzt behält. Feuchtersleben

'Reine Demokratie', das ist die verlogene Phrase eines Liberalen, der die Arbeiter zum Narren hält. Die Geschichte kennt die bürgerliche Demokratie, die den Feudalismus ablöst, und die proletarische Demokratie, die die bürgerliche ablöst.
Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky

'Rüber und 'nüber wie Achrimon seine Weste (o. wie dem Leau'schen Cantor sein Hosenlatt).

'Rum mit der alten Meiern. Schwaben

Raad mi goot, sä de Bruut, aver raad mi nich af.
hdt] Rat mir gut, sagt die Braut, aber rat mir nicht ab.

Raatje is dod. Holstein
i] Es fehlt an Rat, Überlegung, der Rat ist fort, es geht zu viel auf. Ratj erscheint in der holsteinischen Mundart personifiziert.

Rab' auf dem Dach, Fuchs vor der Tür, hüt' sich Mann und Ross dafür.

Rabbi ehrt die Reichen.
i] Als Entschuldigung, wenn an einem Rabbi getadelt wird, er nehme zu sehr auf die Reichen Rücksicht.
jüdisch-deutsch] Rebbi mechabbed Aschirim.

Rabbi Jehudah erlaubt's.
i] Jehuda war ein berühmter Schriftgelehrter, der in mehrern Anordnungen weniger streng als seine Vorgänger war.
jüdisch-deutsch] Rewi Jehuda matter.

Rabbi, vielleicht umgekehrt.
i] Vielleicht ist oder geschieht gerade das Gegenteil von dem, was du glaubst oder erwartest.
jüdisch-deutsch] Rewe, toomer (tomar, du magst sagen) umgekehrt.

Rabe und Nachtigall kann man nicht zusammen in einem Käfig halten.
tü] Karga ile bülbül bir kafeste durmaz.

Raben baden und Huren Bichten sind Ding von nichten.
v] Raben und Huren lassen sich nicht weiß waschen.

Raben fressen keine Raben.
v] Raben kommen ungestraft davon, die Tauben müssen büßen.
v] Raben reißen sich vom Leime, Kohlmeisen und Rotkelchen bleiben behängen.
v] Raben sind diebisch, dieweil sie Diebsfleisch essen.
v] Raben tragen kein Brot ins Haus.
i] Wohl eher hinaus.

Raben sind Bileams Esel und pflugende Ochsen oder treuer Prediger Feind, aber den Füchsen sind sie nicht geneigt.

Raben sind geschätzter (beliebter, geehrter) als Nachtigallen.
i] Klage, wenn man Ungelehrte den Gelehrten, Schurken den Braven und Edeln vorzieht.

Raben und Huren lassen sich nicht weiß waschen.
v] Raben und Tauben haben nicht einen Glauben.
mhd] Des raben stimme ich fliehen will; sîn âtem toetet vederspil.
mhd] Raben und Tauben gehören nicht auf ein Haufen.

Raben zeugen keine Tauben, Dornen bringen keine Trauben.
en] A wild goose never laid a tame egg.
fr] L'aigle n'engendre pas la colombe.

Rabendreck macht das Meer nicht schmutzig.

Rabengeschrei verdunkelt die Sonne nicht.

Rach bleibt nicht ungerochen.
la] Magnum est malum, malum non poße ferre.

Rach ist süß, sagte die Schlange.
v] Rach ist süßer als das Leben.
la] Inimicum ulcisci vitam est accipere alteram.
la] Vindicta bonum vita jucundius ipsa. Juvenal

Rach lässt ihr nicht in schildtreden.
z] Wer ihr zuwider ist, der ist ihr Kreuz.

Rach tut sanft, aber gibt bösen Lohn.

Rach' ist neues Unrecht. [RSpW]
i] Die Rache oder Selbsthilfe gehörte im altdeutschen Rechte zu den ordentlichen Rechtsmitteln. Es war natürlich, dass eine Fehde, wenn kein Vergleich zu Stande kam, die andere hervorrief.

Rache beendet die Ohnmacht der Wut. Gerhard Uhlenbruck

Rache bleibt lange ungerächt.
v] Rache bleibt nicht ungerächt.

Rache brüten
en] to brood vengeance
fr] ruminer (o. couver) sa vengeance
it] covare (la) vendetta

Räche dich nicht, auch wenn sie dir Streitgrund geben.

Rache erweist sich als ihr eigener Henker.

Rache heilt keine Wunden.
it] Per vendetta mai non sana piaga.

Rache ist am süßesten, wenn sie eiskalt serviert wird.
v] Rache ist Blutwurst.
v] Rache ist das Vergnügen der Götter. Frankreich

Rache ist ein Gericht, das kalt gegessen werden sollte. England

Rache ist ein Schwert, das den, der's zieht, versehrt.
mhd] Swer alsô richet, daz er schadet im selben, der ist wîse niht.
mhd] Man sol die râche miden, diu schaden ûf den rücke ladet.

Rache ist halber Trost. Jiddisch
v] Rache ist neues Unrecht.
v] Rache ist sehr teuer.

Rache ist schwachen Seelen eigen.
i] Die Dänen nennen sie daher eine Weiberkrankheit.
dä] Hevngierighed er qvinde-soot.
la] Minuti semper et infirmi est animi exiguique voluptas ultio. Juvenal
la] Quo plura possis, plura patienter feras. Seneca
la] Vindicta nemo magis gaudet quam femina. Juvenal

Rache ist süß und macht nicht dick.
v] Rache ist süß, sagte die Schlange.

Rache ist süß, verzeihen süßer.
zz Rache ist süß, aber nur für solche, die keine Kränkung ertragen können.
bm] Dobrá vĕc nehrati na mštĕnou.
la] Infirmi est animi exiguique voluptas ultio. Juvenal

Rache ist süß.
en] Revenge is sweet.
fr] La vengeance est douce.
la] At vindicta bonum vita iucundius ipsa. (Aber Rache ist ein süßeres Gut als das Leben selbst)

Rache macht ein kleines Recht zum großen Unrecht.
dä] Hevn er ny uret.
dä] Hevn gjør liden ret til stor uret.

Rache mit Geduld wird Wein. Türkei
v] Rache tut niemals gut.

Rache nehmen heißt oft, sich selbst zum Opfer bringen. Kongogebiet
v] Rache nehmen ist keine Schande.

Rache trägt böse Frucht.
mhd] Ich hoere wîse liute jehen und si gemeine sprechen daz sînen schaden rechen vil manger dicke welle, der mit der râche velle sich in groezer ungemach.
bm] Pomsta človĕka na mnoho nese.

Rache üben gegen den Stärkeren ist töricht, gegen seinesgleichen gefährlich und gegen Schwächere niederträchtig.
it] È la vendetta usata col più forte follia, coll' eguale periglio, col minore viltade.

Rache, hundert Jahre alt, hat immer noch ihre Milchzähne. Italien

Rachedurst: Vergeltungssucht. Ron Kritzfeld

Rächen, richten, rühmen, wollen Gott allein geziemen.

Rächer Loite Krankt und armer Loite Gebrautn's richt beides wät. Sprottau
hdt] Die Krankheit reicher und das Gebratene armer Leute erregen die Aufmerksamkeit in weitern Kreisen.

Rachgier gibt bösen Lohn.

Rächt Lüt (Leute) händ e Gattig.
i] Von der Stammsilbe Gatt in Gattung, wie artig von Art. Als Substantivum = Aussehen, Form, Gestalt, Manier, d.i. Art und Weise im allgemeinen sowohl, als Art und Weise der Gebärden. Er hed gueti Gattig = hat ein schönes Aussehen, ein einnehmendes Äußeres, ein angenehmes Betragen. Das hed d'chei Gattig = das hat keine Art und Weise. Der Sach e Gattig gä = ihr eine gute Form verleihen. Als Adjectiv von Personen und Sachen = artig, nett, von schöner Gestalt und Form, uneigentlich = gesittet, ordentlich, durch gefälligen Umgang sich empfehlend.
v] Rächt Lüt händ rächt Sache und rächt Härdöpfl (Erdapfel).

Racine, Jean] Die Anekdote, dass Racine sich zu Tode gegrämt habe, weil Ludwig der Vierzehnte ihn nicht mehr angesehen, ihn seine Unzufriedenheit fühlen lassen, ist mir ein Schlüssel zu allen seinen Werken, und es ist unmöglich, dass ein Dichter von so großen Talenten, dessen Leben und Tod an den Augen eines Königes hängt, nicht auch Stücke schreiben solle, die des Beifalls eines Königes und eines Fürsten wert seien.
Goethe, Lehrjahre III,8

Rackerlatein reden.

Rad mit good, aberssen rad mi nich af! sä de Brut to eeren Hartlefsten.

Rad' und Tresp' hält den Bauer fest, aber Schmêl und Kornblumen jagen ihn von den Huben.
i] Im Samlande mit dem Schluss: aber Schmel und Klapper jagen ihn vom Acker.
bm] Není to bĕda, když v žitĕ lebeda; ale to dvĕ bĕdy, není-li žita ni lebedy.

Rädchen, die am meisten schnurren, machen das wenigste Garn.

Rade, Rade rot, in vier Wochen neues Brot.
i] Die Kornrade (Lychnis Githago) blüht ungefähr vier Wochen vor der Roggenernte.

Rade, Tresp' und Vogelwicken bringt den Bauer auf die Krücken. Ostpreussen
v] Rade, Trespe und Vogelwicken muss der Herr mir nicht als Messkorn (Decem) schicken; ich predige das Wort Gottes lauter und rein, und so soll auch das Messkorn sein. Pommern
i] Nach andern hat ein Prediger in Schwaben, dessen Einkommen nur in Zehnten der Gemeindeglieder bestand, aus Verdruss darüber, als er ein Jahr hindurch schlechtes Getreide empfangen hatte, seine Predigt mit den später sprichwörtlich gewordenen Zeilen geschlossen.

Raden lässt den Bauer warten. Neisse

Raden und Vogelwicken, sagte der Pastor, soll man mir nicht als Decem schicken. Luther

Radikale sind Hetzer - im wahrsten Sinne des Wortes. Sie hetzen den Fortschritt, wollen ihn ohne Rücksicht auf Verluste beschleunigen. Sie sind so etwas wie Verkehrssünder der Geschichte, deren natürliche Geschwindigkeitsbegrenzungen sie überschreiten. Die Radikalen selbst halten dies übrigens für ein revolutionäres Kavaliersdelikt, obwohl die Todesfälle bei solcher Art Unfällen ungewöhnlich hoch sind. Hans Kasper

Radikalismus: der Konservatismus von morgen als Einspritzung in die Angelegenheiten von heute. Bierce

Radikalisten sind jene, die Stellen vorbereiten und befestigen, die Konservative ein wenig später einnehmen. Unbekannt

Radikalität beschleunigt den Fortschritt bis zum Hinfallen. Hans Kasper

Raff wie du willst, es kriegt's doch ein anderer.

Raffael, 'Heilige Agathan'] Ich habe mir die Gestalt [der Heiligen Agatha] wohl gemerkt und werde ihr im Geist meine Iphigenie vorlesen und meine Heldin nichts sagen lassen, was diese Heilige nicht aussprechen möchte.
Goethe, Italienische Reise I, 19.10.1786

Raffael, 'Sixtinische Madonna'] Sehen Sie hier mit den größten Meisterzügen der Welt Kind und Gott und Mutter und Jungfrau zugleich in göttlicher Verklärung dargestellt. Das Bild allein ist eine Welt, eine ganze volle Künstlerwelt, und müsste seinen Schöpfer, hätte er auch nichts als dies gemalt, allein unsterblich machen.
Goethe, H. v. Heß, 11./16.8.1813

Raffael] Gemüts- und Tatkraft stehen bei ihm in so entschiedenem Gleichgewicht, dass man wohl behaupten darf, kein neuerer Künstler habe so rein und vollkommen gedacht als er und sich so klar ausgesprochen. Hier haben wir also wieder ein Talent, das uns aus der ersten Quelle das frischeste Wasser entgegensendet. Er gräzisiert nirgends, fühlt, denkt, handelt aber durchaus wie ein Grieche.
Goethe, Schriften zur Kunst - Antik und Modern

Raffael] Raffael und seine Zeitgenossen waren aus einer beschränkten Manier zur Natur und Freiheit durchgebrochen.[…] Männerwie Raffael wachsen nicht aus dem Boden. Sie fußten auf der Antike und dem Besten, was vor ihnen gemacht worden. Hätten sie die Avantagen ihrer Zeit nicht benutzt, so würde wenig von ihnen zu sagen sein.
Goethe, Eckermann, 4.1.1827

Raffael] Raffael war niemals von dem Raume geniert, den ihm die Architektur darbot, vielmehr gehört zu der Großheit und Eleganz seines Genies, dass er jeden Raum auf das zierlichste zu füllen und zu schmücken wußte...
Goethe, Italienische Reise III, Dezember 1787 – Bericht

Raffael] Raffael wäre nichts geworden, wenn er die alten Florentiner nicht angesehen...
Goethe, F. Förster, 4.8.1831

Raffelsteiner Wein. Steiermark
i] Scherzhaft für Wasser.

Raffen ist ein edel Kraut.
ho] Heel de wereld is op rapen uit.

Raffholz brennt ôk, sägt Helms.

Ragniter machen.
i] In der preussischen Stadt Ragnit stand einst ein altes Schloss, das von dem Deutschen Orden zwar zerstört, bald darauf aber wieder von neuem erbaut wurde. Man besetzte es mit Soldaten, die man Ragniter nannte. Es wurden die zur Strafe dorthin verwiesen, welche etwas verwirkt hatten oder leichtsinnig bettelten. Daraus entstand die obige Redensart, womit man Leute bezeichnet, die wegen irgendeines Vergehens auf Festungen oder ähnliche feste Örter geschickt werden. Jetzt befindet sich in dem Schlosse eine Strafanstalt, auf deren Insassen die Redensart angewandt wird.

Rahl (Unkraut) giwt ok sinen Tal. Braunschweig

Rains of stones wreaks havoc.
en] Hell is broke loose.
en] It never rains, but it pours.
enz] Misfortunes never come singly. Thomas Gray, Letter to Dr. Wharton, 2. Feb. 1771
enz] Welcome, evil if thou comest alone. Cervantes, Don Quixote, 2, 55
tü] Taş yagar, kıyamet kopar.

Raketen steigen hoch, aber sie fallen bald.

Râlen dei lärt den Bûern de prâlen, awer Fosswans dei verlet 'ne ganz.
i] Rale bezeichnet a) den Raden oder Radel, die rothe Kornblume (Agrostemma Githago Lin.), und b) den schwarzen Samen der Pflanze. Fosswans ist die bekannte Grasart Agrostis spica venti. Die Radeln scheffeln nun mit; der Fuchsschwanz aber gibt nichts in den Scheffel. Sind nun zwischen den Getreidehalmen auch viel Radeln, so kümmert dies den Bauer wenig; ist dagegen der Acker mit Fuchsschwanz bewachsen, so gibt er wenig Körner.

Ramz'samm und Kehraus bringt kein Brot ins Haus.
i] Wer sich immer nur mit häuslichen Angelegenheiten beschäftigt, bringt nicht einmal das nötigste Geld ins Haus, was zum Wohlstande notwendig ist.

Räne Hand, räne Nachtmitz'.

Rangbestimmend sind allein Machtquantitäten.
Nietzsche

Rank und umschweiff machen und den Mantel nach dem Winde hängen.

Ränke schmieden
en] to plot and scheme
fr] nouer (o) forger) des intrigues
it] ordire (o. intessere) inganni (o. intrighi)
la] tragulam inicere

Ränkeschmiede und Meister im Fechten werden oft besiegt von Bauernknechten.

Räpes äs nit für vu Gespâsel. Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Rülpsen ist nicht weit vom Speien.
i] Wortspiel mit dem Ortsnamen Räpes und räpsen = Aufstoßen des Magens, Rülpsen und Gespeisel.

Rappelige Räder laufen am längsten.

Rappen lassen sich nicht weiß machen.
i] Die Italiener scheinen ein Vorurteil gegen Pferde dieser Farbe zu besitzen, sie behaupten, ein Rappe sei blind oder faul: Cavallo negro, o orbo, o pigro.

Raps, raps in meinen Sack, ein anderer habe, was er mag.

Rar wie Speck in einer Judenküche.
z] Vorhin war bei diesem Herrn das Beichten so rar, wie Speck in einer Judenküche.

Rasch gewachsen, schnell verblüht.

Rasch macht die Katze Junge, aber sie werden blind geboren.

Rasch schlägt der Puls des jugendlichen Lebens,
Rasch schießt der Pflanze Trieb zum schlanken Kiel,
Die Jugend freut sich nur des Vorwärtsstrebens,
Versucht sich weit umher, versucht sich viel.
Der Kräfte Spielen ist drum nicht vergebens,
So kennt sie bald sich Umfang, Maß und Ziel:
Der Most, der gärend sich vom Schaum geläutert,
Er wird zum Trank, der Geist und Sinn erheitert.
Goethe, Was wir bringen - Halle Sz 3 / Lachesis

Rasch über Nacht wechsen weder Hörner noch weiße Haare.

Rasch und gut gehen nicht zusammen. Italien
it] Presto e ben non si convien.

Rasch zugreifen tut's.
i] Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe. Eine Handlung erhält oft ihren Wert durch die Schnelligkeit, mit der sie ausgeführt wird. Was du tun willst, das thue bald.
la] Accio cara fore quit brevitate more.
sd] Skoth oer gagn giorth.

Rasche Pferde werfen schlaffe (schlechte) Reiter ab.
v] Rasche (scheue) Pferde passen nicht für einen alten Wagen.
i] Wenn ein alter Mann ein junges Mädchen heiratet.
bm] Když se starý s mladou ožení, jakoby do starého vozu plaché konĕ zapřáhl.
bm] Plaché konĕ, starý vůz, mladá žena starý muž.
pl] Kiedy się stary s młodą ożeni, tedy właśnie jakoby w stary wóz szalone konie załozył.

Rasche Sprünge geraten selten.
v] Rascher Anfang, rasches Ende.

Rasche Trinker vertragen nicht viel.
kroat] Koi vnogo pije, malo popije.

Rascher als alles andere entsteht Angst.
Leonardo da Vinci

Rascher ist sein eigener Esel als des anderen Araber.
v] Rasches Pferd kam oft krank zu Hause.

Raschi is nit meschügge (verrückt). Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Um zu sagen, dass doch etwas an der Sache sein muss. Wenn Raschi in seinem Kommentar eine Frage stellt, so muss er wohl seine guten Gründe dazu haben, denn 'Raschi ist nicht verrückt'.

Raschi macht darauf a Schtender belaas. Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wird gebraucht, wenn man eine Stelle in irgendeiner Schrift nicht versteht. Raschi ist die Zusammenziehung der Anfangsbuchstaben von R(abbi) Sch(elomo) I(zchaki), eines sehr gelehrten Mannes, der zu Troyes in Frankreich lebte und einen Commentar zur Bibel und zum Talmud verfasst hat. Als geborener Franzose übersetzte er die schwer verständlichen Wörter in Bibel und Talmud. Solche Übersetzungen finden sich eine große Menge und sind unter dem Namen 'belaas', d.i. in fremder Sprache bekannt. Da aber diese 'belaas' mit hebräischen Lettern geschrieben und mit der Zeit bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden sind, so ist es oft sehr schwer, den richtigen Sinn derselben zu entziffern. So z.B. klingt das altfranzösische estender wie a Schtender.

Raschmann kommt leicht zu Beulen.

Rasende Hund lauffen nicht weit. (Die sehr wüten und toben, leben nicht lange; ein Wütrich oder Tyrann wird nicht alt)

Raserei und Schlaf sind die beiden Tore, durch die man Eintritt zum Rat der Götter erhält, wo man die Zukunft voraussehen kann.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Rasiere mich, und ich werde dich frisieren.

Rasieren zerstört das Antlitz Gottes. Rußland

Rasslen prasslen.
v] Rasslen und spielen wie die sippenbuben.

Rast gibt Mast.
v] Rast ist halbe Mast.

Rast' ich, so rost' ich, sagt der Schlüssel.
i] Es sagt's auch der Pflug des Ackermanns, der Spaten des Gärtners, und der Mensch hat noch in einem höhern Maße Ursache, es zu beachten.
v] Gebrauchter Pflug blinkt.
v] Rasten heißt Rosten.
v] Rastest du, so rostest du.
v] Rollender Stein hat kein Moos.
en] A rolling stone gathers no moss.
fr] Pierre qui roule n'amasse pas mousse.
it] Acqua che corre non porta veleno.
it] Pietra mossa non fa muschio.
la] Ferrum rubigo consumit.
sp] Agua que curre nunca mal bulle.
sp] Piedra movediza nunca moho la cobija.

Raste nie, doch haste nie! (Dann haste nie Neurasthenie!)

Rastlos streicht die Rache hin und wider,
Sie zerstreuet ihr Gefolge
An die Enden der bewohnten Erde
Über der Verbrecher schweres Haupt.
Goethe, Elpenor A I Sz 4 / Antiope Vs 573

Rastrum ist oft besser als Malvasier.
i] Rastrum = Leipziger Bier.
la] Non propter Rastrum, sed propter amabile rostrum Virginis, ad Rastrum plebs Studiosa venit.

Rat ab, Rat auf; Rat hin, Rat her.

Rat an den Richter: gib deine Entscheidungen, niemals deine Gründe, deine Entscheidungen mögen richtig sein, deine Gründe sind sicher falsch. Mansfield

Rat bringt die Tat.
v] Rat gehet für der Tat.

Rat der Alten, Stärke der jungen Leute richten viel aus.
la] Consule queis aetas longa magistra fuit.

Rat der Narren gehöret ein hölzin Glock.
v] Rat ist des Verständigen Meister, Verlust der des Narren.

Rat erbitten: sich den eingeschlagenen Weg von einem anderen bestätigen lassen. Bierce

Rat hilft dem Mann, das 'Hüh' dem Pferd. Estland
v] Rat im Haus ist der beste Vorteil.

Rat ist besser als Glück.
v] Rat ist besser als Hass.
fr] Un bon avis vaut un oeil dans la main.
la] Fortuna nulli plus quam consilium valet.
pl] Lepsza porada, jak parada.
sd] Råd år bättre än ijfwer.
v] Rat ist bös, welcher nicht zu ändern.
v] Rat ist für alles, nur nicht für den Tod.
v] Rat ist kein Mittel zur Ausführung.
v] Rat kommt dir nicht auf einmal.
v] Rat mit Verstand regiert glücklich in allem Land.

Rat muss gehen vor der Tat.
la] Satius est initiis mederi, quam fini.

Rat nach der Tat gar übel staht.
z] Bös rath, der nach der tat geschiht.
dä] Raad er ikke bedre en uraad, uden det tages i tide.

Rat nach der tat kommt zu spat.
z] Dieser ist nicht ein weiser rhat, so erst kommt nach geschehner Tat.
z] Der raht, welch nach der Tat geschiht, der ist so nütz, wie ich bericht, als der regen (Rechen), der stüpfet (Stoppeln) rürt, wenn man das korn hat eingeführt.
en] When a thing is done, advice comes too late.
fr] A chose faite, conseil pris.
fr] A parti pris, point de conseil.
fr] Après le fait ne vaut souhait.
ho] Raad na daad, de kaars onder de korenmaat.
it] Del senno di poi ne sono ripiene le fosse.
la] Consilium post facta imber post tempora frugum.
la] Consilium senum, sunt facta juvenum.
la] Non ad praeteritum consilium valet imo futurum.
la] Utile non est consilium post facta dari, quod oportuit ante.
sd] För sent att råda, när skadan är skedd.

Rat nach der Tat und Arznei bei Leichen werden gleichviel erreichen.
z] Raht nach der tat, ist eben, als wenn man eim Toten ein artzney zur gesundheit wolt geben.
dä] Gode raad efter gierninger, ere som regn efter høsten, og lægedom, naar een er død.
ho] Achterna raad is aars-gekraauw.
sd] Råd år intet råd utan det tijdigt brukas.

Rat nach der Tat, die Kerze unters Kornmaß.
ho] Raad naar daad.
la] Sapere post factum.

Rat noch einmal, dannoch will ich dirs nit sagen.

Rat nuh, liebes waldvögelein, wer tut dir vnder den gsellen dein.
la] Dic mihi, sub cauda quis te percussit clauda?

Rat ohne Glück ist eine Windmühle ohne Wind.
v] Rat ohne Hilfe ist wie eine Tür ohne Klinke.

Rat ohne Tat ist ein Leib ohne Seele.
v] Rat ohne Macht wird verlacht.
sd] Råd utan macht år illa anlagt.

Rat ohne Verstand und Tat ohne Glück und Mut tun selten gut.
dä] Forstand skal til raad, lykke og hierte til daad.

Rat pflegen bringt dem Hause Segen.
bm] Porada dům neboří.

Rät sein Blassbälg und Wetzstein, wass sie nicht tun können, darzu schleiffen und Wetzen sie den Herrn.

Rat soll man hören, Gott anrufen und schließen.

Rat soll man nehmen bei getreuen Freunden; Torheit ist's, von Unbekannten oder Feinden Rat suchen.

Rat soll man suchen bei den Weisen (Verständigen) und Hilfe bei den Mächtigen.
dä] Sög raad hos dine ligemænd og hielp hos dine overmænd.

Rat soll vor der Tat gehen.
z] Rat soll gehen vor der Tat, schneller rath selten gut ward; drumb was du thust, das end bedenk, damit das ende dich nicht kränck.

Rat und Arznein gehen oft bitter ein, sind aber doch heilsam.
dä] Raad er tit som lægedom, bitter og hjelper dog.

Rat und Ehre gehören zusammen.
v] Rat und Mat schaffet den Vorrat.

Rat und Gericht soll kein freund haben.
i] Keine Günstlinge.

Rat und Reu sind viel zu spat nach verübter Missetat.
la] Qui non vult, cum potest, id, quod dein vult, non potest.

Rat und Tat führen den rechten Pfad.
v] Rat und Tat kommt aus Gottes Händen.

Rat und Tat muss freilich jeder bei sich selber suchen.
Goethe, An Zelter, 16.2.1818

Rat von rotem Bart ist nicht guter Art.
dä] Tage raad af rød-skiegget mand, fleere onde end gode.
dä] Tag raad af rød-skjegget mand, og gag snart fra ham.

Rat vor der Tat, nach der Tat weiß auch der Narr den Rat.

Rat zur rechten Zeit ist in der Regel weit.
la] Semper consilium tunc deest cum opus maxime est.

Rat' so, dass es unstrefflich sei, dem größeren weich, das rat' ich frei.
la] Consule inculpate. Cede magnis.

Rät's Gott, so richt't er's aus.

Rat, der auf der Schneckenpost fährt, hat wenig Wert.
la] Cunctando senescunt consilia.

Rat, der gut, soll man glauben und folgen.

Rat, Fleiß und Weisheit sind unnütze Dinge, wenn die Vollziehung langsam folgt.

Rat, für den man nicht gezahlt hat, ist nichts wert. USA

Rat, Kraft, Held gehören zusammen.

Rat, wie wir ungebrannt von diesem kessel kommen.

Rat: die kleinste Mänze im Umlauf. Bierce

Rat: die Vorschläge, die du einem Menschen machst. und von denen du hoffst, dass sie zu deinem Vorteil wirken werden. Unbekannt

Räte käuen zuvor die sachen, saugen dass best zu ihrem nutzen herauss, dass übrig streichen sie dem Herren ins Maul.

Räte müssen Künstler sein, eines reden und viel anders meinen.

Rate nicht den Preis der Sache, sieh zuerst auf des Gebenden Brust (= dem Gebenden ins Gesicht).

Rate nicht für oder gegen eine Heirat, verhindere sie nicht und erzwinge sie nicht. Polen

Rate niemandem ungebeten.
v] Ein Löffel voll Tat ist besser als ein Scheffel voll Rat.
v] Rate niemandem, dann gebeten.
fr] Les conseilleurs n'ont point de gages. = Die Ratgeber erhalten keinen Lohn.
un] Tanácsot ne adgy, ha nem kérnek.

Rate sich jeder selbst und tue, was er nicht lassen kann.
Goetbe

Rate, wie viel Eier hab ich im Sack; ich will dir sie alle sieben geben.

Raten hilft nichts, wo kein Mittel vorhanden.

Raten ist leichter als Bürgen.
v] Raten ist leichter als helfen.
v] Raten ist leichter als selbst tun.
v] Raten ist leichter als taten (helfen).
bm] Radu dovede káždý dáti, ale ne pomoc.
dä] Let at raade og tale, men svart utgiøre det.
en] Give advice to all, but be security for none.
fr] Il est plus facile de conseiller que de faire.
fr] Mieux vaut remède que conseil.
fr] Point de denrée plus offerte que les conseils.
it] A chi consiglia non duole il capo.
it] Al consigliere non dolse mai il capo.
it] Tal da consiglio per uno scudo, che no 'l torrebbe per un quattrino.
la] Facile, cum valemus, recta consilia aegrotis dare.
pl] Poradę každy da, ale pomoc rzadki.

Raten ist nach der scheiben schießen.
z] Man schiest offter drunter, drüber und neben hin, als in die Scheib, viel weniger trifft man zum zweck.

Raten ist nicht heißen oder zwingen.
v] Raten ist oft besser als Fechten.

Raten kann ichs, man liebt den Nachfolger niemals, wenn man den Vorfahren geliebt hat, Platzfolge ist immer eine Art von Vertreibung.
Goethe, An E. W. Behrisch, 3.11.1767

Raten muss man mit wenigen, kriegen mit vielen.

Raten und geraten ist zweierlei.
ho] Die men ghesegghen can, den mach men raden.
la] Vis informari, valeo tunc consiliari.

Raten und Helfen gehört zusammen.
v] Raten und Helfen steht wohl beieinander.

Raten und Laufen geht nicht gleich zu.
la] Consilii et cursus non est idem exitus.

Raten und Reiten tut's.
i] Wahlspruch Wilhelm's I. von Nassau, des Gründers der niederländischen Freiheit. Immer, besonders aber in bedrängter Zeit gilt es, Weisheit (Raten) mit ritterlichem Mute (Reiten) zu vereinigen; denn Raten allein tut's nicht, Reiten auch nicht.

Raten und sich verraten ist bald übersehen.
v] Raten und Sorgen kommen aus einem Fass.
v] Raten und Überreden stehen nicht wohl beieinander.
v] Raten zu Dingen heißt nicht dazu zwingen.

Raten zum Fried macht freud.

Raten, reden und überreden sind nicht zusammengestellt.

Raten, was die Rüben gelten.
z] Es lond (lassen) sich vil Ratgnossen schelten und wissen nit, was die Rüben gelten. Du magst wohl land und leut verführen, so du dein hauss nicht kannst regieren.

Räter sind oft verräter.
v] Rater und Täter haben gleiche Pein (o. Strafe).

Ratet mir gut, sagte die Braut, aber ratet mir nicht ab.

Ratfragen ist nötig, aber sehr gefährlich.

Ratgeben ohne Nachsinnen ist Betrug.

Ratgeber bezahlen nicht.
i] Der Unternehmer muss zahlen, die Sache mag durchgehen oder misslingen. Die Mittel zur Ausführung eines guten Rates folgen ihm nicht als Zugabe.
v] Raten ist leichter denn helfen.
v] Raten ist wohlfeil.
v] Wer rät, der gibt nichts.
fr] Les conseilleurs ne sont pas les payeurs. = Die Ratgeber sind nicht die Zahler.
la] Facile omnes, cum valemus, recta consilia aegrotis damus.

Ratgeber sind nicht Geber. Niederlande

Ratgeber tragen den Schaden nicht.
sd] Det kostar intet att ge råd.

Rathe, wie viel Eyer hab ich im Sack, ich will dir sie all sieben geben.

Rathilf ist der beste Mann.

Rathje is dod.
i] Der personifizierte Rat, Verstand u.s.w. Wird gesagt, wenn in einer Haushaltung mehr als gewöhnlich verbraucht wird, wenn es an Rat und Überlegung fehlt. Auch: Sparebrod, Wînverlater is dôd.

Ratio status in Acht nehmen.
z] Es scheint, er wisse nicht, dass heutiges Tages auch in den Heuraten ratio status wie in allem, in Acht genommen werde.
i] Ratio status, ragione del stato, raison d'etat, die Staatssaison, der Staatsnutzen.
z] Die sogenannte neue Statisterei lehret nichts anders als einen jeden Staat nach derjenigen Richtschnur, welche bei den Lateinischen ratio status, auf deutsch der Staatsnutzen heißet, es gehet nun recht oder unrecht zu, bei äußerlichem Wohlstande zu erhalten.

Rationalisierung ist die Selbstentschuldigung, die sich einstellt, wenn wir oder eine Gruppe glauben, dass man uns eines missverständnisses oder Irrtums anklagt. Robinson

Rationalisierung, das ist Käse direkt von der Kuh. Werner Mitsch

Rationalität ist der Sieg der Vernunft über die Arbeitswut. Helmar Nahr

Ratleut sollen ihren Herren einreden, da es not ist.
v] Ratleut sollen treu und verschwiegen sein.
v] Ratleute können fremder Leute Wort nicht führen.
ndt] Vromder lude wort mogen rad manne (radmanne) nicht holden. Hamburg

Rätlich sein ist das beste Einkommen.
v] Rätlichkeit und Sparsame sind des Landes bester Schatz und Vorrat, wenn man nähmlich isset vor Hunger, trinkt vor Durst, sich kleidet vor Kälte und Blöße und spendieret von Ehren, Barmherzigkeit und Notdurft.

Ratlosigkeit und Unzufriedenheit sind die ersten Vorbedingungen des Fortschritts.
Thomas Alva Edison

Ratschläge des Teufels sind die der Langeweile.
v] Ratschläge nehmen ab, wenn man lange wartet.

Ratschläge sind viel leichter als Geduld im Leid.
Euripides, Alkestis

Ratschläge sind wie Medizin: je besser sie sind, um so schlechter schmecken sie. Montenegro

Ratschläge und brennende Kohlen erhalten ihr Leben, so lange sie unter der Asche verborgen bleiben.

Ratschläge und Saaten wollen nicht immer geraten.
z] Menschliche Rat- und Umschläge seind imperfect, geraten allezeit nicht. Vnd wenn man schon plenis velis hindurch zu segeln vermeint, kann doch oft ein contrari Wind oder sonsten etwas das Schiff aufhalten, das man Segel und Anker fallen lassen muss, und sobald zum gewünschten Port nicht gelangen kann.

Ratschlägen der Weiber traue einem zum andernmal aber nicht.

Ratschlagen macht unschlüssig.
sd] Rådslå gjör rådvil.
sd] Skråck gjör mången gjäck.

Ratten kennen nur Rattenwege.
v] Ratten und Eroberer sollten im Unglück keine Gnade erwarten. England
v] Ratten und Schlangen mögen einander nicht.

Rattenlist geht über Mäuselist und Katzenlist über Rattenlist.

Ratzmann trinken.
i] Eine Art Dreimännerwein und Gesellschaftswein
z] Anno 1329 wurden die Weine so sauer, dass sie wurden schmeckend als Safft von Holtzäpffeln. Der Wein hieße Ratzmann, welch Wort Mechtel, ein Fortsetzer der Chronik also erklärt: Denn wie viel man dessen tranck, so ließe er doch den Mann bei Verstand, gleichwie alle Ratsleut verständig seyn sollen.

Raub ist Staub.
i] Unrecht Gut gedeiht nicht, vergeht wie oder zerfällt in Staub.

Raub und brand vergilt Gott mit der hand.

Raub', klaub', back' in Sack, stiehl viel in der Mühl'.

Rauben gibt genug, weil einer lebt.
bm] Loupiti není koupiti; nakona vždy více prodĕláš, než vydĕláš.

Rauben lohnt besser als betteln.
i] Wie überhaupt alle Großgeschäfte mehr abwerfen, als bloße Krämerei (Detailhandel).

Rauben und Stehlen ist keine Schande, tun es doch die Ersten (Besten) im Lande.
i] Aus den Zeiten, da der Ritter von seiner Burg herab zu Ross Reisende anfiel und plünderte, und dies für Adelsrecht und adeliche Sitte ausgab. Die Geistlichen nahmen an dieser edeln Beschäftigung teil. Auf dem Reichstage zu Augsburg 1530 verbot man diesen, 'sich weder selbst auf das Rauben zu legen, noch ihre Knechte dazu anzuhalten'. Im Nequambuch (Stadtarchiv zu Soest) befindet sich ein Bild des westfälischen Adelslebens im Mittelalter mit der Unterschrift: 'Dies sind freie Ritterssachen, die's im Lande teuer machen; sie rauben das Schaf und auch die Kuh und tun am Ende den Hals dazu.' Der alte Kartäusermönch Werner Rolewink sagt von den Raubrittern seiner Zeit: 'Ich kann den Geist von diesen Märtyrern nicht wenden, denn Märtyrer sind sie, wenn nicht Gottes, doch des Teufels.' Auf den obigen Spruch der Ritter antworteten die Bauern mit einem andern Spruche: 'Keine Sünde ist's, sie hängen, rädern, köpfen, niederstechen, wir behielten sonst nichts zu beißen und zu brechen.'

Rauben, stehlen, würgen und lügen, mit gewalt und list die leut betriegen, ist jetzund worden nur ein spiel bei allen stenden gar zu viel.
la] Causidicis, erebo, fisco fas uiuere rapto, militibus, medico, tortori occidere ludo, mentiri astrologis, pictoribus atque poetis.

Räuber sind so lange einig, bis sie ihre Beute teilen.
v] Räuber unter dem dach machen das größest Ungemach.
v] Räuber, schälk und diebe halten mit frommen kein Liebe.

Räubergut gedeiet nicht.

Raubgut, Judengut, Pfaffengut und Klosterbeut ist alles gleiche Ware.

Raubt die Liebste denn gleich mir einige Stunden des Tages,
Gibt sie Stunden der Nacht mir zur Entschädigung hin.
Goethe, Römische Elegien V

Raubvögel fliegen nicht in Scharen. Portugal
v] Raubvögel leben nicht lange.
v] Raubvögel nisten gern hoch.
v] Raubvögel singen nicht.

Raubvögel reißen einander die Beute aus dem Schnabel.
bm] Loupežníci nespravedlive berou, ale spravedlivĕ se dĕlí.
pl] Zbojcy niesprawiedliwie wydzierają, a sprawiedliwie się dzielą.

Rauch bei Altmond ist mehr als die Asche von gebranntem Land bei Neumond. Estland

Rauch bei Rauch, Bauch bei Rauch, un in der Mitte steif, sä de Paster, un dat schull'ne Deissel sein.

Rauch deine Pfeife und sei still, es gibt nur Wind und Rauch in der Welt. Irland

Rauch feile tragen (verkaufen).
i] Der Windbeutel, der mit Versprechung zahlt.
fr] C'est un vendeur de fumée.
la] Fumos vendere.

Rauch gehet vorm Feuer her und Scheltwort vor der Faust.

Rauch genug, aber keine Wärme.
dä] Det skeer ofte at man røger og ikke varmer sig.

Rauch ist alles ird'sche Wesen,
Wie des Dampfes Säule weht,
Schwinden alle Erdengrößen,
Nur die Götter bleiben stet.
Friedrich Schiller, Das Siegesfest

Rauch ist beschwerlich, frisst aber niemand.
v] Rauch ist des Armen Augenarznei. Estland
v] Rauch ist in allen Küchen.
v] Rauch ist kein Dampf.
v] Rauch ist mein Verwandter, Wasser meine Schwägerin. Estland

Rauch ist Rauch und wenn er von Weihrauch kommt.
dä] Røg af vellugtende urter gjør tiger-dyret rasende.

Rauch und Dampf gehet vorher, wenn ein feuer brennen will.
v] Rauch und eine böse Frau vertreiben den Mann aus Haus und Gau.
v] Rauch und Flamme sein.
v] Rauch und Wanzen machen die Leut' im Hause tanzen.
v] Rauch und Wärme vertragen sich. Estland

Rauch vertreibt die Bienen, Sünde die Engel.

Rauch zu Markt tragen.

Rauch, bös Weib und Regen sind einem Haus überlegen.
v] Rauch, bös Weib und übel Dach sind drei große Ungemach.
v] Rauch, bös Weib und Zwiebel bekommen den Augen übel.
dä] Røg, løg og en ond qvinde komme øjne til at rinde.
sd] Rök, lök och ond qwinna få at bäde mine ögon rinna.
sd] Rök, lök och ond qwinna komme bondens ögon til rinna.

Rauch, Gestank und ein böses Weib treiben den Mann aus seinem Haus heraus.
v] Rauch, schlimm Dach und böse Weiber können den Mann aus dem Hause treiben.
v] Rauch, Stank und böse Weiber sinds, die den Mann aus dem Haus treiben.
ho] Rook, stank en een kwaad wijf drijven den man uit zijn huis.

Rauche nur drei Jahre nicht und statt dass du ein Büffel bist und bleibst, wird dir ein solcher zu eigen sein.

Rauchen Sie nie im Bett - die Asche, die herunterfällt, könnte Ihre eigene sein.

Räuchern muss man mit den Haaren desselben Hundes, der gebissen hat. Estland

Rauchfleisch hält sich gut.

Rauchfrost auf der Flur, milder Witterung Spur.

Rauchwerk ist gut wider Teufel und Pest.
i] Nützlicher wird es offenbar gegen die letztere verwandt.
bm] Kadidlo na čerty a žalář na zlodĕje.

Räudig Schaf im Stalle verderbt die andern alle.
v] Räudige Schafe blöken am meisten.
ho] Schurftige schapen bleeten meest.

Räudige Hunde haben zähes Leben.

Räudige Schafe und stößige Böcke findet man überall.
i] Sogar mitunter da, wo der eigene Hirt nichts davon weiß. Kurz vor dem Ausbruch der Revolution zu Bologna (1831) versicherte der dortige Erzbischof zu Rom, 'dass er für seine Heerde stehe, in der es wohl räudige Schafe, aber keine stössigen Widder gebe'.

Rauer Montag, glatte Woche.

Rauf mich in der Hand..
z] Soll ein Christ geben, so muss er zuvor haben. Was nichts hat, das gibt nichts .... Sonst heißt es: Rauf mich in der Hand. Luther, VI382b.)

Raufrost auf der Flur, milder Witterung Spur.

Rauhe Lippen, rauher Salat.
i] Über dies Wort soll Lucilius Crassus das einzige mal in seinem Leben gelacht haben, sonst nie.
ndt] Ruhe Lippen, ruhen Solot.

Rauhe Weid macht rauhe Leut.
i] Einfluss des Landes und dessen Klima u.s.w. auf den Charakter seiner Bewohner.

Rauher als ein Igel.
la] Echino asperior.
la] Ex scabro in laevem nunquam vertetur echinus.
la] Totus echinus asper.

Rauher Mann, glattes Glück.

Rauher Montag, glatte Woche.

Rauhfrost auf der Flur milder Witt'rung Spur.

Raum für alle hat die Erde.
Friedrich Schiller, Der Alpenjäger

Raum ist in der kleinsten Hütte
Für ein glücklich liebend Paar.
Schiller, Der Jüngling am Bache

Raum und Zeit, ich empfind es, sind bloße Formen des Anschauns,
Da das Eckchen mit dir, Liebchen, unendlich mir scheint.
Goethe, Vierjahreszeiten – Sommer

Räum' auf, halt nichts, ist sein Begier.

Räum' auf, Mariechen! (Wenn Verwirrung in Wirtschaft, Kopf und Rede herrscht)
ho] Helder op, Machidtje.

Raupen haben oft ein schön Gestalt, aber sie verderben Garten und Wald.

Raupen muss man im Neste töten.
v] Wer die Raupen will tilgen, der mus das Nest verbrennen.
ho] De rups dient in de pop gedood.

Raus der Zahn, fort der Schmerz.
it] Fuori il dente fuori il dolore.

Raus mit die Fahna! Da is a Jaga, der no nia glogen hat!

Raus muaß er! sagt der Wurmdoktor, und wenn ma an Vorspann brauchaten.
v] 'Raus muss er, sagt die Wurmfrau.
ndt] Rût motte se, seggt de Wormdocter.

Raus, was kein Zins geit, sagt der Schwabe, und schneuzt sich in die Hand. Ulm
v] Raus, was keine Zinsen bringt, sagte der Schwabe, und rotzte sich in die Hand.

Rausch ohne Trunkenheit.
Heinrich Heine

Rausch vom Wasser endigt nie.

Rausch wider Rausch.
z] Ich hab auch dass Krauts, Rausch wider Rausch.
sd] Rus med rus fördrijfva.

Rauschen wie große Wasser.

Rauschenplatt hat keine Hörner.
v] Rauschenplatt schadet dir nicht, der Schleicher ist ein schlimmer Wicht.
v] Er ist Hans Rauschenplatt.
i] Kein Schleicher, sondern wie einer, so in dürren Blättern des Waldes einherrauscht. 'Rauschenplatt' nannten ihres Vaters Jäger auch die Prinzessin Elisabeth von der Pfalz, so lange sie noch zu Hause und nicht mit dem Herzoge von Orleans vermählt war.

Rauschig und närrisch gleicht sich zusammen.

Räuschlein führt zum Rausch.
v] Durch Räuschlein gewöhnt man sich an die Trunkenheit, durch Tändeleien ans Huren. Russland

Räusper dich, Rosstreck, der Herr will ausreiten.
z] Reusper dich, reusper dich, der Herr will reiten.

Räuspern allein tut's nicht, wenn man wohl reden will.

Raute und Salbei machen den Trunk frei.

Räuwe (Rübe) un Talg, dat hört 'n (gehört dem) Bûer in'n Balg. Eimbeck
i] Dies Wort erinnert an eine frühere Sitte der Bauern, nach welcher diese neben dem warmen Mus auch ein aus Rüben und Brotbrocken gekochtes und mit Talg gefettetes Gericht als gewöhnliches Magenbrot aßen. Hierauf bezieht sich auch die Redensart: Hei let roüwen gud mous sein.
v] Röven givt gôt Moos (Gemüse).
i] Rübenblätter geben guten Kohl; so urteilen bloß Arme, wer Geld hat, wählt Rübenblätter nicht als Kohl.

Ravenna ist von Esau erbaut.

Raz in Knochen han.
i] Kraft, Macht, Stärke.

Reacht von der Haua (Haue) falla. Schwaben (Wenn die Arbeit leicht von der Hand geht)

Reagiert auf Druck, funktioniert, rechnet, aber nicht mit seinem Besitzer, wird nicht blöde, weil er verliebt ist, und reagiert höhnisch, wenn man Fehler macht.
Dieter Hildebrandt

Reagnert (für: regnet es) des Sundâges unner der Misse, dann reagnert de gansse Wieke gewisse.

Realismus ist die leichteste Kunst und kennzeichnet stets den Verfall.
Anselm Feuerbach, Rom

Realismus: die Kunst einer Naturdarstellung aus der Krötenschau: der Zauber einer Landschaft, wie sie ein Maulwurf malt, die Geschichte, wie sie eine Spannerlarve schreibt. Bierce

Realismus: Die persönliche Brille, durch die man die Welt sieht. Helmar Nahr

Realist ist ein Mann, der den richtigen Abstand zu seinen Idealen hat. Capote

Realisten machen sich nichts vor. Sie sehen nur das, was sie glauben. Alexander Eilers

Realität in der höchsten Nützlichkeit (Zweckmäßigkeit) wird auch schön sein.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1108

Realität ist nur das, was wir jeweils als unterste feste Standfläche mit dem Fuße ertasten - geschieht es auch im Dunklen, so ist uns doch immer genaue Kenntnis davon verliehen - und wo wir doppelten Boden wollen, um auf ihm über der Realität zu verweilen, dort wissen wir's auch genau, und erkennen sofort den hohlen Klang beim Auftritte. Wir sind in solchen Fällen zu Auftritten überhaupt geneigt, wir lieben es dann, fest aufzutreten, was den Ton des doppelten Bodens verstärkt. Doderer

Realität: der Unterschied zwischen dem, was uns freut, und dem, womit wir uns trösten. Laub

Rebell: Verfechter einer neuen misswirtschaft, die sich nicht hat durchsetzen können. Bierce

Rebellen sind unruhige Gesellen.

Rebellion gegen Tyrannen heißt Gott gehorchen. England

Reben führen herein und wieder heraus.
v] Reben können den Bauer ausziehen, aber auch wieder anziehen.
v] Reben lassen einen fallen, bis an den Rhein, aber nie ganz hinein.
i] Ausspruch der Winzer in einer schlechten Weinernte.

Reben verfolgen das Leben.
i] Von unmäßigem Weingenuss.

Rebensaft, des Lebens kraft.
z] Bist mir recht willkommen, du edler Rebensafft; ich hab gar wohl vernommen, du bringst mir süße Krafft.

Rebhänsleins Weise.
i] Personifikation des Weins.

Rebhuhn und Schnepfe geben gute Bissen in die Näpfe.
en] If the partridge had the woodcocks thigh, it would be the best bird tat ever did fly.

Rebhühner am Mondschein braten (wollen).
v] Rebhühner und nichts als Rebhühner, klagte das Hoffräule.

Reche Manns Kenger un ärm Manns Renger sind früh grussjährig. Bedburg

Rechen und Gabel haben nicht einen Schnabel.
fr] Après rastel n'a mestier fourche.

Rechenpfennige gelten nur im Spiel.
v] Rechenpfennige sind keine Dukaten.
i] Manche bilden sich ein, mit neuen Worten auch neue Ideen erfunden zu haben; diese halten auch Rechenpfennige für Dukaten.

Rechne genau, auch der Februar hat einunddreißig Tage.
en] Reckon right, and February has one and thirty days.

Rechnen hilft haushalten.
v] Rechnen reinweg und oft ist der Freundschaft rechte Nahrung.

Rechnen wie Juden und bezahlen wie Brüder.
bm] Trhujme po židovsku, a plat'me po bratrsku.
lit] Derrĕk kaip žydas, užmokĕk kaip kriszczonis.

Rechnen, wenn's Gütchen vertan ist.
v] Rechnen, wann der Säckel leer ist.
la] Post rem devoratam ratio.

Rechnest du auf Lohn, so hast du ihn schon.

Rechnung für Rechnung ist berichtigt,
Die Wucherklauen sind beschwichtigt,
Los bin ich solcher Höllenpein,
Im Himmel kanns nicht heitrer sein.
Goethe, Faust II A I, Lustgarten / Marschalk Vs 6041f.

Rechnung ohne den Wirt gilt nicht.
fr] Qui compte sans son hôte, compte deux fois.
la] Frustra secum rationes putantur.

Recht (wohl) getan, ist willkommen bei jedermann.
dä] Naar vel er gjort, takker hver mand sig.

Recht als ein Sieb, das Wasser rehet, ohn bücher niemand wird gelehrt.

Recht beten ist halbe Arbeit.
v] Recht beten, halbe Arbeit.

Recht bleibt (doch) Recht, aber man verdreht es gern.
v] Recht bleibt allzeit und ewig Recht.
v] Recht bleibt Recht, aber man verdreht's gern.
v] Recht bleibt Recht, bis man's verdreht.
v] Recht bleibt Recht, und wer es auch hat, es zeigt sich am Ende. Reineke Fuchs 11. Gesang Vs 321
v] Recht bleibt Recht, wenn man's nicht verdreht.
v] Recht blieb wohl recht, wenns armen Leuten werden möcht.
ho] Het regt drijft boven.

Recht darf man nicht verkaufen.
v] Recht darf nirgends wenden.

Recht edel werden ist vil mehr, dann edel sein von Eltern her.

Recht erworben Gut wudelt wohl.

Recht fasten, heißt Sünde meiden.
v] Recht getan ist wohl getan, wohl getan schwindet nicht.

Recht find allzeit sein Knecht.
v] Recht findet sich.
i] Wer Recht hat, dem wird Recht; nur oft sehr spät.

Recht fleißig sei, und Gott steht bei.

Recht geht über Verwandtschaft (o. Freundschaft).
v] Recht geht über Gehorsamkeit. Estland
v] Recht geht vor Macht. (Wahlspruch der den Rechtsstaat anstrebenden politischen Partei. Mit diesen Worten legte der Graf Schwerin-Putzar in der Sitzung des preussischen Abgeordnetenhauses vom 27. Januar 1863, während der Zeit des großen Verfassungsstreits, Verwahrung gegen eine Rede des Ministerpräsidenten von Bismarck ein, die in dem Satze zu gipfeln schien: 'Macht geht vor Recht.' Schwerin erklärte unter der Zustimmung des Hauses den umgekehrten Satz: 'Recht geht vor Macht', für die Grundlage der vergangenen wie der künftigen Größe des preussischen Staats. Der jetzige Reichskanzler hat gleichwohl damals und später zu wiederholten malen jenen Satz von sich abgelehnt. In der Tat hatte er auch von der Volksvertretung nur ein Entgegenkommen verlangt, weil Conflicte zu Machtfragen würden, in denen als Sieger hervorgehe, wer die grössere Macht besitze. Es waren zwei verschiedene Weltanschauungen, die sich in abweichender Auffassung der Lage des Augenblicks begegneten, eine ethisch-ideale, sich allein auf ihr inneres Rechtsbewusstsein stützend, aber thatlos, und eine politische-realistische, von dem Gefühl der eigenen Kraft getragen und zum Handeln fortgetrieben. In die Bücher allgemeiner Bewunderung wird freilich allemal 'Macht vor Recht' eingetragen, aber hinter der goldrothen Schrift der Machthaber steht mit bürgerlich schwarzen Buchstaben der Satz: 'Recht geht vor Macht' und die Namen ihrer Träger)
ho] Regt gaat boven maagschap.

Recht gelt wing, G'walt hôt Recht. Österreich-Schlesien

Recht gerne, siet de Buer, wann he maut (muss). Grafschaft Mark
v] Von Herzen gern, sagen die Bauern, da müssen sie.

Recht gestorben ist besser, denn bößlich gelebt.
v] Recht gewogen bringt Gottes Segen.

Recht gut wissen wir, dass in einzelnen menschlichen Naturen gewöhnlich ein Übergewicht irgendeines Vermögens, einer Fähigkeit sich hervortut und dass daraus Einseitigkeiten der Vorstellungsart notwendig entspringen.
Goethe, Zur Morphologie II,2

Recht haben hängt nicht von einer lauten Stimme ab. China

Recht hängt am Galgen.
v] Recht hat kein gewalt, Gewalt hat recht.

Recht hast du, aber schweigen musst du.
v] Recht hast du, sagte der Mann zu seiner Frau, aber schweigen sollst du.
v] Recht hast, Frau - aber 's Maul sollst halten!

Recht hat der Landmann, recht hat der Seemann. Estland

Recht hat jeder eigene Charakter,
Der übereinstimmt mit sich selbst.
Friedrich Schiller, WallensteinsTod (Gräfin Terzky)

Recht hat manchmal Hilfe nötig.
v] Recht hat nicht immer Erfolg, aber Erfolg hat immer Recht.

Recht hat, wer glücklich ist!
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1863)

Recht hat, wer so lange zahlt, bis er's hat.

Recht hattest du? - Das will nicht viel bedeuten. Nur was du wirktest, reicht in Ewigkeiten.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Recht hättest, aber schweigen solltest (du). Schwaben

Recht hin, Recht her, ein jeder tu', was ich begehr.
la] Sic volo, sic jubeo, sit pro ratione voluntas.

Recht hört man gern.
mhd] Recht hort man gern.

Recht is, was Gott laibt (liebt), wer a Goas (Gans) stiehlt, is koan Bocksdaib. Oberpfalz
i] Der Richter muss den Fall entscheiden, wie er liegt.

Recht ist das Ergebnis von Pflichten: Pflicht ist Das Recht anderer auf uns. Spengler

Recht ist das, wogegen die öffentliche Meinung keinen nachhaltigen Widerspruch erhebt. Wiggins

Recht ist der Lande Widerhalt.
dä] Løg eru landanna vidhhald.

Recht ist der Schutz des Menschen vor dem Menschen durch den Menschen um Gottes Willen. Werfel

Recht ist die Einschränküng der Freiheit eines jeden auf die Bedingung ihrer Zusammenstimmung mit der Freiheit von jedermann, insofern diese nach einem allgemeinen Gesetze möglich ist. Kant

Recht ist domestizierte Staatsgewalt Hofmann

Recht ist ein gelähmter (geschlagener) Knecht.
la] Terris astraea recessit fasque relegatum sub pedibusque jacet.

Recht ist ein gemeiner Name, aber Ehe ist ein Unterschied des Rechts.
z] Unter allen Verhältnissen gibt es etwas Höheres, als die gegebenen und gesetzten Begriffe; und dies führt den allgemeinern Namen Recht. Natürliches und gesetztes Recht (Ehe) bilden Unterscheidungen innerhalb dieses Begriffs, die indess nicht friedliche Gegensätze, sondern nur verschiedene Erscheinungsformen sind.

Recht ist ein Igel, daran man Händ und maul verletzt.
z] Man muss es daher mit geharnischter Hand erwischen.

Recht ist Erfahrung, entwickelt aus der Vernunft und angewandt, um die Erfahrung zu fördern. R. Pound

Recht ist Friedensstifter unter Brüdern.
dä] Løg eru brædhra sættir.

Recht ist für Wachende, Glück für Schlafende, Liebe für Träumende, Gnade für Sterbende: so wird jedem das Seine.

Recht ist gerade. (Wird es gebeugt, so ist es keins mehr)

Recht ist gesetzt, damit es kein Machtwort breche.
i] Man sagt aber auch, oder denkt wenigstens: Wozu wären die falschen Eide, wenn sie nicht geschworen werden sollen, und wozu die Gesetze, wenn man sie nicht übertreten wollte. Die Gesetze sind Spinnweben, die ein Hindernis für Mücken, aber nicht für den Ochsenknecht bilden.
isl] Lög eru thar fyrir lögd, adh bodhordh skuli eibrjota.

Recht ist kein Unrecht, Wille kein Landrecht.
v] Recht ist mehr als Reichtum. Estland
v] Recht ist Recht und bleibt Recht.

Recht ist Steuer und Grundfeste alles Guten.
mhd] Reht ist eine sture und eine grundfest aller guten dinge.

Recht ist über hübsch.
v] Recht ist, was gilt.

Recht ist Wahrheit, Wahrheit ist Recht.
v] Recht ist wahr.
dä] Rèt er sat.

Recht ist Wille zur Gerechtigkeit. Radbruch

Recht ist, was de Herren wollen, sagt Reisemann.
i] Reisemann, ein unternehmender jüdischer Geschäftsmann, gebrauchte das Wort in einem Prozess und zog sich dadurch noch einen andern zu. Der Maire von Coulanges schrieb bei Gelegenheit der Wahlen an seinen Polizeicommissar: 'Die Hühner des Herrn Gérard, der sich in feindseligen Äußerungen gegen das Gouvernement gefällt, spazieren auf der öffentlichen Straße herum. Stellen Sie ihn sofort unter Anklage. Verwechseln Sie aber die Hühner der Freunde der Regierung nicht mit den Hühnern der Gegner derselben.'
mhd] Dat recht brengt man zuo hove vort, dat der here gerne hort.

Recht ist, was den rechten gemess geschiht.
la] Hoc possumus quod de jure possumus.

Recht ist, was der proletarischen Klasse nutzt. Lenin

Recht ist, was keck behauptet und überzeugend verfochten wird. Burr

Recht ist, was zu beweisen war. Christian Diekholtz

Recht kommt von Gott.
fr] Le droit dérive de la capacité.
mhd] Reht komt von got.

Recht lässt sich nicht verdrucken.
sd] Rätt blijr fulle rätt, fast paddor wrångia.

Recht Lüte (Leute) hei recht Sache. Solothurn
i] Ausruf derer, die ihre bürgerliche Stellung betonen vollen.

Recht machen (d. i. sprechen) ist besser als Recht bekommen. Estland

Recht mag (kann) nicht unrecht werden.

Recht mag den Leuten allen kaum wohlgefallen.
mhd] Daz recht mag den laevten allen chavm wohl gevallen.

Recht Maß und Zeit, das beste Kleid.
dä] Agt tiid og maade i dit levnet.

Recht mot Recht bliwen.
v] Recht mot sin Gang hebben.
i] Es hat seinen Gang, wenn sich ein Prozess vom Vater bis zum Enkel durch mehrere Geschlechter fortschleppt.

Recht muss (doch) Recht bleiben. Ps. 94, 15
ndt] Recht mot Recht blîwen.
z] Das gemeine Recht ist so stark, dass es zuletzt noch jedem Verächter den Hals gebrochen hat.
it] Quello ch' è da esser de' lupi, non sarà mai de' cani.
la] Res quocunque cadant, semper stat linea recta.
la] Tandem bona causa triumphat.

Recht muss doch Recht bleiben. Psalm 94, 15
v] Recht bleibt Recht, aber man verdreht's gern.
fr] Il faut que force reste à justice. (Der Gerechtigkeit muss Gewalt (o. Macht) bleiben.)

Recht muss man finden, nicht bringen.
i] Nämlich in der Tasche oder in der krummen Hand.

Recht muss Recht bleiben, sagte das Schaf, da ward es vom Wolfe gefressen.
v] Recht muss Recht bleiben und sollten Kopf und Arsch sich reiben.
ho] Regt moet regt zijn, al zou men malkander in riemen snijden (met stokken slaan).

Recht muss Recht finden.

Recht nicht genügt, wo es links überwiegt.
la] Ubi praevalet vis, fas, ratio, jus et lex silet.
pl] Prawo nie pomoże gdzie lewo przemoże.

Recht oder Unrecht - mein Vaterland.
en] Right or wrong, my country.

Recht ohne Gnade ist Unrecht (Tyrannei).
z] Kein Volk der Erde hat Recht und Billigkeit so zu vereinigen gewusst, wie das deutsche, das seine Rechtsbücher auf den Grundsatz gebaut hat: Mit der Gerechtigkeit gehe allzeit die Barmherzigkeit; die Gerechtigkeit ist grausam ohne Milde.
i] Beim Einzug des Richters verlangen die Weistümer tiefsinnig und schön die Sinnbilder der mit Milde vereinigten Gerechtigkeit: der Gerichtsherr soll einen einäugigen Büttel schicken, der ein einäugiges Pferd hat, Steigleder von Lindenbast, hölzerne Steigreife und Sporen von Hagedorn. Wie die Gnade gelinder ist als das Recht, soll das Reitzeug von weicherm als sonst üblichem Stoff gefertigt sein.
mhd] Recht sunder genaden ist unrecht.

Recht raten gefällt den Königen wohl, und wer gleich zuredt, wird geliebet.

Recht reden bricht keinen Augenstern. Surinam
i] Für Recht und Wahrheit sprechen ist keine Schande.

Recht richten ist recht.
v] Recht sagt ein Mann dem andern.

Recht scheidet wohl, aber es freundet nicht.
v] Recht scheidet, der Vergleich sühnt.

Recht schimmert doch den Leuten in die Augen, wenn mans gleich verdunkeln möcht.

Recht siegt (siecht), Unrecht erliegt.

Recht spricht man schwerlich mit dem Schwert.

Recht tun ist besser als recht haben.
v] Recht tun ist keine Sünde.
v] Recht tun kan niemand, er wisse dann was recht ist.
v] Recht tun lässt sanft ruhn.
v] Recht tun und reden lassen.
fr] Bien faire et laisser dire.

Recht tut, wer tut, was Lohnes wert, und doch des Lohnes nicht begehrt.

Recht und Bill lassen sich drehen, wie man will.
v] Recht und Bräuche scheiden die Lande.

Recht und Falsch existieren nicht getrennt, sondern wie Schwarz und Weiß in der Natur.
Vincent van Gogh, Briefe

Recht und gerechtigkeit sitzt zu Haupt der Fürsten und nicht unter ihren Füßen.
it] Morta la ragione langue la giustizia.

Recht und gleich ist alles Haders End.
v] Recht und gleich wird mit Gottes Segen reich.
v] Recht und gut gemacht, wenns zuvor bedacht.

Recht und Redlichkeit währt am längsten 's macht, man braucht's am allerwenigsten. Aargau

Recht und schlecht sind zwei verschiedene Dinge.
v] Recht und schlecht, das ziert den Mann.

Recht und Unrecht beißen einander in den Schwanz.
z] Darum muss man nicht die verfluchen, die vor dem Recht das Weite suchen; denn in dem Recht ist's oft sehr enge, da ist das Weitere die Länge.

Recht und Unrecht sind Nachbarn.
z] Eine Messerscheide breit, ist das Recht vom Unrecht weit. Wer aber sitzt auf der Schneide, kommt sicherlich zu Leide; drum sei du auch kein Firlefanz und habe eins von beiden ganz.

Recht verkehren tut mich nähren.
i] Wahlspruch schlechter Advokaten.
la] Bonorum extortor, legum contortor. Terenz

Recht wägen und teuer verkaufen.
en] Weigh right, and sell dear.
it] Pesa giusto e vende caro.

Recht währt am längsten. Estland

Recht währt, Bosheit zerfällt, Hochmut fällt plötzlich. Estland

Recht wäre wohl recht, wann man es nur lies sein recht, das dann sich beklaget mancher knecht.

Recht wird weder enger noch weiter.
v] Recht wüst ist auch schön.

Recht zerreißt Gedinge.
i] Verträge, welche gegen die Gesetze verstoßen, sind nichtig.

Recht zu handeln,
Grad zu wandeln,
Sei des edlen Mannes Wahl.
Soll er leiden,
Nicht entscheiden,
Spreche Zufall auch einmal.
Goethe, Lieder für Liebende - Schauen kann der Mann...

Recht zu tun biss schnell, in räten lass dir der weil.
la] In virtute Delphinus, in consilio ancora.

Recht zu tun ist die beste Rache. England

Recht zuhören macht weise.

Recht zum Feste kommen.

Recht, das sich stützt auf Gewalt, wird nicht alt.

Recht: der Wille, ein jeweiliges Machtverhältnis zu verewigen. Nietzsche

Recht: die Summe der in einem Staate gettenden Zwangsregeln. Ihering

Recht: Gewohnheiten und Denken der Gesellschaft nehmen eine feste Form an. Woodrow Wilson

Recht: Zwangsregeln, welche die Öffentlichkeit verlangt, respektiert, in Kauf nimmt, duldet oder erträgt. Wiggins

Rechte armut ist alweg reich.

Rechte Beter sind auch gute Danker.

Rechte Buße kommt nie zu spät.
it] Un buon pentirsi non fu mai tardo.
la] Poenitentia vera nunquam est sera.

Rechte eheleut sollen nicht gute tag haben, es muss vnglück und mühe da sein.

Rechte Herzenfröhlichkeit wächst aus Gottes wort.

Rechte Kinder bekommen bunte Röcklein, Stiefkinder nur graue.

Rechte Lieb grauet oder dorrt nimmer.
fr] Bien aime qui n'oublie bien faict.
fr] Ki bien aime à tart oublie.
ho] Regte liefde vergeet niet ligt.
pt] Bem ama, quem nunca se esquece.

Rechte Lieb überträgt viel.
v] Rechte lieb verlöscht nit bald.
v] Rechte lieb wendet sich nit leicht.

Rechte Liebe geht durch Handschuhe.
v] Liebe macht die Zeit vergehen und geht über Handschuhe hinaus. Mailand

Rechte Liebe hält einen Puff aus.
v] Es ist eine feine Liebe, die von einem Schlag zerbricht. Russland

Rechte Liebe heuchelt (verstellt sich) nicht.
sd] Kärleken skrymtar intet.

Rechte Liebe ist Dauerobst.
v] Wahre Liebe wird nicht bald vergessen. England
v] Recht liebt, wer nicht vergisst. Portugal

Rechte Liebe kann auch ernste Blicke werfen.
sp] Parque te quiero, te apperreo.

Rechte Liebe wird vergnügt, wenn sie ihresgleichen kriegt.
i] Wenn die Ehe nicht kinderlos bleibt.

Rechte Maß halt mit dem Glas, es macht sonst nass.
v] Rechte Maß het Gott lêv.
mhd] Zu kurz, zu lang fûrhonet als spil, die rechte màz ist daz zil.
mhd] Wer recht mâz halten kan ez sî daz wîp oder der man die sint sêlig von got geborn.

Rechte reichtum kamen nie um.
i] Reichtum an großen Ideen ist der rechte Reichtum auf Erden.

Rechte reichtum kann kein Dieb stehlen, kein schab verzeren, noch kein rost fressen.

Rechte Schulkunst ist so hoch, dass sie mit keinem Geld kan bezahlet werden.

Rechte sind Güter, die sich auf die Macht gründen. Mit der Macht sinken die Rechte dahin.
Rivarol

Rechte treu ist ein werter gast, wer dieselb hat, der halt sy fast; nyt lieber liefft ich vff erden, dan dass mir rechte trew mogt werden, dass ich des gar nit befynden, tut mir fleisch und bloit verswinden.

Rechte Zeit halten, ist ehrlich.
v] Rechte Zeit und Statt find't allezeit Genad.

Rechte: der Mächtigere stellt die Funktionäre gegeneinander fest. Nietzsche

Rechten Adel spürt man an adeligen Tugenden, nicht an Kleidern oder Ketten.
i] Was der Adel unter adeligen Tugenden versteht, kann man zum Teil aus den Zunamen ersehen, den früher adelige Geschlechter führten. Bei den Dänen finden wir die gekrönten Juul's, die kühnen Vind's, die treuen Kruse's, die schönen Marsvin's, die guten Grubb's, die lustigen Brahe's, die kostbaren Lycko's, die hochgesinnten Skram's, die beredten Parsberg's, die schwarzbärtigen Munk's, die bösen Brusk's.

Rechten ist fechten.
v] Rechten ist kriegen, von beiden weiß Gott das Ende.
v] Rechten ist recht, aber unfreundlich.
v] Rechten ist recht, aber unrecht.
v] Rechten kostet Geld.
v] Rechten macht sorg und kosten lang, hat doch ungewissen aussgang.

Rechten und Borgen macht Kummer und Sorgen.
la] Comes aeris alieni et litis est miseria. Plinius

Rechten, spielen und bauen, Bürg werden und trauen, buhlen und naschen macht gemeinigklich leere taschen.
v] Rechten, spielen und prächtig bauen. Bürge werden, viel vertrauen, über seinen Stand sich zieren, Gäste halten, bankettieren, viel der Hunde und viel der Rossen, übrig große Hausgenossen, dazu Löffeln, Buhlen, Naschen macht leere Küchel und Taschen.
it] Femmina, e gioco, e mala compagnia, far lite, e indarno star, e far vendetta, seguir la gola, e viver senza meta fan l'uomo impoverir, voglia che sia.

Rechter Dank
Wird nicht krank,
Pflegt im Danken
Nie zu wanken.
Friedrich von Logau, Sinngedichte

Rechter Krieger Messer steckt hart; müssen sie es zücken, so kompts nit ohn Blut wieder in die scheiden.

Rechter Mann hilft, wo er kann.

Rechter Richter, richte recht, Gott ist Richter, du bist Knecht.

Rechtes Maß und nur aus einem Fass. [RSpW]
i] Es war untersagt, gleichzeitig aus mehr als einem Fass zu zapfen, um die Untermischung von schlechterm Getränk zu verhüten.
mhd] Rechte masse und nur aus einem vasse.

Rechtest du um ein Huhn, nimm ein Ei und lass den Handel ruhn (fahren).

Rechtfertigkeit zerstört die Ungerechtigkeit.
altfries] Dio riuchtfirdicheed vorsteert da onriuchtfirdicheed.

Rechtigkeit mot sîn.
i] Gerechtigkeit. einem jeden soll(te) sein Recht werden.

Rechtliche Freiheit: die Befugnis, keinen äußeren Gesetzen zu gehorchen als zu denen ich meine Bestimmung habe geben können. Kant

Rechtlichkeit ist eine Mauer, die das Wasser nicht verzehrt und kein schwer Geschütz zerstört.

Rechtmäßig sind allzeit nur durch echte Leidenschaft geknüpfte Bindungen.
Stendhal, Verstreute Gedanken

Rechtmessiger ernst ist kein Tyranney.

Rechts es der niechste Weig. Aachen

Rechtschaffene (od. Gerechte) und Ungerechte gehen alle den Weg entlang. Estland

Rechtschaffene Leute haben viele Kinder.
v] Rechtschaffene Leute kommen überall fort (sind überall willkommen).
fr] Bonne maisnie tous dis se paist.
fr] Famille de braves trouve toujours à vivre.

Rechtschaffene Leute lieben den hellen Tag, aber die Bösen die Finsternis.
fr] Gens de bien aiment le grand jour, et les méchants les ténèbres.

Rechtschaffene und Ungerechte gehen alle den Weg entlang.

Rechtschaffener Mund spricht aus Herzensgrund.
it] La penna della lingua si deve intingere nell' inchiostro del cuore.

Rechtschaffener Sinn und reine Hände sind mehr als Gold und Schätze. Estland
v] Rechtschaffener Sinn, rechtschaffene Rede. Estland

Rechtschaffenheit ergießt sich in kein Meer. (Wer recht handelt, geht nicht unter)

Rechtschaffenheit ist das beste Mittel, den Lästerern (Verleumdern) das Maul zu stopfen.
la] Ora virtute obtura, non metu.

Rechtschaffenheit ist für die meisten die Ursache ihrer Armut.
la] Causa paupertatis plerisque probitas est.

Rechtschaffenheit liebt jedermann und lässt sie betteln gahn.
la] Probitas laudatur et alget. Juvenal

Rechtshändel machen die Reichen arm, die Freien zu Knechten, die Fröhlichen traurig und bringen endlich ins Grab.

Rechtshändel, Wirtshäuser und viel Arzneien bringen bald ins Spital.

Rechtssätze: systematisierte Ungerechtigkeiten. Lohberger

Rechtsstaat ist für uns nicht nur ein politischer, sondern ein kultureller Begriff. Er bedeutet die Wahrung der Freiheit gegen die Ordnung, des Lebens gegen den Verstand, des Zufalls gegen die Regel, der Fülle gegen das Schema, kurz dessen, was Zweck und Wert ist, gegen das, was nur zweckmäßig und nur insoweit wertvoll ist. Radbruch

Rechtsum, kehrt euch! streckt die Arme nach Frankreich. Ulm

Rechttun hat guten Namen zum gefährten.
v] Rechttun hat keinen Bann.
v] Rechttun hat mich betrogen, ich thet recht und ward verlogen.
v] Rechttun ist das best.
v] Rechttun ist der Maßstab des rechten Wissens.
v] Rechttun ist die beste Rache.
v] Rechttun ist die beste Staatskunst.
v] Rechttun ist Gott lieb, seit de Kernedieb; hett i nu e Mugge gnoo, so wer i besser furtchoo. (Kernedieb = Korn- oder Getreidedieb)
v] Rechttun ist keine Sünde.
v] Rechttun ist sein selbst lohn, unrechttun sein selbst spott und Hohn.
v] Rechttun ist über hübsch.
v] Rechttun lässt sanft ruhn.
v] Rechttun verliegt sich nicht.
z] Recht don ess kene Sünde.
mhd] Recht tun der hat kein ban.
en] Get a good name and go to sleep.
ho] Regt te doen mag bij allen bestaan, de opregte sneeft nergens.
it] L' onestà è la miglior politica.
la] Magnum est praesidium innocentia.
la] Tantum scis, quantum operaris.

Reck mêr in ens eröm (reiß mich in eins herum), dat ich inn och ens bütze. Köln (Scherzwort beim Abschiednehmen)

Red' du denn, wenn d' Henne brunzen.
v] Red' du on noch êner, denn rede ehre twê.
v] Red' du, Kohn (oder Kohnheim).

Red' einer dir zu nahe, er hat dir drumb kein Beulen geschlagen.

Red' einer schlecht von dir, sei's ihm erlaubt, doch du, du lebe so, dass keiner es ihm glaubt.

Red' kömpt von jnnen.
v] Red macht etwa lüg zur wahrheit.
v] Red mer ken Loch in de Kopf.

Red' mit a Schwanz Chochmes (Weisheit). Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Im allgemeinen als Warnung, sich mit einem dummen Kerl, dem im Jüdisch-Deutschen das Epitheton 'Schwanz' beigelegt wird, in eine Unterhaltung einzulassen. Im besondern dient diese Redensart als Antwort auf die Frage, warum meistens arme Leute viele Kinder haben, die sie schwer oder gar nicht ernähren können. In diesem Falle erhält es den Sinn des talmudischen Spruchs: Für Unkeuschheit gibt es keinen Vormund, oder der Geschlechtstrieb ist schwer zu zügeln. Dann steht aber das betreffende Wort für Penis.

Red' möt de Kobbel, wenn det Fölle söggt (wenn das Füllen saugt). Alt-Pillau
v] Red' möt de Kuh französch.

Red' möt dem Dammelge (Dwatsche), wascht klôk.
v] Red 'n Wort oder lass 'n Furz. Pommern
v] Red nicht alles, was du weißt. Grimmelshausen
v] Red nit vor deim gemüt.
v] Red ohn zeit und statt hat kein fug noch gnad.
v] Red' ohne Zeit und Statt hat kein Fug noch Gnad'.

Red' tutirisch ün terkisch. Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Du magst tatarisch oder türkisch reden (zu ergänzen:) es wird dir nichts helfen. Es ist alles Reden umsonst.

Red' und Antwort geben.

Red' von Hörensagen ist sobald erlogen als wahr.
v] Red' vorsichtig, es liegt ein brand im feuer.
v] Red' wenig und machs war, was du borgst, bezahle bar.
v] Red' wenig, gedenck viel und schreib wenig.

Red' wenig, hör viel.
en] Hear twice before you speak once. Wide ears and short tongue is best.
fr] Grandes oreilles, courte langue.
fr] Une bouche et deux oreilles.
it] Odi, vedi e tace, se voi viver in pace.
it] Parla poco et ascolta assai, e giammai non fallirai.
sd] Hör mycket, tala litet.

Red', oda scheiss' Buogschdâb'n (Buchstaben). Niederösterreich
i] Damit man es sich wenigstens zusammenbuchstabieren kann.

Red'n, wan d' Gäns brunzen. Oberösterreich
i] Gar nicht, nie reden oder zu reden haben.

Red't Ji man, de Bart wat Ju wohl wassen, seggt Schoster Lang in Wusterhusen. Greifswald

Red, das ich verstee, ich kan nit böhmisch.
v] Red', richt' und trau nit bald.

Red, dass ich dich sehe.
i] Diese Worte sagte Sokrates zu dem Sohne eines reichen Mannes, dessen Fähigkeiten er prüfen sollte. Er sprach dadurch aus, dass die Sprache der sicherste und untrüglichste Spiegel der Seele sei.

Reddet d' Apen, reddet d' Bêwerkatten, rept d' Bûere un frit't Flat. Lüneburg

Rede dann, wenn schweigen schaden kann.
bm] Mluv pane Martine, at' tvá vĕc nehyne.

Rede das best, es darff dannoch glück, dass es gerath.

Rede das Meiste mit dir selbst.
i] Empfehlung der Selbstprüfung.

Rede gerade, selbst wenn du dann krumm (krummgeschlossen) sitzen musst. Rumänien

Rede heißt die Anstrengung eines Sprechers, der eine Versammlung dazu bringen will, das Kompliment seiner Anwesenheit durch die Annahme seiner Ideen zu erwidern. Unbekannt

Rede kommt von innen.

Rede lässt sich reden, gut Bier lasset sich trinken; rechte Taten sind die beste Antwort.

Rede macht Rede.
it] Il dir fa dire.

Rede mit ihm und da hast du den Deutschen.
i] Sagt der Ruthene, um auszudrücken, dass er jemanden nicht verstehe.
ruth] Howory s nym, a on niméc.
i] In den Augen der, wie sie selbst sagen, an der Spitze der Civilisation marschirenden Culturvölker, als der Franzosen, von denen drei Viertel nicht lesen und schreiben, aber gut tanzen können, der mit ihnen geistesverwandten Polen, welche vorherrschend mit Schweinen und anderm Gethier in einer uns wenig zusagenden gesellschaftlichen Verbindung leben; der Czechen, in deren Ortschaften Schmutz und Bettel herrschen, sind die Deutschen nur Barbaren. Der Pole nennt die deutsche Sprache, mit französischer Bescheidenheit, eine 'Sprache der Böcke' Barani język. Nach seiner Anschauung versteht der Deutsche nicht einmal vernünftiger Leute Wort: Jak niemiec glosu ludzkiego nie rozumie.
lit] By wokitys batsa żmogaus ne suprant.

Rede nach der Tat ist zu spat.

Rede nicht gegen die Sonne.
v] Rede nicht ehe, man frage dich denn.
v] Rede nicht wider die Sonne.
v] Wirf deinen Speer nicht nach einem eisernen Götzen. Arabien
it] Non parlar senz' esser interrogato, cosi sarai più stimato.

Rede nicht in einer fremden Sprache, wenn nicht jeder sie versteht!
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Rede nicht mit dir selber, man möchte sonst sagen, dein Zuhörer sei ein Narr.
v] Wer nur bei sich selber gelernt hat, hat einen Narren zum Meister gehabt. Russland
fr] Parler tout seul, est signe de folie.

Rede nicht über das, was du gesehen hast, wisse nicht, was man dich fragt, mische dich nicht in fremde Angelegenheiten, und wenn du nichts zu tun hast, kehre zeitig heim.

Rede nicht von Dingen, die außer dir schwerlich jemand interessieren können!
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Rede nicht von klein zu einem Zwerg. China

Rede nicht, denn im Hause ist ein offenes Loch.
v] Rede nicht, wo kein Ohr ist.

Rede nicht, Pereles!
i] Diese Redensart aus der (1859) erschienenen und häufig gegebenen Posse einer von unsere Leut ist in Wien sprichwörtlich geworden. Sie wird gebraucht, um zu sagen, man solle kein Wort über die (traurigen) öffentlichen Verhältnisse verlieren.

Rede nichts, dann guts zu eim dinge, es gerat dannoch, wie es mag.
la] Et bene loquendo, vix bene succedet.

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