Sprichwörter - Redensarten - Zitate - Weisheiten
X-Z

und oder

'Zecht und zahlt!' so heißt's.
en] The word is 'Pitch and pay.'
Shakespeare, König Heinrich V. II, 3

'Zerdenken' zerlegt ein Ganzes nach Ursache und Wirkung, (verknüpft) logisch und macht das Zeithafte raumhaft.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

'Zu Goethes Denkmal was zahlst du jetzt?'
Fragt dieser, jener und der.
Hätt ich mir nicht selbst ein Denkmal gesetzt,
Das Denkmal, wo käm es denn her?
Goethe, Zahme Xenien VII

'Zund hät 'r twelf Angsköätel in 'n Oars, einen is schon haw rut, elwe sin' no' drin.

X hat sich nie des Wahren beflissen,
Im Widerspruche fand ers,
Nun glaubt er alles besser zu wissen,
Und weiß es nur anders.
Goethe, Zahme Xenien II

X Jahr ain Kitz, XX Jahr ain kalb, XXX Jahr ain Stier, XL Jahr ein lev, L Jahr ein fuchs, LX Jahr ein wolf, LXX Jahr ain katz, LXXX Jahr ain hund, LXXXX Jahr ain esel, C Jahr ain gans.

Xantippen werden nicht geboren.
ho] Xantippen werden nog wel geboren.

Xerxes verließ sich auf sein Heer, drum war er geschlagen sehr.

Xerxes verließ sich auf sein Heer;
Allein das Heer auf ihn nicht sehr.
M. Claudius, Ein silbern ABC

Yamendiener sind mutig, wenn sie einschüchtern, betrügen und erpressen. (Yamen war das Amtsgeäude der Mandarine im alten China)

Ydt ys alles kein Gold, dat dar blenckert (blinkt) fyn, vnde wat van sick gifft einen güldenen Schyn.

Ye höher der aff steigt, ie übler er sicht.

Ye jäher, ye vnneher.

Ye mehr der geizig hat, ye mehr jm abgeht.
bm] Lakomec nikdy dost není, by mel vseho sveta jmeni.
fr] Homme chiche n'est jamais riche.
it] L' avaro quanto più ha, tanto più è bisognoso.
la] Avarus non impletur pecunia.
la] Omnia des cupido, sua non perit inde cupido.

Yes, Käpt'n, monk Luken to! Pommern
i] Wie ein einfaches: Jawoll. Alles was mit Schiffern zu tun hat, glaubt und bemüht sich englisch sprechen zu können. Die Redensart gibt eine spöttische Probe, wie solch Englisch zuweilen beschaffen ist. Ähnlich das auch viel gehörte französische: Oui, Möppel, purzlevous die Treppe herunter?

Yhe elter, yhe kerger.
ho] Hoe ouder, hoe kariger.

Yhe lieber kind, yhe großer rothe.

Yhr werdet michs wohl wissen lassen, wenn ich gewinnen sol.
z] So spotten sich selbs di, so nichts gewinnen.

Ym anfang der Christlichen kirchen synd wenig stiffte, kloster und klausen gewesen, und vil Christen; itzt synd vil kirchen, kloster, stiffte und klausen, ia alle winckel voll und synd wenig Christen.
i] Spricht nicht besonders für die segensreiche Wirksamkeit der Kirche.

Yppig lesen hat vil reiner hertzen vergifft.

Z' Bartlmei sein d' Haslnuss frei. Oberösterreich (Die Haselnüsse sind um diese Zeit reif)

Z' Drijöring (12.3.) muess da Wida schwör'n, dass a seinö Schefl ön Feld kann danörn. Oberösterreich (Zusammengezogen aus Sankt-Gregori)

Z' ebenen Füßen laufen (o. springen). (Eilends, so schnell als möglich, gleichsam mit ebenliegenden Füßen)

Z' fin g'schliffe, haut nid. Luzern
hdt] Zu scharf geschliffen, wird schartig.

Z' Hochsig (Hochzeit) goh und z' Gevatter stoh is en Ehr', aber es macht den Geldsack leer. Schweiz

Z' Johanni (24.6.) us den Reben gon und d' Truben blühen lon. Schweiz

Z' Kremsmünster is's finster.
i] Titel eines Flugblattes zur Jubelfeier 1877

Z' Lieb und z' Läd werd eim alls gesäd. Schweiz

Z' Maria Verkündigung kemant d' Schwalim widerum. Oberösterreich

Z' Morgest a Reat'l (Morgenrot), z' Nachts a Keat'l (Köthel, Kot). Unterinntal

Z' Obde isch nit früeh: Wer lang schiebt uf, hät Müeh. Gegend am Thunersee

Z' Rhîfelde uf der Rhîbrugg liit e raui laui rüßig Rehläberen.
i] Schweizer Nachsprechscherz.

Z' Solothurn isch 's Herrepack, z' Längedorf der Bättelsack, z' Oberdorf der Nidlech übel, z' Lomiswyl der Dechel d'über; d' Belcher si d' Schmarotzer, d' Selzecher si d' Chotzer, d' Bettlecher d' Finetlimacher, d' Chrenchner, die si d' Lüt-Uslacher.
i] Geißelspruch

Z' Weg springen, wie eine Katze am Hällig.

Z' wenni und z' vül is 'n Noarnen ia Zül. Steiermark
hdt] Zu wenig und zu viel ist der Narren Ziel.

Z'erst i Sack, z'letzt (z'erst) drus. Luzern

Z'haus hast hundert Augen - draust bist blind!

Z'lötzt, aber nit am lötzesten (lötz = schlecht)! [SpRa] (Last not least)

Z'nächst beim Blut, z'nächst beim Gut. [RSpW] (Ältestes deutsches Erbgesetz)

Z'sprungene Häfe (Töpfe) dauern lang. Oberösterreich

Zâ enem Îr änen, zâ enem erous.

Za Sankt Veit (15.6.) macht man ön vellö Weit. Oberösterreich
z] Sankt-Veit wird in Beziehung zur Heu- und Kornernte gesetzt. Zu dieser Symbolik, welche sicherlich alt Heidnisches auf ihn übertragen ließ, gab wohl auch sein Attribut Anlass. Ein kleines Gefäß mit Flammen, die hin und wieder sogar für Blumen angesehen wurden, ist das Attribut dieses Heiligen, der in einen Kessel voll brennenden Pechs geworfen wurde.

Zachäus ist ein klein Männlein, aber er ist rüstig auf den Beinen.
z] Zachäus ist ein klein Männlein, aber er ist rüstig auf den Beinen, denn er beläufft alle Kirchmessen.

Zag hat kein Glück.

Zag leut haben keyn glück.

Zage haben kein Glück.
mhd] Diu welt ein altez sprichwort hât: ez würde nie eins zagen rat.
mhd] Eins zagen wirt ouch nimer ràt.

Zager sind keine Wager.

Zaghaften Sinns ersteigst du nicht des Lebens Höhn. Publilius Syrus, Spruchverse

Zaghaftes Herz gewann nie die schöne Frau.
en] Faint heart never won fair lady.

Zäh haftet wie Harz am Holz
Am Narren sein Eigendünkel und Stolz. Leop. Jacoby, Cunita

Zäh ist das Eis im Herbst, leicht ist das Eis im Frühling. Estland

Zäh wie ein Händscheleder.

Zäh wie eine Wîte. Schlesien (Ein aus Baumzweigen, besonders Weide oder Birke gedrehtes Band zum Anbinden von Bäumen oder Zusammenbinden von Reisig u. dgl. Man sagt auch: dürr wie eine Wîte, was ich indess nie gehört habe und mir auch widersprechend zu sein scheint, da man nur mit zähen Wîten binden kann.

Zäh wie Hundefleisch.
z] Ordentlich abgeschlachtet, wohl abgehäutet, passend zubereitet und mit einer guten Sauce angerichtet, ist der Hund eine vorzügliche Speise. Das Fleisch ist delicat, rosig und keineswegs hart, obwol das Sprichwort sagt: Dur comme du chien.

Zäher Braten fürchtet stumpfe Messer nicht.

Zäher Mut bekommt (behält) das Gut.
mhd] Staeter muot hat êre und guot, unstaeter muot vil schaden tuot.

Zähl deine Küken nicht, bevor sie ausgebrütet sind. England
en] Don't count your chickens before they are hatched.

Zähl deines Lebens trübe Stunden
Erst nach, wenn du sie überwunden.
Jüdische Spruchweisheit

Zahl dem Jungen eine Kopeke, aber geh und mach die Arbeit immer selber. Estland

Zähl die Knochen und lies die Zähne, zähl nicht des anderen Vieh. Estland

Zähl jede frohe Stund' im Leben,
Zähl deine Tage frei von Pein
Und wisse, was sie dir auch geben:
Noch besser ist es, nicht zu sein.
Byron, Euthanasia

Zähl' über deine Zähne. Warschau
i] Wird gebraucht, wenn jemand die Häupter einer Versammlung zählen will, welches für dieselben schädlich sein soll.

Zahle das Geld her, so kommt die Braut.

Zähle das Geld nicht, bis du's im Sacke hast.

Zähle deine Küken nicht, bevor die Eier ausgebrütet sind. Kanada

Zähle die Küken nicht, bevor sie aus dem Ei sind.

Zähle nicht das Geld, ehe du's im Sacke hast. (Rechne nicht mit Bestimmtheit auf zugesagtes Geld und mache Pläne über dessen Verwendung)

Zähle nicht die Teigblättlein im Kuchen, sonst wird er dir schimmelig.

Zahle oder zapple!
fr] Quand on doit, il faut payer ou agréer.

Zahle, ich will's bar sehen.

Zahle, was du schuldest, und du weisst, was du hast.

Zahle, was du schuldest, und du wirst wissen, was du wert bist. England

Zahle, was du schuldig bist.
la] Debita gratanter persolvas et properanter.
sp] Paga lo que debes, sabrás lo que tienes.

Zahlen beweisen! sagt Brenzenberg. Sprichwörtlich seit 1833

Zahlen ist kein großes Wort, reißt aber Ehr' und Tugend fort.

Zahlen lügen nicht, aber Lügner können zählen (o. rechnen).
en] Figures never lie, but liars can figure.

Zahlen macht Friede.
i] Der regelmäßige Weg, Verbindlichkeiten aufzuheben, ist die Erfüllung derselben.

Zahlen macht ledig (o. Frieden). (Frei von Verpflichtungen)

Zahlen mit bar Geld, das zwingt die Welt.

Zählen und Rechnen ist der Grund aller Ordnung im Kopf; das war eine der Meinungen, die Gertrud am eifrigsten behauptete und die in ihrer Erziehung einen großen Einfluss hatten. Pestalozzi, Lienhard und Gertrud

Zahlen wir die Musik, so wollen wir auch tanzen.

Zahllos sind die Menschen auf der weiten Welt, doch welcher Mann ist schon ein wahrer Held? China

Zahllos sind, die den Herrn
Anbeten. Es schallet sein Ruhm
An des Thrones Höh' und im Staube.
Klopstock

Zahllos wie die Tempel von Pupan. Birma

Zahlpfenning sindt vorm Rechenmeister alle gleich; sie gelten aber, wie er sie setzt.

zahlreich wie Sand am Meer
en] (as) plentyful as blackberries
fr] nombreux comme grains de sable à la mer
it] numerosi come i granelli di sabbia in riva al mare

Zahlst darauf, steigst hinauf (= aufs Pferd), zahlt man (dir) darauf, steigst hinunter (= gehst zu Fuß). Estland

Zahlst du den Arzt nicht, der dich geheilt hat, so hüte dich, wieder krank zu werden. China

Zählt der Krämer, gehen neun aufs Zehnt; rechnet der Käufer, gehen elf darauf. Russland

Zählt ein Mädchen sechzehn Summer, hat sie schon ums Freien Kummer.

Zählt eine Familie auch tausend Münder, Herr ist doch nur einer. China

Zählt wie Juden und einigt euch wie Brüder! Schottland

Zahltag kommt alle Tag.

Zahlungstag und Respekttage.
la] Oculata dies, coeca dies.

Zahlungsversprechen sind Lügen. Kosi, Afrika

Zähme (deine) Zunge, beherrsche (deinen) Sinn. Estland

Zahme Schlangen haben auch Gift.

Zahme Trägheit ist lebend'ger Tod
Und Leben atmet nur der Kampf der Kräfte. Fr. Halm, Sohn der Wildnis, II (Ingomar)

Zahn ist der Zunge nächster Vetter.

Zahn um Zahn. 2 Mos. 21, 24
fr] Chou pour chou.
fr] Dent contre dent le consume.
la] Dentibus dentes atteruntur et absumuntur.

Zähne und Erbe verlassen tut weh.

Zähne, die Brot kauen, sind auch Zähne. (Auch der Friedfertige weiß sich zu wehren)
bm] I to zuby, co zelnou polívku jídají.

Zähne, Zange und Nachttopf: wie reimt sich das zusammen? - Mit den Zähnen kannst du beißen, mit der Zange kannst du reißen und in den Nachttopf kannst du scheißen.

Zahnschmerz geht über Weltschmerz.

Zahnschmerzen lassen sich nicht wegmusizieren.
en] Music helps not the tooth-ache.

Zahnweh entsteht in der Kirche und vergeht im Scheerhaus (o. Abtritt, Scheißhaus).

Zahnweh soll Steinen, Baumstümpfen zuteil werden.

Zahnweh und Ohrenweh sind die schlimmsten.

Zähren sind der Schweiß der Seele.
z] Zähren sind kostbare orientalische Perlein, stille redende Zungen, ein Blut des Herzens, Edelstein des Willens, Strahlen des Verstandes, Tribut der Liebe, ein Wasser der Zuneigung, ein Thau der Andacht, ein Doktor der Schmerzen.
la] Affectus luctus generant in pectore fluctus.

Zähren sind der Witwen wortsprecher und ihre morgensuppe.

Zait und Mait und springen über die Mauer.
i] Von einem Menschen, der lustige Gesellschaft und Lärm liebt. Zait und Mait drücken nur den Lärm eines geschäftigen Haufens aus und sind ohne buchstäbliche Bedeutung.

Zame Hühner beißen (zu zeiten) einander auch, aber sie werden bald wider einig.
z] Also gute freundt werden bisweilen der Sachen auch wohl vneins, aber sie vertragen sich bald vntereinander.
la] Chari rixantur, per se quoque pacificantur.

Zangen und Zungen beißen sich oft selbst eine Scharte.

Zank am Hochzeitsabend tut wehe, und bringt kein Glück in die Ehe.

Zank bei Tag ist das Vorspiel zu einer feurigen Liebesnacht.

Zank bei Tag, ist Liebesanfang zu Nacht.
la] Amantium irae, amoris pyrae.

Zank bringt Schmachwort, Schmachwort bringt Schläge und Wunden.

Zank bringt Zank.

Zank dich nie mit einer Frau.

Zank hat keinen guten Klang.

Zank hebt die Wahrheit nicht. Rußland

Zank im Hause ist wie ein Wurm im Mohn.

Zank ist der Rauch der Liebe. Börne, Der Narr im Weißen Schwan

Zank liebt die Wahrheit nicht.

Zank macht das Leben krank.
sd] Träta och kif gjör stacktot lif.

Zank macht einen schelbigen Kopf nur zorniger.

Zank macht ja dann nichts aus, wenn man sonst gut lebt.

Zank und katzbalg.
la] Bellum tribunicum.

Zank und Streit ist Lebensqual und verdirbt das beste Mahl.

Zank und Streit liebt das Weib ihre ganze Lebenszeit.
la] Nulla fere causa est in qua non foemina litem moverit. Juvenal

Zank vom Zaune brechen.

Zanke nicht mit einem Gewaltigen. Jesus Sirach, 8, 1

Zanke nicht mit einem Schwätzer, dass du nicht Holz zutragest zu seinem Feuer. Jesus Sirach, 8, 4

Zanke nicht, schlag mich lieber. Köthen

Zanken macht den, der es tut, mager, den Juristen feist.

Zanken wie ein Mertzengaul.

Zankend lässt man sich nicht trauen. Finnland

Zänker sind des Nächsten Kränker.

Zänker sind Stänker.
la] Vitilitigatores. (Litium avidi.)

Zänkerei ist des Teufels Jubelei.

Zänkern fehlt's an Worten nicht.
en] Wranglers never want words.

Zänkisch Leut, unselige Leut.

Zänkische Priester, Jungfrauen ohne Scham und Blumen im März nehmen ein elendes (schmutziges) Ende. Dänemark
z] Weit unfreundlicher lauten die Urteile anderer Völker über sie. Die Sarden halten sie für so schädlich, dass sie empfehlen: Die Märzsonne nimm nur im Schritt, d.i. lass dich von ihr nur im Gehen und während der Arbeit bescheinen. Die Märzsonne, sagen sie, drückt ihr Zeichen auf, und die Aprilsonne die Larve. Die Portugiesen: Märzsonne klebt wie Lehm und trifft wie ein Schlägel. In Illyrien heißt es gar: Besser, dass dich eine Schlange beißt, als dass dich die Märzsonne wärme. Namentlich wird ihr eine große Wirkung auf die Hautfarbe zugeschrieben. In Toscana heißt es: März färbt, April malt, Mai macht die Frauen schön. In Bergamo fügt man hinzu: und Juli macht sie zu Scheusalen; während die Venetier mit dem Troste schließen: wer schön ist, wird es im Mai wieder.
ndt] En betchen Märzstof is en'n Dukaen wert. Göttingen
en] A bushel of March dust is worth a king's ransom.
en] March borrow'd of (o. from) April three days and they were ill, they kill'd three lambs were playing on a hill.
en] March grass never did good.
en] March wind and May sun make clothes white and maids dun.
en] The first was frost, the second was snow, and the third as cold, as ever't could blaw. (In einem alten englischen Kalender der römischen Kirche wurden ebenso wohl die letzten drei Tage des März wie die ersten drei des April als Borgtage, borrowing days, angeführt. Die Küstenbewohner Nordenglands nennen bloß die letzten Tage des März Borgtage, von denen sie sagen: en] March borrowed from April three days, and they were ill; the first o'them war wind an' weet, the next o'them war snaw an' sleet, the last o'them war wind an' rain, which gaed the silly pair ewes come toddling hame)
en] The March sun causes dust', and the wind blows it about.
frz-schweiz] Bije dé mâ, vin d'évrié fan le vetsé-she don pai. Vin de mâ bije d'évrí, fanta vina dou paï.
ho] Een drooge Maart is goud waard; een natte Mei geeft boter in de wei.
ho] Een inhoudende Maart is geld waard.
ho] Het maartgras hoort u niet.
it] La nebbia di Marzo non fa male, ma quella d'Aprile toglie il pane e il vino.
it] Tanto bastasse la mala vicina, quanto basta la neve marzolina.

Zanksücht'ger Feigling, dessen Zunge donnert,
Und der das Eisen nicht zu brauchen wagt!
en] Foul-spoken coward, that thunder'st with thy tongue,
And with thy weapon nothing dar'st perform.
Shakespeare, Titus Andronicus II,1

Zankt euch nicht, gebt euch lieber Nasenstüber.

Zankt euch nicht, schlagt euch lieber und kriegt euch bei den Köpfen. Köthen

Zankt euch nicht, sonst kommt der Datte.
i] Ein in Schwaben gebräuchlicher Warnungsruf an Eheleute, die in Unfrieden leben. Die Redensart gründet sich auf eine frühere Sitte in Balingen, wo ein kernfester Mann, Datte genannt, erwählt wurde, um den ehelichen Hausfrieden zu erhalten und nach Umständen wieder herzustellen.

Zankt, wenn ihr sitzt beim Weine,
Nicht um des Kaisers Bart.
Geibel, Von des Kaisers Bart

Zapfen sie nicht Wein, so gibt's doch Bier bei ihnen.

Zapfen und Boden einschlagen.

Zar und Bettler haben keine Freunde. Rußland

Zarenkinder sind junge Sokratesse. Russland

Zarenkot ist auch kein Balsam. Russland

Zarenscheiße ist auch kein Balsam.

Zarenschritte gehen schneller als Wagenräder. Russland

Zarenschritte muss man nach Wersten messen. Russland

Zart Gedicht, wie Regenbogen,
Wird nur auf dunklen Grund gezogen,
Darum behagt dein Dichtergenie
Das Element der Melancholie.
Goethe, Sprichwörtlich

Zart von Art (Natur), wie hart ich ward.

Zart wie ein schwäbisches Gedicht.

Zarte Seelen finden sich.
pl] Milej duszy, gdy jedna drugiej ruszy.

Zarte Süpplein und Meisenriplein bringen auch zarte Püpplein.

Zartem Ohre halbes Wort.

Zarten Seelen ist gar viel gegönnt, sagte Goethe von Carus, der den abstrakten Organismus verfolgt und zugleich Landschaftsmaler ist.
Goethe, Riemer, September 1827

Zartes Anfassen hat die Engerlinge aus der Höhle gezogen. Duala (Bantu)

Zarti Vögeli hend zarti Schnäbeli. Schwiizertütsch

Zärtlein soll nichts, als hinter den ofen, dass er Apfel werd.

Zärtlich wie Pyramus und Thisbe.

Zärtliche Kinder muss man warm baden.
i] Von weichlichen und ausschweifenden Menschen.

Zärtliche Mutter, grindige Tochter.

Zau hoch geliert (gelehrt) en dann verkiert, dat es nüs weth, selvs jod geliert en schlêt maniert, es ouch net rêt, net zau geliert met Deugd (Tugend) geziert en fin maniert - et beiste steht. Aachen

Zauber der Schuljugendfreundschaft: sie macht das Herz sanft und berührt sogar das Nervensystem derer, die kein Herz haben.
Disraeli

Zauberformeln verlieren durch Abschreiben an Kraft.
i] Deshalb hütet man die handschriftlichen Sammlungen sorgfältig, vererbt sie von Generation zu Generation und vermeidet es, so lange es nur geht, sie abzuschreiben.

Zaudern bringt Gefahr (Schaden).
it] L' indugio piglia vizio.
sp] En la tardanza va' el peligro. Cervantes, Don Quixote

Zaudern frisst den Dank der Gabe.

Zaudern ist der Dieb der Zeit.

Zaum und sattel (soll man nicht) mit dem pferd (Gaul) zum schinder führen.

Zaum und Sporen machen das Pferd gut.

Zaum und Zügel anlegen.
sinnverwandt] Zagel und Zopf, Zähne und Zunge, Zaun und Zimmer, Zins und Zehent (appenzeller Kaufbrief), Zeichen und Zeiten, Zeit und Ziel, Zeug und Zimmer, Zieht und Zusage (= Beschuldigung und Anklage), Zweck und Ziel (es muss kommen zu Zweck und Ziel).

Zaum und Zügel halten das Pferd im rechten Gange.
sd] Betsel och töm hålla hästen i styr.

Zäume das Pferd nicht beim Schwanze auf.
en] Don't put the cart before the horse.

Zäume den Esel, wie du willst, du machst doch kein Reitpferd daraus.

Zaun ist des Ackers Mauer und der Himmel ist sein Dach.

Zaun ist Friedensstifter unter den Nachbarn.
isl] Gardr er granna saetter.

Zäun' deine Zäun', sind alle Zäune gezäunt.

Zäune haben Ohren, Wände haben Augen.

Zaunkönige können auf Beute gehen, wo Adler nicht wagen, sich niederzulassen. England

Ze Brisgaw (Breisgrau) in dem Wald, da sind die Wege mannichfalt.

Ze liere (zum lernen) es men ze lêve net se alt, sât et o't Wîf, da lieret se nog hexe. Niederrhein

Ze Thann im Rangen, ze Gebwiller in der Wanne, ze Türkheim im Brand wachst der beste Wîn im Land. Aber gege de Richewîhrer Spore han alli 's Spiel verlore. Elsass
i] Rang oder Rangen ist ein fortlaufender, kleinerer Berghang. Auf dem Rangenberg, auch der heiss Rangen genannt, stand ehemals eine Sankt-Urbans-Kapelle; daher die Zusammenstellung: dass dich der Rangen, d.i. Sankt-Urbans Plag anstoße. Die in Reichenweih wachsenden Weine.

Zech'n Katz'n kunnt' darin koa Maus de'wischet'n. Unterinntal (Um äußerst zerrissene Kleider zu bezeichnen)
hdt] Zehn Katzen können darin keine Maus erwischen.

Zechbrüder geben gute Ehebrecher oder gute Lollbrüder.
la] Boni zechi, magni moechi.

Zechbrüder haben ein schlechtes Gedächtnis, denn sie vergessen, dass sie eben getrunken haben.

Zeche geben.
i] In der Gegend von Nimmtsch für Bescheid sagen, Bescheid geben.

Zeche nicht auf Gottes Kreide.

Zechen ist schön, aber eklich im Katzenjammer sich drehn.

Zechinen machen auch Tauben zu Elstern.

Zecken, Wanzen und das Weinen von Kindern kann man nicht ertragen. Libanon

Zedern und Poeten wachsen nicht auf Kieferbeeten.

Zehen gulden wohlgeraten seind besser als tausend übelgeraten.

Zehen jahr der beste, zwölff jar ein Mörder, zehen ein waiss.
z] Vom Keyser Constantinus ist ein gemein Sprichwort gewesen: Zehn jar u.s.w. dass er als viel verschenckt.

Zehen jahr ein kindt, zwentzig jahr ein iungling, dreyssig jahr ein man, viertzig jahr wolgethan, funfftzig jahr stille stahn, sechtzig jahr geht dichs alter an, siebentzig jahr ein greyss, achtzig jahr nymmer weiß, neuntzig jahr der kinder spott, hundert jahr genad dir gott!
i] Einteilung der Lebenszeit in Altersstufen, die nach den Gesetzen besondere Rechte und Vorzüge besitzen, daher der Richter im Beurteilen der menschlichen Handlungen auch auf das Alter der Menschen sein Augenmerk richtet.
z] Meine lieben Juristen sind so milde, dass sie der männlichen Jugend 28 Jahre Zeit bis zum Manne lassen, in siebenjährigen Zwischenräumen – infans, puer, adolescens, juvenis, vir. Im zwanzigsten ungefähr fängt die Vernunft an, die Oberhand zu erlangen, im vierzigsten die Klugheit (Schonung anderer um unsertwillen), im sechzigsten, wenn wir bald daran müssen, die Weisheit, und das nicht immer. Demokritos
dä] Ti aar et barn, tive aar ung karl, tretti aar en mand, fireti god forstand, femti stille staaer, sexti alder faaer, syvti hvid og graae, otti kand ei for staae, nitti barn igien, hundrede ad graven hen.
fr] Enfant, grandet, adolescent, ieune, home, parfaict, viel, decrepite.
la] Infans, inde puer, adolescens, post iuvenis, vir, senes decrepitus.

Zehend sind gut nähren.

Zehn Achselzucken sind leichter als ein Handauftun.

Zehn alte Weiber, elf Krankheiten.
bm] Sto bab sto nemocí.

Zehn Arme können wohnen in einem Hause zugleich, aber nicht zwei Könige in einem Reich.

Zehn arme Leute haben in einem Hause Raum, aber nicht zwei Könige in einem Lande.
dä] Ti fattige kunne være i et huus, men ei to konger i et heelt land.

Zehn Breslauer um einen Heller, und auch das ist noch zu teuer.
i] Es war im Jahre 1568, als der Tod in Breslau dermaßen wütete, dass von Juli bis Dezember über 9000 Personen starben. Alle frohen Zusammenkünfte waren verboten, alle Häuser, worin sich Kranke befanden, verSchlossen und keine Aussicht zur Besserung. Viele glaubten daher ihre Lage zu verbessern, wenigstens ihr Leben sicherer zu stellen, wenn sie die Stadt verliessen. Scharenweise sah man sie zu den Thoren hinauswanken, aber ihr Schicksal ward nicht gemildert: in keinem Dorfe nahm man sie auf, mit Hunden wurden sie davongehetzt. Zu Zwanzigen verkrochen sie sich hinter den Zäunen und kamen jämmerlich um. Von diesen Geflüchteten galt das obige schreckliche Sprichwort, das nie an einem Orte wieder seine Anwendung finden möge.

Zehn Derwische haben auf einem Teppiche Raum, aber nicht zwei Könige in einem Lande. Türkei

Zehn Derwische können auf einem Teppich schlafen, aber ein ganzes Reich kann nicht zwei Könige halten. Persien

Zehn Dörfer fragen, hundert Höfe wollen. Estland (So prahlen heiratslustige Mädchen)

Zehn Gäule bringen mich nicht dazu, aber elf, wie die Moni aus der Mühle zum Tanz. (Die Moni wurde auf ihre mit obigen Worten ausgesprochene Weigerung von ihren Freunden in einem mit elf Pferden bespannten Schlitten abgeholt)

Zehn gegen eins ist zu wetten, dass das Bauernkind inmitten eines einsamen Feldes Lokomotive spielt.
Gilbert Keith Chesterton, Heretiker

Zehn Geharnischte können einem Nackten kein Hemd ausziehen.
Der Geharnischte deckt sich mit keinem Weidenschild. (Der Starke nimmt keinen Schwachen, der Tapfere keinen Furchtsamen zum Beschützer)

Zehn gute Kinder sind nicht einen bösen Mann wert. Estland

Zehn Handwerck ein Bettler.

Zehn Handwerke, das elfte der Bettelstab.
ho] Zeven handwerken in plaats van één, maken acht bedelaars.

Zehn Hühner und ein Hahn, da kann ein Mann drauf ledig (müßig) gahn.
ho] Zes hennen en een haan, daar kann een man op ledig gaan.

Zehn Hühner und ein Hahn, das ist recht getan.

Zehn in die Tasche, zehn ins Herz, und Zehn ins Kissen. Kaschmir, Indien (Behalte dein Geheimnis für dich)

Zehn in einem Haus können sich vertragen, zwei Weiber aber nie.

Zehn Jahr Besitz ist so gut als ein Friedbann. [RSpW]
i] Eine von den verschiedenen Verjährungsfristen, die unter dem Einflusse des römischen Rechts zur Geltung gekommen sind.
altfries] X jeer besitinghe is ney da riucht also gued so en ferdbann.

Zehn Jahr ein Kind,
zwanzig Jahr ein Jüngling,
dreißig Jahr ein Mann,
vierzig Jahr wohlgetan,
fünfzig Jahr stille stahn,
sechzig Jahr geht's Alter an,
siebzig Jahr ein Greis,
achtzig Jahr nimmer weis,
neunzig Jahr der Kinder Spott,
hundert Jahre gnade Gott.

Zehn Jahr ein Kind, zwanzig das wilde Ding, dreißig ein Mann, vierzig ein Stamm, funfzig mag noch stehen, sechzig abwärts gehen, siebzig alter Greis, achtzig vor allem weiß, neunzig ein Spott, hundert da Gnad' ihm Gott.

Zehn Jahr ein Knab', zwanzig Jahr ein Jüngling, dreißig Jahr ein Mann, vierzig Jahr Stillstand, funfzig Jahr tritts Alter an, sechzig Jahre ein Greis, siebzig Jahre weiß, achtzig Jahre Kinderspott, neunzig hohe Gnad' von Gott, hundert Jahr mit der Axt vorn Kopp.

Zehn Jahr kindisch und klein, zwanzig Jahr ein Jungfräulein, dreißig Jahr eine Frau Simon, vierzig Jahr eine Matron', funfzig Jahre voll Religion, sechzig Jahr wohl auswarten kann, siebenzig Jahr viel hässlicher noch, neunzig Jahr der Welt schab ab, hundert Jahre füllet das Grab.

Zehn Jahre ein Kitz,
zwanzig Jahr ein Kalb,
dreißig Jahr ein Stier,
vierzig Jahr ein Löwe,
fünfzig Jahr ein Fuchs,
sechzig Jahr ein Wolf,
siebzig Jahr eine Katze,
achtzig Jahr ein Hund,
neunzig Jahr ein Esel,
hundert Jahr eine Gans!

Zehn Jahre Krieg führen, nichts gewinnen und jede Schlacht verlieren.
fr] Dix ans de guerre, et une heure de bataille.

Zehn Jahre lang Gutes tun ist nicht genug, einen Tag Böses tun ist zuviel. China

Zehn Jahre sind auch schon alte Zeiten.

Zehn Jahre verfolgt er sie schon, und sie hat noch keine Ahnung davon!
sp] Diez años la seguía ¡y ella no lo sabía!
z] Conviene ser diligente
el que fuere enamorado,
tal que sepa facilmente
a la dama lo que siente...
Horozco, Refranes glosados

Zehn Katzen greifen nicht eine Maus in einem durchlöcherten Haus.

Zehn Kesselflicker reichen nicht an einen Glockengießer. China

Zehn Litauer scheißen ihm das Maul nicht voll.

Zehn Magen werden eher satt als ein Auge.

Zehn Männer vertragen sich eher zusammen in einem Sack als zwei Frauen in einem Hause. Ostpreussen

Zehn Maß Weisheit hat die Welt erhalten; neun davon hat das Land Israel erhalten und einen Teil die übrige Welt. Talmud

Zehn Maß Weisheit kam auf die Welt; neun Maß bekam das Land Israels und ein Maß die ganze übrige Welt; zehn Maß Schönheit kam auf die Welt; neun Maß bekam das Land Israels und ein Maß die ganze übrige Welt. Babylon, Talmud, Kidduschin

Zehn Maße der Rede kamen herab in die Welt, die Frauen nahmen neun, die Männer eins. Hebräisch

Zehn Meilen hinter uns sind nicht so lang als eine vor uns.
i] Der zurückgelegte Weg erscheint kürzer als der, den wir noch vor uns haben.

Zehn Meilen kosten bei den Eselstreibern einen Sus (eine Münze), elf Meilen schon zwei. Talmud
i] Unsere Posten verfahren nach demselben Grundsatz; so und so viel Grammen kosten einen Groschen; 1 Gramm oder auch nur ein 0,00001 Gramm mehr kostet der Brief schon zwei.

Zehn Menschen - Zehn Meinungen.

Zehn Mönche können wohl unter einer Decke schlafen, aber nicht zwei Könige in einem Reich.

Zehn Müller, zehn Schneider und zehn Weber sind dreißig Diebe.
ho] Honderd bakkers, honderd molenaars, honderd kleêrmakers, driehonderd dieven.
it] Dieci sartori, dieci molinari, e dieci tessitori sono trenta ladri.

Zehn Pfenning machen zween Schilling vettern.

Zehn Pferde ziehen keinen Strang, wenn er nicht will.

Zehn Pflaster auf eine Wunde heilen (o. helfen) nicht.

Zehn Phantasten geben erst einen Narren.

Zehn Raben machen keinen Winter und eine Schwalbe keinen Frühling.

Zehn Rosse zögen mich nicht dazu.

Zehn Schneider wiegen hundert Pfund, wenn nicht, so sind sie nicht gesund.
ndt] Tähn Schnîder wîgen hundert Pfund; wenn se 't ne, sid se ne gesund.

Zehn Sorgen hat der Fragende, tausend der Suchende. Estland

Zehn Straßenräuber können einem Nackten kein Hemd ausziehen.

Zehn Stück bedarf ein Mensch zu seinem Leben: Wasser, feuer, Eisen, Salz, Mehl, Honig, Milch, Wein, Öl und Kleid.

Zehn Stunden gebettet und eine Stunde geschlafen.
Viel Vorbereitungen und wenig Handlung.
jüdisch-deutsch] Zehn Schû (Stunde) gebett' ün ein Schû geschlufen.

Zehn suchen das Glück und der elfte findet es. Russland
dä] Lykken fælder saa mange store ned som den reyser smaae op.

Zehn Tael rühren die Götter und hundert Tael den Himmel an.

Zehn Taels (Münzen) bringen die Götter in Bewegung, hundert den Himmel selbst. China

Zehn Teile Schönheit kamen herab in die Welt; Jerusalem erhielt neun und einen Teil die übrige Welt. Talmud

Zehn Versagen sind besser als eine Lüge.

Zehn W sind voller Weh: Wein macht voll, Würffl macht toll, Wagen fällt um, Wolff bringt um, Wald ernährt Dieb, Wand verhindert Lieb, Winter bringt Schnee, Wunde macht weh, Wurm tut nagen, Weib tut die ganze Welt plagen.

Zehn Weise können nicht das entwirren, was ein Narr verwirrt.

Zehn wollen weise sein, einer will es werden.

Zehn, die schreien, bekommen viel mehr als zehn, die ruhig bleiben. Chile

Zehne suchen (sehen) die Gefahr, und einer rettet sich.

Zehnmal ausziehen ist so schlimm als einmal abbrennen.

Zehnmal pflüge, einmal ernte. Estland

Zehnmal überlegt und dann nichts getan.

Zehnmal verbrennen, wird schon wiederkommen, einmal ersoffen, ist nichts mehr zu hoffen.

Zehntausend Flüsse fließen ins Meer, allein das Meer läuft nie über. China

Zehntausend Laster will ich jedem, nur allein
Die Lüge und die feige Bosheit nicht verzeihn.
Und eine einzige Tugend fordert mein Gemüte
Von jeglichem Geschöpf, die leichteste: die Güte.
Spitteler, Olympischer Frühling

Zehntausend Sehende - Zehntausend Blinde.

Zehntausend Soldaten zu finden ist leicht, ein General zu finden schwer.

Zehr ich, so verdirb ich; spar ich, so stirb ich; doch ist besser gezehrt und verdorben, denn gespart und gestorben.

Zehr spärlich vom gewinn.

Zehre heut, dass du morgen auch zu zehren habest.

Zehre kärglich, kleide dich zierlich; man siehet einem auf, nicht in den Leib.

Zehre sparlich vom Gewinn, dass die Nahrung nicht zurin.

Zehrmund muss vor Sparmunds Tür nach Brot gehen.
z] Da man sich auf gut Glück tut begeben zwischen Wohl- und Uebelleben, zwischen Zehrmund und Sparmund reich, welche einander sind gar ungleich, so muss Zehrmund nicht erst verkaufen, vor Sparmundstür um Brod umblaufen; dergleichen muss auch tun Wohlleben, dem Zehrmund einen Gesellen geben. Frau Uebelleb aber und Herr Sparmund reich und begut werden alle Stund.

Zehrt der Mann beim Stern, so ist das Weib nicht fern.

Zeichen der Vornehmheit: nicht daran denken, unsere Pflichten zu Pflichten für jedermann herabzusetzen; die eigne Verantwortlichkeit nicht abgeben wollen, nicht teilen wollen; seine Vorrechte und deren Ausübung unter seine Pflichten rechnen. Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse

Zeichen der Zeit: die Künstler sind Profis geworden; die Amateure Künstler.
Erik Satie

Zeichnen um zu zeichnen wäre wie reden um zu reden. Wenn ich nichts auszudrücken habe, wenn mich nichts anreizt, wenn ich würdige Gegenstände erst mühsam aufsuchen muss, ja mit allem Suchen sie kaum finde, wo soll da der Nachahmungstrieb herkommen?
Goethe, Italienische Reise III, 2.10.1787

Zeichnet mit Taten die schwindenden Gleise
Unserer flüchtig entrollenden Zeit!
Salis, Ermunterung

Zeichnung ist Sprache für die Augen, Sprache Malerei für das Ohr. Joubert, Gedanken und Maximen

Zeig dem Ochsen einen Spiegel oder den bloßen Arsch, das ist ihm einerlei.

Zeig einem Dummen den Finger, und er platzt vor Lachen. Estland

Zeig ich die Fehler des Geschlechts,
So heißt es: Tue selbst was Rechts.
Goethe, Zahme Xenien I

Zeig mir den Mann, und ich zeige dir das Gesetz. Schottland (Auf die Parteilichkeit der damaligen Richter anspielend)

Zeige bei trübseliger Zeit dich tapfer
Und von unerschüttertem Mut; doch lern auch,
Schwellt ein allzu günstiger Wind dein Segel,
Klüglich es einziehn!
Horaz, Oden

Zeige dem lieben Gott nicht deinen Bauch. Massai (Tanganjika)

Zeige dem Toren nicht deinen Finger, damit er dir nicht die (ganze) Hand nimmt. Altgriechisch

Zeige der Raupe keine Blätter. Kongo (Führe niemanden in Versuchung)

Zeige dich nicht tapfer beim Wein, denn viele hat er schon zugrunde gerichtet.
Ben Sira 31, 25

Zeige die Liebe, verbirg den Haß. Ägypten

Zeige man doch dem Jüngling des edel reifenden Alters
Wert, und dem Alter die Jugend, dass beide des ewigen Kreises
Sich erfreuen und so sich Leben im Leben vollende!
Goethe, Hermann und Dorothea 9. Gesang Vs 52f.

Zeige mir den Mann und ich zeige dir das Gesetz.
i] Bestechliche Richter angewandt.

Zeige mir den Wirt, ich zeige dir den Gast.
ho] Wijst mi den weert, ic wise u den gast.
la] Malus cum malo colliquescit voluptate.
la] Sepius est hospes talis qualis suus hospes.

Zeige mir ein Land, wo es keine Streiks gibt, und ich zeige dir ein Land, wo es keine Freiheit gibt.
Gompers

Zeige mir einen Armen, ich will dir einen Schmeichler zeigen.
port] Dai-mo pobre, dar-vo-lo-hei lisonjeiro.

Zeige mir einen Lügner, so zeig' ich dir einen Dieb.
dä] Viis mig en løgner, jeg viser dig en tyv.
en] Shew me a liar and I'll shew you a thief.
fr] La menterie est le premier de tous les maux.
fr] Monstre moy un menteur, je te monstrerai un larron.
ho] Wijs mij een' leugenaar, ik wijs u een' dief.

Zeige mir einen Mann ohne Makel, und ich zeige dir ein Mädchen ohne Fehler.
en] Show me a man without a spot and I'll show ypu a maid without a fault.

Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist.
Christian Morgenstern

Zeige stets dein Bestreben, zu gefallen, und du wirst die Eigenliebe der Leute deinem Interesse verpflichten - eine höchst einflussreiche Fürsprecherin.
Philipp Stanhope Earl of Chesterfield, Briefe über die anstrengende Kunst, ein Gentleman zu werden

Zeige, so viel du kannst, eine immer gleiche, heitere Stirn!
Adolph Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Zeigen macht wahr.

Zeigst du mir das Rauhe, so zeige ich dir das Grobe.

Zeigst du so dich, Lear,
Lebt Freiheit auswärts und Verbannung hier.
en] Since thus thou wilt appear,
Friendship lives hence, and banishment is here.
Shakespeare, König Lear I,1

Zeigt den Kindern nur das Einfache, damit ihr Herz nicht verdorben werde, nur das Unschuldige, damit ihr Geschmack nicht verdorben werde.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Zeigt der Winter bis Dreikönig (6. 1.) selten sein grimmiges Gesicht, dann zeigt er es auch bis Ostern nicht.

Zeigt die Sonne bis elfe sich, neigt sie erst am Abend sich.

Zeigt man dem Schwein und dem Schwiegersohn einmal das Haus, so finden sie ihren Weg schon allein. Spanien

Zeigt nicht, wie hellvergeß'ne Pred'ger tun,
Den stellen Dornenweg zum Himmel andern,
Derweil als frecher lockrer Wollüstling
Er selbst den Blumenpfad der Lust betritt
Und spottet seines Rats. Shakespeare, Hamlet, I, 3 (Ophelia)

Zeigt sich der Glückliche mir, ich vergesse die Götter des Himmels; aber sie stehn vor mir, wenn ich den Leidenden seh'.
Schiller, Theophanie

Zeigt sich eine Felsenritze,
Ist auch schon der Zwerg zur Hand.
Goethe, Faust, II, 2 (Pygmäen)

Zeigt sich klar Mauritius (22.9.), viel Sturm er bringen muss.

Zeigt sich zur Lichtmess (2.2.) die Sonne, so kann man Heu machen. Estland

Zeihen ist besser (leichter), als beweisen.
i] Es ist leichter jemand anzuklagen, als den Beweis der Anklage zu führen.

Zeihen ist leichter als beweisen.

Zeisleinsfutter kriegen die Schulmeister, aber Eselsarbeit müssen sie tragen.

Zeit bekommt man nicht für Geld zu kaufen. China

Zeit besiegt all Traurigkeit.
ho] Met der tijd wordt een man den rouw kwijt.

Zeit bringt alles an den Tag.
la] Tempus omnia reuelat.

Zeit bringt alles herfür.

Zeit bringt alles(, wer warten kann).

Zeit bringt Arbeit.
sd] Dagar gjöra arbete.

Zeit bringt Bescheid (o. Glück).

Zeit bringt das Stroh auf den Markt.

Zeit bringt Getraid (Korn), und nicht der Acker.
la] Annus producit, non ager.

Zeit bringt Leid.
kroat] Ide vrĕme nosi brĕme.

Zeit bringt Rat.
it] Il tempo dà consiglio.

Zeit bringt Rosen und nimmt sie wieder hin.

Zeit bringt Rosen und verwelket sie.
bm] Čas růže přináší.
pl] Gdzie rozum nie, czas pomože.

Zeit bringt Rosen, aber Knöpfe kommen vorher.
z] Frölich wöll'n wir singen, kein trawrigkeit nicht pflegen, die Zeit tut rosen bringen.

Zeit bringt Rosen, die Huren Franzosen.
dä] Tiid giv roser, horer Franzoser.

Zeit bringt Rosen, nicht der Stock.
ho] De tijd brengt rozen.
la] Ager non producit, sed annus.
la] Tempus fert rosas.

Zeit bringt rosen. Luther
la] Clausa aperit tempus.
sd] Med tideu vöxa roser.

Zeit bringt Weisheit und Verstand.

Zeit darf man nicht nehmen, Gott gibt sie umsonst.

Zeit erleidt alle ding.

Zeit fragt nichts nach den Glocken.

Zeit frisst Eisen.

Zeit frisst uns das Herz ab.

Zeit führt eine scharfe Axt.

Zeit gebiert Wahrheit.

Zeit geboren zu werden, Zeit zu sterben.

Zeit gedenkt und vergisst aller ding.

Zeit genug! kam zu spät. Niederlande

Zeit genug, aber zu spät.
ho] Tijds genoeg kwam te laat.

Zeit genug, sagte der Bauer, da bekam er einen Brief mit: Cito, Cito!

Zeit genung und noch wohl getan, darüber bleiben die Wicken im Felde stahn.

Zeit gewinnen.
fr] Pousser le temps avec l'épaule.

Zeit gewinnt, Zeit verliert.
bm] Čas platí, čas tratí.
ho] Tijd verwint.
pl] Czas ptaci, czas traci.

Zeit gewonnen, alles (o. viel) gewonnen.
i] Das listige Lauern ist bekanntlich eine Haupteigenschaft aller slawischen Völker, besonders aber der russischen Diplomatie, welche damit schon recht schöne Resultate erreicht hat.

Zeit gewonnen, viel gewonnen, sagte Faulert, da blieb er im Bett liegen.

Zeit gewonnen, viel gewonnen; Zeit verloren, viel verloren.

Zeit gibt Bescheid.

Zeit gibt Ehre, Zeit gibt Rat, Zeit gibt Künste, Zeit gibt Tat.

Zeit gibt und nimmt alles.

Zeit hat der Ochs, Zeit der Sklave.

Zeit hat Ehr', Zeit hat mehr.
mhd] De tyt heft êr.
la] Omnia tempus habent, conservat tempus honorem.

Zeit hat Ehre und Treue hat Brot.
la] Tempus honore canes et digna fides fore panes.
sd] Tiidh hawer aero ok tro haffwer brodh.

Zeit hat Ehre, sagte Bummler, da ging er aus der sechsten Schenke in den siebenten Krug.

Zeit hat Ehre, sagte die Magd, da sie zur Mettezeit vom Tanz nach Hause ging.

Zeit hat Ehre, Zucht hat Zierde, Maß ist gut.
la] Dulce est desipere in loco. Horaz
la] Nosce tempus.
la] Observato modum, nam rebus in omnibus illud optimum erit, si quis tempus spectaverit aptum.

Zeit hat ehre.
z] Das ist gutter syten leher, czeyt hat allczeyt eher.
mhd] De tyt heft êr.
la] Omnia tempus habent conservat tempus honorem.
dä] Tiden er best middel mod vrede.
ho] Tijd heeft eer.
la] Nosce tempus.

Zeit hat Glück und Heil.

Zeit hebt Streit.

Zeit ist an keinen pfal bunden.
z] Die Zeit geht hin eh man's versicht, lässt sich an Pfosten binden nicht.
mhd] De tyt is nicht an den post gebunden.
la] Horula sive dies firmis non postibus haeret.
dä] Tiden er ikke bunden paa peel, som hest ved hrybbe.
ho] De tijd is aan geen' post gebonden.
la] Cito pede labitur aetas. Ovid
la] Fugiunt freno non remorante dies. Ovid
la] Hora ruit.
la] Stipite momenta nulla sunt fune retenta.
la] Tempus abit subito, firmis nec postibus haeret.

Zeit ist das teuerste kleinod.
ho] De tijd is kostelijk, waar men dien noodig heeft.
it] Chi ha tempo, ha vita.

Zeit ist der beste Prediger.

Zeit ist der Maßstab der Arbeit, wie Geld der Maßstab der Waren ist: und Arbeit wird um so teurer, je weniger man eilt. Bacon, Of Dispatch

Zeit ist der Stoff, aus dem das Leben gemacht ist.
ndt] Tîd gewunnen, is vêl gewunnent
en] Gain time, gain life.
en] Time is everything.
fr] Qui a le temps a la vie.
fr] Qui a temps, a vie.
fr] Qui gagne temps, gagne tout. (Wer Zeit gewinnt, gewinnt alles)
ho] Tijd gewonnen, veel gewonnen.
ho] Tijd gewonnen, winst gesponnen.
it] Chi ha tempo, ha vita.
it] Chi ha tempo, non aspetti tempo.
it] Chi scampa d' un punto, scampa di cento.
it] Col tempo si rimedia a tutto. Passa un' ora, e passine mille.

Zeit ist der Totengräber des Glücks. Estland

Zeit ist des Zornes Arznei.
sd] Tid viel tagas i acht.

Zeit ist die beste Medizin.

Zeit ist ein gnädiger Gott.

Zeit ist ein guter Mann zu vergehen.

Zeit ist ein räuber und dieb.

Zeit ist eindimensionale Ewigkeit. Lohberger

Zeit ist Geld, sagte der Ober und addierte das Datum mit.

Zeit ist Geld, und Geld regiert die Welt.
z] Zeit ist Geld. Aber nur, wenn man keine Zeit hat. Frenzel
z] Zeit ist Geld. Eine harte Währung ohne Konvertibilität. Jeannine Luczak
z] Zeit ist Geld. Wer zu viel hat, kriegt nicht genug. Johann Ludi
z] Zeit ist Geldverschwendung. Wilde
en] Time is money.
fr] En perdant le tems on ne gagne point d'argent.
fr] Le temps, c'est de l'argent
fr] Le temps est un capital.
fr] Le terme vaut l'argent compté.
ho] Tijd is geld.
it] Il tempo è denaro (o. oro, prezioso).
tü] Vakit nakittir.

Zeit ist Geld.
en] Time is money.

Zeit ist Gnade.

Zeit ist Leben und Leben ist Zeit.
i] Darum haushalten mit der Zeit, geize mit Augenblicken.
dä] Som tiden kroner livet, bør livet krone tiden.
la] Tempus est optimus consiliarius.

Zeit ist nur dadurch, dass etwas geschieht, und nur dort, wo etwas geschieht. Ernst Bloch, Tübinger Einleitung in die Philosphie

Zeit ist teurer als Gold.

Zeit ist wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit,
So du nur selber nicht machst einen Unterschied. Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Zeit kann alles lehren.
la] Tempus est optimus consiliarius.

Zeit kann man nicht auf dem Jahrmarkt (o. für Geld) kaufen.
ho] Tijd is een onbetaalbar goed.

Zeit kennt kein Zurück.

Zeit kommt und Zeit vergeht, glücklich, der sie wohl versteht.
fr] Tems vient et tems passe, bien heureux qui le compasse.

Zeit läuft hinweg wie Wasser.
mhd] Tyt lôpt enwech als water.
la] Instar aquae sterilis fugit irreparabile tempus.

Zeit lehrt alle Künste.
it] Il tempo è maestro di tutte l' arti.

Zeit lehrt kramen.

Zeit lehrt Vergessenheit.

Zeit machet alt und naget das Herz ab; zeit machet krank und bringt in das grab.

Zeit macht aus einem Gerstenkorn eine Kanne Bier. Lettland

Zeit macht den Markt.
it] Il tempo vende merce.

Zeit macht den Meister.
la] Multitudo temporis facit experientiam.

Zeit macht die Haare weiß.
jüdisch- deutsch] Die Zeit macht grû die Peije (Haarlocke) ün ändert die Deije (Meinung, Ansicht).
i] Jahre üben ihren Einfluss auf Geist und Körper.

Zeit macht flügge (o. gesund).

Zeit macht Glück und Unglück.

Zeit macht Heu aus dem Gras.
i] Es grüne oder blühe, wie schön es wolle, es muss verdorren.

Zeit macht heu.
i] Sie mäht, wenn auch oft spät.
bm] Čas dĕd, ale s kosou.

Zeit macht krank und gesund.

Zeit macht und tötet d' leut.

Zeit nagt uns das Herz ab.

Zeit nimmts und bringts alles.

Zeit regt Zeit an.
z] Wenn die Reben wieder blühn, rühret sich der Wein im Fasse.
fr] Selon le temps la tempeure.

Zeit stärkt die Freundschaft, schwächt aber die Liebe.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Zeit stillet den Zorn.
sd] Tid stillar wrede.

Zeit tötet Sorgen.
sd] Dagar minska sorger.

Zeit überwindet die Jugend.
en] Time is the rider tat breaks youth.

Zeit und Eifer trocknen Sümpfe aus. Lettland

Zeit und Erfahrung bilden den Verstand.
bm] Čas a příhoda rozumu škola.

Zeit und Erfahrung sind die besten Lehrmeister.
it] Il tempo e l' esperienza generano la prudenza.

Zeit und Geduld überwinden viel Ungemach.
dä] Tiden og talmodighed fortager sorgen.

Zeit und Geduld verwandeln das Maulbeerblatt in Seide. Kroatisch

Zeit und Gelegenheit hat niemand im Ärmel.

Zeit und Gelegenheit machen alle Dinge.
dä] Tiid og leylighed er liv og siæl i alde gjerninger.

Zeit und Gelegenheit machen einen Prediger.

Zeit und gelegenheit macht, dass man übers Böglein schreit.

Zeit und Gezeiten warten auf niemanden.
en] Time and tide tarry no man.

Zeit und Glück ändern sich oft in wenigen Stunden, und oft lacht am Morgen, wer am Abend weint und seufzt. Basken

Zeit und Gram machen gar bald ein junges Gesicht alt.
la] Florem decoris singula carpunt dies.

Zeit und Laune wechseln oft. Korsika

Zeit und Müh weben aus Leinsamen ein Brautkleid.

Zeit und Ort machen den Dieb.
mhd] Tyt unde stede maken den deif.
la] Degenerem faciunt locus atque occasio furem.
ho] Tijd en plaats doen den dief stelen.
la] Tempus conveniens, locus aptus et omnia grata latronem faciunt, quia sunt haec cuncta parata.

Zeit und Raum sind aller Dinge Maß.
fr] Il n'y a rien sur la terre que en temps et en lieu ne se serre.
la] Omnium sub coelo rerum mensurae sunt tempus et locus.

Zeit und stat bringen einer Gab Gnad oder Schaden.

Zeit und stat macht manchen vnflat.
i] Gelegenheit verführt zu manchem Bösen.
sd] Ond gjömmare gjör många tjufoer.
sd] Tilfälle gjör tjufoer.

Zeit und Statt bringen deiner Gaben Gnad oder Ungnad.
la] Dat pyra, dat poma, qui non habet alia dona.

Zeit und Statt bringt manchen Unflat.

Zeit und Stroh macht die Mispeln (Aprikosen) reif.
i] Sie verbessert auch den Wein und reift die Ideen der Menschen.

Zeit und Stund (Weile) sind einander ungleich.
fr] Les jours se suivent, mais ne se ressemblent pas.
la] Horaque non ulli similis producitur horae.
la] Non semper idem spirat ventus.

Zeit und Stund kommt aus Gottes Mund.
ho] En tijd en stond komt uit Gods mond.

Zeit und stund lehrt den dieb stehlen.
ho] Tijd en plaats doen den dief stelen.

Zeit und Stunde bindet man nicht mit dem Seil fest.
sp]Tiempo ni hora no se atan con soga.

Zeit und Stunde rennt durch den rauhesten Tag!
Goethe, Kampagne in Frankreich, 29.9.1792

Zeit und Stunde sind ungleich.

Zeit und Übung machen klug.
fr] Le tems et l'usage, rendent l'homme sage.

Zeit und Umstände ändern die Sachen.

Zeit und Weil' stillt Zorn in Eil'.
la] Hora et mora sunt primae irae medicinae.

Zeit und Wind entfliehen geschwind.
pt] Vai-se o tempo, como o vento.

Zeit verbessert die Weine, aber nicht die Beine.

Zeit verdeckt und entdeckt alles.
la] Quidquid sub terra est, in apricum proferet aetas.

Zeit verkauft die Ware.
it] Il tempo vende merce.

Zeit verlieren, ist ein böser Verlust.

Zeit verloren, alles verloren.
la] Jactura nulla gravior est quam temporis.
la] Temporis jactura nulla gravior.

Zeit verloren, Leben verloren. (Leben besteht aus Zeit) Der Wahlspruch Leibnitzens war: Pars vitae, quoties perditus hora, perit.
fr] Perte de temps, pis que perte d'argent.
it] Agire è vita ed ozio è morte.

Zeit verrät und entdeckt alles.
fr] Le temps découvre la vérité. (Die Zeit enthüllt die Wahrheit)

Zeit verrät und henkt den dieb.
en] Give a thief rope enough and he 'll hang himself.

Zeit verschwenden heißt sich selbst berauben. Estland

Zeit verstärkt die Freundschaft und schwächt die Liebe. Frankreich

Zeit vertan, Geld vertan.
fr] Le temps bien employé fait à cheval.

Zeit verwandelt den Eichbaum in einen Sarg. Livland

Zeit verzehrt (verrät) alle Dinge.
sd] Tiden förnöter alt ting.

Zeit weiset (lehrt, macht) weise.
ho] Tijd wijst zich zelven.

Zeit zu arbeiten, Zeit zu schlafen, Zeit zu sprechen, Zeit zu schweigen.

Zeit zu leben, Zeit zu sterben.

Zeit zu schweigen, Zeit zu reden, Zeit aufzuhören.

Zeit, Ebbe und Flut warten auf niemand.
en] Time and tide tarry for no man.
fr] Le temps et la marée n'attendent personne.
it] Il tempo passa e se ne porta il tutto.
la] Cito pede praeterit aetas.
la] Fugit irreparabile tempus.
pt] Tempo et hora naõ se ata com soga.
sp] Tiempo ni hora, no se áta con soga.

Zeit, gesprochen Wort und Jugend können nicht zurückgebracht werden.
dä] Tid, ord, mødom og ungdom kunne ei igien bentes.

Zeit, sagte die Schnecke, als sie zum Doktor ging.
ho] Geef tijd, zei de koekebakker, en hij ging bankeroet.
ho] Geef wat tijd, zei vader Van Vlenten, want al te haastig is kwaad.

Zeit, so weg, kommt nicht wieder.

Zeit, Stätte und Stunde, Feld, Hasen und Hunde machen manchen wilden Mann; das merck, wer mercken kann.

Zeit, Umstände und Glück machen Reichtum zum Geschick.

Zeit, Wind, Weiber und Glück verändern sich all' Augenblick.

Zeitel mit der Pauk.
i] Zeitel ist ein Frauenname, und man bezeichnet mit der Redensart ein altes Mütterchen. In Winnica (Podolien) lebte eine steinalte Frau, Namens Zeitel, die es noch zu erleben hoffte, bei der Ankunft des Messias voranzugehen und, wie einst Mirjam, die Schwester Mosis, die Pauke zu schlagen. Diese Hoffnung hat ihr den Spitznamen 'Zeitel mit der Pauk' eingetragen.

Zeiten der Ordnung sind die Atempausen des Chaos.
Walter Hilsbecher

Zeiten fordern weder, was die Zeiten gaben: Drum ist's nur gelehnet, was wir Menschen haben. Logau

Zeiten hat es gegeben, Zeiten sind vergangen.

Zeiten langen Glücks zerrinnen oft in einem Augenblick, so wie die heißen Sommertage von einem Gewittersturm verweht werden.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Zeiten, o Sitten!
la] o tempora, o mores Cicero, Cat. 1, 1, 2

Zeiten, Wind, Frauen und Glück ändern sich wie der Mond.
i] Der Mond ist wegen seiner fortwährenden Veränderung das Sinnbild der Unbeständigkeit.
fr] Temps, vent, femme(s) et fortune tournent (et changent) comme la lune.
provenz] Tèms, vènt, femo e fourtuno, Viron coume la luno.

Zeitgenug lässt 's Korn im Felde.
i] Der nachlässige Bauer wird mit seiner Ernte nicht fertig.

Zeitig absatteln müssen.
z] Und darum muss er auch (der Ziegenbock) nach der Regel: Quicquid cito fit, cito perit gar zeitlich wieder absatteln.

Zeitig heraus und mit den Hühnern zu Bette. Böhmen

Zeitig ins Bett und zeitig heraus, bringt Gesundheit und Segen ins Haus.
en] Early to bed, and early to rise, makes a man healthy, wealthy and wise.
la] Ditat, sanctificat, sanat quoque surgere mane.

Zeitig reif, zeitig rot, zeitig weiß, zeitig tot.
ho] Vroeg rijp, vroeg rot; vroeg wijs, vroeg zot.

Zeitig zu Bett und zeitig auf, macht gesunden Lebenslauf.
ho] Vroeg in de veren, vroeg in de kleêren.

Zeitig zum Markt, langsam zum Kruge.

Zeitig zur Herberg und zeitig heraus.
dä] Tilig til herberg, og tilig fraigien.

Zeitige (strenge) Berechnung erhält gute Freundschaft.

Zeitige Aussaat - gute Ernte.
fr] Si tu veux bien moissonner ne crains de trop tôt semer. (Recueil.)

Zeitige birn fallen zuletz in kot.
ndt] Als de bêr ryp is, so velt se gêrne in den drek.
ndt] Wenn de Bire (Birne) ruip es, fällt se meir up'n Dreck, oße up't Regne (Reine). Lippe
ndt] Wenn dei Beer riep is, föllt sei ihre in'n Dreck, as up'n Rosenbladt. Mecklenburg
ho] Eene rijpe peer valt ligtelijk in den drek en wordt van de slakken gegeten.
la] In stercus recidunt pira dum matura frequenter.
la] Pira dum sunt matura, sponte cadunt.

Zeitige Birnen fallen zuletzt in den Kot.

Zeitige Byr (Birne) fält.

Zeitige red kommt wohl, und tut ein wort mehr dann sonst zehen tausent.

Zeitige Rede kommt wohl.
i] Die zur rechten Zeit kommt.

Zeitige Zahlung erhält den Glauben.

Zeitiger dieb verreth sich selber.
la] Dum pyrum maturuit, decidit vel in caenum.

Zeitiger Rat bringt zeitige Frucht.

Zeitiger Zwang und gute Lehr die Jugend bringt zu großer Ehr.

Zeitkrankheit: die Überfunktion der politischen Drüse. Stanislaw Jerzy Lec

Zeitlang ist das beste Heilkraut.

Zeitlich und bald Tun hat doppelt lohn.

Zeitungen liefern große Lügen für klein Geld.

Zeitungen müssen nicht geniert werden.
i] Gazetten, wie Friedrich II. von Preussen, dem der Ausspruch angehört, gesagt hat. Sie sollten in Berlin ohne Censur erscheinen, sonst wären sie nicht interessant.

Zeitungen sind die Spiegel der Welt. James Ellis

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