Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
Wa

und oder

'Wagst du Deutsch zu schreiben unziemliche Sachen!' - Mein Guter
Deutsch dem kleinen Bezirk leider ist griechisch der Welt.
Goethe, Epigrammatisch

'Wann magst du dich am liebsten bücken?
Dem Liebchen Frühlingsblume zu pflücken.
Doch das ist gar kein groß Verdienst,
Denn Liebe bleibt der höchste Gewinst.
Goethe, Sprichwörtlich`

'Wann wird der Herr seine Freude sehn?'
Wenn er befiehlt mit Sinnen
Ehrlichen Leuten, die's recht verstehn,
Und lässt sie was gewinnen.
Goethe, Zahme Xenien IV

'Warte, warte', rief der Frosch, 'nimm mich mit, ich kann nicht so laufen wie du.'
Jacob und Wilhelm Grimm, Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich

'Warum bin ich vergänglich o Zeus?' so fragte die Schönheit.
'Macht' ich doch', sagte der Gott, 'nur das Vergängliche schön.'
Und die Liebe, die Blumen, der Tau und die Jugend vernahmen's,
Alle gingen sie weg weinend von Jupiters Thron.
Goethe, Vier Jahreszeiten

'Warum bist du so hochmütig?
Hast sonst nicht so die Leute gescholten!'
Wäre sehr gerne demütig,
Wenn sie mich nur so lassen wollten.
Goethe, Zahme Xenien IV

'Warum denn aber bei unsern Sitzen
Bist du so selten gegenwärtig?'
Mag nicht für langer Weile schwitzen,
Der Mehrheit bin ich immer gewärtig.
Goethe, Zahme Xenien IX

'Warum denn wie mit einem Besen
Wird so ein König hinausgekehrt?.'
Wärens Könige gewesen,
Sie stünden noch alle unversehrt.
Goethe, Zahme Xenien IX

'Warum erklärst du's nicht und lässt sie gehn?
Geht's mich denn an, wenn sie mich nicht verstehn?' Goethe, Zahme Xenien

'Warum ist alles so rätselhaft?
Hier ist das Wollen, hier ist die Kraft,
Das Wollen will, die Kraft ist bereit,
Und daneben die schöne, lange Zeit.'
So seht doch hin, wo die gute Welt
Zusammenhält!
Seht hin, wo sie auseinanderfällt!
Goethe, Problem

'Warum ist denn das Urteil allzukurz?'
Ein jeder schnuffelt nach dem eignen Furz
Ich schell euch nicht, wär es nicht Allgebrauch,
Wenn ich's täte, tätet ihr's denn auch?
Goethe, Zahme Xenien VIII

'Warum ist Wahrheit fern und weit?
Birgt sich hinab in tiefste Gründe?'
Niemand versteht zur rechten Zeit!
Wenn man zur rechten Zeit verstünde,
So wäre Wahrheit nah und breit,
Und wäre lieblich und gelinde.
Goethe, Divan - Buch der Sprüche

'Warum magst du gewisse Schriften nicht lesen?'
Das ist auch sonst meine Speise gewesen,
Eilt aber die Raupe sich einzuspinnen,
Nicht kann sie mehr Blättern Geschmack abgewinnen.
Goethe, Sprichwörtlich

'Warum man so manches leidet,
Und zwar ohne Sünde?'
Niemand gibt uns Gehör.
Wie das Tätige scheidet,
Alles ist Pfründe,
Und es lebt nichts mehr.
Goethe, Zahme Xenien II

'Warum nur die hübschen Leute
Mir nicht gefallen sollen?'
Manchen hält man für fett,
Er ist nur geschwollen.
Goethe, Zahme Xenien I

'Warum willst du das junge Blut
So schnöde von dir entfernen?'
Sie machens alle hübsch und gut,
Aber sie wollen nichts lernen.
Goethe, Zahme Xenien IV

'Warum willst du den Christen des Glaubens selige Wonne
Grausam rauben?' Nicht ich, niemand vermag es zu tun.
Steht doch deutlich geschrieben: die Heiden toben vergeblich.
Goethe, Epigrammatisch

'Warum willst du dich von uns allen
Und unsrer Meinung entfernen?'
Ich schreibe nicht, euch zu gefallen,
Ihr sollt was lernen!
Goethe, Zahme Xenien I

'Warum willst du nicht mit Gewalt
Unter die Toren, die Neulinge schlagen?'
Wär ich nicht mit Ehren alt,
Wie wollt ich die Jugend ertragen!
Zahme Xenien I

'Warum zauderst du so mit deinen Schritten ?,
Nur ungern mag ich ruhn,
Will ich aber was Gutes tun,
muss ich erst um Erlaubnis bitten.
Goethe, Sprichwörtlich

'Warum, o Steuermann, deinen Kiel
Wendest du gerad nach dem Riffe?'
Man begriffe nicht der Toren Ziel,
Wenn man sich nicht selbst begriffe.
Goethe, Zahme Xenien VII

'Was bedeutet dein Werk?' so fragt ihr den Bildner des Schönen,
Frager, ihr habt nur die Magd, niemals die Göttin gesehn.
Schiller, Bedeutung

'Was erwarten wir von einer Religion, wenn wir das Mitleid mit den Tieren ausschließen?' fragt Richard Wagner. Darauf gibt es nur eine Antwort: Nichts! Es hat keinen Sinn, die Kirchen zu stützen, wenn sie eine Ethik predigen, die sich gerade der Wehrlosen nicht annimmt. Manfred Kyber, Tierschutz und Kultur

'Was gebraucht wird, wird gemacht', sagte der Schuster und fertigte Schuhe, aus denen die nackten Zehen des Kunden herauslugen konnten! [ASpW]

'Was heißt du denn Sünde?'
Wie jedermann,
Wo ich finde,
dass mans nicht lassen kann.
Goethe, Zahme Xenien III

'Was ist der Mann?' fragen andere. 'Wer ist sein Vater?' fragt der Deutsche. J. G. Seume, Apokryphen

'Was lassen sie denn übrig zuletzt,
Jene unbescheidnen Besen?'
Behauptet doch Heute steif und fest,
Gestern sei nicht gewesen.
Goethe, Zahme Xenien III

'Was lehr ich dich vor allen Dingen?'
Möchte über meinen eignen Schatten springen!
Goethe, Zahme Xenien IV

'Was man in der Jungend wünscht, hat man im Alter genug,'
So sagen die Reichbegabten mit Fug;
Wir aber, mindern Pfunds Verwalter,
Was wir jung hatten, wünschen wir im Alter.
Franz Grillparzer, Sämtliche Werke (1872). Gedichte. Die Begehrenden

'Was schnitt dein Freund für ein Gesicht?'
Guter Geselle, das versteh' ich nicht.
Ihm ist wohl sein süß Gesicht verleidet,
dass er heut saure Gesichter schneidet.
Goethe, Sprichwörtlich

'Was will die Nadel, nach Norden gekehrt?'
Sich selbst zu finden, es ist ihr verwehrt.
Johann Wolfgang von Goethe, Sprüche

'Was willst du, dass von deiner Gesinnung
Man dir nach ins Ewige sende?'
Er gehörte zu keiner Innung,
Blieb Liebhaber bis ans Ende.
Goethe, Zahme Xenien I

'Was willst du, redend zur Menge,
Dich selbst fürtrefflich preisen?'
Cato selbst war ruhmredig, der Strenge,
Plutarch wills ihm gar ernst verweisen.
Goethe, Zahme Xenien IV

'Was wünscht der Blinde?' fragte man. 'Einen Korb voll Hühner', war die Antwort, wenn er auch nicht sieht, so mag er doch gern stoßen. Ägypten

'Was?' fällt ihm jeneer ein und bebet,
'Redst du von einem, der da lebet?'
Schiller, Der Gang nach dem Eisenhammer

'Wat den enen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall', sagte der Vogelkundler zu seinem kurzsichtigen Kollegen. [ASpW]

W haben hilft nicht.
i] Es ist sehr gewöhnlich, dass derjenige, welcher von andern etwas Ehrenrühriges gesprochen hat, sich damit zu entschuldigen sucht, dass er es von andern gehört habe, um von der verlangten Genugthuung loszukommen, und meint, der Beleidigte könne sich an den, von dem er es gehört habe, als ein W halten. Das Sprichwort lehrt aber, dass man mit dieser Entschuldigung die Klage nicht von sich schieben könne, weil der, welcher eine Beleidigung als Tatsache (nicht nur historisch als etwas ihm Erzähltes) weiter verbreitet, ebenfalls strafbar ist.

W macht mir wee (Wehe).
z] Der buchstab ist W; deut wein, odder wirt, weib und würffel.

Wä 'n Amtmann spröäken will, dä mött de Stunne ne tell'n.

Wä 'n Pennik (Pfennig) gelt, kann ne för 'n Groschen utgöäwen war'n.

Wä 't Für (Feuer) nôdig hät, sökt 't in de Asche.

Wä alle Lüggen (Leuten) de Mûl wüll stoppen, dä möss vill Heu un Strüh han. Bedburg

Wä alle Welt fröäten will, mött 'n grot Mul häw'n.

Wä am Galge stärve sal, sterv net em Bät. Düren
hdt] Wer am Galgen stirbt, braucht nicht im Bett zu sterben.

Wä ät irz am Bichstohl es, däm wird ät irz geholfe. Düren
hdt] Wer zuerst am Beichtstuhl ist, dem wird zuerst geholfen.

Wä ävver den Fohrweg (Fahrweg) geht, dä stieß sich an ken Steelen. Bedburg

Wä aß Mohr is gebur'n, an dem is all 't Waschen verlur'n.

Wa brü't de Bur den Husmann. (brüden = narren, necken, quälen u. dgl.)

Wä d'r Schade hät, da, hät och d'r Schemp. Düren

Wä dat Gôde (Gute) welt genêsse, dä moss dat Kodde (Böse, Schlimme) net verdrêsse. Düren

Wä de Arbet, esi der Lîn. Siebenbürgisch-sächsisch

Wä de Gons hät, dä hät och de Gov.

Wä de Koh (Kuh) schlacht, dem geiht de Melk quitt.

Wa de Teffe in't Hus hät, dâ hät de Kôtersch (Kater) vir de Döar.

Wa de Welt up un dâl geit, sä de Fos, un seet op 'n Soodswan (de Schwangrôde). Süderdithmarschen
hdt] Wie die Welt auf- und niedergeht, sagte der Fuchs, und sass auf dem Brunnenschwengel.

Wä der Här, esi det Gesäinjt. Siebenbürgisch-sächsisch

Wä der Mäinjtsch (Mensch), esi de Arbet; wä de Arbet, esi de Mäinjtsch.

Wa der mann selbs nit kommt, da wirt jm sein haupt nit wohl gelaugt (gezwagt).

Wä der Schad hät, broch für die Schang net zo sorgen.
ho] Die de schade heeft, heeft de schande toe.

Wa der weine gut ist, da darff mann keynen krantz (oder reyffen) ausshencken.

Wä dererst in der Mühl es, krijt dererst gemal'n.

Wa ehre ist, da ist auch schame.

Wä em 't gewänt (gewinnt), wä em 't verspilt.

Wä em än de Bäsch (Busch) reft, reft et zeräk.

Wä em Bûer 'ne Gefalle dêt, dä det ongsem Herrgott en Schmoch a. Bedburg

Wä em det Handfreng (Handwerk) dréift, esi gît et. Siebenbürg.-sächs.

Wä em seinj Arbet mâcht, esi bezuolt se sich.

Wä em sich de Käinjd (Kinder) erziht, esi huot em se.

Wä en 't Gestrüch geit, dä blîv ân den Dön (Dornen) hange. Köln

Wä êne em Gesêch (Gesicht) lov, hät gemênlich 'ne Schälm in d'r Mau (Ärmel).

Wä ene Honk (Hund) wärpe well, fenkt leit enn Stên.

Wa er geld bringt, so lass ihn eingehen, so ist er willkommen.

Wa es in meiner macht ist, so will ichs tun.

Wä et iez en de Mühl kütt, kregg och et iez gemahlen. Bedburg

Wa et längste lêft (lebt), kritt Stolberg. Aachen

Wä fra't (fragt), will nischt göäwen.

Wä gäer Musik hürt, dä freut sich ävver 'ne Rommelspott.

Wä Geck (närrisch) wird, däm fänk ät am Kop an. Düren

Wa Geck es, lit (lässt) sich'n Kap mäche. Düren

Wä henger (hinter) d'r Hecke geläge hät, da söhk op Êne dô. Düren

Wa Herren sein, da seind Decklaken.

Wä hierot (heiratet) us dem Klockeklank, dem reut et all se Leave lank. Bedburg

Wa ist weh? Wa ist laid? Wa ist zanck? Wa ist klagen? Wa seind wunden on vrsach? Wa seind rote augen? Nämlich wa man bei dem wein ligt, und kümbt aus zu saufen, was eingeschenckt ist.

Wa kein ehre ist, da ist eitel Schande.

Wa kêne Not hout, dam muss ma se lan. Nordböhmen
hdt] Wer keine Not hat, dem muss man sie lehren.

Wä lang hät, lätt lang hangen. (Wer viel hat, der zeigt es auch)

Wa ma ön Hund af d' Sau wirft, so beißt a's nima. Oberösterreich (Zu arges Hetzen (eines Menschen auf einen anderen) verfehlt der beabsichtigten Wirkung)

Wa man dich berat, so helff mir got.

Wa man die Zagen haltet bass, das macht die Helden an Muote lass.

Wä Meister et, dä dêt, wat hä well. Düren

Wä mer (wenn man) enem Bûr on e Färken tosâmen dem Bürej erâf rolt, so er ömer e Färken båvn (obenauf.)

Wa mer dä Kenger (Kinder) ehre Welle dêt, da kreische se net. Bedburg

Wa mer dubbel lädt, sprenk liet et Gewehr. Bedburg

Wä met dä Hônder (Hühner) schlofe geit, da kann met dä Livverlinkchen (Lerchen) opstoen. Köln

Wä met Päwferkôch (Pfefferkuchen) opgetrocke (aufgezogen) es, wêss ät Brûd net ze schätze.

Wä mich beheuke (betrügen) well, muss fröhch (früh) opstonn. Köln

Wä möhd (müde) es, dä räss sich op'm Messhôf (Misthaufen). Düren

Wä ne kümmt (kommt), dem ward ôk de Kopp ne waschen, söä de Bû'r, ass 'r to Gericht sull.

Wä necks (nichts) us sich mât, (dä) es necks. Düren

Wä nich arbäin well, de sall sik wännigstens satt iäten.

Wä nit bi Zicke (beizeiten) kütt (kommt), kritt der Wösch en 't Döppe gestoche. Köln
i] Der bekommt nichts zu essen; man steckt ihm die Tragwulst für den Kopf, Wösch genannt, um Lasten darauf zu tragen, in den Topf.

Wä nödd kimmt (kommt) zur rechder Zeid, muss ässe, wadd iwrig bleibd. Trier

Wä öwer Angere (andere) lacht, moss öwer sech selfs krische (weinen). Düsseldorf

Wä roh Flêsch (Fleisch) frött, dem dôn de Kinnbacken weh.

Wä ruöhmt war'n will, mött starwen; wä beschnakt war'n will, mött fri'n.
i] Beschnacken = besprechen, über etwas schwatzen.

Wa schul de Häwe wul uutseen, wenn he nich blau uutsee'ch! Süderdithmarschen
hdt] Wie würde der Himmel wohl aussehen, wenn er nicht blau aussähe.

Wä senge (seinen) Welle sät, moss senge Onwelle hüern.
hdt] Wer seinen Willen sagt, muss seinen Unwillen hören.

Wä sich de Nas' well quetsche loße, dä muss se zwischen de Dür stechen. Bedburg

Wä sich dûd arbeit, dem dries der Hunk (= Hund) op et Grav. Köln

Wä sich en Äppelche för den Dôsch (= Durst) opverspât (= aufspart), dä bruch nit ander Lück (= Leute) dröm ein Mung ze läcke. Köln

Wä sich et Bett gôd mât, dâ schlief och jod. Brandenburg

Wä sich ongen et Ôs mengk, wird van de Ferke fress'n. Bedburg

Wä te der bätst (bettest), esi werscht te lân.

Wa Tréïdel (Lärm, Zank) will, wird bald eine Ursach finden. Nordböhmen

Wä versuffe (ersaufen) sall, dä versüff en em Fingerhôt met Wasser. Köln

Wa ward et darna daken. (Dak = Dach, auch Nebel, daken = nebeln, bildlich: schelten)

Wä welld geneste, dä muss och verdreste. Bedburg

Wä welld halde der Kopf ganz, dä muss blieve vom Bûren Danz. Bedburg

Wä welld holden e fresch Kenk (Kind), dä hat et für aprelsche Sonn un Märzer Wenk. Bedburg

Wä zo Düre gewänd es, kann sich zo Belleg net schecke. Düren (Wer an ein teures Leben gewöhnt ist, kann sich in ein einfacheres, billigeres nicht finden. Wortspiel mit Düren und einem anderen gedachten Orte - Billig)

Wä zom Fettmännchen geboren ist, dä kann net zum Stären kummen.

Wa'meer alles wesse, si'meer bal verschlesse. Köln

Wa'mer nit alles weiß, weiß mer nix. Köln

Wä'n Glowen (Glauben) hät', kann öäwen so guod up as in 'n Awen backen.

Wâ'r et af, sächt Tacke.
hdt] Wart's ab, sagt Tuckermann. Halberstadt (Der Mann hatte hier ehedem ausschliesslich den Fischhandel und führte das 'Wart's ab' fast immer im Munde, traf damit gar oft den Nagel auf den Kopf und ist mit diesem Sprichworte sein ganzes Leben hindurch trefflich ausgekommen)

Wa, ät jeuch (juckt), dä kratz sich. Düren
fr] Qui se sent galeux se gratte.

Wäa A sägt, mütt ok B seggen. (Wer A sagt, muss auch B sagen)

Wäa Brot hät, denn wat Brot boaten (geboten). Ukermark (Wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe)

Wäa kehn Geld hätt, blief mi vommen Woagen. Ukermark (Wer mir keinen Vorteil gewährt, hat von mir keine Gefälligkeit, keinen Dienst zu erwarten)

Wäa ne kümmt to rechta Tid, de geiht Maohltit quiet. Ukermark

Wäa sick op anne Lüd (Letue) valät, de is valoaten genog. Ukermark

Waag' und Gewicht steht in Gottes Gericht.

Waan ma' ima d' Wies'n geht, wirft oam koa' Ross aa.

Waanriad gongt weck ma Seak an Siad. Nordfriesland
i] Wahnrat (schlechter, verkehrter Rat) geht weg mit Sack und Saat.

Waar hoot was Gebräutes, braucht nischt Gekäutes.

Waat, wat da waat, segt de Waat.

Wach auf, mein Herz und singe, wenn êns nôch Brantwein ginge und wär og nê zu lang. (So parodiert im Hirschberger Kreise der Volkswitz das bekannte Kirchenlied)

Wach auf, mein Schatz! Es leuchtet dort her von Osten der lichte Tag. Blinzle durch die Wimpern, sieh den Glanz, wie das helle Blau des Himmels unaufhaltsam das Grau durchdringt.
Oswald von Wolkenstein, Lieder (Wach auff)

Wach ganz leise und behutsam auf, liebste Freundin! Blinzle durch deine Wimpern und sieh, wie sich das dunkle Grau zwischen den Sternen hellblau verfärbt.
Mönch von Salzburg, Das Taghorn

Wach über deine Gefühle ... sie dürfen bei ernsten Entscheidungen nie mit einem durchgehen!
Hans Marchwitza

Wach viel, schlaff wenig zu aller frist, faulkeyt der laster narung ist.

Wach, dass du ruhest; ruh, dass du wachst.

Wache tut mager mache.

Wachen und Beten lässt die Frucht nicht zertreten.

Wachen wie eine Schneegans.

Wachen, handeln und bedenken werden's wohl zum Ziele lenken.
la] Vigilando, agendo, bene consulendo prospere omnia cedunt.

Wachende Leute träumen nicht.
ho] Wakkere lieden zijn geene droomers.

Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallet. Matth. 26, 41

Wacholder ist der Ziegen Nahrung und des Kätners warmes Zimmer.

Wacholder sind Viehruten, Disteln sind Sklavenruten, Nesseln sind Heidelbeeren.

Wacholder trägt keine Kirschen.

Wacholderbeeren sollen bei neun Krankheiten helfen.

Wachs machen.
i] In Wien für: sich viel einbilden, sich patzig machen.

Wachs und Dreck leuchten nicht gleich.
dä] Skarn og vox brænder ei eens i kirken.

Wachs von Kerzen, die in der Kirche gebrannt haben, in den Acker vergraben, halten Hagel und Überschwemmung ab.

Wachs, Flachs und Zinn viel Geld und klein Gewinn.
ho] Was, vlas en tin, voor groot geld, klein gewin.

Wachsamer Hirt, wachsamer Hund.

Wachse zwanzig Jahre, blühe zwanzig Jahre, steh still zwanzig Jahre, welke zwanzig Jahre. Flämisch

Wachse, artz, wachse.
z] Ist ein gemein Sprichwort bei Bergleuten, ob man schon nicht nasse Flüße zusetzt, welches böser Bergleut sprichwort und böser brauch ist.

Wachse, du Freiheit der deutschen Eichen,
Wachse empor über unsere Leichen! Körner, Bundeslied vor der Schlacht

Wachse, lieg' und grüne, damit ich was verdiene. Thüringen

Wachse, lieg' und grune, hast weiter nichts zu thune. Thüringen
i] Beim Legen und Pflanzen von Feldfrüchten, besonders der Kartoffeln u.s.w. Ebenso das vorhergehende.

Wachsein ist die Grenze zwischen zwei Geheimnissen. (Diese) Grenze (ist die) Schale, (das) 'Gegen'. Wachsein = Ich.
Oswald Spengler, UrfragenWas wir beim Menschen das 'Ich' nennen (Bewusstsein, bei allen animalischen Wesen), ist eine schmale Grenze zwischen dem Geheimnis drinnen und draußen (Seele und Welt).
Oswald Spengler, Urfragen

Wachsen die Bohnen auch bis ans Dach, sie bleiben doch stets ein Gemüse.

Wachsen die Hühner, wachsen auch die Körbe.

Wachsen wie a Hôler.
i] Schnell, üppig.

Wachsende Macht erzeugt unter den Beherrschten Angst, die in Gefolgschaft umschlägt.
Thiess

Wachset in eure Ideale hinein, damit das Leben sie euch nicht nehmen kann!
en] Grow into your ideals so that life cannot take them from you.

Wachsse erz, wachsse, ob man schon nicht nasse flüsse zusetzt.
z] Ist böser Bergleut sprichwort und böser brauch.

Wächst das Ansehen (o. die Ehre) spannenlang, so wächst die Ehre (o. Hoffart, Torheit) ellenlang.

Wächst das geld, so nimpt die sorg auch zu.

Wächst das Gras im Januar,
wächst es schlecht das ganze Jahr,
wächst die Frucht auf dem Feld,
wird sie teuer in aller Welt.

Wächst das Gras im Januar, ist's im Sommer in Gefahr.

Wächst das Gras schon im April,
steht es dann im Maien still.

Wächst das Gut, so wächst der Mut.
dä] Naar mig voxer gods, da voxer mig hoff mod.
ho] Wast zijn goed, zoo wast zijn moed.

Wächst das Korn im Januar, wird es auf dem Markte rar.

Wächst der Acker, so wächst der Schafstall.
la] Crescit ager, crescit ovile.

Wächst der April, steht der Mai still.

Wächst der Ertrag, so wächst das Verlangen.

Wächst der Roggen in die Stiegen, wirst du viel Kartoffeln kriegen.

Wächst der Ruhm einen Werschock, so wächst der Stolz eine Arschine. Russland

Wächst die Ehre spannenlang, wächst die Torheit ellenlang.

Wächst Geld und Gut, so wächst auch der Übermut.

Wächst ohne Schande, lebt ohne Ehre.

Wacht man, wacht, seggt jen Jung, ons' Koh ward ok starwe; dann wa öck june Hund ok dovon wegjoge.

Wacht, de Schêpelkopp kömmt.
i] In Königsberg Ruf zu den Kindern, die nicht ruhig schlafen wollen: Warte, der Scheffelkopf kommt. Nach der Sage war das ein Geist, der sich in alten Häusern auf den Bodenräumen unter den 'Okeln' (Dachwinkeln) aufhielt. Er war gutmütiger Art und liebte es nur, kleine Kinder zu 'buschern', dass sie ins Bett gingen.
z] De Schêpelkopp hadd Ôge wie Senfschöttle onn Tähne wie Leddersprâte, on satt ömmer önn ôle Hüser oppe Lucht under de Ôkle.

Wackeln ist der alten Ente, wackeln ist der jungen Sitte. Finnland
dä] Af den gamle oze lærer den unge at drage.
fr] Le grand boeuf apprend au petit à labourer.
it] Dal bove vecchio impara il giovine a tirar l'aratro.
la] A bove majore discit arare minor.
sd] Af gambla oxen lärer ten unga dra.

Wacker auf der Straße, im Hause wohl zu Maße.

Wacker wie der Hase auf dem Acker.

Wackrer Mann, geduldiges Weib machen im Hause Zufriedenheit. Mailand
dä] En klog mand giør en viis koone, og konen en tyk salig mand.

Wadd den ânen nödd (der eine nicht) mag, öss dem ann'ren en gud Sâch. Trier

Wadd Gott wöll erhâlen, dâd liesd en nödd verkâlen. Trier

Waddig un Wehdage.
i] Molken, wie das Wässerige in der nicht gehörig ausgewaschenen Butter.

Wäde' wô det Ruoss de Lîter afe schtecht. Siebenbürgen/Sachsen
i] Bezieht sich auf folgende Sage: Eine scheintot begrabene Frau erwacht in der Gruft, kehrt um Mitternacht nach Hause, klopft ans Tor und ruft ihren Mann beim Namen. Dieser erkennt ihre Stimme, glaubt aber, es sei ihr Geist da und will nicht öffnen. Als sie ihm wiederholt versichert, sie sei seine wirklich lebende Frau, sagte er ungläubig: 'Eher will ich glauben, dass mein Pferd aus dem Stalle geht und die Treppe heraufsteigt, als dass meine Frau lebendig aus dem Grabe wiederkehrt.' Augenblicklich hört er das Getrappel des Pferdes auf der Treppe.

Waffeln und Freier müssen warm genossen werden.
ho] Wafels en vrijsters moeten heet behandeld en gegeten worden.

Waffeln und junge Mädchen müssen heiß behandelt und gegessen werden.

Waffen bieten Frieden an. Schottland

Waffen für sich allein haben keine Wirkung. Tamil, Indien

Waffen in der Hand vertreiben den Verstand.

Waffen sind der Städte beste Schutzwehr.
la] Moenia ferrea non terrea.

Waffen sind gut, wer sie nur weis zu tragen.

Waffen sind leichter zu besiegen als Geld.
bm] Toho treba chlácholiti, kdo se branĕ chápe; ale kdo mĕšce, toho netřeba.
pl] Tego trzeba hamować, co síę do broni poryma; a co do mieszka, tego nie trzeba.

Waffen soll man wie Arznei brauchen wider Willen.
la] Praelia cessarent, pax sine litet fore.
la] Si duo de nostris tollas, pare nomina rebus.

Waffen und Geld brauchen eine geschickte Hand.
it] Armi e danari vogliono buone mani.

Waffen und Geld erfordern gute Fäuste.

Waffen und Geld verlangen eine sichere Hand.
sp] Armas y dineros buenas manos quieren.

Waffen und Gelder in den Kassen muss man mit reinen Händen fassen.
sp] Armas y dinereos, buenas manos quieren.

Waffen verletzen den Leib, böse Worte das Gemüt.

Waffen verletzen den Leib, Ehrabschneiden das Herz.

Waffen, Frauen und Bücher benötigen tägliche Pflege.
ndt] Waffen, Frauen un Böken (Bücher) mot men alltäglik versöken.
ho] Wapen, vrouwen ende tboec behoeven daghelics tversoec.
ho] Wapenen, vrouwen on boeken behoeven dagelijksche behandeling.
la] Sunt exercenda tria: femina, liber et arma.

Waffen, Waffen, Feindio!
i] Waffen, Feindio! der alte clamor ad arma, Allarm, Waffenschrei. Gleiche Sprachbildung, Verstärkung des Substantivs durch einen angehängten Ausruf, liegt den Hilferufen Mordio! Feurio u.s.w. zu Grunde.

Waffenglück ist unbeständig. Frankreich

Wag was, so wirst du was.

Wäg', ehe du wagst; besinn, ehe du sagst, damit du nit Reue tragst.
la] Bis ad limam, quam ad linguam.

Wag', was du nicht umgehen kannst.

Wag's und lass Gott walten.
la] Jacta est alea.

Wag's, so glückt's.

Wagalls bricht zuletzt den Hals.

Wage dein Leben und verlasse dein Haus.

Wäge dem bingt (bindet) er keis schwarzes Schnüerli umme Huet. Solothurn

Wage du zu irren und zu träumen,
Hoher Sinn liegt oft im kindischen Spiel.
Schiller, Thekla

Wage es, weise zu sein! Fange an! Wer die Stunde des rechten Lebens hinausschiebt, gleicht nur dem Bauern, der darauf wartet, dass der Fluss versiegt, bevor er ihn überquert. Horaz, Episteln

Wage es, weise zu sein. Horaz, Episteln

Wage man es endlich auch noch, das Traumbild einer Universalmonarchie ... in seiner Hassenswürdigkeit und Vernunftlosigkeit zu erblicken! Fichte, Reden an die deutsche Nation

Wage nunmehr nachstehende Bitte ehrerbietigst auszusprechen: dass mir durch den Beschluß der hohen deutschen Bundesversammlung für die neue vollständige Ausgabe meiner Werke ein Privilegium erteilt und dadurch der Schutz gegen Nachdruck in allen Bundesstaaten gesichert werde, unter Androhung der Konfiskation und anderer Strafen, welche durch allgemeine gegen das Verbrechen des Nachdrucks künftig erfolgende Bundesbeschlüsse noch festgesetzt werden möchten.
Goethe, An die deutsche Bundesversammlung, 7.1.1825

Wage! dem Wagenden wird einzig das Höchste zuteil. Geibel, Distichen

Wagehals brach schon oft den Hals.
fr] Hasard n'est pus sans danger.
la] Qui nimis est audax, saepe infeliciter audet.

Wagemann, Winnemann.
la] Casus ubique valet, semper tibi pendeat hamus, quo minime reris, gurgite piscis erit.

Wagemut tut selten gut.

Wagen geht (mitunter) über Sagen.

Wagen gewinnt, söä' de Padd, doa sprung se met sammst de Buxen in 't Woater.

Wagen gewinnt, wagen verliert (o. verspielt).
jüdisch-deutsch] Wenn män stellt nit ein, nehmt män nit aus.
i] Einstellen = wagen, riskiren. Kartenregel, die auch allgemein in dem Sinne gebraucht wird, um zu sagen: Wer nicht wagt, gewinnt nicht. 'Ich habe schon öffters gehört: Wagen gewinnt, wagen verliert.'
mhd] Wer wâget, der gewinnet vil.
fr] Qui trop s'aventure, perd cheval et mule.
it] Zara a chi tocca. Zara all' avanzo.
la] Audentes fortuna juvat, timidosque repellit.
la] Non semper temeritas est felix. Livius
la] Omnia temeraria periculosa.
la] Qui non periclitatur non ditescit.
sd] Wåga winna, wåga tappa.

Wagen hat Glück.
mhd] Der genante der genas, die wîle er unverzaget was.
mhd] Der ie genante der genas.
fr] Qui ne hasarde rien, n'a rien.

Wagen hilft nicht, wo Gott nicht drüber den Segen spricht.

Wagen ist besser als wägen.

Wagen ist nicht ohne Gefahr.
fr] Hasard n'est sans danger.

Wagen macht gewinnen, zagen (o. verzagen) zerrinnen.

Wagen tuts oft besser als Wiegen.

Wagen und Advokaten wollen geschmiert sein, sonst geht es nicht.

Wagen, die da krachen (stöhnen), halten oft am längsten.

Wagens, die der kraket, driäget lange. Münsterland

Wagenschmieren hindert nicht.

Wagenschmieren und Kirchengehen hindern (säumen) nicht.

Wagenschmieren und Pferdefüttern säumet nicht.
la] Non unctura rotam, ne tardat missa diaetam.
sp] Ni por ir a la iglesia, ni por dar cebada, no se purde jornada.

Wager ener Hutz'l hesst mer 'n Ouf'n nit. Franken
hdt] Wegen einer gedörrten Birne heizt man den Ofen nicht.

Wäget recht und gelike, so werdet, îr seligk und rike.

Wäget wohl vorher, was eure Schultern
Vermögen oder nicht, eh ihr die Last
Zu tragen übernehmet. Horaz, Episteln

Waghals
Bricht den Hals.

Waghals bricht den Hals.

Wagner gewinnt, Wagner verliert.

Wagner haben die zerbrochensten Wägen.

Wags um nutz, gahts, was schadts.

Wags, es glückt so bald, als fehlet.

Wâgst du dîn Lêwen (Leben), so wâg ik mîn fiev Dâler, säd' de Schipper, as de oll Mutt (o. dat ôle Swîn), de he köft harr, mit Gewalt öwer Bord wull. Jever
i] Mut, Mutte = Schwein, Mutterschwein.

Wagst du nichts, so gewinnst du nichts, verleurst auch nichts.

Wägt der Bauer die Krone, so hat er Armut zum Lohne. (Jeder bleibe bei seinem Beruf)

Wagt es ein Mann, dem Dämon zum Trotz, mit dem Helden zu kämpfen,
Den ein Himmlischer ehrt, bald rollt auf das Haupt ihm ein Unhold. Homer, Ilias, XVII, 98/9

Wagt sie es einmal, so wagt sie es wohl mehr.
z] Wagt sie es einmal, wie man sagt, gewisslich sie es öfter wagt.

Wagt's mit meiner Kunst, ihr Esser,
morgen schmeckt es euch schon besser
und schon übermorgen gut.
Wollt ihr dann noch mehr?
So machen meine alten Siebensachen mir zu neuen sieben Mut.
Nietzsche

Wahl bringt (hat, macht) qual.
jüdisch-deutsch] Krie' über koan Breere.
i] Krieg (die schwere Not u. dgl.) über keine Wahl, wo man eben das Unleidliche tun muss. Das Sprichwort kam besonders bei Erbteilungen in Anwendung. Wo die Teilung große Schwierigkeiten bot, bediente man sich des Loses.
ho] Keur baart angst.

Wähl deine Frau, wenn sie die Nachtmütze aufhat. Gälisch

Wähl dir die, der du sagst: du nur gefällst mir allein. Ovid, Liebeskunst

Wahl macht Qual.

Wähl nicht viel: Wer viel wählt, der Nacktes bekommt. Estland

Wahl und Wahrheit: Der Tag nach der Wahl ist der Tag der Wahrheit. Und dieTage davor? Ron Kritzfeld

Wahl?
Ist's Wahl, wenn des Gestirnes Macht den Menschen
Ereilt in der verhängnisvollen Stunde?
Schiller, Die Braut von Messina, 1480/82 (Don Cesar)

Wahlanalysen sind der Versuch, Leichen in fremde Keller zu legen. Lothar Schmidt

Wahlbetrug: verbotene Beeinflussung des Wahlergebnisses nach der Wahl. Gegensatz: Wahlversprechen. Haller

Wähle deine Frau, wenn sie mit dir im Bett liegt.

Wähle deine Freunde wie deine Bücher; wenige, aber erlesene.
en] Choose your friends like your books – few but choice.

Wähle deine Lebensgefährtin mit den Augen eines alten Mannes, und dein Pferd mit denen eines jungen. Armenien

Wähle deine Trauben aus einem guten Weinberg und die Tochter einer guten Mutter.

Wähle den Nachbarn bei deinem Haus und den Begleiter auf der Straße. Mauretanien

Wähle die Frau nicht so alt, dass sie beim Essen mit dem Munde wackelt, noch so jung, dass sie nichts als schäkern will. Spanien

Wähle dir ein gebautes Haus und einen gepflanzten Weinberg. Spanien

Wähle dir einen Reisebegleiter und dann erst den Weg.

Wähle doch das Weib
Sich einen Ältern stets! So fügt sie sich ihm an.
So herrscht sie dauernd in des Gatten Brust.
en] Let still the woman take
An elder than herself, so wears she to him,
So sways she level in her husband's heart.
Shakespeare, Was ihr wollt II,4

Wähle eins von den dreien: Geld, Macht, oder trolle dich aus der Stadt. Türkei

Wähle hat die Quäle. Breslau

Wähle nie deine Frauen und deinen Stoff bei Kerzenlicht.
en] Never choose your women or your linen by candlelight.

Wähle weder eine Frau noch Leinen bei Kerzenlicht.
en] Choose neither a woman nor linen by candle-light.

Wähle, liebe Seele, den Witten oder den Gêle. Danzig
i] Weiss oder gelb. Zuruf bei Unentschlossenheit.

Wahlen haben in manchen Ländern nur den Sinn, Stimmen in eine Urne zu legen. Ron Kritzfeld

Wählen ist, als griff man in Glückshafen, vnder hundert ist kaum einer gut.
fr] Qui refuse, muse.
fr] Tel refuse, qui après muse.

Wahlen sind manchmal die Rache des Bürgers. Der Stimmzettel ist auch ein Dolch aus Papier. Lloyd George

Wählen und Wechseln ist schwer auf Achseln.

Wahlen unterhalten das periodische System der Parlamente. Ron Kritzfeld

Wähler: einer, der sich des geheiligten Privilegs erfreut, für den Mann stimmen zu dürfen, den ein anderer ihm ausgewählt hat. Bierce

Wähler: Von Wahllokomotive in Fahrt gebrachter Anhänger. Ron Kritzfeld

Wahlgeschenke sind äußere Zeichen des heroischen Kampfes, den die Parteien führen, um das Hohe Haus gegen Einwirkungen der Wählerschaft abzuschirmen. Helmar Nahr

Wählig sein, wie die Laus im Schorf. Ostpreussen

Wahlkampf gleicht dem Versuch, einen Touristen statt im Hotel im Reiseprospekt unterzubringen. Karl Garbe

Wahlkämpferischer Imperativ: Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich deiner Wiederwahl dienlich sei. Lothar Schmidt

Wahlredner sind die Sturmtruppe der Parteien. Helmar Nahr

Wahlredner sind Wahrsager: beispielsweise können sie aus der Hand lesen, aus der die Spenden und Spesen kommen. Gerhard Uhlenbruck

Wahlredner: einer, der es allen recht zu machen verspricht. Rolf Haller

Wahlredner: einer, der weiß, dass jedes Ding zwei Seiten hat, und der gewöhnlich für beide ist. Renner

Wahlschaft ist keine Freundschaft.

Wählt eine bessere
Partei, ihr habt die gute nicht ergriffen. Schiller, Wallensteins Tod, II, 6 (Oktavio)

Wahltag ist Zahltag, so sagt ein altes, vielgebrauchtes Wort. Vor einem Zahltag braucht sich aber nur zu fürchten, der etwas schuldig geblieben und nicht in der Lage ist, die Rechnung zu begleichen. Dem Vertrauenswürdigen aber wird an einem solchen Zahltag gern von den Wählern ein Wechsel für die Zukunft ausgestellt, weil sie wissen, dass er termingerecht und ohne Prolongation eingelöst wird. Bundeskanzler Dr. Raab, Rede im Wirtschaftsbund am 11. 10. 1954

Wahlurnen sind Behälter, in die oben Stimmen hineingeworfen werden, und unten Meinungen herauskommen.
Graff

Wahlversprechen: Versprechen eines Politikers, Steuergelder in Subventionen umwandeln zu wollen. Lothar Schmidt

Wahlzeit: Bauboom für Poternkinsche Dörfer. Ron Kritzfeld

Wahn der Erinnrung!, dich zu heben
Vermagst du triumphierend nicht
Und ruhst als ein verzaubert Leben
Im Buch, des Schließe keiner bricht.
Stéphane Mallarmé, Gedichte

Wahn erheischt viel, Notdurft wenig.

Wahn ist eine blinde Kuh.

Wahn, Wahn!
überall Wahn!
Wohin ich forschend blick'
In Stadt- und Weltchronik,
Den Grund mir aufzufinden,
Warum gar bis aufs Blut
Die Laut' sich quälen und schinden
In unnütz toller Wut!
Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg, III,1 (Hans Sachs)

Wähne niemand, tut er, was ihm Freude bringt,
Nicht auch zu büßen wieder, was ihm Schmerzen bringt. Sophokles Aias, 1040/1 (Menelaus)

Wähnen ist leichter als wissen.
it] E più facile di presumere, chè di sapere.

Wähnen und dünken ist der blinden Kuh spielen.

Wahnolf ist Trügolfs Bruder.
mhd] Wânolf Triegolfs bruoder ist.
mhd] Wânolff betriegolfs bruoder ist.

Wahnsinn bei Großen darf nicht ohne Wache gehen. Shakespeare, Hamlet, III, 1 (König)

Wahnsinn ist die schlimmste Narrheit.
dä] Galenskab er første daarskab.

Wahnsinn ist nicht für alle Menschen dasselbe. Neugriechisch

Wahnsinnige leiten oft die Blinden.

Wahnsinnige und Lahme kopulieren am besten. England

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
Blütenträume reiften?
Goethe, Prometheus

Wahr - Fahr.
i] Wahrheit bringt Gefahr.

Wahr aber bleibt, dass die größten Ungerechtigkeiten von denen ausgehen, die das Übermaß verfolgen, nicht von denen, die die Not treibt. Man wird ja nicht Tyrann, um nicht zu frieren. Aristoteles, Politik

Wahr bleibt, dass die größten Ungerechtigkeiten von denen ausgehen, die das Übermaß verfolgen, nicht von denen, die die Not treibt.
Aristoteles

Wahr di för 'n Sliker, de Biter deit di nix. Süderdithmarschen
hdt] Wahre, hüte dich vor dem Schleicher, der Beisser tut dir nichts.

Wahr di vörr den, den Gott teekt (gezeichnet) hett. Rendsburg

Wahr di, wann du op'm Iesel (Esel) sittest, wo sik twei Weage scheiet. Westfalen

Wahr hat far, es sei wahrheit oder Kaufmanns Wahr.

Wahr is, dass sechse drei Paar is.

Wahr ist jedes Sprichwort, falsch jeder Aberglauben. Walisisch

Wahr ist wahr und Licht ist Licht, aber Blinde sehen nicht.

Wahr ist wahr, ob es groß Hans oder klein Nickel gesagt.

Wahr ist wohl, dass je mehr einer zur Kunst zugeschnitten ist, desto saurer fällt ihm das Handwerk, alle Kunst ist ja aber auch zugleich Handwerk, was bitter erlernt werden muss, und grade mit darin liegt ihr Großes.
Adolph Menzel

Wahr und gerecht ist des Herrn Knecht.
bm] Chéb-sůl jez, a pravda řež.
ill] Istinu traži, pravicu važi.

Wahr und klar ist dem Mund und dem Kopf gesund.
kroat] Kak pravo, tak zdravo.

Wahr und ohne Prunk.
la] Sinceriter citra pompam.
Huttens Wahlspruch

Wahr' di vör olle Apen un junge Papen. Sauerland

Wahr' dich, den Geschwurnen sän Hackel stieht drin. Oberharz
i] Hüte dich, das Häckel, der Dienststock des Beamten, der einen metallenen, einem Haken ähnlichen Griff oder Stütze hat, ist in der Nähe.

Wahre Achtung kann man nur verdienen, sie lässt sich nicht erschleichen, nicht erpressen.
Georg Christoph Lichtenberg

Wahre Beredsamkeit aber, finde ich, ist nichts anderes als die ernste und herzliche Liebe zur Wahrheit. Milton

Wahre buß kompt nimmer zu spat.

Wahre Christen sind dünne geseet.

Wahre deines Gewerbes, so wahrt es dich.

Wahre dik vor de Sliekers (Schleichern), de Röpers (Raufer) doit dik niks.
ho] Wacht je voor de sluipers.

Wahre Ehre findt man nicht mehr.

Wahre Eifersucht stärkt die Liebe.
Andreas Capelanus, Gebote des Minnerechts

Wahre Ethik fängt an, wo der Gebrauch der Worte aufhört.
Albert Schweitzer, Kultur und Ethik

Wahre Freigebigkeit besteht nicht darin, viel zu geben, sondern zur rechten Zeit zu geben.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Wahre Freiheit macht edelmütig und bescheiden und nicht unverschämt. Pestalozzi, Christoph und Else

Wahre Freud' währt allezeit.

Wahre Freude ist eine ernste Sache.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

Wahre Freunde sind wie Melonen, unter hundert findet man nur zwei Gute.
it] Amici veri sono come meloni, di cento ne trovi due buoni.

Wahre Freundschaft ist wie eine Seele, in zwei geteilt, um in zwei Körpern zu wohnen. Mexiko

Wahre Freundschaft tauscht man nicht gegen tausend Pferde ein. China

Wahre Güte beginnt bei sich selbst.
sp] La caridad bien ordenada comienza de sí propria.

Wahre Harmonie zwischen zwei Menschen bestünde dann, wenn sie alles, was sie denken, voreinander laut denken dürften. Ich glaube, nicht einmal Philemon und Baucis hätten das riskieren können.
Alfred Polgar, Kleine Schriften, Band 3. Irrlicht

Wahre Herrscher legen nicht Wert auf Worte, von Wert sind alle ihre Taten, von selbst getan erscheinen sie dem Volk.
Lao-tse, Dao-de-dsching

Wahre Herzensdemut kann nur der Gedanke an Gott und der Blick in die große Natur geben, und gerade dieses Gefühls sind die wenigsten fähig. K. J. Weber, Demokritos, Die Selbstsucht

Wahre Jugend ist eine Eigenschaft, die sich nur mit den Jahren erwerben lässt.
Jean Cocteau

Wahre Königin ist nur des Weibes weibliche Schönheit:
Wo sie sich zeiget, sie herrscht, herrschet bloß, weil sie sich zeigt.
Schiller, Macht des Weibes

Wahre Lebensfreude ist keineswegs abhängig vom gesicherten Wohlleben, sie ist fast immer Äußerung persönlicher Eigenschaften.
Ehm Welk, Weltflucht und Lärmsucht

Wahre Lieb ist die, die immer und immer sich gleichbleibt,
Wenn man ihr alles gewährt, wenn man ihr alles versagt.
Goethe, Vierjahreszeiten Sommer 32

Wahre Liebe hält sich still, falsche Liebe redet viel. Schweiz

Wahre Liebe ist selbstlos und ohne Begierde.

Wahre Liebe ist sicher vor Gefahr, auch im ärgsten Wetter fürchtet sie kein Haar.

Wahre Liebe kennt keine Eifersucht.
fr] L'amour chasse jalousie.

Wahre Liebe kennt keine Grenzen.
la] Verus amor nullum novit habere modum. Properz

Wahre Liebe schreibt nicht mit Wasserfarben.
i] Sie ist beständig.
ho] Daar gestadige min plagt te zijn, blijft nog wel een worteltje van over.
it] Benche fortuna tuoni un ver' amante sempre sarà constante.
sd] Kärleken wissnar intet.

Wahre Liebe wird nicht bald vergessen. England

Wahre Liebe, treue Pflicht mindert sich durch Absein nicht.

Wahre Menschenerkenntnis muss den Menschen nach Leib, Seele und Geist erforschen. Denn der Menschenleib ist ein Werk des Geistes und eine Offenbarung der Seele. Rudolf Steiner, Bericht über eine Erziehungstagung, Stuttgart, 1924

Wahre Mitteilung findet nur unter Gleichgesinnten, Gleichdenkenden statt. Novalis, Fragmente

Wahre Neigung vollendet sogleich zum Manne den Jüngling.
Goethe, Hermann und Dorothea 5. Gesang Vs 76

Wahre Philosophie öffnet den Sinn, befriedigt das Gemüt, erweitert den Gesichtskreis des Verstandes und führt den Menschen zu wahrer Glückseligkeit.
Giordano Bruno

Wahre Religion oder Frömmigkeit hängt einzig und allein an Gott. Zwingli, De vera et falsa religione

Wahre Ruhmbegierde ist die Quelle aller großen Taten und alles Nützlichen, was auf der Welt geschieht. Friedrich der Große, 1789

Wahre Sittlichkeit im Geschlechtsleben ... beruht im Wesentlichen auf Achtung der Persönlichkeit des anderen und einem inneren Widerstreben, diesen ohne Rücksicht auf seine eigenen Wünsche lediglich als Mittel zum Zwecke persönlicher Triebsättigung zu gebrauchen.
Bertrand Russell

Wahre Sittlichkeit im Geschlechtsleben, die sich von abergläubischen Vorstellungen freigemacht hat, beruht im wesentlichen auf Achtung der Persönlichkeit des anderen und einem inneren Widerstreben, diesen ohne Rücksicht auf seine eigenen Wünsche lediglich als Mittel zum Zwecke persönlicher Triebsättigung zu gebrauchen. Bertrand Russell, Marriage and Morals

Wahre Überzeugung geht von, Herzen aus, das Gemüt, der eigentliche Sitz des Gewissens, richtet über das Zulässige und Unzulässige weit sicherer als der Verstand, der gar manches einsehen und bestimmen wird, ohne den rechten Punkt zu treffen.
Goethe, An Th. Carlyle, 14.3.1828

Wahre Virtuosität gibt mehr als bloße Fertigkeit und Künste; auch sie vermag es den Menschen abzuspiegeln. Robert Schumann, Gesammelte Schriften

Wahre Volksfeste erhöhen das Leben, ziehen den Menschen aus dem Ichtum seiner Hütte und erwärmen das Herz für Menschen- und Bürgertum, für Staat und Vaterland. Weber, Demokritos, Der Frohsinn

Wahre Wissenschaft ist vollendete Anschauung; wahre Praxis ist selbsterzeugte Bildung und Kunst; wahre Religion ist Sinn und Geschmack für das Unendliche. Eine von jenen haben zu wollen ohne diese, oder sich dünken zu lassen, man habe sie so, das ist verwegene übermütige Täuschung, frevelnder Irrtum. Schleiermacher, Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren Verächtern

Wahre Wohltäter haben selten Undankbare verpflichtet; ja, ich will zur Ehre der Menschen hoffen, - niemals. Lessing, Der Knabe und die Schlange

Wahre Worte sind nicht schön. Schöne Worte sind nicht wahr. Laotse

Wahre Worte tun den Ohren weh.

Wahre, echte Freundschaft setzt eine starke, rein objektive und völlig uninteressierte Teilnahme am Wohl und Wehe des anderen voraus, und diese wieder ein wirkliches sich mit dem Freunde Identifizieren.
Arthur Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit

Wahre, hüte dich vor denen, die Gott gezeichnet hat.
i] Vor Krüppeln, Buckeligen.

Wahre, in alle Zeiten und Nationen eingreifende Urteile sind sehr selten.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1025

Wahre, unverstellte Demut ist sehr lieblich. Claudius, Wandsbecker Bote

Wahre, was du tust und wahre, was danach folgt.
i] Handle nicht gedankenlos, sondern überlege und bedenke die Folgen.
z] Wair was du tüst, vn war, waz dar nachge.

Wahren die Schwägerinnen Harmonie, wird das Vermögen nicht vergeudet,
sind die Brüder eines Sinns, wirkt das so gut wie eine Pille gegen Ärger.

Wahren ist haben.
i] Wer spart, der hat.

Während aber die Deutschen sich mit Auflösung philosophischer Probleme quälen, lachen uns die Engländer mit ihrem großen praktischen Verstande aus und gewinnen die Welt. Eckermann, Gespräche mit Goethe, 1. 9.1829

Während Allah die Durrahfelder verflucht, hebt er die Hand auf, die Reisfelder zu segnen. (Wir könnten sagen: Schlagen die Kartoffeln fehl, so gibt's Gott an Weizenmehl)

Während Böse den Tod fürchten und Frohe scheun,
Rufen Arme ihn an, Tapfere trotzen ihm;
Doch Geprüfte und Weise
Sehn ihn nahen wie einen Freund. H. Leuthold

Während das Elend für viele Menschen ein Kräftigungsmittel ist, wirkt es auf andere zersetzend...
Balzac, Die Lilie im Tal

Während das Glück dir lacht, wirst Freunde du zählen in Menge;
Wenn sich der Himmel bewölkt, findest du bald dich allein. Ovid, Tristien

Während das Gras wächst, verhungert der Gaul.

Während das Kraut noch wächst, stirbt das Pferd.
la] Dum herba crescit equus moritur.

Während das Schaf blökt, verliert es, was es im Maul hat. Flämisch

Während dat Schôp (Schaf) bläket, kann 't nit muffeln. Waldeck

Während dein Feuer brennt, schneide deinen Kürbis und brat' ihn.
en] Hold opportunity by the fore-lock, before she turns her tail.
en] Make hay, while the sun shines.

Während dein Feuer brennt, schneide den Kürbis und brate ihn. Hebräisch

Während der Erntezeit hat selbst eine Ratte fünf Frauen. Tamil, Indien

Während der Fette mager wird, stirbt der Magere. Hebräisch

Während der Fisch siedet, schmilzt die Butter.

Während der Fuhre soll das Pferd in einer Nacht neunmal überprüft werden, dann wird des Pferdes Hals nicht krank.

Während der Hafer reift, krepiert der Gaul.

Während der Heuernte hängt man den Schlaf an den Nagel.

Während der Heuernte hat man keine Zeit, Brot zu backen.

Während der Himmel noch am Menschen schafft, fängt die Erde schon an, sein Grab zu bereiten.

Während der Hund bellt, frisst der Wolf die Schafe.

Während der Hund pisst, laufen die Kaninchen davon. (Über verpasste Gelegenheiten)

Während der Hund scheisst, läuft der Hase in den Busch.

Während der Kluge denkt, bringt der Dumme sein Vermögen ein. Spanien

Während der Kluge nachdenkt, zeugt der Dumme unbekümmert einen Sohn. Iran

Während der Kluge sich besinnt, besinnt sich auch der Dumme.

Während der Kluge vieles gedacht, hat sich der Dummkopf Vermögen gemacht.

Während der Krankheit gute Freunde, bei Gesundheit steckt der eine dem anderen das Haus an. Madagaskar

Während der Lange sich bückt, nimmt der Kurze die Beere vom Boden auf. Estland

Während der Müller schläft, fließt viel Wasser davon.

Während der Pfaff liest die Metten, wärmt ihm die Köchin die Betten.
bm] Pop zpívá a popová koláče peče.

Während der rechte Topf gebessert wird, siedet der schlechte am Feuer über.
i] Der zur Aushilfe die Stelle vertretende.
la] Jus coquit obliqua petitur dum seria recta.
sd] Moedhan siwdher wrangh gryta ower eldh moen roet gryta bedhis i by.

Während der Sonnenwende wird die schwarze (= dunkle) Hälfte nach oben gekehrt. Estland

Während der Stein die Falle drückt, drückt die Falle den Boden. Afrika

Während der wirkliche Denker nichts mehr ersehnt als Muße, flieht der gewöhnliche Gelehrte vor ihr, weil er mit ihr nichts anzufangen weiß. Seine Tröster sind die Bücher: das heißt, er hört zu, wie jemand anders denkt und lässt sich auf diese Art über den langen Tag hinweg unterhalten. Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 3, Schopenhauer als Erzieher

Während der Wolf kackt, bringt sich die Ziege in Sicherheit.
i] Eine kurze Versäumniss kann die Erreichung eines Zwecks hindern.
dä] Den stund hunden pisser, løver ulven ad skoven.
dä] Medens hundene veire, løber haren ad skoven.
dä] Medens hunden pisser, løbe dyrene af skoven.
fr] Tandis que le chien pisse, le loup s'enfuit.
ho] Terwijl de hond kakt, ontkomt der wolf.
ho] Terwijl de hond pist, ontlopt de haas.
it] Mentre ch'il cane piscia, la lepre se ne va.
sp] Minetras el lobo caga, la oveja se salva.

Während der Wolf scheisst, macht sich das Schaf fort.
ho] Terwijl de wolf sch.., loopt het schaap weg.
ho] Terwijl de wolf vertoeft, wordt het schaapje uit de vrees gehaald.

Während des Abendläutens zünden beim Osterfeuer in Franken die Knaben ihre Besen an

Während des ersten Teils der Nacht, denk über deine eigenen Fehler nach, während des weiteren (nämlich wenn du schläfst) über die der anderen. China

Während des Essens gehst, Prügel bekommst. Estland

Während des Karnevals ist jeder Scherz erlaubt.
it] Di carnevale ogni scherzo vale.

Während des Krieges hat die Diplomatie nichts zu tun. Nach Schluß der Kampfhandlungen treten die Diplomaten in den Vordergrund, ziehen das Fazit, stellen Bilanzen auf und üben sich in ehrlichem Maklertum.
Lenin, Das Proletariat kämpft…

Während des Krieges sind die Himmelstore offen, während der Todeszeit die Höllentore. Estland

Während die Deutschen sich mit Auflösung philosophischer Probleme quälen, lachen uns die Engländer mit ihrem großen praktischen Verstande aus und gewinnen die Welt.
Goethe, Eckermann, 1.9.1829

Während die eine Henne brütet, kann eine andere noch auf den Eiern sitzen.

Während die Frau vom Ofen springt, hat sie schon siebenundsiebzigmal auf ihren Mann geschimpft. Rußland

Während die Große sich bückt, hat die Kleine das Haus gefegt.
pr] Em quanto a grande se abaixa, a pequena varre a casa.

Während die großen Glocken läuten, hört niemand die kleinen. Dänemark

Während die Hirten schlafen,
Stiehlt man die Wolle den Schafen.
Abraham a Santa Clara

Während die Hirten zanken, so frisst unterdess der Teuffel (o. Höllenwolf) die Schaf.
la] Dum pastores odia exercent, lupus intrat ovile.

Während die Klugen klügeln gar fein, nehmen die Dummen die Festung ein. Serbien
sp] Minetras el discreto piensa hace el necio la hacienda.

Während die Menschen ihre Pflichten lässig erfüllen, machen sie sich ein Verdienst oder besser einen Ruhm daraus, Dinge mit Eifer und Hingabe zu tun, die sie nichts angehen und weder ihrem Stand noch ihrem Charakter angemessen sind.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Während die Menschheit sich entwickelt, werden unmerklich eine Menge Ideale nicht gerade als verwerflich, aber als unanwendbar abgeschafft.
Tania Blixen, Motto meines Lebens

Während die Narren poltern, schweigen die Klugen still. Russland

Während die rechte Hand noch an der letzten Zeile eines Gesetzes arbeitet, radiert die Linke schon wieder in den ersten Zeilen herum.
Norbert Blüm, Unverblümtes von Norbert Blüm

Während die Schwalbe umherfliegt, raubt ihr der Sperling das Nest.
z] Dieweil die Schwalb muss umherfliegen, der spatz sie tut ums nest betrügen.
la] Passere sub tecto remanente, uagatur hirundo.

Während die Taube in ihrem Versteck sitzt, fliegt der Pfeil über sie hin.

Während die unter Gottes Gebot stehende Gesellschaft nur Autorität war, ist die wissenschaftlich geplante Gesellschaft totalitär.
Gerhard Sczcesny, Das so genannte Gute

Während die Weisen grübeln, erobern die Dummen die Festung.

Während die Weisen philosophieren, leben die Narren. Kroatisch

Während du reist, berechne nicht die Entfernung, während du isst, nicht die Größe der Portion. China

Während du von einem Becher trinkst, schau nicht in einen anderen. Hebräisch

Während du zu entschuldigen glaubst, klagst du an.
la] Dum excusare credis, accusas.

Während Dumme Fehler zu vermeiden suchen, laufen sie ins Gegenteil.
Horaz, Sermones

Während ein Feuerwerk abgebrannt wird, sieht niemand nach dem gestirnten Himmel. Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Während eine Traube die andere ansieht, färben sie sich.

Während einer denkt, spricht der andere und der dritte handelt. Serbien

Während eines Wahlkampfes ist alles erlaubt.
en] All is fair in election time.

Während er auf den Fall des vertrockneten Baumes wartete, fiel der grüne statt dessen. Nigeria

Während es aufgeschoben wird, enteilt das Leben.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe an Lucilius

Während es nur einen Tod gibt, gibt es viele Arten von Liebe. Der Tod spielt nie. Wenn alle Liebe ebenso ernst wird, wird auch sie das Recht des Todes haben, ihre Zeit und Stunde zu wählen. Ellen Key, Über Liebe und Ehe: Die Freiheit der Liebe

Während es von Mund zu Mund geht, wird aus der kleinen Nähnadel ein riesiger Balken. Armenien

Während früher Väter und Söhne in einer annähernd gleichen Welt lebten, da der Fortschritt sich nur langsam vollzog, trennen heute Väter und Söhne nicht Jahrzehnte, sondern Jahrhunderte. Coudenhove-Kalergi, Held und Heiliger

Während ich auf einen Mann warte, der Ritter sei, sinken die Brüste bis auf die Schürze dabei.
i] So klagt die alte Jungfer Spaniens, die früher zu wählerisch war.

Während ich diktiere, denke ich mir die Person, an die ich schreibe, als gegenwärtig, überlasse mich naiverweise dem Eindruck des Moments und meinem Gefühl...
Goethe, F. v. Müller, 11.1.1830

Während ich male, lasse ich meinen Körper draußen vor der Tür, wie die Moslems ihre Schuhe vor der Moschee.
Pablo Picasso

Während ich meinen Gedanken niederschreibe, entgleitet er mir zuweilen; aber das erinnert mich an meine Schwäche, die ich alle Augenblicke vergesse; das belehrt mich ebensosehr wie mein vergessener Gedanke, denn ich strebe nur danach, mein Nichts zu erkennen. Pascal, Gedanken

Während ihrer Zwei
Zanken um ein Ei,
Steckt's der Dritte bei.

Während ihrer zwei zanken um ein Ei, steckt's der dritte bei.

Während John Bull der kälteste Freund ist, ist er der sicherste Nachbar und der geradsinnigste und generöseste Feind; während er sein eigenes Schloß wie ein Pascha hütet, sucht er nie in ein fremdes einzudringen. Heine, Englische Fragmente

Während man dem Geist immer mehr Nahrung gibt und die Köpfe erhellt, lässt man nicht selten das Herz erkalten.
Gottfried Keller

Während man dem Wolfe das Vaterunser lehren will, hat er die Gedanken auf die Schafe.
bm] Uči vlky páteřům, a oni vždy k ovci.
pl] Mów wilku pacierz, a on: owca.

Während man den Fluss überquert, wechsel man nicht das Pferd.
tü] Çay geçerken at değiştirilmez.

Während man hier einen Stüber gewinnt, verliert man dort zwei.
ho] Terwijl men een' stuiver wint, verliest men er geen twee.

Während man sich der ruhigen Luft freut, ist ein Sturm unterwegs.

Während man tanzt, tut der Fuß nicht weh. Italien

Während Peter und Paul sich um den Schlitten streiten, fährt Iwanjuschka (Johann und Hänschen) damit in das Nachbardorf zum Kindtaufschmause. Russland

Während Rom beratschlagt, geht Sagunt zugrunde. Livius, Römische Geschichte

Während Rom sich berät, geht Sagunt zugrunde.
la] Dum Roma deliberat, saguntum perit.
Livius, Römische Geschichte

Während seines Lebens aber meint jeder Kaufmann, Soldat oder Richter, wenn er nur ein kleines Feldstück von seinem Raube in die Büchse wirft, sämtliche Fehltritte und Vergehen mit einem Male wieder gut gemacht und alle Meineide, alle Unlauterkeiten, alle Schlemmereien, jeden Streit, jeden Mord, jeden Betrug, jede Treulosigkeit, jeden Verrat gleichsam vertragsmäßig gesühnt, und zwar so gut gesühnt zu haben, dass er sich sogleich wieder berechtigt glaubt, eine neue Reihe von Verbrechen zu begehen. Erasmus von Rotterdam, Lob der Torheit

Während sich auf anderen Gebieten Irrtümer bisweilen wieder gutmachen lassen, ist dies bei Fehlern, die man im Kriege begeht, unmöglich, weil sie sich sogleich rächen. Machiavelli, Die Kriegskunst

Während sich der Esel bedenkt, kann der Müller heirathen. Eifel

Während sich der Kluge (jüdisch: Chöchem) besinnt, kann sich der Narr auch besinnen.
ndt] Wann sich de Klauke bedenket, bedenket sick auk de Narre. Waldeck

Während sich der Sperling putzt, stellt der Vogelsteller sein Netz.
i] Von denen, die in gedankenloser Sicherheit oder glücklicher Muße dahinleben.

Während sich der Weise besinnt, besinnt sich der Narr auch.

Während sich die Hunde anknurren, holt (frisst) der Wolf das Schaf.
fr] Pendant que les chiens s'entre grondent, le loup dévore la brebis.
fr] Quand les chiens s'entrepillent, le loup fait ses affaires.

Während sich die Köche streiten, läuft der Topf über.

Während sie ihren Liebhaber küsst, reißt sie ihm die Zähne aus. Ägypten

Während wir handeln, sind wir zugleich ein Bewirktes. Hume, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand

Während wir in den Büchern lesen, lesen die Frauen im großen Buch der Welt. So befähigt sie gerade ihre Unwissenheit, die Wahrheit ohne Zögern aufzunehmen...
Denis Diderot, Über die Frauen

Während wir sprechen, flieht die missgünstige Zeit. Genieße den Tag!
Horaz, Lieder

Während Zimmerleute und Maurer essen, messen und sich besinnen, ist der halbe Tag von hinnen.

Wahrer Adel ist es, den nichtigen Adel zu verachten.
Erasmus von Rotterdam, Handbüchlein eines christlichen Streiters

Wahrer als die Weissagungen der Kassandra.
i] Die mit dem Fluch belegt waren, dass man ihnen keinen Glauben schenkte. Daher von Unglücksbotschaften, die nicht geglaubt werden.

Wahrer als wahr.

Wahrer Freude Mutter ist
Besonnenheit, das Götteraug im Menschen,
Die alles klar schaut, alles Klare liebt. L. Schefer, Laienbrevier, Juli

Wahrer Glaub ist so wenig ohn gute Werck als die Sonne ohne Licht und fewer ohne Hitze.
i] An vielen Orten Persiens pflegte man jährlich dem Volke die Wahrheit der Lehren des Ali zu veranschaulichen. Man erwählte zwei Ochsen, einen großen starken, der den Namen Ali erhielt, und einen kleinen und schwachen, den man Osman hieß. Diese mussten miteinander kämpfen, und sobald der Ali, was jedesmal geschah, den Osman überwunden, erhob das Volk ein Freudengeschrei: 'Ali besiegt den Osman, seine Lehre ist die wahre.'

Wahrer ist das Wort des Maltesers als der Eid des Fürsten.

Wahrer Scherz, böser Scherz.
la] Dum jocus est verus, malus est, atque severus.

Wahrer Spott, schlimmer Spott.
ho] Ware spot, zware spot.
la] Dum jocus est verus, malus est jocus atque severus.

Wahres Leben besteht in Vorwärtsbewegung, darin, andere und dadurch auch sich selbst und die Welt besser zu machen. Alles, was nicht dazu führt und es gar verhindert, ist nicht Leben.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1895)

Wahres Lob wächst auch in armer Leute Garten.
la] Laus vera humili saepe contingit viro.

Wahres und Gutes wird sich versöhnen,
Wenn sich beide vermählen im Schönen.
Rückert, Zum heiligen Dreikönigstage

Wahrhaft elend ist allein der Feige. Lenau. D. Albigenser, Der Büßer

Wahrhaft frei ist derjenige, der sich selber, seine Persönlichkeit, sein Tun und Trachten immer wieder in Übereinstimmung zu bringen versucht mit dem, was historisch notwendig ist.
Johannes R. Becher, Das poetische Prinzip

Wahrhaft glücklich werden die sein, die den Weg zum Dienst am anderen gesucht und gefunden haben.
Albert Schweitzer

Wahrhaft groß sein, heißt:
Nicht ohne großen Gegenstand sich regen,
Doch einen Strohhalm selber groß verfechten,
Wenn Ehre auf dem Spiel. Shakespeare, Hamlet, IV, 4 (Hamlet)

Wahrhaft großes Empfinden zeigt sich nicht darin, dass man sich ausschließlich mit großen Dingen beschäftigt, sondern dass man auch das Kleinste dem Großen anzugliedern weiß.
Isolde Kurz

Wahrhaft Liebende betrachten alles, was sie bisher empfunden, nur als Vorbereitung zu ihrem gegenwärtigen Glück, nur als Base, worauf sich erst ihr Lebensgebäude erheben soll.
Goethe, Goethe, Dichtung und Wahrheit IV, 19

Wahrhaft nützliches Prüfen, gerechtes Würdigen wird nie, wofern nicht besondere Zwecke solches erheischen, bei den Fehlern verweilen, doch dieselben nicht übersehen, das Verdienstliche aber, erscheine dasselbe in welcher Gestalt es wolle, anerkennen...
Goethe, Schriften zur Kunst - La Cena di Giotto

Wahrhaft ungütig sind wir nur gegen Menschen, von denen wir wissen, dass sie uns niemals verloren gehen können.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Wahrhaft, wenn man so etwas Großes wie die Freiheit zu bewahren hat, ist der Rest recht kindisch.
Jean-Jacques Rousseau, an d'Alembert

Wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Positiven hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor.
Novalis, Die Christenheit oder Europa

Wahrhaftes, unaffektiertes Misstrauen gegen menschliche Kräfte in allen Stücken ist das sicherste Zeichen von Geistesstärke. Lichtenberg, Beobachtungen über den Menschen

Wahrhaftig man weiß nicht, was man an einander hat, wenn man sich immer hat.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 16. 10. 1779

Wahrhaftig nichts auf der Welt muss der Faulheit besser zusagen als Orthodoxie. Jacob Burckhardt, An Hans Riggenbach, Basel, 26. 8. 1838

Wahrhaftig, der Umgang mit schlechten Büchern ist oft gefährlicher als mit schlechten Menschen. Hauff, Das Buch und die Leserwelt

Wahrhaftig, die Kunst ist es, was man verehren muss, nicht den Künstler; der ist nichts mehr als ein schwaches Werkzeug.
Wilhelm Heinrich Wackenroder, Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders

Wahrhaftig, Ehrbarkeit an eine garstige Schmutzdirne wegzuwerfen hieße gut Essen auf eine unreinliche Schüssel legen.
en] Truly, and to cast away honesty upon a foul slut were to put good meat into an unclean dish.
Shakespeare, Wie es euch gefällt III,3

Wahrhaftig, ich tue dir nichts, sagte die Landratte zur Wasserratte.

Wahrhaftig, ich verzeihe dem Schauspieler jeden Fehler, der aus dem Selbstbetrug und aus der Begierde zu gefallen entspringt, denn wenn er sich und anderen nicht etwas scheint, so ist er nichts [...]. Alle Fehler des Menschen verzeih ich dem Schauspieler, keine Fehler des Schauspielers verzeih ich dem Menschen.
Goethe, Lehrjahre VII,3

Wahrhaftig, keine Schlange ist so schlimm,
Tritt man sie auf den Schwanz, noch halb so grimm
Als eine Frau, wenn sie in Wut gerät
Weil all ihr Sinnen dann auf Rache seht.
Chancer, Canterbury Geschichten, Vers 7583/87

Wahrhaftiger Mund besteht ewiglich, aber die falsche Zunge besteht nicht lange. Sprüche Sal., 12, 19

Wahrhaftigkeit der Kunst: sie ist allein jetzt ehrlich. So kommen wir, auf ungeheurem Umweg, wieder auf das natürliche Verhalten zurück. Es hat sich unmöglich erwiesen, eine Kultur auf das Wissen zu bauen. Nietzsche, Nachgelassene Fragmente

Wahrhaftigkeit ist die unerlässliche Bedingung allen künstlerischen Wesens, wie nicht minder allen Wertes eines guten Charakters. Richard Wagner, Über Schauspieler und Sänger

Wahrhaftigkeit ist weniger ein Zweig als eine Blüte der sittlichen Mann-Stärke. Jean Paul, Levana

Wahrhaftigkeit muss über alles Los gehen. [RSpW]
i] Der Richter soll genau nach Lage der Sache erkennen. Die alten Rechtsbücher sagen von ihm: All sein Sinnen steht nach der Gerechtigkeit und, wird er aus der Sache nicht klar, so muss er sie hundertdreiundzwanzigmal überlegen; so erst findet Recht, wer Recht hat, Unrecht, wer Unrecht hat.
altfries] Weeraftigheet schel gaen buppa alle laes.

Wahrhaftigkeit und Politik wohnen selten unter einem Dach. Stefan Zweig, Marie Antoinette

Wahrheit - das Wort hat einen unvergleichlichen Zauber. Es scheint zu versprechen, worauf es uns eigentlich ankommt. Verletzung der Wahrheit vergiftet alles, was durch diese Verletzung erworben wird. Karl Jaspers, Existenzphilosophie, Wahrheit

Wahrheit - Klahrheit.
ho] Waarheid is ongeveinsd.
la] Veritas pronuba et amatrix lucis est.

Wahrheit - Rarheit.

Wahrheit altert wohl, aber sie stirbt nicht.

Wahrheit bauet mehr denn tausend Arbeiter.

Wahrheit behält den Sieg.
la] Veritas vincit.

Wahrheit benötigt nur wenige Worte. Rußland

Wahrheit bestehet allzeit mit Ehren.

Wahrheit bestehet, Lügen vergehet.
z] Wahrheit zuletzt den Platz behelt.
z] Wahrheit bleibet bestehen, lügen müssen vergehen.
dä] Sandhed vinder, løgn forsvinder.
en] Truth hath always a fast bottom.
fr] La vérité sta sempre a galla.
sd] Sanning består, när lögn förgår.

Wahrheit bleibt in Ewigkeit.
ho] Waarheid blijft altijd waarheid, al was het op een' paaschdag.

Wahrheit bleibt sich immer gleich.
sd] Sanningen är sig altid sjelf lijk.

Wahrheit bleibt stehen, wenn auch Sterne vergehen.
ho] De waarheid is een blijvende gast.

Wahrheit bleibt Wahrheit und duldet keinen Zusatz.

Wahrheit bleibt, lugen gehet vnter.
z] Man huete sich vor der tat, lugen wirdt wohl radt.

Wahrheit braucht keine Seife, sie hat angeborene Schönheit.

Wahrheit braucht nicht vieler Probe, ist ein Ausflucht, die ich lobe. China
dä] Sandhed behøver faae vidnes byrd.
la] Veritatis simplex oratio.

Wahrheit bringt Gefahr.
it] Chi non se spergiura, si fiacca il collo.
la] Ad perniciem solet agi sinceritas.
la] Honesta fert exitium veritas.

Wahrheit bringt gute Wahr ins Land.

Wahrheit dauert, Lüge endet bald.

Wahrheit den Neid, Glückseligkeit den Hochmut, die Sicherheit Gefahr, große Gemeinschaft Verachtung.
dä] From føder tit onde børn.
dä] Fire gode modre føde tit fire onde dottre: sanden had, lykke hovmodighed, sikkerhed fare, og gemeenskab foragt.

Wahrheit ehrt man durch alle Land.

Wahrheit findest du von des Fäßchens Boden. Estland

Wahrheit findet Feinde, auch wenn sie keine macht.
en] Truth finds foes, where it makes none.
la] Obsequium amicos, veritas odium parit. Terentius

Wahrheit findet keine Herberge.
z] So gar ist die Wahrheit verhast, das sie selten find ruhe und rast.

Wahrheit für Wahrheit, Scherz für Scherz. Estland

Wahrheit fürchtet kein Gericht.

Wahrheit gebiert Hass und Neid.
bm] Povolnost přátely rodí, a pravda nenávist' plodi.
dä] Sandhed foder had, og er ond at høre.
fr] Beau service fait amis et le vrai dire ennemis.
fr] La vérité engendre la haine.
fr] Souvent les verités sont odieuses, mal reçues.
ho] De waarheid gezeid, maakt haat en nijd.
it] Il vero partorisce odio.
kroat] Istina raja nazlob.
la] Obsequium amicos, veritas odium parit.
la] Veritas odium parit. Terenz
la] Veritas vulgo semper odiosa est.
sd] Sanning föder hat.
sp] Mal me quieren mis comadres, porque les digo las verdades.

Wahrheit gebiert Tugend.
sd] Sanning föder dygd.

Wahrheit gebiert Verfolgung.
fr] Quand on a la main pleine de vérités, il n'est pas toujours bon de l'ouvrir.
it] Ben servir acquisita amici, el vero dire-nemici.
it] La verità partorisce odia.
it] Ogni verità non è da dire.

Wahrheit gebraucht man kaum an Feiertagen, geschweige, dass man sollte Alltagshosen daraus machen.

Wahrheit gehet für Gewohnheit.

Wahrheit gehet nach Partecken, Lügen gibt man Geld genug.

Wahrheit geht durch Mark und Bein.
sd] Sanning tränger genom såsom en åske viggie.

Wahrheit geht Nummer Sicher.
sd] Sanning går altid säker.

Wahrheit geht über alles Recht.

Wahrheit geht über Schönheit.
la] Nil videt mens veritate pulcrius.

Wahrheit geht vor allem Recht.
ndt] De Wahrheit geit vor alle Recht.

Wahrheit genügt für das ganze Leben, Falschheit kaum für eine Stunde. Estland

Wahrheit gibt es nur bei Gott - und bei mir ein wenig! Jiddisch

Wahrheit gibt kurzen Bescheid, Lüge macht viel Worte (o. Redens).
fr] A vrai-dire peu des paroles.
fr] Vérité amie clarté.
pl] Prawda rozmysłu niepotrzebuje.

Wahrheit hält Farbe.
en] Truth fears no colours.

Wahrheit hat das Licht lieb.

Wahrheit hat ein gut Gesicht, aber schlechte Kleider.

Wahrheit hat einen tiefen Grund.
fr] La verité est au fond du puits.
la] Veritas in profundo.

Wahrheit hat unten einen goldenen Boden. Estland

Wahrheit im Stil ist eine unentbehrliche Eigenschaft, die allein schon einen Schriftsteller empfiehlt. Joubert, Gedanken und Maximen

Wahrheit in Farben, Oberflächen, in Beziehungen der sichtbaren Gegenstände aufeinander, ist schon angenehm, und da das Auge ohnehin gewohnt ist, alles zu sehen, so ist ihm eine missgestalt und also auch ein missbild nicht so zuwider, als dem Ohr ein misston.
Goethe, Maximen und Reflexionen 491

Wahrheit ist allzeit unwehrt.

Wahrheit ist besser als Gold.

Wahrheit ist bitter. Estland

Wahrheit ist bitterer als Gift.
z] Denn Wahrheit kan man nicht vertragen, sie stinket wie ein Schwefellicht und kan ihr doch entraten nicht.

Wahrheit ist das beste Reisegeld fürs Leben.

Wahrheit ist das höchste Gesetz des Richters.
la] Judicis semper est verum sequi.

Wahrheit ist das höchste Gut.
mhd] Wârheit ist aller êren hort.

Wahrheit ist das leichteste Spiel von allen.
Stelle dich selber dar,
Und du läuftst nie Gefahr,
Aus deiner Rolle zu fallen.
Rückert, Vierzeilen

Wahrheit ist das Siegel Gottes.

Wahrheit ist das Sprechen einer Seele zu einer vertrauten Seele. Paul Ernst, Saat auf Hoffnung

Wahrheit ist das Wasser des Lebens.
i] Solch Wasser ist aber rein und klar.
kroat] Resníca je nebeška rosa, de jo ohrániš, ji čisto posódo perpravlaj.

Wahrheit ist der besste Maulstopfer.
Weil man sie nicht widerlegen kann, lässt man sie ohne Antwort.
it] Al vero non si d'a ben risposta.
it] Il vero non ha risposta.

Wahrheit ist der Knüppel, der alles niederschlägt und tötet. Frankreich

Wahrheit ist der Name, den wir unseren wechselnden Irrtümern geben.
Rabindranath Tagore

Wahrheit ist der Punkt, wo Glaube und Wissen einander neutralisieren. Hebbel, Tagebücher, 1839

Wahrheit ist der Weg des Himmels.

Wahrheit ist der Zeit Tochter, die aber nicht neun Monat zu ihrer Geburt bedarf. Schlesisch, 17. Jh.

Wahrheit ist des Geschichtschreibers Frühstück und Abendbrot.

Wahrheit ist die beste Waffe.

Wahrheit ist die größte neue Zeitung.

Wahrheit ist die Mutter der Tugend.

Wahrheit ist die Quelle des Mutes.

Wahrheit ist die Sonne des Geistes. Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Wahrheit ist ein bös Kraut.

Wahrheit ist ein Gericht, von dem man nicht zu viel auftragen muss.
mhd] Man mac ze vil der wârheit sagen.
mhd] Man mac des wâren zuo vil sagen.
fr] Verité offense.

Wahrheit ist ein Letten, der jedes Wasser trübe macht.

Wahrheit ist ein mächtiger Sieger. Estland

Wahrheit ist ein schönes Kleid, das man nur an Feiertagen anlegt.

Wahrheit ist ein selten Kraut,
Noch seltner wird sie wohl verdaut.
i] Hat seinen Ursprung in der Mythologie, wonach die Wahrheit als Frau dargestellt wird, die, über dem Haupte einen Spiegel haltend, aus einem Brunnen heraufsteigt.
fr] La vérité est au fond d'un puits.

Wahrheit ist ein selten Wildpret.

Wahrheit ist ein seltener Gast.
ho] Waarheid is een zeldzame gast.

Wahrheit ist ein seltenes Kraut.

Wahrheit ist ein teueres Kleinod, drum macht man sparsam Gebrauch davon.
dä] Sandhed er et koste ligt klenodie, derfor vil mangen ikke bruge det hver dag.

Wahrheit ist ein Tuch zum Kleiden, zwar das allerbeste,
Aber nicht auf alle Tage, nur auf hohe Feste.
Logau, Wahrheit

Wahrheit ist eine Nuss, wer sie aufklopft, macht Verdruss.

Wahrheit ist eine Tochter der Zeit, die aber nicht neun Monate zu ihrer Geburt bedarf.
z] Die warheyt gesprochen wirt der zceyt tochter, die sie gebirt.
dä] Sandhed er tidens daater.
it] La verità è figlia del tempo.
la] Veritas temporis filia.

Wahrheit ist fast immer kompliziert, dunkel und vieldeutig ... 'Klarheit' ist immer Gewalt, ist gewaltsamer Versuch, das Vielfache zu vereinfachen.
Hermann Hesse

Wahrheit ist gefangen, Gerechtigkeit vergangen.

Wahrheit ist geschlagen tot, Gerechtigkeit leid't große Not.
ho] De waarheid is dood geslagen, de justitie is in grooten nood.

Wahrheit ist hörend, Lüge sehend. Estland

Wahrheit ist im tieffen Keller begraben.

Wahrheit ist immer obdachlos.

Wahrheit ist innere Harmonie.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Wahrheit ist Irrtum, sobald man sie als etwas anderes nimmt als dies innere Bild.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Wahrheit ist jetzt krank, Lügen hat ein weiten Gang.

Wahrheit ist keine gangbare Münze.
ho] Waarheid is geene gangbare munt.

Wahrheit ist nicht, was die Mutter sagt, sondern was die Nachbarn meinen.

Wahrheit ist niemals schädlich, sie straft - und die Strafe der Mutter
Bildet das schwankende Kind, wehret der schmeichelnden Magd.
Goethe, Tabulae votivae 7 - Zucht

Wahrheit ist rein wie Trinkwasser. Estland
z] Wahrheit ist schlicht und gerade.
Shakespeare, Heinrich VIII. (Königin)

Wahrheit ist schlicht und grade. Shakespeare, König Heinrich VIII., III, 1 (Königin)

Wahrheit ist Wahrheit.
i] Man muss sie nehmen, wie sie ist, auch bitter oder scharf.
bm] Co jest pravda, není hřich. Co pravda, to pravda.

Wahrheit ist zänkisch. Griechen
bm] Pravdu mluviš, mrzutost si způsobíš.

Wahrheit ist zu Hoff vnwerth.

Wahrheit jagt man mit der Ofengabel aus dem Hause.

Wahrheit kann man nicht kaufen.
sd] Sanning låter intet kufva sig.

Wahrheit kann nicht untergehen, kann man sie auch nicht immer oben sehen.
it] La verità, avegna che ogni volta non si dimostri, non può morire.

Wahrheit klingt wie eine Glocke.
ndt] De Waarheid klingt üs en Klok. Nordfriesland

Wahrheit kommt endlich an den Tag.
dä] Sandhed kommer omsider for dagen.
dä] Sandhed søger ei efter mørke kroge.
dä] Sandhed vil ei tvinges.
pl] Prawda na światło wychodzi, fałsz precs w ciemności uchodzi.

Wahrheit kommt mit wenig Worten aus. Russland

Wahrheit kommt stets an den Tag, erfahren wir sie nicht neu, so erfahren wir sie alt.

Wahrheit kriecht in keine Klosterzellen (o. Mauselöcher).
z] Wo Geheimnisse sind, fürchte ich Gaunerei. Die Wahrheit kann und darf vor Männern das Licht nicht scheuen. Es gibt keine Wahrheit, die man vor Vernünftigen verbergen müsste. Seume
ho] Waarheid kruipt in geen muizengatetje.
it] La verità ha gran forza.
la] Veritas non quaerit angulos.

Wahrheit lässt sich nicht verbergen.
it] Mal si può nascondere la verità per lungo tempo.
pl] Prawdę trudno zatajić.

Wahrheit lässt sich wohl biegen, aber nicht brechen.

Wahrheit lautet wohl und hell.

Wahrheit leidet großen Neid.

Wahrheit leidet keinen Schimpf, sprach der Bäcker, als man ihn Mehldieb nannte (schalt).

Wahrheit liebt das Licht.
dä] Sandhed elsker lyset.
fr] Verité aime clarité.
la] Veritas et lux in circulo sedent.
sd] Sanning älskar ljuset.

Wahrheit liebt Einfalt. Die gerechte Sache
hat künstlich schlauer Wendung nicht vonnöten.
Sie selbst ist ihre Schutzwehr. Nur die schlimme,
Siecht in sich selbst, braucht die Arznei des Witzes. Schiller, Szenen aus den Phönizierinnen des Euripides

Wahrheit liebt Offenherzigkeit.
la] Angulos veritas non amat.

Wahrheit liegt auf dem Grunde eines Brunnen.

Wahrheit liegt tieff begraben.

Wahrheit macht den Teufel erröten. England

Wahrheit macht die Zunge wund, Lügen ist der Leber gesund.

Wahrheit macht frei.
ho] Waarheid maakt vrij.

Wahrheit macht Friede.
en] Truth finds foes, where it makesnone.
fr] Il n'y a que la vérité qui offense.

Wahrheit macht Ohrenkrampf.

Wahrheit macht sichere Bahn.

Wahrheit mag oft schwitzen, aber sie bleibt im Sattel sitzen.

Wahrheit mit Strenge - ein Beil,
Wahrheit mit Liebe - das Heil.
Georg Ebers, Sinnspruch

Wahrheit muss ins Hundeloch, Schmeichler sitzen am Ofenloch.

Wahrheit muss man bei gutem Bier und Wein suchen.

Wahrheit muss um ihrer selbst willen (unbedingt, bedingungslos) gesucht werden.
Herwig Büchele

Wahrheit muss zerrissene Kleider tragen.
en] Truth hath a good face but badclottes.

Wahrheit ni noh war smal, alles Guote gat ge Tal und das Böse hat Ufgang.

Wahrheit sagen bringt Hass, Ohrenmelken (Schmeicheln u.s.w.) kommt bass.

Wahrheit sagt den Text ohne Glossen.
dä] Sandhed siger texten uden forklaringen.

Wahrheit schämt sich nicht.
ho] De waarheid schaamt zich niet.

Wahrheit schwimmt über der Lüge, wie das Öl über dem Wasser.
it] La verità è come l'oglio, ella sta sempre a galla.

Wahrheit soll lauterer Wein, sonder Wasser und Schierling sein.

Wahrheit sprechen, heißt einen Freund verlieren.

Wahrheit steht auf festem Grund.
dä] Sandhed har en fast grund.
dä] Sandhed har fødder at staae paa.
dä] Løgn haver ingen.
sd] Sanning kar en fast bottn.

Wahrheit steigt immer wie Fett unter dem Wasser hervor. Estland

Wahrheit steigt, Lüge sinkt. Estland

Wahrheit sticht in die Augen.

Wahrheit sucht nicht Winkel.
i] Um öffentliches Gerichtsverfahren zu verteidigen.
ho] Waarheid zoekt geene hoekjes.

Wahrheit treibt ans Licht.

Wahrheit tritt auf die Lüge wie Öl auf das Wasser. Spanien

Wahrheit tut (der Zunge) weh.

Wahrheit un Fett drifen tolest doch baven.
dä] Sandhed som det feede vil dog flyde op.
ho] De waarheid is als de olie, zij komt altijd boven.

Wahrheit und Gerechtigkeit sind des Himmels älteste Töchter.

Wahrheit und Licht gesellen sich gern.
la] Veritatis splendor comes.

Wahrheit und Moneten suche nicht bei Sängern und Poeten.

Wahrheit und Öl wollen (kommen) allzeit obenauf.
z] Die Wahrheit schwimmet wie das Öl, allezeit oben.
fr] La verité comme l'huile va toûjours par dessus.
pl] Wyjdzie prawda na wierzch, jak oliwa na wode.

Wahrheit und Recht geht über alle Gunst.

Wahrheit und Recht heben Sitte und Brauch auf.
altfries] Dyo wyrd ende dyo reden nympt op den syd ende pliga.
la] Non gratia ad peccatum te ulla flexerit.

Wahrheit und Recht lassen sich wohl drücken, niemals jedoch unterdrücken.

Wahrheit und Schwätzer wohnen nicht unter einem Dache.
la] Noli tu quaedam referenti credere semper, exigua est tribuenda fides, quia multa loquuntur.

Wahrheit und Sonnenlicht vertragen blöde Augen nicht.
dä] Bløde øyne kunne ikke see solen og sandhed.

Wahrheit und Torheit haben ein Gelass, sie kommen beid' aus dem (Wein)Fass.
dä] Sandhed og daarskab sidde begge i viin-fadet.

Wahrheit verbrennt nicht im Feuer und ertrinkt nicht im Wasser.

Wahrheit vertrocknet nicht.

Wahrheit verunehrt nicht, Almosen geben armet nicht, Messe hören säumet nicht.
pl] Prawda nieohydzi, jałmużna niezuboży, msza nieopożni.

Wahrheit wäret am längsten.

Wahrheit wechselt die Farbe nicht.
dä] Sandhed er sig altid selv liig.
dä] Sandhed skifter ei farve.

Wahrheit will alles nackt seh'n, drum muss sie selber nackt geh'n.

Wahrheit will nicht verborgen sein.

Wahrheit wird nicht geglaubt, wenn sie nicht gelebt wird. Die totalitären Halbwahrheiten und Lügen finden deshalb einen bereitwilligen Boden, weil sie bestimmten Wunschvorstellungen entsprechen, entweder dem Wunsch, zur Macht zu kommen, oder dem Wunsch, Zuflucht zu finden vor einer außerordentlich schweren Not. Deshalb ist das Problem des Totalitarismus und der Freiheit ein politisches, soziales und moralisches Problem. Anna Siemsen

Wahrheit wird oft bestraft. Italien

Wahrheit wird übel gelitten und noch schlechter belohnt.
dä] Sandhed en tit ilde hørt værre lidt og værst lønnet.
la] Verum mordax.

Wahrheit wird wohl gedrückt, aber nicht erstickt.
en] Truth may be blamed, but it shall never be shamed.

Wahrheit würde eine gute Schule halten, sie findet nur keine Schüler.

Wahrheit zeugt Hass.
la] Veritas odium parit.
Terenz, Anria

Wahrheit ziert den Menschen besser, den ein Gülden Kette.

Wahrheit zittert nicht. Estland

Wahrheit, demokratisch ermittelt, muss sich mit einem gewissen Prozentsatz Unwahrheit abflinden. Ron Kritzfeld

Wahrheit, die du zu weit verfolgen willst und jagen,
Ist, eh' du dich's versiehst, in Irrtum umgeschlagen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Wahrheit, Rarheit.

Wahrheit, recht und gerechtigkeit sind in der Welt ein seltsam ding.

Wahrheit, Wahrheit bilde unseren Ausdruck, auch im Ton der Stimme. Herder

Wahrheit, Weiblichkeit und Adel
Sind der weiße Hermelin,
Dem ein Hauch, der noch kein Tadel,
Leben schon und Wert entziehn.
Grillparzer, in das Stammbuch einer Fürstin

Wahrheit: eine kunstvolle Verbindung von Wunsch und Schein. Das Finden der Wahrheit ist der einzige Zweck der Philosophie, der ältesten Beschäftigung des Menschengeistes, die gute Aussichten hat, mit wachsender Betriebsamkeit bis zum Ende aller Zeiten fortzubestehn. Bierce

Wahrheiten hier sind Irrtümer dort.

Wahrheiten können nicht oft genug neu formuliert werden, sonst werden sie langweilig. Gerhard Uhlenbruck

Wahrheiten verwandeln sich in Dogmen, sobald sie diskutiert werden. Chesterton

Wahrheiten werden zu Dogmen, sobald sie bestritten werden.
Gilbert Keith Chesterton, Heretiker

Wahrheiten, die man ungern hört, hat man ganz besonders nötig.
La Bruyere

Wahrheitsfanatiker: Durch den Schaden der Lüge Kluggewordener. Ron Kritzfeld

Wahrheitsgemäß sagen, der Richter sei blind, nützt nichts.
tü] Kör kadı diyecek kadar doğru söz de işe yaramaz.

Wahrheitsliebe ist die seltenste aller amourösen Bindungen. Polgar

Wahrheitsliebe ist ein Privileg der Glücklichen, die nichts zu verlieren haben. Christian Diekholtz

Wahrheitsliebe zeigt sich darin, dass man überall das Gute zu finden und zu schätzen weiß. Goethe, Maximen und Reflexionen

Wahrheitsmonopole, einem einzelnen Stande oder Charakter verliehen, sind Beeinträchtigungen für alle übrigen und wahre Injurien für die Menschheit. Lichtenberg, Vermischte Schriften

Wahrlich das kurze Leben, es wäre dem Menschen zu gönnen,
dass er es froh verbrächte...
Goethe, Achilleis 1. Gesang Vs 587

Wahrlich ein köstliches Gut ist tief eingehendes Wissen,
Aber zuletzt doch nur, weil es ein Können gebiert. Geibel, Kleinigkeiten

Wahrlich glücklich ist nur der Genügsame, die Großen und Ehrgeizigen aber sind unglücklich, weil sie unendlich viel brauchen, um zufrieden zu sein.
François de La Rochefoucauld, Nachgelassene Maximen

Wahrlich würd ich an den Schönen
Gar nichts auszusetzen wissen,
Als dass insgeheim die Schönen
Nichts von Lieb' und Treue wissen.
Bodenstedt, 1001 Tag im Orient, Hafis

Wahrlich! es ist keine Untugend an Fürsten, etwas schwergläubig zu sein: denn nie oder selten fehlt es, dass sie nicht mit feinern oder gröbern Kabalen umsponnen wären. Engel, Fürstenspiegel: Vertrauen

Wahrlich! Wären mir nur der Mädchen ein Dutzend im Hause,
Niemals wär ich verlegen um Arbeit, sie machen sich Arbeit
Selber genug...
Goethe, Zweite Epistel

Wahrlich! wenn alle Vorzüge gelten sollen, Gesundheit, Schönheit, Jugend, Reichtum, Verstand, Talente, Klima, warum soll der Vorzug nicht auch irgendeine Art von Gültigkeit haben, dass ich von einer Reihe tapferer, bekannter, ehrenvoller Väter entsprungen bin! Das will ich sagen da, wo ich eine Stimme habe, und wenn man mir auch den verhaßten Namen eines Aristokraten zueignete.
Goethe, Aufgeregten A III Sz 1
Hofrat

Wahrlich, das heißt wohl recht, ein Taugenichts führet den andern!
Wie gesellet doch Gott beständig Gleiche zu Gleichen.
Homer, Odyssee, 17, 217

Wahrlich, das nebelartige Wesen irgendeines Kometen in Licht und Klarheit zu verfassen, das wäre wohl für die Monas unseres Wielands eine erfreuliche Aufgabe zu nennen, wie denn überhaupt, sobald man die Ewigkeit dieses Weltzustandes denkt, sich für Monaden durchaus keine andre Bestimmung annehmen lässt, als dass sie ewig auch ihrerseits an den Freuden der Götter als selig misschaffende Kräfte teilnehmen. Das Werden der Schöpfung ist ihnen anvertraut. Gerufen oder ungerufen, sie kommen von selbst auf allen Wegen, von allen Bergen, aus allen Meeren, von allen Sternen, wer mag sie aufhalten?
Goethe, J. D. Falk, 25.1.1813

Wahrlich, das wird noch mein Tod sein, daß ich vor Lachen ersticke, wenn ich Esel betrunken sehe und Nachtwächter also an Gott zweifeln höre. Nietzsche, Zarathustra, 3, Von den Abtrünnigen

Wahrlich, die Eifersucht ist eine schreckliche Leidenschaft!
Voltaire, Die Briefe Amabeds

Wahrlich, die menschliche Natur muss noch viel Gutes an sich haben, dass sie durch die Sorglosigkeit und den Unverstand der Menschen nicht in Grund und Boden hinein verteufelt ist. Gotthelf, Leiden und Freuden eines Schulmeisters

Wahrlich, ein schmutziger Strom ist der Mensch. Man muss schon ein Meer sein, um einen schmutzigen Strom aufnehmen zu können, ohne unrein zu werden. Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Wahrlich, es ist noch immer das Leid für einen zu tragen,
Der unter Tag wohl weint, den schweren Kummer im Herzen,
Aber er liegt des Nachts im Schlaf; der lässt ihn vergessen,
Alles, Gutes und Böses, sobald er die Augen umschattet.
Homer, Odyssee, XX, 83/ 86

Wahrlich, ewig wahr wird es bleiben, der auf genaue Beobachtung und auf praktische Erfahrung gestützte Ausspruch weiser Männer, dass einer viel bedarf, der viel hat, und dass ein unersättliches Bedürfnis nicht aus großem Mangel, sondern nur aus großem Überfuß entspringe. Aulus Gellius, Attische Nächte

Wahrlich, ich wolt, es were nicht.
i] Beteuerungsformel.
jüdisch-deutsch] Usser (oder Oßer, d.i. wahrlich nicht, bei Leibe nicht, fern von mir) is kein Schwüje (Schwur); Küsch in Tuches (= lecken) is kein Klule (Fluch).

Wahrlich, ihr Deutschen, für die Weltgeschichte habt ihr genug geleistet. Churchill, Weltkrisis, Schluß

Wahrlich, kein Gesang ist schlimmer,
Kein Ton, der so an Windeln mahnt,
Als jenes zärtliche Gewimmer,
Des Lyrikers, der ewig zahnt.
Heyse, Spruchbüchlein, Literatur und Kunst

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt. Hermann Hesse, Diesseits

Wahrlich, nichts von allem, was bei Menschen gilt,
Ist, wie das Geld, verderblich; dies mag Städte selbst
Zerstören, dies treibt Männer aus von Hof und Herd;
Dies unterweiset und verkehrt den edlen Sinn
Rechtschaffner Männer, nachzugehn ruchloser Tat,
Zeigt an die Wege böser List den Sterblichen
Und bildet sie zu jedem gottverhaßten Werk. Sophokles, Antigone

Wahrlich, niemand hat in höherem Grade einen Anspruch auf unsere Verehrung als der, welcher den Trieb und die Kraft zur Gerechtigkeit besitzt. Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben

Wahrlich, nur das ist elend, was du selbst dafür hältst, und jedes Los ist ein glückliches für den, der es mit Seelenruhe auf sich nimmt. Boetius, Trösterin der Philosophie, 2. Buch

Wahrlich, o Greis, sehr hart umdrängen dich jüngere Männer!
Deine Kraft ist gelöst, und mühsames Alter beschwert dich.
Homer, Ilias

Wahrlich, Schönheit ist Macht. Nigeria

Wahrlich, unser Leben währt nur kurz,
Durchmesst denn seine Bahnen auf das Fröhlichste!
Euripides, Herakles (Amphitryon)

Wahrlich, wir leben in goldener Zeit, dem Geld wird die Ehre
Stets übertragen, dem Geld wird auch die Liebe zu teil.
la] Aurea sunt vere nunc saecula, plurimus auro
Venit honor auro conciliatur amor.
Ovid, amore II

Währmann haben hilft nicht (bei Injurien).
z] Die Berufung eines Schmähers auf dritte Personen als Gewährsleute wendet die Klage wegen Ehrenkränkung oder Verleumdung nicht ab; denn jeder muss seine Rede selbständig vertreten.

Wahrmanns Haus steht am längsten.

Wahrnehmen heißt empfinden, vergleichen heißt urteilen.
Jean-Jacques Rousseau, Emile (Glaubensbekenntnis)

Wahrschaft ist Mannschaft. [RSpW]
i] Bei dem altdeutschen Rechtsverfahren war es für jedermann wünschenswert, immer die erforderliche Anzahl Eideshelfer in Bereitschaft zu haben, mit Hilfe deren er seine angefochtene Unschuld herstellen oder den Gegner überwinden konnte. Sie waren für jeden die Mannschaft zur Verteidigung und zur Gewinnung des Rechtssieges.
fries] Warschop dat is mannschop.

Wahrscheinlich haben die Gänse Waden, aber wohl nur oben. Nürtingen

Währt ein Ding zu lange, so wird's zur Schlange.

Wahrung der Tradition. Aber was nützen Gläubige, Altäre, Priester, wenn die Götter fort sind?
Alfred Polgar, Kleine Schriften, Band 3. Irrlicht

Wahrzeichen muss man nehmen, wie man sie hat.
i] Bezieht sich auf die Grenz- und Marksteine, welche zur Abgrenzung anstoßender Fluren gesetzt wurden und die in streitigen Fällen den natürlichsten Anhaltpunkt zur Entscheidung von Grenzstreitigkeiten gaben.
altfries] Dene werne skelme nime sa ma thene het.

Wai besoapen stelt, mot nüchtern hangen. Driburg
hdt] Wer besoffen stiehlt, muss nüchtern hängen.

Wái de Immen terget, déi mot luien, dat se eäm steäket. Sauerland

Wai langsam gait un naiern (nirgend) stait, kümmet äuk wo. Driburg

Wai löppet (läuft), hiät Schuld. Lippstadt

Wai oas en êrlik Minske (Mensch) stelt, mot oas 'n Deiw (Dieb) hangen. Driburg

Wai pratten well, matt êrs sât sien.
i] Maulen, besonders aus Trotz nicht essen.

Waid van G'wiar is guid fia 'n Schus. Steiermark
hdt] Weit vom Gewehr ist gut für den Schuss.

Wain mar an kluann Finga (Finger) losst, wül di gounz Hount hoben. Steiermark

Wainemoinen (der Gott des Gesanges) begleitet den Sänger. Finnland

Wäj'r dîr graif ich m'r ni henda rem. Österr.-Schlesien (Du bist mir zu unbedeutend, um auch das Geringste deinetwegen zu tun)

Wakên sik twischen Mann un Frû stellen deit, wenn se sik vertöörnt hebt, de is ebenso dumm as ên, de sik twischen twê Regenschirms stellt, wenn dat regen deit.

Wald und Weiberarsch sind für jedermann. Estland

Wald wird 'lucus' genannt, weil es nicht hell darin ist. Nach Marc. Fabius Quinctiilianus, Lehrbuch der Rhetorik

Wald, Wasser und Weide haben keine Scheide. [RSpW]
i] Nach einem uralten Rechtsgrundsatze waren sie gemeine Nutzungen aller Markgenossen.

Wald, Wein, Weib, Wild! Jägerwahlspruch

Wald- und Stubräuber sind böse Geste in einem gantzen Königreich, vielmehr in eines armen Mannes Küchen.

Waldburgetag (1.5.) stehet für den Sommer, wie der Zaun für drei Korn.

Waldeinsamkeit,
Die mich erfreut,
So morgen wie heut,
In ewiger Zeit,
O wie mich freut
Waldeinsamkeit!
Tieck, Eckbert

Waldesruhe, Waldeslust,
Bunte Märchenträume,
Oh, wie labt ihr meine Brust,
Lockt ihr meine Reime!
Freiligrath, im Walde

Waldwege führen geschwinder ins dicke Holz als hinaus.

Walfahrt bringt keyn Wohlfart.

Walfische kann man nicht in einem Dorfbach fangen.

Walle, doch nicht falle!

Wallen und irren, als weren sie im Böhmerwald.

Wallenstein, Albrecht von (Herzog von Friedland)] Sein Glaube an Astrologie, der freilich in der damaligen Zeit ziemlich allgemein war, jedoch besonders bei ihm tiefe Wurzeln geschlagen hatte, setzt ein Gemüt voraus, das in sich arbeitet, das von Hoffnung und Furcht bewegt wird, über dem Vergangenen, dem Gegenwärtigen und dem Zukünftigen immer brütet, großer Vorsätze, aber nicht rascher Entschlüsse fähig ist.
Goethe, Schriften zur Literatur - Die Piccolomini

Wallfahrer kommen selten heiliger nach Hause.

Wallfahrten geschehen mehr aus Wollust, denn aus Andacht.
fr] Aux pélerinages des environs on depense beaucoup de vin, et peu de cire.

Wallfart gehen zu stummen aussländischen Bildern gibt daheim Brodheischen der lebendigen Bilder.
i] In Bezug auf sittliche Gefahren.

Walpurgis ein Rabe, Urban (25.5.) ein Knabe.

Walpurgisfrost (30.4.) ist schlechte Kost.

Walpurgisnacht Regen oder Tau - auf ein gut Jahr bau'.

Wälsch Blott det genge Dütsche got. Aachen
hdt] Welsch (französisches) Blut tut keinem Deutschen gut.

Wält de saksesch Baron sin?

Walt und wolt dôn. (Gewalt und Willkür)

Walt's der Trichter.
z] Je, ducht' ich, wâlt's der Trichter, Miezle, willste a Floimla hoan?

Walt's Gott ist aller Gebete Mutter.

Walt's Gott ist ein gut Wort von Alters.

Walt's Gott.
la] Felices adsint superi.

Walte, wie du willt, Gott ist mein Schild.

Walter Scott gesteht: Der Engländer tue keinen Schritt, wenn er nicht ein english object vor sich sieht...
Goethe, An Zelter, 16./20.2.1828

Waltet im Hause eine kluge Frau, wird die Männer kein Unglück treffen.

Waltzender stein wirt nit mosig.

Wälze deine Schuld nicht in des anderen Kragen (= auf den anderen ab). Estland

Wälze dich im Fußstaube der Weisen und trinke ihre Worte mit Durst. Talmud
jüdisch-deutsch] Wer mit Chochemim (Weisen) umgeht, wird selbst Chochem (Weiser).
ho] Die met wijzen omgaat, wordt wijs.

Wälzt das Schwein sich in den Lachen, so brauchst du's ihm nicht nachzumachen.

Wälzt sich ein Büffel auf der Erde? (Der in der Landwirtschaft Ostasiens verwendete Wasserbüffel badet sich gern in einem Gewässer)

Wam 's Haus ies, schar sich nauss.

Wam Gott gibt a Hasel, dam gibt a au a Rasel. Freistadt in Schlesien

Wåm ma in Gimpl a gelb måt, so is a no net a Kanarievogl.

Wam me sau alt is os' ene Koh, dann met me noch lernen do to.

Wam' me schrîwet Bartelmai, dann dôt de Hirz den esten Skrei.
i] Der Bartholomäustag galt als Haupterntetag. Es knüpfen daher viele Sagen an denselben an, die in nachweislicher Verbindung mit einer untergegangenen Götterwelt stehen. So zieht nach einer preussischen Sage der wilde Jäger zu Bartholomäi um, und der dem Barthel nahe verwandte Berthold steht an der Spitze des wilden Heeres. Der heilige Bartholomäus ist hier offenbar an Stelle Wuotan's getreten und auf seinen Ehrentag sind einzelne Züge des großen Festes übertragen worden, welches in vorchristlicher Zeit den Schluss des Sommers und der Ernte bezeichnete, daher erzählt man auch von der Heiligkeit dieses Tages, es sei in einem Dorfe zwischen Nenndorf und Hammer ein Knecht, dem ein reicher geiziger Bauer am Bartholomäustage trotz aller Gegenvorstellungen befohlen habe, Bohnen einzufahren, zum allgemeinen Schrecken sammt Wagen und Pferden verschwunden.

Wam'me vomm'e Rothhûse kümmet, dann is me kläuker asse wam'me drupp geiht.
it] Dopo il fatto ognuno e savio.

Wamee de eine woschen is, damee is de andere dräget.
hdt] Womit der eine gewaschen, damit ist der andere getrocknet.
i] Einer ist so schlecht als der andere.

Wamme (wenn man) de Immen puret, mot me sik nit wünnern, dat se Enne steaket. Büren
i] puret = von purren = in etwas rühren, es reizen.

Wamme Brigg (Brei) kocket, sittet de Daut up der Heakedöer. Driburg (Heakedöer = der untere Teil einer aus Unter- und Obertür bestehenden Doppeltür, Zauntür. Hecke von hegen)

Wamme de Hericke fänget, sind de Fiske weae. Büren (Hericke = Heringe, weage (mit Ausstossung des g) = weg)

Wamme de Hund nit tearget, dann wiss'n eame de Teane nit. Westfalen (Teargen = durch Necken reizen, mittelhochdeutsch zergen, althochdeutsch zerren)

Wamme de Nase te hoge drieget, süht me de Stener im Wiäge nitt.

Wamme de Rüens tearget, mot me sik gefallen loaten, dat se enne bitet. Westfalen

Wamme dürkommen (durchkommen) will, dann mott me den Plaug bîm Stêrte packen.

Wamme en Rü'en smiten well, kamme lichte 'n Klüppel finnen. Iserlohn

Wamme hiät (hat), dann es et guet sparen. Iserlohn

Wamme iut der Mistâle bleiket un im Schoertsteine dräuget, dann wêrt de Wäske reine. Büren
i] Mistâle = Ale, auch Ahlte = Jauche; mittelhochdeutsch atel, bayerisch adel = Mistjauche.

Wamme kschu! kschu! siet, dann maint me de Hauner alle. Ostfriesland

Wamme Papen (Pfaffen) un Juden sloaen wöll, momme (muss man) se gliyk däud slaen. Westfalen
i] Der Sinn geht offenbar nur dahin, man soll sich in keinen Kampf mit ihnen einlassen, wenn man nicht die erforderlichen Mittel besitzt, sie zu überwinden und unschädlich zu machen.

Wamme twei Müllers in einen Sack stieket un tummelt (rollt) se den Bearg heruner, dann is ümmer en Schelm boewen. Büren

Wamme Unglück hewwen sall, kamme iut dem Bette fallen un terbreaken den Finger imme Holsken (Holzschuhe). Westfalen

Wamme wannet, dann hät me 't gedoschken. Soest
i] 'Wann' sagen und Kornschwingen.

Wamme wat ietet (isst), eh'r me wat ietet, kamme (kann man) niks eaten, wamme wat ietet. ('Wat eaten' hat sowohl die Bedeutung 'essen', als auch 'zu Mittag essen'. Wer zur Unzeit isst, dem schmeckt das Essen zur Mahlzeit nicht)

Wammen den Honk (Hund) schmîten well, da mag des Klöppels leite (leicht). Solingen

Wammer (wenn man) üvver der Mât (Markt) geit, môss mer e Fedderchen hingerlosse. Köln
i] Man kann nicht über den Markt gehen, ohne gerupft zu werden.

Wammer ald göffd wird wie en Kuh, mer lehrd nôch immer zu. Trier

Wammer der Kôr (Kosten) hät, welt mer och der Schmack (Geschmack) han. Köln

Wammer et Salz om Desch üvverhauf stüß, dat en, säd mer, bedück (bedeutet) Strick (Streit). Köln

Wammer mând, mer wär aus der Nûd, da kimmd der Dûd. Trier
hdt] Wenn man meint, man wäre aus der Not, da kommt der Tot.

Wammer mând, mer wär gans allân, do kimmd de ganns Gemân. Trier

Wammer op Adam un Eva's dâg 'nen Appel iss, dann blîv einem de Ketsch (Kerngehäuse) em Stross (Gurgel, Kehle) stäche. Köln

Wammer säht husch, husch! dann meint mer de Höhnder all. Köln

Wammer sîn Dagslässche gedrât (getragen) hät, geit nicks üwwer 'ne gerästelige Lager. Köln
i] Ein gutes, bequemes, zum Ausrasten geeignetes Lager, Bett u.s.w., nachdem man sein Tageslästchen getragen hat.

Wampelius stiftet alles Übel.
i] Traurige Folgen der Unmäßigkeit im Genuss.

Wan 's der Bart thäte, so were der Bock ein Doctor.
dä] Dersom skjaegget gjaldt, kunde giedebukken praeke.

Wan 's He'nl (Hornung) kimt mit Saus und Braus, Baur' kim mit'n Pflueg heraus; wan 's ab'a kimt ö d' a Gstül, Mensch'a, tragt 's Ura's affö ö d' Dül.

Wan 't Bêen (beten) nit batt, dann 't Flauken nit schadt. Sauerland

Wan a Hemmel fêlt, lei wi'r altemâl unner. Amrum
i] Wenn der Himmel fällt, liegen wir alle darunter. Ist gegen solche gerichtet, welche voll kleinlicher Bedenklichkeit und engherziger Ängstlichkeit sind, immer ein Dutzend unnützer Wenn und Aber in Bereitschaft haben, und kleinmütig und ängstlich auch da Gefahren wittern.

Wan a San un 't Wâst, san a Luien üüb't bâst. Amrum
hdt] Wenn die Sonne im West, sind die Faulen aufs Best'.
i] Am Fleißigsten, denn sie hoffen, dass das Werk nun bald vorbei.

Wan a Schep iansis uun 'n Kual weesen hâ, kems bal a öödar an trâd Taagh. Nordfriesland
hdt] Wenn die Schafe einmal im Kohl gewesen sind, kommen sie bald zum zweiten und dritten mal wieder.

Wan ain hund ainmal leder frisst, darnag jn stäts darnag gelüst.

Wan an Tröggel wat feit, do kênt'r sin anj Skitj egh. Amrum (Wenn ein Bettler etwas erhält, dann kennt er seinen eigenen Dreck nicht)

Wan an Tröggel wat feit, do wâret 't Haal (o. do bat ham Haal). Amrum (Wenn ein Bettler etwas kriegt (erwirbt), beisst (juckt) ihm sein Loch. Sinn: Er ist nicht zufrieden, wünscht sich mehr, auch: es fällt ihm schwer, sein Glück zu ertragen)

Wan au (alte) Schüre anfange ze brenne, dann es gê Leische (kein Löschen) mieh. Aachen

Wan d' Hen (Henne) mehr schilt als da Han, und 's Wei' mehr gilt als da Man, da ist's nimma guet.

Wan d' Kräh' an bössarn sizt, aft floigts dava. Oberösterreich

Wan da Radn blüeht reoth, sa hama ön vie' Wochan a ke'onas Breod. Oberösterreich

Wan das auge sibet, dz es nie gesehen hat, dan denckt dz hertz auch wol, crz es nie gedacht hat.

Wan das P geith vur dem G (penninck, Godt) und das V vur dem T (Vntreu, Treu), so hat das V und P sulche macht, das man noch T noch G enacht (Treu, noch Gott).

Wan dat an gaaden Höön as, do krêst'r wel ans weder. Amrum
hdt] Wenn das ein guter Hahn ist, so kräht er wohl einmal wieder.

Wän de Biuer heite Görte schitt, dann ist kolt. Sauerland

Wan de herde bister geyt, so bit de wulf de schape.

Wan de How'r wächst über die Zäu (Zäune), guckt de Hong' o zum Fenster rei. Oberes Kinzigtal in Kurhessen
i] Jahre, in denen der Hafer vorzüglich gerät, sind nass, haben daher Missernten und Teuerung zur Folge.

Wan de Mund nit kann, mot de Puckel dran. Sauerland

Wan der Bûr fengt an ze krêge, den fengt he an ze lege (= lügen).

Wan der Dienst versehen, wird kein Knecht mehr begehrt.

Wan der Februario die Macht hätt' wie sein Bruder (Januar), so wolte er forne frieren und hinden sieden.

Wan der hund nitt lustig ist zu jagen, so reittet er vff den arss.

Wan der Körf (Korb) fe'dig (fertig) is, flücht der Vogel us. Aachen

Wan der Mund spricht: Gott grüß dich! so meynt das Herz: hüte dich!

Wan der Pfaff sein platt, der Münch sein kapp, die Metz jhren Krantz versetzt, hat trew und ehr gute nacht zuletzt.

Wan der schreiber sitzt, und die fedder ist gespitzt, zu schreiben ist bereidt, so kan er so wohl schreiben lugen als warheit.

Wan det an gaaden Höön as, do krest er wel ans weddar.
hdt] Wenn das ein guter Hahn ist, kräht er wohl einmal wieder.

Wan die Hennen vor sich kratzen (scharren). (Wird es geschehen, also nie)

Wan dir d' lieb einmal 's hertz abgewünt, schwerlich sie dich wieder entbindt.
la] Vnam semper amo, cuius non soluor ab hamo.

Wan ein blinder vnbekante weg geht, so stoßt er allenthalben an. (Der unerfahrene Privatmann, bemerkt Lehmann, muss sich nicht in Regimentsgeschäfte einlassen.

Wan ein hand die ander weschet, so werden sie beyd reyne.

Wan ein Kräutlein vor den Tod wäre, würde es teuer sein.
la] Cum faex, cum fimus, cum res vilissima ximus unde superbimus, nescimus, quando perimus.

Wan ein krug uff einen mülstein fällt, so zerbricht er; wan aber der stein uff den krug fällt, so zerknitscht er in.

Wan en anger (wenn man) satt es, da gläuft men, alle Selige (Armen) sönd satt. Aachen

Wan es gehet glücklich, mag man recht wohl sein frölich.
la] Cui sors aridet bona, gaudens pectore fidet.

Wan et sal deyen, mut et susen un weyen.
hdt] Wenn es soll gedeihen, muss es sausen und wehen.

Wan eyner ghienet (und göwet), so auch der and (o. so ghienen all) (gähnen alle).

Wan feuer und stroh beyeinander kompt, so brennet es gern.
mhd] Swâ daz fiur ist bî dem strô, daz brinnet lîhte, kum ez sô.

Wan Gewalt nimbt die vberhandt, so ist Recht tot und nur ein tandt.
la] Tunc ius calcatur, uiolentia cum dominatur.

Wan Gott es Land will strofe, so nimmt er den Herre (o. Regierenden) den Verstand. Luzern

Wan Gott eyn landt straffen will, so nimpt er der herren jre weissheyt.

Wan Gott sollte nach unserm Willen tun, so würde es uns selten wohl gehen.

Wan Gott und Glück stille hält, so geht nichts fort.

Wan haben wir miteinander die Sau g'hüet? Oberösterreich
i] Um widerwärtige Vertraulichkeit zudringlicher Personen zurückzuweisen.

Wan ik sal wassen (wachsen), sied de Hâwer, dann mauste (musst du) mi gued krassen.
i] krassen = kratzen, den Boden gut bearbeiten, gut eineggen.

Wan ik Sch' sai, do men ik alle Hannen. Föhr
i] Ich meine alle Hühner, wenn ich 'Sch' rufe. Was ich in Gesellschaft äußere, kann jeder auf sich beziehen.

Wån ma in Bauer nåchgeht, plodert eam d' Hosen. Wien

Wan man den Bauern eynen finger beuth, so

Wan man eim ding zuuil ufflegt, so bricht es.

Wan me der Honk (Hund) schlon wel, dan hat me gau (leicht, schnell) 'ne Stack fonge. Aachen

Wan me haspelt, dan spennt me net. Aachen

Wan sich die alten weiber bucken, so hüt dich vor den hinter lucken.
la] Dum se curuat anus, retro male sibilat anus.

Wan tho Somme thet wost, wat tho Sommen snakad fan tho Sommen, do wiar tho Sommen uk laang so gudwen egh mä tho Sommen, üs tho Sommen san mä tho Sommen. Nordfriesland
hdt] Wenn die Gewissen, die Etlichen, es wüssten, was die Gewissen sprächen von den Gewissen, so wären die Gewissen auch lange nicht so gut Freund mit den Gewissen, als die Gewissen sind mit den Gewissen.

Wan z' Bartlmei noch Halm stehen, so muss sich Bartl ön Arsch z' krazn.

Wan's Hafl voll ist, geht's über. Oberösterreich

Wan's He'nl (Hornung) den Gwalt het als da Jena (Janner), so that's s' Kaib'l ö da Kuah d'abrena. Oberösterreich

Wan's kombt in dritten Mund, wirds dem gantzen Lande kund.

Wan't Biarn san Wal hê, de skrialt' teg. Amrum
hdt] Wenn das Kind seinen Willen hat, da schreit es nicht.

Wan't Biarn uun Suas leit, leit' m't Lad üüb. Amrum
hdt] Wenn das Kind im Brunnen liegt, legt man den Deckel auf.

Wanckelmut hält an der sache wie sand am Rad.

Wanckelmut ist kein Jungfrauen zier.

Wänd er Wii oder Milch? Er werdet Milch welle, hät die säb Frau g'seit zu ihre Tagelöhnere.

Wände haben Ohren.

Wandel und Abtrag tun.
z] Soll der Jnjuriant vom Hause aussgeschlossen seyn, biss er demjenigen, welchen er geschmehet, Wandel und Abtrag getan.

Wandel und Buße kann jeder bezahlen.

Wandel und Wechsel
Liebt, wer lebt.
Richard Wagner, Rheingold (Wotan)

Wandelbar wie das Aprilwetter.

Wandele lieber mit nackter Haut als mit nackter Seele. Petersburg

Wandeln der Liebe ist himmlischer Tanz.
Goethe, Wechsellied zum Tanze
Die Zärtlichen

Wandere nicht mit einem Tollkühnen. Jesus Sirach 8, 18

Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest
Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.
Schiller, Der Spaziergang

Wandersleute haben viel Herberg und wenig Freund.

Wandersmann, iss zuerst von der Nadel Spitze, später von des Messers Spitze. Estland

Wandert auch der Schneider in die Ferne, Not und Elend leidet er doch wenig.
Saadi, Rosengarten, Vom Werte der Genügsamkeit

Wandert ein frommer Mann in Italiam, so kommt hernieder zu uns ein Nequam.
la] Venit in Italiam spectabilis indole rara Germanus, rediit de puero mulier.

Wandle lieber mit nackter Haut als mit nackter Seele. Russland

Wandlung ist das Geheimnis der Welt. In steter Entfaltung
Unabsehlich gestuft, bildet das Leben sich aus. Geibel, Distichen aus dem Wintertagebuch

Wandre in Italien fromm Mann, komm wieder heim zu uns nequam.

Wandrer! Es ziemet dir wohl, in der Burg Ruinen zu schlummern,
Träumend baust du vielleicht herrlich sie wieder dir auf.
Uhland, Die Ruinen

Wäne men in'n Sacke finnt, dän schüddet men ût.

Wane, du rechte flabbemunt. (Flabbe: die herniederhängende Lippe)
zit] Die Flabbe kühlen, sich so toll mit der Flabbe halen.

Wangeroog hett 'n hoge Tor, Spiekeroog hett sîn Nâm verlor'n, Langeroog is noch wat, Baltrum is 'n Sandstatt, up Nördernee dar gift et noh wohl 'n Schlêf vull Brê; man kamen wie up Juist, sünd alle Kogen güst, un kamen wi up Börkem, dar steken es uns mit Förken.
i] Spiekeroog = sie ist kein Spiker (Speicher) für das Festland mehr, was sie früher gewesen sein soll.

Wangeroog, de Schon; Spiekeroog, de Kron; Langeroog is 'n Botterfatt; Baltrum is en Sandstatt; Nördernee ett sück half satt; Juist is dat Toverland; de Börkumers melken Kojen un bruken Dreck to Brand.
i] Die in dieser sprichwörtlichen Zusammenstellung enthaltene Schilderung der ostfriesischen Inseln hat ein hohes Alter.
i] Auf den ostfriesischen Inseln soll der Aberglaube früher in großem Umfange geherrscht, auf der Insel Juist aber am ausgeprägtesten hervorgetreten sein, weshalb sie den Namen Joüberland erhalten hat; nicht allein die Borkumer, sondern auch die Bewohner der übrigen Inseln verbrennen getrockneten Kuhdünger, wenn sie ihn haben können.

Wanke weder in Worten noch in Gedanken.

Wanke weder zur Rechten noch zur Linken. Sprüche Sal. 4, 27

Wankelmut: die wiederholte Sättigung einer unternehmungslustigen Neigung. Bierce

Wann 'n ârmer Mann uf'n Gaul kommt, dann rannt e Leit em. Nassau

Wann 'ne Biurenstärcke eist (erst) mal össet heöt, dann kann se äuk wol än geringer Mann kriegen. Sauerland

Wann 't dunnert (donnert) up'en drügen Ast, dann gitt et en fruchtbôr Johr.

Wann 't en Unglück sin sall, kann me wuol en Finger in der Fuet tebriäken. Iserlohn
i] Im Sauerländischen hat man folgende Sage über die Entstehung des obigen Sprichworts. Ein Mann hatte jeden Tag Unglück gehabt. Um dies einmal wenigstens einen Tag zu verhüten, blieb er ruhig im Bett liegen. Nach einiger Zeit verspürte er ein heftiges Jucken im After, wollte mit einem Finger kratzen und kam dabei in eine Lage, dass er ihn brach.

Wann 't halberwegen is, mot man 't heiln (ganz) lowen. Sauerland

Wann 't Kären (Korn) wuorpet werd, blift't Kaff vor to liggen.

Wann 't Kind kasselt is, will'r jederên wuol Vadder (Gevatter) to staunen.
i] kasseln = taufen

Wann 't nit buttern well, dann butters nit, un wenn me in de Kerne schett. Sauerland

Wann 't op Barthelmei riegent, dann gir (= gibt) et en gueden Hiärwest. Marsberg

Wann 't op Kriutwigge riegent, dann spinnet de Spinnen den Immen (Bienen) de Haide tau. Marsberg
i] Am Marien- oder Himmelfahrtstage wird in den Kirchen Kraut gesegnet, das man bei heftigen Gewittern anzündet, in der Meinung, dadurch das Haus vor zündendem Blitzstrahl zu schützen.

Wann 't op Mariendag en Drüöpken riägent, dann riägent et (af un tau) vöttig Dage darnoa. Grafschaft Mark
i] Mariä Heimsuchung (2.7.), steht so in dem Rufe, Regen zu bringen, dass dieser Tag am Niederrhein Mariä Eintropfentag, oder Marientriefe, in Köln Mariasief genannt wird.

Wann 't op siewer Broaüer (Brüder) (15.7.) reagent, dann reagent't siewen Weaken.

Wann 't op'n Pastor riant, druppeld et op 'n Köster.

Wann 't reggent upp den Kerkenpâd, is et de ganze Wêke nât.

Wann 't regnet Marie Madelene (22.7.), et se de Niete allêne. Westfalen

Wann 't regnet, wêret de Sûgen reggen un de Minsken siölig. Osnabrück
hdt] Wenn es regnet, werden die Säue rein und die Menschen schmutzig.

Wann 't Spiel dürr is, weiß jeder bû't hädde kummen mosst.

Wann 't up den Juden earen langen Dag (Versöhnungsfest) gued Wear is, dann bliwt et den ganssen Hearwest gued. Büren

Wann 't up Lechtmiss (2.2.) hell is, wät't nachier köller, as 't west is. Warendorf

Wann 't up'n Boart ankäme, dann wör de Ziegenbock Küening. Westfalen
ho] De baard maakt geen' wijsgeer, anders was er de bok goed aan.

Wann (wo) haben wir zusammen die Schweine gehütet?
i] Zu jemandem, der sich Familienannäherungen und Vertraulichkeiten erlaubt.
fr] Il semble que nous ayions gardé les cochons ensemble. – Je n'ai pas gardé les cochons avec vous.
ho] Hebben wij zamen de zwijnen gehoed? – Niet zoo familiair voor zoo weinig kennis.

Wann a Jeds in seiner Kuchl kocht, bleibt's überall schö sauber.

Wann aber schlägt die Abendfeierstunde ...
Dann schüttelt
Von euch die Sorgen, frei erhebt das Haupt.
Adelbert von Chamisso, Nachhall

Wann ain mensch zween mund hat, also zway oren, wann wurde er aufhören zu reden.

Wann ain Mönch dem andern beichtet, so ists eben als wann ain Hund den andern flöhet.

Wann ain newer haylge (Heiliger) kompt, so vergisst man des alten.
prt] Pelos Santos novos esquecem os velhos.

Wann ain Pfaff dem andern beichtet, so ists eben als wann ain Hund den andern flohet.

Wann alle berg mehl weren, so kundten sie doch den hunger nit stillen, wenn Gott straffen wolt.

Wann alle Leut fromb weren, so dörfft man keine Türen versperren.

Wann alle Leut weren gleich, und weren alle samptlich reich und weren all zu Tisch gesessen, wer wolt auftragen trincken und essen.

Wann än Kind kacken well, äs en Kä(r)l, säu be(r)stet dem Aes. Sauerland

Wann arbeitet der Faule? IrnWinter getraut er sich nicht, im Herbst sind starke Winde, im Frühling (gibt's) viel Wasser und im Sommer ist es heiß. Estland

Wann Bauern anheben zu wüten, so hilft an ihnen kein güten.

Wann bei den Reichen die billigkeit und bei den Armen das Vergnügen wäre, so würde das Betteln bald aufhören.
la] Das mihi tres obolos et vis patronus haberi, do tibi sex, duplex ergo patronus ero.

Wann bist du am glücklichsten? Wenn dein Wort Anerkennung findet. Jemen

Wann bist du eigentlich lieb, lieber Gott?
Wolfgang Borchert

Wann Blinde und Scheele zusammenkommen, führen sie wunderbare Streiche.

Wann böse Buben widerumb gesund werden, sind sie viel ärger als zuvor.

Wann d' Arbeit sterben taat, gang ihr a jeder mit der Leich.

Wann d' Katz' nicht zu Haus ist, haben d' Mäus' Remissori. Oberösterreich

Wänn d' Kend'r (Kinder) klään sain, trâte s' d'r Mott'r of d' Scherze; wänn 's grûss sain; goar ofte ofs Herze. Österreich-Schlesien

Wann d' worte d' leut schlügen, so wäre er ein freudig mann.
fr] Qui a langue longue, aura les mains courtes.
la] Extra periculum ferox (audax).
la] Idem metus, qui cogit fugere, fugientes moratur.

Wänn d'r d' Hauwe (Haube) ni tâgh, do sätz d'r Bôk hern'r ûf.

Wann d'r's nit recht is, do schdeck du en'n Schdecke d'rzu.

Wann da Be'la (Bettler) aufs Ross kimd, da raid'n da Daif'l nid. Niederösterreich

Wann darf sich ein König sicherer halten, als wenn sie alle für einen, einer für alle stehen? Sichrer gegen mute und äußere Feinde?
Goethe, Egmont A IV, Der Culenburgische Palast
Egmont

Wann das Dorf brennt, so geht des Pfaffen Haus mit.

Wann das end gut gewesen, so ist alles gut gewesen.

Wann das Fass rinnet, so muss man die Reiffen treiben.

Wann das Fest vorbei ist, so will niemand den Saal kehren. Schweiz, Rätoromanisch

Wann das Feuer allenthalben zum Dach ausschlegt, so ists zu spaht zu leschen.

Wann das Feuer vom Himmel fällt, zündet es der Armen Hütte und lässt das Haus des Scheichs unversehrt. Abissinien

Wann das glück (wohl) wil den man, so gilts gleich, wz er kan.

Wann das Glück am höchsten ist, so versehe dich dess falls.
bm] Stestí kdyz chrestí, tut' trestí, boj se nestestí.

Wann das Gold redet, so schweigt alle welt still.

Wann das gut verloren ist, so sihet man erst, das es gut gewesen ist.

Wann das Haupt liegt, ist es auch mit den anderen Gliedern auss und gethan.
fr] Quand le chef fault, tout le corps ne vaut.

Wann das Haus fallen wil, so soll mann ausszihen.

Wann das Kind aus der Mutter kommt, grünt im Wald schon der Baum für seinen Sarg.

Wann das Kind tot ist, so ist (o. hat) die Gevatterschaft aus (o. ein Ende). [RSpW]
i] Im allgemeinen: Der Tod hebt alle Verpflichtungen und Verbindlichkeiten auf. Oder: Mit dem Tode einer geliebten Person, die zwei Familien durch Heirat verband, ist das Band zwischen ihnen aufgelöst. Im besondern aber bezieht sich das Sprichwort auf die geistliche Sippe, die nach der Lehre der katholischen Kirche durch Gevatterschaft entsteht und gewisse Ehehindernisse begründet. Das Sprichwort sagt, dass durch den Tod des Kindes das gevatterschaftliche Verhältnis mit seinen Folgen aufgehört habe, wie durch den Tod der Frau die schwägerliche Sippe erlöscht.

Wann das leben am liebsten ist, so ist gut sterben.
la] Dum est vita grata, mortis conditio optima.

Wann das Maul hier Junge hat.

Wann das meer still ist, so kann ein jeder fahren.

Wann das Pferd gewunnen ist, so ist der Zaum nicht gewunnen.

Wann das pferd zu voll ist, so ist es faul.

Wann das Schiff beladen ist, mag einsitzen, wer kann.
la] Non nisi navi plena vectorem tollo, sagt Augustus' Tochter Julia bei Macrobius.

Wann das Schlimm-Massel kommt, darf mer'm 'nen Stuhl stellen.
i] Dem Glück soll man einen Stuhl stellen, wenn es kommt, damit es verweile, dem Unglück darf man einen stellen, weil es in der Regel nicht bald wieder geht.

Wann das Wasser bergan läuft.
la] Sursum fontes flumina.

Wann das Wasser gat über die Körbe, so ist Not am Mann.

Wann das Wasser über des Schiffs bort geht, so ists Zeit, dass man ausschöpffet.

Wann dat nitt batt vör de Wandläuse, dann wêt ik nitt, bat biäter es, sach de Kärl, un stak sîn Hûs un. Grafschaft Mark Woeste

Wann de Anhäller nicks kritt, de Afhäller kritt gar nicks. Grafsch. Mark

Wann de Anten (Enten) Water seiet, dann töert (zittern) 'ne de Aes. Westfalen

Wann de Aptäkerbüssen klappert, is 'r vull Leiphût un Sücke.

Wann de Bâm (= Baum) lank sein Bläder behäld gödd ed vil on grûs Käld. Trier

Wann de Beare riype ies, dann fällt se mehr in'n Dreck, äs up'n Räusenblatt. Westfalen (Auch von reifen Jungfern gebraucht)

Wann de Beare riype is, dann fällt se aw, un et is ear ein Daun, ow se de Mutte frietet, odder de Bär. Westfalen (Daun = wörtlich: es ist ein Thun, also gleichviel, einerlei, Mutte = Sau, Mutterschwein, das Junge hat, Bär = das männliche Schwein)

Wann de Beine nach wârme sind, dann get de Bückse gut ane.

Wann de Bêr (Birne) ruip is, dann fällt se af, is eer einerli, af se de Mutte frittet oder de Bär. Sauerland.

Wann de Bessem opkiärt es, dann wet me erst, bu guet he wiäst es. Iserlohn

Wann de Biädler (Bettler) nien Glück hewwen sall, verlüset hai den Sack mit den Kuorsten. Iserlohn

Wann de Biuer well verdiärwen, leie (= leihe) he Geld und käupe Järwen (= Erbländereien). Soest

Wann de Biuer wüsste, wiat Wärme dä im Mai, hei verbrände Jegen un Plüuge. Sauerland

Wann de Biur de Kögge höt, dann is héi in de der lesten Weske. Sauerland (Dann geht es auf den Feierabend mit ihm zu, er muss sie nämlich zweimal hüten: als Knabe und im Alterteil)

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

operone | Liste