Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
U
'Und was sich zwischen beide [All und Sterne] stellt?'
Dein Auge, so wie die Körperwelt.
Goethe, Gott, Gemüt und Welt
'Unwissenheit schützt vor Strafe nicht', sagte der Quizmaster und gab dem Kandidaten einen Fernseher. [ASpW]
Ual Raamar hâ stîf Hurnar. Amrum
hdt] Alte Ramme (Böcke, s.d.) haben steife Hörner.
z] Von kräftigen Kerlen, die im Leben viel und schwer gearbeitet.
Ual Stre as so gud üsch ual Jil. Amrum
hdt] Alt Stroh ist so gut wie alt Geld.
Uan Hounni is pessar, as sibm Hedi. Steiermark
hdt] Ein Habich ist besser als sieben Hättich.
Uan ungrehda Hola frisst zedn gerechdi Thola. Steiermark
hdt] Ein ungerechter Heller frisst zehn gerechte Taler.
Uann wos daidsch sogn. Steiermark
hdt] Einem etwas deutsch sagen.
Uast en wääst, ithüüs est bääst. Friesland
Üb einen kleinen Graben ist leicht springen.
Üb immer Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab.
Hölty, Der alte Landmann an seinen Sohn
Üb' immer Treu und Redlichkeit,
Bis an dein kühles Grab.
Hölty, Der alte Landmann an seinen Sohn
Übe dich in der Mäßigkeit.
Übe die Kunst, aufzugeben. Japan
Übe lieber Sparsamkeit, als nebenher zu arbeiten.
Übe mich in der Tugend, ohne Gähnen sagen zu können: sehr interessant.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht
Übel (unrecht) gewunnen kompt selten an den dritten Erben.
Übel angefangen ist selten glücklich ausgegangen.
la] Raro bono peraguntur exitu, quae malo sunt inchoata principio.
sp] Quien mal anda en mal acaba.
Übel angewandte Freiheit bringt einem selbst und anderen Nachteil.
Niccolò Machiavelli, Geschichte von Florenz
Übel ärger machen.
la] Oleum addere camino.
Übel auf Übel ist keine Gesundheit.
fr] Mal sur mal n'est pas santé, mais un mal est par un autre contenté.
Übel begonnen - Unheil gewonnen.
ho] Kwade beginselen hebben zelden een goed einde.
ho] Kwalijk begonnen, kwalijk geluk.
it] Chi mal comincia, peggio finisce.
Übel beritten auf Schusters Rappen.
Übel beritten will immer voran sein.
Übel beritten will stets vornen dran seyn.
Übel bewahrt, fressen die Katzen.
Übel ergeht es dem Arzt, wenn es niemandem übel ergeht.
Übel erworben Ding hat giftige Zähne.
Übel erworben ist bald verdorben.
Übel erworbenes Vieh frisst Wolf und Compagnie.
Übel gegessen ist halb getrunken.
mhd] Übel gezzen ist halb getrunken.
Übel gegessen, ist halb gefastet.
Übel geheilte Schäden brechen leicht wieder auf.
sd] Illa läkt sår, är snart uprifwet.
Übel gehütete Schafe nimmt der Wolf.
fr] Brebis mal gardée du loup est bien souvent mangée.
Übel genähet und wohl gekleyet ist aller Hümpler (Pfuscher) Arbeit.
Übel gesprochen, ist wohl appelliert.
i] Denn ungerechter Spruch rechtfertigt und unterstützt den Gebrauch der Berufung gegen denselben.
Übel geurteilt, wohl appelliert.
Übel gewonnen Gut kommt selten an die Sonne.
Übel gewonnen Gut nimbt das gerechte und wolerworbene Gut auch hinweg.
Übel gewonnen Gut schwiert manchen zu den Augen und Nägeln herauss.
Übel gewonnen Gut wird den frommen fürgespart.
Übel gewonnen kompt selten an d' sonn.
Übel gewonnen und wohl gelebt, macht bald arm.
Übel gewonnen, schendlich verzert.
Übel gewonnen, übel (o. bald, böslich) zerronnen,
Mit Frommsein kann ich nichts bekommen.
Man sagt zwar: Das ist ein frommer Mann,
Und lässt ihn dennoch betteln gehn,
Es wird seiner gar schlecht vergessen;
Niemand kann von Frömmigkeit essen. Rollenhagen, Froschmeuseler
Übel gewonnen, vergehet wie Schnee an der Sonnen.
Übel gewunnen (gewonnen), übel gelungen.
Übel gewunnen, übel verloren.
Übel gewunnen, übel verschlungen.
bm] Zle dobyto, zle pozbyto.
dä] Ilde vundet, snart forsvundet.
dä] Saa kommet, saa ganget.
en] Evil gotten, evil spent.
en] Things ill got have ever bad success.
fr] Bien mal acquis ne profite pas.
fr] Ce que l'on acquiert méchamment, on le dépense sottement.
it] Presto si perde il mal guadagnato.
it] Richezze mal acquistate non sono durabili.
ho] Qualic ghewonnen, qualic verloren.
la] Mala parta male dilabuntur.
la] Male quaesit, male perdit.
la] Quod male lucratur, male perditur et nihilatur.
Übel Gut das reichet nicht.
Übel ist ein Hügel - jeder steigt auf seinen eigenen und verkündigt den des andern.
Übel kommt geritten und geht weg mit Schritten.
Übel Leben fürchtet den Tod.
it] Chi mal vive sta sempre in timore.
Übel lebt, wer nicht nach Besserung strebt.
Übel Nachrede sind wie die Schneeballen, je länger man sie herumb weltzet, je größer sie werden.
Übel reden und tun sind gern beisammen.
dä] At tale og gjøre ilde, er tidt tilsammen.
Übel regieren lehrt rebellieren.
z] Welches Recht wir zum Regiment haben, danach fragen wir nicht, wir regieren. Ob das Volk ein Recht hat, uns abzusetzen, darum bekümmern wir uns nicht; wir hüten uns nur, dass es nicht in Versuchung komme, es zu tun. Goethe
dä] Uretfærdig regering er en moder til Ulydighed.
Übel regieren verleurt alle Herrschafft.
Übel schlemmen macht ein kurzes Leben.
Übel tun kostet mehr als wohl tun.
fr] Plus coute malfaire que bien faire.
Übel wiegt der, welcher nicht hergegen wiegt.
Übel will mur und Übel wird mir wollen, wem ich die Wahrheit sagen werde.
Übel, mach dich davon - es kommt noch Übleres. Bulgarien
Übeltat entgeht der Strafe nicht.
la] Nulla malefactis fuga.
Übeltat ist leichter getan als entschuldigt.
Übeltat sich selbs verrath.
Übeltäter sind immer Übel Befürchtende. Schottland
Üben ist schwer, aber Sterben noch schwerer. Albanien
Uben Lucken (Locken), unden Pfucken.
i] Sagt man von einem eiteln Mädchen, das wohl schöne Kleider, aber schlechte Wäsche hat.
Über Abbadan geht kein Dorf. (Von der lächerlichen Eitelkeit mancher Leute, die von ihrem Geburtsort, wäre er auch nur das elendeste Nest, nur mit den größten Lobeserhebungen sprechen)
Über Abwesende geht kein Recht. [RSpW]
Über alle diese nationalen Kriege, neuen Reiche und was sonst im Vordergrund steht, sehe ich hinweg. Was mich angeht - denn ich sehe es langsam und zögernd sich vorbereiten - das ist das Eine Europa. Bei allen umfänglicheren und tieferen Menschen dieses Jahrhunderts war es die eigentliche Gesamtarbeit ihrer Seele, jene neue Synthesis vorzubereiten und versuchsweise den Europäer der Zukunft vorwegzunehmen: nur in ihren schwächeren Stunden, oder wenn sie alt wurden, fielen sie in die nationale Beschränktheit der Vaterländer zurück, - dann waren sie Patrioten. Nietzsche
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch,
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
Goethe, Wandrers Nachtlied - Ein Gleiches
Über allen kenntnisreichen Menschen steht der Weise.
Über allen Wein ist der Griech' ein Götterwein.
i] Es ist namentlich der Malvasier gemeint.
it] Sopra ogni vino, il greco è divino.
Über alles in der Welt kommt man hinweg, über den Grabhügel nicht. Estland
Über alles und einiges andere.
la] De omnibus rebus et quibusdam aliis.
Nach Giovanni Pico, Graf von Mirandola, Thesen (1486)
Über alles, was du siehst, denke nach.
Über alte Händel klagen und schon nach neuen fragen.
la] Cura viris gravibus rerum solet esse suarum.
la] Cura viris levibus rerum solet esse novarum.
Über an jede Kletzn schreien. Oberösterreich
i] Über jede Kleinigkeit ein Halloh erheben.
Über ander Leut regieren ist ein groß ding, aber gar glatt und schlipffrig.
Über ander Leut Trübsal hat man bald ausgeweint.
la] Cito arescit lachryma praesertim in alienis malis.
Über andere hat man immer etwas zu sagen. Bantu
Über anderer Unglück lachen.
la] Ajacis risus.
la] Alienis malis ridere.
Über Apotheken lacht der Tod genauso laut wie über Kräuterfrauen.
Über Ars und Kopf burzeln.
Über Ars, über Kopf. (Etwas in großer Hast ausführen)
Über Berg und Tal
Irrtum über Irrtum allzumal,
Kommen wir wieder ins Freie!
Doch da ists gar zu weit und breit,
Nun suchen wir in kurzer Zeit
Irrgang und Berg aufs neue.
Goethe, Zahme Xenien I
Über Betrunkene und Kinder wacht eine besondere Vorsehung. Schottland
Über Bord gehen. Sich mit Erdmann verheiraten. Nach Hochhausen reisen. (Danzig.) Nach Nobelskrug gehen. (Tilsit.) Den heft de Körsch schon op de List. De Loft ös em vergange.
Über brave Frauen wird am wenigsten geredet.
Über Christo werden Herodes und Pilatus Freunde.
Über d' Schnur haua.
i] Über die Schnur hauen, das rechte Maß überschreiten. Von der durch Rötel bezeichneten Richtschnur der Zimmerleute. Für das Hinausgehen über das rechte Maß.
sinnverwandt] Er ist über das Böglein getreten. Er hat den Esel übergürtet. Er hat die Armbrust überspannt. Er hat das Liéd zu hoch angefangen. 'Gott werds gewiss nicht vngestrafft lassen, wo sie vber die Schnur hawen.' Man gebraucht sie für das lateinische Ultra septa transilire und fügt, um die Überschreitung von Grenze und Maß auszudrücken, noch als verwandt bei: Zu vil tun. Vber das Böglein tretten. Den Esel übergürten. Das Liedlein zu hoch anfahen. Das armbrust vberspannen. Er hat jm zu vil thon. Einer Noten zu hoch singen.
la] Extra chorum saltare.
fr] Aller terre à terre. – Passer les bornes. – Peter plus haut que la cû. – Sortir de sa sphère.
la] Extra chorum saltare. – Toto coelo aberras. – Ultra septa transilire.
Über das absurde schreit jedermann auf und freut sich, etwas so tief unter sich zu sehen. Über das Mittelmäßige erhebt man sich mit Behaglichkeit.
Goethe, an Schiller, 4. Sept. 1799
Über das Ausmaß seines Talents wird uns ein gewandter Autor zuweilen zu betrügen imstande sein, nie jedoch über den Grad des Interesses, das er selbst seinem Problem und seinen Gestalten entgegenbringt.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken
Über das Eis wird kein Brückensteg gelegt.
Über das Freudige, das dir vorkommt, freue dich nicht zu geschwind und halte es nicht gleich für erfreulich, indem es unfehlbar bei seinem Ausgange Verdruß bringen wird, und über jede Verdrießlichkeit, die dir aufstößt, freue dich und rechne sie nicht für Leiden, indem ihr Ausgang erfreulich sein wird. Buch des Kabus
Über das Glück geht doch der Freund,
Der's fühlend erst erschafft, der's teilend mehrt.
Friedrich Schiller, Wallensteins Tod (Wallenstein)
Über das Herz zu siegen, ist groß, ich verehre den Tapfern,
Aber wer durch sein Herz sieget, er gilt mir doch mehr.
Goethe, Tabulae Votivae 32 - Der Vorzug
Über das Holz zu springen, ist Spaß, sagte die Schildkröte, aber ich kann nicht vor lauter Lachen. (Zur Bezeichnung lächerlicher Ausreden, welche bestimmt sind, das Unvermögen zu verdecken)
Über das Innere urteilt der Praetor nicht. Nur die äußere Tat unterliegt dem Gesetz. la] De internis non iudicat praetor.
Über das Kommen mancher Menschen tröstet uns nichts als die Hoffnung auf ihr Gehen.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen
Über das Meer führt keine Brücke.
Über das Prinzip, woraus die Sittlichkeit abzuleiten sei, hat man sich nie vollkommen vereinigen können. Einige haben den Eigennutz als Triebfeder aller sittlichen Handlungen angenommen, andere wollten den Trieb nach Wohlbehagen, nach Glückseligkeit als einzig wirksam finden, wieder andere setzten das apodiktische Pflichtgebot obenan, und keine dieser Voraussetzungen konnte allgemein anerkannt werden, man mußte es zuletzt am geratensten finden, aus dem ganzen Komplex der gesunden menschlichen Natur das Sittliche so wie das Schöne zu entwickeln.
Goethe, An Th. Carlyle, 14.3.1828
Über das theatralisch Komische habe ich auch verschiedenemal zu denken Gelegenheit gehabt, das Resultat ist: dass man es nur in einer großen, mehr oder weniger rohen Menschenmasse gewahr werden kann und dass wir leider ein Kapital dieser Art, womit wir poetisch wuchern könnten, bei uns gar nicht finden.
Goethe, Reise in die Schweiz 1797 - Stuttgart, 31.8.
Über das Weib soll man nur zu Männern reden. Nietzsche, Zarathustra
Über de Krezde laufen.
i] In dem Sinne: über die Schnur treten.
Über deine Angelegenheiten musst du andere fragen.
Über deines Freundes Dach darfst du lachen, aber nicht über sein Schlafzimmer. Kenia
Über dem Bemühen, die Hörner des Ochsen gerade zu biegen, geht die Sonne unter. Japan
Über dem Berge drüben findet man auch Leute.
Über dem Bett der Politiker schwebt das Demoskopie-Schwert.
Gerhard Uhlenbruck
Über dem Dürren brennt auch das Nasse. - Schlechta, 372.
Über dem Eingang zum Paradies steht geschrieben: Nie hat eine Schwiegermutter eine Schwiegertochter geliebt. Libanon
Über dem Fangen von Fischen und Krebsen vergiss die Feldarbeit nicht.
Über dem Geschwätz eines Buddhamönchs von Heirat vergeht die Zeit. China
Über dem Gesetz, außer dem Gesetz!
z] Man kann nicht über dem Gesetz sein, ohne auch außer dem Gesetz zu sein.
Über dem Haupte des Rechtschaffenen weilen die Götter.
Über dem Herzen sollen Zügel gehalten werden. Estland (Das Herz soll im Zaum gehalten werden)
Über dem Hieb den Stoß vergessen.
Über dem Hohen gibt's noch einen Höhern. (Als Trost gegen Missbrauch der Gewalt)
Über dem Kamel ist immer noch ein Elefant.
Über dem Meer gibt es auch gescheite Leute.
fr] Au-delà du mont il y a du monde.
it] Al di là del monte c'è gente anche.
it] Al di-là de' monti sono anche uomini che hanno sale in zucca.
it] Anch' io sono pittore.
sp] Detrás del monte hay gente también.
un] Nem egész világ Baranya, laknak Somogyban is. (Gaal, 185.)
Über dem Popen gibt es noch einen Popen. Serbien
z] Die meisten Priester haben immer etwas Hildebranderei, allen ist das Amt der Schlüßel du erste Hauptstück im Katechismus, allen unser Jammerthal hienieden lieber als das himmlische Jerusalem.
Über dem Spaß wäre mir das Feuer bald ausgegangen, sagte der Dieb, als er, begnadigt, von der Leiter herunterkam und sofort nach seiner Pfeife griff.
i] Ein Dieb, der gehängt werden sollte, hatte sich die Gnade ausgebeten, vorher eine Pfeife Tabak rauchen zu dürfen. Da er sehr langsam rauchte, wurde endlich befohlen, die Pfeife wegzulegen und sich zur Hinrichtung anzuschicken. Bedächtig stellte er die Pfeife an den Galgen und stieg die Leiter ruhig hinan. Als er oben war, ertönte der Ruf: Gnade. Als er heruntergestiegen, griff er zuerst nach seiner Pfeife und brach in obige Worte aus.
Über dem Ungewissen verliert mancher das gewisse.
Über dem vollen Bauch lächelt ein fröhliches Haupt.
Über dem Wetterkreuz gibt's keine Sünde.
Über dem Zorn soll die Sonne nicht untergehen.
la] Bilis se quemque (queque) suspendit nocte dieque.
la] Iram immortalem ne serves, cum his homo.
sd] Daghs rwm ok natta skal wara mallorn hwario broede.
Über den Alten kannst du lachen, über den Notleidenden nicht. Estland
Über den anderen schadenfroh sein oder sich selbst bestehlen ist ein und dasselbe. Estland
Über den Bauern zischelt man hinter dem Rücken, über die Hausfrau lacht man in der Ecke. Estland
Über den Chor hinaustanzen (oder: außerhalb des Chores tanzen). Altgriechisch (Von denen, die etwas tun, was mit ihren Vorsätzen, Grundsätzen oder mit den Gesetzen der Gesellschaft nicht übereinstimmt. Die, welche die Chöre aufführten, waren an eine bestimmte Grenze, einen bestimmten Rhythmus gebunden)
über den Daumen gepeilt
en] by guess and by god
fre] à vue de nez - au pifomètre
it] calcolato a lume di naso - a occhio e croce
Über den Dingen liegt ein Duft, ein Hauch: das ist das Beste.
Gerhart Hauptmann
Über den Fuchs springen. (Überlistung)
Über den Geschmack lässt sich nicht streiten.
dä] Hver Mand sin Lyst.
fr] Des goûts et des couleurs on ne peut disputer.
it] Sopra i gusti non v' e da disputare.
it] Tutti i gusti son gusti.
la] De gustu non est disputandum. (Trotzdem liefen die vornehmen jungen Römer auf der Straße mit Peitschen herum, um diejenigen zu geiseln, denen die Gedichte des Poeten Lucilius nicht gefielen, und ein französischer Hauptmann drohte Girae, er wolle seine ganze Compagnie Soldaten bei ihm einquartieren, wenn derselbe fortfahren sollte, Voiture's Werke zu tadeln)
sp] Contra gustos no hay disputa.
Über den Hang der neuern Zeit zum Mystizismus, weil man dabei weniger gründlich zu lernen habe. Sonst habe man viel sein müssen, um etwas zu scheinen.
Goethe, F. v. Müller, 18.6.1825
Über den Hund fallen. (Abgewiesen werden)
la] Repulsam ferre.
Über den Hund kann man kommen, aber nicht über den Schwanz. Estland
Über den Hund urteile nicht nach den Haaren, sondern nach den Zähnen. Estland
Über den Kamm oder genau von der Haut weg.
la] Sed utrum strictimne dicam attonsurum esse, an per pectinem, nescio. Plautus
Über den Lebensfaden hinaus.
la] Ultra linum. (
Über den Mann entscheidet man nicht nach seinen Worten, sondern nach seinen Taten. Estland
Über den Narrenspossen wäre beinahe meine Pfeife ausgegangen, sagte jener arme Sünder, als er wieder über die Leiter herunterkam.
i] Er hatte bis zum Galgen geraucht, vor dem Hinaufsteigen die brennende Pfeife unten weggelegt. Als er die Leiter noch nicht völlig hinauf war, traf seine Begnadigung ein, aber der Tabak glomm noch, als er wieder herunterkam, was ihn zu den obigen Worten veranlasste.
Über den Ochsen, das Pferd wird getreten, die Kuh, das Schaf werden zwischen den Füßen hindurchgeschoben.
Über den Ort, wo man gewöhnlich sich aufhält, wird niemand wagen, etwas zu schreiben, es müsste denn von bloßer Aufzählung der vorhandenen Gegenstände die Rede sein; ebenso geht es mit allem, was uns noch einigermaßen nah ist, man fühlt erst, dass es eine Impietät wäre, wenn man auch sein gerechtestes, mäßigstes Urteil über die Dinge öffentlich aussprechen wollte.
Goethe, An Schiller, 9.8.1797
Über den Rang entscheidet das Quantum Macht, das du bist, der Rest ist Feigheit. Nietzsche, Der Wille zur Macht
Über den Rat geht kein Zeugnis.
z] Dat bouen den rad, de vorrichte set, nen tuch ne geit.
Über den Reuhen reden. Ulm
i] Auf jemanden Anspielung machen.
Über den Rhein fahren.
i] Der Liebe fröhnen.
z] Oft schicken sie ein Kartenblatt, etwa eine 8 oder 9, anzuzeigen, dass der Miles aufn Abend um die 8. oder 9. Stunde kommen soll. Und dies tun nicht allein die Mägdlein, sondern auch die jungen Weiber, wenn der Mann nicht daheim oder wenn der arme Joseph hinterm Ofen leit und schläft, dieweil er nicht mehr übern Rhein fahren, noch seine nächtliche kleine Hausarbeit bestellen kann.
Über den Ruf des Feldherrn entscheidet allerdings vor allem der Erfolg. Moltke, 1870
Über den Ruf eines Feldherrn entscheidet vor allem der Erfolg. Wie viel davon sein wirkliches Verdienst, ist außerordentlich schwer zu bestimmen.
Helmuth Graf von Moltke, Über Strategie
Über den schlechten Weg soll man schnell hinwegkommen. Spanien
sp] EI mal camino, pasarlo pronto.
Über den Schuss sein.
i] Weiter als der Schuss reicht, also außer Gefahr.
fr] Être hors la portée.
Über den starken Wainemoinen herrscht Jumola. Finnland
Über den Stint den Stör vergessen. Russland
Über den Strang schlagen.
ndt] Över de Sträng hau'n (slân). Holstein
i] Von mutwilligen Pferden entlehnt, und von denen gebraucht, welche sich nicht in die gegebenen Schranken und Verhältnisse fügen wollen.
Über den strich kommen.
i] In einer Sache zu weit gehen.
la] Vagari ultra terminum.
Über den Tod derer, denen das Gut jhr Gott ist, frewen sich drey: der teufel, dass er die Seel, die Würm, dass sie den Leib, und die Erben, dass sie das gut bekommen.
Über den Tod steht niemand. Estland
Über den Überbringer von Neuigkeiten wird nicht gesprochen. (Sondern nur über die Neuigkeiten) Duala (Bantu)
Über den Ursprung der Hufeisen ist man ungewiss: das älteste, was man zu kennen glaubt, soll dem Pferde des Königs Childerich gehört haben und also um das Jahr 481 zu setzen sein.
Goethe, Schriften zur Kunst - Münzkunde der deutschen Mittelzeit
Über den Wassern deiner Seele schwebt unaufhörlich ein dunkler Vogel: Unruhe. Christian Morgenstern, Psychologisches
Über den Wert der Bekehrung kann aber Gott allein urteilen; Gott allein kann wissen, wie groß die Schritte sein müssen, die hier die Seele tun muss, um dort seiner Gemeinschaft und dem Wohnplatz der Vollkommenheit und dem Umgang und der Freundschaft höherer Wesen näher zu kommen.
Goethe, Schriften zur Literatur – Bekehrungsgeschichte des J. F. Struensee
Über den Zaun auf den Hof - durch die Tür ins Gefängnis. Rußland
Über den Zaun sehen.
i] Neugierig sein.
z] Eva's Töchter, groß und klein, alle sehn gern übern Zaun.
Über den Zaun springt der Dieb in den Hof, aber ins Gefängnis geht er nachher durchs Tor.
Über den Zucker eine Honigbrühe gießen.
Über den, der sich von seiner ersten Frau scheiden lässt, weint der Altar heiße Tränen.
Über der Donau wohnen auch Leut'.
Über der Feinde Unglück lacht man am liebsten.
la] Risum de hoste jocum dicimus.
Über der Hahnen bauch klagen.
zit] Gar fresshafftig sein und alles verschwenden.
Über der Pforte der antiken Welt stand geschrieben: Erkenne dich selbst! Über der Pforte unserer neuen Welt sollte geschrieben stehen: Sei du selbst! Die Botschaft des Heilandes an die Menschen lautete einfach: Sei du selbst! Dies ist das Geheimnis Christi.
Oscar Wilde, Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus
Über der Schlange Kopf und die Bosheit eines Weibes ist nichts.
Über des Erschlagenen Stätte schweben rächende Geister und lauern auf den wiederkehrenden Mörder. Goethe, Faust, I, 23 (Mephisto)
Über des Kaisers Bart streiten.
zit] Über eine unbedeutende Sache streiten, obgleich die Entstehung der Redensart dieser Bedeutung entgegen ist. Es gab nämlich eine Zeit, wo man heftig darüber stritt, ob Kaiser Karl der Große einen Bart getragen habe oder nicht. Es war in der Tat wichtig, zu wissen, ob der Kaiser seinen Bart habe scheren lassen oder nicht, weil sich Urkunden vorfanden, von deren Echtheit große Privilegien abhingen. Auf einigen Siegeln derselben stand nämlich das Bild des Kaisers mit und auf anderen ohne einen Bart. Es entstand daher der sehr natürliche Verdacht, dass entweder jene oder diese untergeschoben sein möchten, und es ward eine wichtige Frage, welche von beiden echt sein möchten, eine Frage, die nicht anders entschieden werden konnte, als dass man auszumitteln suchte, ob der Kaiser einen Bart getragen habe oder nicht. Um auszudrücken: Der Kampf werde nicht um Kleinigkeiten, oder um eitle Güter als Ruhm und Siegeskränze geführt, sondern um ein hohes teures Gut, sagten die alten Griechen: Um keinen wilden Ölbaum streiten. In den meisten Wettkämpfen war der Preis des Siegers ein Kranz von Oliven-, oder Eichenzweigen.
fr] Se battre de la chape à l'évêque - Se battre de l'épée, qui est chez le fourbisseur. - Se disputer de la chape à l'évêque.
ho] Wedden (spelen, vechten) om des keisers baard, die het wint, zal hem holen.
Über des Menschen Herz lässt sich nichts sagen, als mit dem Feuerblick des Moments.
Goethe, An Auguste zu Stolberg, 14./19.9.1775
Über des Todes Klingen muss ein jeder springen.
Über des Wolfes Nahrung und des Herren Schlag soll man nicht lachen.
Über dess Gottlosen Hauss strewet Gott Schwefel auss.
Über dich geht gar nichts als deine Haut.
i] Scherz- oder spottweise.
Über die Armut braucht man sich nicht zu schämen, es gibt mehr Leute, die sich über ihren Reichtum schämen sollten. Johann Nepomuk Nestroy
Über die Berge mit Ungestüm. Kotzebue, Der arme Minnesänger
Über die besten Frauen wird am wenigsten geredet.
Über die Brücke, aus dem Gemüte.
ndt] Kimmste mer og iber de Bricke, su kimmst mer og aus'm Gemitte (= Gemüte).
Über die Ehe darf keine Gewohnheit gehen, welche die Ehe zerbricht.
Über die eigene Mutter und über den Himmel sagt man nie etwas Gutes. Ceylon (Sri Lanka)
Über die eigenen Füße fallen. (Unbehilflichkeit, Plumpheit)
Über die Entstehung der Ost-West-Teilung gibt es eine Legende, die von der gaullistischen Propaganda gepflegt wurde: sie gehe auf die Konferenz von Jalta zurück. Diese Legende ist anfechtbar. Am deutschen Fall ist das abzulesen. Noch nach Jalta beschlossen die drei Großen in Potsdam im Sommer 1945, die deutsche Einheit unter der kollektiven Leitung der Besatzungsmächte aufrecht zu erhalten und eine Zentralverwaltung einzurichten. Verschiedene Faktoren, darunter die Weigerung Frankreichs hieran teilzunehmen, haben die Entstehung dieser gesamtdeutschen Organisation verhindert. Walter Hallstein; Der unvollendete Bundesstaat
Über die erste Not wird immer hinweggeholfen: der Brottrog entzwei, das Wasser heiß.
Über die Geschmäcker ist nie ein Buch geschrieben worden. Mexiko
Über die geschwätzige Zungen der Weiber steigt das Unheil ins Haus.
Über die Großen sprich weder gut noch schlecht, denn sprichst du gut, so lügst du, und sprichst du schlecht, so begibst du dich in Gefahr. Spanien
Über die Heide hallet mein Schritt,
Dumpf aus der Erde wandert es mit.
Theodor Storm, Über die Heide
Über die Hosen des Königs Pharao streiten.
i] Ein Antiquitätenhändler in Paris, Namens Collard, der ein Lager der seltensten Dinge für Altertumsnarren hielt, hatte einem Engländer ein Paar Hosen des Königs Pharao für 25 Pfd. St. verkauft, die aus grobem Wollenstoffe verfertigt waren, deren Farbe aber unbestimmbar erschien. Der Engländer, Mr. Hill, war mit einem deutschen Archäologen aus Göttingen zusammengekommen, der ihm aber bewiesen hatte, dass er gründlich betrogen worden sei. Der Gerichtshof ließ sich zwar auf diese historischen Gründe nicht ein, aber er hielt dafür, dass sie den Hosen sehr ähnlich sähen, welche die Soldaten unter Napoleon I. getragen, dass man dergleichen bei jedem Trödler für 1/2 Franken bekommen könne, und verurteilte den Antiquitätenhändler Collard zur Zurückzahlung des Kaufgeldes und in die Kosten, weil eine Laesio ultra demidium (Verletzung über die Hälfte des Kaufwertes) vorliege.
Über die Kalmücken gelesen, dass sie nur wenig brauchen und sich bei der Arbeit nicht abrackern wie die Europäer, die sich an tausenderlei ausgefallene Bedürfnisse gewöhnt haben und nun ihr ganzes Leben für deren Befriedigung hingeben.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1889)
Über die Kanzel abwerfen (o. geworfen werden).
Über die kleinen Häge kann man leicht steigen.
Über die Klinge springen müssen.
Über die Kraft kann keiner, wie sehr er auch eifere, kämpfen. Homer, Ilias, XIII, 785
Über die Kreide treten.
i] Die Grenze, das rechte Maß überschreiten.
Über die Linie hinausspringen.
i] Die Grenze überschreiten.
Über die Mark Brandenburg:
Mutavit Dominos Marchia saepe suos.
Ebendaselbst finden sich auch noch folgende Verse zur Charakterisierung des Landes:
Pisces languores, Schorff, febres atque dolores,
Stroh-Dach, Knapp-Casei sunt hic in Marchia multi.
Et si videres nostras glaucas mulieres,
Nobiscum fieres, si quid pietatis haberes,
Neque venires ad nos, quia sumus in insula Pathmos,
Et caveas tibi, quia Grüts-Würst est etiam ibi.
Über die Mauer springen.
z] Wenn mein Widersacher an mich wolle, so verlasse ich mich auf Gott, da kann ich mit ihm vber die Mauer springen.
Über die Möglichkeit von Aktionen reden ist zwecklos, man muss die Möglichkeit durch Taten beweisen.
Lenin, Über die Diplomatie Trotzkis
Über die Mutter besteht Gewissheit, über den Mann Ungewissheit. Hawaii
Über die preussischen Pfiffe geht nichts.
i] Darüber, worin der preussische Pfiff eigentlich besteht, habe ich nirgends etwas finden können. Klugheit der Preussen seitens ihrer Nachbarn
Über die Produktivität ohne Urteil, Lust zur Erfindung, Märchen zu ersinnen. Kann auch hypochondrisch sein. Hängt auch mit dem Charakter zusammen und fließt auf ihn ein.
Goethe, Riemer, 20.7.1811
Über die schnur hawen.
Über die Schrift laufen, wie eine Wasserspinne übers Wasser.
Über die Seele haben wir durch Vorsatz und Sammlung des Gemüts eine große Gewalt. W. v. Humboldt, Briefe an eine Freundin, 29. 10. 1834
Über die Stiegen abfallen, ist gradatim den Hals brechen.
über die Stränge schlagen - über die Schnur hauen - es zu bunt treiben
en] to kick over the traces
fr] faire des folies (o. des escapades o. des frasques) - dépasser les bornes
it] rompere la cavezza - oltrepassare i limiti - passare la misura
Über die Taten gehen die Saaten.
Über die Toten nur gutes. (Über die Toten soll man nur Gutes reden)
la] De mortuis nil nisi bene.
Über die Vermählten freut man sich, die Verstorbenen beweint man, beides ein Jahr lang. Finnland
Über die verschiedenen Systeme bei den Insekten, wo eins das andere aufzehrt und sich ins andere verwandelt. So auch im Menschen. Im Kinde die Vernunft schon, auf eine andere Weise, dann der Verstand, bei eintretender Pubertät, dann der Ehrgeiz, dann der Nutzen, zuletzt wieder die Vernunft, aber nicht bei allen Menschen, denn viele bleiben beim Nutzen stehen.
Goethe, Riemer, 29.6.1811
Über die Wahrheit täuscht sich der Mensch so leicht wie über seinen Charakter. K. Peltzer, An den Rand geschrieben
Über die Währungen anderer Länder pflegte ich ebenso ungern zu sprechen wie über die Frauen meiner Freunde.
Hermann Josef Abs
Über die Wälder bleiben wir einig, aber über die Bäume bleibt der Streit. Russland
Über die wichtigsten Angelegenheiten des Gefühls wie der Vernunft, der Erfahrung wie des Nachdenkens soll man nur mündlich verhandeln.
Goethe, Maximen und Reflexionen 891
Über die Wolken führen keine Pfade, wir müssen schon den Weg auf der Erde nehmen. China
Über die Wut, die man jetzt mit Kartenspielen hat, wodurch alle anderen geselligen Vergnügungen vernachlässigt würden.
Goethe, Soret, 27.2.1832
Über die Zeit und die Regierung muss man sich nicht ärgern.
it] Nè di tempo, nè di Signoria, ti pigliar malinconia.
Über die Zunge spucken (auch: kacken).
i] In dem Sinne von: Brechen.
Über die Zunge stolpern. Ulm
Über Dinge, die dich selbst angehen, musst du andere fragen. Japan
Über drei Dinge geht kein Ungemach: einen bösen Nachbar, Wasser vor dem Haus und ein böses Dach.
Über drei Dinge lacht Gott im Himmel: wenn ein Jude den andern, ein Pfaffe den andern und ein Weib das andere treugt.
Über drei Dinge sollte ein Mann nicht prahlen: den Inhalt seiner Geldbörse, die Schönheit seiner Frau, die Süße seines Bieres.
Über drei weint die Gottheit täglich: über den, dem es gegeben ist, im Gesetz zu studiren und es unterlässt, über den, dem es nicht gegeben ist und der es tut, und über den Parnes (Gemeindevorsteher), der sich ohne allen Grund über die Gemeinde erhebt.
Über Duelle: Was kommt auf ein Menschenleben an? Eine einzige Schlacht rafft Tausende weg. Es ist wichtiger, dass das Prinzip des Ehrenpunkts, eine gewisse Garantie gegen rohe Tätlichkeiten, lebendig erhalten werde.
Goethe, F. v. Müller, 9.8.1827
Über Ehrlichkeit geht nichts.
Über ein altes Weib geht nix als ein Mann, der ein altes Weib is. Nestroy, Der Unbedeutende, I, 23 (Peter)
Über ein böses Weib geht nichts.
ho] Quade wijf sijn sonder gheliken.
la] Fervens nequitia mulier nulli similis fit.
la] Foemina nilpestilentius.
Über ein Ding wird viel geplaudert,
Viel beraten und lange gezaudert,
Und endlich gibt ein böses muss
Der Sache widrig den Beschluß.
Goethe, Sprichwörtlich
Über ein gut Gewissen geht nichts als die Haut.
Über ein Jahr wollen wir sehen, ob er zu loben oder zu schelten sei.
i] Von einem neugewählten Beamten oder Diener.
Über ein Pferd verhandelt man auf dem Hof, über ein Mädchen in der Kammer.
Über ein Sprichwort lässt sich kein Urteil fällen.
Über ein Weib herrschen, ist verloren Arbeit.
Über eine Entfernung von tausend Meilen wirkt nur noch Menschlichkeit, nicht aber Macht. China
Über eine Eselsbrücke gehen. (Von den Notbehelfen derer, die ein Erleichterungs- oder Hilfsmittel anzuwenden nicht verschmähen, das von Nutzen sein kann, eine Schwierigkeit zu überwinden, daher, weil der Esel sich nicht wie das Pferd über Gräben und Bäche zu helfen weiß)
fr] C'est le pont, ou la porte aux ânes.
Über eine Hand arbeiten. (Von einer Gesellschaft Arbeiter, wenn sie alle entweder rechts oder links sind)
Über eine niedrige Mauer kann jeder springen. Ägypten
Über eine Sache nachzudenken, ist das geringste, was wir mit ihr tun können.
José Ortega y Gasset
Über eine volle Tasche geht nichts.
Über eine zu gute Heirat klagen. (Über zu großes Glück. Von jemandem, der sich in seine günstigen Verhältnisse nicht zu finden, sie nicht zu schätzen weiß.)
fr] Il se plaint que la mariée est trop belle.
Über einem guten Gesicht ist schon mancher krumme Fuß vergessen worden.
Über einem kahlen Kinn wächset selten großer Verstand.
Über einem Kleinod vergisst man alle Not.
dä] Dyrt clenodie giør ofte lystig til syn.
Über einen alten Trunkenen mag man lachen, aber nicht über einen blinden Lahmen. Litauen
Über einen das Liedlein singen.
Über einen Dieb, der einen andern bestiehlt, lacht der Teufel.
Über einen freundlichen Gruß freuen sich auch Hund und Katze. Rußland
Über einen gebissenen Hund fallen alle Hunde her.
Über einen Grashalm stolpern. (Große Schwäche oder Ungeschicklichkeit)
Über einen großen Körper gehört ein groß Gewand. Göttingen
Über einen großen Leib gehört ein groß Kleid.
Über einen guten Namen geht nichts.
it] Chi hà buona fama, hà tutto ciò, che brama.
Über einen hochgespannten Stock springen.
z] Der Stock, über den der Rundschauer der Neuen preuss. Zeitung heute springt, ist nicht niedrig eingespannt.
Über einen Igelsbalg gehört eine Fuchshaut.
Über einen kommen wie der Weihnachtsabend über die alte Frau.
Über einen Leisten alle Schuhe schlagen.
fr] Mettre tout au même taux.
Über einen Mann kann man alles in zwei Tagen herausfinden, über ein Tier in vier. Iran
Über einen Mitmenschen schlecht zu reden ist ebenso leicht wie Brei zu essen.
Über einen Nagel ging das Hufeisen, über das Hufeisen das Pferd, über das Pferd der Reiter verloren.
en] For want of a naile the shoe is lost, for want of a shoe the horse is lost, for want of a horse the rider is lost.
Über einen Narren ist leicht zu lachen.
fr] A barbe de fou l'on apprend à rire.
Über einen niedrigen Zaun springt jedermann.
la] Žémą tworą wissos cozkos kopinej'.
pl] Nizki płot lada koza przeskoczy.
Über einen niedrigen Zaun steigen alle Geißen.
Über einen raschen Fluss, man der Letzte setzen muss.
sp] Al gran arroyo, pasar postrero.
Über einen Regenten muss man kein Urteil haben, als bis er zwanzig Jahre regiert hat. Seume, Apokryphen
Über einen Spielmann stolpern.
Über einen Strohhalm stolpern.
z] War dem Halm eine rechtskräftige Verwendung gegeben, so musste die Schutzkraft ebenso gegen Körperleiden und Zauberei anwendbar scheinen. Das Sprichwort: Über einem Strohhalm stolpern erhält dadurch seinen ursprünglichen Sinn wieder; wer dem Blendwerk des Zauberers nicht gewachsen ist, der glaubt in jedem Strohhalm, den des Zauberers Hahn vor allen Zuschauern im Schnabel davonträgt, einen gewaltigen Balken zu erblicken.
Über einen toten Jäger springt der Hase.
Über einen Toten kräht kein Hahn.
Über einen Zahn lachen.
i] Gezwungen lachen, sich anstellen, als lachte man; auch von listigem und verstohlenem Lachen.
fr] Rire du bout des dens.
über einen Zwirnfaden stolpern - wegen nichts aus dem Häuschen geraten
en] to get all excited about a trifle
fr] se noyer dans un verre (o. un bol o. une goutte) d'eau
it] affogare in un bicchiere d'acqua
Über einerlei Waage und Gewicht steht nicht zu klagen.
Über Eiter salben.
i] Betrügen, täuschen. Um dies in den verschiedensten Färbungen und den mannichfachsten Verhältnissen zu sagen, hat unsere Sprache wieder eine große Anzahl Redensarten, von denen natürlich jede am rechten Platze ihre Wirkung tut. Man sagt: Ein Affen trüen. Eins auff den Ärmel machen. Die Augen verkleiben. Die Blumen streichen. Einn strö in bart flechten. Das helmlin durch das maul streichen. Den falben hengst streichen. Du streichest mir honig vmb das maul vnd streichst mir dreck drein. Den kautzen streichen. Ein maul machen. Bei der nasen füren. Die ohren melcken. Das süss vmbs maul streichen. In das gemalt stüblin füren. Den wind verkauffen. Glatte wort schleiffen.
zit] Sihe, wohl reich seind wir teutschen für all zungen, wann wir nun vnser eygen sprach könden redten, schreiben vnd recht appliciren, so möcht kein zung so uil varietet vnd Formulas zu reden haben, aber wir lernen eh Arabisch, denn vnser mutter zungen reden.
la] Os sublinere. Plautus
Über Erziehung. Er hat einen Jüngling von zwanzig Jahren seit dem fünften gebildet, nun erzieht er nach denselben Grundsätzen sein Kind von sechs Jahren, dass man das Kind auf eigenen Beinen stehen, mit eigenen Augen sehen lasse, auf dass es selbständig bleibe, ist ihm die Hauptsache.
Goethe, Friederike Brun, 12.7.1795
Über Esels Aussicht klagen (o. streiten). Altgriechisch
i] Von denen, die unter einem lächerlichen Titel, Vorwande oder wegen Kleinigkeiten vor Gericht laden. Ein Esel hatte den Kopf durch das Fenster einer Töpferwerkstatt gesteckt und einige Gefäße herabgeworfen. Der Töpfer lud den Eseltreiber vor Gericht und, gefragt, worüber er Klage zu führen habe, antwortete er: 'Über des Esels Prospekt.'
über etw. Gras wachsen lassen
en] to let the grass grow over s. th.
fr] passer l'éponge sur qc.
it] mettere una pietra o. fare un segno di croce su qc.
Über etwas weglaufen wie der Hahn über die Kohlen.
fr] Parcourir en discourant.
Über Feld kann man kein Zeugnis führen. [RSpW] (Der Richter konnte von gemeinkundigen Dingen nirgends Zeugnis geben als auf seiner Bank und in seinem Bezirk, und in Zivilsachen war das zuständige Gericht dasjenige des Bezirks, in welchem sich der streitige Gegenstand befand)
Über Feuerschaden und die Kirchenrute darf niemand schadenfroh sein. Estland
Über Fiktion und Wissenschaft gedacht. Das Unheil, das sie stiften, kommt bloß aus dem Bedürfnis der reflektierenden Urteilskraft her, die sich irgendein Bild zu ihrem Gebrauch erschafft, dieses aber nachher als wahr und gegenständlich konstituiert, wodurch denn das, was eine Zeitlang hülfreich war, im Fortschritt schädlich und hinderlich wird.
Goethe, Tagebuch, 10.6.1817
Über Freie zu herrschen, ist schon weit mehr, als Knechte zu befehlen.
Friedrich von Raumer, Geschichte der Hohenstaufen
Über Freiheit kann jeder reden, aber nur in der Freiheit!
Über Geschichte kann niemand urteilen, als wer an sich selbst Geschichte erlebt hat. So geht es ganzen Nationen. Die Deutschen können erst über Literatur urteilen, seitdem sie selbst eine Literatur haben.
Goethe, Maximen und Reflexionen 517
Über fremdem Tisch soll man für gut (fürlieb) nehmen.
Über fremden Schaden soll man sich nicht freuen.
sd] Ingen släcke sin lust med annars skada.
Über fremden Tisch nimm vor gut, wann guter Will sein bestes tut.
Über fremdes Unglück weint man selten lange.
fr] Mal d'autrui n'est que songe.
la] Cito arescit lacrima in alienis malis.
un] Más ember szerenzsétlenségén senki sem serjakj szemeit.
Über fremdes Unglück weint sich niemand rothe Augen.
Über frisch Fleisch macht man keinen gelben Pfeffer.
Über Gefängnis und Bettelsack soll man nicht lachen. Estland
Über Geld gilt kein Freund in der Welt.
fr] Sur argent ami ni parent.
Über gescheite Leute geht nichts als die Haut. Nürtingen
Über Geschichte kann niemand urteilen, als wer an sich selbst Geschichte erlebt hat. So geht es ganzen Nationen. Goethe, Maximen und Reflexionen
Über Geschmack lässt sich nicht streiten.
en] Every one as they like best, as the good man said when he kissed his cow.
en] One man's meat is another man's poison.
en] There is no accounting for tastes.
fr] Ce qui guérit l'un tue l'autre.
fr] Des goûts et des couleurs il ne faut pas discuter (o. on ne discute pas).
fr] Le malheur des uns fait le bonheur des autres.
fr] Tastes differ.
it] Chi la vuole a lesso, chi la vuole arrosto.
it] Die gusti non si disputa.
it] Tutti i gusti son gusti.
Über Gold und Silber gibt's keine Verwandte.
Über Gott ist kein Herr und über Schwarz keine Farbe (o. über Salz keine Würze).
z] Wir meinen, der Türkische Kayser sey viel mächtiger, Erasmus viel gelehrter, ein Münch viel frömmer, denn Gott ist. Luther
z] Gibt es eine Kameradschaft mit Gott? fragt der Hebräer.
fr] Dieu n'a point de maître, et j'en ay un.
fr] Nul seigneur sur Dieu.
fr] Sur Dieu n'y a aucun seigneur, ny sur noir aucune couleur.
ho] Boven God is geen heer, boven zwart is geen kleur.
Über Gott kann man keinen Zwinger setzen und hinter das Glück keinen Antreiber. Lettland
la] Fortunam reverenter habe, quicunque repente dives ab exili progrediere loco.
Über Gottes Tag gibt es keine Rechenschaft: Er unterwirft uns alle. Estland
Über Gottes Wort let sîk en Häupen (Häupenken) vertellen. Westfalen
Über Grab und Zeit
Schwingt sich der Geist; sein dunkler Schleier modert.
Beglückt, wem Glaube der Unsterblichkeit,
Wie Vestas Glut, in reinem Herzen lodert. Matthisson, Der Genfersee
Über Gräber vorwärts! Wahlspruch Goethes
Über große Demütigungen trösten wir uns selten - wir vergessen sie.
Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen
Über gute Zeiten beklagt man sich nicht.
Über Hals und Kopf.
i] In größter Eile.
fr] En grande hâte.
Über Handsweile. Schlesien (Wenn etwas dann und wann geschieht. 'Ich finschelfanschelte nicht lange, wenn mich aber die andern wieder begitschelten, so trunck ich ihm über honsweile wieder es zu.')
Über happs etwas machen. Wien (Sehr oberflächlich)
Über Herren ist schlecht zu sprechen.
mhd] Up heren is quât spreken.
la] Non regem culpes, durum tondere leonem.
Über Herren und Krankheiten triumphiert man nicht.
Über Höflichkeit freut sich sogar eine Katze. Tschechien
Über höh'rer Leute Schwelle setze die Beine nicht aus deiner Zelle.
Über hundert Jahr haben wir weder Haut noch Haar. Luther
Über hundert Jahre kommen die Heiden ins Land!
i] Von Übeln, die einen nicht berühren können.
zit] Ich tu's diss Jahr nicht; auffs ander Jahr kommen die Heyden.
dä] Om hundrede aar hvor ere vi da?
ho] Over honderd jaar komen de Heidenen in't land.
Über Jean Paul ins klare zu kommen, heißt über den Nebel ins klare kommen. Man sieht entweder nicht vorm Nebel oder nichts vom Nebel. Hebbel, Tagebücher, 4. 6.1836
Über jede neue Falte sollte man sich freuen, weil sie die Glätte nimmt.
Sky Dumont
Über jedem Gedanken, jeder Vorstellung liegen hundert Gedanken und Vorstellungen, die uns das jeweils Gedachte, jeweils Vorgestellte verhüllen.
Christian Morgenstern, Stufen
Über jedem guten Buche muß das Gesicht des Lesers von Zeit zu Zeit hell werden. Die Sonne innerer Heiterkeit muß sich zuweilen von Seele zu Seele grüßen, dann ist auch im schwierigsten Falle vieles in Ordnung. Christian Morgenstern, Stufen: Literatur
Über jedem Vogel befindet sich ein Habicht. Kroatisch
Über jedes Unglück ein anderes Unglück.
i] Eins nach dem andern.
Über Juden und Flöhe schreien viele Wehe.
Über juristische Zwirnsfäden wird die Königliche Regierung nicht stolpern in der Ausübung ihrer Pflicht, für den Frieden des Staates zu sorgen. Bismarck, im Abgeordnetenhause, 30. 1. 1869
Über Kinder und Toren wacht ein besonderer Schutzengel.
Über Kinder: Man muss ihren Begierden entgegenkommen, je lebhafter sie sind, um desto mehr, weil uns aus innerer Begierde und äußerem Widerstande Unwahrheit geboren wird.
Goethe, Friederike Brun, 12.7.1795
Über Krieg und Frieden entscheidet in der Regel nicht der Stand der Rüstungen, sondern der der Nerven.
Graff
Über krumme Flüsse gehen gerade Stege (o. Brücken).
Über Land und Leute bringen.
ndt] Auer Lun an Lidj bring. Nordfriesland
i] Berüchtigt machen.
Über Landt macht und erhelt ein buch Papier viel Freundschafft.
Über Leichen führt kein Weg zum Glück.
Über Macht essen.
z] Jedoch mussten sie ein bisslein über Macht essen.
Über Magnetism und die Seherin von Prevorst. Ich habe mich immer von Jugend auf vor diesen Dingen gehütet, sie nur parallel an mir vorüberlaufen lassen. Zwar zweifle ich nicht, dass diese wundersamen Kräfte in der Natur des Menschen liegen, ja, sie müssen darin liegen, aber man ruft sie auf falsche, oft frevelhafte Weise hervor.
Goethe, F. v. Müller, 10.2.1830
Über manche Menschen und namentlich über die Frauen kommt die Frömmelei wie eine Leidenschaft oder wie die Schwäche eines gewissen Alters oder auch wie eine Mode, die man mitmachen muss.
Jean de La Bruyère, Von den Frauen
Über manchen hat man ein Unwillen als über ein Brätzelnde Supp.
Über mein Aroma geht doch nichts, sagte das Schmieröl.
Über meines Weibs Gekeife
Tröstet mich die Tabakspfeife. Spruch auf einer Tabakspfeife
Über Metamorphose und deren Sinn; Systole und Diastole des Weltgeistes, aus jener geht die Spezifikation hervor, aus dieser das Fortgehn ins Unendliche.
Goethe, Tagebuch, 17.5.1808
Über Morgen kommt aber glück.
Über Mutterliebe geht keine Liebe der Welt.
Über Mutterliebe keine Liebe.
i] Die Spanier stellen die Liebe des Vaters höher.
dä] Faae som fader, og ingen som mo. moderens hierte er altid ømt.
fr] Qui miex aime de mère c'est fainte norrice.
la] Non dic care pater quia non parcit neque mater.
sp] Amor de padre, que lo demas es ayre.
Über nacht gewachsen, über nacht verdorben.
fr] La nuit donne (porte) conseil.
Über Nacht kommt's oft ganz anders. Schwaben
Über Nacht soll man überlegen und am Tage sich regen.
z] Zum Überlegen taugt die stille Nacht, das Licht des Tages zum Vollführen.
la] Nox consilium gignit, dies operam exigit.
Über neue Gedanken laßt uns antike Verse schmieden. André Chénier, L'Invention
Über neuen Besen geht nichts.
fr] Il fait balai neuf.
fr] Il n'y a rien de tel qu'un balai neuf.
Über neun und unter drei halte keine Gasterei.
z] Nicht unter der Zahl der Grazien und nicht über der Zahl der Musen.
Über nichts machen wir wohl größere Fehlschlüsse und Fehltritte als über die weibliche Heiterkeit. Jean Paul, Kampaner Tal
Über nichts wird flüchtiger geurteilt als über die Charaktere der Menschen, und doch sollte man in nichts behutsamer sein. Bei keiner Sache wartete man weniger das Ganze ab, das doch eigentlich den Charakter ausmacht, als hier. Ich habe immer gefunden, die sogenannten schlechten Leute gewinnen, wenn man sie genauer kennenlernt, und die guten verlieren. Lichtenberg
Über Not getruncken, heist gezwungen Durst leiden.
Über Poesie, dass sie keinem Gesetz untertan sei als dem der Schönheit, und frei zwischen Himmel und Erde herumschwebe und sich keine Fesseln anlegen lassen müsse.
Goethe, Friederike Brun, 12.7.1795
Über Polygamie ist nicht zu streiten, sondern sie ist als eine überall vorhandene Tatsache zu nehmen, deren bloße Regulierung die Aufgabe ist. Wo gibt es denn wirkliche Monogamisten? Wir alle leben, wenigstens eine Zeitlang, meistens aber immer, in Polygamie. Da folglich jedermann viele Weiber braucht, ist nichts gerechter, als dass ihm freistehe, ja obliege, für viele Weiber zu sorgen. Dadurch wird auch das Weib auf ihren richtigen und natürlichen Standpunkt, als subordiniertes Wesen, zurückgeführt und die Dame, dieses Monstrum europäischer Zivilisation und christlich-germanischer Dummheit, mit ihren lächerlichen Ansprüchen auf Respekt und Verehrung, kommt aus der Welt, und es gibt nur noch Weiber, aber auch keine unglücklichen Weiber mehr, von welchen jetzt Europa voll ist. Schopenhauer, Parerga und Paralipomena
Über Prinzipien versöhnt man sich nicht.
i] In einer Rede, die der preussische Minister des Innern, Graf Eulenburg, bei Gelegenheit eines Festmahls hielt, das ihm im Oktober 1864 die Stadt Merseburg gab, sagte er: 'Sprechen wir nicht von Versöhnung, über Principien versöhnt man sich nicht.'
Über Rechttun geht nichts.
mhd] Dâr geit nicht vor woldoen.
la Qui bene cuncta gerit castae probitatis amator.
Über Reichtum und Heiligkeit (glaube nur) die Hälfte der Hälfte. Venedig.
Über Religion ist bös streiten.
Über Roggen kein Korn, über Eiche kein Holz, über Hopfen kein Kraut.
dä] Den som blev skikket bort, at skulle hente en bedre urt til øl end humle, bedre til brød end rug, bedre til bygning end eeg, kom ei endnu igien.
Über rohe Gewalt siegt Weisheit bald.
la] Saepe acri potior prudentia dextra.
Über Rosen lässt sich dichten,
In die Äpfel muss man beißen.
Goethe, Faust II A 1, Weitläufiger Saal
Gärtner Vs 5168
Über Schaberau in die Richt gehen. Ostpreussen
i] Sich einen Umweg machen. Schaberau ist ein Dorf bei Wehlau. Diese Redensart ist auch nur in der Gegend von Tapiau und Wehlau gebräuchlich.
Über schmutzige Örter scheint das Sonnenlicht und beschmutzt sich dennoch nicht.
Über Schnee kann ein Schmetterling nicht urteilen. China
Über Schwarz keine Farbe, über Gott kein Herr.
dä] Ingen farve over sort, ingen ære over dyd, ingen sorg over den, som er for synden; ingen kierlighed over den u.s.w.
it] Sopra il sal non è sapere, sopra Dio non è signore.
Über See und Sand (durch Berg und Tal) reisen.
Über See und Sand schiffen zum heiligen Grabe.
Über sein Können hinaus ist niemand verfllchtet. Rechtssatz des Jüngeren Celsus, um 100 nach Christus
Über sein Vermögen hinaus kann niemand in Anspruch genommen werden.
la] Ultra posse nemo obligatur.
Herodot, 7,172 (Rechtssatz des jüngeren Celsus, 100 n. Chr.)
Über sein Vermögen tun, ist Narrheit und die größte Torheit.
Über sein Ziel hinausschießen ist ebenso schlimm wie nicht ans Ziel kommen. KONFU7IUS
Über seinen Brotschrank hinausdenken. (Von denen, die noch eine höhere Sorge als die für den Magen kennen)
Über seinen eigenen Schatten springen wollen.
Über seinen Geschmack braucht man nicht Rechenschaft abzulegen. USA
Über sich hinaus kann niemand.
Über sich klagt niemand.
Über Statt ryfe. Schaffhausen
i] Zu schnell reifen.
Über Stein und Strauch.
Über Stock und Stauden.
Über Stock und Stein.
z] Vber Stock und Stein, durch Wasser und Fewer laufen.
i] Diese Redensart errinnert an die durch die vier Buchstaben der heiligen Feme ausgedrückte Formel: S.S.G.G. = Stock und Stein, Gras und Grein; welche dem in die Feme neu Aufgenommenen vom Freigrafen erklärt wurden.
Über Straß' und über Stege.
i] Eine alte Segensformel.
Über Tapferkeit plappern - das tut jeder Feigling.
Über Tilsit ist auch der Himmel schwarz.
Über Tisch muss man sich nicht schämen.
Über und über, sagt Schulenburg.
i] Die Bauern der Altmark haben die Gewohnheit, ihren Adelsgeschlechtern Redensarten in den Mund zu legen, die dadurch sprichwörtlich werden. Wahrscheinlich sind sie in den betreffenden Geschlechtern gebräuchlich und kommen von da in den Volksmund, der die Quelle als Autorität hinzufügt.
Über unrecht Gut mag man nicht testieren. [RSpW]
i] Niemand kann über Dinge letztwillig verfügen, die ihm nicht rechtmäßig gehören. Als unrecht Gut betrachtet das friesische Recht aber auch die Schulden und erklärt eine letztwillige Verfügung über das schuldenfreie Gut hinaus für ungültig.
altfries] Een menscha mey neen bokinghe dwaen fan onriucht guet.
Über Vergangenes mach Dir keine Sorge, dem Kommenden wende Dich zu.
Über Vermögen kann niemand.
Über verschüttete Milch zu jammern ist unnütz.
en] It is no use crying over spilt milk.
Über viel Leibe gehören viel Kleide.
Über viele Dinge kann ich nur mit Gott reden.
Goethe, zu Boisserée, 1815
Über viele Dinge urteilen Kinder, von Systemgeist, Leidenschaft und Gelehrsamkeit unverführt, weit richtiger als Erwachsene.
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen
Über vieles kann
Der Mensch zum Herrn sich machen, seinen Sinn
Bezwinger kaum die Not und lange Zeit.
Goethe, Tasso A V Sz 1
Alfons Vs 2869f.
Über vier Dinge schweigt ein kluger Mann: dass er schön Weib und viel Gelt, ein gut Pferd, und dass sein Keller guten Wein enthält.
it] Pazzo è colui che di quattro cose si vanta: di buon vino, di buon cavallo, di bella moglie, di danari assai.
Über volle Speicher klagt niemand.
fr] Chacun se plaind, que son grenier n'est pas plein.
Über Vorrat stolpert man nicht.
Über was für einen Kamm soll man das scheren?
ho] Met welk eenen kam zal hij het schaapje scheren?
Über Weiberhass wächst selten Gras.
Über Weihnacht kein Fest, über des Adlers kein Nest.
bm] Vánoce jsou vánoce, a pečenĕ jest jejich sestra.
Über Wetter- und Herrenlaunen
Runzle niemals die Augenbraunen;
Und bei den Grillen der hübschen Frauen
Musst du immer vergnüglich schauen.
Johann Wolfgang von Goethe, Sprüche
Über Winter gut gegraben, ist halb gedüngt.
Über Zeit und Wetter spricht Muhm' und Vetter.
la] De tempore loquamur.
Über zusagen soll man sich nicht frewen, und vor drauen sich nicht fürchten.
Über zwei Dinge muss man sich nie erzürnen: über seinen Bauch und über seinen Herrn.
Über zwei Dinge sollte man nicht ärgerlich werden: die man ändern kann, und die man nicht ändern kann.
Über'm Wasser wohnen auch Leute.
Über's Wetter und über Herrensachen soll man nie sich Kummer machen.
z] Über Wetter und Herrenlaunen runzle nie die Augenbraunen. Goethe
it] Nè di tempo nè di signoria, non ti dar malinconia.
Über-, doppelt und mehrfach glücklich, wer auf Gold und Kleinodien tritt!
Lucius Apuleius, Der goldene Esel
Über-Kraft lässt sich wohl zu Kraft mäßigen,
Aber Ohnmacht lässt sich nicht zu Kraft erhöhn.
Langbehn, Rembrandt als Erzieher
Überall also, wo die Frauen herrschen, muss auch ihr Geschmack herrschen: Er ist es auch, der unser Jahrhundert bestimmt.
Jean-Jacques Rousseau, Brief an d'Alembert
Überall auf der Welt lieben Eltern ihre Kinder.
Überall backt man das Brot im Ofen.
Überall bedarf der Mensch Geduld, überall muss er Rücksicht nehmen...
Goethe, Wanderjahre I,7
Überall bei de Volksfest gibt` s Ochsn grad gnua. De oan, de wem bra(t)n, de andern schaugn zua.
Überall bewirken Tätigkeit und Bewegung das Leben.
Goethe, Schriften zur Literatur - Le Globe 1825
Überall bist du Poet, im Gespräch, in Geschäften, am Spieltisch,
Nur in der Poesie bist du nicht immer Poet.
Goethe, Xenien aus dem Nachlaß 80
Überall da, wo die sozialen Zustände es mit sich bringen, daß die Republik handkehrum in Anarchie ausartet, wird sie unerwünscht erscheinen, indem die Sicherheit des privaten Lebens und Verkehrs unter allen Umständen immer der oberste Zweck des Staates bleibt.
Spitteler, Politische Tagesberichte: Politische Sympathien u. Antipathien
Überall dort, wo die Wissenschaft grundsätzlich neue Erkenntnisse gewinnt, schafft sie auch grundsätzlich neue Macht.
Carl Friedrich von Weizsäcker
Überall folgt die Geburt der Mutter. [RSpW]
i] Nur was die freie Mutter betraf, galt im ganzen Deutschland: Frei Mutter, frei Kind. Im nördlichen Deutschland konnte das Kind frei sein, wenn auch die Mutter eigen war.
Überall geht das Pferd vorbei, aber nicht am Wirtshaus.
Überall geht die Sonne morgens auf.
Überall geht ein früheres Ahnen dem späteren Wissen voraus.
Alexander von Humboldt, Kosmos
Überall gibt es Leute, in Rammotau gibt es Deutsche. Tschechien
Überall gibt es wohl Wasser, aber nicht Fische. Estland
Überall gibt's Häklein.
Überall gibts Schiefern und Späne. Oberösterreich
i] Unannehmlichkeiten, Verdrießlichkeiten und Verwickelungen.
Überall gut, aber derhême am besten.
Überall hat man vor ungeregelten, ehelosen Liebesverhältnissen eine gewisse unbezwingliche Scheu, und das ist recht gut.
Goethe, F. v. Müller, 7.4.1830
Überall herrscht der Zufall; lass deine Angel nur hängen;
Wo du's am wenigsten glaubst, sitzt in dem Strudel der Fisch.
la] Casus ubique valet; semper tibi pendeat hamus;
Quo minime credis gurgite, piscis erit.
Publ. Ovidius Naso, Die Kunst zu lieben
Überall hört und liest man von dem Vorschreiten des Menschengeschlechts, von den weiteren Aussichten der Welt- und Menschenverhältnisse. Wie es auch im Ganzen hiermit beschaffen sein mag [...], will ich doch von meiner Seite meine Freunde aufmerksam machen, dass ich überzeugt sei, es bilde sich eine allgemeine Weltliteratur, worin uns Deutschen eine ehrenvolle Rolle vorbehalten ist.
Goethe, Schriften zur Literatur - Le Tasse von Duval
Überall in allen Landen gehet die Sonn morgens frühe auf.
Überall in der Welt ist das Schöne mit dem Hässlichen gemischt, und jeder trägt seinen Thersites an und in sich.
Kuno Fischer, Akademische Reden, 1862
Überall in der Welt sind Bergamasker, Florentiner, Sperlinge und Bettelmönche. Italien
it] Bergamaschi, Fiorentini, passere e frati mendicanti n' è pieno tutto il mondo.
Überall is gut, z' Haus aber am besten.
Überall ist das Unheil der Alkohol.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher 1889
Überall ist ein Herr; ist er nicht z' Haus, so kommt er noch z' Haus. Oberösterreich
Überall ist eine Hilfe gut, nur nicht in der Schüssel.
Überall ist England [in Shakespeares Dichtungen], das meerumflossene, von Nebel und Wolken umzogene, nach allen Weltgegenden tätige.
Goethe, Schriften zur Literatur - Shakespeare und kein Ende
Überall ist es erträglich. Doch am erträglichsten im Ausland.
Walter Serner
Überall ist es gut, aber zu Hause am besten.
Überall ist Gottes Dom.
Überall gehn zu ihm Stufen.
Überall hört er dein Rufen,
Hat nicht nur sein Ohr in Rom.
Will Vesper, Rufe in die Zeit
Überall ist guat Brot schneiden, wenn ma oans hat.
Überall ist gut, daheim ist noch besser.
Überall ist gut, wo wir nicht sind.
pl] Wszedzie dobrze, gdzie nas niema.
Überall ist Wunderland,
Überall ist Leben.
Joachim Ringelnatz, Gedichte
Überall ist's gut sein, aber zu Hause ist's am besten.
Überall Jäckel und Aschenbrödel.
Überall kann man leben, nur darf man nicht allein für sein Vergnügen, sondern man muss zum Nutzen anderer leben.
L. Tolstoi, an A. L. Tolstoi, Mitte Oktober 1899Alltag Alltag ist lediglich ein Durchschnitt von Geschehnissen.
Daniel Goral
Überall kocht man Bohnen.
sp] En todas partes cuecen habas.
Überall kocht man mit Wasser, und überall gehen die Gänse barfuß.
Überall lernt man nur von dem, den man liebt. Eckermann, Gespräche mit Goethe, 12. 5. 1825
Überall Leute, in Komotau Deutsche.
i] Spottwort der Tschechen auf die deutsche Niederlassung in Komotau, wodurch sie sagen wollten, dass die Deutschen nicht zu den Leuten, d.i. Menschen, gehören. Der Egerbote von 1875, der in seinem zweiten Teile den Titel führt: Comotovia, Allgemeines Jahrbuch für das mittlere Egergebiet, fügt, um zu schildern, wie sich seit jener Niederlassung der Deutschen bis jetzt die Verhältnisse geändert haben, dem Sprichwort die Verse bei: 'Leute allüberall; in Komotaus Mauern nur Deutsche!' rief einst Libuscha's Volk höhnisch voll Zorn nach Nordwest. 'Seht, wie alles sich dreht! Heut kommen Przemysl's Enkel, um an der Assig mit Lust wahre Menschen zu sein.' Das Sprichwort ist ursprünglich tschechisch: Všude lidé, v Komotovĕ Nĕmci.
Überall machens die Leut wie sie wollen.
Überall Mäuse wittern.
z] Halt, halt, ich wittre Mäuse! Ihr Herrn bleibt nicht im Gläuse.
la] Fericula timidus, etiam quae non sunt, videt.
la] Sub omni lapide scorpius dormit.
Überall mit dem Kopfe durch wollen.
i] Wer alles mit Gewalt durchsetzen will.
Überall nämlich sehen wir das Leben aus der Tiefe emporsteigen, ein Niedrigeres, dem Ansehen nach Schlechteres, weil selbst Unscheinbares dem Höhern, Edlern aus ihm Hervorkommenden vorgehen.
Franz von Baader, Über die Begründung der Ethik durch die Physik
Überall nämlich, wo der Mensch wandelt, ist sein Auge so gestellt, dass er das himmlische und irdische Element mit einem Blicke auffassen muss: eine Andeutung für die Seele, dass sie allenthalben desgleichen tue.
Adam Heinrich Müller, Etwas über Landschaftsmalerei
Überall schätzt eine Frau einen perfekten Gentleman, nur nicht im Bett.
Noël Coward
Überall sein und in einem stillen Winkel.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht.
Überall sind Gefahren ihm nah,
Und Tyche, der Moiren
Älteste, reget den Boden der Erde so gut als das Meer auf.
Goethe, Achilleis 1. Gesang Vs 607
Überall sind Menschen, in Kommotau sind Deutsche.
i] Sprichwort der Tschechen in Böhmen, welche die Deutschen als Gegensatz zu den Menschen hinstellen. Kommotau mit seinen deutschen Bewohnern muss in einer völlig tschechischen Gegend liegen.
Überall treibt man auf Akademien viel zu viel, und gar zu viel Unnützes. Auch dehnen die einzelnen Lehrer ihre Fächer zu weit aus, bei weitem über die Bedürfnisse der Hörer. [...] Wer klug ist, lehnet daher alle zerstreuende Anforderungen ab und beschränkt sich auf ein Fach und wird tüchtig in einem.
Goethe, zu Eckermann, 24. Febr. 1824
Überall trinkt man guten Wein,
Jedes Gefäß genügt dem Zecher,
Doch soll es mit Wonne getrunken sein,
So wünsch ich mir künstlichen griechischen Becher.
Goethe, Zahme Xenien III
Überall Verrat muss der Verräter scheuen,
Auftreten mit Vertraun kann nur der Fuß des Treuen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen
Überall verschwört sich die Gesellschaft gegen die Mannhaftigkeit jedes ihrer Mitglieder.
Ralph Waldo Emerson, Essays
Überall verzehren sich die Damen in der Sehnsucht, schön zu sein, oder, wenn das nicht möglich ist, wenigstens für schön zu gelten; versagt daher die Natur irgendwie, so sind sie gezwungen, zur Kunst Zuflucht zu nehmen. Baldassarre Castiglione, Der Hofmann
Überall wäre Frieden, wenn es das 'Mein' und 'Dein' nicht gäbe. Italien
Überall will jeder obenauf sein,
Wie's eben in der Welt so geht.
Jeder sollte freilich grob sein,
Aber nur in dem, was er versteht.
Goethe, Divan - Buch der Sprüche
Überall wo das Leben im Entstehen ist, im Keimen und Gären, erregt es Ekel, weil es nur entsteht, indem es vergeht: Der schleimige Embryo eröffnet den Zyklus, der sich in der Verwesung des Todes vollendet.
Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht
Überall wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier.
Neues Testament, Matthäus 24,28 (Jesus)
Überall wo wir sind, herrscht Chaos, aber wir könne nicht überall sein.
Unbekannt
Überall, wo das Eigentumsrecht herrscht, wo man alles mit Geld misst, wird von Billigkeit und gesellschaftlichem Wohlbefinden nie die Rede sein können. Thomas Morus, Utopia
Überall, wo der Mensch den menschlichen Egoismus in dem entwickelten Sinn bekämpft, sei es nun in der Religion oder Philosophie oder Politik,verfällt er in puren Unsinn und Wahnsinn; denn der Sinn, der allen menschlichen Trieben, Bestrebungen, Handlungen zugrunde liegt, ist die Befriedigung des menschlichen Egoismus. Feuerbach, Wesen der Religion
Überall, wo Deutsche sind. (In der ganzen Welt)
Überall, wo es einen Mann gibt, der Autorität ausübt, gibt es auch einen, der seiner Autorität widerstrebt.
Oscar Wilde, Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus
Überall, wo Fäulnis ist, stellt sich ein Leben ein, welches man nicht mit reinen Glacéhandschuhen anfassen kann. Bismarck, im preußischen Landtag, 30. Oktober 1869
Überall, wo Fremde selten sind, werden sie gut aufgenommen.
Jean-Jacques Rousseau, Emile
Überall, wo Juden zu Einfluß gekommen sind, haben sie feiner zu scheiden, schärfer zu folgern, heller und sauberer zu schreiben gelehrt: ihre Aufgabe war es immer, ein Volk zur 'Raison' zu bringen. Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft, Von der Herkunft der Gelehrten
Überall, wo Menschen sind, bin ich bei meinen Brüdern, überall, wo keine sind, bin ich zu Hause.
Jean-Jacques Rousseau, Emile
Überall, wo Menschen sind, versteckt ihr eure Polizei. Platen, Der romantische Ödipus, III
Überall, wo sich zwei Liebende scheiden, sind sie von tiefem Schmerz erfüllt.
Günther von dem Forste, Lieder
Überall, wo Zwist herrschen kann, da muss es auch eine Entscheidung geben.
Dante Alighieri, Über die Monarchie
Überall, zwei Schritte von deinen täglichen Wegen, gibt es eine andere Luft, die dich zweifelnd erwartet.
Elias Canetti, Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-1972
Überanstrenge dich nicht auf einmal, mach fünfmal, dann sehen Hungrige, bemerken Nackte.
Überbescheiden muss oft Hunger leiden.
Überbildung der Lehrer ist oft der Taten Störer.
Überdem ist die Ungleichheit der Menschen von Natur nicht so groß, als sie durch die Erziehung wird, wie die Beschaffenheit eines und desselben Volkes unter seinen mancherlei Regierungsarten zeiget. Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
Überdies denke man an die frische Kraft, an die ungestörte Gesundheit, die sich aus einer so maßvollen Ernährungsweise zu ergeben pflegt; dagegen sehe man sich die Schlemmer an, wie sie von ihren Gelagen kommen, erhitzt, rülpsend, aufgeschwollen wie fette Ochsen; da erkennt man, dass, wer der Lust am meisten nachjagt, sie am wenigsten erreicht, und dass die Freude an Nahrungsmitteln im Wünschen besteht, nicht in der Übersättigung. Cicero, Tusculanae
Überdies ist es nach der Ordnung der Natur, dass die Frau dem Manne gehorche.
Jean-Jacques Rousseau, Emile
Überdies möchte ein billiger und toleranter Geschmack wohl keine auszeichnende Eigenschaft eines Königes sein, so wenig sie ihm, wenn er sie auch hätte, einen großen Namen erwerben würde, vielmehr, dünkt mich, das Ausschließende zieme sich für das Große und Vomehme.
Goethe, An Jenny V. Voigts, 21.6.1781
Überdies wird man dadurch nicht besser, dass man seine Fehler verbirgt, vielmehr gewinnt unser moralischer Wert durch die Aufrichtigkeit, mit der wir sie gestehen. Lichtenberg
Überdies, was ist das menschliche Leben überhaupt anders als eine Komödie oder ein Schauspiel, wo einer in dieser, der andere in einer andern Larve auftritt und seine Person agiert, bis ihn sein Prinzipal wieder abtreten heißt. Erasmus von Rotterdam, Lob der Narrheit
Übereilen bringt Reuen.
Übereilen bringt Verweilen.
ho] Alle overhaasting is kwaad.
it] Chi ha più fretta, più tardi finisce.
la] Compendia plerumque sunt dispendia.
la] Qui nimium properat, serius absolvit.
Übereilen tut nicht gut, sagte Hans, der seines Nachbars Tochter heiraten wollte, und wartete mit seiner Werbung bis ein anderer sie zur Kirche führte.
mhd] Unreht in gaehe schaden tuot, reht gebite diu is guot.
mhd] Vergachen dick schoden geit.
la] Canis festinans caecos parit catulos.
la] In judicando criminosa est celeritas.
Übereils nicht.
it] Chi eria in fretta, a bell' agio si pente.
Übereilt Urteil hat Reue zum Gefährten.
it] Chi è presto a giudicare, presto si pente.
la] Ad poenitendum properat, qui cito judicat.
un] Semmi itéletben nem jó a' hamarság.
Übereilt-nächlässig getan, klirrend-plärrend zerbrochen. Estland
Übereilte Arbeit hat selten viel (dauernden) Wert.
bm] Náhlá robota zlá dobrota. - Praée kvapná málo platná.
kroat] Bolje malo pak dobro, kak zlo pak vnogo.
Übereilte Eh' tut selten gut.
Shakespeare, Heinrich VI. (Gloucester)