Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
T

und oder

'T balgt wohl, man 't talgt nich.

'T Best' in't Midden, säd(de) de Düwel, dô lêp (oder: günk) he tüsken (zwischen) twê Pâpen (Pfaffen). Ostfriesland

'T beste Bên för. (Immer munter und rüstig vorwärts)

'T Brot wurd unglîk verdênt un ok vertêrd. Ostfriesland

'T Dick hett 't mêste Geld köst. (Sagt der Holsteiner, wenn er jemand zum Kaffeetrinken nötigt, nachdem er bereits bis aufs Dicke und Trübe abgeschenkt ist)

'T Dicke hölt noch hinner, säd' de oll Frû, un schêt 'ne Worpschüffel (Wurfschaufel) ut, dôr kam de Stêl toîrst. (Das Dicke (nämlich Ende) hält noch an irgendeinem Hindernis, kann noch nicht heraus, oder kommt noch nach)

'T en is nie assan Kerremisse (Kirmes), woar 't Vantje uîtstikt. Franz. Flandern

'T êne folget ût'n annern, as 't Kalw ut'r Kôh. Münster

'T es beter ût der dören (Tür) gân, as ut dem finster to stîgen. Lübben.

'T fallt nien Mûs (Maus) unner'n För Heu dôd. Rastede
i] Trostwort für zarte Frauen, die große, starke Männer heiraten.

'T Fell berai'en. Grafschaft Mark (Das Teil bereiten, d.i. gerben)
v] 'T Fell bläoen (bläuen).
v] 'T Fell fersuälen. (Das Fell versohlen: ihn so schlagen, dass er Schwielen wie Sohlleder bekommt)

'T Fûl (Faule) van de Melk. (Eigentlich das Fette, die Sahne von der Milch, uneigentlich das Beste, das Edelste von der Sache)

'T gait 'ne, oasse dän Gääsen (Gänsen) tëu Dealbrügge, dai hät üren eigen Kopp. Driburg

'T gait (geht) 'n ässe dän Gäsen tëu Dealbrügge, dai hät (haben) üren eigen Kopp. Driburg

'T gait der mall (schlimm) her in de pôlske Krieg; man (aber) de der nêt kummet, word der ôk nêt schaten.

'T geht nargens (nirgends) maller (dümmer, törichter) her, see de Junge, as in de Welt un in mîn êgen Vaars un Moors Hûse. Ostfriesland

'T geiht (geht) ne wieder, söä' de Knecht, mênste, ick häw'n Ekbom in 'n Oars.

'T geit (geht) der bi lang as Snöter bi de Pankoek. Ostfriesland

'T geit (geht) hüm as de Swîne, de doen erst gôt, wenn se dodt sündt. Ostfriesland

'T geit der düll her (es geht da toll her) in de poolse Krieg; man de der nich kummt, wurd der ôk nich schaten. Ostfriesland

'T geit der her as in 'n Jôdenkark. (Wer kein näheres Verständnis des jüdischen Gottesdienstes hat, wird nicht glauben, dass bei der Gebetweise Andacht sein könne)

'T geit der mall (wunderlich) her in de Welt, de ên holt mit de Büel (Geldbeutel) un de anner mit 't Geld.
i] Zuweilen wird noch hinzugefügt: War hollst du mit? Antwort: Mit Hannen und Tannen.

'T geit hüm as de Kösters Koh, de gung drê Dage vör de Regen na Hûs, un krêg doch ên natte Stêrt. Ostfriesland
hdt] Es ging ihm wie Küsters Kuh, die war drei Tage vorm Regen zu Hause und bekam doch einen nassen Schwanz.

'T geit hüm as de Schweine, de dôn erst gôd, wann se dôd sünt.
i] Vom Geizigen
en] He'll dress an egg and give the offal to the poor. – He'll flay a flint. – He'll not lose the droppings of his nose. – He 's like a swine, never good until he come to the knife. – His money comes from him like drops of blood. – His purse is made of toad's skin.

'T geit in de Röven (Rüben).
i] Es zerbricht, geht entzwei, verloren.

'T geit in de Ruten.
i] Es geht verloren, wird ruiniert. Rute steht hier in der Bedeutung von Raute = Viereck und sollte dort stehen.

'T geit mi in'n Kopp (Kopf) rümm ass'n Müllerad. Altmark

'T geit mi so väl an, as ik snak (spreche) dervan. Jever

'T geit nargends maller her, see de Junge, as in de Welt un in mîn êgen Vaars und Moors (Vater und Mutter) Hûse. Ostfriesland
v] 'T geit der nargends maller her as in de Welt un up 't Eiland.
i] maller = Nirgends törichter, dummer.

'T Gelagg machen. (Die Zeche bezahlen und zwar durch das Zusammenlegen des Geldes, wodurch das Wort entstanden)

't Geld mutt man von de Lü' nehmen, sä' de Avcate, van de Böm' schüddeln kann' k't nich.

'T Gesicht kummt nicht to de Plojen ût. (Seine Gesichtszüge verändern sich nicht, er verliert nicht die Fassung. Ploje = Falte, holl. plooi, engl. plait)

'T Geweten (Gewissen) is 'n scharp Ding. Ostfriesland

'T gift boll Regen, de Swâlkes flegen hoch.
i] In Schlesien erwartet man Regen, wenn sie tief fliegen, sodass sie die Boden- und Wasserflächen beinahe berühren.

'T gift mehr bunt' Hünn' as ên. Oldenburg

'T ging wohl, äöwer 't geit nich. Altmark (Es könnte an sich wohl geschehen, aber Rücksichten gestatten es nicht)

'T givt kên bêter Lüd' (Leute) as Mannslüd' un Frugenslüd' Pommern

'T glimmt as 'n Hundekötel in Düstern.

'T Glück is 'n Vagel, de 'n fangt, de 'n het. Stadland

'T Gôde (Das Gute) word docht, man 't Quade ôk. Ostfriesland

'T Hart puckert (pocht) hüm as'n Lammerstäärtje.

'T het all sîn Tîd (Zeit), man 't Flofangen nich. Ostfriesland
i] Gewisse Dinge lassen sich nicht aufschieben, sie müssen sofort abgemacht werden.

'T hett sick all manck Mensch to'n Schelm arbeit. Oldenburg

'T is 'n Aartje van Vaartje. (Eine Art von Vater)

'T is 'n Frôminsk (Frauenmensch) as 'n Mölenperd. (Ein starkes Frauenzimmer)

'T is 'n groten Utnerschied twüschen König Salomo un Jürgen Hôtmaker.

'T is 'n Hauptfeil an't Perd, wenn 't kên Kopp (Hövd) hett.
hdt] Es ist ein Hauptfehler am Pferd, wenn es keinen Kopf hat.

'T is 'n Leiden, söä' Lemke, doa kunn 'r sin Frû in 't Bedd ne finnen.

'T is 'n Lumpenkram, de mit Fudden to Markt kummt. Ostfriesland
i] Oder Fodden = Lumpen, Fetzen

'T is 'n Maisje (Mädchen) van drê Sesjes.
i] Von drei mal sechs Jahren; sess = sechs.

'T is 'n Meisterstück, säd' d' Timmermann, harr'n Hunnenhütt bugt un 't Lock vergêten.

'T is 'n olt Wrack. (Ein alter Mensch) Ostfriesland

'T is 'n rechten Fürmöser von 'ner Dêrn. (Damit bezeichnet man in Oldenburg einen recht kräftigen rotwangigen Menschen)

'T is 'n rechter Erdenwurm. (Mammonsdiener, Geizhals)

'T is 'n Schîtkram, de mit Dreck handelt. Ostfriesland

'T is 'n Unglück, wenn man dör Andermanns Nêrs kacken moet.

't is all as't is, säd Fehlmann, un trekt'n Vraak verkiert an.
v] 't is all as't is, segt Hoppach, kickt in de Zeitung un hölt's verkirt.

'T is all ên Gott und ên Pott, seggt de Dêf, da nahm er dem Bäcker ein Brot aus dem Korbe.

'T is all gôd mit in de Winter. Ostfriesland
v] 'T is all gôd mit to nemen.
hdt Das ist alles gut mitzunehmen.

'T is all in Repp un Ror.
i] Repp = Bewegung und Geschäftigkeit, Rôr = Aufruhr. Von reppen = in starker Bewegung sein oder darein bringen, regen, rühren, sich beeilen, etwas in Anregung bringen. Repp di = spute dich.
v] Man kann sik nich repp'n noch rög'n.

'T is all na Uttum.
i] Wortspiel, um zu sagen: 'T is all up (auf, aufgezehrt). Uttum ist ein Dorf in der Krumhörn.

'T is all richtig, sä de Pastor, de Jung hêt Gêske.
i] Auf diese Weise hilft sich ein Pastor aus, der bei der Taufe aus Versehen einem Knaben einen Mädchennamen gegeben hat.

'T is all so as dat Ledder (Leder) is. Fr. Reuter, Ut mine Stromtid

'T is all so lang her as de Düfel noch ên lütke Junge was.

'T is altîd gên Maimorgen.

'T is arm, os me gin geld en hed. Flandern
hdt] Es ist arm (hier: armselig), wenn man kein Geld hat.

'T is as wenn 'n in 'n nie Brok kickt. (Um zu sagen: das ist ein erfreulicher Anblick. Namentlich bedient sich der Kartenspieler, der gute Karten in der Hand entfaltet, dieser Redensart)

'T is bäter wat der schînt, as wat der quînt. Oldenburg
i] Von quinen = kränkeln, siechen. Trost für die, welche dick und fett, d.h. scheinend werden. Unter den oldenburger Landleuten gelten hochrote Wangen selbst dann noch als Zeichen der Jugendkraft und Gesundheit, für schön, wenn sie ins Violette übergehen. Alles was 'miem' (mager, schwächlich), was 'bleek' (bleich) und 'leng' (blass, kränklich) aussieht, kann unter keiner Bedingung schön sein. Das Sprichwort wird gewöhnlich von Frauen mit voller, von Gesundheit zeugender Brust gebraucht.

'T is bäter, wenn de Koh (Kuh darna mit'n Stärt'n sleit, as wenn de Vägel darna floit't.

'T is beter bî'n Ûl (Eule) to sitten, as bî'n Exter to hüppen (o. in Osnabrück wippen). (Wippe ist ein Käfich, worin früher besonders Gartendiebe etlichemal ins Wasser gelassen und in die Höhe gezogen wurden. Wippen heißt einen mit der Wippe bestrafen)

'T is beter, happ to, as happ up. (Happen = schnappen, begierig sein)

'T is Bummel-Heärmen. Grafschaft Mark (Bummliger Hermann, ein sich umhertreibender Mensch)
i] Von einen einfältigen, blödsinnigen Menschen (Iserlohn): Witte Dêierk (Dietrich), ein Kölner gemeiner Sorte heißt im Bergisch-Märkischen: kölsche Drickes (Heinrich), ein schlechter, unzuverlässiger Mensch heißt: unrechte Kàuerd (Kurt, Konrad), eine schlimme Frauensperson: 'ne rechte Graite (Grete), eine unordentliche, unsaubere: 'ne Uarschel (Ursula), eine geschwätzige, eine Dabbel- oder Däbbel-Bätte (Elisabeth), eine unsaubere und unordentlich gekleidet gehende: Fucke-Bätte, ein dickes, unbeholfenes, träges Frauenzimmer: fûle Pluens oder Plüens (Apollonia). Man hat ferner: eine dicke und dumme Trêine (Katharine), einen dràige Péiter (trockenen Peter), drüemeligen (träumerischen) oder Drüemel-Pèiter, Jéise-Peiter (der stets Jesus ruft), dummen Kloas (Nikolaus), hülten (hölzernen) Kloas, dummen Järgen (Georg), dummen Stoffel (Christoffel, Töffel), swatte Kasper (der Teufel), Krats-Käp (kratzender Kaspar). Hans und Hänschen vertreten wohl allgemein das männliche Geschlecht. Nickel bezeichnet im Bergisch-Märkischen einen verächtlichen Gegenstand: Sûege-Nickel (säuische Person), Säupe-Nickel (Säufer), Strubbe-Nickel (unordentliche Person, besonders solche, die mit ungekämmten Haaren geht). Droenpeter, von verdrossenen langweiligen Reden, Noelpeter, von ähnlichem trägen Handeln, Quoaseljohann, Quoaseljachen (Joachim) und Quatschmichel, von unsinnigem Geschwätz, Flüchtenhinrich, von eilfertigem, heiterm, leichtsinnigem Wesen, graben Kiljoan, von rohen Umgangsformen, Lorrerjan und Lorrerthrin, von scheltsüchtigem, auffahrendem Wesen. - Im Unterinntal sind Joseph und Christoph Ausrufe der Verwunderung. Einen lästigen Frager fertigt man mit: Frag'n Stielrüepel (Rüpel, Taufname von Rupert) oder: Frag'n Kastomal, abgekürzt: Frag'n Kas, ab. Ein genäschiger Mensch heißt: g'schleckige Eav'. Wer nicht leicht etwas merkt, ist ein Veitl. Oan zo'n Veitl ham heißt jemand zum Narren halten. Ungeschickte Menschen heißt man: Ochs'ntoff'l, Rüep'l, Stöff'l, Ochs'nkopfjaggoi (Jaggoi = Jakob). Mit den Namen Bast'l (Sebastian), Bart'l (Bartholomäus), Hies'l (Matthias), Jagg'l (Jakob) bezeichnet man sowol Dummheit als Ungeschicklichkeit. Einen, der sich nachlässig kleidet, heißt man Schlamphans. Eine plauderhafte Weibsperson heißt Ratschkatl und eine starkbeleibte: dicke Deu'l (Dorothea). Lipp'l oder Lippai (Philipp), Thummai (Thomas, Ton auf Thumm) sind Benennungen für Dumme. Wer mit offenem Munde dasteht, wird Mauloff- Thummai gescholten.

'T is de Oss'n (Ochsen) Will, dat he bi de Koh up de Stall steit.

't is doch gôd avgan, säd' Riedel, kam von'n Fischen un harr nix krêgen.

'T is eendônt (gleichgültig) wat de Schäpel Roggen gält (kostet). Oldenburg (Von Leuten, die sich füttern lassen, ohne ihr Brot selbst zu verdienen)

'T is ên Oertjefanger.
i] Ein Geizhals.

'T is en Pierschinner )Pferdeschinder).
i] Wie in Rostock früher die Stadtsoldaten wegen ihrer roten Jacken Krebse genannt wurden, so führten (oder führen?) die Studenten im Munde der Straßenjugend den Namen Pierschinner, auch Kaldunenslucker.

'T is ên Pott mit twe Ohren.
i] Scherzhaft zu einem, der beide Hände in die Seite stützt.

'T is enerlei, wat hahne de henne tret, wen de kuckens man gôd sind.

'T is gen (keine) Kuh bont, od (oder) se hädd en Pleckske. Kleve
i] Wenn man viel Böses von jemand erzählt, so muss wohl etwas Wahres daran sein.

'T is gên Land van Gewalt, 't is 'n Land van Recht.

'T is gen Malligheid (Spaß), 'n Pêrd in de Wêge un 'n Fohl to'n Fôtenende.

'T is gôd för de Müller, dat de Säcke nich spreken könnt. Ostfriesland

'T is gôd, dat de Böm' nich in'n Häven (Himmel) wasst. Rastede

'T is goet, de der nicks mit to doen het, sä de Junke, do bêten sick twee Kraien. Ostfriesland

'T is gruplik vörde Ôgen, säd' jenn Mann, wenn enen 't Rad öwer de Näs' gét. Mecklenburg

'T is hêl rar (selten), 'n mooi Kind un gên Vâr.

'T is Hemdschörten-Abend, säd' de Knecht, dar böert he de Dêrn den Rock up. Hamburg

'T is hüm entglêden (entglitten) as de Camper Köster dat Ei. Ostfriesland

'T is in de Farve (Farbe) verbrannt. Ostfriesland

'T is ingân (eingegangen), as 't Beden to Minsen (in Jeverland).

'T is kein Katt oahn Hansken antofaten.
hdt] Es ist keine Katze ohne Handschuhe anzufassen.

'T is kin gröter Sünn up de Welt, as wer sick in Hofdênst in Swêt (Schweiß) arbeit.
i] Diese Sünde wird nun wohl nicht oft begangen worden sein; es ist nur zu bedauern, dass diese Ansicht vom Hofdienst auch häufig genug auf die Geschäfte der Gemeinde- und Staatsdiener übertragen wird.

'T is kîn Kunst, Kopman to wêren, man to blîven, dat's de Kunst. Oldenburg

'T is Kinder Tîd to Bedd, Wesselohm kummt mit de Sandpüt (Sandbeutel).
i] Wenn die kleinen Kinder schläfrig werden.

'T is kîne Kunst, Geld to verdênen, man tosamen to holen, is de Kunst.

'T is Lünings Tîd to Bedd.
i] Es ist Zeit, dass die Kinder schlafen gehen.

'T is mall, sä Jann, warme Bollen (rundes kleines Weißbrot) mak ik nich: dor harr he vör drê Fiefthalwen up. Ostfriesland

'T is man 'n Driestigkeit üm 'n Treckletter to maken.

'T is man ênmal Nêjahr (Neujahr).
i] Mit diesem Sprichwort wird in ostfriesischen Dörfern jede Warnung vor Übermaß im Essen und Trinken zurückgewiesen. Es wird aber auch auf andere, jährlich nur einmal wiederkehrende Vorgänge angewandt. So sagt man auch: 'T is man ênmal Mainhaver-, Hager-, oder Dormer-Markt.

'T is mit'n Handumdrehen to dôn.
v] Im Handumkehren.

'T is nett so lang as 't brêt is.

'T is nich all Gold, wat er schint. Ostfriesland

'T is nich ganz miss, säd de Jung, smêt na'n Hund un râkde (streifte) sîn Stêfmoder. Oldenburg
i] miss = nicht ganz fehlgeworfen.

'T is noch kên Fastelavend (Fastnacht), alle Lêden worden noch nich ûtsuopen.

't is nu leider 'n gesund' Tîd, see de Aphteker tô de Docter un de Avdecker.
(hdt) Es ist jetzt leider eine gesunde Zeit, sagte der Apotheker zum Doktor und zum Abdecker.

'T is ôk 'n Mann, sää' de Dêrn, doa friete se 'n Schnîder.

'T is quaad, mit Heeren Peren eten, sy tasten na de rijpste.
hdt] Es ist schwer, mit Herren Birnen essen, sie greifen nach der reifsten

'T is Saterdag (Samstag), de Düfel deit Hûs söken.

'T is schlechten Sod (Brunnen), dar man dat Wasser in drägen môt. Oldenburg

'T is sin Brudellapp. (Erster Versuch, Gegenstand der Übung. Wenn ein junger Advokat schon einen wichtigen Prozess führt, so sagt man: et is sin Brudel, auch Brudellapp. Scherzhaft auch von dem ersten Kinde eines Ehemanns, wenn es ein Mädchen ist)

'T is so gau (bald) dân mit 'n Menschen unn he hett doch so väl kost uptotrecken.

'T is so völ nütt (nütze) as 't fiefte Rad in de Wagen. Ostfriesland

'T is steck te schau. Kleve
i] Es ist wirklich zum Staunen.

'T is to lât (spät), segt de Wulf, do is he mit'n Stärt in't Îs fast frâren. Jever

'T is wat puiks, noch ut Paters Fatje.
i] Pîk, püük = rein, schön, sauber, nett, ausgezeichnet, vortrefflich; holländisch puik auch substantivisch: das Auserlesenste, Beste; nordfriesisch pük, westfriesisch püwik. Nach einigen von picken, ût picken, also das Utpickde; nach andern zusammenhängend mit dänisch u.s.w. pige, isländisch pika = schöne Gestalt

'T is wat to Pankôk (Pfannkuchen) backen, hei ji ôk Eier.

'T is wohl bewendt an de Röve, dat de Stengel vergüldt word.
i] bewendt = wohl angewendet, der Mühe wert. Das Sprichwort behauptet ironisch, es lohne sich der Mühe, die Kosten seien wohl angewandt, den Stengel der Rübe zu vergolden.

'T Kalf hört de Hund half.
hdt] Das Kalb gehört dem Hund halb.
i] Wegen der vielen Knochen und der übrigen Abfälle, die der Hund bekommt.

'T Kind is dod, Farrerschaft is ut. Strelitz

'T Kôpen (Kaufen) is 'n gôd Amt, de 't bi Tiden brêkt.

'T kummt up de Grötte )Größe) nich to, anners kunn de Osse woll'n Hasen belopen. Oldenburg

'T lest (letzte) is 't best, hadde de Junge segt, do hadde he 't Brannsel1 ut de Pott fräten. Ostfriesland
i] Das am Boden wie an den Wänden des Topfes Angebrannte.

'T löppt hüm mit.
hdt] Das läuft ihm gut.
i] Das Schicksal ist ihm günstig.

'T Markt sett't den Kôp. Ostfriesland

'T Middelste is mit beide Enden up de Lôp.

'T mütt doch to 'n Klapp'n kaom.
i] Die Sache muss sich einmal entscheiden.

'T Quade is Mester.
i] Das Böse siegt.

'T regent Gras und Goseeier (auch Ânteier), seggt de Riepster.
i] Wird von einem warmen Mairegen gebraucht, der Gras und Kraut aus der Erde lockt, nicht allein zum Nutzen des Rindviehs, sondern auch, wie es für den Riepster Hauptsache ist, zum Nutzen des Federviehes.

'T regnet nich altîd (alle Dag) Botter in de Rîsbrê.

'T schäält as Dag un Nacht.
i] Es ist großer, himmelweiter Unterschied. Schälen hier in der Bedeutung von unterscheiden, ungleich sein (differieren).

'T sitt em in de Hût (Haut); sêt 't em in 'n Rock, künn' einen 't utkloppen.

'T smeckt as Hönnig un Sappkôk (Lakritzen).
i] Um etwas Leckeres zu bezeichnen.

'T Sonneke (Sonne) schînt, 't Ponnke grînt, de Polleke steiht up de Schildwache.
i] Wenn eine weibliche Person die Schamhaftigkeit so verletzt, dass sie in Gegenwart einer männlichen ihr Wasser lässt. Ponnke = vulva, Polleke = penis.

'T spielt sick êer zehn arm, as ein rik. Oldenburg
i] Damit drückt der oldenburger Bauer seine Abneigung gegen gewagte Unternehmungen aller Art aus, sodass er sich sogar wenig oder gar nicht an industriellen Unternehmungen beteiligt.

'T spît't mi, dat mi 't Wîf ofstarft; ik hebb hör all söven Johr hat.
i] Spiten = verdrießen, leidtun, kränken, 't spît't mi = es tut mir leid, es ärgert mich.
v] Dat sall mir noch lange spiten. (Das wird mir noch lange leid sein, mich noch lange verdrießen)

'T steckt up ên Pferd gên Emmer vull.

'T stekt of, as Dälers Laken.

'T sügt der dick ut, hadde de Jung segd, do hadde sin Moor (Mutter) in de Nêrs kêken. Ostfriesland

'T sünd all gên Evangelien, der lôpen ôk Epistels under. Ostfriesland
v] 'S hat es ek aldtimaal Eebenjille, wat hi ferteld. Amrum

'T sünd allerweg terbraken Pött. Mecklenburg
v] Thiar san breghen Potten un alla Lunnen (aueral). Amrum
v] v] Tobraken Potte giftet allerwegen.
hdt] Da sind gebrochene Töpfe in allen Ländern (überall).

'T sünt nich all Geliirten (Gelehrte), de in de Böker kîken. Strelitz

'T sütt ut as 'n Mutt mit 'n golden Halsband. Ostfriesland

'T treckt sich all nâ'n Lîw' (Leib), säd' de Snîder, un sett't den Ärmel ins Taschenloch. Mecklenburg

'T vergeht as Schnee vör de Sünne.
ho] Hij vergaat (of: smelt weg) als sneeuw voor de zon.

'T ward noch mennig oll' Trumpeter verdrinken, wo du nischt van krigst. Pommern
z] Es wird noch mancher alte Trompeter er(resp. ver)trinken, wovon du nichts bekommst. Zum Lüsternen, der gern von allem etwas abhaben will. Der Witz liegt wohl darin, dass dasjenige, wovon dieser nichts abbekommen wird, sowohl der (v)ertrunkene alte Trompeter sein kann, als das, was dieser vertrinkt. An das letztere, jedenfalls ursprüngliche, absichtlich verwitzte, scheint in der praktischen Anwendung allerdings gar nicht mehr gedacht zu werden, vielmehr wird der alte Trompeter dem Schimmel ganz gleich gedacht, der in ähnlicher Verbindung gebraucht wird.

'T ward ok annerwärts Brot backt. (Damit trösten sich die Dienstboten und Heuerleute, wenn ihnen der Dienst oder die Pacht gekündigt wird, sie bekommen dadurch auch wohl den Mut, selbst zu kündigen, wozu es eines großen Entschlusses bedarf)

'T was 'n Mann, de hêt Popan; Popan hêt he, in de Hosen schêt he. Pommern
i] Am Schluss von Geschichten, die man Kindern erzählt, aber auch dem Bericht eines andern hinzugefügt, den jener ernsthaft genommen wissen will.

'T was Tîd, dät d' Koh (Kuh) storf, 't Fudder was all. Seehausen

'T will all sîn Recht hebb'n, hett ol Stak seggt, Kinner ehr Släg un ol Mann sîn warm Beer.

'Triebst du doch bald dies, bald das!
War es ernstlich, war es Spaß?'
dass ich redlich mich beflissen,
Was auch werde, Gott mags wissen.
Goethe, Zahme Xenien I

T beter dat de Bûk barst, as dat de Kost verdarft. Ostfriesland

T is en Kopmann (Kaufmann) in Aalfellen.
i] Er handelt mit geringfügigen Gegenständen; auch: er ist ein Kleinigkeitskrämer.

Taai Thiiwer slaau ên Skelm. Amrum
hdt] Zwei Diebe schlagen einen Schelm.

Tabak ist für Menschen, nicht fürs Vieh.
v] Tabak ohne Kaffee ist wie ein Fürst ohne Pelz. Ägypten
v] Tabak und Sauna, Schenke und Weib - alles ein Zeitvertreib.

Tabus sind per definitionem anti-aufklärerisch.
Lorenz Böllinger

Tace! heißt ein Leuchter.
v] Tace, die Lau(e)rer lauern.

Tacitus hat die Germanen seiner Zeit besser beschrieben, als irgendein Schriftsteller die heutigen Deutschen beschrieben hat.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Tadel ist des Faulen Tagelohn.
dä] Den lade faaer ingen løn uden last.

Tadel ist sicherer als Lob. England

Tadel ist wie der Wind, gefühlt aber nicht gesehen. Madagaskar

Tadel und Salat soll man, will man sie genießen, nicht bloß mit Essig, sondern auch mit Öl begießen.
dä] Formaning skal være uden had og vrede.

Tadel wirkt auf einen guten Menschen wie ein Stich ins Herz, doch auf einen schlechten Menschen wie Wind am Ohr.

Tadele Gott nicht, weil er den Tiger erschaffen hat, aber danke ihm dafür, dass er ihm keine Flügel verlieh.

Tadele heimlich, lobe öffentlich.

Tadeln darf man keinen Abgeschiedenen, nicht was sie gefehlt und gelitten, sondern was sie geleistet und getan, beschäftige die Hinterbliebenen.
Goethe, Biographische Einzelheiten - Ferdinand Jagemann

Tadeln dich die Toren, so lache mit den Ohren.
la] Non moror an laudet me turpis, an improbet osor; laus est magna malis displicuisse viris.

Tadeln ist keine Kunst, nachtun tut's, wer's könnte.

Tadeln ist leicht,
Erschaffen so schwer; ihr Tadler des Schwachen,
Habt ihr das Treffliche denn auch zu belohnen ein Herz?
Johann Wolfgang von Goethe/Friedrich Schiller, Xenien

Tadeln ist leicht, aber schwierig ist die Kunst.
v] Tadeln ist leichter als besser machen.
v] Tadeln können Toren, aber besser machen nicht.
v] Tadeln kann ein jeder Bauer,
Besser machen wird ihm sauer.
v] Nicht alle können dichten,
Doch wollen alle richten.
v] Wer dem Spiele zusieht, kann's am besten.
fr] La critique est aisée et l'art est difficile.

Tadeln ist leicht, Erschaffen so schwer, ihr Tadler des Schwachen,
Habt ihr das Treffliche denn auch zu belohnen ein Herz?
Goethe, Tabulae votivae 52 - Die Unberufenen

Tadeln ist leicht, loben ist schwer.
v] Tadeln können Toren, aber besser machen nicht.

Tadeln ist leicht: deshalb versuchen sich so viele darin. Mit Verstand loben ist schwer: darum tun es so wenige.
Ludwig Feuerbach

Tadeln ist leichter als bessermachen.
v] Tadeln ist leicht, aufs bessermachen kommt's an.
v] Tadeln ist leicht, bessermachen (nachtun) schwer.
fr] Il est aisé de critiquée et mal-aisé de faire mieux.
fr] Il est aisé de reprendre et malaisé de faire mieux.
rfr] Ne reprends ce que tu n'entends. (Tadle nicht, was du nicht verstehst)
fr] Plus facile est doeuure iuger, qui nest a louure besogner.
it] Più facile è giudidare, ogni passion lasciate.
la] Carpet citius aliquis, quam imitabit.
la] Facilius est operis iudicem, quam operarium esse.

Tadeln kann ein jeder Bauer, aber bessermachen fällt (o. wird) ihm sauer.
z] Das sicherste Mittel, die Kritiker zu heilen, wäre, wenn man jeden derselben so lange einsperrte, bis er, ohne Beihülfe des getadelten Werkes, etwas Besseres gemacht hätte.
la] Carpere cujusvis, non est imitarier omnis.

Tadelnde gibt es genug, aber nimm die Last auf deinen Rücken, ertrage (sie) zuerst, und tadle dann den anderen. Estland

Tadelst du die seichten Bäche, dann sei selbst ein tiefer Sund, tadelst du die leeren Wasser, dann sei selbst ein volles Meer! Finnland

Tadelt man, dass wir uns lieben,
Dürfen wir uns nicht betrüben:
Tadel ist von keiner Kraft.
Andern Dingen mag das gelten,
Kein missbilligen, kein Schelten
Macht die Liebe tadelhaft.
Goethe, Inschriften, Denk- und Sendeblatter 33

Tadle an dir, was du an anderen tadelst, und entschuldige an andern, was du an dir entschuldigst.

Tadle andere nicht Deiner Mängel wegen.

Tadle deinen Tag nicht, ehe er zu Ende geht. Libanon
v] Tadle den Abwesenden nicht, bis er erscheint. Libanon

Tadle den Klugen, er bessert sich, aber lehr weder den Dummen noch lauf mit einem Kalb um die Wette. Estland

Tadle dich selber, nicht den Fluss, wenn du ins Wasser fällst. Korea
v] Tadle dich selbst, wenn du keine Zweige und Blätter hast, aber sage nicht, die Sonne sei parteiisch. China

Tadle Dich, wie Du andere tadeln würdest. Entschuldige andere, wie Du Dich entschuldigen würdest.
v] Tadle dich, wie du andere tadeln würdest, verzeih andern, wie du dir selbst verzeihst. China

Tadle einen, wenn er dich hören kann, und lobe ihn, wenn er es nicht kann. Serbien

Tadle Gott nicht, dass er den Tiger erschaffen hat, sondern danke ihm, dass er ihm keine Flügel gegeben hat. Äthiopien

Tadle nicht das Brot und lob nicht den Magen. Estland
v] Tadle nicht den Fluss, wenn du ins Wasser fällst. Korea
v] Tadle nicht und rühme dich nicht, bis anderthalb Jahre verflossen sind. Arabien

Tadle nur nicht! Was tadelst du nur!
Bist mit Laternen auf der Spur
Dem Menschen, den sie nimmer finden!
Was willst, ihn zu suchen, dich Unterwinden?
Goethe, Zahme Xenien V

Tafel und Teufel sind verwandt wie Kies und Sand.

Tafelfreunde – Unglücksfreunde.
la] Amici ollae imitantur pediculos, qui suspenso fure discedunt.
la] Amicus ollaris.

Tafelrecht und Salzinnigung soll man nicht brechen.

Tag für Tag gelangt der Mensch zu neuer Erkenntnis.

Tag ist Tag.
i] Bei Tage verrichten sich die meisten Geschäfte und Arbeiten leichter als zu Nacht bei künstlichem Licht.

Tag und Nacht händ Rot, drum mach, doss 's öppe gohd und nüd am G'schirr lohd (gebricht). Luzern

Tag und Nacht im Luder leben.
v] Tag und Nacht währt ewig.

Tag und Nacht ist keine Phrase, denn gar manche nächtliche Stunden, die dem Schicksale meines Alters gemäß ich schlaflos zubringe, widme ich nicht vagen und allgemeinen Gedanken, sondern ich betrachte genau, was den nächsten Tag zu tun? das ich denn auch redlich am Morgen beginne und so weit es möglich durchführe.
Goethe, An S. Boisserée, 22.10.1826

Tag und Nacht mit einer Sache umgehen.
la] Nocturna versare manu, versare diurna. Horaz

Tag und Nacht sind sich immer entgegen.
mhd] Dach unde nacht sint sik alle entegen.
la] Lumen obest tenebris, fatis et vita resistit.

Tag und Nacht, Nacht und Tag verbringen wir unser Leben in der Gesellschaft von Plagen, lassen Begierde für die angenehmen Dinge entstehen und Zorn für die unangenehmen.
Dalai Lama XIV., Tantra in Tibet (Einleitung)

Tag und Nacht, Sonne und Mond, Luft und Licht muss jeder haben und kann keiner kaufen. England

Tag up de Hille.
i] Auch Hilde; in andern Mundarten Hiele, Hilge, Helge, der mit losen Brettern belegte Boden über dem Viehstall, wo das Landgesinde wohl bei Tage schläft oder Kurzweil treibt. – ein verlorener, geschäftsloser Tag.

Tag- und Nachtarbeit, sagte der Maler, als man ihn fragte, warum er so schöne Bilder male und so schwarze Kinder habe.

Tagblätter, meinte Goethe, müssten gleichsam euphemistisch, mit einem zarten Sinn für Anmut und Schicklichkeit geschrieben werden, wo dann vieles gesagt werden könne, was auf andere Weise unwillkommen und verletzend hervortrete. Durch solches Anschmiegen an die Gesetze der Grazie, durch Duldsamkeit und Milde in der Form sei in Deutschland noch gar mancherlei zu gewinnen, wovon ein rauhes und trockenes Wesen entfernt halte, und die beste Zensur sei eine wechselseitige unter tüchtigen Männern, welche sich selbst zu Richtern machen über das, was gesagt werden dürfe und was nicht.
C. J. Clement, 1826

Tage der Wonne,
Kommt ihr so bald?
Schenkt mir die Sonne,
Hügel und Wald?
Goethe, Frühzeitiger Frühling

Tage und Stunden sind nicht immer gleich.
fr] Les jours se suivent, mais il's ne ressemblent pas.

Tagearbeit – saures Brot.
dä] Gjernings-sal er nærings-qval.
dä] Hvo der vælleri arbeydet, maae lide ondt, og lede om føden.

Tagedieb hat Frau Taugenichts geheiratet.
v] Tagedieb heiratete Frau Taugenichts.

Tagelöhner sind nie bezahlt.
i] Sie glauben stets, zu wenig für ihre Arbeit zu erhalten.
en] Char-folks are never paid.

Tagelöhner und Dienstboten sollen arbeiten; was im Hause zu feiern, kann Herr und Frau selbst verrichten.

Tagen und Bestellen sind Mittel zum Recht zu gelangen. [RSpW]
i] Da ohne ordnungsmäßige Ladung kein Recht erwächst, so sind Bestellen (d.i. Beschlagnahme eines Guts) und Tagen (Ladung vor Gericht) zwei Mittel zum Recht zu gelangen, doch nicht in dem Sinne, dass die Beschlagnahme die Ladung überflüssig mache.

Tages Arbeit, abends Gäste, saure Wochen, frohe Feste. Goethe, Der Schatzgräber

Tagesordnung: Bremsklotz zwischen Satzung und Sitzung. Christian Diekholtz

Täglich aber droht dem Menschen vom Menschen Gefahr.
Seneca

Täglich besoffen ist auch ein geregeltes Leben. Scherzhaft

Täglich ein Pfennig, ist des Jahres ein Taler.
en] A pin a day is a groat a year.

Täglich essen, täglich arbeiten.
v] Täglich sünde, täglich buße.

Täglich neuer Plan führt zum armen Mann.
dä] Man kand meget finde; man skal først befinde og saa strax begynde.

Täglich soll der Arzt, dem es Ernst ist, in der Wiederholung dieses Wissens [vom menschlichen Organismus], dieses Anschauens sich zu üben, sich den Zusammenhang dieses lebendigen Wunders immer vor Geist und Auge zu erneuern alle Gelegenheit suchen.
Goethe, Wanderjahre III, 3

Täglich streb ich und arbeit ich braver zu werden, hab auch Gott sei Dank wieder Relais-Pferde für meine weitere Route getroffen.
Goethe, An Sophie v. La Rache, 21.3.1773

Täglich Unglück ist leicht zu tragen. (Ungemach, das nur einen Tag anhält)

Täglich werf ich eine neue Schale ab und hoffe als ein Mensch wiederzukehren. [...]+ Ich habe in der Welt nichts zu suchen als das Gefundene, nur dass ichs genießen lerne, das ist alles, warum ich mich hier noch mehr hämmern und bearbeiten lasse.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 6.1.1787

Tägliche hilff vnd mal ist besser denn ein erbgut.

Tägliche Mäßigkeit ist das beste Fasten.

Tägliche Übung gibt viel neu erfindung.
it] L'esercizio esercita la scienza.
la] Per varios usus artem experientia fecit.

Tägliche Übung macht gute Meister.
bm] Rozum se cvičením brousí.
bm] Častĕjší, cvičeni, jistĕjší prospĕch.
bm] Mistr Cvik.
bm] Trápeni dává rozum zkušení umĕni.

Täglicher Gast stinket hast.

Tagtäglich tut irgendein Phänomen uns unsere Unwissenheit dar, und ich glaube, dies ist der Grund, warum wir so selten einen Gelehrten finden, dessen Geist von jedem Aberglauben frei ist.
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Takt in der Kühnheit heißt zu wissen, wie weit man zu weit gehen kann.
Jean Cocteau, Hahn und Harlekin

Takt ist der auf das Benehmen angewandte gute Geschmack. Chamfort

Takt ist der Verstand des Herzens. Gutzkow
v] Takt ist die Seele der Musik.

Takt ist die Fähigkeit, andere so darzustellen, wie sie sich selbst gern sehen. Abraham Lincoln

Takt ist unhörbare Harmonie.
Richard von Schaukal

Takt ist vor allem die Kunst des Überhörens.
Hans Söhnker

Takt und Würde lehrt das eigene Herz und nicht der Tanzmeister.
Fjodor M. Dostojewski, Der Idiot

Taktik: sie ließen ihn steigen, um ihn besser treffen zu können. Brudzinski

Tal und Berg kommen nicht zusammen, wohl aber die Menschen.
en] Men may meet, but mountains never greet.

Talent ist das, was in eines Menschen Macht steht, Genius - in wessen Macht der Mensch steht. Lowell

Talent ist nur große Geduld.
Anatole France

Talent und Freiheit sind ihrem Wesen nach etwas Unteilbares und Ganzes.
Johannes R. Becher, Talent und Freiheit

Talente finden Lösungen, Genies entdecken Probleme. Krailsheimer

Talente können sich untereinander, als Grade, vernichten und erstatten, Genies, als Gattungen, aber nicht.
Jean Paul, Vorschule der Ästhetik

Talente ohne Tugend sind Sklaven ohne Herren: Sie können sich nicht gut benehmen und sind zu allem fähig.

Taler ausgeben und Pfennige einnehmen.
la] Caldum mejere et frigidum potare. Petronius

Taler klappen, Worte lappen.

Talglichter ziehen.
i] Von Kindern, welche die Nase nicht wischen.

Talltall hoat Hölzel feil.
i] Auch mit dem Zusatz: er gab's Gebindel für a Gröschel.
v] Wasch' mir den Pelz, aber mach' ihn nicht nass.

Tannast, die Zürcher fliehen fast.
i] Ein Trotzwort, das viel Unheil anstiftete, und noch lange nach dem Capellerkrieg gehört wurde.

Tante Voss.
i] In Berlin auch bloß unter der Bezeichnung Tante. Unter diesem Namen ist die Vossische Zeitung durch ganz Deutschland bekannt, wie die Neue preussische Zeitung vorherrschend 'Kreuzzeitung' heißt. Die Leipziger Zeitung, deren Inseratenchef 1872 Staatsbeamter geworden ist, hat im Volksmunde den traulichen Namen: 'alte Muhme' und in Wien reimt man, seit der Wanderer seine Windrichtung geändert hat: 'Der Wanderer, ein anderer.' Als allgemeine Bezeichnung für schlechte Winkelblätter hat man den Spitznamen: 'Wurst- und Käseblatt.'

Tantum quantum possum. Wahlspruch Friedrich von Sachsen
(dt) Soviel ich kann.

Tanz ist der Huren Finanz.
i] Die Dänen erklären ihn etwas sanfter als der Musik, des Spiels und der Liebe Kind: Dands er musik, spill og kierligheds barn.

Tanz mit mir, tanz mit mir, hab 'ne bunte Schürze für. Mit mi ôk, mit mi ôk, mîne is van Kammerdôk. Lübeck

Tanz nicht nach der Frau Pfeife. Estland
v] Tanz nicht, bevor die Hochzeit da ist. Estland

Tanz trägt den schwanz.
v] Der Dantz regt den Schwantz.

Tanz und Gelag ist des Teufels Feiertag.
v] Tanz und Spiel will ein Ziel.
v] Tanz will Glanz.

Tanz, solange du jung bist, Alte haben schwere Füße. Estland
v] Tanz, tanz heute, morgen wirst du wohl Pfeife blasen (d. i. weinen). Estland

Tanzböden sind nicht dem Leibe allein gefährlich.
i] Auch der Seele, indem sie die sinnlichen Begierden wecken.

Tänze drehn das Geld aus dem Beutel und die Reinheit aus der Seele.

Tanze nicht, wenn du einen Korb mit Eiern trägst.

Tanze, wenn das Glück dir pfeift.
it] Bisogna pigliar le venture, quando Iddio le manda.

Tanzen bringt keine Braut ins Haus, aber wer es nicht kann, den lachen sie aus.

Tanzen bringt Unkeuschheit, Hoffart und Schaden.
mhd] Dansen brinkt unkûscheit, hoverdye unde schaden.
la] Luxuriam, fastus pariunt et damna choreae.
z] Wir dantzen nit mit frummen kindern, Frumbkeit hört nit an den reyen: es kum an dantz Pfaff oder Leyen, so hatt die erbarkeit ein end. Das kritzen kratzen in der hend, das winkellaufen, heimlich fragen, freundlich grüß hernider sagen, als ich verstand und ist auch war, kein frumen thochter hört nit har.

Tanzen die Mücken im Januar,
so werden Futter und Butter rar.

Tanzen die Wanzen, spielen die Grillen. Jüdisch-deutsch, Brody
i] Schlechte Musikanten, schlechte Tänzer.

Tanzen im Jänner (Januar) die Mucken, muss der Bauer nach dem Futter gucken.
i] Es folgt dann in der Regel nicht nur ein langer Nachwinter, sondern auch ein schlechtes Jahr.
v] Wenn Januar im Hemde steht, der März vor Lachen berstet. Toskana
v] Schöne Tage im Januar betrügen einen im Februar. Franzosen
v] Wenn Januar nicht januart und Februar nicht februart, so lässt der März 'nen großen. Bergamsken
ho] Als de muggen in Januarij dansen, wordt de boer een bedelaar.

Tanzen lernt man nit vom Pfeifer, sondern vom Tantzmeister, fechten vom Fechter, schmieden vom Schmidt.

Tanzen mag i nit allein, es muss no öppert bei mir sein. Schweiz

Tanzen um Fabian (20.1.) schon die Mücken, muss man später den Kühen das Futter bezwicken.

Tanzen wie der Wolf, den Schwanz zwischen den Beinen.
i] Von Feiglingen. Der Wolf soll nämlich seine Streifzüge mit eingezogenem Schweife ausführen, sodass er denselben zwischen den Füßen hält. Man schreibt diese Art zu gehen (ob mit Recht?) seiner Feigheit zu.

Tanzen, bis der Zapfen fliegt.
la] Quamdiu vinum seu cerevisia fluit.

Tanzen, buhlen, trinken, spielen an Sonn- und Feiertag bei vielen ist ihr bös gewohnter Wandel und des teufels bester Handel.
la] Mihi est hic nec seritur, nec metitur.

Tanzen, singen und springen, mit schönen jungfrauen ringen; wer das der Carthuser orden, so were ich lengst ein mönch geworden.

Tänzer, die kommen in den Himmel, Kartenspieler, (die) kochen im Kessel. Estland

Tanzmusik und Grabgeläut passen nicht zusammen.
la] Oderunt hilarem tristes tristemque jocosi. Horaz

Tanzt die Frau, so hüpft die Magd.
v] Tanzt ein Alter, so macht er großen Staub.

Tanzt die Mücke auf der Bruck, tut das Wetter einen Ruck. Bayern

Tapfer angegriffen ist halb erfochten.
la] Audentes Deus ipse juvat. Ovid
la] Audentes fortuna juvat timidosque repellit.

Tapfer angreifen, ist halb gesiegt.
la] Audentes fortuna juvat timidosque repellit.

Tapfer auf den Lappen treten.

Tapfer ist tapferer als der Niklas Tóddi. Ungarn
i] Zu den Zeiten des Matthias Corvinus.

Tapfer Ross achtet nicht der Hunde Bellen.
i] Um die Verachtung feindlichen Geschwätzes auszudrücken.

Tapfer sein bedeutet die halbe Rettung. Rußland

Tapfer wie ein Schneider.

Tapfer wie Georg Green.
fr] Il est brave comme un César.

Tapfere Hand schützt das Land.
dä] Modig haand værier land.

Tapfere Helden, tapfere Taten.

Tapfere Männer müssen etwas vom Fuchs an sich haben, damit sie nicht so leicht betrogen werden.

Tapfere Pferde achten nicht auf das Gebell der Hunde.
la] Incus maxima non metuit strepitum.

Tapfere sachen soll man tun und denn erst sagen.

Tapfere Streiche erst tun ohne Zaudern, dann erst davon plaudern.

Tapferer Soldat, kein Zänker. (Wer sich seiner Fähigkeiten, seines Wertes bewußt ist, braucht sich nicht erst durch ein herausforderndes oder prahlerisches Benehmen Anerkennung zu verschaffen)
fr] Bonne épée, point querelleur.

Tapferkeit ist die letzte Waffe, die die Natur dem Menschen gelassen hat, gegen die Leiden des Lebens und des Sterbens. Coudenhove-Kalergi

Tapferkeit ist ein blindes Huhn.
v] Tapferkeit ist nicht von Dauer.

Tapferkeit muss der Arglist unterliegen.
la] Fraude perit virtus. Ovid

Tapferkeit ohne Klugheit ist ein blindes Huhn.
i] Es findet auch wohl ein Korn, aber nur durch Zufall.
en] Valour can do (is worth) little without discretion.
la] Parvi sunt foris arma nisi sit consilium domi.
la] Vis consilii expers mole ruit sua.

Tapferkeit und Klugheit sind immer seltene Tugenden unter den Menschen, aber die seltenste ist wohl die Gerechtigkeit.
Plutarch, Parallelbiographien

Tapferkeit und Kühnheit hat manchen zu Ehren gebracht.

Tapferkeit wird durchs Glück unterstützt.

Tapferkeit zur rechten Zeit ist die beste Weisheit.
dä] Lyksalig dristighed er saa god som dyd og visdom.

Tapferkeit, die accordiert, hat bald aushantiert.
en] Valour tat parleys is near yielding.

Tapfrer Mann macht sich durch die Feinde Bahn.
v] Tapfrer Mann, der seinen Zorn meistern kann.

Tappe mir nicht in den (ausgelegten) Kram.
ndt] Dapp ma nöd ön Kram. Oberösterreich
i] Wie die fahrenden Krämer in den Häusern ihn auslegen, d.h. mische dich nicht verwirrend in meine Angelegenheiten und Pläne.

Tartu ist ja nicht hinter dem Wohnhaus, Riga nicht hinter dem Holzstoß. Estland

Taschendäuker sind die Frugenslüd ehr Notflaggen.

Taschendiebe nennt man diejenigen Mitglieder der menschlichen Gesellschaft, die die weitverbreitete Kunst, dem anderen Geld aus der Tasche zu ziehen, nur manuell ausüben. Hans Kasper

Taschenfühler bekommen Ohrfeigen.

Tasso, Torquato] Man darf beide Dichter [Tasso und Byron] nicht miteinander vergleichen, ohne den einen durch den andern zu vernichten. Byron ist der brennende Dornbusch, der die heilige Zeder des Libanon in Asche legt. Das große Epos des Italieners hat seinen Ruhm durch Jahrhunderte behauptet, aber mit einer einzigen Zeile des Don Juan könnte man das ganze Befreite Jerusalem vergiften.
Goethe, Eckermann, 18.5.1824

Taste aber nur einer das Eigentum an, und der Mensch mit seinen Leidenschaften wird sogleich da sein.
Goethe, Eckermann, 30.12.1823

Taste um, we holt dich.
la] Te retinet nullus propere discedere possis.

Taste umher, wer hält dich!
i] Achte nach allen Seiten, da wirst du merken, dass du hier nicht willkommen bist; darum empfiehl dich, da dich niemand gern sieht.
mhd] Tast mume, we holt dy?
la] Te retinet nullus, propere dis cedere possis.

Tat bringt Rat.
i] Wo rascher Entschluss nötig ist, da raten wir uns gewöhnlich am besten.
la] Gladiator in arena consilium capit. Seneca

Tät es wehe, die Meidlin ließen die Knaben gehe.

Tat heißt eine Handlung, sofern sie unter Gesetzen der Verbindlichkeit steht. Kant

Tat kam ham auer üs an Hünj at skitjen. Nordfriesland
hdt] Es überkam ihm, wie dem Hunde das Scheißen
i] Es kam plötzlich über ihn.

Tat steht mit Reue, Handeln mit Sorge in immerwährendem Bezug.
Goethe, Dichtung und Wahrheit, 2. Schema

Tat tötet den mann.
i] Worte und Redensarten tun's nirgend.
fr] Les êffets sont les mâles, les paroles les femelles.
la] Justus prior est accusator sui.

Tat und Galgen stehen weit voneinander.
i] Es war nicht stets so. Noch auf der Synode zu Seligenstadt (1022) wurde verordnet, dass, wenn ein Dieb auf der Tat ertappt würde, er nicht erst vor den Richter geführt werden dürfte, sondern sofort gehängt werden könne.

Tatachen stehen in der Polilik oft nicht hoch im Kurs. Selbst hartnäckige misserfolge gelten noch als Beweis für die Richtigkeit der Theorie. Helmar Nahr

Täte Dummheit weh, hörte man sie aus jedem Haus schreien. Spanien

Täte Gott nach unserm Willen, es würd' uns wenig Wohlsein quillen.

Täte ich das, sagte der Wolf, als der Rabe auf der Sau saß.

Täte jeder, was (wie) er sagte, es gäbe viel ehrliche Leute.
dä] Dersom hver gjorde som han sagde; fandtes ei mangel paa ærlinge folk.

Taten machen den Menschen aus, nicht Worte, Herkunft oder Kleidung.
la] Acta probant homines, non verba, genus neque vestes.

Taten sagen mehr als Worte.
v] Taten sprechen lauter als Worte.
v] Taten sprechen mehr als Worte.
en] Actions speak louder than words.
ho] Daden spreken luider dan woorden.

Taten sind die beste Probe.

Taten sind Früchte, Worte sind Blätter.
en] Deeds are fruits, words are but leaves.

Taten sind Männer, Worte Weiber.
en] Deeds are females, and words are females.
ho] Daden zijn mannen, woorden zijn vrouwen.
it] I fatti sono maschi, le parole femine.
pt] Obras são amores, e não palavras doces.
sp] Obres son amores, que non buenas razones.

Taten sind männlich und Worte sind weiblich.
en] Deeds are males and words are females.

Taten sind Saaten.
la] Qui bene fecerunt, illos sua facta sequuntur, qui male fecerunt; facta sequuntur eos.

Taten und geraten stehn nit in Menschen, sondern in Gottes Händen und in seinem voto.

Täten wir, was wir sollten, Gott täte, was wir wollten.
fr] Si nous faisions ce que nous devions Dieu ferait ce que nous desirons.

Täten wir, was wir solten, so ging es uns wie wir wolten; weil aber das nicht geschicht, so gehets auch nach unserm Willen nicht.

Taten, nicht Worte (helfen hier)!
la] Acta, non verba!

Tätig zu sein [...], ist des Menschen erste Bestimmung, und alle Zwischenzeiten, in denen er auszuruhen genötigt ist, sollte er anwenden, eine deutliche Erkenntnis der äußerlichen Dinge zu erlangen, die ihm in der Folge abermals seine Tätigkeit erleichtert.
Goethe, Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Tätige Menschen ertragen die Langeweile ungeduldiger als die Arbeit.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Unterdrückte Maximen

Tätiger Geist und sinnige Hand ziehen den Segen ins Vaterland. Grabschrift der Barbara Uttmann.

Tätiger Glaube ist Liebe, und tätige Liebe ist Dienst.
Mutter Teresa

Tätigkeit allein verscheucht Furcht und Sorge.
Goethe, Am Rhein, Main und Neckar

Tätigkeit erreicht mehr als Klugheit.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Tätigkeit ist das Salz des Lebens.
en] Business is the salt of life.

Tatmensch: Haltloser Schwächling, der nicht imstande ist, seine Gefühle den Umständen anzupassen und deshalb seine Zuflucht zur Änderung der Umstände nimmt. Helmar Nahr

Tatmenschen waren immer Missetäter, d.h. ihre Menschenkenntnis führt zur Menschenverachtung. Das alles sichert ihnen den Erfolg.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Täts ein jeder selbst, so dürfts der Knecht nicht tun.

Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert. Aldous Huxley

Tatsachen sind die Schwachstellen der Theorie. Helmar Nahr

Tatsachen sind die Todfeinde vieler Theorien.
Lothar Schmidt

Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände. Holmes

Tatsachen sind eigensinnige Dinge. Smollett

Tatsachen sind harte Nüsse.
v] Tatsachen sind stärker als Worte.

Tatsachen sind nichts, sie existieren nicht; es hat von uns nichts Bestand als Ideen.
Honoré de Balzac, Louis Lambert

Tatsächlich habe ich viel weniger Angst, seit ich mich den Ängsten stelle.
Anaïs Nin, Sich vom Traum führen lassen

Tatsächlich hat der arbeitende Mensch Tag für Tag keine Muße zu einer wahren Ganzheit, er kann die Zeit nicht aufbringen, die menschlichsten Beziehungen zu den Menschen zu unterhalten, seine Arbeit würde auf dem Markt im Wert sinken, und er hat keine Zeit, etwas anderes zu sein als eine Maschine.
Henry David Thoreau, Waiden

Tatsächlich hat die Natur sie zu unseren Sklavinnen erschaffen. Einzig durch unsere geistige Verschrobenheit haben sie behaupten können, sie seien unsere Herrscherinnen.
Henry de Montherlant, Erbarmen mit den Frauen

Tatsächlich ist die Dankbarkeit eine Schuld, die gewöhnlich sogar anwächst, darin gleicht sie der Erpressung: je mehr man bezahlt, desto mehr wird gefordert.
Mark Twain, Henry H. Rogers

Tatsächlich ist ja die Geschichte nur das Abbild der Verbrechen und Widerlichkeiten, die sich ereignen. Die Menge der unschuldigen und friedfertigen Menschen verschwindet immer auf diesem ungeheueren Schauplatz. Die Handelnden sind stets nur Böse, entartete Ehrgeizige. Es sieht so aus, als könne die Geschichte bloß wie die Tragödie fesseln, die langweilig wird, sobald nicht Leidenschaften, Missetaten oder Schicksalsschläge sie beleben und ihre Spannung erhöhen.
Voltaire, Der ehrliche Hurone

Tatsächlich kann das menschliche Denkvermögen in erstaunlicher Weise beschädigt werden. Dies gilt für die Vernunft der einzelnen wie der ganzen Klassen und Völker.
Brecht, Rede über die Widerstandskraft der Vernunft

Tatsächlich sind es die wichtigsten Momente im Leben, wenn wir allein sind.
Anne Morrow Lindbergh, Muscheln in meiner Hand

Tatsächlich und normalerweise gelten neun Zehntel der politischen Tätigkeit den wirtschaftlichen Aufgaben des Augenblicks, der Rest den wirtschaftlichen Aufgaben der Zukunft.
Rathenau

Tätst du zur rechten Zeit dich regen,
Hättst du's bequemer haben mögen.
Goethe, Legende

Tatzentiere sterben nicht an Prügeln.

Tau am Walpurgismorgen (l.5.) verheißt viel Butter.

Tau eigen het ok kein Gelät. (Allzu große Eigenheit ist nicht immer gut angebracht)

Tau einem Lock möt de Voss rut. Fritz Reuter, Stromtid, Wismar 1863
hdt] Zu einem Loche muss der Fuchs hinaus.

Tau gaud is half alwern. Hannover
i] Mit den Worten: 'Zu gut ist halb albern', wird auf das Einhalten jener feinen Grenze hingedeutet, wo Herzensgüte und Mildtätigkeit aufhören Tugenden zu sein und als reine Schwäche erscheinen.

Tau hart Stîner mâln ek gud töhop.
hdt] Zwei harte Steine mahlen nicht zusammen.
v] Twe harde Stên malen selten klên. Ostfriesland

Tau im August ist ungesund, drum wisch die Frucht hübsch vor dem Mund.

Tau ist des Regens Hirtenknabe.

Tau Swin un ian Stei hjr grui efter anöther, man selten tu wat Guts. Föhr
hdt] Schweine in einem Stalle arten einander nach, die eine Natur bildet sich nach der andern, aber selten zu etwas Gutem.
i] Von der großen Macht der Gewohnheit, namentlich dem Übergewicht des Bösen über das Gute.

Tau und Mast ruinieren.
i] Das Schiffszeug in Unordnung und Verwirrung bringen.
fr] Desemparer un vaisseau.

Tau vel melken gift Blaut. Mecklenburg
hdt] Zu viel melken gibt Blut.
v] Was nach der Milch kommt, ist Blut. Russland
v] Die Milch magst du den Kühen abmelken, aber nicht auch die Zitzen. Russland
it] Il buon pastore mugne il latte, non il sangue.

Tau vor dem Georgstag (23. IV), Roggen vor dem Jakobstag (25. VII).

Taub wie ein Auerhahn in der Balz.
v] Er ist taub, wie einer aus Samter. Polen
i] Weil die in Samter eingewanderten Czechen die polnische Sprache nicht verstanden: Gluchy, by od Szamotul.
la] Surdior Toronaeo portu.
la] Surdior turdo.

Taube (o. volle) Ähren kennt man schon am Halme. Das Alter trägt noch gewisse Spuren an sich, die es erraten lassen, was jemand in der Jugend gewesen ist oder getan hat)
la] Ex stipula cognoscere.

Taube Eyer schwimmen empor, die vollen sincken zu boden.

Taube horchen gern in anderer Leute Angelegenheiten hinein, Stumme klatschen gern. China

Taube Leute ertragen manchen Schimpf.
en] Deaf men go away with the injury.

Taube Nuss und hohler Zahn, junges Weib und alter Mann.
v] Eine taube Nuss ist eines hohlen Zahnes wert. Russland

Taube Nüsse knacken.
la] Decipimur specie recti. Horaz

Taube Nüsse und eitle Herrn klappern viel, aber haben keine Kerne.

Taube Schlacken lässt man in den Weg laufen.

Taube sind von Natur misstrauisch.
Goethe, J. P. Lyser, Februar 1832

Tauben Beichtvätern beichten.
i] Unter tauben Beichtvätern versteht man nicht solche, die wirklich taub sind, man bezeichnet vielmehr damit Geistliche, die es nicht sehr scharf nehmen, sondern nur eine leichte Buße auflegen, auch niemandem selbst dann die Absolution versagen, wenn es sich um Sünden handelt, deren Vergebung sich der Papst vorbehalten hat. Ein solcher Beichtvater hat in den Fasten mehr zu tun, als zwanzig andere. Der Pater Gavin erzählt, dass diese sogenannten tauben Beichtväter verbunden wären, ein Drittel ihrer Einnahmen dem Kloster abzugeben, und dass dieselben zeitweise fast gar keine Ruhe hätten, dass während die Armen in der Kirche beichteten, reiche Leute sie zu sich kommen ließen.

Tauben fliegen einem nicht gebraten in den Mund.

Tauben haben keine Gall' (Krall') und sind der Leute all'.
z] Duven, kran, alestren, pawen, vederspel dat nicht grymmet, vlüget it to velde, it is gemeine.
z] Die Tauben haben eine gutmütige Natur und sind jedermann zugetan.
z] Man sagt gemeinlich, dass die Taub kein gall habe, welches doch Galenus für spöttlich haltet.
fr] Le coulomb n'a point de fiel.

Tauben im Kopf haben.
i] Grillen.

Tauben legen immer Eier und zeugen junge, obgleich man sie ihnen raubt.

Tauben Ohren ist bös (o. gut) predigen.
v] ein Prediger in der Wüste sein
v] in den Wind (o. an eine Wand o. Mauer) reden
v] Tauben Ohren ist schlecht (o. bös) predigen.
v] Tauben Ohren muss man laut predigen.
v] tauben Ohren predigen (Mit seinen Vorstellungen und Ermahnungen kein Gehör finden. In demselben Sinne sagt man in Italien: Dem Lauch predigen; in Griechenland: Für den Tauben läuten; in Venetien: Seine Gründe der Polizei vortragen, seine Not der Stiefmutter klagen; die englischen Neger in Surinam: In den Busch schreien. Die Ägypter sagen: Du liesest die Psalmen den Bewohnern der Gräber. Die Psalmen werden bei den Moslemim selten gelesen, weil sie behaupten, die Christen hätten sie verfälscht; doch geben sie zu, dass David sie unter göttlicher Eingebung verfasst und gesungen habe. Dessenungeachtet wird aber doch niemand den Toten etwas vorlesen)
v] Tauben Ohren predigt man vergebens.
v] Wenn das Aug' nicht sehen will, helfen weder Licht noch Brill'!
v] Zum einen Ohr hinein, zum andern wieder heraus.
en] to preach to deaf ears - to talk to the winds
en] Who so deaf as they, tat will not hear.
fr] Il vaudrait autant parler à un sourd.
fr] On a beau parler (o. prêcher) à qui n'a cure (coeur) de bien faire.
fr] prêcher dans le désert (o. pour les murs o. à des sourds)
fr] parler en pure perte
fr] perdre sa salive
fr] dépenser sa salive pour rien
ho] Voor doove ooren prêken.
it] predicare (o. parlare) al muro (o. al vento o. ai sordi)
it] sprecare il fiato
it] predicare al deserto
la] canere surdis
la] Canere surdo. Virgil
la] E mortuo verba facere.
la] Frustra canis.
la] Inaniter aquam consumis.
la] Plautus Fabulam surdo narrare.

Tauben und Bien' bringen Schaden und Gewinn; Schaf und Teich machen gleichfalls arm und reich.

Tauben und Habichte lassen sich nicht in einem Käfig groß ziehen.

Tauben und Pfauen haben gleiches Recht.
i] Sie werden gemein, wenn sie aus dem gerückten Gewähr entkommen, d.h. außer Haus und Hof aufs freie Feld.
mhd] Tuben und phawen hant gelichez reht.

Tauben und Raben müssen ihren Platz im Zirkel haben.

Tauben und Ziegen lassen den Bauer liegen, aber Bienen und Schaf' helfen ihm wieder auf.
v] Tauben und Ziegen lassen ihren Herren nichts liegen; Kühe, Schafe und Bienen können ihren Herren was verdienen.

Tauben, Gärten und Teich' machen keinen reich.

Tauben- und Narrenwerk haben alle beid' keine Stärk'.

Taubenhunger haben. Karlsbad in Böhmen
i] Nicht die gewohnten guten Einnahmen haben, sich beschränken müssen, während eine bessere Zeit voranging. Zugleich soll damit ausgedrückt sein, dass abermals eine gute Zeit nachfolgen werde, die man sehnlichst herbeiwünscht.

Taubenmist un Gänsemist let den Acker, wie wie hei ist. Waldeck

Taubenvögt lassen Tauben ein- und aussfliegen, die immer wieder neue mit sich bringen.

Taubes Korn geht nicht zugrunde.
fr] Folle graine ne périt point.

Tauch den Schwanz ins Wasser, dann bekommst du den Fisch fest. Estland

Tauen im Winter weist auf Dürre im Sommer hin. Estland

Tauf' (schmad) dich un wer Tambour.
i] In früherer Zeit mussten die Juden jede Nacht, sowie bei Beginn des Sonntags und der christlichen und jüdischen Feiertage auf den Trommelschlag aus allen Teilen der Stadt in die Judengasse zurückkehren, worauf dann die Tor geschlossen wurden. Einmal trat ein Jude zum Christentum über und erhielt dafür die Stelle des Tambours von der Judengasse, die nur ein Christ erhalten konnte, was zur Entstehung der obigen Redensart Veranlassung gab, welches angewandt wird, wenn sich jemand tadelnd gegen Judentum und jüdische Einrichtungen äußert.

Taufen und Freiten - zehrende Zeiten.

Taugemâkede Schlöttere mâked frumm Gesinge. Waldeck
hdt] Verschlossene Schlösser machen frommes Gesinde.

Taugt auch der Kopf nicht viel, das Herz ist desto besser.
i] Diejenigen Menschen, welche sich mehr von Eingebungen des Gefühls als von kühler Überlegung leiten lassen, haben oft ein gutes Herz.
v] Das Herz ist oft besser als der Kopf.
fr] Mauvaise tête, bon coeur.

Taugt den das Paradies nur für die Familie des Imam?

Tausch hat keinen Zug. [RSpW]
i] Will sagen, dass bei Vertauschung von liegenden Gründen das Näherrecht keine Anwendung findet.
z] Die Täusch haben keinen Zug.

Tausch ist kein Raub. [RSpW]
i] Beantwortet die Frage, ob der auf der Flucht Begriffene, welcher, um nicht erkannt zu werden, einen Reisenden auf der Straße zwingt, die Kleider mit ihm zu wechseln, als ein Straßenräuber zu betrachten und zu bestrafen sei. Da die Gewalt aus einer andern Ursache, als um einen Raub zu begehen, verübt wird, so wird dies durch's Sprichwort verneint.
en] Exchange is no robbery.

Tausch nie mit Zigeunern ein Pferd - du bekommst ein gebrechliches. Estland

Tausch niemals Gewißheit für Hoffnung ein. Malajalam, Indien

Täusche deine Vorgesetzten, aber nicht deine Untergebenen. Chinesisches Sprichwort

Täusche sind für die Raben, Zugaben für Kinder. Litauen

Tausche, weil du die Wechselbank hast.

Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer werden das Reich Gottes erben!
Paulus (1 Korinther 6, 9-10)

Täuscht mich nicht, Gedanken:
Ich halte fest und folg euch ohne Wanken.
en] My project may deceive me,
But my intents are fix’d, and will not leave me.
Shakespeare, Ende gut, alles gut I,1

Täuschungen kommen vom Himmel, Irrtümer von uns selbst.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Tausend Ängste bergen tausend Verluste.
D. M. Frank

Tausend Ärzte kurieren auch einen Gesunden zu Tode.

Tausend Bräute für den Mann und tausend Männer für die Braut. Neugriechisch

Tausend Dank.
v] So viel Schritte von Klagenfurt bis Schestin, so viel mal Dank sei euch. Slowenien

Tausend Diebe berauben keinen Nackten.

Tausend Dinge gehen vorwärts, neunhundertneunundneunzig zurück, das ist Fortschritt.
Henri Frédéric Amiel, Fragments d'un journal intim (1883 f.)

Tausend Dinge sucht der Mensch in den Wolken und außer sich, die in seinem Busen und vor seiner Nase liegen.
Friedrich M. Klinger, Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt

Tausend Drachmen Bestechung tilgen nicht eine einzige Drachme Schuld.

Tausend Erinnerungen geben nicht einen Gedanken. China

Tausend Feinde außerhalb des Hauses sind besser als einer drinnen.

Tausend fleiß'ge Hände regen,
Helfen sich in munterm Bund,
Und in feurigem Bewegen
Werden alle Kräfte kund.
Schiller, Das Lied von der Glocke

Tausend Fliegen hatt ich am Abend erschlagen,
Doch weckte mich eine beim frühesten Tagen.
Goethe, Sprichwörtlich

Tausend Flüche haben noch nie ein Hemd zerrissen. Arabien
v] Tausend Flüche vom Teufel zerreißen auch kein Hemd.
v] Tausend Flüche zerreißen kein Hemd, und tausend Hochzeitsschreie verheiraten keinen Junggesellen.

Tausend Frauen wiegt das Leben eines einzigen Mannes auf.
Euripides, Iphigenie in Aulis (Iphigenie)

Tausend Freunde sind wenig, ein Feind viel.
tü] Bin dost az, bir düşman çok.

Tausend fünfhundert dreißig und neun galten die Fass mehr als der Wein.

Tausend Gänge sind beim Beduinen umsonst.

Tausend Irrtümer sind leichter gesagt, als eine Wahrheit.

Tausend Jahr unrecht ist heut auch unrecht.

Tausend Jahre nach der Ewigkeit.
i] Wird etwas geschehen, oder bis dahin soll etwas dauern.
fr] Cent ans ce n'est guère, mais jamais c'est beaucoup.

Tausend können mehr als einer.

Tausend Köpfe, tausend Sinne.
fr] Vingt têtes, vingt avis.
la] Mille hominum species et rerum discolor usus.

Tausend Kraniche in der Luft sind nicht so viel wert als ein Sperling in der Hand.

Tausend Lerchen scheißen so viel wie eine Kuh.

Tausend Löcher hat das Sieb, doch kannst du durch keines entkommen.

Tausend Männer können zusammen in Frieden leben, zwei Frauen, selbst wenn sie Schwestern sind, können es nicht. Indien

Tausend Menschen töteten die Hauptfrau. Kosi, Afrika (Sie ist die Mächtigste im Hause, aber alle waren gegen sie)

Tausend Reiter sind nicht im Stande, einen Nackten zu plündern.

Tausend Rezepte sind billig, ein Erfolg ist teuer. China

Tausend Rußkörnchen ziehen durch die Luft, aber nur wenige glühen: Funken. Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf, aber nur wenige glühen: Aphorismen
Felix Pollak

Tausend schöne Worte sind nicht so viel wie eine gute Tat.

Tausend Sehende, tausend Blinde.

Tausend Soldaten sind leicht zu rekrutieren, es ist nur schwierig, einen General zu finden. China

Tausend Sorgen bezahlen nicht einen Heller Schulden.
v] Tausend Sorgen hängen keine Schindel aufs Dach.

Tausend Stern, wie staunt die Kuh über das ne ue Stadttor.

Tausend Taler in der Kiste und keinen Kreutzer im Sack.
v] Tausend Taler aus der Büchse und keinen Kreutzer aus dem Sack.
i] Mit fremden Gelde ist der Geizhals freigebig; Taler aus der Armenbüchse aber keinen Kreutzer aus der eigenen Tasche.

Tausend Taler oder einen Schiß, sagt Wewer Eisen wenn er von der Mitgift seiner Töchter sprach.

Tausend Teufel kommen noch nicht einem Schwager oder einer Schwägerin gleich. (Teufel = Schwiegermutter)

Tausend Verse wiegen nicht ein einziges Weizenkorn auf.

Tausend Wahrscheinlichkeiten machen nicht eine Wahrheit. England

Tausend Zentner Ungeduld helffen im Kreuz nicht ein härlein breit.

Tausendfacher Gram tilgt keine Schuld.
tü] Bin tasa bir borç ödemez.

Tausendgüldenkraut ist ein gut Gewächs, aber Ehrenspreis ist besser.
v] Tausendgüldenkraut tut Wunder.
v] Tausendgüldenkraut und Ehrenpreis, die hat der Teufel dem Bauer geweist. (So lässt das Sprichwort den ärgerlichen Apotheker schelten, da nach ehemaliger Volksmeinung in jenen beiden Kräutern die wichtigsten Heilmittel enthalten sind)
v] Tausendgüldenkraut und Frauenmünze heilen alle Schäden.
v] Tausendgüldenkraut wächst nicht auf allen Bergen.

Tausendmal hab ich in meiner Herzensfreude gelacht über die Menschen, die sich einbilden, ein erhabner Geist könne unmöglich wissen, wie man ein Gemüse bereitet.
Friedrich Hölderlin, Hyperion

Tausendmal haben wir unsre Stimme erhoben,
Tausendmal haben wir euch zugerufen:
Glaubt nicht den Spiegelfechtern!
Faschismus ist Krieg und Elend!
Sozialismus ist Frieden und Wohlstand!
Erich Weinert, Aufruf an das deutsche Volk

Tausendmal lernen ist nicht so viel wert wie einmal sehen. China

Tausendmal messen, einmal schneiden.
tü] Bin ölçüp bir biçmeli.

Tausenmal zuhören, einmal sprechen.
tü] Bin işit, bir söyle.

Tauses, hast du mein pferd nit gsehen.

Taut es vor und auf Mattheis (24.2.),
geht kein Fuchs mehr übers Eis.

Taut's im März nach Sommerart, bekommt der Lenz einen weißen Bart.

Tautropfen füllen keinen Brunnen.
i] Ebenso wenig wird die Geldsucht des Geizhalses gestillt.

Tauwetter - Sauwetter.
v] Tauwetter im Monat Januar ist des Hungers Mutter.
v] Tauwetter zur Lichtmess (2.2.) und Dürre am Margaretentag (13. VII) sind des Hungers Mutter. Estland

Taxen sind Faxen, sagte der Schulz, da er ein Ding für zehn Kreutzer verkaufte, das er auf zehn Gulden taxiert hatte.
Taxen sind Faxen. (In der Niederlausitz gäng und gebe, um das Unzuverlässige, namentlich der Gütertaxen, zu bezeichnen)

Te hôst schlämm geladen. Siebenbürgen/Sachsen

Te kast mer geschtîle wärden. Siebenbürgen/Sachsen
v] Du kannst mer g'stohle komme.
i] Kannst mer hinte num gau, de Bass gei, auf Kirbe komm, den Buckel 'nauf stige.

Technik ist die bewußte Herstellung und Anwendung von Mitteln. Carl Friedrich von Weizsäcker

Technischer Fortschritt bei der Energiegewinnung darf sich nicht auf den Schultern von Strahlenopfern aufbauen.
Richard von Weizsäcker, Verantwortung für sozialen Fortschritt, Gerechtigkeit und Menschenrechte (1986)

Technokraten sind Bürokraten mit technischer Ausrüstung. Petan

Technokratie ist die Technik der Herrschaft, die sich als Herrschaft der Technik verkleidet hat.
Lothar Schmidt

Technokratie ist, wenn Probleme gelöst statt zerredet werden. HelmarNahr

Technologie ist die systematische Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse bei praktischen Aufgaben. Galbraith

Tee erleuchtet den Verstand, schärft die Sinne, verleiht Leichtigkeit und Energie, und vertreibt Langeweile und Verdruss.

Tee ist der chinesische Pfeil, der das russische Heer durchbohrt hat. Rußland

Tee nach China tragen.
i] In dem Sinne wie: Holz in den Wald, Wasser ins Meer.
z] Unser Bild gibt eine Scene des Derby-Rennens in England. Hier eine Bande von Leuten, die ihren Gassenhauer vortragen, daneben ein Methodistenprediger, der hier ›Tee nach China‹ trägt, weil niemand auf seine Bußpredigten hörte, dort u.s.w.

Tee trinken und abwarten. Königsberg
v] Tee trinken, Geduld haben, die Hand rühren, auf Gott vertrauen und alles gehen lassen, wie es geht. Ostpreussen

Tee und gute Freunde (o. Freundschaft) muss man probieren.

Tee wirkt stets wie Gift auf mich.
Goethe, F. v. Müller, 1.5.1826

Tee, Kaffee und Leckerli bringen den Bürger ums Äckerli. Schweiz

Teer ist kein Schmeer.
v] Teer verursacht keine Krankheit. Estland

Teer unter den Kaviar mengen.

Teetrinker, frühe Hinker.
i] In Bezug auf übermäßigen Genuss von Tee. Dadurch nämlich, dass sich der Teestoff als Harnstoff wieder abscheidet, kann es sich ereignen, dass derselbe, wenn er in überreicher Menge vorhanden war, und so vom Blute aufgenommen wurde, sich zwischen den Gelenkköpfen der Hände und Füße ablagert und dadurch zum Entstehen von Gicht Veranlassung gibt. Bekanntlich tritt derselbe Fall auch bei zu reichlichem Fleischgenuss ein, denn Teestoff und Fleischstoff liegen hinsichtlich ihrer Zusammensetzung nicht weit voneinander.

Teewes und Schwat holten ihren Prat.
i] Die beiden Monate Tebeth und Schebat, 10 und 11 im jüdischen Kalender, ungefähr unser Januar und Februar, verleugnen so wenig wie diese ihren Charakter.

Tegen de Backabnd janen.

Teglich Unglück ist leicht zu tragen.

Tei dat Hus up'n Balken. Westfalen (Auf den Balken heißt auf den Hausboden. Als Scherz oder Spott zu jemandem, um zu sagen, dass es in seiner Abwesenheit sicher sei)

Teif, Lorck, sä jenne Slächter, hast du 't Leben da sitten? Da stök hei't Swîn in 't Âslok. Hildesheim
v] Teif (warte) Lork, eck will deck de Klabusterbêren vom Mâse wegsnien, segt de Swên. Hildesheim
v] Teif, Lork, sä' jenne Slächter, hast du 't Leben da sitten? Da stôk hei 't Swîn in 't Âslock. Hildesheim

Teig ist noch kein Brot. (Talent muss erst noch ausgebildet werden)

Teigiges Brot und grüner Kienspan, - beide zerstören das Haus. Estland

Teil wird, ohne Maß und Ziel genießen)

Teile dein Geheimnis nicht mit deinem Freund, denn der wird es seinem Freund weitersagen.
tü] Açma sırrını dostuna o da söyler dostuna.

Teile den kleinen Fisch nicht, gib ihn ganz!

Teile und herrsche.
i] Gebiete und entzweie. Ein wörtlich aus dem Lateinischen in unsere Literatur übergegangener Spruch, in den einst Augustus das Geheimnis seiner Herrschaft fasste und der noch bis auf unsere Zeit in den verschiedensten Lebensverhältnissen zur Anwendung gebracht wird.
la] Divide et impera.

Teilen kann ich nicht das Leben,
Nicht das Innen, noch das Außen,
Allen muss das Ganze geben,
Um mit euch und mir zu hausen.
Immer hab ich nur geschrieben,
Wie ichs fühle, wie ichs meine,
Und so spalt ich mich, ihr Lieben,
Und bin immerfort der Eine.
Goethe, Zahme Xenien VI

Teilen wie ein Schweinfuß. [RSpW]
i] Nach der alten Rechtssprache in zwei gleiche Hälften, z.B. den Nachlass.

Teilet sich das Bett, so trennen sich die Herzen.
v] Teilt sich das Bett, so scheiden sich die Herzen.

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